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Reihe 75 ab 30-07-10 ... ...

(2130) Die globale Bildungsschlacht

(2129) Fakten zur Immigration nach Deutschland

(2128) Was bedeutet es, wenn ein Fünftel der Deutschen eine Sarrazin-Partei wählen würde? Sehnsucht nach gestern?

(2127) Einzelhandelsumsatz in der EU: Deutschland in der Schlußtruppe

(2126) Deutschlands Nachbarn im Norden und Süden haben sehr viel mehr an Sozialer Marktwirtschaft bewahrt - Deutschland mit neuem Reichtumsrekord

(2125) Unheilige Allianz: Globale Erwärmung und Nahrungsmittelspekulation treiben den Hunger hoch

(2124) Die Wettbewerbsverhältnisse in der Eurozone werden auch von den Zinsen verzerrt

(2123) Neue Rekorde in der Währungsspekulation: An jedem Tag die Weltwirtschaftsleistung von drei Wochen

(2122) Einzelhandelsumsatz wieder im Rückgang

(2121) Sieben Schaubilder zur Befindlichkeit von O- und W-Deutschen im wiedervereinigten Deutschland

(2120) "Erholung" am Arbeitsmarkt weitgehend minderwertig oder künstlich oder demographisch

(2119) Skandinavien schlägt Deutschland im Ländervergleich der Wirtschafts- und Sozialverhältnisse um Längen

(2118) Die Grenzen des Wachstums kommen näher

(2117) Ausführliche Analyse der deutschen Wirtschaftssituation im zweiten Quartal 2010

(2116) Jeder Fünfte arm in Ost-Deutschland, fast um die Hälfte mehr als in West-Deutschland

(2115) Wieder Märchen-Stunde im SPIEGEL: "Merkels Aufschwung"

(2114) Konsumklima-Index: Ein Minihäkchen nach oben und schon bricht die Aufstiegspropaganda los

(wb22.50) Asien kommt mit Macht

(wb22.49) Ein deutsches Massenschicksal: 50plus, arbeitslos, krank und (demnächst) Rente erst mit 67

(2113) Detailergebnisse des zweiten Quartals 2010: Der soziale Graben wird immer tiefer

(2112) Die amerikanische Handelsbilanz immer mehr im Minus: Wie lange noch bis High-Noon?

(2111) Die Erpressung hat gewirkt: Verwässerte Kernkapitalvorschriften für Banken

(2110) Die Bundesregierung erwartet auch über die Jahre bis 2014 ein starkes Zurückbleiben des Arbeitnehmerentgelts

(2109) Das chinesische Puzzle

(2108) Große Umfrage: 90 % wollen eine neue Wirtschaftsordnung - doch fast die Hälfte der Deutschen mit niedriger Bildung glauben noch immer an die Selbstheilungskräfte des Systems

(2107) Wieder eine Manipulation? Statistisches Bundesamt dreht den Trend des Einzelhandelumsatzes um

(2106) Griechenland geht schrecklich in den Keller (die Gläubiger am Ende auch)

(wb21.48) Konjunktur: V (rasche Erholung) oder W (doppelter Einbruch), das ist hier die Frage

(2105) 50plus und schon zum "alten Eisen"




global news 2130 07-09-10: Die globale Bildungsschlacht

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Die Schlacht um Wirtschaftsstärke und Arbeitsplätze im globalen Maßstab wird vor allem über die Bildungssysteme ausgetragen. Hier ist die Hochschuldbildung ein entscheidender Faktor.

Die Zahl der Studierenden wächst besonders in China rasant. 26,7 Millionen waren 2008 an einer Hochschule oder anderen Einrichtung des tertiären Bildungsbereichs des Landes eingeschrieben. Das waren 19,3 Millionen Studierende beziehungsweise 262% mehr als im Jahr 2000. In der EU-27 wuchs die Zahl der Studierenden zwischen 2000 und 2008 um 3,1 Millionen auf 19,0 Millionen, in den Vereinigten Staaten erhöhte sie sich um 5,0 Millionen auf 18,2 Millionen. In Deutschland stagnierte sie.

China hatte 2008 absolut gesehen weltweit die meisten Studierenden (Abb. 15272). Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl hatten aber die Vereinigten Staaten weiterhin die Nase vorn. 2008 kamen dort 59 Studierende auf 1 000 Einwohner. In China wurden trotz des rasanten Anstiegs der vergangenen Jahre nur 20 Studierende je 1 000 Einwohner verzeichnet.



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global news 2129 06-09-10: Fakten zur Immigration nach Deutschland

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Derzeit wird in Deutschland eine ziemlich wilde Diskussion um die Sarrazin-Thesen zur Integration von Immigranten und deren Kinder geführt. Doch die meisten Menschen machen das höchstens aus ihrem Bauchgefühl und vielleicht sogar nach der Häufigkeit, mit der sie selbst auf Immigranten stoßen. Hier einige Fakten:

1. Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Im Jahr 2009 hat die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland erstmals den Wert von 16 Millionen überschritten (Abb. 14259); im Jahr 2005 hatte die Zahl noch bei 15,3 Millionen gelegen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat von 18,6 % auf 19,6 % zugenommen. Das ist jetzt fast jeder Fünfte. Von den Familien mit minderjährigen Kindern haben bereits 29,3 % einen Migrationshintergrund (Abb. 14508).



Die Zahl der Einbürgerungen von Ausländern ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen (Abb. 14302).


In deutschen Großstädten geht der Anteil von Personen mit Immigrationshintergrund bereits bis zu 42 % (Abb. 14257), bei Kindern unter 6 Jahren oft in die Größenordnung von zwei Dritteln und fast überall in die Mehrheit (Abb. 14258). Im Bundesdurchschnitt betrug ihr Anteil in dieser Altersgruppe 34,2 %, doch bei den Einjährigen steigt der Anteil schon auf 36,0 %.



Die meisten Immigranten kommen aus der Türkei (2,5 Mio) und den Ländern des früheren Jugoslawiens (1,3 Mio) (Abb. 14256). 59 % aller Immigranten mit eigener Immigrationserfahrung leben schon mindestens 15 Jahre in Deutschland.


2. Fertilität

Frauen mit Migrationserfahrung sind viel seltener kinderlos und haben viel häufiger mehr als nur ein Kind (Abb. 14262). Allerdings beginnen Frauen, die länger in Deutschland leben, sich den deutschen Verhältnissen anzupassen.


3. Muslimischer Bevölkerungsanteil

Nach Erkenntnissen der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland", die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BMAF) im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz durchgeführt hat, leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland wohnen. Berücksichtigt man, dass in Deutschland insgesamt rund 82 Millionen Menschen leben, beträgt der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung zwischen 4,6 und 5,2 Prozent. Gemessen an den beiden großen christlichen Konfessionen kommt der Anteil auf rund 8,3 % (Abb. 14300).


Etwa 45 % der Muslime mit Migrationshintergrund sind Deutsche, rund 55 % haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Zwischen 2,5 und 2,7 Mio. der in Deutschland lebenden Muslime sind türkischstämmig, dies entspricht einem Anteil von rund 63 % an allen Muslimen.

Die muslimische Bevölkerung in Deutschland ist regional sehr ungleich verteilt. 98,4 % der Muslime leben in den alten Bundesländern und Berlin, nur 1,6 % haben ihren Wohnsitz in den neuen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen wohnt rund ein Drittel aller Muslime in Deutschland.

4. Bildung

Die mangelnde Integration fängt im Kindergarten an und setzt sich bei der Schul- und Berufsbildung fort. Die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund unter drei Jahren betrug im Jahr 2009 in den alten Bundesländern (ohne Berlin) 9 % und ist damit etwa halb so hoch wie bei Kindern, deren Eltern beide in Deutschland geboren wurden (17,5 %). Von den Personen mit Immigrationserfahrung im Alter von 25 bis 65 Jahren haben 13,4 % keinen Schulabschluß, 38,3 % keine Berufsbildung - viel höhere Anteile als bei den Nicht-Immigranten (Abb. 13281).


Bei der Qualifikation der Immigranten sieht es in Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aus (Abb. 12989).


5. Einkommen der Personen mit Migrationshintergrund

Die Nettohaushaltseinkommen von Personen mit Migrationshintergrund lagen 2008 unter den durchschnittlichen Nettoeinkommen der Gesamtbevölkerung. Haushalte mit Personen mit Migrationshintergrund hatten öfter Einkommen von unter 900 (18 % gegenüber 13 % bei der Gesamtbevölkerung) und seltener Einkommen über 2.600 (22,5 % gegenüber 30 % bei der Gesamtbevölkerung), siehe Abb. 14301. Die im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung verwendeten gewichteten Äquivalenzeinkommen weisen die pro Person verfügbaren Einkommen im Haushalt aus, wobei das Gesamteinkommen des Haushalts auf die Zahl der Haushaltsmitglieder bezogen wird. Neben den insgesamt niedrigeren Einkommen beeinflusst dies die Höhe der Pro-Kopf-Einkommen, da Haushalte von Personen mit Migrationshintergrund in der Regel eine größere Zahl von Personen umfassen und die verfügbaren Einkommen daher auf eine größere Zahl von Haushaltsmitgliedern verteilt werden.


6. Sozialempfänger und Arbeitslosen unter Personen mit Migrationshintergrund

Das Ergebnis mangelnder Bildung und Ausbildung kann eigentlich nicht mehr überraschen. So sind erwerbslos oder stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung 38 % derjenigen mit Immigrationshintergrund, dagegen nur 27 % derjenigen ohne (Abb. 13282). Als einfache Arbeiter tätig sind fast die Hälfte derer mit Immigrationshintergrund, dagegen nur weniger als ein Viertel derjenigen ohne (Abb. 13286).



Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind etwa doppelt so häufig erwerbslos als jene ohne, gehen sehr viel häufiger ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, zum Beispiel einem Minijob, und sind als Familien mit Kindern unter 18 Jahren mehr als doppelt so oft armutsgefährdet (Abb. 14721).


7. Straftaten bezogen Personen mit Migrationshintergrund

Auch die Kriminalitätsstatistik zeigt auffällige Spuren der sich sehr ungünstig entwickelnden Situation mit unzureichender Integration von Immigranten. Unter den tatverdächtigen Erwachsenen haben Ausländer vor allem bei schweren Verbrechen hohe Anteile, die weit über dem Anteil an der Gesamtbevölkerung liegen (Abb. 14037). Unter den tatverdächtigen Ausländern kommen die Türken auf fast ein Drittel (Abb. 14038).



8. Statt eines Schlußwortes

Man sollte in Deutschland nicht vergessen: Die massivste Einwanderungswelle aus der Türkei wurde gestartet, um billigste Arbeitskräfte für die Großindustrie (z.B. Ford in Köln) ins Land zu holen und so die Basis für den globalen Wettbewerb zu verbessern. Die Folgen wurden nicht bedacht und die Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt.


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global news 2128 06-09-10: Was bedeutet es, wenn ein Fünftel der Deutschen eine Sarrazin-Partei wählen würde? Sehnsucht nach gestern?

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Nach einer Emnid-Umfrage würde ein Fünftel aller Deutschen eine Partei unter Sarrazin-Vorsitz wählen. So schnell wäre noch keine Partei aus dem Nichts gestartet. Das ist zugleich ein Zeichen dafür, was viele rechtskonservative Menschen, die rechts von der CDU/CSU derzeit keine politische Heimat finden können, wählen würden, wenn es einen populistischen rechtsextremen Leithammel gäbe. Das Vakuum, das nach dem Dritten Reich in Deutschland auf der extremen Rechten entstanden ist, wäre wohl schnell gefüllt.

Leider sind dabei die Übergänge von ganz Links nach ganz Rechts fließend, wie auch schon einmal die unglückliche deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts gezeigt hat. Auch unter den Empfängern meines Wochenbriefes und den Besuchern des Infoportals gibt es sozialkritische Mitmenschen, die sich hier Bausteine für ihr Weltbild zusammenklauben, aber eigentlich auch in einer Partei am rechten Rand gut aufgehoben wären. Einer schrieb mir gerade heute und natürlich ängstlich pseudonym-getarnt:

"Herr Jahnke, nachdem sie unnötig - weil themenbezogen irrelevant - Lügen über den Kriegsbeginn (WK II) verbreiten, verzichte ich künftig auf ihre Aussendungen. Dazu war der Vergleich Alpenländer - BRD - Skandinavien zu wenig detailliert, um die von ihnen getroffenen Aussagen zu machen. Lernen sie Geschichte, Herr Jahnke."

Ich verzichte gern auf solche Empfänger meiner Wochenbriefe und habe diesen erleichtert aus dem Verteiler genommen. Aber Anlaß zum Nachdenken ist das dann doch. Wieder ein angeblich Linker, der eigentlich ein Rechter ist.

Zurück zu Sarrazin. Hier drei Ausrisse aus seinem Buch, die eigentlich schon alles sagen. Der erste zeigt, wie er total unkritisch einer Globalisierung zustimmt, die z.B. deutsche und chinesische Löhne auf gleiches Niveau bringt. Eine global einheitliche Entlohnung des Produktionsfaktors Arbeit hält er für normal und akzeptiert damit die total unsozialen Verhältnisse in China als Basis für einen marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Es ist die Meinung, die uns hinlänglich von Ifo-Chef Sinn bekannt ist. Der zweite Ausriß zeigt seine Ablehnung der derzeitigen sozialen Rahmenbedingungen dessen, was er als "Sozialstaat" bezeichnet, und für "wohlstandsgefährdend" hält. Der dritte Ausriß schließlich zeigt seinen rassistischen Glauben an unveränderbare Mentalitäten und Traditionen, die praktisch eine Integration von Menschen mit anderen Mentalitäten und Traditionen in Deutschland nicht zulassen, obwohl viele andere Länder die Integration von Immigranten weit erfolgreicher über entsprechende Bildungsprogramme und andere Hilfestellungen geschafft haben.




Die mangelnde Integration von Immigranten kann nicht allein diesen angelastet werden oder als unmachbar abgetan werden. Um die Ausbildung und damit die Integration der Immigrantenkinder sieht es in Deutschland sehr schlecht aus und viel schlechter als in anderen Ländern. Unter den Hauptschulabschlüssen beträgt der Ausländeranteil mehr als 19 %, dagegen unter den Abiturienten weniger als 4 % (Abb. 14080). Der Abstand in der Leseleistungen von Immigrantenkinder der 2. Generation ist nirgendwo so groß wie in Deutschland (Abb. 13355). Auch bei den mathematischen Leistungen sieht es in Deutschland vergleichsweise ziemlich schlecht aus (Abb. 13320). Besonders springt der Unterschied bei Skandinavien ins Auge: Bei Immigrantenkindern der 2. Generation sind die Schulergebnisse in mathematischer Leistung verglichen mit einheimischen Schülern dort um 36 % besser als in Deutschland. Ebenso ist die Wahrscheinlichkeit dieser Kinder einen Hochschulabschluß zu erreichen in Skandinavien dreimal größer (Abb. 15269).






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global news 2127 06-09-10: Einzelhandelsumsatz in der EU: Deutschland in der Schlußtruppe

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Auch nach den jetzt von Eurostat veröffentlichten Juli-Werten rangiert Deutschland weit unten bei der Einzelhandelsentwicklung seit dem Jahr 2005. Zwar hat es die letzten Positionen an drei andere Länder abtreten müssen, zwei davon unter den angeschlagenen Euro-Süd-Ländern, doch bleibt der Abstand zu den normal konsumierenden Ländern, wie Großbritannien, Frankreich, Schweden und Österreich sehr groß (Abb. 15169). Während letztere zwischen 12 % und 14 % zugelegt haben, ist der deutsche Einzelhandelsumsatz seit 2005 um 2 % gefallen.


Mit der miesen Binnenkonjunktur bremst Deutschland die Importe auch aus den schwächeren Euroländern und trägt so zu dem Hochwachsen der Ungleichgewichte weiter bei.


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global news 2126 04-09-10: Deutschlands Nachbarn im Norden und Süden haben sehr viel mehr an Sozialer Marktwirtschaft bewahrt - Deutschland mit neuem Reichtumsrekord

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Deutsche Politiker, besonders aus dem konservativen Lager, führen die "Soziale Marktwirtschaft", die sie gleichzeitig und seit Jahren meucheln, gebetsmühlenhaft auf der Zunge, um das Volk ruhig zu halten. Ruhe ist umso mehr erste Bürgerpflicht, als gerade die Krisenlasten überwiegend auf die Schultern der sozial ohnehin schon Benachteiligten gelegt werden. Der neue Systemvergleich mit den Alpenländern, zeigt vor allem am Beispiel Österreich, wieviel Deutschland schon an sozialen Werten verspielt hat. Noch deutlicher wird das mit dem nun in Kürze überarbeiteten Skandinavien-Vergleich, der zunächst im Wochenbrief erscheinen wird (hier zu bestellen).

Da hinein paßt die heutige Nachricht von einer neuen Vermögensstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das Geldvermögen der Deutschen hat sich seit Mitte vergangenen Jahres stark vermehrt. Es brauchte demnach nur wenige Monate, um den durch die Krise verursachten Verlust von insgesamt etwa 140 Milliarden Euro wieder auszugleichen. Bereits im ersten Quartal 2010 ereichte das Geldvermögen mit fast 4,8 Billionen Euro ein neues Allzeithoch (Abb. 14299). Auch die Zahl der Vermögensmillionäre liegt nach einem kurzzeitigen Rückgang im Jahr 2008 nun auf einem neuen Rekordniveau. Dazu DIW-Forscher Markus Grabka: "An den Vermögenden ist die Finanzkrise in überraschend kurzer Zeit ohne bleibende Schäden vorübergegangen".



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global news 2125 03-09-10: Unheilige Allianz: Globale Erwärmung und Nahrungsmittelspekulation treiben den Hunger hoch

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Weizenpreise und Nahrungsmittelpreise insgesamt steigen derzeit weltweit mit starkem Tempo: innerhalb eines Jahres um 64,2 % bzw. 15,1 % (Abb. 16145). Einige Nahrungsmittel, wie Gerste, Mais und Reis verzeichnen ebenfalls Preissprünge (Abb. 16146, 16147).




Vladimir Putin's Ankündigung vom Donnerstag, den Exportstopp, der wegen der Trockenheit und der Brände eingeführt wurde, nun bis Ende 2011 auszudehen, schickte die Preise auf einen weiteren Sprung nach Oben. Die FAO der UN ordnete eine Notsitzung an, um die Weizenknappheit zu diskutieren. Die Verteuerung der Nahrungsmittel führt bereits zu Aufständen in den besonders armen Ländern. In Maputo (Mozambique) wurden sieben Menschen getötet und 280 verletzt, nachdem die Regierung den Brotpreis um 30 % erhöhte.

Auch der Preis für Baumwolle hat den höchsten Stand seit 1995 erreicht und damit noch die Spitze vom März 2008 übertroffen (Abb. 16148). Das erschwert global vor allem armen Leuten die Bekleidung. Nun wird für das ganze Jahr 2010 eine Steigerung um 15 % erwartet. Die Preise reagieren derzeit vor allem auf die schweren Überschwemmungen in Pakistan, dem viertgrößten Produzenten, die ebenfalls eine Folge der globalen Erwärmung sind.


Die Spekulation auf den Hunger der Welt als Ergebnis globaler Erwärmung und noch zunehmender Bevölkerung ist mit das Widerlichste, was der Finanz-Kapitalismus hervorgebracht hat. Große Banken, wie die Deutsche Bank, betreiben sogar Fonds, mit denen auch kleinere Spekulanten den Hunger der Welt auskosten können (siehe hierzu auch mein Bericht von vor einem Jahr).


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global news 2124 02-09-10: Die Wettbewerbsverhältnisse in der Eurozone werden auch von den Zinsen verzerrt

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Die Schieflage zwischen Deutschland und den schwächeren Südländern der Eurozone (plus Irland) hat eine zusätzliche Dimension bekommen. Neben den weit geringeren Lohnsteigerungen in Deutschland und der damit zusammenhängenden geringeren Inflationsrate drückt die Zinsdifferenz immer mehr auf die Wettbewerbsfähigkeit vor allem von Spanien, Griechenland, Portugal und Irland. Bei Irland, Griechenland und Spanien sind die Zinsdifferenzen zwischen den Staatsanleihen verglichen mit den deutschen auf oder nahe Höchststand. Irische 10-Jahres-Staatsanleihen kosten das Land bereits 3,6 % mehr Zins, als die Bundesregierung für ihre Anleihen bezahlen muß. Bei Spanien sind es 1,9 %, bei Portugal 3,3 % mehr (Abb. 16144).


Das höhere Zinsniveau für Staatsanleihen überträgt sich auch auf die Finanzierungskosten der Unternehmen, die Anleihen auflegen. Im Ergebnis können deutsche Unternehmen mit weit geringeren Finanzierungskosten besser konkurrieren und mit mehr Export die Ungleichgewichte in der Eurozone immer mehr hochdrücken. Deutschland wird in diesem Prozeß zur Fluchtburg von Kapital aus den Südländern, was die deutschen Anleihezinsen weiter nach unten bringt, die Zinsen in deren Heimatländern aber nach oben und den deutschen Wettbewerbsvorteil noch weiter verstärkt.


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global news 2123 01-09-10: Neue Rekorde in der Währungsspekulation: An jedem Tag die Weltwirtschaftsleistung von drei Wochen

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Es sprengt menschliches Vorstellungsvermögen: Der internationale Währungshandel hat zwischen April 2007, vor Ausbruch der Krise, und April 2010 noch einmal um 20 % zugelegt und damit ein Tagesvolumen von rund 4 Billionen Dollar erreicht. Nun wird an jedem einzelnen Tag in Währungen soviel spekuliert, wie die gesamte Weltwirtschaft in mehr als drei Wochen an Wirtschaftsleistung erzeugt, oder die deutsche in mehr als eineinhalb Jahren (Abb. 16143). Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die als Bank der Notenbanken fungiert.


Der Dollar war mit einem Anteil von 85 % die meistgehandelte Währung, etwas unter dem Stand von 90 % in 2001. Dabei war das Euro/Dollar-Verhältnis mit einem Anteil von 28 % die meistgehandelte Währungsrelation. Zwei Drittel der Transaktionen waren grenzüberschreitend international, was das enorme Ausmaß an Globalisierung der Finanzmärkte zeigt. Die Hauptspieler sind Hedgefonds, Versicherungsunternehmen, Zentralbanken und Institutionen außerhalb des Bankensektors.


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global news 2122 01-09-10: Einzelhandelsumsatz wieder im Rückgang

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Nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamts sank der Umsatz im Juli 2010 im Vergleich zum Juni 2010 unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten real um 0,3% (Abb. 04943). Eigentlich hatte das Statistische Bundesamt mit der Veränderung der Statistik die Ergebnisse verbessern wollen.


Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte dabei real 0,4% weniger um als im Juli 2009, der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln sogar 0,8% weniger.


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global news 2121 31-08-10: Acht Schaubilder zur Befindlichkeit von O- und W-Deutschen im wiedervereinigten Deutschland

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Wie sehen die Menschen in Ost und West ihr Leben in Deutschland - und wie zufrieden sind sie damit? Dieser Frage ist das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg für den Sozialreport 2010 im Auftrag der Volkssolidarität nachgegangen. Hier das Ergebnis in 8 Schaubildern.










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global news 2120 31-08-10: "Erholung" am Arbeitsmarkt weitgehend minderwertig oder künstlich oder demographisch

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Im August ging die Arbeitslosigkeit gegenüber Vormonat mit -0,1 % kaum noch zurück; die Arbeitslosenquote blieb bei 7,6 % (Abb. 14726). Die Beschäftigung stagnierte im letztgemeldeten Monat Juli ohne Zuwachs gegenüber dem Vormonat und nahm auch gegenüber dem Vorjahr nur um 0,4 % zu (Abb. 14041).



Die so wichtige Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat in den 7 Jahren seit 2003 kaum zugenommen (Abb. 04008). Dabei gehen fast zwei Drittel (61,3 %) der Zunahme gegenüber dem Vorjahr auf das Konto von Teilzeitbeschäftigung. Erst recht zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung, wenn man langfristig mit 1995 vergleicht. Da ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an allen Beschäftigten von 75 % in 1995 auf nur noch 68.7 % im Juni 2010 zurückgefallen.


Und die besonders bedrückende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als 12 Monate arbeitslos waren, hat gegenüber dem Vorjahr um 2 % weiter auf fast 1 Million zugenommen, womit der Anteil dieser besonders unglücklichen Arbeitslosen an allen Arbeitslosen auf 32 % gestiegen ist. Deutschland hatte nach einem neuen OECD-Vergleich auch 2009 den höchsten Anteil der Vergleichsländer.

Mehr als zwei Drittel (69,0 %) des Abbaus von Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich geht allein auf das Konto der Zunahme an unsicherer und schlechter bezahlter Leiharbeit.

Nur noch knapp 55 % der Arbeitslosengeldempfänger werden ehrlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980).


Neben dem Zuwachs minderwertiger Arbeitsplätze (Leiharbeit oder Teilzeit) und statistischen Tricks trägt allein die demographische Entwicklung zu einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots um jahresdurchschnittlich 147.000 bei. Von einem Wunder am Arbeitsmarkt kann also keine Rede sein.

Eine ausführliche Analyse bringt der Schwerpunkt hier.


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global news 2119 29-08-10: Skandinavien schlägt Deutschland im Ländervergleich der Wirtschafts- und Sozialverhältnisse um Längen

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Zusammen erreichen die skandinavischen Länder mit 30,4 % der deutschen Bevölkerung eine Wirtschaftsleistung, die 40,0 % der deutschen entspricht; die Pro-Kopf Wirtschaftsleistung ist um fast ein Drittel höher (Abb. 13678). Zwischen den Jahren 2000 ist ihre Wirtschaftsleistung um 13,8 % gestiegen, die deutsche dagegen nur um 5,2 % (Abb. 12511S).



Den eigentlichen Erfolg gegenüber Deutschland verzeichnen die Skandinavier nach den Zahlen für 2009 bei der Vermeidung hoher Langzeitarbeitslosigkeit. Sie beträgt bezogen auf die aktive Bevölkerung nur 0,9 %, während sie in Deutschland mit 3,4 % fast viermal höher ist (Abb. 12509S). Dazu trägt nicht zuletzt das wesentlich bessere Bildungssystem bei.


Bei dieser Lage und auf der Basis einer weit besseren Entwicklung von Arbeitseinkommen und Renten sowie einer erfolgreicheren Integration der Frauen ins Berufsleben mit viel geringerer Lohndiskriminierung entwickelte sich auch der Verbrauch der privaten Haushalte zwischen 2000 und 2009 mit einer Zuwachsrate von 21,7 % kräftig und stützte so die Wirtschaft insgesamt, während es Deutschland nur auf ein sehr schwaches Plus von 3,3 % brachte, also über die neun Jahre praktisch Stagnation (Abb. 12516S).


Der überzeugende Wohlstandkurs wird erreicht auf der Basis einer viel höheren Steuerquote gemessen am BIP, als sie in Deutschland gilt (Abb. 12493S).


Das Internetportal wird demnächst einen vollständigen Vergleich mit Skandinavien bringen, der viele andere Elemente, vor allem aus dem Bildungsbereich, inkorporiert. Als Nächstes kommt jedoch erst der Vergleich mit den Alpenländern, die ebenfalls besser als Deutschland abschneiden, im nächsten Wochenbrief (kann hier kostenlos bestellt werden).


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global news 2118 29-08-10: Die Grenzen des Wachstums kommen näher

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Die USA haben gerade ihre Wachstumsrate für das zweite Quartal auf 0,4 % gegenüber dem Vorquartal herunternehmen müssen, was einer Jahresrate von nur noch 1,6 % entspricht. Doch über den längeren Zeitraum geblickt, gehen die Wachstumsraten in USA schon seit den vierziger Jahren in Kurvenschwüngen ständig nach unten (Abb. 05243, 05244). Die Wachstumsgrenzen kommen hier eindeutig näher.



Ähnlich sieht es für die Eurozone und für Deutschland aus (Abb. 04105, 14871).



Diese Trends werden sich fortsetzen, weil sehr viel Industriebeschäftigung nach Asien abwandert, der Anteil der aktiven Bevölkerung fällt und weil wichtige Rohstoffe, aber auch Nahrungsmittel (z.B. Fischbestände) knapper und damit teuerer werden. Auch wird die zunehmende Erschöpfung wichtiger ökologischer Umweltreserven das Wachstum weiter bremsen. Die alten Industrieländer werden sich auf eine wachstumslose Zeit einrichten müssen. Bei ehrlicherer Berechnung der Wirtschaftsleistung, z.B. ohne die Anrechnung der Umweltschäden als Wachstumsfaktoren, wäre wahrscheinlich schon heute kein echtes Wachstum mehr zu verzeichnen. Der Produktivitätsfortschritt wird noch anhalten, aber zum Ausgleich der ungünstigen demographischen Entwicklung gebraucht werden.

Mit weniger oder gar keinem Wachstum mehr, werden die Verteilungskämpfe nicht um den Zuwachs sondern den Bestand an Vermögen gehen und viel härter werden.


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global news 2117 28-08-10: Ausführliche Analyse der deutschen Wirtschaftssituation im zweiten Quartal 2010

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Das Infoportal bringt jetzt die auf das 2. Quartal 2010 aktualisierte Quartalsbewertung der deutschen Wirtschaftsentwicklung. Sie finden sie hier.


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global news 2116 27-08-10: Jeder Fünfte arm in Ost-Deutschland, fast um die Hälfte mehr als in West-Deutschland

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Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts ist die Armutsgefährdung der Menschen in Deutschland in den Bundesländern sehr unterschiedlich: Im Jahr 2009 war mehr als jeder fünfte Mensch in Mecklenburg-Vorpommern (23%), Sachsen-Anhalt (22%) und Bremen (20%) armutsgefährdet. In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hatte dagegen nur ungefähr jeder neunte Mensch ein erhöhtes Armutsrisiko (jeweils 11%). Der Anteil der Armen war in Ost-Deutschland um fast die Hälfte höher als in West-Deutschland (Abb. 14296).


Gemäß der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung, hier dem mittleren Einkommen in Deutschland, auskommen müssen. Lediglich die 65-Jährigen und Älteren hatten in den neuen Ländern (10%) ein geringeres Armutsrisiko als im früheren Bundesgebiet (13%).

Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Erwerbslose. Mehr als die Hälfte der Erwerbslosen (54%) in Deutschland war 2009 armutsgefährdet. Auch hier gibt es große regionale Unterschiede: Während 2009 in Bayern und Baden-Württemberg 41% beziehungsweise 42% der Erwerbslosen armutsgefährdet waren, waren es in Sachsen-Anhalt 70% (Abb. 14297).


Auch Alleinerziehende und ihre Kinder waren bundesweit (40%) besonders armutsgefährdet. Während in Hessen (31%) und Baden-Württemberg (33%) rund ein Drittel der Mitglieder von Alleinerziehenden-Haushalten von Armut bedroht waren, traf dies in Sachsen-Anhalt (59%), Mecklenburg-Vorpommern (56%), Sachsen (52%) und Thüringen (51%) auf mehr als die Hälfte der entsprechenden Haushaltsmitglieder zu (Abb. 14298).


Grundlage der Armutsgefährdungsquoten ist die Armutsgefährdungsschwelle auf Bundesebene. Diese wird anhand des mittleren Einkommens im gesamten Bundesgebiet errechnet. Den ermittelten Armutsgefährdungsquoten für Bund und Länder liegt somit eine einheitliche Armutsgefährdungsschwelle zugrunde.


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global news 2115 26-08-10: Wieder Märchen-Stunde im SPIEGEL: "Merkels Aufschwung"

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Solche Gedanken kommen mir sonst nur bei den "Gedanken zur Zeit", die gelegentlich etwas polemischer ausfallen. Hier muß ich sie in einen Rundbrief einbringen, zumal viele Fakten zu korrigieren sind und dafür auch grafische Darstellungen notwendig sind.

Prof. Dr. Sebastian Dullien war lange Redakteur für Wirtschaftspolitik bei der rechtsliberalen Financial Times Deutschland. Er wurde dann Professor für Allgemeine Volkswirtschaftslehre, insb. internationale Wirtschaft, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Im vergangenen Jahr ist er durch sein Buch "Der gute Kapitalismus", dessen Titel eigentlich alles sagt, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Sein heutiger SPIEGEL-Essay unter dem Titel "Wirtschaftsboom in Deutschland - Merkels ungeliebter Aufschwung" ist allerdings das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit und eigentlich nur ein Schmierenstück in Regierungspropaganda (ach wäre er doch bei der Presse geblieben, statt nun auch noch den Anspruch auf wissenschaftliche Arbeit zu erheben!). Hier Auszüge mit den jeweiligen Richtigstellungen.

"Es ist Angela Merkels Aufschwung: Weil Kanzlerin und Große Koalition in der Finanzkrise pragmatisch gehandelt haben, boomt nun die deutsche Wirtschaft. Tatsächlich liegt die Ursache der kräftigen Erholung im Konjunkturpaket II, das die Große Koalition unter Angela Merkel in den ersten Monaten 2009 verabschiedet hat. Das Paket hat nicht nur eine Abwärtsspirale der Wirtschaft im vergangenen Jahr verhindert, sondern das kräftige Wachstum in diesem Jahr ausgelöst. Da ist der ganz direkte Effekt der Konjunkturprogramme. Zwar wurden die öffentlichkeitswirksamen Ausgaben etwa für die Abwrackprämie schon im vergangenen Jahr gestoppt. Doch der Großteil der Mittel fließt erst dieses Jahr. Insbesondere die Ausgaben für Gebäudesanierung und Infrastruktur wurden aufgrund der langen Planungszeiträume 2009 noch nicht mal zur Hälfte abgerufen. Anders ausgedrückt: Rund ein Drittel des 2010 erwarteten Wirtschaftswachstums geht direkt auf staatliche Mehrausgaben oder Steuersenkungen zurück."

Daran ist so ziemlich alles falsch. Natürlich hat auch das Konjunkturprogramm geholfen, aber längst nicht in diesem ausschließlichen Umfang, wie ihn Dullien darstellt. Der bei Weitem größte Wachstumsimpuls kam vom Export und dem damit verbundenen Wiederaufbau der Lager oder Vorratsveränderung (Abb. 14294, 14295).



Beides verschweigt Dullien total. Für diesen positiven Effekt kann Frau Merkel nichts, weil er weitestgehend im Ausland entstanden ist, und so paßt er ihm nicht in seine Story. Die von Dullien so in den Himmel gehobenen staatlichen Ausgabenprogramme haben direkt nur 0,6 Prozentpunkte zum Vorjahreszuwachs von 3,7 %, bzw. 0,1 Prozentpunkte zum Vorquartalszuwachs von 2,2 % beigetragen. Wenn er von öffentlichen Aufträgen für die Bauwirtschaft spricht, so sind die schon in dem Faktor "Individualkonsum des Staates" inbegriffen, denn hierunter fallen alle Ausgaben für die Wirtschaft. Soweit Mittel für die Abwrackprämie erst in diesem Jahr fließen, sind sie über den Kauf von PKWs schon im letzten Jahr in die Rechnung der Wirtschaftsleistung eingegangen, und ist jetzt ein konjunkturbremsendes "schwarzes Loch" entstanden, also das Gegenteil eines Konjunturprogramms. Die Bauwirtschaft hat nach Aussage des Statistischen Bundesamts "zum Teil von Nachholeffekte nach dem vergleichsweise strengen Winter" profitiert, auch das von Frau Merkel unabhängig.

"Alle Konjunkturindikatoren zeigen eine rapide Erholung an. Im laufenden Jahr sind für die deutsche Wirtschaft nun Wachstumsraten von drei Prozent oder mehr abzusehen."

Dulliens Optimismus in Ehren. Doch sollte er sich die Frage der Nachhaltigkeit dieses von ihm gefeierten Konjunkturpakets stellen. Denn das läuft nun aus und damit auch seine Wirkung und das derzeitige Sparpaket wird eher das Gegenteil bewirken. Sollte sein Optimismus in die Zukunft berechtigt sein, dann nicht wegen des Konjunkturprogramms sondern anhaltender Exporterfolge.

"Sie (die deutsche Wirtschaft) wächst sogar schneller als die US-Ökonomie. Doch die Union schweigt den Erfolg tot."

Daß die deutsche Wirtschaft derzeit schneller als die amerikanische wächst, hat sehr wenig mit den beiderseitigen Konjunkturprogrammen zu tun. Es liegt an drei gravierenden Nachteilen der USA, mit denen die Bundesregierung nicht zu kämpfen hat. Erstens war die amerikanische Immobilienkrise nicht nur dramatisch, sondern hält auch an und macht die Amerikaner viel ärmer. Zweitens sind amerikanische Haushalte viel höher verschuldet und müssen ihre Schulden jetzt bei knapper werdenden Krediten stark reduzieren und drittens profitiert Deutschland viel mehr vom Export als die USA, weil Deutschland den Vorteil eines mit der Eurokrise schwächer gewordenen Euros hat und weil Deutschlands Export innerhalb der Eurozone durch den Einheits-Euro einen gegen Aufwertungen gesicherten künstlichen Wettbewerbsvorteil genießt. Diese unterschiedliche Außenhandelsentwicklung ist von den jeweiligen Konjunkturprogrammen und erst recht von Merkel oder Obama unabhängig.


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global news 2114 26-08-10: Konsumklima-Index: Ein Minihäkchen nach oben und schon bricht die Aufstiegspropaganda los

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Heute meldet die Gesellschaft für Konsumforschung mit dem Konsumklima-Index: "Konsumklima leicht im Aufwind". Tatsächlich gab es nur ein kleines Häkchen nach oben im August und der Index pendelt noch weit unter den Werten von vor der Krise und selbst noch unter Oktober des letzten Jahres (Abb. 04711).


Doch das schert SPIEGEL-online nicht und so setzt der die Schlagzeile: "Konsumklima-Index: Verbraucher in prächtiger Kauflaune" und berichtet:

"Das kräftige Wirtschaftswachstum und erfreuliche Zahlen vom Arbeitsmarkt haben die Stimmung der Verbraucher im August weiter aufgehellt. Die Menschen schätzen sowohl die Entwicklung ihres persönlichen Einkommens als auch die der Konjunktur erneut deutlich besser ein als im Vormonat".


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global news wb23.51 26-08-10: 2. Quartal: Rekordaufschwung? Und für wen?

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1. Gesamtentwicklung

Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 2. Quartal 2010 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, hat sich die Erholung der deutsche Wirtschaftsleistung mit einem Zuwachs von 2,2 % im 2. Quartal und 3,7 % im Vergleich zum Vorjahr fortgesetzt. Jedoch beruht diese Rate auf dem Basiseffekt eines besonders starken Einbruchs im Vorjahr. Vergleicht man mit dem 2. Quartal von vor zwei Jahren, so lag die Wirtschaftsleistung immer noch um 2,0 % niedriger (Abb. 14185, 14744).



Es zeigt sich nun immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung auch in der Krise über den Export ständig weiter vorangetriebenen Globalisierung. Der Export klettert zwar Richtung Vorkrisenniveau (Abb. 14192), erhöht aber damit die Abhängigkeit von derzeit besonders unsicheren Auslandsmärkten.


Dabei wächst der Export vor allem dank der aus Wettbewerbsgründen durchgesetzten Beschränkung der Arbeitseinkommen und damit zulasten des Konsums privater Haushalte. Der ist aber für die Gesamtwirtschaftsleistung erheblich wichtiger als der Export.

Allein der Außenbeitrag (Export minus Import) trug 1,3 Prozentpunkte zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum im Vorjahresvergleich von 3,7 % bei. Die übrigen Wachstumsfaktoren sind eher temporärer Natur und jedenfalls nicht auf Dauer angelegt. So kam ein weiterer Wachstumsbeitrag von 1,1 % von Bruttoanlageninvestitionen, doch hier spielten der Nachholbedarf der Bauwirtschaft nach dem strengen Winter und auslaufende staatliche Bauprogramme eine große Rolle. Außerdem wurden auch im 2. Quartal wieder die Lager gefüllt (Wachstumsbeitrag 1,3 Prozentpunkte) und profitierte die Wirtschaft von staatlichen Konjunkturprogrammen (Wachstumsbeitrag 0,5 Prozentpunkte). Schon diese Umstände zeigen, auf was für schwachen Füßen die deutsche Wirtschaft immer noch steht.

Die soziale Kluft zwischen der Entwicklung der Nettolöhne- und gehälter einerseits und der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen vergrößerte sich immer weiter. Die einen sparten aus Angst vor der Zukunft, die anderen konnten wegen ihrer hohen Einkommen leicht sparen, und so lag die Sparquote erneut rekordnah bei 11,4 % der verfügbaren Einkommen.

Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 2. Quartal 2009 und zum Vorquartal sind in Abb. 04305 und 14818 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt. Dabei fällt besonders auf, wie stark sich die Unternehmens- und Vermögenseinkommen schon erholt haben und das im Unterschied zu den Löhnen.




Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge.

2. Weitere Vertiefung des sozialen Grabens bei den Einkommen

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen haben sich erstaunlich rasch von der Krise erholt, wozu vor allem größere Gewinne nach Einsparung bei den Personalkosten und niedrige Finanzierungskosten beigetragen haben. So legten sie um 22.0 % gegenüber dem Vorjahresquartal zu, was nach Abzug der BIP-Inflation immer noch 21.1 % waren. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen dagegen nur um 3,8 % und 2,7 % nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise (Abb. 14849). Dabei sind hier die Einkommen der besser- und bestverdienenden Arbeitnehmer bis zum Chef der Deutschen Bank inbegriffen. Die Normaleinkommen der Arbeitnehmer dürften sich noch schlechter entwickelt haben. Und vieles des kleinen Anstiegs an Arbeitnehmereinkommen erklärt sich nur aus dem Auslaufen der Kurzarbeit, die wieder in normale Arbeit und normale Entlohnung zurückfindet.


Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 2,5 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen trotz des Einbruchs in 2008 um 31,1 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte und bereits vorübergehende Situation war. Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist im 2. Quartal 2010 weiter gefallen (Abb. 04797). Der Abstieg seit dem Gipfel von 76 % im Jahr 1981 und mit immer größerer Geschwindigkeit seit dem Jahr 2000 ist geradezu dramatisch (Abb. 14636).



Nun erwartet die Bundesregierung, daß sich der Graben über die Jahre bis 2014 noch weiter vertieft. Nach der Prognose im Finanzplan des Bundes soll das Arbeitnehmerentgelt nominal im Jahresdurchschnitt um 2 % wachsen. Da die EZB eine Inflationsrate in der Nähe von 2% ansteuert, wäre das real absolute Stagnation. Dagegen sollen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jährlich und nominal um 4,5 % steigen, was bei der in der Finanzplanung angenommenen BIP-Inflation von 1 % einem realen Zuwachs von 3,5 % entspräche. Bis zum Jahre 2014 hätte dann seit dem Jahr 2000 das Abeitnehmerentgelt real einen Rückgang von 3,7 verzeichnet, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen würden dagegen um fast 47 % zugelegt haben (Abb. 14045). Tatsächlich steigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jedoch derzeit noch viel stärker, als in der Finanzplanung angenommen, nämlich mit einer Jahresrate von 21 % statt nur 3,5 %.


3. Produktivität

Der Produktivität je Erwerbstätigenstunde ist mit dem Abbau der Kurzarbeit wieder gestiegen (Abb. 04730).


4. Entwicklung der Verbraucherkonjunktur

Die privaten Konsumausgaben stagnieren mit wenig Auf und Ab praktisch seit dem letzten Quartal 2006. im Vorquartalsvergleich nahmen sie zwar um 0,6 % zu, fielen aber im Vorjahresvergleich um 1,3 % zurück (Abb. 14010). Das ist auch im internationalen Vergleich ein sehr schwaches Bild und hängt mit der in Deutschland besonders stark gebremsten Entwicklung der Arbeitseinkommen zusammen.


5. Investitionstätigkeit

Die Bruttoanlageninvestitionen sind im 2. Quartal 2010 um 4,7 % gegenüber dem Vorquartal angestiegen und lagen auch um 5,9 % über dem Vorjahreswert. Verglichen mit Gipfel in 2007 waren es bei den kritischen Ausrüstungsinvestitionen jedoch immer noch 18 % weniger (Abb. 14754).


6. Internationaler Vergleich

Im Vergleich mit anderen Ländern sieht die deutsche Entwicklung nur im Vorjahresvergleich besonders eindrucksvoll aus, weil die deutsche Wirtschaftsleistung da besonders tief abgestürzt war. (Abb. 15594). Im Vergleich mit dem Normalquartal von vor zwei Jahren sieht es schon ganz anders aus (Abb. 15267).



Das gilt erst recht, wenn man die Momentaufnahme vom 2. Quartal 2010 in den historischen Zusammenhang der Entwicklung seit dem Jahr 2000 stellt (Abb. 15249). Deutschland nahm unter den 17 Vergleichsländern (Alt-EU, USA und Schweiz) im Zeitraum 1. Quartal 2000 bis 1. Quartal 2008 den 14. Platz ein, nur noch von Italien, Portugal und Dänemark unterboten. An dieser Reihenfolge hat sich auch für den Zeitraum bis 2. Quartal 2010 nichts geändert. Denn der jetzt bejubelte Anstieg der Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2010 macht nur den besonders starken Absturz wieder wett, den Deutschland zwischen 1. Quartal 2008 und 1. Quartal 2009, als es auf den vorletzten Platz abrutschte, erlitt.


7. Aussichten

Es wird sich nun zeigen müssen, wie sich die deutsche Wirtschaft nach abgeschlossenem Lageraufbau und bei Auslaufen der staatlichen Programme weiterentwickelt. Das wird angesichts der extrem einseitigen Abhängigkeit vom Export in erster Linie von der Entwicklung in den Partnerländern abhängen. Einige gehen im Vorquartalsvergleich derzeit durch eine relativ schwache Entwicklung, z.B. Italien 0,4 %, Spanien 0,2 %, Griechenland -1,5 %. Auch Portugal (0,2 %) und Irland müssen konsolidieren. Deutschlands wichtigster Handelspartner Frankreich kam auf einen Zuwachs von 0,6 %. In den USA schwächt sich die Erholung derzeit deutlich ab. Die amerikanische Außenbilanzsituation, vor allem mit China, wird wieder prekärer (Abb. 05233), so daß handelspolitische Auseinandersetzungen mit negativen Rückwirkungen auf den Welthandel nicht mehr auszuschließen sind.


Wenn der SPIEGEL-online nun titelt: "Rekordaufschwung - Über drei Prozent Wachstum sind unvermeidbar" und dann schreibt: "Die Dynamik des Aufschwungs überwältigt selbst die Fachwelt: Das Wirtschaftsinstitut DIW korrigiert seine Prognose drastisch nach oben. Die DekaBank ist nahezu euphorisch - und sieht bereits die Chance auf ein deutsches Jahrzehnt", dann sollte man nachfragen, wessen Jahrzehnt das wirklich werden soll. Bisher sieht es allenfalls nach einem der deutschen Unternehmens- und Vermögenseinkommen aus, nicht jedoch nach einem Jahrzehnt, mit dem sich die große Mehrheit der Arbeitnehmer anfreunden könnte. Aber auch das ist alles andere als sicher.


global news wb22.50 25-08-10: Asien kommt mit Macht

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Die schwere globale Wirtschaftskrise ist an Asien vorbeigezogen, ohne größere Schäden auszulösen. Dazu haben drei Umstände entscheidend beigetragen. Erstens wurden die Banken in Asien vernünftig reguliert und so davon abgehalten, in den hochriskanten Produkten zu spekulieren, die vielen westlichen Banken das Bilanzgenick gebrochen haben. Zweitens hatten die meisten asiatischen Länder aus der Ost-Asienkrise von 1997 und 1998 gelernt und riesige Devisenpolster aufgebaut, die mehr als 60 % der Weltwährungsreserven erreichten. Diese gigantischen Reserven erleichterten ihnen nun, als westliche Exportmärkte zeitweise ausfielen, das Gegensteuern mit staatlichen Investitionsprogrammen, ohne an Verschuldungsgrenzen zu stoßen. Und drittens handeln asiatische Länder immer mehr unter sich und sind damit weniger von westlichen Exportmärkten abhängig. Die zehn Spitzenländer (ohne Japan) steigerten den Exportanteil in andere Schwellen- und Entwicklungsländer (einschließlich Ölländer) bis 2009 auf über 63 % ihres Gesamtexports.

Im Ergebnis haben nach einem Bericht der Financial Times die asiatischen Volkswirtschaften (ohne Japan) ihren Wachstumsvorsprung vor den entwickelten Volkswirtschaften der G7 immer weiter erhöhen können (Abb. 15251). Die durchschnittliche Wachstumsrate lag für 2009 bei 5,8 %. Die chinesische Industrieproduktion verzeichnet wieder Wachstumsraten von etwa 15 % im Vorjahresvergleich (Abb. 08199), die Investionen in ähnlicher Höhe (Abb. 08089). Auch die indische wächst mit mehr als 10 % (Abb. 08200). Für 2010 wird für Asien und Australien (ohne Japan) ein Wirtschaftswachstum um 8,6 % erwartet, die höchste Rate in 20 Jahren. China hat jetzt im zweiten Quartal Japan an Wirtschaftsleistung übertroffen und wird voraussichtlich in diesem Jahr nach den USA die zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt sein.





Inzwischen hat auch der Export wieder volle Fahrt aufgenommen (Abb. 15252). Der chinesische Exportüberschuß verzeichnete im Juli den vierthöchsten jemals gemessenen Monatswert (Abb. 08198). Dabei stiegen die chinesischen Exporte in die USA in den ersten 7 Monaten 2010 um 30 % gegenüber Vorjahr. Mit einer Steigerungsrate von mehr als 20 % im ersten Quartal 2010 gegenüber Vorjahr wurde China zum Hauptlieferland Deutschlands und erzielt einen hohen Exportüberschuß (Abb. 08178).




Die Währungsreserven der sechs asiatischen Länder mit den größten Reserven lagen im Mai 2010 bei 4,5 Billionen Dollar (Abb. 15250, 08188), das sind mehr als die Hälfte aller Weltwährungsreserven von 8,3 Billionen Dollar. Um eine Größenvorstellung von den chinesischen Devisenreserven zu geben: Sie sind fünfmal größer als der Marktwert aller börsengehandelten deutschen Unternehmen zur Mitte des vergangenen Jahres oder siebenmal größer als die 15 deutschen Spitzenunternehmen.



Nun kommt Asien mit Macht sowohl mit modernen Industrieprodukten (vor allem China) und Dienstleistungen (vor allem Indien) wie auch mit Finanzen zum Aufkauf von Unternehmen und Technologie. Beim Export helfen niedrigste Löhne, nicht selten Formen von unfairem Dumping und - vor allem bei China - ein nach unten manipulierter Wechselkurs. Längst vorbei sind die Zeiten, wo die Exportwelle über Kleidung und Schuhe oder andere Einfachprodukte lief. Mehr als die Hälfte der Importe aus China sind heute Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, Maschinen und elektrische Ausrüstungen (Abb. 08122).


Nun geht China zunehmend dazu über, Investitionen in westlichen Unternehmen und Fonds zu suchen. Dafür wurde u.a. 2007 die China Investment Corporation (CIC) geschaffen, deren Anfangskapital bei 300 Mrd. Dollar liegt. China sucht mit seinen Anlagen nicht nur bessere Profite, als sie mit amerikanischen Staatspapieren zu erzielen sind, sondern auch Zugang zu Technologie und Rohstoffen, um den eigenen Entwicklungsprozeß weiter zu beschleunigen. Chinesische Staatsunternehmen und private Unternehmen, in denen die KPC viel zu sagen hat, investieren gezielt im westlichen Ausland. So hat BAIC Technologie von Saab erworben, Geely vereinnahmte die schwedische Nobelfirma Volvo und auch die britischen Nobelfirmen Rover und MG sind schon chinesisch. Im PC-Bereich hat Levotno die Computer-Sparte von IBM gekauft.

In einer weiteren Welle investieren nun die großen chinesischen Maschinenbaukonzerne in Europa und hier nicht zuletzt in Deutschland. Unternehmen der Solarenergie, wie Yingli, haben die deutschen Konkurrenten in der globalen Spitzenposition bereits abgelöst. Auch bei Windenergie ist mit Ablösung der dänischen und deutschen (Siemens) Spitzenunternehmen zu rechnen. Sany, Chinas größte Maschinenbaugruppe, zieht ein Unternehmen für Betonpumpen in der Nähe von Köln hoch. Schon 2006 hat Sany die deutsche Firma Putzmeister als weltgrößtes Unternehmen von Betonpumpen abgelöst. Zoomlion, ein anderer Hersteller von Betonpumpen aus China, hat vor zwei Jahren den italienischen Hersteller Cifa geschluckt. Der deutsche Markt ist für chinesische Unternehmen des Maschinenbaus vor allem deshalb interessant, weil sofort globale Anerkennung findet, wer sich hier in dem mit vielen technischen Vorschriften regulierten Markt durchsetzen kann. Der deutsche Maschinenbausektor ist besonders mittelständisch strukturiert und wird es gegen die chinesische Konkurrenz schwer haben. Chinesische Unternehmen verkauften im vergangenen Jahr weltweit für 300 Mrd. Euro Maschinen, deutsche dagegen nur noch für 178 Mrd. Euro.

Und noch auf einem anderen Felde kommt Asien mit Macht: beim Kampf um seltener werdende Rohstoffe. Wieder ist es vor allem China, daß sich mit seinen gigantischen Devisenreserven überall einkauft. Besonders Gallium, Germanium, Beryllium, Indium, Magnesium, Platin, usw. sind unverzichtbar bei der Herstellung von Hightech-Produkten. Andererseits hat China für einige Rohstoffe drastische Exportbeschränkungen verhängt. Dabei handelt es sich um Seltene Erden, deren Abbau zu 95 Prozent in China stattfindet. Die Regierung in Peking soll außerdem planen, den Export mancher Rohstoffe bis 2015 ganz zu verbieten. Die deutsche Industrie ist aber auch auf den ebenso umkämpften Zugang zu den Basismetallen wie Aluminium, Kupfer, Zink und Zinn angewiesen, ohne die z. B. Elektromotoren, Miniatur-Herzschrittmacher und Offshore-Windkraftanlagen undenkbar sind.

Fazit: Das stark exportabhängige Deutschland wird sich warm anziehen müssen.


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global news wb22.49 24-08-10: Ein deutsches Massenschicksal: 50plus, arbeitslos, krank und (demnächst) Rente erst mit 67

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Deutschland zählte im vergangenen Jahr rund 15,5 Millionen Menschen zwischen 50 und 64 Jahren, fast jeder Fünfte in Deutschland. Davon hatten zwei Drittel, nämlich 10,7 Millionen, einen wie auch immer gearteten Arbeitsplatz, viele ziemlich künstlich in Warteschlangen oder auf Niedriglohnbasis. Allerdings sinkt die Beschäftigung mit zunehmendem Alter erheblich. In der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahre haben nur noch knapp 38 % eine Beschäftigung (Abb. 14288).


In dieser Analyse deutscher Schicksale geht es um die Arbeitswilligen ohne jeden Arbeitsplatz, nicht einmal in Warteschlangen oder auf Niedriglohnbasis. Offiziell wurden im Jahr 2009 nur 916.000 Ältere als arbeitslos gezählt. Unter dem viel größeren Rest zu den insgesamt 4,8 Millionen ohne Arbeitsplatz befinden sich natürlich sehr viele, die gar kein Interesse an Arbeit haben. Nehmen wir einmal an, es wären etwa zwei Millionen Ältere, die gern arbeiten würden, aber keine Arbeit finden.

Der Anteil der Älteren ab 60 Jahre an allen Arbeitslosen ist drastisch verkürzt, was den Prozeß des Ausrangierens dokumentiert (Abb. 14290). Das zeigt sich besonders, wenn man mit dem Bevölkerungsverhältnis vergleicht (Abb. 14291).



Unter den amtlich gezählten Arbeitslosen haben die über 55 Jahre mit 41,8 % einen besonders hohen Anteil an Langzeitarbeitslosigkeit über ein Jahr, während der Durchschnitt für alle Altersgruppen bei 29,7 % liegt. Trotz vieler Manipulationen an der Statistik, gerade bei Älteren, ist deren Anteil an den Arbeitslosen über die letzten Jahre ständig gestiegen (Abb. 14289).


Im internationalen Vergleich ist die Arbeitslosenquote der Älteren besonders hoch, über viele Jahre die höchste und jetzt erst in der Krise von Spanien, Portugal und Irland übertroffen (Abb. 15244, 15245).



Besonders in Deutschland sind viele ältere Menschen so ausgebrannt, daß sie aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen oder herausgedrängt werden. Mit 62,1 Jahren (Männer) rangiert Deutschland unter den Ländern mit relativ frühem effektiven Renteneintrittsalter (Abb. 15246).


Die psychosozialen Belastungen von Erwerbslosigkeit beschäftigen die Sozialwissenschaften bereits seit der letzten großen Weltwirtschaftskrise von 1929. Nun hat der DGB eine Studie über die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit ausarbeiten lassen. Existenzielle materielle Sorgen und zunehmend verringerte finanzielle Handlungsmöglichkeiten beeinflussen die psychische und körperliche Gesundheit ebenso wie die mit der Arbeitslosigkeit verbundene Ausgrenzung, Entwertung und das soziale Stigma. Im Ergebnis sind Arbeitslose im Durchschnitt wesentlich häufiger, teilweise gut doppelt so häufig, krank als Erwerbstätige.

Je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je geringer die Perspektiven auf einen Wiedereinstieg sind, desto belastender wird die Situation für die Betroffenen und ihre Familien. Insgesamt 45 % der Hartz-IV-Empfänger sagen von sich selbst, daß sie gesundheitlich angeschlagen seien.

Repräsentative Zahlen zur Arbeitsunfähigkeit enthalten die Auswertungen des letzten Mikrozensus mit Gesundheitsfragen aus dem Jahr 2005. Sie zeigen, wie besonders bei Langzeitarbeitslosen die Krankenstandsquote in die Höhe geht (Abb. 14284).


Die Krankenstandsquote liegt in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen unter Arbeitnehmern bei 3,0 %, bei Arbeitssuchenden hingegen bereits bei 4,4 %. Die Differenz wird mit zunehmendem Alter größer: in der Gruppe der 55- bis 59-Jährigen sind Arbeitslose rund 2,2 Mal so häufig krank wie die Beschäftigten; ihre Krankenstandsquote liegt bei 15,2 % (Abb. 14285). Noch deutlicher ist der Unterschied bei Erkrankungen von mehr als einem Jahr (Abb. 14286).



Für Arbeitslose im Hartz IV-System liegen nur unzureichende bzw. keine Arbeitsunfähigkeits-Daten bei den Krankenkassen vor. Die Auswertung der verwertbaren Krankenkassendaten belegt jedoch ebenfalls ein im Vergleich zu Erwerbstätigen höheres Krankheitsrisiko und eine deutliche Belastung von Arbeitslosen. Im Vergleich zu Beschäftigten treten bei Arbeitslosengeld (ALG)-I-Empfängern mit fast 26 Krankheitstagen inzwischen mehr als doppelt so viele Arbeitsunfähigkeitstage auf. Arbeitslose weisen den mit Abstand höchsten Krankenstand aller Versicherten auf. Da anzunehmen ist, dass Erwerbslose bei kürzeren Erkrankungen zumeist auf eine Krankmeldung verzichten, werden die Fallzahlen bei der Arbeitsunfähigkeit sogar eher unterzeichnet. Als besonders harte Daten gelten Fallzahlen stationärer Behandlungen: Im Vergleich zu Beschäftigten haben sich ALG-I- und ALG-II-Bezieher doppelt so häufig einer Behandlung im Krankenhaus unterziehen müssen und dabei die 2,8 fache Zeit in stationärer Behandlung verbracht (Abb. 14287). Die Behandlung psychischer Erkrankungen macht hier den größten Anteil aus.


Angenommen, die Arbeitslosen, aber Arbeitswilligen zwischen 55 und 65 Jahren wären etwa 2 Millionen und der Krankenstand etwa 14 %, ergäben sich um die 300.000 kranke Opfer des Arbeitsmarktes in Deutschland allein in dieser Altersgruppe - ein deutsches Massenschicksal also, auch wenn bei einem Teil die Kausalität von der Krankheit zur Arbeitslosigkeit hin orientiert sein dürfte.

Zu den psychischen Folgen der Arbeitslosigkeit siehe auch hier .


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global news 2113 24-08-10: Detailergebnisse des zweiten Quartals 2010: Der soziale Graben wird immer tiefer

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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des zweiten Quartals 2010 bekannt gegeben. Ein Ergebnis springt besonders ins Auge, daß nämlich der soziale Graben immer tiefer wird. Das gilt nicht nur für die im sozialen Abseits von Langzeitarbeitslosigkeit Lebenden, sondern auch für den Unterschied in der Entwicklung der Nettolöhne- und gehälter einerseits und der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen andererseits.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen haben sich erstaunlich rasch von der Krise erholt, wozu vor allem größere Gewinne nach Einsparung bei den Personalkosten und niedrige Finanzierungskosten beigetragen haben. So legten sie um 22.0 % gegenüber dem Vorjahresquartal zu, was nach Abzug der BIP-Inflation immer noch 21.1 % waren. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen dagegen nur um 3,8 % und 2,7 % nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise (Abb. 14849). Dabei sind hier die Einkommen der besser- und bestverdienenden Arbeitnehmer bis zum Chef der Deutschen Bank inbegriffen. Die Normaleinkommen der Arbeitnehmer dürften sich noch schlechter entwickelt haben. Und vieles des kleinen Anstiegs an Arbeitnehmereinkommen erklärt sich nur aus dem Auslaufen der Kurzarbeit, die wieder in normale Arbeit und normale Entlohnung zurückfindet.


Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 2,5 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen trotz des Einbruchs in 2008 um 31,1 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte und bereits vorübergehende Situation war. Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist im 2. Quartal 2010 weiter gefallen (Abb. 04797). Der Abstieg seit dem Gipfel von 76 % im Jahr 1981 und mit immer größerer Geschwindigkeit seit dem Jahr 2000 ist geradezu dramatisch (Abb. 14636).



Nun erwartet die Bundesregierung, daß sich der Graben über die Jahre bis 2014 noch weiter vertieft. Nach der Prognose im Finanzplan des Bundes soll das Arbeitnehmerentgelt nominal im Jahresdurchschnitt um 2 % wachsen. Da die EZB eine Inflationsrate in der Nähe von 2% ansteuert, wäre das real absolute Stagnation. Dagegen sollen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jährlich und nominal um 4,5 % steigen, was bei der in der Finanzplanung angenommenen BIP-Inflation von 1 % einem realen Zuwachs von 3,5 % entspräche. Bis zum Jahre 2014 hätte dann seit dem Jahr 2000 das Abeitnehmerentgelt real einen Rückgang von 3,7 verzeichnet, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen würden dagegen um fast 47 % zugelegt haben (Abb. 14045). Tatsächlich steigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jedoch derzeit noch viel stärker, als in der Finanzplanung angenommen, nämlich mit einer Jahresrate von 21 % statt nur 3,5 %.


Diese ungleiche Entwicklung, die auch in anderen Ländern stattfindet und durch die Krise derzeit zusätzlich verschärft wird, kann eigentlich nur in einer noch schwereren Krise des gesamten Wirtschaftssystems enden, als wir sie derzeit erleben. Ohne adäquate Massenkaufkraft werden die Absatzmärkte der alten Industrieländer zunehmend austrocknen, wobei das ebenso für Exportmärkte gelten wird, wie sie jetzt noch von der deutschen Industrie ausgenützt werden.

Eine ausführliche Analyse der Wirtschaftssituation im 2. Quartal bringt der neue Wochenbrief, der hier kostenlos bestellt werden kann.


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global news 2112 23-08-10: Die amerikanische Handelsbilanz immer mehr im Minus: Wie lange noch bis High-Noon?

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Trotz der hohen Verschuldung der amerikanischen Verbraucher drängen ausländische Lieferanten, vor allem aus China und der EU immer mehr auf den amerikanischen Markt und stürzen die ohnehin schon prekäre Handelsbilanz immer mehr ins Defizit, wobei gleichzeitig immer mehr amerikanische Arbeitsplätze verloren gehen (Abb. 0302).


Im 2. Quartal 2010 verzeichneten die USA ein Defizit von 132 Mrd. Dollar. Davon entfielen allein zwei Drittel auf China und die Europäische Union (Abb. 05233).


Die USA werden diese Entwicklung nicht lange ohne Gegenmaßnahmen hinnehmen können. Da die Überschußländer, vor allem China und die EU, mit maximaler Lohndisziplin und schwachen Währungskursen arbeiten, wird den USA nur die Möglichkeit von Sonderzöllen und Mengenbeschränkungen bleiben. Beide Maßnahmen würden gegen die internationalen Handelsregeln verstoßen und damit einen Handelskrieg auslösen. Die 30er Jahre lassen grüßen.

Auch wenn sich ein Handelskrieg auf China beschränken sollte, wird Deutschland mitbetroffen sein, weil hinter den chinesischen Exporten nach USA in erheblichem Anteil deutsche Maschinen und Ausrüstungen stehen.


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global news 2111 22-08-10: Die Erpressung hat gewirkt: Verwässerte Kernkapitalvorschriften für Banken

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Der internationale Ausschuß der Bankenkontrolleure, der neue Standards unter der Bezeichnung Basel III ausarbeitet, hat mit seinem letzten Vorschlag die ursprünglich vorgesehenen Erfordernisse für das Kernkapital der Banken stark verwässert. Als Kernkapital dürfen jetzt bis zu einem Anteil von 15 % in künftigen Jahren erwartete Steuergutschriften, Gebühreneinkommen aus dem Management von Hypotheken und Beteiligungen am anderen Institutionen gerechnet werden. Ursprünglich sollten solche Formen zweifelhaften Kapitals ausgeschlossen werden, was die durchschnittliche Kernkapitalquote der 16 größten europäischen Banken um 300 Mrd. Euro von 9 % auf 5,3 % der Bilanzsumme verkürzt hätte. Mit der Verwässerung fällt die durchschnittliche Kernkapitalquote nur auf etwa 7 % (Abb. 16142). Die minimale Kernkapitalausstattung soll nur noch bei 3 % liegen, so daß die Banken ohne weitere Kapitalaufnahme derzeit ein erhebliches Polster an Kernkapital haben. Hinzu kommen Verwässerungen anderer ursprünglich vorgesehener Bedingungen für die Liquiditätshaltung. Doch selbst dieses Paket wird immer noch von der deutschen Bundesregierung als einziger Regierung blockiert.


Trotz der jahrelangen Vorlaufzeit bis zum vollen Inkrafttreten haben die Banken über die Regierungen offensichtlich mit dem Argument Druck ausgeübt, daß die Krise noch nicht ausreichend überwunden sei. Das wird allerdings nun ziemlich komisch, nachdem der Baseler Ausschuß in einer gemeinsamen Studie mit dem Financial Stability Board das Verhältnis von Kernkapitalvorschriften zu Wirtschaftsentwicklung untersucht hat. Die Studie kam zu dem Ergebnis, daß je 1 % mehr Kernkapitalerfordernis die Wirtschaftsentwicklung in keinem der untersuchten Jahre um mehr als 0,2 % betroffen sein wird.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat jetzt außerdem vorgeschlagen, daß sich auch Kreditgeber künftig an der Rettung von systemwichtigen Banken beteiligen müssen, wenn ihre Kredite zum Eigenkapital gerechnet werden sollen. Dabei handelt es sich um eine Zwitterform aus Eigen- und Fremdkapital, die von vielen und besonders von deutschen Banken als Hybridkapital genutzt wird, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Künftig sollen nur noch solche Finanzinstrumente zum Kapitalpolster der Banken gezählt werden, die auch Verluste mittragen. Auf diese Weise wollen die Finanzwächter verhindern, dass Investoren ungeschoren bleiben, während der Staat allein die Banken rettet. Jedoch hat der Ausschuß auf ein generelles Verbot der Anrechnung von Hybridkapital wie Nachranganleihen oder Genussscheine verzichtet. Stattdessen haben sie vorgeschlagen, daß bereits bei der Ausgabe der hybriden Finanzinstrumente festgeschrieben wird, daß sie im Notfall verfallen oder in konventionelles Eigenkapital umgewandelt werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob nicht auch dieser Vorschlag von einzelnen Regierungen, besonders der deutschen, torpediert wird.


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global news 2110 21-08-10: Die Bundesregierung erwartet auch über die Jahre bis 2014 ein starkes Zurückbleiben des Arbeitnehmerentgelts

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Über die Jahre von 2000 bis 2009 hat das Arbeitnehmerentgelt real - also nach Abzug der Verbraucherpreisinflation - 3,7 % an Wert verloren. Dagegen haben die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach Abzug der BIP-Inflationsrate um mehr als 23 % zugelegt (Abb. 14045). Der soziale Graben in Deutschland ist so immer tiefer geworden, und das trotz des krisenbedingten Verfalls einiger Vermögen.


Nun erwartet die Bundesregierung, daß sich der Graben über die Jahre bis 2014 weiter vertieft. Nach der Prognose im Finanzplan des Bundes soll das Arbeitnehmerentgelt nominal im Jahresdurchschnitt um 2 % wachsen. Da die EZB eine Inflationsrate in der Nähe von 2% ansteuert, wäre das real absolute Stagnation. Dagegen sollen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jährlich und nominal um 4,5 % steigen, was bei der in der Finanzplanung angenommenen BIP-Inflation von 1 % einem realen Zuwachs von 3,5 % entspräche. Bis zum Jahre 2014 hätte dann seit dem Jahr 2000 das Abeitnehmerentgelt real einen Rückgang von 3,7 verzeichnet, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen würden dagegen um fast 47 % zugelegt haben. Brave new and old World!


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global news 2109 20-08-10: Das chinesische Puzzle

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China ist dabei, Japan in Wirtschaftskraft zu überholen. Doch dabei werden offizielle Dollarwerte verglichen. Die sind im chinesischen Fall stark durch die Wechselkursmanipulation nach unten gezogen. Vergleicht man in Kaufkraft der Währungen auf Dollarbasis und nach den Daten des Internationalen Währungsfonds, so hat China Japan schon vor etwa 10 Jahren überholt und ist nun auf dem besten Wege, die USA einzuholen. Der Abstand zu den USA hat sich über die 10 Jahre bereits von 30,3 % auf 65,6 % der amerikanischen Wirtschaftsleistung verkürzt (Abb. 15265, 15266).



Die eigentlich Frage ist, wie lange China dieses Wirtschaftsmodell durchhalten kann. Es ist ausschließlich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen hin orientiert, arbeit aber mit sehr geringen Gewinnmargen für den Export, so daß sehr viel an möglichem Wohlstand ins Ausland transferiert wird. Hier ein Video (leider auf Englisch), das diese Situation beschreibt und starke Zweifel an der Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftsmodells anmeldet.


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global news 2108 19-08-10: Große Emnid-Umfrage: 90 % wollen eine neue Wirtschaftsordnung - doch fast die Hälfte der Deutschen mit niedriger Bildung glauben noch immer an die Selbstheilungskräfte des Systems

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Ausgerechnet die konservative Bertelsmann-Stiftung hat bei Emnid eine große Umfrage zur Befindlichkeit der Deutschen und Österreicher in Auftrag gegeben. In Deutschland wurden dafür etwa 1.000 Frauen und Männer befragt. Das Ergebnis ist interessant nicht nur wegen seines Rufes nach einer neuen Wirtschaftsordnung, sondern auch weil Gebildete kritischer als Weniger-Gebildete, Österreicher als Deutsche und Frauen als Männer sind. Hier zeigt sich, wie stark - derzeit jedenfalls - die Krise Spuren in der Einstellung der Menschen hinterläßt. So sind 88 % der befragten Deutschen und 90 % der Österreicher der Meinung, daß wir als Folge der Wirtschafts- und Verschuldungskrise eine neue Wirtschaftsordnung brauchen, bei der der Schutz der Umwelt, der sorgsame Umgang mit Ressourcen und der soziale Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt wird (Abb. 15259).


Fast zwei Drittel (61 %) glauben nicht mehr, das Wirtschaftswachstum mehr Lebensqualität bringt (Abb. 15257). Dabei wird Lebensqualität vor allem in "weichen" Werten, wie Gesundheit, Familie/Partnerschaft, Selbstbestimmung, friedliches Zusammenleben, soziales Engagement und Umwelt, verstanden und kaum noch als Mehrung von Geld und Besitz (Abb. 15258).



Allerdings wird der soziale Ausgleich nur von 38 % in Deutschland für sehr wichtig in Zusammenhang mit der Lebensqualität des Einzelnen angesehen. Interessanterweise sind hier die Werte für Österreich und die für Frauen erheblich höher (bis 52 %, Abb. 15264). Offensichtlich haben die deutschen Männer noch am wenigstens begriffen, was Solidarität in einer Gesellschaft bedeutet.


Bei der Skepsis gegenüber dem Wirtschaftswachstum als Quelle von Lebensqualität sind die Anteile bei den Älteren deutlich höher als bei den Jüngeren, die entweder noch mehr Illusionen haben oder materiell schlechter versorgt sind (Abb. 15263).


Das Vertrauen auf die sogenannten Selbstheilungskräfte der Märkte bei der Lösung der Probleme, die durch die Wirtschafts- und Verschuldungskrise hervorgerufen wurden, ist offensichtlich sehr stark von Bildung und Alter abhängig. Insgesamt glauben nur noch 28 % daran und bei denen mit höherer Schulbildung nur 20 % in Deutschland und nur 18 % in Österreich. Dagegen sind die Werte für Menschen mit niedriger Bildung viel größer, nämlich 47 % in Deutschland und 38 % in Österreich. Mangelnde Bildung scheint vor allem in Deutschland ein Riesenproblem bei der Einschätzung der Wirkung von Märkten zu sein. Auch sind Ältere mit 22 % in Deutschland und 21 % in Österreich besonders skeptisch (Abb. 15261).


Große Mehrheiten von 81 % für Deutschland und sogar 87 % für Österreich sind der Meinung, jeder sollte seine Lebensweise dahingehend überdenken, ob wirtschaftliches Denken alles für ihn ist (Abb. 15260). Ebenfalls halten große Mehrheiten - allerdings größere in Deutschland - es für möglich, den Zuwachs an materiellem Wohlstand der Bevölkerung mit der Umwelt und einem sorgsamen Umgang mit Ressourcen in Einklang zu bringen (Abb. 15262). Sie halten einen Zuwachs an materiellem Wohlstand für weniger wichtig ist als der Schutz der Umwelt für künftige Generationen und ein Abbau der öffentlichen Schulden; auch hier sind die Österreicher umweltbewußter als die Deutschen.



Nicht ganz überraschend sind die Schlußfolgerungen des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung:

"Die Soziale Marktwirtschaft ist über Jahrzehnte eine stabilisierende und ausgleichende Kraft in unserem Land und damit auch ein Garant für den sozialen Zusammenhalt. Auf ihrem Fundament muss jetzt eine langfristige Strategie zum Umgang mit Krisen entwickelt werden. Vertrauen, Nachhaltigkeit und sozialer Ausgleich müssen die Grundpfeiler einer solchen Strategie sein".

Der Mann will natürlich nicht einräumen, daß es eine Soziale Marktwirtschaft in Deutschland schon lange nicht mehr gibt und daß gerade das zu den skeptischen Einschätzungen der Menschen führt. Es ist der alte Trick: Wenn das Ergebnis einer Umfrage nicht gefällt, wird es prompt uminterpretiert, hier wohl in Richtung der rechtskonservativen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, bei der die Bertelsmann-Stiftung die treibende Kraft ist.


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global news 2107 18-08-10: Wieder eine Manipulation? Statistisches Bundesamt dreht den Trend des Einzelhandelumsatzes um

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Bei jeder Veränderung der statistischen Reihen des Statistischen Bundesamt muß man leider das Schlimmste befürchten. Entweder werden Brüche vorgenommen, so daß man Daten auf der Zeitschiene nicht mehr vergleichen kann. Oder - im schlimmsten Fall - bisher enttäuschende Daten auf die Sonnenseite gedreht. So scheint es jetzt mit den Einzelhandelsdaten zu laufen. Der Trend war hier bisher ausgesprochen negativ. Nun auf einmal hat das Amt den Kreis der erfaßten Unternehmen geändert. Und siehe da: im ersten Halbjahr wurde nicht mehr 0,4 % weniger umgesetzt, sondern auf einmal 0,9 % mehr als im 1. Halbjahr des Vorjahres (Abb. 04943).


Natürlich nennt das Amt das "methodische Verbesserungen" und berichtet unter der Überschrift "Neue Ergebnisse zum Einzelhandelsumsatz durch methodische Verbesserungen" heute:

"Das Statistische Bundesamt hat mit dem Berichtsmonat Juni 2010 bei der monatlichen Handelsstatistik eine jährliche Rotation der befragten Unternehmen eingeführt. In den vorläufigen Ergebnissen der Einzelhandelsstatistik, war der neue Berichtskreis nur für den Monat Juni 2010 berücksichtigt. Nunmehr liegen Einzelhandelsergebnisse aus diesem neuen Kreis der befragten Unternehmen rückwirkend bis Januar 2009 vor. Daraus ergeben sich Änderungen in den bisher veröffentlichten Daten.

2010 wurden dabei circa 8 100 Einheiten der alten Unternehmen gegen neue Unternehmen ausgetauscht. Im Zuge der Rotation wurde der Berichtskreis außerdem durch weitere 11 700 Einheiten aufgefüllt. Durch diese Maßnahmen wird die Repräsentativität der Statistik deutlich verbessert."

Hat man sich nun Unternehmen mit besserer Umsatzentwicklung herausgesucht? Muß man die Daten dieses Amts nun mit noch größerer Vorsicht behandeln, wie schon die der Bundesagentur für Arbeit?


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global news 2106 18-08-10: Griechenland geht schrecklich in den Keller (die Gläubiger am Ende auch)

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Die Wirtschaftsdaten, die aus Griechenland kommen, deuten einen durch das Sparprogramm verschärften Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems an. Gegenüber den Spitzenpunkten vor der Krise, sind die Ausrüstungsinvestitionen, die für Arbeitsplätze sorgen, bereits um mehr als 27 % eingebrochen, die Baugenehmigungen um ein Viertel und der Einzelhandelsumsatz um mehr als 19 % und die Gesamtwirtschaftsleistung bisher um fast 5 % (Abb. 15253, 12255).



Für ein Land, in dem 70 % der Wirtschaftsleistung auf den privaten Konsum entfallen, ist allein eine solche Konsumeinschränkung eine gewaltige Katastrophe.

Die Arbeitslosenrate steigt unaufhörlich und liegt schon bei 12 %, für Jüngere zwischen 15 und 24 Jahren sogar bei 32,5 %, also jeder Dritte ohne Arbeit (Abb. 15254). Für 2011 erwarten Ökonomen einen Wert von 14,3 %.


Bei dieser Entwicklung brechen auch die Steuereinnahmen weg, so daß gemessen an der fallenden Wirtschaftsleistung die schon jetzt extrem hohe Verschuldung pro Bruttoinlandsprodukt trotz der Sparprogramme noch steigen wird.

Die Gefahr einer explosiven Entwicklung wächst. Ohne Umschuldung wird Griechenland nicht wieder auf die Beine kommen. Darauf sollten sich die Gläubiger und auch die Bundesregierung einrichten.

Das Sparprogramm ist in dieser Ausgestaltung eine bodenlose Schweinerei gegenüber den "kleinen Leuten". IMF, EU sowie europäische Regierungen (auch und gerade die Bundesregierung) sollten sich schämen, das so brutal durchzusetzen. Mit der Verweigerung einer Umschuldung werden die deutschen und anderen Banken geschont, die sich mit griechischen Staatspapieren vollgetankt haben. Normalgriechen müssen nun mit hohen Zinsen für die Schulden aufkommen, die eine reiche Oberklasse eingegangen ist. Die hat ihr Geld längst steuerschonend im Ausland geparkt (die Reeder leben alle aus Steuergründen in London). Dagegen müssen Normalgriechen, neben Einkommens- und Jobverlusten eine erheblich angehobenen MWSteuer ertragen, die die Inflation auf über 5 % anhebt (Abb. 15255).



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global news wb21.48 18-08-10: Konjunktur: V (rasche Erholung) oder W (doppelter Einbruch), das ist hier die Frage

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Vor allem die zuletzt enttäuschenden Daten aus USA erzeugen angesichts des globalen Gewichts der amerikanischen Wirtschaft Sorgen vor einem erneuten Einbruch der Weltwirtschaft. Aber auch in Europa läßt die Erholung viel zu wünschen übrig, zumal vieles der Erholung nur die Kehrseite eines besonders tiefen Einbruchs ist, der bisher jedoch erst teilweise gut gemacht werden konnte. Der erste Teil der Erholung war rasch und fast als automatische Korrektur zu erwarten, beim zweiten Teil muß sich zeigen, ob die Weltwirtschaft überhaupt auf ihr früheres Niveau zurückfinden kann. Dabei schlägt einerseits zu Buche, daß dieses frühere Niveau das Kunstprodukt eines durch die Krise unreparierbar zerstörten extremen Kreditbooms war, und andererseits, daß die Erholung bisher vor allem auf den Krücken staatlicher Krisenprogramme läuft, die nun angesichts von Grenzen für die Staatsverschuldung abgebaut werden.

1. USA

Die USA nähern sich derzeit einem zweiten Wirtschaftseinbruch. So haben die amerikanischen Konsumenten offensichtlich ihre Einkaufsbereitschaft und ihre Kreditaufnahme zurückfahren müssen. Das liegt am Niveau der Überschuldung der Haushalte, an der hohen Arbeitslosigkeit und dem tiefen Tal, in das der Immobilienmarkt gestürzt ist. Die Immobilienpreise haben sich nicht oder kaum erholt und liegen um ein Viertel unter dem Stand von 2007 (Abb. 16066). Nach Auslaufen von Steuersubventionen ist der Verkauf neuer Häuser abgerutscht (Abb. 05074). Im 2. Quartal erreichte die Zwangsversteigerung von Immobilien mit 270.000 einen neuen Rekord; für das gesamte Jahr 2010 wird nun mit etwa einer Million gerechnet.



Die Zahl der Konkursanträge pro Quartal erreichte im 2. Quartal 2010 den höchsten Stand seit Einführung der neueren Vorschriften in 2005 (Abb. 05242).


Die Zahl der Beschäftigten ist über die letzten drei Monate wieder gefallen, allein in Juni und Juli um fast eine halbe Million (Abb. 05240). Sie war in den letzten Monaten vor allem von staatlicher Beschäftigung gestützt worden, die jetzt aus Haushaltsgründen zurückgefahren wird. Die Zahl der Arbeitslosen stagniert auf sehr hohem Niveau (Abb. 05239). Die Langzeitarbeitslosigkeit ist zwar zuletzt gefallen, aber immer noch krisenhaft hoch (Abb. 05241).




So kann es nicht überraschen, wenn das Konsumentenvertrauen im Juli zum zweiten Mal in Monatsfolge wieder nach unten tendiert (Abb. 05073) und wenn das Volumen an Konsumentenkredite deutlich fällt (Abb. 05213). Dabei hängt die US-Wirtschaft zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Verbrauch ab.



Im zweiten Quartal ging der Zuwachs der gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung auf eine Jahresrate von 2,4 % zurück, nachdem sie im 4. Quartal 2009 noch um 5,6 % und im 1. Quartal 2010 noch um 3,7 % zugenommen hatte (Abb. 05085). Ein großer Teil dieses schrumpfenden Zuwachses kam aus einem normalen Wiederaufbau von Lagern, die nun allerdings wieder auf Normalniveau sind und nicht weiter zum Wachstum beitragen werden. Er kam zudem vor allem aus Regierungsprogrammen, die nun im zweiten Halbjahr 2010 auslaufen. Abzüglich des Lageraufbaus zogen die Binnen-Umsätze im 2. Quartal nur noch um magere 1,3 % an. US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Wirtschaftsaussichten erst kürzlich als "ungewöhnlich ungewiss".


Da die Inflationsrate schon nahe 0 % ist, würde ein Wiedereintauchen in die Rezession bei fallenden Steuereinnahmen Regierung und Notenbank nur wenig Möglichkeiten zur Abwehr der "japanischen Krankheit" einer viele Jahre andauernden Deflation lassen.

2. Europa

In Europa ist die Lage sehr unterschiedlich. Einige Länder, wie Deutschland, versuchen, sich mit dem Export aus dem Sumpf zu ziehen, ohne die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Ob dieses Rezept von "weiter wie bisher" lange Beine hat, wird sich zeigen müssen. Wenn sich auf diese Weise die Ungleichgewichte, z.B. innerhalb der Eurozone, weiter aufbauen, wird die Wand näher kommen. Wie beim Ausbruch der Krise haben die Regierungen auch die Gefahr für die Banken aus der Überschuldung der Eurozonen-Südländer mit einer quasi Blanko-Garantie zunächst aufgeschoben. Doch auch hier ist das Ende offen.

Vieles an Wirtschaftszuwachs ist in Europa, ebenso wie in USA, dem Wiederaufbau der Lager zu verdanken, der allerdings ebenso wie in USA abgeschlossen sein dürfte (Abb. 06170).


Auch wenn das zweite Quartal 2010 in mehreren EU-Ländern einige Erholung gebracht hat, bereitet die zweite Hälfte von 2010 daher schon jetzt eine Menge Sorgen. Jedenfalls zieht die private Nachfrage nicht an. Der Einzelhandelsumsatz verharrt seit einem Jahr auf abgesenktem Niveau (Abb. 06166), ebenso die private Nachfrage insgesamt (Abb. 06167).



Außerdem sackt die Handelsbilanz der Eurozone mit der restlichen Welt enorm ab, wenn man die deutschen Überschüsse ausklammert (Abb. 06169).


Die Gesamtwirtschaftsentwicklung in der EU verläuft seit einem Jahr sehr verhalten und dürfte damit von neuen Einbrüchen bedroht sein (Abb. 06168). Die Frühindikatoren der OECD deuten nach Ansicht der OECD an, daß die Spitze der Erholung möglicherweise erreicht ist, weniger allerdings für Deutschland, das einen besonders tiefen Abstieg hatte (Abb. 12192). Das gilt auch für den ZEW Indikator der deutschen Konjunkturerwartungen, der im August erneut gefallen ist (Abb. 04762).





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global news 2105 17-08-10: 50plus und schon zum "alten Eisen"

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Trotz vieler Manipulationen an der Statistik, gerade bei den Älteren, ist deren Anteil an den Arbeitslosen über die letzten Jahre ständig leicht gestiegen (Abb. 14289). Bei der besonders bedrückenden Langzeitarbeitslosigkeit von mehr als einem Jahr haben die über 55 Jahre nach der amtlichen Zählung mit 41,8 % einen besonders hohen Anteil an allen Arbeitslosen, deren Durchschnitt bei 29,7 % liegt.


Die psychosozialen Belastungen von Erwerbslosigkeit beschäftigen die Sozialwissenschaften bereits seit der letzten großen Weltwirtschaftskrise von 1929. Nun hat der DGB eine Studie über die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit ausarbeiten lassen. Existenzielle materielle Sorgen und zunehmend verringerte finanzielle Handlungsmöglichkeiten beeinflussen die psychische und körperliche Gesundheit ebenso wie die mit der Arbeitslosigkeit verbundene Ausgrenzung, Entwertung und das soziale Stigma. Im Ergebnis sind Arbeitslose im Durchschnitt wesentlich häufiger, teilweise gut doppelt so häufig, krank als Erwerbstätige.

Je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je geringer die Perspektiven auf einen Wiedereinstieg sind, desto belastender wird die Situation für die Betroffenen und ihre Familien. Insgesamt 45 % der Hartz-IV-Empfänger sagen von sich selbst, daß sie gesundheitlich angeschlagen seien.

Repräsentative Zahlen zur Arbeitsunfähigkeit enthalten die Auswertungen des letzten Mikrozensus mit Gesundheitsfragen aus dem Jahr 2005. Sie zeigen, wie besonders bei Langzeitarbeitslosen die Krankenstandsquote in die Höhe geht (Abb. 14284). Noch deutlicher ist der Unterschied bei Erkrankungen von mehr als einem Jahr (Abb. 14286).



Eine gründliche Analyse der Lage älterer Arbeitsloser bringt der kommende Wochenbrief (kann hier bestellt werden).


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Grafik-Datenbank" - ist im August 2010 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-86858-405-9). Zur Bestellung hier.