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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 06/12/2009 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Seitenindex: Reicher Norden / Kyoto / Energieverbrauch / Treibhauseffekt / Lebensstil / China / USA / Wald / Emissionen / Polareis, Gletscher / Meeresspiegel / Trockenheit / Stürme / Artenvielfalt / Amerikanischer way of life / Bevölkerung /

Das Thema „Umwelt" darf bei einer kritischen Auseinandersetzung mit der neoliberalen Form der Globalisierung nicht fehlen. Unter ihr leiden nicht nur sehr viele Menschen in Deutschland und anderswo sondern auch unsere natürliche Umwelt und dann deshalb erneut die Menschen.

Zum neuesten Klimabericht der UN siehe besonderen Schwerpunkt.

Zu den EU-Klima-Emissionsbeschlüssen siehe besonderen Schwerpunkt.

I. Ressourcenverbrauch

Der sich als globaler Lebenstil ausbreitende und auf dem neoliberalen Konzept aufbauende „American Way of Life" gefährdet zunehmend das ökologische Gleichgewicht des Planeten und seine natürlichen Resourcen. Besonders die Amerikaner greifen weit überdurchschnittlich auf diese knapper werdenden Ressourcen zurück (Abb. 05002).

Nordamerika und Europa zusammen haben nur knapp 12 Prozent der Weltbevölkerung, monopolisieren aber fast 62 Prozent der Haushaltsausgaben für Güter und Dienstleistungen (Abb. 0704).

Da sich dieser Lebensstil nun zunehmend in die Schwellenländer, vor allem Asiens, hineinverbreitet und da die Weltbevölkerung - bei stark zunehmender Urbanisierung (Abb. 0703) - insgesamt immer noch wächst (Abb. 0705), werden die Folgen für Umwelt und Resourcen zunehmend spürbar.

Der Weltverbrauch an Energie (Abb.0706) und Frischwasser (Abb.0708) zeigt dies deutlich.

Vor allem expandierte bis vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in 2007 der Weltölverbrauch (Abb. 0707) und stiegen dementsprechend die Ölpreise (Abb. 07198).

Bei weitem den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Öl leisten sich die USA (Abb. 07272 und auch USA und Öl).

Dabei hängt der hohe Ölverbrauch der USA zu einem großen Teil mit der im internationalen Vergleich besonders schlechten Energieeffizienz amerikanischer Kraftfahrzeuge zusammen. Sie ist seit Mitte der 80er Jahre noch schlechter geworden ist. Das liegt z.T. an dem bis zur Wirtschaftskrise großen Markterfolg der SUVs (sport utility vehicles), praktisch kleine Lastwagen für den Privatgebrauch, die nicht den für PKWs sonst vorgeschriebenen um ein Viertel besseren miles per galone Wert erreichen müssen. Die US Regierung erwartet einen weiteren Anstieg der CO2-Emissionen bis 2025 um 37 %. Ein großer Teil kommt vom Kraftfahrzeugverkehr, der wegen Widerständen im Congress bei der Verabschiedung der neuen Energy Bill inkonsequenterweise von schärferen Auflagen verschont wurde.

In der neueren Zeit ist China zu einem klassischen Beispiel wenn auch extremen Beispiel für die Entwicklung der Nachfrage nach Öl in einigen aufstrebenden Schwellenländern geworden. Chinas steil steigende Motorisierung, allgemeine Mobilität und zunehmende Konsumermentalität treiben den Öldurst gewaltig an (Abb. 07009). Etwa ein Drittel der zusätzlichen Weltnachfrage nach Öl von 2005 bis 2006 entfiel allein auf China (Abb. 07003). Wenn jeder zweite Chinese eines Tages ein Auto besitzen sollte, wie in USA, so würde sich die Zahl aller Autos in der Welt schon deswegen von jetzt 540 Millionen um weitere 600 Millionen mehr als verdoppeln.

Der IWF erwartet, daß in China schon in 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden (Abb. 07030). Der Welt-Bestand an PKW expandiert geradezu gespenstisch.

In USA und China wird der Benzinverbrauch noch dazu künstlich durch Niedrigpreise gefördert. So kostet in USA Benzin etwa den halben Preis dessen, was Verbraucher in Deutschland oder Großbritannien berappen müssen. In China ist Benzin sogar so stark subventioniert, daß sein Preis unter dem vom Rohöl liegt.

Unter dem Druck des expandierenden Verbrauchs ist die Reservekapazität für die Ölförderung erheblich zurückgegangen. Seit 1970 wurde jedes Jahr mehr Öl verbraucht als neu gefunden. Derzeit liegt die Reservekapazität nur bei etwa 2 Millionen Faß, während es Mitte der 80er Jahre noch 10 Millionen Faß waren. Saudi-Arabien, das Land mit der größten und derzeit fast einzigen Reservekapazität, warnt, daß die OPEC-Länder die erwartete westliche Nachfrage nach Öl in 15 bis 20 Jahren nicht mehr decken können. Nach Projektionen der International Energy Agency müßte die OPEC-Produktion bis 2020 von derzeit 30 Mio auf 50 Mio Faß/Tag hochgefahren werden. Saudi-Arabien befürchtet in dieser Hinsicht ein Defizit von etwa 4,5 Mio Faß/Tag in seiner eigenen Produktion.

Ebenso unverantwortlich geht die Zivilisation mit den noch vorhandenen Waldbeständen um, die als CO2-Senken zur teilweisen Bindung von Treibhausgasen gebraucht werden. Der globale Handel mit Tropenholz und die Abholzung zur Gewinnung von Weideflächen für „Hamburger-Rinder" (besonders in Brasilien) spielen hier eine erhebliche Rolle.

II. Die Folgen

Der rasant steigende Energieverbrauch spiegelt sich sehr genau im Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmoshäre wider (Abb. 0709).

Ed Brook von Oregon State University hat den enormen Anstieg der verschiedenen Treibhausgase über die Jahre seit Beginn der industriellen Revolution auf der Basis von Eiskernmessungen dargestellt (Abb. 07044).

III. Die Haupttreibhaus-Sünder

Die globalen CO2-Emissionen sind seit der Jahrtausendwende, vor allem wegen China, viel stärker als in den 90er Jahren gestiegen (Abb. 07098). Kohle hat kürzlich Öl als Hauptquelle für energiebezogene CO2-Emissionen überholt und wird diese Position bis 2030 weiter ausbauen (Abb. 07099).



Die 10 Hauptverschmutzer erzeugten 2006 nicht weniger als 66 % der weltweiten CO2-Emissionen (Abb. 07075). Unter ihnen befinden sich mit China (Platz 1), USA (Platz 2), Indien (Platz 5) und Iran (Platz 10) allein vier Länder mit zusammen 47 % der Weltemissionen, die bisher jegliche vereinbarte Begrenzungen vom Typ des Kyoto-Protokolls ablehnt haben.


Die Emissionsintensität (Emissionen/BIP) zeigt Spitzenwerte für Rußland, China und Indien (Abb. 07091).


Pro Kopf betragen die US-Emissionen das 4,4-Fache des Weltdurchschnitts. Aber auch die deutschen erreichen noch das 2,3-Fache (Abb. 07076). Dabei wiegt China, das in der Gesamtemission die USA bereits überholt und pro Kopf den Weltdurchschnitt erreicht hat, besonders schwer. Sein Wert hat sich zwischen 2000 und 2006 schon verdoppelt und steigt weiter.

Immer mehr erweist sich das internationale Klimaprotokoll von Kyoto als gefährliche Mogelpackung. Die gesetzten Ziele können nur aus zwei Mogelgründen erreicht werden. Einerseits wurde viel CO2-intensive Industrieproduktion aus den alten Industrieländern nach China ausgelagert, wo sie nun mit noch mehr Verschmutzung stattfindet aber wegen der Nicht-Mitgliedschaft Chinas nicht bei Kyoto zählt.

Andererseits verfälscht der sogenannte "Wall-Fall"-Effekt die Statistik. Die Osteueropäer, die zu kommunistischen Zeit enorm viel Schwerindustrie und CO2-Verschmutzung hatten, werden bei Kyoto an den Werten von vor dem Fall der Mauer, nämlich 1990, gemessen und können daher heute mit Reduzierungen des CO2-Ausstoßes zwischen 20 % bis 50 % aufwarten, bei Rußland 34 % minus, bei der Ukraine sogar 52 %. Schaut man genauer hin, so liegen nicht weniger als 9 größere Industrieländer zweistellig über den Reduktionszielen (Abb. 07268, 07269).



Noch dramatischer fallen die letzten Projektion per 2030 aus. Nach dem OECD-Energieausblick kommen die Entwcklungsländer für über drei Viertel des erwarteten Anstiegs der Emissionen zwischen 2004 und 2030 auf. Sie überholen die westlichen Industrieländer (OECD-Raum) als Hauptverschmutzer um 2012 (Abb. 07100). Ihr Anteil and den Welt-Emissionen wird vom 39 % auf 52 % ansteigen. Dabei steigen die Emissionen schneller als der Energieverbrauch, weil der zusätzliche Verbrauch mehr als in den anderen Regionen auf Kohle beruht. China allein ist für 39 % des globalen Anstiegs an Emissionen verantwortlich. Andere asiatische Länder, vor allem Indien werden auch stark beitragen.


Auch das World Watch Institute hat auf der Basis des Resourcenverbrauchs und der Emissionen errechnet, daß China und Indien beim heutigen japanischen Pro-Kopf-Niveau bereits 2030 einen extra Planeten von der Größe der Erde brauchten, um ihre Bedürfnisse abzudecken. China z.B. würde den heutigen japanischen Pro-Kopf-Emissionswert bereits mit einer jährlichen Zuwachsrate an Emission von nur 5 % bis 2030 erreichen - seine Wirtschaft wächst nun bereits seit Jahren um rund 10 % jährlich, wobei bei 10 % BIP-Zuwachs derzeit die Emissionen um 6 % pro Jahr wachsen.

Ebenso erwartet die US Energy Information Administration von 2005 bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Emissionen um 50 %, und zwar getrieben von China und Nicht-OECD-Asien (Abb. 07077).


Die amerikanische Ablehnung der Beschränkungen des Kyotoprotokolls wird verständlich, wenn man den US-Trend mit den Kyotozielen vergleicht, die die USA akzeptieren müßten (Abb. 07029).

IV. Treibhauseffekt

Der nicht mehr bestrittene Treibhauseffekt treibt die Temperatur auf der Erde immer mehr in die Höhe (Abb. 07010). Auf der nördlichen Halbkugel wurde im 20. Jahrhundert die stärkste Erwärmung der letzten 1000 Jahre gemessen. Bis zum Jahr 2100 erwartet die Internationale Convention für Klimaschutz in ihren Scenarien einen Anstieg der Erdoberflächentemperatur um durchschnittlich fast 5 Grad (Abb. 07004a).

Nach Mitteilung der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) war der vergangene Winter weltweit der wärmste seit 1880. Auf der Nordhalbkugel lagen die Temperaturen 0,7 Grad höher als der Mittelwert (Abb. 07153).


Im Januar 2007 allein betrug die Temperaturabweichung 2,28 Grad Celsius, ein absoluter Rekord (07154). Dabei waren die Abweichungen über Europa besonders stark.


Die Temperaturentwicklung hat sich seit etwa 1960 total von den Modellen gelöst, die die Entwicklung auf der Basis der natürlichen Zyklen von Sonnen- und Vulkanaktivität vorraussagen (Abb. 07078).

In Reaktion auf die Diskussion um einen internen Email-Verkehr in England hat das Metereologische Amt Großbritanniens (Met Office) am 2. Dezember einen Bericht über die globalen durchschnittlichen Temperaturaufzeichnungen im Zeitverlauf seit 1850 veröffentlicht. Drei unabhängige Aufzeichnungen der globalen durchschnittlichen Erdtemperatur von wissenschaftlichen Zentren in USA und Großbritannien zeigen eindeutig eine erhebliche Erwärmung seit präindustriellen Zeiten, wobei jede Dekade seit den 1970ern wärmer als die vorangegangene war, einschließlich der jüngsten Dekade seit 2000 (Abb. 07309).

V. Eisschmelze

Gletscher

Der Rückgang der Gletschermassen und der Eiskappen an den Erdpolen ist ein weiteres Indiz für diese Entwicklung, die mit dem Lebensstil anfängt und mit bedrohlichen Entwicklungen für Umwelt und Resourcen aufhört (0713 und 07037)

Die Gletscher weltweit schmelzen immer schneller. Greenpeace hat Forschungsdaten zur Gletscherschmelze ausgewertet und am Donnerstag eine Zusammenfassung vorgelegt. Durchschnittlich ist im Zeitraum 1991 bis 2004 doppelt so viel Gletschermasse abgeschmolzen wie im Zeitraum 1961 bis 1990. Insbesondere in den Jahren 2001 bis 2004 ist die Abschmelzrate der Gletscher noch einmal kräftig angestiegen. Grönland verliert inzwischen mit 240 Kubikkilometer pro Jahr dreimal soviel Eis wie in den Jahren vor 2003. Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg, doch die Politiker halten Sonntagsreden, sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Die besondere Dramatik belegen auch die Vergleichsbilder der Gesellschaft für ökologische Forschung. Allein im Jahr 2005 schrumpfte der Triftgletscher im Berner Oberland (Schweiz) um 216 Meter (Abb. 07096).


Arktik

Die Eisfläche der Arktik ist in 2008 auf dem Weg, auf ihre kleinste Sommerausdehnung zu schrumpfen, seit Satellitenmessungen bestehen. Damit wird der Negativrekord des letzten Jahres noch unterboten werden (Abb. 07265) . Im letzten September betrug die Eisfläche nur noch die Hälfte der Ausdehnung vom September 1980. Vor wenigen Jahren sagten Wissenschaftler noch eine erst im Sommer 2080 eisfreie Arktik vorraus. Einige Forscher erwarten das jetzt schon in nur fünf Jahren, andere zwischen 2030 und 2050.


Die Arktik erwärmt sich etwa zweimal stärker als die globale Temperatur (Abb. 07080). Mit weniger Eis wird auch weniger Sonnenlicht reflektiert und beschleunigt sich der Erwärmungsprozeß weiter.


Nach einer neuen Studie der Nasa und der Universität von Kansas hat sich die Eismasse, die vom Grönlandeisschild jedes Jahr in den Atlantischen Ozean stürzt in nur fünf Jahren verdoppelt. War bisher angenommen worden, daß das ganze Eisschild in etwa 1000 Jahren schmelzen würde, so scheint das jetzt wesentlich schneller zu passieren. Allein die 3.200 Meter starke Eismenge von Grönland, die 10 % der Wasservorräte der Welt bindet, wird - sollte sie völlig abschmelzen, den globalen Meeresspiegel um sieben Meter erhöhen und die Küstenlinien drastisch verändern. Schon über die letzten 10 Jahre hat sich die sommerliche Oberflächeneisschmelze in Grönland erheblich ausgebreitet (Abb. 07050).

Der Anteil Grönlands zum Anstieg des Meeresspiegels ist bereits heute zwei bis dreimal größer als noch vor zehn Jahren. Die Beschleunigung der Eisschmelze wird von einer Erwärmung der Lufttemperatur um etwa drei Grad über die letzten zwanzig Jahre angetrieben. Dadurch gelangt erwärmtes Oberflächenschmelzwasser an die Basis des Eisschilds und wirkt dort wie ein Ölfilm, der die Wanderung zur Meer beschleunigt. Satelitenbeobachtungen der Nasa zeigen z.B. das der Helheim Gletscher im Südosten Grönland allein jeden Tag eine Eisfläche verliert, die einem halben Fußballfeld entspricht. Der jetzt von der britischen Royal Academy of Sciences vorgestellt Klimabericht „Avoiding Dangerous Climate Change" befürchtet ebenfalls ein Schelzen des Grönlandeisschilds und weist auch auf Risiken in der Westhälfte des viel größeren antarktischen Eisschilds. Um einer Klimakatastrophe vorzubeugen, hat sich die Europäsche Union ein Ziel der Begrenzung des Klimaanstiegs auf zwei Grad gesetzt. Der Bericht warnt nun allerdings, daß schon bei weniger als zwei Grad die Eisschmelze in Grönland ausgelöst werden kann.

Antarktik

2002 hat sich ein Riesen-Eisschild von ca. 100 km Breite und 200 Meter Dicke (Larsen B), das in den vergangenen 12.000 Jahren stabil war, gelöst (Abb. 07140). Da es auf dem Meer schwamm, hat sein Abriß nicht zur Erhöhung des Meeresspiegels geführt. Jedoch fließen die auf dem Land aufliegenden Eismassen in der Folge wesentlich schneller zum Meer, und zwar bis zu achtmal schneller.


War bisher unklar, ob nur das Eis in der West-Antarktis schmilzt, so konnten jetzt Forscher mit Satellitendaten und Wetterstations-Messungen das Gegenteil nachweisen. Die gesamte Antarktis erwärmt sich seit etwa 50 Jahren. Die Westantarktis hat sich pro Dekade im Schnitt um 0,17 Grad erwärmt, der Osten um 0,1 Grad (Abb. 07271). Der Trend ist deutlich nach oben gerichtet.


Man möchte sich nicht ausmalen, was eine Eisschmelze über sehr lange Zeiträume, vielleicht Jahrhunderte (?), bedeuten könnte. Drei Viertel der Süßwasserreserven sind am Südpol eingefroren, zusammen auf etwa 25 Millionen Kubikkilometer geschätzt. Ein Abtauen des westarktischen Eises würde den Meeresspiegel weltweit um etwa 5 Meter steigen lassen. In der gesamten Antarktis lagert genug Eis für einen Anstieg um 60 Meter. Die Messungen unterstreichen, wie notwendig internationale Vereinbarung zur Eindämmung der Treibhausgase sind.

Bei der Meereshöhe kam es in der Erdgeschichte über lange Zeiträume zu enormen Unterschieden. In der Spitze der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren lag der Meeresspiegel nicht weniger als 130 Meter niedriger. Nun aber haben unter dem Druck der steigenden Temperatur die Gletscher und Eismassen zu galoppieren begonnen. Der Zusammenbruch des Eisfelds Larsen B in der Antarktik hat die Gletscherbewegung dahinter von einigen hundert Metern pro Jahr auf einige Kilometer beschleunigt. Der größte Gletscher Grönlands hat seine Bewegung zwischen 1997 und 2003 verdoppelt und trägt nun bereits meßbar zur Erhöhung des Meeresspiegels bei.

Tibetanische Hochplateau und Permafrostzone

Nach den Eiskappen an den Polen ist das Tibetanische Hochplateau mit 46.000 Gletschern auf 155.000 Quadratkilometern (etwa halb so groß wie Deutschland) die größte Eiszone der Welt mit etwa einem Sechstel der gesamten Welteiszonen. Als Folge des Treibhauseffektes ist die Durchschnittstemperatur über die letzten 20 Jahre bereits um 2 Grad gestiegen. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften warnt jetzt vor Trockenheit und Sandstürmen. Mehrere der größten Flüsse der Welt, wie Yangtse, Indus, Ganges, Brahmaputra und der Gelbe Fluß entspringen diesem Hochplateau. Sollte ihr Zufluß aus den Gletschern versiegen, so würde die Wasserversorgung in großen Teilen Asiens gestört werden. Allein in China hängen 300 Millionen Menschen an der Wasserversorgung aus den Gletschern. Schon jetzt leiden noch vor dem befürchteten Austrocknen der Gletscher als Folge der schnellen Industriealisierung und Bevölkerungsvermehrung 400 chinesische Städte unter Wassermangel, der in 100 - darunter Peking - bereits kritisch geworden ist. Das Tauwasser der Gletscher verursacht in großem Umfang Bodenerosion und damit riesige Sandstürme. Sie plagen bereits heute Nord-China einschließlich Peking, allein in diesem Jahr wurden 13 gezählt. Einer davon warf in diesem Jahr 336.000 Tonnen Staub auf Peking.

Zum ersten Mal seit der Eiszeit vor 11.000 Jahren schmilzt in Sibirien eine Permafrostzone von der kombinierten Größe Deutschlands und Frankreichs. Es ist der Welt größtes Torfgebiet, in dem Milliarden Tonnen Metangas gebunden sind, dessen Treibhauseffekt das 20-Fache von Kohlendioxid beträgt. Wissenschaftler befürchten nun die Freisetzung dieses Gases. Da der Prozeß nicht umkehrbar ist, könnte er einen der Umsturzpunkte („tipping points") in der Entwicklung des Weltklimas bedeuten. Neu ist auch die Entdeckung, daß die Böden insgesamt und nicht nur in Sibirien unter dem Eindruck der Erwärmung CO2 abgeben. Nach einer Messung in England und Schottland sind es dort allein 13 Millionen Tonnen pro Jahr - eine Menge, die die britischen Reduktionsziele nach Kyoto total kompensiert.

VI. Meerespiegel

Der Meeresspiegel begann weltweit bereits in den 90er Jahren, immer stärker zu steigen (Abb. 07059).

Der Bericht des Interparlamentarischen Panels (IPPC) für Klimawechsel hat in 2001 den Anstieg des Meeresspiegels abgeschätzt. In der Realität steigt der Meeresspiegel doch erheblich stärker, wie Satellitenmessungen seitdem gezeigt haben (Abb. 07141). Dazu trägt die Eisschmelze an den Polkappen in erster Linie bei; außerdem dehnt sich Meereswasser bei Erwärmung aus.


Abb. 07142 zeigt die Regionen an der Nordseeküste, die von einem Anstieg des Meeresspiegels um 2 Meter bedroht wären, der im kommenden Jahrhundert eintreten kann. Weltweit leben derzeit 60 Millionen Menschen unter 1 Meter über Meeresspiegel und 275 Millionen unter 5 Meter. Rechnet man den absehbaren Bevölkerungszuwachs bis ins nächste Jahrhundert ein, so kommt man auf 130 Millionen, bzw. 410 Millionen Menschen (Abb. 07143). In einigen entlegenen Gegengenden der Welt, vor allem in der Arktis und im Pazifik hat der große Umzug schon begonnen.



Sollte das bis zu 3 km starke Grönlandeis schmelzen, so würde sich der Meeresspiegel um 6 m erhöhen. Das anarktische Eis von 4,2 km Stärke, dessen Schelze allerdings niemand für eine vorraussehbare Zukunft erwartet, würde weitere 70 m hinzufügen. Aber schon ein Anstieg um nur 1 m würde z.B. 17 % der Landfläche von Bangladesch versenken und schwere Probleme für Küstenstädte wie New York und London heraufbeschwören. Vorsichtshalber rät der bekannte britische Wissenschaftler James Lovelock, schon jetzt mit einem gigantischen Deichbauprogramm in Großbritannien zu beginnen.

VII. Trockenheit

Spanien und Portugal litten im Jahr 2005 unter ihrer schlimmsten Dürre seit dem Beginn von Aufzeichnungen in den 40er Jahren. In West-Frankreich fielen die Wasserstände auf dem niedrigsten Niveau seit der großen Dürre von 1976. Die Häufigkeit einfacher Dürreperioden wird sich nach einer Studie des britischen Metereologischen Amtes bis zum Ende des Jahrhunderts verdoppeln und die Hälfte der Welt erreichen, wenn nicht die Klimagasemissionen gebremst werden. Schon zwischen 1980 und heute ist die Häufigkeit dieser Form von Dürren von 15 % auf 25 % gestiegen. Schwere Dürren werden sich in der Häufigkeit von 1 % zur Zeit auf 30 % bis Ende des Jahrhunderts erhöhen. Die Konsequenzen sind nicht gleichmäßig über den Globus verteilt. Vor allem Afrika, wo heute schon Millionen unter dem Druck der Dürren leben, soll betroffen sein. Auch Europa wird betroffen sein. Spanien und Portugal litten im Jahr 2005 unter ihrer schlimmsten Dürre seit dem Beginn von Aufzeichnungen in den 40er Jahren. In West-Frankreich fielen die Wasserstände auf dem niedrigsten Niveau seit der großen Dürre von 1976. Nach Auffassung der Autoren gibt es gegenwärtig einen totalen Graben zwischen der Größenordnung der Probleme und den politischen Antworten.

VIII. Stürme

Das Potential an Stürmen scheint wegen des Treibhauseffektes zuzunehmen, auch wenn die Beweisführung schwierig ist. Die Häufigkeit der stärksten Stürme ist während der letzten 35 Jahre um 80 % angestiegen (Abb. 07035 und 07036). Nach eine Studie in "Science" von 2005 gab es zwischen 1975 und 1989 im westlichen Atlantik und der Karibik insgesamt 16 Hurrikane der Stärke vier oder fünf. Zwischen 1990 und 2004 waren es dagegen bereits 25. Im östlichen Pazifik, wo die Wirbelstürme als Taifune bezeichnet werden, wurde in den entsprechenden Zeiträumen ein Anstieg von 36 auf 49 registriert, im westlichen Pazifik von 85 auf 116. Im südwestlichen Pazifik betragen die Vergleichszahlen 10 und 22, im Indischen Ozean 24 und 57. Die Meerestemperaturen sind überall in der tropischen Zone gestiegen (um 0.5 Grad 1970-2004) und parallel dazu auch die Stärke der Hurrikane. Der Studie zufolge kann dies nicht mehr allein mit natürlichen Schwankungen erklärt werden.

Neue Bohrungen bis zu 500 Meter Tiefe in den Meeresgrund vor der amerikanischen Küste von einem Team unter Führung von Kenneth Miller, Rutgers University in New Jersey, haben ergeben, daß bis vor etwa 150 Jahren der Meerespiegel während etwa 5000 Jahren um jährlich etwa 1 mm stieg, bis dann die Geschwindigkeit auf den doppelten Wert hochsprang. Dies fällt mit der Periode der industriellen Revolution und dem seitdem verzeichneten Anstieg der Treibhausgase und dem durch die Erwärmung verursachten Abschmelzen des Eises an den Erdpolen zusammen. Gegen Ende dieses Jahrhunderts soll der Meeresspiegel bereits um etwa 40 cm gestiegen sein.

IX. Verlust an Artenvielfalt und ökologischer "Footprint"

Unter dem Druck der globalen Bevölkerungsentwicklung geht die Artenvielfalt ständig zurück. Besonders bedroht sind Amphibien, von denen schon 38 % in irgendeiner Form gefährdet, bedroht oder schon ausgelöscht sind (Abb. 237).

Eine andere Studie von Nicola Beaumont vom Plymoth Marine Laboratory belegt, wie rasant die Fischbestände zurückgehen. Mit dem derzeitigen Tempo des Ausfischens der Meere werden die Bestände um das Jahr 2048 zusammenbrechen und der Fischfang auf 10 % seines Spitzenvolumens zurückgehen (Abb. 07097). Fischfang wird dann praktisch nicht mehr möglich sein, und die Fischbestände werden sich nicht mehr erholen können. Die überraschendste Erkenntnis war, wie sehr verschiedenen Fischarten von einander abhängen, so daß das Ende einer Art alle anderen mittrifft. Abhilfe könnte nur die frühzeitige Anlage von Schutzzonen bringen.


Der ökologische "Footprint" der Menschheit wird immer größer und bedeutet bereits etwa das 1,3-Fache der vorhandenen Erde (Abb. 07273).


X. Die neoliberale Mechanik

Diese Betrachtung könnte auch überschrieben sein: „Vom amerikanischen Lebensstil zur globalen Kultur". Der amerikanische Resourcenverbrauch ist engstens in den Lebensstil und die politische Mehrheitsmeinung eingewoben. Freiheit und Mobilität sind besondere Synomyme. Die traditionell starke Öllobby hat dem noch ein zusätzliches ökonomisches Rückrad eingezogen. Der weltweite Siegeszug der Massenwerbung der großen Multies für den Massenkonsum von Konsumgütern hat in USA seinen Ursprung genommen. Dabei finden die USA nichts dabei, sich weit überproportional Resourcen vom Rest der Welt anzueignen. Staatliche Regulierung des Resourcenverbrauchs, z. B. beim Öl, wird abgelehnt. Da auch die amerikanische Regierung die Umweltprobleme nicht total negieren kann, setzen sie und die meisten Amerikaner alle Hoffnungen auf einen Ausbruch nach vorn. Mit neuen Technologien im Energiebereich hofft man, an allen regulierenden und damit nicht-neoliberalen Lösungen vorbeizukommen. Hoffentlicht wagt die neue Obama-Adminstration einen echten Neuanfang, was allerdings durch die derzeitige Weltwirtschaftskrise erschwert wird, weil die viel Aufmerksamkeit von der Umwelt weglenken wird.

Über Werbung, Medien und Film strahlt der resourcenintensive amerikanische Lebensstil bis in die letzten Ecken Deutschlands und des Globus überhaupt und wird - gestützt von englischer Sprache und angelsächsischem Wirtschaftskonzept - zu einer globalen Kultur. Fast food ist vielleicht ihr stärkster Ausdruck. Die meisten weltweit grassierenden Schnellrestaurants gehören zu amerikanischen Ketten.

Wie erreichen die USA die Welt mit ihrem Lebensstil? Sie dominieren nach einer Übersicht der UNESCO die weltweite Produktion und den Handel mit Kulturgütern. Dieser Handel hat sich über die achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts etwa vervierfacht und nimmt weiter zu. Mehr als die Hälfte der fünfzig weltgrößten Produzenten von audiovisuellen Produkten sitzen in USA, und 85 Prozent aller in der Welt gedrehten Filme entstehen in Hollywood. Zum ersten Mal überholten 1996 Kulturgüter die klassischen amerikanischen Exportprodukte, wie Kraftfahrzeuge, Agrargüter, Flugzeuge oder Rüstungsgüter.

An der Spitze der audiovisuellen Produktion stehen mit AOL-TimeWarner, Disney und News Corporation riesige Konglomerate. Gleichzeitig beherrschen die USA die Technologien, die hinter der Verbreitung von Kulturgütern stehen, vor allem das Internet und das Satellitenfernsehen. Von den vierzehn Top-Internetunternehmen sollen dreizehn amerikanische sein, das vierzehnte britisch. Amerikanische Unternehmen sollen fast zwei Drittel des globalen Geschäfts mit Informationstechnologie und drei Viertel dessen mit Software besetzt haben.

Man darf sich nicht wundern, wenn sich mehr oder weniger jedes Land der Erde, das sich das leisten kann, auf die amerikanische neoliberale Spur setzt.

Das chinesische Wachstum und das einiger anderer neuer Industrieländer ist bisher weitgehend exportangetrieben und beruht zu einem großen Teil auf Verlagerung von Industrieproduktion aus den alten Industrieländern. Ein Umstand, der im Rahmen möglicher Abhilfemaßnahmen daher viel zu wenig Beachtung findet, ist die negative Auswirkung dieser massiven Verlagerung aus den alten Industrieländern mit einer effizienten Energiewirtschaft in Niedrigstlohnländer, wie China, mit weit schlechteren Ausnützungsgraden und dementsprechend höheren Emissionen (Abb. 07062). Dort wird pro Einheit an Bruttoinlandsprodukt bis zu zweimal so viel CO2-Emission erzeugt wie in der Eurozone, bei bis zu fast dreimal soviel Verwendung von "schmutziger" Kohle auf der Basis veralteter Kraftwerkstechnik in der Stromerzeugung.



Wenn das Problem mit dem Treibhauseffekt wirklich - wie man annehmen muß - die größte Bedrohung der Menschheit darstellt, dann ist es auch an der Zeit, über Umweltklauseln in der Welthandelsorganisation nachzudenken, die Sonderzölle auf Importe aus Ländern erlauben würden, die in der Produktion der Waren bestimmte Emissionshöchstwerte nicht einhalten, um so die Kosten der Umweltbelastung auszugleichen. Leider wird man nicht damit rechnen können, daß Länder, wie China oder Indien, die schon von den Kyoto-Verpflichtungen ausgenommen wurden, von sich aus ihre Emissionen ausreichend begrenzen, z.B. durch moderne Kraftwerkstechnologie. Außerdem sollten die See- und Luftfrachten (ebenso wie die Langstreckenflugreisen) durch Steuern so verteuert werden, daß auch hier die Kosten der Umweltbelastung im Preis des Endprodukts ausgedrückt sind. Wenn die WTO Importbeschränkungen zum Schutz bedrohter Tierarten erlaubt, so sollte das erst recht gelten, wenn der Mensch oder die Menscheit bedroht werden.

Zum Schluß: Wie exponentiell sich die von der Menschheit heraufbeschworenen Belastungen entwickeln und die globale Umweltkrise immer mehr beschleunigen, zeigen eindrucksvoll einige Abbildungen aus dem Sonderbericht im New Scientist vom 16. Oktober 2008: "How our economy is killing the Earth" (Abb. 07274, 07275 und 07276).








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