Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 16/03/2007 09:37 -
Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)
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Das Thema „Umwelt" darf bei einer kritischen Auseinandersetzung mit der neoliberalen Form der Globalisierung nicht fehlen. Unter ihr leiden nicht nur sehr viele Menschen in Deutschland und anderswo sondern auch unsere natürliche Umwelt und dann deshalb erneut die Menschen.
Zum neuesten Klimabericht der UN siehe besonderen Schwerpunkt.
Zu den EU-Klima-Emissionsbeschlüssen siehe besonderen Schwerpunkt.
I. Ressourcenverbrauch
Der sich als globaler Lebenstil ausbreitende und auf dem neoliberalen Konzept aufbauende „American Way of Life" gefährdet zunehmend das ökologische Gleichgewicht des Planeten und seine natürlichen Resourcen. Besonders die Amerikaner greifen weit überdurchschnittlich auf diese knapper werdenden Ressourcen zurück (Abb. 05002).


Da sich dieser Lebensstil nun zunehmend in die Schwellenländer, vor allem Asiens, hineinverbreitet und da die Weltbevölkerung - bei stark zunehmender Urbanisierung (Abb. 0703) - insgesamt immer noch wächst (Abb. 0705), werden die Folgen für Umwelt und Resourcen zunehmend spürbar.


Der Weltverbrauch an Energie (Abb.0706) und Frischwasser (Abb.0708) zeigt dies deutlich.


Vor allem expandiert der Weltölverbrauch (Abb. 0707) und steigen dementsprechend die Ölpreise angestiegen (Abb. 07010).


Bei weitem den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Öl leisten sich die USA (siehe 07019 und auch USA und Öl).

Dabei hängt der hohe Ölverbrauch der USA zu einem großen Teil mit der im internationalen Vergleich besonders schlechten Energieeffizienz amerikanischer Kraftfahrzeuge zusammen. Sie ist seit Mitte der 80er Jahre noch schlechter geworden ist (Abb. 07016). Das liegt z.T. an dem großen Markterfolg der SUVs (sport utility vehicles), praktisch kleine Lastwagen für den Privatgebrauch, die nicht den für PKWs sonst vorgeschriebenen um ein Viertel besseren miles per galone Wert erreichen müssen. Die US Regierung erwartet einen weiteren Anstieg der CO2-Emissionen bis 2025 um 37 %. Ein großer Teil kommt vom Kraftfahrzeugverkehr, der wegen Widerständen im Congress bei der Verabschiedung der neuen Energy Bill inkonsequenterweise von schärferen Auflagen verschont wurde. Die amerikanischen Werte vergleichen sich sehr ungünstig mit denen in Europa und vor allem in Japan (Abb. 07020).




Der IWF erwartet, daß in China schon in 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden (Abb. 07030). Der Welt-Bestand an PKW expandiert geradezu gespenstisch (Abb. 07047).


Unter dem Druck des expandierenden Verbrauchs ist die Reservekapazität für die Ölförderung erheblich zurückgegangen. Seit 1970 wurde jedes Jahr mehr Öl verbraucht als neu gefunden. Derzeit liegt die Reservekapazität nur bei etwa 2 Millionen Faß, während es Mitte der 80er Jahre noch 10 Millionen Faß waren. Saudi-Arabien, das Land mit der größten und derzeit fast einzigen Reservekapazität, warnt, daß die OPEC-Länder die erwartete westliche Nachfrage nach Öl in 15 bis 20 Jahren nicht mehr decken können. Nach Projektionen der International Energy Agency müßte die OPEC-Produktion bis 2020 von derzeit 30 Mio auf 50 Mio Faß/Tag hochgefahren werden. Saudi-Arabien befürchtet in dieser Hinsicht ein Defizit von etwa 4,5 Mio Faß/Tag in seiner eigenen Produktion.


II. Die Folgen

Ed Brook von Oregon State University hat den enormen Anstieg der verschiedenen Treibhausgase über die Jahre seit Beginn der industriellen Revolution auf der Basis von Eiskernmessungen dargestellt (Abb. 07044).

III. Die Haupttreibhaus-Sünder
Nach dem im November 2006 veröffentlichten OECD-Energieausblick sind die globalen CO2-Emissionen in den vier Jahren bis 2004 viel stärker als in den 90er Jahren gestiegen (Abb. 07098). Kohle hat kürzlich Öl als Hauptquelle für energiebezogene CO2-Emissionen überholt und wird diese Position bis 2030 weiter ausbauen (Abb. 07099).


Die 12 Hauptverschmutzer erzeugten 2004 nicht weniger als 68,2 % der weltweiten CO2-Emissionen (Abb. 07075). Unter ihnen befinden sich mit USA (Platz 1), China (Platz 2), Indien (Platz 5) und Korea (Platz 9) allein vier Länder mit zusammen 45 % der Weltemissionen, die in einer neoliberalen Haltung jegliche vereinbarte Begrenzungen vom Typ des Kyoto-Protokolls ablehnen.

Die Emissionsintensität (Emissionen/BIP) zeigt Spitzenwerte für China und USA, die 50 % und 42 % über dem Wert für Europa liegen (Abb. 07091).

Pro Kopf betragen die US-Emissionen das 5-Fache des Weltdurchschnitts. Aber auch die deutschen erreichen noch das 2½-Fache. Besonders beunruhigend: Bis auf kleinere Rückgänge bei USA und Frankreich haben alle Länder ihren Pro-Kopf-Ausstoß zwischen 2000 und 2004 weiter erhöht (Abb. 07076, 07027). Dabei wiegt China, das in Kürze in der Gesamtemission die USA überholen wird, mit 52 % besonders schwer. Bis auf Frankreich haben damit auch alle unter den Top 12 gelisteten Kyoto-Länder weiter erhöht. Dazu gehört auch Deutschland mit einem Plus von 1,5 %, obwohl Deutschland in Kyoto eine Reduktionsverpflichtung von 21 % gegenüber 1990 eingegangen ist, von der es den größten Teil bis 2000 schon erfüllt hatte.




Noch dramatischer fallen die letzten Projektion per 2030 aus. Nach dem OECD-Energieausblick kommen die Entwcklungsländer für über drei Viertel des erwarteten Anstiegs der Emissionen zwischen 2004 und 2030 auf. Sie überholen die westlichen Industrieländer (OECD-Raum) als Hauptverschmutzer um 2012 (Abb. 07100). Ihr Anteil and den Welt-Emissionen wird vom 39 % auf 52 % ansteigen. Dabei steigen die Emissionen schneller als der Energieverbrauch, weil der zusätzliche Verbrauch mehr als in den anderen Regionen auf Kohle beruht. China allein ist für 39 % des globalen Anstiegs an Emissionen verantwortlich und wird die USA noch vor 2010 als Hauptumweltverschmutzer von CO2 überholen. Andere asiatische Länder, vor allem Indien werden auch stark beitragen.

Auch das World Watch Institute hat auf der Basis des Resourcenverbrauchs und der Emissionen errechnet, daß China und Indien beim heutigen japanischen Pro-Kopf-Niveau bereits 2030 einen extra Planeten von der Größe der Erde brauchten, um ihre Bedürfnisse abzudecken. China z.B. würde den heutigen japanischen Pro-Kopf-Emissionswert bereits mit einer jährlichen Zuwachsrate an Emission von nur 5 % bis 2030 erreichen - seine Wirtschaft wächst nun bereits seit Jahren um rund 10 % jährlich, wobei bei 10 % BIP-Zuwachs derzeit die Emissionen um 6 % pro Jahr wachsen.
Ebenso erwartet die US Energy Information Administration von 2003 bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Emissionen um 3/4, und zwar getrieben von China besonders in Nicht-OECD-Asien, aber auch vor allem wegen der Entwicklung in USA einen weiteren Anstieg im OECD-Bereich (Abb. 07077).

Die amerikanische Ablehnung der Beschränkungen des Kyotoprotokolls wird verständlich, wenn man den US-Trend mit den Kyotozielen vergleicht, die die USA akzeptieren müßten (Abb. 07029).

IV. Treibhauseffekt


Nach Mitteilung der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) war der vergangene Winter weltweit der wärmste seit 1880. Auf der Nordhalbkugel lagen die Temperaturen 0,7 Grad höher als der Mittelwert (Abb. 07153).

Im Januar 2007 allein betrug die Temperaturabweichung 2,28 Grad Celsius, ein absoluter Rekord (07154). Dabei waren die Abweichungen über Europa besonders stark.

Die Temperaturentwicklung hat sich seit etwa 1960 total von den Modellen gelöst, die die Entwicklung auf der Basis der natürlichen Zyklen von Sonnen- und Vulkanaktivität vorraussagen (Abb. 07078).

V. Eisschmelze




Die Gletscher weltweit schmelzen immer schneller. Greenpeace hat Forschungsdaten zur Gletscherschmelze ausgewertet und am Donnerstag eine Zusammenfassung vorgelegt. Durchschnittlich ist im Zeitraum 1991 bis 2004 doppelt so viel Gletschermasse abgeschmolzen wie im Zeitraum 1961 bis 1990. Insbesondere in den Jahren 2001 bis 2004 ist die Abschmelzrate der Gletscher noch einmal kräftig angestiegen. Grönland verliert inzwischen mit 240 Kubikkilometer pro Jahr dreimal soviel Eis wie in den Jahren vor 2003. Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg, doch die Politiker halten Sonntagsreden, sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Die besondere Dramatik belegen auch die Vergleichsbilder der Gesellschaft für ökologische Forschung. Allein im Jahr 2005 schrumpfte der Triftgletscher im Berner Oberland (Schweiz) um 216 Meter (Abb. 07096).

Ein NASA Satellit hat Bilder vom Rückgang des Permaeises in der Arktik in nur einem Jahr von 2004 bis 2005 aufgenommen. Während in den letzten Jahrzehnten der Rückgang bei etwa 0,7 % pro Jahr lag, wurde jetzt auf 2005 ein Rückgang um 14 % oder etwa der Fläche von Pakistan oder Türkei gemessen (Abb. 07079). Das entsprach dem 18-Fachen der früheren Geschwindigkeit und war die kleinste jemals gemessene Fläche an arktischem Permaeis, seit 1978 Satelliten verfügbar wurden. Noch ist nicht ganz klar, ob evt. auch veränderte Winde zu dieser dramatischen Entwicklung beigetragen haben.

Die Arktik erwärmt sich etwa zweimal stärker als die globale Temperatur (Abb. 07080). Mit weniger Eis wird auch weniger Sonnenlicht reflektiert und beschleunigt sich der Erwärmungsprozeß weiter.

Nach einer neuen Studie der Nasa und der Universität von Kansas hat sich die Eismasse, die vom Grönlandeisschild jedes Jahr in den Atlantischen Ozean stürzt in nur fünf Jahren verdoppelt. War bisher angenommen worden, daß das ganze Eisschild in etwa 1000 Jahren schmelzen würde, so scheint das jetzt wesentlich schneller zu passieren. Allein die 3.200 Meter starke Eismenge von Grönland, die 10 % der Wasservorräte der Welt bindet, wird - sollte sie völlig abschmelzen, den globalen Meeresspiegel um sieben Meter erhöhen und die Küstenlinien drastisch verändern. Schon über die letzten 10 Jahre hat sich die sommerliche Oberflächeneisschmelze in Grönland erheblich ausgebreitet (Abb. 07050).

Der Anteil Grönlands zum Anstieg des Meeresspiegels ist bereits heute zwei bis dreimal größer als noch vor zehn Jahren. Die Beschleunigung der Eisschmelze wird von einer Erwärmung der Lufttemperatur um etwa drei Grad über die letzten zwanzig Jahre angetrieben. Dadurch gelangt erwärmtes Oberflächenschmelzwasser an die Basis des Eisschilds und wirkt dort wie ein Ölfilm, der die Wanderung zur Meer beschleunigt. Satelitenbeobachtungen der Nasa zeigen z.B. das der Helheim Gletscher im Südosten Grönland allein jeden Tag eine Eisfläche verliert, die einem halben Fußballfeld entspricht. Der jetzt von der britischen Royal Academy of Sciences vorgestellt Klimabericht „Avoiding Dangerous Climate Change" befürchtet ebenfalls ein Schelzen des Grönlandeisschilds und weist auch auf Risiken in der Westhälfte des viel größeren antarktischen Eisschilds. Um einer Klimakatastrophe vorzubeugen, hat sich die Europäsche Union ein Ziel der Begrenzung des Klimaanstiegs auf zwei Grad gesetzt. Der Bericht warnt nun allerdings, daß schon bei weniger als zwei Grad die Eisschmelze in Grönland ausgelöst werden kann.
2002 hat sich ein Riesen-Eisschild von ca. 100 km Breite und 200 Meter Dicke (Larsen B), das in den vergangenen 12.000 Jahren stabil war, gelöst (Abb. 07140). Da es auf dem Meer schwamm, hat sein Abriß nicht zur Erhöhung des Meeresspiegels geführt. Jedoch fließen die auf dem Land aufliegenden Eismassen in der Folge wesentlich schneller zum Meer, und zwar bis zu achtmal schneller.

Nach den Eiskappen an den Polen ist das Tibetanische Hochplateau mit 46.000 Gletschern auf 155.000 Quadratkilometern (etwa halb so groß wie Deutschland) die größte Eiszone der Welt mit etwa einem Sechstel der gesamten Welteiszonen. Als Folge des Treibhauseffektes ist die Durchschnittstemperatur über die letzten 20 Jahre bereits um 2 Grad gestiegen. Die Gletscher schmelzen nun jedes Jahr um etwa 7 % und halbieren sich damit alle 10 Jahre. In der Folge baut sich hier eine enorme ökologische Katatrophe auf. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften warnt jetzt vor Trockenheit und Sandstürmen. Mehrere der größten Flüsse der Welt, wie Yangtse, Indus, Ganges, Brahmaputra und der Gelbe Fluß entspringen diesem Hochplateau. Sollte ihr Zufluß aus den Gletschern versiegen, so würde die Wasserversorgung in großen Teilen Asiens gestört werden. Allein in China hängen 300 Millionen Menschen an der Wasserversorgung aus den Gletschern. Schon jetzt leiden noch vor dem befürchteten Austrocknen der Gletscher als Folge der schnellen Industriealisierung und Bevölkerungsvermehrung 400 chinesische Städte unter Wassermangel, der in 100 - darunter Peking - bereits kritisch geworden ist. Das Tauwasser der Gletscher verursacht in großem Umfang Bodenerosion und damit riesige Sandstürme. Sie plagen bereits heute Nord-China einschließlich Peking, allein in diesem Jahr wurden 13 gezählt. Einer davon warf in diesem Jahr 336.000 Tonnen Staub auf Peking.
Dies löst nun ein immer schnelleres Schmelzen der Eiskappen an den Polen und der Gletscher auf den Bergen aus. Soweit die Eiskappen, wie in der Arktis schwimmen, hat dies keine Auswirkung auf die Höhe des Meeresspiegels. Wenn aber das auf Land aufliegende antarktische Eis und das auf Grönland schmilzt, erhöht sich zwangsläufig der Meeresspiegel. Dabei kommt es über lange Zeiträume zu enormen Unterschieden. In der Spitze der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren lag der Meeresspiegel nicht weniger als 130 Meter niedriger. Nun aber haben unter dem Druck der steigenden Temperatur die Gletscher und Eismassen zu galoppieren begonnen. Der Zusammenbruch des Eisfelds Larsen B in der Antarktik hat die Gletscherbewegung dahinter von einigen hundert Metern pro Jahr auf einige Kilometer beschleunigt. Der größte Gletscher Grönlands hat seine Bewegung zwischen 1997 und 2003 verdoppelt und trägt nun bereits meßbar zur Erhöhung des Meeresspiegels bei.
Zum ersten Mal seit der Eiszeit vor 11.000 Jahren schmilzt in Sibirien eine Permafrostzone von der kombinierten Größe Deutschlands und Frankreichs. Es ist der Welt größtes Torfgebiet, in dem Milliarden Tonnen Metangas gebunden sind, dessen Treibhauseffekt das 20-Fache von Kohlendioxid beträgt. Wissenschaftler befürchten nun die Freisetzung dieses Gases. Da der Prozeß nicht umkehrbar ist, könnte er einen der Umsturzpunkte („tipping points") in der Entwicklung des Weltklimas bedeuten. Neu ist auch die Entdeckung, daß die Böden insgesamt und nicht nur in Sibirien unter dem Eindruck der Erwärmung CO2 abgeben. Nach einer Messung in England und Schottland sind es dort allein 13 Millionen Tonnen pro Jahr - eine Menge, die die britischen Reduktionsziele nach Kyoto total kompensiert.
VI. Meerespiegel
Der Meeresspiegel begann weltweit bereits in den 90er Jahren, immer stärker zu steigen (Abb. 07059).

Der Bericht des Interparlamentarischen Panels (IPPC) für Klimawechsel hat in 2001 den Anstieg des Meeresspiegels abgeschätzt. In der Realität steigt der Meeresspiegel doch erheblich stärker, wie Satellitenmessungen seitdem gezeigt haben (Abb. 07141). Dazu trägt die Eisschmelze an den Polkappen in erster Linie bei; außerdem dehnt sich Meereswasser bei Erwärmung aus.

Abb. 07142 zeigt die Regionen an der Nordseeküste, die von einem Anstieg des Meeresspiegels um 2 Meter bedroht wären, der im kommenden Jahrhundert eintreten kann. Weltweit leben derzeit 60 Millionen Menschen unter 1 Meter über Meeresspiegel und 275 Millionen unter 5 Meter. Rechnet man den absehbaren Bevölkerungszuwachs bis ins nächste Jahrhundert ein, so kommt man auf 130 Millionen, bzw. 410 Millionen Menschen (Abb. 07143). In einigen entlegenen Gegengenden der Welt, vor allem in der Arktis und im Pazifik hat der große Umzug schon begonnen.


Sollte das bis zu 3 km starke Grönlandeis schmelzen, so würde sich der Meeresspiegel um 6 m erhöhen. Das anarktische Eis von 4,2 km Stärke, dessen Schelze allerdings niemand für eine vorraussehbare Zukunft erwartet, würde weitere 70 m hinzufügen. Aber schon ein Anstieg um nur 1 m würde z.B. 17 % der Landfläche von Bangladesch versenken und schwere Probleme für Küstenstädte wie New York und London heraufbeschwören. Vorsichtshalber rät der bekannte britische Wissenschaftler James Lovelock, schon jetzt mit einem gigantischen Deichbauprogramm in Großbritannien zu beginnen.
VII. Trockenheit
VIII. Stürme


Neue Bohrungen bis zu 500 Meter Tiefe in den Meeresgrund vor der amerikanischen Küste von einem Team unter Führung von Kenneth Miller, Rutgers University in New Jersey, haben ergeben, daß bis vor etwa 150 Jahren der Meerespiegel während etwa 5000 Jahren um jährlich etwa 1 mm stieg, bis dann die Geschwindigkeit auf den doppelten Wert hochsprang. Dies fällt mit der Periode der industriellen Revolution und dem seitdem verzeichneten Anstieg der Treibhausgase und dem durch die Erwärmung verursachten Abschmelzen des Eises an den Erdpolen zusammen. Gegen Ende dieses Jahrhunderts soll der Meeresspiegel bereits um etwa 40 cm gestiegen sein.
IX. Verlust an Artenvielfalt

Eine andere Studie von Nicola Beaumont vom Plymoth Marine Laboratory belegt, wie rasant die Fischbestände zurückgehen. Mit dem derzeitigen Tempo des Ausfischens der Meere werden die Bestände um das Jahr 2048 zusammenbrechen und der Fischfang auf 10 % seines Spitzenvolumens zurückgehen (Abb. 07097). Fischfang wird dann praktisch nicht mehr möglich sein, und die Fischbestände werden sich nicht mehr erholen können. Die überraschendste Erkenntnis war, wie sehr verschiedenen Fischarten von einander abhängen, so daß das Ende einer Art alle anderen mittrifft. Abhilfe könnte nur die frühzeitige Anlage von Schutzzonen bringen.

X. Die neoliberale Mechanik
Über Werbung, Medien und Film strahlt der resourcenintensive amerikanische Lebensstil bis in die letzten Ecken Deutschlands und des Globus überhaupt und wird - gestützt von englischer Sprache und angelsächsischem Wirtschaftskonzept - zu einer globalen Kultur. Fast food ist vielleicht ihr stärkster Ausdruck. Die meisten weltweit grassierenden Schnellrestaurants gehören zu amerikanischen Ketten.
Wie erreichen die USA die Welt mit ihrem Lebensstil? Sie dominieren nach einer Übersicht der UNESCO die weltweite Produktion und den Handel mit Kulturgütern. Dieser Handel hat sich über die achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts etwa vervierfacht und nimmt weiter zu. Mehr als die Hälfte der fünfzig weltgrößten Produzenten von audiovisuellen Produkten sitzen in USA, und 85 Prozent aller in der Welt gedrehten Filme entstehen in Hollywood. Zum ersten Mal überholten 1996 Kulturgüter die klassischen amerikanischen Exportprodukte, wie Kraftfahrzeuge, Agrargüter, Flugzeuge oder Rüstungsgüter.
An der Spitze der audiovisuellen Produktion stehen mit AOL-TimeWarner, Disney und News Corporation riesige Konglomerate. Gleichzeitig beherrschen die USA die Technologien, die hinter der Verbreitung von Kulturgütern stehen, vor allem das Internet und das Satellitenfernsehen. Von den vierzehn Top-Internetunternehmen sollen dreizehn amerikanische sein, das vierzehnte britisch. Amerikanische Unternehmen sollen fast zwei Drittel des globalen Geschäfts mit Informationstechnologie und drei Viertel dessen mit Software besetzt haben.
Man darf sich nicht wundern, wenn sich mehr oder weniger jedes Land der Erde, das sich das leisten kann, auf die amerikanische neoliberale Spur setzt.
Das chinesische Wachstum und das einiger anderer neuer Industrieländer ist bisher weitgehend exportangetrieben und beruht zu einem großen Teil auf Verlagerung von Industrieproduktion aus den alten Industrieländern. Ein Umstand, der im Rahmen möglicher Abhilfemaßnahmen daher viel zu wenig Beachtung findet, ist die negative Auswirkung dieser massiven Verlagerung aus den alten Industrieländern mit einer effizienten Energiewirtschaft in Niedrigstlohnländer, wie China, mit weit schlechteren Ausnützungsgraden und dementsprechend höheren Emissionen (Abb. 07062). Dort wird pro Einheit an Bruttoinlandsprodukt bis zu zweimal so viel CO2-Emission erzeugt wie in der Eurozone, bei bis zu fast dreimal soviel Verwendung von "schmutziger" Kohle auf der Basis veralteter Kraftwerkstechnik in der Stromerzeugung.

Wenn das Problem mit dem Treibhauseffekt wirklich - wie man annehmen muß - die größte Bedrohung der Menschheit darstellt, dann ist es auch an der Zeit, über Umweltklauseln in der Welthandelsorganisation nachzudenken, die Sonderzölle auf Importe aus Ländern erlauben würden, die in der Produktion der Waren bestimmte Emissionshöchstwerte nicht einhalten, um so die Kosten der Umweltbelastung auszugleichen. Leider wird man nicht damit rechnen können, daß Länder, wie China oder Indien, die schon von den Kyoto-Verpflichtungen ausgenommen wurden, von sich aus ihre Emissionen ausreichend begrenzen, z.B. durch moderne Kraftwerkstechnologie. Außerdem sollten die See- und Luftfrachten (ebenso wie die Langstreckenflugreisen) durch Steuern so verteuert werden, daß auch hier die Kosten der Umweltbelastung im Preis des Endprodukts ausgedrückt sind. Wenn die WTO Importbeschränkungen zum Schutz bedrohter Tierarten erlaubt, so sollte das erst recht gelten, wenn der Mensch oder die Menscheit bedroht werden.
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