Dann Umlaute korrigieren und Feinsuche mit Browser-Suchfunktion


Hier Wochenbrief bestellen


Reihe 88 ab 24-10-11 ... ...

(2586) Kaum Aufstieg mehr in diesem Land

(2585) Ein weiterer Euro-Abgrund: Die Euro-Staatsverschuldungskrise schürt eine schwere Bankenkrise, aus der nur Teilverstaatlichung helfen wird

(2584) Stundenlohn in der gewerblichen Wirtschaft stagniert schon seit 6 Jahren

(2583) Eurokrise: Immer weiter Verdummung auch von Links

(2582) Nach der Abwertung Frankreichs: Noch ungenierter der Griff der EZB in die deutsche Ladenkasse?

(2581) Wie gut ist eigentlich die Arbeit der deutschen Gewerkschaften? - Teil 2

(2580) Wie gut ist eigentlich die Arbeit der deutschen Gewerkschaften? - Teil 1

(2579) Jahreswirtschaftswachstum 2011: Das vorerst letzte Hurra

(2578) Auftragsrückgang: Deutschland bekommt die Kreditkrise zum zweiten Mal zu spüren - schlechte Aussichten für 2012

(2577) Deutscher Einzelhandelsumsatz immer noch fast 2 % unter Vorkrisen-November 2008

(2576) 2012: Schicksalsjahr der Staatenfinanzierung - 8 Billionen US Dollar gefragt

(2575) Vom jahresanfänglichen Realitätsverlust vieler deutscher Medien

(2574) Wie der Haupt-Klimasünder China als Krisengewinnler auch noch profitabel auf der westlichen Ökowelle reitet

(2573) Italien kommt nicht aus dem Schneider und damit auch nicht der Euro

(2572) Deutschland so schlimm wie China: Löhne, von denen man nicht leben kann

(2571) Einbrechender Euro-Kurs: Immer mehr Verwerfungen in Richtung einseitiger Exportlastigkeit bei zusammengepreßter Binnenkaufkraft

(2570) Eurokrise: Absichtliche oder unabsichtliche Wahrnehmungsstörungen deutscher Linker

(2569) Achtung drohende Stealth-Strategie der Notenbanken für die Entschuldung der Staaten (und Sanierung der Eurozone)!

(2568) Deutschland mit im internationalen Vergleich stärkstem Zuwachs an Niedriglohnanteil bei auf den Schulen ausgebremster Aufwärtsmobilität

(2567) EZB-Notenpresse im Overdrive: +3.5000 Euro = 18.000/Kopf: Nun druckt mal schön!

(2566) Wenn nur noch Kapitalverkehrskontrollen die Eurozone retten und künftigen globalen Finanzmarktkrisen entgegenwirken können

(2565) Das Statistische Bundesamt redet mit faulen Vergleichen den Euro hart

(2564) Man hat uns in den falschen Euro-Zug gesetzt

(2563) Auch Lafontaine setzt auf die Notenpresse der EZB und verkennt die Inflationsgefahren

(2562) Die Staatenfinanzierung wird immer schwieriger: Der Überlebenskampf verschärft sich

(2561) Pro Beschäftigten in Deutschland demnächst (im schlimmsten Fall) bis zu 86000 Euro Haftung aus Bundesanleihen, Eurorettungsschirm und dem Eurosystem der Notenbanken und der EZB

(2560) Die verkehrte Euro-Welt der Sarah Wagenknecht

(2559) Es ist nicht so einfach, aus der deutschen Gewerkschaftsperspektive die Eurokrise zu beurteilen, denn auch die Gewerkschaften tragen Schuld

(2558) Die Mär von der inflations-resistenten Notenpresse der EZB

(2557) Deutschland an der Spitze des neoliberalen Trends zu immer ungleicheren Einkommensverhältnissen

(2556) Euro-Falle: Die Peripherie kann nicht aus der Krise herausschrumpfen

(2555) Wie die Vermögenden in Deutschland von der Verschuldung Deutschlands und anderer Staaten profitieren

(2554) Eurokrise: Viele deutsche Linke arbeiten ebenso mit vereinfachend irreführendem Populismus wie die Rechten

(2553) Deutschland wandert ins Altenheim

(2552) Hinter dem Rücken der Deutschen werden schon gewaltig Euros gedruckt und das nicht nur bei der EZB

(2551) 25 Schandbilder - Deutschland seit dem Fall der Mauer

(2550) Eurokrise: Die Zinsen laufen dem Rettungsschirm und den Eurobonds weg

(2549) Nettolöhne und -gehälter minus 4 %, Unternehmens und Vermögenseinkommen plus 32 %

(2548) Wirtschafts- und Sozialentwicklung im 3. Quartal: Alles auf einen Blick in einer Abbildung

(2547) Warum nicht eine Zwangsanleihe von den vermögenden Best- und Besserverdienern in der Eurozone?




global news 2586 21-01-12: Kaum Aufstieg mehr in diesem Land

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Kapitalismus bricht seine beiden heiligsten Versprechen an die vielen Benachteiligten aller Länder: "Bildet Euch und Ihr werdet aufsteigen" sowie "Die steigende Einkommensflut wird mit der Zeit alle Boote heben (Reichtum tropft nach unten)". Mit mehr Bildung und ein bißchen Geduld also Wohlstand für Alle. Mit solchen Versprechen und einer jahrelang guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung waren die sozial Benachteiligten ruhig zu halten, blieben Unruhen und Revolutionen oder gar Bürgerkriege in den westlichen Wohlstandsländern aus.



Doch mit der Aufstiegsmobilität sieht es längst nicht mehr gut aus. In Deutschland hat sich der Bildungssektor zu einer besonderen Hürde für den sozialen Aufstieg entwickelt, ja geradezu zu einer Blockade. Nach einer neuen Umfrage unter mehr als 200.000 Studenten aus Europa (4. Eurostudent-Report vom Januar 2012) ist Deutschland beim Anteil von Studenten aus bildungsfernen Familien mit nur 2 % absolutes Schlußlicht in Westeuropa (Abb. 15691). Bildungsferne Familien sind solche, in denen die Eltern nur einen Hauptschulabschluss haben oder ein Berufsvorbereitungsjahr absolviert haben. Dabei liegt der Anteil solcher Familien an der deutschen Gesamtbevölkerung bei 31 %.



Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2585 19-01-12: Ein weiterer Euro-Abgrund: Die Euro-Staatsverschuldungskrise schürt eine schwere Bankenkrise, aus der nur Teilverstaatlichung helfen wird

(bitte auch Startseite besuchen)

Während die Euroregierungen noch miteinander streiten, wie sie die Krisenländer retten sollen und eine erfolgreiche Rettung vor allem bei Griechenland immer unwahrscheinlicher wird (es sei denn über ständige Nachschußzahlungen), ist die Krise längst bei den Banken angekommen. Denn diese haben sich in den vergangenen Jahren in großem Umfang über Anleihen finanziert, die nun vor allem in diesem Jahr zur Refinanzierung anstehen. Auf den Finanzmärkten allein in 2012 dafür gesucht werden fast 700 Mrd Euro (Abb. 16743). Doch die Kapitalmärkte schmeißen längst das Risiko der Banken mit dem ihrer Heimatstaaten zusammen und verweigern die Mittel oder verlangen unverkraftbar hohe Zinsen. Wenn die EZB den Banken nicht mit dem gigantischen Sonderkredit über drei Jahre einen Rettungsring zugeworfen hätte, würden viele Banken gerade in den Krisenländern schon jetzt untergehen mit den entsprechend horrenden Folgen für die Wirtschaft dieser Länder oder würden sie zumindest ihre Kredittätigkeit an die dortigen Unternehmen und Verbraucher noch drastischer einschränken müssen.


Doch dieser Kredit der EZB ist nur eine temporäre Abhilfe. Was die Banken eigentlich brauchen, ist wesentlich mehr haftendes Kapital, damit die Märkte wieder Vertrauen schöpfen und wenigstens den solideren Banken in eine normale Finanzierung an den Kapitalmärkten zurückhelfen. Entsprechend der historischen Praxis haben die Eurobanken in großem Umfang in für sicher gehaltene Staatsanleihen angelegt. Sie wurden dazu auch verführt, weil die Aufsichtsbehörden solche Anlagen als angeblich risikofrei nicht auf das kostbare Eigenkapital anrechneten. Vor allem die Banken in den Krisenländern halten in großem Umfang Anleihen ihrer Regierungen. Mitte 2011 wurden 28 % der spanischen Staatsschuld von spanischen Banken gehalten und 27 % der italienischen von italienischen Banken (Abb. 16744).


Auch in Anteilen an der jährlichen nationalen Wirtschaftsleistung ergeben sich für diese national bei den Banken gehaltenen Staatsanleihen sehr hohe Werte vor allem für Italien mit 28 % (Abb. 16745). Die Anteile der nationalen Staatsanleihen an allen von den Banken gehaltenen Staatsanleihen liegen bei den Krisenländern zwischen 70 % und fast 100 % (bei Griechenland, Abb. 16746).



Die Märkte verlangen für Bankenanleihen der Krisenländer bereits ähnliche hohe Zinsen wie für die dortigen Staatsanleihen (Abb. 16747). Das gilt übrigen trotz mehrfacher Ausreißer auch für das Verhältnis von Credit Default Swaps auf Anleihen der Deutschen Bank und Deutschlands (Abb. 16748). Die Hilfe der EZB ist in dieser Situation ein zweischneidiges Schwert für die Banken, denn sie zwingt oder verführt die Banken besonders in den Krisenländern, für den EZB-Kredit weitere nationale Staatsanleihen zu kaufen, um sie der EZB als Sicherheiten anzubieten. Am Ende dreht sich die das Kreditstanding dieser Banken belastende Schraube damit nur noch weiter nach unten.





Insgesamt sind die Bilanzen der Banken durch ihre extensive Anlagetätigkeit in verschiedene Finanzmarktprodukte von vor der Krise immer noch erheblich aufgeblasen. Für viele der Euroländer liegen die Anlagen der Banken zwischen dem 7 bis 17-Fachen der jährlichen Steuereinnahmen ihrer Heimatländer, bei Irland sogar über das 45-Fache (Abb. 16748). Das erschwert nun weitere nationale Rettungsversuche in Ländern, die ohnehin drastische Sparmaßnahmen eingeleitet haben.


Am Ende wird es zu einer massiven Welle von Teilverstaatlichungen der Eurobanken kommen müssen. Soweit nationale Regierungen dafür keine Mittel mehr haben, wird die EZB oder das Eurorettungssystem eingreifen und Anteile an den Banken erwerben müssen. In einigen Jahren nach Abklingen der Krise, können dann die Banken wieder voll privatisiert werden, was dann allerdings in ein Trennbankensystem hinein geschehen sollte, bei dem nicht länger Kundeneinlagen auf der Investmentbankenseite im Eigengeschäft der Banken verspekuliert werden können. Der Euro wird jedenfalls nicht zur Ruhe kommen, bis nicht auch die Eurobanken wieder auf sicherem Grund stehen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2584 17-01-12: Stundenlohn in der gewerblichen Wirtschaft stagniert schon seit 6 Jahren

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach der heutigen Meldung des statistischen Bundesamts hat sich der Stundenlohn in der gewerblichen Wirtschaft (Bruttogehaltssumme geteilt durch Zahl an Arbeitsstunden) seit Dezember 2005 bis November 2011 nur um magerste 0,9 % erhöht, wenn man rotierende 12-Monatswerte nimmt, um die jahreszeitlichen Unterschiede auszugleichen, und die Verbraucherpreisinflation berücksichtigt. Praktisch ist also nur eine Stagnation zu verzeichnen (Abb. 17223). Der zwischenzeitliche Anstieg in 2008 und 2009 ist nur auf die Kurzarbeit zurückzuführen, während der die ausfallenden Arbeistunden mit staatlicher Hilfe bezahlt wurden und so der Wert pro Arbeitsstunde stieg.




Nominal ohne Preisbereinigung stieg die Bruttolohn- und Gehaltssumme über den gesamten Zeitraum um 13,7 %, der Umsatz dagegen um 21,0 %. Das zeigt ebenfalls, wie der Lohnkostenfaktor in der deutschen gewerblichen Wirtschaft immer weiter zurückgedrängt wurde (Abb. 17224).


Und dabei zahlt die gewerbliche Wirtschaft noch besser als viele andere Bereiche.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2583 17-01-12: Eurokrise: Immer weiter Verdummung auch von Links

(bitte auch Startseite besuchen)

Erst haben Sie von Links ohne Rücksicht auf die Belastungen gerade durchschnittlicher Deutscher über höhere Steuerlasten und/oder mehr Inflation nach einer Schuldengemeinschaft durch Eurobonds oder in anderer Weise gerufen, weil anders nicht der Euro zu retten sei. Dann begeisterten sie sich für die Notenpresse der EZB als angeblich kosten- und lastenlose Allzweckwaffe zur Verteidigung des Euro. Und nun sind sie doppelt sauer, weil die EZB die Staaten über billige Kredite an die Banken finanziert, welche dafür Staatsanleihen kaufen und bei der EZB als Sicherheiten einlagern. Der Umweg über die Banken sei ein unvertretbares Geschenk für die Banken.

Gleichzeitig meint man von Links, die Hereinnahme von Ramsch- oder Noch-Nicht-Ramschanleihen entweder durch Aufkauf auf dem Sekundärmarkt oder als Sicherheiten für die billigen Kredite an die Banken, schaffe keinerlei Risiko von Belastungen der Steuerzahler bei Verlusten der EZB. Die EZB habe kein "Stammkapital" und können rein theoretisch so viele Schulden ansammeln wie sie wolle, ohne daß der Staat Kapital nachschießen müsse. Für Zentralbanken gelte weder die Anstaltslast noch die Gewährträgerhaftung. Der Steuerzahler müsse nicht zwingend für Verluste oder Schulden der Zentralbanken aufkommen. Mehr noch: Die EZB könnte ohne weitere Probleme bei sich selbst einen Kredit aufnehmen, um die Löcher zu stopfen (so der Artikel von Jens Berger in NachDenkSeiten).



Das ist eigentlich schon zu viel der Verdummung. Bei der Kritik an den EZB-Krediten für die Banken wird schlicht unterschlagen, daß die Banken der meisten Euroländer seit einiger Zeit nicht mehr an den Kapitalmarkt kommen, um sich dort - wie in der Vergangenheit - über Anleihen zu refinanzieren. Dabei müssen sie in diesem Jahr allein fast 700 Mrd Euro an fälligen Anleihen ablösen und refinanzieren (Abb. 16743). Das geht aber nicht, denn die Kapitalmärkte schmeißen längst das Risiko der Banken mit dem ihrer Heimatstaaten zusammen. Wenn die EZB den Banken nicht mit dem Sonderkredit über drei Jahre einen Rettungsring zuwerfen würde, würden viele Banken gerade in den Krisenländern untergehen mit den entsprechend horrenden Folgen für die Wirtschaft dieser Länder oder würden zumindest ihre Kredittätigkeit an die dortigen Unternehmen und Verbraucher noch drastischer einschränken müssen.


Auch stimmt es nicht, daß - wie Jens Berger in NachDenkSeiten meint - die EZB kein Stammkapital habe, das bei Verlusten aus hereingenommenen Anleihen verloren gehen und dann zu Nachschußpflichten der Notenbanken der Euroländer und auf diesem Wege auch der Steuerzahler in den Euroländern führen könnte. Dabei scheint Berger selbst unsicher zu sein, wenn er schreibt, der Steuerzahler müsse "nicht zwingend" für Verluste oder Schulden der Zentralbanken aufkommen. Die EZB hat natürlich ein Stammkapital und auch eine sauber ausgewiesene Bilanz mit Aktiva und Passiva. In den Statuten der EZB heißt es:

"Das Kapital kann durch einen Beschluss des EZB-Rates mit der in Artikel 10.3 vorgesehenen qualifizierten Mehrheit innerhalb der Grenzen und unter den Bedingungen, die der Rat nach dem Verfahren des Artikels 42 festlegt, erhöht werden."

Und:

"Falls die EZB einen Verlust erwirtschaftet, kann der Fehlbetrag aus dem allgemeinen Reservefonds der EZB und erforderlichenfalls nach einem entsprechenden Beschluss des EZB-Rates aus den monetären Einkünften des betreffenden Geschäftsjahres im Verhältnis und bis in Höhe der Beträge gezahlt werden, die nach Artikel 32.5 an die nationalen Zentralbanken verteilt werden."

Bei einem Verlust in der Bilanz würde also die Bundesbank die monetären Einkünfte verlieren, die sie normalerweise als Bundesbankgewinn an die Bundesregierung dort steuermindernd abführt. Schon das würde zu Belastungen der Steuerzahler führen. Aber vor allem wäre mit einem Beschluß zur Kapitalerhöhung zu rechnen, was praktisch einer Nachschußpflicht entspräche. Und davon, daß sich die EZB bei Verlusten selbst beliebig Kredit einräumen könne, ist in den Statuten erst recht keine Rede.

Wenn sich die EZB so energisch gegen eine Umschuldung griechischer Staatsanleihen eingesetzt hat, dann übrigens gerade weil sie diese Anleihen als Sicherheiten angedient bekommen hat und nun Verluste in einer Umschuldung befürchtet.

Andererseits wird von Links auch immer wieder unterschlagen, daß sich die EZB mit ihrer indirekten Staatenfinanzierung in die Fiskalpolitik einmischt und von den Regierungen der Krisenländer den Druck nimmt, sehr viel mehr Steuern bei den eigenen Best- und Besserverdienern einzutreiben. Diese haben trotz der Krise bisher im Durchschnitt ihr spekulativ aufgeblasenes Vermögen aus der Vorkrisenzeit behalten, zumal ihre hochverzinsten Bankenanleihen voll bedient werden. Pro Haushalt ist beispielsweise in Italien das Vermögen gemessen am verfügbaren Einkommen um ein Drittel höher als in Deutschland (Abb. 16738). Damit läuft der deutsche Steuerzahler Gefahr, für die Reichen aus Italien u. Co. einspringen zu müssen - spätestens, wenn Dank Notenpresse der Inflationsschub kommt und von der EZB (wie zu erwarten) nicht gebremst wird. Das wäre die berechtigte Kritik an der EZB von Links, auf die man leider warten muß.


Diese Einseitigkeiten ordnen sich in eine Kette von Analysemängeln ein. Von Links in Deutschland waren schon viele einseitig-falsche Analysen zu den Entstehungsgründen der globalen Finanzkrise gekommen. Sie wurde oft nur anonymen Spekulanten in die Schuhe geschoben, statt auf die gewaltige Ballung von Reichtum zu achten und auf die enormen globalen Ungleichgewichte mit den Überschüssen Chinas, Deutschlands und Japans. Dann waren an der Eurokrise nicht die Regierungen der Krisenländer sondern die dortigen und unsere Banken schuld, obwohl gerade in den Ländern mit der größten Schieflage, nämlich Griechenland und Italien, die Banken vorsichtig gewesen waren, viel vorsichtiger jedenfalls als in Deutschland, dafür aber die Regierungen schon vor Ausbruch der Krise viel zu hohe Schulden aufgehäuft hatten Auch nimmt man von Links gern die Bevölkerungen vor dem Vorwurf, über die Verhältnisse gelebt zu haben, in Schutz, obwohl die Löhne in vielen der Krisenländer nominal weit stärker als die Produktivität angehoben wurden und damit Wettbewerbsfähigkeit verspielt wurde.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2582 16-01-12: Nach der Abwertung Frankreichs: Noch ungenierter der Griff der EZB in die deutsche Ladenkasse?

(bitte auch Startseite besuchen)

Frankreich hat sein wertvolles AAA verloren. Versicherungsfonds und andere auf Sicherheit bedachte Anleger werden nun umso mehr auf deutsche Bundesanleihen ausweichen. Damit wird die Finanzierung des französischen Staates, aber auch der französischen Gemeinden und Banken teuerer werden, und auch der Eurorettungsfonds wird in seinem Rettungswerk behindert sein. Der hängt nur noch an vier AAA-eingestuften Ländern, nämlich Deutschland, Niederlande, Finnland und Luxemburg - Länder, die nur 31 % der Bevölkerung der Eurozone stellen. Dem stehen Staatsschulden der anderen Euroländer gegenüber, die mehr als doppelt so groß sind wie die dieser vier Länder. Prompt ist nun auch der Rettungsfonds von S & P auf AA+ heruntergestuft worden. Die Ausleihsumme, die durch AAA-Länder garantiert wird, schrumpft von 440 auf 270 Milliarden Euro.

Doch halb so schlimm: EZB-Chef Draghi aus Italien und Frankreichs Präsident Sarkozy haben mit der EZB und dem gesamten Eurosystem schon längst Abhilfe gefunden und Sarkozy hat das ganz ungeniert nach dem letzten Eurogipfel öffentlich gemacht. Die EZB kauft nicht nur massiv Staatsanleihen direkt an den Sekundärmärkten, sondern finanziert seit Dezember 2011 noch massiver die Banken mit billigsten Krediten im Volumen von 489 Mrd Euro für drei Jahre, damit sie damit u.a. höher verzinste Staatsanleihen der schwachen Euroländer kaufen und dann der EZB als "Sicherheiten" für die Kredite anbieten können. Man kann vermuten, daß dieser Schritt bereits in Erwartung auch der Herunterstufung Frankreichs und anderer Euroländer eingeleitet wurde. Ein weiteres massives und nach oben nicht begrenztes Kreditangebot der EZB an die Banken ist für Februar vorgesehen.



So hat der Draghi-Trick gerade in der vergangenen Woche bei Italien und Spanien funktioniert und kann es morgen auch bei Frankreich tun. Die Banken haben mit ihrer starken Nachfrage nach Staatsanleihen den italienischen Zins für 3-Jahres-Anleihen von 7,7 % auf nur noch 5,1 % heruntergeholt (Abb. 16739); bei Spanien war es ähnlich. Die neuen 1-Jahresanleihen Italiens kamen sogar von 6,0 % auf nur noch 2,7 % herunter. Der Zins für französische 2-Jahres-Anleihen fiel bis zur Herunterstufung von 1,9 % auf nur noch 0,7 % (Abb. 16740).



Eine solche starke Zinsverbilligung könnte nun beispielsweise Italien weitere besonders schmerzvolle Reformen und insbesondere mehr Steuern für die Reichen ersparen und ebenso Sarkozy während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes. So feiert denn auch Draghi seinen Griff in die Trickkiste der EZB: Es gäbe nun Anzeichen für eine wirtschaftliche Stabilisierung in der Eurozone. Dabei muß Italien gerade in diesem Jahr weitaus das größte Volumen an Staatsanleihen refinanzieren (Abb. 16741). Die Deutsche Bank erwartet dabei eine Rezession von - 1,3 % BIP, ein Leistungsbilanzdefizit von 2 % BIP und ein Haushaltsdefizit von 2,0 % BIP - alles miserable und höchst besorgniserregende Werte.


Doch gleichzeitig ist es Italien und den anderen Krisenländern zusammen mit Frankreich gelungen, den vorgesehenen Fiskalpakt im Laufe von drei Verhandlungsrunden zum Nachteil der Garantenrolle Deutschlands weiter zu verwässern. In dem jüngsten Vertragsentwurf findet sich nun der Hinweis, dass Staaten "unter außergewöhnlichen Umständen" die 0.5-Prozent-Marke als Obergrenze des strukturellen Haushaltsdefizits überschreiten dürfen, wobei Haushaltsbelastungen aus konjunkturellen Gründen ohnehin nicht auf das "strukturelle" Defizit angerechnet werden. Die EU-Kommission soll nun doch - anders als einzelne Euroländer - kein Klagerecht wegen Verletzung des Vertrags bekommen. Vertragsverletzung schließt auch nicht mehr automatisch von Geldern des Rettungsfonds ESM aus. Wie angesichts der Erwartungen des IWF die Krisenländer ab 2016 auch nur in die Nähe der 0,5 % Schuldenbremse kommen sollen, ist ziemlich unvorstellbar (Abb. 16742). Italiens strukturelles Defizit soll dann nach IWF immer noch bei 3 % liegen, das Spaniens sogar bei 4,5 %. Damit wird der neue Fiskalpakt das Schicksal früherer, immer wieder gebrochener Vereinbarungen teilen.


Doch Alles hat seinen Preis, auch der Draghi-Trick, oder wie die Briten sagen: "there is no free lunch". Sollten solche von der EZB finanzierte "Sicherheiten" massiv ausfallen, so müßte die EZB in gigantischem Umfang rekapitalisiert werden, wofür in erster Linie der deutsche Steuerzahler einspringen müßte, weil Deutschland weiterhin als besonders zahlungsfähig gilt. Hinzu kommt längerfristig die Gefahr eines Anstiegs der Geldentwertung.

Außerdem arbeitet das Eurosystem der Notenbanken der Euroländer in der Stützung der Krisenländer über die Notenpresse weiterhin parallel zur EZB. Die Notenbanken der Schwachländer finanzieren ihre Banken und Unternehmen und verschulden sich dafür vor allem bei der Bundesbank über das sogenannte Target2-Konto. Das steht nach steilem Aufwuchs inzwischen bei 463 Mrd Euro (Abb. 16398), während die Krisenländer hohe Schulden aufgehäuft haben (Abb. 16727), bei Italien sind es nach steilem Aufwuchs inzwischen 191 Mrd Euro, bei Spanien 137 Mrd Euro.



Während die deutsche Linke noch immer nach dem groben und unpopulären Geschütz einer Vergemeinschaftung der Schulden ruft, haben die Romanen Draghi und Sarkozy längst das viel elegantere Instrument der Staatsfinanzierung über EZB-Bankenkredite geboren. Dabei können Merkozy und Co. gegenüber jedweder Kritik die Unabhängigkeit der EZB beschwören und die eigenen Hände in Unschuld waschen. Allerdings ist auch diese Lösung wahrscheinlich nicht dauerhaft wirksam sondern kauft nur weitere Zeit bis nach den Wahlen in Frankreich und Deutschland (daher die Kredit-Begrenzung der Kredite auf 3 Jahre?). Wenn sich die EZB dann an "Ramschanleihen" vollgesogen hat, wird sie die Inflation herbeiwünschen müssen (statt sie zu bekämpfen), damit die mit solchen Ramschanleihen hinterlegten Staatsschulden per Inflation abgebaut werden können, ohne daß es zu einer Pleite der EZB kommt.

Siehe dazu auch den Rundbrief Eurokrise: Immer weiter Verdummung auch von Links.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2581 14-01-12: Wie gut ist eigentlich die Arbeit der deutschen Gewerkschaften? - Teil 2

(bitte auch Startseite besuchen)

Dies ist der 2. Teil des Rundbriefs zur Arbeit der Gewerkschaften. Teil 1 finden Sie hier.

2. Die Gewerkschaften in der Eurokrise

Im Ergebnis der durch die relative Schwäche der deutschen Gewerkschaften mitverschuldeten real negativen Lohnentwicklung haben sich die Verwerfungen in der Eurozone ergeben, die sie heute zu sprengen drohen. Seit Ausbruch der Krise haben sich die deutschen Gewerkschaften und deren gewerkschaftsnahes Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung sowie auch SPD und Linkspartei sehr intensiv für deutsche Hilfen an die Krisenländer der Eurozone eingesetzt und die Bundeskanzlerin dafür kritisiert, daß sie nicht längst einer Vergemeinschaftung der Schulden durch Eurobonds oder in anderer Weise zugestimmt habe. Auch haben sie keine Sorgen wegen des massiven Einsatzes der Notenpresse und der davon längerfristig ausgehenden Inflationsgefahren erkennen lassen. So titelt der DGB in seinem Standpunktpapier vom 18. April letzten Jahres "Inflationsgespenst oder reale Bedrohung?" und bestreitet die Inflationsgefahren.



Auch hier werden die Interessen der sozial Schwachen vernachlässigt. Denn bei mehr Opfern Deutschlands aus der Eurokrise werden deutsche Sozialleistungen weitert gekürzt und in einem wenig sozialen Steuersystem mehr Steuern erhoben werden. Mit einer Schulden- oder Transferunion wird Ländern geholfen werden, in denen die besser Betuchten noch weniger zur Kasse gebeten werden als in Deutschland und in denen enormer privater Reichtum vorhanden ist. So findet aus Italien derzeit eine massive Kapitalflucht der Reichen statt, wie schon zuvor aus Griechenland. An den Grenzen zur Schweiz werden derzeit jeden Tag 41.000 Euro konfisziert, was aber nur die Spitze eines Eisbergs an Steuerflucht sein soll. Dem italienischen Staat sollen nach Angaben des statistischen Amts jedes Jahr Steuereinnahmen in Höhe von 120 Mrd Euro entgehen. Die Schwarzwirtschaft macht mindestens 17 % der gesamten Wirtschaftsleistung aus. In Cortina wurden kürzlich 251 Luxusautos überprüft: bei einem Viertel hatten die Eigentümer den Steuerbehörden Jahreseinnahmen von weniger als 30.000 Euro deklariert oder wegen angeblicher Verluste gar keine Steuern gezahlt. In ganz Italien sollen 200.000 Luxusautos unterwegs sein, bei denen die Eigentümer angeblich weniger als 50.000 Euro verdienen. Das Nettovermögen der italienischen Haushalte gemessen am verfügbaren Einkommen ist nach einem neuen Bericht der italienischen Notenbank das höchste unter den 7 größten Industrieländern und um mehr als ein Drittel höher als das deutsche (Abb. 16738), die private Verschuldung andererseits die geringste. Wenn die deutschen Gewerkschaften dennoch für eine Vergemeinschaftung auch der italienischen Staatsschulden eintreten, ist das ein ziemlich unverantwortlicher Umgang mit der finanziellen Situation ihrer Mitglieder und sehr vieler Deutscher.


Mit der jetzt vorgenommenen Herunterstufung von Frankreich hängt der ESFS als Eurorettungskonzept nur noch an vier AAA-eingestuften Ländern, nämlich Deutschland, Niederlande, Finnland und Luxemburg - Länder, die nur 31 % der Bevölkerung der Eurzone stellen. Dem stehen Staatsschulden der anderen Euroländer gegenüber, die mehr als doppelt so groß sind wie die dieser vier Länder. Die EZB kauft derzeit massiv Staatsanleihen direkt an den Sekundärmärkten oder finanziert die Banken, die mit billigsten EZB-Krediten gerade ihrerseits massiv Staatsanleihen von Italien und Spanien gekauft und bei der EZB als Sicherheiten hinterlegt haben. Soweit solche herabgestuften Staatsanleihen anbrennen, muß bei einer Rekapitalisierung der EZB vor allem der deutsche Steuerzahler einspringen. Auch das Verdrängen die deutschen Gewerkschaften bei ihrem Eintreten für die Schuldengemeinschaft und die Notenpresse der EZB.

Bei Inflation leiden vor allem die "kleinen Leute" und profitieren die Reichen

Längerfristig wegen des massiven Einsatzes der Notenpresse steigende Verbraucherpreise treffen vor allem die Arbeitseinkommen und kleineren Ersparnisse der sozial Schwächeren und der Mittelklasse, zumal wenn - wie zu erwarten - die Lohnentwicklung weiter nicht Schritt hält. Die sozial Schwächeren geben einen wesentlich höheren Anteil ihrer kleineren Einkommen für inflationsgefährdeten Konsum aus. Anders als die Reichen wissen sie auch nicht, wie man Ersparnisse vor Inflation sichern kann, zumal durchschnittliche Deutsche fast total aus dem inflationssichernden Aktienbesitz ausgestiegen sind.

Dagegen wissen die Reichen - anders als die "kleinen" und risikoscheuen Leute mit dem Sparbuch und den niedrigstverzinsten Bundesanleihen - sehr wohl, wie man sich durch Aktienbesitz, riskantere Anlagen, Umsteigen in andere Währungen und/oder Edelmetalle und auf vielen anderen Wegen weitestgehend der Euro-Inflation entziehen kann. Bei real negative Zinsen nehmen wohlhabende Anleger wie auch institutionelle Anleger geradezu hohe Schulden auf und legen das billige Kapital profitabel an den internationalen Finanzmärkten an. Sie haben das vor der globalen Finanzkrise getan, als die Zinsen zwischen 2002 und 2005 jahrelang real negativ waren (Abb. 16725) und sie tun es jetzt wieder. Im Ergebnis sind sie immer reicher geworden und haben auch unter der Krise kaum gelitten.


Soll man bei der unbesorgten Haltung der Gewerkschaften zur Inflation etwa vermuten, daß sie die gefährdeten Geldvermögen nur bei den Reichen sehen und umgekehrt die von der Inflation real verkürzten Schulden vornehmlich bei den normalen Menschen in Deutschland? Das wäre ein schlimmer Fehler, denn ein sehr großer Teil der normalen Deutschen, gerade in der Mittelklasse, hat durchaus inflationsgefährdetes Geldvermögen, u.a. nicht zuletzt als eigene zusätzliche Altersvorsorge bei rückläufigen Eingangsrenten. Bei der im internationalen Vergleich relativ hohen deutschen Sparquote sparen die meisten Einkommensgruppen, natürlich in unterschiedlicher Höhe und in einem ziemlich regelmäßigen Lebenszyklus mit Entsparen oder nur noch geringer Sparleistung ab 65 Jahren (Abb. 17222).


Das Leben im Alter von Ersparnissen ist ein typisches Phänomen normaler Sparer, während Reiche auch im Alter ihre Sparquote unverändert hoch halten können, schon weil sie weiter hohe Vermögenseinkommen haben. Netto in Schulden ist dagegen nach einer Untersuchung des DIW nur das unterste Zehntel der deutschen Bevölkerung, das dementsprechend von Inflation profitieren würde. Der Spartrieb oder das Angstsparen ist in Deutschland durch weite gesellschaftliche Kreise weit stärker verbreitet als in den meisten anderen Ländern, wo auch in Krisenzeiten ziemlich ungeniert konsumiert wird. Viele der ärmeren deutschen Sparer sparen sich ihre Ersparnisse in Angst vor Altersarmut auch noch im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde ab, wie der Rückgang des Umsatzes von Lebensmitteln immer wieder zeigt, oder sie legen sogar für ein anständiges Begräbnis zurück. Dabei spüren kleinere Sparer die Geldentwertung besonders schnell bei jedem Gang in den Laden oder jedem Blick auf den real lächerlichen bis negativen Zinsertrag. Auch eine Inflation von nicht mehr als 5 % bei extrem niedrigen Zinsen kann durch Auszehrung der Ersparnisse durchaus zur Altersarmut beitragen, während diese Gefahr bei den besser Betuchten total unbekannt ist.

Gewerkschaftliche Solidarität über die Grenzen hinweg muß die deutschen Interessen im Auge behalten

Daß die Gewerkschaften für Solidarität über die Grenzen hinweg eintreten, sollte nicht überraschen und steht natürlich im Einklang mit den Traditionen. Überraschen würde nur, wenn dabei die sozialen Auswirkungen solcher Solidarität in Deutschland vernachlässigt würden.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2580 13-01-12: Wie gut ist eigentlich die Arbeit der deutschen Gewerkschaften? - Teil 1

(bitte auch Startseite besuchen)

Zu den Lesern der Rundbriefe zählen viele Gewerkschaftler und Betriebsräte. Niemandem von ihnen will ich mit dieser Fragestellung zu nahe treten. Doch weiß ich von einigen, daß sie mit der Arbeit der Gewerkschaften nicht besonders zufrieden sind. Die deutschen Gewerkschaften beanspruchen, nicht nur die Interessen ihrer derzeitig in Lohn stehenden Mitglieder zu verteidigen, sondern auch die aller sozial Benachteiligten, zumal auch ihre Mitglieder den Arbeitsplatz verlieren oder in Altersarmut geraten können. Daran muß man die Qualität ihrer Arbeit messen. Für mich gibt es dazu einen doppelten Lackmustest. Wie schützen die Gewerkschaftler mit ihrer Arbeit gegen reale Lohnverluste und wie gegen Verluste durch Inflation oder sonst aus der Eurokrise? Die Analyse auf der Basis der zweiten Frage folgt morgen in Teil 2 dieses Rundbriefs.

Unabhängige und starke Gewerkschaften sind als Gegenmacht zum Kapital ein lebenswichtiger Bestandteil jeder Demokratie. Ihre Stärke hängt nicht allein von ihnen selbst ab. Seit dem Einsetzen der neoliberalen Hyperglobalisierung wurde ihre Rolle durch den bewußt herbeigeführten Wettbewerb mit Niedrigstlohnländern, vor allem aus China, das unabhängige Gewerkschaften nicht zuläßt und das Streikrecht nicht anerkennt, untergraben. Dazu kommt für Deutschland noch die Verweigerung von Mindestlöhnen und die Erleichterung der Leiharbeit durch die Bundesregierung. Dennoch müssen sich auch die deutschen Gewerkschaften beurteilen und an dem Wirkungsgrad von Gewerkschaften in anderen Ländern, vor allem der Alt-EU messen lassen.

1. Die Gewerkschaften an der Lohnfront

In Deutschland fallen die Arbeitseinkommen nach Abzug der Inflationsrate seit Jahren, werden die Sozialleistungen gekürzt, gehen die Eingangsrenten zurück und steigen andererseits die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen rasant (Abb. 14849). Seit dem Jahr 2000 sind die Arbeitseinkommen inflationsbereinigt immer weiter gesunken, beim Bruttoeinkommen eines mittleren Angestellten bereits um 7,4 % (Abb. 17189). Die deutschen Arbeitskosten pro Stunde, die mal zu den höchsten zählten, fielen in die Mitte zurück, nur noch von den Eurokrisenländern, Großbritannien und Österreich unterboten (Abb. 12069). Der Arbeitskostenindex drehte in diesem Jahr sogar erstmals auf einen negativen Wert verglichen mit dem Vorjahr (Abb. 04803).





Im internationalen Vergleich öffnet sich die soziale Schere selten so rasant wie in Deutschland. Bis auf das krisengeschüttelte Griechenland hatte Deutschland bis 2010 zusammen mit Österreich die schlechteste Lohnentwicklung in der Alt-EU (Abb. 17122).


Auch die von den Gewerkschaften direkt ausgehandelten tariflichen Stundenlöhne sind kaum über das Niveau von vor sieben Jahren gestiegen (Abb. 17221). Dabei ist die deutsche Wirtschaft über diesen Zeitraum real um mehr als 11 % gewachsen und haben die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um ein Mehrfaches zugelegt. Immer wieder haben zahme Gewerkschaften langfristige Tariferhöhungen vereinbart, die prompt wieder von der Inflation aufgefressen wurden. Dabei kam es ausgerechnet in dem von der Gewerkschaft ver.di betreuten und so wichtigen Bereich Erziehung und Unterricht im letztgemeldeten 3. Quartal 2011 zu einer Absenkung der Bruttomonatsverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer um 1,4 % gegenüber Vorjahr.


Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts lagen die niedrigsten Tarifverdienste im Dezember 2011 in einigen Branchen noch unter 6,50 Euro je Stunde und hatten nicht wenige Tarifverträge Verdienstuntergrenzen von unter 8,00 Euro, also noch erheblich unter den von den Gewerkschaften sonst geforderten Mindestlöhnen von 8,50 Euro. Die niedrigen Tarifverdienste galten insbesondere für gering qualifizierte Beschäftigte in Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen.



Anders als die Gewerkschaften beispielsweise in Frankreich, Großbritannien oder in den derzeitigen Eurokrisenländern haben die deutschen Gewerkschaften ihre Mitglieder ziemlich selten in den Streik oder auf die Straße geführt, von den obligaten Veranstaltungen zum ersten Mai einmal abgesehen. Die Streikstatistik zeigt Deutschland seit 2000 so ziemlich am Ende (Abb. 17218, 17219).



Einseitige Exportweltmeisterschaft - auch für Gewerkschaften "heilige Kuh"

Man kann vermuten, daß die Rolle der Gewerkschaften an den Vorstands- und Aufsichtsratstischen der Großunternehmen durch die in Europa ziemlich einmalige deutsche Mitbestimmung zur Disziplinierung der Gewerkschaften nicht unwesentlich beigetragen hat. Dabei haben sie sich schon sehr früh für die Exportweltmeisterschaft begeistert, obwohl die nur über Lohnverzichte erreichbar war - u.a. im Wettbewerb vor allem mit China, der dann trotzdem verloren wurde. So hat beispielsweise der DGB in seiner Informationsschrift "Standort 2001: Deutschland in solider Position" den "Außenhandel auf Rekordkurs" und "Deutschland ist Exportweltmeister" (was damals nur pro-Kopf galt) gefeiert. Auch in "Reformanstöße des DGB für Wachstum und Beschäftigung, Bildung und Innovation" vom Januar 2004 wird die "außerordentliche erfolgreiche Exportnation" betont. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zeige sich trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen an der "Stärke der deutschen Exportwirtschaft". Und in seinem Aufruf zum 1. Mai 2003 freute sich DGB-Chef Sommer, daß die Regierung erkannt habe, "daß nur eine auf Innovation gepolte Wirtschaft ... eine Chance hat, ihren Spitzenplatz als Exportweltmeister zu sichern." Nirgendwo wird jahrelang der notwendige und immanente Zusammenhang zwischen der Exportweltmeisterschaft und der Niedriglohnentwicklung problematisiert und die längst überfällige Kritik an der total einseitigen Exportorientierung vorgetragen. Erst nachdem das Kind im Brunnen ist, heißt es nun in der DGB-Schrift vom 10.11.2009 "Lehren aus der Krise - Die Spaltung unserer Volkswirtschaft überwinden": "Die stark exportabhängige deutsche Volkswirtschaft muss ihr Wachstum künftig besser ausbalancieren. Die Spaltung unserer Volkswirtschaft in eine hoch wettbewerbsfähige Exportindustrie und eine billige binnenmarktorientierte Dienstleistungsökonomie muss überwunden werden."

Gewerkschaftsvertreter segnen Supergehälter für die Bosse mit ab

An den Aufsichtsratstischen haben die Gewerkschaftler die exorbitanten Gehaltssteigerungen der Bosse immer wieder mitabgesegnet bis zu der hohen Abfindung von 90 Mio DM des Ex-Mannesman-Bosses Esser durch den damaligen IG-Metall-Vorsitzenden Zwickel (Arm in Arm mit DB-Chef Ackermann). Im vergangenen Jahr stiegen die Vorstandsgehälter der 30 größten Unternehmen auf durchschnittlich 2,4 Mio Euro (+14,6 %, Abb. 17059), während das durchschnittliche reale Bruttoeinkommen eines mittleren Angestellten auf 23292 Euro gefallen ist (-1,2 %). Oder soll man beispielsweise vergessen, daß sich der Betriebsratsvorsitzende der BASF und Gewerkschaftschef Robert Oswald öffentlich für Supergehaltssteigerungen seines Unternehmerbosses auf weit über 3 Mio Euro (noch ohne Aktienoptionen) einsetzte? In der Sächsischen Zeitung erklärte er vor 4 Jahren:

"Ich halte die Gehälter der Vorstandsmitglieder bei der BASF für gerechtfertigt. Als Arbeitnehmervertreter gehöre ich dem Aufsichtsrat an, der über die Höhe entscheidet. Gemessen an Managern in manchen Bundesliga-Vereinen, die nur für 100 statt für 100000 Beschäftigte die Verantwortung tragen, ist das moderat. Bei der BASF gibt es keine Neid-Diskussion."


Neben den Gehältern wurden auch üppigste Pensionen von den Gewerkschaftsvertretern mit durchgewunken. Im Schnitt hatten die Vorstandsvorsitzenden der 30 größten deutschen Unternehmen laut einem Bericht des "Handelsblatts" 2010 Ansprüche von 8 Mio Euro erworben - ein Rekordhoch. Damit haben sich die Pensionsansprüche in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt. Jeder der 30 Konzernchefs kann nun mindestens eine halbe Million Euro jährlich erwarten. An der Spitze steht Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Pensionsrückstellungen Ende 2010 von 26,1 Mio Euro, gefolgt von Volkswagen-Vorstandsvorsitzendem Martin Winterkorn mit 17,9 Mio Euro und BASF-Chef Jürgen Hambrecht mit 14,6 Mio Euro.

Vergessen sollten wir auch nicht, daß die Hartz-Gesetze mit ihren gravierenden Sozialeinschnitten den Namen eines IG-Metallers tragen, der Personalchef bei VW war.

Unzufriedene Gewerkschaftsmiglieder

Nicht zuletzt wegen der miserablen Ergebnisse und ihres Versagens an der Lohnfront haben die Gewerkschaften bereits sehr viele enttäuschte Mitglieder verloren und verlieren sie weiter (Abb. 14036). Der Organisationsgrad ist inzwischen nach Frankreich und Spanien der geringste in Europa geworden (Abb. 15690).




Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2579 12-01-12: Jahreswirtschaftswachstum 2011: Das vorerst letzte Hurra

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Statistische Bundesamt hat gestern die geschätzten Ergebnisse für das Jahr 2011 veröffentlicht, obwohl das genaue Ergebnis des letzten Quartals erst Mitte des kommenden Monats bekannt gemacht werden kann. Mit einem Plus von 3 % war das der viertgrößte jährliche Zuwachs seit 2000 (Abb. 17220).


Das Amt setzte die stolze Überschrift "Deutsche Wirtschaft 2011 in sehr robuster Verfassung" und SPIEGEL-online nahm das Thema mit "Boom Boom Deutschland" auf. Doch wie immer muß man solche Supermeldungen hinterfragen. Tatsächlich war, wie das Statistische Bundesamt im Kleingedruckten einräumt, das Wachstum von 2011 noch immer von Aufholeffekten in nahezu allen Wirtschaftsbereichen geprägt, also ein Reflex auf die schlechten Jahre 2008 und vor allem 2009, in denen die Wirtschaft im Durchschnitt jährlich um 2,2 % fiel, während sie nun in 2010 und 2011 um durchschnittlich 3,3 % zunahm, also über den ganzen Zeitraum ein bescheidener Zuwachs von 1,1 % pro Jahr. Verglichen mit dem Vorjahr ging der jährliche Zuwachs in 2011 bereits zurück und in 2011 fand der wirtschaftliche Aufschwung nach Aussage des Amtes hauptsächlich in der ersten Jahreshälfte statt. Für das letzte Quartal 2011 hat das Amt bereits eine Schätzung von minus 0,25 % in seine Jahresprojektion integriert. Das "Boom Boom" ist also längst vorbei.



Mehr als ein Viertel des Zuwachses von 2011 kam noch von der verglichen mit den Importen stärkeren Entwicklung des deutschen Exports. Doch sind die Auslandsaufträge der deutschen Industrie seit dem Gipfel im Juni 2011 bereits um 12,2 % zurückgegangen (Abb. 04569). Das ist umso erstaunlicher, als der Außenwert des Euro gegenüber dem Dollar im 2. Halbjahr 2011 um 10 % gefallen ist und die deutschen Exporte im Dollarraum entsprechend wettbewerbsfähiger gemacht hat. Insgesamt hat die deutsche Industrie bereits seit Monaten sowohl bei Aufträgen, wie bei Produktion (Abb. 04306) an Fahrt verloren. Auch hat sich die Lohnquote zwar leicht erholt und stützt so den Binnenkonsum, doch bleibt sie weiter tief unter dem bis 2004 gehaltenen Niveau (Abb. 14636).




Der Bundeswirtschaftsminister ist zwar vorsichtiger geworden und schreibt in seiner Pressemitteilung, das Jahresschlußquartal sei merklich gedämpft verlaufen. Dann aber bricht sofort wieder regierungsamtlicher Optimismus durch: "Nach dem Winterhalbjahr dürften die dämpfenden Effekte allmählich wieder an Einfluss verlieren und sich die Wirtschaftsentwicklung beleben." Woher er diesen Optimismus vor dem Hintergrund der sich weiter verschärfenden Eurokrise nimmt, bleibt sein Geheimnis.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2578 09-01-12: Auftragsrückgang: Deutschland bekommt die Kreditkrise zum zweiten Mal zu spüren - schlechte Aussichten für 2012

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Auftragseingänge in der Industrie gingen vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im November preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,8 % zurück. Dabei sind die Auslandsaufträge seit dem Gipfel im Juni 2011 bereits um 12,2 % zurückgegangen (Abb. 04569). Die Inlandsaufträge sind seit Mai 2011 sogar um 14 % eingebrochen. Die größten Einbußen bei den Gesamtaufträgen meldeten die Hersteller von Investitionsgütern.


Der Rückgang der Auslandsaufträge ist umso gravierender, als er vor allem aus der Nicht-Eurozone kam und die deutsche Industrie eigentlich von dem erheblichen Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar und anderen Währungen profitiert, seit Mai vergangenen Jahres bereits um mehr als 14 % (Abb. 16720).


Selbst der notorisch optimistische Bundeswirtschaftsminister gibt sich nun vorsichtig:

"Erwartungsgemäß deutet sich damit für die Industrieproduktion eine gedämpfte Entwicklung im Winterhalbjahr an."



Wieso das nur ein Problem des Winterhalbjahrs sein soll, bleibt allerdings sein Geheimnis. Alle Indikatoren zeigen, schon wegen der Sparprogramme, eine längerfristige globale Konjunkturschwäche an.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2577 05-01-12: Deutscher Einzelhandelsumsatz immer noch fast 2 % unter Vorkrisen-November 2008

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Jahr ist noch gar nicht zu Ende. Doch das Statistische Bundesamt in der ständigen Suche nach positiven Meldungen rechnet einfach 11 Monate 2011 auf 12 Monate und verkündet:

"Einzelhandelsumsatz 2011 real voraussichtlich um etwa 1,2 % höher".

Daraus wird dann in SPIEGEL-online unter der Überschrift "Deutsche in Kauflaune - Rekordumsätze für Einzelhändler":

"Die gute Konsumstimmung der Deutschen hat dem Einzelhandel 2011 ein ungewöhnlich erfolgreiches Jahr beschert. Nach einer ersten Schätzung stiegen die Umsätze so stark wie seit mindestens 17 Jahren nicht mehr."



Dabei lagen die Umsätze noch immer um 1,6 % unter dem Vorkrisen-November von 2008 und für die 11 Monate 2011 um 0,3 % unter den 11 Monaten 2008. Und die so hoch gepriesene Steigerungsrate von 2011 ist nur der Reflex auf den tiefen Einbruch in 2009/10 (Abb. 04943). Das ist also wieder einmal ein typisches Beispiel, wie in Deutschland derzeit mit jedem Mittel auf Stimmung gemacht wird.



Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2576 05-01-12: 2012: Schicksalsjahr der Staatenfinanzierung - 8 Billionen US Dollar gefragt

(bitte auch Startseite besuchen)

2012 wird ein wahres Schicksalsjahr für die Staatenfinanzierung. Allein die 7 größten alten Industrieländer plus Brasilien, China, Indien und Rußland werden auf den ängstlich gewordenen Finanzmärkten rund 7,6 Billionen US Dollar für die Refinanzierung auslaufender Staatsanleihen sowie 0,7 Billionen US$ zur Finanzierung des Zinsdienstes nachfragen (Abb. 16734). Die USA und Japan werden wenig Probleme haben, sich zu günstigen Bedingungen zu refinanzieren. Schwierig wird es für die Euro-Peripherie. Italien muß allein fast eine halbe Billion US$ an Kapital aufnehmen. Bei der letzten Auktion konnte es statt der beabsichtigten 8,5 Mrd Euro nur 7 Mrd Euro zum angebotenen Zins finden. Der Zins auf seine 10-Jahresanleihen liegt bei längerfristig nicht verkraftbaren mehr als 7 %. Die gesamte Eurozone wird sich in diesem ungünstiger werdenden Umfeld schwer tun. Von Bloomberg befragte Experten erwarten, daß die Finanzierungskosten der G7-Länder bei 10-Jahresanleihen in diesem Jahr um etwa 39 % zunehmen werden. Auch der deutsche Zins soll von 1,93 % Ende 2011 auf 2,5 % ansteigen.




Hinzu kommt bei den besonders angeschlagenen Ländern das Problem flüchtenden Kapitals, das den Finanzierungsbedarf weiter hochschiebt. Das ohnehin vom Kapitalmarkt ausgeschlossene Griechenland verzeichnete bereits erhebliche Abflüsse von Sparkapital aus den Konten seiner Banken (Abb. 16733).



Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2575 03-01-12: Vom jahresanfänglichen Realitätsverlust vieler deutscher Medien

(bitte auch Startseite besuchen)

Bei den meisten Medien waren über den Jahreswechsel nur gute Nachrichten angesagt jedenfalls, wenn es um Deutschland ging. Den Ton hatte schon Merkel in ihrer Neujahrsansprache vorgegeben: "Deutschland geht es gut" hieß es dort, und das wurde dann auch in vielen Zeitungen zur Schlagzeile. SPIEGEL-online legte jetzt nach mit Überschriften, wie "Beschäftigung steigt auf Rekordniveau" und "2012 bringt deutschen unerwarteten Geldsegen", wobei es um für den Einzelnen monatlich gerade mal 13 Euro pro Monat geht, was durch Senkung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung und Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrags und ähnliche kleine Änderungen geht. Das neue SPIEGEL-Heft trägt passend den Titel "Lebenskunst Optimismus".

Alle diese gut klingenden Nachrichten sind bei näherer Betrachtung wenig ehrlich und zeigen eher einen Realitätsverlust an. Die Beschäftigung steigt nur durch den Dienstleistungssektor auf ein angebliches Rekordniveau. Doch dort sind gerade die vielen prekären Beschäftigungen zu Niedrigstlöhnen und mit der Notwendigkeit staatlicher Stütze angesiedelt. Bei einer ehrlichen Betrachtung hätte das immer gleich ins Bild gehört. Dagegen lag die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe im vergangenen Jahr um 3 % unter dem Wert für 2008 (Abb. 16732).


13 Euro als "Geldsegen" zu bezeichnen, ist ziemlich hochgegriffen. Und der Beitragssatz zur Rentenversicherung wird künftig schon wegen der demographischen Entwicklung weiter steigen müssen. Auch haben die deutschen Löhne bei erhöhter Verbraucherpreisentwicklung eher die Tendenz, real zu sinken. Am Ende dieses Jahres werden die meisten deutschen Arbeitnehmer real höchstwahrscheinlich weniger in der Tasche haben.



Die FAZ will da nicht zurückstehen und titelt "Unternehmen erwarten keine Rezession" und schwächt das erst im Kleingedrückten ab; "So richtig wissen die deutschen Unternehmen noch nicht, was in diesem Jahr auf sie zukommt.

Besonders realitätsentrückt sind Schlagzeilen zum Euro, wie "Bundeskanzlerin sieht Europa gestärkt aus der Krise hervorgehen". Noch weiter geht Finanzminister Schäuble, der im Manager-Magazin mit der Schlagzeile "Schäuble sieht 2012 Ende der Schuldenkrise" zitiert wird. Für ihn ist der Euro "stabil" (obwohl er in den letzten Monaten 13 % an Wert gegenüber dem Dollar verloren hat). Auch deckt er selbst das hohe Ausfallrisiko beim Pleiteland Griechenland mit Optimismus zu: Auf die BILD-Frage "Wie teuer wird die Euro-Rettung noch? Müssen unsere Kinder die Zeche bezahlen?" kommt prompt die Beruhigungspille: "Wir haben bisher wenig bezahlt. Wir haben Griechenland Kredite gewährt, für die wir Zinsen bekommen. Der Rest sind Garantien, die bisher nicht in Anspruch genommen wurden. Und eines ist ganz klar: Wer Hilfen in Anspruch nimmt, muss dafür harte Bedingungen erfüllen, er muss seine Verschuldung in den Griff kriegen und seine Wirtschaftskraft stärken, sonst gibt es kein Geld." Da wird total verschwiegen, daß schon jetzt über die Zusagen der Bundesregierung und die Aktivitäten der EZB ein gigantischer Haftungsrahmen besteht und die angeblichen Bedingungen erst in der Zukunft bei weiteren Hilfen greifen und selbst das ungewiß ist.

Dabei ist diese Krise alles andere als eine "stärkende", wie Merkel meint und längst nicht beendet, wie Schäuble suggeriert. Sie vergiftet derzeit das Verhältnis zwischen den Euroländern, und sie ist vor allem weit von jeder Lösung entfernt und droht eher, noch weit schlimmer zu werden. Die meisten Menschen können sich keine Vorstellung machen, wie unglaublich hoch der globale Schuldenberg inzwischen geworden ist, auf dessen Spitze die alten Industrieländer mühsam balllancierend vom Absturz bedroht sind. Das Verhältnis von Schuld zu Wirtschaftsleistung (BIP) der 18 Kernländer der OECD stieg in den 30 Jahren zwischen 1980 und 2010 von 160 % auf mehr als das Doppelte, nämlich 321 %. Darin stieg real nach Inflation die Verschuldung der Wirtschaftsunternehmen um 300 %, der Regierungen um 425 % und der privaten Haushalte um 600 % (Abb. 16730). Hinzu kommen noch einerseits steigende Kosten für die Sozialversorgung der zunehmend alternden Bevölkerungen, was beispielsweise in Deutschland die Staatsverschuldung von 87 % auf 505 % bringen würde, wenn man die schon begründeten, aber noch nicht in der Rentenversicherung angesparten Versorgungslasten einbeziehen würde. Andererseits laufen die Finanzsektoren auf einer in der Vergangenheit nie beobachteten Hebelung ihres Eigenkapitals über eine gigantische Kreditaufnahme. Der Gesamtbetrag an Schulden und ungedeckten Sozialverpflichtungen von 10 Ländern in der Größenordnung von über 233 Billionen US$ ist einfach unvorstellbar; er entspricht etwa dem 81-Fachen der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands (Abb. 16731). Wie die Bundeskanzlerin aus einer solchen globalen Krise das extrem exportabhängige Deutschland gestärkt herausführen will, bleibt ihr Geheimnis.




Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zum Thema Kreditkrise (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2574 02-01-12: Wie der Haupt-Klimasünder China als Krisengewinnler auch noch profitabel auf der westlichen Ökowelle reitet

(bitte auch Startseite besuchen)

Die erderwärmenden CO2-Emissionen nehmen immer mehr zu (Abb. 07330). Dabei hat China die USA überholt und ist zum weitaus größten Emittenten geworden, dessen Emissionstrend weiter steil nach oben zeigt (Abb. 07374). Auch beim durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß ist China bereits bei 6,8 Tonnen angelangt und damit mehr als beispielsweise Frankreich und schon fast so viel wie Deutschland mit etwa neun Tonnen.



Doch nun wird China auch noch immer mehr zum Profiteur oder Krisengewinnler, indem es mit weit billigerer Produktion die Konkurrenten von Solarzellen von den Weltmärkten verdrängt. Es ist ein Musterbeispiel naiv kurzsichtiger Handelspolitik der westlichen Marktwirtschaften gegenüber der chinesischen Kommandowirtschaft unter Führung der KPC. Die hat den strategischen Beschluß gefaßt, weltweit die Solarwirtschaft zu übernehmen.

Längst ist China auch unter Ausnützung der Subventionen für Solarzellen und Solarenergie westlicher Industrieländer zum Weltmarktführer aufgestiegen. Die Formel ist unschlagbar: Finanzierung in den USA über den dortigen Aktienmarkt, Produktion in China und Absatz vor allem in Europa. Produziert wird auf modernsten aus Deutschland und der Schweiz importierten Maschinen, die bei riesigen Serien Tag und Nacht laufen. Sobald China solche Maschinen selbst herstellen kann, werden es chinesische sein. Dazu kommen günstige Grundstücke der Regierung und sehr günstige Kredite durch die staatliche China Development Bank. Und natürlich niedrigste Arbeitskosten ohne unabhängige Gewerkschaften und ein anerkanntes Streikrecht sowie eine für den Export nach unten manipulierte Währung. Im Ergebnis liegen die Produktionskosten um 30 bis 40 % unter jenen der deutschen Hersteller.



So tritt in China ein Solargigant nach dem anderen auf die Bühne. 2010 konnten chinesische Unternehmen bereits 45 % des weltweiten Umsatzes im Fotovoltaikmarkt auf sich vereinigten, während es 2009 noch 36 % gewesen waren. Die operativen Gewinne versechsfachten die chinesischen Firmen dabei auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2010.

Der nächste chinesische Schritt ist die weltweite Marktführerschaft bei Ökostrom. So hat das chinesische Unternehmen China Three Gorges (CTG) jetzt den portugiesischen Stromkonzern EDP übernommen und bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags das Ziel der weltweiten Marktführerschaft bei erneuerbaren Energien angekündigt. CTG hatte sich bei der Privatisierungsausschreibung gegen den größten deutschen Energiekonzern E.on und zwei Unternehmen aus Brasilien durchgesetzt. Den Zuschlag bekam das Unternehmen unter anderem, weil die Chinesen in ihrer Offerte Investitionen von mindestens vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatten. Außerdem kündigte der Wasserkraft-Erzeuger an, in Portugal den Bau einer Windturbinenfabrik zu finanzieren.

In Nordhessen an der Autobahn A7 errichtete die Risen Energy einen 1,8 MW Solarpark (siehe Abb.). Risen Energy ist ein chinesischer Hersteller von Fotovoltaik-Panelen. Sie werden auf modernsten Anlagen aus deutscher Fabrikation südlich von Shanghai gebaut. Dieses Projekt trägt den Namen D1, weitere sind in Deutschland geplant. Der Zweckverband vergab diese Fläche an die chinesische Firma, da sie 3,5 statt 2,4 % des Stromertrags für die Pacht zahlt. Eine Bürgergenossenschaft, die sich ebenfalls beworben hatte, wurde gar nicht erst in Betracht gezogen. Die Stromumlage für Freiflächenanlagen liegt etwa um das Vierfache über den Preis der Strombörse. Damit ist ein für 20 Jahre garantierter Gewinn gesichert, den die deutschen Stromkunden zahlen und der nicht in die regionale Wirtschaft sondern nach China fließt. Was einstmals als Förderung für den Markteintritt gedacht war, mit der Forschung und Entwicklung gefördert werden sollten, ist durch die stürmische Entwicklung längst überholt. Die deutschen Firmen gehen in die Insolvenz (Solon, Solar Millennium) während das chinesische Unternehmen mit Hightech-Anlagen Fördergelder deutscher Klein-Verbraucher abzieht.


Bei solcher Konkurrenz knicken die Konkurrenten ein. 2011 meldete der US-Hersteller Evergreen Solar Insolvenz an und verlegte die eigene Herstellung nach China. Evergreen Solar, Solyndra, Beacon Power oder Spectra Watt hatten bereits aufgeben müssen. Das US-Unternehmen First Solar, einst größte Fotovoltaikanbieter der Welt, wurde vom chinesischen Konzern Trina Solar verdrängt. Auch die deutschen Hersteller sind dem chinesischen Preisdruck fast hilflos ausgesetzt. Q-Cells , einst Vorzeigeunternehmen der Branche, verlagert nach hohen Verlusten nun die Produktion nach Malaysia. Bereits im Oktober 2010 meldete die sächsische Signet Solar mit noch 129 Mitarbeitern Insolvenz an. Im Oktober 2011 war dann die ebenfalls in Sachsen ansässige Arise Technologies Deutschland mit hierzulande knapp 100 Mitarbeitern dran. Jüngstes Opfer der China-Konkurrenz ist Solon in Berlin mit bisher noch 530 Mitarbeitern in Deutschland. Der Kostendruck durch die asiatische Billigkonkurrenz zwang das Unternehmen in den vergangenen Jahren dazu, immer mehr eigene Kapazitäten in Deutschland stillzulegen. Ein weiterer Grund liegt in den Billigimporten begründet, die auch den US-Markt aus Asien überschwemmen. Die Chinesen treten nun auch an, um deutsche Unternehmen der Solarbranche aufzukaufen. So steigt LDK Solar, Weltmarktführer bei Wafern, beim kleineren deutschen Hersteller Sunways ein, um ihn später ganz zu übernehmen.

Vor diesem Hintergrund warf der Chef des zweitgrößten deutschen Solarunternehmens Solarworld den chinesischen Herstellern unter anderem Preisdumping, unzulässige Subventionierungen, Verletzung von Sozialstandards, Qualitätsstandards und Umweltstandards vor - und reichte eine Petition gegen die Billigimporte ein. Auch US-Präsident Obama erklärte, er beobachte die Entwicklung der chinesischen Solarindustrie mit Sorge. Es gebe eine Menge fragwürdiger Wettbewerbspraktiken von Seiten Chinas. Er werde die US-Handelsgesetze deutlich aggressiver durchzusetzen als vorherige Regierungen. Er wolle die Petition von Solarworld und anderen US-Solarfirmen genau prüfen und handeln, sollte gegen Regeln verstoßen worden sein.

Und die Solarwirtschaft ist nur ein Beispiel für die chinesische Strategie. Vielleicht glaubt da jemand, daß China nach Übernahme der Weltindustrieproduktion unsere Renten bezahlen wird?


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu "Und sie erwärmt sich doch" (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2573 31-12-11: Italien kommt nicht aus dem Schneider und damit auch nicht der Euro

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Erleichterung über eine Absenkung des Zinses, den Italien für seine Staatsanleihen entrichten muß, war nur kurz. Nun liegt er wieder über 7 % in einer längerfristig nicht verkraftbaren Größenordnung (Abb. 16380).


Dabei ist die Finanzierung der italienischen Verschuldung zur Achillesferse des Euro geworden. Denn Italien trägt nach Deutschland die bei Weitem größte Staatsschuld in Europa mit sich herum (Abb. 16728) und wird - bezogen auf den Anteil an der Wirtschaftsleistung nur noch von Griechenland übertroffen (Abb. 16636). Die Staatsausgaben sind in den vergangenen Jahren weit stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung des Landes (Abb. 16713).






Die Schuldenquote wird noch erheblich steigen, weil Italien im kommenden Jahr ein erneuter Wirtschaftseinbruch bevorsteht und Italien über die vergangenen Jahre ohnehin kaum Wirtschaftswachstum verzeichnete (Abb. 16729). Die vorausschauenden Indikatoren sind bei Italien besonders ungünstig (Abb. 12192, 13544).




Vor allem muß Italien im ersten Halbjahr 2012 einen großen Teil seiner Staatsschuld refinanzieren (Abb. 16385). Gleichzeitig muß Italien eine demokratische Lösung für eine neue Regierung finden, was in diesem Lande immer schwierig ist.


Da gibt es weder für Italien noch für den Euro viel Grund zum Optimismus im kommenden Jahr.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2572 30-12-11: Deutschland so schlimm wie China: Löhne, von denen man nicht leben kann

(bitte auch Startseite besuchen)

Die deutsche Soziallandschaft wird von real fallenden Arbeitseinkommen und stagnierenden Sozialrenten bei rasant steigenden Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen markiert (Abb. 14849). Seit dem Jahr 2000 sind die Arbeitseinkommen in Deutschland inflationsbereinigt immer weiter gesunken, beim Bruttoeinkommen eines mittleren Angestellten bereits um 7,4 % (Abb. 17189). Die deutschen Arbeitskosten pro Stunde, die mal zu den höchsten zählten, fielen in die Mitte zurück, nur noch von den Eurokrisenländern, Großbritannien und Österreich unterboten (Abb. 12069). Der Arbeitskostenindex drehte in diesem Jahr sogar erstmals auf einen negativen Wert verglichen mit dem Vorjahr (Abb. 04803).





Im 3. Quartal 2011 stiegen die Reallöhne nur noch um magerste 0,6 % gegenüber Vorjahr und setzten damit den Rückgang seit mehr als einem Jahr fort (Abb. 13457). Ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich Erziehung und Unterricht kam es sogar zu einer Absenkung um 1,4 %.


Auch in Deutschland geht dabei die Schere innerhalb der Arbeitseinkommen immer weiter auf. Die Höchstverdiener im obersten Zehntel haben über die letzten Jahre verbraucherpreisbereinigt noch einmal um 2,6 % zulegen können, während im untersten Zehntel 10,1 % verloren gingen. Dementsprechend spitz sind die Einkommenspyramide (Abb. 17194) und dann auch die Vermögenspyramide geworden (Abb. 14178).



Seit Jahren sind in Deutschland befristete und Leiharbeitsverhältnisse hochgewachsen, die in der Regel wesentlich schlechter bezahlt sind und deren Zahl nun schon bei 3,6 Millionen liegt (Abb. 17118). Der Niedriglohnanteil hat daher in keinem Vergleichsland über die 10 Jahre bis 2008 so stark zugenommen wie in Deutschland, wobei neuere Daten leider nicht vorliegen, was schon für sich bezeichnend ist (Abb. 15921). Die Hälfte aller Leiharbeitsverhältnisse dauert nicht länger als 3 Monate.



Nach neuen Auswertungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen vom November 2011 arbeiteten im Jahr 2009 fast 3,6 Mio Beschäftigte in Deutschland für weniger als 7 Euro brutto pro Stunde. Dies entspricht gut 11 % aller Beschäftigten; mehr als 1,2 Mio bekamen sogar einen Stundenlohn von weniger als 5 Euro. Selbst bei einer Vollzeitbeschäftigung liegt das monatliche Erwerbseinkommen bei solchen Stundenlöhnen nur bei rund 800 Euro oder sogar darunter, was nach Ansicht des IAQ selbst bei Alleinstehenden nicht zum Leben reicht. Unter 8,50 Euro, also der von den Gewerkschaften als Mindestlohn geforderten Bezahlung pro Stunde, arbeiteten 2009 fast 5,8 Mio Beschäftigte (noch ohne Schüler, Studierende und Rentner sowie Nebenjobber).



Auch nach der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts vom 29.12.2011 auf der Grundlage einer Auswertung von 600 Flächentarifverträgen werden in vielen Branchen Billigglöhne gezahlt und schreiben viele Tarifverträge nach wie vor Stundenlöhne fest, die selbst deutlich unter dem Niveau der bislang vereinbarten Mindestlöhne liegen. Trotz eines Tarifvertrages wird in einigen Branchen in Deutschland ein Stundenlohn von weniger als 6,50 Euro gezahlt. Vor allem gering qualifizierte Beschäftigte in Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen kommen auf niedrige Tarifverdienste. Im Ernährungsgewerbe etwa beginnt der Tarifverdienst im Konditorenhandwerk in Bayern bei 5,26 Euro und im Fleischerhandwerk in Sachsen bei 6,00 Euro pro Stunde.


Weiterlesen im Wochenbrief "Mein Sozialbericht 2011" mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2571 30-12-11: Einbrechender Euro-Kurs: Immer mehr Verwerfungen in Richtung einseitiger Exportlastigkeit bei zusammengepreßter Binnenkaufkraft

(bitte auch Startseite besuchen)

Seit dem Ausbruch der Eurokrise Mitte vergangenen Jahres und dem sich daran anschließenden steilen Absturz des Euro gegenüber dem Dollar hatte sich der Euro bis Mai dieses Jahres wieder erholen können. Doch dann knickte er immer weiter ein und hat in den 7 Monaten bis heute schon mehr als 13 % verloren (Abb. 16720).


Man muß damit rechnen, daß sich der Wertverlust des Euro bei wahrscheinlich noch zunehmender Krise weiter verschärfen wird. Damit wird der deutsche Export immer stärker subventioniert und werden immer mehr Überschüsse aufgebaut, wobei die Kapitaleigner der deutschen Exportunternehmen und ihre Zulieferer den Vorteil haben. Die Kosten fallen auf die deutschen Verbraucher, die mehr für Rohstoffe, Energie, einige Lebensmittel und alle anderen Importwaren aus dem Nicht-Euro-Raum zahlen müssen. Während die einseitige schon jetzt weit überdimensionale Exportabhängigkeit wächst, schrumpft so die für den Binnenmarkt verfügbare Kaufkraft. Die Ergebnisse sind für die Volkswirtschaft alles andere als günstig und bedeuten auch eine ständigen Wohlstandstransfer von Otto Normalverbraucher auf die reichen Kapitaleigner, die ihre Gewinne nicht über höhere Löhne weitergeben.



In sozialer Hinsicht wirkt die Verteuerung der Importe für die Verbraucher wie die von der Bundesregierung 2007 vorgenommene Mehrwertsteuererhöhung, nur auf längere Dauer und weiter fallendem Eurokurs noch weit stärker. Bei der waren nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Spitzenverlierer die Arbeitslosen und Rentner (Abb. 04110).


Es wir Zeit, in Deutschland über eine höhere Besteuerung der Exporte nachzudenken, um die Wettbewerbsverfälschung durch den für Deutschland viel zu niedrigen Eurokurs auszugleichen und gleichzeitig aus dem Steueraufkommen zusätzliche Sozialleistungen zu finanzieren, die dann in die Binnenwirtschaft fließen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2570 28-12-11: Eurokrise: Absichtliche oder unabsichtliche Wahrnehmungsstörungen deutscher Linker

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist schon ein intellektuelles Verwirrspiel, in diesen Tagen durch Kommentare mehr oder weniger namhafter deutscher Linker zur Eurokrise zu blättern und die vorgeschlagenen Rezepte zu lesen, die so wenig mit den Interessen der kleinen Leute in Deutschland, vor allem normaler Arbeitnehmer und Rentner, übereinstimmen. Besonders herausragende Beispiele in der letzten online-Ausgabe der Zeit sind Peer Steinbrück für die SPD und Gustav Horn für das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Sie werfen Merkel vor, dem deutschen Image zu schaden, plädieren für eine Vergemeinschaftung der Schulden und einen massiven Einsatz der Notenpresse der EZB.

Zunächst eine kurze Rückblende, damit das Gedächtnis nicht zu kurz greift. Steinbrück schwärmte einst bezogen auf die friedliche Schweiz von der "siebten Kavallerie in Fort Yuma, die man auch ausreiten lassen kann. Sie muß aber nicht unbedingt ausrücken: Die Indianer müssen nur wissen, daß es sie gibt." Für die Schweiz prägte er fortan das Bild vom "häßlichen Deutschen", einen Vorwurf, den er heute mehr oder weniger der Bundeskanzlerin macht. Und dies aus seiner Rede "Europa gelingt gemeinsam" vom 7. Februar 2007 in Berlin zur damaligen deutschen EU-Präsidentschaft:

"Auch wenn viele Aufgaben noch vor uns liegen, eines wird doch deutlich und sollte allen, die für Veränderungen stehen und diese managen Mut machen. Die Erkenntnis, wenn die Politik ernsthaft Strukturreformen wie die Agenda 2010 durchführt, stellen sich mit der für Strukturreformen typischen Zeitverzögerung erste Erfolge ein. Wenn in den Unternehmen konsequent die Kostenseite in Ordnung und auf Innovationen und Qualitätsverbesserungen gesetzt wird, reicht die Kraft nach wie vor zum Titel des Exportweltmeisters. Wenn dann noch Arbeitnehmer und Gewerkschaften durch maßvolle Lohnabschlüsse und mehr Arbeitszeitflexibilität den Unternehmern deutlich signalisieren, daß wieder mehr Menschen eingestellt werden können, dann kommen wir in diesem Land in der Mitte Europas auch wieder voran. Schritt für Schritt zwar, nicht mit dem einen großen Wurf, dafür solide, hartnäckig und verlässlich. Ich möchte fast sagen: Im guten Sinne typisch Deutsch! Der Euro hat zu der erhofften Stärkung des innereuropäischen Handels geführt. Dies zeigt auch, dass Deutschland ohne den Euro sicherlich nicht den Titel des mehrmaligen Exportweltmeisters errungen hätte. Ohne den Handel mit unseren europäischen Nachbarn wäre Deutschland - statt stolzer Exportweltmeister - nur noch der 5. größte Exporteur der Welt!"

Hier entpuppte sich Steinbrück als hartnäckiger Vertreter der Agenda 2010 zur Kürzung der Sozialleistungen und von "maßvollen" Lohnabschlüssen (sprich deutschem Lohndumping) und als großer Anhänger einer vom Euro unterfütterten und auf Niedriglöhnen aufbauenden Exportweltmeisterschaft, die nun zu einem riesigen Problem für eben diesen Euro geworden ist. Statt seine Mitverantwortung einzuräumen, plädiert der Steinbrück von heute für die Notenpresse der EZB und für eine Haftungsgemeinschaft, die ja praktisch nur eine Schuldengemeinschaft sein kann, und gleichzeitig für weniger Haushaltsdisziplin der Schuldnerländer, die er als "selbstmörderisch" verurteilt. Er beschwört dann ein angebliches Aufbauprogramm, das nicht einmal in Umrissen erkennbar ist und bestimmt nur nach erheblichen Lohnsenkungen in diesen Ländern funktionieren könnte, die aber Steinbrück - wie die anderen Vertreter der deutschen Linken - nicht in Betracht zieht:

"Was die realwirtschaftliche Lage in den hilfsbedürftigen Staaten betrifft, fehlt jeder Ansatz, ihnen nicht ausschließlich einen selbstmörderischen Konsolidierungskurs abzuverlangen, sondern sie endlich (!) mit einem wirtschaftlichen Aufbauprogramm und wo nötig mit administrativem Know-how zu unterstützen. Anders werden diese Länder die Voraussetzungen für Wachstum, Einnahmen und damit für eine Rückkehr auf die Kapitalmärkte nicht herstellen können. Darin liegt die eigentliche Unwahrhaftigkeit der deutschen Regierungspolitik: In der innenpolitischen Debatte wird eine Haftungsgemeinschaft gegen alle Fakten geleugnet und vehement abgelehnt."

Und als "Brückenlösung" verlangt Steinbrück eine Finanzierung der Schuldenstaaten durch die EZB, entweder direkt oder in Durchleitung der Mittel über den Euro-Rettungsfonds. Was das Deutschland und normale deutsche Steuerzahler und Verbraucher durch Verluste der EZB und erheblich mehr Steuern und am Ende mehr Inflation kosten würde, verrät er nicht und deutet es nicht einmal an. Die Eurorettung also zum Null-Tarif, wie weiland Kohls blühende Landschaften? Das ist umso widersprüchlicher, als der SPD-Parteitag gerade unter Druck von Steinbrück die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, die das deutsche Steuersystem und damit die Lastentragung aus der Eurorettung sozialer machen würde, abgelehnt hat.



Gustav Horn legt, ebenfalls in einem Gastkommentar für "Die Zeit", noch oben drauf:

"Die in Deutschland gängige Interpretation, dass es sich im Kern um eine Staatsschuldenkrise handelt, ist falsch und kann nur mit einer ideologisch bedingten Verengung des Blickfeldes erklärt werden. Offenbar soll vergessen werden, wie die hohe Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren eigentlich entstanden ist: Nicht durch üppige Sozialprogramme oder Subventionsorgien, sondern vor allem anderen durch die teure, aber notwendige Stabilisierung des Bankensektors. Es muss eine Gesamthaftung für mindestens einen Teil der Staatsschulden und zumindest für eine gewisse Zeit geben. Das alles sollte von einem mittelfristig ausgerichteten Konsolidierungskurs begleitet werden, der eine Rezession im Euro-Raum vermeidet.

Es wird aber immer wieder deutlich werden, dass die bisherigen Beschlüsse mit dem Ziel, den Euro zu halten, nicht in Einklang zu bringen sind. So wie die Haltung der Deutschen zu einem Schuldenschnitt bereits mehrfach revidiert wurde, ist dies im Laufe des kommenden Jahres auch mit allen anderen Positionen zu erwarten, bis alle bisherigen Positionen geräumt sind. Erst dann wird wieder Stabilität im Euro-Raum einkehren. Sollte es aber alles ganz anders kommen und Europa auf dem bisherigen Kurs beharren, dann ist die Krise stärker als jede Ideologie. Das Ende des Euro in seiner bisherigen Form wäre gewiß."

Hier wird also - eingerahmt von der Euro-Untergangsparole - behauptet, die Staatsverschuldung sei in den vergangen Jahren nur durch die Bankenrettung entstanden und nicht durch zu viel Staatsausgaben. Dann wird, wie bei Steinbrück, eine Gesamthaftung gefordert, also des deutschen Steuerzahlers für die Schulden der Anderen und ein nicht weiter erklärter Konsolidierungskurs. Und schließlich soll die Bundesregierung alle Widerstände gegen die Forderungen der Europartner, von einer Aufstockung der Rettungspakete über Eurobonds bis zur Druckmaschine der EZB, aufgeben. Nur dann soll wundersamerweise wieder Eurostabilität einkehren.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di schießt mit ihrer Broschüre "Achtung: Europa in Gefahr" in die gleiche Richtung. So heißt es in der Dokumentation beispielsweise:

"Die Schulden sind erst infolge der Finanzkrise überall stark angestiegen. Überall sollen jetzt die Beschäftigten und ihre Familien für die Krise der Zocker zahlen. Die Beschäftigten in Südeuropa haben ebenso wenig über ihre Verhältnisse gelebt wie wir.

Bis zur Krise lagen die Staatsquoten - also die Staatsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung - in den südeuropäischen Ländern im Schnitt sogar unter denen der Euro-Länder. In Griechenland lag sie kurz vor der Krise noch unter der ohnehin niedrigen deutschen.

Besonders die Bundesregierung hat sich bisher geweigert, zügig notwendige Maßnahmen zu ergreifen."

Und ein kleines von ver.di verbreitetes Video ergänzt:

"Die Verschuldung Griechenlands ist erst nach der Finanzkrise so extrem in die Höhe geschossen, wie in allen anderen Ländern auch".

Leider wird bei Horn und ver.di vieles zusammengeworfen, was nicht zusammengehört. Während die irische Staatsverschuldung ganz eindeutig aus einer Bankenkrise entstanden ist, kann das für Griechenland nicht gesagt werden. Dort leiden die Banken unter der Schuldenkrise des Staates und nicht umgekehrt; Ähnliches gilt für das größte Schuldnerland Italien. Sowohl in Griechenland wie in Italien waren die Banken und die Bankenaufsicht viel vorsichtiger als in Deutschland. Horn und ver.di sind da eindeutig auf dem Holzweg.

Andererseits haben - entgegen der Darstellung bei Horn und ver.di - die Beschäftigten in vielen heutigen Krisenländern bis zum Ausbruch der Krise ihre Löhne viel zu sehr über die Produktivitätsentwicklung hinaus angezogen und damit die Stücklohnkosten und die eigene Wettbewerbsfähigkeit untergraben. Das gilt vor allem für Griechenland und Spanien (Abb. 15403, 15404, 15684).




Damit haben die Beschäftigten - anders als ver.di behauptet - zumindest in Griechenland und Spanien viel mehr über ihre Verhältnisse gelebt als ihre Pendants in Deutschland. Real ist die Nachfrage der privaten Haushalte seit 2000 bis zum Ausbruch der Krise in 2008 in Griechenland real um enorme 39 % gestiegen, in Spanien immer noch um 27 % und das gegenüber Deutschland mit nur 3,5 % (Abb. 15405).


Hier noch weitere Fakten zu den griechischen Verhältnissen: Das griechische Rentenniveau lag nach OECD-Angaben bis zur Krise bei 111 % des letzten Arbeitseinkommens, das deutsche bei 61 %. In Griechenland gingen Männer mit 55 in Rente und Frauen mit 50, wenn sie einen "mühevollen" Beruf haben, wobei als "mühevoll" etwa 600 Berufe klassifiziert sind, wie etwa Friseur, Radioansager, Kellner oder Musiker. Griechische Beamten bekamen gleich zweimal - im Mai und wieder im Dezember - doppelte Monatsgehälter (in Deutschland wurde dagegen die Sonderzahlung zu Weihnachten schon 2004 auf 60 % eines Monatsgehalts begrenzt und dann 2006 auf nur noch 30 % zurückgefahren). Der öffentliche Dienst zahlte wesentlich höhere Arbeitseinkommen als der Privatsektor. So stehen bei der griechischen Bahn einem jährlichen Umsatz von 100 Millionen Gehaltszahlungen von 400 Millionen gegenüber, sowie 300 Millionen an sonstigen Ausgaben; ein durchschnittlicher Bahnangestellter verdiente 65.000 im Jahr, vom Schrankenwärter bis zum Lokomotivführer. Seit 1980 hatte sich das Personal im wenig produktiven Staatssektor auf 1 Million verdreifacht.

Auch stimmt es nicht, daß die Verschuldung Griechenlands erst nach der Finanzkrise so extrem in die Höhe gegangen sei. Schon spätestens Mitte des vergangenen Jahrzehnts begann bei Griechenland die steile Aufwärtsentwicklung (Abb. 16721). Selbst wenn man auf die Verschuldungsquote als Verhältnis zur Wirtschaftsleistung abstellt, so ist auch die noch bis 2008, also in normalen Zeiten und das bereits seit 2003 stark angestiegen (Abb. 16722), auch wenn danach der Anstieg wegen des Zusammenbruchs der Bezugsgröße Wirtschaftsleistung noch erheblich zunahm. Statt dessen die ganze Schuld der Schuldkrise namenslosen "Zockern" in die Schuhe zu schieben, geht an den Realitäten vorbei.



Damit findet sich leider in den Ausführungen von Steinbrück, Horn und ver.di, bei der wohl vorrangigen Suche nach Kritik an der Bundesregierung, sehr viel Unrichtiges und werden die möglichen Kosten einer Haftungs- oder Schuldengemeinschaft nicht vermittelt. So verliert die Argumentation viel an Überzeugungskraft, vor allem bei denen, die die Unrichtigkeiten durchschauen können.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2569 27-12-11: Achtung drohende Stealth-Strategie der Notenbanken für die Entschuldung der Staaten (und Sanierung der Eurozone)!

Hinter den Kulissen sind sich Regierungen und Notenbanken wahrscheinlich längst einig: Gesucht wird mehr Inflation bei niedrigsten Zinsraten, um so in einem viele Jahre dauernden Prozeß zu einer Entschuldung der Staaten zu kommen, ohne den politisch heiklen Weg über Steuererhöhungen und vor allem mehr Steuern für die einflußreichen vermögenden Schichten der Bevölkerungen zu gehen. Dazu müssen die Notenbankzinsen niedrig gehalten werden und gleichzeitig die Notenpressen unter Volldampf arbeiten. So wurden auch in der Vergangenheit immer wieder Staatsschulden abgebaut.

Die Regierungen der Eurozone werden sich außerdem von einer solchen Entwicklung die dringend notwendige Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Eurozone erhoffen, weil in den solider finanzierten Euroländern bei besserer Konjunktur und besserer Nachfrage die Inflation stärker anspringen wird als in den Krisenländern. Arbeit wird damit im Zentrum teuerer, während sie in der Krisenperipherie eher billiger wird.

Die Financial Times schreibt dazu am 23. Dezember unter Bezug auf eine Arbeit von Reinhart und Sbrancia:

"Wenn Staatsanleihen jahrelang zu ungünstigen Preisen (unterhalb der Inflationsrate) gekauft werden, hilft diese implizite, raffinierte Subvention den Regierungen, ihren Schuldenberg über mehrere Jahre abzutragen. Die Schönheit dieser Stealth-Subvention ist genau das: zu raffiniert für die meisten Wähler, um sie zu verstehen."

Tatsächlich haben Carmen Reinhart und M. Belen Sbrancia in einer Veröffentlichung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Arbeitspapier 363: "Die Liquidierung der Staatsverschuldung" vom November 2011) nachgewiesen, daß die hohe Staatenverschuldung nach Ende des 2. Weltkriegs etwa zur Hälfte auf diese raffinierte Weise einer "finanziellen Repression" abgebaut wurde (Abb. 16723). In der Zeitphase 19945-1980 lag die reale Zinsrate der Staatsanleihen (nach Abzug der Inflation) bei minus 1,6 % (Abb. 16724). Ahnliche Feststellungen zu Phasen finanzieller Repression konnten sie für viele Entwicklungsländer treffen.



Angesichts in der derzeitigen krisenhaften Konjunkturlage gedämpfter Kreditnachfrage gehen die Banken jetzt wieder mehr dazu über, Staatsanleihen zu kaufen, selbst wenn deren Zinsen teilweise bereits unter den Inflationsraten liegen, wie z.B. in Deutschland. So hält in Japan die Bank of Tokyo Mitsubishi erstmals mehr japanische Staatsanleihen als Kredite an japanische Unternehmen und Verbraucher. Die neue massive Flutung der Banken mit fast einer halben Billion Euro durch die EZB wird in den Krisenstaaten zu mehr Kauf von dortigen Staatsanleihen durch die Banken führen, selbst wenn die Zinsen unterhalb der mit solchen Papieren verbundenen Risiken liegen dürften. Auch die 442 Mrd Euro EZB-Kredite für die Banken von vor zwei Jahren waren zur Hälfte zum Kauf von Staatsanleihen eingesetzt worden.



Sollte ein Mindestmaß an Spielregeln für die künftige Abstimmung der Haushaltspolitiken zwischen den Euroregierungen vereinbart werden, so wird das der EZB wahrscheinlich reichen, um selbst massiv Neuemissionen von Staatsanleihen der Krisenstaaten zu niedrigsten Zinsen aufzukaufen. Man muß sich vorstellen: bei 1 % Zins und 5 % Inflation sind die Schulden nach 17 Jahren halbiert und nach nur 10 Jahren schon um ein Drittel abgebaut.

So hält denn auch Kenneth Rogoff von der Harvard University, der ein überall anerkannter Krisenspezialist ist und jahrelang Chefökonom des Internationalen Währungsfonds war, eine dauerhafte Inflation in der Eurozone für unvermeidbar, falls nicht eine neue Verfassung durchgesetzt werden kann.

Schon jetzt sind die Notenbanken mit ihren Zinsraten erheblich unter die Inflationsraten gegangen und fahren zunehmend mit real negativen Zinsraten unter Vernachlässigung von Inflationsbegrenzungszielen: EZB - 2,0 %, FED -3,3 % und BoE -4,3 % (Abb. 16317, 16725).



Eine solche Strategie der Staatenentschuldung durch Inflation wäre nur wieder ein weiterer Akt der Umverteilung von unten, zumal wenn damit eine höhere Besteuerung der Vermögenden vermieden werden soll. Die linken Parteien in Deutschland sind leider - obgleich angeblich Vertreter der kleinen Leute - nicht willens, die Risiken aus der Notenpresse der EZB zu begreifen und setzen sich geradezu für das Geldrucken ein. Die Politiker, die uns das britische Beispiel für die EZB empfehlen, werden sich wahrscheinlich gar nicht bewußt sein, daß sich dann Ersparnisse bei einer real negativen Zinsrate von 4,3 % in nur 8 Jahren um 30 % entwerten würden.


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2568 23-12-11: Deutschland mit im internationalen Vergleich stärkstem Zuwachs an Niedriglohnanteil bei auf den Schulen ausgebremster Aufwärtsmobilität

(bitte auch Startseite besuchen)

Seit Jahren sind in Deutschland befristete und Leiharbeitsverhältnisse hochgewachsen, die in der Regel wesentlich schlechter bezahlt sind und deren Zahl nun schon bei 3,6 Millionen liegt. Nach Berechnungen der OECD hat der Niedriglohnanteil in keinem Vergleichsland über die 10 Jahre bis 2008 so stark zugenommen wie in Deutschland (Abb. 15921).


Nach der gestrigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts stiegen die Reallöhne 1m 3. Quartal 2011 nur noch um magerste 0,6 % gegenüber Vorjahr und setzten damit den Rückgang seit mehr als einem Jahr fort (Abb. 13457). Ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich Erziehung und Unterricht kam es sogar zu einer Absenkung um 1,4 %.


Eine andere Statistik des Statistischen Bundesamts zeigt, wie stark die Aufwärtsmobilität in Deutschland schon an den Schulen ausgebremst wird. Die Bildungsabschlüsse der Kinder entsprechen weitgehend denjenigen der Eltern (Abb. 17215). Den Gymnasialabschluß erreichen Kinder, bei denen 59 % der Eltern die Fachhochschul- oder Hochschulreife erreicht hatten, und weniger als 9 % nur bis zum Hauptschulabschluß gekommen waren. Umgekehrt haben Eltern von Kindern mit Hauptschulabschluß zu mehr als 46 % selbst nur die Hauptschule besucht und nur zu 13 % die Fachhochschul- oder Hochschulreife.



Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema unter "Mein Sozialbericht 2011"(kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2567 22-12-11: EZB-Notenpresse im Overdrive: +3.5000 Euro = 18.000/Kopf: Nun druckt mal schön!

(bitte auch Startseite besuchen)

Die bisher noch zurückhaltend erscheinende EZB läßt nun die Hemmungen vor der Notenpresse dramatisch fallen. Für fast 500 Mrd Euro schleust sie eine Euroflut an Krediten auf drei Jahre für nur 1 % Zins in die Banken. Bisher gab es solches Geld immer nur für einige Monate und in wesentlich kleineren Scheibchen. Die neue Geldmenge addiert sich zu der seit 2003 um 1,6 Billionen Euro aufgeblasenen Bilanz der EZB, worin auch der Aufkauf von Staatsanleihen der Krisenländer enthalten ist (Abb. 16572). Daneben gibt es die gut geölten Notenpressen der verschiedenen Notenbanken des Eurosystem. Zwar ist nicht bekannt, wieviel da bereits gedruckt wurde, doch schuldet das System allein der Bundesbank bei Target2 466 Mrd Euro (Abb. 16398). Zusammen macht das jetzt schon 2,6 Billionen Euro oder ausgeschrieben 2568688000000 Euro an künstlich geschaffener Liquidität.



Der Euro, der sich zuvor auf 1,32 pro Dollar erholt hatte, fiel gestern wieder in die Gegend von 1,30 zurück, was zeigt, wie wenig die Märkte selbst diesem Unternehmen trauen.



Pro Kopf jedes Beschäftigten der Eurozone sind das schon mehr als 18.000 Euro aus der Notenpresse ohne jede wirtschaftliche Gegenleistung. Wie die EZB diesen gigantischen Betrag vor dem nächsten Inflationsschub nach Überwindung der derzeitigen Krise schnell genug zurückholen will, bleibt ihr - alles andere als süßes - Geheimnis. Und ein noch viel bedrückendere Geheimnis ist, welche Steuerzahler die EZB mit wie viel Euros retten müssen, wenn ein Teil der Kredite und ein Teil der aufgekauften Staatsanleihen anbrennen sollte, was in einer anhaltenden Rezession durchaus passieren kann. Das Risiko ist umso größer, als einige Banken in den Krisenländern, in einer verkappten Staatenfinanzierung mit dem EZB-Geld Staatsanleihen ihrer Regierungen kaufen werden, so daß sich bei der EZB zum Bankenrisiko noch das Staatenrisiko hinzu addiert. Zudem werden die Banken just die miesen Staatspapiere der Krisenländer bei der EZB als Sicherheiten hinterlegen, so daß die EZB nicht einmal normale Kreditsicherheiten erhält. Der deutsche Steuerzahler kann das sehr schnell und sehr unangenehm zu spüren bekommen.

Zu den Gefahren aus der Notenpresse der EZB hat sich gestern in der Financial Times Kenneth Rogoff von der Harvard University, der ein überall anerkannter Krisenspezialist ist und jahrelang Chefökonom des Internationalen Währungsfonds war, geäußert. Er zeigt Verständnis für die deutschen Sorgen einer überproportionalen deutschen Haftung für eine Rekapitalisierung der EZB und einer viel höheren Inflation durch die Hintertür. Ein Explodieren der Inflation kann seiner Meinung nach wenigstens für eine Weile vermieden werden, wenn die Nordeuropäer zu einer Schuldenübernahme bereit sind. Längerfristig brauche die Eurozone jedoch eine neue Verfassung um eine dauerhafte Stagflation (=Stagnation+Inflation) zu vermeiden.

Und dann wollen uns blasierte Journalisten ohne profunde Erfahrung wie Wolfgang Münchau im SPIEGEL, weis machen, das Ganze sei total problemlos und es brauche noch mehr aus der Notenpresse. Und deutsche Politiker, wie Steinmeier oder Lafontaine, scheinen auch Anhänger der Druckmaschine zu sein. Wo bleibt da eigentlich der gesunde Menschenverstand?


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2566 20-12-11: Wenn nur noch Kapitalverkehrskontrollen die Eurozone retten und künftigen globalen Finanzmarktkrisen entgegenwirken können

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Eurokrise spitzt sich immer noch weiter zu, wie z.B. der von der Bundesbank nur mit großen Bedenken vorbereitete Kredit an den IWF zeigt oder die Schieflage der Commerzbank, die neue Staatshilfen erfordert. Auch kann man nicht mehr ausschließen, daß Italien und Spanien im kommenden Jahr die Hilfe der Europartner brauchen, obwohl dafür bisher nicht genug Mittel zur Verfügung stehen. Die Wirkung der letzten Gipfelbeschlüsse ist an den Finanzmärkten bereits wieder verpufft. In ihrem neuen Bericht zur Finanzmarktstabilität sieht die EZB erheblich gestiegene Risiken, wobei auch die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbruchs von Großbanken gestiegen sei; die Krise habe systemische Ausmaße erreicht, wie sie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht mehr beobachtet worden seien. Unter diesem Eindruck befaßt sich dieser Rundbrief mit der evtl. Notwendigkeit der Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen

Im Rahmen der Hyperglobalisierung wurden vor zwanzig Jahren auch in allen Ländern der heutigen Eurozone die bis dahin bestehenden Kapitalverkehrskontrollen abgebaut, bei Frankreich und Italien in 1990 sowie Spanien und Portugal in 1992. Die meisten Entwicklungsländer haben unter dem Druck des Washington Consensus von IWF und Weltbank noch später ihre Kontrollen aufgeben müssen. Seitdem haben die Finanzmärkte, auf denen von allen Kontrollen befreit und an ohnmächtigen Aufsichtsbehörden vorbei riesige Geldmengen blitzschnell um den Globus geschoben werden, immer mehr die Kontrolle über demokratisch gewählte Regierungen übernommen und sogar zuletzt in einigen Euroländern die Einsetzung nicht gewählter technokratischer Regierungen erzwungen. Doch umgekehrt haben Kapitalverkehrskontrollen in vielen Schwellenländern Asiens, vor allem in China, fröhliche und erfolgreiche Urstände gefeiert. Nicht zuletzt dank dieser Kontrollen können diese Länder die derzeitige schwere Kreditkrise weit besser meistern.

Unter dem lange Jahre sehr erfolgreichen Nachkriegssystem von Bretton-Woods bestand ein absoluter Konsens über die Notwendigkeit solcher Kontrollen. Sowohl in akademischen wie finanzwirtschaftlichen Kreisen war es ein anerkannter Lehrsatz, daß ein erhebliches Maß an direkter Kontrolle über private Kapitalbewegungen, namentlich im Bereich des sogenannten "heißen Geldes", für die meisten Länder auf lange Sicht wünschenswert sein würde.

In der Eurozone haben die von allen Kontrollen befreiten Kapitalströme nun einen gewaltigen Sprengsatz aufgebaut, der die ganze Eurozone auseinander sprengen kann. Aus den peripheren Krisenländern flüchtet das Geld der besser Betuchten ungehemmt und zunehmend in das für sicherer gehaltene Zentrum, vor allem Deutschland, oder auch weiter nach USA und anderer angeblich sichere Häfen. Der fallende Außenwert des Euro ist auch eine Folge solcher Kapitalverschiebungen (Abb. 16720).


So haben z.B. griechische Banken durch diese Abwanderung schon erhebliche Einlagen verloren. Mit der sich in der Eurozone nun ausbreitenden Rezession und vor allem mit der wachsenden Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone, die mit dem Widerstand der Bevölkerungen gegen die drastischen Sparmaßnahmen verbunden ist, wird sich die Absetzbewegung noch verschärfen. Auch steigende Steuerlasten werden die Absetzbewegung des Kapitals schüren. Schon jetzt haben Banken in der Eurozone Probleme, in ausreichendem Umfang Dollar bereitzustellen, so daß die Notenbanken eingreifen mußten.



Andererseits werden die Steuerzahler in den solider finanzierten Eurostaaten nicht bereit sein, immer weiter steigende Solidaritätsleistungen zu erbringen oder den beliebigen Einsatz der Notenpresse der EZB zu tolerieren. Die Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen für private Gelder oberhalb eines Schwellenwertes wird am Ende für die meisten heutigen Krisenländer unvermeidbar werden, obwohl solche Kontrollen innerhalb einer Währungsunion nicht leicht einzurichten sein werden. Je eher das passiert, umso weniger Schaden wird die Eurozone nehmen. Zudem können je nach Krisenentwicklung Kapitalverkehrskontrollen der Eurozone gegenüber dem Ausland insgesamt notwendig werden.

Es gibt aber auch längerfristige Entwicklungen in der Weltwirtschaft, die wahrscheinlich die Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen im globalen Maßstab erzwingen werden. Gestützt auf eine Studie der Bank of England sinniert selbst die hyperliberale Financial Times über einen möglichen Trend zur Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen. Nach dieser Studie sollen die heutigen Turbulenzen nur ein Vorläufer viel schlimmerer Stürme in den kommenden Jahren sein. Denn die globalen Ungleichgewichte, die die derzeitige Krise mitverursacht haben, sollen in den kommenden Jahrzehnten noch erheblich zunehmen, weil die Schwellenländer, vor allem China, Rußland, Indien und Brasilien (BRICs), immer weiter steigende Überschüsse aufbauen werden. Die werden dann Anlagen im Ausland, vor allem den alten Industrieländern, suchen, sich aber in riesigen Wellen genauso schnell wieder zurückziehen können. Die Studie berücksichtigt die erwartete Entwicklung der Volkswirtschaften, der demographischen Situation, der Sparneigung und des Kapitalexports.

Nach Schätzungen der Bank of England sind die Kapitalströme zwischen 2002 und dem Ausbruch der Krise in 2007 von 5 % auf 17 % der Weltwirtschaftsleistungen explodiert, während sich die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte von 3 % auf 6 % verdoppelten. Um 2050 könnten sich mehr als 40 % aller Auslandsvermögen in den Händen der BRICs befinden (Abb. 16716). Der Kapitalexport der Nicht-G7-Länder würde dann doppelt so groß sein wie der der G-7 Länder (sprich der größten alten Industrieländer); der deutsche wird größtenteils verschwunden sein (Abb. 16716). Die globalen Leistungsungleichgewichte würden von 4 % auf 8 % der Weltwirtschaftsleistung weiter ansteigen (Abb. 16718, 16719). Das Verhältnis der Außenbilanz zur Wirtschaftsleistung der 20 wichtigsten Länder der Welt (G20) soll von 1,3 auf 2,2 ansteigen (Abb. 16715).






Starke und plötzliche Wellenbewegungen der Kapitalströme könnten dann in den kommenden Jahrzehnten der Situation in 2008 ähneln, als die Kapitalströme auf 1 % der Weltwirtschaftsleistung zusammenbrachen. Dabei werden die meisten BRICs, vor allem China, im Schutz strikter Kapitalverkehrskontrollen operieren, während die alten Industrieländer bisher versuchen, ihre Grenzen offen zu halten. Doch bei solchen Gefahren erwartet der Bericht der Bank of England, daß einige Länder wieder Kapitalverkehrskontrollen einführen werden.

Die Ideologen der derzeitigen Hyperglobalisierung werden sich entscheiden müssen, ob sie in ihrem Widerstand gegen Kapitalverkehrskontrollen den Bestand der Eurozone und weiter verschärfte künftige globale Finanzmarktkrisen riskieren wollen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2565 17-12-11: Das Statistische Bundesamt redet mit faulen Vergleichen den Euro hart

(bitte auch Startseite besuchen)

Da meldet das Statistische Bundesamt heute:

"Seit der Euro-Bargeldeinführung im Jahr 2002 stiegen die Verbraucherpreise bis November 2011 jährlich um durchschnittlich 1,6 % an. In den zehn Jahren davor lag die Preisänderung bei durchschnittlich + 2,2 % gegenüber dem Vorjahr. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich der Euro-Bargeldeinführung vor fast zehn Jahren, am 1. Januar 2002, mit. Allerdings waren Anfang der 1990er Jahre im Zuge der deutschen Vereinigung besonders starke Preisanstiege zu beobachten. In den letzten sechs D-Mark-Jahren (1996 bis 2001) lag die durchschnittliche Jahresteuerung bei 1,4 %. Betrachtet über die gesamte D-Mark-Zeit, also von Mitte 1948 bis Ende 2001, war die durchschnittliche jährliche Inflation mit + 2,6 % höher als bislang in der Euro-Bargeldzeit."



Doch da werden wieder einmal Äpfel mit Birnen verglichen. Die 1,6 % für den Euro sind nicht mit den 2,2 % für die DM vergleichbar. Denn in die 10 Jahre DM fallen die hohen Preissteigerungen des Wiedervereinigungsbooms der Jahre 1992-94, und umgekehrt in die 10 Jahre Euro der seit 80 Jahren einmalig tiefe Einbruch durch die Kreditkrise mit einem Rückgang der Preissteigerungsrate auf nur 0,4 % im Jahre 2009. Auch der Vergleich mit der längerfristigen Entwicklung der DM seit 1948 ist unzulässig, weil darin die beiden Ölpreisschocks enthalten sind (Abb. 17212).


In den letzten sechs D-Mark-Jahren war die DM ohnehin stärker als der Euro, was selbst das Statistische Bundesamt einräumt.

Einen guten Vergleich liefert der Schweizer Franken, der immer etwas schwächer als die DM war, der aber gegenüber dem Euro immer mehr an Stärke gewonnen hat (Abb. 16267). Auch die Verbraucherpreisinflation hat sich über alle Jahre in der Schweiz geringer entwickelt als in der Eurozone (Abb. 17213). Die DM wäre mindestens so hart wie der Schweizer Franken geblieben und damit weit härter als der Euro. Die deutschen Verbraucher hätten den großen Vorteil billigerer Importwaren und einer generell wesentlich niedrigeren Inflation gehabt. Leider bringt die deutsche Presse die faulen Vergleiche des Statistischen Bundesamts ohne jede Kritik.




Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2564 15-12-11: Man hat uns in den falschen Euro-Zug gesetzt

(bitte auch Startseite besuchen)

Mit einigem Rumoren, aber doch gehorsam, wie es deutsche Sache ist, hatten sich die Deutschen den Euro von denen da oben verordnen lassen, ohne daß es eine gemeinsame Finanz- und Haushaltspolitik gab. Befragt wurden sie nie. Dafür gab es ausreichend Beruhigungssprüche. Es hätte vielleicht noch gut gehen können, hätte man nicht immer neue Schwachländer in den Euro aufgenommen und hätte man außerdem von der Brücke aus den Zusammenhalt des Geleitverbandes ausreichend überwacht und rechtzeitig die Notbremsen hereingeworfen.

Doch dann kam noch eine falsche Weichenstellung, die den Eurozug für Deutschland endgültig in die falsche Richtung fahren ließ. Bundesregierung und Exportwirtschaft in Deutschland entschieden sich für eine Politik von Lohnverzichten und Leistungsbilanzüberschüssen mit dem Ausland. Niemand dachte darüber nach, welche sozialen Kosten dadurch zu Hause entstehen würden und ob die sich gegenüber dem Ausland auftürmenden Forderungen jemals bedient werden würden.

Die sozialen Kosten zu Hause sind horrend: real fallende Arbeitseinkommen und stagnierende Sozialrenten bei rasant steigenden Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen, ein krebsartig wuchernder Niedriglohnsektor ohne Schutz durch Mindestlöhne und ein hohes Niveau an Langzeitarbeitslosigkeit, vor allem unter den Älteren. Dazu droht jetzt durch den Einsatz der Notenpresse das Spargeld der kleinen Leute in der Zange zwischen niedrigsten Zinsen und steigender Inflation abzuschmelzen. Schon der krisenbedingte Verlust des Euros an Außenwert muß bei dem hohen Anteil an Importen vor allem von Energie und Rohstoffen und einigen Lebensmitteln die Preise hochtreiben. Derzeit sinkt dieser Wert gegenüber dem Dollar bereits seit sieben Monaten ohne Aussicht auf eine rasche Stabilisierung schon um 13 % (Ab. 15170).


Seit dem Jahr 2000 sind die Arbeitseinkommen in Deutschland inflationsbereinigt immer weiter gesunken, beim Bruttoeinkommen eines mittleren Angestellten bereits um 7,4 % (Abb. 14849, 17189). Die deutschen Arbeitskosten pro Stunde, die mal in der Alt-EU zu den höchsten zählten, fielen in die Mitte zurück, nur noch von den Eurokrisenländern, Großbritannien und Österreich unterboten (Abb. 12069). Der Arbeitskostenindex drehte in diesem Jahr sogar erstmals auf einen negativen Wert verglichen mit dem Vorjahr (Abb. 04803).





Neuere Umfragen zeigen, wie stark die Deutschen inzwischen durch die Entwicklung verunsichert sind. Nach einer Umfrage der Bank of Scotland erwarten 62 %, daß sich die Schuldenkrise in Europa im kommenden Jahr weiter verschlimmert. Nur knapp 30 % gehen davon aus, daß die Auswirkungen der Krise im kommenden Jahr zwar spürbar bleiben werden, aber in geringerem Ausmaß als noch 2011 und mit einer Überwindung der Krise im kommenden Jahr rechnen nur 2 %. Nach einer Forsa-Umfrage für die Universität Stuttgart-Hohenheim und die Direktbank ING-Diba sieht gut die Hälfte der Deutschen (55,5 %) durch die Krise zudem den Wohlstand im Land bedroht. 53 % sehen auch den sozialen Zusammenhalt für gefährdet.



Einst hat ein Bundespräsident Köhler trompetet:

"Die Welt ist in einem tief greifenden Umbruch. Wer hier den Zug verpaßt, bleibt auf dem Bahnsteig stehen."

Es war wohl der falsche Zug, in den man uns gesetzt hat.


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief "Sozialreport 2011" mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2563 14-12-11: Auch Lafontaine setzt auf die Notenpresse der EZB und verkennt die Inflationsgefahren

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist schon eigenartig, wenn Lafontaine die Lösung der Eurokrise von der Notenpresse der EZB erwartet und die Infektionsgefahren leugnet, weil er bei seinem Vorschlag kein Geld in die Taschen der "kleinen Leute", sondern wohl nur in die der Reichen fließen sieht. Merkt er den Widerspruch zu seien sozialpolitischen Forderungen gar nicht? Lafontaine im "SPIEGEL"-Interview:

Lafontaine: "Um die europäischen Staaten von der Abhängigkeit der Finanzmärkte zu befreien, muss es eine direkte Kreditvergabe von der EZB an die Staaten geben."

SPIEGEL ONLINE: "Ihr Modell würde womöglich eine Zunahme der Inflation bedeuten. Viele Bundesbürger sorgen sich schon jetzt davor. Wie wollen Sie denen das erklären?"

Lafontaine: "In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass trotz der aus dem Ruder laufenden Finanzmärkte und der Spekulation auf Grundstoffe wie Öl und Nahrungsmittel eine Inflation wie in früheren Jahrzehnten nicht eingetreten ist. Inflation gibt es vereinfacht gesprochen dann, wenn mehr Geld in die Geldbeutel der kleinen Leute kommt."

Offensichtlich geht Lafontaine davon aus, daß das EZB-Geld in den Staatshaushalten hängen bleibt und die "kleinen Leute" nicht erreichen kann. Wenn das richtig wäre, wäre es zugleich sozialpolitisch falsch und widerspräche der sonstigen Lafontaine'schen Linie. Doch es ist kaum richtig. Denn Staaten, die auf die Notenpresse der EZB vertrauen können, werden weniger Steuern erheben und weniger Einschnitte in die sozialen Netze vornehmen müssen. Das erhält dann Kaufkraft, die wirtschaftspolitisch sicher erwünscht ist. Doch die wird längerfristig um den Preis steigender Preise kommen. Daß noch keine Inflation eingetreten sei, wird uns derzeit aus allen politischen Lager und nun auch von Lafontaine beruhigend zugerufen. Doch was besagt das schon, nachdem die Notenpresse der EZB noch gar nicht richtig angelaufen ist? Die schon länger laufende britische hat die Inflation dort immerhin schon auf 5 % hochgetrieben.



Inflation gibt es auch bei schwachen Wachstumsraten. So ist die Weltwirtschaft lange Jahre lang von sogenannter "Stagflation" gepiesakt worden, vor allem Ende der 60er Jahre in den USA und Großbritannien und dann Anfang der 70er Jahre in der Bundesrepublik und hier mit einer vergleichsweise lange Jahre anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation und einer vergleichsweisen hohe Inflationsrate von im 5-Jahresdurchschnitt über 6 % und einem Spitzenwert bei 7,1 % . In den 20er Jahren der großen deutschen Inflation gab es kein Wirtschaftswachstum und doch Hyperinflation mit wöchentlich um die 50 %, was sicher ein Extremfall wildgewordener Notenpressen war.

Wie kann sich da Lafontaine so sicher sein, daß die Notenpresse nicht mit zeitlichem Verzug doch zur Inflation führt? Gerade in Deutschland kann die bereits negative Zinsrate auf Ersparnisse sehr schnell zu einem Prozeß des Entsparens führen, der bei steigenden Preisen noch Fahrt aufnehmen würde. Die deutschen Ersparnisse aus allen Bevölkerungskreisen sind so aufgetürmt, daß davon sehr viel sehr schnell in den Güterkreislauf kommen kann. Es wäre ehrlicher, wenn Lafontaine sagen würde, man müßte die Inflation in Kauf nehmen, um den Euro zu retten.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2562 13-12-11: Die Staatenfinanzierung wird immer schwieriger: Der Überlebenskampf verschärft sich

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach Einschätzung der OECD steigt die Kreditaufnahme der industrialisierten Länder in diesem Jahr erstmals über 10 Billionen US$ (10,4 Billionen US$) und wird im kommenden Jahr auf 10,5 Billionen US$ weiter ansteigen. Das ist 1 Billion US$ mehr als 2007 und fast doppelt so viel wie noch in 2005. Damit wächst das Risiko, vorhandene Schulden nicht refinanzieren zu können. Besonders bedrohlich ist die immer höhere Verschuldung in kurzfristigen Anleihen, die nun schon bei 44 % liegt und die Krisenländer immer häufiger in neue Refinanzierungsoperationen, teilweise mehrfach pro Monat, zwingt, weil kurzfristige weniger Zins verlangen.



Auch stoßen die Banken immer mehr Staatsanleihen der Eurokrisenländer ab, vor allem durch Verkauf an die EZB. Der neueste Streßtest hat gezeigt, daß die Banken ihre Haltung von Anleihen der Krisenländer in den letzten 9 Monaten um 65 Mrd Euro oder weitere 13 % des Bestands auf 513 Mrd Euro gesenkt haben (Abb. 16712). Allerdings wird die Bereitschaft der EZB, jetzt solche Anleihen als Sicherheiten für die neuen 3-Jahres-Kredite an die Banken zu 1 % Zins zu akzeptieren, wahrscheinlich zu wieder mehr Käufen solcher Staatsanleihen führen. Wenn der italienische Staat derzeit für 6 bis 7 % Zins Kredit aufnehmen muß, dann wir er italienische Banken finden, die den italienischen Staat mit 1 % plus eine schöne Provision für die Bank finanzieren werden. Es wäre eine Staatenfinanzierung der EZB durch die Hintertür.


Bei wachsendem Kreditbedarf verschlechtern sich andererseits die Wirtschaftsaussichten besonders für Italien, Frankreich und Deutschland immer mehr, wie der neue Frühindikator der OECD zeigt (Abb. 12192). Das kann die Refinanzierung nicht erleichtern.


Das Jahr 2012 verspricht spannend zu werden. Werden am Ende die Schleusen der EZB-Notenpresse geöffnet?


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2561 12-12-11: Pro Beschäftigten in Deutschland demnächst (im schlimmsten Fall) bis zu 86000 Euro Haftung aus Bundesanleihen, Eurorettungsschirm und dem Eurosystem der Notenbanken und der EZB

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach dem Beschluß vom Eurogipfel sollen die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität EFSF und der neue Europäische Stabilitätsmechanismus ESM ab Mitte 2012 ein Jahr lang parallel existieren. Im März 2012 soll aber überprüft werden, ob ein höheres Volumen für den ESM notwendig ist. Es kann also durchaus sein, daß - wie von vielen Seiten gefordert - die beiden Haftungsrahmen am Ende zusammenkommen. Die Schäuble-Garantie einer maximalen deutschen Haftung (einschließlich der separaten Griechenlandhilfe) bei 211 Mrd Euro wäre dann gewaltig durchbrochen, und Deutschland würde schon für 331 Mrd Euro haften.

Sollten allerdings die 5 Krisenländer ihre hohen Staatsschulden nicht mehr bedienen können, so würde der deutsche Anteilsschlüssel bei entsprechend weniger Garantenländern von 27,1 % auf 42,2 % hochspringen und der gesamte Haftungsbetrag notwendigerweise auf 503 Mrd Euro, wenn man den Euro immer noch retten wollte. Dazu kommen dann in diesem Fall noch 556 Mrd Euro aus dem Haftungsrahmen für die Druckmaschinen von EZB (aus Aufkauf von Staatsanleihen der Krisenländer und Krediten an Banken im Rahmen von Refinanzierungsoperationen) und den Notenbanken des Eurosystems (aus target2-Konto der Bundesbank u.a., siehe Anlage 16398) von 282 Mrd Euro. Sowohl die Bilanz der EZB, wie das target2-Konto der Bundesbank sind im Rahmen der Eurokrise steil nach oben gegangen (Abb. 16572, 16398).



Außerdem prüften die Euroländer nun, dem IWF über ihre Notenbanken bilaterale Kredite von insgesamt 150 Mrd Euro zur Verfügung zu stellen, die dann von dort an die Krisenländer weitergegeben werden sollen. Davon entfielen auf die Bundesbank und damit auf Deutschland 41 Mrd Euro.

Das machte dann zusammen 1,1Billionen Euro. Um diesen Betrag - noch ohne die weiter hochlaufenden Zinsen (!) - über das deutsche Steuersystem abzutragen, müßten alle Steuereinnahmen von Bund und Ländern mehr als neun Jahre lang um jeweils ein Viertel angehoben werden.

Und dann sind da noch die eigenen deutschen Staatsschulden von 2.060 Mrd Euro. Das ergibt im schlimmsten Fall einen derzeitigen deutschen Schlußsaldo von bis zu 3,1 Billionen Euro. Teilt man diesen Betrag durch die potenziellen Zahler in Deutschland, so entfällt auf jeden in Deutschland Beschäftigten, der oberhalb der Armutsgrenze lebt (rund 37 Millionen), ein maximaler Haftungsbetrag von derzeit 85.849 Euro (Abb. 16570). Wenn allerdings die enormen Wettbewerbsdefizite der meisten Krisenländer nicht schnell überwunden werden können, was schon wegen der Verschärfung der Krise ausgeschlossen werden muß, so müssen sich diese Länder jedes Jahr zusätzlich verschulden und muß der deutsche Haftungsrahmen entsprechend weiter steigen, wenn immer noch der Euro gerettet werden soll.


Allerdings werden bei dieser Situation längst die Euronotenpressen angeworfen worden sein und werden die Verbraucher in den Nichtkrisenländern, vor allem in Deutschland, am Ende mit entsprechend hoher Inflation und teilweisem Verlust ihrer Ersparnisse und realen Einkommen die Rechnung bezahlen, sobald nach Abklingen der Rezession die Preise wieder angezogen werden können. Oder eben, es wird es keinen Euro mehr geben.



Nun sind das Betrachtungen für den schlimmsten Fall und mit ein bißchen Beten wird der uns hoffentlich erspart. Und notfalls darf man auch an Wunder glauben.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2560 09-12-11: Die verkehrte Euro-Welt der Sarah Wagenknecht

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Ober-Ideologin der Linkspartei Sarah Wagenknecht ist nun auch für die hochbürgerliche Frankfurter Allgemeine salonfähig geworden. Und so darf sie unter der Überschrift "Schluss mit Mephistos Umverteilung!" ihre Ursachenanalyse und Rezepte für die Überwindung der Eurokrise zum Besten geben. Leider gibt es da eine ganze Reihe von Denkfehlern und faktischen Unrichtigkeiten.

Ein großes Beispiel für Ihre These soll Irland sein, weil es beweisen soll, daß die Krisenländer - entgegen der Behauptung der Bundesregierung - nicht über ihre Verhältnisse gelebt hätten, sondern nur die Zocker daran schuld seien, daß die Schuldenquote dramatisch gestiegen ist. Wörtlich:

"Die banalste und dümmste, von der Bundesregierung offenbar geteilte Krisenerklärung besteht darin, dass einige Staaten jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben und deshalb jetzt zum Sparen gezwungen werden müssen. Die Grüne Insel hatte 2007 eine Staatsschuldenquote von gerade mal 25 Prozent und galt als Musterschüler gediegener Haushaltsführung. Mittlerweile hat die irische Schuldenquote 100 Prozent überschritten. Die Explosion der irischen Staatsschulden geht nahezu ausschließlich auf das Konto der irischen Banken. Tatsächlich gab es in nahezu allen Ländern einen Ausgabeposten, der fortan Extremwerte erreichte: Ausgaben zur Stützung von Finanzinstituten, die sich verzockt hatten und ihre Verluste nicht mehr tragen konnten."

Wenn Wagenknecht Irland besser kennen würde, dann wüßte sie, daß das eigentliche Zocken eine wild gewordene Immobilienspekulation war, wie sie fast überall in der angelsächsischen Welt von USA bis nach Großbritannien und beispielsweise auch in Spanien stattgefunden hat. Häuslebauer verschuldeten sich wie wild, teilweise ohne jedes Eigenkapital, weil sie mit immer niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienpreisen rechneten, und beliehen dann diese Immobilien bei steigenden Immobilienpreisen weiter, um sich andere schöne Dinge zu leisten. So zogen denn Menschen aus einer Einkommensklasse in die neuen Häuser ein, die aus der gleichen Klasse in Deutschland gerade einmal das Geld für die Miete aufbringen und nun für die Häuslebauer jenseits der deutschen Grenzen einstehen müssen. Dazu gab es die Baulöwen, die mit hohen Profiten und schönen Prospekten die Wohnanlagen hochzogen.

Und natürlich die Banken, die den Kredit unverantwortlich bereitstellten, auch weil sie sich vor allem bei dummen deutschen Landesbanken und den deutschen IKB und HRE aber auch anderen ausländischen Banken refinanzieren konnten. Dazu kamen dann noch überall schlafende Bankenaufsichtsbehörden und Regierungen. Ähnliches spielte sich im Kreditkartenbereich ab, weil man schon heute konsumieren wollte und nicht erst ansparen. Im Ergebnis haben sehr große Anteile der Bevölkerung Irlands und anderer Länder, für die Irland nur als Beispiel steht, jahrelang weit über ihre Verhältnisse gelebt und sich zu diesem Zweck heillos verschuldet. Wenn man das böse Wort vom "Zocken" überhaupt gebrauchen will, wurde an sehr vielen Enden "gezockt". Am Ende ist dann die private Verschuldung in eine der Staaten übergegangen. Da will uns also Wagenknecht in eine einseitig verkehrte Welt entführen, weil man sich in ihrer politischen Ecke populistisch die Welt nur in sparsame kleine Leute und große Zocker aufgeteilt vorstellen möchte.

Oder nehmen wir Griechenland, als das andere immer wieder bemühte Beispiel, wo man entsprechend Wagenknechts These angeblich nie über die Verhältnisse gelebt haben soll. Zunächst einmal: Die Banken waren hier seriös finanziert und haben sich nicht verzockt, außer daß sie auf griechische Staatsanleihen vertrauten. Dagegen haben die Arbeitnehmer immer wieder Lohnerhöhungen erstritten, die dramatisch über den Produktivitätsgewinn der Volkswirtschaften hinaus gingen, und dann von der Inflation wieder aufgefressen wurden. So stiegen die realen Lohnstückkosten zwischen dem Jahre 2000 und dem Ausbruch der Krise in 2009 um sagenhafte 36 % (Abb. 15345) und damit weit höher, als an den Weltmärkten über den Preis von Exportwaren unterzubringen gewesen wäre. Zudem leistete sich das Land eine total korrupte Steuerverwaltung, bei der nicht nur sowohl Reiche wie Weniger-Reiche ohne Rechnung Geschäfte tätigten, sondern auch noch einen wenig produktiven Staatssektor, dessen Personal sich seit 1980 auf weit über 1 Million verdreifachte, und schließlich nach einer neuen Analyse der OECD eine Staatsverwaltung, die total zersplittert und unkontrollierbar seit Jahren Geld verbrennt. Wo bitte, liebe Frau Wagenknecht, sind hier die zockenden Banken als die Haupttäter?


So verzeichneten Griechenland und Portugal selbst in den guten Jahren zwischen 2000 und 2007 durchschnittliche jährliche Haushaltsdefizite von 5 % bzw. 3,6 %, also weit jenseits der Maastricht-Grenze. Der private Pro-Kopf-Verbrauch erreichte von viel niedrigerem Niveau im Jahr 2000 ausgehend bis zum Ausbruch der Krise in Irland 126 % des deutschen, Griechenland 89 % und Spanien 82 % (Abb. 16571), und das trotz wesentlicher geringerer Produktivität sowie mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und deshalb bei hochlaufender privater und/oder öffentlicher Verschuldung. Sollen diese Länder wirklich nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben?


Neben den Zockern entdeckt Wagenknecht noch einen weiteren Grund für steigende Staatsschulden:

"Wird ein Binnenmarkt mit gemeinsamer Währung begründet und dabei auf jede Harmonisierung der Steuerpolitik verzichtet, bedeutet das für die Steuersätze auf Gewinne, Kapitalerträge und Vermögen, dass die Länder sich gegenseitig nach unten konkurrieren. Genau das ist in der Eurozone geschehen. Diese Einnahmeausfälle wurden zum Teil durch steigende Verschuldung ausgeglichen."

Das ist im Prinzip zutreffend beurteilt. Doch ging der Steuerwettbewerb weiß Gott nicht allein und nicht einmal überwiegend von dem gemeinsamen Währungsraum aus, wie Wagenknecht in ihrer Analyse suggeriert. Hier in diesen Wettbewerb bei den Unternehmenssteuern stiegen, von Irland einmal abgesehen, vor allem China, die baltischen Länder (in Estland Steuersatz 0 %!) und andere Osteuropäer, aber auch Großbritannien ein und lösten damit Steuersenkungen in anderen Ländern aus. Außerdem: Wenn einerseits nach Wagenknecht die Krisenländer noch bis 2007 vernünftig finanziert waren und nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben sollen, andererseit aber der Steuerwettlauf schon sehr lange stattfindet, so paßt auch das nicht zusammen.



Und dann kommt Wagenknecht zur großen Lösung aller Probleme. Sie verwirft die Vergemeinschaftung der Schulden durch Eurobonds, weil das die Forderung nach einer Fiskalunion - also den Verlust nationaler Haushaltssouveränität - fast zwangsläufig nach sich ziehe. Und sie verwirft auch den bedingungslosen Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB, weil das ganz sicher die nächste große Finanzmarktblase nach sich ziehen würde. Doch dann gibt es für sie ein probates Mittel:

"Dazu gäbe es ein einfaches Mittel: Der europäische Rettungsschirm EFSF müsste eine Banklizenz erhalten, was ihm ermöglichen würde, sich zinsgünstig Liquidität bei der EZB zu verschaffen. Mit diesem Geld sollten dann allerdings nicht Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt erworben, sondern niedrig verzinste Kredite direkt an die Euro-Staaten vergeben werden. Inflationstreibend wäre das nicht, solange sich die Kreditvergabe in einem vernünftigen Rahmen bewegt."

Was wäre denn da der große Unterschied zwischen einer von Wagenknecht verworfenen Vergemeinschaftung der Schulden durch Eurobonds oder dem Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB einerseits und der von Wagenknecht präferenzierten Lösung über Kredite der EZB an die Eurostaaten andererseits? Das Ergebnis ist immer eine Aufblähung des Geldumlaufs, die irgendwann die Inflation anheizt, und eine Ermunterung der Schuldenstaaten, sich mit abgesenkten Zinsen weiter wie bisher zu verschulden, zumal nach Wagenknecht in die nationale Haushaltspolitik nicht eingegriffen werden darf. Die Zeche zahlen immer die Verbraucher in den sparsameren Ländern, vor allem die kleinen Leute in Deutschland, deren Interessen sich die Linkspartei angeblich annimmt. Mit Gummiformeln, wie "einem vernünftigen Rahmen", den jedes Land in voller Souveränität mit immer neuen Staatsanleihen selbst bestimmen darf, ist das nicht zu verhindern. Nein, hier wird eine "falsche Euro-Welt" gepflegt.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2559 08-12-11: Es ist nicht so einfach, aus der deutschen Gewerkschaftsperspektive die Eurokrise zu beurteilen, denn auch die Gewerkschaften tragen Schuld

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Gewerkschaften tun sich derzeit nicht leicht, zu einem überzeugenden Urteil über Ursachen und Lösungen der Eurokrise zu kommen, oder sie machen es sich einfach zu leicht. So kann man in Gewerkschaftsdokumentationen für ihre Mitglieder sehr Unterschiedliches und oft Widersprüchliches lesen. Das ist schade, weil man eigentlich gerade aus dieser Ecke des sozialen Spektrums eine besonders ehrliche und auch gegenüber der eigenen Mitverantwortung rücksichtslose Analyse erwarten würde. Hier einige Beispiele:

Zu recht beklagen Gewerkschaftler heute lautstark die Ungleichgewichte in der Eurozone, die von den Löhnen und Lohnstückkosten ausgehend einige unserer Partner zu Defizitländern mit hoher Verschuldung gemacht haben, nicht zuletzt weil umgekehrt in Deutschland über viele Jahre die Löhne stagnierten und die Lohnstückkosten fielen. Hier wäre zu erwarten gewesen, daß man sich mindestens einmal auf die eigene Gewerkschaftsbrust schlägt. Warum waren denn die deutschen Gewerkschaften in allen diesen Jahren an der Lohnfront so lammfromm und haben Deutschland im internationalen Vergleich die wenigsten Streiks und die schlechteste Lohnentwicklung weit unter dem Anstieg der Produktivität eingebracht? Warum haben sich denn auch die deutschen Gewerkschaften immer wieder für die Exportweltmeisterschaft begeistert, die mit Lohnenthaltung erreicht wurde, und das noch, als die Sturmzeichen schon längst an der Wand standen? Lag es vielleicht gar an der Mitbestimmung, weil man hier an den Unternehmertischen von der Unternehmermentalität beeinflußt werden konnte? Das ging doch so weit, daß sich der Betriebsratsvorsitzende der BASF öffentlich für Supergehaltssteigerungen seines Unternehmerbosses einsetzte und auch sonst die Gewerkschaftsvertreter die horrenden Gehaltsanhebungen des Spitzenpersonals auch in anderen mitbestimmten Unternehmen absegneten. Soll man vergessen, daß Gewerkschaftsboss Zwickel bei der Mannesmann-Übernahme Arm in Arm mit Ackermann die riesige Abfindung für Esser durchwinkte?

Andererseits ist es nicht so, daß Arbeitnehmer in Griechenland und Spanien, um nur diese Beispiele zu nennen, bei Lohnerhöhungen, die dramatisch über den Produktivitätsgewinn der Volkswirtschaften hinaus gingen, besonders bescheiden gewesen wären. Man hat vielleicht darauf vertraut, daß das Ausland eine solche Entwicklung unbegrenzt finanzieren würde. Reale Lohnstückkostensteigerungen zwischen dem Jahre 2000 und dem Ausbruch der Krise in 2009 von 36 % wie bei Griechenland sowie 31 % bei Italien und Spanien sind an den Weltmärkten einfach nicht unterzubringen und das auch unabhängig von der deutschen Niedriglohnkonkurrenz (Abb. 15345). Das gilt erst recht, wenn dann auch noch ein wenig produktiver Staatssektor in Griechenland sein Personal seit 1980 auf weit über 1 Millionen verdreifacht hatte.


Da wird in einer Dokumentation behauptet, in ganz Europa sei der Anteil der Löhne an der produzierten Wertschöpfung gesunken. Doch in dem entscheidenden Zeitraum zwischen 2000 und dem Ausbruch der Krise in 2009 kam es in Italien, Griechenland und Portugal zu beachtlichen Zunahmen dieses Anteils (Abb. 15689).


Und dann wird die Schuld für die Misere der Krisenländer allein den Spekulanten, die auch als Zocker abqualifiziert werden, in die Schuhe geschoben, als gehörten nicht auch große Pensions- und Rentenfonds, Lebensversicherer und andere Geldsammelstellen von Arbeitnehmern dazu und viele Sparer, die auf Rat ihrer Bank mal nicht in den besonders niedrig verzinsten Bundesanleihen investiert haben. Spanien und Griechenland hatten vor der Krise weniger Schulden als Deutschland, heißt es da in einer Dokumentation, als seien die Staatsschulden plötzlich wegen der ausländischen Spekulanten hochgeschossen. Dabei saßen die Spekulanten im eigenen Lande und fachten dort einen gewaltigen Bauboom an, der dann die eigenen Banken in Schieflage kommen ließ und wegen der notwendigen Rettung dann auch den Staatshaushalt. Natürlich gibt es Spekulation, die man beklagen und teilweise verbieten sollte. Doch sie allein ist sicher nicht verantwortlich für das ganze Ausmaß dieser Krise. Im Übrigen haben auch die Regierungen von Griechenland und Italien spekuliert, daß trotz enormer Verschuldung ihre Zinsen immer so unnatürlich niedrig wie die deutschen bleiben würden, und in diesem Vertrauen immer mehr davon aufgebaut oder gehalten.



Und an dieser Stelle verfällt gewerkschaftliche Argumentation leicht in Widersprüche. Während einerseits die Schuld einseitig den Zockern angelastet wird, wird sie andererseits bei den von Deutschland mitzuverantwortenden Leistungsbilanzdefiziten und den daraus entstandenen Schuldenbergen festgemacht. Denn die hätten nun Zweifel geschürt, ob die Schuldner diese zurückzahlen können. Wenn es also berechtigte Zweifel geben muß, können es ja nicht nur irregewordene Zocker sein, die hier ihr Unheil treiben.

Nachdem so die deutsche Schuld und Mitverantwortung festgeklopft ist, kommt die Forderung nach der Notenpresse der EZB wie von selbst. Die EZB müsse nun dafür garantieren, daß die Staaten des Euroraums immer zahlungsfähig seien, heißt es da in einer Dokumentation. Hat schon mal jemand an die inflationären Folgen gedacht, die gerade Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland eines nicht allzufernen Tages treffen werden, zumal wenn die Löhne - wie auch in der Vergangenheit - nicht ausreichend angehoben werden?


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2558 07-12-11: Die Mär von der inflations-resistenten Notenpresse der EZB

(bitte auch Startseite besuchen)

In fast der gesamten angelsächsischen Welt, aber auch in Frankreich, wird auf Regierungsebene, unter Finanzfachleuten und in den meisten Medien lautstark für den Bazooka-Einsatz der EZB-Notenpresse zur Beendigung der Euroschuldenkrise plädiert. Auch in Deutschland gibt es bereits einige namhafte Fürsprecher. Dabei wird auf das Beispiel der Notenpressen in USA und Großbritannien verwiesen und reklamiert, daß dort bisher keine Inflation entstanden sei. Es wird auch auf die Kreditschöpfung der privaten Banken, die sich sehr profitabel aus der Notenpresse der EZB Geld leihen können, verwiesen. Außerdem wird argumentiert, die zusätzliche Liquidität würde nur an die Stelle der Verluste aus der Krise treten, also keine zusätzliche Nachfrage generieren können. Vor allem aber wird behauptet, die EZB könnte bei Inflationsgefahr die Liquidität ganz einfach durch die Zinsschraube wieder einsammeln. Doch das ist leider alles ziemlicher Humbug.

Erstens treten Inflationsfolgen natürlich nicht sofort innerhalb der Krise und der deshalb stagnierenden Nachfrage ein, so daß ihr bisheriges Ausbleiben gar nichts sagt. Eine ernsthafte Geldentwertung kann erst dann geschehen, wenn die Volkswirtschaften wieder aus der Krise herausfinden und die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen anspringt. Eine Ausnahme ist allerdings schon jetzt Großbritannien, wo die Inflationsrate bereits gegen 5 % geht, weil die Nachfrage dort nicht so nachgegeben hat, wie in der Eurozone.



Zweitens ist es gerade das Ziel der Notenbanken in USA und Großbritannien längerfristig eine Entschuldung durch Inflation herbeizuführen. Denn beide Länder sind die pro Kopf nach Innen und Außen hoch verschuldet, Großbritannien am höchsten unter den größeren Volkswirtschaften der Welt, und z.B. wesentlich höher verschuldet als Italien (Abb. 16608). Die Staatsverschuldung ist in Japan und USA höher als in der Eurozone und steigt schneller auf dieses Niveau in Großbritannien (Abb. 16408). Andererseits ist das Haushaltsdefizit in der Eurozone weit geringer als in Japan, Großbritannien und USA (Abb. 15409).




Auch in der historischen Vergangenheit sind Entschuldungen immer wieder durch Inflation erfolgt, z.B. hat die große Inflation in Deutschland seinerzeit alle Schulden des Deutschen Reiches, die sich vor allem zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs angesammelt hatten, sehr schnell ausgelöscht. Die Staatsverschuldung allein der fünf Krisenländer der Eurozone liegt bei 3,3 Billionen Euro oder 35 % der jährlichen Wirtschaftsleistung aller Euroländer zusammen (und mit den Verbindlichkeiten der dortigen Banken sogar 65 %). Wenn die EZB alle diese Schulden mit der Notenpresse bedienen würde, müßte es schon seltsam zugehen, wenn nicht mit zeitlicher Verzögerung die Inflation nachkäme.

Dabei werden zudem die enormen Defizite in der Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer unterschlagen, die nicht mehr durch Wechselkursanpassung ausgeglichen werden können und daher für sehr lange Zeiten fortbestehen werden. Die EZB müßte dann dauerhaft immer neue Staatsanleihen dieser Länder aufkaufen, soweit nicht ein dauerhafter Finanzausgleich zwischen reicheren und ärmeren Euroländern eingerichtet würde. Die unvermeidbare Inflation zu Lasten der Verbraucher träte dann praktisch an die Stelle eines solchen politisch kaum durchsetzbaren Finanzausgleichs.

Die Herrschenden haben in der Tat zu allen Zeiten verstanden, den Wert des Geldes in den Taschen der kleineren Leute zu verkürzen, angefangen mit der Reduktion des Goldgehalts von Münzen im Mittelalter bis zu dem neuzeitlich herrschenden Unternehmertum, das immer die Preise und damit die Inflation anhebt, wenn es wieder mehr Geld in den Börsen der Verbraucher entdeckt, was dann das berüchtigte Wettrennen zwischen Löhnen und Preisen startet. Die angelsächsischen Länder verzeichneten dabei seit Mitte der 90er Jahre besonders hohe Inflationsraten. Wer beispielsweise damals in USA 100 $ zur Seite legte, findet heute nur noch einen Gegenwert von wenig mehr als der Hälfte vor, während es in Deutschland noch fast drei Viertel sind (Abb. 15688). So schnell kann sich Geld in der Neuzeit entwerten und so schnell können in wenigen Jahren Ersparnisse verschwinden, ohne daß eine Hyperinflation eintreten müßte.


Drittens schöpfen private Banken im Rahmen ihrer Eigenkapitalgrenzen und der ihnen von der Notenbank auferlegten Mindestreserven seit jeher Geld, indem sie Kredite geben. Doch das ist für das Funktionieren der Volkswirtschaften unentbehrlich. Soweit sie dabei derzeit ausnahmsweise auf eine Gegenfinanzierung durch die EZB zurückgreifen, handelt es sich nur um kürzerfristige Gelder, was etwas ganz anderes ist, als wenn die EZB 10-Jahres-Staatsanleihen per Notenpresse aufkauft.

Viertens stimmt es nicht, daß die durch die Notenpresse der EZB künstlich erzeugte Liquidität nur an die Stelle der bei den Banken eingetretenen Verluste aus der Krise treten würde, wie gelegentlich behauptet wird. Sehr viele der von der EZB zu kaufenden Anleihen sind im Besitz von privaten Anlegern, Versicherungen und Pensionsfonds und finanziell gesunden Banken oder starken Hedgefonds.

Fünftens kann Liquidität bei drohender Inflation in der Eurozone aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr schnell genug eingesammelt werden, weil immer noch mindestens einige der heutigen Krisenländer in den Seilen hängen und höhere Zinsen nicht werden vertragen können. In diesem Sinne ist eben die Eurozone kein homogener Wirtschaftsraum, der eine einheitlich wirkende Notenbankpolitik erlaubte. Auch wäre die Liquidität bei massivem Kauf der Staatsanleihen der hochverschuldeten Länder viel zu groß, um dann mit der Stellschraube beim Zins beherrscht zu werden.

Vergessen wir schließlich nicht: Die Hauptdrängeler nach der EZB-Notenpresse kommen aus der angelsächsischen Finanzwelt und deren Ratingagenturen (jetzt S & P mit der Drohung einer Runterstufung auch Deutschlands und des Rettungsfonds) und die wollen vor allem erreichen, daß die EZB für die Banken und Fonds in USA und Großbritannien, die in den Krisenländern mit Staatsanleihen und daran gebundenen Credit Default Swaps hängen, Euros druckt, und das bitte schön zur Bedienung der Rückzahlung und aller horrenden Zinsen für viele Jahre. Um die Inflationsfolgen in der Eurozone scheren sich die einen Dreck. Schade nur, daß das nicht überall in Deutschland begriffen wird.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2557 06-12-11: Deutschland an der Spitze des neoliberalen Trends zu immer ungleicheren Einkommensverhältnissen

(bitte auch Startseite besuchen)

Die neoliberale Stroßtrupp-Organisation der Industrieländer OECD in Paris warnt in einer totalen Kehrwende jetzt in ihrem neuen Bericht "Divided We Stand" vor immer mehr Ungleichheit, die sie auf Veränderungen an den Arbeitsmärkten über die letzten 30 Jahre zurückführt. Das durchschnittliche Einkommen der reichsten 10 % der Bevölkerung sei jetzt neunmal höher als das der ärmsten 10 %.



In kaum einem Land ist die Ungleichheit seit Mitte der 90 Jahre so schnell gewachsen, wie in Deutschland. Über diese Periode ist hier das Verhältnis von 6:1 auf 8:1 hochgesprungen. Der sogenannte Gini-Koeffizient mit dem Ungleichheit gemessen wird, hat einen der größten Sprünge nach oben vollzogen (Abb. 15686).


Die Entwicklung der Einkommen des ärmsten Zehntels der Haushalte verglichen mit dem reichsten klafft nach Abzug der Inflationsrate kaum irgendwo sonst so weit auseinander wie in Deutschland, wo sich das Einkommen des ärmsten Zehntels mit Stagnation besonders schlecht entwickelt hat, während das reichste Zehntel jedes Jahr real 1,6 % oben drauflegen konnte (Abb. 15687). Da war sogar die Entwicklung in den USA etwas ausgeglichener.



Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal; dort auch Beiträge im pdf-Format).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2556 05-12-11: Euro-Falle: Die Peripherie kann nicht aus der Krise herausschrumpfen

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Ende dieser Woche wieder einmal stattfindende Euro-Gipfel wird von vielen Seiten als die letzte Chance zur Rettung des Euro hochstilisiert oder bei den Spekulanten hochgepokert. Drohend fallen die Stimmen über Deutschland her, diese angeblich letzte Chance nicht zu vertun.

Von deutscher Regierungsseite wird derzeit so getan, als könnte die Kombination von einer Stabilitätsunion mit festeren Regeln einerseits mit der Hebelung des schon vereinbarten Rettungsschirms andererseits die große Lösung sein. Von Seiten der Oppositionsparteien will man dann noch eine losgelassene Notenpresse der EZB und Eurobonds als weitere wichtige Zutaten. Doch nichts wäre falscher, als davon das Ende der Eurokrise zu erwarten, und größere Illusionen kann man kaum aufbauen.

Denn der Euro wurde auf sehr unterschiedliche Wettbewerbsverhältnisse und damit auf Treibsand aufgesetzt und die haben sich über die Jahre noch verstärkt und werden in der sich nun wieder anbahnenden Rezession weiter auseinander bewegen. Dafür hat keiner der Politiker auch nur den Ansatz eines Lösungskonzepts. Und so lange die Wettbewerbsverhältnisse der Volkswirtschaften weiter so ungleich sind, verkommen alle anderen Euro-Rettungsversuche zu Not- und Trostpflastern, unter denen die Wunde weiter arbeitet und weitere Krisen vorbereitet. Ausgerechnet der Chef-Architekt des Euro Jacques Delors hat in einem Interview vom 2. Dezember beklagt, daß die Regierungen von Anfang an ein blindes Auge auf die fundamentalen Schwächen und Ungleichgewichte der Volkswirtschaften der Mitgliedsländer gerichtet hätten.



Mit fremdgesteuerter Haushaltsdisziplin und einer damit ausgelösten und verschärften Schrumpfkur, wie sie jetzt von deutscher Seite geplant wird, kann die krisengeschüttelte Europeripherie nicht aus der Krise herausschrumpfen. Das zeigen auch die neuesten Prognosen der OECD, die normalerweise eher überoptimistisch ist, bis zum Jahr 2012 und 2013. Die Exportschwäche mit hohen Leistungsbilanzdefiziten bis zu 7 % der Wirtschaftsleistung wird bei Spanien und Italien und vor allem Griechenland und Portugal anhalten und damit zu weiterer Verschuldung der Volkswirtschaften gegenüber dem Ausland führen müssen (Abb. 16565, 16567). Soweit ein begrenzter Abbau der Defizite stattfindet, kommt er in erster Linie durch krisenbedingt verminderte Importe.



Der schlimmste Umstand ist das Fehlen ausreichender Investitionen in Industrieanlagen, die die Arbeitslosigkeit abbauen, die Exportkraft stärken und eine modernere Zukunft dieser Volkswirtschaften vorbereiten könnten. Sie sollen in Griechenland bis zum nächsten Jahr noch bis um 47 % unter das Vorkrisenniveau von 2007 fallen, bei Portugal um 34 %, Spanien um 32 % und Italien noch um 13 % (von Irland mit minus 56 % wegen des zusammengebrochenen Baubooms gar nicht zu reden, Abb. 16564).


Die Arbeitslosigkeit ist jetzt schon horrend, besonders in Spanien und Griechenland mit Werten bis zu 23 % (Abb. 16566); das gilt erst recht für die Jugendarbeitslosigkeit die schon bis zu fast 50 % angestiegen ist (Abb. 15681). An dieser Situation soll sich nach Prognose der EU-Kommission bis Ende kommenden Jahres wenig ändern. Damit ist der Zeitpunkt absehbar, von dem an die Bevölkerungen in den meistbetroffenen Ländern weitere Haushaltsdisziplinierung einfach nicht mehr akzeptieren werden.



So setzen sich die Krisenländer auch in ihrer gesamten Wirtschaftsentwicklung immer mehr nach unten ab (Abb. 16563). Von einem Schließen der entscheidenden Wettbewerbslücke kann keine Rede sein.


Im Ergebnis wird die Staatsverschuldungsquote ins kommende Jahr hinein weiter steigen und auch in 2013 bei einigen Krisenländer den Anstieg fortsetzen und bei anderen allenfalls auf hohem Niveau stagnieren (Abb. 16568).


Jeder Beschäftigte zwischen 20 und 64 Jahren oberhalb der Armutsgrenze wird dann zusätzlich zu seiner privaten Verschuldung eine gewaltige Schuldenlast des Staates zwischen 45.000 Euro für Portugal und weit über 100.000 Euro für Griechenland und Irland mit sich herumtragen. Dabei wird allein die jährliche Zinslast aus der Staatsverschuldung, gerechnet zu einer durch Eurobonds oder in anderer Weise auf 4 % pro Jahr heruntergeschleusten Zinsrate, immer noch zwischen rund 1800 und 4500 Euro anfallen, worin noch keinerlei Tilgung enthalten wäre (Abb. 16569).


Bei einer totalen Schuldengemeinschaft entfielen auf jeden Beschäftigten in der Eurozone noch 67000 Euro an Staatsschulden oder allein eine Zinslast von 2700 Euro pro Jahr (verzinst zu 4 %). Das wären auf jeden Deutschen aus diesem Personenkreis etwa 1500 Euro mehr an Zinslast pro Jahr, als heute über die Bundeschuld (verzinst zu 2,1 %) anfällt, und noch sehr viel mehr, wenn die Menschen in den besonders stark verschuldeten Ländern ihren Durchschnittsanteil von 2700 Euro pro Beschäftigten nicht erbringen könnten, was sehr wahrscheinlich ist. Dazu kämen dann noch erhebliche Jahresbeträge für den Schuldenabbau. Ein Eurosoli von 20 bis 30 % entsprechend dem derzeitigen Solidaritätszuschlag von 10 % sollte da nicht zu hoch gegriffen sein.

Daß das ohne Schuldengemeinschaft nicht gut gehen kann und mit Schuldengemeinschaft für sehr viele Menschen in den starken Euroländern jedenfalls im derzeitigen, wenig sozialen Steuersystem auf Dauer nicht akzeptabel sein wird, sollte jedem halbwegs vernünftigen Politiker in Deutschland sofort einleuchten, tut es aber offensichtlich nicht (oder sind die meisten einfach uninformiert?). Man muß leider bezweifeln, daß dem 92-jährigen Helmut Schmidt die Fakten ausreichend bekannt sind, wenn er auf dem SPD-Parteitag ein "mitfühlendes Herz" für Griechenland fordert und eine gemeinsame Verschuldung der EU für "unvermeidlich" erklärt.

Besonders die Aussichtslosigkeit einer Rettung von Griechenland diskreditiert alle anderen Euro-Rettungsversuche. Griechenland war das erste Euroland, dessen sich die Euro-Retter mit immer neuen Überweisungen und immer neuen Rettungsplänen annehmen mußten, und ein Land, das nie in den Euroverbund gehörte. Nun wird es immer mehr zu einem sinnlosen Beispiel, wie man nicht retten kann. Es diskreditiert damit auch alle anderen Rettungsbemühungen. Man sollte endlich der Realität in die Augen sehen: Griechenland ist nur mit ständig neuen Zahlungen über Wasser und letztlich auch im Euro zu halten. Die Märkte werden nicht zur Ruhe kommen und alle anderen Rettungsversuche mit wenig Vertrauen begleiten, so lange diese Eurowunde offen ist. Hier einige Fakten, wobei vom bedrückenden Zustand des Arbeitsmarkts schon die Rede war:

Griechenlands Wirtschaft befindet sich im steilen Sinkflug. Griechenland hat schon etwa die Hälfte an Wirtschaftsleistung verloren, die das Land über die gesamte Zeit seiner Euromitgliedschaft gewonnen hatte. Private Nachfrage, Einzelhandelsumsatz und Wirtschaftsentwicklung insgesamt sind schwer eingebrochen (Abb. 15223). Das gilt ebenso für Ausrüstungsinvestitionen, Industrieproduktion und Auftragseingang (Abb. 15253). Trotzdem ist die Inflation in diesem Herbst wieder auf eine Rate von 2,9 % hochgesprungen und drückt die abgesenkten Einkommen real weiter (Abb. 15256).




Trotz aller Sparversuche sind Griechenlands Finanzen von einer Sanierung weit entfernt. Von Januar bis Oktober nahm das Land abermals deutlich weniger Steuern ein, als mit seinen Kreditgebern vereinbart, gab aber gleichzeitig deutlich mehr Geld aus. Daher war schon im Oktober das Haushaltsdefizit mit rund 20 Mrd Euro so hoch wie für das ganze Jahr vorgesehen. Es gelang auch nicht, die Steuerhinterziehung einzudämmen. Ausstehende Steuerschulden sind auf 60 Mrd Euro geklettert. Das ist fast so viel, wie Griechenland im ganzen Jahr 2009 an Steuern einnahm. Höchstens 8 Mrd Euro gelten jetzt als tatsächlich eintreibbar. Dabei wurden im ersten Halbjahr 2011 gerade einmal 112 Mio eingetrieben. Auch die anderen Reformen kommen nicht voran. Das Taxigewerbe ist immer noch vor Wettbewerb geschützt. Seit 1980 hatte sich die Zahl der Beamten und Angestellten von Staatsunternehmen auf weit über eine Mio verdreifacht. Doch bisher will die Regierung nur 30.000 Beamte - vor allem durch Frühpensionierung - und das erst ab Anfang 2013 abbauen. Bis 2015 sollte griechisches Staatseigentum im Wert von 50 Mrd Euro verkaufen werden. Doch im laufenden Jahr wird nun nur noch mit einem Erlös von 1,5 Mrd Euro gerechnet.

Wenn die deutsche Politik ehrlich mit uns umgehen würde, dann würde Frau Merkel vor uns hintreten und sagen: "Wir müssen den Euro retten, aber das kostet einen Eurosoli von x % und der muß für sehr viele Jahre erhoben werden, wie auch der innerdeutsche Soli." Und auch Helmut Schmidt und andere Größen aus der Opposition würden nicht so daher reden. Statt dessen wird auf Zeit gespielt, bis die Germanen nach weiteren Krisen selbst auf die Idee kommen, daß sie ihr Portemonnaie zücken müssen. Doch dann ist wertvolle Zeit verloren und haben sich immer mehr Gutbetuchte aus dem Staub der deutschen Steuerbehörden gemacht und ebenso und erst recht aus dem Staub derer in den Krisenländern und viele andere haben ihren spekulativen Einsatz in hochverzinslichen Staatsanleihen der Krisenländer dann schon zurück und in Sicherheit.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden (dort auch Beiträge im pdf-Format). Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2555 03-12-11: Wie die Vermögenden in Deutschland von der Verschuldung Deutschlands und anderer Staaten profitieren

(bitte auch Startseite besuchen)

Die gesamtwirtschaftliche Vermögens- und Finanzierungsrechnung der Deutschen Bundesbank zeigt, wie sich die Konten zwischen den fünf Hauptakteuren der deutschen Volkswirtschaft in den letzten Jahren verteilt haben. Das sind private Haushalte, nichtfinanzielle Unternehmen der so genannten Realwirtschaft, Finanzinstitute (Banken, Versicherungen), der Staat und das Ausland. Prof. Bontrup von der Fachhochschule Gelsenkirchen hat in seiner sehr interessanten Veröffentlichung "Durch Umverteilung von unten nach oben in die Krise" die Zusammenhänge untersucht. Das hat mir beim Verständnis der hier dargestellten Zusammenhänge geholfen.

In den Finanzierungssalden gab es um 2003 eine starke Verschiebung. Zwischen 1991 und 2002 waren die Haushalte die Gewinner, die eine starke Gläubigerposition aufbauen konnten (Abb. 17209). Dieser Position standen als Kapitalnehmer und Schuldner der Staat und die Unternehmen gegenüber, die sich so finanzierten. Ein bißchen Kapital kam aus dem Ausland. Das war eine ziemlich normale Konstellation für ein kapitalistisch organisiertes Wirtschaftssystem.


Ganz anders war es in dem Zeitraum danach, also seit 2003. Nun verdoppelte die Gruppe der privaten Haushalte ihren jährlichen nominalen Kapitalaufbau. Innerhalb dieser Gruppe wurde das Einkommen immer ungleicher verteilt (Abb. 17194) und das mittlere Bruttoerwerbseinkommen hat seit 2005 laufend an Boden verloren (Abb. 17189). Außerdem kamen nun in dieser letzten Phase durch hohe Profite bei gedrosselten Löhnen auch die Unternehmen zu Kapitalüberschüssen, die sie teilweise als Dividenden auswerfen konnten. Die obersten 20 % kassieren heute mehr als 41 % aller Bruttoerwerbseinkommen, von den noch viel ungleicher verteilten Vermögenseinkommen gar nicht zu reden.



Die Gläubigerpositionen wurden bei Vater Staat angelegt und zum allergrößten Teil im Ausland (Abb. 17208). Das ist die Periode exportangetriebener hoher deutscher Leistungsbilanzüberschüsse mit dem Ausland. Ein Teil landete in zweifelhaften Wertpapieren zur Finanzierung des Bau- und Kreditkartenbooms in vielen, vor allem angelsächsischen Ländern. Diese Verteilung unter den fünf Akteuren hat sich noch im vergangenen Jahr fortgesetzt (Abb. 17206).



Abb. 17207 und 17210 zeigen die Entwicklung über den ganzen Zeitraum seit 1991.



Deutlich sieht man hier den ständig und auch trotz der Krise steigenden Kapitalaufbau der Haushalte, was in Wahrheit der wohlhabendere Teil der Haushalte ist. Dabei haben die Steuerzahler den Banken frisches Kapital besorgt und so die Einlagen der Vermögenden über die Krise hinweg gesichert. Über den gesamten Zeitraum bis 2010 haben die privaten Haushalte oder besser ihr vermögender Teil einen Vermögenszuwachs von rund 2 Billionen erzielt. Andererseits kamen Unternehmen und Finanzsektor erst ab 2003 in die Gläubigerposition, mit einem kräftigen Anstieg in den vergangenen zwei Jahren. Der Staat erholte sich ab 2005 und erreichte 2007 und 2008 fast den Ausgleich, sackte dann aber durch die Finanzkrise in einer erneuten Phase öffentlicher Armut wieder ab. Seit etwa 2001 wurde immer mehr aus den deutschen Gläubigerpositionen im Ausland angelegt.

Die große Frage ist nun, wie die beiden Gläubigergruppen private Haushalte und Unternehmen in Zukunft ihr Kapital Gewinn bringend anlegen können, wenn sich die Möglichkeiten im Ausland verengen und auch der deutsche Staat auf die Sparbremse geht. Regierung und Wirtschaft setzen in Deutschland weiter auf eine aggressive Außenwirtschaftspolitik mit hohen Exportüberschüssen. Das kann nach allen Erfahrungen nicht lange gut gehen. Aus den Krediten an das Ausland müssen dann zu einem großen Teil, jedenfalls in der Eurozone, Finanztransfers à fonds perdu werden, die aber in unserem Steuersystem wiederum nicht so sehr von dem vermögenden Teil der Haushalte als von ihrer Allgemeinheit erbracht werden müssen.



Schon wird die deutsche Allgemeinheit von der Bundeskanzlerin in ihrer Rede vor dem Bundestag vom 2. Dezember und einer parallel vorgetragenen Rede des Deutsche Bank Chefs Ackermann darauf vorbereitet, daß sie am Ende die Opfer bringen muß. Nach Merkel hat Deutschland sehr vom Euro profitiert und sein Überleben sei untrennbar mit der Zukunft der Europäischen Union verbunden. Ackermann legt noch oben drauf: Wenn Europa es nicht schaffe, seine Einheit zu vollenden, liefen die europäischen Nationen Gefahr, nicht mehr selbst über ihr Schicksal bestimmen zu können. Es drohe letztlich der Verlust der Freiheit. Eine solidarische Hilfe zur Selbsthilfe der starken für derzeit schwache Mitgliedstaaten sei nötig. Diese sei kein Opfer, sondern im ureigenen nationalen Interesse geradezu geboten.

Dabei haben die meisten Deutschen seit Einführung des Euro erhebliche reale Lohnverluste hinnehmen müssen, die sie mit der Deutschen Markt so nicht erleben mußten. Und daß jetzt auch noch laut Ackermann unsere Freiheit bedroht sein soll, würde dem, wenn es nicht grenzenlos übertrieben wäre, die Krone aufsetzen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden. Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2554 02-12-11: Eurokrise: Viele deutsche Linke arbeiten ebenso mit vereinfachend irreführendem Populismus wie die Rechten

(bitte auch Startseite besuchen)

Von rechter Seite wird die Eurokrise oft viel zu einseitig bei mangelndem Arbeitseifer in den Krisenländern geortet. Doch ebenso leicht und populistisch vereinfachend macht man es sich auf Seiten der deutschen Linken, ob Linkspartei oder SPD. Da wird die Schuld nur oder fast nur in deutscher Lohndrosselung gesehen und dann im entsprechenden Schuldgefühl und einer Art von Solidaritätsgebot für Vergemeinschaftung der Schulden und den massiven Einsatz der Notenpresse der EZB plädiert, ohne Rücksicht auf den deutschen Steuerzahler und auf die dann längerfristig drohende Inflation. Zu diesen Stimmen gehört als gutes Beispiel der frühere Lafontaine Staatssekretär Flassbeck, der im Interview mit dem Deutschlandradio jetzt am 1. Dezember argumentierte:

"Man muß das eigentliche Problem angehen, und das wird immer noch nicht angegangen, nämlich das Problem der auseinander laufenden Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Währungsunion, wo Deutschland heftig dran beteiligt ist. Und wenn einer konkurrenzfähig ist und den anderen vom Markt verdrängt, dann erleben wir, dass die Menschen in diesen Ländern sich verschulden, um die Güter des Konkurrenzfähigen zu kaufen. Wir müssen uns jetzt anpassen, wir müssen es zusammenkriegen wieder. Der Punkt ist: Wenn ich keine Strategie habe, dieses zentrale Problem zu lösen, dann kann ich mit den kurzfristigen Maßnahmen nichts erreichen, auch Eurobonds werden da keine Lösung sein."

"Das ganze Gerede über Schuldenschnitte der Staaten und dann Bankenbeteiligung war weit hergeholt bis völlig daneben"

"[Die Verträge ändern und striktere Regeln zu entwerfen] halte ich für fundamental falsch, weil das Problem nicht die Staatsschulden sind. Spaniens Staatsschulden sind niedriger als die deutschen. Trotzdem haben sie einen irren Zinsaufschlag. Japan hat Schulden, die sind doppelt so hoch wie Griechenlands fast, und haben den niedrigsten Zins der Welt. Das ist einfach falsch, diese Diagnose ist schon falsch, dass es die Staatsschulden als solches sind. Wenn ein Staat seine Ausgaben kürzt, fallen seine Einnahmen, und dann kann man die Defizite nicht einfach zurückfahren."

"Natürlich muss die Zentralbank in der Lage sein, an diesen Märkten massiv einzugreifen. Wir haben es bei der Schweizer Zentralbank ja gesehen, die hat vor einigen Monaten am Währungsmarkt massiv eingegriffen, hat eine Untergrenze oder Obergrenze für den Schweizer Franken gesetzt und hat das durchgehalten bis jetzt ohne jedes Problem."

Diese Aussagen sind an populistischer Einseitigkeit kaum zu überbieten. Stellen wir der Reihe nach richtig und zeigen damit, daß man es sich nicht so einfach machen sollte, selbst und gerade mit komplizierten Zusammenhängen:

1. Natürlich gibt es ein schweres Problem der seit vielen Jahren auseinander laufenden Wettbewerbsfähigkeit. Aber die lief schon vor dem Euro auseinander und dieses ziemlich uralte Problem wurde früher mit Währungsanpassungen repariert, die im Euro nun nicht mehr möglich sind. Deutschland ist dabei heute und in der älteren Vergangenheit bei Weitem nicht der alleinige Störenfried. Mittel- und Nordeuropa sind alte Industriestandorte mit hoher Produktivität und entsprechend sehr wettbewerbsfähigen Lohnstückkosten und einer in der Welt gut nachgefragten Exportpalette. Griechenland, Portugal und Spanien waren immer sehr viel schlechter dran. Sie haben dann noch mit viel zu hohen Lohnsteigerungen, die immer wieder durch eine entsprechend hohe Inflation eingeholt wurden, und unzureichender Produktivitätsentwicklung ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nur gegenüber Deutschland, sondern der gesamten Welt zusätzlich abgebaut, wie sich an der Entwicklung der Lohnstückkosten bis zum Krisenjahr 2007 zeigt (Abb. 15684, 15345).



Das gilt wenngleich etwas weniger stark auch für Italien. Dabei hat vor allem Griechenland in seinem öffentlichen Sektor mit oft 13. und 14. Monatsgehältern, Frühpensionierung, hohen Rentenleistungen, einem aufgeblähten öffentlichen Dienst und einem total unterbelichteten Steuersystem in die falsche Richtung gesteuert. Eine weitere Hauptverantwortung liegt bei der EZB, die angesichts des ausufernden Booms an der Europeripherie die Zinsen viel zu lange zu tief gehalten hat, statt dort die wettbewerbsschädigende Inflation zu bekämpfen (Abb. 16559). Andererseits hat Deutschland seit etwa 2003 die Löhne gedrosselt, die Produktivität hochgefahren und so die Lohnstückkostenschere von seiner Seite aus aufgemacht.


Die Schuld, soweit man überhaupt von Schuld reden kann, liegt also auf vielen Seiten. Eine einseitige Schuldzuweisung an Deutschland à la Flassbeck führt nicht weiter und verbaut den Blick auf die für die Zukunft notwendigen Schritte. Denn so einfach, wie sich das Flassbeck wohl über deutsche Lohnsteigerungen vorstellt, ist die Lösung nicht zu haben. Fast alle diese Länder haben eine ungünstige bis miserable Exportpalette und sind schon deshalb nicht international wettbewerbsfähig. Ihre traditionellen und sehr arbeitsintensiven Exportprodukte wurden vor allem durch China und seinen Niedrigstlöhnen von den Weltmärkten verdrängt. Italienische Sonnenbrillen, Beleuchtungseinrichtungen, Haushaltsmaschinen und Elektromotoren sind ein gutes Beispiel unter vielen anderen (es ist das gleiche China, auf das Flassbeck nichts kommen läßt, schon weil er den Posten des Chef-Volkswirts der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung bekleidet, deren bei Weitem einflußreichstes Mitgliedsland gerade China ist). Wenn Flassbeck davon spricht, daß man "jetzt" die Wettbewerbsfähigkeit wieder zusammenkriegen muß, dann wird das erstens sehr viele Jahre brauchen und schon deshalb ein zur Krisenlösung total ungeeignetes Rezept sein und wird zweitens nicht nur und wahrscheinlich nicht einmal in erster Linie durch Anpassung auf deutscher Seite zu lösen sein. Mit billigem Populismus und einseitigen Schuldzuweisungen ist das jedenfalls nicht zu lösen.



2. Schuldenschnitte als "Gerede" abzutun, ist einfach unverantwortlich. Griechenland, Portugal und Irland mit Staatsschulden pro jeden Beschäftigten von 35.000 Euro bis 92.000 Euro und hohen Haushalts- und (bis auf Irland) Leistungsbilanzdefiziten mit dem Ausland werden ohne einen drastischen Schuldenschnitt nicht aus der Schuldenfalle herauskommen (Abb. 16711).


Auch für Spanien und Italien wird es schwierig werden, da sie ebenso wie die anderen Krisenländer nicht nur Haushaltsdefizite mit sich herumschleppen, sondern auch noch erhebliche Leistungsbilanzdefizite, die für einen weiteren Schuldenaufbau gegenüber dem Ausland garantieren; doch kann es mit massiver Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft hier vielleicht noch ohne Schuldenschnitt abgehen. Ohne Schuldenschnitt bei den drei schwächsten Krisenländern kommen die meist wohlhabenden Privatanleger in Staatsanleihen sowie die Staatsanleihen haltenden Banken und Versicherungen, deren Aktien ebenfalls meist wohlhabenden Individuen gehören, unbeschädigt von dannen, während am Ende die meist sehr viel weniger betuchten Steuerzahler anderer Länder dran glauben müssen. Ein Schuldenschnitt, wie er jetzt bei Griechenland schon vor der Vereinbarung steht und für alle neuen Staatsanleihen ab 2013 vorgesehen ist, ist also durchaus kein "Gerede" und völlig "daneben", wie Flassbeck meint.

3. Die besonders verschuldeten Länder müssen selbst zu ihrer Genesung mit beitragen, mindestens indem sie die wohlhabenderen Schichten über die Steuer an den Lasten beteiligen und geschuldete Steuern auch wirklich eintreiben, was nicht immer - vor allem nicht in Griechenland - ausreichend passiert. Spaniens Staatsschulden mögen niedriger als die deutschen sein, dafür aber hängen die Banken dort noch mehr in den Seilen (vor allem von den Cajas kommen noch hohe Belastungen auf die Regierung zu) und ist das Haushaltsdefizit und die Leistungsbilanz dramatisch schlechter als in Deutschland, was jeder normalen Statistik zu entnehmen ist. Flassbecks Vergleich ist also irreführend. Die griechische Verschuldungsrate mit der Japans zu vergleichen und so zu verharmlosen ist Unsinn, denn Japan ist exportstark und hat vor allem nur 16 % seiner Staatsverschuldung mit dem Ausland, während die griechische ganz überwiegend mit dem Ausland besteht.

3. Wenn Flassbeck für ein massives Eingreifen der EZB plädiert und dafür den Vergleich mit der Schweiz benutzt, so führt er ein weiteres Mal massiv in die Irre. Die Notenbank der Schweiz gehört zu einem einheitlich regierten Raum mit der gleichen Finanz- und Haushaltspolitik, was man von der Eurozone wirklich nicht sagen kann.

Was sollen alle diese grobschlächtigen Argumente, die an den Realitäten stark vorbeigehen? Welche Dummen will man damit fangen?

P.S.: Natürlich hat das Linkspartei-Medium Nachdenkseiten diesen Dummenfang sofort übernommen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden. Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2553 01-12-11: Deutschland wandert ins Altenheim

(bitte auch Startseite besuchen)

Unsere Welt wird für die unter uns, die das noch erleben, in wenigen Jahrzehnten durch demographische Veränderungen fast bis zur Unkenntlichkeit verändert sein, wenn die Projektionen der UN zutreffen. Daß sie zutreffen, ist angesichts des beschränkten zeitlichen Horizontes ziemlich wahrscheinlich.

Jede Stunde wurden in den letzten fünf Jahren bis 2010 um den Globus herum mehr als doppelt so viele Menschen geboren wie starben, nämlich 15.305 zu 6.340. Stündlich wurden wir also fast neuntausend und jährlich rund 78 Millionen mehr auf einer Erde, deren Oberfläche und Resourcen endlich sind und deren fruchtbare Oberfläche hauchdünn und - wie andere Resourcen - sehr ungleich verteilt ist. Jedes Jahr kam zuletzt bevölkerungsmäßig fast ein weiteres Deutschland hinzu, bis wir nun über 7 Milliarden Erdenbürger sind (Abb. 0703).


Vor allem aber werden in einem Teil der Welt die Gesellschaften stark altern, wenn die Baby-Boomer in den 20er Jahren des Jahrhunderts in den Ruhestand wechseln. So wird der Anteil der über 60 Jahre Alten in Japan bei 38 %, in Deutschland bei 37 % liegen, gegenüber Anteilen von heute 31 % bzw. 26 %. Andererseits werden die Anteile dieser Altersgruppe in Afrika nur 6,9 %, in Indien 12,4 % und im Weltdurchschnitt 16,5 % betragen (Abb. 15639).




Das Durchschnittsalter in Deutschland wird um das Jahr 2040 mit über 51 Jahren doppelt so hoch wie in Afrika sein (Abb. 15647).



Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zum Thema "7 Millarden Menschen und wie weiter?" (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2552 30-11-11: Hinter dem Rücken der Deutschen werden schon gewaltig Euros gedruckt und das nicht nur bei der EZB

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Deutschen leiden immer noch unter der in ihre Genetik hineinverarbeiteten schrecklichen Inflation der 20 Jahre, die durch das wilde Gelddrucken der Reichsbank entstanden war. Umso aufmerksamer reagieren sie mit Entrüstung auf die Forderungen, die Schulden in der Eurozone zu vergemeinschaften und zu deren Abbau dann die EZB Geld drucken zu lassen. Was die meisten braven Deutschen jedoch bisher nicht bemerkt haben, ist die Geschwindigkeit mit der schon jetzt nicht nur die Notenpresse der EZB sondern auch die der einzelnen Notenbanken in den Euroländern rotiert.



Die EZB selbst hat schon jetzt mehr als 203 Mrd Euros durch Aufkauf von Staatsanleihen gedruckt. Allein seit August waren das 131 Mrd Euro und damit pro Monat etwa 30 % mehr als die amerikanische FED derzeit dem amerikanischen System zuschießt. Diese Staatsanleihen meist maroder Krisenländer werden am Sekundärmarkt (also nicht bei der Erstausgabe) angeblich nur zur Stabilisierung des Marktes aufgekauft. Doch der Bestand an solchen Staatsanleihen läuft zuletzt wieder gradlinig hoch, während man bei einer Stabilisierung eigentlich ausgleichende Bewegungen in beide Richtungen erwarten würde (Abb. 16709). Hinzu kommen große Bestände an Anleihen der Krisenländer, die die EZB als Sicherheiten für den dortigen Banken gewährte Kredite entgegen genommen hat. Deren Betrag ist nicht bekannt. Übrigens bilanziert die EZB alle diese Staatsanleihen, die z.T. auf Ramschniveau heruntergestuft worden sind, noch zum Einkaufswert, weil sie sonst pleite wäre und von den Notenbanken der Euroländer als ihre Gesellschafter gerettet werden müßte, die sich dann an die Regierungen und damit an die Steuerzahler wenden würden.


Doch dann ist auch noch das von der EZB zu überwachende Eurosystem der Notenbanken einzelner Eurostaaten bei massivem Gelddrucken angelangt, wobei hier alle Notenbanken nach ihrem Anteilsschlüssel bei der EZB haften. So hat die Bundesbank mit dem größten Haftungsanteil ständig weiter steigende Forderungen gegenüber den anderen EURO-Notenbanken in Höhe von jetzt 466 Mrd Euro in ihre Bücher genommen und im Gegenzug wurden dort Euros gedruckt (sog. Target2-Forderungen, Abb. 16398). Im Wesentlichen wurden so deutsche Exporte in die Eurokrisenländer finanziert. Auch diese Fieberkurve des Eurodruckens steigt steil nach oben. Der wesentliche Austausch der Salden findet daher zwischen Deutschland und den Eurokrisenländern statt (Abb. 16510).



Im schlimmsten Fall wird ein sehr großer Teil der zusammen 669 Mrd Euro vom deutschen Steuerzahler zu tragen sein. Zur Erinnerung: Alle deutschen Bundes- und Landessteuern erbringen zusammen nur 466 Mrd Euro pro Jahr. Und noch ein Vergleich: Die 669 Mrd Euro entsprechen bereits 21 % der Wirtschaftsleistung der fünf Eurokrisenländer. Das ist ein enormer Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung, natürlich mit dem vollen Risiko der Gläubigerländer, vor allem Deutschlands.


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2551 29-11-11: 25 Schandbilder - Deutschland seit dem Fall der Mauer

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist einer der gelegentlichen Erfolge mit der faktenorientierten Aufklärung über die sozialen Verhältnisse, auf die etwas stolz zu sein, ich mir dann erlaube. Die "25 Schandbilder - Deutschland seit dem Fall der Mauer" sind innerhalb von zwei Monaten schon mehr als 10.000-mal nachgeschlagen worden und wahrscheinlich noch sehr viel häufiger, weil nicht alles von den Systemen registriert werden kann (Abbildung). Wenn Sie die Seite noch nicht besucht haben, finden Sie diese hier.


Was sich etwa seit Fall der Berliner Mauer in Deutschland gesellschaftspolitisch entwickelt hat, kann man korrekterweise nur als Schande und schändlich bezeichnen. Nach Ende der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus legten die führenden Schichten Deutschlands auf dem von Reagan und Thatcher schon Jahre vorher beschrittenen Weg so richtig neoliberal los und beseitigten zunehmend die Reste der einst sozialen Marktwirtschaft, die das Markenzeichen Deutschlands gewesen war. Sie erreichten ihre Ziele umso leichter, als sie gleichzeitig eine extreme Globalisierung betrieben, die in der ebenfalls zur gleichen Zeit stattfindenden übereilten Marktzulassung der auf Hungerlöhnen aufbauenden chinesischen Konkurrenz gipfelte. Der Niedriglohndruck, der bereits aus Osteuropa organisiert wurde, konnte so noch einmal erheblich gesteigert werden. Dabei wurden - anders als in fast allen westeuropäischen Ländern - flächendeckende Mindestlöhne, die einen wenigstens teilweisen Schutz gegen den negativen Lohndruck hätten gewähren können, verweigert.



Unter Schröder wurde dann noch mit Hartz4 kräftig von unten gegen das Sozialsystem getreten. Mit der Bankenrettung und der Transferunion nach Südeuropa werden nun weitere Weichen gestellt, die bei uns zu einer sozial ungerechten Verteilung der Lasten führen.

Für das Infoportal sind in den vergangenen Jahren rund 5.500 Schaubilder entstanden, mit denen die Entwicklung immer wieder analysiert wurde. Die Daten kommen meist aus deutschen oder internationalen amtlichen Quellen. Ich habe nun die 25 Schaubilder herausgesucht, die diese unsoziale Entwicklung am Besten beschreiben und kaum einen Kommentar brauchen. Zur leichteren Verbreitung und zum Ausdrucken können Sie hier eine pdf-Fassung herunterladen.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden. Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2550 28-11-11: Eurokrise: Die Zinsen laufen dem Rettungsschirm und den Eurobonds weg

(bitte auch Startseite besuchen)

Große Pläne waren da geschmiedet worden von einer starken Hebelung der verbleibenden Mittel des Eurorettungsschirms EFSF von 250 Mrd Euro auf etwa 1 Billion Euro bis zu Eurobonds in einer Schuldengemeinschaft. Doch die Finanzmärkte in ihrer Angst vor der Eurokrise machen dem immer mehr einen Strich durch die Rechnung.

Seit September steigen die Zinsen der Euroländer, auch Deutschlands, ziemlich rasch. Der synthetische Zins aller Euroländer, gewichtet nach Wirtschaftsleistung, ist bereits um fast ein Drittel auf etwas über 5 % gestiegen und zuletzt sehr steil (Abb. 17201).


2012 werden die Zinsen mit Sicherheit weiter steigen, da allein in USA und der Eurozone Anleihen im Volumen von 4,6 Billionen US$ auslaufen und durch neue ersetzt werden müssen. Das Volumen wird um mehr als das Doppelte über dem von 2011 liegen, wobei vor allem die Krisenländer Italien (+450 %), Belgien (+343 %) und Spanien (+332 %) wesentlich mehr neue Finanzierung brauchen als im laufenden Jahr (Abb. 17204).


Zudem werden nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds die staatlichen Haushalte aller entwickelten Industrieländer im kommenden Jahr noch ein Defizit von 2,6 Billionen US$ oder mehr als 5 % des BIP mit sich herumschleppen, das über zusätzliche Schulden finanziert werden muß. Das sind dann zusammen mit den zu ersetzenden Anleihen 7,2 Billionen US$, ein geradezu gespenstischer Betrag, der da auf die ohnehin schon ängstlichen Kapitalmärkte zugeschoben wird.



Bisherige Anleihen des Eurorettungsschirms haben seit September schon 5 % an Wert verloren und die Rendite der neuesten EFSF-Anleihe ist bereits auf 4,1 % gestiegen (Abb. 17197).


Sollte Frankreich als das neben Deutschland wichtigste Garantenland für den EFSF seinen AAA-Status verlieren und die allgemeine Tendenz der Zinssteigerung anhalten, so kann der Zins für den EFSF im kommenden Jahr, wenn die Auflage neuer Anleihen in Europa gipfeln wird, leicht 6 % erreichen. Eurobonds müßten dann ähnlich hohe Zinsen bieten, falls alle Teilnehmer nur für ihren jeweiligen Anteil haften und nicht Deutschland für Alle und nicht viel weniger, wenn Alle für Alle haften. Die Zinslasten der deutschen Staatsschuld würden, falls über Eurobonds finanziert, drastisch in die Höhe schießen und erhebliche Steuererhöhungen nötig machen. Auch wären Zinsen um 6 % für viele hochverschuldete Länder bereits in kritischer und nicht dauerhaft verkraftbarer Höhe.

Umso mehr wird sich der politische Druck vergrößern, die Notenpresse der EZB total freizugeben und auf Teufel drauf los Euros drucken zu lassen, um die Schulden der Euroländer zu finanzieren. Dann zahlen die Verbraucher über die Inflation die Zeche.


Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2549 27-11-11: Nettolöhne und -gehälter minus 4 %, Unternehmens und Vermögenseinkommen plus 32 %

(bitte auch Startseite besuchen)

Der soziale Graben bei den deutschen Einkommen hat sich auch nach den jetzt veröffentlichten Zahlen im 3. Quartal 2011 weiter vertieft. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen gegenüber Vorjahr nach Abzug der BIP-Inflation auf Jahreswert gerechnet um satte 8,8 %. Andererseits fielen die Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer gegenüber dem Vorquartal nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise mit einer auf das Jahr gerechneten Rate von 1,9 % (Abb. 14849).


Über den ganzen Zeitraum seit dem Jahr 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer verbraucherpreisbereinigt um 4,0 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen bereinigt um den BIP-Inflator um 31,8 % expandiert sind.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2548 25-11-11: Wirtschafts- und Sozialentwicklung im 3. Quartal: Alles auf einen Blick in einer Abbildung

(bitte auch Startseite besuchen)

Die wichtigsten Detailergebnisse der jetzt veröffentlichten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zum 3. Quartal 2011 sind hier dargestellt (Abb. 04004).


Sie zeigen im Vorjahresvergleich ein weiteres Abrutschen der Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer (verbraucherpreisbereinigt) um 0,5 %, bei einem Anstieg der Unternehmens- und Vermögenseinkommen (BIP-inflatorbereinigt) um 2,3 %. Die Sparquote ist um 1,8 % gefallen und der Konsum privater Haushalte dementsprechend um 1,3 % gestiegen. Grund für weniger Ersparnisse könnte auch die Sorge um die Geldwertstabilität sein.



Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen weiteren Schaubildern und Analysen zu diesem Thema (kann hier bestellt werden, Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2547 25-11-11: Warum nicht eine Zwangsanleihe von den vermögenden Best- und Besserverdienern in der Eurozone?

(bitte auch Startseite besuchen)

Derzeit passieren eigenartige Dinge an den Finanzmärkten, die nach Erklärung schreien. Einerseits steigen die Zinsen für Staatsanleihen in der Eurozone immer mehr, und das nicht nur in den bisherigen Krisenländern. Innerhalb weniger Wochen seit Mitte September sind die Zinsen für französische 10-Jahresanleihen um die Hälfte von 2,48 % auf 3,72 % gestiegen und für deutsche um fast ein Drittel von 1,67 % auf 2,19 %. Mit diesen sich fortsetzenden Zinsaufschlägen würden selbst Eurobonds mit allen ihren sonstigen Nachteilen den Euro kaum noch retten können (Abb. 16613).


Dagegen ist andererseits der Zins auf britische Staatsanleihen von 2,52 % auf 2,16 % (-14 %) und damit erstmals noch unter den deutschen Zins gefallen. Und die kleine Herunterstufung der amerikanischen Staatsanleihen durch die Ratingagentur Standard und Poors hat keinerlei Auswirkungen auf das Zinsniveau für amerikanische Staatsanleihen gehabt, die sogar noch weiter gefallen sind.

Das macht angesichts der fundamentalen Daten alles nicht den geringsten Sinn, besonders wenn man berücksichtigt, daß Großbritannien im Unterschied zu Deutschland mit -9,4 % des BIP ein dramatisch höheres Haushaltsdefizit hat (so ziemlich das höchste in Europa, Abb. 15468), daß die britische Auslandsverschuldung pro Kopf mehr als doppelt so hoch ist und so ziemlich die höchste der großen Industrieländer (Abb. 16608) und daß Großbritannien mit dem Ausland ein hohes Leistungsbilanzdefizit von -2,4 % des BIP hat, während Deutschland mit 5,1 % den höchsten Überschuß aller größeren alten Industrieländer aufweist (Abb. 13664). Ebenso schleppen die USA wesentlich größere Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite, die die britischen noch übersteigen, mit sich herum als Deutschland und haben pro Kopf sogar höhere Auslandsschulden als Italien.




Natürlich leben Großbritannien und die USA - anders als beispielsweise das von den Ratingagenturen bedrohte und schon mal fälschlich herabgestufte Frankreich - im Schutz dieser Agenturen aus dem angelsächsischen Raum. Seit der Subprime-Krise ist öffentlich bekannt, in welchem korrupten Verhältnis die Agenturen mit der Wall Street und wahrscheinlich auch der Londoner City leben. Auch heizen die britische wie die amerikanische Regierung und viele Stimmen aus der Londoner City ständig die Eurokrise an, indem sie negative Kommentare über die bisherigen Bemühungen der Euroregierungen zur Stabilisierung des Euro streuen. Und dann kommen Schlag auf Schlag in ziemlich regelmäßigen Abständen die drei großen amerikanischen Ratingagenturen und stufen Euroländer weiter herunter. Die so orchestrierte Kampagne gegen den Euro ist natürlich durchaus im britischen und amerikanischen Interesse, denn diese Länder kämpfen auch ihrerseits und ganz besonders um Auslandsgelder zum Stopfen ihrer verglichen mit der Eurozone wesentlich größeren Löcher. Auch haben amerikanische und britische Banken mit Anleihen und CDS aus dem Euroraum hoch spekuliert und wollen jetzt, daß die deutschen Steuerzahler und Verbraucher über Rettungsgelder und die inflationäre Notenpresse der EZB die Rechnung bezahlen.



Nun gibt es in der Eurozone unheimlich viel Reichtum, der seine soziale Verantwortung scheut, blitzschnell über alle möglichen Grenzen wandert und sich teilweise schon bis Singapur abzusetzen beginnt. In ganz Europa lebten 2010 nach Berechnungen der US-Investmentbank Merrill Lynch im Weltreichtumsbericht von 2011 mehr als 3,1 Millionen Millionäre mit einem investierbaren Vermögen von jeweils mehr als 1 Mio US$ (nicht gerechnet Wohnimmobilie, Sammlerstücke, kurz- und langfristige Verbrauchsgüter). Der Gesamtwert dieser so definierten Vermögen belief sich auf 10,2 Billionen US$. Das ist weit mehr als das Doppelte der zusammengerechneten Staatsschuld aller fünf Eurokrisenländer im Gegenwert von 4,2 Billionen US$. Viele der Reichen und Bestverdiener kommen zudem aus den Krisenländern selbst und entziehen sich jeder nationalen Verantwortung.

Wenn man die Eurokrise wirklich stabilisieren will und gleichzeitig die Ratingagenturen aus dem Felde schlagen möchte, dann gibt es fast nur noch den Weg über Zwangsanleihen auf solchen Reichtum. Mit einer derartigen "Solidaritätsanleihe" können die vermögenden Best- und Besserverdiener gezwungen werden, im Tausch gegen langjährige und niedrig verzinste Solidaritätsanleihen über zwei bis drei Jahre einen erheblichen Anteil ihres Einkommens abzuführen. Der Anspruch auf Rückzahlung der Solidaritätsanleihe nach fünf bis zehn Jahren darf nicht übertragbar sein, so daß er dem Handel und damit auch den Ratingagenturen entzogen ist.

Zwangsanleihen wurden nach Wikipedia bereits im Mittelalter ab 1207 durch die Republik Venedig erhoben. Das geschah meist zur Finanzierung von Kriegen oder zur Getreideversorgung. Meistens betrugen die Anleihen 0,5 bis 2 % des beeideten Vermögens, gemeint ist der mobile Besitz - dazu zählten Waren, Bargeld, Schmuck, aber auch Einnahmen aus Häusern und Grundbesitz. Ein kurioses Beispiel einer Zwangsanleihe wurde 1922 in Griechenland unter Finanzminister Petros Protopapadakis praktiziert. Um die Inflation zu bekämpfen, wurde angeordnet, dass die Banknoten in der Mitte zerschnitten werden sollten. Die rechte Hälfte blieb Zahlungsmittel (zum halben Wert, womit die Geldmenge halbiert wurde) und die linke Hälfte musste zwangsweise gegen Staatsanleihen eingetauscht werden. Der US-Bundesstaat Kalifornien erhob im November 2009 zur Bekämpfung akuten Geldmangels eine zinslose Zwangsanleihe von 10% auf alle in seinem Hoheitsgebiet erwirtschafteten Einkommen.

In Deutschland wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1922 eine Zwangsanleihe eingeführt, um den Reparationsforderungen nachkommen zu können. Nach dem Krieg beabsichtigte die im Herbst 1982 neugebildete Bundesregierung, der sich verschlechternden wirtschaftlichen Entwicklung durch zusätzliche finanzielle Förderung des Wohnungsbaus zu begegnen. Eine Erhöhung von Steuern wollte sie indes vermeiden und beschloß deshalb, die Besserverdienenden zu diesem Zweck mit einer unverzinslichen, rückzahlbaren Abgabe in Höhe von 5 % der Einkommenssteuerschuld zu belasten. Die Abgabe war von einkommensteuerpflichtigen Personen nur zu entrichten, wenn die Bemessungsgrundlage 30.000 bzw. 15.000 DM überstieg. Doch hat das Bundesverfassungsgericht diese Abgabe später verworfen, weil der Bund dafür keine Gesetzgebungskompetenz gehabt habe.

Also sollte man sich in der Eurozone die rechtliche Möglichkeit schaffen, für alle wohlhabenden Best- und Besserverdiener eine solche rückzahlbare und sehr niedrig verzinste Solidaritätsanleihe einzuführen. Dieses Instrument wäre sozial gerechtfertigt, zumal gerade die Wohlhabenden unter der Krise bisher kaum gelitten haben und viele von ihnen die Krise durch Spekulation mit herbeigeführt haben. Die Solidaritätsanleihe könnte dann zur teilweisen Refinanzierung der am Markt gehandelten normalen Staatsanleihen dienen und so die Zinsbelastung langfristig absenken.


Der Wochenbrief kann hier bestellt werden. Ihre Bestellung unterstützt das Infoportal.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.



Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Grafik-Datenbank" - ist im August 2010 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-405-9). Zur Bestellung hier.