Hier Wochenbrief bestellen


Reihe 85 ab 19-07-11 ... ...

(2479) Das falsche Euro-Rezept: Europa wird nicht deutsch werden

(2478) Euro: Bangemachen gilt nicht

(2477) Euro-Rettung: Wann übernimmt sich Deutschland?

(2476) Warum Prof. Hickel und andere Eurobond-Befürworter den Euro mehr gefährden, als daß sie ihm helfen

(2475) Das ewige Leid mit den verlogenen Konjunkturumfragen und den Presseerklärungen

(2474) Von Spekulanten und Spekulationsobjekten und warum die nächste Krise um die Ecke wartet

(2473) NachDenkSeiten verstehen wieder einmal den neoliberalen Kapitalismus und damit die Gründe für die Finanzkrise nicht

(2472) Globale Erwärmung: Fauna und Flora fliehen pol- und aufwärts

(2471) Die USA auf dem Weg in die Rezession

(2470) China: "Größe macht's"

(2469) Kein Bock auf Risiko = kein Wachstum mehr

(2468) Dänen und Deutsche: die glücklichsten und die am wenigsten glücklichen West-Europäer

(2467) Eurozone: Kampf der Flügel, oder warum der Euro nie problemlos funktionieren kann

(2466) Die Welt, Europa und auch Deutschland vor dem doppelten Wirtschaftseinbruch?

(2465) Warum die Eurobond-Retter mit gefährlichen Argumenten hantieren: Vergiftete Beruhigungspillen?

(2464) Die Sozialdemokraten können in ihrem Verlangen nach Vergemeinschaftung der Euro-Schulden nicht mit deutschem Geld umgehen

(2463) Die wunderbare Geldvermehrung in der Eurozone

(2462) Krisenspirale: Auch Du Frankreich?

(2461) Warum nun auch Frankreich in den Seilen der Finanzmärkte hängt

(2460) Nach der Fed-Entscheidung von gestern: Die Notenbanken werden das Schuldenproblem nun über Inflation lösen helfen

(2459) Wenn die Regierungen ihre Glaubwürdigkeit verlieren, ist die Krise perfekt

(2458) Demokratie ade!- Die EZB kauft ohne parlamentarische Beteiligung italienische und spanische Staatsanleihen mit hohem Risiko für den deutschen Steuerzahler

(2457) Seit 2000 Zuwachs der Unternehmens- und Vermögenseinkommen 673 Mrd Euro mehr als des Arbeitnehmerentgelts

(2456) Warum Deutschland nicht 2,6 Billionen Euro an Schulden von Italien und Spanien mittragen kann, weder über den Rettungsschirm noch über Eurobonds

(2455) Verschärfung der italienischen und spanischen Verschuldungskrise: Die Europäische Zentralbank wirft die Druckmaschinen an

(2454) Wenn eine ökonomisch dumme Oberschicht den Staat als Geisel nimmt und sich finanziell an den Mitbürgern vergreift, ist die nächste schwere Krise gewiß

(2453) Nun läutet Italien dem Euro das Sterbeglöckchen

(2452) Immer weniger Arbeitsfreude in Deutschland

(2451) Tariflohnentwicklung: Das Statistische Bundesamt unter dem Kommando des Bundesinnenministeriums treibt die Desinformation immer toller

(2450) Wenn die Weltwirtschaft gleichzeitig an den drei wichtigsten Ecken ernste Probleme hat

(2449) Auch die Juli-Zahlen vom Arbeitsmarkt: Wieder viel Täuschung

(2448) Depression - eine grassierende deutsche Krankheit

(2447) Und die Profite der Unternehmen steigen wieder in Vorkrisenhöhen

(2446) Weder die SPD noch die LINKE haben bisher die Gefahren aus der neoliberalen Globalisierung begriffen: jüngstes Beispiel Eurorettungspaket

(2445) Nach dem Eurorettungspaket: Die Finanzmärkte sehen bereits ein gestiegenes Risiko bei deutschen Staatsanleihen

(2444) Warum Griechenland so nicht zu retten ist

(2443) Eurorettung: Kein Befreiungsschlag für Spanien, Italien und Portugal

(2442) Eurorettung: Die Transferunion ist perfekt

(2441) Weiß denn Flaßbeck, wovon er bei Griechenland redet?

(2440) Angebliches deutsches Jobwunder von 2010 entblättert: Mehr als drei Viertel der neuen Jobs im Niedriglohn- und Leiharbeitssektor mit seit 2000 fallenden Arbeitseinkommen

(2439) Wie Frau Merkel den Euro retten kann und muß




global news 2479 01-09-11: Das falsche Euro-Rezept: Europa wird nicht deutsch werden

(bitte auch Startseite besuchen)


Da soll nach der Bundesregierung Träumen nun als letztes Aufgebot zur Eurorettung eine Wirtschaftsregierung in der Eurozone für Haushalts- und Wirtschaftsdisziplin nach deutschem Vorbild sorgen, und die Bundesarbeitsministerin von der Leyen ruft zu diesem Zweck schon mal die "Vereinigten Staaten von Europa" aus. Alle sollen nach deutschem Vorbild eisern sparen und mehr arbeiten, Löhne in den Keller gehen, Niedriglohnsektoren wuchern, Hartz4 Schule machen. Doch das werden nur die blödesten Deutschen selbst glauben. An den Realitäten unterschiedlicher Wirtschafts- und Lebenskulturen in der Eurozone wird sich kaum etwas ändern. Allenfalls wird dieser Rettungsversuch die Wut auf deutsche Arroganz steigern, während man deutscherseits doch nur Dankbarkeit erwartet. Der Cartoon aus dem britischen Guardian sagt eigentlich alles.

Die deutsche Politik sollte sich endlich bewußt machen, wie riesig und unüberbrückbar die wachsenden Unterschiede sind. Man muß sich doch nur die Entwicklung in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien (GIPS) von Löhnen und Gehältern, privatem Verbrauch, Leistungsbilanzen und Staatshaushalten ansehen, um das sofort zu erkennen. Hier fliegen die Euroländer nur immer weiter auseinander. Löhne und Gehälter stiegen zwischen 2000 und 2010 nominal in GIPS im gewichteten Durchschnitt um 40,3 %, in Deutschland dagegen nur um 19,2 %. Daher müßten die Löhne und Gehälter in den GIPS um mehr als 21 % fallen, um auch nur den seit dem Jahr 2000 entstandenen Wettbewerbsnachteil stärker gestiegener Löhne gegenüber Deutschland auszugleichen, und dürften in Zukunft nur mit der mageren deutschen Rate steigen, von anderen Faktoren der Wettbewerbsstärke, wie der Exportstruktur, ganz zu schweigen.



Hier Wochenbrief bestellen


Unterschiedlich entwickelte sich daher auch der private Verbrauch zwischen 2000 und 2009 mit real 11,6 % für GIPS und nur 5,2 % für Deutschland (2010 war in GIPS bereits ein stark dämpfendes Krisenjahr). Die auseinanderdriftende Wettbewerbsfähigkeit drückte sich vor allem in der Entwicklung der Leistungsbilanzen aus: In 2010 waren sie im gewichteten Durchschnitt mit -4,7 % des BIP für GIPS stark negativ, dagegen mit +5,3 % für Deutschland stark positiv. Auch die für 2011 erwarteten Salden der Staatshaushalte sind entsprechend noch immer sehr unterschiedlich mit einem Defizit gemessen am BIP für GIPS von hohen -5,3 % und für Deutschland von nur vergleichsweise niedrigen -2,0 % (Abb. 15374). Die Sparquote lag im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2010 für GIPS bei 17,7 %, für Deutschland dagegen wesentlich höher bei 23,6 % des BIP (Abb. 15378).



Keine Wirtschaftsregierung kann solche Gräben zuschütten, und von der Seite der GIPS allein ist das ohnehin nicht möglich. Nur wenn Deutschland Mindestlöhne flächendeckend einführen, die Erleichterungen schlechtbezahlter Leiharbeit zurücknehmen und allgemein kräftige Lohnsteigerungen Jahr für Jahr zulassen würde, wäre das erreichbar. Doch danach sieht es nicht aus.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2478 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2478 30-08-11: Euro: Bangemachen gilt nicht

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Euro nähert sich gespenstisch schnell seiner Sollbruchstelle an der Peripherie der Eurozone. Wie fallende Dominos hat die Krise von Griechenland aus auf Irland, Portugal, Spanien und Italien übergegriffen. Die EZB mußte sich schon mit ca. 110 Mrd Euro kriselnder Anleihen volltanken und kriselnde Banken mit schwach besicherten Krediten stützen. Immer wieder haben Regierungen "Apokalypse now" gerufen, mit dem Untergang des Euro und gar der Europäischen Union gedroht, um bei einer immer nervöser werdenden Bevölkerung Akzeptanz weiterer riskanter Rettungsschritte zu erzwingen. Doch die Eurokrise hat sich als eine tiefe Vertrauenskrise der privaten Anleger in Staatsanleihen nur weiter fortgefressen.

Jetzt kommen viele Möchte-gern-Retter und beschwören eine totale Schuldenvergemeinschaftung per Eurobonds als das einzig verbleibende Mittel zur Rettung des Euro und letztlich der Europäischen Union. Eurobonds oder Untergang - ohne Alternative. Das Bangemachen wird total. Man will uns in ein Abenteuer treiben, das die Krise durchaus noch schlimmer machen kann. Denn niemand kann heute wissen, wo der Zinsvorteil der Eurobonds für die Euro-Rettung wirklich liegen wird und ob so die Anleger zu einer preiswerten Finanzierung der Euroschulden auch noch der am Schlimmsten verschuldeten Peripherieländer zu verführen sind. Da wird mit der Tiefe eines solchen Euroanleihemarktes argumentiert und das Beispiel des Marktes in amerikanische Staatsanleihen beschworen. Doch in den USA gibt es eine einheitliche, demokratisch kontrollierte Regierung und Notenbank, in der Eurozone heute und morgen nicht. Der Dollar ist die globale Hauptreservewährung, der Euro nicht.

Als echte und vom Volumen her nennenswerte Garanten der Eurobonds stünden neben Deutschland praktisch nur noch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Finnland zur Verfügung. In Finnland und den Niederlanden ist selbst in den Parlamenten, geschweige denn bei den Bürgern, der Widerstand gegen immer neue Rettungsaktionen schon groß. Frankreich ist mit hoher Verschuldung und hohem Haushaltsdefizit ein Wackelkandidat, der seinen AAA-Status bei einer Schuldenvergemeinschaftung sehr schnell verlieren kann; sogar der Premierminister befürchtet das öffentlich. Was passiert eigentlich mit den angeblich niedrigen Vorzugszinsen von Eurobonds, wenn nach Einführung von Eurobonds und bei weiter kriselnden Volkswirtschaften an der Europeripherie der parlamentarische Widerstand in einigen der Garantenländer, oder auch nur einem einzigen, gegen weitere Eurobonds nicht zu überwinden ist? Was passiert, wenn eines der Garantenländer heruntergestuft wird, z.B. Frankreich? Wird die Rechnung dann nicht wieder unfinanzierbar, weil die globalen Märkte sofort die Zinsen anheben werden? Anleger aus USA, Großbritannien, Fernost und anderswo könnten sich mit der üblichen Reaktion in amerikanische Staatsanleihen oder andere Anlageformen retten. Und was dann, nachdem die letzte Euro-Kugel verschossen ist? Bereitmachen zum Untergang?



Hier Wochenbrief bestellen


Auch bedingen Eurobonds komplizierte gesetzliche Änderungen, Verzichte der Parlamente auf Haushaltsrechte, Verfassungsänderungen und Volksabstimmungen in einigen Euroländern. Für die derzeitige Krise kommen sie daher ohnehin zu spät. Sollten es dann Eurobonds nicht bringen, so wird mit der eingeübten Panikmache die EZB unter Druck gesetzt werden, sich weiter mit Staatsanleihen aus den Krisenländern vollzutanken und dafür die Eurodruckmaschinen laufen zu lassen. Noch einen Schritt weiter geht schon jetzt die LINKE in Deutschland und fordert eine staatliche Bank für öffentliche Anleihen. Die soll sich dann billiges Geld bei der EZB borgen und ohne jeden Risikoaufschlag an die Krisenländer durchreichen. Angeblich sollen so die Steuerzahler entlastet werden. Daß eine solche Turbo-Eurodruckmaschine ohne jede Risikokontrolle, wie sie normalerweise mit Risikoaufschlägen funktioniert, die EZB ruinieren würde und die Steuerzahler am Ende als Inflationsmaschine wieder einholen würde, scheint die LINKE nicht zu besorgen.

Mit solchen Plänen wird nur kostbare Zeit verspielt - Zeit, die für eine andere Rettung des Euro eingesetzt werden müßte. Denn der Euro ist zu retten. Man muß allerdings den Realitäten ins Auge sehen, auch wenn sie nicht schön aussehen. Zu den Realitäten gehört vor allem, daß die globale Wirtschaft, von Ausnahmen abgesehen, sehr wahrscheinlich durch viele Jahre stagnierender bis rückläufiger Wirtschaftsentwicklung gehen wird und dabei viele private Schuldner zahlungsunfähig werden und mit ihnen kreditgebende Banken in Schieflagen geraten dürften. Die neue IWF-Chefin Lagarde hat diese Sorge gerade angesprochen. Entsprechend müssen Banken gestützt und notfalls wahrscheinlich verstaatlicht werden. Eine solche Wirtschaftsentwicklung wird den am Schlimmsten verschuldeten Euroländern auch den Ausweg versperren, aus ihren Schulden herauszuwachsen, und statt dessen die Verschuldungsraten dort unerträglich weiter hochfahren.

In dieser Situation kann der Euro mit den schlimmsten Fußkranken an seiner Peripherie das rettende Ufer nicht erreichen. Griechenland und Portugal können sich (und den Euro) am Ende nur außerhalb des Euro mit einer wieder eigenen, abwertbaren Währung retten, wenn sie gleichzeitig eine Umschuldung erzwingen und von den Europartnern durch Schuldenverzichte und zeitweise höhere Hilfen aus dem EU-Haushalt gestützt werden. So stürzt derzeit Griechenlands Industrieproduktion mit einer Jahresrate von 25 % steil ab. Da hilft auch der sehr niedrige Zins des Rettungsschirms von nur 5 % nicht mehr und würden auch Eurobondzinsen in ähnlicher Höhe nicht mehr viel helfen (2-Jahres-Staatsanleihen müssen dagegen derzeit an den Kapitalmärkten mit einem Jahreszins von 45,6 % verzinst werden, um überhaupt noch gekauft zu werden (Abb. 16321). Andererseits ist Irland exportstark und braucht nur eine Umschuldung innerhalb des Euro. Bei Umschuldungen griechischer und portugiesischer Staatsanleihen müssen einige Gläubigerbanken in den anderen Euroländern bei Teilverlust ihrer Forderungen gestützt oder im schlimmsten Fall zeitweise verstaatlicht werden.


Das große Problem ist dann Spanien und Italien. Hier darf man aus den genannten Gründen nicht auf Eurobonds warten. Der schon vereinbarte Rettungsschirm ESFS, der einzelne fällig werdende und nicht am Kapitalmarkt zu angemessenen Zinsen zu refinanzierende Anleihen aufkaufen würde, müßte als Übergangslösung herhalten, evtl. nach einer Aufstockung. Geht die Krise um diese Staatsanleihen - auch wegen der weltwirtschaftlichen Flaute - nicht zurück und klettert die Verschuldungsrate weiter hoch, so bleibt auch da nur das Handtuch und eine Umschuldung, in diesem Fall innerhalb des Euro. Beide Länder haben auch in diesem Jahr noch hohe Haushaltsdefizite vom 6,3 % bzw. 4 % des BIP (Abb. 15367) und in den nächsten Jahren hohe Belastungen aus der Fälligkeit von Staatsanleihen sowie bei Spanien aus der Rekapitalisierung des unter der Immobilienkrise leidenden Finanzsektors.


Wieder müßten in den schlimmsten Fällen die wegen der Umschuldung und den damit verbundenen Forderungsabschreibungen notleidenden Banken zeitweise gestützt oder verstaatlicht werden. Mit einer vollen Beteiligung der privaten Gläubiger, von denen die meisten übrigens innerhalb dieser dann umschuldenden Länder wohnen und dort zuerst ein Problem für die jeweiligen Regierungen sein sollten, kann die Verschuldung wirkungsvoll zurückgeführt werden. Die dann verbleibende Schuld kann wieder über den Rettungsschirm finanziert werden. Denn die wesentlich geringeren Volumina würden den Rettungsschirm bzw. die Hilfsbereitschaft der Steuerzahler in den solideren Euroländern nicht mehr sprengen müssen. Der Rettungsschirm müßte dann langfristig zur Verfügung stehen, weil nach einer Umschuldung die Rückkehr von Spanien und Italien an die Finanzmärkte für viele Jahre versperrt bliebe.

Doch der Euro wäre zu retten, wenn auch unter Opfern, und Bangemachen darf nicht gelten.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/mY7mJK - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2477 28-08-11: Euro-Rettung: Wann übernimmt sich Deutschland?

(bitte auch Startseite besuchen)


Alle um Deutschland herum erwarten, daß deutsches Geld den Euro rettet. Selbst in Deutschland treten Parteien, wie SPD, LINKE und Grüne, aber auch Wirtschaftswissenschaftler und Verbandsvertreter für eine Schuldenvergemeinschaftung durch Eurobonds ein. Kaum einer fragt dabei, wo die deutschen Belastungsgrenzen liegen. Dabei war noch bis vor Kurzem allgemeiner Konsens, daß sich Deutschland nicht weiter verschulden kann und wurde deshalb die Schuldenbremse in die Verfassung geschrieben. Alles vergessen? Nein, die frohe Botschaft, die gleichzeitig verbreitet wird, ist die allgemeine Schuldenbremse in allen Verfassungen der Euroländer. Doch ist sie erreichbar?

Schon die deutsche Schuldenbremse kennt jede Menge von Ausnahmen. Zunächst einmal wirkt sie nicht absolut, denn in Art. 109 Abs. 3 S. 4 und 115 Abs. 2 S. 2 GG ist vorgesehen, daß eine Kreditaufnahme bis zu 0,35 % des nominalen Bruttoinlandsproduktes nicht unter das Verbot der Kreditaufnahme fällt. Es liegt also für den Bund eine Kreditermächtigung bis zu dieser Summe vor. Dazu gibt es dann noch zweierlei Ausnahmen, breit wie Scheunentore: (1) Aus konjunkturellen Gründen können Kredite aufgenommen werden, wobei die konjunkturellen Schwankungen im Auf- und Abschwung symmetrisch zu berücksichtigen sind, und (2) Im Falle von Naturkatastrophen oder in außergewöhnlichen Notsituationen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen, können Kredite aufgenommen werden. Unter dem Begriff der "Notfälle, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen" sind Entwicklungen wie die gegenwärtige Finanzkrise zu verstehen. Wenn schon Deutschland solche Ausnahmen zuläßt und wenn man berücksichtigt, wie salopp die auf dem Papier sehr strikten Maastricht-Kriterien in der Vergangenheit behandelt wurden, kann man sich vorstellen, wie solche Schuldenbremsen in den krisengeschüttelten Euroländern wirken werden.

So äußert Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt und ehemaliges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), der 1998 maßgeblich am Entwurf der geldpolitischen Strategie der EZB beteiligt war, in der Financial Times vom 9. August erhebliche Zweifel in die optimistischen Annahmen weiterer Integration der Haushaltspolitiken als Schritt zur politischen Union:

"Viele Beobachter interpretieren die Rettungsmaßnahmen für den Euro als einen Schritt in die Richtung einer politischen Union. Tatsächlich ist das Gegenteil war. Die ehemalige Idee einer politischen Union mit den gegenwärtigen Entwicklungen zu verbinden, ist sowohl logisch falsch wie politisch gefährlich. Ein konsistentes Konzept einer politischen Union sollte auf einer Verfassung basieren und eine europäische Regierung vorsehen, die von einem nach demokratischen Prinzipien gewählten Parlament kontrolliert wird. Was wir jetzt sehen, ist etwas ganz anderes. Mehr und mehr nationales Steuerzahlergeld wird nun dem Risiko, den Euro zu retten, ausgesetzt. Die Schlußfolgerung, daß dieser Prozeß in die Richtung einer politischen Union führt, wird von den strikten Bedingungen abgeleitet, die als Gegenleistung für Hilfe den Mitgliedsländern auferlegt werden, die die Regeln gebrochen haben, - Bedingungen, die eine Art europäische Kontrolle über die Regierungen von Mitgliedsstaaten vorsehen. Doch der Umstand, daß ein Mitgliedsland, ohne Rücksicht auf die Kosten, seiner Mitgliedschaft im Euro sicher sein kann, selbst im Fall permanenter Verletzung der Regeln, schafft das Risiko von Fehlverhalten und ein offensichtlich Potenzial für Erpressung."



Hier Wochenbrief bestellen


Tatsächlich ist Deutschland schon mit einem Bein tief im finanziellen Morast einer Schuldengemeinschaft und klingt der in Deutschland verbreitete Optimismus von der Schuldenbremse schon deshalb denkbar hohl. Selbst französische Banken haben in letzter Zeit in erheblichem Umfang Kredite der EZB aufgenommen (Abb. 16407). Mit jeder Ramschanleihe, die die EZB aufkauft (bisher für 110 Mrd Euro) oder als angebliche Sicherheit annimmt und in ihre Bilanz schreibt, steigt der deutsche Steuerzahler bereits ein, ohne daß irgendwelche Schritte in Richtung Schuldenbremse unternommen sind. Hinzu kommt die Kreditvergabe einzelner Notenbanken über das Eurosystem, für die die Bundesbank und damit der deutsche Steuerzahler ebenfalls haftet. Die GIIPS (Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien) stehen da bereits mit 336 Mrd Euro in der Kreide (Abb. 16405). Und nun werden allein in 2011 in großem Umfang Staatsschulden fällig und fallen neue Haushaltsdefizite an, die alle über die Finanzmärkte und zu großen Teilen über das Eurorettungssystem finanziert werden müssen, ohne daß solche Schuldenbremsen greifen (Abb. 16406).




Das ohnehin schon hochverschuldete Deutschland (Abb. 14853, 17034), kann sich hier durchaus übernehmen.




Auch muß gefragt werden, wie lange die Toleranz der deutschen Steuerzahler durchhält, wenn erst einmal die Kosten anfallen. Selbst die vorsichtige Rechnung aus dem Bundesfinanzministerium geht im Fall von Eurobonds von bis zu jährlich 25 Mrd Euro ansteigenden Zinsbelastungen allein zur Finanzierung der deutschen Staatsschuld aus. Das ist mehr als der doppelte Betrag, der über den Solidaritätszuschlag erhoben wird. Doch dabei sind Ausfälle aus Eurobonds schwacher Euroländer oder Verlusten der EZB, für die Deutschland mit enorm hohen Beträgen miteinspringen müßte, noch gar nicht berücksichtigt.

Sollte Frankreichs AAA-Status als Folge der Schuldenvergemeinschaftung durch Eurobonds verloren gehen und das befürchtet öffentlich die französische Regierung, so würde sich das sofort zinssteigernd auf Eurobonds auswirken. Das Gleiche gilt, wenn starker innenpolitischer Druck der Steuerzahler in den noch einigermaßen soliden Garantenländern gegen Eurobonds aufkommen sollte, wie jetzt schon in Finnland und den Niederlanden. Die Finanzmärkte werden die Aufnahme von Eurobond sofort verteuern. Das ist eben der große Unterschied zu dem Anleihemarkt der USA, mit dem die Eurobond-Befürworter immer gern vergleichen, wenn sie mit der Tiefe eines solchen Marktes auch in der Eurozone niedrigere Zinsen versprechen. In den USA gibt es eine einheitliche, demokratisch kontrollierte Regierung und Notenbank, in der Eurozone heute und morgen nicht. Leider verstehen die meisten deutschen Befürworter von Eurobonds sehr wenig von den Finanzmärkten.

Ein Aufsatz zu den Risiken der Eurobonds "Warum die Eurobond-Befürworter den Euro mehr gefährden, als daß sie ihm helfen" kann hier in der ausdruckbaren pdf-Fassung heruntergeladen werden.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/o99ln0 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2476 26-08-11: Warum Prof. Hickel und andere Eurobond-Befürworter den Euro mehr gefährden, als daß sie ihm helfen

(bitte auch Startseite besuchen)

Rudolf Hickel, linker Ökonomieprofessor in Bremen, hat in einem Gastbeitrag des heutigen Handelsblatts in die Eurobond-Harfe gegriffen. Auch andere links-ausgewiesene Wissenschaftler haben das schon getan, auch Gewerkschaftler, wie der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske. Doch haben sie sich vielleicht vergriffen?

Deutschland wird nicht umhinkommen, in die Euro-Pflicht genommen zu werden. Doch das Ausmaß dieser Pflicht und seine Grenzen sind durchaus zu diskutieren. Selbst mit einer gegenüber der derzeitigen Finanzierung durch den Rettungsschirm zu 5 % Zins etwas billigeren Finanzierung über Eurobonds ist z.B. Griechenland nicht mehr zu helfen, selbst wenn 100 % (nicht nur 60 %, so Hickel) der Schuld über Eurobonds vergemeinschaftet werden. Denn sowohl die Verschuldungsquote wie die miserablen Wirtschaftsaussichten stehen dagegen, erst recht wenn nun - wie immer wahrscheinlicher - eine globale Flaute kommen sollte. Die griechische Industrieproduktion lag nach den letzten Zahlen vom Juni 2011 im freien Fall bereits um 25,1 % (!) unter dem Durchschnitt von 2008 vor der Krise (Abb. 16296).


Unter diesen Umständen würden Eurobonds für Griechenland nur die Rettungskosten sinnlos hochtreiben und sie am Ende voll und einseitig ohne Beteiligung der privaten Gläubiger bei den Steuerzahlern der wenigen soliden Euroländer hängen lassen (Deutschlands Anteil mindestens 47 %, siehe unten). Kapitalmarktexperten rechnen inzwischen mit Abschreibungen von 2/3 der Forderungen aus griechischen Staatsanleihen. So Citigroup Global Markets laut Financial Times vom 25. 8.:

"Das zweite Rettungspaket wirft gutes Geld schlechtem nach. Griechenland wird mindestens zwei Drittel seiner Schuld abschreiben müssen (ausgenommen seine Schuld gegenüber dem IWF) wahrscheinlich um 2013/14, um seine Schuldenlast dem Durchschnitt der Eurozone von 80 % des BIP anzupassen. Die wenigen letzten Tage haben diese Realität näher gebracht".



Hier Wochenbrief bestellen


Nun versuchen die Eurobond-Befürworter, uns die Sorgen vor eine Griechenland-Pleite zu nehmen, indem sie gleichzeitig einem "Marshall-Plan" für Griechenland fordern. Das soll gut klingen und das vor allem in Deutschland, dem ein solcher Plan nach dem Krieg zum Wirtschaftswunder mitverholfen hat. Leider jedoch ist die Situation mit Griechenland heute total anders als im kriegszerstörten Deutschland, wo immerhin das Wissen in den Köpfen vorhanden war, auch noch Vieles der industriellen Infrastruktur, und nur neue Maschinen und Infrastruktur als Ersatz für zerstörte hermußten, um wieder loszulegen. Außerdem machten die Deutschen nach der Kriegserfahrung alles, was die Regierung von ihnen erwartete. Vor allem leisteten die Arbeitnehmer jahrelang massiven Lohnverzicht, während die Griechen heute protestierend auf die Straße gehen und die konservative griechische Opposition ebenfalls mauert. Wo soll denn eigentlich ein solcher Marshallplan in Griechenland ansetzen? Wer soll dort investieren, während die Wirtschaft in den Keller geht, die Menschen auf die Straße und der Markt wegbricht. Und das in einer Zeit, wo leider global die nächste Flaute heraufdämmert? Auf solche Fragen hört man keine Antworten.

Auch wäre ein erfolgreiches Management einer derart gigantischen Aufgabe in so schweren Zeiten von der EU-Kommission kaum zu erwarten. Außerdem muß die griechische Industrie, anders als die deutsche seinerzeit, heute mit den hoch leistungsfähigen Billigproduzenten in China und Osteuropa und anderen Schwellenländern konkurrieren, und das aus einer für das Land viel zu teueren Währung heraus. Ein solcher Marshall-Plan wäre daher nur ein weiterer Transfer-Mechanismus zu Lasten der Steuerzahler in den solideren Ländern und würde bei seinem aus den genannten Gründen wahrscheinlichen Scheitern nur zusätzlichen Frust und Politikverdrossenheit bringen. Griechenland wird selbst mit einem Marshall-Plan nicht vor der Pleite zu bewahren sein.

Am Ende wird Griechenland nur in der Eurozone zu halten sein, wenn einerseits ein drastischer Schuldenschnitt stattfindet und andererseits die übrige Eurozone bereit ist, Griechenland viele Jahre lang zu alimentieren, wie Deutschland das mit den neuen Bundesländern getan hat. Und diese Frage darf nicht über die Köpfe der Menschen in den Geberländern hinweg entschieden und dann noch mit von normalen Menschen nicht zu beurteilenden Formeln wie Eurobonds oder Marshallplan verkleistert werden.

Es fehlt bei den Eurobond-Befürwortern an einer sorgfältigen Abwägung zwischen Eurobonds und dem bisher geplanten und zu erweiternden Rettungsschirm. Der Rettungsschirm ist in der Finanzierung an den Finanzmärkten wahrscheinlich auch nicht sehr viel teuerer als Eurobonds (das zeigt auch der Zins für die bisherigen ersten Bonds des Rettungsschirms ESFS), hat aber den riesigen Vorteil, daß die Druckmaschine nicht bei den Krisenländern landet, sondern die Hilfe durch einzelne und an echte Bedingungen knüpfbare Kredite des ESFS erfolgt. Außerdem trägt Deutschland beim ESFS und dem künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM nur seinen Anteil an einem vorbestimmten Maximalbetrag, während es bei Eurobonds in die totale gesamtschuldnerische Haftung kommt und damit in einen Automatismus, der am Ende nicht zu begrenzen sein wird. Das wäre derselbe verheerende Sprung ins Wasser mit Augen zu und durch, wie seinerzeit in den Euro. Es ist schon erstaunlich, daß die Bond-Befürworter sich nicht die Mühe machen, in einer ernsthaften Abwägung Vor- und Nachteile mit dem ESFS/ESM zu vergleichen, sondern direkt zum Eurobond durchmarschieren.

Die Haftungsbegrenzung von ESFS/ESM im Vergleich zu Eurobonds ist umso wichtiger, als die Risiken, für die hier gehaftet werden kann, und die Kosten für die Garantenländer enorm sind. Die deutsche Diskussion kreist bisher nur um die Mehrkosten für den deutschen Staatshaushalt, wenn die Zinsen wegen des bei Schuldengemeinschaft verschlechterten Kreditstandings steigen. Das Bundesfinanzministerium soll angeblich bei 0,8 % mehr Zins mit bis auf 25 Mrd Euro pro Jahr ansteigenden Zusatzzinsen rechnen, immerhin mehr als doppelt so viel wie der Solidaritätszuschlag erbringt. 0,8 % entspricht der derzeitigen Zinsdifferenz zu Anleihen der EU-Kommission. Doch wer sagt, daß es bei einer echten Schuldengemeinschaft und dramatisch höheren Anleihevolumina nur 0,8 % mehr Zins sein werden? Auch das mag nur eine Milchmädchenrechnung sein.

Viel wichtiger noch ist der deutsche Haftungsrahmen bei einer Schuldenvergemeinschaftung durch Eurobonds, da durchaus mit Ausfällen krisengeschüttelter Erstschuldner aus den Bonds zu rechnen ist. Als echte und vom Volumen her nennenswerte Garanten der Eurobonds stünden neben Deutschland praktisch nur noch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Finnland zur Verfügung. Unter diesen Ländern hätte Deutschland dann nach dem EZB-Kapitalschlüssel einen Haftungsanteil von 47 % an den vergemeinschafteten Staatsschulden der derzeitigen 5 Krisenländer plus dem ebenfalls kriselnden Belgien von insgesamt 3,6 Billionen Euro, macht 1,7 Billionen Euro. Die jährlichen deutschen Steuereinnahmen des Bundes von 228,8 Mrd Euro (2010) müßten also mehr als siebenmal an einander gereiht werden, um diesem maximalen Haftungsrahmen zu entsprechen.

Die Risiken werden von den Bondbefürwortern weggebügelt oder verharmlost mit der festen Erwartung der Einführung strikter Haushaltsdisziplin in allen Euroländern unter ebenso strikter zentraler Kontrolle, und das entgegen allen bisherigen Erfahrungen. Bei Hickel beschränkt sich das auf einen einzigen Satz in seinem Handelsblatt-Artikel: "Allerdings muss das Instrument Euro-Bonds in eine verbindliche Strategie der öffentlichen Haushaltssanierung eingebunden werden."

Ein weiterer Nachteil von Eurobonds: Sobald sie eingeführt sind, kann man die Beteiligung privater Gläubiger an der Verlusten vergessen. Sie werden hinfort in ihren Anlagen durch die Eurobonds gegen Pleiten geschützt. Die Spekulanten können dann weiter hohe Zinsen auf Staatsanleihen kassieren, die eigentlich gar keine Zinsen mehr erbringen sollten sondern nur noch nackte Verluste. Nicht von ungefähr gehört Oberspekulant Soros zu den eifrigsten Führsprechern von Eurobonds, ebenso die dem Londoner Finanzkapital nahestehende Financial Times. Selbst bei Griechenland halten sich trotz des Drucks der Regierungen private Anleihenhalter noch mit dem Umtausch in vom Rettungsschirm garantierte Papiere bei nur einem Mini-Verlust von 20 % zurück. Die griechische Regierung droht bereits, das Angebot zurückzuziehen, wenn sich nicht wenigsten 90 % der Anleihehalter als Interessenten einstellen. Doch auch hier ist für Hickel schon alles in Butter: "Schließlich sind durch Verzichte der Gläubiger im Rahmen des Umtauschs bisheriger Anleihen praktisch Euro-Bonds durch die Hintertür bereits eingeführt worden."

Das immer wieder auch von linker Seite vorgebrachte Argument, wir hätten schließlich am Meisten vom Euro profitiert und müßten uns daher in die Haftung nehmen lassen, trifft so nicht zu - ebensowenig wie wenn man uns immer wieder einreden will, wir seien die Gewinner der Globalisierung. Für den angeblichen Wettbewerbsvorteil im Euro haben wir ein Jahrzehnt lang eine normale Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer (Abb. 15373) und damit auch unserer Binnenkonjunktur geopfert sowie auf den Preis-Vorteil aus einer starken DM für den Verbrauch von Importwaren, wie Öl/Erdgas und viele Nahrungsmittel, verzichtet. Unsere Gesamtwirtschaft hat sich seit 2000 so ziemlich am Ende der Eurozone und weit schlechter als in den Krisenländern Griechenland, Irland und Spanien oder bei dem Importweltmeister USA entwickelt (Abb. 13409). Zusätzliche Arbeitsplätze in der Eurozone haben wir uns durch Exportüberschüsse mit den heutigen Krisenländern nur zeitweise sichern können, weil der Export dorthin einbrechen wird, wenn wir nicht ständig mit neuen Krediten antreten. Die immer ungleicheren Wettbewerbsverhältnisse mit den Krisenländern lassen eine andere Prognose gar nicht zu. Im Vorteil waren bei uns allenfalls die Kapitaleigner der Exportkonzerne, weil hier schöne Gewinne gemacht wurden, für die am Ende der deutsche Steuerzahler antreten muß.



Wenn Deutschland nicht endlich flächendeckende Mindestlöhne wie bei unseren Europartnern einführt, werden sich mit einem fortgesetzten deutschen Dumpingwettbewerb die Ungleichgewichte in der Eurozone nur weiter hochschaukeln und Eurobonds erst recht zu einem dauerhaften Ausgleichsmechanismus führen, bis die Eurozone dann am Ende doch nicht mehr zusammenzuhalten sein wird und die Scherben dem deutschen Steuerzahler um die Ohren fliegen werden (siehe die enormen Außenhandelsungleichgewichte in Abb. 16404). Auch das sollten die Bond-Befürworter, vor allem aus dem linken politischen Spekturm bedenken und in ihre Rechnung einstellen.


Man kann das Problem auch nicht in zwei getrennte Fragen nach Haftung unter Europartnern und wer in Deutschland letztlich die Zeche zahlt trennen. Ohne eine Rücknahme der Steuernachlässe für höhere Einkommen und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer wird die Zeche in Deutschland immer einseitig bei der Masse der Steuerzahler landen. Euro-Hilfe sollte in jedem Fall nur angeboten werden, wenn von vornherein sichergestellt ist, daß die Reichen in den Krisenländern einen hohen Anteil tragen und auch in Deutschland eine sozial ausgewogene Verteilung der Lasten erfolgt. Das ist sonst nachträglich kaum noch zu reparieren.

Zudem muß man die Gefahr sehen, daß die anderen solideren Euro-Länder, wie Finnland und die Niederlande, am Ende unter dem Druck ihrer Parlamente und der dortigen Opposition gegen Eurohilfen die Bedingungen zu ihren Gunsten verändern. Wenn Deutschland dann nicht aufpaßt, kann es ziemlich allein im Regen stehen. Frankreich lehrt uns jeden Tag, wie man seine Interessen wahrnimmt (von GB gar nicht zu reden). Und der französische Premierminister hat bereits vor wenigen Tagen öffentlich befürchtet, daß Frankreich bei Eurobonds seinen AAA-Status verliert. Warum dann nicht von Deutschland verlangen, daß es mit seinem besonders hohen Kreditstanding einen größeren Anteil an der Gesamtschuld übernimmt?

Wir sind beim Euro schon auf der Rutsche. Doch es kann bei Eurobonds noch schlimmer werden: Erst werden aus 60 % Deckung 100 %, weil das bei Griechenland, Portugal und Irland mit 60 % sowieso nicht läuft. Dann werden die anderen Garanten verlangen, daß Deutschland einen größeren Anteil übernimmt, zumal wenn einige aus innenpolitischen Gründen nicht voll mitspielen sollten. Dann wird eine haushaltsrechtliche Entmündigung der Parlamente in den Krisenländern nicht möglich sein und eine vielleicht nach deutschem Vorbild und auf deutsches Verlangen im Prinzip durchgesetzte BIP-Haushaltsbremse in den Verfassungen genügend Notöffnungen haben (die deutsche hat die ja auch!). Und dann wird vielleicht eines Tages in der deutschen Öffentlichkeit der Teufel losbrechen, wenn die Konsequenzen klar werden und sich die Menschen von der Politik beschissen fühlen sollten.

Deshalb muß man sich wundern, daß uns die Bond-Befürworter so schnell und skrupellos in das Eurobondabenteuer stürzen wollen. Sie tun das in einer derart vollmundigen Form ohne Einräumung jedes Risikos, daß man nur noch staunen kann. Schon Professor Hickels total alternativlose und damit wenig wissenschaftliche Überschrift im Handelsblatt "Euro-Bonds - Die Frage ist wie, nicht ob" läßt staunen.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2475 25-08-11: Das ewige Leid mit den verlogenen Konjunkturumfragen und den Presseerklärungen

(bitte auch Startseite besuchen)

Da gibt es eine Reihe von Umfragen zur Konjunkturlage, vor allem das ifo-Institut, die Gesellschaft für Konsumforschung und das Zentrum für Europäische Konjunkturforschung veröffentlichen ständig Ergebnisse. Dabei sind alle diese Institutionen von Wirtschaftsinteressen abhängig. Wenn die Ergebnisse mal gar nicht mehr aufzuhübschen sind, werden sie mit schönen und meist optimistischen Presseerklärungen verkleistert, die die Medien dann gerne aufnehmen.

So heute wieder mit der GfK. Da fällt der Konsumindex im August ein weiteres Mal in Folge seit März (Abb. 04711). Doch in der Presseerklärung liest sich das dann so unter der Überschrift "Konsumklima verbucht nur moderaten Rückgang":


"Die Verbraucherstimmung entwickelt sich im August uneinheitlich. Während die Anschaffungsneigung ihr gutes Niveau noch einmal verbessern kann, müssen die Konjunkturerwartung starke und die Einkommenserwartung moderate Einbußen hinnehmen. Der Gesamtindikator prognostiziert nach revidiert 5,3 Punkten im August für September einen Wert von 5,2 Punkten."



Hier Wochenbrief bestellen


Hier entscheidet auf einmal nicht mehr der Gesamtindex, sondern wird die Anschaffungsneigung, eine besonders unbestimmbare Größe, hochgespielt, um die Verbraucherstimmung auf "uneinheitlich" aufzuwerten. Und prompt titelt dann der SPIEGEL in seinem heutigen Bericht total verlogen und das Gegenteil behauptend "Krisenangst treibt Deutsche in die Geschäfte". Dann müßte doch der Index steigen, statt fallen. Für wie blöd verkauft man uns da eigentlich wieder einmal?

Ebenso verbiegend ist die Überschrift in der heutigen Presseerklärung des Bundeswirtschaftsministers zum GfK-Index "Konsum bleibt Stütze des Aufschwungs":

"Die Botschaft ist klar: Der Konsum der privaten Haushalte wird auch im zweiten Halbjahr eine wichtige Stütze des Aufschwungs bleiben."

Wie kann diese Botschaft eines sinkenden Index eigentlich so positiv umgedeutet werden und dann auch noch klar sein?

Da fällt der Ifo-Index für das Geschäftsklima bereits seit Februar und im August besonders stark (Abb. 14051). Doch der Bundeswirtschaftsminister erklärt uns unter der Überschrift "Deutsche Wirtschaft bleibt im Aufwind":


"Insgesamt bleibt die deutsche Wirtschaft dennoch im Aufwind. Der Aufschwung setzt sich fort, weltweit und in Deutschland."

Das macht wirklich sprachlos. Vielleicht sollten die Beamten in den Pressereferaten der Ministerien mal daran erinnert werden, daß sie nicht dem Minister und dessen Partei verpflichtet sind, sondern dem Wohl des deutschen Volkes.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qp8h8H - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2474 24-08-11: Von Spekulanten und Spekulationsobjekten und warum die nächste Krise um die Ecke wartet

(bitte auch Startseite besuchen)

Es gibt kleinere und größere Spekulanten, doch die kleineren können nur kleinere Teile ihres kleinen Vermögens verspekulieren und haben daher nie ein gesamtes Finanzsystem zum Einsturz bringen können. Doch dafür gibt es die größeren Spekulanten, nämlich sehr wohlhabende Individuen, die ihr Vermögen nicht selten Hedgefonds anvertrauen, Pensionsfonds und Versicherungen, die riesige Vermögen verwalten, und Unternehmen, die ihre Gewinne statt zu investieren auf die Finanzmärkte tragen. Diese Gruppen haben unheimliche Vermögen zur Spekulation zur Verfügung und suchen (bis auf Pensionsfonds und Versicherungen) geradezu riskantere Anlagen, weil dort die Profitraten höher sind.

Spekuliert werden kann dann auf alles, was sich bewegt. Die Spekulation am Anfang der letzten Krise auf überteuerte Immobilien und hochriskante Hypothekenpapiere war nicht gefährlicher als die auf Aktien, die den Börsencrash der 30er Jahre ausgelöst hat. Die derzeitige Spekulation auf Edelmetalle, vor allem Gold mit mehr als Verfünffachung des Preises seit 2003 (Abb. 16403), oder auf das Einspringen des deutschen Steuerzahlers zur Absicherung hochriskanter Staats- und Bankenanleihen aus der Europeripherie kann durchaus eine Krise ähnlicher Ausmaße auslösen.


Voraussetzung ist allerdings, daß genügend Spielgeld zusammenkommt, das die Finanzindustrie mit Kreditelementen dann noch weiter hochhebeln kann. Historisch gesehen hatten die Unternehmensgewinne und Dividendenausschüttungen ihren Höhepunkt unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre (Abb. 03900, 03897), die sie dann auch spekulativ eingesetzt auslösten. Die Krise hat sie dann gedrückt, und nach dem Zweiten Weltkrieg waren überall sozialere Verhältnisse angesagt, weil alle unter dem Krieg schwer gelitten hatten. Auch gab es in dieser Phase die Gefahr kommunistischer Expansion, der mit sozialeren Politiken im Westen begegnet wurde.



Doch mit Beginn der neoliberalen Globalisierung Ende der 70er Jahre und spätestens seit dem Fall des kommunistischen Konkurrenzmodells in Osteuropa türmen sich wieder die großen Vermögenskonzentrationen bei den ohnehin schon Vermögenden auf (Abb. 03474, 03898, 16159, 03826). Sie profitierten von gedrosselten Arbeitnehmereinkommen auf der einen Seite und abgesenkte Steuern plus Steueroasen für die Reichen auf der anderen.







Hier Wochenbrief bestellen


Dann kam es durch die Krise im Jahr 2008 zu einem Einbruch bei den Vermögen. Doch der wurde erstaunlich schnell, auch durch das Einspringen der Staaten über steuerfinanzierte Stützungsprogramme, überwunden. In USA sind die Unternehmensgewinne wieder in die Nähe ihres historischen Höhepunkts vor Ausbruch der Krise geklettert (Abb. 05275). Das gilt ebenso für die Gewinne pro Aktie der 500 weltgrößten börsengelisteten Unternehmen (Abb. 05276). Auch in der Eurozone und besonders in Deutschland ist der Betriebsüberschuß der Unternehmen (einschließlich Selbstständigeneinkommen) wieder auf fast die Höhe von vor der Krise gestiegen, in Deutschland seit dem Jahr 2000 ein realer Zuwachs von 19 % (Abb. 17105).




Ebenso ist der Anteil der Weltersparnis an der Weltwirtschaftsleistung, nicht zuletzt auch wegen der hohen chinesischen Sparquote und der anderer Schwellenländer, nach Prognose des IWF auf einem Weg, der selbst die bei Ausbruch der letzten Krise erreichte Schwelle weit überschreitet (Abb. 03908).


Der spekulative Sprengstoff für die nächste Krise liegt also bereit.

Leider gibt es bei NachDenkSeiten, einem der Sprachrohre des linken Lagers in Deutschland, und deren Herausgeber Albrecht Müller Widerstand gegen die Einordnung der Vermögenskonzentration als Ursache der Finanzmarktkrise (siehe Albrecht Müller: Geldschwemme Ursache der Finanzmarktkrise?). Und auch heute wird in NachDenkSeiten monokausal nur "spekulierenden Investmentbanken" die Krise angelastet, ohne die Herkunft des spekulierenden Kapitals zu berücksichtigen (siehe dazu Rundbrief).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2474 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2473 24-08-11: NachDenkSeiten verstehen wieder einmal den neoliberalen Kapitalismus und damit die Gründe für die Finanzkrise nicht

(bitte auch Startseite besuchen)

Albrecht Müller mit seinen NachDenkSeiten hat schon jeden zurückgeprügelt, der die Gründe für die schwerste Finanzkrise seit den 30er Jahren in der immer einseitigeren Verteilung der Einkommen und Vermögen suchte. Das mußten auch Michael Schlecht (Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE und seinerzeit Chef-Ökonom von Verdi) und Axel Troost (MdB DIE LINKE und deren Wirtschaftsexperte) erfahren, denen er „Denkfehler“ vorwarf (siehe hier), obwohl Müller der Linkspartei sonst immer gern nahe steht. Für Müller waren dagegen nur das Casino oder die Spekulanten schuld. Keine Frage dabei, woher die Spekulanten ihr Geld nahmen und ob es nicht gerade die stark steigenden Einkommen der gut Betuchten waren, die den Spekulanten das Spielgeld in die Taschen spülten.

Nun setzen sich NachDenkSeiten unter ihrem neuen Mitstreiter Jens Berger heute mit der in linken Ecken weitverbreiteten Zinskritik auseinander, wonach Zins und vor allem Zinseszins zur Finanzkrise geführt haben sollen. Diese Argumentation wird mit guten Gründen und zurecht zurückgewiesen. Doch dann bricht wieder Albrecht Müllers einseitige Schuldzuweisung an Spekulanten durch. Danach "rissen die Finanzalchimisten das gesamte Finanzsystem in eine der schwersten Krisen seit Menschengedenken". Die Finanzalchimisten in dieser Lesart sind die spekulierenden Investmentbanken. Als sei dies die einzige oder jedenfalls beherrschende Kausalität gewesen.



Hier Wochenbrief bestellen


Diese Verkürzung der Ursachenkette ist allerdings genauso unsinnig wie die Schuldzuweisung an unser gesamtes Geldsystem. Wie so oft gab es viele verschiedene Ursachen, die zusammenkommen mußten, um diese schlimme Krise auszulösen, und die Investmentbanken waren nur ein Glied in der Kette. Die gesamte Kette hatte etwa folgende Hauptursachen in ziemlich beliebiger Reihenfolge:

1. eine total einseitige Anhäufung von zur Spekulation geeigneten Vermögen,

2. zu lange zu niedrige Zentralbankzinsen (zeitweise sogar real negativ) mit entsprechender Aufblähung der Liquidität für die Spekulation,

3. von diesen niedrigen Zinsen angefeuerte wahnsinnige Immobilienbooms in vielen Ländern, vor allem in USA, Großbritannien, Spanien und Irland,

4. politischer Druck der Demokraten in USA auf die Finanzindustrie, ärmeren Bevölkerungskreisen, vor allem aus der farbigen Bevölkerung, per Hypothek zu einem Eigenheim zu verhelfen,

5. viel zu riskante Praktiken der Finanzindustrie in der Ausgabe von Hypotheken und vor allem bei der globalen Weitervermarktung von Forderungen aus hochriskanten Hypotheken durch deren "Verbriefung",

6. Rating Agenturen, die mit den Investmentbanken im Bett lagen und diese verbrieften Hypothekenforderungen (Hypothekenbonds) als sicher einstuften,

7. Banken in Europa, die solche Hypothekenbonds als angeblich besonders profitabel erwarben und in ausgegliederten und damit unkontrollierten Tochterunternehmen außerhalb der eigenen Bilanz hielten,

8. in Deutschland eine Bundesregierung, die die Verbriefung von Forderungen als moderne Finanzmarktstrategie anpries und unterstützte,

9. mangelnde Bankenaufsicht durch die Regierungen und zu geringe gesetzliche Auflagen für ein Mindesteigenkapital,

10. irrsinnige Kreditvolumina der Überschußländer China und Deutschland, die die Liquidität in den Defizitländern zusätzlich dramatisch aufbliesen.

Man wird wohl die Geld- und Kreditquellen, nämlich das einseitig und unter Ausbeutung der Arbeitnehmer (z.B. negative Reallohnentwicklung in Deutschland seit 2000) angehäufte Wohlstandskapital und die als Kredit herausgereichten Leistungsbilanzüberschüsse als die eigentlich Schuldigen darstellen müssen, weil diese Ursachen am Anfang der Ursachenkette standen. Doch genau dort sind NachDenkSeiten wieder einmal blind.

* * * * *

Siehe zur Rolle der Vermögenskonzentration auch den neuen Rundbrief: "Von Spekulanten und Spekulationsobjekten und warum die nächste Krise um die Ecke wartet" hier noch einmal eunbgefügt:

Es gibt kleinere und größere Spekulanten, doch die kleineren können nur kleinere Teile ihres kleinen Vermögens verspekulieren und haben daher nie ein gesamtes Finanzsystem zum Einsturz bringen können. Doch dafür gibt es die größeren Spekulanten, nämlich sehr wohlhabende Individuen, die ihr Vermögen nicht selten Hedgefonds anvertrauen, Pensionsfonds und Versicherungen, die riesige Vermögen verwalten, und Unternehmen, die ihre Gewinne statt zu investieren auf die Finanzmärkte tragen. Diese Gruppen haben unheimliche Vermögen zur Spekulation zur Verfügung und suchen (bis auf Pensionsfonds und Versicherungen) geradezu riskantere Anlagen, weil dort die Profitraten höher sind.

Spekuliert werden kann dann auf alles, was sich bewegt. Die Spekulation am Anfang der letzten Krise auf überteuerte Immobilien und hochriskante Hypothekenpapiere war nicht gefährlicher als die auf Aktien, die den Börsencrash der 30er Jahre ausgelöst hat. Die derzeitige Spekulation auf Edelmetalle, vor allem Gold mit mehr als Verfünffachung des Preises seit 2003 (Abb. 16403), oder auf das Einspringen des deutschen Steuerzahlers zur Absicherung hochriskanter Staats- und Bankenanleihen aus der Europeripherie kann durchaus eine Krise ähnlicher Ausmaße auslösen.


Voraussetzung ist allerdings, daß genügend Spielgeld zusammenkommt, das die Finanzindustrie mit Kreditelementen dann noch weiter hochhebeln kann. Historisch gesehen hatten die Unternehmensgewinne und Dividendenausschüttungen ihren Höhepunkt unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre (Abb. 03900, 03897), die sie dann auch spekulativ eingesetzt auslösten. Die Krise hat sie dann gedrückt, und nach dem Zweiten Weltkrieg waren überall sozialere Verhältnisse angesagt, weil alle unter dem Krieg schwer gelitten hatten. Auch gab es in dieser Phase die Gefahr kommunistischer Expansion, der mit sozialeren Politiken im Westen begegnet wurde.



Doch mit Beginn der neoliberalen Globalisierung Ende der 70er Jahre und spätestens seit dem Fall des kommunistischen Konkurrenzmodells in Osteuropa türmen sich wieder die großen Vermögenskonzentrationen bei den ohnehin schon Vermögenden auf (Abb. 03474, 03898, 16159, 03826). Sie profitierten von gedrosselten Arbeitnehmereinkommen auf der einen Seite und abgesenkte Steuern plus Steueroasen für die Reichen auf der anderen.





Dann kam es durch die Krise im Jahr 2008 zu einem Einbruch bei den Vermögen. Doch der wurde erstaunlich schnell, auch durch das Einspringen der Staaten über steuerfinanzierte Stützungsprogramme, überwunden. In USA sind die Unternehmensgewinne wieder in die Nähe ihres historischen Höhepunkts vor Ausbruch der Krise geklettert (Abb. 05275). Das gilt ebenso für die Gewinne pro Aktie der 500 weltgrößten börsengelisteten Unternehmen (Abb. 05276). Auch in der Eurozone und besonders in Deutschland ist der Betriebsüberschuß der Unternehmen (einschließlich Selbstständigeneinkommen) wieder auf fast die Höhe von vor der Krise gestiegen, in Deutschland seit dem Jahr 2000 ein realer Zuwachs von 19 % (Abb. 17105).




Ebenso ist der Anteil der Weltersparnis an der Weltwirtschaftsleistung, nicht zuletzt auch wegen der hohen chinesischen Sparquote und der anderer Schwellenländer, nach Prognose des IWF auf einem Weg, der selbst die bei Ausbruch der letzten Krise erreichte Schwelle weit überschreitet (Abb. 03908).


Der spekulative Sprengstoff für die nächste Krise liegt also bereit.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/oVVwvP - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2472 23-08-11: Globale Erwärmung: Fauna und Flora fliehen pol- und aufwärts

(bitte auch Startseite besuchen)

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre nimmt in einer sich beschleunigenden Entwicklung ständig zu, seit 1958 bereits um fast ein Viertel (Abb. 0709).


Der Juli dieses Jahres war der Monat mit der geringsten jemals gemessenen Eisbedeckung in der Arktis. Auch in Deutschland ist über die letzten Jahre die Temperatur gestiegen. Die Jahre 2000 und 2007 waren die wärmsten seit 1881, und bis zum Jahr 2100 rechnen die Experten des Deutschen Wetterdienstes nun mit einer Erwärmung Deutschlands um zwei bis vier Grad.



Hier Wochenbrief bestellen


Eine neue Studie, die am 19. August in Science veröffentlicht wurde, hat erstmals belegt, wie Fauna und Flora auf die globale Erwärmung reagieren. Untersucht wurden dabei die Veränderungen in den Lebensräumen von rund 2.000 Arten von Schmetterlingen bis Algen und Säugetieren in Europa, Nord- und Südamerika und Malaysia über die letzten vier Jahrzehnte. Ergebnis: Tiere und Pflanzen schieben ihren Lebensraum dreimal schneller zu den kühleren Polen als die Wissenschaftler bisher angenommen hatten, nämlich um durchschnittlich 17 km pro Dekade. Dort wo die Temperaturentwicklung die stärkste ist, wandern die Arten am schnellsten.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vertiefter Analyse (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qliETT - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2471 22-08-11: Die USA auf dem Weg in die Rezession

(bitte auch Startseite besuchen)

Die letzten Nachrichten aus USA klingen nicht gut. Besonders ist dort das Vertrauen der Konsumenten weggebrochen, und der private Konsum ist weit mehr als in anderen Ländern die Stütze der Konjunktur. Die beiden wichtigsten amerikanischen Indikatoren registrieren einen Tiefststand, fast so wie beim Ausbruch der Finanzmarktkrise in 2008 (Abb. 05283).


Der Zuwachs des privaten Verbrauchs fällt bereits seit November letzten Jahres (Abb. 05286) und hat sich über die letzten drei Monate bis Juni 2011 bereits mit einer Jahresrate von 1,1 % ins Minus bewegt.


Nach allen Erfahrungen der Vergangenheit taucht die amerikanische Konjunktur immer in eine Rezession ab, wenn das Jahreswachstum des BIP unter 2 % fällt. Es lag im 2. Quartal bei nur noch 1,6 % (Abb. 05284).




Hier Wochenbrief bestellen


Hinzu kommt der enorme Absturz der US Aktienkurse um 15 % in wenig mehr als einem Monat (Abb. 05285). Die amerikanischen Verbraucher haben einen sehr viel größeren Anteil ihres privaten Vermögens und ihrer privaten Altersversorgung in Aktien als bei uns in Deutschland.


Eine Rezession in USA wird negative Rückwirkungen auf die Wirtschaft in den von Exporten nach USA besonders abhängigen Ländern, wie China und Deutschland, haben.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vertiefter Analyse und vielen weiteren Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qYFDKI - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2470 21-08-11: China: "Größe macht's"

(bitte auch Startseite besuchen)


Dieser Cartoon ist aus der Financial Times vom 18. August zu einem Kommentar von Jeffrey Sachs mit der Überschrift "Gestolpert über die Globalisierung".

Auf China paßt der Spruch: "Größe macht's". Das bei Weitem bevölkerungsreichste Land der Welt ist nun auf dem besten Wege, in wenigen Jahren auch noch die USA zu überholen und zur größten Wirtschaftsmacht der Welt zu werden. Mit anhaltend starkem Wachstum von Industrieproduktion (Abb. 08088) und Gesamtwirtschaft (durchschn. jährlicher Zuwachs der letzten 10 Jahre bei 10 % (!), Abb. 08017), hohem Exportzuwachs (Abb. 08224) und den inzwischen mit Riesenabstand größten Währungsreserven der Welt, kann das Land aus einer Position der Stärke heraus operieren.




Im Spiegel-Interview äußerte sich der Nobelpreisträger und Mentor der Theorie zum internationalen Handel Paul Samuelsen schon im September 2005 über die Risiken der Globalisierung:

"Ich glaube, daß sich in der globalen Welt bei der Einkommensverteilung die Trennung zwischen der oberen Hälfte und der unteren verschärft. Die Globalisierung gibt uns zusätzlichen Wohlstand, aber sie bringt uns ebenso zusätzliche Unsicherheit, Spannungen und ein erhöhtes Maß an Ungleichheit. Vielleicht sollten wir den Prozess ein wenig bremsen..."

Und dann zu China, das zum Inbegriff der neoliberalen Globalisierung geworden ist:

"China ist der 800 Pfund schwere Gorilla, der mitten im Wohnzimmer steht."



Hier Wochenbrief bestellen


Dieses Bild trifft heute noch weit mehr zu als vor sechs Jahren. Unter der Führung der KPC wirft die chinesische Staatswirtschaft ihre Waren auf die derzeit stagnierenden westlichen Märkte und verschlimmert dort die Krise (Exportzuwachs Jan.-Juli 2010/11: 23,4 %). Unterstützt wird dieser Feldzug von jeder Menge unfairer Praktiken, wie Lohndumping, Wechselkursmanipulation, rücksichtsloser Umweltausbeutung, Kreditsubventionen und anderen mit einer Marktwirtschaft unvereinbaren Manipulationen. Krisengebeutelte oder auch nur verängstigte Konsumenten in den alten Industrieländern greifen immer mehr nach der billigen Chinaware.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vertiefter Analyse und vielen weiteren Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/r3ain1 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2469 20-08-11: Kein Bock auf Risiko = kein Wachstum mehr

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Gleichung ist ganz einfach: Verlegen sich die Investoren nur noch auf die am Sichersten erscheinenden Anlagen, wie amerikanische oder deutsche Staatsanleihen oder Edelmetalle, können sich Unternehmen an den Märkten nur noch schwer zu vertretbaren Bedingungen über Aktien oder Anleihen finanzieren und damit das Risiko von Wirtschaftswachstum schaffenden Investitionen eingehen. Derzeit erleben wir die stärkste Flucht aus dem Risiko, die die Welt seit sehr langer Zeit, vielleicht jemals erlebt hat.

Die Zinserträge amerikanischer 10-Jahres-Staatsanleihen sind auf unter 2 % und damit noch unter das Niveau bei Ausbruch der Finanzkrise von 2008 gefallen, der tiefste Stand in zwei Jahrhunderten (Abb. 16400). Die deutschen Pendants fielen auf das tiefste Niveau seit Kriegsende (Abb16401) und die britischen sogar auf das tiefste jemals gemessene Niveau. Zuvor hatte der deutsche Leitindex Dax den größten Tagesverlust seit November 2008, mit einem Minus seit Anfang August von mehr als 20 Prozent erlitten (Abb. 16396).






Hier Wochenbrief bestellen


Es riecht alles penetrant nach der zwanzigjährigen "japanischen Krankheit" mit Dauerstagnation bei krankhafter Sparsamkeit der Verbraucher.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rrW33q - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2468 19-08-11: Dänen und Deutsche: die glücklichsten und die am wenigsten glücklichen West-Europäer

(bitte auch Startseite besuchen)

Unserer nördlicher Nachbar Dänemark ist von Berlin nicht weit weg. Und doch orientiert sich die deutsche Politik so wenig an den Erfolgen dieses uns sehr verwandten Nachbarn, als lebte der auf einem anderen Stern. Hier ein bißchen Nachhilfe.

Dänemarks Wirtschaft kommt mit sehr viel weniger Staatsverschuldung aus, ist also viel weniger auf künstlichen Pump gebaut (Abb. 15354). Das liegt nicht so sehr an den Kosten der deutschen Wiedervereinigung, da die Staatsverschuldung noch bis zum Beginn dieses Jahrtausends etwa gleich war, sondern an den viel höheren Steuereinnahmen Dänemarks, die der Wirtschaftsentwicklung offensichtlich keinen Abbruch getan, aber das soziale Netz stark gehalten haben (Abb. 15355). Dementsprechend war auch der dänische Staatshaushalt in den letzten 10 Jahren wesentlich besser ausgeglichen als der deutsche, im Durchschnitt mit einem Plus von 1,7 % des BIP gegenüber einem Minus von 2,5 % für Deutschland (Abb. 15372).






Hier Wochenbrief bestellen


Bei einer kürzlichen Umfrage, für die über 15.000 Bürger in 13 Ländern befragt wurden, belegten die Dänen den Spitzenplatz in persönlichem Glücksgefühl belegten, während Deutsche in Westeuropa den letzten Platz einnahmen (Abb. 15371).


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vertiefter Analyse und vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/nRjV0k - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2467 18-08-11: Eurozone: Kampf der Flügel, oder warum der Euro nie problemlos funktionieren kann

(bitte auch Startseite besuchen)

Alle politischen Parteien wollen den Euro retten, koste es was es wolle. Doch nach ZDF- Politbarometer glaubt bereits jetzt eine beachtliche Mehrheit der Deutschen, daß er uns eher Nachteile bringt (Abb. 17115).


Der Euro wird nie problemlos funktionieren können, denn unglücklicherweise hat sich die Eurozone seit ihrer Geburt in zwei Flügel entwickelt, ein "Hartflügel" unter deutscher Führung und ein "Weichflügel" an der Europeripherie. Der "Hartflügel" betreibt mit harter Lohndisziplin und weit überlegener Wettbewerbsfähigkeit praktisch eine Art von wirtschaftlichem Vernichtungsfeldzug gegen den schwächeren Rest der Eurozone, indem er die Unmöglichkeit von Wechselkursanpassungen brutal ausnützt und so hohe Überschüsse erzielt und Arbeitsplätze zu Lasten des Restes aufbaut.

Mit jedem statistischen Datum zeigt sich schon seit vielen Jahren immer deutlicher, daß im Euro nicht nur unterschiedliche Wirtschaftsleistungen sondern ganz unterschiedliche Lebenskulturen sehr künstlich aus politischen Gründen zusammengespannt wurden. Wäre es eine Vielfalt von Kulturen, ginge es noch. Doch scheinen es zwei von der Wirtschafts- und Lebenskultur her ziemlich abgegrenzte Blöcke zu sein. Hier die wesentlichen Fakten.



Hier Wochenbrief bestellen


Der "Hartflügel" (Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland, Luxemburg, Slowenien und Slowakei) hat mit einem Anteil von 46 % an der Gesamtwirtschaftsleistung der Eurozone fast das gleiche Wirtschaftsvolumen wie der "Weichflügel". Doch diesen Anteil erzeugt er mit nur 36,6 % der Bevölkerung der Eurozone und hat dabei auch nur 34,7 % der Schulden aufgehäuft (Abb. 15364). Dementsprechend liegt die Verschuldungsquote des "Hartflügels" nur bei 83 % der eigenen Wirtschaftsleistung gegenüber sehr viel höheren 134 % für den "Weichflügel".

Auch die Haushaltsdefizite sind in diesem Jahr im "Weichflügel" viel höher als im "Hartflügel" (Abb. 15370).



Die Entwicklung der Löhne und Gehälter war im "Weichflügel" viel stärker als im "Hartflügel" (Abb. 15369).


Der Verbrauch privater Haushalte als Anteil an der jeweiligen Wirtschaftsleistung ist beim "Hartflügel" mit etwas über 54 % niedriger als beim "Weichflügel" mit dort knapp 57 %. Bei gebremstem privatem Verbrauch betrug die durchschnittliche Inflationsrate der letzten 10 Jahre für den "Hartflügel" nur 1,6 % gegenüber 2 % für das weichere Pendant (Abb. 15365). Auch ist die Arbeitslosenrate niedriger und seit Ausbruch der Finanzkrise an der Europeripherie erst recht.


Der größte Unterschied zeigt sich jedoch in den Leistungsbilanzen mit dem Ausland, die Ausdruck guter oder schlechter Wettbewerbsfähigkeit sind. Während der "Hartflügel" im Durchschnitt auf einen Leistungsbilanzüberschuß von 5,1 % der Wirtschaftsleistung kommt, muß der "Weichflügel" ein Minus von 2,8 % hinnehmen.

In dieser Situation muß man bezweifeln, daß bei fortgesetztem Verdrängungswettbewerb innerhalb der Eurozone die Länder an der Europeripherie die Kraft aufbringen können, um allein von ihrer Seite das Defizit an Wettbewerbsfähigkeit zu schließen. Sie werden daher neue Schulden aufnehmen müssen, sofern nicht der "Hartflügel" mit höheren Lohnsteigerungen und mehr Binnenkonsum und damit auch verstärkten Einfuhren aus dem "Weichflügel" der Eurozone seinen Beitrag zur Nivellierung der Wettbewerbsverhältnisse leistet. Leider sieht es jedoch nicht danach aus, als würde der "Hartflügel" und schon gar nicht Deutschland dieses Entgegenkommen zeigen. Auch eine europäische Wirtschaftsregierung sollte sie denn aus der Taufe gehoben werden, kann dann Wettbewerbsfähigkeit nicht verordnen.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rocNMT - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2466 17-08-11: Die Welt, Europa und auch Deutschland vor dem doppelten Wirtschaftseinbruch?

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist der befürchtete double-dip, der erneute Wirtschaftseinbruch, der nun mit den neuesten weltweiten Zahlen der Wirtschaftsentwicklung näher kommt. Auch die Börsen stellen sich seit einiger Zeit darauf ein, wie der deutsche Aktienindex zeigt (Abb. 16396). Seit Mitte Juli sind etwa 6,1 Billionen US$ vom Wert der weltweiten Aktien gelöscht worden, was nun ebenfalls die Wirtschaft belastet.


Die Wirtschaftsentwicklung stagniert bereits in den meisten westlichen Volkswirtschaften oder ist jedenfalls nahe daran. Alle größeren und einige kleinere Volkswirtschaften verzeichneten im 2. Quartal 2011 gegenüber dem Vorquartal kein nennenswertes Wachstum mehr (Abb. 13511, 15249, 14932).




Die deutsche Wirtschaftsleistung ist gegenüber dem noch sehr schönen Vorquartal besonders zusammengebrochen (Abb. 14931,14744, 14003).




Schwer wiegt auch, daß in den drei Jahren 2007 bis 2010 die Wirtschaftsleistung nominal (nicht real) zwar um 66 Mrd Euro zugenommen hat, jedoch dies fast vollständig auf einen Anstieg der Staatsausgaben um 52 Mrd Euro zurückzuführen war und dieser damit weitestgehend auf Pump passiert ist, wobei die deutsche Staatsverschuldung (einschließlich Zinszahlungen und Rücklagen für die Bankensanierung) um 420 Mrd Euro zugenommen hat. Diese Staatsausgaben sind ein wichtiger Teil der Berechnung der Wirtschaftsleistung, denn das Bruttoinlandsprodukt setzt sich aus privaten und staatlichen Konsumausgaben, Bruttoinvestitionen und dem Außenbeitrag (Exporte minus Importe) zusammen. Mit anderen Worten: Die schönen Zuwachsraten der Vorquartale waren teilweise auf staatlichen Pump finanziert, der nun von restriktiv wirkenden staatlichen Sparprogrammen abgelöst wird.



Hier Wochenbrief bestellen


Weiterhin bleibt vor allem der private Verbrauch eine Achillesferse der Wirtschaftsentwicklung. Das Statistische Bundesamt stellt dazu fest: Auch die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen bremsten die deutsche Wirtschaft im zweiten Vierteljahr 2011. Eine genaue Analyse wird erst mäglich sein, nachdem das Statitische Bundesamt am 1. September die Detaildaten veröffentlicht.

Bundeswirtschaftsminister Rösler muß Schlimmes ahnen. In seiner heutigen Presseerklärung zu den Ergebnissen des 2. Quartals verläßt ihn sein sonst üblicher Hurra-Stil; nun sollen die FDP-Steuersenkungen aus der Flaute führen:

"Deutschland braucht jetzt klare politische Signale zur Verstetigung des Wachstums. Zugleich müssen wir Entlastungen auf den Weg bringen. Das betrifft die steuerliche Entlastung der mittleren und unteren Einkommen. Wenn wir jetzt die Chancen konsequent ergreifen, werden wir auf einen Wachstumspfad zurückkehren."

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://www.jjahnke.net/rundbr85.html#2466 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2465 16-08-11: Warum die Eurobond-Retter mit gefährlichen Argumenten hantieren: Vergiftete Beruhigungspillen?

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Beruhiger sind wieder unterwegs. Diesmal sollen Eurobonds als Retter aus der Euronot nicht nur aus dem Hut sondern zugleich aus dem Feuer einer in Deutschland besonders heftigen Diskussion gezogen werden. Und so werden sie nicht nur von den verständlicherweise an einer Schuldengemeinschaft interessierten Regierungen der Krisenländer und des potenziellen Krisenlandes Frankreich gefordert. Auch in Deutschland machen die SPD, Wirtschaftsverbände und bekannte Wirtschaftswissenschaftler sowie Medien dafür Stimmung. SPIEGEL schreibt heute:

"Gemeinsame europäische Staatsanleihen sind das brutalste und damit erfolgversprechendste Mittel im Kampf gegen die Dauerkrise. Kurzfristig zahlt die Bundesrepublik zwar drauf - langfristig könnten Euro-Bonds aber die günstigere Alternative sein."

Der Präsident des Außenhandelsverbandes (BGA), Anton Börner hat sich als erster Chef eines wichtigen deutschen Wirtschaftsverbandes für die rasche Einführung von Euro-Bonds ausgesprochen:

"Man muss den Märkten erklären, wir ergreifen jetzt die notwendigen Maßnahmen, und das heißt: Euro-Bonds mit deutscher Handschrift."

Ebenso rührt der Oberspekulant George Soros in Interviews, zuletzt heute mit der Financial Times die Trommel für die Bonds, zumal er sicher ein erhebliches finanzielles Eigeninteresse in dieses Thema einbringt:

"Europa braucht Eurobonds. Wenn stark verschuldete Länder die hohen Risikoprämien zahlen müssen, wir ihre Schuld unverkraftbar. Das passiert jetzt. Die Lösung ist offensichtlich: Defizitländer muß erlaubt werden, ihre Schulden zu den gleichen Bedingungen wie Überschußländer zu finanzieren."

Die Verfechter der Eurobonds arbeiten mit einer Mischung von Bedrohung und Beruhigung. Das Bedrohungsszenario ohne Eurobonds ist klar: der totale Untergang, ohne daß die Alternative des gerade erst beschlossenen Rettungsschirms und seiner eventuellen Erweiterung auch nur erwähnt wird. Nach SPIEGEL:

"Es geht gerade um das Überleben der Euro-Zone - und damit auch um unseren Wohlstand. Bräche die geldpolitische Gemeinschaft auseinander, würden große Teile des internationalen Finanzsektors implodieren."

Die Beruhiger kommen mit zwei Argumenten. Einerseits malen sie die noch nicht einmal umgesetzten Sparpläne der Krisenländer aus und preisen die Möglichkeiten einer vergemeinschafteten soliden Finanzpolitik an. Auch hier ist wieder der SPIEGEL mit gigantischer Irreführung, besonders bei dem versagenden griechischen Reformpaket, vorn:

"Immerhin gibt es bei allen Krisensignalen der vergangenen Monate durchaus ermutigende Entwicklungen. Wohl niemand hätte vor kurzem gedacht, dass Italien binnen weniger Wochen zwei gigantische Spar- und Steuererhöhungspakete verabschiedet, Griechenland echte strukturelle Reformen anstößt und in Portugal ausgerechnet die Partei die Wahlen gewinnt, die das Land am härtesten sanieren will."

Alle Erfahrungen sprechen leider dagegen, daß die Euroländer derzeit zu einer echten gemeinsamen Finanzregierung bereit wären, die das deutsche Konzept von solider Haushaltsgestaltung bei stagnierenden bis real rückläufigen Löhnen, gebremster privater Nachfrage und stattlichen Exportüberschüssen durchsetzen könnte.

Und da fordert ausgerechnet Soros im SPIEGEL-Interview mit einem total vergifteten Argument ein deutsches "Diktat", als wenn Europa nicht genug von deutschen Diktaten hätte:

"Die Zukunft des Euro hängt ganz allein von Deutschland ab. Das ist der Punkt, den ich hier ganz klarmachen will. Als das stärkste Land der Gemeinschaft sitzt Deutschland mit seinem chronischen Handelsüberschuss ganz allein am Steuer und muss Europa die Lösung diktieren."

Die andere Beruhigungspille ist schon im Umlauf, seit die Eurobonds vom Bruegel Institut in Brüssel ausgeheckt wurden. Nur bis zu 60 % der Staatsschulden sollen so finanziert werden, damit die Staaten wegen des Restes weiter zur Disziplin angehalten werden. Auch der SPD-Vorsitzende Gabriel sieht hier den großen Charme dieser Lösung. Doch schon Soros gießt kräftig Wasser in solchen Wein:

"Angesichts der hohen Risikoprämie ist dieser Prozentsatz zu niedrig. Nach meiner Auffassung müssen neue Anleihen vollständig über Eurobonds abgewickelt werden."

Dabei hängt viel vom künftigen Zinssatz der Eurobonds ab. Ist er sehr niedrig, mag die Rechnung noch aufgehen, anderenfalls aber nicht. Im SPIEGEL-Plädoyer für Eurobonds werden 5 % als Zins der Eurobonds geschätzt. Die 10-Jahres-Anleihen des Europäischen Stabilitätsmechanismus erbringen derzeit eine Rendite von 3,4 %, doch geht es nur um wenige Mrd Euro, also nicht die Finanzierung ganzer Staatsverschuldungen. Die 11 größeren Euroländer, mit etwa 98 % der gesamten Wirtschaftsleistung der Eurozone, bringen es derzeit auf einen nach Wirtschaftsleistungen gewichteten Mischzins von 4,2 %, wenn man für Italien und Spanien den Marktzins von vor dem Bondkauf der EZB ansetzt. Es kann also durchaus sein, daß Eurobonds mit einem Zins von 5 % aufgelegt werden müßten, wenn eine Vergemeinschaftung von Schulden beschlossen würde.

Griechenland käme bei 5 % für 60 % der Schuld und der derzeitigen Zinsrate für die restlichen 40 % auf einen Mischzins von 9,2 %, Irland auf 6,9 % und Portugal auf 7,2 %. Diesen drei Ländern wäre also mit Eurobonds für nur 60 % der Schuld nicht ausreichend zu helfen, da nach Einschätzung vieler Experten ein Schuldzins von mehr als 6 % bis 7 % für stark verschuldete Länder dauerhaft untragbar wird. Aber auch Italien und Spanien kämen mit dem Kapitalmarktzins von 6 % von vor dem Eingreifen der EZB auf einen Mischzins von 5,5 % und damit in die Nähe der Gefahrenzone, zumal wenn sich ihre Wirtschaften nicht ausreichend rasch aus der derzeitigen Stagnation bzw. Rezession herausbewegen sollten.

Der deutsche Haftungsrahmen bei einer Schuldenvergemeinschaftung wäre übrigens gigantisch, zumal wenn am Ende 100 % über Eurobonds finanziert würden. Als echte und vom Volumen her nennenswerte Garanten der Eurobonds stünden neben Deutschland praktisch nur noch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Finnland zur Verfügung. Unter diesen Ländern hätte Deutschland dann einen Haftungsanteil von 47 % an den vergemeinschafteten Staatsschulden der derzeitigen 5 Krisenländer plus Belgien von 3,6 Billionen Euro, macht 1,7 Billionen Euro. Die jährlichen deutschen Steuereinnahmen des Bundes von 228,8 Mrd Euro (2010) müßten also mehr als siebenmal an einander gereiht werden, um diesem maximalen Haftungsrahmen zu entsprechen.

Das besonders Perfide an den Eurobonds ist, daß man aus diesem System nicht mehr herauskommt, wie man auch aus dem Euro nicht mehr herauskommt. Egal wie viel Mißbrauch unsere stark verschuldeten Partner damit treiben, egal wie viel neue Schulden (auch über alle derzeitigen hinaus) damit finanziert werden, egal ob Deutschland nun deren Finanzpolitik bestimmen kann oder eher nicht, mitgefangen ist mitgehangen. Denn ein Ausstieg aus den Eurobonds würde sofort die schon gezeichneten notleidend machen und Deutschland müßte dann dafür definitiv einspringen. Ein solches System gewinnt seine Eigendynamik. Dagegen ist selbst ein erweiterter Rettungsschirm noch vergleichsweise harmlos. Denn der vergibt einzelne Kredite an die Krisenländer und das nur in Tranchen und zu ganz bestimmten Bedingungen. Nie stellt er ihnen wie bei Eurobonds praktisch die Druckmaschine zur Selbstbedienung hin. Eurobonds würden den Geburtsfehler des Euro, der uns schon in die derzeitige Lage gebracht hat, noch weiter verschlimmern.

Dazu Robert Peston, der bekannte Business-Kommentator der BBC heute:

"Und da ist die Frage, ob ein neues Euro-Finanzministerium darauf bestehen würde, daß alle Euro-Volkswirtschaften nach deutschen Prinzipien betrieben würden, nämlich auf der Basis relativ niedrigen privaten Verbrauchs, hoher Leistungsbilanzüberschüsse und ausgeglichener Staatshaushalte. Denn die Transition zur Germanisierung Europas würde Spanien, Italien und sogar Frankreich zu Jahren im besten Fall qualvoll niedrigen Wachstums und im schlechtesten endemischer Rezession verurteilen. Doch das Problem für Deutschland ist, daß wenn es nicht glaubwürdige Zurückhaltung der anderen Mitgliedsstaaten verlangt, es fast unvermeidlich seinen AAA-Status verlieren würde - eine Demütigung, die deutsche Wähler wahrscheinlich nicht tolerieren würden."

Die Herunterstufung wäre der definitive Beweis, daß der Euro - verglichen mit der DM - eine Schwachwährung ist, irgendwo zwischen italienischer Lira und französischem Franken. Die politischen Konsequenzen in Deutschland wären erheblich, zumal wenn wegen der Verteuerung des Zinsendienstes für die hohe deutsche Staatsschuld Steuern erhöht werden müßten und natürlich erst recht, wenn einige der Krisenländer für ihre Eurobonds nicht ausreichend einstehen könnten und damit ebenfalls Steuererhöhungen in Deutschland notwendig würden.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qTO726 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.



Hier Wochenbrief bestellen


global news 2464 15-08-11: Die Sozialdemokraten können in ihrem Verlangen nach Vergemeinschaftung der Euro-Schulden nicht mit deutschem Geld umgehen

(bitte auch Startseite besuchen)

Man kann nur darüber rätseln, was die SPD geritten hat, sich so direkt für eine Vergemeinschaftung von 60 % der Euroschulden einzusetzen, wie sie es im Fernsehinterview ihres Vorsitzenden heute getan hat. Weiß man bei der SPD nicht, was man da tut? Hat man keine Ahnung, um welche Größenordnung es dabei geht? Fragt doch mal Gabriel, wie viel Mrd Euro da im Skat sind. Er weiß wahrscheinlich die Antwort nicht. Und der von ihm erwartete Gegenpreis einer Vergemeinschaftung der Finanzpolitik ist nur eine Taube auf dem Dach, die nie in deutsche Hände kommt und auch gar nicht kommen sollte. Glaubt Gabriel wirklich, daß gegen eine Genesung am deutschen Wesen Streikende in Griechenland, Italien oder Spanien von einer deutschen Finanzhoheit über ihr Land beeindruckt sein werden? Das ist alles wirklich unverantwortlicher Umgang mit dem deutschen Steuerzahlergeld, das überwiegend das Geld der kleineren Leute ist, die zu unterstützen sich die SPD doch immer anheischig macht.

Nicht bedacht hat die SPD dabei, wie viel teuerer die Finanzierung der hohen deutschen Staatsschuld durch eine Schuldengemeinschaft wird. Die Finanzmärkte werden nicht glauben, daß Deutschland die Finanzen der Schuldenländer wirklich kontrolliert und deshalb auch die deutschen Refinanzierungskonditionen entsprechend heraufsetzen. Sie werden es auch tun, weil wahrscheinlich am Ende weder Griechenland, noch Portugal und möglicherweise Italien um eine Umschuldung herumkommen, denn auch die Eurobonds werden für diese Länder zu teuer sein, zumal wenn nur für 60 % der Staatsschuld verfügbar.

Eurobonds kommen im Übrigen besonders den Spekulanten in riskanten Anleihen von Krisenländern entgegen, die sofort im Kurs steigen werden. Deswegen ist auch der Oberspekulant Soros so lautstark und medienwirksam dafür. Immerhin ist er dann auch so ehrlich, Gabriels 60 % - Grenze für Eurobonds als ungeeignet abzutun. Wegen der hohen Risikoprämien ist seiner Meinung nach diese Grenze zu niedrig und sollten alle neuen Anleihen als Eurobonds stattfinden. Für Deutschland hieße das ein noch höherer Haftungsrahmen.

Der deutsche Haftungsrahmen bei einer Schuldenvergemeinschaftung wäre übrigens gigantisch, zumal wenn am Ende 100 % über Eurobonds finanziert würden. Als echte und vom Volumen her nennenswerte Garanten der Eurobonds stünden neben Deutschland praktisch nur noch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Finnland zur Verfügung. Unter diesen Ländern hätte Deutschland dann einen Haftungsanteil von 47 % an den vergemeinschafteten Staatsschulden der derzeitigen 5 Krisenländer plus Belgien von 3,6 Billionen Euro, macht 1,7 Billionen Euro. Die jährlichen deutschen Steuereinnahmen des Bundes von 228,8 Mrd Euro (2010) müßten also mehr als siebenmal an einander gereiht werden, um diesem maximalen Haftungsrahmen zu entsprechen.

Das Perfide an den Eurobonds ist, daß man aus diesem System nicht mehr herauskommt, wie man auch aus dem Euro nicht mehr herauskommt. Egal wie viel Mißbrauch unsere stark verschuldeten Partner damit treiben, egal wie viel neue Schulden (auch über alle derzeitigen hinaus) damit finanziert werden, egal ob Deutschland nun deren Finanzpolitik bestimmen kann oder eher nicht, mitgefangen ist mitgehangen. Denn ein Ausstieg aus den Eurobonds würde sofort die schon gezeichneten notleidend machen und Deutschland müßte dann dafür definitiv einspringen. Ein solches System gewinnt seine Eigendynamik. Dagegen ist selbst ein erweiterter Rettungsschirm noch vergleichsweise harmlos. Denn der vergibt einzelne Kredite an die Krisenländer und das nur in Tranchen und zu ganz bestimmten Bedingungen. Nie stellt er ihnen wie bei Eurobonds praktisch die Druckmaschine zur Selbstbedienung hin. Eurobonds würden den Geburtsfehler des Euro, der uns schon in die derzeitige Lage gebracht hat, noch weiter verschlimmern.

Dazu Robert Peston, der bekannte Business-Kommentator der BBC heute:

"Und da ist die Frage, ob ein neues Euro-Finanzministerium darauf bestehen würde, daß alle Euro-Volkswirtschaften nach deutschen Prinzipien betrieben würden, nämlich auf der Basis relativ niedrigen privaten Verbrauchs, hoher Leistungsbilanzüberschüsse und ausgeglichener Staatshaushalte. Denn die Transition zur Germanisierung Europas würde Spanien, Italien und sogar Frankreich zu Jahren im besten Fall qualvoll niedrigen Wachstums und im schlechtesten endemischer Rezession verurteilen. Doch das Problem für Deutschland ist, daß wenn es nicht glaubwürdige Zurückhaltung der anderen Mitgliedsstaaten verlangt, es fast unvermeidlich seinen AAA-Status verlieren würde - eine Demütigung, die deutsche Wähler wahrscheinlich nicht tolerieren würden."

Die Herunterstufung wäre der Definitive Beweis, daß der Euro - verglichen mit der DM - eine Schwachwährung ist, irgendwo zwischen italienischer Lira und französischem Franken. Und wenn die Deutschen einmal begreifen, auf was sich ihre Regierung da mit den Eurobonds eingelassen hat, sollte sie der SPD-Forderung folgen, so werden sie die Flucht aus dem Euro antreten wollen und die Tore versperrt vorfinden.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rocNMT - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2463 13-08-11: Die wunderbare Geldvermehrung in der Eurozone

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist schon etwas schockierend, wie die EZB und die Zentralbanken der Eurozone die Geldmenge explosiv aufgeblasen haben.

Die Bilanz der EZB für das gesamte Eurosystem erhöhte sich damit von 1,2 Billionen Euro vor der Krise in 2007 auf jetzt fast 2 Billionen (Abb. 17113). Das meiste an Zuwachs kam aus vom Eurosystem aufkauften Wertpapieren und von Forderungen gegen Banken (Abb. 17114).



Ebenso erhöhten sich die Bilanzen der Zentralbanken der 5 Krisenländer zwischen Juni 2007 und Juni 2011 um 19,3 % auf jetzt 9,8 Billionen Euro. Den Vogel schoß die Bilanz der griechischen Zentralbank mit plus 42,4 % ab. Dabei ist die Geldversorgung durch die Zentralbanken gemessen an der jeweiligen Wirtschaftsleistung der Länder in den 5 Krisenländern wesentlich höher als in den anderen (Abb. 16399). Hier zeigt sich vor allem die Geldschöpfung für ihre liquiditätsarmen oder gar maroden Banken. Da diese Geldschöpfung im Eurosystem erfolgt, müssen alle Zentralbanken und damit alle Euroländer dafür einstehen.


Auch die Bundesbank fährt die Geldschöpfung zugunsten des deutschen Exports in die 5 Krisenländer immer weiter hoch. Die Netto-Forderungssumme nach Target2 explodierte von 0 vor der Krise auf nun bereits fast 350 Mrd Euro (Abb. 16398). Auch dafür müssen alle Zentralbanken und damit alle Euroländer einstehen.



ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/oRuDr3 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2462 12-08-11: Krisenspirale: Auch Du Frankreich?

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach Spanien und Italien ist nun auch Frankreich in der Beurteilung vieler Anleger unter die Problemländer geraten, zumal seine Verschuldungsquote höher als die der USA ist und Frankreich nicht die Notenpresse anwerfen kann, wie das die USA tun. Viele Anleger sorgen sich, zudem hochgetrieben durch angebliche und inzwischen dementierte Gerüchte um eine bevorstehende Herabstufung des französischen Kreditstandings, wegen der Schieflage, in die das Land geraten könnte, wenn es für die 5 Eurokrisenländer entsprechend seinem Anteilsschlüssel am EZB-Kapital mithaften müßte. Tatsächlich würde die Verschuldungsquote von derzeit 107 % des BIP auf 160 % hochschießen (Abb. 16391).


Nach neuesten Meldungen hat es im 2. Quartal in Frankreich kein Wachstum mehr gegeben (Abb. 15362).


Schlimmer noch: Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Krise bricht nun die die französische Wirtschaft tragende Nachfrage privater Haushalte ein (Abb. 15363).


Hinzu kommen zwei große Belastungen für Frankreich im Vergleich zu Deutschland. Das Haushaltsdefizit liegt bei für 2011 erwarteten unverantwortlich hohen 6,0 % des BIP (nach fast 8 % in diesem Jahr) gegenüber nur 2,3 % für Deutschland (Abb. 16393). Die französische Staatsverschuldung soll auf 88 % des BIP gegenüber 80 % für Deutschland steigen (Abb. 16394).



Und Deutschland zieht mit seinem Status als sicherer Hafen viel Geld aus französischen Staatspapieren in deutsche hinüber. Investoren verlangen für französische 10-Jahres Staatsanleihen bereits 0,8 % mehr an Zins als für deutsche. Im vergangenen Jahr waren es noch durchschnittlich 0,33 % und in der zweiten Hälfte der letzten Dekade nur 0,17 %. Auch ist der Versicherungsaufschlag bei französischen Staatsanleihen inzwischen wesentlich höher als bei deutschen und von etwa 0,7 % im Juni auf inzwischen 1,6 % gestiegen (Abb. 16392).


Zwar hat sich die Aufregung erst einmal wieder gelegt und ist der Zins heute auf knapp 3 % für die 10-Jahres-Anleihe abgesunken, doch wird Frankreich weiter von Anlegern argwöhnisch verfolgt werden, vor allem wenn sich der Verdacht der Mithaftung für italienische und spanische Schulden bestätigen sollte. Anders als wahrscheinlich Deutschland, wird Frankreich nicht im Stande sein, die Mithaftung zu übernehmen und trotzdem sein Kreditstanding und die bisher günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten für seine Staatsschulden zu wahren. Die fortbestehende Unruhe zeigt sich derzeit vor allem im französischen Bankensektor, der in den letzten Tagen starke Kursverluste an den Börsen hinnehmen mußte. Die französichen Banken sind stark in Griechenland, aber auch Italien und Spanien verstrickt.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qUnW2G - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2461 11-08-11: Warum nun auch Frankreich in den Seilen der Finanzmärkte hängt

(bitte auch Startseite besuchen)

Viele Anleger sorgen sich, zudem hochgetrieben durch angebliche und inzwischen dementierte Gerüchte um eine Herabstufung des französischen Kreditstandings, wegen der Schieflage, in die Frankreich geraten könnte, wenn es für die 5 Eurokrisenländer entsprechend seinem Anteilsschlüssel am EZB-Kapital mithaften müßte. Tatsächlich würde die Verschuldungsquote von derzeit 107 % des BIP auf 160 % hochschießen (Abb. 16391). Das vergleicht sich mit den 100 % der USA, die gerade den AAA-Status verloren haben.


Hinzu kommen zwei große Belastungen für Frankreich im Vergleich zu Deutschland. Das Haushaltsdefizit liegt bei für 2011 erwarteten hohen 6,0 % des BIP (nach fast 8 % in diesem Jahr) gegenüber nur 2,3 % für Deutschland (Abb. 16393). Die französische Staatsverschuldung soll auf 88 % des BIP gegenüber 80 % für Deutschland steigen (Abb. 16394).



Und Deutschland zieht mit seinem Status als sicherer Hafen viel Geld aus französischen Staatspapieren in deutsche hinüber. Investoren verlangen für französische 10-Jahres Staatsanleihen bereits 0,8 % mehr an Zins als für deutsche. Im vergangenen Jahr waren es noch durchschnittlich 0,33 % und in der zweiten Hälfte der letzten Dekade nur 0,17 %. Auch ist der Versicherungsaufschlag bei französischen Staatsanleihen inzwischen wesentlich höher als bei deutschen und von etwa 0,7 % im Juni auf inzwischen 1,6 % gestiegen (Abb. 16392).


Zwar hat sich die Aufregung erst einmal wieder gelegt und ist der Zins heute auf wenig über 3 % für die 10-Jahres Anleihe abgesunken, doch wird Frankreich weiter von Anlegern argwöhnisch verfolgt werden, vor allem wenn sich der Verdacht der Mithaftung für italienische und spanische Schulden bestätigen sollte. Die fortbestehende Unruhe zeigt sich derzeit vor allem im französischen Bankensektor: Societe Generale (- 5,0 %), Credit Agricole (- 6,6 %) und BNP Parisbas (- 7,6 %) mußten alle heute erneut starke Kursverluste hinnehmen und liegen schon um bis zu fast 50 % unter dem Niveau von Anfang Juli 2011 (Abb. 16395). Sie sind alle stark in Griechenland verstrickt, und die Märkte rechnen zunehmend mit einer Umschuldung und in jedem Fall erheblichen Forderungsverlusten in Griechenland.



ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/r9V5ik - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2460 11-08-11: Nach der Fed-Entscheidung von gestern: Die Notenbanken werden das Schuldenproblem nun über Inflation lösen helfen

(bitte auch Startseite besuchen)

Es war abzusehen. Wenn man die Überschuldung von öffentlichen und privaten Haushalten nicht über die Steuerpolitik lösen kann, weil die wohlhabenden Schichten mit ihrem Einfluß höhere Steuern verhindern, und wenn eine Lösung über eine radikalere öffentliche Sparpolitik die Volkswirtschaften zu stark belastet, bleibt immer noch der Weg über die Inflation und negative Zinsen. Denn dann entwerten sich Schulden mit Zeitablauf (auch wenn sich dabei gleichzeitig die Ersparnisse entwerten; doch die nicht gegen Inflation geschützten Ersparnisse sind meist die der kleinen Leute und die haben keine Lobby). Einige Experten, wie der Chef-Ökonom Magnus von UBS, setzen sich sogar offen für die Inflationslösung ein.

Gestern hat nun die amerikanische Fed zur Beruhigung der wegen der Schuldenentwicklung verunsicherten Märkte versprochen, unter allen Umständen den Zentralbankzins bis Mitte 2013 bei nur 0,75 % und damit weit unter der Inflationsrate (derzeit 3,6 %) zu halten, und hat sich damit auch die Möglichkeit eines weiteren Aufkaufprogramms für Staatsanleihen per Druckmaschine vorbehalten (Abb. 16390). Dann kann die EZB den Zins auch nicht viel über die derzeitige reale Negativrate (Abb. 16285, 06059) anheben, weil das sonst dem Euro zu viel Auftrieb geben und der Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone schaden würde. Sie hat denn auch in ihrer letzten Zinsbetimmung den Zins unverändert gelassen. Bei einer negativen Zinsrate von 2,85 %, wie jetzt in USA, entwerten sich Schulden in 10 Jahren um ein Viertel (und Ersparnisse auch).




Gleichzeitig haben die Notenbanken unglaubliche Mengen an Liquidität erzeugt und ihre Bilanzen aufgeblasen. Die amerikanische Notenbank hat in zwei großen Aktionen Staatsanleihen gekauft und dafür Dollar gedruckt. Sie hat seit Beginn des Jahres 2008 die in ihrer Bilanz ausgewiesene Geldmenge bereits mehr als verdreifacht (Abb. 05174). Nicht ganz so stark hat dies auch die EZB getan (Abb. 17113). Die EZB druckt jetzt Euros für die fünf Krisenländer der Eurozone, neuerdings auch Italien und Spanien, und erhöht damit die Geldmenge weiter.



Es ist schon ziemlich unglaublich, wenn Notenbanken sich trotz beachtlicher Preissteigerungen, in Deutschland und der Eurozone derzeit 2,4 % bzw. 2.5 % gegenüber Vorjahr (Abb. 17013, 15651), und trotz des inflationsträchtigen selbstgeschaffenen Überhangs an Liquidität bewußt auf einen Kurs der Inflationierung der Volkswirtschaften festlegen (Fed) oder wahrscheinlich einrichten (EZB).



Gleichzeitig steigen die Preise für chinesische Importware, und China ist der Hauptlieferant für Waren nach USA und Europa. Denn in China hat die Inflationsrate inzwischen 6,5 % erreicht und steigt und steigt (Abb. 08221). Zudem treibt China mit seiner rasant steigenden Nachfrage nach Energie, Rohstoffen und Nahrungsmitteln auf den Weltmärkten die Inflation global an.


So beginnt nun eine weitere Runde der Umverteilung, in der die kleinen Sparer und die Haushalte, die einen hohen Anteil ihrer kleineren Einkommen für den Verbrauch ausgeben müssen, über negative Zinsraten für Ersparnisse und über Verbrauchpreissteigerungen die Zeche zahlen müssen. Dagegen kommen die Gläubiger der Staaten und die Spekulanten in riskante Anlage wegen des durch Inflationierung abgesenkten Pleiterisikos um Abschläge auf ihre Forderungen herum und können weiter Zinsen kassieren. Die Wohlhabenden sind außerdem zu großen Teilen längst auf inflationsgeschützte oder sogar -begünstigte Anlagen ausgewichen, wie Edelmetalle, Rohstoffe oder Aktien in Unternehmen, die vom Inflationstrend profitieren, und werden das zunehmend tun, wenn die Inflation weiter steigt. Die Notenbanken, die eigentlich die kleinen Leute vor der Inflation schützen sollten, versagen mit einer dauerhaft negativen Zinspolitik. Da kann man von der alten Bundesbank und ihrem entschlossenen Antiinflationskurs nur noch träumen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rnMsBD - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2459 10-08-11: Wenn die Regierungen ihre Glaubwürdigkeit verlieren, ist die Krise perfekt

(bitte auch Startseite besuchen)

Kenneth Rogoff, Wirtschaftsprofessor an Harvard University und anerkannter Krisenforscher heute in der Financial Times:

"Vier Jahre in die Finanzkrise wird es immer klarer, daß das größte Defizit nicht Kredit ist, sondern Glaubwürdigkeit. Märkte können sich einem nachlassenden globalen Wirtschaftswachstum anpassen, aber sie können nicht fertig werden mit einem um sich greifenden Verlust an Glaubwürdigkeit in die Führungen und einem wachsenden Gefühl, daß die Politiker sich aus der Realität verabschiedet haben. Immer wieder haben Politiker auf eine schnelle Krisenerholung gesetzt, damit sie die qualvollen Entscheidungen zu den übel überzogenen privaten und staatlichen Bilanzen in den USA oder den staatlichen Schulden an der europäischen Peripherie vermeiden können. Doch die meisten europäischen und amerikanischen Wirtschaften haben den Abschwung nie voll verlassen und die Produktion liegt pro Kopf immer noch unter dem Vorkrisenniveau.

Die direkteste Medizin wäre natürlich, die Bilanzen zu bereinigen und dabei die Integrität des Finanzsystems zu bewahren. Im Falle Europas würde das sehr große Abschreibungen für die Schulden der kleineren Peripherieländer kombiniert mit einer deutschen Garantie für die Staatsschulden der anderen Länder bedeuten. Im Falle der USA müßten die Politiker Modelle anbieten, um überschuldete Hypotheken abzuschreiben gegen Zugeständnisse an die Gläubiger, an künftigen Wertsteigerungen beteiligt zu werden. In dieser kritischen Lage müssen die Führer nicht nur aus der Deckung kommen, sondern müssen endlich die Probleme der "Great Contraction" ("Große Schrumpfung") behandeln."

Und dann meldet sich der deutsche Wirtschaftsminister Rösler mit diesem Spruch in seiner heutigen Presseerklärung unter der Überschrift "Deutsche Außenwirtschaft ist gut aufgestellt":

"Die deutschen Ausfuhren hatten in den letzten Monaten Rekordstände erklommen. Deutsche Produkte bleiben in der Welt nach wie vor sehr gefragt, wie die zuletzt außerordentlich lebhafte Auslandsnachfrage in der Industrie belegt. Auch wenn die Exporte angesichts der leicht gedämpfteren Dynamik der Weltwirtschaft etwas rückläufig sind, nimmt die deutsche Industrie weiterhin eine Spitzenstellung ein. Dies sind gute Zeichen für die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft selbst in einem schwierigeren weltwirtschaftlichen Umfeld."

Das gehört in die Rogoff'sche Kategorie von die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen. Denn um Deutschland herum brennt es bereits in der Eurozone. Die USA nähern sich einer weiteren Rezession; Großbritannien ist bereits drin. Aktienbesitzende Verbraucher sind gerade global durch die Krise an den Börsen der Welt um riesige Beträge ärmer geworden und werden den Riemen entsprechend enger schnallen auch gegen Importe aus Deutschland. Und China bekommt die Inflation nicht normal in den Griff, so daß eine Schnellbremsung der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr auszuschließen ist (Abb. 08221).


Dabei hat der deutsche Export schon vor Monaten seinen Zenit wieder hinter sich gelassen (Abb. 15593) und setzt zum Abschwung an. Auch der Umsatz der deutschen Industrie mit dem Ausland geht bereits seit Ende letzten Jahren zurück (Abb. 04910). Und wir müssen uns vom Bundeswirtschaftsminister rosa Brillen aufsetzen lassen? Nein, danke!




ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qzAb0S - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2458 09-08-11: Demokratie ade! - Die EZB kauft ohne parlamentarische Beteiligung italienische und spanische Staatsanleihen mit hohem Risiko für den deutschen Steuerzahler

(bitte auch Startseite besuchen)

Eigentlich ist es ein unglaublicher Vorgang. Das erste Recht jedes Parlaments ist das Haushaltsrecht, das über die Finanzen der Bürger wacht, soweit sie durch den Staat betroffen sind. Es mußte in vielen Ländern der Welt mit blutigen Revolutionen gegen herrschende Despoten erstritten werden.

Und hier kommt mit der EZB eine nicht einmal demokratisch legitimierte Institution, die nach Satzung keine Staaten über ihre Bilanz finanzieren darf, unter ihrem französischen Präsidenten (mit einem italienischen Nachfolger) und kauft im großen Stil riskante Anleihen aus Italien und Spanien, die die Finanzmärkte nicht mehr zu erträglichen Kosten akzeptieren. Das ist einige Nummern größer, als was bei Griechenland, Portugal und Irland mit 77 Mrd Euro schon eingerissen war, und ist nun wirklich nicht mehr mit einer einfachen "Glättung" der Bondmärkte zu begründen oder mit der Absicherung der EZB-Geldpolitik, wie Trichet meint. Es ist deshalb umso mehr außerhalb der statuarischen Rechte und Pflichten der EZB. Die drei kleinen Krisenländer haben Staatsschulden von 679 Mrd Euro. Doch Italien und Spanien bringen zusammen 2,6 Billionen Euro an Staatsschulden auf die Schuldenwaage. Und hinzu kommen dann noch die Schulden der Banken in Italien und Spanien, die ebenfalls notleiden können, und von denen die EZB ohnehin schon sehr viel finanziert und dafür wiederum dieselben unsicher gewordenen Staatsanleihen als angebliche Sicherheiten angenommen hat und weiter annimmt.

Dabei hat die EZB nicht einmal gewartet, bis die italienische Regierung die angekündigten Reformmaßnahmen durchs italienische Parlament gebracht hat, sondern vertraut den blauen Berlusconi-Augen.

Nun hat aber die EZB eine Bilanz und die färbt sich blutrot, wenn die aufgekauften oder als Sicherheiten genommenen Anleihen auch nur teilweise ausfallen oder von der EZB nicht mehr zum Aufkaufkurs an den Markt zurückgegeben werden können und auch nicht vom Rettungsschirm übernommen werden. Und für die EZB-Bilanz stehen die Steuerzahler der solideren Eurozonenländer mit unbegrenzten Nachschußpflichten ihrer nationalen Notenbanken ein. Auf Deutschland entfällt nach Ausfall von Italien und Spanien ein Risiko-Anteil von 43 % (!) (Abb. 16387).


Außerdem kann das Anwerfen der Eurodruckmaschinen durch die EZB die Inflationsrisiken hochschieben, und dann zahlen die Verbraucher in der Eurozone auch auf diese Weise für die italienischen und spanischen Schulden, die sich dann ihrerseits mit der Inflation entsprechend entwerten. Das wäre dann nur ein weiterer Transferkanal der Transferunion.

Das Ganze läuft auch noch in der Sommerpause der Parlamente, die bisher nicht einmal den neuen Eurorettungsschirm verabschiedet haben, wobei die SPD sogar eine von einigen Abgeordneten aus dem Regierungslager geforderte Sondersitzung des Bundestags ablehnt (!). Da erpreßt offensichtlich nun die Riege der Krisenländer unter Führung von Sarkozy die deutsche Bundeskanzlerin und die hat nun einen solchen zutiefst undemokratischen Eingriff in die Rechte des deutschen Parlaments abgenickt oder durchgewunken. Wenn dann der Bundestag im September dieses Jahres über den Rettungsfonds zu befinden hat, ist der schon mit der Verpflichtung belastet, solche Anleihen von Italien und Spanien zu übernehmen, weil sonst die EZB im Regen stehen würde. Und dafür muß er dann eben verdoppelt oder verdreifacht werden. Was hier in der Sommerpause zusammengebastelt wurde, ist die perfekte Transferunion zu deutschen Steuerzahlers Lasten. Am Ende wird auf denkbar undemokratischem Wege ein happiger Eurosoli auf den deutschen Steuerzahler zukommen.

Der Chef-Ökonom der Royal Bank of Scotland Jacques Cailloux rechnet mit nicht weniger als 850 Mrd Euro an EZB-Einsatz für die Finanzierung von Italien und Spanien und schreibt: "Das kann der notwendige und schmerzvolle Schritt auf dem Wege zu einem gemeinsamen Schuldeninstrument sein; die Kehrseite dürfte der Verlust der fiskalischen Souveränität sein". Wie gesagt, alles ohne einen Pieps der von den Völkern gewählten Volksvertreter. Wenn sich der deutsche Bundestag solches bieten läßt, können wir auch Wahlen zu einer solchen Nichtvertretung des deutschen Volkes abschaffen.

Dabei haben sich noch gerade viele deutsche Politiker gegen die von Kommissionspräsident Barroso geforderte Vergrößerung des Rettungsschirms ausgesprochen, die nun eben undemokratisch per EZB durch die Hintertür kommt. In der Folge einer solchen Risikoverlagerung wäre zu befürchten, daß Ratingagenturen selbst die bisher hoch bewertete deutsche Bonität und erst recht die Frankreichs herunterstufen könnten, sollten Italien und Spanien für längere Zeit nicht an die privaten Kapitalmärkte zurückfinden und sollte deren Risiko im Rahmen der Transferunion mitverantwortet werden müssen.

Leider ist die deutsche Politik auf der linken Seite des politischen Spektrum total blind für diese Risiken und man möchte sich an den Spruch erinnert fühlen, daß Linke nicht mit Geld umgehen können. Da drängen SPD und LINKE auf Merkel ein, Italien schneller zu Hilfe zu eilen, und verbreitet sich der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts Gustav Horn im Reuters-Interview:

"Von ganz entscheidender Bedeutung ist es, dass die Zentralbanken hinter den Regierungen stehen und ihre Staaten, Währungen und auch Staatsanleihen schützen. Die Notenbanken haben de facto unbegrenzte Macht, was Aufkäufe angeht. Sie sind die Herrinnen des Geldes und sie können notfalls so viel Geld drucken, wie es bedarf. Wenn die Notenbanken glaubwürdig ankündigen, daß sie ihre Mittel einsetzen, kann dies auf Dauer zur Beruhigung der Märkte beitragen".

Der Mann hat nichts begriffen von den Grenzen der EZB, die eben nicht die Einheitsbank von Einheitsländern wie USA oder Großbritannien mit einheitlicher Wirtschafts- und Finanzpolitk und einheitlicher demokratischer Kontrolle ist, und weiß vor allem nicht, wo deutsche Interessen und die der kleinen Leute in Deutschland liegen. Wenn die deutsche Politik so weiter macht, werden sich noch sehr viel mehr Deutsche mit Grausen vom Euro abwenden. Wieder einmal kassieren spekulierende Banken und andere Anleger stattliche Zinsen und die Rechnung wird heute per EZB und morgen per Rettungsschirm den Steuerzahlern zugeschoben.

Übrigens, wenn es umgekehrt läge und Deutschland wäre überschuldet, z.B. in der Folge der Wiedervereinigung und von Rating Agenturen heruntergestuft, keines der heutigen Krisenländer und schon gar nicht Frankreich wäre bereit, für deutsche Schulden einzustehen.

Schließlich noch etwas Nachhilfeunterricht für Gabriel & Co. zu den Größenordnungen, um die es hier geht: Die Staatschulden der fünf Eurokrisenländer, bei deren Finanzierung demnächst der Rettungsfond und bis dahin die EZB helfen soll, belaufen sich auf zusammen 3,3 Billionen Euro (3.300.000.000.000 Euro) oder mehr als das Zwölffache des Bundeshaushalts 2011 (vor Finanzierung der Bundesschuld). Ein Parlament, das in langen Sitzungen von Ausschüssen und Plenum Korinten in einzelnen kleinen Haushaltstiteln k.., aber wegschaut, wenn hinter seinem Rücken ein hauhaltsträchtiger Fond in der zwölffachen Größe aufgebaut wird, gibt sich selbst auf.

Siehe dazu auch Rundbrief "Warum Deutschland nicht 2,6 Billionen Euro an Schulden von Italien und Spanien mittragen kann, weder über den Rettungsschirm noch über Eurobonds".


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rk0J2S - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2457 08-08-11: Seit 2000 Zuwachs der Unternehmens- und Vermögenseinkommen 673 Mrd Euro mehr als des Arbeitnehmerentgelts

(bitte auch Startseite besuchen)

Rechnet man die Einkommen zusammen, die jedes Jahr seit 2000 bis 2010 zusätzlich über den jeweiligen Ausgangswert des Jahres 2000 zusammengekommen sind, so ergibt sich bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen ein um 673 Mrd Euro höherer Betrag als beim Entgelt aller Arbeitnehmer in Deutschland (Abb. 17109); und dabei sind in den Arbeitnehmern auch noch die leitenden Angestellten mit den sehr hohen Einkommen bis zum Chef der Deutschen Bank enthalten.


673 Mrd Euro entspricht dem Dreifachen aller Steuereinnahmen des Bundes im vergangenen Jahr. Der Bund hätte also drei Jahre lang auf alle normalen Steuern verzichten können, wenn ihm in einem entsprechenden Steuersystem dieser sehr einseitig entstandene Differenzbetrag zugeflossen wäre.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/p4ADPG - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2456 07-08-11: Warum Deutschland nicht 2,6 Billionen Euro an Schulden von Italien und Spanien mittragen kann, weder über den Rettungsschirm noch über Eurobonds

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Problem mit Gedankenspielen zur Eurokrise ist, daß viele gut gemeinte Ratschläge ausreichende Sachkunde vom Funktionieren der Finanzmärkte vermissen lassen. So drängen SPD und Grüne derzeit die Bundesregierung, möglichst schnell auch noch Italien und Spanien zu Hilfe zu eilen, entweder durch eine Vervielfachung des Rettungsschirms oder durch Eurobonds, die von einigen der Krisenländer herbeigesehnt werden.

Dabei wird total unterschätzt, wie sich eine solche dramatische Vermehrung des deutschen Risikos auf die Finanzierung der eigenen deutschen Staatsschuld auswirken würde und wie viel schlechter die Refinanzierungskonditionen für den Rettungsschirm oder für Eurobonds würden und wie dann das Pleiterisiko der Krisenländer nicht ausreichend abgesenkt werden könnte. Die Finanzmärkte sind nicht so dumm, daß sie die so entstehende Risikoballung nicht zusammenrechnen könnten. Das geht nämlich ganz einfach. Bisher steht Deutschland nur für die vergleichsweisen kleinen Schulden von Griechenland, Irland und Portugal im Gesamtbetrag von 679 Mrd Euro über den Rettungschirm mit ein. Der deutsche Anteil entspricht dem Kapitalanteilsschlüssel für die EZB von 27,13 %. Da man nun die drei Länder aus der Basis herausrechnen muß, da sie auf die Nehmerseite des Rettungsschirms gerutscht sind, ergibt sich ein etwas höherer Anteil von 29,1 %. Das ergibt dann in der Augen der Anleger auf den Finanzmärkten bezogen auf die volle Staatschuld der drei Länder einen maximalen deutschen Haftungsbetrag von 199 Mrd Euro (formal ist die Haftung derzeit auf 119 Mrd Euro plus 22,3 Mrd Euro für Griechenland begrenzt).

Kommen allerdings nun auch noch Spanien und Italien mit weiteren 2,6 Billionen Euro an Staatsschulden hinzu, so würde der deutsche Anteil durch den Ausfall dieser beiden Länder auf der Geberseite des Rettungsschirms auf 42,9 % (Abb. 16387) und der angenommene Haftungsrahmem auf 1410 Mrd Euro hochspringen (mehr als das 6-Fache aller Steuereinnahmen des Bundes oder 35.000 Euro pro privatem Haushalt). Bisher begrenzt der Rettungsschirm die maximale deutsche Haftung noch auf 119 Mrd Euro. Doch die Krisenländer, Kommissionspräsident Barroso und sicher auch der französische Staatspräsident Sarkozy drängen auf eine erheblich Aufstockung des Rettungsschirms. Bei Eurobonds wäre eine Begrenzung im Volumen sogar kaum noch möglich, wenn man erst einmal damit angefangen hat.


Auf die Schultern der etwas solideren Eurozonenländer kämen also maximal dann die Staatschulden der insgesamt fünf Krisenländer von zusammen 3,3 Billionen Euro. Gemessen am Bruttosozialprodukt dieser etwas solideren Länder wären das gespenstische weitere 53 %. Mit großer Sicherheit würde dann jedoch auch Belgien ausfallen und selbst Frankreich würde zum Wackelkandidaten, denn Frankreichs Verschuldungstate würde bei Zurechnung seines Anteils an den Schulden der Krisenländer von derzeit 88 % auf 140 % hochspringen. Ohnehin ist Frankreich nach der Herunterstufung der USA der nächste Kandidat, der das AAA verlieren kann. Schon jetzt ist es an den Märkten teuerer sich gegen eine Pleite Frankreichs zu versichern als gegen eine von tiefer gerateten Ländern, wie Malaysien, Thailand, Japan, Mexico, Tschechien oder die USA. Hinzu kommt das große Risiko der Banken in den Krisenländern und der dort engagierten Banken aus den bisher solideren Euroländern. Auch hat der Streßtest gezeigt, daß die Banken in Europa in zwei Jahren nicht weniger als 5,4 Billionen Euro refinanzieren müssen. Das entspricht 45 % der Wirtschaftsleistung der gesamten EU. In Frankreich, Italien und Deutschland müssen jeweils allein die zwei größten Banken in 24 Monaten gemessen am nationalen Bruttoinlandsprodukt 6 %, bzw. 9 %, bzw. 17 % refinanzieren. Das ist viel mehr als in USA, wo der entsprechende Anteil nur bei 1,6 % liegt.

Nun glauben die Befürworter des Rettungsschirms oder von Eurobonds, daß sei alles nicht so schlimm, weil die Staatsschulden der fünf Länder dann mit dem niedrigen Zinssatz finanziert werden könnten, den Deutschland derzeit für seine Staatsschuld zu berappen hat, und daher das Pleiterisiko erheblich abgesenkt wäre. Doch das ist eine arge Milchmädchenrechnung. Natürlich würden die Finanzmärkte das stark gestiegene Risiko für die bisher noch solideren Ländern berücksichtigen und sofort die geforderten Zinsen für den Rettungschirm und Eurobonds aber auch für die Finanzierung der eigenen deutschen Staatsschuld dramatisch hochschrauben.

Diejenigen, die sich derzeit - wie SPD und Grüne - so schnell für ein deutsches Einspringen aussprechen, sollten erst einmal Rechnen lernen und sollten dann morgen den deutschen Steuerzahlern erklären, warum die Steuern in Deutschland erheblich angehoben werden müssen, weil die Zinslasten des Bundeshaushalts auf die 2 Billionen Euro von vieleicht derzeit jährlich nur 2,3 % auf vielleicht 4 % hochgesprungen sind oder jedes Jahr 21 Mrd Euro mehr, und weil am Ende für die Krisenländer hohe Zahlungen auf Ausfälle hinzukommen werden, weil einige auch Zinsen um 4 bis 5 % nicht werden verkraften können, vor allem mit so wenig Wirtschaftswachstum wie Italien.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qfwV9d - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2455 06-08-11: Verschärfung der italienischen und spanischen Verschuldungskrise: Die Europäische Zentralbank wirft die Druckmaschinen an

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach Reuters hat sich die EZB nun doch bereit erklärt, auch italienische und spanische Anleihen aufzukaufen, um so den abstürzenden Kurs dieser Anleihen zu stützen. Beide Länder sind bisher nicht einmal unter dem Rettungsschirm. Das bedeutet nichts anderes, als daß die EZB im Vertrauen auf ein späteres Einspringen des Rettungsschirms die Euro-Druckmaschinen anwirft. Dabei ist der Rettungsschirm viel zu klein, um auch Italien und Spanien aufzunehmen. Die Entscheidung fiel gegen den Einspruch des Präsidenten der deutschen Bundesbank. Die Bundesregierung wird nun noch mehr unter Druck kommen, einer erheblichen Aufstockung des Rettungsschirms trotz der für Deutschland besonders hohen Risiken zuzustimmen und damit zugleich eine zu erwartende Verteuerung der Finanzierungsbedingungen für die deutsche Staatsschuld zu akzeptieren.

Zuvor hatte im Laufe des Tages der italienische Zins für 10-Jahres-Anleihen auch noch den spanischen überschritten (Abb. 16380, 16379). Nach Bekanntwerden der Änderung in der EZB-Haltung fiel der Zins für italienische Staatsanleihen leicht von seinem Gipfel bei 6,4 % auf 6,1 % zurück, während der für spanische von 6,4 % auf 6,0 % nachgab.



Im Gegenzug für die Änderung der EZB-Politik soll sich Berlusconi verpflichtet haben, ein Paket an Liberalisierungsmaßnahmen durch das Parlament zu bringen. Dazu gehört eine Verfassungsänderung, die einen ausgeglichenen Haushalt vorschreiben soll, eine Liberalisierung von Dienstleistungsgewerben und eine Beschleunigung der Sozialreformen.

Ob das wirklich helfen wird, ist höchst zweifelhaft. Denn Italien ist so hoch verschuldet, daß es nur mit einem schnellen Wirtschaftsaufschwung und/oder erheblichen Haushaltsüberschüssen seinen Schuldendienst an der mit 120 % zweithöchsten Verschuldung unter den größeren Industrieländern (nach Japan) wird leisten können (Abb. 16351. 16350).



Ein nur ausgeglichener Haushalt wird also nicht mehr ausreichen, zumal die italienische Wirtschaftsentwicklung seit vielen Jahren notorisch schwach ist. Gegenüber dem Jahr 2000 lag die italienische Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2011 nur um magerste 1,16 % höher verglichen mit einem mehr als zehnmal stärkeren Wachstum von 11,7 % für alle Länder der Alt-EU oder 11,2 % der Eurozone, und nahm im 1. Quartal 2011 nur um 0,1 % gegenüber dem Vorjahr zu (Abb. 16353).


Der IWF rechnet für kommendes Jahr mit einem Refinanzierungsbedarf von 20 % des italienischen Bruttoinlandsprodukts (noch ohne Zinsleistungen). Allein in der zweiten Hälfte dieses Jahres braucht Italien noch 237 Mrd Euro von den Finanzmärkten und weitere 296 Mrd Euro im kommenden Jahr. Der deutsche Steuerzahler wird das spätestens zu spüren bekommen, sobald der Rettungsschirm für Italien vergrößert werden wird.

Dabei darf nicht vergessen werden, daß Banken vor allem aus Deutschland und Frankreich hohe Einsätze in Italien und Spanien eingegangen sind. Nach den Veröffentlichungen aus dem Streßtest sind deutsche Banken im Durchschnitt mit 48,7 % ihres Kernkapitals in Anleihen der fünf Krisenländer verhaftet (Abb. 16372). Rechnet man noch die Forderungen der deutschen Banken gegen den Bankensektor in diesen Ländern von 114 Mrd Euro hinzu, so sind insgesamt 130 % des Kernkapitals deutscher Banken in diesem Risiko. Selbst bei begrenzten Forderungsverlusten wären die Folgen verheerend. Und die Banken selbst hängen in hohem Umfang von kurzfristigen Finanzierungen und damit vom Vertrauen ihrer Geldgeber ab. Der Streßtest hat gezeigt, daß die Banken in Europa in zwei Jahren nicht weniger als 5,4 Billionen Euro refinanzieren müssen. Das entspricht 45 % der Wirtschaftsleistung der gesamten EU. In Frankreich, Italien und Deutschland müssen jeweils allein die zwei größten Banken in 24 Monaten gemessen am nationalen Bruttoinlandsprodukt 6 %, bzw. 9 %, bzw. 17 % refinanzieren. Das ist viel mehr als in USA, wo der entsprechende Anteil nur bei 1,6 % liegt. Eine Vertrauenskrise kann daher sehr schnell zu einer Liquiditätskrise für einige der Banken führen.


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief "Was kosten uns EU und Eurozone im Lichte wachsender Transfers?" mit zusätzlichen Analysen und vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/od2hIh - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2454 05-08-11: Wenn eine ökonomisch dumme Oberschicht den Staat als Geisel nimmt und sich finanziell an den Mitbürgern vergreift, ist die nächste schwere Krise gewiß

(bitte auch Startseite besuchen)

Die schlimmste Krise der Weltwirtschaft seit 80 Jahren entstand aus der immer größeren Zusammenballung von Reichtümern, die spekulativ weiter vermehrt wurden und dabei das Kreditvolumen aufbliesen. So floß z.B. eine Menge davon über Subprime-Hypotheken in die Finanzierung der amerikanischen Immobilienblase. Die staatliche Krisenbekämpfung schont bisher diesen Reichtum, obwohl der die Krise mitausgelöst hat, denn sie findet ohne angemessene Lastenbeteiligung der Wohlhabenden, z.B. durch entsprechende Wiederanhebung ihrer Steuerpflichten, statt. Statt dessen wurden Staatshaushalte zusammengestrichen und wurde an den Sozialleistungen und der öffentlichen Infrastruktur gespart.

Was jetzt in USA, Großbritannien und der Eurozone läuft, ist Selbstbedienung einer die Politik bestimmenden kleinen und ökonomisch dummen Oberschicht. Die würgt so die für die Wirtschaft lebenswichtige Massennachfrage nach Waren und Dienstleistungen ab, weil sie selbst alles schon hat und immer haben wird und ihren Mitbürgern nichts gönnt. So wird am Ende nur die nächste schwere Krise herbeigeführt. Wer so an dem Ast sägt, auf dem er selbst sitzt, hat nie begriffen, wie Wirtschaft funktioniert.

In den USA haben die Republikaner ein total einseitiges Sparprogramm ohne Steuererhöhungen durchgesetzt, indem sie den Staat und seine Zahlungsfähigkeit als Geisel genommen haben. Die schon jetzt hinkende amerikanische Wirtschaft wird nur tiefer in die nächste Krise geschoben. Steueranhebungen für die Reichen waren tabu, obwohl beispielsweise der durschnittliche effektive Steuersatz der 400 Spitzen-Einkommenssteuerzahler seit 1995 von 29,9 % auf nur noch 16,6 % fast halbiert worden war (Abb. 05273).


Für Großbritannien befürchtet der IWF nun, daß als Folge des rigorosen Sparprogramms die privaten britischen Haushalte in den nächsten Jahren 1500 Pfund pro Jahr und Haushalt verlieren und die Langzeitarbeitslosigkeit auf 2,2 Mio Menschen oder einen Anteil von 6,8 % steigt.

In der Eurozone und vielen anderen Ländern Westeuropas werden ähnliche, ökonomisch einseitige und daher unsinnige Sparprogramme gefahren, statt die seit dem Jahr 2000 kräftig abgesenkten Steuern auf Einkommen und Vermögen wieder anzuheben (Abb. 15360). Dabei liegt der deutsche Anteil dieser vor allem auf Wohlstand erhobenen Steuern gemessen an der Gesamtwirtschaftsleistung am untersten Ende des internationalen Vergleichs und wird nur noch von den Euro-Armenhäusern Griechenland, Portugal und Spanien unterboten.


Trotzdem hat auch die Bundesregierung die Lasten der Krise für den Staatshaushalt fast ausschließlich bei den Sozialabgaben abgeheftet und keinerlei Steuern angehoben, wie z.B. eine in der Krise längst überfällige Wiedereinführung der Vermögenssteuer und Rücknahme der vielen Steuervergünstigungen für Wohlhabende, wie die mehrfache Absenkung des Spitzensteuersatzes. Da war in Deutschland vor allem die FDP davor, wie in USA die Tea-Party.

Praktisch hatte die kleine Oberschicht der Wohlhabenden überall in den westlichen Industrieländern seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Osteuropa viele Jahre lang mangels jeder Systemkonkurrenz einen voll neoliberalen Kurs mit wuchernden Niedriglohnsektoren und über Verlagerungsdrohungen - China läßt grüßen - erzwungenen Reallohnkürzungen durchgesetzt. An die Stelle der Verluste an Arbeitseinkommen traten zum Ausgleich Kredite, um die Nachfrage trotz der immer einseitigeren Einkommensverteilung aufzufangen. Nach dem Platzen dieser enormen und globalen Kreditblase will allerdings diese selbe Oberschicht ihren Gewinn aus den Krediten und aus der obszönen Einkommensverteilung behalten. Sie begreift in bodenlosem Egoismus nicht, daß die Krise so nur verlängert und noch verschlimmert wird.

Erleichtert wird eine solche ökonomisch unsinnige Politik dadurch, daß große Teile gerade der sozial benachteiligten Wähler in Frustration und Hilflosigkeit und Mißtrauen gegen alle politischen Parteien von den Wahlurnen vertrieben wurden. So werden die herrschenden Regierungen nur noch von kleinen Minderheiten der Bevölkerungen gewählt. In Deutschland sank beispielsweise die Wahlbeteiligung für den Bundestag von 91,1 % 1972 auf nur noch 72,5 % 2009 ständig ab (Abb. 16009).


Bei dieser Wahlbeteiligung wurde die schwarz-gelbe Koalition zuletzt gerade einmal von 35 % der deutschen Wahlberechtigten gewählt. In USA reichten Obama bei den letzten Präsidentschaftswahlen 33 % der Wahlberechtigten zum Sieg. Wenn Regierungen so schwache Volksvertretungsrechte haben, ist die Durchsetzung einseitig unsozialer Maßnahmen zwar nicht mehr demokratisch legitimiert, doch schert das sie und die dahinter stehenden Oberschichten wenig. Und so sind die nächsten Krisen ziemlich sicher, so lange jedenfalls, bis sich vielleicht eines Tages und dann unausweichlich unter dem Eindruck nicht endender Krisen wieder die Systemfrage stellt und eine neue Systemkonkurrenz entsteht.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief unter "Weltweite Millionen-Vermögen seit 2008 um ein Drittel auf 47 Billionen US$ gestiegen" mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/oHt4i7 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2453 04-08-11: Läutet nun Italien dem Euro das Sterbeglöckchen oder lebt ein totgesagter Euro länger?

(bitte auch Startseite besuchen)

Italien war immer der potenzielle Angstgegner des Euro. Das Land ist die drittgrößte Wirtschaftsnation der Eurozone mit dem nach Japan unter den größeren Industrieländern höchsten Schuldenquotienten (Abb. 16351), der über die letzten 5 Jahre steil angestiegen ist (Abb. 16350). Der italienische Anleihemarkt ist damit sogar größer als der deutsche geworden.



Etwa die Hälfte dieser Staatsschulden bestehen gegenüber dem Ausland. Die Fristigkeit ist nicht besonders günstig, denn der größte Teil der Schulden wird in den kommenden Jahren fällig, vieles noch in diesem Jahr und muß an den internationalen Finanzmärkten zu verkraftbaren Zinsbedingungen refinanziert werden können (Abb. 16385, 16358). So rechnet der IWF für kommendes Jahr mit einem Refinanzierungsbedarf von 20 % des italienischen Bruttoinlandsprodukts (noch ohne Zinsleistungen). Allein in der zweiten Hälfte dieses Jahres braucht Italien noch 237 Mrd Euro von den Finanzmärkten und weitere 296 Mrd Euro im kommenden Jahr.



Doch der Zins für italienische Anleihen ist in den letzten Tagen erheblich gestiegen und stieg heute weiter auf einen Rekordwert von 6,2 % und damit noch höher als vor den Gipfelbeschlüssen der Eurozone, die eigentlich die drohende Ansteckungsgefahr für Italien bannen sollten (Abb. 16380) und auch die spanischen stiegen auf 6,3 %.


Damit liegt der Zins bereits in der Gefahrenzone, wo die Verschuldung nicht mehr finanzierbar wird, soweit nicht ein kräftiger Wirtschaftsaufschwung nachhilft. Die schon unter den Rettungsschirm geschlüpften Euroländer mußten das bei etwa 7 % Zins tun. Am Donnerstag vergangener Woche mußte Italien bei einer Auktion von 2,7 Mrd Euro an 10-Jahres-Papieren bereits 5,8 % Zins anbieten, der höchste Zinssatz seit dem Jahr 2000 und bereits 0,8 Prozentpunkte höher als bei der vorangegangenen Auktion im Juni. Ignazio Visco, der Generaldirektor der italienischen Notenbank, informierte das Parlament kürzlich, daß ein dauerhafter Zinsabstand von 3 Prozentpunkten zu deutschen Staatsanleihen ein substanzielles Problem für Italien wäre. Jeder Prozentpunkt in den Zinskosten entspricht 0,2 % des italienischen BIP im ersten Jahr sowie 0,4 und 0,5 % im zweiten und dritten Jahr. Und wenn sich ein Zinssatz zwischen 6 % und 7 % erst einmal durchsetzt, ist Italien als Wackelkandidat an den Finanzmärkten auf lange Zeit abgestempelt. Auch hat Moody's bereits eine Herunterstufung des italienischen Kreditstandings angedroht.

Das italienische Wirtschaftswachstum ist seit Jahren und auch in diesem Jahr mit nur 0,1 % plus im 1. Quartal äußerst schwach und macht damit die Verschuldung noch prekärer (Abb. 16353). Gegenüber dem Jahr 2000 lag die italienische Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2011 nur um magerste 1,16 % höher verglichen mit einem mehr als zehnmal stärkeren Wachstum von 11,7 % für alle Länder der Alt-EU oder 11,2 % der Eurozone. Dazu kommt bei Italien noch ein sehr ungünstiger Altersaufbau mit in den kommenden Jahren entsprechend hohen Rentenlasten und entsprechender Belastung der Wirtschaftsentwicklung hinzu.


Der Eurorettungsschirm reicht bei Weitem nicht aus, um auch Spanien und Italien solide aufnehmen zu können. Der Kommissionspräsident Barroso fordert daher, "eine rasche Neubewertung aller Elemente" im Zusammenhang mit dem Euro-Rettungsfonds. Eine Kommissionssprecherin bekräftigte, die Forderung beziehe sich auf "alle Elemente", also auch auf dessen Umfang. Eine Reihe internationaler Experten haben bereits eine Verdoppelung bis Verdreifachung für nötig befunden.

Derzeit entfielen auf Deutschland, wenn alle fünf Krisenländer einschließlich Italien und Spanien auf der Geberseite ausfallen, 43 % an Haftungsanteil am Rettungsschirm von 440 Mrd Euro, statt 27 % ohne den Ausfall. Das wären 189 Mrd Euro oder bei einer Verdoppelung des Rettungsschirms 377 Mrd Euro bzw. 566 Mrd Euro bei Verdreifachung plus 2,9 Mrd Euro für Griechenland. Um eine Vorstellung von dieser astronomischen Größe zu geben: Das entspräche bei einer Verdreifachung des Rettungsschirms dem 2,5-Fachen aller jährlichen Steuereinnahmen des Bundes und bei einer Verdoppelung immer noch dem 1,7-Fachen. Keine Bundesregierung und kein deutsches Parlament werden ein solches Engagement und eine dann unvermeidbare Verteuerung der Finanzierungskosten für die deutsche Staatsschuld so einfach verantworten können. Oder sollen sie dem Chef des Rettungsfonds Regling vertrauen, der uns weismachen will, daß Deutschland am Rettungsschirm verdienen würde?

Und noch etwas gehört in das Bild des nun eingeläuteten Endspiels um den Euro. Banken aus den solideren Ländern der Eurozone, besonders aus Deutschland und Frankreich, haben hohe Einsätze vor allem in Italien und Spanien. Diese Länder werden sich daher fragen müssen, ob es den Wahlbürgern im eigenen Lande leichter zu vermitteln ist, die eigenen Banken direkt zu retten, als in eine Dauersubvention enormer Höhe für die Krisenperipherie einzusteigen. Nach den Veröffentlichungen aus dem Streßtest sind deutsche Banken im Durchschnitt mit 48,7 % ihres Kernkapitals in Anleihen der fünf Krisenländer verhaftet (Abb. 16372). Rechnet man noch die Forderungen der deutschen Banken gegen den Bankensektor in diesen Ländern von 114 Mrd Euro hinzu, so sind insgesamt 130 % des Kernkapitals deutscher Banken in diesem Risiko. Selbst bei begrenzten Forderungsverlusten wären die Folgen verheerend. Dieses Risiko sehen offensichtlich auch viele Anleger, wie z.B. die Kurse von Deutscher Bank und Commerzbank zeigen, die seit März um ein Viertel bzw. zwei Drittel gefallen sind.


Die Lasten aus einem verdoppelten oder gar verdreifachten Rettungsschirm bei Zahlungsunfähigkeit von Spanien und Italien und Problemen in den eigenen Bankensektoren könnten dann auch noch die Finanzierungskosten für schwächere Gläubigerländer als Deutschland, wie vor allem Belgien, aber evtl. auch Frankreich, in die Höhe treiben und die Krise perfekt machen. Das wäre dann das Ende des Euroexperiments in seiner bisherigen Form. Es scheint sich nun zu rächen, daß die Euroregierungen nicht rechtzeitig die notwendigen Sicherheiten für den Euro durchgezogen haben, statt nur schrittweise vorzugehen und dann auch noch in den Urlaub zu fahren, während der jüngste Beschluß für die Aufstockung des tatsächlichen Nutzungsrahmens des 440-Mrd-Rettungsschirms auf 750 Mrd Euro an Finanzierungsmöglichkeiten noch nicht einmal umgesetzt ist.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief "Was kosten uns EU und Eurozone im Lichte wachsender Transfers?" mit zusätzlichen Analysen und vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qXO5Jq - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2452 03-08-11: Immer weniger Arbeitsfreude in Deutschland

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Land und seine Leute können einem ehrlich leidtun. Erst haben sehr viele die Familien dem Job geopfert, auf Kinder verzichtet. Der Druck einer arbeitsausbeutenden Gesellschaftselite auf die Löhne hat dazu beigetragen, daß immer mehr Überstunden gefahren wurden. Dann stellten viel fest, wie wenig sie mit fortschreitendem Alter noch auf dem Arbeitsmarkt wert waren und wie der Staat sie nach langer Arbeit nicht nur in die Arbeitslosigkeit sondern auch noch in die Armut abschob. Und nun merken deutsche Arbeitnehmer zunehmend, daß die Arbeit immer weniger Freude bereitet. In den ärgsten Fällen breiten sich Depressionen aus.

Das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg Essen hat jetzt anhand der Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) die langfristige Entwicklung der Arbeitszufriedenheit in Deutschland untersucht und auch international verglichen. Mit dem SOEP werden seit 1984 jährlich Wiederholungsbefragung von Haushalten durchgeführt. Dabei wird auch die Frage gestellt "Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig mit den folgenden Bereichen Ihres Lebens?". Die Befragten bewerten ihre Zufriedenheit auf einer 11er Skala von 0 ("ganz und gar unzufrieden") bis 10 ("ganz und gar zufrieden"). Und das sind die vier Hauptergebnisse:

1. Seit Mitte der 1980er Jahre nimmt die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in Deutschland in einem langfristigen Trend ab (Abb. 17106).


2. Besonders stark ist der Rückgang bei älteren Arbeitnehmern jenseits des 50. Lebensjahres. Ansonsten zeigt sich ein Rückgang der Arbeitszufriedenheit in allen Qualifikationsstufen und in Betrieben unterschiedlicher Größe in ähnlicher Form.

3. Im internationalen Vergleich weisen Arbeitnehmer in Deutschland eine besonders geringe Arbeitszufriedenheit auf (Abb. 17107).


4. Die Ursachen dafür sind in Entwicklungen wie der Intensivierung der Arbeit in den Betrieben, Problemen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringen Lohnsteigerungen und wachsender Unsicherheit bezüglich der beruflichen Zukunft zu suchen.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vertiefter Analyse und vielen weiteren Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/p8s1Rt - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2451 30-07-11: Tariflohnentwicklung: Das Statistische Bundesamt unter dem Kommando des Bundesinnenministeriums treibt die Desinformation immer toller

(bitte auch Startseite besuchen)

Die gestrige Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung der Tariflöhne war überschrieben "Tarifverdienste im April 2011: + 1,5 % zum April 2010" und im Text hieß es dann:

"Damit zeichnet sich nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) eine Trendwende bei den Tarifverdiensten ab."

Tatsächlich war es unter Berücksichtigung der Verbraucherpreise ein Rückgang um 0,9 %. Bereits seit Juli vor zwei Jahren ging die Zuwachsrate zurück und wechselte seit Juli vergangenen Jahres in den Negativbereich (Abb. 14052).


Da von einer "Trendwende" zu faseln, als stiegen die Tarifverdienste nun, ist böse Desinformation. Noch bei der letzten Meldung zu den Tarifverdiensten im Januar 2011 hatte das Statistische Bundesamt korrekterweise angemerkt:

"Die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland sind von Januar 2010 bis Januar 2011 um 0,9% gestiegen und lagen damit unter dem Anstieg der Verbraucherpreise von 2,0%."

Diesmal wurde diese notwenige Klarstellung zu den Verbraucherpreisen schlicht unterschlagen. Was will die Regierung mit einer solchen Desinformationspolitik eigentlich erreichen, außer wachsendes Mißtrauen in die Integrität ihrer vom Gesetz vorschriebenen Informationspolitik.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/qxXWLn - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2450 30-07-11: Wenn die Weltwirtschaft gleichzeitig an den drei wichtigsten Ecken ernste Probleme hat

(bitte auch Startseite besuchen)

Derzeit sorgen sich Experten gleich um drei mögliche Krisenherde an den drei wichtigsten Märkten der Welt. In USA muß sich in den kommenden Tagen entscheiden, ob eine rechtzeitige Einigung im Congress über das horrende Haushaltsdefizit (Abb. 05079, 05080, 05081) möglich ist, bevor die größte Wirtschaftsmacht der Welt zahlungsunfähig wird.




Selbst wenn das Problem der drohenden Zahlungsunfähigkeit gelöst wird, was man erwarten sollte, fallen starke Schatten auf die amerikanische Wirtschaft. Sie entwickelt sich derzeit nur schwach und ist in den letzten Jahrzehnten nie so mühsam wieder aus einer Krise gekommen wie diesmal (Abb. 05277). Der Immobilienmarkt ist tief im Keller festgefroren (Abb. 16066) und die meisten riskanten Hypotheken sind auf stark überschuldete Immobilien bezogen (Abb. 05278). Die amtliche Arbeitslosenrate verharrt bei über 9 %, wobei die Arbeitslosigkeit tatsächlich noch wesentlich höher liegt (Abb. 05097). Das Wachstum im 2. Quartal lag auf Jahresrate gerechnet gerade einmal bei 1,3 % (Abb. 05085).






Auf der anderen Seite der Welt powert zwar China bisher noch weiter voran, doch um den Preis einer stark steigenden Inflation. Die Verbraucherpreissteigerung um 6,4 % im Juni 2011 gegenüber Vorjahr ist besorgniserregend (Abb. 08221). Die chinesische Regierung könnte gezwungen sein, die Wirtschaftsentwicklung abzubremsen, um die wachsende Unruhe in der Bevölkerung und einen Crash z.B. bei den besonders stark steigenden Immobilienpreisen zu vermeiden. Dabei haben die staatlichen chinesischen Banken aus dem astronomischen Konjunkturprogramm von 2009, das sie auf Anordung der KPC fahren mußten, wahrscheinlich bereits massenhaft faule Kredite an Staatsunternehmen und für wenig profitable Infrastrukturprojekte in den Büchern; insgesamt haben sie ihre Anlagen allein in 2009 um 2,5 Billionen US$ erhöht (Abb. 08227).



An der dritten Ecke der Weltwirtschaft, der Eurozone, brennt es bereits. Griechenland, Portugal und Irland sind praktisch zahlungsunfähig und bekommen an den Finanzmärkten keine Kredite zu akzeptablen Bedingungen mehr. Nun zündeln die Flammen auch am Kreditstanding von Spanien und Italien, wobei beide Länder zusammen viel zu groß sind, um vom gerade erst verstärkten Euro-Rettungsschirm aufgefangen zu werden.

Die Rating Agentur Moody's hat jetzt Spanien vor einer weiteren Herunterstufung des Kreditratings gewarnt. Die Behandlung der griechischen Staatsanleihe zeige die Risiken für private Anleger auch in spanische Anleihen. Außerdem hat Moody's das Kreditstanding der fünf wichtigsten spanischen Banken auf "Überprüfung" gesetzt. Am heutigen Freitag Morgen lag der Zins für 10-Jahres-Anleihen Spaniens bei 6,1 % und damit schon um 1 % höher als vor einem Monat. Der Effekt der Gipfelbeschlüsse der Eurozone ist also bereits verpufft (Abb. 16379). Der derzeitige Zins wird von Investoren nicht für längerfristig verkraftbar gehalten. Er liegt nun um 3,5 Prozentpunkte über dem für deutsche Anleihen. Nach Ansicht des Gouverneurs der spanischen Zentralbank wäre langfristig eine Differenz von mehr als 2 Prozentpunkten nicht akzeptabel.


Auch bei Italien hat Moody's bereits im Juni eine Herunterstufung angedroht. Auch hier ist der Zins in den letzten Tagen wieder erheblich gestiegen und liegt nun bereits bei 5,9 % (Abb. 16380). Am Donnerstag mußte Italien bei einer Auktion von 2,7 Mrd Euro an 10-Jahres-Papieren bereits 5,77 % Zins anbieten, der höchste Zinssatz seit dem Jahr 2000 und bereits 0,83 Prozentpunkte höher als bei der vorangegangenen Auktion im Juni. Der Zins liegt damit fast wieder so hoch wie vor den Gipfelbeschlüssen. Ignazio Visco, der Generaldirektor der italienischen Notenbank, informierte das Parlament kürzlich, daß ein dauerhafter Zinsabstand von 3 Prozentpunkten zu deutschen Staatsanleihen ein substanzielles Problem für Italien wäre. Jeder Prozentpunkt in den Zinskosten entspricht 0,2 % des italienischen BIP im ersten Jahr sowie 0,4 und 0,5 % im zweiten und dritten Jahr. Noch dazu hat Italien mit durchschnittlich 5 bis 7 Jahre keine besonders lange Restlaufzeiten auf seine Staatsschulden (Abb. 16385).



Hinzu kommt eine Fastrezession in Großritannien, wo die Wirtschaftsleistung im 2. Quartal gerade einmal um 0,2 % gegenüber Vorquartal stieg. Nimmt man alle diese Krisensignale zusammen, so ist der deutsche Export und damit die vom Export extrem abhängige deutsche Wirtschaftsleistung erheblich gefährdet und gibt es Gründe genug, mit einer entsprechenden Wirtschaftspolitik die deutsche Binnenkonjunktur hochzufahren.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/pb5njH - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2449 29-07-11: Auch die Juli-Zahlen vom Arbeitsmarkt: Wieder viel Täuschung

(bitte auch Startseite besuchen)

Trotz vergleichsweise schwacher Zahlen vom Arbeitsmarkt und auch nach Ansicht der Bundesregierung nachlassender wirtschaftlicher Wachstumsdynamik triumphiert Wirtschaftsminister Rösler weiter und schwafelt erneut, wie sein FDP-Vorgänger Brüderle, von "Vollbeschäftigung" um die Ecke:

"Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind weiterhin erfreulich positiv. Die saisonbereinigte Betrachtung zeigt, dass die Beschäftigung mit bemerkenswerter Beharrlichkeit weiter aufgebaut wird und die Arbeitslosigkeit entsprechend weiter sinkt. Damit setzen sich die positiven Entwicklungen der Vormonate gleichmäßig fort. Wir sind auf gutem Weg in die Vollbeschäftigung. Die Fortschritte am Arbeitsmarkt gehen auch bei einer derzeit ruhigeren Wachstumsdynamik in Deutschland weiter. Dies fördert die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte und stärkt die Basis des Aufschwungs in Deutschland."

Tatsächlich ist die Arbeitslosenquote im Juli wieder auf 7,0 % leicht angestiegen und waren insgesamt 2.939.248 Menschen arbeitslos. Dabei war sie, was heute oft vergessen wird, während fast 30 Jahren von Mitte der 50er bis Mitte der 80er Jahre noch weit niedriger, lange Jahre um nur 1 % und dann wieder im Wiedervereinigungsboom Anfang der 90er Jahre ebenfalls um die 7 % und damals wurde noch weit weniger mit den Zahlen getrickst als heute (Abb. 17088).


Auch ist in den letzten drei Monaten der saisonbereinigte Rückgang sehr schwach gewesen (Abb. 14925). Von Röslers "Beharrlichkeit" kann bei einem sich so abschwächenden Rückgang kaum die Rede sein.


Doch das eigentliche Problem ist auch diesmal wieder die Verfälschung der Statistik. Mehr als 5,4 Millionen Menschen bekamen auch im Juli Arbeitslosengeld, wurden aber nur zu wenig mehr als der Hälfte (54,2 %) als arbeitslos gezählt (Abb. 04980). Der jetzt erreichte Anteil der amtlich gezählten Arbeitslosen an allen Empfängern von Arbeitslosengeld vergleicht sich mit noch 67,3 % im August 2006 (Abb. 17089).



Auch wird bei der Bewertung des amtlich gemessenen Rückgangs an Arbeitslosigkeit immer wieder vergessen, daß Deutschland seit der Wiedervereinigung und vor allem in den letzten 10 Jahren einen riesigen, wuchernden Niedriglohnsektor mit Leih- und Teilzeitarbeit aufgebaut hat, der jeden Beschäftigungsvergleich der Lächerlichkeit preisgibt, wenn die Qualität der Beschäftigung dabei unterschlagen wird. Zudem wurde jenseits der amtlichen Arbeitslosigkeit die Kategorie der Unterbeschäftigung mit 1-Euro-Jobs, der Teilnahme an anderen entlastenden Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik sowie zeitweise arbeitsunfähig Erkrankten aufgebaut. Die Unterbeschäftigungsquote (ohne Kurzarbeit) lag im Juli 2011 weiterhin bei 9,6 %. Insgesamt sind das 4,1 Millionen Menschen.

Schließlich ist der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung an der Beschäftigung insgesamt von 75 % in 1995 auf nur noch 69,4 % im Juni 2011 zurückgefallen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/ooRxoi - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2448 28-07-11: Depression - eine grassierende deutsche Krankheit

(bitte auch Startseite besuchen)

Die steile Entwicklung zu immer mehr Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen in Deutschland läßt sich nur noch als Drama beschreiben. Ein Drama, gespeist aus Psychodruck am Arbeitsplatz, permanentem digitalem Vernetzungstreß, hoher Dauerarbeitslosigkeit sowie Hartz4-Verarmung, Zusammenbruch der helfenden Familienstrukturen und vielem mehr, was die neoliberale Wettbewerbsgesellschaft über uns bringt.

Bereits heute leiden nach Feststellung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Depression weltweit rund 120 Millionen Menschen; im Jahr 2030 wird die Depression in den Industrienationen die häufigste Krankheit sein. In Deutschland sind ständig rund vier Millionen Menschen daran erkrankt. Das entspricht etwa jedem zwanzigsten Deutschen. Das Risiko eines in Deutschland lebenden Menschen, zumindest einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, die unbedingt behandelt werden muß, liegt bei rund zehn Prozent. Sie tritt in allen Altersschichten und sozialen Gruppen auf. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, bei schwer verlaufenden Depressionen ist das Verhältnis jedoch ausgeglichen.

Auch wenn die Zahlen wegen unterschiedlicher Krankenhausausstattung nicht ganz vergleichbar sein sollten, so fällt Deutschland doch im westeuropäischen Vergleich durch den höchsten Wert für psyschische Erkrankungen als Diagnose bei der Krankenhausentlassung besonders auf (Abb. 15674). Die der deutschen Arbeitskultur verwandten Länder Österreich, Schweiz und Finnland haben ebenfalls sehr hohe Werte. Und Depression ist im weiteren Sinne eine Angstkrankheit (Lebensangst), wobei "Angst" als Fremdwort inzwischen Eingang in die englische Sprache gefunden hat, nicht selten in der Verbindung "deutsche Angst".


Nun hat die Barmer Ersatzkrankenkasse, die größte gesetzliche Versicherung, für ihren neuen "Report Krankenhaus 2011" die Daten von mehreren Millionen Patienten für 2010 ausgewertet. Für eine ergänzende Studie zu den Ergebnissen der Krankenhausbehandlung hat sie 1731 Patienten, davon 1256 mit Depressionen, befragt. Das Bild der mentalen Nöte vieler Deutschen ist alles andere als beruhigend.

Die Zahl der wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus Eingelieferten hat in den vergangenen 20 Jahren um 129 Prozent zugenommen. Waren 1990 rund 3,7 von 1000 Versicherten betroffen, so waren es 2010 bereits 8,5 (Abb. 15675). Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anstieg noch beschleunigt.


Sehr oft kann den Leidenden nicht wirklich geholfen werden - die Rückfallquote ist enorm hoch. Mehr als zwei Drittel werden innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Entlassung erneut in eine Klinik eingewiesen (Abb. 15677). Bei 30 % der Patienten wird die gleiche Diagnose gestellt, 39 % werden wegen einer anderen psychischen Erkrankung aufgenommen. Ein Drittel der Wiedererkrankten wird bereits in den ersten 30 Tagen nach ihrer Entlassung wieder eingewiesen, knapp die Hälfte in den ersten drei Monaten.


Man muß der deutschen Politik an dieser besonders schlechten deutschen Situation eine erhebliche Mitschuld geben. Sie fördert den wuchernden Niedriglohnsektor, der trotzdem mit einem sehr hohen Anteil an Langzeitarbeitslosigkeit zusammengeht. Sie fördert mit einer unsozialen Steuerpolitik die Umverteilung nach oben. Sie läßt die sozial Schwachen durch Kürzung der Sozialleistungen für die Folgen der Krise aufkommen. Und sie entlastet durch eine falsche Familienpolitik die Frauen in der Doppelrolle als Mütter und Berufstätige nicht ausreichend und trägt so zu der Kinderlosigkeit und Vereinzelung der Menschen bei (siehe Bevlölkerungsentwicklung 2010 Abb. 15679). Der daraus resultierende besonders hohe deutsche Psychodruck ist weitgehend ein Ergebnis von Politikversagen. Der Preis, den die meisten von uns dafür in der einen oder anderen Form zahlen, ist enorm hoch.


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit mehr Analyse und vielen weiteren Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/n4xzxl - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2447 27-07-11: Und die Profite der Unternehmen steigen wieder in Vorkrisenhöhen

(bitte auch Startseite besuchen)

Angesichts der weltweit gedrückten Löhne steigen die Unternehmensprofite rasant. In USA sind sie wieder in die Nähe ihres historischen Höhepunkts vor Ausbruch der Krise geklettert und liegen nun bei 13 % der amerikanischen Wirtschaftsleistung (Abb. 05275). Das gilt auch für die Gewinne pro Aktie der 500 weltgrößten börsengelisteten Unternehmen (Abb. 05276).



Auch in der Eurozone und besonders in Deutschland ist der Betriebsüberschuß der Unternehmen (einschließlich Selbstständigeneinkommen) wieder auf fast die Höhe von vor der Krise gestiegen, in Deutschland seit dem Jahr 2000 ein realer Zuwachs von 19 % (Abb. 17105).


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/onJRso - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2446 26-07-11: Weder die SPD noch die LINKE haben bisher die Gefahren aus der neoliberalen Globalisierung begriffen: jüngstes Beispiel Eurorettungspaket

(bitte auch Startseite besuchen)

Für einen sozialkritisch gesonnenen und mit Fakten ausgerüsteten Menschen ist sehr vieles an der Politik von SPD und LINKE schlicht unbegreiflich. Die Interessen der kleinen Leute in Deutschland, die angeblich von diesen Parteien wahrgenommen werden, werden immer wieder mißachtet, wenn eine neoliberale Globalisierung angeblich andere Lösungen erzwingt. Dabei wird die neoliberale Form der Globalisierung just von denselben Wohlstandskreisen erzwungen, die sich in deren Folgen finanziell sonnen können, während die dunklen Schatten aus den Kosten auf die kleinen Leute fallen.

Da wird bei SPD und Linkspartei Globalisierung mit einem sentimentalen Internationalismus oder einer ebenso sentimentalen internationalen Solidarität verwechselt und im wohligen Schein gutmenschlicher Entwicklungshilfe für die Benachteiligten dieser Welt reingewaschen. Es sind die sentimentalen Wurzeln von "Proletarier aller Länder vereinigt Euch", die hier wohl noch nachwirken, obwohl sich im Zeichen der Globalisierung die Reichen aller Länder vereinigen und gemeinsam die Proletarier aller Länder ausbeuten. Und dabei werden die Proletarier aus Deutschland bei vielen unserer Euronachbarn längst wegen ihrer jobraubenden Dumpinglöhne als Bedrohung gesehen und nicht als Partner in Solidarität (Abb. 17099).


Beispiele aus jüngeren Zeiten gibt es zuhauf. So ist der Marsch in die Euro-Transferunion für SPD und LINKE offensichtlich unvermeidbar oder gar erwünscht. Wir helfen doch nur den armen Griechen und morgen den Armen aus vielen anderen Ländern der Eurozone. Dabei sind diese Menschen, wenn sie wirklich arm sind, vor allem arm, weil ihre Regierungen die Reichen und Superreichen dieser Länder nicht ausreichend per Steuer zur Kasse zwingen. Die Beschlüsse des jüngsten Euro-Gipfels zementieren den Marsch in die Euro-Transferunion, zumal es an einem harten Umschuldungsschnitt mit voller Beteiligung privater Gläubiger fehlt.

Selbst der Bundesbankchef von Merkels Gnaden Weidmann, beklagt, der Euro-Raum habe einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen gemacht und die Grundlagen der auf fiskalischer Eigenverantwortung bauenden Währungsunion geschwächt. Doch die SPD signalisiert sofort Zustimmung und die LINKE beklagt, daß sich Frau Merkel soviel Zeit gelassen hätte, und Flaßbeck, der wohl dieser Partei nahesteht, wendet sich in den der LINKE zuneigenden NachDenkSeiten sogar gegen jede Umschuldung Griechenlands. Was erklären eigentlich beide Parteien demnächst den kleinen Leuten in Deutschland, wenn die per neuem Eurosoli zur Steuerkasse gebeten werden, um auch noch für nicht ausreichend steuerzahlende Reichen aus Griechenland einzuspringen? Begreift man denn links in Deutschland nicht, daß die Transferunion Teil einer neoliberalen Globalisierung auch der Risiken in Europa ist. Merkels Problem ist doch nicht, deutsches Geld als "Euro-Rettung" auszugeben, das am Ende als eine Art von Subvention den Banken und Exportunternehmen (zur Finanzierung von Krediten und Exportüberschüssen) in die Taschen fließt, sondern wie sie das ihren Wählern verkaufen soll, deren Steuern am Ende mangels ausreichender Umschuldung steigen, bzw. Sozialleistungen weiter fallen werden. Doch da helfen ihr nun in einer verkehrten Welt SPD und LINKE.

Ein anderes Beispiel ist die Aufnahme der Türkei in die EU und damit die eines nicht so fernen Tages freie Einwanderung von sehr vielen Menschen aus Anatolien nach Deutschland, zumal Deutschland seit seligen Gastarbeiterzeiten schon Europameister in der Aufnahme von Menschen aus dieser Region ist. Es sind Menschen, die bekanntlich mehrheitlich ziemlich ungebildet einwandern wollen, besonders schwer zu integrieren sind und oft gar nicht integriert sein wollen. Ihre Kinder fallen zu großen Anteilen durch das deutsche Schul- und Berufsbildungssystem und wachsen zu einer sich mit hohen Geburtenraten stark ausbreitenden Unterklasse aus. Die deutsche Industrie freut sich natürlich über den Lohndruck nach unten, den eine solche Unterklasse ausübt und zahlt auch nicht für die sozialen Kosten, wie schon seinerzeit bei den Gastarbeitern. Dabei ist die "Zeitbombe" schon da und kann durch einen Türkeibeitritt nur noch dramatisch weiter verschärft werden: In 10 deutschen Großstädten (Köln, Duisburg, Hannover, Dortmund, Stuttgart, Düsseldorf, München, Augsburg, Nürnberg, Frankfurt) waren bei den Kindern unter 6 Jahren die mit Migrationshintergrund schon vor vier Jahren in der zahlenmäßigen Mehrheit unter allen Kindern dieser Altersgruppe, und zwar bis zu über zwei Dritteln für Frankfurt. Sie werden in ein oder zwei Generationen auch als Erwachsene Mehrheiten sein und die Deutschen ohne Migrationshintergrund dort zu Minderheiten machen (Abb. 17031).


Menschen mit Migrationshintergrund werden, einmal zu Mehrheiten geworden, bei allen demokratischen Wahlen ihre Interessen entsprechend durchsetzen. Wir werden andererseits dann mit einem Rechtsradikalismus in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund rechnen müssen, der dem schrecklichen norwegischen Massenmord möglicherweise nicht nachstehen wird. Schreckliche Übergriffe gegen Türken hat es in Deutschland ja auch schon gegeben. Massenmordende Schießereien in Schulen auch.

Während die derzeitigen Regierungsparteien mit einem türkischen EU-Beitritt, auch mit Rücksicht auf ihre Wähler, sehr vorsichtig umgehen, sind SPD und LINKE sorglos dafür. Begreifen sie denn nicht, wessen Interessen sie hier wahrnehmen, jedenfalls nicht die der kleinen Leute, die sie angeblich immer im Auge haben, und die nach einem Türkeibeitritt noch mehr Wand an Wand mit einem ausufernden Subproletariat leben und deren Löhne noch mehr gedrückt werden?

Auch in ihren Grundsatzpapieren zeigen SPD und LINKE wenig Verständnis für die Gefahren einer neoliberalen Globalisierung. Im Parteiprogramm der SPD wird dafür plädiert "den Entwicklungsländern faire Chancen auf den Märkten zu verschaffen. Dazu müssen die Industrieländer im Rahmen der WTO ihre Märkte öffnen". Das soll wohl auch für Dumpingeinfuhren aus den besonders aggressiven Schwellenländern gelten, die nächstens die Weltmärkte kontrollieren werden. Hat doch schon die moralische Instanz der SPD Erhard Eppler, der an dieses Programm die letzte Hand gelegt hat, davon gesprochen, daß die Regierungen gegenüber der Globalisierung ohnmächtig seien. Dabei fällt die wirklich nicht vom Himmel. In dem Entschließungsantrag der Partei "Die Linke" zur Globalisierung "Menschen statt Profite" taucht die Vokabel "Dumping" nicht ein einziges Mal auf. Statt dessen ist dort die Rede von einem "Protektionismus des Nordens gegenüber dem Süden" und wird mitleidsvoll beklagt, daß China beim Export als "Konkurrent auf das Schärfste bekämpft" werde. Da steht das unfaire und deutsche Löhne drückende und wechselkursmanipulierende chinesische Dumping wirklich auf dem Kopf.

Wann endlich begreifen die Genossen, was hier läuft?


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2445 25-07-11: Nach dem Eurorettungspaket: Die Finanzmärkte sehen bereits ein gestiegenes Risiko bei deutschen Staatsanleihen

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Euro-Rettungspaket wird sich kostensteigernd für die Finanzierung der deutschen Staatsschuld auswirken. Das Volumen der CDS-Absicherung für den Ausfall von deutschen Staatsanleihen stieg im Juli um 39 %, weil das Rettungspaket am Status der Bundesanleihen als "sicherer Hafen" kratzt.

Die Zinsen für 10-Jahres-Anleihen sind zwar bisher erst geringfügig von 2,70 % auf 2,83 % gestiegen. Die Erwartung der von Bloomberg kontaktierten Ökonomen geht aber per Jahresende bereits auf 3,36 %. Eine Steigerung der Finanzierungskosten um 0,66 % würde bei einer gesamten deutschen Staatsverschuldung von 2,1 Billionen Euro etwa 14 Mrd Euro pro Jahr bedeuten, wenn alle deutschen Anleihekosten entsprechend steigen würden. Das ist mehr, als der FDP-Vorsitzende als Steuersenkung durchsetzen will.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2444 25-07-11: Nach dem Gipfel: Warum Griechenland so nicht zu retten ist

(bitte auch Startseite besuchen)

In den letzten eineinhalb Jahren haben die Regierungschefs der Eurozone nicht weniger als sechsmal eine definitive Lösung der Eurokrise verkündet. Diesmal hat man wohl begriffen, daß keine Zinssenkung und kein Schuldenschnitt Griechenland retten kann, wenn die Wirtschaft unter dem Druck des Sparprogramms weiter nach unten rutscht. Im 1. Quartal lag das Minus gegenüber Vorjahr bei fast 8 %. Also gibt es einen Punkt 4 in der Abschlußerklärung des letzten Krisengipfels:

"Wir fordern eine umfassende Strategie für Wachstum und Investitionen in Griechenland. Wir begrüßen die Entscheidung der Kommission, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die mit den griechischen Behörden zusammenarbeiten wird, um die Strukturfonds auf die Aspekte Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildung auszurichten. Wir werden die EU-Fonds und Institutionen wie die EIB für diese Zwecke einsetzen und die griechische Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Die Mitgliedstaaten und die Kommission werden unverzüglich alle erforderlichen Ressourcen mobilisieren, um eine außerordentliche technische Unterstützung bereitzustellen, damit Griechenland die Reformen durchführen kann. Die Kommission wird über die Fortschritte auf diesem Weg im Oktober Bericht erstatten."

Eine Strategie zu fordern, führt sie noch nicht herbei und eine Arbeitsgruppe auch nicht. Wie können die Regierungen eigentlich vollmundig versprechen, die griechische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen? Das wird doch in erster Linie von den Griechen selbst abhängen. Das Ausland kann höchstens unterstützend tätig werden.

Doch die Forderung nach einer Strategie für Wachstum und Investitionen klingt umso anmaßender oder hilfloser, als die Euroländer selbst derzeit nicht wissen, wie sie das in den eigenen Ländern hinkriegen sollen. Deutschland hatte ein nicht schlechtes erstes Quartal mit einem Zuwachs von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr, doch wird nun allgemein eine Abschwächung erwartet. Ohne Deutschland hat der gewichtete Durchschnitt der Wirtschaftsleistung der Euroländer im ersten Quartal um 0,2 % abgenommen. Allgemein scheint sich nun eine Wachstumsschwäche durchzusetzen (Abb. 16382). Das wird auch den deutschen Export betreffen, weil in die sieben Länder der Eurozone mit nur 1 % oder weniger Wachstum bzw. Rückgang der Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2011 noch 24 % des deutschen Exports von 2010 gingen und weitere 6 % nach Großbritannien, das sich in Rezession befindet.


Für Griechenland und seinen Export sind das keine guten Bedingungen. Es hilft auch nicht, wenn Deutschland nun anfängt, in den Krisenländern gut ausgebildete Fachkräfte amtlich abzuwerben.

Und vor allem: Wer soll denn die Produkte kaufen, die mit neuen Investitionen und Jobs angeblich in Griechenland produziert werden sollen, wenn die Menschen wegen des Sparprogramms immer weniger Geld in der Tasche haben? Die Löhne und Gehälter lagen im 1. Quartal nominal um 7,3 % unter dem Vorjahreswert, real unter Berücksichtigung der Verbraucherpreisinflation von 4,5 % sogar um 11,8 % (Abb. 16384). Der Einzelhandelsumsatz stürzte im April 2011 um fast 9 % gegenüber dem Vorjahreswert ab (Abb. 16383).



Irgendwer hat da nicht zu Ende gedacht. Kein Wachstumsprogramm kann gegen die harte Sparmedizin ankommen, die Griechenland auferlegt worden ist. Ohne einen sehr kräftigen Schuldenschnitt und eine Lockerung des die Wirtschaft erwürgenden Sparprogramms wird Griechenland nicht zu retten sein. Der jetzt geplante ziemlich kleine Schuldenschnitt wird die Verschuldungsrate bestenfalls von einer Spitze bei 172 % des BIP auf 148 % zurückführen, auch das eine nicht verkraftbare Last. Und dabei sind noch 30 Mrd Euro an Privatisierungseinnahmen unterstellt, die möglicherweise nie erreicht werden. Und wenn die Wirtschaft nicht wachsen kann, steigt die Verschuldungsrate trotz der jetzt vorgesehenen leichten Absenkung am Ende weiter, bis die Pleite komplett ist und weitere Rettungspakete der Eurozone einfordert.

Erschreckend auch, wie leichtfertig die deutsche Bundeskanzlerin mit der Situation Griechenlands umgeht, hier aus ihrer Rede beim Parteitag der Südwest-CDU:

"Den Menschen in Deutschland ist nach den Erfahrungen mit dem Umbau und den Reformen in den neuen Bundesländern bekannt, daß das in zwölf Monaten nicht zu schaffen ist".

Als sei den neuen Bundesländern seinerzeit ein griechisches Sparprogramm auferlegt worden und als könnte Griechenland die gewaltigen Summen an Unterstützungsgeldern erwarten, die für die neuen Bundesländer aufgewandt wurden. Dabei sagt die Kanzlerin zu Griechenland: "Vielleicht kostet es was". Mit "was" wird Griechenland nicht zu retten sein. Und das "was" kommt vor allem den deutschen Banken zu gute.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rnbPLT - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2443 23-07-11: Eurorettung: Kein Befreiungsschlag für Spanien, Italien und Portugal

(bitte auch Startseite besuchen)

Das Aufatmen und Schulterklopfen der Euroregierungen nach ihrem Rettungspaket hallte noch um den Globus. Da begannen die Zinsen für 10-Jahres-Staatsanleihen von Spanien und Italien nach einem sehr begrenzten Abstieg schon wieder zu steigen (Abb. 16379, 16380). Der Abstieg bei Portugal blieb mäßig (Abb. 16381)




Die Märkte trauen dem Rettungs-Schauspiel, das von Mal zu Mal dramatischer aufgeführt wird, nicht. Sie sehen die Bestrebungen der Regierungen, sich von der kritischen Bewertung durch die Märkte und durch deren Rating Agenturen abzusetzen. Das erste Opfer dieser Bestrebungen ist die EZB geworden, die bei Griechenland gezwungen wurde, auf "Ausfall" von den Rating Agenturen heruntergestufte Staatsanleihen weiterhin als Sicherheiten für Kredite an griechische Banken zu akzeptieren.

Die Feuerkraft des Rettungsfonds und des nachfolgenden Stabilitätsmechanismus ESFS von 440 Mrd Euro wurde nicht erhöht, wie von vielen Seiten gefordert, und ist damit weiterhin viel zu schwach, um auch Großschuldner wie Spanien und Italien retten zu können.

Im Übrigen ist der Schuldenschnitt bei Griechenland durch Beteiligung privater Gläubiger von nur 12,6 Mrd Euro auf insgesamt 345 Mrd Euro Staatsschulden viel zu gering, um Griechenland wirksam helfen zu könne, so daß in wenigen Jahren weitere Rettungspakete notwendig werden dürften. Zudem ist die angebliche Freiwilligkeit der Banken bisher nicht getestet worden und wird erst in einigen Monaten ein Ergebnis zeigen. Von vielen Fachleuten bei Griechenland für nötig gehalten wird dagegen ein Schuldenschnitt von 40 % bis 50 %. Das Land ist also weiterhin praktisch pleite, auch wenn die Regierungen immer noch so tun, als handele es sich nur um eine zeitweise Liquiditätsquelle, die mal eben überbrückt werden müßte.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/rdGMIQ - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2442 21-07-11: Eurorettung: Die Transferunion ist perfekt

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Berg hat gekreist, lange und laut. Herausgekommen ist die perfekte Transferunion. Noch sind es nur Garantien, doch morgen wird gezahlt werden müssen.

Die Zinsen des Rettungsfonds ESFS an die Krisenländer wurden bis auf 3,5 % und damit wesentlich weiter gesenkt, als dem Risiko entsprechen würde. Die Kreditlaufzeiten werden dabei von 7,5 Jahren auf 15 bis 30 Jahre mit (weiteren?) 10 rückzahlungsfreien Jahren aufgeblasen. Der EFSF soll nun auch Ramschaktien der Krisenländer auf den Märkten aufkaufen, um damit die Kurse zu stabilisieren, und wird so zu einem Bad-Fonds werden.

Die Banken sind jedenfalls fein raus, denn ihre so gefeierte "freiwillige Beteiligung" ist bisher nicht wirklich bezifferbar (geschätzt auf 37 Mrd Euro) und wird mit einer Garantie des Rettungsfonds auf die griechischen Ersatzbonds mit den längeren Laufzeiten erkauft, also mit einem risikolosen Geschäft über 15 bis 30 Jahre bei einem vom Rettungsfonds garantierten Zins von etwa 4,5 %. Normalmenschen bekommen für ähnlich sichere 10-Jahres-Bundesanleihen nur 2,7 %. Der Schnitt im Anleihentausch ist auf 12,6 Mrd Euro beschränkt und von der definitven Gläubigerbeteiligung abhängig, viel weniger als sich bei einem Konkurs Griechenlands mit seinen 345 Mrd Euro an Staatsschulden ergeben hätte, wo hinzu noch eine Pleite der griechischen Banken mit weiteren Belastungen für ausländische Gläubiger gekommen wäre. Kein Wunder da, daß die Aktien deutscher in Griechenland engagierter Banken einen Riesensprung nach oben machten. Außerdem hat sich Frau Merkel auch noch abhandeln lassen, daß die Beteiligung der privaten Gläubiger bei Griechenland die absolute Ausnahme sein soll und bei Portugal und morgen Spanien oder auch Italien nicht wiederholt werden darf. Der deutsche Steuerzahler wird das Alles zu spüren bekommen.

Auch ist Griechenland damit noch längst nicht aus dem Schneider. Unter dem Druck des Sparprogramms schrumpft seine Wirtschaft immer weiter. Ob das Programm überhaupt ganz durchgesetzt werden kann und die derzeitige Regierung die nächsten Wahlen überleben wird, muß sich erst noch zeigen. Und wettbewerbsfähig ist Griechenland mit etwas niedrigeren Zinsen des Rettungsfonds und längeren Laufzeiten auf seine enorme Schuld auch noch nicht und wird es wohl angesichts der riesigen Differenzen in den Lohnstückkosten zu Deutschland und anderen Ländern der Eurozone in den kommenden Jahren kaum werden können. Also wird es wahrscheinlich noch ein drittes und weitere Rettungspakete brauchen. Und auch die gewaltige Überschuldung ist mangels einer echten Umschuldung nicht behoben: Sie kommt durch die Beteiligung privater Gläubiger angeblich im besten Fall um 12 Prozentpunkte und durch die niedrigen Zinsen des ESFS um weitere 12 Prozentpunkte herunter, wobei letzteres schon eine Milchmädchenrechnung mit vielen Unbekannten ist.

Wie stark der Euro unter den internen Ungleichgewichten leidet, zeigen die vor einer Woche von Eurostat veröffentlichten Handelsbilanzen für die ersten vier Monate dieses Jahres. Während die Gesamtbilanz aller Eurozonenländer etwa ausgeglichen ist, verbergen sich dahinter enorme Überschüsse von vier Ländern, vor allem Deutschland, von zusammen 85 Mrd Euro und Defizite aller anderen von zusammen 82 Mrd Euro (Abb. 16377). Entscheidend für den Außenkurs des Euro ist dabei der deutsche Überschuß von allein 51 Mrd Euro. Der aber hält den Euro so hoch, daß der Export der Defizitländer schwer leidet. So verzeichnete Frankreich ein Defizit von 31 Mrd Euro. Das sind über das Jahr gerechnet fast 5 % seiner Wirtschaftsleistung (Abb. 16378). Da sich diese Ungleichgewichte von Jahr zu Jahr immer weiter akkumulieren, wird sich Griechenland eines Tages als ein kleines Problem darstellen verglichen mit den Schwierigkeiten, die mit Frankreich, Spanien und Italien hochwachsen werden. Da wird auch das versprochene bessere Krisenmanagement nicht viel daran ändern können, solange Deutschland nicht von seiner Niedriglohnpolitik und der müden privaten Nachfrage abrückt.



Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nun dennoch das Paket als wichtige Entscheidung für die Zukunft ganz Europas lobt und meint, der Tag heute bedeute für die Menschen in Deutschland ein Mehr an Sicherheit für unsere gemeinsame Währung und damit auch eine Grundlage für unser Wirtschaften, aber auch für den Wohlstand insgesamt; der Euro sei mehr als nur eine Währung, er sei ein Ausdruck großer Verbundenheit in Europa, dann muß man "Verbundenheit" mit einem zeitlich derzeit nicht begrenzten Transfer von Steuergeldern übersetzen. Alles andere ist, was die Engländer "window dressing" nennen.

So haben denn auch die Anleihemärkte bisher relativ verhalten reagiert. Der Zins für 10-Jahres-Anleihen Griechenlands fiel nur von 17,5 % auf 14,6 %. Bei entsprechenden spanischen und italienischen Papieren fiel er um 0,25 % auf 5,7 % bzw. 5,2 %. Bei griechischen 2-Jahres-Anleihen war die Absenkung von 40 % auf 26 % etwas stärker, doch ist auch 26 % immer noch eine astronomische Zahl.

Auch der neue Bundesbankchef Weidmann ist der Meinung, daß die Tür zu einer Transferunion aufgestoßen wurde:

"Indem umfangreiche zusätzliche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert werden, hat der Euro-Raum einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen gemacht. Dies schwächt die Grundlagen der auf fiskalischer Eigenverantwortung bauenden Währungsunion. Künftig wird es noch schwieriger, die Anreize für solide Finanzpolitiken aufrechtzuerhalten."

Eine Transferunion kann ja aus deutschem Interesse durchaus Sinn machen. Doch dann sollte man die Karten des Pro und Contra offen auf den Tisch legen und nicht darum herum reden.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/mVw3hc - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2441 21-07-11: Weiß denn Flaßbeck, wovon er bei Griechenland redet?

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach Flaßbeck, dem früheren Lafontaine-Finanzstaatssekretär, wissen alle diejenigen, die jetzt auf einen Schuldenschnitt bei öffentlichen griechischen Anleihen als Lösung drängen, nicht, wovon sie reden, und dazu gehören die meisten Vertreter der internationalen Ökonomenzunft, die eine Umschuldung Griechenlands inzwischen für unvermeidbar halten. Hat nur ein Flaßbeck mit seinem Artikel in Nachdenkseiten "Kopflose Politik und führungslose Märkte" die Wahrheit gepachtet?

Auch das Infoportal plädiert seit längerer Zeit für eine drastische Umschuldung Griechenlands kombiniert mit einem Austritt aus der Eurozone, um mit einer stark abgewerteten eigenen Währung die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Es plädiert auch für ein Ende der deutschen Niedriglohnpolitik, aber nicht so sehr wegen Griechenland, dem damit nicht mehr rechtzeitig geholfen werden könnte, sondern weil sonst auch alle anderen Länder an der Europeripherie einschließlich Spaniens und Italiens und schließlich auch Frankreichs im Wettbewerb mit Deutschland nicht mehr klar kommen.

Garniert wird die Flaßbeck-Schelte mit der auf dieser Seite des politischen Spektrums üblichen Schuldzuweisung an die Spekulanten, denen unterstellt wird, Panik im Euroland zu verbreiten. Flaßbeck mag die Umschuldung nicht, weil der Schuldenschnitt angeblich nur Zeit kaufe, nicht aber die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands wieder herstelle. Dabei überzieht er die Nachteile einer Umschuldung gewaltig, weil er unterstellt, daß Griechenland nach einer Umschuldung höhere Zinsen zu zahlen hätte und deshalb die Entlastung durch die Umschuldung nur "ein wenig" Zeit kaufe. Richtig ist dagegen, daß Griechenland für viele Jahre mit oder ohne Umschuldung ohnehin nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren und also von steigenden Kapitalmarktzinsen für seine Anleihen betroffen sein kann. Statt dessen werden die Rettungspakete der Eurozone kombiniert mit Sparmaßnahmen in Griechenland für den griechischen Finanzbedarf bei vom Markt unabhängig festgelegten und wesentlich niedrigeren Zinsen der Rettungspakete sorgen müssen.

Die Logik, gegen die Spekulanten auf Griechenlandanleihen zu wettern, diese dann aber nicht über eine Umschuldung an der Pleite beteiligen zu wollen und sie damit weiter hohe Zinsen kassieren zu lassen, versteht nur Flaßbeck selbst.

Recht hat Flaßbeck natürlich mit dem Hinweis auf die fehlende Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands. Doch danach ist auch bei Flaßbeck guter Rat teuer. Da fällt ihm nur noch ein, daß die griechische Wettbewerbsfähigkeit grundlegend verbessert und das Land auf diesem Wege oder durch direkte Konjunkturanregung wieder auf einen Wachstumspfad gebracht werden müsse. Wie das geschehen soll und ob das, bei einer so enormen Differenz der Lohnstückkosten überhaupt gelingen kann, bleibt bei Flaßbeck ziemlich hilflos offen. Er sollte anerkennen erstens, daß das Land wirklich pleite ist und ohne einen kräftigen Schuldenschnitt, an dem auch die spekulierenden Banken zu beteiligen sind, schon gar nicht überleben kann. Und zweitens sollte er erkennen, daß Griechenland einfach nicht Euro-fähig ist und daher seine Gesundung nur außerhalb des Euro erreichen kann. Oder er müßte sich für permanente deutsche Stützungszahlungen aussprechen, was er vermeidet, weil das auch bei der Wählerschaft der Linkspartei nicht populär ist. Griechenland und Deutschland passen einfach nicht nebeneinander in das Korsett einer Einheitswährung. Und das läßt sich auch nicht einfach durch Konjunkturprogramme beheben. Der von Deutschlands enormen Außenhandelsüberschüssen hochgehaltene Euro-Außenkurs ist für ein Land mit so enormen Außenhandelsdefiziten wie Griechenland einfach stratosphärisch falsch und entsprechend zerstörerisch. Und innerhalb der Eurozone kann das Land nicht abwerten.

Nun übersieht aber Flaßbeck auch noch einen besonders wichtigen Faktor. Die deutschen Niedriglöhne und die entsprechend abgesenkten deutschen Importe von Waren des privaten Verbrauchs schädigen zwar auch griechische Exporte. Doch viel kräftiger schlägt der Verdrängungswettbewerb aus China und anderen Billigstländern auf der griechischen Exportseite, vor allem bei seinen traditionellen und arbeitsintensiven Exportwaren, zu. Und dieser Verdrängungswettbewerb ist nun mal nicht mit den von Flaßbeck vorgeschlagenen Konjunkturprogrammen zu beheben, sondern nur mit handelspolitischen Maßnahmen, die Flaßbeck schon wegen seiner Rolle in der von China abhängigen UNCTAD, für des Teufels hält. Das geht nur, wenn man der chinesischen Währungsmanipulation und dem chinesischen Lohndumping aus Brüssel einen Riegel vorschieben würde, wogegen sich aber nicht zuletzt Deutschland mit Rücksicht auf seinen China-Export wehrt.

Es wäre gut gewesen, wenn sich Flaßbeck wenigstens einmal die griechische Exportstruktur angesehen hätte und dann, wie die Importe von traditionellen griechischen Industriewaren, vor allem Textilien und Lederwaren, durch weit billigere vor allem aus China verdrängt wurden (Abb. 16376). Sie sind seit dem Jahr 2000 nominal nicht mehr gestiegen und real gefallen und haben umso mehr im Verhältnis zum griechischen Gesamtexport verloren.


Schade, hier führt sich Linksaußen in Deutschland mal wieder selbst in die Irre.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/oh5eul - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2440 20-07-11: Angebliches deutsches Jobwunder von 2010 entblättert: Mehr als drei Viertel der neuen Jobs im Niedriglohn- und Leiharbeitssektor mit seit 2000 fallenden Arbeitseinkommen


(bitte auch Startseite besuchen)

Die Arbeitgeber übertragen das Konjunkturrisiko immer mehr auf die Schultern von Leiharbeitern und drücken die Einkommensentwicklung gerade für die untersten Einkommensklassen immer weiter in den Negativbereich. Bei genauer Betrachtung bleibt vom angeblichen deutschen Jobwunder nicht viel übrig.

Von den zusätzlichen Jobs in 2010 waren nach einer neuen Meldung des Statistischen Bundesamts 57 % Leiharbeit, 19 % andere atypische Arbeit und nur weniger als ein Viertel normale Beschäftigung (Abb. 17025).


Dabei nahm die Leiharbeit - im vornehmen Amtsdeutsch als "Arbeitnehmerüberlassung" umschrieben - 2010 um fast ein Drittel zu. Dagegen stagnierte die normale Beschäftigung bei einem schwachen Plus von 0,3 % und nahm bei Männern sogar um 0,3 % ab (Abb. 17098).


Die Ausbreitung des Niedriglohnsektors hat mit dazu beigetragen, daß die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer seit dem Jahr 2000 um rund 3 % gefallen sind (Abb. 14849).


Nach einer neuen Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) durch Markus Grabka vom DIW haben die fünf unteren von 10 Einkommensgruppen zwischen 2000 und 2010 real zwischen 5 % und 22 % (unterste Gruppe) an Einkommen verloren (Abb. 17100, 17101). Nur die oberste Gruppe hat knapp 1 % dazugewonnen und hier dürften die leitenden Angestellten am obersten Ende noch weit mehr dazugewonnen haben.



Innerhalb der Alt-EU haben sich die deutschen Arbeitseinkommen seit dem Jahr 2000 am Ungünstigsten entwickelt (Abb. 17099).


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/n5BtDT - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


global news 2439 19-07-11: Wie Frau Merkel den Euro retten kann und muß

(bitte auch Startseite besuchen)

Der Euro fault gegenwärtig von zwei Seiten. Er leidet unter der ungelösten Frage, wer für die Schulden der Krisenländer aufkommen muß und wie das zu geschehen hat. Dafür gibt es unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, einige sind unvermeidbar, vor allem ein drastischer Schuldenschnitt bei Griechenland und Portugal, verbunden wahrscheinlich mit einem Ausscheiden aus dem Euroverbund, um über eine drastische Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und so die restlichen Schulden bedienen zu können. Auch dazu wird es Beistandszahlungen der übrigen Eurozone für den Wiederaufbau der Banken in Griechenland und Portugal geben müssen, die einen sehr großen Teil ihrer Anlagen in den dann teilweise ausfallenden Staatsanleihen halten und deshalb ohne Hilfe pleite wären.

Doch viel entscheidender für das Überleben des Euros ist, was mit Spanien und Italien passiert. Hier fault nämlich schleichend die andere Seite des Euros weg, und an dieser Stelle ist Frau Merkel besonders gefordert. Sie muß endlich vor das deutsche Volk treten und die verheerenden Mißstände zwischen den Volkswirtschaften von Deutschland einerseits und diesen Ländern, aber auch mit Frankreich, ehrlich ansprechen. Sie muß endlich aufhören, nur populistisch und einseitig die anderen zu beschimpfen, über ihre Verhältnisse zu leben und gar im Verhältnis zu Deutschland zu wenig zu arbeiten und zu früh in Rente zu gehen (was zudem statistisch falsch ist). Sie muß statt dessen erklären, daß ein Land in der gleichen Währung, das wie Deutschland unter seinen Verhältnissen lebt, weil es nur exportieren will und deswegen seit vielen Jahren eine real negative Lohnentwicklung zuläßt, den Euro genauso schädigt. Sie muß dem deutschen Volk sagen, den deutschen Niedriglohnsektor weiter wuchern zu lassen und auf die bei allen Nachbarn üblichen Mindestlöhne zu verzichten, bringt zwar Export, aber nur um den Preis einer Zerstörung der Eurozone oder immer wieder notwendiger massiver Transfers zwischen Überschuß und Defizitländern. Wir exportieren dann, erhalten aber nicht den Gegenwert für die in Deutschland geleistete Arbeit. Das macht keinen Sinn mehr und macht Deutschland immer abhängiger vom Schicksal der Weltmärkte.

Die deutschen Überschüsse mit Spanien, Italien und Frankreich - unseren drei größten Partnern in der Eurozone - sprechen ohnehin eine deutliche Sprache. In den Jahren zwischen 2000 und 2009 ist das kumulierte Leistungsbilanzdefizit von Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Portugal mit Deutschland auf 567 Mrd Euro dramatisch angestiegen (Abb. 14237, 16375). Dabei sind deren Leistungsbilanzen auch mit dem Rest der Welt durch die größere Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Export und die Verteuerung von Energie- und Rohstoffpreisen auf der Einfuhrseite erheblich unter Druck geraten. Auch haben diese Länder mit ihren traditionellen, arbeitsintensiven Industrien weit mehr unter der chinesischen Billigpreislawine leiden müssen als Deutschland.



Über die Kapitalbilanzen sind zum Ausgleich vor allem deutsche Kredite geflossen. Die deutschen Banken sitzen inzwischen auf einem Berg von Krediten an die Regierungen, Banken und Unternehmen Italiens, Spaniens, Griechenlands und Portugals von 292 Mrd Euro oder mehr als dem Doppelten ihres Kernkapitals. Allein mit Frankreich sind es weitere 155 Mrd Euro. Weitere Forderungen in enormer Höhe halten die EZB aus eigenen Krediten und Wertpapieraufkäufen sowie die Bundesbank aus dem Haftungsverbund im Eurosystem nach Stützungskrediten der Notenbanken in den Krisenländern an ihre Banken.

Deutschland darf nicht länger unter seinen Verhältnissen leben. Das muß endlich offen ausgesprochen werden, und zwar von der Regierungsspitze, bevor es zu spät ist. Dazu sind konkrete Schritte, wie die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, die Beendigung der gesetzlichen Erleichterungen für Leiharbeit, ein Umdenken der deutschen Arbeitgeber bei der Lohnpolitik, eine Abschaffung der die Furcht vor Armut im Alter befördernden Minirenten durch staatliche Zuzahlung und vieles mehr entscheidend. Dann wird Deutschland endlich den Verbrauch seiner privaten Haushalte wieder hochfahren und in der Folge auch mehr von seinen Europartnern importieren. Bis sich die Wettbewerbsverhältnisse mit Spanien und Italien besser angeglichen haben, wird Deutschland billigere Euroanleihen zur Finanzierung der Ungleichgewichte zulassen müssen.

Zudem wird ein Teil der Billigstkonkurrenz aus Asien handelspolitisch abgebremst werden müssen, weil die die Wettbewerbsfähigkeit der Länder an der Europeripherie besonders unfair belastet.

Sonst ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Euro von einer der beiden Seiten durchgefault ist.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/oESxr5 - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Grafik-Datenbank" - ist im August 2010 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-405-9). Zur Bestellung hier.