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Reihe 76 ab 08-09-10 ... ...

(2157) Lügen haben kurze Beine: Minus im Einzelhandelsumsatz straft Konsumforschung Lügen

(2156) Keine Wunder am Arbeitsmarkt, nur meist schlechte Jobs

(2155) Die Propaganda-Maschine des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit (keine Zunahme, sondern Stagnation)

(2154) Weltwirtschaft: Die Zeichen stehen wieder auf Sturm

(wb27.59) Jahr 3 n.L. (nach Lehman): Warten auf die nächste Finanzmarktkrise?

(2153) Statt korrekter Information, fast nur noch Trickserei

(2152) Hartz-4: Die Trickserin

(2151) Hartz IV: Leben ohne jeden Genuß

(2150) Mängel in der Neuberechnung von Hartz-4

(2149) Die Bundesregierung unterschlägt mit ihrem Gerede von bevorstehender Vollbeschäftigung die Produktivitätsentwicklung und die Qualität der Beschäftigung

(2148) Mini-Job = Mini-Rente = Altersarmut

(2147) Die neuen Bundesländer haben schon 10 % der Bevölkerung verloren

(2146) Schon wieder geschwindelt: Kein "größtes Plus seit 2007" bei den Löhnen

(2145) Rentenreform auf kranken Füßen: Nur noch 9 % der 63-Jährigen und 6 % der 64-Jährigen mit Vollzeitbeschäftigung (der Rest krank, minderwertig beschäftigt oder arbeitslos)

(2144) 10 % von 4,7 Mrd Menschen in 50 Ländern besitzen 51 % der Geldvermögen

(2143) Die Banken zocken wieder, fast als wäre Lehman nie gewesen

(wb26.57) Zum deutschen Versagen bei der Integration von Immigranten

(2142) Der Währungskrieg hat begonnen: Abwertungschlacht Yen zu Renmimbi

(2141) Neue Umfrage: Mehrheiten in Europa skeptisch zu China-Kooperation, Türkei-EU-Mitgliedschaft, Afghanistan und dem Euro

(2140) Die Banken der Eurozonen-Schwachländer sind total von EZB-Krediten abhängig

(2139) Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Juli: 5,3 % unter Durchschnitt 2008

(2138) Von wegen "gesegnetes Alter" und längere Lebenserwartung: 29,2 % derer ab 75 sind schwerbeschädigt

(2137) China wird immer mehr zum Konkurrenten für westliche Produzenten von Infrastrukturausrüstungen

(2136) Die HRE kostet uns siebenmal mehr als die jährliche Zahlungen für 5 Mio Hartz-4-Empfänger, doch wer waren die Aktionäre?

(wb25.55) Von Skandinavien lernen

(2135) Von den "Moor-Bomben" und dem Treibhausklima

(2134) Deutschland: Volk in Angst

(2133) Endspiel um Griechenland

(2132) Der deutsche Industrieumsatz schon wieder im Abschwung

(2131) Wenig Lohn, mehr Insolvenzen, stagnierender Export




global news 2157 01-10-10: Lügen haben kurze Beine: Minus im Einzelhandelsumsatz straft Konsumforschung Lügen

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Erst vor drei Tagen verbreitete die Gesellschaft für Konsumforschung die frohe und - wie sich zeigt - verlogene Botschaft vom Konsumboom. Und SPIEGEL-online berichtete prompt und mit dem obligaten Photo eines käufervollen Kaufhauses:

"Deutsche shoppen die Krise weg. Die Bundesbürger blicken optimistisch in die Zukunft - und kaufen wieder fleißig ein: Angesichts robuster Konjunkturprognosen legt das Konsumklima deutlich zu."

Heute nun meldet das Statistische Bundesamt den Einzelhandelsumsatz für August und der ist schon seit Mai kontinuierlich mit einer Jahresrate von 2,4 % gefallen (Abb. 04943), auch wenn das Amt mit einer neuen Erfassung versucht hatte, die Daten aufzuhübschen und jetzt mit einem irreführenden Vergleich mit dem Krisentiefstpunkt des Vorjahres und der Überschrift "Einzelhandelsumsatz im August 2010 real um 2,2% gestiegen" Stimmung machen möchte. Der grafische Vergleich mit dem angeblichen Konsumklima der Gesellschaft für Konsumforschung spricht Bände (Abb. 14696).



Schlimm auch, daß die Deutschen weiter vor allem bei der Nahrung sparen müssen. Dazu das Statistische Bundesamt:

"Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2010 nominal 0,3% und real 2,0% weniger um als im August 2009. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten nominal um 0,2% und real um 1,9% niedriger als im Vorjahresmonat. Im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln wurde nominal 1,3% und real 2,4% weniger als im August 2009 umgesetzt."

Hier ist also selbst im Vorjahresvergleich der Abstieg gegenüber dem Tiefstpunkt noch weiter gegangen. Die Deutschen shoppen nicht die Krise weg, sondern sparen sich durch. So, nun mal alle schön einkaufen. Schließlich meldet nun BILD heute mit Balkenüberschrift für uns alle "steigende Löhne", obwohl nur ein einziger Tarifabschluß für die Stahlindustrie vorliegt und die Tarifbindung der Unternehmen immer weiter absackt.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/9gVejy

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global news 2156 30-09-10: Keine Wunder am Arbeitsmarkt, nur meist schlechte Jobs

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Die Zahl der Beschäftigten stagniert seit Monaten (Abb. 14915). Die so wichtige Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im letztgenannten Monat Juli gegenüber dem Vormonat Juni sogar um 0,15 % zurückgefallen (Abb. 04008).



Die Zahl der amtlich gemessenen Arbeitslosigkeit ist zwar im Jahresvergleich um 9,4 % zurückgegangen. Doch die ehrlichere Zahl der Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) lag mit 4,1 Millionen und einer fast unveränderten Unterbeschäftigungsquote von 9,7 % weiterhin sehr hoch. Vor allem: Abzüglich der offiziell gezählten Arbeitslosigkeit lag die in der Unterbeschäftigung versteckte im September 14 % über der vom Januar 2009.

Und die besonders bedrückende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als 12 Monate arbeitslos waren, ist gegenüber dem Vorjahr praktisch nicht zurückgegangen, womit der Anteil dieser besonders unglücklichen Arbeitslosen an allen Arbeitslosen auf 33 % gestiegen ist. Deutschland hatte nach einem neuen OECD-Vergleich auch 2009 den höchsten Anteil der Vergleichsländer.

Im Wesentlichen sind nur minderwertige Jobs neu entstanden. Bei der Arbeitnehmerüberlassung, die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für die besonders unsichere und in den Regel schlechter bezahlten Leiharbeit, kam es im letztgemeldeten Monat Juli wieder zu einem starken Anstieg um 33,2 % gegenüber Vorjahr, was die Gesamtqualität des Zuwachses an Beschäftigung mindert. Weit mehr als die Hälfte (58,1 %) des Abbaus von Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich geht allein auf das Konto der Zunahme an minderwertiger Leiharbeit. Außerdem trägt allein die demographische Entwicklung zu einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots um jahresdurchschnittlich 147.000 bei, was 44 % des verzeichneten Rückgangs an Arbeitslosigkeit entspricht.

Ohne die demographische Entwicklung und ohne die minderwertige Leiharbeit wäre die Arbeitslosigkeit also gestiegen.

Nur noch 53,2 % der Arbeitslosengeldempfänger werden ehrlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980). Die statistische Verschleierung der Realität ist ein bleibendes Ärgernis und eine Schande für eine amtliche Behörde. Das ungenützte Arbeitskräftepotenzial ist mit 43 % eines der höchsten aller Vergleichsländer und wird in Westeuropa nur von Italien und Spanien übertroffen.


Obwohl die amtlich gezählte Arbeitslosigkeit im Vormonatsvergleich nur um 40.000 gefallen ist, melden die Medien wieder große Erfolge, allen voran SPIEGEL-online: "Arbeitslosenzahl sinkt überraschend deutlich. Experten hatten mit einem schwächeren Rückgang gerechnet". Immer wieder müssen angebliche Experten dafür herhalten, das Ergebnis aufzuhübschen. Und da kann auch Bundeswirtschaftsminster Brüderle nicht zurückhalten: "Deutschland ist im Aufwind. Wir haben gute Chancen, einen goldenen Herbst am Arbeitsmarkt zu erleben. Die Septemberzahlen sind sehr ermutigend. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist merklich stärker ausgefallen als im September normalerweise üblich. Ebenso erfreulich ist die Zunahme bei der Beschäftigung." Hat er gar nicht bemerkt, daß die Beschäftigung stagniert und die sozialversicherungspflichtige zuletzt zurückgegangen ist?

Einen ausführlichen Bericht bringt der neue Schwerpunkt hier.


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global news 2155 30-09-10: Die Propaganda-Maschine des Statistischen Bundesamts zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit (keine Zunahme, sondern Stagnation)

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Heute kommt die frohe Nachricht aus dem Statistischen Bundesamt unter der Überschrift "Erwerbstätigkeit nimmt weiter zu". Liest man dann weiter im Kleingedruckten, so heißt es da: "Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausblendung üblicher jahreszeitlich bedingter Schwankungen, ergibt sich gegenüber dem Vormonat Juli 2010 ein leichtes Plus von 2 000 Personen." Das leichte Plus unter dieser bombastischen Überschrift ist in der Tat ein Plus von 0,046 %. Praktisch stagniert die Beschäftigung schon seit drei Monaten (Abb. 14915). Will uns da Jemand auf den Arm nehmen?



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global news 2154 29-09-10: Weltwirtschaft: Die Zeichen stehen wieder auf Sturm

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Nach etwas Ruhepause riecht es wieder an vielen Ecken der Weltwirtschaft nach Schwefel. Nun entbrennt ein Währungskampf mit Kampfabwertungen, ausgelöst durch die andauernde Währungsmanipulation des Exportweltmeisters China. Mehrere der hart angeschlagenen Defizitländer vertragen die Sparmedizin schlecht und reagieren mit Wirtschaftseinbrüchen, was dann die Finanzierungskosten der Staatsverschuldung hochtreibt, so zuletzt bei Irland. Die Notenbanken gehen teilweise wieder zu künstlicher Liquidität über die Notenpresse über und halten die Zinsen am Boden. Die beiden Hauptüberschußländer China und Deutschland setzen allein auf Exporte und tun wenig oder nichts, um die Binnenkonjunkturen anzukurbeln und damit den Defizitländern Ausgleichsmöglichkeiten einzuräumen. Gerade Deutschland geht bei den Sozialleistungen derzeit auf die Sparbremse und lehnt als einziges der westlichen Industrieländer gesetzliche Mindestlöhne ab, die die Binnenkonjunktur befeuern könnten.

Es ist bereits abzusehen, daß das auf drei Jahre bemessene Eurozonen-Beistandsprogramm die Euro-Schwachländer nicht in diesem Zeitraum aus ihren Nöten befreien wird. Entweder wird bald beschlossen, es zu einer Dauereinrichtung zu machen, oder die Anleihemärkte werden weiter auf Umschuldungen einzelner Eurozonenländer spekulieren und deren Anleihezinsen hochhalten. Das neue AAA-Rating des Eurobeistandsfonds ESFS heißt im Klartext "Deutschland wird schon zahlen", entgegen allen Versprechungen der Bundeskanzlerin an das deutsche Volk.

Der brasilianische Finanzminister warnte gestern, ein internationaler Währungskrieg sei ausgebrochen. Vorausgegangen war eine Reihe von Interventionen von Ländern in Asien (Japan, Südkorea und Taiwan), die alle versuchen, ihre Währungen abzuwerten. Brasilien interveniert jetzt auf dem lokalen brasilianischen Markt mit etwa dem 10-Fachen der normalen Tagesmenge. Dahinter steht nicht zuletzt die Hartnäckigkeit, mit der China weiter Währungsübeschüsse aufbaut und eine wirkliche Aufwertung seiner Währung manipulativ verhindert. Während der Renmimbi gegenüber dem Dollar wahrscheinlich nahe 20 % unterbewertet ist, hat China bisher nur 2 % an Aufwertung zugelassen, und auch erst in den letzten Wochen unter politischem Druck. (Abb. 08150). Die reale effektive Wechselkursrate des Renmimbi gegenüber den wichtigsten Währung stieg über die letzten 8 Jahre nur um etwa 6 % (Abb. 15071). Durch die Anbindung an den abwertenden US-Dollar wertet China gegenüber anderen Währungen, wie dem japanischen Yen, sogar erheblich ab (Abb. 08208). Es wird nun erwartet, daß der US Congreß in der heutigen House-Abstimmung mit Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, daß China zum Währungsmanipulator erklärt. Das Gesetz erlaubt amerikanischen Gesellschaften Klagen gegen Importeure aus China einzubringen.




Griechenland und Irland verzeichneten im 2. Quartal 2010 auf Jahresbasis gerechnet Einbrüche der Wirtschaftsleistung gegenüber dem 1. Quartal von 6,8 %, bzw. 4,8 %. Bei Spanien und Portugal schwächte sich die Wirtschaftsentwicklung auf schwache Pluspostionen von 0,7 % und 1,1 % ab. In vielen Ländern Europas, vor allem Spanien (erster Generalstreik seit sehr vielen Jahren), Irland, Belgien und Polen sind heute gleichzeitig Arbeitnehmer auf die Straße gegangen, um gegen den Sparkurs ihrer Regierungen zu protestieren. Die internationalen Finanzmärkte reagieren auf solche Entwicklungen mit einer weiteren Erhöhung der Finanzierungslasten.

In Deutschland und China bleibt der Verbrauch der privaten Haushalte wegen einer gezielt falschen Wirtschaftspolitik, die nur auf Export setzt, schon seit vielen Jahren hinter der Wirtschaftsentwicklung zurück und schädigt damit die Handelspartner (Abb. 08209). Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr ziehen beide Länder wieder ihre Handelsbilanzüberschüsse hoch. Während sich China auf die manipulierte Währung und andere unfaire Praktiken stützt, nutzt die deutsche Exportwirtschaft die Euroschwäche aus, die durch die Krise in einigen besonders schwachen Euroländern und die damit verbundene Niedrigstzinspolitik der EZB bedingt ist, aber mit der deutschen Außenhandelsentwicklung keinen Zusammenhang mehr hat.


In USA hält die Misere am Arbeitsmarkt an und drückt auf das Konsumklima (Abb. 05073). Das Volumen an Konsumentenkredite ist seit 2009 von 2,6 auf 2,4 Billionen $ gefallen, nachdem es 65 Jahre lang gewachsen war. Ebenso ist das Volumen von Krediten an die Wirtschaft von 1,65 auf nur noch 1,25 Billionen $ eingebrochen. Die Banken legten das leichte Geld der Fed wieder bei der Fed an. Damit stößt nun auch die Politik der Fed mit der Liquiditätsschöpfung an Grenzen. Die größte Volkswirtschaft der Welt kränkelt weiter.



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global news wb27.59 29-09-10: Jahr 3 n.L. (nach Lehman): Warten auf die nächste Finanzmarktkrise?

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Die Regierungen hatten nach dem Lehman-Zusammenbruch, der wie ein Tsunami über die Kreditmärkte kam, nun bereits zwei Jahre Zeit, um uns gegen neue Krisen dieser Art zu schützen. Doch wenig ist geschehen. Auch wurde kein einziger der für die Krise Verantwortlichen weder strafrechtlich noch sonstwie zur Verantwortung gezogen. Der Kommentator der New York Times beschrieb das unter der Überschrift "Niemand ist für Irgendetwas verantwortlich". Und Alan Greenspan, oberster Finanzmarktwächter während 18 Jahren meinte vor dem US Kongreß-Ausschuß, er hätte 70 % der Zeit richtig gelegen und nur 30 % falsch. Dazu der Kommentar: So könnte auch der Kapitän der Titanic sagen, er sei 70 % der Zeit auf dem richtigen Kurs gewesen. In Deutschland ist z.B. Jörg Asmussen, der seinerzeit als Ministerialdirektor für die Bankenaufsicht im Finanzministerium verantwortlich war, selbst im Aufsichtsrat der IKB saß, die den Steuerzahler viel Geld kostete, und der in Deutschland die hochriskanten Verbriefungen von Forderungen aus Hypotheken salonfähig gemacht hatte, von Steinbrück noch zum Staatssekretär befördert worden. Sein Vorgänger Koch-Weser ging als Berater zur Deutschen Bank.

Vor allem wurde das Zeitfenster verpaßt, in dem die Bankenlobby schwach war. Jetzt kann sie wieder drohen, z.B. mit der Verweigerung von Krediten an die Wirtschaft, oder mit neuen Profiten neue Parteispenden starten. Entsprechend mager sind die Ergebnisse all der beschwörenden Worte aus der Politik, die jede weitere Krise durch entschlossene Reformen vermeiden wollte:

-> Die großen Investmentbanken, die den Tsunami überlebten, wurden nicht zerschlagen und sind wieder in voller Größe da, jedenfalls weiterhin groß genug, um die Regierungen im Notfall erpressen zu können. Zwar mußten in USA einige das Handtuch werfen, doch die überlebenden zwei ganz Großen, nämlich Goldman und Morgan Stanley, sind nun noch größer geworden. Sie betreiben wieder - in den denkwürdigen Worten des Goldman-Chefs - „Gottes Arbeit".

-> Zwar wurden etwas höhere Eigenkapitalsätze vorbereitet, die nun wahrscheinlich so verabschiedet werden. Doch - nicht zuletzt auf Druck der um die deutschen Landesbanken besorgten Bundesregierung - sind sie so niedrig angesetzt, das sie in schlimmen Fällen zur Krisenverhinderung nicht ausreichen werden. Wie stark die Eigenkapitalsätze über viele Jahrzehnte von einst 15 % bis 25 % auf nur noch 4 % bis 8 % z.B. für Großbritannien und USA heruntergerutscht sind, hat die Financial Times graphisch dargestellt (Abb. 16157); die deutschen Werte liegen noch unter den britischen.


Der neue Mindestsatz von 7 % wird nur sehr langsam über fast 10 Jahre eingeführt. Dabei hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einer Studie selbst festgestellt, daß ein Prozent mehr Kernkapital längerfristig nur zu 0,1 % weniger Wirtschaftswachstum führt (Abb. 16158). Die Kreditverluste der amerikanischen Banken aus der letzten Krisen lagen bei etwa 7 %, also mehr als jetzt als Kernkapital vorgeschrieben wird, so daß die Quote bei einem Puffer von 4 % eigentlich bei 11 % liegen sollte.


-> Auch die neuen Eigenkapitalregeln beruhen auf dem in der letzten Krise diskreditierten System der Risikogewichtung von Anlagen, bei dem die Banken selbst das Ausmaß des Risikos aus bestimmten Anlagen einschätzen.

-> Der gigantische Handel mit Finanzwetten in Form von Derivaten ist weiter ungeregelt und hat erneut zugenommen, fast alles total intransparent (Abb. 03803). So können die Investmentbanken weiter mächtig spekulieren und ihre Gewinne und Bonuszahlungen hochfahren (Abb. 16156).



-> Hedgefonds, von denen viele den Banken gehören, entziehen sich immer noch jeder Kontrolle. Da die Finanzierung über Banken durch höhere Eigenkapitalvorschriften nun verteuert wird, besteht die Gefahr, daß das spekulative Geschäft noch mehr zu Hedgefonds und anderen wenig oder gar niicht kontrollierten Schattenbereichen außerhalb der Banken abwandert. Auch die immer größeren Hedgefonds können zu systemischen Risiken werden, die den Steuerzahler fordern.

-> Die Bonuszahlungen für Top-Manager der 100 Top-Unternehmen in der Listung der Financial Times liegen bereits wieder nahe dem Vorkrisenniveau. Nach einer neuen Untersuchung lag das Bonusniveau bei 100 % des Basisgehaltes, und bei den Top 30 sogar bei 140 %. Eine Steuer auf Bonuszahlungen ist am Widerstand der Banken gescheitert.

Selbst die Manager der HRE haben vor kurzem Bonuszahlungen in der Gesamthöhe von 25 Millionen Euro erhalten. Mitarbeiter der verstaatlichten Bank hätten nach einem Bericht im SPIEGEL auf alte Zusagen gepocht und mit Klagen gedroht, obwohl ihr Arbeitgeber allein 2009 einen Verlust von 2,2 Mrd Euro gemacht hat. Einige Banker hätten so jeweils mehr als eine Million Euro kassiert, während die Gehälter der HRE-Vorstände nach wie vor auf 500 000 Euro begrenzt sind.

-> Ein international zu regelnder Notfonds mit Beiträgen der Banken scheiterte am Widerstand einzelner Länder.

-> Der Markt für Verbriefungen ist nach dem Absturz mit den miesen Hypothekenpapieren noch nicht wieder zu neuem Leben erwacht. Doch haben die Regierungen keine international abgestimmten Maßnahmen beschlossen, um ihn besser zu überwachen, falls er wieder auflebt.


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global news 2153 28-09-10: Statt korrekter Information, fast nur noch Trickserei

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Besonders die Zahlen vom Arbeitsmarkt, die Ausgangsdaten für die Hartz-4-Regelsätze (siehe hier) und die Umfrageergebnisse zum Konsumverhalten eignen sich hervoragend für Manipulationen. Ein Beispiel bietet heute wiedereinmal das Umfrageergebnis der Gesellschaft für Konsumforschung zum Konsumklima. Da berichtet SPIEGEL-online - die meisten anderen Medien werden folgen - unter der Überschrift "Konsumboom":

"Deutsche shoppen die Krise weg. Die Bundesbürger blicken optimistisch in die Zukunft - und kaufen wieder fleißig ein: Angesichts robuster Konjunkturprognosen legt das Konsumklima deutlich zu."

Tatsächlich ist das ganze nur eine nicht nachprüfbare Umfrage (Abb. 04711). Interessant ist dabei, wie dieser künstliche Optimismus vom seit langer Zeit stagnierenden Einzelhandelsumsatz abweicht, und letzterer beruht immerhin auf einer statistischen Erhebung und nicht nur Stimmungslagen (Abb. 14696).




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global news 2152 28-09-10: Hartz-4: Die Trickserin

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Nachvollziehbar und fair und unbestechlich soll nach von der Leyen die Berechnung der neuen Hartz-IV-Regelsätze sein: "Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine klare Sprache". Doch die Ministerin hat sich nicht nur an die statistischen Daten gehalten, sondern mit diesen herumgespielt, bis das Ergebnis stimmte. Dabei handelt es sich vor allem um dreierlei Tricks.

Erstens sollte Vergleichsmaßstab das Ausgabenverhalten des untersten Fünftels der Einkommensbezieher sein. Aber die Hartz-IV-Empfänger selbst dürfen laut Verfassungsgericht nicht dabei sein, um einen Zirkelschluss zu vermeiden. Daher mußte das Arbeitsministerium alle Bezieher von Grundsicherung herausrechnen. Nun hätte man vom Rest das unterste Fünftel bestimmen müssen. Doch da diesmal relativ viele Hartz-IV-Empfänger herausgerechnet werden mußten, wäre das Ausgabenverhalten der Referenzgruppe stärker gestiegen. Also wurden bei Einzelpersonen ohne Kinder die untersten 15 % und nicht 20 % als Referenzgruppe benutzt, also eine Gruppe mit noch niedrigerem Ausgabenverhalten, und damit die Regelsätze entsprechend heruntermanipuliert. Bei Kindern beließ man es dann bei den 20 %.

Zweitens wurden aus dem Ausgabenverhalten dieser untersten Gruppe viele Ausgaben nach politischen Vorgaben herausgenommen. Das gilt z.B. für Alkohol (auch das Gläschen Bier), Tabak, Schnittblumen, der gelegentliche Besuch in der Kneipe für den mitmenschlichen Kontakt, die chemische Kleiderreinigung. All das hat ein Langzeitarbeitsloser nach von der Leyen zum Leben nicht nötig. Die Begründungen sind teilweise ausgesprochen peinlich. So heißt es beim Ausschluß der chemischen Reinigung: "Solche Ausgaben sind nur bei teueren Kleidungsstücken erforderlich und stehen häufig mit einer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang." Doch ein Arbeitsloser braucht offensichtlich nach Meinung der Ministerin keinen sauberen Anzug, auch nicht zur Vorstellung für einen Job. Übrigens beruhen einige Verbrauchszahlen auf den Angaben von weniger als 25 Haushalten; auch hier kann man Fragezeichen setzen, zumal solche Werte dann wegen statistischer Geheimhnaltung nicht veröffentlicht werden.

Drittens fängt die Trickserei eigentlich schon bei der mechanischen Beziehung auf den untersten Teil der Einkommensbezieher an. Denn von der Leyen lehnt die sonst in den entwickelten Industrieländern üblichen gesetzliche Mindestlöhne strikt ab. Damit werden in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer zu Niedriglöhnern. Der Anteil an den sozialversicherungspflichtig Vollbeschäftigten stieg von 13,5 % 1992 auf 19,6 % 2007 und seitdem sicher weiter, auch wenn statistische Daten noch nicht bekannt sind (Abb. 14914). Das unterste Fünftel der Einkommensbezieher sinkt damit immer tiefer. So verkürzen von der Leyen und die Bundesregierung durch Ablehnung gesetzlicher Mindestlöhne die Bezugsgröße für die Hartz-4-Regelsätze immer weiter.


Und die CSU-bayerische Arbeits-, Sozial- und Familienministerin Haderthauer bringt das Ganze auf die zynische Formel : "Nein, denn es gibt hier kein Wunschkonzert". Es ist eben nur ein Konzert nach den Haushalts- und parteipolitischen Wünschen der Bundesregierung.


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global news 2151 27-09-10: Hartz IV: Leben ohne jeden Genuß

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In der Diskussion um die Hartz-IV-Sätze setzt die Bundesregierung auf den in Deutschland relativ leicht zu entwickelnden Sozialneid. Westerwelles berühmte Friseusin feierte gestern bei Anne Will fröhliche Urstände. Hier erklärte auch von der Leyen, der Einkommensabstand zu dieser Friseusin müsse gewahrt bleiben. Eigentlich müßte durch Deutschland nun ein Ruf nach Mindestlöhnen branden, wie sie überall in unseren Nachbarländern und auch in Amerika erfolgreich als soziales Netz nach unten funktionieren. Statt dessen erlaubt man in Deutschland der Bundesregierung, mit der Verweigerung von gesetztlichen Mindestlöhnen das Einkommen der Friseusin unten zu halten und daran anknüpfend Hartz-IV auf allerniedrigstem Niveau zu deckeln. Kaum eine Friseusin würde bei einem Mindestlohn ihren Arbeitsplatz verlieren, wie immer wieder von den Arbeitgebern und der Bundesregierung als Folge von Mindestlöhnen an die Wand gemalt wird (nach China zum Haareschneiden?). Die gesamte Hartz-IV-Diskussion in Deutschland hinkt daher total. Sozialneid regiert die Szene. In den Worten des heutigen BILD-Kommentars:

"Fünf Euro mehr im Monat sind nicht viel - aber sicherlich kein Skandal, wie die Opposition behauptet. Denn die Zahlen orientieren sich an dem, was Familien mit geringen Einkommen ausgeben. Es wäre ein Skandal, wenn der Abstand zwischen denen, die arbeiten, und denen, die nicht arbeiten können oder wollen, noch kleiner würde."

Hinzu kommt die stagnierende oder negative Reallohnentwicklung in Deutschland, die bereits seit dem Jahr 2000 stattfindet (Abb. 14849). Bei Anne Will behauptete von der Leyen gestern, die Löhne seien nur einmal gefallen und das in der Krise des vergangenen Jahres. Doch da schwindelt sie sich mit den Nominallöhnen an der entscheidenden Entwicklung der inflationsbereinigten Löhne vorbei. Auch das ist einer Arbeits- und Sozialministerin unwürdig.


Auch trifft die Behauptung von der Leyen's (ebenfalls gestern bei Anne Will) nicht zu, daß die Fürsorge für Langzeitarbeitslose in Deutschland besser als in den anderen Ländern sei. In Ausgaben pro Kopf der Arbeitslosen wird Deutschland nur noch von Großbritannien, Griechenland, Italien und Portugal unterboten, wobei der deutsche Betrag durch den besonders hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen mit den niedrigen Hartz-IV-Beträgen zusätzlich gedrückt wird (Abb. 15920). Nach einer anderen Statistik liegt auch die Armutsgefährdung im W-Europa-Vergleich für Deutschland relativ hoch (Abb. 15577).



Die neuen Sätze bedeuten, daß Einzelpersonen von 11,86 Euro pro Tag leben müssen. Dabei sind Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke gerade einmal mit 4,21 Euro angesetzt. Das Bierchen, mit dem die Sorgen gelegentlich hinuntergespült werden durften, wurde als Genußmittel klassifiziert und wie aller Alkohol und Tabak gestrichen. Das entspricht einer Streichung von 18,30 Euro pro Monat. Die angebliche Erhöhung von 5 Euro ist also netto eine Streichung um 13,30 Euro. Auch hier wird gelogen. Offensichtlich gönnt die Bundesregierung den Langzeitarbeitslosen nicht den geringsten Lebensgenuß, nicht einmal ein Glas Bier. Was für ein trauriges Deutschland!

Schlimm auch, wie mit den Bildungsausgaben verfahren wird, obwohl immer wieder davon die Rede ist, Langzeitarbeitslose mit mehr Bildung von ihrem Schicksal zu befreien. Bei einer erwachsenen Einzelperson wurden ganze 5 Cents pro Tag für Bildungsausgaben angesetzt, bei einem Jugendlichen zwischen 7 und 14 Jahren sind es 4 Cents (Abb. 14912, 14913). Auch hier regiert also die Lüge.



Schließlich ist die Orientierung am Ausgabenverhalten des untersten Einkommensfünftels schon deshalb nicht in Ordnung, weil dieses Fünftel in Deutschland immer mehr absackt, und zwar wegen der besonders ungleichen Einkommensverteilung, der starken Zunahme des Niedriglohnsektors und damit der auch mit Arbeit Armen (Abb. 15289, 15048, 15921, 15922). Hinzu kommt das Fehlen von Mindestlöhnen, so daß sich die deutschen Niedriglöhne immer weiter von der Entwicklung der Mindestlöhne in anderen Ländern nach Unten entfernen (Abb. 15044). Mit dem in Deutschland regierungsamtlich freien Spiel des Niedriglohnsektors wird so gleichzeitig Hartz-4 in einen noch engeren Rahmen geboxt.







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global news 2150 26-09-10: Mängel in der Neuberechnung von Hartz-4

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Vorweggeschickt: Ich bin kein Experte für Hartz-4. Doch was ich nun so anläßlich der aktuellen Diskussion herausfinde, sieht nicht gut aus. Da gibt es die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008, die die neue Berechnungsgrundlage abgibt. Wie hoch der notwendige Bedarf eines Hartz-IV-Empfängers ist, berechnet die Bundesregierung anhand der Konsumausgaben eines Alleinstehenden im untersten Fünftel der Einkommensskala. Dabei wird ermittelt, wieviel Geld die Vergleichsgruppe etwa für Kleidung, Lebensmittel oder Fortbewegung ausgibt.

Nun kann aber die Bundesregierung im Rahmen ihres politischen Ermessens einzelne Ausgabenkategorien ausschließen. Von den Koalitionsspitzen diesmal zusätzlich gestrichen wurden so die bisherigen Pauschalen für Tabak und Alkohol von zusammen 18,30 Euro im Monat. Vorher schon gestrichen wurden z.B. Lotto-Ausgaben. Doch haben Menschen der Vergleichsgruppe im unteren Einkommensfünftel bei Ausgaben für diese Zwecke entsprechend weniger für die anderen Ausgabenkategorien ausgeben können. Das Bierchen wurde so vom Essen oder der Kleidung abgespart. Alle Hartz-4-Empfänger werden nun so behandelt, als würden sie sich dem gleichen Sparregime mit weniger für Essen und Kleidung unterwerfen müssen. Warum eigentlich?

Außerdem dürften im unteren Einkommensfünftel viele Menschen mit anderen besonderen Sparauflagen leben, z.B. einer völlig unzulänglichen Rentenlage wegen langjähriger Arbeitslosigkeit oder Niedrigentlohnung und daher einem zusätzlichen Sparzwang für das eigene Alter. Auch die sparen am Munde ab. Aber auch deren Ausgabenverhalten wird nun zum Maßstab für alle Hartz-4-Empfänger.

Das unterste Einkommensfünftel sackt außerdem in Deutschland mit der Ausbreitung der Niedrigstentlohnung ohne Mindestlöhne immer weiter ab. Da die Bundesregierung die Einführung von Mindestlöhnen verweigert, belastet sie gleichzeitig die Hartz-4-Empfänger. 2007 entfielen auf die untersten 20 % der Einkommensbezieher selbst unter Berücksichtigung der Sozialleistungen nur 9,9 % aller Einkommen (Abb. 14177) Die Bundesregierung hat es also selbst in der Hand, durch Verweigerung der fast in allen Ländern üblichen Mindestlöhne die Hartz-4-Leistungen nach Unten zu manipulieren.


Siehe jetzt auch "Hartz IV: Leben ohne jeden Genuß" hier.


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global news 2149 26-09-10: Die Bundesregierung unterschlägt mit ihrem Gerede von bevorstehender Vollbeschäftigung die Produktivitätsentwicklung und die Qualität der Beschäftigung

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Bundeswirtschaftsminister Brüderle sieht schon die Vollbeschäftigung am deutschen Horizont. Solche Sprüche sollen Mut machen und den deutschen Binnenkonsum trotz gedrosselter Massenkaufkraft ankurbeln. Sie sollen auch den Eindruck erwecken, für alle arbeitslosen Hartz-4-Empfänger sei eigentlich genug Arbeit vorhanden, wenn sie nur endlich die Ärmel hochkrämpelten. Das soll dann Rückendeckung für die Kaum-Erhöhung der Hartz-4-Sätze geben oder die unbeliebte Rente mit 67 (siehe dazu kommenden Wochenbrief, kann hier bestellt werden).

Doch bei solch rosigen Prognosen wird die Entwicklung der Arbeitsproduktivität unterschlagen. Deutschland verzeichnete im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 1. Quartal 2008 einen jährlichen Produktivitätsgewinn von 2,17 %, der Jahr für Jahr in etwa der gleichen Höhe anfiel. Er ging dann in der Krise zurück, knüpft nun aber wieder an den langjährigen Trend an (Abb. 04907).


Der Produktivitätsgewinn wird in erster Linie erreicht, indem Arbeitskräfte effizienter eingesetzt oder überhaupt durch Automaten ersetzt werden. Bei einem jährlichen realen Produktivitätsgewinn von 2 % ergibt sich jedes Jahr ohne mehr Beschäftigte ein zusätzliches Produktionsvolumen, wie es rein rechnerisch von 0.8 Millionen Beschäftigten bei gleichbleibender Produktivität erarbeitet worden wäre.

Im Ergebnis sind die Arbeitsstunden in Deutschland zwischen 1991 und 2009 um mehr als 9 % gefallen (Abb. 14714).


Seit 1995 ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an allen Beschäftigten von 75 % in 1995 auf nur noch 68.7 % im Juni 2010 zurückgefallen.

Was dagegen steigt und steigt ist unsichere und schlecht bezahlte Minibeschäftigung in Deutschland. Die Erfassung der Erwerbstätigen findet nach dem ILO-Konzept statt, das alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt (Lohn, Gehalt) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben, als "beschäftigt" registriert. Keine Rolle spielt dabei, ob es sich bei der Tätigkeit um eine regelmäßige oder um eine gelegentlich ausgeübte, eher marginale Tätigkeit handelt. Aus der ILO-Definition der Erwerbstätigkeit folgt, dass auch Personen mit einer Beschäftigung im unteren und untersten Stundenspektrum und im Status einer "geringfügigen Beschäftigung" als Erwerbstätige erfaßt werden.

Wenn das die Vollbeschäftigung sein sollte, von der der Bundeswirtschaftsminister träumt, dann "armes Deutschland"!


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global news 2148 25-09-10: Mini-Job = Mini-Rente = Altersarmut

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Die Neurenten gehen schon seit Jahren zurück. Nach einer Mitteilung des Sozialverbands Deutschland vom Juli 2010 belief sich der durchschnittliche Zahlbetrag einer im Jahr 2008 beginnenden Altersrente bei Männern (West) nur noch auf 865 Euro, während er im Jahr 2000 noch bei 916 Euro gelegen hatte - ein Minus von 5,6 %, zu dem dann noch 15 % an Inflationsverlust kommen (Abb. 14907). In diesem Mischwert aller Renten drückt sich teilweise der starke Zuwachs schlecht entlohnter Jobs mit kleinen Renten in den letzten Jahren aus. Dabei sind die deutschen Renten im internationalen Vergleich schon heute mit am unteren Ende. Die Angst um die Rentensicherheit ist in Deutschland größer als in allen anderen Ländern (Abb. 14578).



Gerade die neue Welle an niedrig entlohnten Jobs führt zu niedrigen Renten und Armut im Alter. Nach einem Rechenbeispiel von Raimund Waltermann, Direktor des Instituts für Arbeitsrecht an der Universität Bonn, würde selbst ein Mindestlohn bei 7,50 Euro noch nicht ausreichend helfen. Denn wenn die Person mit diesem Mindestlohn 40 Stunden pro Woche arbeitet und insgesamt auf 45 Versicherungsjahre kommt, brächte ihr dies nur eine Rente von 620 Euro. Zum Vergleich: Der Grundsicherungsbetrag liegt derzeit bei 359 Euro plus einem gemittelten Wert von 317 Euro für Kosten der Unterkunft, also insgesamt 676 Euro. Mit anderen Worten: Die angesparten Rentenansprüche wären immer noch geringer als das, was man über Hartz IV im Alter bekäme.

Mehr zur Lage der Renten und zur Rente ab 67 im nächsten Wochenbrief (kann hier bestellt werden).


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global news 2147 24-09-10: (Korrektur:) Die neuen Bundesländer haben schon fast 10 % der Bevölkerung verloren

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Im Jahr 2008 lebten nach dem neuen "Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2010" nur noch 16,5 Millionen Menschen in den ostdeutschen Ländern - ein Rückgang um 1,6 Mio oder 9,5 % gegenüber 1990. Neben der höheren Zahl der Sterbefälle im Vergleich zu den Geburten geht dies auf Wanderungsverluste zurück. Durch Abwanderung zwischen 1991 und 2008 gingen schon 1,1 Mio verloren, fast drei Viertel davon unter 30 Jahre (Abb. 14905).

Im Vergleich zu den Wendejahren - und auch den Jahren vor dem Mauerbau - sind die Wanderungsverluste erheblich zurückgegangen. Nachdem sich der Saldo aus Zu- und Fortzügen zwischen der DDR und dem früheren Bundesgebiet in Jahr 1989 und 1990 auf über 350.000 Personen jährlich belief, hat sich dieser in den letzten Jahren bei durchschnittlich 50.000 Personen pro Jahr eingependelt. Doch hält die Abwanderung noch an.


Die steigende Lebenserwartung, der Geburtenrückgang und der Umstand, daß Wanderungsverluste vor allem bei jüngeren Personen auftreten, haben zu einer deutlichen Alterung der Bevölkerung in Ostdeutschland geführt. Der Altenquotient (Personen über 65 Jahre in % der 20 bis 64-Jährigen) ist in den ostdeutschen Ländern von 22,4 auf 35,6 % angestiegen (im früheren Bundesgebiet von 23,9 auf 33,2 %). Nach Projektionen des Statistischen Bundesamtes aus der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung setzen sich diese Trends auch zukünftig fort. Bis zum Jahr 2025 könnte die Bevölkerung der ostdeutschen Länder auf 14,9 Millionen Menschen zurückgehen und der Altenquotient auf rund 53 % ansteigen (Abb. 14906).



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global news 2146 22-09-10: Schon wieder geschwindelt: Kein "größtes Plus seit 2007" bei den Löhnen

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Da meldet das Statistische Bundesamt heute:

"Nach Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes sind die Reallöhne, das heißt die preisbereinigten Verdienste, im zweiten Quartal 2010 im Vergleich zum zweiten Quartal 2009 um durchschnittlich 2,3% gestiegen. Die Verdienste - gemessen am Bruttomonatsverdienst vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer - stiegen im zweiten Quartal 2010 um 3,4% gegenüber dem zweiten Quartal 2009, die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um 1,1%. Der Anstieg der Reallöhne im zweiten Quartal 2010 ist der höchste seit Beginn der Berechnung des Indexes im Jahr 2007."

Und prompt mach SPIEGEL-online daraus:

"Der Aufschwung kommt endlich auch bei Deutschlands Arbeitnehmern an. Laut Statistischem Bundesamt sind die Reallöhne im zweiten Quartal um 2,3 Prozent gestiegen. Das heißt: Selbst nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten mehr Geld zur Verfügung. Es ist das größte Plus seit 2007."

Doch dabei wird das Kleingedruckte des Statistischen Bundesamts unterschlagen:

"Diese hohe Veränderungsrate hängt nicht nur von der aktuellen Verdienstentwicklung ab, sondern ist auch durch Sondereffekte im Bezugszeitraum beeinflusst (Basiseffekt). Im aktuellen Bezugszeitraum, dem zweiten Quartal 2009, waren die realen Bruttomonatsverdienste aufgrund des verstärkten Einsatzes der Kurzarbeit um 1,2% gesunken. Da im zweiten Quartal 2010 die Kurzarbeit stark zurückgegangen ist, fällt die aktuelle Wachstumsrate tendenziell hoch aus."

Vor allem aber wird unterschlagen, daß es sich hier nur um vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer handelt. Während die Zahl dieser Arbeitnehmer gegenüber dem Vorjahr um 1,9 % abgenommen hat, legten die viel geringer bezahlten Teilzeitbeschäftigten um 0,6 % zu. Außerdem fehlen in dieser Zählung die geringfügig Beschäftigten Arbeitnehmer, deren Löhne nur um 1,3 % stiegen. Im Durchschnitt aller Arbeitnehmer des Produzierenden Gewerbes und Dienstleistungsbereichs lag das Plus gegenüber Vorjahr daher nach Abzug der Inflationsrate nicht bei 2,3 % sondern nur bei 1,6 % und im Durchschnitt aller deutscher Arbeitnehmer bei 1,4 % (Abb. 14904). Das Ganze ist also eine ziemlich unehrliche Propaganda-Darstellung. Auch fehlt ein Vergleich mit den seit 2000 sehr viel stärker gestiegenen Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (Abb. 14849).




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global news 2145 21-09-10: Rentenreform auf kranken Füßen: Nur noch 9 % der 63-Jährigen und 6 % der 64-Jährigen mit Vollzeitbeschäftigung (der Rest krank, minderwertig beschäftigt oder arbeitslos)

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Die Renten wären weit besser finanziert, wenn die deutsche Rentenversicherung von den Bundesregierungen nicht über viele Jahre mit versicherungsfremden Leistungen ausgeplündert worden wäre, besonders mit Lasten aus der Wiedervereinigung. Oder wenn der technologische Fortschritt, den sich seit vielen Jahren einseitig die Kapitaleigner unter die Nägel reißen, zu einer steuerfinanzierten Zusatzrente verwandt würde. Die statt dessen beschlossene Verschiebung des Rentenalters auf 67 Jahre und dann vielleicht noch weiter ist jedoch ein in sich krankes Unternehmen. Denn jeder Dritte ist entweder schon krank in Rente gegangen oder arbeitslos und in der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahre haben die Wenigsten einen versicherungspflichtigen Vollzeitjob.

Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts scheidet fast jede vierte Person (22,7 %) aus gesundheitlichen Gründen mit durchschnittlich 55 Jahren aus dem Erwerbsleben aus (Abb. 14902). Die noch Arbeit suchen, sind nach der offiziellen unterbelichtenden Zählung ab 55 Jahre zu 8,6 % arbeitslos. Macht zusammen 31,3 %, bei denen eine Herausschiebung des Rentenalters keine zusätzlichen Renteneinnahmen bringen kann.


Der Renteneintritt aus gesundheitlichen Gründen ist häufiger der Fall, wenn der Beruf anstrengende körperliche Tätigkeiten mit sich bringt oder mit viel Publikumsverkehr verbunden ist. Besonders häufig gingen Personen, die in Hoch- und Tiefbauberufen gearbeitet hatten, gesundheitsbedingt in den Ruhestand (46,9 %). In ähnlichem Maße war das für Personen in Ausbauberufen, also beispielsweise Fliesenleger und Heizungsbauer, und für Polsterer (45,4 %), sowie für Maler und Lackierer (39,5 %) der Fall. Hier wird eine Verschiebung des Renteintrittsalter praktisch noch mehr zur Rentenkürzung.

Nach dem neuen vierten Monitoring-Bericht von DGB und Sozialverband VdK haben derzeit nur 9,2 Prozent der 63-Jährigen und 6,3 Prozent der 64-Jährigen noch eine Vollzeitbeschäftigung (Abb. 14903). In den Gesundheitsdienstberufen haben sogar nur 2,6 Prozent, bei Malern und Lackierern lediglich 2,9 Prozent aller über 60-Jährigen einen Vollzeitjob. 46,6 % aller Altersrentner gehen schon jetzt mit Abschlägen von durchschnittlich 114 Euro in Rente. Die Altersarmut steigt unter solchen Umständen an. Nach Statistiken der EU sind schon heute 17 % der über 65-Jährigen von Armut bedroht.


Die Diskussion über die Rente mit 67 wird von der Bundesregierung mit gezinkten Karten geführt, wie jede Diskussion zum Arbeitsmarkt. Ministerin von der Leyen argumentiert mit dem Anstieg der Erwerbstätigenquote Älterer über die letzten Jahre (Abb. 14901).


Doch ist die Erfassung der Erwerbstätigen nach dem ILO-Konzept, auf die sich die Bundesarbeitsministerin beruft, irreführend, weil sie alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt (Lohn, Gehalt) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben, zählt. Keine Rolle spielt dabei, ob es sich bei der Tätigkeit um eine regelmäßige oder um eine gelegentlich ausgeübte, eher marginale Tätigkeit handelt. Aus der ILO-Definition der Erwerbstätigkeit folgt, dass auch Personen mit einer Beschäftigung im unteren und untersten Stundenspektrum und im Status einer "geringfügigen Beschäftigung" als Erwerbstätige erfasst werden. Außerdem zeigen sich in den ansteigenden Werten vor allem die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Einschnitte der letzten Jahre (die vor allem in der Verkürzung der Bezugsdauer von ALGI, dem erhöhten Druck auf SGBII-Empfänger sowie in der Heraufsetzung vorgezogener Altersgrenzen zum Ausdruck kommen) ihre Wirkung. Zudem steckt hinter den scheinbar steigenden Erwerbstätigenquoten der 55- bis unter 65-Jährigen auch ein demographischer Effekt: 2008 gab es in der Bevölkerung relativ mehr 55- bis unter 60-Jährige (mit hohen Erwerbstätigenquoten) und weniger 60- bis unter 65-Jährige (mit niedrigen Erwerbstätigenquoten) als 2005. Auch wachsen die nachrückenden Frauenjahrgänge mit höherer Erwerbsbeteiligung in die höheren Altersgruppen hinein.

Der Wochenbrief vom 30. September (kann hier bestellt werden) wird den Fakten an Hand des neuen vierten Monitoring-Bericht von DGB und Sozialverband VdK nachgehen.


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global news 2144 20-09-10: 10 % von 4,7 Mrd Menschen in 50 Ländern besitzen 51 % der Geldvermögen

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Nach dem neuen Allianz Global Wealth Report 2010 konzentriert sich das Geldvermögen der Welt immer mehr. Die reichsten 10 % besitzen schon mehr als die Hälfte, während auf die untere Hälfte der Menschen nur 6 % entfallen (Abb. 16160). In der Studie wurde das bei Banken, Versicherern und am Kapitalmarkt angelegte Vermögen berücksichtigt, Immobilienbesitz dagegen nicht einbezogen.


Das vergleicht sich mit einer Vermögenskonzentration in Deutschland (einschl. Immobilien), die dem obersten Zehntel bereits mehr als 61 % zugeschoben hat (Abb. 14311).


Das globale Geldvermögen lag der Allianz zufolge bei einem kräftigen Anstiegs von 7,5 Prozent Ende 2009 mit 82,2 Billionen Euro nur noch 4 Prozent unter dem Niveau vor der Lehmann-Pleite (Abb. 16159). Dagegen haben die deutschen Geldvermögen wieder voll den Stand von vor der Krise erreicht.



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global news 2143 19-09-10: Die Banken zocken wieder, fast als wäre Lehman nie gewesen

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Die Regierungen hatten nach dem Lehman-Zusammenbruch, der wie ein Tsunami über die Kreditmärkte kam, nun bereits zwei Jahre Zeit, um uns gegen neue Krisen dieser Art zu schützen. Doch wenig ist geschehen. Auch wurde kein einziger der für die Krise Verantwortlichen weder strafrechtlich noch sonstwie zur Verantwortung gezogen. Der Kommentator der New York Times beschrieb das unter der Überschrift "Niemand ist für Irgendetwas verantwortlich". Und Alan Greenspan, oberster Finanzmarktwächter während 18 Jahren meinte vor dem US Kongreß-Ausschuß, er hätte 70 % der Zeit richtig gelegen und nur 30 % falsch. Dazu der Kommentar: So könnte auch der Kapitän der Titanic sagen, er sei 70 % der Zeit auf dem richtigen Kurs gewesen.

Vor allem wurde das Zeitfenster verpaßt, in dem die Bankenlobby schwach war. Jetzt kann sie wieder drohen, z.B. mit der Verweigerung von Krediten an die Wirtschaft, oder mit neuen Profiten neue Parteispenden starten. Entsprechend mager sind die Ergebnisse all der beschwörenden Worte aus der Politik, die jede weitere Krise durch entschlossene Reformen vermeiden wollte. So können die Investmentbanken weiter mächtig spekulieren und ihre Gewinne hochfahren (Abb. 16156). Sie betreiben wieder - in den denkwürdigen Worten des Goldman-Chefs - "Gottes Arbeit".


Die Bonuszahlungen für Top-Manager der 100 Top-Unternehmen in der Listung der Financial Times liegen bereits wieder nahe dem Vorkrisenniveau. Nach einer neuen Untersuchung lag das Bonusniveau bei 100 % des Basisgehaltes, und bei den Top 30 sogar bei 140 %. Eine Steuer auf Bonuszahlungen ist am Widerstand der Banken gescheitert. Selbst die Manager der HRE haben vor kurzem Bonuszahlungen in der Gesamthöhe von 25 Millionen Euro erhalten. Mitarbeiter der verstaatlichten Bank hätten nach einem Bericht im SPIEGEL auf alte Zusagen gepocht und mit Klagen gedroht, obwohl ihr Arbeitgeber allein 2009 einen Verlust von 2,2 Mrd Euro gemacht hat. Einige Banker hätten so jeweils mehr als eine Million Euro kassiert, während die Gehälter der HRE-Vorstände nach wie vor auf 500 000 Euro begrenzt sind.

Eine ausführliche Analyse bringt der nächste Wochenbrief unter dem Titel "Jahr 3 n.L. (nach Lehman): Warten auf die nächste Finanzmarktkrise?" (kann hier bestellt werden.


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global news wb26.57 16-09-10: Zum deutschen Versagen bei der Integration von Immigranten

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Im Wochenbrief vom 22. Juli, noch vor der letzten Sarrazin-Diskussion, aber schon in Reaktion auf seine früheren Thesen zu den Immigranten, wurde darüber berichtet, wie Deutschland bei der Integration von Immigranten und deren Kindern versagt. Der Rundbrief vom 6. September unter dem Titel "Fakten zur Immigration nach Deutschland" hat dann weiteres Material geliefert.

Jetzt ist es an der Zeit, auf zwei Fragen besonders einzugehen: erstens, wie sieht es heute mit der Zuwanderung von Ausländern aus? Und wie verhält es sich mit der Bildung von Immigranten?

Von den meisten Menschen unbemerkt ist Deutschland in den letzten Jahren von einem Einwanderungsland zu einem Auswanderungsland geworden (Abb. 14306). So geht auch die Zuwanderung aus der Türkei seit acht Jahren kontinuierlich zurück und liegt jetzt unter den Werten für Polen und Rumänien.



Ebenso hat die Einbürgerung von Ausländern längst ihren Gipfel von Mitte der 90er Jahre hinter sich gelassen (Abb. 14304, 14305). Der Anteil an Menschen mit Immigrationshintergrund an der deutschen Bevölkerung wächst nicht mehr über Einwanderung, sondern durch die höhere Geburtenrate der bereits Eingewanderten (Abb. 14262). Diese relative Differenz liegt aber sehr stark an der besonders niedrigen Geburtenrate von Frauen ohne Immigrationshintergrund in Deutschland.




Inzwischen hat Deutschland mit 12,1 % einen relativ hohen Anteil von im Ausland Geborenen an der Gesamtbevölkerung, der sonst nur in traditionellen Einwanderungsländern erreicht wird (Abb. 13285). Der muslemische Bevölkerungsanteil unter Ausländern und Deutschen liegt jedoch nur bei 5 % (Abb. 14300).



Zum Problem wird die Immigration vor allem durch das durchschnittlich schlechte Bildungsniveau von Ausländern und Deutschen mit Immigrationshintergrund. So sieht es bei der Qualifikation der Immigranten in Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aus (Abb. 12989). Unter den 20 bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund ist der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund.


Kinder mit Migrationshintergrund haben es beim Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt besonders schwer. Doch selbst hochqualifizierte Männer mit Immigrationshintergrund sind in Deutschland besonders stark benachteiligt (Abb. 15278), aber auch mittelmäßig qualifizierte Männer (Abb. 15279).



Die Schuld an der Misere mit der Bildung und dem Zugang zum Arbeitsmarkt von Menschen mit Migrationshintergrund liegt in mehreren Faktoren. Einerseits ist das deutsche Bildungssystem schon für Deutsche notorisch unterfinanziert, besonders in der Grundschule (Abb. 13092), und produziert nur mittelmäßige Ergebnisse. Klassenstärken und Zahl der Schüler pro Lehrer sind im international Vergleich von Grundschulen besonders hoch (Abb. 15280, 13806).




Schon gar nicht ist das deutsche Schulsystem ausreichend auf die Bildung von Schülern mit Migrationshintergrund eingestellt. Die Klassenfrequenzen in der Grundschule sind fur solche besonders beistandsbedürften Schüler viel zu hoch. Lehrer mit eigenem Migrationshintergrund fehlen.

Andererseits hat Deutschland einen hohen Anteil von Immigranten und deren Nachfahren, die aus Familien mit besonders niedrigem Bildungsniveau stammen und daher noch mehr auf schulische Bildung in Deutschland angewiesen sind. Das gilt besonders für Familien mit türkischem Hintergrund. So liegt der Anteil von Jugendlichen mit türkischem Hintergrund in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre und nicht in Ausbildung an allen entsprechenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 50 % und damit weit höher als in anderen Ländern (Abb. 15277).


Türkische Einwanderer erreichen auch in anderen Ländern trotz besserer Schulsysteme nur selten einen höheren Bildungsabschluß (Abb. 15274). Vor allem in der Türkei geborene und ausgewanderte Frauen haben im internationalen Vergleich den geringsten Anteil an erfolgreichen Studienabschlüssen, und das ohne Rücksicht auf die spezifischen Einwanderungsländer (Abb. 15275). Der sehr hohe türkische Anteil unter den Immigranten und deren Kindern in Deutschland trägt auch dazu bei, daß der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung Deutschlands, der erfolgreich ein Studium abgeschlossen hat, an der gesamten im Ausland geborenen Bevölkerung mit nur knapp 15 % besonders klein ist (Abb. 15273).




Fazit

Klassische Einwanderungsländer, die immer eine auf Einwanderer mit guten Bildungschancen ausgerichtete Immigrationspolitik betrieben haben, erreichen da wesentlich bessere Ergebnisse. Deutschland hat sich dagegen sehr lange nicht als Einwanderungsland gesehen. Die deutsche Industrie hat massenhaft billigste Arbeitskräfte importiert, seit Rückkehr von Italienern und Spaniern vor allem aus der Türkei bis nach Anatolien. Die Folgekosten, vor allem im sozialen Bereich, wurden dabei auf die Allgemeinheit abgewälzt, und die Bundesregierungen haben auf Rückkehr solcher Arbeitskräfte gesetzt und keine Vorkehrungen für deren Integration, vor allem durch ein besseres und angepaßteres schulisches Angebot, unternommen. So hat sich ein gewaltiges Problem für die deutsche Gesellschaft aufgebaut, zumal ein Teil der Immigranten die Integration ablehnt. Laut Innenminister de Maiziere sind inzwischen 10 bis 15 % der Migranten "integrationsunwillig". Es ist traurig, daß es erst der teilweise weit übertriebenen Sarrazin-Thesen bedufte, um die Politik aus ihrem Büroschlaf zu holen. Es wird nun sehr lange dauern, um die Fehler zu beheben, soweit das überhaupt möglich ist. Umso gefährlicher wäre es, wie z.B. von der SPD gefordert, nun auch noch die Türkei in die EU zu holen und damit die letzten Schranken für die Einwanderung aufzugeben.


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global news 2142 18-09-10: Der Währungskrieg hat begonnen: Abwertungschlacht Yen zu Renmimbi

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Die japanische Zentralbank hat in den letzten Tagen in einem dramatischen Eingriff den Yen nach unten manipuliert und weitere derartige Schritte angekündigt. Vorausgegangen waren Beschwerden der großen japanischen Exportunternehmen, die immer mehr unter der chinesischen Konkurrenz leiden. Seit Mitte Mai hatte der Yen nicht nur gegenüber dem Dollar sondern auch gegenüber dem von der chinesischen Regierung manipulatativ an den Dollar angebundene Renmimbi um 12,3 % aufgewertet (Abb. 08208).


In USA steigt im Kongress der Druck auf amerikanische Gegenmaßnahmen gegen die chinesische Währungsmanipulation immer mehr an. Sollten sich die USA mit Handelsbeschränkungen wehren, so würden noch mehr chinesischen Waren von USA nach Europa, dem jetzt wichtigsten chinesischen Auslandsmarkt, umgeleitet. Die EU wäre dann im Dreieck USA - Japan - Europa der Verlierer im Währungskampf. China steigerte seine Exporte auf der Basis einer unterbewerteten Währung und niedrigster Löhne bei Fehlen unabhängiger Gewerkschaften in den ersten acht Monaten 2010 um 35,4 % gegenüber Vorjahr (Abb. 08181).



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global news 2141 16-09-10: Neue Umfrage: Mehrheiten in Europa skeptisch zu China-Kooperation, Türkei-EU-Mitgliedschaft, Afghanistan und dem Euro

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Der German Marshall Fund überprüft mit jährlichen Umfagen in den USA, elf europäischen Ländern und der Türkei regelmäßig, wie sich die Meinungen auf beiden Seiten des Atlantik zu wichtigen Themen entwickeln. Jetzt liegt die Umfrage für 2010 vor, für die 13.000 Menschen befragt wurden.

Genug gemeinsame Werte für eine Kooperation mit China sehen nur 29 % der Europäer gegenüber 53 % der Amerikaner. Die Deutschen sind mit nur 18 % besonders skeptisch (Abb. 15281).


Ein Türkei-Beitritt zur EU wird nur von 23 % der Europäer, aber 41 % der Amerikaner für eine gute Sache eingeschätzt (Abb. 15282). Dabei wird der EU11-Anteil noch von den Balkanländern Bulgarien und Rumänien hochgehalten.


An eine Stabilierung der Lage in Afghanistan glauben nur noch 10 % der Deutschen (im Vorjahr waren es noch 23 %), 23 % der Europäer (Vorjahr: 32 %) und 51 % der Amerikaner (Vorjahr: 56 %) (Abb. 15283).


Nur 38 % der Europäer betrachten die vorhandene oder eine künftige Mitgliedschaft in der Eurozone als eine gute Sache. In Deutschland sind es mit 45 % weniger als die Hälfte (Abb. 15284).


In allen diesen wichtigen Themen agieren die meisten Regierungen, jedenfalls in Europa, also gegen die Interessen von Mehrheiten der eigenen Bevölkerung!


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global news 2140 15-09-10: Die Banken der Eurozonen-Schwachländer sind total von EZB-Krediten abhängig

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Die Krise der Eurozonen-Schwachländer Griechenland, Portugal, Irland und Spanien ist längst nicht zu Ende. Die EZB mußte in der vergangenen Woche die Kurse der Staatsanleihen dieser Länder wieder durch Aufkauf im Wert von 237 Millionen Euro stützen. Die Zinsen haben inzwischen wieder Spitzenwerte erreicht, was die Finanzierung der Bilanzdefizite enorm erschwert (Abb. 16155).


Vor allem aber sind die Banken dieser Länder total von EZB-Krediten abhängig, weil sie an den privaten Kapitalmärkten keine Kredite zu akzeptablen Bedingungen erhalten. Im Juni schoß die EZB mit 442 Mrd Euro den bisher höchsten Betrag in einer einzigen Aktion ins System. Dabei nähert sich der Betrag der Verschuldung der Banken aus den Schwachländern bei der EZB bereits 400 Mrd Euro (Abb. 16154).



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global news 2140 21-09-10: ...

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Der Währungskrieg hat begonnen: Abwertungschlacht Yen zu Renmimbi Die japanische Zentralbank hat in den letzten Tagen in einem dramatischen Eingriff den Yen nach unten manipuliert und weitere derartige Schritte angekündigt. Vorausgegangen waren Beschwerden der großen japanischen Exportunternehmen, die immer mehr unter der chinesischen Konkurrenz leiden. Seit Mitte Mai hatte der Yen nicht nur gegenüber dem Dollar sondern auch gegenüber dem von der chinesischen Regierung manipulatativ an den Dollar angebundene Renmimbi um 12,3 % aufgewertet (Abb. 08208).

In USA steigt im Kongress der Druck auf amerikanische Gegenmaßnahmen gegen die chinesische Währungsmanipulation immer mehr an. Sollten sich die USA mit Handelsbeschränkungen wehren, so würden noch mehr chinesischen Waren von USA nach Europa, dem jetzt wichtigsten chinesischen Auslandsmarkt, umgeleitet. Die EU wäre dann im Dreieck USA - Japan - Europa der Verlierer im Währungskampf. China steigerte seine Exporte auf der Basis einer unterbewerteten Währung und niedrigster Löhne bei Fehlen unabhängiger Gewerkschaften in den ersten acht Monaten 2010 um 35,4 % gegenüber Vorjahr (Abb. 08181).



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global news 2139 15-09-10: Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Juli: 5,3 % unter Durchschnitt 2008

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Die deutsche gewerbliche Wirtschaft kommt nur sehr langsam aus dem Krisental. Sie lag im Tiefstpunkt vom April 2010 um 5,9 % unter dem Jahresdurchschnitt von 2008 und nun im Juli 2010 immer noch um 5,3 %. Gegenüber dem Gipfel vom September 2008 beträgt das Minus sogar 6,3 % (Abb. 14282).


Im Vorjahresvergleich betrug der Rückgang im Juli 1,9 %. Überdurchschnittlich verringerte sich die Beschäftigtenzahl unter anderem in den Bereichen Maschinenbau und Herstellung von elektrischen Ausrüstungen mit jeweils 2,8 %, in der Herstellung von Metallerzeugnissen (- 3,4 %) sowie in der Metallerzeugung und -bearbeitung (- 4,1 %).

Im Zeitraum Januar bis Juli 2010 lag das Entgeld pro Arbeitsstunde um 1,8 % unter dem Vorjahreswert. Pro Beschäftigten ergab sich wegen des Abbaus der Kurzarbeit ein Plus von 3,6 % (Abb. 14711).



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global news 2138 14-09-10: Von wegen "gesegnetes Alter" und längere Lebenserwartung: 29,2 % derer ab 75 sind schwerbeschädigt

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Genießt Euer Leben, solange Ihr könnt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lebten zum Jahresende 2009 in Deutschland 7,1 Millionen schwerbehinderte Menschen; das waren 2,7 % mehr als am Jahresende 2007 und 5 % mehr als am Jahresende 2005. 2009 waren damit 8,7 % der gesamten Bevölkerung in Deutschland schwerbehindert. Als schwerbehindert gelten Personen, denen von den Versorgungsämtern ein Grad der Behinderung von 50 und mehr zuerkannt wurde. In den weitaus meisten Fällen wurden Behinderungen durch Krankheiten erzeugt.

Allerdings massiert sich die Schwerbehinderung in den fortgeschrittenen Altersgruppen. So waren 17,0 % derer von 55 bis 74 Jahre schwerbeschädigt. Bei denen ab 75 Jahre steigt der Schwerbeschädigten-Anteil auf 29,2 % (Abb. 14900). Daneben dürfte es eine erhebliche Dunkelziffer geben, weil Menschen nicht zu den Versorgungsämter gehen, da sie nicht auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind.



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global news 2137 13-09-10: China wird immer mehr zum Konkurrenten für westliche Produzenten von Infrastrukturausrüstungen

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In der Phase 1 hat China im großen Stil, vor allem aus Deutschland und Japan, Ausrüstungen für seine Infrastruktur importiert. Da gleichzeitig Technologietransfer zur Bedingung gemacht wurde, sind in China inzwischen modernste Fabriken im Bereich von Kraftfahrzeugen und Eisenbahnen und in anderen Sektoren entstanden. Demnächst werden dort auch modernste westliche Flugzeuge, z.B. Airbus, gefertigt werden.

Doch diese Phase der Abhängigkeit geht nun teilweise zu Ende. China ist z.B. bereits der bei weitem größte Produzent von Lastkraft- und Lieferwagen. Damit geht die chinesische Industrie zunehmend in den Export auf Märkte der Entwicklungs- und Schwellenländer. Da diese Produkte nur etwa die Hälfte derer westlicher Herkunft kosten, ist abzusehen, wann China große Teile dieser Zukunftsmärkte übernehmen wird. Auch deutsche LKW-Produzenten werden das zu spüren bekommen.

Im Eisenbahnbereich baut China inzwischen seine eigenen Hochgeschwindigkeitszüge, die auf der Basis westlicher Technologie entwickelt wurden. Damit hat sich der chinesische Markt für westliche Lieferanten bereits geschlossen. Nun erwartet eine von dem europäischen Verband der Eisenbahnindustrie Unife in Auftrag gegebene Studie Marktverluste an chinesische Wettbewerber in den Märkten der Entwicklungs- und Schwellenländer, besonders Brasilien, Südafrika und Vietnam, die ebenfalls große Projekte mit Hochgeschwindigkeitszügen verfolgen. Bezeichnend dafür ist der Großauftrag aus Saudi-Arabien für eine Zugverbindung zwischen Mekka und Medina. Siemens hatte ursprünglich mitgeboten, mußte dann aber aussteigen und sich einem Konsortium unter chinesischer Führung anschließen.

Das im Westen so hochgejubelte chinesische Anti-Krisenprogramm wurde vor allem benutzt, um in China zusätzliche Exportkapazitäten für die Zeit nach der Krise hochzuziehen und zugleich die für den Export notwendige Infrastruktur zu verbessern. Hinzu kommen großzügige Finanzierungen durch chinesische Banken. China setzt nun immer mehr von seinen enormen Devisenreserven ein, um Nachfrage in Entwicklungs- und Schwellenländern für seine Produkte zu fördern. Beispielsweise überholte im vergangenen Jahr China in Brasilien die USA als wichtigster Handelspartner, und China wird in diesem Jahr Brasiliens wichtigster ausländischer Investor werden. Dabei soll dort auch ein chinesisches Automobilwerk entstehen.

Die gesamten chinesischen Auslandsinvestitionen expandierten von 5,5 Mrd $ in 2004 zu 56,5 Mrd $ in 2009 und werden nach chinesischer Darstellung bei 100 Mrd $ in 2013 erwartet. Damit macht sich China auch zunehmend unabhängiger von westlichen Handelspartnern. Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländer springen ebenfalls stark nach oben, z.B. im ersten Halbjahr 2010 um 54,7 % mit Südostasien und 60,3 % mit Brasilien, womit zunächst krisenbedingte Verluste ausgeglichen werden (Abb. 08207).



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global news 2136 13-09-10: Die HRE kostet uns siebenmal mehr als die jährliche Zahlungen für 5 Mio Hartz-4-Empfänger, doch wer waren die Aktionäre?

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Mit acht Milliarden Euro Kapital und 102 Milliarden Euro an Bürgschaften hat die Bundesregierung die HRE bisher gestützt und sie gegen verfassungsrechtliche Bedenken verstaatlicht. Ein Jahr nach der Verstaatlichung müssen die Steuerzahler jetzt noch einmal 40 Milliarden Euro Staatsgarantien berappen. Um eine Vorstellung dieses Riesenbetrages von 150 Mrd Euro zu geben: Die mehr als 5 Millionen Hartz-4-Empfänger erhielten zusammen im letztgemeldeten Jahr 2008 mit 21,6 Mrd Euro ein Siebtel davon, und bei denen soll jetzt im Sparhaushalt gekürzt werden.

Doch wer waren eigentlich die bestimmenden Aktionäre der HRE, die dem deutschen Steuerzahler dies eingebrockt haben und den er noch einmal 8 Mrd Euro nachwerfen mußte, um die HRE zu übernehmen? Die Kleinaktionäre hielten Mitte 2008 vor Ausbruch der Krise gerade einmal 4,5 % der Anteile. Dagegen hielten 17 Großinvestoren, die fast alle ihren Sitz steuergünstig auf den Cayman-Inseln in der Karibik hatten 95,5 % (Abb. 16151, 16152, 16153). Der US-Großaktionär Christopher Flowers hatte erst im April 2008, nur einen Monat nach Eingang des ersten negativen Prüfberichtes der Bafin, auf den Cayman Islands die HRE Investment Holding L.P. gegründet, die dann im Juli bereits mehr als 16 % der Aktien der Hypo Real Estate Holding AG hielt. Offensichtlich hatte er die Aktien sehr billig erstanden und hatte nun in der Hoffnung auf die Unterstützung der HRE durch die Bundesregierung zum großen Geschäft kommen wollen. Doch für die meisten Cayman-Großaktionäre verliert sich die Spur im Inselsand.





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global news wb25.55 13-09-10: Von Skandinavien lernen

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Zusammen erreichen die skandinavischen Länder mit 30,4 % der deutschen Bevölkerung eine Wirtschaftsleistung, die 40,0 % der deutschen entspricht. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung liegt damit um fast 32 % höher (Abb. 13678). Der Rückstand Deutschlands ist nur zu einem kleinen Teil mit den Lasten der Wiedervereinigung zu erklären. Denn in der Entwicklung ist Deutschland erst etwa seit der Jahrtausendwende zurückgefallen, als die angebliche Reformpolitik mit dem Ausbremsen der Binnenkaufkraft und der total einseitigen Exportorientierung begonnen wurde (Abb. 15271, die Abteilung klammert Norwegen aus, das wegen seines Ölreichtums schon vom Anfang der Zeitreihe an einen viel stärkeren Zuwachs verzeichnet hat). Zwischen 1980 und 1995 hatte sich Deutschland dagegen noch besser als die skandinavischen Länder entwickelt.



Erstaunlich ist, wie sich die skandinavischen Länder ein hohes Maß an Aufstiegsmobilität bewahrt haben (Abb. 12451). In Dänemark haben die Söhne fast die gleichen Einkommenschancen egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen.


Die Aufstiegsmobilität hängt vor allem mit dem skandinavischen Bildungssystem zusammen, das bekanntlich Spitzenleistungen bringt. Das System zeichnet sich zunächst durch eine hervorragende Finanzierung aus, und zwar um 29 % höher als in Deutschland (Abb. 12454). Besonders auffällig und eigentlich kaum nachvollziehbar ist nach OECD-Berechnungen der enorme Unterschied in den Ausgaben im Volksschulbereich von fast 42,8 % mehr in Skandinavien. Vor allem in der Grundschule ist die Zahl der Schüler pro Lehrer in Skandinavien um fast ein Drittel geringer (Abb. 15268). Hier baut sich der große Rückstand Deutschlands in den Bildungsleistungen frühzeitig auf.



Auch zwischen dem Bildungssystem und dem Arbeitsmarkt gibt es enge Zusammenhänge. Obwohl in den letzten Jahren in Deutschland viel an der Arbeitslosenstatistik manipuliert wurde und ein stärkerer Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit vor allem durch Schaffung von unsicheren und minderwertigen Jobs gebremst wurde, ist die deutsche Langzeitarbeitslosenquote fast viermal höher (Abb. 12939).


Die Ungleichheit in der Einkommensverteilung ist viel geringer als in Deutschland (Abb. 12028). Man kann sagen, daß dies eine der sozialen Stärken der skandinavischen Gesellschaften geblieben ist, während Deutschland an diesem Ende stark verloren hat.


Bei einer normalen Einkommensentwicklung hat sich der Verbrauch privater Haushalte in Skandinavien seit 2000 siebenmal besser als in Deutschland entwickelt (Abb. 12467).


Diese Ergebnisse sind ein überzeugender Beweis für einen Wohlstandskurs, der aufbaut auf: höheren Steuern, besonders Einkommens- und Gewinn-Steuern, einem besseren Bildungssystem, höheren Arbeits- und Renteneinkommen, einer besseren Integration der Frauen sowie der Immigrantenkinder in den Arbeitsmarkt. Der Vorteil zeigt sich nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt. Die skandinavischen Länder übertreffen Deutschland in allen wichtigen Kriterien, teilweise sogar sehr erheblich. Das ist hier noch einmal in tabellarischer Form zusammengefaßt:


(1) Rückstand in mathematischen Leistungen verglichen mit Einheimischen

(2) Wahrscheinlichkeit eines Hochschulabschlusses

(3) Wahrscheinlichkeit des Versagens in Mathematik verglichen mit Oberschichtkindern

(4) Wahrscheinlichkeit Hochschulabschluß Oberschicht zu Unterschicht

(5) Einzelperson ohne Kinder (Anteil an Bruttoeinkommen)

(6) Anteil Erwachsene 25-34 Jahre mit Hochschulabschluß

(7) Verhältnis oberstes zu unterstes Fünftel

(8) 55 bis 64 Jahre

(9) Verhältnis Rente zum letzten Arbeitseinkommen


Den vollen Skandinavien-Vergleich finden Sie hier.


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global news 2135 11-09-10: Von den "Moor-Bomben" und dem Treibhausklima

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Die Natur hat Millionen Jahre lang in einem selbstregulierenden Prozeß, der Leben auf dem Planeten überhaupt erst ermöglichte, überschüssige Treibhausgase, vor allem CO2, in sogenannten "Senken" aus dem Kreislauf gezogen. Dazu zählen die Meere, die Torfmoore, die Wälder, (besonders Regenwälder), die Kohleflöze und vieles mehr. Die überschüssigen Treibhausgase stammten aus natürlichen organischen und anorganischen Prozessen. Dann begann die Menschheit, mit Landwirtschaft und Industrialisierung in diesen Kreislauf einzugreifen. So verbraucht sie heute - auf Kohlebasis umgerechnet - an einem einzigen Tag eine Menge an fossilen Brennstoffen, zu deren natürlicher Bildung über den "Inkohlungsprozeß" die Natur etwa tausend Jahre benötigt hatte, in jedem Jahr das Produkt von mehr als 300.000 Jahren, und das mit immer größerer Geschwindigkeit.

Die Menschheit greift auch bei den Mooren in den Kreislauf ein. Moore haben mit etwa 30 % des terrestischen Kohlenstoffs einen sehr großen Anteil an den Kohlenstoffsenken. Doch sie werden nun immer mehr direkt und indirekt Opfer menschlicher Eingriffe. Sie werden trocken gelegt, so daß sie ihre Funktion als Senke nicht weiter ausüben können und geben als Folge von Torfbränden Kohlenstoff wieder ab. Großflächige Brandrodungen haben beispielsweise in Indonesien enorme Mengen an CO2 freigesetzt (siehe Abbildung). In den riesigen Permafrostgebieten verwandeln sich die Moore als Folge der globalen Erwärmung zunehmend in Seenlandschaften und setzen Methan frei, das als Treibhausgas noch viel wirksamer als CO2 ist. Moore werden so immer mehr zu klimatischen Bomben.


Mir hat Attac-Wuppertal freundlicherweise einen Link auf einen Videomitschnitt einer Konferenz mit dem alternativen Nobelpreisträger Prof. em. Michael Succow zugesandt, den ich hier sehr weiterempfehlen kann.


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global news 2134 10-09-10: Deutschland: Volk in Angst

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Das deutsche Wort "Angst" wird im Englischen als Fremdwort gern gebraucht, nicht selten in Anspielung auf "the German Angst". Deutsche gelten als ängstlich. Sie tragen immer noch die Angst vor der Inflation der 30er Jahre mit sich herum, als wäre sie ihnen in die Gene geraten. Sie sparen wie wild in Angst vor Armut im Alter. Sie haben eine chronische Angst vor Arbeitslosigkeit. In keinem anderen Land wird Angst so kontinuierlich abgefragt wie in Deutschland. Jetzt wieder im Auftrag der R+V Versicherung, die nun schon seit 20 Jahren den deutschen Ängsten mit Umfragen auf der Spur ist.

Nach der jetzt bekannt gemachten letzten Umfrage ist der Angstpegel wieder nahe seines historischen Höchststandes: die Hälfte der Bevölkerung hat "große Angst" (Abb. 14309). Zu Grunde liegt ein Ängstesammelsurium, das die Deutschen als wahre Angstmeister ausweist (Abb. 14310).



Vor allem Männer hatten nie so viele Ängste wie in diesem Jahr: der Anteil sprang von 42 % im vergangenen Jahr auf fast 50 % in diesem. Unter den sieben größten Ängsten hat die vor der Überforderung der Politiker am meisten zugenommen. Mit am höchsten ist die Angst vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage. Alarmierende Nachrichten über Finanzmarktkrisen, Währungskrisen und Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten scheinen das Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu erschüttern. Jedenfalls glauben sie nicht mehr den beruhigenden Erklärungen aus der Politik.


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global news 2133 09-09-10: Endspiel um Griechenland

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Jetzt tritt genau das ein, was viele befürchteten. Die Griechenland von seinen Gläubigern auferlegte besonders harte Medizin aus Schuldenbedienen ohne Umschuldung und extremem Sparen würgt die Wirtschaft ab und erhöht damit die an der Wirtschaftsleistung gemessene ohnehin schon extreme Staatsverschuldung noch weiter.

Seit 2008 sind die Ausrüstungsinvestitionen, von denen die Arbeitsplätze stark abhängen, um 31,7 %, der Export um 22,0 % abgesackt (Abb. 16149). Der Verbrauch privater Haushalte ist allein im 2. Quartal mit einer Jahresrate von 24,9 % in den Keller gefahren. Das hat die gesamte Wirtschaftsleistung mit einer Jahresrate von 7,0 % abstürzen lassen (Abb. 16150).



Trotz des angeblichen Rettungsnetzes sind die Zinsen für Griechenland-Anleihen wegen der schlechten Wirtschaftsdaten wieder auf über 9 % gestiegen, knapp unter ihren Gipfel vom Mai, als die EU stützend eingreifen mußte. Auch mußte die EZB jetzt wieder Anleihen kaufen, um den Zins zu stützen.


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global news 2132 09-09-10: Der deutsche Industrieumsatz schon wieder im Abschwung

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Nachdem der Umsatz in der deutschen gewerblichen Wirtschaft bis Mai dieses Jahres teilweise aus dem Krisental klettern konnte, ging er seitdem im Juni und Juli wieder zurück und liegt nun um rund 13 % unter dem Wert vom Vorkrisenaugust 2008, der Inlandsumsatz sogar um 14 % (Abb. 04910).


Wie schon bei den Auftrags- und Produktionswerten kommt es damit wieder zu Abschwächungen der Wirtschaftsentwicklung, die im Widerspruch zu den ständig positiven Meldungen aus der Politik und den Medien stehen.


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global news 2131 08-09-10: Wenig Lohn, mehr Insolvenzen, stagnierender Export

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Die heutige Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zeigt wieder einmal, wie weit unterdurchschnittlich sich die deutschen Bruttolöhne in der Alt-EU entwickeln (Abb. 15276). Auch im 1. Quartal 2010 verteuerte sich eine Stunde Arbeit im Vergleich zum ersten Quartal 2009 kalenderbereinigt nur um 0,7%. Der durchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in der Eurozone war mit 2,1 % weit höher.


Im ersten Halbjahr 2010 meldeten die deutschen Amtsgerichte 2,0 % mehr Unternehmensinsolvenzen als im ersten Halbjahr 2009. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag im ersten Halbjahr 2010 sogar um 11,6 % höher und ergab einen neuen Rekord (Abb. 04028).


Der deutsche Export tut sich nach den letzten Zahlen für Juli immer noch schwer beim Aufstieg aus dem Krisental. Er ist im zuletzt wieder etwas zurückgefallen (Abb. 14631), ebenso die Auslandsaufträge (Abb. 04569). Auch die Industrieproduktion entwickelt sich zuletzt nur noch seitwärts (Abb. 04306).





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