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Reihe 82 ab 13-03-11 ... ...

(2367) Die EZB und die Bekämpfung der Inflation

(2366) Haben wir nun Inflation? Albrecht Müller (Nachdenkseiten) verharmlost die Preisentwicklung, warum?

(2365) OECD: Deutschland Spitzenplatz in Entwicklung der Einkommens-Ungleichheit

(2364) Der Bundeswirtschaftsminister spielt wieder den Lobbyisten: "Arbeitnehmerfreizügigkeit - Chance für Deutschland"

(2363) Neue vergleichende OECD-Analyse zur Familienpolitik: Warum die deutsche scheitern muß

(2362) Peer Steinbrücks Globalisierungslüge

(2361) Griechenland ist abgebrannt

(2360) Inflation und Einzelhandelsumsatz: Die Deutschen gehen bei negativer Entwicklung der Verdienste auf der Einkaufsbremse

(2359) Wenn der Bundeswirtschaftsminister unter der weit überzogenen Schlagzeile "Der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt ist nicht zu stoppen" triumphiert

(2358) Deutschland, Niedrigstlohn-Paradies (für Arbeitgeber) und -hölle (für Arbeitnehmer) in Europa

(2357) Die Deutsche Bank mit Tochter Postbank hängt tief im Griechenlandmorast

(2356) Noch eine große Verharmlosung vom Arbeitsmarkt: Offene Grenzen für Billigstarbeitskräfte aus Osteuropa angeblich ohne Risiken und voll im deutschen Interesse

(2355) Volkskrankheit Depression

(2354) Erste Warnungen vor einer Überschuldung der USA

(2353) Deutsche Staatsschuldenquote seit 1991 von 39 % auf 83 % des BIP mehr als verdoppelt

(2352) Wie China die deutsche Inflation für Lebensmittel, Energie und Rohstoffe hochtreibt

(2351) Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Februar 2011: Immer noch 4,0 % unter 2008, Stundenlohn weiter sinkend

(2350) Großhandelspreise steigen mit Rekordgeschwindigkeit

(2349) Wie der Euro wird zum Sprengsatz Europas wird: Die nächste Tretmine bei Spanien?

(2348) Weiter hohe Zahl an Verbraucherinsolvenzen

(2347) Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft: Die Menschen glauben immer weniger daran

(2346) Die deutschen Banken schwächeln weiter

(2345) Das Trauerspiel vom Euro: Konkursverschleppung zu Lasten der "kleinen Leute" und noch kein Ende in Sicht

(2344) Das Ozon-Loch gibt keine Ruhe

(2343) Am Fuße des deutschen Pflegeberges: Verdoppelung über 40 Jahre

(2342) Vom schädlichen Reichtum in Deutschland

(2341) Deutschland wird ein Land von alternden Einzel- oder Doppelgängern

(2340) Der schädliche einseitige Reichtum in Deutschland

(2339) Die deutschen Verbraucher haben kein Vertrauen und viele kein Geld zum Einkaufen

(2338) Der amerikanische Immobilienmarkt stürzt immer mehr ab und damit auch die Anlagen deutscher Banken

(2337) Konsumklima-Umfrage: Die Gesellschaft für Konsumforschung rudert zurück

(2336) Die eingeschleppte Inflation

(2335) Reallöhne im 4. Quartal 2010: Schon wieder Irreführung durch das Statistische Bundesamt

(2334) Und wieder eine verlogene SPIEGEL-Breitseite für die Euro-Politik der Bundesregierung

(2333) Es muß schlimm stehen um Merkels-Europolitik: Noch eine Propaganda-Breitseite von Spiegel-online für den Euro

(2332) Wenn die reformfreudigen Kräfte in Nordafrika nicht die Oberhand gewinnen, hat die Europäische Union in wenigen Jahren ein gewaltiges Problem

(2331) Wenn ein Vorstandsmitglied 84-mal mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verdient

(2330) Jetzt machen die Regierungsmedien, wie der SPIEGEL, mit grober Falschpropaganda auf Euro-Optimismus

(2329) Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Januar 2011: Stagnierend immer noch 4,4 % unter 2008, Stundenlohn sinkend

(2328) Neue Daten von Eurostat: Deutschland setzt Euro-zerstörerischen Niedriglohnwettbewerb fort

(2327) Zum Problem alternder KKWs und dem Ablaßhandel der Regierungen

(2326) Die Kanzlerin arbeitet in Verteidigung der Eurohilfen mit gezinkten Argumenten




global news 2367 04-05-11: Die EZB und die Bekämpfung der Inflation

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Derzeit wird viel diskutiert, ob die EZB ihre Rolle zur Bekämpfung der Inflation ausreichend durchführt oder ob hier zu viel Rücksicht auf die Eurozonen-Krisenländer oder die Banken genommen wird. In Nachdenkseiten kritisiert dagegen Albrecht Müller SPIEGEL-online für eine Analyse, weil sie von "hoher Inflation" spricht und vermutet, das "könnte PR zu Gunsten der Europäischen Zentralbank sein, die die nächste Zinserhöhungsrunde vorbereiten will. Es sei nicht auszuschließen, dass die EZB für eine solche Stimmungsmache zu Gunsten ihrer geplanten Entscheidung direkt oder indirekt Geld bezahlte."

Doch muß man die gesamte Situation in der Eurozone ins Auge fassen, für die die EZB Verantwortung trägt. Tatsächlich lag im März 2011 im Vorjahresvergleich die harmonisierte Verbraucherpreissteigerung bereits in 7 von 12 Ländern über 3 % und in zweien davon sogar über 4 % (Abb. 17058, 16049). Ausgerechnet Griechenland und Portugal, die wegen der dortigen Rezessionen besonders geringe Inflationsraten haben sollten, verzeichneten 3,9 % und 4,3 %. Daher ist in 11 von 12 Eurozonenländern der EZB-Notenbank-Zins derzeit real negativ und dürfte die Inflation eher antreiben als bremsen.




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global news 2366 03-05-11: Haben wir nun Inflation? Albrecht Müller (Nachdenkseiten) verharmlost die Preisentwicklung, warum?

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Albrecht Müller am 29. April in Nachdenkseiten unter der Überschrift: "Wir sind von Ignoranten umstellt - oder eben von professionellen PR-Journalisten":

"Heute um 11:57 Uhr werden wir von Spiegel Online mit der Meldung überrascht, wir hätten eine "Hohe Inflation". 2,4 % Preissteigerung nennt der Spiegelautor Böll eine Inflation, und noch dazu eine "hohe". Er tut dies, obwohl er gleichzeitig schreibt, dass diese 2,4 % vor allem wegen der "hohen Energiekosten" erreicht werden. Wer in einem solchen Fall von Inflation spricht, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder er arbeitet im Interesse anderer Interessenten und nicht seiner Leser.

2,4 % und noch dazu im Wesentlichen durch Energiepreissteigerungen bedingt - das kann man auch im dümmsten Falle nicht Inflation nennen. So schlecht ausgebildet kann man eigentlich nicht sein, eine solche Rate mit dem Alarmwort "Inflation" zu bezeichnen. Also bleibt nur die Vermutung, dass hier PR- und Lobbyarbeit betrieben wird.

Im konkreten Fall kann man dem Autor und seiner Schreiberei gleich mehrere Interessenten zuordnen:

Erstens: Es könnte PR zu Gunsten der Europäischen Zentralbank sein, die die nächste Zinserhöhungsrunde vorbereiten will. Es ist nicht auszuschließen, dass die EZB für eine solche Stimmungsmache zu Gunsten ihrer geplanten Entscheidung direkt oder indirekt Geld bezahlt.

Zweitens wäre diese Zinserhöhung im Interesse aller, die über Geldvermögen verfügen.

Drittens ist diese Propaganda im Sinne der Arbeitgeber, weil mal wieder der Eindruck verbreitet wird, der Kampf um höhere Löhne lohne sich nicht. Und mit dem Hinweis auf die angebliche Inflation kann man jegliche Forderung für eine expansive Wirtschaftspolitik zurückweisen.

Viertens ist diese Inflationspropaganda im Interesse der Produzenten und Verkäufer von Edelmetallen."

Das ist alles ziemlich oberflächlich und geht an den Problemen vorbei. Ignorant ist hier leider wieder einmal Albrecht Müller mit seinen Nachdenkseiten. Er selbst scheint die Tassen nicht im Schrank zu haben, die er bei Anderen vermißt. Denn einerseits zählt bei der Verbraucherpreisentwicklung nun mal die Tendenz und die ist deutlich seit vielen Monaten kräftig nach oben gerichtet, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Auch Albrecht Müller wird es nicht sehen können. Und andererseits ist die Preisentwicklung mit der Entwicklung der Löhne und Gehälter sowie der Renten zu vergleichen, um deren realen Auswirkungen beurteilen zu können.

So lagen nach den letzten Daten des Statistischen Bundesamts im Januar 2011 die Tarifverdienste nominal nur um 0,9 % über dem Vorjahr also weit unter der Inflationsrate (Abb. 14052). Die tariflichen Stundenlöhne sind nun bereits seit Januar 2010 real im Rückgang und liegen nur um 1,7 % über dem Stand von vor 6 Jahren.


Vor diesem Hintergrund trifft die Inflation gerade die sozial Benachteiligten, die hohe Anteile ihres knappen Einkommens auf den Verbrauch ausgeben müssen, und viel weniger die mit den hohen Geldvermögen, zu deren Gunsten Müller Aktionen der EZB erwartet. Die wirklich Geldvermögenden setzen viel geringere Teile ihres Vermögens im inflationsbetroffenen Verbrauch ein und legen es im Übrigen in Aktien und ähnlich profitablen Werten an und entgehen so der Inflation viel besser als die Nichtvermögenden, die sehr viel höhere Anteile ihres Einkommens per Verbrauch der Inflation aussetzen müssen.

Außerdem steigen die Lebensmittelpreise, die Müller aus sozialen Gründen besonders am Herzen liegen sollten, sogar noch etwas stärker als die allgemeine Teuerung (Abb. 17030). Es sind also nicht nur die Energiepreise.


Eine Rekordsteigerungsrate erreichten im März mit 10,9 % im Vorjahresvergleich vor allem die Großhandelspreise. Einen solchen Anstieg verzeichneten sie bisher nur einmal, nämlich im Oktober vor 20 Jahren. Doch jetzt ist es wieder so weit (Abb. 17015). Dabei stiegen sie allein im März gegenüber Februar 2011 mit einer Jahresrate von 15,6 %. Und die Großhandelspreise übertragen sich mit der Zeit mindestens teilweise in den Einzelhandel hinein.


Auch der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lag im März 2011 um 6,2% höher als im März 2010. Dabei waren die Preissteigerungen für Energie mit 10,5 % für gut die Hälfte der gesamten Jahresveränderungsrate verantwortlich. Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise im März 2011 immer noch um 4,4% höher als im März 2010. Nahrungsmittel waren 6,6% teurer als im Vorjahresmonat. Dabei kosteten Butter und andere Fettstoffe aus Milch gigantische 41,5 % mehr als ein Jahr zuvor und stiegen allein gegenüber dem Vormonat Februar 2011 um 8,7 %. Milch war 9,2 % teurer; die Preise für Frucht- und Gemüsesäfte kletterten um 34,8 %, für Kaffee um 17,4 %. Die Erzeugerpreise sind damit längst über das Vorkrisenniveau gestiegen (Abb. 14717). Auch sie beeinflussen die Zukunft der Einzelhandelspreise.


Alle diese Daten hätte Müller leicht recherchieren können, statt mit Unterstellungen böser Absichten bei den wegen dieser Entwicklung Besorgten zu arbeiten. Aber das wäre wohl zu viel Arbeit gewesen. Was er da betreibt, ist Verdummung pur. Es macht keinen Sinn, in jeder Medienmeldung gleich eine Verschwörung zu wittern. Man wünschte sich von Nachdenkseiten seriösere Arbeit und echte Aufklärung. Und schließlich: Die Edelmetallspekulation findet weltweit statt und ist wirklich nicht von SPIEGEL-Online abhängig.


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global news 2365 03-05-11: OECD: Deutschland Spitzenplatz in Entwicklung der Einkommens-Ungleichheit

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Die OECD hat neue statistische Daten über die Entwicklung zwischen 1985 und 2008 veröffentlich. Sie zeigen, daß die Einkommensdiskrepanz zwischen der Entwicklung im untersten und im obersten Zehntel nirgends so stark zugenommen hat wie in Deutschland, wo das oberste Zehntel sein durchschnittliches Haushaltseinkommen real, also nach Abzug der Verbraucherpreisinflation, 16-mal stärker als das unterste Zehntel steigern konnte (Abb. 15670), auch wenn das auf einem relativ geringen Gesamtniveau an Einkommenssteigerung stattfand (Abb. 15671). Vor allem ist in diesem Zeitraum das Haushaltseinkommen des untersten Zehntels mit einem äußerst schwachen Plus von 0,1 % praktisch nicht mehr gewachsen. Das war neben Japan die niedrigste Zuwachsrate am untersten Rand.


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global news 2364 02-05-11: Der Bundeswirtschaftsminister spielt wieder den Lobbyisten: "Arbeitnehmerfreizügigkeit - Chance für Deutschland"

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Brüderle zur Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011:

"Daß die Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011 für 23 der 25 EU-Mitgliedstaaten gilt, ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zu einem wirtschaftlich zusammenwachsenden Europa. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union eröffnet Deutschland Chancen. Schon heute haben viele Branchen mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen, Stellen für qualifizierte Mitarbeiter bleiben unbesetzt.

Zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs müssen wir zweigleisig fahren: Einerseits müssen wir unsere heimischen Potenziale besser nutzen, indem wir zum Beispiel Frauen besser in das Erwerbsleben einbinden, Bildungsangebote für junge Menschen stärken oder die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse von Menschen mit Migrationshintergrund verbessern. Andererseits brauchen wir Zuwanderung in Qualität aus dem Ausland. Dass wir unseren Arbeitsmarkt ab dem 1. Mai 2011 weiter öffnen, leistet hierzu einen Beitrag.

Unser Ziel ist, daß Deutschland zum hochattraktiven Standort für ausländische Fachkräfte wird. Wir müssen die Zuwanderungsbedingungen für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland verbessern, zum Beispiel indem wir die Einkommensgrenzen weiter absenken. Nur mit ausreichenden und qualifizierten Fachkräften kann unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig bleiben und ihr hohes Wachstums- und Beschäftigungsniveau auch in Zukunft halten."

Das ist natürlich alles neoliberaler Unsinn. Was tut denn der Bundeswirtschaftsminister zu der von ihm geforderten besseren Einbindung von Frauen ins Erwerbsleben? Nichts! Gar nichts! Weder tritt er für Mindestlöhne ein, die vor allem Frauen zugute kämen. Noch will er die von den Bundesregierungen gesetzlich eingeführte Vorfahrt für unsichere und schlechtbezahlte Leiharbeit beenden, eine diskriminierende Frauenspezialität. Noch fordert er ein Ende der Lohndiskriminierung der Frauen generell, obwohl Deutschland hier zusammen mit Österreich die Alt-EU anführt (Abb. 14224).


Wenn er die gesetzliche Einkommensgrenze für die Zuwanderung von Hochqualifizierten von jenseits der EU, die derzeit bei 63.600 Euro pro Jahr liegt, weiter absenken will, will Brüderle dann auch die Einkommen deutscher Hochqualifizierter per Wettbewerb drücken? Wessen Interessen vertritt er eigentlich, außer natürlich denen der Lobby?


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global news 2363 01-05-11: Neue vergleichende OECD-Analyse zur Familienpolitik: Warum die deutsche scheitern muß

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Die deutsche Familienpolitik scheitert seit Jahrzehnten. Hier gibt es ein sehr einfaches Erfolgskriterium: die Zahl der Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter. Sie begann in W-Deutschland nach einem kleinen Zwischenhoch ihren Abstieg schon in 1980 und ist bereits seit 1992 unter 1,4 Kinder pro Frau gefallen (Abb. 14806). Bei der derzeitigen Rate von 1,36 halbiert sich die Zahl der Nachgeborenen schon über zwei Frauengenerationen. In Westeuropa wird die deutsche Geburtenrate nur noch von Portugal unterboten.


Bei den Erklärungsversuchen hilft jetzt eine neue vergleichende Studie der OECD zur Familienpolitik mit einer Reihe überraschender Ergebnisse. Vor allem zeigt sich, daß die in Deutschland besonders ausgeprägte Benachteiligung der Frauen in der Arbeitswelt eine hohe Verantwortung für die schlechte Geburtenrate trägt.

Je höher die akademische Bildung einer Frau desto wahrscheinlicher ist es, daß sie ihren Kinderwunsch aufschiebt. Denn Kinder gehen in Deutschland häufig zulasten der Karriere und der finanziellen Ausstattung einer Frau. Vergleicht man eine Frau mit erwachsenen Kindern mit einer kinderlosen Frau in einem ähnlichen Beruf, dann kommt die Mutter auf weniger als die Hälfte des Lebensgehaltes der Frau ohne Kind.

In den meisten Ländern, vor allem den skandinavischen, hat in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren ein viel höherer Anteil von Frauen als von Männern Hochschulausbildung (Abb. 15664). Nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das nicht der Fall. Diese Situation trägt zu den geringeren Einkommen der Frauen bei.


Deutschland ist auch das einzige OECD-Land, dessen Steuersystem in Familien mit Kindern Alleinverdiener bevorzugt. Das benachteiligt mitarbeitende Frauen.

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global news 2362 30-04-11: Peer Steinbrücks Globalisierungslüge

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Steinbrück, nun im politischen Ruhestand, wird Sachbuchautor. Mit seinem Buch "Unter dem Strich" will er uns auf fast 500 Seiten klarmachen, wie ernst die Lage ist und wie wir uns anstrengen müssen, um unseren Lebensstandard, unsere Sozialstaatlichkeit und unsere freiheitlich-demokratische Ordnung zu erhalten. Doch Steinbrück, der Mahner, beginnt mit der Lebenslüge deutscher Politik, die besonders in der SPD grassiert. Man könne wegen der Globalisierung nicht mehr leisten, was die Bürger von der Politik erwarten und auch von einem Steinbrück erwartet haben. Viele der Steuerungsknöpfe, an denen Politiker früher hätten drehen können, lägen nun nicht mehr im nationalstaatlichen Zuständigkeitsbereich. Sie seien im Zuge der europäischen Integration bewußt an die EU abgegeben worden oder seien uns ohne Einverständnis im Zuge der voranschreitenden Globalisierung abgeschraubt worden.

Schon seit längerer Zeit pflegen sich deutsche Politiker hinter der Globalisierung, angeblich ohnmächtig, zu verstecken. Beispielsweise hat Erhard Eppler davon gesprochen, daß sich die Gestaltungsmöglichkeiten für Politik durch die Globalisierung der Märkte dramatisch verringert hätten und Politiker gar nicht mehr das leisten könnten, was die Bürger von ihnen erwarten. Oder Gerhard Schröder als Bundeskanzler: "Man darf ja nicht darüber hinwegsehen, daß die Globalisierung uns zu bestimmten Maßnahmen zwingt ". Oder der frühere Bundespräsident Köhler: "Die Welt ist in einem tief greifenden Umbruch. Wer hier den Zug verpaßt, bleibt auf dem Bahnsteig stehen". Auch der frühere Brüsseler Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) argumentierte ähnlich: "Wir müssen unsere Volkswirtschaften bewußt dem Wettbewerb aussetzen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in billiger produzierende Länder ist nicht mehr aufzuhalten." Mit der Ohnmacht in Sachen Globalisierung wurden schließlich die tief in das soziale Netz einschneidenden Schröder'schen Reformen in Deutschland begründet. Diesen Gesetzen hat das Land Nordrhein-Westfalen unter seinem Ministerpräsidenten Steinbrück natürlich zugestimmt.

Was Steinbrück da alles an nationaler und Steinbrück'scher Verantwortung unterschlägt und auf die fremde Kraft "Globalisierung" abschiebt, ist enorm. Deutschland, auch mit dem NRW-Ministerpräsidenten und späteren Bundesfinanzminister Steinbrück hat Jahr für Jahr die neoliberale Globalisierung in Brüssel, der Welthandelsorganisation (früher GATT), dem Internationalen Währungsfond und vielen anderen globalen Organisiationen in vorderster Linie angeschoben. Deutschland war immer in der ersten Reihe der Befürworter des Aufreißens der Märkte, gleich ob es um eine möglichst schnelle Erweiterung der EU ging, ohne wenigstens einen Riegel gegen Steuerdumping vorzuschieben. Oder um die Aufnahme der Staatswirtschaft Chinas in die eigentlich nur für Marktwirtschaften geschaffene liberale Welthandelsorganisation trotz der bekannten Dumpingpraktiken unter Kontrolle der kommunistischen Partei Chinas. Deutschland war auch in der ersten Reihe der EU-Integration mit der bewußten Abgabe von Steuerungsknöpfen an die demokratisch nicht kontrollierte EU-Kommission, von der man neoliberale Politik erwarten konnte. Die Globalisierung wurde also auch in Deutschland von deutschen Politikern à la Steinbrück gemacht. Sie ist nicht zufällig und an der deutschen Politik vorbei über uns gekommen, wie uns Steinbrück glauben machen will.

Steinbrück will uns insbesondere die lange Geschichte unermüdlicher Anstrengungen von SPD-Finanzministern zur Liberalisierung des deutschen Finanzmarkts nach globalem neoliberalem Vorbild vergessen lassen - eine Geschichte von Eichel bis Steinbrück und bis zur Krise der Finanzmärkte und der von Steinbrück miserabel beaufsichtigten deutschen Banken. In einer Dokumentation des Bundesfinanzministeriums unter dem Titel: "Das Ziel fest im Blick: Konsequente Schritte in eine erfolgreiche Zukunft für den Finanzmarkt Deutschland in Europa" vom August 2005 wurde stolz berichtet:

"Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren wichtige Stufen erklommen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Finanzplatz Deutschland in Europa und der Welt. Entschlossene Reformen und Veränderungen waren notwendig - für die Finanzwirtschaft und für die Bürgerinnen und Bürger. Die gewaltigen Potenziale des deutschen Finanzmarktes müssen als Motor für Wachstum und Beschäftigung der Volkswirtschaft vollständig ausgeschöpft werden. Die Kreditwirtschaft ist einer der bedeutendsten Bereiche der deutschen Volkswirtschaft. Mit der Agenda 2010 hat die Bundesregierung ein umfassendes Reformprogramm aller Politikbereiche gestartet. Darin eingebettet findet sich auch ein Konzept zur Förderung des Finanzmarktes: Der Finanzmarktförderplan 2006, den Bundesminister Eichel im März 2003 vorgestellt hat, sowie das 10-Punkte-Programm zur Stärkung des Anlegerschutzes und der Unternehmensintegrität."

Und wir sollen Steinbrücks Abteilungsleiter für Geld und Kredit Jörg Asmussen und dessen verhängnisvolle Rolle bei der Einführung der Verbriefungen in Deutschland vergessen, die er sicher nicht ohne Steinbrücks Wissen und Unterstützung ausgeübt hat. Zu diesen Papieren gehörten die gefährlichen Suprime Hypothekenpapiere, an denen die deutschen Banken und am Ende die Steuerzahler noch heute schwer leiden. Asmussen schrieb 2006 und also zu Steinbrücks Finanzministerzeiten in der Zeitschrift für das Kreditwesen unter dem Titel "Verbriefungen aus Sicht - des Bundesfinanzministeriums":

"Dabei sollte nicht nur Kapital für Investitionen in deutsche Unternehmen und Infrastruktur günstig mobilisiert werden können, sondern auch eine tiefere Fertigung von Finanzdienstleistungen am Standort Deutschland erfolgen. Moderne Kapitalmarktgesetze helfen zudem den Banken, die ihr Geschäftsmodell allmählich auf ein aktives Management ihrer Portfolien umstellen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat das Bundesfinanzministerium in der Vergangenheit viele Initiativen ergriffen und an vielen Stellen den Kapitalmarkt modernisiert. Dabei war uns stets wichtig, dass sich auch der Markt für Asset Backed Securities (ABS) in Deutschland stärker als bislang entwickelt. Für andere EU-Mitgliedstaaten und für die europäischen Kapitalmärkte ist der ABS-Markt mit seiner Dynamik und Vielseitigkeit geradezu zu einem prägenden Element geworden. Allmählich scheinen aber auch in Deutschland die gemeinsamen Bemühungen der Politik und der Kreditwirtschaft die erwarteten Früchte zu tragen."

Und weiter:

"Dabei liegt es auch im wohlverstandenen eigenen Interesse des deutschen Fiskus, die günstigen Konditionen des internationalen ABS-Marktes zu nutzen. Die Bundesregierung strebt mit der Modernisierung des Public-Private-Partnership-Rechts an, zukünftig den Kapitalmarkt stärker als bisher zur Finanzierung der dringend notwendigen öffentlichen Infrastrukturinvestitionen zu nutzen. Von daher ist es nur folgerichtig, wenn im Koalitionsvertrag die nächsten Reformschritte für den deutschen Verbriefungsmarkt eingeläutet werden, zumal nach vielfältigen Expertenrunden zwischenzeitlich Klarheit besteht, daß mit keinen steuerlichen Mindereinnahmen zu rechnen ist, wenn im breiten Umfange die Möglichkeiten des internationalen ABS-Marktes in Deutschland zur Finanzierung der Wirtschaft genutzt werden. Das BMF verändert - soweit erforderlich und machbar - die Rahmenbedingungen für den deutschen Verbriefungsmarkt Stück für Stück. Wir beobachten die Märkte intensiv, stehen im engen Dialog mit den Marktakteuren, registrieren Veränderungen und justieren, wenn notwendig, um die Weichen für die bestmögliche Marktentwicklung frühzeitig zu stellen. Es geht dabei um schwierige Fragen und wir benötigen für die einzelnen Schritte einen breiten Konsens und Verständnis bei den politischen Akteuren. Entscheidend sind aber der Wille zur Veränderung und die notwendige Hartnäckigkeit, wenn es um deren Umsetzung geht."

Schließlich Asmussen in einer anderen öffentlichen Schrift:

"Seitens des BMF wird im Umsetzungsprozess der Basel II-Regeln für ABS vor allem auch darauf geachtet werden, dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen werden, wenn sie in "gängige" ABS-Produkte mit gutem Rating investieren."

Zur Erinnerung: ABS sind Asset Backed Securities oder Verbriefungen, die mit einem Protfolio von Vermögenswerten unterlegt sind. Dazu gehören vor allem die miesen amerikanischen Hypothekenpapiere, an denen weltweit die Banken zu ersticken drohten und von den Steuerzahlern, auch den deutschen, mit Milliarden gerettet werden mußten. So wurden denn unter Steinbrück die deutschen Banken wegen des guten Ratings solcher miesen Papiere offensichtlich davon befreit, die ABS besonders zu prüfen.

Asmussen wurde dann noch nach Ausbruch der Krise von Steinbrück zu seinem Staatssekretär befördert. Über Asmussen war Steinbrück übrigens auch in die milliardenschwere Misere bei der IKB oder bei der HRE engstens involviert. Auch dieses Versagen hatte mit der Globalisierung wenig zu tun.

Ebenso waren die Hartz-4-Einschnitte ins soziale Netz von keiner Globalisierung erzwungen worden, sondern waren das besondere Werk deutscher Politiker von Schröder bis Steinbrück. Damit setzte sich Deutschland in Europa an die Spitze der neoliberalen Entwicklung.

Keine Globalisierung hat Steinbrück gezwungen, in seinem Amt so schrecklich zu versagen. Es wäre ehrlicher, wenn er die eigene Verantwortung akzeptieren würde, statt von Globalisierung zu schwafeln. Doch dazu sind deutsche Politiker wohl in aller Regel unfähig.


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global news 2361 29-04-11: Griechenland ist abgebrannt

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Unter den Eurokrisenländern ist die Lage Griechenlands besonders prekär. Seine 10-Jahres-Staatsanleihen wurden an den Finanzmärkten bereits so stark abgewertet, daß der Zinssatz nun rund 16 % entspricht (Abb. 16119), bei Staatsanleihen mit noch 2 Jahren Laufzeit sogar um die 26 % (Abb. 16664), womit der Markt eine Abschreibung um 30 % bereits vorwegnimmt.



Capital Economics schätzt einen Anstieg der griechischen Verschuldungsrate auf 175 % des BIP in 2013. Selbst bei dem günstigen Zinssatz von Eurorettungsschirm und IWF würde bei weiterer Kreditaufnahme aus dem Rettungspaket - wenn sie denn möglich wäre - allein der jährliche Zinsendienst noch bis 9 % der Wirtschaftsleistung ansteigen, so die Berechnungen der Deutschen Bank. Er allein würde dann jedes Jahr 27 % der griechischen Steuereinnahmen auffressen (gegenüber 9,5 % im Durchschnitt der Eurozone). Nach einer neuen Untersuchung von Citi-Bank hat bisher kein Land mit einer Verschuldungsrate von über 150 % eine Umschuldung vermeiden können. Um die griechische Verschuldung in eine tragfähige Größenordnung von 60 % zurückzubringen erwartet Citi eine Foderungsabschreibung von 76 % des Nominalwertes oder von 95 %, falls die Umschuldung weitere vier Jahre verschoben würde (Abb. 16665).


Auch die Haushaltslage Griechenlands wird wegen der abstürzenden Wirtschaft immer schwieriger. Im vergangenen Jahr betrug das Defizit 10,5 % des BIP. Im 1. Quartal 2011 waren 5,6 % mehr Steuereinnahmen eingeplant, doch am Ende waren es 9,2 % weniger.

Weiterlesen im kommenden Wochenbrief "Nach der Bankenpleite nun Staatenpleiten: Die leichtfertig unlimitierte Bankenrettung fordert einen hohen Preis" mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


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global news 2360 29-04-11: Inflation und Einzelhandelsumsatz: Die Deutschen gehen bei negativer Entwicklung der Verdienste auf der Einkaufsbremse

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Alle die schönen Projektionen der Bundesregierung und der Wirtschaftsforschung setzen auf ein Anspringen der deutschen Binnenkonjunktur. Doch angesichts steigender Preise gehen die Deutschen auf die Sparbremse. So stürzte der Einzelhandelsumsatz nach den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts für März um 3,5 % gegenüber Vorjahr ab (Abb. 04943).


Besonders bei Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren wird gespart. Hier betrug der Rückgang 4,8 % (Abb. 17076).


Diese Entwicklung straft die optimistischen Aussagen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) immer mehr Lügen (Abb. 14696).


Der Rückgang des Einzelhandelsumsatzes folgt dem realen Einbruch der Massenkaufkraft. Im Januar 2011 lagen die Tarifverdienste nominal nur um 0,9 % über dem Vorjahr, während die Inflation bei 2,0 % angekommen war, also ein realer Verlust von 1,1 % (Abb. 14052). Die tariflichen Stundenlëhne sind nun bereits seit Januar 2010 real im Rückgang und liegen nur um 1,7 % über dem Stand von vor 6 Jahren (Abb. 17077). Dagegen sind die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um mehr als das Fünffache gestiegen. Das zeigt sehr deutlich die Verhandlungsschwäche der Gewerkschaften.



Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, zu dem unter anderem die stark exportabhängigen Branchen Chemische Industrie, Metallindustrie und Maschinenbau gehören, lagen die Tarifverdienste im Januar 2011 nur um 0.5 % über dem Niveau von Januar 2010 (real minus 1,5 %) . Dabei entwickeln sich die außertariflichen Arbeitseinkommen noch weit schlechter und geht die Tarifbindung der Unternehmen immer mehr zurück. In W-Deutschland sind nur noch 56 % der Unternehmen tarifgebunden, in O-Deutschland nur noch 38 % (Abb. 17018).



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global news 2359 28-04-11: Wenn der Bundeswirtschaftsminister unter der weit überzogenen Schlagzeile "Der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt ist nicht zu stoppen" triumphiert

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Der Bundeswirtschaftsminister triumphiert unter der Schlagzeile "Der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt ist nicht zu stoppen":

"Der Frühlingsaufschwung treibt den Arbeitsmarkt zu neuen Bestmarken. Die gute Konjunktur, verstärkt durch die Frühjahrsbelebung, sorgt dafür, dass die Zahlen für die Erwerbstätigkeit weiter in die Höhe gehen; die Arbeitslosigkeit nimmt erneut spürbar ab. Besonders erfreulich ist, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung so stark steigt. 700.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als vor einem Jahr sind ein stolzes Zeugnis unseres anhaltenden Beschäftigungsaufschwungs. Alle Zeichen am Arbeitsmarkt stehen weiter auf grün. Die Wirtschaftspolitik darf sich aber trotz der hervorragenden Zahlen nicht ausruhen. Um dem Aufschwung langfristig zu sichern, wird es immer wichtiger, die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte zu erleichtern. Eine schnelle und sachgerechte Lösung für den zunehmenden Fachkräftemangel hilft uns allen."

Was berechtigt an den Arbeitsmarktzahlen eigentlich zu solchem Triumphalismus? Oder wird hier nur versucht, davon abzulenken, daß die Zuwanderung von hunderttausenden Billigstarbeitskräften aus den osteuropäischen Beitrittsländern unmittelbar bevorsteht?

Tatsächlich herrscht mit immer noch mehr als 3 Millionen gezählten Arbeitslosen weiterhin Massenarbeitslosigkeit. Und von den 5,6 Millionen Arbeitslosengeldempfängern werden nur wenig mehr als die Hälfte tatsächlich als arbeitslos gezählt (Abb. 04980). Allein rund eine Million Menschen wurden in die Kunst-Kategorie der "Unterbeschäftigung" abgeschoben, nicht viel besser als die Arbeitslosigkeit, und hier ist deren Zahl trotz des Frühjahres nicht unter den Wert gefallen, der im letzten Quartal des vergangenen Jahres verzeichnet wurde und ist im April sogar wieder leicht gestiegen (Abb. 17076). Und während die amtlich eingeräumte Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 321 Tausend niedriger ist, stieg die unsichere und sehr oft schlecht bezahlte Leiharbeit um 178 Tausend oder anders ausgedrückt: weit mehr als die Hälfte des angeblichen Abbaus an Arbeitslosigkeit geht auf das Konto der diskriminierender Leiharbeit.



Der angeblich nicht zu stoppende Aufwärtstrend besteht zum Teil aus statistischen Tricks, die die Arbeitslosigkeit verkleinern und dazu natürlich aus dem saisonalen Effekt, den sich der Wirtschaftsminister wirklich nicht zugute rechnen kann. Tatsächlich ist selbst die wie beschrieben heruntermanipulierte Arbeitslosigkeit saisonal bereinigt im April nur um 37.000 oder wenig mehr als 1 % zurückgegangen. "Big deal!" würden die Briten das schmunzelnd nennen.


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global news 2358 28-04-11: Deutschland, Niedrigstlohn-Paradies (für Arbeitgeber) und -hölle (für Arbeitnehmer) in Europa

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Die Zahl der Minijobs ist von 5,5 Millionen Ende März 2003 auf über 7,4 Millionen im 3. Quartal 2010 erheblich angestiegen (Abb. 17072). Der größte Teil der Zunahme entfiel auf Minijobs als Nebenbeschäftigungen, deren Zahl sich zwischen März 2003 und dem 3. Quartal von knapp 1,16 auf 2,5 Millionen mehr als verdoppelt hat.


Nach einem Gutachten des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen für das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie vom Januar 2011 war in manchen Branchen die Zunahme der Minijobs noch erheblich ausgeprägter. So hat sich im Hotel- und Gastgewerbe die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zwischen 2000 und Ende 2008 insgesamt fast verdoppelt, und die Steigerungsrate bei den Nebenjobs lag sogar bei 474%. Fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Gastronomie ist inzwischen ein Minijob. Eine ähnliche Relation gibt es auch in der Gebäudereinigung. Eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, daß inzwischen mehr als jedes fünfte Arbeitsverhältnis ein Minijobs ist (20,6%).

Die Minijobs sind am unteren Ende weitgehend deckungsgleich mit dem Begriff "working poor" in der internationalen Erfassung, also von Arbeitnehmern im Armutsrisiko. Hier rangierte Deutschland nach den letzten Daten von 2009 unter den westeuropäischen Vergleichsländern noch im Mittelfeld. Doch verzeichnet Deutschland seit 2005 weitaus die stärkste Zunahme (Abb. 17074).


Unter den Minijobbern breitet sich die Armut aus. Laut dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) waren 1997 gut 10 Prozent der Niedriglohnbezieher arm, 2008 schon fast 18 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass Geringverdiener immer öfter Alleinverdiener sind. Angesichts eines insgesamt ohnehin wachsenden Niedriglohnsektors sehen die Wissenschaftler Hennig Lohmann und Hans-Jürgen Andreß (Böckler-Impuls 4/2011) in diesem Trend ein Anzeichen für wachsende soziale Probleme. Niedriglohnbeschäftigung könne nicht mehr mit dem Hinweis gerechtfertigt werden, dabei handele es sich doch nur um Zusatzeinkommen für Mittelschicht-Haushalte.

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global news 2357 28-04-11: Die Deutsche Bank mit Tochter Postbank hängt tief im Griechenlandmorast

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Der finanzielle Griechendland-Morast ist besonders tief. Die 10-Jahres-Staatsanleihen auf Griechenland wurden an den Finanzmärkten bereits so stark abgewertet, daß der Zinssatz nun fast 15 % entspricht (Abb. 16119), bei Staatsanleihen mit noch 2 Jahren Laufzeit sogar um die 25 % (Abb. 16664), womit der Markt eine Abschreibung um 30 % bereits vorwegnimmt. Nach einer neuen Untersuchung von Citi-Bank hat bisher kein Land mit einer Verschuldungsrate von über 150 % eine Umschuldung vermeiden können. Um die griechische Verschuldung in eine tragfähige Größenordnung von 60 % zurückzubringen erwartet Citi eine Foderungsabschreibung von 76 % des Nominalwertes oder von 95 %, falls die Umschuldung weitere vier Jahre verschoben würde (Abb. 16665).




Auf dieses besonders umschuldungsgefährdete Griechenland hat die Deutsche Bank und ihre neue Tochter Deutsche Postbank zusammen 2,43 Mrd Euro an Anlagen in Staatsanleihen. Bei 54,6 Mrd Euro Eigenkapital sind das 2,2 % bzw. sogar 23,2 % gemessen am Aktienkapital beider Banken. Bei einem Umschuldungsverlust von 40 % würden 729 Mio Euro abzuschreiben sein, bei 60 % rund 1,1 Mrd Euro. Wie sehr der Markt der Deutschen Bank mißtraut, zeigt die miserable Kursentwicklung über das letzte Jahr, die in starkem Gegensatz zu der positiven des Gesamtindex Dax steht (Abb. 16663). Kein Wunder, daß der deutsche EZB-Vorstand Stark bereits dramatisierend von einem Lehman-Effekt spricht, falls Griechenland umschulden müßte. Da diktiert das DB-Interesse bis in die EZB hinein die Richtung.


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global news 2356 27-04-11: Noch eine große Verharmlosung vom Arbeitsmarkt: Offene Grenzen für Billigstarbeitskräfte aus Osteuropa angeblich ohne Risiken und voll im deutschen Interesse

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Die Bundesregierung läßt ab 1. Mai die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit aus acht ost-europäischen Beitrittsländern zu, ohne - wie in den westeuropäischen Nachbarländern - flächendeckende Mindestlöhne eingeführt zu haben. In diesen acht Ländern gibt es zusammen mehr als 34 Millionen Erwerbspersonen. Der nach der Zahl der Erwerbspersonen für diese Länder gewichtete Bruttomonatsverdienst je Vollzeiteinheit liegt bei nominal nur 894 Euro gegenüber 3.106 Euro in Deutschland, also etwa nur 29 % des deutschen. Die Arbeitslosigkeit liegt im gewichteten Durchschnitt bei 10,6 % gegenüber 7,1 % für Deutschland (alles amtlich unterbelichtete Zahlen), also um 38 % höher. Das sind die Fakten (Abb. 15658).


Dazu weiter aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts vom 26. April:

"Der deutsche Arbeitsmarkt ... ist attraktiv für Arbeitnehmer aus anderen Ländern. Der Ausstieg aus Erwerbslosigkeit und bessere Verdienstmöglichkeiten sind wichtige persönliche Anreize für Arbeitsmigration. Schon vor dem 1. Mai 2011 wurden den Bürgerinnen und Bürgern der EU-8 schrittweise Zugangswege zum deutschen Arbeitsmarkt eröffnet. Im Jahr 2010 wohnten und arbeiteten bereits rund 425.000 Staatsbürger der EU-8-Länder in Deutschland. Fast drei Viertel davon (315.000) kamen aus Polen. Die polnischen Nachbarn stellen damit nach den Italienern (rund 365.000) bereits heute die zweitgrößte Gruppe unter den in Deutschland wohnenden Erwerbstätigen mit EU-Staatsbürgerschaft."

Demnächst kommen dann noch die Rumänen und Bulgaren mit mehr als 13 Mio Erwerbstätigen in den Genuß der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dort sind die Lohndifferenzen zu Deutschland noch weit größer. Doch nach Ansicht der Bundesregierung sind alle Ängste vor einer unkontrollierten Zuwanderungswelle aus Osteuropa unbegründet und können gerade wir in einem Land mit einer sinkenden Zahl von Menschen im arbeitsfähigen Alter diese Arbeitskräfte gut gebrauchen. Und natürlich drängt die deutsche Industrie auf die Bundesregierung, den Niedrigstlohndruck aus Osteuropa auf die deutschen Arbeitnehmer ohne Abwehr durch Mindestlöhne zuzulassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet auf Grundlage einer eigenen Studie damit, dass durch die Vereinfachung bis Ende 2012 bis zu 800.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Deutschland kommen werden.

Im Ergebnis wird die deutsche Soziallandschaft noch ein Stück weiter in den Keller rutschen und die Demokratieverdrossenheit weiter anstiegen. Die Sarrazins können sich schon die Hände reiben. Die lobby-bestimmte Qualität der deutschen Politik ist wirklich zum Verzweifeln.

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global news 2355 25-04-11: Volkskrankheit Depression

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Bereits heute leiden nach Feststellung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Depression weltweit rund 120 Millionen Menschen; im Jahr 2030 wird die Depression in den Industrienationen die häufigste Krankheit sein. In Deutschland sind rund vier Millionen Menschen daran erkrankt. Das entspricht etwa jedem zwanzigsten Deutschen. Das Risiko eines in Deutschland lebenden Menschen, zumindest einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, die unbedingt behandelt werden muß, liegt bei rund zehn Prozent.

Die Zahl der psychisch bedingten Fehltage ist in den vergangenen zwölf Jahren um fast 80 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Erwerbslose. Nach dem neuen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse erhalten arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva wie berufstätige Frauen, arbeitslose Männer sogar die dreifache Menge (Abb. 14214). Der Streß für Arbeitslose, denen nach einem Jahr der Absturz in Hartz IV droht, ist für viele unerträglich.


Nach Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, soll die Depression nur bei 30 % der betroffenen Patienten überhaupt erkannt werden; und ausreichend behandelt sollen nur weniger als 10 % werden. Die pharmazeutische Industrie, von der man eigentlich große Innovationen bei Vorbeugung und Therapie der Depression erwarten konnte, hätte enttäuscht: Große Konzerne hätten die Erforschung neuer, antidepressiv wirkender Medikamente eingestellt und warteten auf Forschungserfolge akademischer Einrichtungen und Biotechnologie-Firmen.

Die Allianz/RWI-Studie vom Februar 2011 schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten der Depression für Deutschland auf zwischen 16 und 22 Milliarden Euro pro Jahr (Abb. 07369). Damit werden psychische Belastungen, Burnout und Depressionen laut Allianz-Vorstand Molt zu einem Kostenfaktor, der nicht mehr einfach ignoriert werden könne. Das sind immerhin bis zu 0,9 % der jährlichen Gesamtwirtschaftsleistung Deutschlands.


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global news 2354 23-04-11: Erste Warnungen vor einer Überschuldung der USA

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Auch die Haushalts- und Verschuldungs-Situation der USA beginnt, angesichts der schwierigen Haushaltsberatungen Sorgen zu bereiten. Am 19. April hat die Rating Agentur Standard & Poor's die Einstufung der USA zwar auf der höchsten Stufe von "AAA" gehalten, jedoch die Aussichten von "stabil" auf "negativ" heruntergestuft, was eine drittel Chance auf Herabstufung in den kommenden zwei Jahren bedeutet. Es war der erste negative Ausblick für die USA, seit die Agentur vor 70 Jahren mit der Beurteilung des Kreditstandings begann. Der IWF erwartet für 2011 ein amerikanisches Haushaltsdefizit von 10,8 % der Wirtschaftsleistung, der zweithöchste Werte aller fortgeschrittenen Industrienationen (Abb. 16109). Allerdings dürfte die Agentur bisher wohl mehr einen Weckruf gegenüber den streitenden Parteien im US-Congress angebracht haben.


Das Congressional Budget Office (CBO) hat schon im vergangenen August davor gewarnt, daß die öffentlichen Schulden auf der Basis schon geplanter Gesetzesvorhaben, wie Medicare, Social Security, Verlängerung der Steuernachlässe aus der Bush-Ära (2001-2003) in eine schwer durchzuhaltende Größenordnung bis 233 % des BIP im Jahr 2040 (derzeit 70 %) hochlaufen würden (Abb. 05270). Dabei unterstellt CBO optimistisch ein jährliches reales Wachstum des BIP von 2,3 %, was nicht leicht zu erreichen sein wird (in den letzten 10 Jahren lag es bei 1,9 %).


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global news 2353 22-04-11: Deutsche Staatsschuldenquote seit 1991 von 39 % auf 83 % des BIP mehr als verdoppelt

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Wiedervereinigungskosten und Finanzkrise bei Senkung der Unternehmens- und Einkommenssteuern und Aufgabe der Vermögenssteuer haben Deutschland in die Staatsverschuldung getrieben. So stieg die Staatsschuldenquote seit 1991 von 39,1 auf 83,2 % oder mehr als den doppelten Anteil oder von 600 Milliarden Euro auf mehr als 2.000 Milliarden Euro (Abb. 14853).


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global news 2352 21-04-11: Wie China die deutsche Inflation für Lebensmittel, Energie und Rohstoffe hochtreibt

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Viele Menschen glauben, an der Steigerung der Nahrungsmittelpreise seien vor allem die Zocker an den Börsen schuld. Doch eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ergeben, daß die nur etwa 20 % zu den Preissteigerungen beitragen. Viel wichtiger ist der Preisauftrieb durch die Schwellenländer und hier vor allem China. So verdien viele Einwohner Chinas oder Indiens mehr Geld und fragen deshalb mehr Fleisch und Milch nach. Auch läßt der größere Bedarf an Getreide für Tierfutter die Preise für Grundnahrungsmittel klettern. Zusätzlich spielt die sogenannte Flächenkonkurrenz eine Rolle: Große Areale in Nord- und Südamerika, Europa und Asien werden inzwischen mit Energiepflanzen wie Soja bebaut, um die Treibstoffnachfrage zu befriedigen.

Vor allem überträgt sich die hohe Inflation in China (Abb. 08221). Sie frißt sich einerseits in die Preise für chinesische Exportgüter, auch nach Deutschland, hinein und treibt andererseits mit der expanierenden und preistreibenden Importnachfrage auf den Weltmärkten auch dort die Preise. Leider wird sich diese von China ausgehende Entwicklung noch weiter verstärken. Angesichts der über die letzten Jahre zementierten Monopolstellung von Chinaware auf vielen Märkten wird kaum eine Korrektur durch den Wettbewerb stattfinden. Und bei fast 1,4 Milliarden Menschen, von denen ein immer größerer Teil über das hohe Wirtschaftswachstum kaufkräftiger wird, wird auch der Preisdruck ex China auf den Weltmärkten noch erheblich zunehmen. Hinzu kommt die auch in China abklingende demographische Entwicklung, die wenig Billigstarbeitskräfte für die Exportindustrien bereitstellt.


Nach der Untersuchung des DIW ging jeweils ein Drittel des 15-prozentigen Anstiegs der Lebensmittelpreise im vierten Quartal 2010 auf das starke Wirtschaftswachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften und die großzügige Liquiditätsbereitstellung der Zentralbanken der wichtigsten vier Industriestaaten zurück. Generell zeigt sich, daß Lebensmittel- und Rohölpreise etwa die gleiche Entwicklung wie der Aktienindex der Schwellenländer, der deren Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt, nehmen (Abb. 07370).


Weiterlesen in "Immer mehr Inflation" im kommenden Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


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global news 2351 18-04-11: Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Februar 2011: Immer noch 4,0 % unter 2008, Stundenlohn weiter sinkend

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Die deutsche gewerbliche Wirtschaft kommt weiter nur sehr langsam aus dem Krisental. Die Beschäftigung lag im Februar zwar um 1,9 % über dem Vorjahreswert, jedoch vergleicht man da - wie es das Statistische Bundesamt irreführend tut - mit dem absoluten Tiefstpunkt der Krise im vergangenen Jahr. Verglichen mit dem Durchschnitt von 2008 war die Beschäftigung immer noch um 4 % niedriger (Abb. 14282).


Im Februar 2011 lag das Entgelt pro Arbeitsstunde verbraucherpreisbereinigt um 2,7 % unter dem Vorjahreswert. Pro Beschäftigten ergab sich wegen des Abbaus der Kurzarbeit ein Plus von 3,2 %. Zur Entwicklung für die ersten zwei Monate 2011 siehe Abb. 14637. Im längerfristigen verbraucherpreisbereinigten Vergleich mit rollenden 12-Monatswerten, um Kalenderschwankungen auszuschließen, ist der Stundenlohn seit seinem Hoch im Oktober 2009 ständig gefallen, bis Februar 2011 schon um 3,2 % (Abb. 14982). Darin drückt sich neben dem Abklingen der Kurzarbeit auch der Zuwachs an Niedriglöhnen aus.




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global news 2350 17-04-11: Großhandelspreise steigen mit Rekordgeschwindigkeit

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Nur einmal stiegen die Großhandelspreise um 10,9 % gegenüber dem Vorjahr. Das war im Oktober vor 20 Jahren. Doch jetzt ist es wieder so weit (Abb. 17015). Dabei stiegen sie allein im März gegenüber Februar 2011 mit einer Jahresrate von 15,6 %.


Dabei waren auf Großhandelsebene im März 2011 gegenüber Vorjahr insbesondere Getreide, Saatgut und Futtermittel deutlich teurer (+ 75,9%). Der Großhandelspreisindex für Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze lag im März 2011 um 49,9% über dem Niveau von März 2010. Im Großhandel mit Erzen, Metallen und Metallhalbzeug erhöhten sich die Preise mit + 23,7% ebenfalls deutlich. Im Großhandel mit festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen lag das Preisniveau im März 2011 um 20,2% über dem von März 2010.

Teilweise überträgt sich dabei auch die hohe Inflation in China (Abb. 08221), die sich einerseits in die Preise für chinesische Exportgüter hineinfrißt und andererseits mit der expanierenden und preistreibenden Importnachfrage Chinas auf den Weltmärkten zusammenhängt.


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global news 2349 12-04-11: Wie der Euro wird zum Sprengsatz Europas wird: Die nächste Tretmine bei Spanien?

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Überall in der EU wachsen europafeindliche Bewegungen am nationalkonservativen Rand. So hat in Frankreich Marine Le Pen Chancen, in die Stichwahl zur Präsidentenwahl zu kommen. In den Niederlanden sitzt diese Bewegung mit Geert Wilders inzwischen bereits in der Regierung. Selbst bei den traditionell nüchternen Skandinaviern grassiert der rechte Rand. In Finnland liegen die "Wahren Finnen" nach Umfragen mit etwa 18 Prozent Kopf an Kopf mit den drei etablierten Parteien. In Schweden kamen die Rechtspopulisten 2010 auf 5,7 %, bei der letzten Wahl in Dänemark auf 13,9 % und in Norwegen 2009 sogar 22,9 %. In Deutschland würde eine Sarrazin-Partei, wenn sie nur ein ansprechendes Gesicht an der Spitze hätte, locker in den Bundestag kommen.

Die sonst in dieser Wählerschicht traditionell aufgestellten Sozialdemokraten und Sozialisten versagen zunehmend, nicht zuletzt weil sie in ihrem Internationalismus kein Bollwerk gegen Immigration, besonders mit islamischem Gehalt, versprechen und nicht wagen, die Mängel der neoliberalen Globalisierung anzugreifen. Aber die am rechten Rand grassierenden Sorgen gehen weit über das Immigranten- und Islamthema hinaus. Dazu gehören negative Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitsmärkte, vor allem der gering Qualifizierten mit einem besonders hohen Arbeitslosenanteil (siehe dazu das Beispiel USA, Abb. 05269).


Dazu gehören auch eine kostspielige und bürgerferne Brüsseler Bürokratie, von der Lobby bestimmte nationale Regierungen und neuerdings der Euro als ein für die gebenden Transferländer, wie die Niederlande, Finnland und Deutschland, immer teuerer werdendes Experiment. Noch erscheint die Eurorechnung auch in der realistischen Perspektive einer auf Dauer eingerichteten Transferunion angesichts anderer Vorteile aus dem Euro vertretbar. Doch das dürfte sich schlagartig ändern, wenn zu Griechenland, Irland und Portugal noch das vergleichsweise große Spanien mit wesentlich größerem Transferbedarf käme.

Und dieses Risiko ist nicht gering. Die Europäische Zentralbank ist unter dem Druck der Inflation an eine Zinswende gekommen, mit vielleicht 2 % gegen Ende des Jahres und 3 % um 2013, wenn nicht noch früher. Das treibt auch die spanische Zinslast hoch. Vor allem die Immobilienkrise, an der die spanische Wirtschaft besonders krankt, wird erheblich zunehmen und die ohnehin schon jetzt teilweise angeschlagenen Banken belasten. Die meisten spanischen Hypotheken sind flexibel nach Euribor-Zins angelegt und reagieren so auf jede Zinserhöhung. Steigende Hypothekenzinsen werden die Immobilienpreise zusätzlich in den Keller treiben. Die hatten sich zwischen der Einführung des Euro und der Spitze in 2007 mehr als verdoppelt und werden viel dieses Zugewinns verlieren. Im Ergebnis muß es zu mehr Ausfällen bei Hypotheken kommen. Vor allem die spanischen Sparkassen wird das treffen. Schätzungen gehen bis zu 100 Mrd Euro an notwendigem zusätzlichem Kapital (nach IWF ca. 50 Mrd Euro). Andere Risiken des spanischen Bankensektors kommen von der schon jetzt extrem hohen Arbeitslosenquote von mehr als 20 % (Abb. 16223) und einer stagnierenden Wirtschaft (Abb. 16170), von hohen Krediten an die Bauwirtschaft und Krediten an das bereits angezählte Portugal.



Zwar ist die spanische Staatsverschuldung noch gering und wird per Wirtschaftsleistung auch per 2012 mit 75 % erst etwa in Höhe der deutschen erwartet. Doch der Privatsektor ist schon mit 170 % der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet und lebt weiterhin mit einem hohem Leistungsbilanzdefizit und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit bei einem Anstieg der Lohnstückkosten seit dem Jahr 2000 von etwa 30 Prozentpunkten mehr als in Deutschland (Abb. 15314) weit über der Nachhaltigkeitsgrenze. Wenn der Staat zur Rettung von Banken und Unternehmen einspringen muß oder Steuern erheblich ausfallen, wird auch die spanische Staatsverschuldung expandieren und am Ende Insolvenz drohen. Sollte es dazu kommen, wird sich die Stimmung in den Transferländern noch mehr gegen den Euro wenden und Wasser auf die Mühlen rechtspopulistischer Parteien bringen. Umgekehrt werden bei überharten Sparauflagen größere Teile der Bevölkerungen auf der Empfängerseite der Finanztransfers den Glauben an den Euro und damit auch an die Europäische Union verlieren - eine Entwicklung, die sich schon jetzt auf den griechischen Straßen zeigt. Keine schöne Perspektive gerade für das euroabhängige Deutschland.


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global news 2348 11-04-11: Weiter hohe Zahl an Verbraucherinsolvenzen

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Im vergangenen Jahr gingen 106.785 Verbraucher in die Insolvenz, oder mußte die Eröffnung des Verfahrens schon mangels Masse abgelehnt werden. Das waren 7,6 % mehr als im Jahr zuvor. In 5 Jahren sind schon fast 600.000 zusammengekommen und auch im Januar blieb das Niveau mit einem Monatswert von 8.299 hoch (Abb. 17071).


Bezeichnen verliert der Bundeswirtschaftsminister kein einziges Wort zu diesem Teil der Presseerklärung des Statistischen Bundesamts. Statt dessen lobt er den Rückgang der Unternehmensinsolvenzen.


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global news 2347 10-04-11: Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft: Die Menschen glauben immer weniger daran

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Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat das Infas-Institut 1000 Menschen gefragt, wie sie die Gegenwart und vor allem die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft einschätzen. Nur 14 % der Befragten glauben, daß wir in Deutschland noch eine volle soziale Marktwirtschaft haben, weitere 57 % sehen wohl nur noch Teile davon und 30 % können sie gar nicht mehr sehen (Abb. 17066).


63 % der Befragten rechnen damit, daß bis 2020 die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung niedriger ausfallen werden. Zugleich befürchten 61 % sinkende Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und 50 % der Pflegeversicherung (Abb. 17068). Dabei meinen 93 %, um die soziale Sicherheit müsse sich vor allem der Staat kümmern. Trotz rückläufiger Sozialleistungen erwarten 78 % der Befragten steigende Abgaben und Steuern.


Skeptisch beurteilt die Mehrheit auch die Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. So glauben 63 %, daß die Einkommensunterschiede größer werden. 51 % fürchten, der soziale Zusammenhalt werde schwächer. Und 42 % erwarten, daß die individuellen Aufstiegschancen schlechter werden (Abb. 17069). Ein wahrlich trauriges Bild vor dem Hintergrund einer angeblich positiven Wirtschaftsentwicklung.


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global news 2346 08-04-11: Die deutschen Banken schwächeln weiter

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Wer glaubt, Deutschland sei aus der Krise, hat die deutschen Banken vergessen. Denn die schwächeln weiter, weshalb sich die Bundesregierung - neben anderen Gründen - Umschuldungen der Euro-Krisenländer, in die deutsche Banken mit Forderungen verstrickt sind, vehement widersetzt. Hier die wichtigsten Probleme der deutschen Banken.

Deutsche Banken hängen bei den Renditen deutlich hinter ihresgleichen in anderen Ländern, vor allem USA, Großbritannien und Frankreich, zurück (Abb. 16283).


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global news 2345 06-04-11: Das Trauerspiel vom Euro: Konkursverschleppung zu Lasten der "kleinen Leute" und noch kein Ende in Sicht

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Die Regierungen des Euroraums sind bisher nicht bereit, bei den Krisenländern den Unterschied zwischen Illiquidität (zeitweiser Mangel an Kapital) und Insolvenz (dauerhafte Überschuldung) zu akzeptieren. Griechenland, Irland und Portugal sind derzeit mit großer Sicherheit bereits insolvent, also konkurs- und umschuldungsbedürftig. Allein die 70 Mrd Euro, die z. B. Irland ohne Umschuldung auf der Basis des letzten Streßtests zusammen mit früheren Zahlungen für seine Banken aufbringen muß, bedeuten für jeden irischen Haushalt 48.000 Euro oder zum Eurorettungszins von fast 6 % fast 3.000 Euro pro Jahr nur an Zinslasten. Und das wird noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Doch die Euro-Regierungen bestehen auf einer nur zeitweisen Insolvenz, die angeblich mit den beschlossenen Rettungsaktionen überbrückt und ohne Umschuldung beherrscht werden kann, bis diese Länder wieder einen attraktiven Zugang zu den privaten Finanzmärkten finden. Im Widerspruch dazu sieht aber nun das letzte Rettungspaket mit dem European Stability Mechanism ESM ab Juni 2013 dessen bevorrechtigten Gläubigerstatus für weitere Kredithilfen vor. Das hält schon jetzt private Kapitalanleger von weiterem längerfristigem Engagement in den Krisenländern ab. Nur kurzfristige Anleihen sind derzeit überhaupt unterzubringen. Denn die privaten Kapitalanleger gehen von einer schon eingetretenen oder drohenden Insolvenz aus und wollen dann nicht die Letzten sein, die bei einer Umschuldung ab 2013 von den Hunden gebissen werden.

So steigen trotz aller beschlossener Eurorettungsaktionen die Zinsen für Staatsanleihen von Griechenland, Irland und jetzt auch Portugal immer höher, addieren sich zu den relativ hohen Zinsen aus dem Eurorettungsschirm und machen Insolvenz und Umschuldung noch wahrscheinlicher (Abb. 16222). Mit dieser Art von Konkursverschleppung fahren also die derart hoch verzinsten Staats- und Bankenanleihen dieser Länder, die nur durch zusätzliche Schulden finanziert werden können, immer mehr Schulden zusammen. Gleichzeitig übernehmen die Staaten und deren Zentralbanken, vor allem in Irland und Griechenland, praktisch immer mehr Schulden ihrer Banken, weil diese sonst hohen Kapitalbedarf anmelden und ohne dessen Bedienung in die Pleite gehen müßten.


Außerdem sinkt durch die harten Sparauflagen die Wirtschaftsleistung, bei Irland schon um mehr als 13 % und Griechenland mehr als 11 % (Abb. 16170). Das wiederum treibt den für die Kreditfähigkeit so wichtigen Verschuldungsquotienten von Schulden zu Wirtschaftsleistung zusätzlich weiter in die Höhe (Abb. 16233).



Vor allem bricht die Industrieproduktion ein (Abb. 16225) und mit ihr die Anlageinvestitionen, von denen der Arbeitsmarkt abhängt (Abb. 16239), so daß die Arbeitslosigkeit dramatisch steigt (Abb. 16223).




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global news 2344 05-04-11: Das Ozon-Loch gibt keine Ruhe

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Die Welt-Meteorologische Organisation nannte jetzt am Rande des Treffens der European Geosciences Union in Wien neue Daten für das Ozon-Loch über der Arktis. Es ist in diesem Winter mit einer Zerstörung von 40 % des Ozons in der Stratosphäre noch einmal über den bisherigen Rekord von 30 % angestiegen. Schuld sollen vor allem ungewöhnlich niedrige Temperaturen in der Höhe über der Arktis sein. Ende März bliesen Winde Teile des Ozonlochs über Grönland und Skandinavien (Abb. Ozon1).


Während sich über der Arktis wieder Ozon anreichert, hat sich das Ozonloch über der Antarktis auf der Südhalbkugel noch nicht zurück gebildet und ist weiterhin eine hohe Gefahrenquelle (Abb. Ozon2, rechte Seite).


Die Ozonschicht schützt gegen Hautkrebs (SPIEGEL-online macht daraus in der Überschrift verharmlosend "Achtung, Sonnenbrand-Alarm!"). Doch das Gas wird durch Reaktionen mit Industriechemikalien zerstört. Zwar ist deren Verwendung durch das Montreal Protokoll begrenzt worden, wenn auch nicht überall befolgt, doch halten sich die zerstörerischen Chemikalien für Jahrzehnte in der Atmospäre. Deswegen wird damit gerechnet, daß sich das Ozonloch über der Arktis erst gegen 2045 bis 2060 voll schließen wird.


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global news 2343 05-04-11: Am Fuße des deutschen Pflegeberges: Verdoppelung über 40 Jahre

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Mit zunehmendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer kostspieligen Pflegebedürftigkeit steil an. Im Alter von Mitte 80 sind es bereits 10 %, die dieses Schicksal erreicht, Mitte 90 ist es mehr als jeder Dritte (Abb. 14958). Die Zahl der Pflegebedürftigen in der Sozialen Pflegeversicherung hat sich bereits zwischen 1995 und 2009 wegen der wachsenden Zahl älterer Menschen auf 2,3 Millionen mehr als verdoppelt (Abb. 14964). Der Zahl der über 70 Jahre alten Menschen soll sich in den nächsten 40 Jahren noch mehr als verdoppeln (Abb. 17063). So soll sich auch die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 noch einmal fast verdoppeln (Abb. 17064). Entsprechend werden die gesellschaftlichen Kosten für Pflegeleistungen steigen.





Mehr als jeder dritte Deutsche ist auf Dauer von Demenz bedroht. Sogar fast jede zweite Frau muss derzeit damit rechnen, altersverwirrt zu werden. 29 % der Männer und 47 % der Frauen, die 2009 aus der GEK-Population im Alter von über 60 Jahren verstarben, hatten eine Demenzdiagnose (Abb. 14960). Verbunden mit einer Demenz ist auch eine hohe Wahrscheinlichkeit der in diesem Fall kostenaufwendigen Pflegebedürftigkeit. 86 % der verstorbenen dementen Männer und 94 % der verstorbenen dementen Frauen waren vor dem Tod auch pflegebedürftig.


Weiterlesen im Wochenbrief unter "Für viel zu viele Menschen eine deutsche Perspektive: alt und arm" mit vielen Schaubildern und statistischen Nachweisen (kann hier bestellt werden).


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global news 2342 03-04-11: Vom schädlichen Reichtum in Deutschland

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Weltweit gibt es etwa 1.000 Milliardäre, die über etwa 3,5 Billionen US Dollar verfügen. Auf der Millionärsebene sind es etwa 10 Millionen mit etwa 39 Billionen US Dollar Kapital. Nur wenige davon sind bekannt. Bekannt ist allerdings aus vielen Studien, daß ihre Zahl ständig wächst, auch in Deutschland. 39 Billionen US Dollar oder mehr als 27 Billionen Euro ist ein eigentlich unfaßbarer Betrag. Dafür müßten alle deutschen Arbeitnehmer mehr als 40 Jahre lang ihre Nettolöhne zusammenlegen und nichts davon für den Lebensunterhalt verbrauchen, um auch nur in die Nähe zu kommen.

Die Zahl der Reichen mit mindestens einer Million investierbaren Kapitals (freie Mittel) steigt immer weiter und lag 2009 bereits bei 861.000. Die Liste der extremreichen Einzelpersonen oder Familien mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde Euro ist trotz Wirtschaftsflaute 2010 von 99 auf 103 gestiegen, der Wert der 100 größten deutschen Vermögen auf 287,4 Milliarden Euro und der Top 500 auf 455 Milliarden Euro. Das entspricht 70 % des Jahresnettoarbeitsentgelts aller deutschen Arbeitnehmer. Dabei ist die deutsche Vermögenspyramide extrem steil und sehr konstant (Abb. 14178). Nur 11 % derer, die 2007 zum obersten Zehntel gehörten, waren fünf Jahre vorher nicht schon in einem der drei obersten Zehntel.


Deutschlands Reiche sind bisher - im Unterschied zu den amerikanischen Superreichen - relativ wenig durch ihre Spendenleidenschaft oder soziale Verantwortung bekannt geworden. Der Initiative von 40 US-Milliardären, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden, haben sie sich jedenfalls nicht angeschlossen. Nur ein sehr kleiner Kreis unter ihnen hat für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer öffentlich Partei ergriffen. In einer neueren Studie "Vermögen in Deutschland" der Universität Potsdam haben 500 Reichen ab 3 Millionen Vermögen freiwillige Angaben zur Selbsteinschätzung ihres Verhaltens und ihrer Persönlichkeit gemacht, die dann ausgewertet wurden. Die Fragen lassen Rückschlüsse zu auf fünf Charaktereigenschaften, von denen man anhand einer Vielzahl anderer Studien weiß, dass sie die Chancen auf beruflichen Erfolg maßgeblich beeinflussen. Es stellte sich nun heraus, daß ihre Persönlichkeitsausprägungen deutlich vom Durchschnitt der Bevölkerung abweichen. Melanie Kramer, Soziologin in Potsdam, faßt die Charaktermerkmale der Reichen so zusammen: "Sie sind weniger neurotisch, also psychisch und emotional stabiler. Außerdem sind sie häufiger extravertiert, sie sind gesellig und gern unter Menschen. Vermögende sind wesentlich offener für neue Erfahrungen, wissbegierig und tolerant. Dagegen sind sie weniger verträglich und scheuen keine Konflikte." Auch wer den Reichtum nur ererbt hat, zeigt ähnliche Eigenschaften, denn in einem Oberschicht-Elternhaus aufzuwachsen, fördert gerade diese Charaktermerkmale.

Wer nie sein Geld zählen mußte, ja es wegen der Menge gar nicht selbst richtig zählen kann, sich nie Sorgen um den Arbeitsplatz, die Krankheitskosten oder Armut im Alter machen mußte, kann natürlich emotional stabiler als der Durchschnitt der Bevölkerung sein. Daß Reiche weniger verträglich sind und keine Konflikte bei der Durchsetzung ihrer Interessen scheuen (siehe z.B. die Steuergelder für die Banken und keine Steuerschnitte bei den Reichen), ist genau das Problem unserer Gesellschaft.

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global news 2341 02-04-11: Deutschland wird ein Land von alternden Einzel- oder Doppelgängern

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Das Statistische Bundesamt hat vor einigen Tagen die Ergebnisse der Haushaltsvorausberechnung bis 2030 veröffentlicht. Etwa gleichzeitig legte Eurostat die Zahlen der demographischen Entwicklung in der EU vor und die EU-Kommission ihren Demographie-Bericht 2010. Daraus läßt sich ein gutes, aber leider nicht sehr schönes Bild der deutschen Entwicklung gewinnen. Erst der internationale Vergleich verdeutlicht, auf welchem extrem ungünstigen Entwicklungstrend sich Deutschland befindet.

1. Die Haushaltsvorausberechnung

Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalten nimmt in Deutschland immer mehr zu. Ihr Anteil lag 2009 bei etwa 74 % und soll bis 2030 noch auf 81 % steigen. Davon werden 43 % Einzelhaushalte sein. Haushalte mit drei oder mehr Bewohnern - vor allem Familien mit Kindern - werden dagegen immer seltener. Ihre Zahl wird bis 2030 etwa um ein Viertel fallen, und zwar von einem Anteil von 27 % in 2009 auf nur noch 18 % in 2030 (Abb. 14315).


Für den Zusammenhang der Gesellschaft bedeutet diese Tendenz zur Vereinzelung nichts Gutes. Die Lage wird durch die in Deutschland besonders stark zunehmende Alterung der Gesellschaft verschärft.

Weiterlesen im Wochenbrief mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


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global news 2340 01-04-11: Der schädliche einseitige Reichtum in Deutschland

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Die Steuersenkungen für Unternehmen (Abb. 14541) und des Spitzensatzes der Einkommenssteuer sowie die Abschaffung der Vermögenssteuer und neuerdings der niedrige Satz der Abgeltungssteuer auch für hohe Vermögenseinkommen machen den deutschen Staat immer ärmer, während sie auf der anderen Seite den Reichtum der Bevorteilten hochschieben.


Die von erheblichen Steuersenkungen und stagnierenden oder rückläufigen Löhnen begünstigten deutschen Unternehmen haben im vergangenen Jahr wieder prächtig verdient, einige der 30 Top-Unternehmen sogar Rekordgewinne eingefahren. Nun werden sie im April und Mai für 2010 wieder relativ hohe Dividenden ausschütten. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young erwartet bei diesen Unternehmen einen Gesamtbetrag von 25,6 Mrd Euro und damit fast das Volumen von vor der Krise von 27,2 Mrd Euro in 2007.

Nicht zuletzt leiden Städte und Gemeinden unter den über viele Jahre wiederholten Steuersenkungen, die sie finanziell ohne Reserven ausbluten ließen und sie zu immer weiteren Kürzungen ihrer Leistungen für die nicht vom Reichtum Gesegneten zwangen, bis zur Schließung von Schwimmbädern und Bibliotheken. 2010 erlitten sie mit 11 Milliarden Euro ihr bisher mit Abstand größtes Defizit, und auch für 2011 soll es zweistellig werden (Abb. 14314).


Weiterlesen im Wochenbrief vom 14.4. mit vielen Schaubildern (kann hier bestellt werden).


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global news 2339 31-03-11: Die deutschen Verbraucher haben kein Vertrauen und viele kein Geld zum Einkaufen

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Trotz immer wieder lancierter Jubelmeldungen über einen angeblichen Verbraucherboom ist davon keine Spur. Zwar mach das Statistische Bundesamt heute für die Februar Daten des Einzelhandelsumsatzes mit der Überschrift "Einzelhandelsumsatz im Februar 2011 real um 1,1% gestiegen" auf, doch das ist nur ein Vergleich mit dem Vorjahrestiefpunkt der längerfristigen Entwicklung. Gemessen mit der Situation vom Februar 2008 vor Ausbruch der Krise ergibt sich ein Minus von mehr als 3 % (Abb. 04943).


Das Verbrauchervertrauen ist angesichts einer negativen Lohnentwicklung, steigender Verbraucherpreise und sinkenden Vertrauens in den Euro und der anhaltenden Turbulenzen bei den deutschen Banken ziemlich tief. In der gewerblichen Wirtschaft lag das Entgelt pro Arbeitsstunde im Januar 2011 verbraucherpreisbereinigt um 3,6 % unter dem Vorjahreswert. Im längerfristigen verbraucherpreisbereinigten Vergleich mit rollenden 12-Monatswerten, um Kalenderschwankungen auszuschließen, ist der Stundenlohn seit seinem Hoch im September 2009 ständig gefallen, bis Januar 2011 schon um 2,4 % (Abb. 14982).


Nach einer in der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichte die Umfrage des Ipsos-Instituts im Auftrag des Bankenverbandes gaben nur noch 55 Prozent der Befragten an, daß der Euro langfristig eine erfolgreiche Währung sein werde. 2008 - vor Ausbruch der Krise - hatte dieser Wert noch bei 78 Prozent gelegen. 31 Prozent der Aussage zu, die EU-Mitgliedschaft bringe Deutschland eher Nachteile. Das ist der höchste Wert seit 1994.


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global news 2338 30-03-11: Der amerikanische Immobilienmarkt stürzt immer mehr ab und damit auch die Anlagen deutscher Banken

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Ausgerechnet zur gleichen Zeit, da deutsche und europäische Banken insgesamt hochriskant gewordene Staatsanleihen aus den Euro-Krisenländern in ihren Büchern halten und das weitgehend noch zu überoptimistischen Nominalwerten, droht vom amerikanischen Immobilienmarkt mit dessen weiterem Absturz weitere Belastung. Denn auch diese Anlagen sind in der Hoffnung auf eine Erholung bisher nur zu einem geringen Teil abgeschrieben.

Am 23. März meldete die amerikanische Regierung einen Rückgang der Verkäufe neuer Ein-Familien-Häuser für Februar auf nur noch 43 % des Volumens von drei Jahre vorher (Abb. 05074). Heute nun wird bekannt, daß die Immobilienpreise im Januar weiter nachgegeben haben und jetzt um 28 % unter dem Niveau von 2007 liegen (Abb. 16066).



Es wird höchste Zeit, daß die Bundesregierung mal bei den deutschen Banken aufräumt, statt ihre ganze Kritik bei den Krisenländern der Europeripherie festzumachen. Denn mit grob fahrlässiger Kreditgewährung haben die deutschen Banken die Kreditkrisen mit heraufbeschworen.


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global news 2337 29-03-11: Konsumklima-Umfrage: Die Gesellschaft für Konsumforschung rudert zurück

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In den letzten Monaten ist die GfK mit ihren Umfrageergebnissen der tatsächlichen Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes weit vorausgeeilt und hat damit eine Propagandaplattform abgegeben(Abb. 14696). Jetzt rudert sie für März und April (Prognose) etwas zurück (Abb. 04711, 14313).




Komisch und an den Haren herbeigezogen wirken die dabei benutzten Argumente. Schuld sollen Inflationsängste, die Katastrophen in Japan und sogar der Libyen-Konflikt sein. Klaus Wübbenhorst, Chef der GfK:

"Ich gehe davon aus, dass die Konsumstimmung eine kleine Pause einlegen wird. Die Angst, dass sich so eine Katastrophe auch in Deutschland ereignen könnte, wirkt sich auch auf die Konsumstimmung aus. Sobald etwa Libyen von der Bildfläche verschwindet, tritt die aktuell gute wirtschaftliche Lage in den Vordergrund; dann wird auch das Konsumklima wieder beflügelt".


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global news 2336 26-03-11: Die eingeschleppte Inflation

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Während die heimische Verbraucherpreisinflation in Deutschland immer mehr zulegt, zuletzt für Februar bis auf 2,1 % im Vorjahresvergleich, legte die Inflation bei den Importpreisen mit fast 12 % um ein Vielfaches stärker zu. Es sind allerding nicht nur die Energiepreise, die kräftig hochspringen. Die Preise für Getreide und Kaffee sowie Eisenerz, Nickel und Kupfer steigen noch stärker (Abb. 17060).


Wir schleppen damit immer mehr Inflation ein. Dieser Prozeß wird durch einen geschwächten Euro und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank noch beschleunigt.


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global news 2335 25-03-11: Reallöhne im 4. Quartal 2010: Schon wieder Irreführung durch das Statistische Bundesamt

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Heute meldet das Statistische Bundesamt fröhlich: "4. Quartal 2010: Reallöhne steigen um 1,5%" und meint damit den Vergleich zum 4. Quartal 2009. Was das Statistische Bundesamt allerdings so gut wie gar nicht erwähnt, ist die Auswirkung der Kurzarbeit auf das Niveau der Reallöhne. Als das Amt am 3. Februar die vorläufigen Zahlen veröffentlichte, fügte es noch eine Warnung bei, die es diesmal unterschlagen hat:

"Die Veränderungsraten der Nominallöhne waren in den Jahren 2009 und 2010 vor allem durch den Auf- und Abbau der Kurzarbeit beeinflusst. Kurzarbeit reduziert die Anzahl bezahlter Arbeitsstunden und verringert somit die Bruttomonatsverdienste der Arbeitnehmer. Das staatliche Kurzarbeitergeld, das den Einkommensverlust teilweise ausgleicht, wird als staatliche Transferzahlung bei der Darstellung der Bruttoverdienste nicht erfasst. Mit Beginn der Wirtschaftskrise nahm die Anzahl der Kurzarbeiter stetig zu. Die Verdienstzuwächse verringerten sich folglich - zum Höhepunkt der Kurzarbeit im zweiten Quartal 2009 waren die Verdienste sogar um 1,0% niedriger als im Vorjahresquartal. In den folgenden Quartalen führte der schrittweise Abbau der Kurzarbeit wieder zu einem Anstieg der bezahlten Arbeitszeit und folglich zu einem deutlichen Anstieg der Bruttomonatsverdienste. Die letzten drei Quartale 2010 hatten mit Verdienstzuwächsen zwischen 2,5% und 3,4% gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal wieder die Größenordnung von vor der Wirtschaftskrise erreicht."

Diesmal wird dieser Umstand nur bei Metallerzeugung und -bearbeitung und beim Maschinenbau wegen der dort besonders hohen Steigerungen angemerkt und das nur in größter Kürze:

"Die Metallerzeugung und -bearbeitung (+ 11,4%) und der Maschinenbau (+ 10,1%) sorgten hier auch wegen des Abbaus der Kurzarbeit für ein besonders starkes Wachstum."

Mit der Ehrlichkeit des Statistischen Bundesamt ist es nicht weit her. Ein großer Teil der Zeit des Infoportals ist leider nötig, um diesem Amt, genauso wie der Bundesagentur für Arbeit auf die Finger zu schauen. Das Statistische Bundesamt hatte im Übrigen erst am 11. März die Entwicklung der Arbeitskosten im 4. Quartal 2010 veröffentlicht. Die darin enthaltenen Bruttolöhne und -gehälter lagen gerade einmal um 1 % über dem Vorjahreswert und für das gesamte Jahr 2010 um ganze 0,5 % (Abb. 04963). Damit sind die Bruttolöhne und -gehälter 2010 real um 0,6 % gesunken.


In der für den Export besonders wichtigen gewerblichen Wirtschaft lag das Entgelt pro Arbeitsstunde im Januar 2011 verbraucherpreisbereinigt um 3,6 % unter dem Vorjahreswert. Im längerfristigen verbraucherpreisbereinigten Vergleich mit rollenden 12-Monatswerten, um Kalenderschwankungen auszuschließen, ist der Stundenlohn seit seinem Hoch im September 2009 ständig gefallen, bis Januar 2011 schon um 2,4 % (Abb. 14982).


Weiterlesen im kommenden Wochenbrief unter "Wie die masochistische deutsche Lohnpolitik die Eurozone zerstört, Ausgleichszahlungen erfordert und die Binnenkonjunktur auf Eis hält", kann hier bestellt werden).


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global news 2334 22-03-11: Und wieder eine verlogene SPIEGEL-Breitseite für die Euro-Politik der Bundesregierung

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Unter der Überschrift "Debatte über Ende der Währungsunion - Warum Deutschland den Euro braucht" zieht SPIEGEL-online ein weiteres Mal an der Merkel-Seite in die Euro-Diskussion. Diesmal wird es ganz komisch, denn hier werden Argumente gegen eine Aufgabe des Euro durch Deutschland zusammengetragen, obwohl allenfalls kleine Minderheiten derzeit austeigen wollen. Also eine gespenstische Diskussion.

Und nun wird ein dramatisches Gemälde des Weltuntergangs nach Euroverlust gezeichnet, obwohl sich diese Frage gar nicht stellt. Das Ziel ist aber nur, die von der Bundesregierung beabsichtigte Lösung der Euro-Krise populär zu machen, zumal nachdem nun auch Portugal gerettet werden muß. Und das ist eine Lösung, die den deutschen Banken nützt, indem deren Forderungen gegen die Krisenländer und deren Banken nicht umgeschuldet werden dürfen, nicht aber den deutschen Steuerzahlern, die entsprechend mehr Steuergeld zu berappen haben werden.

Hier ein Ausschnitt aus dem unsinnigen da unrealistischen Horrorkatalog unter Bezug auf angebliche Debatten in den Boulevardmedien, die jedoch kaum existieren:

"Meist ging dem Ende des gemeinsamen Geldes ein Bruch des politischen Bundes oder sogar ein Krieg voraus. Entweder halten alle zusammen. Oder alle gehen gemeinsam unter. Dennoch wird die Debatte - vor allem in Boulevardmedien - immer wieder geführt. Es ist ein Rückfall in die Nachkriegszeit."

"Es gibt sogar Schätzungen, wonach die griechische Drachme 80 Prozent an Wert verliert, das irische Pfund, der portugiesische Escudo und die spanische Peseta jeweils rund die Hälfte. Die italienische Lira rauscht um 25 Prozent in den Keller - und selbst der französische Franc gibt um 15 Prozent nach."

"Die negativen Folgen einer Rückkehr zur D-Mark sind viel größer. Wertet die Mark massiv auf, verliert die Bundesrepublik an Wettbewerbsfähigkeit. So sehr das Qualitätssiegel "Made in Germany" weltweit anerkannt ist, Preissteigerungen von 20 oder gar 50 Prozent kann kein Exporteur durchsetzen. Beides bedeutet den Wegfall Hunderttausender, vielleicht sogar von Millionen Jobs."

"Wertet die D-Mark auf, verlieren diese Anlagen an Wert. Es existieren Berechnungen, wonach ein D-Mark-Plus von 20 Prozent zu einem Vermögensverlust der Deutschen aus Auslandsanlagen von 160 Milliarden Euro führt."

"Die Bundesregierung erhöht im Zweifel noch die Steuern. Nicht, um den griechischen Staat zu retten, sondern deutsche Banken."

Na und? Die Bundesregierung wird am Ende eh die deutschen Banken retten müssen, denn Griechenland wird nicht zu retten sein.


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global news 2333 20-03-11: Es muß schlimm stehen um Merkels-Europolitik: Noch eine Propaganda-Breitseite von Spiegel-online für den Euro

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In seiner mehrteiligen Serie von Euro-Propaganda hat Spiegel online jetzt unter der Überschrift "Wie Deutschland vom Euro profitiert" nachgelegt. Und wieder mit zweifelhaften und verdummenden Argumenten, teilweise in Wiederholung der früheren (siehe dazu hier):

"Um die immensen Vorteile der europäischen Integration herauszustellen, muss man gar nicht die Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bemühen. Selbst wenn sich jeder ab und zu den unschätzbaren Wert von fast sieben Jahrzehnten Frieden bewusst machen sollte. Es existiert nur deshalb eine junge Generation, die Billionen Euro erbt, weil es erstmals seit Langem wieder Eltern gibt, deren Vermögen nicht durch Krieg oder Inflation zerstört wurde."

Richtig ist dagegen: Auch ohne den Euro würden wir in Mitteleuropa noch im Frieden leben. Was soll immer wieder dieses emphatische Kohl-Argument von Euro = Frieden und Nicht-Euro = Krieg?

"Von diesem Aufholprozess (der Euro-Peripherieländer) profitiert Deutschland gleich doppelt: Hiesige Firmen verkaufen mehr Waren dorthin. Solidarität hin, menschliches Mitgefühl her - das heißt auch: Diese Menschen wollen nicht um jeden Preis in den reichen Norden, oder je nach Perspektive, wohlhabenderen Westen."

Richtig ist dagegen: Waren wurden auf Kredit verkauft. Ein Teil davon wird nie bezahlt werden, weil Länder, wie Griechenland, in die Umschuldung kommen werden. Wegen dieser Kredite kehrt jetzt in den Aufholländern die Krise ein und es wird eher zu mehr Abwanderung kommen.

"Die gemeinsame Währung hat zu einem regelrechten deutschen Exportboom geführt. Mini-Wachstum, sattes Exportplus - unser Wohlstand hängt immer stärker vom Handel ab."

Richtig ist dagegen: Der Exportboom ist auf dem Rücken einer real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen und einer miserablen Binnenkonjunktur entstanden. Doch die ist als Teil der Gesamtwirtschaftsleistung viel wichtiger als der Export. SPIEGEL online erwähnt zwar das Mini-Wachstum, nicht aber den Zusammenhang mit der Lohnbremse und der Binnenkonjunktur.

"Bislang hat die Euro-Krise Deutschland keinen Cent gekostet - im Gegenteil: Die Kredite an Griechenland und Irland sind ein gutes Geschäft. Und dann? Je nachdem, wie viele Kredite der EU-Rettungsschirm noch vergibt und wie die Umschuldung aussieht, könnte auch Deutschland Geld verlieren. Im Zweifel sogar einen zweistelligen Milliardenbetrag. Schön ist das nicht, keine Frage. Allerdings ist ein Auseinanderbrechen der Währungsunion für die Bundesrepublik die deutlich schlechtere Alternative."

Richtig ist dagegen: Die Frage ist nicht, ob die Währungsunion auseinander bricht, sondern zu welchen Bedingungen sie am besten fortgeführt werden kann, ohne in einer dauerhaften Transferunion zu enden, bei der der vom SPIEGEL online für den Euro ins Feld geführte Export nur zu mehr Ausgleichsabgaben führen würde.


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global news 2332 19-03-11: Wenn die reformfreudigen Kräfte in Nordafrika nicht die Oberhand gewinnen, hat die Europäische Union in wenigen Jahren ein gewaltiges Problem

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Hinter dem Aufstand vor allem der jüngeren Generationen in Tunesien, Ägypten und jetzt Libyen stehen seismische Verschiebungen in der Demographie dieser Region. An der Oberfläche hielten und in einigen Fällen halten immer noch die verkrusteten undemokratischen Strukturen wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen auf. Darunter jedoch brodelt es in einer immer jüngeren und immer mehr anwachsenden Bevölkerung, die in der bisherigen Situation für sich keine Zukunft sehen kann.

Denn die gegenwärtig explodierenden politischen Entwicklungen in Nordafrika sind nicht nur eine Folge mangelnder Freiheiten, sondern vor allem auch einer desolaten Versorgungslage für die großen Mehrheiten der Bevölkerungen bei Konzentration des Reichtums auf kleine Minderheiten. Dazu hat vor allem die steile Bevölkerungsentwicklung beigetragen, die die Gesamtbevölkerung dieses Raums seit 1980 auf den doppelten Umfang von nun 213 Millionen hochgetrieben hat (und nach UN-Prognose über die nächsten 20 Jahre noch einmal um ein Drittel vergrößern wird, Abb. 15646). Das Durchschnittsalter liegt bei nur 24,2 Jahren gegenüber 44,3 Jahre für Deutschland. Diese Lawine an Jugendlichen sucht nach Arbeit und findet meist keine.


Sollten sich die die reformorientierten Kräfte in diesen arabischen Ländern nicht durchsetzen, so muß die Europäische Union mit andauernder Unruhe an ihrer südlichen Flanke und wachsendem Zustrom an Wirtschaftsflüchtlingen rechnen. Man kann daher - auch in unserem eigenen Interesse - nur hoffen, daß die Beharrungskräfte, zu denen der Gadaffi-Klan in Libyen gehört, möglichst bald aus ihren Machtpositionen vertrieben und durch demokratisch orientierte Reformbestrebungen ersetzt werden.


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global news 2331 18-03-11: Wenn ein Vorstandsmitglied 84-mal mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verdient

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Nach einer neuen Studie von Towers Watson "Vorstandsvergütung im DAX 2010" sind die Vorstandsbezüge der 30 größten börsennotierten Unternehmen wieder auf Vorkrisenniveau angekommen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen dürfte bei 2,4 Mio Euro liegen und damit bei mehr als dem 84-Fachen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers. 2001 war es mit weniger als 1,2 Millionen "nur" etwas mehr als das 45-Fache (Abb. 17059).


Sind die Vorstandsbezüge nominal seit 2001 um mehr als 105 % gestiegen und haben sich damit mehr als verdoppelt, so lag der Zuwachs bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmer bei nur etwas mehr als 10 % - und der wurde dann von der Verbraucherpreissteigerung mehr als aufgefressen (Abb. 14023).


Auch Vorstandsmitglieder sind Arbeitnehmer. Hier zeigt sich, wie nicht nur zwischen Arbeitseinkommen und Unternehmens-/Vermögenseinkommen ein immer tieferer Graben entsteht, sondern auch zwischen Arbeitnehmern die Einkommensunterschiede immer extremer werden. Der bestbezahlte Vorstandsvorsitzende der 30 größten Unternehmen Martin Winterkorn von VW kommt auf 9,3 Millionen Euro oder das 317-Fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers. Der nächstbestbezahlte Dieter Zetsche von Daimler bringt es immer noch auf 8,7 Mio Euro. Dabei mußte der Staat gerade der krisengeschüttelten Automobilindustrie über die Abwrackprämie mit Steuerzahlergeld massiv unter die Arme greifen.

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global news 2330 17-03-11: Jetzt machen die Regierungsmedien, wie der SPIEGEL, mit grober Falschpropaganda auf Euro-Optimismus

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Frau Merkel schwimmen in der deutschen öffentlichen Meinung derzeit einige Euro-Felle weg. Prompt eilen die Regierungsmedien, wie der SPIEGEL, mit großen Kampagnen zur Hilfe. Der SPIEGEL schoß bereits zwei Breitseiten unter den Überschriften "Angst vor Euro-Crash - Die fatalen Irrtümer der D-Mark-Nostalgiker" und "Stabile Währung - Warum der Euro die bessere D-Mark ist" ab, beides relativ polemische Machwerke. Sich damit auseinander zu setzen lohnt nur, um die Art von Polemik einzuordnen, die hier stattfindet.

Mir sind viele gute Argumente für die Rettung des Euros bekannt. Es hilft bei der EU-Integration, wenn man das gleiche Geld in der Tasche trägt, jedenfalls solange die deutsche oder deutsch-französische Politik mit ihren Alleingängen nicht die anderen Partner vergrätzt. Es macht Reisen in der Eurozone angenehmer. Vor allem aber: Es ist viel zu spät, um ohne große Verluste aus dem Abendteuer auszusteigen.

Doch die Bundesregierung und die Regierungsmedien ziehen offensichtlich die gröberen und irreführenden Argumente vor. Hier eine Kostprobe aus dem SPIEGEL, der bei aller billigen Polemik auch noch meint, es sei "höchste Zeit, den Fiktionen ein paar Fakten entgegenzusetzen, um die Debatte zu versachlichen":

"Das europäische Geld ist extrem stabil - und sogar härter als die heißgeliebte D-Mark. Nach einer Analyse des Bundesverbands deutscher Banken lag die Inflation in Deutschland seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 durchschnittlich bei gerade einmal 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist wenig - vor allem auch im Vergleich zu den fünf D-Mark-Jahrzehnten zuvor. Zwischen 1949 und 1998 lag der durchschnittliche Wertverlust des Geldes beim Doppelten, also rund drei Prozent pro Jahr. Die deutlich höhere Rate zu D-Mark-Zeiten ergibt sich unter anderem, weil die Inflation in den siebziger Jahren extrem hoch war. Aber nicht nur deshalb. Selbst zwischen 1991 und 1998 betrug die Geldentwertung in der Bundesrepublik zwischen 0,9 und 5,6 Prozent. Im Durchschnitt waren es in den neunziger Jahren 2,5 Prozent. Bislang ist der Euro damit deutlich stabiler als die D-Mark."

Richtig ist dagegen: Hier werden zwischen DM und Euro Äpfel mit Birnen verglichen. Denn einerseits gab es zu DM-Zeiten zwei gewaltige Ölpreisschocks, wie sie der Euro bisher noch nicht erleben mußte. Dementsprechend sprang die Inflation überall in der Welt, gleich in welcher Währung, nach oben. Umgekehrt drückte die Weltwirtschaftskrise die Euroinflation in den vergangenen zwei Jahren nach unten (Abb. 17052). Beides sind Umstände, die mit den Währungen selbst nichts zu tun haben und in denen sich DM und Euro gleich verhalten hätten. Für einen weicheren Euro spricht jedoch, daß wir von unseren Europartnern mit vielen Produkten ständig die dort höheren Inflationsraten importieren, ohne daß dieser Effekt durch eine Wechselkursanpassung ausgeschaltet wird (Abb. 17058). Auch wäre die DM schon mehrfach aufgewertet worden, hätte sie weitergegolten, was die Importe von außerhalb der Eurozone erheblich verbilligt hätte.



"Auch den Vergleich mit der weltweiten Leitwährung Dollar muss die Gemeinschaftswährung nicht scheuen. In der Eurozone lag die Inflationsrate zwischen 1999 und 2009 bei durchschnittlich 2,1 Prozent. Im selben Zeitraum waren es in den USA im Schnitt 2,5 Prozent. So gering der Unterschied der beiden Zahlen erscheinen mag - sie bedeuten: Der Dollar hat binnen eines Jahrzehnts rund 20 Prozent mehr an Kaufkraft eingebüßt als der Euro."

Richtig ist dagegen: Der Dollar ist ein schlechter Vergleich, weil er durch die in den USA entstandene Wirtschaftskrise und seitdem durch das willkürliche Gelddrucken absichtsvoll erheblich geschwächt wurde. Ein korrekterer Vergleich wäre mit dem Schweizer Franken anzustellen. Zu DM-Zeiten war die Inflation in der Schweiz fast immer höher als in Deutschland, während sie nun mit dem Euro in Deutschland höher ist (Abb. 15030).


"Es stimmt ja: Der Euro hat eine schwierige Zeit hinter sich. Und er ist nach aktueller Lage immer noch in Gefahr. Die Fast-Pleiten Griechenlands und Irlands im vergangenen Jahr waren nicht eben eine gelungene Werbung für die Währungsunion. Wahr ist aber auch, dass der Euro bei weitem nicht an allen Problemen schuld ist. Auch wenn seine Gegner genau dies gern suggerieren. Um es kurz zu machen: Bereits zu D-Mark-Zeiten gab es kalte Winter, Trash im Fernsehen und Liebeskummer."

Richtig ist dagegen: Die Konstruktion des Euro ist an der Eurokrise und der mit einem geschwächten Euro verbundenen Verteuerung der Importe wichtiger Rohstoffe und Energie allein schuld. Vergleiche mit Liebeskummer und kaltem Wetter sind geradezu lächerlich und zeigen nur die Hilflosigkeit der Propagandisten auf.

"Das Fazit der Betrachtung von Binnen- und Außenwert kann nur lauten: Der Euro ist nicht einmal ansatzweise schlechter als die D-Mark. Eher stimmt: Er ist die bessere D-Mark."

Das ist leider wie gezeigt eine irreführende Argumentation.

"Umfragen zeigen, daß fast die Hälfte der Bundesbürger der Meinung ist, der Euro habe Deutschland mehr Nachteile als Vorteile gebracht. Fast 70 Prozent haben wenig bis kein Vertrauen in den Euro. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Deutschen Vorbehalte gegenüber der europäischen Integration insgesamt haben."

Richtig ist dagegen: Die Sorgen wegen des Euro auf deutsche Vorbehalte gegenüber der europäischen Integration selbst zu schieben, ist ziemlicher Blödsinn. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die derzeitige Eurokrise schürt die Kritik am Euro und die Sorgen um die Inflation und die drohende dauerhafte Transferunion. Das wiederum stärkt Zweifel an der europäischen Integration, zumal die Bundesregierung den Euro immer als Herzstück der europäischen Integration verkauft.


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global news 2329 17-03-11: Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Januar 2011: Stagnierend immer noch 4,4 % unter 2008, Stundenlohn sinkend

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Die deutsche gewerbliche Wirtschaft kommt weiter nur sehr langsam aus dem Krisental. Die Beschäftigung lag im Tiefstpunkt vom April 2010 um 5,9 % unter dem Jahresdurchschnitt von 2008 und nun im Dezember 2010 mit wieder leichtem Rückgang immer noch um 4,4 %. Gegenüber dem Gipfel vom September 2008 beträgt das Minus sogar 5,4 % (Abb. 14282). Dabei stagniert die Beschäftigung nun schon seit September vergangenen Jahres.


Das Statistische Bundesamt vergleicht dagegen mit dem Tiefstpunkt in der Krise und errechnet damit verglichen ein Plus der Beschäftigung um 1,5 %. Doch das ist ein irreführender Vergleich.

Im Januar 2011 lag das Entgeld pro Arbeitsstunde verbraucherpreisbereinigt um 3,6 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 14637). Pro Beschäftigten ergab sich wegen des Abbaus der Kurzarbeit ein Plus von 4,9 %. Im längerfristigen verbraucherpreisbereinigten Vergleich mit rollenden 12-Monatswerten, um Kalenderschwankungen auszuschließen, ist der Stundenlohn seit seinem Hoch im September 2009 ständig gefallen, bis Januar 2011 schon um 2,4 % (Abb. 14982).



Weiterlesen im Wochenbrief vom 31. 3. (kann hier bestellt werden).


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global news 2328 16-03-11: Neue Daten von Eurostat: Deutschland setzt Euro-zerstörerischen Niedriglohnwettbewerb fort

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Nach den heute veröffentlichten Ergebnissen von Eurostat zur Entwicklung von Löhnen und Gehältern im 4. Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahresquartal ist die deutsche Entwicklung nur noch von den Euro-Krisenländern Spanien, Irland und Griechenland unterboten worden (Abb. 15195). Im Vergleich zum Jahr 2000 war die deutsche Lohnentwicklung sogar die geringste (Abb. 15060). Damit setzt Deutschland seinen Verdrängungswettbewerb mit Niedriglöhnen selbst in der Krise fort und zerstört weiter das Gleichgewicht in der Eurozone. Am Ende stehen deutsche Ausgleichszahlungen. Es wäre sozialer gegenüber den deutschen Arbeitnehmern und den Euro-Partnern, wenn die deutschen Unternehmen von der übertriebenen Lohnbremse gingen.



Auch das Statistische Bundesamt hat jetzt die Entwicklung der Arbeitskosten im 4. Quartal 2010 veröffentlicht. Die darin enthaltenen Bruttolöhne und -gehälter lagen gerade einmal um 1 % über dem Vorjahreswert und für das gesamte Jahr 2010 um ganze 0,5 % (Abb. 04963). Damit sind die Bruttolöhne und -gehälter 2010 real um 0,6 % gesunken.


Weiterlesen im Wochenbrief vom 31. März (kann hier bestellt werden).


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global news 2327 15-03-11: Zum Problem alternder KKWs und dem Ablaßhandel der Regierungen

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Die noch vom Gau bedrohten oder schon im Gau befindlichen Anlagen in Fukushima sind 40 Jahre alt. Auch mehrere Anlagen in Deutschland haben ein - wenngleich wenig gesegnetes - Alter erreicht und laufen immer noch. Das Alter segnet hier nicht, weil die Technologie in diesen früheren Zeiten längst nicht so sicher war wie bei moderneren KKWs und weil Nachrüstungen nicht deren Grad an Sicherheit erreichen können. Auch wurden seinerzeit KKWs rücksichtlos selbst in Gebieten mit Erdbebengefahr gebaut, auch in Deutschland. Gefahren kommen von der Technik, aber auch von den die Anlage betreibenden Menschen. Die haben den Gau in Tschernobyl ausgelöst. Auch bei Fukushima war offensichtlich eine Menge Schlamperei im Spiel, die gerade bei älteren Anlagen das Sicherheitsrisiko unerträglich hochtreibt.

Gesegnet sind die alten KKWs nur für den Geldbeutel der Betreiber, denn ihre Baukosten sind längst abgeschrieben. Im Unterschied zu konventionellen Kraftwerken sind KKWs im Betrieb weit billiger, jedoch in den längst abgeschriebenen Baukosten weit höher. Mit der Verlängerung der Betriebszeiten wollte die schwarz-gelbe Koalition mit einer Sondersteuer für die Betriebsverlängerung an die Extragewinne der Alt-KKWs herankommen. Die Bundesregierung hat damit Sicherheit gegen den Ablaß von Steuerzahlungen eingehandelt - ein besonders schmutziges Geschäft zulasten der Sicherheit.

Im Unterschied zu frühen Nuklearbomben vom Hiroshimatyp haben KKWs ein Vielfaches an Kernmaterial in ihren Anlagen. So sind im zerstörten Reaktor von Tschernobyl trotz der großräumigen Verseuchung (siehe Abbildung) immer noch 200 Tonnen an Kernbrennstoff verblieben, die dort nun für Jahrhunderte gesichert werden müssen, bis die Strahlung abgeklungen ist. 200 Tonnen ist unglaublich viel mehr als die etwa 60 Kilogramm angereichertes Uranium, die in der Hiroshima-Bombe zum Einsatz kamen.


Tschernobyl ist heute ein gespenstischer Platz, der sich von mehreren Besuchen tief in mein Gedächtnis eingegraben hat (siehe Abbildung direkt nach dem Gau).


Ich habe dazu ein kleines Video zusammengestellt:


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global news 2326 14-03-11: Die Kanzlerin arbeitet in Verteidigung der Eurohilfen mit gezinkten Argumenten

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Frau Merkel heute in BILD:

"Trotzdem bringt der Euro uns große Vorteile, und das wissen die meisten auch. Seit wir den Euro haben, liegt die Inflation im Schnitt niedriger als zu D-Mark-Zeiten. Das stärkt die Kaufkraft aller Bürger."

Das ist jedoch ein irreführendes Argument. Denn einerseits gab es zu DM-Zeiten zwei gewaltige Ölpreisschocks, wie sie der Euro bisher noch nicht erleben mußte. Dementsprechend sprang die Inflation überall in der Welt, gleich in welcher Währung, nach oben (Abb. 17052). Umgekehrt drückte die Weltwirtschaftskrise die Euroinflation in den vergangenen zwei Jahren nach unten. Beides sind Umstände, die mit den Währungen selbst nichts zu tun haben und in denen sich DM und Euro gleich verhalten hätten.


Die relative Schwäche des Euro zeigt im übrigen auch der Vergleich mit dem Schweizer Franken. Zu DM-Zeiten war die Inflation in der Schweiz fast immer höher als in Deutschland, während sie nun mit dem Euro in Deutschland höher ist (Abb. 15030). Erst recht verteuert ein durch die Euro-Krise geschwächter Euro die Importe wichtiger Rohstoffe und Energie und schiebt damit derzeit die Inflation an. Außerdem importieren wir von unseren Europartnern mit vielen Produkten ständig die dort höheren Inflationsraten, ohne daß dieser Effekt durch eine Wechselkursanpassung ausgeschaltet wird (Abb. 17058).



Zum anderen hatten wir zu DM-Zeiten weit höhere durchschnittliche Wachstumsraten (Abb. 17053). Zu diesen Zeiten stiegen auch die Arbeitseinkommen über viele Jahre verhältnismäßig stark, was ganz normal ist. Dagegen haben wir seit dem Euro eine besonders starke Lohnbremse in Deutschland und dementsprechend eine niedrigere Inflationsrate (Abb. 17054).



Im Ergebnis fiel die reale Kaufkraft der Bürger, was sie vorher zu DM-Zeiten im Durchschnitt wesentlich weniger getan hat. Die Arbeitseinkommen sind während der Eurozeit kaufpreisbereinigt von 2002 bis 2010 um jahresdurchschnittlich 0,58 % gefallen, während sie zwischen 1991 und 2001 nur um 0,22 % fielen (Abb. 17055). Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die Inflationsraten mit der Entwicklung des Verbrauchs privater Haushalte vergleicht, wozu die Zahlen ab 1991 verfügbar sind. In den DM-Jahren stieg der Verbrauch noch um jahresdurchschnittlich 1,9 %, während es seit dem Euro nur noch 0,3 % waren (Abb. 17056).



Bei einem solchen Zusammenbruch an Kaufkraft und Verbrauch konnte sich natürlich kaum noch Inflation entwickeln (außer durch steigende Energiepreise importierte). Was die Kanzlerin hier als "Stärkung der Kaufkraft aller Bürger" Dank Euro vorgaukelt, ist schlicht eine bewußte Irreführung, um nicht Lüge zu sagen.


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