von "Globalisierung: Legende und Wahrheit" hier
Beim Vergleich der Wirtschaftsmodelle wird gemeinhin zwischen drei europäischen Varianten unterschieden. Das Angelsächsische Modell umfaßt Großbritannien, Irland und Portugal, das Rheinische Modell Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland und schließlich das Skandinavische Modell mit Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen sowie den nicht-skandinavischen Ländern Österreich und Niederlande (diese sind hier - in Anlehnung an eine Studie von André Sapir, Globalisation and the Reform of European Social Models, 9 September 200 - einbezogen, weil sie erhebliche Ähnlichkeiten mit der Wirtschaftspolitik der skandinavischen Länder aufweisen).
Es gibt einen interessanten statistischen Zusammenhang zwischen dem Beschäftigungsgrad und der Armutsrate, wobei die Länder des Angelsächsischen Modells hohe Beschäftigungsraten bei hoher Armut aufweisen, während es in den Ländern des Rheinischen Modells genau umgekehrt ist (Abb. 12083). Die beste Relation von hoher Beschäftigung bei niedriger Armut haben die Länder des Skandinavischen Modells. Die Mittelmeerländer Italien, Griechenland und Spanien haben die ungünstigste Kombination von geringer Beschäftigung und hohem Armutsniveau. Die Armutsrate wird hier in der Definition der EU benutzt, d.h. der Anteil der Personen mit einem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen unterhalb von 60 % des nationalen Durchschnitts nach Sozialleistungen.

Gruppiert man die einzelnen Länder und gewichtet man sie nach Bevölkerung, so ergibt sich ein noch deutlicheres Bild zugunsten des Skandinavischen Modells (Abb. 12086).

Problematisch für Deutschland ist nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wochenbericht v. 13. 07.05) der Anstieg der deutschen Armutsquote von 12.4 % im Jahr 2000 auf 16 % im Jahre 2004 - bei leichtem Rückgang des Beschäftigungswertes - und die dadurch bedingte Wanderung im Modell, das ansonsten auf den Armutsquoten von 2003 aufbaut, in das ungünstige linke obere Viertel (Abb. 12087). Diese enttäuschende Entwicklung setzt sich aus einer nicht ganz so ungünstigen für die alten Bundesländer und einer sehr viel ungünstigeren für die neuen zusammen.

Abb. 12084 zeigt einen Vergleich des Wohlstandsniveaus in der EU gemessen in Bruttosozialprodukt-Kaufkrafteinheiten pro Einwohner. Danach liegt das Kernland des Angelsächsischen Modells Großbritannien keineswegs im Spitzenfeld sondern hinter 6 anderen EU-Ländern und nur knapp vor Westdeutschland sowie Belgien und Schweden.

Werden die Länder nach ihrer Bevölkerungszahl in Gruppen gewichtet (mit Deutschland als Alte Bundesländer, um den "systemfremden" Vereinigungseffekt auszuschliessen), so zeigt sich erneut sehr eindeutig der Vorsprung des skandinavischen Modells. Auch hier fällt das europäisch-angelsächsische Modell nicht besonders positiv auf (Abb. 12085).

Wenn Deutschland äußere Anregungen braucht, kann eigentlich nur das skandinavische Modell als erfolgreiches Beispiel in Frage kommen. Für mehr zum skandinavischen Modell bitte hier anklicken.
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