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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 05/07/2007 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Neben Großbritannien, das Tony Blair jahrelang als Beispiel für Europa verkaufte, preisen die Neoliberalen in Deutschland vor allem die USA als Vorbild für ein erstrebenswertes Wirtschaftssystem an. In der Tat breitet sich dieses System immer stärker um den Globus herum aus, wobei ihm in jüngerer Zeit besonders mehrere EU-Beitrittsländer zugewachsen sind und damit das neoliberale Element in der EU weiter stärken. Die Entwicklung dieses Modells in den USA verlief ziemlich natlos über die Monetaristen mit Milton Friedman von der sogenannten Chicago School, der den staatlichen Einfluß dezimieren wollte und sich für einen „laissez-faire Kapitalismus" einsetzte, die verschiedenen Angebotstheoretiker, Reagonomics, Clintons „New Democrats" bis zu den heute tonangebenden rechtskonservativen Bush-Republikanern, die sich das Ziel einer weltweiten Verbreitung ihres neoliberalen Konzepts gesetzt haben. Dabei stammen die keine Sozialbindung kennenden amerikanischen Eigentumsvorstellungen noch aus der Siedlerzeit und haben sich neuerdings mit dem religiösen Fundamentalismus vermengt.

Wie bei Großbritannien bewundern die deutschen Anhänger das geringe Niveau an Arbeitslosigkeit - meist jedoch ohne die vielen Schattenseiten der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu hinterfragen. Hierzu einige kritische Schlaglichter:

I. Wachsende Ungleichheit und private sowie öffentliche Verschuldung

Die USA haben die bei weitem größte Ungleichheit in der Einkommensverteilung unter allen hochentwickelten Industrieländern. Der Vergleich zu Deutschland fällt sehr deutlich aus: in den USA ist der Unterschied zwischen dem Anteil am Gesamteinkommen der 10 % Spitzeneinkommen und dem der 10 % untersten Einkommen mehr als doppelt so groß. Das obere Fünftel monopolisiert nach einem unaufhaltsamen Aufstieg (Abb. 12552) etwas mehr als die Hälfte aller Einkommen (Abb. 12010). Da kann es nicht überraschen, wenn die Federal Reserve in "Recent Changes in U. S. Family Finances" auch ein ungleiches Anwachsen der Vermögen feststellt, nämlich in der Gruppe der 10 % Spitzeneinkommen zwischen 1992 und 2001 um mehr als 90 %. Das eine Prozent der Familien an der Spitze besaß bereits 30 % aller Vermögenswerte, die obersten 10 % sogar 65 % (Wert für Deutschland: 47 %) Der Trend zu immer mehr Ungleicheit dürfte sich in den letzten Jahren fortgesetzt haben, zumal sich die Aktienmärkte inzwischen wieder erholt haben. Symptomatisch dafür ist der Anstieg der Zahl der Millionäre von denen es 2006 bereits 7,9 Millionen gab.



Dagegen galten bei 37 Millionen Armen im Jahr 2005, oder fast 13 % der Bevölkerung, 18 % aller Kinder unter 18 Jahren als arm. Der Anteil aller in Armut lebenden Amerikaner liegt nun höher als in den 70er Jahren trotz mehr als 30 Jahren Wachstum der amerikanischen Wirtschaft.

Seit Jahren wächst die private Verschuldung steil an - Reflex eines Landes, das weit über seine Verhältnisse lebt (siehe Abb. 03469). Die private Verschuldung baut teilweise auf dem von einer enormen Hauspreisblase abgeleiteten angeblichen Reichtum auf (siehe hier). Der Immobilienboom war der größte in der amerikanischen Geschichte, ist aber 2007 erst einmal zu Ende gegangen. Die Zahl der Zwangsverkäufe wächst. Im 1. Quartal 2007 kam es zu einem neuen Rekord an eröffneten Verfahren. Parallel zur Verschuldung ist die Sparquote immer mehr zusammengebrochen (12043) und liegt weit unter der anderer Vergleichsländer (siehe Abb. 12041). Praktisch sind die persönlichen Ausgaben dem verfügbaren persönlichen Einkommen davongelaufen, oder ist das Einkommen nicht mehr ausreichend gestiegen.




Die öffentlichen und privaten Schulden der USA erreichte Ende 2006 den astronomischen Betrag von etwa 43 Billionen US$ (öffentliche 6,9 Billionen $, private 36,5 Billionen $). Das ergibt etwa 379.000 US$ für jeden Haushalt in den USA.


Das amerikanische Handelsdefizit ist bereits in die jährliche Größenordnung von über 700 Milliarden Dollar explodiert, und der negative Trend hat sich bisher trotz Dollarabwertung nur wenig abgeschwächt (siehe Abb. 0302). Das Leistungsbilanzdefizit insgesamt betrug 2006 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Um dieses enorme Defizit zu finanzieren, sind die USA zum größten Kapitalimportland der Welt geworden.


II. Krise der Sozialsysteme

46 Millionen Menschen oder fast 16 Prozent haben keinerlei Krankenversicherung - ein Anstieg um acht Millionen Menschen im wesentlichen aus der Amtszeit Präsident Clintons. Nach Angaben des amerikanische Ärztebunds (AMA) steigt dieZahl in jüngster Zeit deutlich an, da immer mehr Arbeitgeber aus Kostengründen darauf verzichteten, ihre Angestellten zu versichern. Da in der Regel auch die Familienangehörigen des Arbeitnehmers mitversichert sind, steige die Zahl der Nichtversicherten stetig an. „Das bedeutet, dass ernste Krankheiten wie Krebs oder koronare Herz- und Kreislaufleiden entweder gar nicht oder zu spät diagnostiziert werden", so AMA-Präsident Dr. J. Edward Hill.

Die staatliche Altersversorgung deckt nur etwa die Hälfte der Alterseinkommen. Wie in Großbritannien sind weitgehend private Pensionssysteme der Unternehmen an die Stelle staatlicher Vorsorge getreten. Die haben dann zwei Drittel des Kapitals in Aktien investiert. Im Durchschnitt basieren die Systeme auf der Annahme eines boomenden Aktienmarktes mit jährlichen Erträgen auf das angesammelte Vermögen von fast neun Prozent, während tatsächlich in den vergangenen Jahren nur wenig mehr als ein Prozent erzielt wurde. Eine Studie von Wilshire Associates schätzt, daß bereits 81% der bilanzierten amerikanischen Rentenkassenfonds Defizite aufweisen. Das Defizit aller Pensionskassen zusammen wird auf 354 Milliarden $ geschätzt. Unter Berücksichtigung der Fonds mit kleineren Defiziten soll es sogar bei 450 Milliarden $ liegen.

Der Staat betreibt eine teilweise staatliche Rückversicherung dieser privaten Systeme (PBGC), um wenigstens Mindestzahlungen zu sichern. PBGC zahlt inzwischen Renten an mehr als 1 Million ehemaliger Arbeitnehmer von LTV Steel, Bethlehem Steel, TWA, Pan Am, US Airways, United Airlines und Eastern Airlines. Altersrente aus diesem Topf gibt es jedoch erst ab dem 65. Lebensjahr gezahlt und bis zum Höchstbetrag von 45.614 $ pro Jahr. Auch stehen die PBCG-Mittel in keinem Verhältnis zu der wachsenden Unterdeckung der privaten Pensionssysteme. Unternehmensrenten sind im Konkurs nicht mehr sicher, seit United Airlines die vom Konkursrecht vorgesehene Präferenz für Pensionszahlungen vor Gericht erfolgreich angreifen konnte. Seitdem ist das Defizit der PBGC auf 23,3 Milliarden $ gestiegen. PBGC verfügt nur noch über 39 Milliarden $ Reserven für kurzfristig absehbare Verpflichtungen in Höhe von 62,3 Milliarden Dollar. Nach Ansicht des Präsidenten des amerikanischen Bundesfinanzhofs ist PBGC "virtuell" bankrott; d.h. die Regierung wird PBGC aufstocken müssen. Allerdings ist sie nach derzeitiger Rechtslage ab 2020 von dieser Verpflichtung frei.

Da andererseits nur wenig mehr als die Hälfte der Amerikaner Ersparnisse für die Rentenzeit ansammelt, braut sich hier ein enormes Problem zusammen. Bereits Zwölf Prozent der US-Arbeitnehmer glauben nicht, dass sie jemals in Rente gehen können. Das geht aus einer Studie des John J. Heldrich Centers der Rutgers Universität in New Jersey hervor. Bei der letzten Erhebung vor fünf Jahren lag der Wert noch bei sieben Prozent. Dagegen sank die Zahl derer, die fest damit rechnen, in Rente zu gehen, im gleichen Zeitraum von 29 auf 25 Prozent.

III. Entindustrialisierung und Arbeitszeitausbeutung

Der Anteil von Industriearbeit liegt nach ständigem Rückgang nur noch bei knapp 11 % (Abb. 12011). An die Stelle hochqualifizierter Industriebeschäftigung ist viel stärker noch als in Deutschland und Frankreich eine Berufsstruktur getreten, die von - oft niedrig bezahlten - Dienstleistungsjobs und Teilzeitarbeit mit häufigem Berufswechsel ("hire and fire") bestimmt ist. Die amerikanische Wirtschaftsleistung beruht vor allem auf einem sehr hohen Niveau von Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit. Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit übersteigt die deutsche um mehr als 1/4 (Abb. 12012).



IV. Öffentliche Infrakstuktur

Die öffentliche Infrastruktur ist vor allem im Gesundheitswesen und bei normalen, nicht-privilegierten Schulen, erheblich schlechter als in Deutschland oder Frankreich. Das gilt vor allem für die Ausstattung mit Krankenhausbetten und Ärzten (Abb. 12013).

Der Kieler Gesundheitssystem-Forscher Fritz Beske hat die Gesundheitssysteme von 14 führende Industrienationen verglichen und dabei die schlechte Lage in Großbritannien und USA festgestellt. Das deutsche Versorgungsniveau liegt an der Spitze vor dem von Österreich, Belgien, Schweiz, Niederlande, Japan, Frankreich, Dänemark, Schweden, Kanada, Italien, Großbritannien, Australien und USA.

V. Kriminalität


Die sozialen Diskrepanzen haben zum Entstehen einer Unterklasse und in der Folge eines Justizsystems beigetragen, das sich nicht zuletzt in einer unter westlichen Industrieländern einmalig hohen Gefängnisbevölkerung dokumentiert, die im Vergleich zu Deutschland per 100.000 Einwohner achtmal höher liegt.

VI. Umwelt

Mit einem weit überdurchschnittlich hohen Verbrauch an Umweltressourcen leben die USA in global gefährlicher Form jenseits des Nachhaltigkeitsgebots (Abb. 05002). Sie sind bisher nicht bereit, dem Kyoto-Protokoll zur Verminderung von Emissionen beizutreten, obwohl sie pro Kopf mit Abstand an der Spitze aller größeren Länder in der Emissionsrate stehen (Abb. 07006). Sie hierzu auch Schwerpunktthema Umwelt sowie USA und Öl).




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Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.