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Reihe 95 ab 18-11-12 ... ...

(2835) Deutschland ist nicht Krisengewinnler: Das Märchen von den auf Kosten der Partner gesparten Zinskosten des Bundes

(2834) Deutschland gefangen in der Bankenunion: jetzt unter Club-Med-Führung

(2833) Chinas Export powered gewaltig voran

(2832) Immer mehr Wahnsinn am Eurozonen-Arbeitsmarkt

(2831) Gebremste Löhne und große Sparsamkeit zementieren den deutschen Wettbewerbsvorteil in der Eurozone

(2830) China überholt Deutschland mit seinen gedumpten Waren nun auch bei Exporten in die EU

(2829) Von wegen Kaufrausch in Deutschland: Einzelhandelsumsatz März bis November 2012 minus 1,7 %, Absturz der Neuzulassungen

(2828) Von der ewigen Realitätsferne sehr vieler Deutscher

(2827) Wieder mehr Arbeitslose: Der Arbeitsmarkt immer mehr im Sog der nachlassenden Konjunktur

(2826) Frühverrentung wegen psychischer und Verhaltensstörungen in nur 5 Jahren um fast 44 % gestiegen

(2825) Noch so eine Mogelpackung des Statistischen Bundesamts enttarnt: Angeblicher Anstieg der Reallöhne

(2824) Der Fall Steinbrück: Wenn sich in diesem traurigen Land alles nur noch ums Geld dreht

(2823) Deutsche Rekorde in Kinderlosigkeit und Alleinleben

(2822) Was ist eigentlich "ordentliches" Wirtschaftswachstum und was "das Schlimmste" der Eurokrise, Herr Schäuble?

(2821) 2012: War's das?

(2820) Was verbindet uns noch mit Stalingrad?

(2819) Immer mehr Ältere in der Hartz-4-Falle

(2818) Deutschland mit dem größten Niedriglohnanteil in Westeuropa

(2817) Nun auch noch zahlen für russischen Oligarchen auf Zypern, wann endlich kommt bei einem Banken-Crash das Bail-in der privaten Gläubiger?

(2816) Frauen unter sozialem Druck: Kein Bock auf Kinder

(2815) Warum Griechenland nicht gerettet ist und nicht gerettet wird

(2814) Europas Investitionen in den 5 Jahren 2007 bis 2011: Absturz wie nie zuvor

(2813) Deutschland nach den Eurokrisenländern in westeuropäischer Spitzenposition bei in Arbeit Armen

(2812) Hier irrt Lafontaine

(2811) Deutsche Industrieproduktion im Absturz

(2810) Es kommt, wie es kommen mußte: Die Euro-Rettungsfonds verlieren ihre Top-Note

(2808) Wieder mehr Arbeitslose: Der Arbeitsmarkt im Sog der nachlassenden Konjunktur

(2807) Wer rettet uns vor den fetten EU-Katzen?

(2806) Griechenland-Deal: immer noch zu viele offene Enden

(2805) Schönste Regierungspropaganda von SPIEGEL und BILD: Das angebliche dicke Rentenplus

(2804) Die Demographie als Wirtschaftskraft

(2803) Neue Statistik des Geldvermögens: Die Reichen werden reicher, der deutsche Staat immer ärmer

(2802) China dominiert die Industrieproduktion der Welt

(2801) Wie Jobverlust zum Herzinfarkt führt

(2800) Automobilproduktion, Nahrungsmittelumsatz, Ausrüstungsinvestionen, Export, Arbeitsmarkt: Nichts geht mehr




"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 2835 14-01-13: Deutschland ist nicht Krisengewinnler: Das Märchen von den auf Kosten der Partner gesparten Zinskosten des Bundes

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Immer wieder taucht in Deutschland das Argument auf, deutsche Rettungsmilliarden seien gegen die enormen Zinsgewinne zu halten, die wegen der durch die Eurokrise bedingten niedrigen Zinsen für Bundesanleihen entstünden. Das Handelsblatt titelt: "Bundesanleihen profitieren von Eurokrise" und die TAZ "Der anderen Leid ist Deutschlands Freud". Der Chef des ESM Rettungsfonds Klaus Regling meinte in einem Vortrag, Deutschland habe jedes Jahr 20 Mrd Euro Zinsgewinn, dagegen aber bisher nur 750 Mio Euro als echte Haushaltsbelastung aus dem letzten Griechenlandpaket zu tragen.



Doch dieser Zusammenhang besteht so nicht. Das stimmt schon deshalb nicht, weil auch in allen anderen größeren Ländern außerhalb der Eurozone die Zinsen für Staatsanleihen schon seit Anfang der 90 Jahre kontinuierlich zurückgehen und jetzt bei allen als sicher gerateten Staatsanleihen auf ähnlich niedrigem Niveau liegen, mehrere noch unter dem deutschen Niveau (Abb. 16961, 16962, 16963).




Deutschlands niedrige Zinsen beruhen vor allem auf der bisherigen Haushaltspolitik und den negativen Maßnahmen im Sozialbereich (vor allem beim Arbeitslosengeld und bei den Renten) sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands und seiner Exportstärke. Das hat schon seit sehr vielen Jahren zu dem AAA-Rating mit der Folge vergleichsweise niedriger Zinsen geführt. Diese Folge als sozusagen unverdienten Krisen-Vorteil zu qualifizieren und mit Belastungen aus der Eurorettung zu verrechnen, ist schlicht ein Versuch in Verdummung. Man sollte das den Kräften in Griechenland und anderen Ländern überlassen, die Deutschland unter Druck setzen wollen. Aus dem Mund des deutschen Spitzenbeamten beim EMS wirkt es schon sehr eigenartig. Will man uns so die kostspielige und hochriskante Euro-Rettung schmackhafter machen?


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"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 2834 11-01-13: Deutschland gefangen in der Bankenunion: jetzt unter Club-Med-Führung

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Es wird nun immer klarer, wie sich die Bundeskanzlerin entgegen den deutschen Interessen hat über den Tisch ziehen lassen, als sie in den frühen Morgenstunden des 29. Juni 2012 leichtsinnig und unvorsichtig den Beschluß des Europäischen Rates akzeptierte:

"... einen einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus unter Führung der Europäischen Zentralbank einzurichten und, sobald dieser Mechanismus geschaffen ist, dem ESM die Möglichkeit zu geben, Banken direkt zu rekapitalisieren."

Die Banken-Schuldenunion mit der Vergemeinschaftung der Bankenschulden ist nun nicht mehr aufzuhalten. Dabei führt die Bundesregierung nur noch Rückzugsgefechte und reißt dabei immer weitere ihrer immer neu errichteten angeblich "roten Linien". Erst wollte die Bundesregierung auf Zeit spielen, wenigstens bis nach den Bundestagswahlen, verpflichtete sich aber wenig später, die Rahmenbedingungen für die Bankenaufsicht bis Ende letzten Jahres zu schaffen. Dann wollte sie die Aufsicht nicht bei der EZB haben, um einen schweren Interessenkonflikt mit der Geldpolitik zu vermeiden, hat dann jedoch auf weiteren Druck der Partner der zentralen Aufsichtsrolle der EZB zugestimmt. Dann wollte sie die Rolle der EZB auf wenige etwa 30 systemrelevante und grenzüberschreitend tätige Banken beschränkt und vor allem die deutschen Sparkassen völlig ausgenommen haben. Doch schließlich akzeptierte sie einen durchaus faulen "Kompromiß", wonach europaweit immerhin fast 200 Geldhäuser betroffen sein werden, darunter alle schon unter staatlichen Stützungsprogrammen befindlichen und daher besonders maroden Banken. In begründeten Fällen soll sogar die Zentralaufsicht die Kontrolle über jedes Institut und damit auch jede deutsche Sparkasse an sich ziehen können.



Damit ist der Weg frei, die Mittel des ESM und das sind vor allem die des deutschen Steuerzahlers für die direkte Rekapitalisierung von Banken einzusetzen, ohne daß die jeweiligen Regierungen - wie bisher - mithaften und Spar- und Restrukturierungsauflagen akzeptieren müssen. Neben den Euro-Med Ländern drängt auch der IWF darauf, weil er dann selbst nicht mehr anzutreten braucht.

Nun kommt aber noch ein weiterer Schlag in das deutsche Konto: Nicht nur wird die aufsichtsführende EZB Club-Med geführt, auch der bei der EZB angesiedelte Banken-Oberaufseher, der ein entscheidendes Wort bei der Bankensanierung auf Kosten der Steuerzahler mitzureden hat, gehört dem Club-Med an. Nach Aussage des Euroratsvorsitzenden Juncker soll es Daniele Nouy, die bisher der Banque de France angehört, sein. In wenig mehr als einem Jahr, am 1. März 2014, soll die EZB-Bankenaufsicht die Verantwortung von den nationalen Bankenaufsichten, also auch der deutschen, übernehmen.

Man muß sich vorstellen, was das Ganze am Ende bedeuten wird: Die deutschen Garantien und Einlagen für den ESM von bisher 190 Mrd Euro werden nach Einsatz bei der Sanierung maroder Banken in Spanien und anderen Krisenländern praktisch verloren sein, und neue deutsche Einsätze werden dann nachgefordert werden. Der Bundestag wird nicht umhin kommen, immer wieder deutsches Steuerzahlergeld nachzulegen.

Die europäischen Banken sind insgesamt noch stärker als die Regierungen verschuldet, nämlich brutto 31 Billionen Euro (Bankenpassiva ohne Eigenkapital), davon allein die fünf Krisenländer 9,2 Billionen Euro (Abb. 16891). Das entspricht den gesamten deutschen Steuereinnahmen in 16 Jahren (!). Sehr viele Banken der Eurozone sind in einem sehr schlechten Zustand. Seit 2008 haben die europäischen Steuerzahler schon rund 4,5 Billionen Euro in Form von Kapitaleinlagen, Garantien und in anderer Form an ihre Banken gegeben, was besonders die Staatsverschuldung der Krisenländer nach oben getrieben hat.




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global news 2833 10-01-13: Chinas Export powered gewaltig voran

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Der chinesische Export erreicht immer neue Rekordmarken und läßt nun den deutschen weit hinter sich (Abb. 08224).




Dabei hat sich Chinas Anteil an der Weltindustrieproduktion seit 1996 von unter 5 % auf über 20 % mehr als vervierfacht und ist an den USA vorbei auf die Weltspitzenposition vorgerückt, vor allem durch den starken Exportanstieg (Abb. 15979, 15946). Sie ist jetzt schon fast dreimal größer als die deutsche. Selbst in der EU, dem deutschen Heimatmarkt, schiebt sich nun China als Lieferant an Deutschland vorbei (Abb. 08236).





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"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 2832 09-01-13: Immer mehr Wahnsinn am Eurozonen-Arbeitsmarkt

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Es sieht schlimm aus um den Arbeitsmarkt der Eurozone. Die Zahl der Arbeitslosen hat fast 19 Millionen (18,8) erreicht, die Arbeitslosenquote einen neuen Rekord von 11,8 % mit besonders hohen Werten für Spanien 26,6 % und Griechenland 26,0 % (Abb. 15772, 15977).



Noch dramatischer auf 24,4 % ist die Jugendarbeitslosigkeit derer unter 25 Jahren hochgesprungen mit Spitzenwerten für Griechenland von 57,6 % und Spanien von 56,5 % (Abb. 15976).


Der Trend zeigt weiter steil nach oben und die Situation kann bald explosiv werden. Einen Anstieg der Arbeitslosenquote in weniger als 5 Jahren um mehr als die Hälfte von 7,2 % auf 11,8 % hat es im Durchschnitt der Eurozone nie gegeben. Dennoch meint Kommissionspräsident Barroso mit verlogener Schönfärberei, daß Schlimmste sei schon vorüber.



Auch der deutsche Arbeitsmarkt wird sich mit einer Verzögerung als verwundbar erweisen. Die heute bekannt gegebene Entwicklung der besonders wichtigen Inlandsaufträge zeigt kontinuierlich nach unten, seit Mai 2011 bereits um 17 % (Abb. 04569). Die Auslandsaufträge stagnieren.



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global news 2831 08-01-13: Gebremste Löhne und große Sparsamkeit zementieren den deutschen Wettbewerbsvorteil in der Eurozone

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Viele "Euroretter" hatten darauf gesetzt, daß mit den Sparkursen der Krisenländer dort Kosten wesentlich weniger als in Deutschland steigen und so die die Eurozone zerreißenden Kräfte im Schach gehalten werden könnten. Doch so läuft das bisher nicht, weil auch die deutsche Teuerung zurückgeht. Im letztgemeldeten Monat November 2012 lag sie nur um 1,9 % über dem Vorjahresstand, erheblich weniger als in den Krisenländern Italien (2,6 %) und Spanien (3,9 %, Abb. 16139).




Schon seit Herbst 2011 ist die deutsche Teuerung immer weiter zurückgegangen und hat damit den Abstand zu den Krisenländern kaum schrumpfen lassen (Abb. 13456). Nun wird von vielen Seiten in Deutschland zur Rettung des Euros eine größere Lohnsteigerung gefordert. Doch was, wenn die nur in der Sparsamkeit einer total verunsicherten Bevölkerung hängen bleibt? Solange der Arbeitsmarkt zu kippen und irgendwann Inflation droht und die Renten unsicher sind und überhaupt der Euro Opfer fordern kann, würden sehr viele Deutsche, wenn nicht die Mehrheit auf dem Geld aus Lohnerhöhungen sitzen bleiben, auch wenn die Zinserträge auf die Ersparnisse lächerlich gering sind.



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global news 2830 07-01-13: China überholt Deutschland mit seinen gedumpten Waren nun auch bei Exporten in die EU

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China ist der Hauptlieferant von Industriegütern aus dem Ausland auf die Märkte der EU geworden. Seit dem Jahr 2000 hat sich der chinesische Gesamtexport in die EU von ca. 60 Mrd Euro pro Jahr auf ca. 300 Mrd Euro etwa versechsfacht (Abb. 08226) und ist dabei weit größer geworden als die eigenen Exporte der EU nach China. Das ist immerhin etwa soviel, wie die deutsche Industrie pro Jahr an Industriewaren (Investitions-, Verbrauchs- und Gebrauchsgütern) in die EU exportiert (Abb. 08236). In diesem Jahr wird China mit seinen oft gedumpten Waren nun wahrscheinlich auch Deutschland bei Exporten in die EU überholen.



Bei allen Industriewaren (außer Rohstoffen, Energie und Produkten der Landwirtschaft) stieg in diesem Zeitraum der Anteil Chinas an den entsprechenden Importen der EU von etwa 9 % auf über 26 %, ein gewaltiger Anstieg. Da China mit seinen Niedrigpreisen weniger von der Krise betroffen ist, in der die Verbraucher eher zum Kauf billigerer Waren neigen, stieg der chinesische Anteil auch in den Krisenjahren seit 2007 weiter an. 2007 hatte er noch bei 23 % gelegen (Abb. 08235).


Die billigen Importe aus China üben einen erheblichen negativen Druck auf die Löhne in der Herstellung entsprechender Waren in der EU aus, soweit sie sich überhaupt noch behaupten können. Die Folge sind viel mehr niedrig bezahlte und unsichere Arbeitsplätze.



Nun steigt China auch in dem kritischen Automobilsektor immer mehr zum Giganten auf. In diesem Jahr soll seine Produktion mit 19,6 Mio PKW erstmals die von ganz Europa (einschl. Rußland) mit 18,3 Mio überholen. Die chinesische Produktion wird dann zehnmal größer als im Jahr 2000 sein. Der Anteil an der Weltautomobilproduktion ist dann von 3,5 % im Jahr 2000 auf 23,8 % gestiegen (Abb. 08237). Das wird sich in den kommenden Jahren auf den Export und den Weltmarkt von PKWs auswirken. Europa wird sich auch in dieser Hinsicht warm anziehen müssen (nicht zuletzt das vom PKW-Export stark abhängige Deutschland). Die deutsche Solarindustrie geht schon unter. Andere Industriebereiche, wie Hochgeschwindigkeitszüge (Siemens) werden auf den Weltmärkten nur noch wenig Chancen haben.


Zudem hat China einen gigantischen Berg an Währungsreserven von 3,3 Billionen US$ zusammengehäuft (Abb. 08188), mit dem es jetzt zunehmend westliche Unternehmen und Technologien aufkauft, um dann noch mehr Konkurrenz zu machen.



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global news 2829 04-01-13: Von wegen Kaufrausch in Deutschland: Einzelhandelsumsatz März bis November 2012 minus 1,7 %, Absturz der Neuzulassungen

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Das Statistische Bundesamt meldet heute für das Jahr 2012 einen stagnierenden Einzelhandelsumsatz mit einem leichten Minus von 0,2 %. Tatsächlich war aber das zweite Halbjahr viel ungünstiger als das erste und lag der letztgemeldete Monatsumsatz für November um 1,7 % unter dem vom März (Abb. 04943).




Besonders schlecht sieht es im Einzelhandel mit KfZ aus, dessen Umsatz im Zeitraum März bis Oktober saisonal- und kalenderbereinigt bereits um real etwas mehr als 6 % gefallen ist (Abb. 17431). Die Neuzulassungen lagen im Dezember um 16 % (!) unter dem Vorjahresstand (Abb. 13873).



Von der immer wieder gemeldeten Einkaufswut der Deutschen ist also keine Spur. Die Deutschen sparen sogar an Lebensmitteln, deren Umsatz im Zeitraum Januar bis November bereits um 1 % unter dem Vorjahreszeitraum lag.


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global news 2828 04-01-13: Von der ewigen Realitätsferne sehr vieler Deutscher

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Die Briten sind cool bis zur "stiff upper-lip", gelegentlich sehr ironisch und über sich selbst belustigend. Die Franzosen haben auf einem starken Gerechtigkeitsbewußtsein aufbauende politische Ideale, die sie gern mit Sendungsbewußtsein durchsetzen wollen, auch wenn sie das Zeitalter der Revolutionen hinter sich gelassen haben. Die Deutschen dagegen neigen seit Jahrhunderten zur blinden Romantik und dann auch wieder zu emotionalen Exzessen, vor denen sich die Nachbarn fürchten. In der Realität einer immer weiter globalisierten Welt sind sie intellektuell längst noch nicht angekommen. Das sind nicht nur oberflächliche Verallgemeinerungen sondern ganze Berge aus Körnchen von Wahrheiten.

Zur Realitätsferne der Deutschen gehört ein besonders ausgeprägter Massentrieb, dem man folgt, weil man sich ungern eine eigene Meinung leistet, schon gar nicht, wenn sie eine ausgiebige und mühsame Auseinandersetzung mit den Realitäten fordern würde. Propaganda hatte daher in der deutschen Vergangenheit ein besonders leichtes Spiel. Medien wie BILD können heute sehr leicht Meinung machen, weil, was gedruckt wird und schwarz auf weiß zu lesen ist und massenhaft gelesen wird, kaum noch hinterfragt wird.

Selbst von der Anlage und Aufgabe her sehr seriöse Ämter, wie das Statistische Bundesamt oder die Bundesagentur für Arbeit, kommen mit ihren häufigen Berichten in die größte Nähe zur Propaganda. Journalisten drucken diesen Mist nach, ohne ihn gegen die Originaldaten zu halten oder anders kritisch zu hinterfragen. Dabei ist es einfach, die scheunentorgroßen Diskrepanzen zwischen den amtlichen Presseerklärungen und vor allem deren Überschriften und dem Kleingedruckten der nackten Fakten festzustellen. Weniger einfach, aber umso wichtiger, wäre es, das Nichtgesagte festzustellen, das Verbergen und Unterdrücken von Fakten.



Zu den so derzeit in Deutschland besonders leicht verbreiteten Märchen gehört die Mär vom ewig robusten Arbeitsmarkt. Sie wird immer noch verbreitet, obwohl die Trendwende bereits vor Monaten eingetreten ist. Dazu gehören die Schäuble-Sprüche von der bereits überwundenen Eurokrise. Auch die demographische Zeitbombe wird von fast allen Parteien unter dem Teppich gehalten (einige besonders Verirrte halten sie für eine Erfindung der privaten Versicherungswirtschaft). Das längst und dauerhaft zu Ende gekommene Wirtschaftswachstum wird immer wieder als nur kurzfristig abgetaucht beschworen, die verweste Soziale Marktwirtschaft als putzlebendig in den Raum gestellt. Deutschland soll weiter eine Insel der Seeligen in einem europäischen Meer von Arbeitslosigkeit und Krise bleiben dürfen.

Der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen zerstörerischen Form wird von dieser meist schweigenden Mehrweit als unvermeidbar betrachtet, das alternativenverweigernde TINA-Prinzip der Regierenden ("There Is No Alternative") ohne viel Murren akzeptiert. Sogar qua Selbsternennung als kapitalismuskritisch eingestufte und hier nicht erneut zu benennende Webseiten sehen an den unerträglichen Mängeln vorbei, und schieben die schwere derzeitige Krise nur einigen wildgewordenen Spekulanten und Ober-Bankern und der angeblichen Kasino-Form des Kapitalismus in die Schuhe, ohne das Grundübel des neoliberalen Kapitalismus, nämlich die immer ungleicheren Einkommensverteilung, als eigentliche Ursache zu identifizieren. Schutz gegen chinesisches und anderes Dumping gilt diesen Naivlingen als verwerflicher Protektionismus, der nur unrentable Industriezweige vor der Konkurrenz abschotte. Und noch viel mehr solchen Blödsinns.

"Lieb Vaterland magst ruhig sein" ist noch immer das oberste Gebot einer Mehrheit von Deutschen, wie schon zu Kaisers Zeiten. Solche Mehrheiten wollen nicht ernsthaft gestört werden. Sie reagieren böse gegen jeden, der sie aufwecken und zum Nachdenken bringen möchte.


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global news 2827 03-01-13: Wieder mehr Arbeitslose: Der Arbeitsmarkt immer mehr im Sog der nachlassenden Konjunktur

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Die Beschäftigungsentwicklung stagniert praktisch schon seit Mitte vergangenen Jahres und nimmt auch gegenüber dem Vorjahr immer weniger zu (Abb. 14041).


Die Berichterstattung des Statistischen Bundesamts ähnelt immer mehr dem Pfeifen im dunkler werdenden Walde. So setzt das Amt über seine heutige Pressemitteilung die irreführende Überschrift: "Beschäftigungsaufbau schwächt sich weiter ab", statt einzuräumen, daß es keinen Beschäftigungsaufbau mehr gibt: gegenüber August 2012 sind es schon fast 40.000 Beschäftigte weniger. Noch skurriler ist unter diesen Umständen die Schlagzeile des Amtes über dem Jahresbericht von gestern: "Zahl der Erwerbstätigen erreicht im Jahr 2012 erneut Höchststand" mit der Aussage:

"Nach ersten vorläufigen Berechnungen erreichte die Zahl der Erwerbstätigen damit im sechsten Jahr in Folge einen neuen Höchststand."



Die Presse stimmte da natürlich begeistert ein. Was allerdings nicht erwähnt wurde, ist daß der Höchststand schon überschritten wurde und die Reise bereits nach unten geht. Leider meldet das Statistische Bundesamt zwar das Jahresergebnis für 2012, nicht aber das Ergebnis des letzten Quartals. Das muß man sich dann selbst zusammenrechnen, um den Abschwung festzustellen (Abb. 17430).


Auch die Arbeitslosigkeit hat im Dezember im siebten Monat in Folge saisonal bereinigt wieder zugenommen (Abb. 14925), zusammen in diesem Zeitraum schon um 68.000. Dennoch setzt die Bundesagentur für Arbeit beschönigend die Überschrift "Robuste Arbeitsmarktentwicklung auch am Jahresende", statt ehrlich von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu sprechen. Auch nicht saisonal bereinigt ist die Arbeitslosigkeit um 88.000 auf 2,84 Millionen gestiegen, die Unterbeschäftigung stieg ebenfalls wieder an (Abb. 14726).



Hinzu kommt wieder eine ganze Menge der leider üblichen Trickserei mit der Statistik. Nur noch 54,2 % der 5,2 Millionen Unterstützungsbezieher wurden im Dezember 2012 amtlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980). Nur sechs Jahre zuvor lag der Wert noch bei 65 %. Und dabei wurde vielen Menschen die Stütze gestrichen, weil sie nicht jede Arbeit angenommen haben, so daß der Anteil an den eigentlich unterstützungsbedürftigen Arbeitssuchenden noch tiefer gefallen sein dürfte.


Neben 2,5 Millionen Erwerbslosen setzte sich das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial schon im Jahr 2011 aus knapp 2,0 Millionen Unterbeschäftigten in Teilzeit, 1,7 Millionen Unterbeschäftigten in Vollzeit und 1,2 Millionen Personen in der Stillen Reserve zusammen (Abb. 17336). Auch das zeigt die Unehrlichkeit der amtlichen Arbeitslosenzahl.


Daß der deutsche Arbeitsmarkt in schwierige Zeiten kommt, zeigt sich auch im Stellendindex der Bundesanstalt für Arbeit, der seit Beginn des vergangenen Jahres zurückläuft (Abb. 14616).


Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind entgegen der amtlichen und im Wahljahr noch hochfahrenden Propaganda nicht gut. Nach dem renommierten Markit-Einkaufsmanager-Index schrumpfte der Auftragseingang den 18. Monat in Folge mit dem stärksten Rückgang seit August und wird die Industrieproduktion verstärkt zurückgefahren. Dazu Markit:

"Die deutsche Industrie setzte ihre Talfahrt auch im Dezember fort. Sowohl das Produktionsvolumen als auch der Auftragseingang nahmen weiter ab, die Rate der Neuaufträge fiel dabei auf ein Vier-Monatstief. Schwierigkeiten bereitet den Unternehmen der erneut verringerte Eingang an Neu- und Folgeaufträgen. Besonders schwach war die Nachfrage aus dem Ausland. Insgesamt verzeichnete die deutsche Industrie den geringsten Ordereingang der letzten vier Monate. Die meisten Umfragemitglieder machten die schwache Nachfrage und die Unwägbarkeiten der Wirtschaftsentwicklung für den fortgesetzten Negativtrend verantwortlich. Der Index spiegelt das Ergebnis der aktuellen Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen zur Industriekonjunktur in Deutschland in einem Wert wider. Bereits seit März notiert er unterhalb der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Der Wert für Dezember entspricht dabei annähernd dem Durchschnitt der aktuellen Negativphase."

Abb. 17291 zeigt, wie stark die gesamte Wirtschaftsentwicklung dem Index entspricht.



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global news 2826 03-01-13: Frühverrentung wegen psychischer und Verhaltensstörungen in nur 5 Jahren um fast 44 % gestiegen

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Nach den Daten der deutschen Rentenversicherung stieg der Zugang zur Rentenversicherung wegen psychischer und Verhaltensstörungen zwischen den Jahren 2000 und 2011 von rund 51.000 auf rund 73.000. Allein in den 5 Jahren seit 2006 betrug der Anstieg fast 44 % (Abb. 17426).


Gemessen an allen Zugängen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit stieg der Anteil wegen psychischer und Verhaltensstörungen von 24 % im Jahr 2000 auf fast 41 % im Jahr 2011 (Abb. 17425). Bei den Frauen stieg dieser Anteil sogar auf 47,4 %, mit rund 41.000 fast jeder zweite Fall an Frühverrentung.


Der Anstieg hat eine gleichmäßige Tendenz nach oben, vor allem seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008. Hier zeigen sich über Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen vor allem die Folgen steigender nervlicher Belastungen am Arbeitsplatz. Auch die Krankenkassen haben immer wieder über den Anstieg psychischer Krankheiten, insbesondere von Depressionen berichtet.



Die Deutschen nehmen heute doppelt so viele Antidepressiva wie noch vor zehn Jahren. Jedes Jahr kommen fast elf Millionen Tage zusammen, an denen Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, nicht zur Arbeit gehen können. Die Barmer Ersatzkrankenkasse, die größte gesetzliche Versicherung, hat für ihren "Report Krankenhaus 2011" die Daten von mehreren Millionen Patienten für 2010 ausgewertet. Das Bild der mentalen Nöte vieler Deutschen ist alles andere als beruhigend. Die Zahl der wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus Eingelieferten hat in den vergangenen 20 Jahren um 129 Prozent zugenommen. Waren 1990 rund 3,7 von 1000 Versicherten betroffen, so waren es 2010 bereits 8,5 (Abb. 15675). Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anstieg noch beschleunigt. 2010 landeten über doppelt (plus 117 %) so viele Menschen wegen Depressionen im Krankenhaus wie zehn Jahre zuvor (Abb. 15676).



Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen meldete ebenfalls einen Anstieg der psychisch verursachten Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Pflichtmitglieder seit 1978 um fast 250 % mit besonders steilem Anstieg in den letztgemeldeten 5 Jahren bis 2010 (Abb. 04148). Ähnlich ist das Ergebnis bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (Abb. 14792).



Wo soll das eigentlich noch hinführen, bevor der Arbeitsdruck zurückgenommen wird? Die deutschen Medien meldeten die Daten zur Frühverrentung wie eine plötzliche Sensation, doch sind sie seit vielen Jahren verfügbar. Siehe auch letzten Rundbrief "Deutsche Rekorde in Kinderlosigkeit und Alleinleben".


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global news 2825 02-01-13: Noch so eine Mogelpackung des Statistischen Bundesamts enttarnt: Angeblicher Anstieg der Reallöhne

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Zum Jahresende hatte sich das Statistische Bundesamt eine besonders schöne, wenn auch irreführende Meldung aufgehoben. Sie kam unter der Überschrift "Reallöhne im 3. Quartal 2012 zum Vorjahresquartal um 1,0 % gestiegen" und gipfelte in der Aussage: "Damit sind die Reallöhne seit dem ersten Quartal 2010 das elfte Quartal in Folge nicht gesunken - neun Quartale wiesen Reallohnsteigerungen auf, in zwei Quartalen blieben sie unverändert".



Die deutsche Presse greift solche Meldungen natürlich gern auf, so z.B. ZEIT-online mit dem Kommentar: "Arbeitnehmer in Deutschland hatten im dritten Quartal unterm Strich wieder etwas mehr Geld in der Tasche". Nur führt eine solche Meldung, wohl nicht unabsichtlich, gleich zweimal in die Irre. Erstens ist der Anstieg fast nur der Entwicklung der Gehälter der Leitenden Angestellten von Ackermann abwärts und - in geringerem Umfang - der sogenannten "herausgehobenen Fachkräfte" zu verdanken. Die hatten im 3. Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr nach Abzug der Verbraucherpreisentwicklung 1,4 % bzw. 1 % mehr in der Tasche. Dagegen war es bei den anderen Leistungsgruppen sehr viel weniger oder gar ein Minus (Abb. 10002, 17427). Folgt man der amtlichen Berechnung innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, so haben sich die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im 3. Quartal 2012 verbraucherpreisbereinigt gegenüber dem Vorjahr praktisch nicht verändert.



Die zweite Mogelpackung liegt bei der Ermittlung der Verbraucherpreisentwicklung. Normale Arbeitnehmer und Rentner geben Geld vor allem für Nahrungsmittel, Bekleidung/Schuhe, Wohnungsmiete, Wasser, Strom, Gas u.a. Brennstoffe, den Unterhalt ihres Fahrzeuges und für Verkehrsdienstleistungen aus. Deren Preise sind viel stärker gestiegen als der amtliche Durchschnittsindex, dessen Entwicklung durch geringere Preisentwicklungen bzw. -senkungen bei technischem Gerät und langlebigen Wirtschaftsgütern gebremst wird (Abb. 14461).


Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im Mittelfeld oder darunter (also ohne Ackermann u.Co.) dürfte also weniger Gehaltssteigerung erfahren haben, als seine Ausgaben durch Preissteigerungen nach oben getrieben wurden. Leitende Angestellte in sozialer Betrachtung als Arbeitnehmer einzuordnen ist eh ein Unding. Eines solche Statistik muß in die Irre führen.


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"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 2824 31-12-12: Der Fall Steinbrück: Wenn sich in diesem traurigen Land alles nur noch ums Geld dreht

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Es ist wirklich traurig, wie das Diktat des Geldes am deutschen Leben würgt. Die einen bekommen nicht genug, weil sie zu wenig zu einem würdigen Leben haben. Die anderen bekommen in ihrer Gier nach immer mehr nicht genug, obwohl sie schon fast alles haben. Das geht nun bis in die obersten Bereiche der politischen Elite. Ein Kanzlerkandidat, der - bevor er auch nur gewählt ist - schon für eine Erhöhung des Kanzlergehalts einzutreten scheint, obwohl er schon viele Millionen hinter sich gescheffelt hat, ist ein besonders schlimmes Beispiel.

Leider hatte Steinbrück viele andere Vorgänger, die ebenfalls nicht genug bekommen konnten. Ein Schröder wollte unbedingt die dicken Zigarren mit den Bossen rauchen und konnte nach seinem politischen Abgang nicht schnell genug an lukrative Jobs kommen. Ex-Bundespräsident Köhler nahm den Präsidentenjob bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London erst an, nachdem er eine erhebliche Aufstockung seines steuerfreien (!) Jahresgehalts auf ungerechnet rund 250.000 Euro durchgesetzt hatte (mehr als 310.000 Euro zu heutigen Verhältnissen, plus freie Wohnung und andere Präsidenten-Vorteile) und das, obwohl jeder seiner Vorgänger sich bis dahin mit dem einmal festgelegten Gehalt zufrieden gegeben hatte. Und es gibt viele ähnliche Beispiele aus der deutschen Macht- und Wirtschafts-Elite.

Auf der anderen Seite werden Kinder in Deutschland rücksichtlos aus dem Familienfahrplan ausgebucht, weil sie zu viel kosten. Fast nur in Deutschland führt das zu einem solchen demographischen Niedergang. Im derzeit krisengeschüttelten Irland steigt dagegen die Geburtenrate munter nach oben. Gerade in Krisenzeiten gilt Familie als ein besonderer Wert.

Dabei macht Reichtum nicht nur gierig nach immer mehr. Er macht auch dumm. Man muß sich eigentlich wundern, wie kurzsichtig sehr viele Reiche sind, wenn sie in ihrer Gier hemmungslos ihren sehr oft unverdienten Reichtum scheffeln. Sie machten und machen den Staat arm, indem sie seit vielen Jahren mit ihrem gewaltigen Einfluß auf die Politik Steuersenkungen erzwingen oder Steuern überhaupt Dank vieler absichtlich aufgelassener Schlupflöcher vermeiden und nun auch noch die Kosten der Krise auf den von ihnen schon ausgeraubten Staat abschieben. Derselbe Steinbrück, der sich jetzt um das (sein?) Kanzlergehalt sorgt, hat als Finanzminister die Steuern auf Vermögens- und Unternehmenseinkünfte großzügig gesenkt und so die Reichen noch reicher gemacht. Doch im Ergebnis ist der deutsche Staat immer ärmer geworden (Abb. 17422).


In der Folge sind öffentliche Einrichtungen, auf die Deutschland einmal stolz sein konnte, privatisiert worden oder anders verkommen. Weder Bundesbahn noch Post sind im neuen privaten Kostüm trotz steigender Gebühren mehr, was sie einmal waren. Kindergärten, die einmal schon vom international gebrauchten Wort her ein deutsches Aushängeschild waren, fehlen. Bildung ist unterfinanziert. Sozialrenten sind unsicher geworden. Die FDP als Partei der Besserverdiener will unter Rösler noch mehr öffentliches Vermögen privatisieren.



Doch in einem immer ärmeren Staat und einem unter sozialem Druck vergreisendem Land werden auch die Reichen am Ende nicht glücklich leben können. Ich erinnere mich immer an die Worte des südafrikanischen Gewerkschaftsführers Ramaphosa am Vortag der Wahlen, die die Schwarzen unter Nelson Mandela endlich demokratisch an die Macht brachten. Er meinte damals in einer Gesprächsrunde mit dem angereisten Bundeswirtschaftsminister Möllemann, die reichen Weißen könnten ihre Mauern immer höher bauen, es würde ihnen nichts helfen.

So wird das auch bei uns sein. Doch dumme Reiche werden das zu spät begreifen, nachdem die Gesellschaft, von der sie wie alle Anderen abhängen, schon schwer gelitten hat. Mit ihren medialen Verdummungsmaschinen verdummen sie sich auch selbst. Schade um Deutschland, ein Land, auf das man derzeit nicht mehr stolz sein kann.


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global news 2823 29-12-12: Deutsche Rekorde in Kinderlosigkeit und Alleinleben

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Die Zahl der kinderlosen Frauen nimmt von Generation zu Generation zu, vor allem bei Frauen mit höherer Ausbildung (Abb. 14729, 14730).



Zusammen mit Spanien und Italien hatte Deutschland schon 2007 die höchste Rate an kinderlosen Frauen in Westeuropa, fast doppelt so hoch wie in Schweden (Abb. 17404).


Auch der Anteil der Alleinlebenden und Alleinstehenden ohne Kinder nimmt immer mehr zu. Von 17,5 % an allen Lebensformen in Deutschland im Jahre 1996 ist er bis 2011 bereits auf 21,7 % gestiegen (Abb. 17395). Diese Gesellschaftsgruppe konzentriert sich auf die Großstädte über 500.000 Einwohner, wo der Anteil bereits bei 29 % liegt. Nach Ansicht des Statistischen Bundesamts hängt die Konzentration damit zusammen, daß Großstädte generell eine bessere Infrastruktur sowie vielfältige Kultur- und Freizeitangebote bieten. Auch dürften das dichtere Verkehrsnetz sowie das große Angebot an Versorgungseinrichtungen insbesondere für Alleinlebende eine wichtige Rolle bei der Organisation beziehungsweise Gestaltung ihres Alltages darstellen. Doch wahrscheinlich gehen die Großstädte wie so oft nur der ländlichen Entwicklung voraus.




Im internationalen Vergleich hatte Deutschland 2010 nach Schweden den höchsten Anteil an Alleinlebenden in der Definition von Eurostat (Abb. 17396). Gleichzeitig aber liegt die Kinderzahl pro Frau in Schweden um 40 % höher, die Kinderlosenrate viel geringer (siehe oben) und ist dort ein viel größerer Teil der Frauen und Mütter berufstätig, kann also Beruf mit Kindererziehung viel besser kombinieren.


Bei einer neueren Umfrage stimmten der Aussage "Ein Kleinkind wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist", im Westen 63 % der Befragten zu, im Osten dagegen nur 36 %. Die SPD will diesem negativen Urteil jetzt entgegenwirken, indem sie in ihr Wahlprogramm die Forderung nach einer staatlich bezuschusste 30-Stunden-Woche während zwei bis drei Jahren für junge Väter und Mütter zwischen 25 und 40 Jahren aufgenommen hat. Man muß leider Zweifel haben, daß das viel bringt. Keines der Länder mit hoher Geburtenziffer hat ein solches Programm. Auch eine 30-Stundenwoche wird in Deutschland als karriere- und einkommensschädigend betrachtet werden. Außerdem ist in den meisten ostdeutschen Bundesländern (von Sachsen abgesehen) trotz der wesentlich weniger verbreiteten Sorge vor Nachteilen der Berufstätigkeit der Mutter für das Kleinkind die Geburtenziffer auch nicht wesentlich höher als im Altbundesgebiet (Abb. 17424). Soweit sie geringfügig höher ist, dürfte das wohl eher an der besseren Ausstattung mit Kindergärtenplätzen liegen.


Die demographische Entwicklung stagniert in Deutschland schon seit vielen Jahren auf einem niedrigeren Niveau als in den meisten anderen Vergleichsländern. Schon seit der Wiedervereinigung liegt die Geburtenziffer stagnierend bei unter 1,4 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter, im letztgemeldeten Jahr 2011 mit von 1,36 auf demselben niedrigen Niveau wie schon 1997 (Abb. 14806), zusammen mit den krisengeschüttelten Ländern Portugal und Spanien der letzte Platz in Westeuropa (Abb. 04047). Nach 15 Jahren Stagnation deutet sich allen gelegentlichen Sprüchen der jeweiligen Familienministerin zum Trotz keine Erholung an. Bei solchem Geburtenverhalten bleiben von 100 Müttern nach drei Generationen nur noch 46 Enkelinnen übrig, die - soweit nicht kinderlos - noch Nachwuchs in die deutsche Welt setzen werden, der dann die Renten für die viel zahlreicheren Großeltern verdienen muß (jeder kann die Rechnung selbst machen). Dementsprechend sinkt auch die Zahl der Geburten immer weiter; seit 1997 bereits um 21 % (Abb. 04579). Schon wegen der bereits eingetretenen Reduzierung der Zahl der potenziellen Mütter muß sich diese Geburtenentwicklung für sehr viele Jahre nach unten fortsetzen.





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global news 2822 28-12-12: Was ist eigentlich "ordentliches" Wirtschaftswachstum und was "das Schlimmste" der Eurokrise, Herr Schäuble?

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Bundesfinanzminister Schäuble heute in BILD:

"Ich glaube, wir haben das Schlimmste hinter uns (zur Eurokrise). Länder wie Griechenland haben erkannt, daß sie die Krise nur mit harten Reformen überwinden können. Die Regierung in Athen weiß, daß sie die anderen Euro-Staaten finanziell nicht überfordern darf. Deshalb treibt sie jetzt die Reformen ja auch voran." und

"Die (deutsche) Lage ist besser als gedacht, weil unter anderem die Geschäfte mit den USA und Asien stärker anziehen. Die deutsche Wirtschaft wird daher auch 2013 ordentlich wachsen."

Das ist gleich mehrfach an den Fakten vorbeigeführt. Die Eurokrise ist mitnichten über den Berg. In Griechenland, Spanien und Italien wird die Wirtschaftsleistung nach allen Prognosen weiter einbrechen und bleibt die Arbeitslosigkeit in unerträglicher Höhe. Die Bevölkerungen lehnen ganz überwiegend die schon eingeschlagenen Reformen und erst recht weitere ab. In Italien ist der Reformzug längst zum Stillstand gekommen und zuletzt auf Berlusconis Prellbock aufgelaufen. In Griechenland und Spanien stehen die Reformen bisher weitgehend nur auf dem Papier, das bekanntlich geduldig ist. Bei Griechenland stehen immer noch 53 Mrd Euro an Steuerforderungen aus und fordert die Troika aus EU, IWF und EZB jetzt, 80 % davon abzuschreiben, weil sie ohnehin nicht einzutreiben sind. Nach dem letzten Bericht der Troika hat die griechische Regierung die Hälfte der 10 Ziele im Steuerbereich im letzten 6-Monatszeitraum immer noch nicht erreicht.

Zum Schlimmsten der Eurokrise, was uns noch bevorsteht, gehört die Bankenunion mit der drohenden Vergemeinschaftung der Schulden der Banken, die noch weit größer als die der Staaten sind. Spanien sind für seine Banken schon 100 Mrd Euro aus dem Rettungsfond zugesagt. Jetzt wird bekannt, daß die am meisten angeschlagene Bank Bankia inzwischen einen negativen Wert von 4,2 Mrd Euro haben soll. Insgesamt wird allein die Mutergesellschaft dieser einen Bank rund 18 Mrd Euro an Rettungsgeldern brauchen. Anders als in Deutschland bei der WLB ist an eine Zerschlagung der Bank nicht gedacht.



Der Export auf den wichtigsten deutschen Absatzmarkt, die Eurozone, ist erheblich eingebrochen. Bei den USA droht bekanntlich die Fiskalklippe, die wohl nicht mehr zu vermeiden sein wird und die Wirtschaftsentwicklung bremsen muß. Insgesamt entwickelt sich der deutsche Export ganz ohne das von Schäuble behauptete Anziehen eher seitwärts (Abb. 17423). Die Bundesregierung selbst hat die Wachstumsprognose für 2013 auf nur noch 1 %, also in die Nähe der Fehlergrenze, gesenkt. Was daran "ordentlich" sein soll, bleibt Schäubles Geheimnis.



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global news 2821 27-12-12: 2012: War's das?

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Das Jahr 2012 wird uns in Erinnerung bleiben als das Jahr, in dem sich die Eurokrise erheblich verschärfte und selbst die Bundesregierung ihre Lebenslüge, das koste uns nichts, nicht mehr aufrecht erhalten konnte.

Es war auch das Jahr, in dem der deutsche Niedriglohnsektor weiter wucherte und ein flächendeckender Mindestlohn immer noch verweigert wurde. Nach der neuesten Meldung von Eurostat hatte Deutschland schon 2010 mit 22,2 % den höchsten Niedriglohnanteil unter allen Vergleichsländern in Westeuropa (Abb. 15972). Deutschland wird damit immer weniger eurofähig und zugleich wegen seiner Exportüberschüsse immer mehr von der Konjunktur im Ausland, besonders in der Eurozone, abhängig.


Gleichzeitig steigt seit Anfang 2012 die Zahl der Arbeitslosen über 55 Jahre wieder und lag im letztgemeldeten Monat November mit 535.000 bereits um 4 % über dem Vorjahresstand (Abb. 17401). Außerdem werden fast 118.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger im Alter von über 58 Jahren nicht mehr mitgezählt, weil sie von den Jobcentern ein Jahr lang kein Arbeitsangebot bekommen hätten. Es war aber auch das Jahr, in dem die Arbeitslosigkeit insgesamt in saisonal bereinigter Form wieder zu steigen begann (Abb. 14925).



Auch 2012 sind die privaten Haushalte im obersten Viertel noch reicher geworden und der Staat noch ärmer (Abb. 17403), gab es mehr Millionäre in Deutschland und zugleich mehr sozial Schwache, öffnete sich den Ermahnungen der Kirchen und des Bundespräsidenten in seiner Weihnachtsansprache zum Trotz die soziale Schere noch stärker.


Unter dem sozialen Druck und der Unvereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft breiten sich in Deutschland Singles und Kinderlose aus. Dementsprechend sinkt die Zahl der Geburten immer weiter; seit 1997 bis zu den letztveröffentlichten Daten für 2012 bereits um 21 %, wohlgemerkt unter Einschluß der zahlreicheren Immigrantenkinder (Abb. 04579).


Und 2012 war das Jahr, in dem die Doha Climate Change Conference scheiterte und kein neues Klimaprotokoll zur Begrenzung der Emissionen von Treibhausgasen vereinbaren konnte. Es wurde nur das vorhandene Kyoto-Protokoll, das große Verschmutzer unter den Entwicklungsländern, wie China, praktisch ausnimmt und von den USA auch aus diesem Grund nicht akzeptiert wird, verlängert. Damit muß sich die Menschheit definitiv auf mehr als 2 Grad Temperatursteigerung über das vorindustrielle Niveau hinaus einrichten und wird um gewaltige Dammbauten gegen den ansteigenden Meeresspiegel nicht herumkommen.



Dabei war 2012 wieder ein besonders warmes Jahr. Die Jahre 2001-2011 waren alle unter den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnung und das Jahr 2012 soll keine Ausnahme geworden sein, trotz des kühlenden Einflusses der La Niña Meeresströmung zu Beginn des Jahres. Jedenfalls war der Zeitraum von Januar bis Oktober die neuntwärmste entsprechende Periode seit 1850. Die Weihnachtstemperatur von 20,7 Grad C in Süddeutschland war eine starke Erinnerung an die ungewöhnliche Temperaturentwicklung.

Besonders warm wurde es in der Arktis (Abb. arctis). Neue Messungen über Satelliten zeigen, daß das arktische Eis immer schneller schmilzt und daß - entgegen früheren Annahmen - auch das antarktische Eis abnimmt. Unterstützt von der amerikanischen und der europäischen Weltraumbehörde Nasa und Esa haben Wissenschaftler die Satellitendaten zur Oberflächenhöhe, dem Gletscherfluß und den Effekten der Gravitation zusammengebracht und damit zum ersten Mal eine einheitliche wissenschaftliche Analyse erarbeitet. Danach sind die Eisschilder von Grönland, der westlichen Antarktis und der antarktischen Halbinsel zwischen 1992 und 2011 in einem Volumen geschmolzen, das den Zugewinn in der östlichen Antarktis mehr als kompensiert. Rechnet man die Eisschmelze an beiden Polen zusammen, hat der Beitrag des schmelzenden Eises zum Meeresspiegelanstieg von 0,27 Millimeter pro Jahr auf 0,95 Millimeter pro Jahr zugenommen (Abb. 07419).



Sollte eines fernen Tages das gesamte Grönlandeis geschmolzen sein und Grönland wieder Grünland sein, so wäre der Meeresspiegel weltweit um 6 bis 7 Meter höher (was es vor langen Zeiten schon einmal gegeben hat). Die norddeutsche Tiefebene, wäre wieder um viele Meter unter Wasser (Abb. Meeresspiegel+6) und viele Großstädte, wie Hamburg, würden schon ab 1 oder 2 Meter nasse Füße bekommen (Abb. 07142, Meeresspiegel+1).




Natürlich gab es viel mehr in 2012. So hat Deutschland nun einen Kanzlerkandidaten, der am glücklichsten war, wenn er als Angelas Finanzminister die Kavallerie in die Schweiz schicken und die deutschen Steuern auf Unternehmensgewinne und Vermögenseinkünfte senken konnte. Doch dies und das meiste Andere des Jahres 2012 wird bald vergessen sein und nicht so sehr unsere Zukunft bestimmen, wie die hier festgehaltenen Elemente.


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global news 2820 24-12-12: Was verbindet uns noch mit Stalingrad?

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In diesen Tagen berichten die deutschen Medien immer wieder über die Schlacht um Stalingrad. Die meisten heute aufwachsenden Menschen haben wenig Bezug dazu und können höchstens den Kopf schütteln über den Wahnsinn von damals.

Stalingrad war vor siebzig Jahren fast überall in Deutschland. Witwen und Waisen entstanden im Rhythmus der gewaltigen Menschenverluste in Stalingrad und an den anderen Fronten, die Nazi-Deutschland über den Kontinent und sogar jenseits davon unterhielt. Der kalte Winter von 1942 machte auch vor der "Heimatfront" nicht halt. Die Bombennächte hätten jeden überzeugen müssen, daß der Krieg längst verloren war. Die Lehren aus Stalingrad sind nach dem demokratischen Neuanfang längst gezogen worden. Zwar verirrt sich immer noch deutsches Militär bis nach Afghanistan und an die syrische Grenze, doch will es nicht mehr die Welt erobern.

Ich fühle mich noch mit der Zeit von Stalingrad verbunden. Wurde ich doch mit zwei Jahren Kriegswaise, wenn auch von einer anderen russischen Front her. Ich habe noch die enorme Not und Kälte jener Jahre erlebt. Ich habe in jungen Jahren noch gelernt, daß es weniger auf den Inhalt des Portemonnaies als des eigenen Kopfes ankommt. Für mich sagt Stalingrad auch heute noch sehr viel.

Doch meine Generation als die letzte, in deren Bewußtsein sich Stalingrad noch eingraben konnte, hat den Abgang begonnen. Die nach uns kommen, sind in viel friedlicheren und am Ende auch viel wohlhabenderen Zeiten aufgewachsen. Was kann ihnen da Stalingrad sagen, soweit sich nicht einige wenige wieder für den Krieg und das Militär begeistern und immer noch am Stammtisch die "Mutter aller Schlachten" gewinnen wollen?

Mit Stalingrad ist aber auch ein historischer Schlußstrich unter eine ganze Epoche deutscher Geschichte gezogen worden. Was nach dem Krieg sehr schnell im Wirtschaftswunder und einem ziemlich platten Materialismus seinen Fortgang nahm, war eine neue Zeit. Sie wurde in Westdeutschland durch die Teilung auch zu einer Zeit, in der das amerikanische Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell Vorbild war. Man verglich sich, wie in USA, mit den Nachbarn nach der PS-Leistung des eigenen Wagens vor der Haustür. Deutschland begann eine neue Art von Krieg zu führen: einen Wirtschaftskrieg, in dem zunächst die Stärke der DM zählte und später die Exportweltmeisterschaft. Man fühlte sich auch stark. Stalingrad war vergessen.



Ich habe mich immer, wie sehr viele noch in meiner Generation, mehr an Frankreich und französischer Kultur als an amerikanischer orientiert. Sie war dem näher, was Deutschland einmal hatte. Rainer Maria Rilke hatte sich schon zu Beginn der 20. Jahrhunderts für Frankreich und dabei auch für die französischen Karussells begeistert, über deren eines im Jardin du Luxembourg er ein berühmtes Gedicht schrieb.


Anders als im neuen Deutschland mit der Orientierung auf die USA (und neuerdings China) laufen die alten Karussells in Frankreich noch immer. Sie werden sogar zahlreicher für die vielen Kinder, von denen Frankreich so viele mehr als das neue Deutschland hat. Kinder können auf dem Champ de Mars am Eiffelturm, der Place de la Concorde, im Jardin du Luxembourg oder an vielen anderen Plätzen quer durchs Land dem alten Kindervergnügen frönen, oft sogar gratis. Das älteste noch funktionierende Karussell ist schon 134 Jahre alt. Inzwischen gibt es allein in Paris 55 ständige Karussells, von denen zwanzig gerade dazu gekommen sind - ein Geschenk des Bürgermeisters an seine Mitbürger. Es sind große und stattliche Karussells, nicht die kleinen zeitweiligen Ableger, die auf deutschen Jahrmärkten ihre Runden drehen. Denkbar in Deutschland? Nach Stalingrad?


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global news 2819 23-12-12: Immer mehr Ältere in der Hartz-4-Falle

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Es kommt einem vor wie ein böser Witz. Hier zunächst die Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit und dann einige Fakten:

"Die Bundesagentur für Arbeit hat in diesem Jahr viel in ein positiveres Image von "Hartz IV" investiert. Sie hat über Irrtümer und Vorurteile gesprochen, um zu demonstrieren, dass das Bild von Langzeitarbeitslosen und Jobcentern in der öffentlichen Wahrnehmung korrigiert werden muss. Das Jahr endet mit der Veröffentlichung eines Buches unter dem Titel "Wir sind gut". Es erzählt Geschichten über Menschen, die sich nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit wieder in das Arbeitsleben zurückgekämpft und immer an eine neue Chance geglaubt haben. Es erzählt auch von Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern, die sie in diesem Glauben bestärkt und unterstützt haben und von Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihnen eben diese Chance gegeben haben. Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der BA: "Hartz IV ist keine Sackgasse und in den Jobcenter arbeiten keine Bürokraten. Das soll in diesem Buch deutlich werden."

Tatsächlich, wie jetzt ebenfalls bekannt wird, bleiben gerade immer mehr ältere Menschen in der Arbeitslosigkeit hängen und müssen von Hartz-4=Leistungen leben. Seit Anfang dieses Jahres steigt die Zahl der Arbeitslosen über 55 Jahre wieder und lag im letztgemeldeten Monat November mit 535.000 bereits um 4 % über dem Vorjahresstand (Abb. 17401). Außerdem werden fast 118.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger im Alter von über 58 Jahren nicht mehr mitgezählt, weil sie von den Jobcentern ein Jahr lang kein Arbeitsangebot bekommen hätten.




Im November waren rund 291.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre registriert. Das waren rund 15.000 mehr als noch im November 2010, was einem Zuwachs von 6 % entspricht (Abb. 17401). Das Risiko für ältere Arbeitslose, keine neue Stelle zu finden und so in die staatliche Grundsicherung abzurutschen, ist also in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen.



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global news 2818 22-12-12: Deutschland mit dem größten Niedriglohnanteil in Westeuropa

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Nach der Meldung von Eurostat vom 20. Dezember 2012 hat Deutschland mit 22,2 % den höchsten Niedriglohnanteil unter allen Vergleichsländern in Westeuropa. In Frankreich sind es nur 6,1 %, in den skandinavischen Ländern zwischen 2,5 % und 7,7 % und selbst im Durchschnitt der Eurozone nur 14,8 % (Abb. 15972).


Die prekäre deutsche Situation besteht - mit Ausnahme von Irland und Großbritannien - sogar, wenn nur der Niedriglohnanteil bei Menschen mit mittlerer Bildung verglichen wird (Abb. 15973); es ist also nicht nur ein Phänomen niedriger Bildung.


Die regierungsamtliche Verweigerung eines flächendeckenden Mindestlohns, wie sonst in Westeuropa vorhanden, ein wuchernder, unsicherer und schlechtbezahlter Leiharbeitssektor, eine ziemliche brutale Ausnützung der Frauenarbeit mit dem größten Lohnabstand in Westeuropa (Abb. 13809) und die Bereitschaft der Regierung, Niedriglöhne mit Hartz-4 Leistungen auch noch zu subventionieren, sind alles Teil eines in den anderen westeuropäischen Ländern so nicht vorhandenen sozialen Skandals.


Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, daß sich die deutschen Lohnstückkosten, die für die Wettbewerbslage entscheidend sind, soviel besser als die unserer Partner in der Eurozone entwickelt haben (Abb. 15843). Deutschland hat keinen Grund, darauf auch noch stolz zu sein, wie die Regierung vorgibt.




Deutschland hat jedenfalls gründlich Abschied von dem genommen, was sich einmal Soziale Marktwirtschaft nannte. Zusammen mit China ist es zum Pariah der globalen Weltwirtschaft geworden, der seinen Partnern einen unfairen Wettbewerb liefert und deren Arbeitsplätze klaut, bis sie um deutsches Rettungsgeld betteln müssen. Noch vor 20 Jahren wäre eine solche Situation undenkbar gewesen. Schon die deutsche Teilung und die Angst vor dem Kommunismus ließen deutsche Kapitalisten sozial denken.


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global news 2817 21-12-12: Nun auch noch zahlen für russischen Oligarchen auf Zypern, wann endlich kommt bei einem Banken-Crash das Bail-in der privaten Gläubiger?

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Die Eurorettung wird immer skurriler und immer ärgerlicher für deutsche Steuerzahler. Zypern und seine Banken haben so viele Schulden, das selbst das jetzt erbetene Hilfspaket von 17,5 Mrd Euro bereits der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung des kleinen Landes von 17,8 Mrd Euro entspricht. Mit anderen Worten: Chancen auf Rückzahlung gleich null.

Von diesem Hilfspaket werden allein 10 Mrd Euro für die Banken der Insel gebraucht und damit fast so viel wie der deutschen "Soli" pro Jahr an Steuereinnahmen erbringt (12,8 Mrd Euro). Die Gesamtverbindlichkeiten der zypriotischen Banken sind auf astronomische 132 Mrd Euro geklettert, nach Irland die zweithöchste Verschuldung von Banken gemessen am BIP in der Eurozone (Abb. 16928).


Ein großer Teil der Verbindlichkeiten besteht gegenüber wohlhabenden Russen, vor allem Oligarchen. Deren Gelder werden gewaschen und dann als Investitionen nach Rußland zurückgeschleust. Auf diese Weise wurde das klitzekleine Zypern mit 13,6 Mrd weit vor Deutschland der größte Direktinvestor in Rußland.

Nach Äußerungen aus EU-Kreisen ist die Lage Zyperns noch dramatischer als die Griechenlands. Die Wirtschaft ist im tiefen Fall (Abb. 15971). Das Ganze ist auch pikant, weil der seinerzeitige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in einer Rede in Zypern erst vor vier Jahren den damaligen Euro-Beitritt des Landes in den höchsten Tönen gefeiert hatte. Er hob die exzellente Wirtschaftsentwicklung Zyperns hervor und die starke Stützung dieses Prozesses durch eine starke Nachfrage privater Verbraucher, obwohl die auf Pump erfolgte und mit zu der heutigen Krise geführt hat.


Im Ergebnis verlangt der Internationale Währungsfonds als Bedingung für seine Beteiligung am Hilfsprogramm einen Schuldenschnitt zu Lasten der privaten Gläubiger der Banken, darunter vor allem auch Oligarchen und anderer Reiche aus Rußland. Doch unter den Regierungen der Eurozone gibt es Widerstand gegen einen Schuldenschnitt, weil man bei Griechenland seinerzeit erklärt habe, es handele sich um einen nicht wiederholbaren Einzelfall. Soll also der deutsche Steuerzahler auch noch die Russen und andere Gläubiger zypriotischer Banken mit deren meist tiefen Taschen retten?

Überschuldungskrisen, wie jetzt wieder in Zypern, kommen häufig vor. Nach Berechnungen von Reinhart und Rogoff gab es in 200 Jahren seit 1800 nicht weniger als 250 Staatspleiten, mehr als eine jedes Jahr. In der Regel mußten dabei die Gläubiger durch Schuldenschnitte bluten. In der derzeitigen Eurokrise versuchen jedoch die privaten Gläubiger, das von ihnen eingegangene Risiko auf die Steuerzahler aus Deutschland und den anderen solideren Euroländern zu verschieben, indem sie lautstark staatliche Rettungsaktionen fordern. So hielten bei Griechenland noch vor wenigen Jahren private Anleger die meisten Staatsanleihen und wurden sie dann bis auf 30 % an staatliche "Retter" los; der jüngste Rückkauf im Rahmen des letzten Rettungspakets lag auf der gleichen Linie, wobei allein einer der Hedgefonds eine halbe Milliarde Euro verdient hat. Dabei wird von den Bankenverbänden eine Verdummungskampagne betrieben, indem ohne Rettung Gefahren für das Sparkapital kleiner Leute und für deren Lebensversicherungen beschworen werden. Doch tatsächlich hält fast überall nur eine kleine und besonders reiche Gruppe von 5 % der Haushalte mehr als 90 % des Finanzvermögens und können kleine Gläubiger von der Umschuldung ausgenommen werden.



Über viele Jahrzehnte wurden reiche Erfahrungen mit geordneten Umschuldungen gesammelt. Anders als bei verschleppten Umschuldungen erholen sich die Volkswirtschaften meist relativ schnell. Wenn ein Land praktisch durch unerträglich hohe Zinsen schon vom Kapitalmarkt abgeschnitten ist, kann es den Schuldenschnitt umso eher wagen, denn eine Verbannung von den Märkten muß es ohnehin ertragen. Ein Beispiel ist Island, das 2009 in die Krise kam, bei der die große Online-Bank Icesave in die Pleite rutschte. In zwei Volksabstimmungen lehnten die isländischen Steuerzahler eine Übernahme der Forderungen privater Anleger auf den Staat ab. Schon im Jahr 2011 wuchs die Wirtschaft wieder (Abb. 15970).


Die im Grundsatz beschlossene Bankenunion sieht den Einsatz von Rettungsgeldern für die Rekapitalisierung von Banken der Eurozone vor, ohne die Möglichkeit einer Beteiligung der Gläubiger der Banken auch nur zu erwähnen. Schon deshalb ist diese Lösung eine einzige Sauerei gegenüber den Steuerzahlern, vor allem aus Deutschland. Zwar bastelt der zuständige EU-Kommissar Barnier seit nun schon länger als einem Jahr an Vorschlägen für das sogenannte "Bail-in" der Gläubiger, jedoch ist nur an Halter von nachrangigen und unbesicherten Schuldscheinen der Banken gedacht und soll eine solche Regelung nicht vor 2018 in Kraft treten. Auch soll der Schuldenschnitt dann nicht bei bereits vorhandenen Gläubigern möglich sein, sondern nur bei solchen, die neue, mit dem Hinweis auf ein evtl. Bail-in versehene Schuldscheine erwerben. Deren Ausgabe soll den Banken bis zu einem bestimmten Anteil vorgeschrieben werden. Die Rede ist von etwa 10 % der von Banken eingegangenen Verpflichtungen, ein mehr als kümmerlicher Ansatz.


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global news 2816 18-12-12: Frauen unter sozialem Druck: Kein Bock auf Kinder

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In den gestrigen Abendnachrichten des Fernsehens wurde gleichzeitig berichtet, wie negativ sich in Deutschland das Verhältnis zu Kindern entwickelt und wie hoch der Anteil der nur Teilzeit und schelcht bezahlt arbeitenden Mütter im internationalen Vergleich ist sowie wie schlecht Frauen gleichzeitig bei der Rente gegenüber Männern fahren.

Im internationalen Vergleich fällt der hohe Anteil nur teilzeitarbeitender Mütter von 62 % auf, eine Folge der in Deutschland besonders begrenzten Vereinbarkeit von Arbeit und Mutterschaft. Dagegen sind es in Frankreich nur 26 % (Abb. 15968, der besonders hohe niederländische Anteil erklärt sich teilweise durch den besonderen gesetzlichen Schutz. der gleichen Stundenlohn vorschreibt und die Möglichkeit von Elternurlaub auch bei Teilzeitarbeit).


Der hohe Anteil nur teilzeitarbeitender Mütter (wie auch Frauen überhaupt) in Deutschland trägt mit dazu bei, daß der Rentennachteil gegenüber den Männern in keinem anderen Land so groß ist (Abb. 15969).


Nach einer neuen Studie zum Geburtenrückgang des dem Bundesinnenministerium unterstellten Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ist Kinderkriegen so unattraktiv wie nie in Deutschland. Erstmals hat das Institut die Gefühlslage der Deutschen bei der Frage des dauerhaften Geburtenrückgangs berücksichtigt und dies mit bekannten Daten zur Familienforschung kombiniert. Als Gründe für die sinkende Geburtenrate wird vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft genannt. Berufstätige Frauen entscheiden sich aus Angst, keine gute Mutter zu sein, im Zweifel gegen ein Kind, und außerdem sinkt die Bedeutung von Familie. So komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter hinzu. Das kulturelle Leitbild von einer "guten Mutter", die zu Hause bei den Kindern zu bleiben habe, sei vor allem in den alten Bundesländern noch so stark verbreitet, daß berufstätige Frauen sich im Zweifel eher gegen als für ein Kind entschieden.



Während in einigen Ländern Europas in den vergangenen Jahren wieder mehr Babys auf die Welt kamen, bleibe dieser Trend hierzulande aus. Im weltweiten Vergleich habe Deutschland den höchsten Anteil dauerhaft kinderloser Frauen. Knapp ein Viertel der Frauen der Geburtsjahrgänge 1964 bis 1968 hat dem Bericht zufolge bewusst keine Babys geboren. Gerade in Westdeutschland erscheine die Erwerbstätigkeit mit kleinen Kindern als "wenig toleriert". Offenbar sinkt für viele Deutsche auch die Bedeutung von Kindern. Der Studie zufolge unter Bezug auf die European Values Study 2008, haben das Verfolgen beruflicher Interessen, die Pflege von Freundschaften oder Hobbys einen höheren Stellenwert als Kinder. Das traurige Fazit der Studie: "Kinder stellen nicht mehr für alle Deutschen einen zentralen Lebensbereich dar."

Über die demographischen Konsequenzen sollte man sich nicht wundern. Die Geburtenrate stürzt in Deutschland schon seit vielen Jahren stärker ab als in den meisten anderen Vergleichsländern. Schon seit der Wiedervereinigung liegt sie stagnierend bei unter 1,4 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter (Abb. 14806), zusammen mit den krisengeschüttelten Ländern Portugal und Spanien der letzte Platz in Westeuropa (Abb. 04047). Dementsprechend sinkt auch die Zahl der Geburten immer weiter; seit 1997 bereits um 21 % (Abb. 04579).




In der langfristigen Betrachtung seit 1870 ist Deutschlands Geburtenrate zweimal ohne Kriegs- oder Wirtschaftseinfluß abgesackt: zu Beginn des 19. Jahrhunderts und dann wieder beginnend in den 70er Jahren; aus dem zweiten Absturz scheint sie sich nicht mehr zu erholen (Abb. 17399).



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global news 2815 17-12-12: Warum Griechenland nicht gerettet ist und nicht gerettet wird

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Die "Griechenlandretter" aus der Politik schlagen sich wieder auf die Schulter: Zum x-ten Mal wurde Griechenland mit frischem Geld angeblich gerettet. Doch die Wahrheit ist von solchen Illusionen immer weiter weg. Griechenland wäre nur gerettet, wenn es nicht weiter am Tropf neuer Hilfen hinge und soviel exportierte, wie es zum Überleben importieren muß. Wenn die enormen sozialen Krisenlasten durch mehr Beschäftigung abgetragen würden. Wenn die Regierung und die Banken des Landes wieder eigenen Zugang zu den Finanzmärkten zu verkraftbaren Bedingungen fänden.

Doch in dieser Hinsicht hat die angebliche Rettung bisher sehr wenig bis gar nichts geleistet. Die Retter haben mit ihren Krediten zu Lasten der eigenen Steuerzahler vor allem den eigenen Banken geholfen, ihr Geld aus der griechischen Gefahrenzone zurückzuholen, jedenfalls denen, die schnell genug waren und dies taten, bevor die Schuldenschnitte unvermeidbar wurden.

Im Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2005 - 2007 hat Griechenland jährlich für rund 73 Mrd Euro Waren und Dienstleistungen importiert. Es hatte viel zu wenig Export- und Tourismuskapazität (nur ca. 49 Mrd Euro), um dafür mit eigenen Gegenleistungen aufzukommen. Das war der Treibstoff für die Krise. Doch auch in diesem Jahr 2012 werden Export und Dienstleistungen (vor allem Tourismus) nach Schätzung von Eurostat nur 54,3 Mrd Euro erbringen, wobei die Steigerung gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2005 - 2007 weitgehend aus der normalen Entwicklung der Preise kommen dürfte, also real keine Veränderung bedeutet.

Es wird immer weniger in diesem total kaputten Lande, dessen Krise durch die Sparpolitik ständig verschärft wird, investiert. Schon deshalb kommt das Land nicht durch mehr Export auf die eigenen Füße. Die Bruttoinvestitionen lagen im letztgemeldeten ersten Quartal 2012 in realen und saisonal bereinigten Werten um 50 % unter dem Wert des 3. Quartals 2007 vor Ausbruch der Krise (Abb. 16944). Die Folge ist vor allem eine enorme Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitslosenquote von 26 % (Abb. 16947); bei Jugendlichen unter 25 Jahren waren es im September dieses Jahres sogar 57,6 %.



Zahlen hören sich abstrakt an. Der Traumata-Forscher Georg Piepers hat nach einer Reise nach Griechenland im Oktober und dabei vielen Gesprächen mit Psychologen, Psychiatern und Ärzten seinen Eindruck in düsteren Worten zusammengestellt:

"Hochschwangere Frauen eilen bettelnd von Krankenhaus zu Krankenhaus, doch weil sie weder eine Krankenversicherung noch genügend Geld haben, will niemand ihnen helfen, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Menschen, die noch vor kurzem zur Mittelschicht zählten, sammeln in einem Athener Vorort Obst- und Gemüsereste von der Straße, Junge, Alte, Kinder, während neben ihnen die Marktstände abgebaut werden. Auf das Essen haben es allerdings auch die Tauben abgesehen.

Ein alter Mann erzählt einem Reporter, dass er sich die Medikamente gegen seine Herzbeschwerden nicht mehr leisten kann. Seine Rente wurde wie die Rente vieler anderer um die Hälfte gekürzt.



Wer in ein Krankenhaus geht, muss seine eigene Bettwäsche mitbringen, ebenso sein Essen. Seit das Putzpersonal entlassen wurde, putzen Ärzte, Schwestern und Pfleger, die seit Monaten kein Gehalt mehr bezogen haben, die Toiletten. Es fehlt an Einweghandschuhen und Kathetern. Die Europäische Union warnt angesichts der teilweise verheerenden hygienischen Bedingungen vor der Gefahr einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Ganze Wohnblocks sind mittlerweile aus finanziellen Gründen von der Öllieferung abgeschnitten. Damit die Menschen im Winter nicht frierend in ihren Wohnungen hocken müssen, beheizen sie diese mit kleinen Öfen. Das Holz dafür schlagen sie illegal.

Die Selbstmordrate hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.

Besonders hart trifft die Krise die Männer", sagt Pieper. Männer ziehen ihre Identität bekanntlich viel stärker als Frauen aus der Arbeit, aus ihrem Marktwert also. Aber der Marktwert der allermeisten sinkt unaufhörlich.

Psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen breiten sich in Griechenland inzwischen epidemisch aus.

Man muss weder ein Pessimist noch ein Experte sein, um sich auszumalen, was das für die sozialen Beziehungen der Menschen untereinander und für den Kitt der griechischen Gesellschaft bedeutet. Die Wut auf ein korruptes, pervertiertes System sowie die internationale Politik, deren Geldtranchen in die Rettung der Banken fließen, aber nicht in die Rettung der Menschen, ist ungeheuerlich, und sie wächst unaufhaltsam.

Die ausländerfeindliche Rechtsradikalenpartei Chrysi Avgi liegt in Umfragen bereits bei zwölf Prozent, sie wäre damit die drittstärkste Kraft im Land."

Gleichzeitig kaufen wohlhabende Griechen mit ihrem ins Ausland geschobenen Geld vor allem in London, aber auch vielen anderen Plätzen Immobilien auf, geht eine Liste von zusammen milliardenschweren Konten in der Schweiz, die reichen Griechen, darunter vielen Vertretern der politischen Elite, zugeordnet werden, für mehrere Jahre verloren und liegt ein fertig ausgehandeltes Abkommen mit der Schweiz über die Bekämpfung der Steuerflucht auf Eis.

Sieht so Rettung aus?


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global news 2814 13-12-12: Europas Investitionen in den 5 Jahren 2007 bis 2011: Absturz wie nie zuvor

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Die Investitionen der EU-27 sind in keiner früheren Periode so stark abgestürzt wie zwischen 2007 und 2011. Eine neue Studie von McKinsey errechnet einen Rückgang um 354 Mrd Euro oder 14,5 % (Abb. 16576). Und dieser Rückgang hat sich in diesem Jahr an der Europeripherie noch verstärkt fortgesetzt (Abb. 16577).



Der Rückgang an Investitionen bis 2011 war das 20-Fache des Rückgangs des privaten Verbrauchs und das 4-Fache des Rückgangs der Gesamtwirtschaftsleistung. Dagegen saßen die an den Börsen gehandelten EU-Unternehmen im Jahr 2011 auf Kassebeständen von 750 Mrd Euro, der höchste Wert in 20 Jahren.



Auch in Deutschland gehen die Ausrüstungsinvestitionen bereits seit fast zwei Jahren zurück (Abb. 14754). Netto nach Abschreibungen als Teil des verfügbaren Einkommens liegen sie weiterhin erheblich unter dem Niveau zu Beginn des Jahrtausends (Abb. 17045). Wenn überhaupt, investiert die deutsche Industrie immer mehr in Niedrigstkostenländern und Ländern mit besonders wachsenden Absatzmärkten.



Im Investitionsstreik liegt das eigentliche Problem der derzeitigen Krise mit 19 Millionen offiziell Arbeitslosen. Die Unternehmen erwarten offensichtlich keinen Absatz, der mehr private Investitionen rechtfertigen würde. Eine solche Krise wird nicht in erster Linie mit öffentlichen Investionen eines neuen "Marshallplans für Europa" zu überwinden sein, wie von den Gewerkschaften gefordert. Notwendig ist statt dessen eine angemessene Anhebung des Lohnniveaus und damit der Massenkaufkraft bei gleichzeitigem Einfuhrschutz gegen unfaire Dumpingimporte, vor allem aus China.


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global news 2813 11-12-12: Deutschland nach den Eurokrisenländern in westeuropäischer Spitzenposition bei in Arbeit Armen

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Seit 2005 hat sich Deutschland im Anteil der in Arbeit Armen von einer Position im unteren Bereich des Westeuropa-Vergleichs (Abb. 17366) kräftig nach oben bewegt und liegt nun gleich hinter den Eurokrisenländern und Großbritannien zusammen mit der Schweiz im oberen Mittelfeld (Abb. 17365, 17364, 17074). Es ist die Folge der Hartz-Gesetze mit der Einführung der sozialversicherungsfreien Minijobs und dem gesetzlichen Zwang für Arbeitslose, auch minderwertige Arbeit anzunehmen.







Die Minijobs, eine Untergruppe der in Arbeit Armen, verdrängen in Deutschland nach einer neuen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zunehmend versicherungspflichtige Jobs, vor allem in den Dienstleistungsbranchen, wie dem Einzelhandel und in der Gastronomie. Derzeit gibt es davon 7,2 Mio (Abb. 17072). Hinzu kommt, daß Deutschland keinen flächendeckenden Mindestlohn hat, wie alle unsere Europartner. So wird die deutsche Niedriglohnartillerie gegen die Europartner in Stellung gebracht und werden die Exportüberschüsse herausgeschossen.



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global news 2812 10-12-12: Hier irrt Lafontaine

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In einem längeren Aufsatz in der FAZ unter der Überschrift "Europa beginnt zu Hause", der natürlich auch von NachDenkSeiten verbreitet wird, setzt sich Lafontaine mit den Versuchen auseinander, die Eurokrise durch eine Verlagerung von mehr Hoheitsrechten nach Brüssel zu lösen. So berechtigt seine Kritik an diesen Versuchen, die seiner Ansicht nach die "Fassadendemokratie" nur verstärken, ist, so wenig überzeugend sind seine eigenen Lösungsvorschläge.



Um aus der immer einseitigeren Einkommensverteilung herauszukommen, reicht es bei Weitem nicht aus, einen Mindestlohn einzuführen und die Zumutbarkeitsklausel bei Hartz IV zu ändern und eine andere Tarifpolitik vorzuschlagen. Lafontaine verkennt leider, wie wohl fast alle in der Linkspartei, die Rolle der neoliberalen Globalisierung, die in Deutschland seit vielen Jahren mit der Zulassung gedumpter Importe (vor allem aus China) zum Instrument der Lohnbremse geworden ist. Die Tarifpolitik steht seitdem unter dem Diktat der Billigstimporte. Solange deren Dumping nicht beseitigt wird und Deutschland in weiten Produktbereichen mit einem China konkurriert, das unabhängige Gewerkschaften und das Streikrecht nicht zuläßt, wird die deutsche Tarifpolitik immer zahnlos bleiben. Die deutschen Arbeitnehmer haben gelernt, die Konkurrenz aus China und Ost-Europa und den anderen Schwellenländern sowie die damit verbundenen Verlagerungsgefahren ernst zu nehmen. Deshalb haben es gerade die deutschen Gewerkschaften schwer, ihre Mitglieder zum Streik zu motivieren (von Ausnahmen, wie bei den Flugbegleitern, etc.) abgesehen (siehe dazu die Streikstatistik Abb. 17219). Diesen Zusammenhang sollte endlich auch die Linke begreifen (bei der SPD ist das ohnehin nicht zu erwarten und bei Steinbrück schon gar nicht).


Die Refinanzierungskrise im Euroraum ist nicht, wie Lafontaine meint, durch die Gelddruckmaschine der EZB zu lösen, die schon jetzt ziemlich ungebremst funktioniert. Lafontaine sollte wissen, daß die Euro-Kummerländer und Frankreich längst bei der EZB eine solide Mehrheit haben und eng abgestimmt gegen die deutschen Interessen spielen. Auch die Linkspartei wird begreifen müssen, daß es eigene deutsche Interessen gibt, die nicht über eine europäische Maschinerie, wie die EZB, gewahrt werden können. Die EZB ist geradezu die schlimmste Form von "Fassadendemokratie", nämlich nicht mal eine Fassade.

Schade. daß die Linkspartei nur versucht, eine etwas bessere SPD zu sein, aber nicht die Interessen im globalen und europäischen Maßstab sauber und radikal sortiert und daran die notwendige Politik orientiert. Die Wähler laufen dann lieber zu Mutter Merkel, von der sie sich mehr Schutz erwarten, wenn auch das eine Illusion ist.

Ähnlich schief ist übrigens eine neue Analyse von Heiner Flassbeck, früherer Staatssekretär unter Lafontaine, der derzeit sein Geld bei der UNCTAD verdient, deren größtes Mitgliedsland China ist und der wahrscheinlich schon deshalb nie ein Haar in der chinesischen Suppe und in der von China stark mitgestalteten und ausgenützten neoliberalen Globalisierung findet. Von einer Reise nach Griechenland zurückgekehrt spricht er in einem Beitrag für NachDenkSeiten alle Krisenländer total undifferenziert von Schuld an der Eurokrise frei und schiebt dann diese nur Deutschland wegen seiner Lohnpolitik und damit verusachten Wettbewerbsstärke zu:

"Genau dieser absurden Schuldzuweisung [an die Krisenländder] reden aber von vornherein auch all diejenigen das Wort, die - oft sogar in großer emotionaler Nähe zu den Schuldnerstaaten - dort auf die Suche nach "Schuldenexzessen" gehen, die immer irgendwelche Laxheiten in der öffentlichen Verwaltung finden, Korruption gar oder eine generelle "südländische" Mentalität ... So sind alle, die, ganz gleich ob gut meinend oder mit böser Absicht, die letzten Ecken in den Schuldnerländern auskehren, um noch ein Staubkorn zu finden, von vorneherein auf dem vollkommen falschen Trip."

Dabei hat z.B. die Krise in Griechenland sehr wenig mit der von Flassbeck beklagten deutschen Exportstärke zu tun und viel mehr mit der chinesischen, denn China vertreibt auf den Weltmärkten zu Dumpingpreisen viele einfache und arbeitsintensive Waren, die traditionell auch Griechenland hergestellt hat, während die deutsche Exportpalette sehr wenig Entsprechung in Griechenland hatte und hat. Im Tourismus ist es auch nicht Deutschland sondern die Türkei, die Griechenland den Rang abgelaufen hat. Griechenland hat sich in den Euro gemogelt und so seine Krise verschuldet. Es wäre besser draußen geblieben. Das sollte auch ein Flassbeck erkennen. Sein Freispruch für Griechenland unter Verurteilung Deutschlands ist einfach absurd.

Andererseits war Italien schon vor dem Euroeintritt hochverschuldet. Auch hier sind die meisten traditionellen Produkte der chinesischen Konkurrenz (oder der aus Osteuropa) unterlegen, von den Schuhen, Lederwaren, Sonnenbrillen, Leichtmotoren bis zu Beleuchtungswaren und vielen anderen. Italien konnte durch den Eurobeitritt seine hohen Schulden finanzieren, weil die Kapitalmärkte die Zinsen fast auf das deutsche Niveau herunterbrachten in der Erwartung, daß im Zweifel Deutschland zahlen würde. Notwendige Reformen blieben daher seit jeher auf der Strecke. Ohne den Eurobeitritt hätte die Stunde der Wahrheit für Italiens Verschuldung längst geschlagen und Reformen viel früher erzwungen.

Die Immobilienblasen in Spanien und Irland waren total hausgemacht (wie auch die Blase in USA) und hätten durch eine bessere eigene Bankenaufsicht verhindert werden müssen. Außerdem hätte die EZB die Zinsen viel früher anziehen müssen, um den Boom zu bremsen. In beiden Ländern waren die Staatshaushalte total in Ordnung, die Verschuldung niedriger als die deutsche und brach die Krise erst aus, als die Staaten von der Krise ihrer Banken erfaßt wurden. Sowohl Spanien wie erst recht Irland sind nicht erst von der deutschen Exportindustrie in die Krise gestoßen worden.

Dagegen ist Frankreich ein gutes Beispiel, wie der deutsche Exportdruck dort als Krisenbeschleuniger wirkt. Ein pauschaler undifferenzierter Freispruch aller Krisenländer kombiniert mit einer einseitigen Schuldzuweisung an Deutschland geht an den Realitäten vorbei.


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global news 2811 08-12-12: Deutsche Industrieproduktion im Absturz

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Die deutsche Industrieproduktion sinkt nach den heutigen Angaben des Statistischen Bundesamts derzeit genauso schnell, wie nach Ausbruch der globalen Kreditkrise im Jahr 2008 (Abb. 04306). In nur zwei Monaten seit August waren es bei den besonders wichtigen Investitionsgütern bereits 7,6 %. was auf Jahresbasis 45 % entspräche.


Bundeswirtschaftsminister verbrämt diese schlechte Entwicklung in geübter Weise mit dem Satz:

"... deutet die Gesamtentwicklung darauf hin, dass der Verlauf der Produktion in der Industrie und im Bauhauptgewerbe vorerst verhalten bleiben wird."



Leider ist das schon weit mehr als nur "verhalten" und wenig läßt erkennen, daß der Dämpfer nur "vorerst" stattfindet.


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global news 2810 02-12-12: Es kommt, wie es kommen mußte: Die Euro-Rettungsfonds verlieren ihre Top-Note

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Die Entwicklung kann eigentlich keinen überraschen, auch wenn Klaus Regling als Chef der Eurorettungsfonds EFSF und ESM meint, die jetzt erfolgte Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's sei schwer zu verstehen. Vorher hatte Moody's Frankreich als zweitwichtigsten Garant der Fonds wegen erheblicher Strukturmängel und Wettbewerbsschwächen heruntergesetzt. Schon im Januar hatte die andere große Agentur Standard & Poor's sowohl Frankreich wie den EFSF abgewertet. Wenn der ESM nun in einer Erklärung auf die dritte Ratingagentur Fitch und deren fortbestehende Top-Note für den ESM verweist, so wird verschwiegen, daß Fitch ein französisches Unternehmen ist und damit in der Bewertung der Euro-Rettungsfonds nicht dasselbe Gewicht auf die Waagschale bringt. Fitch ist auch die einzige der drei Ratingagenturen, die Frankreich noch top bewertet.

Die erstmalige Herabstufung durch nun beide großen Ratingagenturen ist ein schwerwiegendes Signal, zumal Moody's den Ausblick auf "negativ" hält und damit weitere Herunterstufungen zu erwarten sind. Nach der spektakulären Kritik im von der französischen Regierung selbst in Auftrag gegebenen Gallois-Rapport war durchaus zu erwarten gewesen, daß Frankreich (wie schon die USA vor einiger Zeit) die Top-Bewertung verlieren und daß das Konsequenzen für die Rettungsfonds haben würde.

Schließlich haben nur noch Deutschland und die drei kleinen Länder Niederlande, Finnland und Luxemburg das begehrte AAA. Die Vier zusammen stellen aber - in EZB-Anteilen gemessen - mit 34,8 % nur wenig mehr als ein Drittel aller Garantien für die Rettungsfonds. Griechenland, Portugal und Irland mit zusammen rund 7 % der Anteile fallen als Garanten bereits total aus. Spanien und Italien mit fast 30 % steht das Wasser - wenn auch noch nicht ganz so hoch - ebenfalls am Halse (Abb. 16953).


Der Hinweis von Klaus Regling auf die "starke Kapitalstruktur" und die "politische Rückendeckung" führt leider total in die Irre. Er sollte mit solch flotten Sprüchen vorsichtiger sein, denn sie signalisieren dem Markt, daß Deutschland entgegen der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts für das ausfallende Garantievolumen der anderen mit eintreten würde. Und das in Zeiten, wo bereits eine Hebelung des ESM und damit eine Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit geplant wird. Sollte Deutschland eines Tages tatsächlich zur Eurorettung beispielsweise die Garantenrolle Spaniens oder Italiens übernehmen oder über Eurobonds in die totale Haftung einsteigen, so würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst nicht der Abstufung entkommen.



Verteuert sich aber durch Herunterstufungen der Garanten die Kreditaufnahme der Fonds an den Kapitalmärkten, so wird die Eurorettung immer teuerer. Die Entwicklung war vorauszusehen. Sie zeigt nur, daß die Regierungen der Entwicklung konzeptionslos bis zu den jeweils nächsten Wahlen immer nur hinterherlaufen.

Leider fällt Regling immer wieder mit solchen Sprüchen auf, wie z.B. schon mit der seinerzeit unverantwortlichen Aussage, Deutschland werde an den Griechenlandkrediten verdienen. Solche Leute an der Spitze der Rettungsfonds sind leider wenig seriös. Es wäre dagegen schön gewesen, Regling hätte als verantwortlicher Generaldirektor der EU-Kommission seinerzeit in der Überwachung Griechenlands besser aufgepaßt.


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global news 2809 30-11-12: Einzelhandelsumsatz sinkt immer tiefer: seit März mit Jahresrate von fast 7 %

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Es sind sehr trübe Nachrichten von der deutschen Binnenkonjunktur. Der Einzelhandelsumsatz ist im Oktober weiter abgestürzt und liegt schon um fast 4 % unter dem Wert vom März diesen Jahres, was einer Jahresrate von minus 6,7 % entspricht (Abb. 04943). Da außerdem der darin nicht erfaßte Umsatz von Automobilen abstürzt, steht es schlecht um die deutsche Binnenkonjunktur, während gleichzeitig der Export in die Krisenländer der Eurozone abreißt.




Dagegen zeigt der immer wieder von den Medien zusammen mit Bildern voller Kaufläden verbreitete Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung einen total unglaubwürdigen Anstieg des Konsumklimas um 7 % seit März 2012 an (Abb. 14696). Dazu brachte der SPIEGEL-online erst vor vier Tagen unter der Überschrift "Experten erwarten glänzendes Weihnachtsgeschäft" ein schönes Photo mit dem Zusatz: "Weihnachtliches Schaufenster in Berlin: Kauflaune bleibt trotz leichter Eintrübung hoch".




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global news 2808 29-11-12: Wieder mehr Arbeitslose: Der Arbeitsmarkt im Sog der nachlassenden Konjunktur

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Die Beschäftigung ist im November erstmals wieder seit Jahren leicht gefallen und nimmt gegenüber dem Vorjahr immer weniger zu (Abb. 14041). Auch die Arbeitslosigkeit hat im November im sechsten Monat in Folge saisonal bereinigt wieder zugenommen (Abb. 14925), zusammen in diesem Zeitraum schon um 65.000. Dennoch vermeldet die Bundesagentur für Arbeit beschnöigend einen "robusten Arbeitsmarkt", statt ehrlich von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu sprechen. Nicht saisonal bereinigt ist die Arbeitslosigkeit nur noch sehr geringfügig um 0,07 % auf 2,75 Millionen zurückgegangen, die Untersbeschäftigung stieg wieder an (Abb. 14726).




Hinzu kommt wieder eine ganze Menge Trickserei mit der Statistik. Nur noch 53,5 % der 5,14 Millionen Unterstützungsbezieher wurden im November 2012 amtlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980). Nur sechs Jahre zuvor lag der Wert noch bei 65 %. Und dabei wurde vielen Menschen die Stütze gestrichen, weil sie nicht jede Arbeit angenommen haben, so daß der Anteil an den eigentlich unterstützungsbedürftigen Arbeitssuchenden noch tiefer gefallen sein dürfte.


Neben 2,5 Millionen Erwerbslosen setzte sich das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial im Jahr 2011 aus knapp 2,0 Millionen Unterbeschäftigten in Teilzeit, 1,7 Millionen Unterbeschäftigten in Vollzeit und 1,2 Millionen Personen in der Stillen Reserve zusammen (Abb. 17336). Auch das zeigt die Unehrlichkeit der amtlichen Arbeitslosenzahl.




Daß der deutsche Arbeitsmarkt in schwierige Zeiten kommt, zeigt sich auch im Stellendindex der Bundesanstalt für Arbeit, der seit Beginn dieses Jahres zurückläuft (Abb. 14616).



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global news 2807 28-11-12: Wer rettet uns vor den fetten EU-Katzen?

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Im Schatten der drastischen Sparmaßnahmen der nationalen Haushalte gedeihen die fetten Brüsseler und Luxemburger EU-Katzen und bekommen immer dickere Bäucher. Nicht nur sind die Apparate vom Personal her dramatisch und unnötig aufgeblasen. Die meist steuerbegünstigten Gehälter und sonstige Perks fallen total aus dem Rahmen. Am letzten Sonntag erschien die Londoner Sunday Times mit der Schlagzeile "3.000 Eurokraten verdienen mehr als der britische Ministerpräsident". Das gilt dann auch etwa im Verhältnis zur deutschen Bundeskanzlerin. Tatsächlich sollen mindestens 3.325 EU-Funktionäre mehr als 175.000 Euro/Jahr verdienen. Das sind immerhin 7 % der 46.714 starken Gesamtmannschaft. Darin enthalten sind alle dauerhaft angestellten Funktionäre mit einem Jahresgehalt von mehr als 150.000 Euro. Jeder oder jede davon erhält obendrauf ein Auswärtszuschlag von 16 %, was ihn oder sie über die Cameron-Schwelle bringt. Das höchste Beamtengehalt steigt so per Jahr auf rund 326.000 Euro. Nicht enthalten sind darin die Gehälter der Kommissare und des Kommissionspräsidenten, die ebenfalls bis auf über 300.000 Euro steigen.



Ähnlich grotesk sind die Gehaltsregelungen für Mitarbeiter des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM: Assistenten, Hilfskräfte und Praktikanten werden darin mit einem Jahresgrundgehalt von bis zu 68.000 Euro netto (!). Der Geschäftsführende Direktor des ESM erhält 324.000 brutto oder 252.560 Euro netto (!), bei einem Steuersatz von nur 22 %, und kann mit Genehmigung des Vergütungsausschusses sogar noch mehr kassieren. Das ist weit mehr als die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident. Warum das mehr als 12-mal höher sein muß als das durchschnittliche Einkommen eines deutschen Arbeitnehmers, obwohl der ESM-Chef von diesen am Ende bezahlt werden wird, bleibt einfach grotesk (siehe hier).


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global news 2806 27-11-12: Griechenland-Deal: immer noch zu viele offene Enden

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Wie alle früheren Rettungsversuche bei Griechenland hat auch dieser viele offene Enden, an denen er noch scheitern kann. Selbst wenn er zusammenhalten sollte, würde die griechische Schuldenquote im Jahr 2020 noch bei unverdaubaren 124 % der Wirtschaftsleistung liegen. Zwar haben die Euroländer dem IWF, der sich mit seinem Ziel von 120 % nicht voll durchsetzen konnte, zusagen müssen, die Schuldenquote bis 2022 dann wesentlich unter 110 % zu bringen, was wohl aber nur mit weiteren Retterleistungen möglich sein dürfte. Das ist das erste offene Ende.

Das zweite offene Ende ist die totale Abhängigkeit des Rettungspakets von der Erfüllung der enorm ehrgeizigen und wahrscheinlich unrealistischen Ziele für Wachstum und Haushaltsüberschüsse (vor Zinsdienst) in Griechenland.

Ein drittes besonders offenes Ende ist der Schuldenrückkauf, der von der Bereitschaft der verbliebenen privaten Gläubiger abhängt, trotzt der erwarteten preissteigernden Wirkung des Rückkaufs auf einen erheblichen Teil des Nennwerts der griechischen Anleihen zu verzichten. Schon jetzt sind in der Erwartung des Rückkaufs die Preise erheblich gestiegen (und entsprechend die Zinsen gesunken), was den Rückkauf verteuert und den Entlastungseffekt entsprechend mindert. Die Euroregierungen mußten den Rückkaufpreis nach oben schon auf das gestern erreichte Niveau begrenzen. Nun ist unsicher, wie viele private Gläubiger sich finden, den sich bei dieser Begrenzung ergebenden Verlust zu akzeptieren. Insbesondere viele Hedgefonds werden darauf setzen, daß sie später am Ende bei regulärer Tilgung der Anleihen den vollen Nennwert erlösen und so einen hohen Profit erzielen. So ist die Zinssenkung auch bereits zum erliegen gekommen (Abb. 16948).


Nicht nur die Rückzahlungstermine für die öffentlichen Kredite an Griechenland wurden um weitere 15 Jahre verschoben, auch die Zinszahlungen wurden um 10 Jahre ausgesetzt. Das macht die Rückzahlung erheblich riskanter und hält den Erfolg der Griechenlandrettung entsprechend länger in der Schwebe.



Die Senkung der Kreditzinsen auf nur noch 0,5 Prozentpunkte über die Interbanken-Rate bedeutet, daß Länder wie Spanien und Italien mit weit höheren eigenen Refinanzierungskosten bei der Griechenlandrettung nicht unerhebliche Verluste machen werden. Sollten dann diese Länder am Ende ebenfalls gerettet werden müssen, so kämen die Zinsverluste zu den verbleibenden Retterländern zurück.

Man muß leider vermuten, daß die Euroregierungen am Ende auf einen teilweisen Verzicht auf ihre Forderungen nicht herumkommen. In Deutschland wird das erst nach den kommenden Bundestagswahlen eingeräumt werden. Die offenen Enden des derzeitigen Rettungsversuchs halten ohnehin bis nach diesen Wahlen.


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global news 2805 26-11-12: Schönste Regierungspropaganda von SPIEGEL und BILD: Das angebliche dicke Rentenplus

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Heute kommt SPIEGEL-online (unter Bezug auf dieselbe BILD-Propaganda) mit der Schlagzeile: "Dickes Plus für deutsche Rentner" und meldet dann:

"Es wäre die größte Steigerung der Altersbezüge seit langer Zeit: Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf den bisher unveröffentlichten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung berichtet, sollen die Renten in den kommenden vier Jahren im Westen um 8,27 Prozent steigen, im Osten sogar um 11,01 Prozent."

Doch was sind 8,27 % in vier Jahren, wenn die Inflation schon jetzt jedes Jahr 2 % davon wegfrißt. Dann bleiben nach 4 Jahren gerade einmal 0,27 % von dem angeblich "dicken Plus" übrig. Können die deutschen Medien nicht "netto" rechnen und damit die Wahrheit vermelden?



Kann man nicht melden, daß die deutschen Rentner seit dem Jahr 2003 bis 2011 real schon 8 % an ihrer Durchschnittsrente verloren haben (Abb. 17247)? Zwischen 1995 und 2012 gab es in 3 Jahren gar keine Rentenerhöhung und in weiteren 9 Jahren lag die Inflationsrate über der Rentenerhöhung; nur in 3 Jahren konnten die Renten um wenige Prozentpunkte aufholen (Abb. 17388).



Und dabei paßt die allgemeine Inflationsrate nicht einmal auf die Rentner, da sie zu großen Teilen längerlebige Wirtschaftsgüter und viel digitalen Schnickschnack enthält, deren Preise zwar gesunken sind, die aber von Rentnern kaum erworben werden. Deswegen ist der Begriff "Verbraucherpreisindex" irreführend. Nimmt man nur die wirklichen "Verbrauchsgüter" und die anderen für Rentner wichtigen Bereiche ins Visier, so sind in den 10 Jahren von 2000 bis 2011 die Renten nominal um knapp 11 % gestiegen, die Preise für alle Verbrauchsgüter dagegen um 38 %, die für Nahrungsmittel um 22 %, Haushaltsenergie um 76 % und die Nettokaltmiete um 13 % (Abb. 17389). Das ist die Wahrheit, die man von der deutsche Presse erwarten würde statt Regierungspropaganda. Das heißt: Baut man aus diesen Bereichen einen Rentner-Warenkorb auf, so haben sie seit dem Jahr 2000 etwa 27 % des Realwerts ihrer Rente verloren.


Praktisch haben die deutschen Arbeitgeber mit ihrer Politik der negativen Lohnbremse die Rentern gleich mit ins Boot gezwungen. Dabei haben Rentner nicht einmal Gewerkschaften, die ihre Interessen hätten verteidigen können.

Wie sagte George Orwell?:

"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act."

"In dieser Zeit der universellen Täuschung, ist die Wahrheit zu sagen ein revolutionärer Akt."


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global news 2804 27-11-12: Die Demographie als Wirtschaftskraft

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Die Aktienmärkte sind in ihrem Auf und Ab kein schlechter Indikator für die Wirtschaftsentwicklung der Industrieländer. Sie profitieren von positiven Wirtschaftserwartungen und sie leiden unter Wirtschaftskrisen. In Deutschland zeigen sich z.B. die Auswirkungen des Platzens der New Economy-Blase, der globalen Wirtschaftskrise und der Eurokrise sowohl auf den Dax wie - wenn auch teilweise schwächer - auf die Gesamtwirtschaftsentwicklung (Abb. 15950).


Viel interessanter und meist übersehen ist jedoch der Zusammenhang mit der Demographie. Der schwedische Wirtschaftsforscher und Nobelpreisträger Gunnar Myrdal sah bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die fallende Geburtenrate als eine Bedrohung des Wirtschaftswachstums. In den letzten vier Jahrzehnten des 20 Jahrhunderts kam es zu einer enormen Steigerung der Lebenserwartung und gleichzeitig zu einem Fall der Geburtenraten in den Industrieländern. Parallel dazu gehen die Wachstumsraten immer mehr zurück (Abb. 15719, 15723, 17226, 17186).





Für die USA und Großbritannien wurde nun in einem Bericht der Financial Times das Verhältnis zwischen der Demographie und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien untersucht. Dabei ergab sich ein sehr starker Zusammenhang (Abb. 15951, 15952). Vor diesem Hintergrund sollten auch die langfristigen Erwartungen an China als Motor der Weltwirtschaft nicht zu hoch geschraubt werden. Denn als Folge der 1-Kind-Politik wird seine Bevölkerung im Arbeitsalter schon ab 2020 wieder abnehmen und wird China um 2042 eine ähnliche Altersstruktur wie die alten Industrieländer haben. Deutschland ist mit seiner unter den großen Industrieländern besonders schnell alternden Bevölkerung von den negativen demographischen Auswirkungen erst recht betroffen.



Natürlich wird das Wirtschaftswachstum langfristig auch von anderen Faktoren gebremst, wie steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, begrenzten Umweltreserven und weniger technologischen Durchbrüchen, wie früher die Dampfmaschine und zuletzt die Digitalisierung.



Eine weitere Schlußfolgerung der Autoren der Untersuchung in der Financial Times besagt, daß die besten Zeiten der Aktienmärkte mit dauerhaftem Wachstum definitiv vorbei sind. Auch legen alternde Bevölkerungen ihre Ersparnisse mehr in sicheren Anleihen als riskanteren Aktien an.


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global news 2803 23-11-12: Neue Statistik des Geldvermögens: Die Reichen werden reicher, der deutsche Staat immer ärmer

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Es ist ein deprimierendes Bild, wie der deutsche Staat immer ärmer wird. Per saldo ist seine Verschuldung seit 1991 von 31 % auf 208 % der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) gestiegen. Gleichzeitig haben die privaten Haushalte ihr Vermögen per saldo von 273 % auf 502 % hochgefahren (Abb. 15948). In Billionen Euro nahm das Geldvermögen der privaten Haushalte per saldo um 2,3 zu, während die Schulden des Staates um mehr als 1,2 hochwuchsen (Abb. 15949).



Am wachsenden Reichtum der privaten Haushalte war vor allem das obere Zehntel beteiligt (Abb. 17355, 14178). Dazu hat einerseits die ungleiche Einkommensverteilung beigetragen. So sind die Netto-Löhne und -Gehälter je Arbeitnehmer seit 2000 real nach Abzug der Inflationsrate um 2 % gefallen. Andererseits stiegen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um 27 % (Abb. 14849).




Andererseits wurde unter dem Druck der Wohlhabenden der Spitzensteuersatz abgesenkt, die Vermögenssteuer beseitigt, die niedrige Kapitalertragssteuer von nur 25 % eingeführt und der Satz der Unternehmenssteuern immer weiter reduziert. So bereicherte sich der Wohlstand und verarmte der Staat. Die Bundesregierungen hätten die Steuern so anheben müssen, daß der Staat sich nicht hätte immer weiter verschulden müssen. Auch der Haushalt des kommenden Jahres sieht noch einen Schuldenzuwachs vor.



Der Unternehmenssektor außerhalb der Finanzinstitutionen hat seinen Anteil nur leicht von 199 % auf 214 % erhöhen können. Dabei wurden Gewinne zu großen Teilen an die Aktionäre abgeführt und landeten so auch wieder bei den Haushalten oder bei ausländischen Aktionären im Ausland und natürlich auch bei Banken und Versicherungen.


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global news 2802 22-11-12: China dominiert die Industrieproduktion der Welt

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China hat sich jetzt an den USA vorbei zur größten Industriemacht der Welt entwickelt. Seine Industrieproduktion ist fast 3-mal größer als die Deutschlands und 7-mal größer als Frankreichs (Abb. 15946). Damit dominiert China auch die Exportmärkte der Welt.


Die chinesische Exportproduktion stützt sich weitgehend auf sehr niedrig entlohnte Wanderarbeitnehmer. Das gesamte chinesische Lohnniveau stieg zwar durchschnittlich im 3. Quartal 2012 nominal um 13 % gegenüber Vorjahr, und damit erheblich mehr als die Inflationsrate von 1,9 %. Doch steigen die Löhne von einem sehr niedrigen Niveau. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigte, daß im Jahr 2000 der Lohn einer chinesischen Arbeitskraft noch etwa 3 % von dem eines amerikanischen Arbeitnehmers betragen habe. Dieser Anteil sei auf 4 % in 2005 und 9 % in 2010 gestiegen. In der chinesischen Stadt Guangzhou, wo sehr viel Exportindustrie angesiedelt ist, betrage der Monatslohn zwischen 300 und 350 Euro.



Mit der Konkurrenz der chinesischen Billigexporte wird viel an chinesischen Verhältnissen auf das Gesellschafts- und Sozialsystem der entwickelten Industrieländer übertragen. Schon die Hartz-Gesetze, die zu einem wuchernden Niedriglohnsektor bei uns beitragen, wurden von Schröder mit den Bedingungen der Globalisierung (sprich China) begründet (Interview im SPIEGEL v. 5.7.04):

"Die sozialen Sicherungssysteme müssen bei veränderten ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Ordnung gebracht werden. Man darf ja nicht darüber hinwegsehen, daß die Globalisierung uns zu bestimmten Maßnahmen zwingt".


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


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global news 2801 21-11-12: Wie Jobverlust zum Herzinfarkt führt

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Eine neue, in den Archives of Internal Medicine veröffentliche Studie belegt den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Herzinfarkt. Er ist ähnlich eng wie mit Rauchen. Die Studie erfaßte 13.000 Menschen in den USA über 20 Jahre. Das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren und erfaßte bei 7,9 % der Personen 1.061 Herzinfarktfälle auf 165.169 Personen-Jahre der Beobachtung. 14 % der Beobachteten waren am Beginn der Studie arbeitslos. 69,7 % hatten einen oder mehrere Jobverluste und 35,1 % waren während der Studienzeit längere Zeit arbeitslos.

Arbeitslosigkeit in den 50er und 60er Lebensjahren erhöhte das Risiko von Herzinfarkten um mehr als ein Viertel (27 %) im ersten Jahr nach dem Jobverlust. Weitere Jobverluste führen zu noch höherem Risiko. Bei einem einzigen Jobverlust lag das Risiko um 22 % höher und stieg bei vier und mehr Jobverlusten um 63 % über das ohne Arbeitslosigkeit. Das Risiko war damit ähnlich hoch wie bei Rauchern mit einer Risikoerhöhung um 44 %.

Die Ergebnisse waren sehr robust nach Adjustierung um klinische, sozioökonomische und Verhaltensrisiken.

Auch in Deutschland weiß man seit dem letzten Sozialökonomischen Panel, wie die Einkommensgruppen und die Lebenserwartung korreliert sind. Zwischen denen, die ein Einkommen von mehr als 150 % des Durchschnitts haben und denen von unter 60 % klafft bei den Männern ein Unterschied in der Lebenserwartung von elf Jahren und bei den Frauen von acht Jahren (Abb. 17323).


Zum gleichen Thema hat sich jetzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seiner Gesundheitsberichterstattung (GBE 1/2012) gemeldet:

"Befunde verschiedener nationaler und internationaler Studien zeigen, dass Arbeitslosigkeitserfahrungen bei Frauen und Männern mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert sind. So haben Personen mit Arbeitslosigkeitserfahrungen eine insgesamt höhere Sterblichkeit und ein erhöhtes Risiko für den Tod in Folge eines Suizides oder ungeklärter äußerer Ursachen. Die vorliegenden Befunde werden dahingehend interpretiert, daß die Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Mortalität über verringerte soziale Ressourcen und psychosozialen Stress sowie die daraus resultierende Entwicklung von Angststörungen und depressiven Erkrankungen vermittelt wird."



Das RKI hat dann in einer Abbildung (Abb. 17324) auf der Ebene aller 96 Raumordnungsregionen in Deutschland im Jahr 2008 dargestellt, daß ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Lebenserwartung bei Geburt besteht. Bei Frauen sinkt die Lebenserwartung mit jedem Prozentpunkt, den die Arbeitslosenquote zunimmt, um etwa einen Monat. Bei Männern liegt der entsprechende Wert bei drei Monaten. Zwischen der Region mit der höchsten und der mit niedrigsten Arbeitslosenquote bestand eine Differenz von 0,6 Jahren bei Frauen und 2,4 Jahren bei Männern.


In Deutschland dürfte die Situation der Arbeitslosen noch stressiger und damit gesundheitsgefährlicher geworden sein, nachdem die Jobzenter die Strafmaschine auf schon über eine Million Fälle in einem Jahr hochgefahren und schon wegen Meldeversäumnisse maximale Strafen von nahezu 30 % der Hartz4-Leistungen verhängt haben. Mehr als zwei Drittel aller Strafen werden so begründet, etwa weil ein Hartz-IV-Empfänger zu einem Beratungstermin ohne Grund nicht kommt. Der Gesetzgeber hat das absolute Existenzminimum, daß nicht unterschritten werden darf, bei 70 % der geltenden Regelleistung angesiedelt. Das sind bei Singles 112 Euro weniger als die Regelleistung von 374 Euro (zuzüglich Kosten der Unterkunft und Heizung). Tatsächlich wurden nach einem neuen Bericht der Bundesagentur für Arbeit die Regelleistungen im Durchschnitt um 106 Euro gekürzt, also fast der volle Strafrahmen wegen meist nur Meldeversäumnissen ausgenützt. Es ist offensichtlich ein besonderes deutsches Vergnügen meist hilflose Menschen zu schikanieren (dafür sind wir dann mit Hilfeleistungen für andere Euroländer großzügig).

Dabei beruft sich die Bundesagentur in schon zynischer Weise auf Vorgaben des Gesetzgebers. Da sich die staatliche Grundsicherung aus Steuergeldern finanziere, sei man dem Steuerzahler verpflichtet. Wird hier wirklich total vergessen, daß wegen der Hartzgesetze auch Arbeitnehmer, die ein Arbeitsleben lang geklebt und damit Leistungen an das System erbracht haben, nach nur einem Jahr Arbeitslosigkeit den Fußtritt aus eben diesem System heraus bekommen, also zunächst selbst, und nicht etwa der Steuerzahler, Vorleistungen erbracht haben?

In meiner Beurteilung geschieht gegenüber den Arbeitslosen sehr viel Unrecht, das einem kultivierten Land, wie es Deutschland gern sein möchte, nicht gut ansteht. Dabei nimmt die Partei, die das eingebrockt hat, auch noch das "Soziale" in ihrem Namen in Anspruch.


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global news 2800 19-11-12: Automobilproduktion, Nahrungsmittelumsatz, Ausrüstungsinvestionen, Export, Arbeitsmarkt: Nichts geht mehr

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Immer mehr Konktursignale schalten auf "gelb" oder schon auf "rot".

Im Automobilbereich kämpft die Industrie mit dem stärksten Markteinbruch in Europa seit 19 Jahren. Nach letzten Zahlen vom Oktober 2012 gingen auch in Deutschland die Produktion um 5,7 % und der Export um 6,9 % gegenüber Vorjahr zurück (Abb. 13104).


Der Einzelhandel mit Nahrungsmitteln in Verkaufsräumen ist real nach Abzug der Preissteigerung seit dem Jahr 2000 bereits um ein Drittel gefallen (Abb. 17664).


Besonders bedenklich: Die Bruttoausrüstungsinvestitionen, die schon seit dem 3. Quartal 2011 zurücklaufen, gingen nach Mitteilung des Amts auch im 3. Quartal 2012 weiter zurück (Abb. 17334).


Auch der deutsche Export bricht nun ein und verzeichnet Minusraten, vor allem mit der Eurozone (-9 %, Abb. 17363, 17328). Aber ebenso geht der deutsche Import zurück und das auch aus der Eurozone (-5,7 %), so daß - entgegen den Erklärungen der Bundesregierung - hier keine Entlastung stattfindet (Abb. 17362).






Am deutschen Arbeitsmarkt zeigen sich ebenfalls schon die Spuren. So gingen die Arbeitsstunden je Beschäftigten im 3. Quartal 2012 gegenüber Vorjahr um 1,3 % zurück, der zweite Rückgang in Folge (Abb. 04639). Die Arbeitstunden gehen immer erst zurück, bevor die Entlassungen einsetzen.


Für den Stahlbereich warnte der Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer und Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder, in der europäischen Stahlindustrie könnten durch den Abbau von Überkapazitäten in den nächsten Jahren bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Schätzungen gingen davon aus, dass im Zuge einer Anpassung der Kapazitäten an den langfristigen Bedarf von den europaweit rund 400.000 Arbeitsplätzen der Branche 20 bis 25 % gestrichen werden müßten.


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Hinweis auf mein neues Buch: "Grafik-Datenbank" - ist im August 2010 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-405-9). Zur Bestellung hier.