Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 03/12/2007 09:37 -
Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)
Nachdem sich nun die kritischen Stimmen zum gegenwärtigen neoliberalen Kurs der Globalisierung häufen, enthält diese Schwerpunktseite eine Sammlung von Zitaten aus berufenem Munde, die laufend aktualisiert werden soll.
Nobelpreisträger und Mentor der Theorie zum internationalen Handel Paul Samuelsen im Spiegel-Interview vom September 2005 über die Risiken der Globalisierung
Ich glaube, daß sich in der globalen Welt bei der Einkommensverteilung die Trennung zwischen der oberen Hälfte und der unteren verschärft. Die Globalisierung gibt uns zusätzlichen Wohlstand, aber sie bringt uns ebenso zusätzliche Unsicherheit, Spannungen und ein erhöhtes Maß an Ungleichheit. Vielleicht sollten wir den Prozess ein wenig bremsen.
Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in seinem neuen Buch „Making Globalization Work
Inequality in incomes is the most serious problem with globalization. It seems terribly unfair that in a world of richness and plenty, so many should live in such poverty.
Federal Reserve Chairman Ben S. Bernanke, 25. 8. 2006: Policymakers must ensure that the benefits of global economic integration are sufficiently widely shared
The challenge for policymakers is to ensure that the benefits of global economic integration are sufficiently widely shared--for example, by helping displaced workers get the necessary training to take advantage of new opportunities--that a consensus for welfare-enhancing change can be obtained. Building such a consensus may be far from easy, at both the national and the global levels.
Jean-Philippe Cotis, Chefvolkswirt der OECD, im Interview mit manager-magazin.de: Viele von uns können zu Verlierern der Globalisierung werden
Wir müssen die Fähigkeit der Staaten steigern, die Verlierer der Globalisierung zu kompensieren - auch um den Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Ja, es stimmt: Viele von uns können zu Verlierern werden - aber wir müssen dafür sorgen, dass sie oder er schnell aus dieser Situation wieder herauskommt. Wir brauchen staatliche Institutionen, die schnell und flexibel auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren. Wir müssen Leute umschulen und fortbilden, wir müssen in ihr Humankapital investieren - mit dem Ziel, dass sie möglichst rasch wieder in den Arbeitsmarkt hineinkommen. Wir müssen diejenigen, die die Kosten der Globalisierung zu tragen haben, dazu befähigen, auch die positiven Seiten zu erleben.
Viele kontinentaleuropäische Länder haben eine defensive Form der sozialen Absicherung. Wir geben viel Geld aus, aber wir tun uns schwer damit, die Leute zurück in anständige Arbeit zu bringen. Einige Länder schaffen das übrigens sehr gut, insbesondere die nordischen Staaten. Sie verbinden einen starken Wohlfahrtsstaat mit einer nachhaltigen Steuerbasis. Das erlaubt ihnen, großzügige Sozialsysteme zu finanzieren. Außerdem geben sie viel Geld für Bildung aus, und zwar in einer effizienten Art und Weise. Und am Ende haben sie immer noch Spielraum, ihre Staatsverschuldung zu senken. Was man aber von ihnen lernen kann, ist die Qualität und die Produktivität des öffentlichen Sektors. Daran arbeiten sie sehr hart.
Wir brauchen mehr Geld in den Hochschulen. Wir brauchen Programme, die Kindern aus allen Bevölkerungsschichten den Hochschulzugang erlauben. All das schafft mehr Gerechtigkeit. Es erhöht die Produktivität der Beschäftigten - und es verbessert ihre Fähigkeiten, in der globalisierten Wirtschaft klarzukommen.
Stephen Roach, Managing Director und Chief Economist der globalen Investitionsbank Morgan Stanley: Contrary, to orthodox "win-win" theory, globalization is a highly asymmetrical phenomenon
This takes us to what could well be the biggest challenge in this era of globalization - the ability of the high-wage developed world to convert productivity gains into increases in the labor share of national income. With global trade and production increasingly shifting into the low-wage developing and transitional economies, what I have called the "global labor arbitrage" puts inexorable pressure on real wages in the high-wage industrial world. Some would argue that the worst of the arbitrage is over - as wage inflation now takes off in China and India. Don't count on it. Our estimates suggest that even after five years of double-digit wage inflation in China, hourly compensation for Chinese manufacturing workers remains at only 3% of levels prevailing in the major industrial economies. Today, courtesy of a doubling of the world's work force and an increasingly potent global labor arbitrage, high-wage workers in the industrial world are all but powerless to act. Pressures on high-wage workers in the industrial world are likely to endure for years to come - irrespective, or perhaps because of, the push for higher productivity growth. As a result, I suspect the angst of labor will remain high on the political agenda for the foreseeable future. Contrary, to orthodox "win-win" theory, globalization is a highly asymmetrical phenomenon. Initially, it creates far more producers than consumers. It also results in extraordinary imbalances between nations with current account deficits and surpluses. And it has led to a widening disparity of the returns between labor and capital.
Hillary Clinton im Interview mit der Financial Times vom 3. Dezember 2007
Im Interview bezweifelt die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton den Nutzen einer Wiederaufnahme der Verhandlungsrunde in der Welthandelsorganisation (Doha) und sagt: "Ich bezweifele, daß die Theorien, die den Freihandel untermauern, in der Ära der Globalisierung noch passen. Ich stimme mit Paul Samuelsen überein, dem sehr berühmten Wirtschaftswissenschaftler, der kürzlich schriftlich und mündlich beschrieben hat, wie der komparative Vorteil [Anmerkung Infoportal: Prizip wonach alle vom Handel gewinnen] nicht für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zutreffen könnte, in der wir uns jetzt befinden. Ich will eine umfassendere und nachdenklichere Handelspolitik für das 21. Jahrhundert. Das hat nichts mit Protektionismus zu tun. Es ist eine verantwortliche Politik."
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Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80
- ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in
aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).
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