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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 19/05/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Nach dem Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur vom April 2007 gab es vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen einen kräftigen Anstieg (8,5 Prozent bzw. 275.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung oder Leiharbeitsverhältnissen getragen wird. Das heißt im Klartext, allein bis zu 38 % der Gesamtzunahme an Beschäftigung über ein ganzes Jahr entfällt bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge. Das Wunder am deutschen Arbeitsmarkt ist in der Tat ein Wunder in unsicherer Leiharbeit bis zum nächsten Konjunkturabschwung um die Ecke.

Unter den 15 Alt-Mitgliedern der EU hat Deutschland schon den fünfhöchsten Anteil an Zeitarbeitsverhältnissen (employees with temporary contracts), zu denen die Leiharbeitsverhältnisse gehören, an der Beschäftigung (Abb. 12445). Was noch schlimmer ist: Nur in Italien und den Niederlanden ist dieser Anteil seit 2000 stärker gestiegen als in Deutschland (Abb. 12446).



Abb. 12447 zeigt den steilen Anstieg der Beschäftigung auf der Basis von Zeitverträgen vor allem in den letzten Jahren.


Die Zunahme an Zeitarbeit in 2006 entsprach fast 2/3 des Rückgangs an Arbeitslosigkeit (Abb. 12448). Diese prekäre Situation dürfte sich nun in 2007 noch verstärken.


Die Zeitarbeit boomt. Nach Mitteilung der IG-Metall findet in 88 % der Betriebe Zeitarbeit statt, und in 52 Prozent dieser Betriebe fallen Stammarbeitsplätze weg und werden durch Leiharbeiter ersetzt. Die Zahl der Leiharbeiter hat sich in zehn Jahren in Deutschland mehr als verdreifacht. Die Bezahlung ist bei einem Nettoeinkommen von zwischen 830 und 950 Euro oft ein Hungerlohn für eine qualifizierte Vollzeitarbeit.

Nach einem Bericht im ZDF Frontal21-Programm vom 15. Mai 2007 bezahlen Zeitarbeitsfirmen ihren Mitarbeitern häufig die Hälfte von dem, was sie von ihren Kunden, den Unternehmen, kassieren. Beispielsweise gibt es im BMW-Werk Leipzig Zeitarbeiter, die als Facharbeiter arbeiten, aber nur als einfacher Helfer mit netto 831 Euro im Monat bezahlt werden. Von den rund 3.500 Beschäftigten sind mehr als 1.000 Leiharbeiter - fast jeder Dritte. Ein festangestellter Facharbeiter verdient am BMW-Band rund 2.500 Euro brutto, der Leiharbeiter erhält für die gleiche Tätigkeit nur 1.285 Euro - gerade einmal die Hälfte. Schon seit Jahren ersetzen Zeitarbeiter große Teile der Stammbelegschaft. Von dem neuen Tarifabschluss der IG Metall haben Zeitarbeiter praktisch gar nichts. Und wenn Du schon mal als Leiharbeiter für BMW arbeitest, kannst Du Dich 1000 Mal bewerben, und hast niemals die Chance, bei BMW auf einen normalen Arbeitsplatz reinzukommen (so ein Zitat aus der Sendung).

Und so sieht es oft aus: Die Zeitarbeitsfirma kassiert für eine verliehene Hilfskraft rund 2.100 Euro. 400 Euro zahlt sie davon für Sozialabgaben. 1.000 Euro behält sie für sich. Für den Leiharbeiter bleibt der Rest von gerade einmal 700 Euro. Trotz Arbeit bleibt der Leiharbeiter also auf Hartz IV-Niveau.

Das Unternehmen Randstad ist Marktführer der Zeitarbeitsfirmen und nach eigenen Angaben der größte Arbeitsplatzschaffer Deutschlands. Es machte im ersten Quartal 2007 einen Nettogewinn von über 70 Mio Euro. Im letzten Jahr verzeichnete es ein Wachstum von 40 % und überschritt die Umsatzmilliarde.

Man muß sich vergegenwärtigen, was es für die deutsche Volkswirtschaft bedeutet, wenn die Einkommen der Zeitvertragsarbeitnehmer, Beamten, Arbeitslosen, derer in der so genannten Stillen Reserve, Rentner, Versorgungsempfänger seit Jahren weitgehend eingefroren und der Inflationsentwertung ausgeliefert sind. Abb. 12449 zeigt, daß Arbeitnehmer mit einem normalen Dauerjob und Selbständige nur etwas über 40 % der Bevölkerung ausmachen, und von den Arbeitnehmern mit einem Dauerjob werden noch sehr viele schlecht bezahlt sein.


Auf die ZDF-Sendung hat mich ein Besucher meiner Webseite aufmerksam gemacht, der dazu anmerkt: „Das ist Lohnsklaverei, nichts anderes! Die Arbeitslosen müssen zu solchen miesen Bedingungen arbeiten, da sie auch seitens des Arbeitsamtes stark unter Druck gesetzt werden. Aus dem militärischen Sprachgebrauch angeleht möchte ich hier das Wort ‚verheitzen' gebrauchen, nur ist es dieses mal die ‚Arbeitsfront'. Arm, ausgenutz und bald verbaucht. Dies werden dann die Renter der Zukunft sein, die 500 EUR Rente haben und ihr ganzen Leben gearbeitet haben. Unglaublich. Wo ist da noch die Moral? Ist dies das Jobwunder in Deutschland? Wenn ja, dann möchte ich mir einen Jobabschwung gar nicht vorstellen.


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