Hier Wochenbrief bestellen


Reihe 86 ab 02-09-11 ... ...

(2510) Der "freie Kapitalverkehr" ist zur großen Freiheit für Spekulanten verkommen

(2509) Bankenkrise ohne Ende?

(2508) Verstaatlicht doch endlich alle größeren Banken und laßt Griechenland u.Co. umschulden

(2507) Deutschlands Einzelhandelsumsatz weiter unter den Bremsern in der Alt-EU

(2506) Was hat die Agenda 2010 eigentlich noch gebracht, außer einem wuchernden Niedriglohnsektor?

(2505) Ohne einen integeren und effizienten öffentlichen Dienst wären die Nordlichter auch unter Euro-Wasser

(2504) 7 aus 5500: Deutschland in 7 kritischen Schaubildern

(2503) Niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1991 - wirklich?

(2502) Immer mehr negative Signale von der Konjunktur: Einzelhandelsumsatz minus 2,9 %

(2501) Statt verlorener deutscher Endloshilfen: Wie die Krisenländer sich selbst und den Euro retten können

(2500) 50.517 Euro pro deutschen Haushalt an Staatsschulden (plus Haftung aus Euro-Rettung = ?)

(2499) Der große Euroschwindel: Vier zentrale Lügen

(2498) Deutschland gibt pro Grundschüler fast ein Fünftel weniger aus als der OECD-Durchschnitt

(2497) Es wird Zeit, daß die "Geldschöpfer" unter den Euro-Rettungsaposteln die deutsche Verfassung zur Kenntnis nehmen

(2496) OECD Bildungsbericht 2011: Deutschland mit schlechtester Entwicklung bei Hochschulabschlüssen unter 28 Ländern

(2495) Deutsche Kinder schon jetzt vielerorts in der Minderheit hinter Immigrantenkindern

(2494) IWF schätzt 300 Mrd Euro Verluste für EU-Banken aus kriselnden Staatsanleihen

(2493) Die unerträglichen Euro-Sprüche des Herrn Steinbrück

(2492) Die Chancen für eine geordnete Rettung Griechenlands stehen schlecht

(2491) Wird Deutschlands Export in die Eurozone von der EU an die Leine gelegt?

(2490) Die chinesische Erpressung

(2489) Eskalierende Krise: Die deutschen Banken zu retten, ist noch möglich, Griechenland wahrscheinlich nicht mehr

(2488) Der Euro ist zum Angstmacher Nr. 1 geworden

(2487) Waren die SPD und die Grünen (und die ihnen nahe Wirtschaftswissenschaft) bei der Eurorettung durch Eurobonds zum Verfassungsbruch bereit?

(2486) Exporteinbruch: Der Propagandakampf des Bundeswirtschaftsministers gegen die Realitäten des Abschwungs

(2485) Kapitalismus in der Krise: Durchstarten mit angezogenen Lohnbremsen? - Kein Ausweg in Sicht

(2484) Ernteverluste durch globale Erwärmung

(2483) China - USA - Europa: Das schiefe Handels-Dreieck der Weltwirtschaft birgt Gefahren

(2482) Miserable Aussichten: Alle Früindikatoren der Weltwirtschaft stehen auf rot

(2481) Der kleine Schritt der Eurobonds von der angeblich zinsgünstigen Markttiefe zum Ramsch

(2480) Schlechte Wirtschaftsaussichten: Lahmende private Nachfrage und gebremste Exportentwicklung




global news 2510 10-10-11: Der "freie Kapitalverkehr" ist zur großen Freiheit für Spekulanten verkommen

(bitte auch Startseite besuchen)

Der freie Welthandel brauchte einen freien Zahlungsverkehr. Also wurden die Kapitalverkehrskontrollen im vergangenen Jahrhundert immer weiter abgebaut, bei Frankreich und Italien erst voll in 1990 sowie Spanien und Portugal in 1992. Die meisten Entwicklungsländer haben unter dem Druck von Internationalem Währungsfond und Weltbank ebenfalls ihre Kontrollen aufgeben müssen. Einige haben sie inzwischen nach leidvollen Krisenerfahrungen wieder eingeführt. Andere, wie vor allem China, haben sie nie aufgegeben. Seitdem ist der Zugang zum globalen Finanzkasino fast überall frei.

Prompt sind die Kapitalströme über die Grenzen immer weiter explodiert, vor allem dank eines gigantischen Ausmaßes an spekulativen Bewegungen, die weit über den Bedarf des internationalen Warenverkehrs hinausgehen. Allein die ausstehenden Währungswetten per Derivate sind auf 58 Billionen US$ geklettert, etwa eine Vervierfachung gegenüber dem Jahr 2000, während der internationale Handel nur um weniger als die Hälfte des Ausgangsniveaus zulegen konnte (Abb. 16502). Diese enorme Disparität zeigt den Effekt des rein spekulativen Währungshandels.




Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel schätzte den täglichen Währungsumsatz für April 2010 auf 4 Billionen US$, das entspricht etwa dem 500-Fachen der gesamten tagesdurchschnittlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Die Deutsche Bank ist im internationalen Vergleich der mit Vorsprung größte Währungshändler. Sie handelt wie ihre Konkurrenten im eigenen Namen spekulierend, aber mehr noch für andere Spekulanten, vor allem Hedgefonds.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2509 09-10-11: Bankenkrise ohne Ende?

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Krise einiger Euroländer an der Peripherie der Eurozone ist über die Banken längst zu einer Krise im Zentrum der EU geworden. Das hat die jetzt vorgenommene Herunterstufung von 12 Banken in Großbritannien, 9 in Portugal und einer in Belgien durch Moody's gezeigt, wie schon vor wenigen Tage die Totalpleite der großen französisch-belgischen Bank Dexia. Der Chef der Bank of England, Mervyn King, hält inzwischen die derzeitige Schulden- und Bankenkrise für "möglicherweise schlimmer als die Depression der 1930er Jahre". Viele fragen sich, wie ist es möglich, daß die Banken immer wieder gerettet werden müssen und wann hört das endlich auf.

Gegenüber den Euro-Krisenländern Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien hatten die deutschen Banken Ende Juni Forderungen von insgesamt 359 Mrd Euro oder mehr als 16 % aller ihrer Auslandsforderungen (Abb. 16279). Allein die Forderungen gegen Regierungen und Banken summieren sich dabei auf 185 Mrd Euro oder 67 % des echten Eigenkapitals deutscher Banken (ohne Hybridkapital, siehe unten, Abb. 16280).

Auf das besonders umschuldungsgefährdete Griechenland hat die Deutsche Bank und ihre neue Tochter Deutsche Postbank zusammen 2,43 Mrd Euro an Anlagen in Staatsanleihen. Bei 54,6 Mrd Euro Eigenkapital sind das immerhin 2,2 % bzw. sogar 23,2 % gemessen am Aktienkapital beider Banken. Die Deutsche Bank mußte im dritten Quartal weitere 250 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben; im zweiten Quartal waren es bereits 155 Millionen Euro. Noch wesentlich höher dürften die Engagements in Spanien und Italien sein. Der Aktienkurs hat sich allein seit Mai von 44 Euro auf nur noch knapp 27 Euro fast halbiert (Abb. 04919).

Inzwischen gibt es erste Schätzungen von Analysten, welcher zusätzliche Kapitalbedarf sich bei Abschreibungen auf Staatsanleihen der Eurokrisenländer bei den europäischen Banken ergeben würde. In den Modellen wird einerseits von einem frühzeitigen Eigenkapitalbedarf von 7 % der risikogewichteten Anlagen ausgegangen, wie er von der internationalen Absprache "Basel III" erst für in einigen Jahren vorgesehen ist. Andererseits werden unterschiedliche Szenarien an Abschreibungen auf die Staatsanleihen angenommen. JP Morgan kommt so zu einem Kapitalbedarf zwischen 150 Mrd Euro und 230 Mrd Euro. Dabei werden Abschreibungen von 60 % für Griechenland, 40 % für Portugal und Irland sowie 20 % für Italien und Spanien unterstellt. Die größten Kapitalbedürfnisse ergeben sich dann für die Deutsche Bank (10 Mrd Euro), Unicredit (8 Mrd Euro) und Societe Generale (6 Mrd Euro). Die Commerzbank ist unter den drei Banken, bei denen der Kapitalbedarf gemessen am Marktwert der Banken am höchsten ausfallen würde, nämlich mehr als zwei Drittel; aber auch bei der Deutschen Bank wären es fast die Hälfte ihres Aktienwertes (Abb. 16500).

Kommt es zu Zwangsabschreibungen wegen konkreter Umschuldungen überschuldeter Staaten, drohen Bankenpleiten. Mit der französisch-belgischen Dexia ist bereits die erste größere europäische Bank Pleiteopfer der Krise mit griechischen Staatsanleihen geworden. Auch wenn Banken an der Pleite vorbeikämen, müßten sie ihre Anlagen und damit die Finanzierung der Wirtschaft erheblich zurückfahren und so die Wirtschaftskrise noch weiter verschlimmern. Deswegen denken die Regierungen schon jetzt über weitere öffentliche Kapitalspritzen für die Banken nach.



Die Alternativen dafür sind einerseits weitere Garantien und andererseits Teilverstaatlichung. Letztere wird von der Bankenindustrie bekämpft, weil sie die Dividendenzahlungen und die Mitarbeiterentlohnung einschränken würde und weil der Aktienwert zu Lasten der vorhandenen Aktionäre durch zusätzliche staatliche Anteile verwässert würde. Die Teilverstaatlichung ist jedoch der einzige Weg, um die vorhandenen Kapitaleigner an den Kosten der Sanierung zu beteiligen und mit dem Einfluß des Staates als Teileigentümer die notwendige Kreditversorgung der Wirtschaft abzusichern.

Die eigentliche Lösung der Verschuldungsprobleme, auf die die Banken meist gesetzt hatten, und auch einige Regierungen und Notenbanken, war eine massive Inflationierung. Doch die ist in der Rezession jetzt nicht hinzukriegen und bleibt uns aufgehoben, bis die Nachfrage wieder anspringt.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern und vertiefter Analyse (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2508 05-10-11: Verstaatlicht doch endlich alle größeren Banken und laßt Griechenland u.Co. umschulden

(bitte auch Startseite besuchen)

Griechenland ist längst überfällig für einen drastischen Schuldenschnitt (ebenso wie Portugal und Irland). Die Wirtschaft geht immer mehr in den Keller. Die Schuldenquote steigt immer höher. Der Staatshaushalt produziert weiter hohe Defizite, die mit immer neuen Schulden finanziert werden müssen. Die griechische Bevölkerung geht in die Steuerverweigerung und den Generalstreik. Durch weiteres Verzögern wird der Bankrott nur noch teuerer für alle Beteiligten (bis auf viele Spekulanten).

Selbst das deutsche Kreditstanding leidet inzwischen an den Märkten, wie die Versicherungskosten per Credit Default Swaps (CDS) ausweisen. Die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets Bundesanleihen per CDS stiegen seit Juni um mehr als 8.000 Euro auf einen Rekordwert von 119.160 Euro oder auf 1,2 % der Anleihesumme (Abb. 16499). "Wenn es schlecht läuft, werden die Deutschen für den Rest Europas zahlen müssen", sagte kommentierend ein Börsianer. "Im Augenblick scheint alles darauf hinauszulaufen."


Doch mit Rücksicht auf die Bilanzen der europäischen Banken, die nach IWF 300 Mrd Euro an neuem Kapital brauchen, um ihre Anlagen in den Krisenländern wertzuberichtigen und um sich auf die wieder zunehmende weltweite Rezession einzustellen, wird der griechische Konkurs verzögert. Daneben muß wohl auch erst einmal der französische EZB-Präsident Trichet in den Ruhestand gehen, bevor die EZB-Bilanz wegen der dort notwendigen Abschreibungen in den Keller gehen darf. Oder die EZB muß sich vorher auf den Europäischen Rettungsschirm entlastet haben, der dann die von der EZB aufgekauften oder als angebliche Sicherheit in Zahlung genommenen Staatsanleihen aus Griechenland übernommen haben muß. Daher spielen die Regierungen auf Zeit. In den Worten des Kommentators der Financial Times Münchau stoßen sie die Büchse weiter die Straße hinunter, nachdem sie sie vorher mit Sprengstoff geladen haben.



Inzwischen gibt es - neben dem IWF - erste Schätzungen von Analysten , welcher Kapitalbedarf sich bei Abschreibungen auf Staatsanleihen der Eurokrisenländer bei den Banken ergeben würde. Dabei wird in den Modellen einerseits von einem frühzeitigen Eigenkapitalbedarf von 7 % der risikogewichteten Anlagen ausgegangen, wie er von der internationalen Absprache "Basel III" erst für sehr viel später vorgesehen ist. Andererseits werden unterschiedliche Szenarien an Abschreibungsbedarf auf die Staatsanleihen angenommen. JP Morgan kommt so zu einem Bedarf zwischen 150 Mrd Euro und 230 Mrd Euro. Dabei werden Abschreibungen von 60 % für Griechenland, 40 % für Portugal und Irland sowie 20 % für Italien und Spanien unterstellt. Die größten Abschreibungsbeträge ergeben sich dann für die Deutsche Bank (10 Mrd Euro), Unicredit (8 Mrd Euro) und Societe Generale (6 Mrd Euro). Die Commerzbank ist unter den drei Banken, bei denen der Abschreibungsbedarf gemessen am Marktwert der Banken am höchsten ausfallen würde, nämlich mehr als zwei Drittel; aber auch bei der Deutschen Bank wären es fast die Hälfte ihres Aktienwertes (Abb 16500). Nomura kommt sogar auf einen Gesamtabschreibungsbedarf bis zu 400 Mrd Euro.


Die europäischen Banken müssen im 1. Quartal 2012 etwa 170 Mrd Euro an Krediten aufnehmen, um fällig werdende zu refinanzieren. Angesichts des befürchteten Abschreibungsbedarfs und der entsprechenden Verunsicherung der Märkte kann das schwierig werden Kommt es zu Zwangsabschreibungen wegen konkreter Umschuldungen überschuldeter Staaten drohen Bankenpleiten. Mit der französisch-belgischen Dexia ist bereits die erste größere europäische Bank Opfer der Krise mit griechischen Staatsanleihen geworden. Auch wenn Banken an der Pleite vorbeikämen, müßten sie die Finanzierung der Wirtschaft erheblich zurückfahren.

Tatsächlich scheint auch Ackermanns Deutsche Bank als größtes deutsches Institut gefährliche Bilanzleichen im Schrank zu haben. So mußte sie im dritten Quartal weitere 250 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben; im zweiten Quartal waren es bereits 155 Millionen Euro. Noch wesentlich höher dürften die Engagements in Spanien und Italien sein. Der Aktienkurs hat sich allein seit Mai von 44 Euro auf nur noch 26 Euro fast halbiert (Abb. 04919).


Es ist wirklich an der Zeit, alle größeren Banken mit hohem Abschreibungsbedarf zu verstaatlichen. Sie haben mit viel zu wenig Eigenkapital sich erst mit den amerikanischen Subprime Papieren und dann mit Subprime Staatsanleihen verspekuliert, um maximale Gewinne einzufahren, und haben nun mit ihren anbrennenden Bilanzen erneut ganze Volkswirtschaft als Geiseln genommen. Man kann sie dann nach Ende der Krise wieder privatisieren und gewinnt zwischendurch die unschätzbare Freiheit, die Risiken an der Europeripherie unter voller Beteiligung der Gläubiger sauber abzutragen, wobei viele Gläubiger in den Ländern selbst beheimatet sind und schon deshalb kein Risiko für die internationalen Finanzmärkte darstellen sollten (Abb. 16495). Die Verstaatlichung kommt bei den derzeitigen Aktienkursen nicht einmal besonders teuer.


Es kann doch so nicht weitergehen. Auch in der Großen Depression der 30er Jahre, der die heutige Krise immer mehr zu ähneln beginnt, mußten die Banken verstaatlicht werden. Ebenso waren nach dem Zweiten Weltkrieg die Bankensektoren in den meisten Ländern Europas für lange Jahre staatlich. Marktwirtschaft kann auch mit staatlichen Banken funktionieren, wahrscheinlich sogar - mindestens in Krisenzeiten - besser.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2507 06-10-11: Deutschlands Einzelhandelsumsatz weiter unter den Bremsern in der Alt-EU

(bitte auch Startseite besuchen)

Unter den 15 Ländern der Alt-EU hat sich der deutsche Einzelhandelsumsatz seit etwa 5 Jahren am unteren Ende gehalten. Im August 2011 wurde der Index (Jahr 2005 = 100) etwa auf gleichem Niveau wie der dänische nur von den Werten in den Euro-Krisenländern Griechenland, Spanien und Portugal unterboten (Abb. 15169).




Deutschland ist also alles Andere als eine Lokomotive für die Eurozone und schädigt mit seinem Exportüberschuß zudem noch die Partner erheblich. Bei dieser Situation des bei Weitem größten Eurolandes mit Importbremse und Export-Overdrive muß die Eurozone früher oder später an den Ungleichgewichten und den Grenzen für Kreditfinanzierungen zerbrechen.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2506 05-10-11: Was hat die Agenda 2010 eigentlich noch gebracht, außer einem wuchernden Niedriglohnsektor?

(bitte auch Startseite besuchen)

Weder die frühere SPD/Grüne-Koalition unter Schröder als Urheberin der Agenda 2010, noch die jetzige CDU/CSU/FDP-Koalition können oder wollen sich auch heute nicht von diesem radikalen 2004 eingeführten Programm verabschieden. Man muß die 5 Jahre davor von 1998 bis 2003 und die 5 Jahre von 2003 bis 2008 miteinander vergleichen, um zu einer Einschätzung zu kommen.

Die Agenda 2010 hat in Deutschland jedenfalls einen wuchernden Niedriglohnsektor geschaffen, der seinerseits zu den hohen Bilanzüberschüssen in der Eurozone beigetragen hat, die sie heute zu zerstören drohen. Gab es 2003 vor der Agenda 2010 4,7 Mio Bezieher von Arbeitslosengeld in seinen verschiedenen Formen, so waren es Ende 2008 5,9 Millionen (Abb. 17117). Befristete und Leiharbeitsverhältnisse sprangen von 2,3 Mio 2003 auf 3,5 Mio 2008 hoch (Abb. 17118).



Nun hat Schröder immer behauptet, die Agenda 2010 sei eine zwingende Konsequenz der Globalisierung gewesen, um Deutschland aus dem Tief zu holen, in das es im Vergleich mit anderen Ländern gefallen sei. Gerhard Schröder:

"Man darf ja nicht darüber hinwegsehen, daß die Globalisierung uns zu bestimmten Maßnahmen zwingt".

Und Schröder in seiner Regierungserklärung zur Agenda 2010 vom 14. 3. 2003:

"Im weltweiten Wettbewerb gilt es, den Standort Deutschland zukunftsfest zu machen. ... Wir müssen den Mut aufbringen, in unserem Land jetzt die Veränderungen vorzunehmen, die notwendig sind, um wieder an die Spitze der wirtschaftlichen und der sozialen Entwicklung in Europa zu kommen. .. Unsere Agenda 2010 enthält weitreichende Strukturreformen. Diese werden Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts bei Wohlstand und Arbeit wieder an die Spitze bringen."

Oder der damalige Bundespräsident Köhler:

"Die Welt ist in einem tief greifenden Umbruch. Wer hier den Zug verpaßt, bleibt auf dem Bahnsteig stehen".

Oder der damalige Brüsseler Industriekommissar Günter Verheugen (SPD):

"Wir müssen unsere Volkswirtschaften bewußt dem Wettbewerb aussetzen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in billiger produzierende Länder ist nicht mehr aufzuhalten."

Auch jetzt noch argumentierte Hannelore Kraft, SPD-Ministerpräsidentin von NRW, in der ARD-Reportage "18 Monate unter Genossen" vom 26. Juli:

"Gerhard Schröder war zu der Implementierung der Agenda-2010 gezwungen, da Deutschland in Europa Letzter gewesen ist".



Doch in dieser Hinsicht hat die Agenda 2010 wenig oder gar nichts gebracht. In der Wirtschaftsentwicklung 2003-2008 kam Deutschland auch nur auf den 17. Platz unter 21 Vergleichsländern, im Zeitraum 1998-2003 war das der 19. Platz gewesen. Deutschland konnte sich - gleichauf mit Dänemark - gerade mal an den beiden Schwachländern Italien und Portugal vorbeischieben und mußte andererseits die Schweiz an sich vorbeiziehen lassen (Abb. 17119).


Die folgenden Jahre 2009 und 2010 sind wegen der verzerrenden Wirkung der globalen Krise für den Vergleich weniger geeignet. Allerdings bleibt Deutschland auch für die Jahre 2004 bis 2010 beim Wirtschaftswachstum in der Schlußgruppe der Länder (Abb. 15401).


Mit seiner rigorosen Lohnbremse konnte Deutschland den nominalen Anstieg der Löhne und Gehälter von 2,6 % pro Jahr für 2000 bis 2003 (vor 2000 liegen bei den meisten Ländern keine Daten von Eurostat vor) noch einmal auf 1,7 % absenken und blieb nur von dem abstürzenden Griechenland unterboten am Ende des internationalen Vergleichsfeldes . Vor allem aber stürzte bei ausgebremster Massenkaufkraft die Nachfrage der privaten Haushalte weiter ab. Lag Deutschland hier 1998-2003 auf dem 15. Platz von 17, so landete es nun zwischen 2003 und 2008 auf dem letzten Platz. Dementsprechend ist es auch exportabhängiger geworden und wird nun wirtschaftlich von der Eurokrise besonders bedroht.

Schließlich konnte Deutschland trotz des Quasi-Arbeitszwangs von Hartz4 und vieler statistischer Tricks nicht vermeiden bei der Langzeitarbeitslosigkeit vom 15. Platz in 2003 vor der Agenda 2010 auf den 17. und letzten Platz herunterzufallen (Abb. 15402).


Fazit

Die Agenda 2010 hat mit Hartz4 vor allem Sozialleistungen für Arbeitslose gespart (was wohl das eigentliche Ziel war). Im internationalen Vergleich hat sie sehr wenig gebracht, zumal der Exportvorteil gegenüber den Eurozonenpartnern aus gedrückten Löhnen ohne vorgeschriebene Mindestlöhne nun durch die Eurokrise wieder zunichte gemacht wird und sogar deren Zusammenhalt und Zukunft gefährdet. Die Agenda hat daneben den Kapitaleignern der deutschen Exportindustrie besondere Gewinne beschert, soweit sie in der Eurozone erzielt wurden, die nun über die Eurorettungsaktionen auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Soweit die Exportindustrie von einem im hypothetischen Vergleich mit einer fortbestehenden DM schwachen Euro profitierte und weiter profitiert, trägt ebenfalls die Allgemeinheit über entsprechend verteuerte Importkosten vor allem für Energie und Nahrungsmittel die Lasten. Gesamtwirtschaftlich muß die Agenda 2010 als Fehlschlag eingestuft werden. Sie hätte allenfalls zugleich mit flächendeckenden Mindestlöhnen und einem durch starke Gewerkschaften geschützten allgemeinen Lohnniveau eingeführt werden dürfen, wäre aber auch dann sozialpolitisch verheerend gewesen.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen zusätzlichen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2505 04-10-11: Ohne einen integeren und effizienten öffentlichen Dienst wären die Nordlichter auch unter Euro-Wasser

(bitte auch Startseite besuchen)

In der Eurokrise zeigen sich die großen Unterschiede in der Effizienz, den Kosten und der Integrität des öffentlichen Dienstes zwischen Nord- und Südlichtern der Eurozone.

Beamte kosten zunächst einmal Geld. Hat ein Land einen wuchernden Beamtenapparat, so ist es schon deshalb schlecht dran. Griechenland beispielsweise hat noch immer nach Verfassung unkündbare 700.000 Beamte (Untergrenze von Schätzungen bis zu 1 Mio) oder je ein Beamter auf 6,3 Beschäftigte. In Deutschland sind es dagegen bei 1,6 Mio Beamten nur einer auf 24,2 Beschäftigte. Dabei wurde der griechische Beamtenapparat aufgeblasen, weil Politiker dort regelmäßig einen Teil ihrer Anhänger unterbrachten und weil auf diese Weise auch die Arbeitslosigkeit bekämpft wurde.

Nach der Statistik der OECD kosteten die Beamten als Anteil an allen öffentlichen Ausgaben 2005 in Portugal 30 %, Griechenland und Spanien 26 % sowie Italien 23 %, doch in Deutschland waren es nur 16 %. Dabei war in Deutschland die Zahl der Beamten und Richter bis 1994 noch stark gestiegen, ist dann aber immer weiter abgebaut worden. Auch das vollzeitbeschäftigte Personal des gesamten öffentlichen Dienstes ist in Deutschland in den vergangenen Jahren immer weiter abgebaut worden, wobei ein Teil in Teilzeit umgewandelt wurde.

Wichtig ist auch der gesamte Staatsanteil an der Beschäftigung, also einschließlich der öffentlichen Unternehmen. Hier ist der griechische Anteil seit 1999 noch einmal leicht von 21,3 auf 22,3 % gestiegen, der deutsche dagegen von 17,3 auf 14,1 % zurückgegangen (Abb. 15400).


Vor allem aber fällt die Integrität und Effizienz des Beamtenapparats ins Gewicht. Denn er muß die für den Staatshaushalt und die Verschuldung eines Landes entscheidenden Steuern eintreiben. Es muß auch sonst effizient und unparteiisch arbeiten. Auch hier sieht es in Griechenland und anderen Südlichtern nicht besonders gut aus, weil Ineffizienz und Bestechlichkeit sehr oft entgegenwirken. Hätte Deutschland einen solchen Beamtenapparat, so würde es wahrscheinlich auch von seinen Schulden erdrückt werden, ohne die Steuern entsprechend anheben zu können.



Dazu Prof. Michael Kelpanides, Soziologe an der Universität Thessaloniki, in seinem lesenswerten Interview in der FAZ:

"Wir haben es zu tun mit einem Kreislauf zwischen einer korrupten politischen Klasse und ihrer an Korruption und an individuelle Begünstigung gewöhnten Klientel. Die Regeln, nach welchen öffentliche Güter verteilt werden, unterscheiden sich aber. Das hängt wesentlich mit der Struktur der Parteiensysteme zusammen. In den entwickelten (nach-)industriellen Demokratien besteht die Basis der Parteien im Großen und Ganzen noch - obwohl sich auch das zunehmend ändert - aus Gruppen mit distinktem sozioökonomischem Profil. Wenn eine Partei daher potenziellen Wählern zwecks Stimmenfangs ihre "Gunst" erweist, dann muss sie mit ihren Angeboten erstens die Bedürfnisse relativ breiter gesellschaftlicher Gruppen befriedigen und kann zweitens infolge des hohen Niveaus der Staatlichkeit in den stabil institutionalisierten Demokratien Nordwesteuropas die geltenden Gesetze nicht direkt verletzen, weil sich das gegen sie wenden würde. Anders ist die Situation in den Gesellschaften der südlichen Peripherie mit ihren schwachen Institutionen, in denen die Staatsverwaltung niemals Unabhängigkeit gegenüber Partikularinteressen besessen hat - in der Form etwa, wie sie die durch Preußen geprägte deutsche Staatsverwaltung seit der Ära des Reformabsolutismus besitzt. Das historisch bedingte Fehlen starker politisch-administrativer Strukturen in den Gesellschaften des Balkans seit ihrer Staatsgründung im 19. Jahrhundert hatte das Vorherrschen von Klientelismus, Nepotismus und Korruption zur Folge. An diese Praktiken haben sich die Bürger und Wähler seit Generationen weitgehend gewöhnt. Sie würden daher einen prinzipientreuen Politiker, der die Abschaffung dieser Praktiken glaubhaft verkündet, nicht wählen oder ihn bald wieder abwählen.

Er (Ministerpräsident Papandreou) kommt gegen die anachronistischen, ja archaischen Bedingungen des politischen und des ökonomischen Systems in Griechenland nicht an. Politik ist eben eine Resultante, die selbst ein Ministerpräsident nur zum Teil gestalten kann. Außerdem ist seine Regierung bisher den leichten Weg gegangen, indem sie die abhängig Beschäftigten die Zeche zahlen ließ und nicht die großen Steuerhinterzieher mit ihren Jachten und ihrem gesellschaftlichen Exhibitionismus - weil es schwieriger ist, diese Leute zu kriegen. Das gegenwärtige Schröpfen der abhängig Beschäftigten wird die große Mehrheit der lohn- und gehaltsabhängigen Griechen dieser Regierung nicht verzeihen."

Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen zusätzlichen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2504 01-10-11: 7 aus 5500: Deutschland in 7 kritischen Schaubildern

(bitte auch Startseite besuchen)

Über etwa sechs Jahre sind fast 5500 analytische Schaubilder entstanden, um die deutsche und internationale Situation in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu beschreiben. Sie bevölkern und unterfüttern die Wochenbriefe, das Infoportal und meine Bücher.

Sieben der derzeit kritischsten Schaubilder, die in meiner Beurteilung das deutsche Politikversagen markant beschreiben und dokumentieren, habe ich nun für das Infoportal hier zusammengestellt.



Sie zeigen, wie Deutschland im Vergleich zu seinen Partnern in der Bildung seine Zukunft verspielt, wie sich der Arbeitsmarkt in Wahrheit verschlechtert hat, wie die Verteilungsgerechtigkeit verzerrt wurde (nicht zuletzt durch Steuervorteile für die Besserverdiener), wie dementsprechend die private Nachfrage auf den letzten Platz der Alt-EU abgesackt ist und wie viel unzufriedener Deutsche vom mittleren Alter an - verglichen mit ihren Altersgenossen in USA und Großbritannien - sind. Es ist ein Bild eklatanten Politikversagens der politischen, wissenschaftlichen, unternehmerischen und journalistischen Elite des Landes. In der sich verschärfenden Krise wird Deutschland noch mehr darunter leiden müssen.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2503 01-10-11: Niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1991 - wirklich?

(bitte auch Startseite besuchen)

Bundesregierung und Medien feiern heute wieder einmal die Zahlen vom Arbeitsmarkt, angeblich die besten seit 1991 oder 20 Jahren. So schreibt die FAZ:

"So wenige Menschen ohne Arbeitsplatz gab es zuletzt 1991. Trotz trüber Konjunkturaussichten fürchtet die Bundesagentur vorerst keine Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt."

Das stimmt in doppelter Hinsicht nicht. Einerseits wird heute mit der Statistik viel mehr getrickst als noch 1991. So beziehen immer noch 5,3 Mio Menschen Arbeitslosengeld I oder II, haben also keinen richtigen Job. Das waren im Jahr 2000 1,4 Mio weniger, die damals die verschiedenen Formen von Unterstützung für Arbeitslose bekamen (Abb. 17117). Auch das in Stunden ausgewiesene Arbeitsvolumen ist liegt heute um 4 % unter dem von 1991 (Abb. 14714).





Andererseits ist es angesichts der sich stark eintrübenden deutschen und internationalen Konjunktur unsinnig, keine Verschlechterung auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erwarten. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der befristeten und Leiharbeitsverhältnisse von 2,5 auf 3,6 Mio gestiegen (Abb. 17118). Das ist ein Potenzial, das bei jedem Konjunktureinbruch viel schneller als normale Arbeitnehmer freigesetzt werden kann und nach allen Erfahrungen aus der bisherigen Krise auch freigesetzt wird.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2502 30-09-11: Immer mehr negative Signale von der Konjunktur: Einzelhandelsumsatz minus 2,9 %

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Statistische Bundesamt setzt die schöne Überschrift "Einzelhandelsumsatz im August 2011 real um 2,2 % gestiegen" und räumt dann im Text das Gegenteil ein:

"Allerdings hatte der August 2011 mit 27 Verkaufstagen auch einen Verkaufstag mehr als der August 2010. Im Vergleich zum Juli 2011 ist der Umsatz im August 2011 kalender- und saisonbereinigt nominal um 3,0 % und real um 2,9 % gesunken."

Tatsächlich ist der Trend schon seit Anfang 2008 negativ (Abb. 04943) und liegt der Umsatz jetzt um 2,3 5 unter dem Niveau von vor drei Jahren. Auch der meist schönfärbende Index der Gesellschaft für Konsumforschung tendiert seit mehreren Monaten nach unten (Abb. 04711).



Ebenso fiel der viel beachtete EU-Stimmungsindikator im September weiter unter den langfristigen Durchschnitt und auf das tiefste Niveau seit fast 2 Jahren (Abb. 13544). Dabei fällt der Indikator für Deutschland schon seit Ende vergangenen Jahres.




Trotzdem ist der Verbraucherpreisanstieg in Deutschland mit plus 2,6 % im September auf ein Dreijahreshoch gestiegen (Abb. 17013).


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2501 29-09-11: Statt verlorener deutscher Endloshilfen: Wie die Krisenländer sich selbst und den Euro retten können

(bitte auch Startseite besuchen)

Die 5 Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien (PIIGS) haben zusammen Staatsschulden von 3,3 Billionen Euro (Abb. 16496).


Dementsprechend geistern in der internationalen Diskussion um die Rettung des Euro Beträge zwischen 1 und 3 Billionen Euro für eine Aufstockung der Feuerkraft des Rettungsschirms (EFSF) über die derzeit vorgesehen 750 Mrd Euro hinaus herum. Andere Stimmen aus Politik und Wissenschaft gehen noch weiter und schlagen eine Schuldengemeinschaft über Eurobonds für 60 % der 3,3 Billionen Euro also rund 2 Billionen Euro vor. Würde wegen konkreter Ausfälle praktisch ein Fünftel gebraucht - die Märkte preisen derzeit etwa 20 % als Verluste aus Staatsanleihen der PIIGS ein - so ergäben sich immer noch Ausfallbeträge bis zu fast 700 Mrd Euro.

Der letzte Financial Stability Report des IWF errechnet nach derzeitigen Versicherungsprämien (CDS) Ausfälle der kriselnden Staatsanleihen (PIIGS und Belgien) für die EU-Banken von zusammen etwa 200 Mrd Euro. Das wären ebenfalls etwa 20 % (genau 22,6 %) Verlust gemessen am Nominalbetrag der von den EU-Banken gehaltenen Staatsanleihen. Auch das bestätigt den Gesamtbetrag an derzeit wahrscheinlichen Verlusten von 20 % oder rund 700 Mrd Euro aus Staatsanleihen der PIIGS.

Der deutsche Anteil an solchen Endloshilfen oder Haftungssummen wäre gigantisch. Nach Anteilen am EZB-Grundkapital gerechnet, müßte Deutschland für 27 % aufkommen. Doch können die Krisenländer selbst nicht weiter auf der Gläubigerseite mitgerechnet werden, so daß sich der deutsche Anteil auf knapp 43 % erhöht. Bei 700 Mrd Verlusten entfielen auf Deutschland etwa 300 Mrd Euro. Man muß das mit dem Aufkommen des deutschen Solidaritätszuschlags von 11,7 Mrd Euro in 2010 vergleichen und kann sich dann ausrechnen, wie unerträglich hoch ein Euro-Solidaritätszuschlag in Deutschland aussehen müßte. Zudem wären solche maximalen Hilfestellungen der Europartner Endloshilfen, da die Krisenländer (bis auf das kleine Irland) mangels Wettbewerbsfähigkeit ständig neue Defizite in den Leistungsbilanzen aufbauen und da sie angesichts großzügiger Hilfen wenig Anlaß zu schmerzhaften Haushaltssanierungen hätten.

Doch gibt es Wege, die Probleme der Eurozone mindestens für die kommenden Jahre ohne einen so extremen Einsatz deutscher Hilfe zu lösen. Die kleineren Krisenländer Griechenland, Portugal und Irland und die dort verhafteten Banken aus der übrigen Eurozone sowie den Krisenländern selbst können über das ohnehin geplante Volumen der ESFS ausreichend stabilisiert werden, wenn gleichzeitig zu Lasten der privaten Gläubiger kräftige Umschuldungen zur Senkung des derzeitigen Schuldenvolumens von zusammen 679 Mrd Euro betrieben werden, z.B. um 70 % bei Griechenland. Bei diesen Ländern führt ohnehin kein Weg an der Umschuldung vorbei und jede Verzögerung erhöht nur die Kosten für die Steuerzahler, weil immer weitere private Gläubiger zwischenzeitlich ausgezahlt werden.

Dann bleibt das eigentliche Problem der großen Schuldner Spanien und Italien mit einem Staatsschuldenvolumen von zusammen 2.610 Mrd Euro, davon 680 Mrd Euro bis Juni 2013 fällig (Abb. 16497). Derzeit müßte Italien für die Refinanzierung an den Finanzmärkten 5,54 % (bei der letzten Auktion 5,86 %), Spanien 5,07 % Zins zahlen (Abb. 16498), und das trotz der Stützungkäufe der EZB. Das sind dauerhaft bei dem hohen Schuldenvolumen und den schlechten Wirtschaftsaussichten nicht verkraftbare Zinsraten. Beide Länder können jedoch schon wegen ihrer Bedeutung für die Eurozone nicht umschulden, ohne den Euro schwer zu schädigen.



Allerdings werden von den 2.610 Mrd Euro nicht weniger als 1.500 Mrd Euro oder 58 % von Anlegern in diesen Ländern gehalten (Abb. 16495).


Das Problem der Behandlung von Inlandsforderungen gegen den Staat ist ein ganz anderes als das komplizierter Verhandlungen mit ausländischen Gläubigern. Hier können die Regierungen (erforderlichenfalls per Gesetz) einen Zahlungsaufschub von einigen Jahren anordnen, bis die Krisenphase durch Umstrukturierungen in den Staatshaushalten gelöst ist. Deshalb weist auch der IWF die Staatsschulden gegenüber ausländischen Gläubigern getrennt aus. In der Vergangenheit hat sich der IWF in der Regel mit eigenem Druck eingeschaltet, um ausländische Gläubiger zu schützen, was er nicht für inländische tun würde.

In diesem Zusammenhang nützt ein Blick auf Japan. Mit 13,3 Billionen Dollar oder 229 % seiner Wirtschaftsleistung hat Japan die weltweit um Längen höchste Staatsverschuldung. Dennoch kaufen ausländische Anleger die japanischen Staatsanleihen trotz niedrigster Zinsen, weil 93,6 % der japanischen Staatsschulden im Inland gehalten werden und dieser Teil der Verschuldung als relativ ungefährlich für ausländische Anleger gilt.

Auf Hilfe ihrer Europartner sollten Italien und Spanien bei einem zeitweisen Auszahlungsstop für inländische Anleger nicht angewiesen sein. Auch wäre - anders als bei einer Umschuldung der Forderungen ausländischer Gläubiger - der Euro nicht in Gefahr. Wenn das Ziel der Retterregierungen derzeit - wie erklärt - ist, Zeit für Haushaltssanierungen zu kaufen, so können sich Spanien und Italien diese Zeit durchaus bei den im Inland gehaltenen Staatsanleihen selbst kaufen. Das hätte dann auch den großen Vorteil, den Sanierungsdruck im Lande zu verstärken. Mit der zeitweise Aussetzung von Rückzahlung an Inlandsgläubiger würde dann die Refinanzierung an den derzeit besonders ungünstigen Kapitalmärkten vermieden werden.

Nun hat man mir entgegengehalten, daß es zu einem Run auf Verkauf der Staatsanleihen in Spanien und Italien kommen könnte, falls die Pläne eines solchen Moratoriums für Inländer bekannt würden. Doch das ist nicht sehr wahrscheinlich, weil sich die Anleger bei Verkauf zu stark abgesenkten Preisen doch nur selbst schädigen würden, während das Abwarten nach Aussetzung der Rückzahlung nur einen Zeitverlust bedeuten würde. Außerdem würde der italienische oder spanische Staat die Staatsanleihen natürlich weiter verzinsen, so daß es auch deshalb kaum zu einem Run käme.

Eine ähnliche interne Regelung der zeitweisen Aussetzung von Rückzahlungen per Gesetz gibt es beispielsweise bei deutschen offenen Immobilienfonds. Deren Auszahlung kann für bis zu drei Jahren gestoppt werden, bis sich die Märkte aus einer Krise erholt haben, und davon haben die meisten derartigen Fonds auch in dieser Krise vollen Gebrauch gemacht. Da geistern nun Kaufangebote von Investitionsgesellschaften mit Abschlägen um 20 % herum, die trotzdem kaum aufgegriffen werden, weil die Anleger lieber auf eine Wiederöffnung der Fonds warten.



Es ist ohnehin nicht einzusehen, warum der deutsche Steuerzahler für das Einkommen italienischer oder spanischer Anleger aufkommen soll, wenn der Euro selbst nicht in Gefahr ist. Die internationalen Fälligkeiten aus den verbleibenden 42 % an Staatsschulden werden Italien und Spanien zu akzeptablen Bedingungen refinanzieren können. Notfalls würde auch hier der ESFS helfen können.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2500 27-09-11: 50.517 Euro pro deutschen Haushalt an Staatsschulden (plus Haftung aus Euro-Rettung = ?)

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach heutiger Mitteilung des Statistischen Bundesamts stiegen die deutschen Staatsschulden im vergangenen Jahr um 20,3 % auf über 2 Billionen Euro (Abb. 14158). Das waren 82 % der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung (Abb. 17116) und entsprach rechnerisch einer Schuldenlast von 24.904 Euro je Einwohner/-in oder 50.517 Euro je Haushalt in Deutschland.



Die Schulden des Bundes stiegen dabei in 2010 um mehr als ein Viertel (25,5 %) auf 1,3 Billionen Euro, die der Länder auf 600 Mrd Euro und die der Gemeinden auf 123 Mrd Euro.



Welche Schuldenlasten den deutschen Haushalten zusätzlich durch die Rettung der Euro-Krisenländer aufgebürdet werden können, läßt sich nur grob schätzen. Die Märkte rechnen derzeit bei den Staatsanleihen von Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien mit einem Ausfall in der Größenordnung von 600 Mrd Euro. Der deutsche Haftungsschlüssel nach EZB-Anteilen (ohne die Krisenländer) liegt bei knapp 43 %. Also wäre mit einer Belastung von etwas mehr als 255 Mrd Euro für Deutschland zu rechnen, wenn es entsprechend den bisherigen politischen Erklärungen zu keiner Umschuld unter Beteiligung privater Gläubiger kommen sollte. Für jeden deutschen Haushalt wären das noch einmal 6.350 Euro an Schuld- und Haftungsbelastung. Allerdings enthält diese Schätzung keinen Ansatz für die Stützung der Banken in den Krisenländern, die ebenfalls notwendig werden dürfte. Auch ist die wahrscheinliche Verteuerung der Finanzierung der deutschen Staatsschuld bei einem entsprechenden Anstieg der deutschen Verschuldungsquote nicht berücksichtigt.

Die Belastung von 255 Mrd Euro entspricht auf 10 Jahre verteilt etwa dem doppelten jährlichen Aufkommen des Solidaritätszuschlags, der also 10 Jahre lang mehr als verdreifacht werden müßte, wenn der Ausfall, mit dem die Märkte rechnen, unter deutscher Beteiligung auf diesem Wege kompensiert werden sollte und die privaten Gläubiger nicht im Rahmen einer Umschuldung einspringen müßten.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2499 26-09-11: Der große Euroschwindel: Vier zentrale Lügen

(bitte auch Startseite besuchen)

Seit die Eurokrise unübersehbar ist, wird uns viererlei eingeredet: (1) Wir seien als Deutsche die Hauptprofiteure des Euro, (2) der Euro sei härter als die DM, (3) durch deutsche Garantien und Mithaftung könne er gesunden und (4) bei der Eurorettung würden die privaten Gläubiger mitbluten. Das ist viermal gelogen.

1. Mit Einführung des Euro hat sich Deutschland unter dem Druck seiner Exportunternehmen in großem Umfang Lohnzurückhaltung verordnet und damit seine Binnenwirtschaft auf Eis gelegt. Die Lohnzurückhaltung war Kern des Konzepts, deutsche Wettbewerbsstärke gegenüber den Partnern aufzubauen, die sich nicht mehr durch Abwertung einer eigenen Währung schützen konnten. Bis zum Ausbruch der Krise 2007 entwickelte sich bei ausgebremster Massenkaufkraft der private Verbrauch in keinem vergleichbaren Land so schlecht wie in Deutschland (Abb. 15382). Auch die Wirtschaftsleistung insgesamt entwickelte sich nur in Italien und Portugal noch schlechter als in Deutschland (Abb. 15383). Die deutsche Industrie fuhr die Investitionen in Deutschland zurück und investierte statt dessen u.a. in anderen Ländern der Eurozone (Abb. 17045). Ohne den Euro wären diese gravierenden negativen Folgen nicht eingetreten.




Soweit Deutschland Leistungsbilanzüberschüsse aufbauen konnte, wurden Arbeitsplätze zu Lasten der Partner aufgebaut. Doch hat das auch mit zur Euro-Krise geführt und drohen nun die deutschen Forderungen in einer Schuldenunion verloren zu gehen und werden am Ende bei einbrechendem Export auch die exportlastigen Arbeitsplätze nicht zu halten sein.

2. Der Euro zeigt nur wegen der Krise derzeit wenig Inflationstendenzen. Ein Vergleich mit dem Schweizer Franken, dem die DM immer nahe war, beweist jedoch, wie schwach der Euro im Vergleich zur DM wirklich ist (Abb. 16267). Auch ist die Inflation in Deutschland seit Einführung des Euro höher als in der Schweiz (Abb. 15030).





3. Mit deutschen Garantien für Rettungsmaßnahmen oder einer Mithaftung im Rahmen einer Schuldenunion wird sich der Euro nicht längerfristig gesunden lassen. Zu groß sind die Ungleichgewichte in der Wettbewerbsfähigkeit geworden. Deutschland hat mit mehreren Ländern der Eurozone erhebliche Leistungsbilanzüberschüsse aufgebaut, seit dem Jahr 2000 in der Größenordnung von 600 Mrd Euro (Abb. 14236). Viele dieser Länder haben dementsprechend erhebliche Leistungsbilanzdefizite (Abb. 16214, 16368), vor allem mit Deutschland (Abb. 16413). Solange diese Ungleichgewichte nicht abgebaut werden, in Deutschland vor allem durch Lohnsteigerungen, wird der Euro nicht zu retten sein und werden deutsche Rettungsgelder verloren gehen.





4. Bei der angeblichen Griechenland-Rettung wird nur eine "freiwillige" Beteiligung der Gläubiger erwartet. Dabei sollen bis 2020 fällig werdende Griechenland-Anleihen gegen neue Schuldverschreibungen mit Laufzeiten von 30 oder 15 Jahren umgetauscht werden, die dann von allen Euro-Staaten gemeinsam garantiert werden. Dabei sollen die Nennwerte zwar um 21 % gekürzt werden. Doch dieser scheinbare Verlust wird durch eine umso höhere Verzinsung von 6,42 % wieder ausgeglichen. Die alten Anleihen, die nur Zinsen von 3 bis 4 % bringen und wegen der erwarteten Pleite längst für weniger als 60 % ihres ursprünglichen Wertes gehandelt werden, können also mit einem hohen Kursgewinn umgetauscht werden, und zwar gegen Papiere mit höchster Bonität ("AAA"), die so sicher sind wie Bundesanleihen, aber dreimal so viel Ertrag bringen - ein erstklassiger Deal, bei dem kaum Blut fließen dürfte. Und außerdem werden sich nur um die 70 % der Gläubiger beteiligen; die anderen sind sicher, auch so und ohne längeres Warten zu ihrem Geld zu kommen, und zwar voll und ohne jeden Schnitt.

Siehe dazu auch die schöne Glosse von Harald Schumann im "Tagesspiegel".


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2497 26-09-11: Deutschland gibt pro Grundschüler fast ein Fünftel weniger aus als der OECD-Durchschnitt

(bitte auch Startseite besuchen)

1995 gab Deutschland 5,1 % seines BIP für Bildung insgesamt aus, 2008 nur noch 4,8 % - deutlich weniger als der OECD-Durchschnitt von 5,7 %. Damit steht Deutschland nunmehr auf Platz 30 unter den 36 Ländern, für die Daten zum Anteil des Nationaleinkommens vorliegen, der in die Bildung investiert wird (Abb. 13004). Während also der deutsche Anteil der Bildungsausgaben an der Wirtschaftsleistung gefallen ist, haben die meisten anderen Länder seit 2000 kräftig zugelegt (Abb. 15391).





Vor allem das deutsche Grundschulsystem, das für die Entwicklung der sozial Benachteiligten so große Bedeutung hat und in dem die Weichen für die späteren Bildungskarrieren bis zur Hochschulreife gestellt werden, ist notorisch unterfinanziert. Im Vergleich zu einem OECD-Durchschnitt von 7.200 US-$ gibt Deutschland nur 5.900 US-$ je Grundschüler aus (Abb. 15392), und dies obwohl das Verdienstniveau erfahrener Grundschullehrer in Deutschland das dritthöchste im OECD-Vergleich ist. Dies hat zur Folge, dass in Deutschland die Klassen größer sind (Abb. 15280), mehr Schüler auf eine Lehrkraft kommen (Abb. 13806) und die Schüler auch weniger Unterrichtsstunden haben, besonders zwischen 7 und 8 Jahren (15394).





Weiterlesen im übernächsten Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/mVgbdf - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2497 25-09-11: Es wird Zeit, daß die "Geldschöpfer" unter den Euro-Rettungsaposteln die deutsche Verfassung zur Kenntnis nehmen

(bitte auch Startseite besuchen)

Es wird langsam gespenstisch. Da entscheidet das Bundesverfassungsgericht in klaren Worten, der Deutsche Bundestag dürfe seine Budgetverantwortung nicht durch unbestimmte haushaltspolitische Ermächtigungen auf andere Akteure übertragen und insbesondere dürfe er sich, auch durch Gesetz, keinen finanzwirksamen Mechanismen ausliefern, die zu nicht überschaubaren haushaltsbedeutsamen Belastungen ohne vorherige konstitutive Zustimmung führen können. Es dürften keine dauerhaften völkervertragsrechtlichen Mechanismen begründet werden, die auf eine Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten hinauslaufen, vor allem wenn sie mit schwer kalkulierbaren Folgewirkungen verbunden sind. Jede ausgabenwirksame solidarische Hilfsmaßnahme des Bundes größeren Umfangs im internationalen oder unionalen Bereich müsse vom Bundestag im Einzelnen bewilligt werden.

Doch auf der internationalen Arena der Gedankenspiele über immer neue Rettungskonstruktionen wird von diesen verfassungsmäßigen Grenzen bisher keinerlei Kenntnis genommen. Weiter geistern die Eurobonds durch die Gegend, die mit der betragsmäßig unbegrenzten Schuldenvergemeinschaftung klar als verfassungswidrig eingeordnet wurden. Und jetzt kommen die Pseudo-Retter daher und sprechen von einer unbegrenzten Finanzierung des Europäischen Rettungsschirms EFSF durch die EZB und damit eine nicht mehr betragsmäßig begrenzte deutsche Haftung. Die USA mit ihrem Finanzminister Geitner meinen, daß nur eine unbegrenzte Haftung die Märkte beruhigen werde.



Offensichtlich denken auch einige Euro-Länder darüber nach, dem Fonds eine unlimitierte Kreditlinie bei der Europäischen Zentralbank einzuräumen. Der EFSF könnte also künftig Anleihen kriselnder Euro-Staaten aufkaufen, sie bei der EZB hinterlegen und dafür weitere Darlehen der Notenbank erhalten. Dieses Geld stünde für neue Bond-Käufe zur Verfügung - ein gigantisches Karussell käme in Gang. Am Ende hätten die Euro-Länder faktisch unbegrenzt Zugriff auf Zentralbankgeld. Die EZB müßte immer dann die Notenpresse anwerfen, wenn eine Regierung mit dem Geld nicht auskäme.

Auch Olli Rehn, der Europäische Währungskommissar meinte, die Eurozone erwäge eine Aktion zur Verbreiterung des ESFS-Kapitals:

"Wir überlegen die Möglichkeit, die Mittel des EFSF hoch zu hebeln, um mehr Feuerkraft und damit eine stärkere finanzielle Brandmauer für die Unterstützung unserer Mitgliedsländer zu haben."

Dazu Bundesbankchef Weidmann:

"Bisher nimmt der Rettungsfonds, das Geld, das er an Krisenländer weiter verleiht, am Kapitalmarkt auf. Wenn diese Summe nun erhöht werden soll, dann heißt das, dass irgendjemand anderes die Risiken dafür tragen muss. Ich habe die große Sorge, dass dieser Unbekannte die EZB ist. Wenn die Notenbank aber einer Institution Geld leiht, deren einziger Zweck es ist, Regierungen zu finanzieren, dann ist das nichts anderes, als die Notenpresse anzuwerfen. Das halte ich für einen sehr gefährlichen Weg."

Es wird Zeit, daß die Bundesregierung unseren Partnern einmal erklärt, was für Deutschland das Grundgesetz bedeutet und welche Rolle das Bundesverfassungsgericht dabei spielt.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2496 23-09-11: OECD Bildungsbericht 2011: Deutschland mit schlechtester Entwicklung bei Hochschulabschlüssen unter 28 Ländern

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Kampf um wirtschaftlichen Wohlstand und relative Vorteile im internationalen Wettbewerb findet verstärkt über Investitionen ins Bildungssystem statt. Vor allem die Länder Asiens werfen enorme Mittel in ihre Bildungssysteme und greifen damit den Rest der Welt in der Konkurrenz nicht nur am unteren Ende der einfachen Produkte sondern auch in Hightech und wertvollen Dienstleistungen an. Allein in China und Indien kommen jedes Jahr 4 Millionen Hochschulabsolventen dazu, schon jetzt wesentlich mehr als die 3,2 Millionen in Europa; für ganz Asien sind es ca 7,5 Millionen.

In dieser Situation waren schon die bisherigen OECD-Bildungsberichte für Deutschland aufrüttelnd. Auch der neue Bericht dieses Jahres zeigt deutlich, wie Deutschland seine Zukunft verspielt. Die Studien-Autoren untersuchen, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten der Anteil von Hochqualifizierten in den einzelnen Ländern entwickelt hat, also wie viele Absolventen von Hochschulen und Berufsakademien es früher gab und wie viele es mittlerweile sind.

Eine besondere Schande ist die Deklassierung Deutschlands bei der Hochschulausbildung, die für die Zukunft des Landes besonders wichtig ist. Hier lag Deutschland nach Feststellungen der OECD 1997 noch auf dem 5. Rang unter denen der Jahrgänge 1933-42 im Alter von damals 55-64 Jahren mit Hochschulausbildung. 2009 rangierte der deutsche Anteil bei den ca. 50 Jahre jüngeren Jahrgängen 1975-84 von dann 25 bis 34 Jahre alt nur noch auf dem 19. Platz in der Nähe der Schlußlichter Mexiko und Türkei. 4 Schaubilder zeigen diese Situation in voller Schärfe (Abb. 15385, 15386, 13088 und 15387).





Anders als die meisten anderen Länder hat Deutschland die Abschlußquote zwischen 1997 und 2009 nur wenig verbessern können. Es war mit einem jahresdurchschnittlichen Zuwachs von nur 1,4 % zusammen mit den USA der niedrigste Zuwachs von 28 Ländern (Abb. 13089).


Doch es fehlen in Deutschland nicht nur Akademiker, sondern auch Meister und Techniker sowie andere qualifizierte Fachkräfte, heißt es in dem aktuellen Bericht.



Die Gründe für diesen Abstieg bei den Hochschulabschlüssen dürften sehr vielseitig sein. Besondere Bedeutung dürften zwei Umstände haben: die im internationalen Vergleich chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems mit starker Abhängigkeit von der finanziellen Stellung der Eltern einerseits sowie der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund aus bildungsschwachen Ländern und Familien (dazu mehr unten).

Weiterlesen im übernächsten Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2495 23-09-11: Deutsche Kinder schon jetzt vielerorts in der Minderheit hinter Immigrantenkindern

(bitte auch Startseite besuchen)

Weit hat es Deutschland mit seinem negativen demographischen Verhalten und einer jahrelang unbegrenzten Immigration gebracht. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts stammten in deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern im vergangenen Jahr bereits knapp die Hälfte (46 %) der minderjährigen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund (Abb. 17180). Bis hinunter zu 100.000 Einwohnern war der Anteil ähnlich hoch. Doch waren es bei Kindern unter 6 Jahren nach dem Migrationsbericht der Bundesregierung schon 2007 in 10 Großstädten zwischen 52 % und 68 % (Köln, Duisburg, Hannover, Dortmund, Stuttgart, Düsseldorf, München, Augsburg, Nürnberg und Frankfurt, Abb. 17031). Sie werden als Erwachsene in ihren Altersgruppen deutliche Mehrheiten stellen und ihren Anteil wegen der größeren Kinderhäufigkeit von Immigranten noch erheblich weiter ausgebaut haben.



Zu den Familien mit Migrationshintergrund zählen alle Eltern-Kind-Gemeinschaften, bei denen mindestens ein Elternteil eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt oder die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung oder - wie im Fall der Spätaussiedler - durch einbürgerungsgleiche Maßnahmen erhalten hat. Kinder, bei denen ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft durch Geburt besitzt, der andere aber Ausländer ist, werden also nicht mehr zu den Kindern mit Migrationshintergrund gezählt. Waren die Großeltern Immigranten und haben die deutsche Staatsangehörigkeit vor Geburt von Kindern erworben, so sind bereits ihre Kinder Deutsche qua Geburt und zählen deren Kinder dann nicht mehr zu den Kindern mit Migrationshintergrund. Im ethnischen Sinne ist der Immigrantenkreis also noch erheblich größer.



Migranten machen nun auch politisch mobil und werden in einigen Jahren ihre weiter gestärkte Stellung in deutschen Großstädten entsprechend nützen. Die türkische Migrantenpartei "Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit" (BIG) trat zu den Wahlen für das Berliner Abgeordnetenhaus an. Unterstützt wurde sie dabei von Vertrauten des türkischen Premierministers Erdogan. Der Name erinnert an eine der mächtigsten muslimischen Parteien der Welt: Erdogans "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung" (AKP). Erdogan eröffnete 2005 in Köln die Zentrale der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), einen AKP-Lobby-Verein. Aktive und ehemalige UETD-Spitzenfunktionäre waren maßgeblich an der Gründung der BIG-Partei beteiligt. Der Vorsitzende der Union, Hasan Özdogan, sagt dazu:

"Es ist Zeit, unsere Kräfte zu bündeln. Den Türken in Deutschland ist nicht geholfen, wenn sich ihre Politiker in verschiedenen Parteien aufreiben. Premier Erdogan ist daran gelegen, dass sich seine Landsleute wirksam engagieren."

Vor einigen Wochen richtete der Verein Citizens for Europe eine Wahl unter den 400.000 mangels deutscher Staatsangehörigkeit nicht wahlberechtigten Berlinern aus, die BIG-Partei kam dabei auf rund sechs Prozent, nur zwei Prozentpunkte hinter der CDU.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2494 22-09-11: IWF schätzt 300 Mrd Euro Verluste für EU-Banken aus kriselnden Staatsanleihen

(bitte auch Startseite besuchen)

Der IWF ist bei seiner von einzelnen Eurozonenregierungen angezweifelten Schätzung der enormen Belastungen der Banken aus den kriselnden Staatsanleihen von der Europeripherie geblieben. In seinem neuen Financial Stability Report vom 21. September schätzt er, daß nach derzeitigem Stand allein die Anlagen der Banken aus der EU in Staatsanleihen der Eurokrisenländer seit 2010 schon etwa 200 Mrd Euro an Wert verloren haben; weitere 100 Mrd Euro an Belastungen sind über Anlagen in Banken der Krisenländer entstanden (Abb. 16421).




300 Mrd Euro entspricht 133 % der jährlichen Steuereinnahmen des Bundes in Deutschland. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Verluste der EZB und einzelner Notenbanken der Eurozone aus Staatsanleihen der Krisenländer sowie von privaten Haushalten, die solche Staatsanleihen gekauft haben.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2493 21-09-11: Die unerträglichen Euro-Sprüche des Herrn Steinbrück

(bitte auch Startseite besuchen)

Die technokratische Kunstgeburt des Euro über die Köpfe der betroffenen Bürger hinweg war Ausdruck einer von oben verordneten neoliberalen Globalisierung. Dabei wurde auf unterschiedliche Kulturen, fiskalische Traditionen, Verschuldungsbereitschaften und Wirtschaftspolitiken keine Rücksicht genommen. Der technokratische Schlachtruf von "Augen zu und durch" übertönte alle berechtigte Sorgen. Und wer nicht hören wollte, wurde verlogen daran erinnert, daß nur so der Frieden in Europa gesichert werden könnte (auch jetzt in der Krise kommt diese Lebenslüge des Euro zurück). Die Eurozone sollte dann immer größer werden, um entsprechendes globales Gewicht zu erreichen. Mit so für alle Euroländer an den globalen Kapitalmärkten eingestellten Niedrigzinsen und mit sehr niedrigen Zinsen der EZB wurden die Verschuldungsschleusen an der Europeripherie noch mehr geöffnet. Das nützte nicht zuletzt den deutschen Exportkonzernen, weshalb der Sparmeister Deutschland bei dieser Verschuldungsorgie an der Euro-Peripherie geduldig und ohne Rücksicht auf Verluste mitspielte.

Wie gefährlich und unverantwortlich die Euroväter zudem von Anfang an auf eine angeblich heilende Krise gesetzt haben, zeigt eine Äußerung des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi vom Dezember 2001:

"Ich bin sicher der Euro wird uns zwingen, eine Reihe neuer politischer Instrumente einzuführen. Es ist politisch unmöglich, sie jetzt vorzuschlagen. Aber eines Tages wird eine Krise kommen und neue Instrumente werden geschaffen werden."

Nun kommt der selbsternannte Kanzlerkandidat der SPD Steinbrück, unter dessen deutscher Finanzminister-Ägide Griechenland seine Euroschulden unbehindert weiter aufbauen konnte, flott im SPIEGEL-Interview daher, als sei alles nur ein bedauerlicher Irrtum gewesen:

"Daß kein Land für die Schulden eines anderen eintreten müsse, ist ein Irrtum gewesen, der an den Realitäten der Krise zerschellte. Man muß den Menschen erklären, daß Deutschland politisch, ökonomisch und gesellschaftlich von der weiteren Integration Europas profitiert. Das bedeutet: Natürlich müssen die Deutschen zahlen. Aber das Geld ist gut investiert in unsere und die Zukunft Europas, in Frieden und Wohlstand."

Mehr Illusionen kann ein deutscher Politiker derzeit kaum mobilisieren: Die Schuldengemeinschaft soll "gut investiertes Geld" sein und das Ganze wieder auf dem Altar des angeblich nur so zu sichernden Friedens in Europa (sind denn all die vielen anderen EU-Ländern, die nicht im Euro sind, eine Gefahr für den Frieden?). Dabei hat gerade die seinerzeit SPD-geführte Bundesregierung mit Gesetzesänderungen den Niedriglohnsektor und die Leiharbeit in Deutschland aufgeblasen und damit den Zusammenhalt der Eurozone ruiniert. Die falsche Politik der Euro-Väter und -Nicht-Wächter stiftet jedenfalls schon jetzt mehr Unfrieden, als es ohne den Euro je in Europa gegeben hätte. Und die eigentlichen Belastungen kommen erst.



Nun ist das Euro-Kind tief im Brunnen. Die jüngste Herunterstufung des Kreditstandings Italiens, das nach den USA und Japan die dritthöchste Schuld der Welt hat, durch die Ratingagenturen ist nur ein weiterer Schritt in der Krise. Bei Griechenland hängen die deutschen Banken mit 17,4 Mrd Euro drin (das meiste davon über die neu eingerichteten staatlichen Bad Banks von HRE und WestLB sowie die teilverstaatlichte Commerzbank, Abb. 16417), doch bei Italien ist es sehr viel mehr (Abb. 16418). Die Krise ist inzwischen offensichtlich so groß, daß Siemens nach Pressemeldungen mehr als eine halbe Mrd Euro von einer französischen Bank abgezogen und bei der EZB geparkt haben soll; insgesamt soll Siemens aus Krisenangst bei der EZB 4 bis 6 Mrd Euro halten.



Der ZEW-Indikator der Konjunkturerwartungen für Deutschland der befragten Finanzmarktexperten ist im September mit dem siebten Rückgang in Monatsfolge auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 nach Ausbruch der Finanzkrise gefallen (Abb. 04762).


Der Internationale Währungsfonds zeichnet in seinem am 20. September veröffentlichten Weltwirtschafts-Ausblick ein düsteres Bild wie lange nicht mehr. Für 2012 wird sowohl für die USA wie die Eurozone nur noch ein Mini-Zuwachs an Wirtschaftsleistung erwartet (Abb. 16419). Vor allem sitzen die privaten Haushalte immer noch auf einem gegenüber dem Jahr 2000 erheblich überhöhten Schuldensockel verglichen mit ihrem Einkommen (Abb. 16420), so daß der Schuldenabbau noch für viele Jahre die Wirtschaftsentwicklung belasten wird. Dabei befürchtet der IWF für die Eurozone ein Außer-Kontrolle-Geraten der Schuldenkrise und für die USA eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftsentwicklung. Jedes Szenario für sich genommen hätte bereits "schwere Konsequenzen für das globale Wachstum": Die Folgen könnten ein neuer Crash der Finanzmärkte sein, ein Absturz des Welthandels und weniger Wachstum in denaufstrebenden Staaten. Die Eurozone und die USA "könnten zurück in die Rezession stürzen".



Wie kann Steinbrück vor solchem Hintergrund einer von ihm mit herbeigeführten Eurokrise nur solche Sprüche klopfen? Will er vom eigenen Versagen als Ex-Finanzminister ablenken? Was heißt denn sein:"Natürlich müssen die Deutschen zahlen"? Glaubt er wirklich, solche dümmlichen Sprüche könnten den Menschen in Deutschland die seiner Meinung nach notwendige Aufklärung verschaffen?

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nFjKbG - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2492 19-09-11: Die Chancen für eine geordnete Rettung Griechenlands stehen schlecht

(bitte auch Startseite besuchen)

Griechenland rutscht immer mehr in den finanziellen Orkus. Das Haushaltsdefizit vor Zinszahlungen wird in diesem Jahr auf etwa 3 % des BIP geschätzt (ca. 7 Mrd Euro plus 10 Mrd Euro für Zinsen). Um seine Staatsschuld von 350 Mrd Euro zu finanzieren und auf dem Niveau von 140 % des BIP zu stablisieren, müßte das Land einen Überschuß vor Zinsen von 7 % bis 10 % des BIP aufweisen. Doch selbst die optimistischen Schätzungen der EU-Kommission sehen für kommendes Jahr noch ein Defizit vor Zinsen von etwa 2 % des BIP vor. Mit einer sich verschärfenden Rezession von in diesem Jahr auf wahrscheinlich über minus 5 % des BIP ansteigend, wird das Defizit eher noch zunehmen.

Wichtigste Wirtschaftsdaten zeigen den steilen Absturz seit 2008 bis in die neuesten Daten dieses Jahres: Industrieproduktion -20 %, Einzelhandelsumsatz -26 % und Arbeitslosenrate +95 % (Abb. 14616).


Das Haushaltsdefizit der griechischen Regierung sprang in den ersten 8 Monaten 2011 auf 19 Mrd Euro, rund 19 % über dem Niveau der Vorjahresperiode, wobei die Einnahmen um mehr als 5 % fielen und die Ausgaben um rund 10 % stiegen. Von Haushaltsdisziplin ist da wenig zu sehen.

Die griechische Bevölkerung revoltiert zunehmend gegen weitere Sparmaßnahmen, die parlamentarische Opposition ebenfalls. Neuwahlen wird die derzeitige Regierung kaum überstehen. Viele der schon beschlossenen Sparmaßnahmen und zusätzlichen Einnahmen stehen ohnehin auf tönernen Füßen. Die Teilnahmerate privater Gläubiger am Tausch fälliger Staatsanleihen gegen neue von der Eurozone garantierte bei einem Abschlag von 21 % liegt bisher nur bei 70 bis 75 %. Von den erwarteten 50 Mrd Euro an Privatisierungserlösen ist bisher seit Juli erst ein Vertrag über 390 Mio Euro zustande gekommen, und angesichts sehr gedrückter Aktienkurse verzögert die griechische Regierung das Programm. Eine neue Steuer auf Wohnraum soll 2 Mrd Euro pro Jahr erbringen, doch kann sie nur als Zusatz zu den Stromrechnungen eingetrieben werden, was die Gewerkschaften blockieren wollen. Die meisten Steuerrückstände, von deren Eintreibung zusätzlich Einnahmen erwartet wurden, liegen bei Staatsunternehmen oder solchen, die bereits pleite sind.



Auch in der deutschen Bevölkerung steigt der Widerstand gegen immer neue Hilfen für Griechenland. Nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa beurteilten 82 % das Krisenmanagement der Bundesregierung mit "eher schlecht" und sind zwei Drittel gegen Hilfen für Griechenland oder andere stark verschuldete Staaten. Auch nach dem ARD-Deutschlandtrend vom September sind 63 % der Deutschen insgesamt eher beunruhigt. Eine deutliche Mehrheit will keine "Vereinigten Staaten von Europa" oder Eurobonds. Zwei Drittel wollen den Rettungsschirm nicht. Drei Viertel sehen unseren Wohlstand durch die Eurokrise bedroht und 80 % sehen den schlimmsten Teil der Eurokrise erst kommen.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2491 16-09-11: Wird Deutschlands Export in die Eurozone von der EU an die Leine gelegt?

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Bundesregierung ist seit längerer Zeit unter Druck der USA und ihrer Partner in der Eurozone, die einseitigen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse zurückzufahren, die zu der Verschuldung unserer Handelspartner beigetragen haben. Durch einen stark gewachsenen Niedriglohnsektor, immer mehr Leiharbeit und eine real negative Lohnentwicklung konnte Deutschland in den Jahren seit etwa 2003 seinen Export hochfahren und gleichzeitig bei den Importen auf der Bremse bleiben. Mit den Leistungsbilanzüberschüssen sicherte sich Deutschland zu Lasten seiner Handelspartner auch Arbeitsplätze.



So lag im vergangenen Jahr der Leistungsbilanzüberschuß bei 5,7 % der deutschen Wirtschaftsleistung(Abb. 16215), wovon 3.9 Prozentpunkte auf acht Eurozonenpartner entfielen, vor allem auf Frankreich mit 1,3 Prozentpunkten und die 4 Krisenländer Spanien, Italien, Portugal und Griechenland mit zusammen 1,4 Prozentpunkten (Abb. 16412). Die Europartner konnten sich nicht mehr durch Abwertung einer eigenen Währung gegen die deutsche Konkurrenz wehren.



Aus der Sicht der mit Deutschland defizitären Länder sind die Defizite teilweise erheblich (Abb. 16413).


Nun allerdings wird uns die Rechnung von unseren Partnern gleich mehrfach zugeschoben. Bei den Rettungspaketen soll Deutschland die Hauptlast übernehmen, möglichst per Eurobonds zeitlich und vom Volumen her unbegrenzt. Außerdem haben, wie der "Tagesspiegel" heute meldet, Vertreter des Europäischen Parlaments und des EU-Ministerrats am Donnerstag einen Kompromiß über die Reform des Stabilitätspakts ausgehandelt. Demnach soll die Kommission künftig nicht mehr nur gegen Defizite in den staatlichen Haushalten vorgehen, sondern auch einschreiten, wenn Mitgliedsländer hohe Defizite oder Überschüsse in der Leistungsbilanz aufweisen. Gegen solche Konsequenzen aus den deutschen Überschüssen, vor allem die jetzt vorgesehenen finanziellen Sanktionen, hatte sich Deutschland bisher immer gewehrt.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/q4TZeq - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2490 14-09-11: Die chinesische Erpressung

(bitte auch Startseite besuchen)


2001 hat der politische Druck exportversessener westlicher Konzerne und profitsuchender Handelshäuser zur übereilten Aufnahme des kommunistischen China in die für Marktwirtschaften gedachte internationale Handelsorganisation geführt, und das ohne ausreichende Bedingungen gegen Dumping und Wechselkursmanipulation. Dann trat China an, um mit seinem hunderte Millionen starken Heer an ausgebeuteten Wanderarbeitnehmern über Dumping und eine gigantische Wechselkursmanipulation die Weltmärkte zu erobern und Millionen von Jobs nach China zu transferieren. Darunter litten in Europa vor allem die Eurozonenländer an der südlichen Peripherie, deren Exportwirtschaft mit vergleichbaren aber teueren Produkten der chinesischen Exportwalze nicht mehr standhalten konnte.

Im Ergebnis stürmte der chinesische Export selbst über die schwere globale Krise voran und baute gigantische Überschüsse und Währungsreserven (Abb. 08224, 08198, 08188) auf. Die chinesischen Währungsreserven sind bereits um ein Viertel höher als die jährlichen Bruttoanlageninvestitionen des privaten Sektors der gesamten EU.




Und nun versucht die chinesische Führung, zu Schnäppchenpreisen ganze Industrien in den westlichen Krisenländern aufzukaufen und sich als Krisengewinnler durchzusetzen, wobei das die "helfende Hand" sein soll. Dabei wird einem solchen "Hilfsangebot" auch noch mit der Forderung an die USA und die EU die Krone aufgesetzt, als Gegenleistung China nun voll als Marktwirtschaft anzuerkennen. Mit solchen "mutigen Schritten" sollen die USA und die EU auf den letzten noch verbliebenen Schutz gegen China-Dumping verzichten. So zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Dalian der chinesische Premier Wen Jiabao. China kann dann noch mehr Jobs in den krisengeschüttelten alten Industrieländern abräumen und noch mehr Überschüsse zum Aufkauf westlicher Industrien ansammeln.



Hier kommt der Brandstifter als Feuerwehr verkleidet und will auch noch von der Krise weiter profitieren. Für wie dumm hält China seine westlichen Partner eigentlich? Oder weiß Wen Jiabao nur, wie groß der Druck der Exportkonzerne, die nach dem angeblichen Milliarden-Markt der Chinesen hecheln, immer noch ist? Es wird höchste Zeit, Hürden gegen China-Importe aufzubauen, bis China über eine ausreichende Aufwertung seiner nach unten manipulierten Währung aufhört, weitere Überschüsse anzuhäufen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nuHyV8 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2489 13-09-11: Eskalierende Krise: Die deutschen Banken zu retten, ist noch möglich, Griechenland wahrscheinlich nicht mehr

(bitte auch Startseite besuchen)

Die politischen Führer der Eurozone werden sich bald entscheiden müssen, ob sie Griechenland weiter zu retten versuchen, oder ihre Anstrengungen besser auf die immer mehr in Schieflage kommenden eigenen Banken konzentrieren. Wegen ihrer hohen Anlagen an der kriselnden Europeripherie zeigen die europäischen Banken immer mehr das Post-Lehman-Syndrom: Sie trauen einander nicht und parken Mittel über Nacht lieber zu schlechteren Konditionen bei der EZB, sie bekommen teilweise keine Mittel mehr an den Geldmärkten, vor allem denen in US-Dollar, und ihre Aktienkurse fallen immer mehr in den Keller.

"All dies erinnert an den Herbst 2008", sagte der Deutsche-Bank-Chef auf einer Tagung des "Handelsblatts" in Frankfurt am Main. Am 9. September parkten die Banken insgesamt 182 Milliarden Euro für 24 Stunden bei der EZB, der höchste Wert seit mehr als einem Jahr und nicht viel niedriger als der Nach-Lehman-Rekord von 200 Mrd Euro. Die Differenz zwischen 3-Monate-Euribor (Zinsrate für 3-Monatsgeld zwischen europäischen Banken) und der Übernacht-Rate, dem Geld mit dem geringsten Risiko, stieg auf 0,853 Prozentpunkte, die höchste Differenz seit März 2009, ein gutes Barometer für die erheblich gestiegene Risikoeinschätzung bei Krediten zwischen Banken.

Banken der Krisenländer sind weitgehend von den Kapitalmärkten abgeschnitten und immer mehr auf Kredite der EZB angewiesen, deren Gesamtsumme bereits bei 438 Mrd Euro liegt. Davon entfallen allein 103 Mrd Euro auf griechische Banken, aber auch italienische Banken haben bis Ende August insgesamt 85 Mrd Euro von der EZB geliehen, eine Verdoppelung in nur zwei Monaten gegenüber Juni. Für normale Menschen sind das alles astronomische Zahlen. Nimmt man die Kredite der EZB an Eurozonenbanken und deren Aufkäufe von Staatsanleihen, die in den letzten Wochen verdoppelt wurden, zusammen (581 Mrd Euro), so kommt ein Betrag heraus, der mehr als dem 4,5-Fachen der jährlichen deutschen Steuereinnahmen des Bundes entspricht.

Europäische Banken müssen in den kommenden Monaten etwa ein halbe Milliarde Dollar an Dollar-Verpflichtungen zurückzahlen. Doch im Vergleich zu Eurokrediten wird inzwischen eine Euro-Zitterprämie von 1,03 % für drei Monate verlangt, eine dramatische Erhöhung gegenüber den 0,2 % noch im Juni.



Die schwierige Lage vieler Banken zeigt sich auch in den enormen Kurseinbrüchen. Der Aktienindex der europäischen Banken und Finanzdienstleister ist in diesem Jahr bereits um etwa 40 % abgestürzt. Die 46 Banken des Bloomberg-Index werden vom Aktienmarkt derzeit nur mit einem Abschlag von 44 % auf ihren Buchwert gehandelt, das niedrigste Niveau seit dem Nach-Lehman-Einbruch im März 2009. Diese Bewertung reflektiert die Auswirkung von Staatspleiten an der Europeripherie. Dabei werden die größten französischen Banken BNP Parisbas, Societe Generale und Credit Agricole so behandelt, als würden ihre Anlagen in Griechenland, Irland und Portugal total verloren gehen. Bei der Societe Generale wird im Kurs sogar ein voller Verlust der Finanzanlagen in Italien und Spanien impliziert. Der Verlust an Aktienwert wird auch - wenn nicht bald wieder ausgeglichen -die am Eigenkapital zu orientierende Kreditgewährung durch die Banken beeinträchtigen und damit den Volkswirtschaften weiteren Schaden zufügen.

Die 90 Banken, die den europäischen Streßtest passiert haben, würden nach einer Nomura-Analyse einen Verlust von 350 Mrd Euro erleiden, wenn die von ihnen gehaltenen griechischen, portugiesischen, irischen, italienischen und spanischen Staatsanleihen voll auf die derzeitigen Marktwerte abgeschrieben werden müßten - eine Größenordnung, für die sich viele von ihrem Eigenkapital her nicht vorbereiten könnten. Der Streßtest hat übrigens solche Pleiten gar nicht erst in die Prüfung einbezogen.

Die deutschen Geschäftsbanken haben ebenfalls sehr viel an ihrem Aktienwert verloren, so seit Mai dieses Jahres die Deutsche Bank mehr als die Hälfte (Abb. 04919), die Commerzbank seit März sogar um 76 % auf nur noch 1,53 Euro (Abb. 16030, vor Ausbruch der Krise 2007 waren es 24-mal mehr gewesen!). Zudem sind die deutschen Banken nach einer vergleichenden Darstellung des IWF besonders wenig profitabel und damit schlechter auf Krisen vorbereitet (Abb. 16409). Das Bundesfinanzministerium soll jetzt prüfen, was die Konsequenzen einer Abschreibung von 50 % der griechischen Staatsanleihen für deutsche Banken wären.




Notfalls wird man einigen deutschen Banken noch ein weiteres Mal helfen müssen und notfalls wird der Staat Banken zeitweise übernehmen müssen, wenn auch Staatsanleihen in weiteren Krisenländern abzuschreiben sein sollten. Deutschland ist jedoch finanziell stark genug, um auch solche Lasten zu schultern. Dagegen wird das Land an seine Grenzen kommen, wenn es gesamtschuldnerisch für die Schulden ganzer Länder einstehen müßte. Außerdem kann Deutschland nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr zeitlich und betragsmäßig unbegrenzt für Schulden anderer Euroländer einstehen, weshalb Eurobonds ausscheiden.

Inzwischen legt sich die Eurokrise wie ein grauer Schleier auch über Deutschland. Nach ARD-Deutschlandtrend vom September sind 63 % der Deutschen insgesamt eher beunruhigt. Eine deutliche Mehrheit will keine "Vereinigten Staaten von Europa" oder Eurobonds. Zwei Drittel wollen den Rettungsschirm nicht. Drei Viertel sehen unseren Wohlstand durch die Eurokrise bedroht und 80 % sehen den schlimmsten Teil der Eurokrise erst kommen.


Weiterlesen im übernächsten Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nIpgfz - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2488 12-09-11: Der Euro ist zum Angstmacher Nr. 1 geworden

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach ARD-Deutschlandtrend vom September sind 63 % der Deutschen insgesamt eher beunruhigt. Eine deutliche Mehrheit will keine "Vereinigten Staaten von Europa" oder Eurobonds. Zwei Drittel wollen den Rettungsschirm nicht. Drei Viertel sehen unseren Wohlstand durch die Eurokrise bedroht und 80 % sehen den schlimmsten Teil der Eurokrise erst kommen.

Die deutsche Politik akzeptiert die Realitäten bisher nicht. So meint jetzt der selbsternannte Kanzlerkandidat der SPD von deren rechtem Flügel Steinbrück im SPIEGEL-Interview:

"Daß kein Land für die Schulden eines anderen eintreten müsse, ist ein Irrtum gewesen, der an den Realitäten der Krise zerschellte. Man muß den Menschen erklären, daß Deutschland politisch, ökonomisch und gesellschaftlich von der weiteren Integration Europas profitiert. Das bedeutet: Natürlich müssen die Deutschen zahlen. Aber das Geld ist gut investiert in unsere und die Zukunft Europas, in Frieden und Wohlstand."

Mehr Illusionen kann ein deutscher Politiker kaum mobilisieren: Die Schuldengemeinschaft soll "gut investiertes Geld" sein. Dabei hat gerade die seinerzeit SPD-geführte Bundesregierung mit Gesetzesänderungen den Niedriglohnsektor in Deutschland aufgeblasen und damit den Zusammenhalt der Eurozone ruiniert. Hier wird doch nur von den eigenen Fehlern und Versäumnissen des Weiland-Finanzministers Steinbrück abgelenkt. Was soll die Berufung auf den Frieden in Europa? Die falsche Politik der Euro-Väter und -Nicht-Wächter (wie Steinbrück) stiftet derzeit mehr Unfrieden, als es ohne den Euro je in Europa gegeben hätte.



Wie gefährlich und unverantwortlich die Euroväter von Anfang an auf eine angeblich heilende Krise gesetzt haben, zeigt eine Äußerung des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi vom Dezember 2001:

"Ich bin sicher der Euro wird uns zwingen, eine Reihe neuer politischer Instrumente einzuführen. Es ist politisch unmöglich, sie jetzt vorzuschlagen. Aber eines Tages wird eine Krise kommen und neue Instrumente werden geschaffen werden."

Daß die Euro-Krise vor dem Hintergrund einer sich stark abkühlenden globalen Wirtschaftssitution stattfindet, macht sie noch furchterregender. Für das letzte Quartel dieses Jahres erwartet die OECD jetzt kaum noch Wirtschaftswachstum unter den 6 größten westlichen Wirtschaftsnationen (G7 ohne Japan, Abb. 15384) und für Deutschland sogar einen auf das Jahr gerechneten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,4 %. Das wäre die negativste Entwicklung aller größeren Industrieländer (Abb. 15163).



Weiterlesen im übernächsten Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qkHe7V - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2487 09-09-11: Waren die SPD und die Grünen (und die ihnen nahe Wirtschaftswissenschaft) bei der Eurorettung durch Eurobonds zum Verfassungsbruch bereit?

(bitte auch Startseite besuchen)

Es sind Paukenschläge des Bundesverfasssungsgerichts in seinem Urteil zu den Eurorettungsplänen und den unverzichtbaren Haushaltsrechten des Deutschen Bundestages:

"Die Entscheidung über Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Hand ist grundlegender Teil der demokratischen Selbstgestaltungsfähigkeit im Verfassungsstaat. Der Deutsche Bundestag muss dem Volk gegenüber verantwortlich über Einnahmen und Ausgaben entscheiden. Das Budgetrecht stellt insofern ein zentrales Element der demokratischen Willensbildung dar.

Als Repräsentanten des Volkes müssen die gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages auch in einem System intergouvernementalen Regierens die Kontrolle über grundlegende haushaltspolitische Entscheidungen behalten.

Der Deutsche Bundestag darf seine Budgetverantwortung nicht durch unbestimmte haushaltspolitische Ermächtigungen auf andere Akteure übertragen. Insbesondere darf er sich, auch durch Gesetz, keinen finanzwirksamen Mechanismen ausliefern, die - sei es aufgrund ihrer Gesamtkonzeption, sei es aufgrund einer Gesamtwürdigung der Einzelmaßnahmen - zu nicht überschaubaren haushaltsbedeutsamen Belastungen ohne vorherige konstitutive Zustimmung führen können.

Es dürfen keine dauerhaften völkervertragsrechtlichen Mechanismen begründet werden, die auf eine Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten hinauslaufen, vor allem wenn sie mit schwer kalkulierbaren Folgewirkungen verbunden sind. Jede ausgabenwirksame solidarische Hilfsmaßnahme des Bundes größeren Umfangs im internationalen oder unionalen Bereich muss vom Bundestag im Einzelnen bewilligt werden.

Die Bestimmungen der europäischen Verträge stehen dem Verständnis der nationalen Haushaltsautonomie als einer wesentlichen, nicht entäußerbaren Kompetenz der unmittelbar demokratisch legitimierten Parlamente der Mitgliedstaaten nicht entgegen, sondern setzen sie voraus. Ihre strikte Beachtung gewährleistet, dass die Handlungen der Organe der Europäischen Union in und für Deutschland über eine hinreichende demokratische Legitimation verfügen."

Diese klaren Aussagen zur deutschen Verfassung sollten vor allem die SPD und die Grünen beschämen. Denn beide Parteien (und ihr nahestehende Wirtschaftswissenschaftler) waren bereit, in ihrer Akzeptanz von Eurobonds - oder gar Forderung nach Eurobonds - diese fundamentalsten verfassungsrechtlichen Grundsätze auf dem Altar der angeblich nur so möglichen Eurorettung zu opfern. Bei Eurobonds hätte jedes Mitgliedsland der Eurozone seine Schulden bis zu 60 % der eigenen Wirtschaftsleistung durch eigene Ausgabe solcher Bonds vergemeinschaften können. Der politische Druck hätte wahrscheinlich am Ende sogar noch über die 60 % geführt. Einmal eingeführt wäre dieses automatische System weder von der Zeit noch von den absoluten Beträgen her begrenzt gewesen. Die gleichzeitig geforderte verschärfte Haushaltsdisziplin der besonders stark verschuldeten Euroländer hätte kein Mitspracherecht des deutschen Bundestags bei der jeweiligen Ausgabe von Eurobonds begründet.



Die Argumentation von einzelnen Verfechtern der Eurobonds, daß die Schulden bereits vergemeinschaftet seien, weil die EZB Anleihen aufgekauft hätte (so z.B. Jürgen Trittin in der Bundestagsdebatte) oder weil der Rettungsfonds EFSF an die Krisenländer Griechenland, Irland und Portugal Kredite gäbe und damit praktisch Euro-Bonds durch die Hintertür bereits eingeführt worden seien (Prof. Rudolf Hickel in seinem Handelsblatt-Beitrag), verkennt die gegenüber Eurobonds viel kleineren Größenordnungen, für die Deutschland im Übrigen nicht gesamtschuldnerisch sondern nur mit seinem Anteil von 27 % haftet. Diese Argumentation verkennt zudem die Natur von zeitlich und dem Betrag nach begrenzten Einzelfallentscheidungen der EZB oder des EFSF.

Dagegen wäre der automatische und zeitlich unbegrenzte Haftungsrahmen für die durch Eurobonds vergemeinschafteten Staatsschulden einfach gespenstisch. Bei bis zu 60 % der Wirtschaftsleistung der Eurozone (ohne Deutschland) würde der Maximalbetrag der deutschen gesamtschuldnerischen Haftung für andere Euroländer bei 4130 Mrd Euro liegen oder dem 18-Fachen der jährlichen Steuereinnahmen des Bundes von 225 Mrd Euro, über deren Ausgabe der Deutsche Bundestag normalerweise in wochenlangen Ausschuß- und Plenarberatungen bis zu den kleinsten Posten entscheidet. Selbst bezogen auf die 5 schlimmsten Krisenländer wären es noch mehr als 1933 Mrd Euro oder das 9-Fache der jährlichen Steuereinnahmen des Bundes.

Bei Eurobonds wäre die vom Bundesverfassungsgericht geforderte weitere Mitsprache des deutschen Parlaments nach deren Einführung nicht mehr gegeben. Ein Rückzug aus dem System wäre genauso schwer bis unmöglich wie aus dem Euro selbst. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts läßt für ein solches System keinen Raum mehr. Man muß sich wirklich fragen, wie Abgeordnete bereit sein konnten, sich so leichtfertig aus ihren Pflichten gegenüber dem deutschen Volk zu stehlen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nIpgfz - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2486 09-09-11: Exporteinbruch: Der Propagandakampf des Bundeswirtschaftsministers gegen die Realitäten des Abschwungs

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Zeichen eines Wirtschaftsabschwungs sind auch für Deutschland nicht mehr zu leugnen. Für das letzte Quartal dieses Jahres erwartet jetzt die OECD einen auf das Jahr gerechneten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,4 %. Das wäre die negativste Entwicklung aller größeren Industrieländer (Abb. 15163). Die neuen Daten des Statistischen Bundesamts zeigen den zweiten Exportrückgang in Monatsfolge, über den 2-Monatszeitraum mit einer realen Jahresrate von schon -20 % (Abb. 15593). Im Jahresvergleich lagen vor allem die Ausfuhren in die krisengeschüttelte Eurozone, Deutschlands wichtigstem Exportmarkt, im Juli 2011 unter Berücksichtigung der Preissteigerungsrate real um 2,7 % unter dem Vorjahreswert. Selbst der immer regierungsfreundliche SPIEGEL setzt da die Schlagzeile "Gebremster Aufschwung Deutsche Exporte schrumpfen erneut".



Doch die Bundesregierung und vor allem der Bundeswirtschaftsminister baden sich immer noch in der trüber werdenden Herbstsonne einer angeblich brillianten Wirtschaftssituation. So meldet der Bundeswirtschaftsminister die Fortsetzung des Aufschwungs im 2. Halbjahr und weiteres Wachstum:

"Die deutsche Wirtschaft ist auf einen flacheren Wachstumspfad eingeschwenkt. Konjunkturindikatoren signalisieren Fortsetzung des Aufschwungs im zweiten Halbjahr. Die deutsche Wirtschaft ist auf einen flacheren Wachstumspfad eingeschwenkt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal nur leicht um 0,1 %. Dennoch ist die konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft stärker einzuschätzen, als in diesem geringen Anstieg zum Ausdruck kommt. Die privaten Konsumausgaben dürften im zweiten Halbjahr wieder zum Wachstum beitragen. Für eine positive Konjunkturentwicklung im zweiten Halbjahr und darüber hinaus ist entscheidend, das Vertrauen von Konsumenten und Investoren in solide Staatsfinanzen zurück zu gewinnen bzw. zu erhalten. Die Bundesregierung setzt mit der Vorlage ihres Haushaltsentwurfs 2012 und der mittelfristigen Finanzplanung bis 2015 ihren Konsolidierungskurs konsequent fort."

Dabei geht es wirklich nicht um das Vertrauen der Konsumenten in die deutschen Staatsfinanzen, sondern in die der Euro-Krisenländer, und das Vertrauen in eine normale Einkommensentwicklung und sichere Renten. Der Bundeswirtschaftsminister will selbst denn Exporteinbruch nicht gelten lassen und schreibt in seiner heutigen Presseerklärung:

"Das weltwirtschaftliche Umfeld ist schwieriger geworden. Der Welthandel hat sich in den vergangenen Monaten sehr viel ruhiger entwickelt. Dies hat auch die deutsche Exportwirtschaft zu spüren bekommen. Gleichwohl deuten alle Indikatoren darauf hin, dass die Weltwirtschaft weiter expandieren wird und mit ihr der Welthandel. Die Nachfrage nach unseren Exportwaren ist nach wie vor hoch und damit ein starkes Zeichen des Vertrauens in die Marke Deutschland."



Man beachte, wie hier die Bundesregierung mit der "Marke Deutschland" auch noch die Qualität deutscher Exportwaren für sich, die sie für Deutschland steht, zu vereinnahmen sucht. Da muß es um die Realitäten schon ziemlich schlecht stehen.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/pYpWks - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2485 07-09-11: Kapitalismus in der Krise: Durchstarten mit angezogenen Lohnbremsen? - Kein Ausweg in Sicht

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Weltwirtschaft fällt in die Krise zurück. Doch die Regierungen stehen auf der Sparbremse und die Arbeitgeber auf der Lohnbremse und stellen zudem Arbeitnehmer fast nur noch unsicher befristet ein. Fast alle Volkswirtschaften machen gleichzeitig denselben Fehler. Wer kann da noch genug Geld ausgeben, damit die Wirtschaft aus der Krise kommt?

Einkommen und Vermögen haben sich über die letzten Jahre immer mehr bei einer kleinen Minderheit angesammelt, die die Massenkaufkraft schon von ihrer geringen Zahl her nicht ersetzen kann und die zudem schon fast alles an langlebigen Wirtschaftsgütern hat. Die Bitten von Reichen in USA, Frankreich und Deutschland, sie stärker zu besteuern, was zu weniger harten Sparauflagen für den Rest der Bevölkerung führen könnte, wurden von den Regierungen nicht erhört. So ist der Verbrauch der privaten Haushalte im gewichteten Durchschnitt von Alt-EU, USA, Japan und Schweiz zuletzt mit einer Jahresrate von 0,4 % gegenüber dem Vorquartal gefallen (Abb. 15379). Dabei macht der Verbrauch der privaten Haushalte nicht weniger als 64 % der gesamten Wirtschaftsleistung dieser Ländergruppe aus.


Ähnlich stürzt derzeit der Einzelhandelsumsatz in der Alt-EU mit minus 0,7 % ab (Abb. 15380).




Bei einer solchen Entwicklung wird der Kapitalismus nicht aus der Krise kommen können. Einen funktionierenden Ausweg scheinen die Regierungen derzeit nicht zu sehen. Es ist das erste Mal seit Ende des gescheiterten kommunistischen Gegenmodells, daß sich der Kapitalismus mit der zunehmend einseitigen Verteilung von Einkommen und Vermögen in diese auswegslose Ecke manövriert hat. Eine ähnliche Situation in den 30er Jahren wurde durch einen blutigen Weltkrieg und anschließende tiefgreifende Sozialreformen überwunden. Diesmal hatte man versucht, die Konsumptionskrise mit immer mehr Kredit aufzuhalten. Doch das hat sie am Ende nur verstärkt. In Deutschland hatte das nicht funktioniert, da Schuldenmachen hier in weiten Gesellschaftskreisen als moralisch anstößig gilt. Deshalb ist die Nachfrage privater Haushalte und die vom privaten Verbrauch gebremste deutsche Wirtschaftsentwicklung wesentlich schlechter als die der größeren Vergleichsländer ausgefallen (Abb. 15382, 15383).



Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/pSZs3q - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2484 06-09-11: Ernteverluste durch globale Erwärmung

(bitte auch Startseite besuchen)

Es gibt viele alarmistische Berichte über die erwartenden katastrophalen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Ernteerträge. Eine seriöse Studie hat jetzt David Lobell von Stanford University in Science vorgelegt. Lobell und seine Kollegen haben speziell die Erträge von Weizen, Mais, Soja und Reis untersucht, die etwa für etwa 75 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit direkt oder indirekt (über Tierfutter) verantwortlich sind. Bei der Auswertung von Produktions- und Anbaudaten der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation sowie Informationen aus dem Klimaarchiv der University of Delaware haben sich deutliche Unterschiede in den Auswirkungen des Klimawandels ergeben. Bei Weizen und Mais ist der Ertragsanstieg geringer ausgefallen; dagegen zeigte sich bei Soja und Reis kein negativer Einfluß der Klimadaten. Über eine 10-Jahres-Periodeist es danach sehr unwahrscheinlich, daß irgendein Trend im Klimawechsel bedeutsam gegenüber den natürlichen Schwankungen werden wird.

Doch sind die längerfristigen Entwicklungen weniger beruhigend. Ab einem Temperaturanstieg um 2 Grad sind Ernteverluste um 15 % möglich. Auch aus diesem Grund ist eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 %, wie international vereinbart, so wichtig.

Allerdings gerät diese Begrenzung jetzt durch den CO2-Aufbau in China in Gefahr, wie Prof. Nicolas Stern (Vorsitzender des Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment an LSE) in der Financial Times vom 28. April in Auswertung des neuen chinesischen 5-Jahr-Plans ausgeführt hat. Bei dem dort geplanten Trend für Wirtschaftswachstum und Energieintensität werden, wenn er sich bis 2030 so fortsetzt, die CO2-Emissionen noch von 9 Mrd Tonnen in 2010 bis auf 15 Mrd Tonnen ansteigen (Abb. 07374). Die 6 Mrd Tonnen mehr für China vergleichen sich mit der gesamten Emission Europas von derzeit 4,3 Mrd Tonnen. China fragt für seine Milliarden-Bevölkerung also einerseits immer mehr Nahrungsmittel auf den Weltmärkten nach und gefährdet andererseits durch seinen stark steigenden CO2-Ausstoß die globale landwirtschaftliche Produktion.




Hier Wochenbrief bestellen


Noch eine Anmerkung: Mit kritischen Darstellungen zur Klimaentwicklung und ihren Folgen stoße ich bei vielen Besuchern des Infoportals trotz der sorgfältigen Faktenanalyse immer wieder auf viel Skepsis. Solche Skepsis ist nur in Deutschland und den USA derart weit verbreitet, so daß man sich schon darüber wundern muß. Sorgen sich die Deutschen schon so sehr über andere Themen, wie Arbeitsplätze, Inflationsgefahren, Rentensicherheit, daß für die Klimaentwicklung weniger Platz im Sorgenkatalog herrscht? Die Klimaexpertin Katharine Hayhoe, die als Associate Professor of atmospheric sciences an der Texas Tech University lehrt, meint es sei einfacher die Realität zu leugnen. Wenn einem die erschreckende Diagnose einer schrecklichen Krankheit gegeben werde, so würde man als Erstes sagen: "Ist das wirklich wahr? Laß uns eine zweite ärztliche Expertise einholen und dann eine dritte. Das sei eine ganz natürliche Reaktion. Wenn wir mit einem riesigen, überwältigenden Problem konfrontiert seien, bei dem wir persönlich fühlten, nicht viel dagegen tun zu können, dann sei das Leugnen psychologisch einfacher als unsere eigene Verantwortung für einen Beitrag zum Problem einzugestehen, ebenso wie unser Gefühl an Hilflosigkeit bei seiner Lösung.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern zur Gesamtthematik der globalen Erwärmung (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/ocWMct - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


global news 2483 05-09-11: China - USA - Europa: Das schiefe Handels-Dreieck der Weltwirtschaft birgt Gefahren

(bitte auch Startseite besuchen)

Drei Regionen sind das Herzstück des internationalen Handels und begründen die Haupttransferrouten: China, USA und Europa. Doch dieses Dreieck ist sehr schief geworden. China erlöst daraus einen Exportüberschuß von 412 Mrd Dollar (2009). Dagegen verzeichnet Europa ein Defizit von 125 Mrd US $, die USA sogar von 287 Mrd US $ (Abb. 15680).




Hier Wochenbrief bestellen


In Rezessionszeiten mit wieder steigender Arbeitslosigkeit, wie sie jetzt auf die Weltwirtschaft zukommen, kann das nicht lange gut gehen. Die sich in USA und Europa verengenden Märkte werden auf das derzeit enorm exportabhängige China zurückschlagen und handelspolitische Abwehrmaßnahmen gegen China-Dumping werden ein Übriges tun. Im Ergebnis ist mit einer Abwärtsspirale zu rechnen. Der "Teufelspakt" zwischen westlichen und fernöstlichen Kapitalisten, dem zufolge Billigstware mit hohen westlichen Handelsspannen gegen westliche Arbeitsplätze getauscht wurde, hat dieses Unheil möglich gemacht.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/pLIKFV - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2482 05-09-11: Miserable Aussichten: Alle Frühindikatoren der Weltwirtschaft stehen auf rot

(bitte auch Startseite besuchen)

Die deutschen Wirtschafts-Aussichten sind derzeit nicht besonders rosig. Die so wichtige Nachfrage der privaten Haushalte dürfte weiter stagnieren, zumal die Verbraucher durch die Meldungen zum Euro, der Weltwirtschaft, den Löchern in den Bilanzen vieler Banken und auch zur deutschen Rentenentwicklung schwer verunsichert sind. Zuletzt wurde bekannt, daß nach Berechnungen der Bundesregierung die gesetztlichen Renten bis 2025 um 10 % sinken sollen. Schon jetzt sieht es dabei trübe aus: Während langjährig Versicherte 1992 noch das Doppelte der Sozialhilfe zur Verfügung gehabt hatten, soll dieser Wert bis auf 135 Prozent im vergangenen Jahr gesunken sein. Die Bankaktien stürzen auch in Deutschland immer weiter und verengen die Kreditspielräume der Banken, so bei der Deutschen Bank allein in 6 Monaten ein Kurssturz von 51 % (Abb. 04919). Der deutsche Aktienindex DAX der 30 größten Unternehmen ist in nur 2 Monaten um über 30 % abgestürzt, steiler noch als bei Ausbruch der Finanzmarktkrise 2008 (Abb. 17108).



Auch kommt die Eurokrise nicht zur Ruhe. Nach Zeitungsberichten steht es vor allem um das Sanierungsprogramm bei Griechenland schlecht. So wird nun in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von etwa 8,8 % erwartet, erheblich über dem gesetzten Ziel einer Absenkung auf 7,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Zudem erwartet der griechische Finanzminister auch für das laufenden Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um rund 5 %, womit der Absturz seit 2008 schon bei mehr als 11 % liegen würde (Abb. 16408). Die griechische Regierung scheint für das zweite Rettungspaket zugesagte Sparmaßnahmen in der Erwartung zu verschleppen, daß Deutschland Griechenland unbedingt im Euro halten will und daher auch so zu weiteren Hilfen bereit sein wird.


In Spanien ist die Arbeitslosigkeit im August auf 4,13 Millionen gestiegen, eine Rate von 20 % und doppelt so hoch bei Jugendlichen unter 25 Jahren. In Italien hat die Regierung Berlusconi ein energisches Sparprogramm versprochen und damit Stützungskäufe der EZB für seine Staatsanleihen erreicht, nur um die Steuereröhung für Reiche und die Verschiebung des Renteneintrittsalters wieder aus dem Programm zu nehmen, was zu wütenden öffentlichen Ermahnungen der EZB geführt hat. Sowohl bei Spanien, wie bei Italien steigen die Zinsen für Staatsanleihen nun immer höher und machen die Finanzierung der Staatsschulden immer schwieriger (Abb. 16380).




Hier Wochenbrief bestellen


Alle wichtigen Frühindikatoren von OECD und EU-Kommission stehen derzeit auf rot und zeigen einen starken Rückgang der Wirtschaftsaktivität an; das gilt vor allem für Deutschland (Abb. 12192, 13544). Der letzte Markit-Indikator der Einkaufsmanager (PMI) im August zeigte für Deutschland bei den Exportaufträgen die stärkste Fallrate aller beobachteten Länder. Die hohe Exportabhängigkeit wird für Deutschland angesichts der schlechten Binnenkonjunktur zu einer großen Gefahr werden, wenn - wie von vielen Seiten erwartet wird - schwere Jahre auf vielen wichtigen Absatzmärkten für deutsche Waren kommen sollten. Bei anhaltender weltwirtschaftlicher Rezession wird man auch mit einer größeren Zahl an Pleiten unter den schlecht kapitalisierten Banken rechnen müssen (siehe die Warnungen der IWF-Cheffin Lagarde), aber auch mit Staatspleiten in der Eurozone, wenn die Belastungen für das Rettungssystem zu groß werden sollten.



Weiterlesen im kommenden gut dokumentierten Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nexqwO - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2481 04-09-11: Der kleine Schritt der Eurobonds von der angeblich zinsgünstigen Markttiefe zum Ramsch

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Fürsprecher der Eurobonds werben mit der Markttiefe und davon abgeleitet niedrigen Zinsen. Wenn ein Riesenmarkt entstünde, weil alle Euroländer 60 % ihrer Staatsschulden in Zukunft über Eurobonds finanzieren würden, so ergäben sich wegen der Risikomischung und der Größe zwangsläufig niedrigere Zinsen, dem Markt für amerikanische Staatsanleihen vergleichbar. So argumentiert Prof. Rudolf Hickel im Handelsblatt, ein wichtiger Vorteil von Eurobonds sei die zu erwartende große Nachfrage nach solchen Bonds als Anlagewährung gegenüber den US-Staatsanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten. Beispielsweise wären die Euro-Bonds für die chinesische Notenbank als Anlageprodukte wichtig. Zwar bemängelten Kritiker die Zinshöhe für Deutschland, weil Eurobonds einen Durchschnitt aus Ländern mit niedrigen Zinsen (Bestnote bei den Ratingagenturen) gegenüber den Krisenländern (Ramschstatus beim Rating) mit hohen Kosten der Kreditfinanzierung repräsentierten. Dies sei jedoch das Ergebnis einer statischen Rechnung. Die Möglichkeit, daß weltweit akzeptierte Bonds gegenüber der mechanistischen Durchschnittsbildung wegen deren Attraktivität mit niedrigeren Zinssätzen zu verkaufen sind, werde übersehen.



Hier Wochenbrief bestellen


Nun meldet sich jedoch einer der Rating-Riesen zu Wort. Der Leiter des Länderbereichs Europa bei S & P, Moritz Krämer, sagte an diesem Samstag auf dem europäischen Forum in Alpbach, Standard & Poor's würde gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes bewerten:

"Wenn wir einen Euro-Bond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland zwei Prozent, dann läge das Rating des Euro-Bonds bei 'CC', was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht."

Diese Note steht bei S & P für extrem spekulative Anleihen und liegt nur eine Stufe über dem Zahlungsausfall. Bei einer solchen Bewertung müßten auch für Euro-Bonds extrem hohe Zinsen gezahlt werden, da viele institutionelle Anleger bei einer solchen Note einen Kauf ausschließen. Dabei geht die Rating Agentur davon aus, daß es nach jetzigem Stand eine gemeinsame Garantie und keine einzelne Gewährleistung der Mitgliedsländer gäbe.

Mit anderen Worten: Eine bessere Einstufung und niedrigere Zinsen gibt es nur, wenn Deutschland für den Gesamtbetrag aller Eurobonds zu 100 % die Gewährleistung übernehmen würde, eine irrsinnige Haftungsgröße.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2480 02-09-11: Schlechte Wirtschaftsaussichten: Lahmende private Nachfrage und gebremste Exportentwicklung

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach den jetzt veröffentlichten Detailergebnissen des 2. Quartals trüben sich die Wirtschaftsaussichten deutlich ein. Der einzige Wachstumsimpuls im Vorquartalsvergleich kam vom Vorratsaufbau, ist also praktisch keiner. Wegen der sinkenden Nachfrage, vor allem aus dem Ausland, bleiben deutsche Industrieunternehmen auf einem Teil ihrer Ware sitzen und füllen die Lager mit fertigen Produkten auf. Nach der Markit-Umfrage unter Einkaufsmanagern füllten sich die Lager im August so stark wie noch nie seit Beginn der Umfrage 1996. Andererseits gingen die für die Gesamtentwicklung entscheidenden privaten Konsumausgaben zurück, obwohl sie von der Politik und der Marktforschung immer wieder hochgeredet wurden. Staatlicher Konsum und Bruttoanlageninvestitionen stagnierten total (Abb. 17044).




Hier Wochenbrief bestellen


Die Konsumausgaben der privaten Haushalte entwickeln sich seit vielen Jahren kaum. Sie lagen im 2. Quartal 2011 nur um 0,8 % über dem Wert von drei Jahren vorher im 2. Quartal 2008. Hier kommen die Ungleichentwicklung der Einkommen und die stagnierende Gesamtentwicklung von Arbeitseinkommen als Konsumbremsen zusammen. In der Alt-EU ist Deutschland nun schon im 12. Jahr das Schlußlicht (Abb. 12998), ein besonders trauriger Rekord.


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/q47unJ - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Grafik-Datenbank" - ist im August 2010 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-405-9). Zur Bestellung hier.