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Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 07/09/2006 09:37 -

Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006)
und "Deutschland global" (2005)

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Den Bericht hinter diesem Schwerpunkt habe ich von der Website des Bundesministeriums für Forschung und Technologie „geklaut" und ausgeschlachtet. Wäre ich ein Nur-Nörgeler wäre er ein Geschenk des Himmels. Für einen besorgten Zeitgenossen wie mich, ist er einfach alarmierend.

Wer will, kann das Original unter dem Titel „Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006" und einer Unterüberschrift: „Hohe Exporterfolge - begrenzte Wachstumsaussichten" hier nachlesen, wer Zeit sparen und den Überblick nicht verlieren will, kann mit meinen Auszügen vorlieb nehmen. Der Bericht deckt sich mit dem in Rundbrief 428 berichteten Knick in den deutschen Bruttoanlageninvestitionen und der Produktivitätsentwicklung (Abb. 04592, 04591), ist aber noch bedrückender, weil er aus amtlicher Quelle kommt und die öffentliche Finanzierung einbezieht.



Die Auszüge sprechen allesamt für sich und zeigen, wie Deutschland seit Jahren dabei ist, seine wirtschaftliche Zukunft zu gefährden. Ein Zitat soll als besonders wichtig vor die Klammer gezogen werden: „Schwache Inlandsmarktentwicklung ist Achillesferse für wirtschaftlichen Strukturwandel in Deutschland: Dienstleistungen, von denen noch am ehesten zu erwarten ist, dass sie zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten bereitstellen können, sind auf einen florierenden Inlandsmarkt angewiesen, da sie nur in begrenztem Umfang auf Auslandsmärkte ausweichen können. Wechselspiel von Industrie und Dienstleistungen verläuft in Deutschland in gebremstem Tempo, weil zum einen wissensintensive Dienstleistungen nur schwach gewachsen sind und daher weniger Impulse für Innovationen gegeben haben. Exportorientierung der deutschen Wirtschaft begünstigt zum anderen einseitig den Industriesektor, darunter zunehmend diejenigen Industrien, die nicht forschungs- oder wissensintensiv produzieren und kaum mehr expandieren werden. Deutschland ist in den letzten Jahren einen eigenständigen wirtschaftsstrukturellen Weg gegangen, der auf längere Sicht gesehen nur wenig Wachstumsperspektiven und kaum zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten verspricht".

Das liegt voll auf der Linie meiner kürzlichen Zwischenbilanz zum deutschen Sonderweg. Um einige der Aussagen zu ergänzen und zugleich leichter verständlich zu machen, habe ich - wie bei allen Schwerpunkten - ein paar Schaubilder dazwischen geworfen.

Hier der geraffte Telegrammstil:

» Trotz anhaltender Exporterfolge hat sich technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands auf längere Sicht nicht gut entwickelt. Geschwindigkeit und Intensität, mit der Verbesserungen erzielt werden konnten, recht niedrig. Kapazitäten für Lehre, Wissenschaft und Forschung am Weltmaßstab gemessen zu schwach ausgeweitet.

» Ausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung wurden von der Wirtschaft nicht kräftig genug erhöht, allenfalls im Rhythmus der Konjunktur. Der FuE-Personalstamm ist gar auf das Niveau Westdeutschlands von Mitte der 80er Jahre zurückgefahren worden. Ganz anders ist dies im internationalen Raum (Abb. 12221).


» Innovationsvorhaben angesichts der Wachstumsschwäche im Inland mit wenig finanziellem Engagement verbunden. Unternehmen in den letzten Jahren vorsichtig geworden. Innovationen richten sich immer häufiger auf Senkung von Kosten. Marktneuheiten, die die volkswirtschaftliche Angebotspalette bereichern, an Gewicht verloren.

» Die größte Zuwächse hat es bei Spitzentechnologien gegeben, die insgesamt aber im deutschen Exportwarenkorb kein hohes Gewicht haben. Zudem sind Einfuhren von forschungsintensiven Gütern wesentlich schneller gestiegen als Ausfuhren. Dies betrifft derzeit besonders den Automobilbau, das "Herzstück" des deutschen Innovationssystems. Ausfuhr von "Hochwertiger Technik" bröckelt seit etwa einem Jahrzehnt etwas ab. Importe sowohl bei Spitzentechnologien als auch bei Hochwertigen Technologien trendmäßig noch stärker gestiegen als Ausfuhren (Abb. 12219). Spezialisierung Deutschlands nimmt daher in den meisten dieser Industrien ab.


» Entscheidungen von Konsumenten und Produzenten laufen darauf hinaus, dass Deutschland länger als andere Volkswirtschaften an Industrien festhält, die kaum mehr wachsen.

» Schwache Inlandsmarktentwicklung ist Achillesferse für wirtschaftlichen Strukturwandel in Deutschland: Dienstleistungen, von denen noch am ehesten zu erwarten ist, dass sie zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten bereitstellen können, sind auf einen florierenden Inlandsmarkt angewiesen, da sie nur in begrenztem Umfang auf Auslandsmärkte ausweichen können (Abb. 12220, 04575). Wechselspiel von Industrie und Dienstleistungen verläuft in Deutschland in gebremstem Tempo, weil zum einen wissensintensive Dienstleistungen nur schwach gewachsen sind und daher weniger Impulse für Innovationen gegeben haben. Exportorientierung der deutschen Wirtschaft begünstigt zum anderen einseitig den Industriesektor, darunter zunehmend diejenigen Industrien, die nicht forschungs- oder wissensintensiv produzieren und kaum mehr expandieren werden. Deutschland ist in den letzten Jahren einen eigenständigen wirtschaftsstrukturellen Weg gegangen, der auf längere Sicht gesehen nur wenig Wachstumsperspektiven und kaum zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten verspricht. Notwendig ist ein schnellerer Strukturwandel hin zu Spitzentechnologien und wissensintensiven Dienstleistungen.



» Zum einen steigt die Rate der Unternehmensschließungen im forschungs- und wissensintensiven Sektor der Wirtschaft, zum anderen sinkt die Rate der Unternehmensgründungen. Im Vergleich zu wichtigen Konkurrenzländern sind die Gründungen in forschungsintensiven Industrien schneller zurückgegangen. Tendenziell laufen Unternehmensgründungen und -schließungen in Deutschland auf einen höheren Unternehmensbestand in weniger wissensintensiven Branchen hinaus. Denn bei den in den letzten Jahren wieder nach oben gerichteten Gründungszahlen insgesamt ist zu berücksichtigen, dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Menschen der Not gehorchend (Mangel an Arbeitsplätzen) den Weg in die Selbstständigkeit wählen. Unternehmensgründungen, deren primäres Motiv das Ausnutzen guter wirtschaftlicher Chancen ist, sind in Deutschland weniger häufig. Dies hat mit unsicheren wirtschaftlichen Aussichten zu tun, aber auch mit Risikoscheu bei potenziellen Gründern und Kapitalgebern. Jungen Unternehmen fehlt Nestwärme einer expandierenden Binnennachfrage.

» Lagen Deutschlands Unternehmen bei den FuE-Anstrengungen Ende der 80er Jahre noch auf Rang 3, so nehmen sie jetzt Platz 8 ein. Positionsverlust hängt auch mit den sektoralen FuE-Schwerpunkten zusammen: Das deutsche Spezialisierungsmuster (wenig Präsenz bei Spitzentechnologien und bei Dienstleistungen, Spitze bei hochwertigen Technologien) zieht sich wie ein roter Faden durch das "deutsche Innovationssystem".

» Nicht nur im langfristigen Vergleich, sondern auch aktuell haben viele Länder eine größere FuE-Dynamik an den Tag gelegt. Angesichts der geringen Wachstumserwartungen ist gar der FuE-Personaleinsatz in der deutschen Wirtschaft zwischen 2000 und 2003 wieder auf das Niveau von 1995 zurückgenommen worden. Volumenmäßig konzentriert sich FuE in Deutschland zunehmend auf Großunternehmen, Klein- und Mittelunternehmen fallen kontinuierlich zurück. Alles zusammen genommen - stärkere FuE-Dynamik in den meisten westlichen Industrieländern und die Verbreiterung des Teilnehmerfeldes im Innovationswettbewerb - hat sich Deutschlands weltwirtschaftliches FuE-Gewicht im letzten Vierteljahrhundert fast halbiert: Von über 11 % (1981) auf 6 % (2005).

» Hebelkraft der Förderung von FuE in der Wirtschaft durch den Staat hat in Deutschland stark nachgelassen, insbesondere der Finanzierungsbeitrag des Staates zu FuE in den Unternehmen. FuE-Haushaltsansätze jedoch allenthalben [gemeint ist bei den Konkurrenten], z. T. über Jahre hinweg mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten, aufgestockt. Nimmt man FuE-Ausgaben im Sektor Wissenschaft/Forschung sowie das Lehr- und Forschungspersonal an Hochschulen in naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen zum Maßstab (Abb. 13002, 13004, 12082), ist Aufwärtstrend in Deutschland schon wieder gebrochen.





» Geringe Neigung zu investiven Anstrengungen und damit zu Strukturwandel sowie schlechte Position, wenn es um Spitzentechnik, -forschung und -ausbildung geht - rechtfertigt die Einordnung Deutschlands in das Mittelfeld der Industrieländer. Pars pro toto mag hierfür der FuE-Anteil von Wirtschaft und Staat zusammen genommen am Inlandsprodukt stehen. Er hat von 2,8 % Ende der 80er Jahre (Rang 3) auf 2,1 % (Rang 9) nachgegeben. Deutschland hat beim Angebot von gut und hoch qualifizierten Erwerbspersonen in Europa (EU-15) nur noch Vorsprung, wenn man mit den südlichen Ländern vergleicht.

» Zu den problematischen Faktoren zählt im Hinblick auf einen innovationsorientierten Strukturwandel auch, dass wissensintensive Dienstleistungen in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Ländern - selbst unter Berücksichtigung des in Deutschland schleppenden Wachstumstempos - Boden verloren haben. Denn Spitzentechnologien und deren Entwicklung sind häufig im Zusammenhang mit der Orientierung der Volkswirtschaften auf wissensintensive Dienstleistungen zu sehen.


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