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Reihe 89 ab 23-01-12 ... ...

(2614) 147 Konzerne haben die Welt unter sich aufgeteilt

(2613) Wirtschafts- und Sozialentwicklung im 4. Quartal: Alles auf einen Blick in einer Abbildung

(2612) Was bedeutet die von der EU-Kommission prognostizierte "milde Rezession"?

(2611) Was jetzt in Griechenland auf Druck der Gläubiger läuft, ist eine soziale "Sauerei"

(2610) Sag mir, wo die Löhne sind, wo sind sie geblieben? - Wahrheiten aus Griechenland und Deutschland

(2609) Weitere 130 Mrd Euro in den griechischen Kamin (aus dem Geheimpapier der Troika)

(2608) Der Schönfärbpräsident

(2607) Vorschläge für neue Geldsysteme sind nur ein Kurieren an Symptomen

(2606) Die heutigen Meldungen über die "Vermögensverteilung in Deutschland" führen total in die Irre

(2605) Q4 2011: Die deutsche Wirtschaftsentwicklung schaltet wieder auf negativ

(2604) Dreimal Griechenland: dreimal der Weg in den Zusammenbruch - Zahlen, die Merkel nicht zur Kenntnis nimmt

(2603) Immer mehr Geld geht steuerflüchtend offshore

(2602) Warum Frau Merkel von der Eurokrise profitiert und nicht die Opposition

(2601) Die Schwäche breitet sich aus: Industrieproduktion, Industrieumsatz und Export nach unten

(2600) Warum Griechenland innerhalb der Eurozone definitiv nicht zu retten ist

(2599) Reallohn-Entwicklung schaltet auf negativ, doch eine Verdummungskampagne hält dagegen

(2598) Das private Geldvermögen ist in Italien und Irland höher als in Deutschland und im Schnitt der Eurokrisenländer nicht viel niedriger

(2597) Wenig Schule für Mädchen in der Ost-Türkei

(2596) Nur ein kleinerer Teil der Deutschen hat Vorteile vom Euro gehabt, aber alle sollen jetzt bluten

(2595) Deutscher Einzelhandelsumsatz: Weiter im Rückgang, Anstieg der Eurozonenarbeitslosen auf 17 Millionen - Zusammenhänge?

(2594) Warum verschlafen die Gewerkschaften die Handelspolitik und gefährden Arbeitsplätze?

(2593) Neuer Plan: Höhere Inflation in Deutschland zur Rettung der Eurozone

(2592) Weiter real sinkende Tariflöhne

(2591) Sprüche über Sprüche: Wie sollen denn nun die Wachstumskräfte an der Europeripherie gestärkt werden?

(2590) Foxconn: Eine chinesische Werkbank für 40 % der Welt-Unterhaltungselektronik

(2589) Kapitalismus in der Krise: Ungleichheit und Schulden wachsen gefährlich

(2588) Eurokrise: Die Rechnung für Deutschland kommt

(2587) Vom unaufhaltsamen Abstieg der Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts




global news 2614 27-02-12: 147 Konzerne haben die Welt unter sich aufgeteilt

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Die Transnationalen Unternehmen (TNU) sind über riesige Netzwerke verbunden. Die beeinflussen sowohl den globalen Wettbewerb wie - wegen des hohen Anteils von Finanzinstitutionen in diesen Netzwerken - auch die Stabilität der Finanzmärkte. Jetzt wurde zum ersten Mal in einer Studie der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich, die alles andere als eine linke Kaderschmiede ist, die gesamte Architektur der internationalen Eigentümerschaft solcher Netzwerke untersucht. Im Ergebnis zeigt sich eine gigantische Stuktur, wobei ein großer Anteil der Kontrolle zu einem eng geknüpften Kern von finanziellen Institutionen fließt. Untersucht wurden etwas mehr als 43.000 TNUs in der Definition der OECD. Die kommen aus einer Datenbank, die etwa 30 Mio Unternehmen weltweit in 194 Ländern mit 13 Mio Eigentümerverbindungen enthält. Das Netzwerk dieser TNUs enthält etwa 600.000 Verknüpfungen mit rund 1 Mio Eigentümerverbindungen (Abb. 15726).


Im Prinzip hätte man erwarten sollen, daß das Maß an Kontrolle etwa der Verteilung von Einkommen zwischen Haushalten oder zwischen Unternehmen entsprechen würde, da die Aktien der Unternehmen ebenso verteilt sind. Doch die Studie ergab, daß nur 737 Spitzenunternehmen 80 % der Kontrolle über den Gesamtwert aller TNUs ausüben. Die Kontrolle ist also noch viel ungleicher verteilt als der Wert der Unternehmen. Die Spitzenakteure kontrollieren etwa zehnmal mehr, als ihrem Wertanteil entspricht. Noch konzentrierter ist die Kontrollmacht einer Gruppe von nur 147 TNUs, die vier Zehntel des Wertes aller TNUs der Welt halten und sich fast vollständig unter einander kontrollieren. Die 50 einflußreichsten sind Banken und Versicherer (mit Ausnahme einer Erdölgesellschaft). Die Auflistung des Kerns der Netzwerke zeigt, daß dazu viele der wirtschaftlichen Spitzenakteure zählen. Die betreiben also ihre Geschäft nicht in Isolation, sondern sind in einem extrem verwobenen Kontrollnetz verbunden.



Die Deutsche Bank ist mit ihrem Netzwerk von Kapitalverbindungen der zwölftstärkste Kontrolleur. An ihr ist wiederum Barclays, das TNU mit der größten Vernetzung, als mit einem Anteil von 3,1 % größter Einzelaktionär beteiligt. Ihrerseits listete die Deutsche Bank 2009 nicht weniger als 2085 Unternehmen auf, an denen sie selbst beteiligt war. Seitdem hat sie im Gefolge der Krise vor allem Beteiligungen an der Postbank und Sal. Oppenheim erworben.


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global news 2613 24-02-12: Wirtschafts- und Sozialentwicklung im 4. Quartal: Alles auf einen Blick in einer Abbildung

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Die wichtigsten Detailergebnisse der jetzt veröffentlichten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zum 4. Quartal 2011 sind hier dargestellt (Abb. 04004).


Sie zeigen im Vorjahresvergleich eine absolute Stagnation der Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer (verbraucherpreisbereinigt) bei 0 %. Sie stiegen auch im Vorquartalsvergleich nur um 0,9 %. Konsequenterweise und entgegen der immer wieder behaupteten neuen Konsumneigung der Deutschen ging der Konsum der privaten Haushalte im 4. Quartal 2011 um 0,2 % gegenüber Vorquartal zurück (und stieg auch die Sparquote dementsprechend um 2,8 %). Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben nur minimal um 0,1 %.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen fielen im Vorquartalsvergleich (BIP-inflatorbereinigt) um 2,8 % zurück. Verglichen mit dem Jahr 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer um 3 % gefallen. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen dagegen um 29 % gestiegen. Die Schere ist also weit auseinander gegangen.



Der Außenhandel wirkte sich im Schlussquartal 2011 negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung aus: Es wurden 0,8 % weniger Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im dritten Quartal 2011 (preis-, saison- und kalenderbereinigt). Da die Importe mit - 0,3 % etwas weniger zurückgingen, hatte der Außenbeitrag - also die Differenz aus Exporten und Importen - einen leicht negativen Effekt auf die Entwicklung des BIP im Berichtszeitraum (- 0,3 Prozentpunkte).


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global news 2612 24-02-12: Was bedeutet die von der EU-Kommission prognostizierte "milde Rezession"?

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Die notorisch optimistische EU-Kommission muß nun doch für die Eurozone in 2012 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 % prognostizieren, was erneut auf der optimistischen Seite liegen dürfte. In ihrer Herbstprognose war es noch ein Plus von 0,5 % gewesen. Deutschland soll mit +0,6 % im Mittelfeld liegen (Abb. 12259).




In der Tendenz seit Anfang 2010 zeigt sich jedoch sowohl für die Eurozone (Abb. 15722), wie auch für Deutschland (Abb. 14144) eine ziemlich deutliche Abschwächung. Die Wirtschaftsentwicklung soll in den ersten beiden und noch einigermaßen sicher prognostizierbaren Quartalen 2012 sowohl für die Eurozone mit -0,3 % und 0,0 % wie auch für Deutschland 0,1 % und 0,2 % sehr schwach ausfallen. In gleitenden 5-Jahresschritten betrachtet, um die zwischenzeitlichen Ausschläge zu beruhigen, setzt sich nur der schon 2001 begonnene verstärkte Niedergang der Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone verstärkt fort (Abb. 15723).





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global news 2611 23-02-12: Was jetzt in Griechenland auf Druck der Gläubiger läuft, ist eine soziale "Sauerei"

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Statt sich das Geld für die Sanierung des Staatshaushalts wenigstens teilweise bei den zahlreichen reichen Griechen zu holen und das in die Schweiz, nach Großbritannien, Deutschland und sonst wohin steuergeflüchtete Kapital zu verfolgen, werden in Griechenland auf Druck der Gläubiger die Arbeitseinkommen und Renten abgesenkt. Dabei hat das oberste Fünftel ein fast sechsmal höheres Einkommen als das unterste Fünftel (in Deutschland sind es 4,5-mal so viel) - eine Situation, die nur noch von Spanien übertroffen wird (Abb. 15159). Auch nach dem international gebräuchlichen Verteilungsquotienten Gini, bei dem 0 absolute Gleichheit und 100 absolute Ungleichheit bedeutet, liegt Griechenland im Führungsfeld der Ungleichen (Abb. 15720).



An der Spitze des obersten Fünftels rangieren die zahlreichen Millionäre oder Milliardäre, von denen die reichen Reeder steuerflüchtend seit vielen Jahren offiziell in London leben, auch wenn ihre Luxusjachten in Piräus liegen und dort sicher auch benutzt werden. Die 13 reichsten Griechen haben zusammen ein Vermögen von mehr als 10 Mrd Euro und der reichste von ihnen bringt 4 Mrd Euro auf die Waagschale des Reichtums und lebt natürlich in der Schweiz. George Koukis, ein erfolgreicher Software Unternehmer mit 240 Mio Euro im Rücken und Wohnsitz in der Schweiz konnte im deutschen Fernsehen erklären, er sei stolz, Grieche zu sein, denke aber nicht daran, Geld nach Griechenland zu geben: "Warum soll ich mein Geld Menschen geben, die ich als nutzlos betrachte. Andere hier denken wie ich, auch wenn sie es nicht offen sagen." Hier das schockierende Video von Report Mainz, das auch die Worte von George Koukis enthält.



Selbst die amtlich berechneten griechischen Steuerrückstände bewegen sich in der Größenordnung von ca. 41 Mrd Euro. Davon sind 90 % bei 6.500 Einzelpersonen und 8.200 Firmen zu finden. Die Regierung in Athen hat nun die Namen von über viertausend Steuersündern ins Internet gestellt. Jeder von ihnen schuldet dem Staat mindestens 150.000 Euro. Bei einem Gesamtvolumen von fast 15 Milliarden Euro sind das fast 7 % des BIP. Doch was nützt hier der verzweifelte Akt im Internet, wenn es nur eine korrupte Steuerverwaltung gibt, die ihren Aufgaben nicht nachkommt?

Also müssen in Griechenland wieder einmal die kleinen Leute für das Sparprogramm bluten. Es sind dieselben die schon seit Jahren bluten und vom Euro rein gar nichts gehabt haben. Die griechischen Arbeitnehmer haben sich von einem relativ niedrigen Niveau ausgehend zwischen den Jahren 2000 und 2010 zwar Lohnsteigerungen von erstaunlichen 38,2 % erkämpft. Doch die Verbraucherpreisinflation war schneller und legte noch um 1,6 Prozentpunkte mehr zu (Abb. 15721). Damit löst sich das Erstaunen schnell wieder auf.


Im Ergebnis haben sich also die ausländischen Produzenten, vor allem aus Deutschland, sowie die einheimischen und vor allem der Importhandel und der Einzelhandel im Lande selbst noch mehr unter die Nägel gerissen, als an zusätzlicher Kaufkraft nominal entstanden war. Obwohl die griechischen Arbeitnehmer von ihren Lohnsteigerungen real gar nichts gehabt haben, müssen sie jetzt noch auf große Teile ihrer real seit 2000 rückläufigen Löhne verzichten. Und die Steuer ist ihnen alle diese Jahre lang, anders als bei den Reichen, ohne Fluchtweg direkt vom Arbeitseinkommen abgezogen worden.

Schlimmer noch: Alle diese Opfer werden umsonst sein. Das Sparprogramm drückt auf die öffentliche und private Nachfrage und läßt die griechische Wirtschaft in den Keller gehen und zugleich die Arbeitslosigkeit explodieren. Die Folge sind weniger Steuereinnahmen und ein höheres Staatsdefizit bei einer absaufenden Wirtschaftsleistung, an der gemessen dann die Verschuldungsquote weiter ansteigt.


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global news 2610 22-02-12: Sag mir, wo die Löhne sind, wo sind sie geblieben? - Wahrheiten aus Griechenland und Deutschland

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Die griechischen Arbeitnehmer haben sich von einem relativ niedrigen Niveau ausgehend zwischen den Jahren 2000 und 2010 Lohnsteigerungen von 38,2 % erkämpft. Damit verlor die griechische Wirtschaft erheblich an Wettbewerbsstärke, beispielsweise verglichen mit Deutschland, wo sich die Gewerkschaften mit weit bescheideneren Lohnsteigerungen von 22,3 % zufrieden gaben.

Doch am Ende waren die griechischen Arbeitnehmer noch schlechter dran als die deutschen. Denn in Griechenland stiegen die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum mit 39,8 % noch um 1,6 Prozentpunkte stärker als die Löhne. Dagegen stiegen sie in Deutschland nur um 17,3 % und damit um 5 Prozentpunkte weniger als die Löhne (siehe Abb. 16784).


In Griechenland haben sich also die ausländischen Produzenten, vor allem aus Deutschland, sowie die einheimischen und vor allem der Importhandel und der Einzelhandel im Lande selbst noch mehr zurückgeholt als an Lohnsteigerungen vorhanden war. Die griechischen Arbeitnehmer haben damit von ihren Lohnsteigerungen real gar nichts gehabt und müssen jetzt noch auf große Teile ihrer real seit 2000 rückläufigen Löhne verzichten. Wo sind die Lohnsteigerungen der Griechen also geblieben? Antwort: in ausländischen und griechischen Taschen reicher Händler und Lieferanten. Soweit es Griechen sind, haben sie ihre hohen Profite weitgehend an der Steuer vorbei manövriert oder steuerflüchtig ins Ausland verbracht. Dagegen haben griechische Arbeitnehmer (wie auch deutsche) die Steuer direkt vom Lohn abgezogen bekommen.



Warum steigt niemand den steuerflüchtigen griechischen Profiten nach?


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global news 2609 21-02-12: Weitere 130 Mrd Euro in den griechischen Kamin (aus dem Geheimpapier der Troika)

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Bei Griechenland scheinen die Regierungen der Eurozone nur noch auf Zeit und "nach uns die Sintflut" zu spielen. Sie kaufen sich für weitere 130 Mrd nur Zeit, die viel zu teuer bezahlt wird. Auch die BBC titelt heute: "Greece bailout: Buying time for the eurozone". Der nun bekannt werdende eigentlich "streng geheime" Bericht der Troika (IWF, EU und EZB) zeigt, daß die Regierungen sogar wider besseres Wissen handeln. Sowohl nach der Grundannahme der Troika, wie erst recht nach einer pessimistischeren Alternative braucht Griechenland noch viel mehr Geld als jetzt beschlossen. Der Bericht bezeichnet das Griechenlandprogramm als "unfallgefährdet" mit darüber hängenden Fragen der Tragfähigkeit.

Nach der Grundannahme der Troika braucht Griechenland weitere 50 Mrd Euro über die jetzt bis 2014 vorgesehenen 136 Mrd Euro hinaus. Dabei wird optimistisch unterstellt, daß die griechische Wirtschaft ab kommendem Jahr nicht mehr schrumpft und bereits in 2014 um 2,3 % und 2015 um 2,9 % wieder wächst. Der Bericht warnt, daß das Sparprogramm die Wirtschaft schwächen und damit die Schuldenquote nach oben treiben könnte: "Die interne Abwertung, die zur Erlangung von Wettbewerbsfähigkeit nötig ist, wird unvermeidbar in der näheren Zukunft zu einer höheren Verschuldungsrate führen".

Die jetzt eingeleitete Umschuldung könnte mit dem nun verbleibenden hohen Anteil von bevorzugten öffentlichen Altgläubigern und vom Rettungsfond gestützten privaten Altgläubigern neue private Investoren von einem Engagement abschrecken, weil sie bei einer weiteren Umschuldung gegenüber den anderen Gläubigerklassen im Nachteil wären. Längere finanzielle Unterstützung von Seiten offizieller Sektoren kann daher notwendig werden.



Die Rettungskredite des EFSF hängen sehr stark vom Zinssatz ab, der für deutsche Staatsanleihen von den Kapitalmärkten gefordert wird. Ein Anstieg um 1 % würde die griechische Verschuldung per 2020 wieder auf 135 % des BIP hochtreiben. Auch kämen für jede 5 % an privaten Anleihehaltern, die nicht an der Umschuldung teilnehmen sollten, weitere 2 % in der Verschuldungsrate hinzu.

In der pessimistischeren Alternative könnte die Verschuldungsquote bis 2020 nicht auf 120 % sondern nur auf 160 % des BIP fallen. In dieser Variante bräuchte Griechenland ungefähr 245 Mrd Euro statt der in der Grundannahme vorgesehenen 170 Mrd Euro an Hilfe. Griechenland würde dann nicht die strukturellen Reformen in der Geschwindigkeit, die die Grundannahme vorsieht, vornehmen. Größere Flexibilität der Arbeitseinkommen könnte von den Gegenkräften blockiert werden, ebenso die Liberalisierung der Märkte für Produkte und Dienstleistungen. Die Rekapitalisierung der griechischen Banken, die 30 Mrd Euro kosten sollte, soll nun 50 Mrd Euro kosten. Der Privatisierungsplan, der ursprünglich 50 Mrd Euro erbringen sollte, wird nun um 5 Jahre verzögert und nur 30 Mrd Euro bis 2020 bringen. Es könnte im Ergebnis viel länger dauern, die notwenigen Strukturreformen durchzuziehen, um die Haushaltsbilanz (vor Schuldendienst) von -1 % in 2012 auf +4,5 % hochzuziehen.

Hier die letzten Daten zur Entwicklung von BIP, Industrieproduktion, Ausrüstungsinvestionen, Arbeitslosigkeit und Einzelhandelsumsatz. Da gibt es keinerlei Lichtblick. Die Kurven zeigen überzeugend, wie aussichtslos die griechische Wirtschaft abschmiert und wie sinnlos und kontraproduktiv die angeblichen Rettungsprogramme geworden sind. Seit 2008 ist die Industrieproduktion um ein Viertel eingebrochen. Ausrüstungsinvestitionen in die Zukunft des Landes fielen um 40 %. Die Arbeitslosigkeitsquote explodierte im selben Zeitraum von 8 % auf 21 %, bei Jugendlichen unter 25 Jahren sogar auf 48 %. Sie finden diese Fieberkurven in einer Darstellung (Abb. 16783).


Das Statistische Amt Griechenlands meldete nun auch noch einen Absturz der gesamten Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2011 gegenüber Vorjahr von 7 %, der Einzelhandelsumsatz lag im November sogar um 8,9 % unter dem Vorjahresmonat (Abb. 15223).



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global news 2608 21-02-12: Der Schönfärbpräsident

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"Alles für die Freiheit!" scheint Joachim Gaucks Generalmotto zu sein. Wir sollen "wieder lernen, daß wir in einem guten Land leben, mit wunderbaren Möglichkeiten". Es ist eine Betrachtung aus der Perspektive eines Widerstandskämpfers gegen das Zwangssystem der längst untergegangenen DDR. Gauck überhöht die Freiheit, indem er glaubt, daß Jeder damit Alles anfangen könnte. Er will uns überzeugen, daß Deutschland ein gutes Land ist, weil es hier demokratische Rechte gibt.

Das heutige Deutschland hat aber ganz andere Probleme, zu denen sich Gauck sehr viel weniger kritisch äußert. Die liegen vor allem im Sozialen, wo es zunehmend ungerecht zugeht. Oder in der Bildung, die immer mehr vom Geldbeutel der Eltern und deren Bildungsniveau abhängt und die damit immer weiter von der Hoffnung auf Chancengleichheit wegrückt. Oder in der Präferenz für das große Geld, das sich über die Lobby Politik kaufen kann. Oder in der unsinnigen Vorfahrt für den deutschen Export, der auf der Basis eingefrorener Löhne funktioniert und die Eurozone in Schieflage bringt mit der weiteren Folge deutscher Finanztransfers. Oder in der Macht der Banken, die es geschafft haben, die Bundesregierung von der Einführung eines Trennbankensystems abzuhalten, bei dem Banken dann nicht mehr mit den Einlagen der Kunden das große Spekulationsrad drehen können (in USA und Großbritannien steht das Trennbankensystem dagegen vor der Einführung). Oder in der Verweigerung flächendeckender Mindestlöhne bei Förderung der schlechter bezahlten Leiharbeit, was zu einem wuchernden Niedrigstlohnsektor in Deutschland geführt hat. Oder in einer ungerechten Steuerpolitik mit immer weniger Steuerbelastung für die Kapitaleigner und Wohlhabenden. Und viele mehr.



Die SPD wird ihre innige Liebe für Gauck noch bitter bereuen. Wenn sie sich kritisch mit den Verhältnissen in Deutschland beschäftigen möchte, um gegen Merkel zu punkten und eine Chance auf Rückkehr an die Regierung zu erkämpfen, kann sie sich sehr leicht an dem "guten Deutschland" des Joachim Gauck stoßen. Nicht auszuschließen, daß der dann die SPD und alle anderen Kritiker deutscher Verhältnisse in die Miesmacher-Ecke verweist. Kein Wunder, daß sich gerade die FDP Gauck auf die eigene Fahne geschrieben hat.

Das letzte Mal war ich für Gauck, weil ich Wulff nicht wollte. Diesmal hatte ich gehofft, daß die Parteien, einen weniger konservativ festgelegten Menschen aufs Schild heben. Armes Deutschland, wenn man an einem Gauck nicht mehr vorbei kommt.

Und auch das noch:


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global news 2607 20-02-12: Vorschläge für neue Geldsysteme sind nur ein Kurieren an Symptomen

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Die wahren Gründe für die Krise unseres Geldsystems liegen in der global immer ungleicheren Einkommensverteilung, bei der die weniger einkommensstarken Bevölkerungskreise ihren Konsum zu erheblichen Teilen auf Kredit decken müssen oder auch Immobilien und langzeitige Wirtschaftsgüter nur mit sehr viel Kredit und Verschuldung erwerben können. Das muß geändert werden, damit eine selbsttragende Nachfrage möglich ist und die Verschuldung abgebaut werden kann. Dann kann auch ein als "Schuldgeld" verteufeltes Geldsystem sehr gut funktionieren.



Wir sind mit unserem Geldsystem samt Zins und Zinseszins durch die Zeiten des Wiederaufbaus, des Wirtschaftswunders und weitere Jahrzehnte sehr gut gefahren und hatten dabei einen enormen Zugewinn an Wirtschaftsleistung ohne größere Krisen. In den 50 Jahren bis 2000 lag der Zuwachs bei jahresdurchschnittlich 1,9 % - eine Rate, bei der sich die Wirtschaftsleistung in 60 Jahren verdreifacht. Erst danach in der neoliberalen Phase einer Hyperglobalisierung fiel der Zuwachs auf nur noch etwa 1,1 % und droht nun weiter zu fallen (Abb. 17238). Ebenso hat die Weltwirtschaft eine enorme Wirtschaftsentwicklung hinter sich und dabei zwischen 1970 und 2010 eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate von real 8,8 % erreicht, wobei die Verdreifachung schon nach nur 13 Jahren erreicht wird (Abb. 17239).



Der Zins- und Zinseszins war zu normalen Zeiten mit weit weniger Verschuldung der Verbraucher durchaus verkraftbar. Die Belastung muß ohnehin real, d.h. nach Abzug der Inflationsrate gesehen werden. So sind beispielsweise in USA die amerikanischen Bankenverbindlichkeiten bis zur Jahrtausendwende etwa im gleichen Takt wie die Wirtschaftsleistung insgesamt gewachsen (Abb. 03863), also trotz des Zinseffekts keineswegs überdimensional. Auch ist die Kreditkrise ausgebrochen, weil die Zinsen zu lange zu niedrig und nicht etwa zu hoch waren und so die Kreditaufnahme begünstigten.


So haben sich die Schulden der deutschen Haushalte keineswegs exponential entwickelt, sondern sind nach Bereinigung um die Kaufpreisentwicklung in 11 Jahren nur um 33 % gestiegen oder gerade einmal knapp 1,5 % pro Jahr und sind seit dem Jahr 2000 sogar gefallen (Abb. 17240). Dabei stehen den Schulden bei sehr vielen Haushalten noch weit stärker gestiegene Vermögen gegenüber (z.B. bei teilweise auf Kredit finanzierter Anschaffung langlebiger Wirtschaftsgüter oder von Immobilien oder einfach auf Kredit finanzierte Vermögensanlagen).


Nachtrag:

Wie zu erwarten, haben sich im Diskussionsforum sofort zwei Teilnehmer gemeldet und mit beleidigenden Beschimpfungen um sich geworfen, wie "Was für ein Dummkopf hat denn diesen Artikel verfasst. Der braucht wohl ein bischen Mathe Nachhilfe." Oder: "Wahnsinn wie wenig Ahnung zu diesem wichtigen Thema in dem Artikel herrscht." Und dann kommen keine substanziellen Gegenargumente, sondern nur noch Hinweise auf die Webseiten der Propheten für ein anderes Geldsystem. (Die orthographischen Fehler stammen von den Autoren)


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global news 2606 16-02-12: Die heutigen Meldungen über die "Vermögensverteilung in Deutschland" führen total in die Irre

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Da meldet der Bankenverband heute, das Geld- und Immobilienvermögen der Deutschen erreiche zehn Billionen Euro. Und prompt setzt SPIEGEL-online, die größte deutsche Internetplattform, als Überschrift "Vermögensverteilung in Deutschland". Dabei sind das total pauschalierte Daten, die die Verteilung der Vermögen in Deutschland nicht erkennen lassen, sondern nur zwischen Immobilien, Geldvermögen und Krediten (sprich "Schulden") unterscheiden (Abb. 17235).


Dazu der Bankenverband:

"Mehr als sechs Jahrzehnte Frieden und soziale Marktwirtschaft haben den Deutschen einen beachtlichen Vermögensaufbau ermöglicht: Auf rund zehn Billionen Euro summiert sich inzwischen das Geld- und Immobilienvermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Abzüglich der Kreditschulden von 1,5 Billionen Euro, davon sind knapp zwei Drittel Immobilienkredite, verbleibt den Deutschen ein beachtliches "Nettovermögen" von weit über acht Billionen Euro."

Und dann SPIEGEL-online:

"Während die Regierungen in der Krise jeden Cent zusammenkratzen, haben die Deutschen ein riesiges Vermögen angehäuft. Genug Geld, um die Schulden aller Euro-Länder komplett abzubezahlen. Rund 10.000.000.000.000 Euro besitzen die Deutschen. In Worten: zehn Billionen. Wie gewaltig diese Zahl ist, zeigt ein simpler Vergleich: Das Vermögen der deutschen Sparer würde reichen, um die Staatsschulden der Bundesrepublik viermal zurückzuzahlen. Oder die Verbindlichkeiten aller 17 Euro-Staaten zu übernehmen. Allein das Geldvermögen hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdreifacht: Es stieg von 1750 Milliarden Euro im ersten Quartal 1991 auf mittlerweile 4662 Milliarden Euro."



Perfekter könnte die Irreführung nicht sein. Denn weder lassen diese Daten die tatsächliche Vermögensverteilung innerhalb der deutschen Bevölkerung erkennen, die immer ungleicher geworden ist. Dabei ist die Vermögenspyramide extrem spitz geworden. Die untere Hälfte der Haushalte hat ein Vermögen von durchschnittlich gerade einmal 12.000 Euro, während es bei der oberen Hälfte 178.000 Euro sind und beim obersten Prozent fast 1 Mio Euro (Abb. 14178).


Die Zahl der Reichen mit mindestens einer Million investierbaren Kapitals (freie Mittel) steigt immer weiter und lag 2010 bereits bei fast 1 Million (924.000, Abb. 14715). Die Liste der extremreichen Einzelpersonen oder Familien mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde Euro ist trotz Wirtschaftsflaute 2010 von 99 auf 103 gestiegen, der Wert der 100 größten deutschen Vermögen auf 287,4 Milliarden Euro und der Top 500 auf 455 Milliarden Euro. Das entspricht 70 % des Jahresnettoarbeitsentgelts aller deutschen Arbeitnehmer.


Dabei entfallen fast zwei Drittel der vom Bankenverband gefeierten Nettovermögen auf Immobilien. Was soll da die SPIEGEL-Faselei, die Deutschen könnten die Schulden aller Eurostaaten übernehmen (abgesehen davon, daß SPIEGEL-online nicht rechnen kann und in die 10 Billionen auch die Schulden einbezieht, netto sind es 8,2 Billionen Euro)? Sollen die Deutschen denn auf die Straße ziehen? Haben die anderen Euroländer pro Kopf nicht eher mehr Geldvermögen? Nach dem neuen Globalen Reichtumsbericht der Allianz liegt das durchschnittliche Geldvermögen pro Kopf in Irland und Italien höher als in Deutschland und auch im Durchschnitt der Eurokrisenländer (Italien, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal) mit 52.000 Euro zu 60.000 Euro für Deutschland nicht viel niedriger (Abb. 15713). Deutschland nimmt eher einen unteren Platz ein.


Wenn der Bankenverband meint, mehr als sechs Jahrzehnte Frieden und Soziale Marktwirtschaft hätten den Deutschen einen beachtlichen Vermögensaufbau ermöglicht, so müßte es richtig heißen, daß die Marktwirtschaft unsozial geworden ist und der Vermögensaufbau immer ungleicher verteilt wurde. Der eigentliche Aufbau des Geldvermögens fand im Übrigen in den "guten alten Jahren" zwischen 1991 und 1999 mit einer jährlichen Steigerungsrate von 7,2 % statt, während sie zwischen 2000 und 2011 auf 1,7 % herunterrutschte (Abb. 17236). Die von SPIEGEL-online gefeierte Vervierfachung ist also Schnee der guten Jahre und nicht von heute.



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global news 2605 15-02-12: Q4 2011: Die deutsche Wirtschaftsentwicklung schaltet wieder auf negativ

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Im 4. Quartal 2011 hat die deutsche Wirtschaftsentwicklung ihren Nachkrisengipfel überschritten und erstmals seit Ausbruch der Krise wieder auf negativ geschaltet (Abb. 14931, 14744).





Im Vorquartalsvergleich kamen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts lediglich von den Investitionen positive Impulse (vor allem die Bauinvestitionen waren deutlich höher als im dritten Quartal 2011). Dagegen hatte der Außenhandel im Schlussquartal 2011 einen negativen Effekt auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung. Auch die Konsumausgaben waren im Vorquartalsvergleich leicht rückläufig. Hier zeigt sich einmal mehr, wie irreführend die vorgespielte Euphorie über den angeblichen Anstieg der Konsumnachfrage der Verbraucher ist. Die Verbraucher geben schon deshalb weniger aus, weil auch die Arbeitseinkommen stagnieren. Selbst in der besser entlohnenden gewerblichen Wirtschaft lagen nach gestriger Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts die verbraucherpreisbereinigten Löhne in der gewerblichen Wirtschaft in 2011 gerade einmal um 0,5 % über denen des Vorjahres und nur um 0,9 % über denen von 2005 (Abb. 14982).


Auch im internationalen Vergleich sieht Deutschland nicht mehr besonders gut aus (Abb. 13511).


Der Bundeswirtschaftsminister scheint die Daten zur Lohnentwicklung nicht zu kennen. In seiner Pressemitteilung vom 9. Februar zur wirtschaftlichen Lage sieht er die Gründe für die Abschwächung in der Verunsicherung aufgrund der Verschuldungssituation einzelner Staaten, insbesondere im Euroraum. Seiner Ansicht nach ist die Schwächephase nur vorübergehend und wird sich die Wirtschaft bald wieder beleben. Die entscheidende Rahmenbedingungen für den privaten Konsum hält er für günstig und weist dazu auf eine angeblich positive Entwicklung bei den Einkommen hin. Auch SPIEGEL-online findet einen positiven Dreher: Das 4. Quartal sei immerhin etwas besser als befürchtet gelaufen.


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global news 2604 14-02-12: Dreimal Griechenland: dreimal der Weg in den Zusammenbruch - Zahlen, die Merkel nicht zur Kenntnis nimmt

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Drei Kurven zeigen überzeugend, wie aussichtslos die griechische Wirtschaft abschmiert und wie sinnlos und kontraproduktiv die angeblichen Rettungsprogramme geworden sind. Seit 2008 ist die Industrieproduktion um ein Viertel eingebrochen. Ausrüstungsinvestitionen in die Zukunft des Landes fielen um 40 %. Die Arbeitslosigkeitsquote explodierte im selben Zeitraum von 8 % auf 21 %, bei Jugendlichen unter 25 Jahren sogar auf 48 %. Sie finden diese Fieberkurven in einer Darstellung (Abb. 16783).




Nachtrag:

Das Statistische Amt Griechendlands meldete gerade einen Absturz der Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2011 gegenüber Vorjahr von 7 %, der Einzelhandelsumsatz lag im November sogar um 8,9 % unter dem Vorjahresmonat (Abb. 15223).



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global news 2603 13-02-12: Immer mehr Geld geht steuerflüchtend offshore

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Allein über die letzten zwei Jahre von September 2009 bis September 2011 stiegen die internationalen Offshore-Anlagen der Banken um fast ein Viertel auf 2,1 Billionen US$ oder mehr als 10 % aller Auslandsanlagen der Banken (Abb. 16782). Zu den Offshore-Zentren zählen nicht Industrieländer mit niedrigen Steuern, wie Schweiz, Luxemburg oder Irland.


Mit 46 % hatten die britischen Caymans Inseln den größten Anteil an den Offshore-Anlagen (Abb. 16781). Die City of London ist zusammen mit dem Netz britischer Offshore Zentren die größte Steueroase der Welt.




Die Offshore Zentren ziehen das Kapital wegen der weitgehenden Steuerfreiheit, perfekter Geheimhaltung und geringer Regulierung an. Dort haben viele Hedgefonds ihren Steuersitz. In den Hedgefonds steckt das Kapital institutioneller Anleger und reicher Einzelpersonen. Viele Steuerflüchtige wollen vermutlich ihr Kapital oder Teile davon steuerschonend durch die Krise bringen.


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global news 2602 09-02-12: Warum Frau Merkel von der Eurokrise profitiert und nicht die Opposition

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Da kritisieren SPD/Grüne/Linke Frau Merkel immer wieder heftig, weil sie nicht mehr deutsches Geld auf den Brüsseler Rettungstisch für Griechenland legt und verlangen gar eine Vergemeinschaftung der Schulden über Eurobonds. Doch punkten können sie damit in Deutschland nicht. Dem neuen "stern-RTL-Wahltrend" zufolge kletterte Merkels Union innerhalb einer Woche um zwei Punkte nach oben und liegt nun bei 38 Prozent, der höchste Wert seit August 2009.

Man kann es auch politische Dummheit nennen, wenn Parteien, die eigentlich das Volk in seinen Mehrheiten vertreten wollen, nicht begreifen wo diese Mehrheiten in der Stimmungslage der Wähler sind. Nach dem ARD-Deutschlandtrend von diesem Monat sind Zwei-Drittel-Mehrheiten gegen Rückzahlungsverzichte der Eurozonenländer und gegen weitere Bürgschaften (Abb. 16779).


Man kann Politiker, die nach den Mehrheiten schielen, als "populistisch" verdammen. Man kann aber auch akzeptieren, daß Mehrheitsentscheidungen Wesen unserer Demokratie sind und, wer sich außerhalb von festen Mehrheiten stellt, das Volk nicht vertreten kann. Vielleicht hat das Volk auch eine bessere Antenne für das, was bei Griechenland realistischerweise von Deutschlands Steuerzahlern erwartet werden kann, als viele Politiker, die immer wieder Frau Merkel kritisieren.

Sich ziemlich betriebsblind ohne Rücksicht auf die Folgen für die eigenen Wählerschichten mit dem Schlagwort der internationalen Solidarität oder den angeblichen enormen Vorteilen des Euros für alle Deutschen in das Meinungsgetümmel um Griechenland zu werfen, zeugt auch nicht gerade von politischer Übersicht.



Allein der jetzt geplante Schuldenschnitt kann zu erheblichen Belastungen für den deutschen Steuererzahler führen. Von den griechischen Staatsschulden entfallen 15 Mrd Euro auf die deutschen Landesbanken, die teilverstaatlichte Commerzbank sowie die Abwicklungsanstalten für Hypo Real Estate und WestLB, für die die öffentliche Hand geradestehen muß. Ein Schuldenschnitt von 75 % würde hier zu Belastungen für den Steuerzahler von 9,9 Mrd Euro führen. Weitere 55 Milliarden an griechischen Anleihen liegen bei den Notenbanken des Euro-Systems. Ein Schuldenschnitt von 75 % würde nach Berechnungen des IfW Kiel Belastungen von 26,4 Mrd Euro mit sich bringen, von denen gemäß dem deutschen Anteil an der EZB 7,1 Mrd auf Deutschland entfallen würden. Jens Boysen-Hogrefe, Finanzexperte des IfW errechnet allein so bereits Verluste eines griechischen Schuldenschnitts auf bis zu 17 Mrd Euro. Dazu kommen 46 Mrd Euro deutscher Anteil an den bereits vorgenommenen und jetzt zusätzlich geplanten Eurozonenhilfen für Griechenland. Zusammen sind das bei einem nicht unwahrscheinlichen Griechenlandkonkurs bereits 1575 Euro für jeden deutschen Haushalt.


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global news 2601 08-02-12: Die Schwäche breitet sich aus: Industrieproduktion, Industrieumsatz und Export nach unten

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Die deutsche Industrieproduktion schwächte sich im Dezember 2011 weiter ab. Der Rückgang gegenüber Juli 2011 liegt schon bei mehr als 5 % (Abb. 04306).


Auch der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft geht bereits seit Juli 2011 zurück und lag im Dezember um 5,9 % niedriger, der Inlandsumsatz sogar um 6,7 % (Abb. 04910).


Ebenso schwächt sich der Export ab und das bereits seit März vergangenen Jahres (Abb. 15593, 17009). Dabei war der Rückgang gegenüber dem Vormonat im Dezember mit minus 4,3 % besonders ausgeprägt. Und bevor hier gleich Jemand "China" ruft, dorthin gehen nur 6 % des deutschen Exports, in die krisengeschüttelte Eurozone dagegen 40 %.



Trotz aller dieser eher negativen Signale, beruhigen Politik und Medien. Der Bundeswirtschaftsminister klammert sich an die letzten Auftragszahlen, die wieder einmal eine kleine Bewegung nach oben machten, jedoch gegenüber Juni vergangenen Jahres schon um minus 6,1 % tiefer lagen (Abb. 04569).


Beim Export tröstet das Statistische Bundesamt mit dem Jahresergebnis 2011, das wegen der besseren Entwicklung im ersten Halbjahr um insgesamt 11,4 % das Vorjahr übertraf, dies allerdings in nominalen Werten ohne Berücksichtigung der Preissteigerung von 3,7 %. Und so kann uns SPIEGEL-online die frohe Botschaft melden: "Deutsche Exporte knacken Eine-Billion-Euro-Marke", auch wenn das schon der Schnee vom ersten Halbjahr ist.

Und Bundeswirtschaftsminister Rösler macht daraus in seiner Presseerklärung von heute quasi in einem Eiertanz um die Wahrheit herum:

"Die deutsche Wirtschaft kann auf ihr bislang stärkstes Außenhandelsjahr zurückblicken. Aktuell ist es angesichts der Schwächephase der Weltwirtschaft zwar schwieriger, an diese Erfolge anzuknüpfen. Die deutsche Wirtschaft ist aber nach wie vor hoch wettbewerbsfähig. Mit der Belebung der Weltwirtschaft wird sie ihre Wachstumschancen daher weiterhin erfolgreich zu nutzen wissen."



Die eigentliche Botschaft hinter den frohen Meldungen lautet: "Leute, kauft mehr ein". Wenn der Export lahmt, kann nur noch die Binnenkonjunktur Deutschland über Wasser halten. Deswegen auch die irreführende Meldung des Statistischen Bundesamt von vor einigen Tagen, über die angeblich in 2011 gestiegenen Reallöhne, die doch im letzten Quartal 2011 bereits deutlich auf Minuswerte abgestürzt waren (Abb. 17008).



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global news 2600 08-02-12: Warum Griechenland innerhalb der Eurozone definitiv nicht zu retten ist

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Eine Staatsverschuldung von mehr als 120 % der jährlichen Wirtschaftsleistung wird bei Griechenland von den Eurozonen-Regierungen als nicht verkraftbar eingeschätzt. Deshalb sollen die privaten Gläubiger etwa 70 % der Schulden erlassen, um die Schuldenquote so bis 2020 auf 120 % zurückzuführen. Doch erstens werden auch 120 % bei diesem Land noch zu hoch sein. Zweitens sind die Annahmen der Troika aus IWF/EU/EZB für die künftige griechische Wirtschaftsentwicklung mit einem jährlichen Plus von 3,8 % und einem Haushaltsplus von 4 % (vor Schuldendienst) zu optimistisch. Drittens ist unsicher, ob wirklich alle Gläubiger an dem Schuldenschnitt teilnehmen. Nach einer Berechnung von Barclays Capital würde bei realistischen Annahmen zur Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung in Griechenland nur bei einem Schuldenschnitt von 80 % und voller Teilnahme aller privater Gläubiger das Ziel einer Schuldenquote von 120 % erreichbar sein (Abb. 16774).


Griechenland ächzt unter seiner Auslandsverschuldung. Zu etwa 350 Mrd Euro an Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland kommen noch einmal geschätzte 260 Mrd Euro an Auslandsverschuldung der privaten Haushalte und Unternehmen. Zusammen sind das auf jeden in Griechenland derzeit noch Beschäftigten mehr als 150.000 Euro. Doch selbst wenn diese horrende Schuld total erlassen würde, was nicht zu erwarten ist (schon gar nicht bei der privaten Auslandsverschuldung der griechischen Haushalte und Unternehmen), könnte Griechenland nicht auf eigenen Füßen innerhalb der Eurozone überleben. Denn das Land lebt immer noch weit über seine Verhältnisse und baut damit ständig neue Schulden auf.



Im vergangenen Jahr machte sein Staatshaushalt - selbst ohne Berücksichtigung der Zinslast auf die Staatsschulden - noch für 4,5 Mrd Euro neue Schulden (Abb. 16776). Weit schlimmer nocn: Wegen einer negativen Handels- und Leistungsbilanz mit dem Ausland mußte das Land für 18.5 Mrd Euro neue Auslandsschulden aufnehmen, und auch für dieses Jahr rechnet der IWF mit mehr als 16 Mrd Euro an Leistungsbilanzdefizit. Über den gesamten Zeitraum 2012 bis 2016 kommt die Prognose des IWF auch in der optimistischen Annahme einer schrittweisen Reduzierung der Defizite noch auf 67 Mrd Euro Leistungsbilanzdefizit oder ca. 17.000 Euro pro Beschäftigten in Griechenland, das aus dem Ausland finanziert werden müßte (Abb. 16775). Hinzu kommen dann die nicht erlassenen Zins- und Rückzahlungslasten auf die fortbestehende Auslandsverschuldung. Die Gläubigerregierungen aus der Eurozone werden nicht bereit sein können, nach Schuldenerlassen auch noch über viele Jahre neue Schulden in diesem Umfang zu finanzieren.



Der griechische Außenhandel entwickelt sich dementsprechend seit Jahren schwach. Der Anteil der griechischen Exporte an allen Exporten der EU ist immer weiter zurückgegangen (Abb. 16777). Selbst in nominaler Betrachtung hat sich der Export von Waren und Dienstleistungen wenig verändert und lag im vergangenen Jahr etwa auf dem Niveau von vor 11 Jahren; nur die Importe sind krisenbedingt seit 2008 um etwa 30 % unter das Niveau des Jahres 2000 gefallen (Abb. 16778).



Kein Marshall-Plan kann unter derzeitigen Bedingungen und schon gar nicht schnell genug eine im globalen Wettbewerb konkurrenzfähige Industrie in Griechenland aus dem Boden stampfen, die mit ihren Exporten das Leistungsbilanzdefizit beseitigen würde. Auch mit mehr Tourismus und solchen Träumen wie Export von Solarenergie ist da nicht viel zu ändern. Andererseits sind die traditionellen griechischen Exportprodukte seit Jahren weitgehend von weitaus billigeren vor allem aus China von den Märkten vertrieben worden und werden dorthin nicht zurückkehren können. Wie eigentlich soll ein winzig kleines Land mit starken Gewerkschaften und sehr häufigen Streiks und ohne jede Industrietradition wie Griechenland mit einem "Billigst-Riesen" wie China, der zu Hause keine unabhängigen Gewerkschaften duldet und das Streikrecht nicht anerkennt, konkurrieren können? Wie kann man erwarten, daß die mächtigen griechischen Gewerkschaften die dann notwendigen dramatischen Lohnsenkungen akzeptieren würden, gegen die bisher von den Eurozonenpartnern verlangten Kinderspiel wären? Da müßte Griechenland schon eine eigene Währung haben, die sehr stark abgewertet werden könnte.

Griechenland wird in der Weltwirtschaft nur eine realistische Überlebenschance haben, wenn es so schnell wie möglich und geordnet aus der Eurozone ausscheidet, eine Schwachwährung einführt und gleichzeitig von seinem total maroden und korrupten Steuersystem Abschied nimmt. Auch dann noch wären hohe Unterstützungszahlungen aus den EU-Töpfen für viele Jahre nötig. Doch es gäbe wahrscheinlich Licht am Ende eines ziemlich langen Tunnels.

Dazu noch die Vizepäsidentin der EU Kommission Neelie Kroes mit ihrer Meinung in der niederländischen Zeitung Volkskrant, daß, wenn Griechenland den Euro verließe, absolut keine "man overboard"-Situation entstünde ("What's a man overboard? It's always said that if you let one country get out, or ask it to get out, then the whole structure collapses. But that's simply not true").


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global news 2599 07-02-12: Reallohn-Entwicklung schaltet auf negativ, doch eine Verdummungskampagne hält dagegen

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Da meldet das Statistische Bundesamt heute vollmundig die angeblich frohe Botschaft, die deutschen Reallöhne seien im vergangenen Jahr um 1 % gestiegen. Und selbst die Serösität vorspielende ZEIT titelt: "Reallöhne im Jahr 2011 gestiegen - Trotz hoher Inflationsrate konnten die Deutschen 2011 über mehr Geld verfügen. Experten erwarten für das Jahr 2012 einen weiteren Zuwachs der Reallöhne." Nichts kann mehr in die Irre führen. Denn erstens werden hier nur die Löhne vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer erfaßt, womit ein großer Teil des wuchernden Niedriglohnsektors mit Teilzeitarbeit und besonders negativer Lohnentwicklung unter den Tisch fällt. Der Anteil der ausschließlich geringfügig Beschäftigten liegt derzeit besonders hoch (Abb. 17072, 17712).



Zweitens erfaßt das Statistische Bundesamt die gesamte Lohnsumme. Dagegen ist wegen der gestiegenen Zahl an Arbeitsstunden der tarifliche Stundenlohn nach dem letzten Ergebnis für Oktober 2011 um minus 0,4 % unter dem Vorjahr gelegen (Abb. 14052, 17077) und die nichttariflichen Löhne haben sich noch weit schlechter entwickelt, zumal hier auch die schlechter bezahlte Leiharbeit eingeht.





Drittens stürzt der Reallohnindex über das Jahr 2011 geradezu ab: vom + 2 % im ersten Quartal auf - 0,2 % im letzten (Abb. 17008). Dabei räumt das Statistische Bundesamt im Kleingedruckten ein, die Nominallöhne seien in der ersten Jahreshälfte 2011 vor allem durch den weiteren Abbau der Kurzarbeit sowie höhere Tarifabschlüsse und Sonderzahlungen stark angestiegen. Es gibt also keinerlei reale Tendenz nach oben, sondern nur eine nach unten. Warum kann man eigentlich nicht ehrlich sein und warum sind Journalisten zu faul, die wirkliche Entwicklung zu recherchieren? Oder wurde hinter den Kulissen das Kommando ausgegeben, uns einzureden, daß die Löhne steigen und der Einzelhandel boomt (was ebenfalls vorgelogen wird)?


Oder sollen wir bei Laune gehalten werden, um nicht an den Haftungsrahmen aus der Eurorettung zu denken? Der droht jetzt nämlich auf fast 2 Billionen Euro zu steigen mit einem deutschen Anteil von 657 Mrd Euro oder ein Viertel mehr als die Steuereinnahmen von Bund und Ländern im vergangenen Jahr oder mehr als 16.000 Euro pro deutschen Privathaushalt (Abb. 16771, 16772, 16773), wobei niemand weiß, ob der Euro damit wirklich gerettet werden kann.





Dabei bläst sich das Eurosystem, indem sich einzelne Notenbanken Kredit gewähren, immer mehr auf. Die Bundesbank soll derzeit bereits 12 Mrd Euro an Forderungen gegenüber Griechenland halten. Die gesamten Forderungen der Bundesbank aus dem Eurosystem stiegen bis Dezember 2011 auf 463 Mrd Euro (Abb. 16398).


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global news 2598 06-02-12: Privates Geldvermögen in Italien und Irland höher als in Deutschland, im Schnitt der Eurokrisenländer nicht viel niedriger

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Der Globale Reichtumsbericht der Allianz mit neuen Zahlen für 2010 hat zwei interessante Erkenntnisse. Erstens hat das innerhalb von Ländern und zwischen Ländern sehr ungleich verteilte globale Geldvermögen mit fast 100 Billionen Euro den Vorkrisenstand wieder überschritten, das gilt auch für Westeuropa (Abb. 15714, 15715).



Zweitens ist das Geldvermögen pro Kopf in Irland und Italien höher als in Deutschland und liegt auch im Durchschnitt der Eurokrisenländer (Italien, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal) mit 52.000 Euro zu 60.000 Euro für Deutschland nicht viel niedriger (Abb. 15713).


Da der Reichtum in den Krisenländern noch konzentrierter ist als in Deutschland, sollten sich die Krisenländer erst einmal bei ihren heimatlichen Reichen Krisenhilfe holen, ehe sie eine solche ungeniert von den deutschen Steuerzahlern einfordern. Auch die Fürsprecher auf der deutschen Linken mit ihren Forderungen nach höheren deutschen Zahlungen sollten sich mit solchen Zahlen vertraut machen.



Steuerfluchtburgen wie die Schweiz und Singapur kommen natürlich auf besonders hohe Werte, wenn an ihrer eigenen Bevölkerung gemessen wird.


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global news 2597 03-02-12: Wenig Schule für Mädchen in der Ost-Türkei

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Schon wegen der zahlenmäßigen Bedeutung ist der noch aus der Türkei stammende allgemeine Bildungshintergrund sehr vieler türkischer Familien für Deutschland von nicht geringer Bedeutung. Die Bildungssituation in der Türkei wurde in einem 2010 erschienenen Buch der bei der Weltbank angesiedelt "Commission on Growth and Development" untersucht, das den Titel "Equity and Growth in a Globalized World" trägt. Das größte Bildungsproblem für die Türkei wird auch heute noch bei der erheblichen Diskriminierung der Mädchen im Osten der Türkei gesehen. Mädchen sind später als Mütter für den familiären Bildungshintergrund aller Kinder, ob Jungen oder Mädchen, entscheidend. Im Osten der Türkei lebt fast ein Viertel aller türkischen Kinder zwischen 6 und 24 Jahren.

Während bei Jungen der Unterschied im Schulbesuch zwischen der West- und der Osttürkei relativ gering ist (Abb. 15697), zeigen sich bei den Mädchen erhebliche Unterschiede (Abb. 15698). Nur 40 % kommen mit 6 Jahren auf die Schule und mit 12 Jahren geht der Schuldbesuch schon erheblich zurück. Der höchste Schulbesuch wird mit 85 % aller Mädchen im Alter von 9 Jahren erreicht und fällt schon mit 15 Jahren unter 40 %.



Vor diesem Hintergrund ist ein gutes Bildungssystem für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland umso wichtiger. Leider aber wird das deutsche Bildungssystem den Ansprüchen von jungen Menschen mit türkischem oder anderem Migrationshintergrund nicht gerecht. Bei der Qualifikation der Immigranten sieht es in Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aus. Menschen mit Migrationshintergrund sind derzeit teilweise nur sehr schlecht oder gar nicht ausgebildet. Mehr als 13 % derer mit Migrationshintergrund haben keinen Schul-, mehr als 38 % keinen Berufsabschluß und nur weniger als 4 % erreichen das Abitur.



So liegt der Anteil von Jugendlichen mit türkischem Hintergrund in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre und nicht in Ausbildung an allen entsprechenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 50 % und damit weit höher als in anderen Ländern (Abb. 15277).



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global news 2596 02-02-12: Nur ein kleinerer Teil der Deutschen hat Vorteile vom Euro gehabt, aber alle sollen jetzt bluten

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Im linken deutschen Spektrum ist es populär geworden, ganz ungeniert und ziemlich unbegrenzt für eine Transferunion einzutreten, bei der deutsches Steuerzahlergeld in die Eurokrisenländer transferiert werden soll. Das geschieht, obwohl die Vertreter dieser Ansicht das deutsche Steuersystem kennen und wissen, daß es in Deutschland nicht in erster Linie die Reichen oder Bestverdiener sein werden, die dann bluten. Arbeitseinkommen werden in Deutschland weit höher besteuert als Kapitaleinkünfte (bei nur 25 % Kapitalertragssteuer), und Vermögen wird gar nicht besteuert. Auch verraten diese Fürsprecher nie, wie viel es denn nach ihrer Ansicht kosten darf und wie lange zu zahlen wäre. Vor allem verschweigen sie, daß nicht nur die Verschuldung durch Forderungserlaß zu vermindern ist, sondern die immensen laufenden Leistungsbilanzdefizite der Eurokrisenländer mit dem Ausland zu finanzieren sind, wobei nur ein kleiner Teil auf Deutschland entfällt. Allein bei Italien, Spanien, Griechenland und Portugal fallen derzeit Leistungsbilanzdefizite in der Größenordnung von fast 150 Mrd Euro pro Jahr an (Abb. 17709) und müssen sicher noch sehr lange finanziert werden. Deutsche Transfers müßten dann weit höher sein als der derzeitige deutsche Soli, der knapp 12 Mrd Euro pro Jahr einbringt.


So meldet sich jetzt der von mir sehr geschätzte Leiter der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Rundschau Robert von Heusinger mit der Forderung nach deutschen Transferleistungen ("Soll der Euro gerettet werden, muss der deutsche Steuerzahler Geld an Griechenland und die anderen überschuldeten Staaten zahlen") und zitiert dafür eine Studie von McKinsey:

"Vorteile? Laut einer spannenden Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey bescherte der Euro 2010 allen 17 Euro-Staaten trotz beginnender Krise Vorteile in Höhe von 330 Milliarden Euro im Vergleich zu einer Situation ohne Gemeinschaftswährung. Die Hälfte der Vorteile entfiel zumindest für 2010 auf Deutschland. 165 Milliarden Euro in einem Jahr! Man muss weder pathetische Worte wie "Frieden in Europa" verwenden, noch "Solidarität mit Griechenland", um zu erkennen, dass es im ureigensten Interesse Deutschlands ist, den Euro zu retten."



Es gibt sicher gute Gründe, für den Euro zu bluten, und auf jeden Fall sollte Deutschland die Zinsvorteile der letzten zwei Jahre bei der Finanzierung der Bundesschuld abtreten, auch wenn das nur ein kleiner Einsatz wäre. Doch falsch ist jedenfalls, wenn von Links Deutschland pauschal immer wieder als Gewinner des Euros bezeichnet wird. Das ist genauso falsch, wie wenn die Bundesbank immer wieder den Zuwachs an Privatvermögen in Deutschland feiert, als seien alle davon betroffen. Vom Euro profitieren vor allem die Kapitaleigner der Exportkonzerne. Für den Euro zahlen dagegen die Verbraucher mit überteuerten Importen. Gäbe es noch die DM, wäre sie mehrfach aufgewertet worden, und wären Importe bis zum Sprit an der Tankstelle heute wesentlich billiger und könnte man auch im Ausland wesentlich billiger Urlaub machen. Man braucht da nur die Wechselkurse von Schweizer Franken und Euro zu vergleichen (Abb. 16267).


Vor allem wären deutsche Arbeitnehmer nicht jahrelang so in den Lohnverzicht getrieben worden. Denn die Unternehmer wollten sich den Exportvorteil eines in der Eurozone eingefrorenen Wechselkurses nicht durch Lohnsteigerungen nehmen lassen. Sie wurden dabei durch die Bundesregierungen absichtsvoll mit dem Aufbau eines wuchernden Niedrigstlohnsektors unterstützt, beispielsweise durch gesetzliche Erleichterung der Leiharbeit, die zeitliche Reduktion des Arbeitslosengeldes, den Arbeitsaufnahmezwang aus den Hartz-Gesetzen und durch Verweigerung der sonst in Europa fast überall üblichen Mindestlöhne.

Auch wer meint, Deutschland wäre ohne den Euro in einer noch größeren Massenarbeitslosigkeit hängen geblieben, täuscht sich und andere. Die Dank Euro entstandenen Arbeitsplätze sind, wie sich nun zeigt, alles andere als "nachhaltig", weil sie meist nur auf Pump aus dem Ausland beruhen. Im Euro hat sich die deutsche Exportwirtschaft bequem ausruhen können, da ihre Leistung praktisch über den Wechselkurs subventioniert wurde. Ohne Euro hätte sie sich - wie vor dem Euro bei mehrfachen Aufwertungen der DM - fitter und technologisch wettbewerbsfähiger gehalten. Auch die nicht zum Euro gehörenden skandinavischen Länder zeigen das, wobei bei einem Langzeitvergleich auf den Anteil der Langzeitarbeitslosen abzustellen ist. Deutschland hat zwar im Zuge des weltweiten Booms ab 2007 die Rate der Langzeitarbeitslosen herunterfahren können und den Wiederaufbau in der Krise durch Kurzarbeitergeld verhindert, doch bleibt die Rate immer noch höher als die der skandinavischen Länder (Abb. 15707). Dabei ist die behauptete negative Korrelation zwischen der Entwicklung der deutschen Exportüberschüsse mit der Eurozone und der Langzeitarbeitslosenquote ziemlich gering (Abb. 15708): Bis 2004 stiegen Exportüberschüsse und Langzeitarbeitslosenquote gleichzeitig, obwohl das umgekehrt zu erwarten gewesen wäre, wenn der Euro die deutsche Arbeitslosigkeit abgebaut hätte; zwischen 2004 und 2008 stagnierte der deutsche Exportüberschuß und baute sich die Langzeitarbeitslosigkeit unabhängig davon ab (wahrscheinlich zu einem hohen Anteil durch statistische Tricks).



Nein, so einfach kann man sich den Transfer aus Deutschland nicht machen. Man muß die Steuergerechtigkeit im Auge behalten, auch die Besteuerung der Reichen in den Krisenländern, die Meister in der Steuervermeidung sind und in einigen der Krisenländer (vor allem Griechenland und Italien) von einer schwach gehaltenen Steuerverwaltung profitieren, soweit sie nicht ihr Vermögen längst in Steueroasen haben. Beispielsweise ist in Italien das Vermögen pro Haushalt gemessen am verfügbaren Einkommen um ein Drittel höher als in Deutschland (Abb. 16738).



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global news 2595 01-02-12: Deutscher Einzelhandelsumsatz: Weiter im Rückgang, Anstieg der Eurozonenarbeitslosen auf 17 Millionen - Zusammenhänge?

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Der Einzelhandelsumsatz lag im Dezember trotz aller voreiliger Jubelmeldungen um fast 1 % (0,9 %) unter dem Vorjahreswert. Er ist bereits seit September 2011 im Rückgang und hat seitdem um 2,4 % verloren (Abb. 04943).


Das straft auch die Berichte der Gesellschaft für Konsumforschung Lügen, das seit Oktober ständigen Aufstieg des Konsumklimas meldet (Abb. 14696).


In Deutschland sind zur Binnenkonjunktur angesichts der Exportrisiken nur noch Jubelmeldungen gefragt. Was da nicht hineinpaßt, wird von vielen Medien einfach unterschlagen. So verliert SPIEGEL-online, wo sonst immer Ifo-Werte bejubelt werden, zu den Zahlen des Statistischen Bundesamts kein Wort. Auch der Bundeswirtschaftsminister verschweigt sich, obwohl er positive Zahlen sonst immer sofort feiert.



Dagegen feiert Deutschland den scheinbar immer noch stabilen Arbeitsmarkt, während im Dezember 2011 die Zahl aller Arbeitslosen in der Eurozone auf einen neuen Rekordstand von 16,5 Millionen bei einer Arbeitslosenquote von 10,4 % erreichte. Das war ein Anstieg um 0,8 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Die höchste Arbeitslosenrate verzeichnete Spanien mit fast 23 %. Deutschland lag im westlichen Vergleich der Industrieländer auf dem 6. Platz (Abb. 04068). Doch der exportgestützte deutsche Arbeitsmarkt dürfte sich in einem Umfeld hoher Arbeitslosigkeit nicht halten können, wobei die deutschen Zahlen in vielerlei Hinsicht ohnehin stark manipuliert sind und die schlechte und unsichere Qualität des hohen Anteils an prekärer Arbeit verkleistern.


In sofern paßt die deutsche Vorsicht beim Einkauf durchaus in das Bild der sich dunkel zusammenziehenden Wolken am Wirtschaftshorizont der Eurozone. Der neue Fiskalpakt wird die Situation eher noch erheblich verschlimmern. Deutschland ist mehr als alle vergleichbaren Länder von der Entwicklung seiner Eurozonenpartner abhängig, auch wenn das in Deutschland immer gern vergessen wird. Da macht der Bundeswirtschaftsminister lieber auf rosig, als lebe Deutschland auf einer Insel der Seligen:

"Der Aufbau von Beschäftigung und der Abbau von Arbeitslosigkeit setzen sich saisonbereinigt unvermindert fort. Dies trägt dazu bei, die Binnenkonjunktur zu stabilisieren. Damit steigen die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft die gegenwärtige Wachstumspause schnell hinter sich lassen und wieder den Wachstumskurs einschlagen kann."


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global news 2594 31-01-12: Warum verschlafen die Gewerkschaften die Handelspolitik und gefährden Arbeitsplätze?

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Die größte Bedrohung von Arbeitsplätzen in Deutschland kommt von der Handelspolitik, wenn sie Märkte für gedumpte Billigstimporte aufreißt. Doch davon scheinen die deutschen Gewerkschaften wenig zu verstehen, oder hören nur auf Export, nicht aber auf Import. Billigstimporte aus den aggressiven Schwellenländern von China über Korea, Südost-Asien bis Indien nehmen immer mehr zu und erzwingen Industrieverlagerung aus Deutschland heraus oder einfach Jobabbau in Deutschland, wie auch in der übrigen EU. So ist die Textil- und Lederwarenindustrie, die Produktion weißer Ware, die Unterhaltungselektronik, Leichtmaschinen und vieles mehr zu großen Teilen bereits dicht gemacht worden. Bei der Solarindustrie beginnt sich, derzeit ein ähnliches Drama abzuspielen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Welle auch Deutschlands Vorzeigeindustrie im Kraftfahrzeugbau erreicht. Hier hat China bereits 2009 die USA als weltgrößter Produzent von Kraftfahrzeugen überholt und produzierte im vergangenen Jahr nach einer Steigerung um fast ein Drittel schon weit doppelt so viele (Abb. 15406). Allerdings produzieren auf dem chinesischen Markt ausländische Konzerne, nicht zuletzt aus Deutschland, bisher besonders erfolgreich. Das ist nun zunehmend der chinesischen Führung ein Dorn im Auge. Die Vorzugsbehandlung ausländischer Hersteller soll daher beendet werden, damit chinesische Technologien und Marken aufrücken können.


So verabschiedete Ende 2010 die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) einen neuen industriellen Leitkatalog, der Ende Januar in Kraft tritt. Um die "gesunde Entwicklung" der heimischen Autoindustrie zu gewährleisten, strich die NDRC die Herstellung von Autos von der Liste jener Industrien, bei denen ausländische Investoren besonders willkommen sind. Wenn es in Zukunft nun um neue Fabriken im Hinterland gehen wird, werden für die konkrete Interpretation und Umsetzung des Leitkatalogs die Behörden auf lokaler Ebene zuständig sein. Die aber bevorzugen oft eigene lokale Autobauer, statt ausländische Konkurrenten in ihre Region zu lassen.



Mit Südkorea schloß die EU im vergangenen Jahr ein Abkommen, das den zwei größten und auf dem europäischen Markt am schnellsten wachsenden PKW-Typen, nämlich Hyundai und Kia, den Marktzugang erleichterte, obwohl Korea eine Reihe von Nicht-Zoll-Handelshemmnissen beibehält.

Nun tritt auch Indien immer mehr auf den Weltmärkten für billige Kraftfahrzeuge an. Seit 2007 verhandelt die EU über ein ähnliches Abkommen mit Indien, das nun in seiner abschließenden Runde ist. Der auf dem Tisch liegende Entwurf würde indischen Fahrzeugen total zollfreien Zugang zur EU gewähren, während Indien seinen Einfuhrzoll für europäische Fahrzeuge nur von 60 % auf 30 % senken würde und dann erst in 2017 und nur eventuell über eine weitere Absenkung mit sich reden ließe. Neben dem Zollschutz praktiziert Indien auch andere Abwehrmaßnahmen, wie aufwendige technische Tests, so daß im Ergebnis die Preise für importierte Fahrzeuge derzeit verdoppelt werden. Dagegen liegt der Zoll für Fahrzeuge aus Indien in der EU derzeit bei nur 6,5 %. Dementsprechend konnte Indien nach Meldung des Europäischen Automobilverbands Acea 2011 223 Tausend PKWs in die EU exportieren, während umgekehrt die EU gerade einmal 4 Tausend Fahrzeuge lieferte (Abb. 15706, nach Eurostat waren es 2010 Exporte aus Europa von nur 0,16 Mrd Euro bei Importen aus Indien von 1,26 Mrd Euro). Kleinere und sehr billige in Indien produzierte PKWs der Marken Suzuki Swift und Hyundai Getz und der Nachfolgetypen sind inzwischen im europäischen Billigsegment sehr wettbewerbsfähig geworden.


Schlafen die deutschen Gewerkschaften oder wollen sie nicht begreifen, was hier anrollt?


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global news 2593 30-01-12: Neuer Plan: Höhere Inflation in Deutschland zur Rettung der Eurozone

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Alle größeren Notenbanken fahren derzeit über die Druckmaschinen ihre Bilanzen gewaltig hoch (Abb. 16756, 16757). Nie in der Geschichte der Menscheit wurde zusammen so viel Geld gedruckt. Das hilft auf jeden Fall schon mal, die eigene Währung zugunsten der eigenen Exporte unten zu halten. Die amerikanische Fed tat vor einigen Tagen noch ein Übriges und verkündete lauthals, bis 2014 den Zins bei Null halten zu wollen, was prompt den Dollar gegenüber dem Euro schwächte.



Die enorme Liquidität zu niedrigsten Zinsen bringt zwar bisher keine größere Inflation hervor, doch heizt sie schon wieder gewaltig die Spekulation an den Aktienmärkten der Welt auf. Nach der Lehman-Krise, als die Aktienkurse gewaltig eingebrochen waren, betrug das Bilanzvolumen der acht Zentralbanken fast 37 % des Weltaktienwertes. Jetzt ist es trotz seitdem erheblich gestiegener Aktienkurse wieder auf 33 % angezogen und zieht die Aktienmärkte mit (Abb. 16758). Doch da kann es sehr rasch wieder zu einem Absturz kommen. Mit jahrelang viel zu niedrigen Zinsen hatten die Zentralbanken auch zum Crash von 2008 entscheidend beigetragen.


Einige Experten befürworten zur Rettung der Eurozone einen "4 plus 0 - Plan". So hat Martin Wolf, der einflußreiche Chefkommentator der Financial Times vor einigen Tagen in der FT die Rettung der Eurozone in unterschiedlichen Inflationsraten gesehen, die die Arbeit in den Krisenländern im Verhältnis zu Deutschland verbilligen und so deren Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen soll. Deutschland solle für viele Jahre eine Inflation um 4 % akzeptieren, die von den Druckmaschinen der EZB und des Eurosystems erwartet wird, während die Inflation in den Krisenländern bei Null gehalten werden soll, wohl indem die Gewerkschaften dort total auf Lohnsteigerungen verzichten. Nach 10 Jahren wäre durch die Inflation zudem - gemessen an der deutschen Inflationsrate - der Wert der Forderungen gegen die Krisenländer um ein Drittel abgeschmolzen. Allerdings hätte die deutsche Mittelklasse auch ein Drittel ihrer Ersparnisse verloren. Doch das schert die Initiatoren solcher Pläne, von denen nicht wenige in der EZB sitzen dürften, sehr wenig.



Bisher funktioniert die unterschiedliche Inflation allerdings immer noch eher umgekehrt. Deutschland hat erheblich weniger Inflation als Italien und Portugal und ähnlich viel wie Griechenland und Spanien (Abb. 15705). Aber mit viel Gelddrucken kann es vielleicht doch noch klappen. Einstweilen fahren jedenfalls die Euro-Reichen Dank Liquidität und Niedrigstzinsen ihren Reichtum in Aktienwerten und anderen spekulativen Anlagen hoch und pflegen ihre Steueroasen, während die kleinen Leute in der Eurozone für die Krise per Steuer und/oder Inflation werden bluten müssen.



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global news 2592 28-01-12: Weiter real sinkende Tariflöhne

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Nach der heutigen Mitteilung des Statistischen Bundesamts haben sich die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland von Oktober 2010 bis Oktober 2011 durchschnittlich um 2,1 % erhöht. Da aber gleichzeitig die Preise um 2,5 % stiegen, haben sich die realen Tarifverdienste um 0,4 % vermindert (Abb. 14052).


Auch die von den Gewerkschaften direkt ausgehandelten tariflichen Stundenlöhne sind kaum über das Niveau von vor sieben Jahren gestiegen (Abb. 17077, 17221). Dabei ist die deutsche Wirtschaft über diesen Zeitraum real um mehr als 11 % gewachsen und haben die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um ein Mehrfaches zugelegt. Immer wieder haben zahme Gewerkschaften langfristige Tariferhöhungen vereinbart, die prompt wieder von der Inflation aufgefressen wurden.





Nach den heute ebenfalls mitgeteilten Ergebnissen für 2011 steigen, auch wegen des erheblich geschwächten Euro, die Importpreise mit 8 %, der höchsten Rate seit 2000 (Abb. 17229). Selbst ohne Erdöl und Mineralölerzeugnisse lag der Einfuhrpreisindex im Jahresdurchschnitt 2011 immer noch um 5,1 % über dem Stand des Vorjahres.



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global news 2591 27-01-12: Sprüche über Sprüche: Wie sollen denn nun die Wachstumskräfte an der Europeripherie gestärkt werden?

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Nachdem das Wachstum an der südlichen Europeripherie dramatisch wegbricht (Abb. 16563, 15223), die Arbeitslosigkeit steigt (Abb. 16566. Jungendarbeitslosigkeit in Spanien jetzt bei 51,4 %!) und der diesen Ländern besonders von Deutschland verordnete harte Sparkurs kräftig dazu beiträgt, redet die Politik in Deutschland wieder mehr von Wachstum und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Opposition von SPD bis Linke übt sich darin.




Doch solange realistische Rezepte total fehlen, ist das nur weiße Salbe. Hier aus der heutigen ziemlich sinnlosen Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministers:

"Wir müssen in Europa das Vertrauen in eine solide Staatsfinanzierung zurückgewinnen. Aus meiner Sicht heißt das vor allem: Wir müssen die Wachstumskräfte stärken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Deutschland leistet hierfür einen entscheidenden Beitrag. Die deutsche Wirtschaft ist in guter Verfassung. Die Politik einer wachstumsfreundlichen Konsolidierung greift und stärkt das Vertrauen. Eine Wirtschaftspolitik, die offen ist für die globalen Veränderungen und sich aktiv den Herausforderungen stellt, zahlt sich aus. Das wurde gerade auch in der Krise deutlich. Ein Europa, das auf Wettbewerb und Innovationen setzt, hat alle Chancen, die Krise gestärkt zu überwinden."



Weiß der Bundeswirtschaftsminister überhaupt, wovon er redet, wenn er Offenheit für globale Veränderungen empfiehlt? Es sind nämlich gerade die globalen Veränderungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Europeripherie entscheidend geschwächt haben. Diese Veränderungen kamen und kommen aus drei Richtungen. Erstens ist der auf Lohnverzichte und traditionelle technologische Leistungsfähigkeit bauende Exporterfolg Deutschlands hauptverantwortlich für die immer noch positive Leistungsbilanz der Eurozone und damit für einen unter den Verhältnissen der Krisenländer weit überbewerteten und deren Exportchancen auf den Weltmärkten schädigenden Eurokurs (Abb. 13664).


Zweitens hat Deutschland über die vergangenen Jahre immer auf Export gesetzt, auch in die heutige Eurokrisenregion, und dafür (wie China) den Binnenkonsum und die Importe von Konsumgütern am Boden gehalten was zu immer weiter steigenden Leistungsbilanzdefiziten der Krisenregion mit Deutschland geführt hat. Der größte Teil der deutschen Exportüberschüsse wurde so mit der Eurozone erwirtschaftet. Allein mit Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Portugal baute Deutschland von 2000 bis zum Krisenjahr 2009 einen gigantischen kumulierten Leistungsbilanzüberschuß von 593 Mrd Euro auf (Abb. 17195).


Deutschland hatte von dem krisengeschüttelten Griechenland abgesehen bis 2010 zusammen mit Österreich die schlechteste Lohnentwicklung in der Alt-EU (Abb. 17122). Von Japan abgesehen, stiegen die für den Wettbewerb entscheidenden nominal gemessenen deutschen Lohnstückkosten, in die auch die Produktivitätsentwicklung eingeht, am Wenigsten (Abb. 15345). Dementsprechend verzeichnete Deutschland jahrelang die ungünstigste Entwicklung der privaten Nachfrage (Abb. 15657) und erschwerte damit seinen Europartnern, Importe aus Deutschland mit eigenen Exporten nach Deutschland auszugleichen. Auch die drastische Erhöhung der MwSt. trug das ihre dazu bei, weil sie die Importe verteuerte, während die Exporte keine steuerliche Belastung erfuhren.




Drittens verdrängten als Folge der Offenheit der EU für globale Veränderungen aufstrebende Schwellenländer mit Dumpinglöhnen besonders die traditionellen Exportgüter der Europeripherie. Die wettbewerbsstarken Euroländer haben EU-Abwehrmaßnahmen gegen solches Dumping meistens verhindert. Unter der chinesischen Exportwalze litten gerade die traditionellen Produkte der Europeripherie, wie Textilien, Lederwaren, Korbwaren, Möbel, Schmuckwaren und einfache Industriewaren, wie Rasenmäher, Beleuchtungsgegenstände, Rasierapparate, Sonnenbrillen usw. (Abb. 16336, 16335). Die chinesische Exportstruktur entsprach mit dem Schwergewicht bei einfachen, aber arbeitsintensiven Produkten jahrelang ziemlich genau derjenigen der Länder an der Europeripherie. So wurden auch die traditionellen griechischen Industriewaren, vor allem Textilien und Lederwaren, durch weit billigere vor allem aus China verdrängt (Abb. 16376).




Dagegen konnte die Europeripherie nicht ihrerseits, wie vor allem Deutschland, über eigene Exporte nach China und andere Schwellenländer kompensieren, weil die vor allem hochwertige Maschinen, Anlagen und PKW nachfragen (Abb. 16337). Im Ergebnis entwickelten sich an der Europeripherie die Leistungsbilanzdefizite und damit die Verschuldung noch stärker als sie es ohnehin getan hätten. Grob formuliert: China und andere Schwellenländer zahlen für deutsche Industrieausrüstungen zu großen Teilen mit Dumpingexporten in die EU, unter deren Druck die Wettbewerbsfähigkeit der Europeripherie eingebrochen ist.


Daß bei dieser Situation die Wettbewerbsfähigkeit der Europeripherie durch Offenheit für globale Veränderungen gestärkt werden soll, ist einfach Unfug. Dann müßten die Löhne noch mehr in Richtung auf chinesisches Niveau gesenkt werden mit verhängnisvollen Folgen für die Binnennachfrage und die Steuereinnahmen. Realistischerweise wird damit zu rechnen sein, daß die Exportschwäche mit hohen Leistungsbilanzdefiziten bis zu 7 % der Wirtschaftsleistung bei Spanien und Italien und vor allem Griechenland und Portugal noch anhalten und damit zu weiterer Verschuldung der Volkswirtschaften gegenüber dem Ausland führen muß (Abb. 16565, 16567). Soweit ein begrenzter Abbau der Defizite stattfindet, kommt er in erster Linie durch krisenbedingt und mangels Kredit verminderte Importe.



Das ist die traurige Wahrheit, die natürlich neoliberalen Gemütern nicht einleuchten kann. Eine Lösung wird nur erreichbar sein, wenn die vom Bundeswirtschaftsminister Rösler gepriesene Offenheit für globale Veränderungen zurückgedreht und Dumpingimporte mit den dafür vorgesehenen handelspolitischen Mitteln bekämpft werden. Daneben muß das Aufkommen einer in der gesamten Eurozone zehn Jahre lang eingeführten Solidaritätsabgabe auf höhere Einkommen und Vermögen sowie einer ebenso eingeführten Transaktionssteuer dazu benutzt werden, um Investitionen an der Europeripherie zu subventionieren. Deutschland muß verpflichtet werden, über diesen Zeitraum seine Handelsüberschüsse mit den Europartnern total abzubauen, notfalls mit Einsatz einer Exportsteuer. Soweit solchen Maßnahmen EU-Regeln entgegenstehen, müssen die geändert werden.


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global news 2590 26-01-12: Foxconn: Eine chinesische Werkbank für 40 % der Welt-Unterhaltungselektronik

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Wer begreifen will, wie China zur unschlagbaren Werkbank der Welt geworden ist, muß Foxconn verstehen. Die International Herald Tribune hat am 23. Januar einen ausführlichen Bericht über Foxconn gebracht. Foxconn hat Duzende von Fabriken in Asien, Osteuropa, Mexiko und Brasilien, überall wo niedrigste Löhne herrschen, und beschäftigt zusammen eine halbe Million Menschen, davon die Hälfte in einem 20 Jahre alten Werk in Shenzhen, dem größten chinesischen Exportzentrum. Der Gigant montiert in diesen Werken für viele der weltgrößten Unternehmen der Unterhaltungselektronik von Amazon, bis Dell, Hewlett-Packard, Motorola, Nintendo, Samsung, Sony und natürlich Apple. Fast alle Apple-Produkte werden jetzt bei Foxconn in China zusammengebaut, darunter bisher mehr als 200 Millionen iPhones, von denen die ganze Versorgungskette nach China verlagert wurde. Eine ähnliche Produktion in USA würde schon wegen der weit höheren Arbeitskosten 65 $ pro iPhone mehr kosten. Dank Foxconn kostet die Herstellung eines iPads nach Brancheninformationen weniger als 150 Euro, doch im Geschäft verkauft Apple die Geräte für rund 500 Euro. Das sichert dann auch Apple's enorme Gewinnmarge von 30 Prozent. Ergebnis einer Ausbeutung der chinesischen Arbeitskräfte, die Apple Hand in Hand mit dem Mulitmilliardär und Eigentümer von Foxconn Terry Gou betreibt.

Foxconn City, die größte einzelne Produktionsstätte, hat 230.000 Arbeitnehmer, von denen viele sechs Tage pro Woche und bis zu 12 Stunden pro Tag in der Fabrik verbringen. Bei einer 60-Stundenwoche mit einem Stundenlohn von etwas mehr als einem Euro, kann das pro Monat 250 Euros in der Lohntüte bringen. Mehr als ein Viertel lebt in den der Fabrik angeschlossenen Lagern. Die Firma beschäftigt allein ein 300 Kopf starkes Wachpersonal, damit der Fußverkehr der Beschäftigten ohne größere Reibungen ablaufen kann. Mehr als 8.700 Industrieingenieure begleiten allein in diesem Werk die Produktion. Hier herrscht eiserne Disziplin. Als beispielsweise Apple für sein iPhone eine rasche Produktionsumstellung brauchte, wurden über Nacht dreitausend Arbeitskräfte gebraucht. Sie wurden aus den Schlafsälen getrommelt und warfen sich sofort in ihre Uniformen, weiß-schwarze Hemden für Männer, rote für Frauen.



Die Produktion bei Foxconn zeichnet sich durch massiven Taylorismus aus: große Volumina, standardisierte Prozesse - und strenge Kontrolle am Arbeitsplatz. Überstunden und eine Wochenarbeitszeit von 50 bis 60 Stunden sind die Regel. Es gibt zwar Arbeitsgesetze, die sich an westlichen Standards orientieren, sie werden aber nur selektiv überwacht und durchgesetzt. Zwei der folgenden Bilder zeigen auch die Netze, die vorsorglich angebracht wurden, nachdem es zu 17 Selbstmorden durch Sprung aus der Höhe gekommen war; die Selbstmordserie ist nun gestoppt (allerdings muß man die Zahl der Selbstmorde in Relation zu der sehr hohen Zahl an Beschäftigten setzen).












Weiterlesen im Wochenbrief zu "Falsches Spiel: Chinas Kommandowirtschaft schlägt Marktwirtschaften" mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


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global news 2589 25-01-12: Kapitalismus in der Krise: Ungleichheit und Schulden wachsen gefährlich

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In USA und Europa und hier auch in Deutschland kommt es als Folge stark nachlassender Aufstiegsmobilität bei negativem Lohndruck aus Billigstländern und unsozialen Sozial- und Steuerpolitiken immer mehr zu einer Verkrustung der gesellschaftlichen Strukturen und zu einer 1-zu-99-Gesellschaft, bei der sich der Reichtum beim obersten Zehntel oder gar obersten Hundertstel ansammelt. In vielen Volkswirtschaften ist der Anteil des obersten Zehntels am Gesamteinkommen inzwischen auf ein Drittel bis fast die Hälfte angestiegen. Dazu zählen neben den Spitzenreitern USA und Großbritannien auch Deutschland, Italien und Portugal; dagegen ist dieser Anteil bei Frankreich, Niederlande und Finnland gefallen, während Dänemark Schlußlicht im internationalen Vergleich ist (Abb. 15693).


Beigetragen dazu haben eine erhebliche Absenkung des Spitzensteuersatzes seit 1995, wobei der deutsche um fast 10 Prozentpunkte auf nur noch 47,5 fiel (Abb. 15692), aber auch die Senkung der Unternehmenssteuern und die Zulassung vieler Steuerschlupflöcher; weiter wurde beispielsweise in Deutschland der niedrige Steuersatz von nur 25 % auf Zinseinkünfte eingeführt und die Vermögenssteuer abgeschafft.




Die ungleiche Einkommens- und Vermögensentwicklung ist einer der Hauptauslöser der Kreditkrise. Immer mehr Menschen mußten auf Kredit leben, statt ein ausreichendes Arbeitseinkommen zu beziehen. Auch wurden die Zinsen künstlich niedrig gehalten, damit über Pump genügend Nachfrage für die Volkswirtschaften erhalten blieb. Die öffentliche und private Verschuldung ist seit der Jahrhundertwende in vielen Ländern dramatisch gestiegen (Abb. 16754) und wird nur sehr langsam wieder auf ein erträgliches Maß zurückfinden. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß es nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Jahrzehnte brauchte, um die Kriegsschulden abzubauen. Das gelang damals vor allem, weil das Wirtschaftswachstum besonders kräftig war, während es heute kaum noch vorhanden ist (Abb. 17226, 15694).





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global news 2588 24-01-12: Eurokrise: Die Rechnung für Deutschland kommt

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Mit jedem Tag wird deutlicher, daß der Euro mit den bisher vorgesehenen Mitteln nicht zu retten ist. Der italienische Ministerpräsident fordert eine Verdoppelung des Rettungsfonds und damit auch und vor allem des deutschen Einsatzes, der sich dann auf 422 Mrd Euro verdoppeln würde. Griechenland wird nur zu retten sein, wenn auch die öffentlichen Gläubiger, darunter Deutschland und die EZB, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und statt dessen ihre Steuerzahler an die Kasse bringen. Bei Portugal sieht es ebenfalls düster aus. Vor allem hat sich die Zahl der höchstbewerteten Garanten der Rettungsgelder mit dem Ausscheiden von Frankreich und Österreich erheblich verkürzt, und wer noch dabei ist, wird mehr tragen müssen. Auf Deutschland wird damit am Ende weit mehr als die 422 Mrd Euro zukommen.



Vor allem geht es längst nicht mehr nur um die Schulden der Vergangenheit, sondern ebenso um die tagtäglich neu aufgehäuften Schulden. Diejenigen Eurozonenländer, die nicht das Top-AAA-Rating besitzen, werden seit Ausbruch der Krise in 2008 bis 2013 mehr als 2,7 Billionen Euro zusätzliche staatliche Defizite oder Schulden hochgefahren haben, weit mehr als die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung eines Jahres. Allein in diesem Jahr werden 378 Mrd Euro dazukommen (Abb. 16750).


Gleichzeitig türmen sich die Leistungsbilanzdefizite dieser Länder auf: noch einmal über die Periode 2008/13 mehr als 1,1 Billionen Euro (Abb. 16751). Vieles davon wird über die Salden des Eurosystems finanzieren, in dem die Notenbanken der Krisenländer sich vor allem beim Target2-Konto der Bundesbank verschulden. Das läuft permanent hoch und steht bereits bei 463 Mrd Euro (Abb. 16398). Die größten Kreditnehmer im Target-2-System sind derzeit Italien mit rund 190 Milliarden Euro, gefolgt von Spanien (150 Milliarden), Irland (120 Milliarden) und Griechenland (106 Milliarden Euro) (Abb. 16727, 16753). Die Deutsche Bank vermutet, daß neuerdings über Target2 nicht nur Defizite der Leistungsbilanzen sondern auch der Kapitalbilanzen finanziert werden (Abb. 16752), also vom Handel unabhängige Kredite zwischen Notenbanken der Eurozone. Damit hätte das System einen gefährlichen Punkt erreicht.





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global news 2587 23-01-12: Vom unaufhaltsamen Abstieg der Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts

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Der Titel von Bertholt Brechts berühmten Theaterstück "Der unaufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui" muß bezogen auf den Aufwuchs der europäischen und auch der deutschen Wirtschaftsleistung umgedreht werden. Denn spätestens seit Mitte der 60er Jahre herrscht hier unaufhaltsamer Abstieg. Das reale Wirtschaftswachstum ist längerfristig immer weiter gegen Null und sogar unter Null zurückgegangen, wenn man es in gleitenden 5-Jahres-Durchschritten mißt, um die unruhigen Ausschläge einzelner Jahre auszuschalten (Abb. 17225, 17226).



Schon wegen des nun mit Macht einsetzenden Altersprozesses der Bevölkerung und der Verlagerung der Aufstiegskräfte in die Schwellenländer, vor allem China und andere in Asien, wird sich der Abstiegstrend noch verstärken. Die Verknappung von Energie und Rohstoffen ist ein weiterer repressiver Faktor. Und die total einseitige Ballung der Einkommen trägt über ein Austrocknen der Massennachfrage ein Übriges dazu bei. Auch der Ausweg über mehr und bessere Bildung scheint in Deutschland versperrt (siehe letzter Rundbrief hier), ja schlechte und einseitige Bildungspolitik, in der Bildungs- und materieller Hintergrund der Eltern viel zu viel Gewicht bekommt, wird noch zu einem weiteren Bremsfaktor.



Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, wird der Verteilungskampf automatisch härter und setzen sich die mit der besseren politischen und sozialen Vernetzung und den stärkeren Ellenbogen durch. Normale Aufsteiger bleiben dann weitgehend auf der Strecke. Es tropft immer weniger des Reichtums nach unten. In dieser Situation ist auch Deutschland nun schon seit Jahren. Dennoch beschwört die deutsche Politik immer noch den Aufstieg. Können die keine Zahlen lesen?


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