Hier stelle ich Ihnen zum beliebigen Nachschlagen eine immer wieder aktualisierte Übersicht in zwei Teilen zur Verfügung. Teil 1 ist die auch als Rundbrief häufiger erscheinende Darstellung der Fieberkurven der Finanzmarktkrise, wobei auch die USA, Japan und China angeleuchtet werden. Teil 2 enthält die Krisenzeichen aus der Realwirtschaft. Jeder kann sich anhand der Abbildungen selbst eine Meinung bilden. Krisenwache soll auch gegen die derzeitige Regierungspropaganda halten, die ein stark geschöntes Lagebild vermittelt.
Die Absenkungen des Zentralbankzinses zeigt, wie die Notenbanken die Krise nachvollziehen (Abb. 03774).

Ein anderes Barometer sind die Kurse der Börsen, vor allem in USA, Japan und Deutschland, die trotz einer teilweisen Erholung in den letzten Monaten noch immer um 40 % unter den Werten vor Ausbruch der Krise liegen (Abb. 03712) und in Deutschland die Kurse wichtiger Banken, die 70 % und mehr ihres Wertes verloren haben (Abb. 03752). Der Absturz ist weiterhin steiler als in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre (Abb. 03950).



Ein weiteres Krisensymptom sind wild ausschlagende Kurse von Dollar, Pfund, Yen, Renmimbi und Rubel gegenüber dem Euro (Abb. 03811).

Der Itraxx zeichnet die Versicherungsprämie für Unternehmensbonds unterhalb des Investmentgrades AAA nach. Er liegt mit 7,4 % gegenüber 1,8 % vor der Krise noch immer in gefährlicherer Rekord-Höhe, die die Unternehmensfinanzierung am Kapitalmarkt erheblich behindert und eine Welle von Unternehmenspleiten andeutet (Abb. 03636).

Derzeit steigen weltweit auch wieder die Zinsen langfristiger Regierungsbonds (Abb. 03953), was die Zinsen für Anleihen und Hypotheken, die sich daran orientieren, mit nach oben zieht und die Unternehmensfinanzierung und die Situation am Immobilienmarkt weiter erschwert.

Da die Krise aus den USA, der bei weitem weltgrößten Volkswirtschaft kommt, sind auch einige Indikatoren von dort zu verfolgen, vor allem die in der Tendenz trotz leichter Abschwächung im 1. Quartal 09 stark abrutschende Wirtschaftsleistung (Abb. 05085), die immer weiter (wenn auch zuletzt etwas verlangsamt) zusammenbrechenden Hauspreise (Abb. 03714), die weitere Einbrüche bei den miesen international gehandelten Hypothekenpapiere erwarten lassen. Das Volumen der ausstehenden Bonds, die mit Vermögenswerten unterlegt sind (ABS) ist enorm gefallen, ohne daß sich hier ein Abschwächung andeutet, und zeigt die Probleme mit der Unternehmensfinanzierung in USA auf (Abb. 03715). Ebenso deutet die wenn auch erheblich verminderte, so doch noch immer relativ hohe Differenz im Zins zwischen Bonds mit und ohne Investmentgrad von 1,8 Punkten darauf hin, daß eine erhebliche Pleitequote bei den Unternehmen erwartet wird (Abb. 03794).




Ein weiteres Krisenzeichen aus USA ist die hochschnellende Arbeitslosigkeit, seit 2007 schon 8 Millionen Arbeitslose mehr (Abb. 05097).

Der private Verbrauch fällt in der Tendenz immer noch (Abb. 05117), der Einzelhandelsumsatz seit Juni 2008 um 13 % (Abb. 05095). Die Verkäufe neuer Häuser sind erheblich zurückgegangen, auch wenn sich der Zustand jetzt erst einmal stabilisiert hat (Abb. 05074).



Die Fed und die US-Regierung versuchen, mit einer gigantischen Geldschöpfung gegenzusteuern. Das zeigt sich auch in den von der Fed ausgewiesenen Bar-Reserven (Abb. 05110), aber vor allem in der Gesamtbilanz (Abb. 05174).


Die japanischen Exporte haben gegenüber Dezember 07 rund 45 % verloren (Abb. 03833). Unter dem Druck der Krise hat auch die Industrieproduktion erheblich nachgegeben.


Die exportorientierte chinesische Wirtschaft ist vom weltweiten Einbruch der Nachfrage stark betroffen. Der Export, der noch in den vorangegangenen Monaten hohe zweistellige Wachstumsraten erreichte, hat in steilem Absturz seit November 2008 auf Schrumpfung geschaltet (Abb. 08160).

Nicht zuletzt deswegen brechen auch Zuwachs von Industrieproduktion und Wirtschaftswachstum erheblich ein (Abb. 08130, 08017).


Am unmittelbarsten verrät sich die Krise in der stagnierenden Entwicklung des privaten Verbrauchs (Abb. 14010) und der vom Trend her negativen des Einzelhandelsumsatzes (Abb. 04943, 12922).



Aber auch in den Daten für KfZ-Produktion (trotz Abwrackprämie) und Export (Abb. 14646) und die Aufträge im Baugewerbe (Abb. 14605) zeichnet sich die Krise weiter ab.


Der negative Druck auf die Realwirtschaft zeigt sich gegenwärtig, trotz zuletzt leichter Abschwächung, sehr deutlich in der Industrie durch eine stark negative Auftragsentwicklung (Abb. 04569). Das gilt aber auch für den Produktionsindex (Abb. 04306) und den Umsatzindex (Abb. 04910).




Die deutschen Aufträge stürzen noch stärker ab als die der anderen Alt-EU-Länder (Abb. 13559).

Der Fall der deutschen Industrieproduktion ist bisher steiler, als die weltwirtschaftliche Entwicklung in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre (Abb. 03946).

Die deutsche Vorzeigebranche Maschinenbau verzeichnet ebenfalls einen enormen Auftragseinbruch (Abb. 14647).

Wegen der starken deutschen Exportabhängigkeit überträgt sich die Krise bei den meisten Handelspartnern inzwischen voll auf Deutschland und seinen Export mit einem Minus von 16 % gegenüber Vorjhr im März 2009 (Abb. 14631).

Der Exporteinbruch ist bisher viel steiler als seinerzeit in den 30er Jahren in der Weltwirtschaft verzeichnet (Abb. 03947).

Besonders stark bricht der PKW-Export ein, der fast 3/4 der deutschen Produktion ausmacht (Abb. 14640).

Zahlen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen jeweils zwei Monate nach Quartalsende vor. Nach den jüngsten Angaben wurde im März an 1.25 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt (Abb. 14615). Die Inanspruchnahme für konjunkturelle Kurzarbeit ist im ersten Quartal steil angestiegen und hat sich von Dezember auf März um 911.000 erhöht. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Kurzarbeiterzahl insgesamt um 1.1 Millionen gestiegen. Spätestens wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft, überträgt sich der Effekt in die Arbeitslosigkeit.

Relativ unbehelligt von statistischen Manipulationen ist auch die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage einzuordnen, die von der Bundesagentur als "Stellenindex BA-X" monatlich bekannt gegeben wird. Dieser Index ist laut Bundesagentur der aktuellste Stellenindex in Deutschland und beruht auf konkreten Stellengesuchen der Firmen. Er signalisiert die Einstellungsbereitschaft und bildet die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage am ersten Arbeitsmarkt ab. In den saisonbereinigten Index fließen die bei der BA gemeldeten ungeförderten Stellen für "normale" sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, die Stellen für Freiberufler und Selbständige sowie die gemeldeten Stellen aus der privaten Arbeitsvermittlung ein. Verglichen mit dem Juni 2008 lag die Arbeitskräftenachfrage insgesamt mit 49 Punkten im Minus, im Mai lag der Vorjahresabstand noch bei -43, im April bei -34. Die Arbeitskräftenachfrage erreicht damit den niedrigsten Stand seit Juli 2005. (Abb. 14616).

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres 2008 Monat für Monat immer stärker abgeschwächt und ist im März erstmals negativ geworden (Abb. 14041).

Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % immer mehr ab und geriet seit März in wachsendes negatives Terrain, im Juni fast 10 % (Abb. 04772).


Die letzte Prognose der OECD erwartet für Deutschland in 2009 eine Rezession von minus 5,3 des Bruttoinlandsprodukts und setzt Deutschland mit Japan an das Ende aller größeren Länder (Abb. 13689).

Auch der EU-Stimmungsindikator zeigt seit Monaten nach unten (Abb. 06085).

Unter den auf Umfragen beruhenden deutschen Indikatoren zeigen alle inzwischen weiter, wenn auch teilweise abgeschächt, auf Krise: Erwartungsindex der Verbraucher (Abb. 04917), der Ifo-Index der Unternehmen (Abb. 14584), der Index der Finanzmarktexperten (Abb. 04762) und der sehr renomierte Markit-Index der Einkaufsmanager (Abb. 14613).



