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Reihe 74 ab 30-07-10 ... ...

(wb21.47) Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, der europäische auch - von den verlorenen Aufstiegschancen

(2104) Gewerbliche Wirtschaft im Juni: 5,9 % weniger Beschäftigte als im Juni vor zwei Jahren

(2103) In der Konkurrenz mit Asien verspielt Europa seine Chancen

(2102) Deutschland ist unter 17 Vergleichsländern immer noch auf dem 14. Platz der Wirtschaftsentwicklung seit 2000

(2101) Gewinner und Verlierer der Krise

(2100) Deutsche Wirtschaftsleistung im 2. Quartal: Erholung setzt sich fort, doch wie weiter?

(wb20.46) Von der schwierigen Situation der Alleinerziehenden in Deutschland

(wb20.45) Wissen sie, was sie tun? Die Bundesregierung treibt mit ihrer Arbeitsmarktpolitik immer mehr Menschen in schwere psychische Krankheiten

(2099) Depressionen fordern ihren Preis

(2098) Alles wie vorher: Die Weltwirtschaft ist wieder in den Luftnummern

(2097) Das Paket der unsozialen Kürzungen der Bundesregierung schlägt sehr unterschiedlich ein

(2096) Vom Schicksal älterer Arbeitsloser in Deutschland

(2095) Der deutsche Konjunkturmotor arbeitet wieder mit dem einen Zylinder des Exports

(2094) Deflation oder Stagflation - was denn nun?

(2093) Deutsche Industrieproduktion im Juni 7,9 % unter 2008

(2092) Die Eurozone auf dem Weg in die japanische Krankheit - was passiert nach dem Lageraufbau?

(2091) Das Dutzend Hauptfelder schweren deutschen Politikversagens

(wb19.43) Neuer Bildungsbericht: Deutsches Bildungssystem hinkt weiter schrecklich

(2090) Die USA nähern sich einem zweiten Wirtschaftseinbruch

(2089) Heil Globalisierung! Und morgen kauft uns China?

(wb19.44) NBL: Kein schöner Aufbau mehr in dieser Zeit

(2088) Läge es im deutschen Interesse, wenn die Eurozone gesundschrumpfen würde oder müßte?

(2087) Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, der europäische auch - von den verlorenen Aufstiegschancen

(2086) Mehrheit alleinerziehender Mütter mit Kind(ern) durchschnittlich weniger als 1.100 Euro/Monat

(2085) Das Geldgewerbe schwimmt schon wieder ganz oben und Normalmenschen tragen den Krisenschaden

(2084) Arbeitslose viel häufiger im Krankenhaus und in psychischer Behandlung




global news wb10.47 17-08-10: Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, der europäische auch - von den verlorenen Aufstiegschancen

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Es war einmal ein großer Traum: der amerikanische. Armut war kein Schicksal. Man konnte es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen, wenn man nur hart arbeitete und dabei etwas Glück hatte. Die Aufwärtsmobilität war die Antidote, die die seit jeher unsozialialen und die Gesellschaft immer mehr vergiftenden Verhältnisse mental erträglich machte. Es war ein sehr verbreiteter Traum, obwohl der große amerikanische Komiker George Carlin zurecht sagte, man müsse schlafen, um daran zu glauben ("American Dream, You have to be asleep to believe it" - hier sein 3:15 Minuten-Video).

Doch was ist aus der Aufstiegsmobilität geworden, in USA und Europa und besonders in Deutschland? Das amerikanische Mobility Projekt hat festzustellen versucht, in wieweit der amerikanische Traum der Aufwärtsmobilität von Eltern zu Kindern noch den Fakten entspricht und kommt dabei zu einem für die USA bedrückenden Ergebnis: Männer in den 30ern verdienen heute weniger als Männer der gleichen Altersgruppe in der Generation der Väter. Zweites Ergebnis: Bis auf Kanada sind die vier skandinavischen Länder weit besser dran als die anderen untersuchten, auch als Deutschland (Abb. 12451). So haben in Dänemark die Söhne fast die gleichen Einkommenschancen egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen.


Tatsächlich ist mangels Aufstiegsmöglichkeiten die Einkommens- und Vermögensverteilung in USA immer ungleicher geworden. Das Fachwort heißt dort "median wage stagnation". Die Einkommen von 90 % der Bevölkerung haben über die letzten 37 Jahre real nur um insgesamt 10 % zugenommen. 2008 lag das Durchschnittseinkommen (median) um mehr als 4 % unter dem Stand des Jahres 2000 (Abb. 05205). Auch während des letzten Booms zwischen 2002 und 2007 ging dieses Einkommen um 2.000 Dollar zurück, das erste Mal in der amerikanischen Geschichte, daß die Mehrheit am Ende eines Aufschwungs schlechter dran war als an seinem Beginn.


Dagegen hat sich zwischen 1979 und 2007 das Verhältnis der durchschnittlichen Einkommen des obersten Zehntels zum untersten Fünftel der Haushalte mehr als verdreifacht (Abb. 05236).


Das oberste ein Prozent konnte das Einkommen fast verdreifachen und seinen Anteil an allen Einkommen auf 17 % verdoppeln (Abb. 05237, 05238).



Gleichzeitig haben sich über die gleichen 37 Jahre die Einkommen des obersten Ein-Prozent verdreifacht. Durchschnittlich verdienen amerikanische Vorstandsmanager nicht mehr 26-mal soviel wie der Durchschnitt der Bevölkerung sondern nun mehr als 300-mal. Die obersten 20 % kassieren mit 49 % fast die Hälfte aller Einkommen (Abb. 05203). Vom Einkommenszuwachs zwischen 1997 und 2004 entfiel auf das oberste Ein-Prozent ein Anteil von 24 % (Abb. 05218). Im Rückblick auf die Periode 1947 bis 1973 wird der Unterschied noch deutlicher: Damals hatte das unterste Fünftel den höchsten Anteil am Zuwachs mit etwa 3 % pro Jahr, dagegen im Zeitraum 1973 bis 2005 praktisch gar keinen Anteil mehr (Abb. 05195).




Zwischen 1979 und 2007 hat sich das Verhältnis der durchschnittlichen Einkommen des obersten Zehntels zum untersten Fünftel der Haushalte mehr als verdreifacht (Abb. 05236).


Sehr langfristig gesehen hat das oberste Zehntel bei den Markteinkommen, also vor Sozialleistungen und einschließlich von Wertsteigerungen in Vermögenswerten wieder den hohen Anteil erreicht, den es in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hatte, bevor der amerikanische Traum ausgerufen wurde (Abb. 05159).


Dabei behindern vor allem die ungünstiger werdenen Bildungsmöglichkeiten die Aufstiegschancen. Bildung ist so teuer geworden, daß sich der Anteil derer, die mehr als 20.000 Dollar an Studiendarlehen abzahlen müssen, seit 1990 verdoppelt hat. Der Anteil an Menschen mit Hochschulausbildung sinkt.

In Europa ist die Situation noch besser, verschlechtert sich aber auch zunehmend. Dafür mag das Beispiel Deutschland stehen. In seinem Jahresgutachten von 2009 schreibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung:

"Im Jahr 2007 verfügten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als 60 vH des gesamten Vermögens, während die unteren 60 vH kein oder lediglich ein geringes Vermögen besaßen beziehungsweise sogar Schulden hatten. Der Vergleich mit dem Jahr 2002 zeigt, dass sich der Anteil des individuellen Nettovermögens der reichsten zehn Prozent am Gesamtvermögen erhöht hat. Im Durchschnitt besaßen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Jahr 2007 ein Vermögen von über 543.771 Euro; bereits im neunten Dezil lag dieser Wert nur noch bei 167.191 Euro und im fünften Einkommensdezil betrug das mittlere individuelle Vermögen höchstens 10.951 Euro. Im Vergleich zum Jahr 2002 ist zudem der durchschnittliche Wert der Vermögen in den untersten Einkommensdezilen zurückgegangen, während ab dem achten Einkommensdezil deutliche Vermögenszuwächse zu beobachten sind. Im obersten Einkommensdezil nahm der durchschnittliche Wert des Vermögens um gut 60.000 Euro oder 23,4 vH zu."

Und dann geht es im Gutachten weiter:

"Neben den zeitpunktbezogenen Vergleichen der Vermögen verschiedener Gruppen in den Jahren 2002 und 2007 ist von Bedeutung, wie viele Personen ihre Vermögensposition in diesem Zeitraum beibehalten beziehungsweise verändert haben. Insbesondere am oberen Rand der Vermögensverteilung sind die Positionen stabil: 62 vH der Personen, die im Jahr 2002 zu den vermögendsten zehn Prozent gehörten, zählten auch im Jahr 2007 zu dieser Gruppe."

Weitere 19 % waren aus der bereits zweitvermögensten Gruppe hinzugestoßen. Das heißt mit anderen Worten: Auch in Deutschland ist angesichts des festgefahrenen obersten Fünftels die Aufstiegsmobilität stark ausgebremst (Abb. 14815). Und dabei hat gerade Deutschland einen besonders niedrigen Anteil an Studienanfänger, und die kommen meist aus akademisch vorgebildeten oder jedenfalls besser betuchten Familien (Abb. 14263).



Nach der neuen OECD-Studie über soziale Mobilität zwischen Generationen vom Februar 2010 liegt Deutschland bei der Elastizität zwischen Einkommen von Söhnen und dem der Väter noch im Mittelfeld, aber weit hinter den skandinavischen Ländern sowie Kanada und Australien (Abb. 15087, 15027).



Ziemlich eng ist für Deutschland die Verknüpfung von Gymnasialleistung mit dem Bildungshintergrund der Elterngeneration (Abb. 15028). Besonders schlecht sind nach anderen OECD-Studien Deutschland und Frankreich mit ihren Unterschichten dran, die im Vergleich zu Kindern der Oberschichten wesentlich häufiger beispielsweise in Mathematik versagen, als das in anderen Länder der Fall ist (Abb. 13090). Auch der soziale Graben hinsichtlich der Chancen eines Hochschulabschlusses ist größer als in den meisten anderen Ländern (Abb. 13317).




Fazit

Das Ende des amerikanischen Traums und des entsprechenden Traums in Europa, von den skandinavischen Ländern abgesehen, kann nur als schwelende Krise des gesamten kapitalistischen Systems verstanden werden. Woran soll da noch Hoffnung knüpfen?


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global news 2104 16-08-10: Gewerbliche Wirtschaft im Juni: 5,9 % weniger Beschäftigte als im Juni vor zwei Jahren

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Gegenüber dem Vorkrisen-Juni 2008 lag die Beschäftigung im Juni 2010 um 5,9 % niedriger; gegenüber Juni 2009 waren es noch 2,7 %. Sie hat sich seit dem Tiefstpunkt im Januar 2010 so gut wie nicht erholt (Abb. 14282). Neue Beschäftigung ist damit fast nur im Dienstleistungsbereich bei im Durchschnitt schlechter bezahlten Jobs entstanden.


Überdurchschnittlich verringerte sich die Beschäftigtenzahl im Vorjahresvergleich unter anderem in den Bereichen Maschinenbau (- 3,6 %), Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (- 4,0 %), Herstellung von Metallerzeugnissen (- 4,7 %) sowie Metallerzeugung und -bearbeitung (- 5,3 %). Über den Zweijahreszeitraum liegen die Minuswerte in diesen Zweigen bei bis zu fast 10 % (Abb. 14283).


In den ersten sechs Monaten 2010 nahm die Lohn- und Gehaltssumme im Vorjahresvergleich verbraucherpreisbereinigt um 0,5 % ab (Abb. 14711). Die Zunahme pro Beschäftigten lag im Wesentlichen an einem Rückgang der Kurzarbeit und der in vielen Betrieben durchgesetzten zeitweisen Lohneinbußen.



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global news 2103 15-08-10: In der Konkurrenz mit Asien verspielt Europa seine Chancen

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Die Konkurrenz mit dem erwachenden Asien ist ohnehin eine riesige Herausforderung für das marktwirtschaftlich organisierte Europa, weil in vielen Ländern Asiens eine jüngere Bevölkerung durch eine ständig gesteigerte technische Bildung läuft, die Arbeitskosten bei Fehlen unabhängiger Gewerkschaften niedrig gehalten werden und weil in den meisten Ländern eine zentrale staatliche Planung stattfindet, die die nationalen Interessen brutal verfolgt, notfalls mit unfairen Dumpingmethoden und manipuliertem Wechselkurs. Vor diesem Hintergrund war vor allem die bedingungslose Aufnahme Chinas in das für Marktwirtschaften geschaffene Welthandelssystem ein verhängnisvoller Fehler.

Jetzt erlauben hohe Handelsbilanzüberschüsse und Währungsreserven China und anderen asiatischen Ländern den entwicklungsbeschleunigenden Einkauf von Technologien und die Sicherung von sich verknappenden Rohstoffreserven.

Nach einem Bericht der Financial Times haben die asiatischen Volkswirtschaften (ohne Japan) ihren Wachstumsvorsprung vor den entwickelten Volkswirtschaften der G7 immer weiter erhöhen können (Abb. 15251). Die durchschnittliche Wachstumsrate lag für 2009 bei 5,8 %. Die chinesische Industrieproduktion verzeichnet wieder Wachstumsraten von etwa 15 % im Vorjahresvergleich (Abb. 08199), die Investionen in ähnlicher Höhe (Abb. 08089). Auch die indische wächst mit mehr als 10 % (Abb. 08200). Für 2010 wird für Asien und Australien (ohne Japan) ein Wirtschaftswachstum um 8,6 % erwartet, die höchste Rate in 20 Jahren.





Der nächste Wochenbrief wird unter dem Titel "Asien kommt mit Macht" eine gründliche Analyse bringen (Sie können ihn hier bestellen).


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global news 2102 14-08-10: Deutschland ist unter 17 Vergleichsländern immer noch auf dem 14. Platz der Wirtschaftsentwicklung seit 2000

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Derzeit wird mit Riesen-Tam-Tam eine Ein-Quartals-Entwicklung der deutschen Wirtschaft gefeiert. Doch man muß diese Momentaufnahme in den historischen Zusammenhang der Entwicklung seit dem Jahr 2000 stellen (Abb. 15249).


Deutschland nahm unter den 17 Vergleichsländern (Alt-EU, USA und Schweiz) im Zeitraum 1. Quartal 2000 bis 1. Quartal 2008 den 14. Platz ein, nur noch von Italien, Portugal und Dänemark unterboten. An dieser Reihenfolge hat sich auch für den Zeitraum bis 2. Quartal 2010 nichts geändert. Der jetzt bejubelte Anstieg der Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2010 macht nur den besonders starken Absturz wieder wett, den Deutschland zwischen 1. Quartal 2008 und 1. Quartal 2009, als es auf den vorletzten Platz abrutschte, erlitt. Das war im Wesentlich die Wirkung des Ab- und Wiederanknipsens des Exports. Alles andere als ein Wunder also. Eine seriöse Beurteilung wird ohnehin erst gegen Ende des Jahres möglich sein, wenn mehr Quartalsergebnisse vorliegen.


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global news 2101 21-08-10: Gewinner und Verlierer der Krise

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Es ist das alte Spiel, auch diesmal: In Wirtschaftskrisen machen sich die Unternehmen auf Kosten ihrer Arbeitnehmer schlank und profitabler. Sie entlassen überflüssige Arbeitskräfte, drücken die Löhne bei den verbleibenden oder lassen den Staat über Kurzarbeitergeld Arbeitskräfte finanzieren, die sie ohnehin halten müssen. Und wenn sie wieder einstellen, tun sie das auf der Basis von schlechter bezahlten und unsicheren Zeitverträgen, die das Konjunkturrisiko auf die Arbeitnehmer abwälzen. Statt zu investieren, bauen die Unternehmen in der Krise Dank eingesparter Kosten Kassenbestände auf (Abb. 15248).


Starke Unternehmensgewinne haben die Profitrate pro Aktie in die Höhe getrieben (Abb. 15247). In Deutschland steigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen viel stärker als die Arbeitseinkommen (Abb. 14849). Die am 24. August veröffentlichten Detailergebnisse des 2. Quartals 2010 werden ein noch stärkeres Auseinanderklaffen zeigen.




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global news 2100 21-08-10: Deutsche Wirtschaftsleistung im 2. Quartal: Erholung setzt sich fort, doch wie weiter?

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Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts hat sich die Erholung der deutsche Wirtschaftsleistung mit einem Zuwachs von 3,7 % im 2. Quartal fortgesetzt. Jedoch beruht diese Rate auf dem Basiseffekt eines besonders starken Einbruchs im Vorjahr. Vergleicht man mit dem 2. Quartal von vor zwei Jahren, so lag die Wirtschaftsleistung immer noch um 2,0 % niedriger (Abb. 14185, 14744).



Das Statistische Bundesamt verschweigt in seiner überschwänglichen Meldung diesen Basiseffekt:

"Bruttoinlandsprodukt im 2.Quartal 2010 mit Rekordzuwachs: Die deutsche Wirtschaft holt rasant auf. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinigten Deutschland. Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet."

Die Dynamik der Investitionen und des Außenhandels hatten nach Meldung des Statistischen Bundesamts den größten Anteil am Aufschwung. Damit hängt die weitere Erholung sehr stark von der Entwicklung in den Partnerländern ab. Einige gehen im Vorquartalsvergleich derzeit durch eine relativ schwache Entwicklung, z.B. Italien 0,4 %, Spanien 0,2 %, Griechenland -1,5 %. Auch Portugal (0,2 %) und Irland müssen konsolidieren. Deutschlands wichtigster Handelspartner Frankreich kam auf einen Zuwachs von 0,6 %. Für die gesamte Eurozone rechnet Eurostat mit einem Quartalswachstum von 1 %. Dabei verzeichnete die Industrieproduktion der Eurozne nach einer weiteren Meldung von heute im Juni mit minus 0,1 % gegenüber Mai Stagnation.


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global news 2099 12-08-10: Depressionen fordern ihren Preis

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Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) betrugen die Krankheitskosten durch psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2008 knapp 28,7 Milliarden Euro. Besonders bei den Depressionen war der Anstieg seit 2002 mit einem Plus von 33,4 % doppelt so stark wie der Durchschnitt aller Krankheitskosten von 16,2 %. Die nächstgrößten Anstiege waren bei Demenz (31,1 %) und Krebs (30,6 %). Diese Anstiege beschreiben sehr deutlich die sich in Deutschland ausbreitenden Zivilisationskrankheiten, die auch sehr viel mit den sozialen Verhältnissen zu tun haben. Auch Krebs ist oft eine Folge von Streß (Abb. 14792).



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global news wb20.46 10-08-10: Von der schwierigen Situation der Alleinerziehenden in Deutschland

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Das Statistische Bundesamt hat am 29. Juli 2010 auf der Basis des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa, Daten zur Situation der Alleinerziehenden veröffentlicht. Sie sind alles andere als schön. Kinder, die nur einen Elternteil haben, sind selbst bei größter Anstrengung des erziehenden Elternteils im Nachteil. Die Alleinerziehenden aber ebenso.

1. Die soziale Lage

Alleinerziehenden sind überdurchschnittlich häufig Leistungsempfänger von Hartz IV. Im Jahresdurchschnitt 2008 bezogen laut Bundesagentur für Arbeit von allen Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern 41,6% Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende, im Vergleich zu 8,7% bei Paaren mit Kindern.

Die finanzielle Situation von Alleinerziehenden kann nicht zuletzt an der Höhe der monatlichen Einkünfte ausgemacht werden. Knapp 30% der Alleinerziehenden hatte ein Einkommen von weniger als 1.100 Euro netto monatlich (bei den Müttern waren es 31,2 %). 62% verfügten über ein Monatseinkommen zwischen 1.100 und 2.600 Euro und rund 8% hatten mehr als 2.600 Euro monatlich zur Verfügung. Im Falle eines Kindes unter 3 Jahren hatten sogar 54 % der alleinerziehenden Mütter weniger als 1.100 Euro an Einkommen (Abb. 14277).


Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Im Jahr 2008 waren rund 36% der Personen, die in Haushalten von Alleinerziehenden lebten, von Armut gefährdet. Zum Vergleich: die Armutsgefährdung von Personen in Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern lag bei nur 8%.

Alleinerzogene Kinder machen einen hohen Anteil an der Kinderarmut aus. Laut Kinderschutzbund leben 2,6 Millionen Kinder bis zum Alter von 18 Jahren auf Hartz-IV-Niveau (208 Euro pro Kind). Die Zahl erhöht sich auf etwa 5 Millionen Kinder, wenn man die Familien dazurechnet, die nur knapp oberhalb der Hartz-IV-Grenze leben. Mehr als 1,9 Millionen Kinder auf Sozialhilfe-Niveau sind jünger als 15 Jahre. Damit lebt ein Drittel aller Kinder auf Hartz-IV-Niveau von 208 Euro pro Monat oder knapp darüber. Wie die OECD in ihrem Bericht vom September 2009 ermittelte, hatte Deutschland schon 2005 einen erheblich Anteil an Kinderarmut, jedenfalls Verglichen mit den skandinavischen Ländern und Frankreich (Abb. 17800).


2. Größenverhältnisse und Gründe des Alleinerziehens

Im Jahr 2009 lebten 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland. Fast jede fünfte davon (19%) war eine Familie einer alleinerziehenden Mutter oder eines alleinerziehenden Vaters; 1996 waren es erst 14 % gewesen - also ein Anstieg um ein Fünftel seitdem. 72% der Familien waren Ehepaare und 9% Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern. Alleinerziehende bilden somit eine feste Größe unter den Familien Deutschlands (Abb. 14272). In Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern waren 26% aller Familien mit minderjährigen Kindern Alleinerziehende.


Generell sind alternative Familienformen wie Alleinziehende und Lebensgemeinschaften mit Kindern in den neuen Ländern weiter verbreitet. Mit 27% war im Jahr 2009 der Anteil der Alleinerziehenden in Ostdeutschland deutlich höher als in Westdeutschland (17%).

Am häufigsten werden Mütter und Väter infolge einer Ehescheidung zu Alleinerziehenden. Im Jahr 2009 waren 42% der Alleinerziehenden geschieden. 17% waren noch verheiratet, führten aber bereits getrennte Haushalte. Insgesamt resultiert somit bei weit mehr als der Hälfte (59%) der Alleinerziehenden die aktuelle Familienform aus der Trennung vom Ehepartner. Mehr als ein Drittel (35%) der alleinerziehenden Elternteile war ledig, weitere 6% verwitwet (Abb. 14273). Der Anteil der Scheidungen als Ursache der Alleinerziehung steigt von Jahr zu Jahr.


Das Alleinerziehen ist insofern "Frauensache", als in neun von zehn Fällen (90%) der alleinerziehende Elternteil im Jahr 2009 die Mutter war. 5% der Alleinerziehenden im früheren Bundesgebiet und 8% der Alleinerziehenden in den neuen Ländern waren 2009 unter 25 Jahre alt (Abb. 14274). 42 % der Alleinerzieher erzogen mehr als ein Kind (Abb. 14275). Insgesamt lebten im Jahr 2009 rund 2,4 Millionen ledige Kinder bei Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern.



2. Bildung

Knapp ein Viertel der alleinerziehenden Mütter hatte 2009 einen niedrigen Bildungsstand. Das bedeutet, dass sie entweder keinen Abschluss hatten oder über einen Hauptschulabschluss oder ähnlichen Abschluss verfügten. Von den Müttern in Paarfamilien besaßen nur etwa 18% eine niedrige Bildung. Bei den alleinerziehenden Müttern, die weder erwerbstätig waren, noch eine Arbeit suchten, hatten mehr als 45% einen niedrigen Bildungsstand.

3. Berufliche Situation

Die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit ist bei Alleinerziehenden nicht nur für die finanzielle Situation der Familie von großer Bedeutung. Sie steckt auch den zeitlichen Rahmen, der für das Familienleben zur Verfügung steht. Bei der Erwerbsbeteiligung zeigen sich zunächst keine großen Unterschiede zwischen alleinerziehenden Müttern und Müttern in Paarfamilien. 2009 gingen von den alleinerziehenden Müttern fast 60% einer Erwerbstätigkeit nach; die Mütter in Paarfamilien waren fast genauso häufig berufstätig. Mit 42% arbeiteten in Deutschland erwerbstätige alleinerziehende Mütter 2009 wesentlich häufiger in Vollzeit als erwerbstätige Mütter in Paarfamilien (27%). Die Gründe für die Ausübung einer Teilzeittätigkeit sind bei alleinerziehenden Müttern und Müttern in Paarfamilien unterschiedlich. Fast jede fünfte alleinerziehende Mutter ging 2009 einer Teilzeittätigkeit nach, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnte (Abb. 14276). 37% der alleinerziehenden Mütter, die nicht erwerbstätig waren, suchten aktiv eine Arbeit; bei den nicht erwerbstätigen Müttern in Paarfamilien bemühten sich dagegen nur 13% um eine Arbeitsstelle.



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global news wb19.44 05-08-10: Wissen sie, was sie tun? Die Bundesregierung treibt mit ihrer Arbeitsmarktpolitik immer mehr Menschen in schwere psychische Krankheiten

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"... denn sie wissen nicht, was sie tun" war der vorletzte Film mit James Dean, in dem die Probleme der seinerzeit verlorenen Generation thematisiert wurden. Doch die Bundesregierung weiß ziemlich genau, was sie mit ihrer Arbeitsmarktpolitik heutigen Generationen antut, und nimmt die Opfer in Kauf. Mit der Verweigerung von flächendeckenden und ausreichend kontrollierten Mindestlöhnen, der Erleichterung äußerst unsicherer zeitlich befristeter Leiharbeit, den Harz-IV-Maßnahmen und der Zulassung einer im internationalen Vergleich sehr hohen Langzeitarbeitslosigkeit wird ein enormer Druck erzeugt. Er führt einerseits zu immer mehr äußerst gering bezahlter Arbeit und stützt so die Gewinne der Unternehmen. Gleichzeitig verschönt er die für die Bundesregierung besonders wichtigen Arbeitslosenzahlen, denn auch niedrigst entlohnte und auf staatlich Zuzahlungen angewiesene Menschen gelten als mit Arbeit versorgt. Die Opfer, die diesen Druck mit ihrer Psyche nicht aushalten können, verschwinden gleichzeitig als krank aus der Statistik der Arbeitslosenzahlen. Eigentlich ist das schon Wahnsinn in sich.

1. Der Billiglohnsektor breitet sich immer mehr aus

Nach einer neuen Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen müssen sich nun schon 20,7 % aller Beschäftigten mit einem Billiglohn unter 9,06 Euro/Stunde abfinden. Das sind entsprechend der Definition der OECD Löhne von weniger als zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns (Median, Abb. 14269). Flächendeckende Mindestlöhne, die das verhindern könnten und die bei fast allen unseren Nachbarn und auch in USA erfolgreich im Einsatz sind, verweigert die Bundesregierung. Innerhalb von 10 Jahren ist die Zahl der deutschen Niedriglöhner um 2,3 auf 6,6 Millionen Menschen gestiegen (Abb. 14708). Der Anteil der Niedriglöhner liegt dagegen z.B. in Frankreich bei nur 11,1 %, in Dänemark sogar bei nur 8,5 %.



2. Immer mehr unsichere befristete Leiharbeitsverträge

Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei suchten die Betriebe für mehr als jede dritte neue Stelle derzeit nur Leiharbeiter. Damit haben sich die Jobangebote in der Leiharbeit seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellenangebote lediglich um ein Drittel zulegte. Der Anteil der Leiharbeitsposten an allen neuen Stellen stieg von 26,2 % im Januar auf 34,9 % im Juni. Immer größere Anteile von Arbeitnehmer übernehmen so das Konjunkturrisiko ohne jeden Kündigungsschutz auf die eigenen Schultern. Leiharbeitnehmer kommen auch nicht in den Genuß der Tarifverträge der Unternehmen, an die sie ausgeliehen werden, sondern haben ihren eigenen, ungünstigeren Tarifvertrag der Leiharbeitsindustrie.

Nach den letzten Daten für 4. Quartal 2008 bis 3. Quartal 2009 wurden in den 12 Monaten 683.156 Beschäftigungsverhältnisse begonnen und 858.653 beendet (Abb. 14892). Im letzterfaßten Jahr 2006 verdienten weniger als 8,50 Euro pro Stunde nur 6 % normaler Arbeitnehmer aber 43,5 % der Leiharbeitnehmer.


3. Besonders hoher Anteil an Langzeitarbeitslosen

Deutschland hat nach der neuen OECD-Übersicht für 2009 auch diesmal den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen (über ein Jahr) an allen Arbeitslosen (Abb. 13479).


Die besonders bedrückende Zahl dieser Arbeitslosen hat im Juni 2010 gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 24.000 oder 3 % auf 956.000 zugenommen (ohne Daten zugelassener kommunaler Träger).

4. Folgen für die psychische Situation

Nach und nach melden alle Kasse erheblich steigende Zahlen an psychischen Erkrankungen in Deutschland. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen meldete einen Anstieg seit 1998 um fast 40 % (Abb. 04148). Ähnlich ist das Ergebnis bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (Abb. 14792). Die Zahl der psychisch verursachten Arbeitsunfähigkeitsfälle stieg seit 1995 um 80 Prozent. Sie verursachen zugleich die längsten Ausfallzeiten. Fehlt ein Arbeitnehmer aufgrund einer Atemwegserkrankung durchschnittlich 6,4 Tage, sind es bei einer psychischen Erkrankung 22,5 Tage. Auch die Techniker Krankenkasse zeigt einen solchen Anstieg der psychischen Erkrankungen auf (Abb. 14216).




Bei den Arbeitslosen waren schon 2004 Krankenhausaufenthalte wegen psychischer Störungen deutlich erhöht im Vergleich zu Beschäftigten, bei Männern mehr als viermal höher (Abb. 04147). Einen gleichfalls um den Faktor 3 enorm erhöhten Wert zeigen die Untersuchungen der Betriebskrankenkassen bei der Verordnung von Antidepressiva (Abb. 04149) für Arbeitslose.



Nach dem neuen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse erhalten arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva wie berufstätige Frauen, arbeitslose Männer sogar die dreifache Menge (Abb. 14214). Der Streß für Arbeitslose, denen nach einem Jahr der Absturz in Hartz IV droht, ist für viele unerträglich.


Ebenso zeigt eine im AOK-Fehlzeiten-Report 2009 vorgestellte Studie unter knapp 2.000 Arbeitnehmern, dass Arbeitsplatzunsicherheit häufig mit einem höheren Arzneimittelverbrauch, vermehrtem Alkoholkonsum, aber auch mit weniger sozialen Kontakten verbunden ist (Abb. 14794).


Die Barmer Ersatzkrankenkasse hat sich dieser Lagebeurteilung angeschlossen. Die Anzahl der psychischen Erkrankungen steige weiter rapide an. Betrachte man die zehn häufigsten Diagnosen, die im vergangenen Jahr in Kliniken gestellt wurden, gehörten allein vier zur Gruppe der psychischen Beschwerden (Abb. 14271). Dabei nehme die Behandlung psychischer Krankheiten immer mehr Zeit in Anspruch. Während die Verweildauer im Krankenhaus bei den meisten Diagnosen seit langem rückläufig sei, gebe es bei psychischen Störungen seit Jahren einen deutlichen Anstieg (Abb. 14270). Besonders dramatisch sei, daß sich der Anstieg in den vergangenen Jahren nochmals beschleunigt habe. Vor allem die Behandlung von Depressionen nehme inzwischen im Schnitt bis zu 38 Tage in Anspruch.



Zum Verhältnis von Arbeitslosigkeit zu Erkrankungen schreibt die Barmer in ihrem Bericht vom Juli 2010:

"Das herausragende Ergebnis ist unverändert die hohe Inanspruchnahme stationärer Leistungen bei Arbeitslosen. Als arbeitslos gemeldete männliche Erwerbspersonen verbringen mit 1.572 Krankenhaustagen je 1.000 Versicherungsjahre etwa doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie aktuell beschäftigte Personen aus nahezu allen berücksichtigten Berufsgruppen."

5. Fazit

Daß es zwischen ihrer Arbeitsmarktpolitik und den psychischen Erkrankungen erhebliche Zusammenhänge gibt, sollte eigentlich auch die Bundesregierung zum Nachdenken bringen. Eine solche Politik kann nicht zum Wohle des Landes beitragen.


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global news 2098 10-08-10: Alles wie vorher: Die Weltwirtschaft ist wieder in den Luftnummern

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Die letzte Krise war teilweise aus einem gigantischen Liquiditäts- und Kreditüberhang entstanden. Länder mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen, vor allem China und Deutschland, überfluteten mit ihren Exportkrediten die Finanzmärkte. Die Fed und andere Notenbanken sorgten für billiges Geld, so daß wohlhabende private und institutionelle Anleger auf Kredit spekulieren konnten. Wir sind nun wieder an derselben Stelle. China und Deutschland fahren ihre Exportüberschüsse wieder in die alte Höhe hoch (Abb. 08198, 14281).



Die amerikanische Notenbank (wie auch andere) sorgt massiv für billigsten Kredit. Sie hat gegen Bares den Banken miese Hypothekenpapiere und der Regierung Staatsanleihen abgekauft. Zusammen ist das ein gespenstisches Volumen von 2 Billionen Dollar (Abb. 16140), das die Zinsen niedrig hält und damit kreditgestütze Spekulation nach oben treibt.


Und so nehmen auch die Börsen wieder Fahrt auf. Innerhalb eines Jahres schnellte der deutsche Dax um mehr als 16 %, der amerikanische Dow um fast 14 % nach oben (Abb. 16141). Auf der anderen Seite zahlen sozial Schwächere mit Einschnitten in die Sozialleistungen und Arbeitnehmer mit Lohnverzichten und Arbeitslosigkeit, obwohl sie meist nie in die Nähe einer Börse gekommen sind, für die Kosten der von der Spekulation verursachten letzten Krise. Das ist schon ziemlich bitter!



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global news 2097 09-08-10: Das Paket der unsozialen Kürzungen der Bundesregierung schlägt sehr unterschiedlich ein

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Die Paritätische Forschungsstelle des Paritätische Gesamtverbands hat einen Atlas der Sozialkürzungen erarbeitet und auch das Infoportal um Verbreitung gebeten. Sie finden den Atlas hier zum Runterladen.

Die Kürzungsbeträge (Jahresdurchschnitte 2011-2014) fallen für. Ostdeutschland insgesamt, aber auch die altindustriellen Kerne in Westdeutschland - das Ruhrgebiet und das Saarland - besonders hoch aus. Die reichen Bundesländer in Süddeutschland mit Baden-Württemberg und Bayern sind dagegen weit weniger betroffen (Abb. 14280). Ausgerechnet Deutschlands Hauptstadt trifft es mit 96 Euro besonders hart - Zufall oder weil dort Parteien der Opposition regieren?



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global news 2096 09-08-10: Vom Schicksal älterer Arbeitsloser in Deutschland

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Mehr als ein Viertel aller Arbeitslosen in Deutschland (28,4 %) sind Menschen zwischen 50 und 64 Jahren, zusammen fast 1 Million (908.000). Die Arbeitslosenquote ist im internationalen Vergleich besonders hoch, über viele Jahre die höchste und jetzt erst in der Krise von Spanien, Portugal und Irland übertroffen (Abb. 15244, 15245).



Dabei wurden die deutschen Zahlen durch viele Manipulationen nach unten gedrückt. So werden aufgrund einer Neuregelung des § 428 SGB III aus 2007 viele der über 58-Jährigen nicht mehr als arbeitslos geführt, obwohl sie noch arbeiten wollen. Danach haben Anspruch auf Arbeitslosengeld auch Arbeitnehmer, die das 58. Lebensjahr vollendet haben und die Regelvoraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosengeld allein deshalb nicht erfüllen, weil sie nicht arbeitsbereit sind und nicht alle Möglichkeiten nutzen und nutzen wollen, um ihre Beschäftigungslosigkeit zu beenden.

Viele ältere Arbeitslose wurden in die "Unterbeschäftigung" verschoben und gelten damit nicht mehr als arbeitslos. "Unterbeschäftigt" sind nach Bundesagentur im engeren Sinne Personen mit folgenden Qualifikationen: in berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Beschäftigungszuschuss, vorruhestandsähnlicher Regelung, Arbeitsunfähigkeit (§ 126 SGB III) sowie im weiteren Sinne zusätzlich Personen mit Gründungszuschuss, Existenzgründungszuschüsse, Einstiegsgeld - Variante: Selbständigkeit oder in Altersteilzeit.

Viele ältere Menschen sind so ausgebrannt, daß sie aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen oder werden herausgedrängt. Mit 62,1 Jahren (Männer) rangiert Deutschland unter den Ländern mit relativ frühem effektiven Renteneintrittsalter (Abb. 15246).


Unter diesen Verhältnissen bedeutet die von der Bundesregierung beschlossene Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre für sehr viele Menschen praktisch eine Kürzung ihrer Rente, weil sie keine Beschäftigung finden und damit keine Beiträge zahlen können oder weil ihre Gesundheit keine weitere erträgliche Beschäftigung ermöglicht.

Eine ausführlichere Darstellung der Situation älterer Arbeitsloser, die auch die Gesundheitslage und die Versorgung berücksichtigt ist für den Wochenbrief vom 19. August vorgesehen, der hier bestellt werden kann.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/bUYof9

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global news 2095 09-08-10: Der deutsche Konjunkturmotor arbeitet wieder mit dem einen Zylinder des Exports

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Nach den heute veröffentlichten Juni-Werten hat der deutsche Export wieder Normalhöhe erreicht (Abb. 15593). Da gleichzeitig die Verbrauchernachfrage stottert, ist die deutsche Wirtschaft wieder gefährlich vom Schicksal der Weltmärkte und der Verschuldung wichtiger Absatzmärkte abhängig.


Der Industrieumsatz liegt dagegen wegen der Binnenmarktschwäche um 10,3 % unter dem Niveau des Normal-Juni vor zwei Jahren, wenn man nicht mit dem abgesenkten Niveau des letzten Jahres vergleicht (Abb. 04910). Dabei legt die Erholung im Juni eine Pause ein.



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global news 2094 07-08-10: Deflation oder Stagflation - was denn nun?

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Mein hoffentlich gesunder Menschenverstand hat mir bisher gesagt: Wir werden noch einige Zeit Deflation haben, bis es wegen der angehäuften Liquidität beim Wiederanspringen der Nachfrage zu einer Inflationswelle kommen muß. Nun scheint alles etwas schneller zu gehen und es riecht für die entwickelten Industrieländer mehr nach Stagflation, also der Kombination von Stagnation mit einer Priese Inflation.

Die Stagnation wird wohl noch mit uns bleiben, weil die private Nachfrage nirgendwo anspringt, schon gar nicht in Deutschland, die staatlichen Stützprogramme auslaufen, die Lager wieder aufgefüllt sind und weil der Export in einige aufnahmefähige Schwellenländer diese Negativfaktoren nicht ausgleichen kann. Wir werden das wahrscheinlich in Deutschland trotzt eines passablen 2. Quartals 2010 nun in der zweiten Jahreshälfte erleben.

Trotzdem werden die Preise dort steigen, wo der Druck auf Nahrungsmittel und andere Rohstoffe von den Weltmärkten kommt. Die Hitzeperiode, nicht nur in Rußland, hat die Preise für Getreide schon kräftig nach oben befördert. Die Nachfrage von China und anderen Schwellenländer treibt die Rohstoffpreise generell ebenfalls wieder nach oben (Abb. 07355, 07356).



Ein weiterer preistreibender Faktor ist China auf der Exportseite. In den letzten Monaten sind in vielen chinesischen Export-Betrieben unter dem Druck der Arbeitnehmer die Löhne gestiegen. China kann diese Kostensteigerung auf den meisten Absatz-Märkten in den Preisen weitergeben, weil seine Marktdominanz bei vielen Billigwaren inzwischen stark genug ist.

In Deutschland stiegen die Importpreise im letztgemeldeten Monat Juni mit 9,1 % gegenüber Vorjahr bereits stärker als im Boomjahr 2008. Auch die Großhandelspreise stiegen um 5 % (Abb. 14689). Früher oder später wird der Import- und Einzelhandel solche Preissteigerungen nicht mehr auffangen können.



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global news 2093 06-08-10: Deutsche Industrieproduktion im Juni 7,9 % unter 2008

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Die deutsche Industrieproduktion erholt sich von dem tiefen Einbruch in 2009. Doch liegt sie noch immer um 7,9 % unter dem Ergebnis vor zwei Jahren. Nur der Vergleich mit dem Krisentiefpunkt sieht gut aus (Abb. 04306).



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global news 2092 06-08-10: Die Eurozone auf dem Weg in die japanische Krankheit - was passiert nach dem Lageraufbau?

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Auch in Europa steigen die Sorgen vor einem weiteren Einbruch der Wirtschaftsentwicklung. Dabei ist die Lage sehr unterschiedlich. Einige Länder, wie Deutschland, versuchen, sich mit dem Export aus dem Sumpf zu ziehen, ohne die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Ob dieses Rezept von "weiter wie bisher" lange Beine hat, wird sich zeigen müssen. Wenn sich auf diese Weise die Ungleichgewichte, z.B. innerhalb der Eurozone, weiter aufbauen, wird die Wand näher kommen.

Vieles an dem derzeit zaghaften Wirtschaftszuwachs ist dem Wiederaufbau der Lager zu verdanken, der allerdings nun weitgehend abgeschlossen sein dürfte (Abb. 06170).


Dagegen zieht die private Nachfrage nicht an. Der Einzelhandelsumsatz verharrt seit einem Jahr auf abgesenktem Niveau (Abb. 06166), ebenso die private Nachfrage insgesamt (Abb. 06167).



Außerdem sackt die Handelsbilanz der Eurozone mit der restlichen Welt enorm ab, wenn man die deutschen Überschüsse ausklammert (Abb. 06169).


Die Gesamtwirtschaftsentwicklung in der EU verläuft seit einem Jahr sehr verhalten und dürfte damit von neuen Einbrüchen bedroht sein, zumal wenn die staatlichen Stützprogramme auslaufen (Abb. 06168). Eine längere Stagnation, wie seinerzeit in Japan, ist jedenfalls nicht mehr auszuschließen. Die in der kommenden Woche erwarteten Ergebnisse des 2. Quartals 2010 werden weitere Aufschlüsse geben.


Der Wochenbrief vom 12. August wird auf die Situation in USA und der Eurozone näher eingehen (kann hier bestellt werden).


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global news 2091 05-08-10: Das Dutzend Hauptfelder schweren deutschen Politikversagens

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Die Landschaft ist nicht sehr übersichtlich. Vieles hängt zusammen. Doch unter allen Arten von Politikversagen leiden wir, oder korrekter formuliert: die Mehrheit von uns. Leider hat diese Mehrheit ihr demokratisches Gewicht an den Wahlurnen bisher nicht oder falsch ausgenützt. Zu groß war leider bei vielen Menschen bisher ein uninformiertes Desinteresse, der naive Glaube, es lasse sich eh nichts ändern, oder gar, es werde mit der Zeit schon gut werden.

Hier sind die 12 Hauptfelder des Politikversagens, an die man immer wieder denken muß, und die hier in keiner besonderen Reihenfolge aufgelistet sind:

1. Eine ständig wachsende soziale Kluft, die von der Bundesregierung durch Verweigerung von Mindestlöhnen, eine unsoziale Steuerpolitik, Abbau von Sozialleistungen, Förderung von Job-Verlagerung oder Import billiger Arbeitskräfte (EU-Erweiterung) und vieles mehr noch unterstützt wird.

2. Abbau von Aufstiegsmobilität durch ein unterfinanziertes und leistungsschwaches Bildungssystem.

3. Eine falsche Arbeitsmarktpolitik, die Langzeitarbeitslosigkeit auf einem unerträglich hohen Niveau hält und die psychischen Depressionen der Betroffenen hochtreibt.

4. Eine Rentenpolitik, die die Rentenkasse für fremde Zwecke geplündert hat und bei zurückgehenden Rentenleistungen zu ständiger Verunsicherung der Rentner führt.

5. Versagende Integration von Menschen mit Migrationshintergrund bei unzureichende Orientierung auf Immigration mit ausreichendem Bildungsniveau, wie bei anderen Einwanderungsländern üblich.

6. Eine falsche Gesundheitspolitik, die Kosten von Medikamenten und Ärzten hochtreibt, die Privatisierung fördert und immer unsozialer wird.

7. Eine Wirtschaftspolitik, die Deutschland extrem von unsicheren Auslandsmärkten abhängig gemacht und gleichzeitig aus vorgegebenen Gründen der Wettbewerbsfähigkeit die Löhne und damit die Massenkaufkraft eingefroren und die Binnenkonjunktur kaputt gemacht hat. Dazu kommt das Versagen in der Aufsicht über die Eurozone, die nicht zuletzt wegen der deutschen Exportüberschüsse, der entsprechenden Verschuldung unserer Handelspartner und der Rolle unserer Banken nun zu ständigen hohen deutschen Ausgleichszahlungen führt. Deutschland ist über viele Jahre seit 2000 so (zusammen mit Italien) zum Schlußlich der Wirtschaftsentwicklung in der Alt-EU geworden.

8. Eine extrem liberale Handelspolitik, die über die Instanzen der EU Dumpingimporte fördert (vor allem aus China) und mit der Billigware den deutschen Arbeitsmarkt und die deutschen Löhne unter negativem Druck hält.

9. Eine Finanzmarktpolitik, die die notwendige Aufsicht vernachlässigt hat und auch jetzt nach der Krise Konsequenzen vermissen läßt ("Weiter so bis zur nächsten Krise"), kombiniert mit einseitiger Unterstützung derer, die - wie die Banken - durch ihre Spekulation die Krise erst möglich gemacht haben.

10. Ein Versagen beim Aufbau Ost, das die neuen Bundesländer auf konstant niedrigerer Stufe hält, Dauerausgleichszahlung erfordert und die Abwanderung fördert.

11. Eine Familienpolitik, die mangels ausreichender Kindergartenplätze und sonstiger staatlicher Unterstützung mitverantwortlich für die besonders negative demographische Entwicklung Deutschlands ist.

12. Eine in den meisten dieser Felder von Politikversagen erkennbare einseitige Orientierung an globalen neoliberalen Markt- und Systemöffnungen, die über die deutsche Politik in der EU und in internationalen Organisationen vorangetrieben wird. Die neoliberale Globalisierung wurde so erfolgreich als Rammbock gegen die einst Soziale Marktwirtschaft eingesetzt.

Zu allen diesen Feldern von Politikversagen gibt es aus den bisher 20 Wochenbriefen 33 gründlich recherchierte Beiträge, die Sie mit Links in diesem Verzeichnis finden.

Der Wochenbrief kann kostenlos hier bestellt werden.


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global news wb19.43 04-08-10: Neuer Bildungsbericht: Deutsches Bildungssystem hinkt weiter schrecklich

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Auch aus dem neuen Bildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist abzulesen, wie schwer sich das deutsche Bildungssystem tut. In einer Zeit, da der globale Wettbewerb um Arbeitsplätze und Einkommen immer mehr über die Bildung bestritten wird, leistet sich Deutschland weiter enorme Defizite. Vor allem: Ein hoher Anteil der Kinder und Jugendlichen kommt aus sozialen Risikolagen, das System ist erheblich unterfinanziert und die höhere Bildung an den Hochschulen schreckt Kinder aus sozialbenachteiligter Herkunft ab.

1. Fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren wächst in sozialen, finanziellen oder/und kulturellen Risikolagen auf: Im Jahr 2008 lebten insgesamt gut 29 % der 13,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren in mindestens einer Risikolage. Darunter waren 1,1 Millionen Kinder, die bei Alleinerziehenden lebten, womit in dieser Lebensform fast jedes zweite Kind von einer Risikolage betroffen ist.

In Familien mit Migrationshintergrund sind es 1,7 Millionen oder 42 % aller Kinder mit mindestens einer Risikolage. 35,4 % leben in armen Haushalten (weniger als 60 % des Familienäquivalenzeinkommens). Frauen mit Migrationserfahrung sind viel seltener kinderlos und haben viel häufiger mehr als nur ein Kind (Abb. 14262). Das deutsche Schulsystem ist auf einen solchen Zulauf an Kindern mit Migrationshintergrund nicht vorbereitet; dabei fehlen auch Lehrer, die selbst einen Migrationshintergrund haben.


2. In Deutschland wurden 2007 148 Milliarden Euro für Bildung ausgegeben. Das waren nominal etwa 22 Milliarden Euro mehr als 1995. Da die Bildungsausgaben unterproportional zur wirtschaftlichen Entwicklung gesteigert wurden, ist jedoch der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von 6,8 % in 1995 auf 6,2 % in 2008 gesunken. Im internationalen Vergleich gibt Deutschland gemessen an der Wirtschaftskraft weniger für Bildung aus als der OECD-Durchschnitt (Abb. 13004). Auch gibt es im internationalen Vergleich in Deutschland in allen drei Schulstufen eine relativ große Anzahl von Schülern je Lehrkraft (Abb. 13806).



3. Das Schulsystem ist dabei immer mehr privatisiert worden.Die Anzahl der Bildungsteilnehmer in Einrichtungen freier Träger stieg zwischen 1995/96 und 2008/09 um 22 % von 2,2 Millionen auf 2,6 Millionen. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Bildungsteilnehmer in öffentlichen Einrichtungen um knapp 720.000 zurückgegangen (minus 5 %). Vor allem im Primarbereich, im Sekundarbereich II und im Tertiärbereich hat der Besuch von Einrichtungen in freier Trägerschaft zugenommen. Der Schüleranteil an Schulen in freier Trägerschaft erhöhte sich zwischen 2006/07 und 2008/09 erneut von 6,9 auf 7,6 % aller Schülerinnen und Schüler und der Anteil der Schulen in freier Trägerschaft von 7,9 auf 8,9 % aller Schulen.

4. Die Geburten gehen nun von Jahr zu Jahr erheblich zurück (Abb. 14261). Der Bildungsbericht sieht darin Chancen für eine Umstrukturierung des Bildungsprozesses, z.B. in Richtung auf lebenslanges Lernen, wobei sich die Bildungsinstitutionen dann auch mehr der älteren Jahrgänge annehmen müßten. Das können natürlich fromme Wünsche bleiben, wenn gleichzeitig der stark wachsende Rentneranteil erhebliche Haushaltsbelastungen herbeiführt, die dann auch auf die Finanzierbarkeit von Bildung drücken werden, noch mehr als jetzt schon.


5. Der Zugang zur höheren Bildung ist weiterhin stark auf die konzentriert, deren Elten bereits studiert haben oder einen höheren sozialen Status haben. Nach OECD-Feststellungen ist bei Schülern aus hohem sozialem Status die Wahrscheinlichkeit eines Hochschulabschlusses dreimal größer als bei Schülern aus niedrigem sozialem Status - der zweithöchste Wert im internationalen Vergleich (Abb. 13317). Schon der Armutsbericht der Bundesregierung von 2004 hatte aufgezeigt, daß Kinder von Gutverdienern eine mehr als siebenfach größere Chance, ein Studium aufzunehmen haben als Kinder aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialem Status.


Nun fügt der neue Bildungsbericht ein weiteres Element hinzu: Selbst unter den Schulabgängern mit Studienberechtigung nehmen nach dem neuen Bildungsbericht nur 60 % derer von Eltern mit Lehre oder ohne Berufsabschluß ein Studium auf - gegenüber 80 % derer mit mindestens einem studierten Elternteil (Abb. 14260).


6. Die vierjährige Grundschulzeit, an der Eltern aus dem Bildungsbürgertum so gerne festhalten (siehe jetzt Volksentscheid in Hamburg), spaltet die Gesellschaft bildungsmäßig noch zusätzlich auf. Dazu der Bildungsforscher Klaus Klemm in der Süddeutschen Zeitung:

„Gleichzeitig ist jedoch belegt, dass Kinder, die in problemverdichteten Lerngruppen arbeiten, wie das in Hauptschulen der Fall ist, sich gegenseitig in ihrer Fortentwicklung hemmen. Für sie ergibt längeres gemeinsames Lernen mit stärkeren Schülern Sinn. Der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule bringt eine soziale Selektivität mit sich. Je früher dieser Übergang nötig ist, desto mehr verstärkt er den sozial spaltenden Effekt. Ob allerdings zwei Jahre mehr in der Grundschule ausreichen, diese Selektivität zu mindern, ist fraglich. Dafür wäre es vielleicht notwendig, sich an Skandinavien zu orientieren, wo Schüler überhaupt nicht auf unterschiedliche Schulen sortiert werden."

7. Bei dieser Lage kann es eigentlich nicht überraschen: In Deutschland hatten nach dem neuen Bildungsbericht 2008 28 % der 30- bis unter 35-Jährigen einen Tertiärabschluss (Fachschul- oder Hochschulabschluss), weniger als im EU-Durchschnitt (31 %). Auffallend ist, daß Deutschland in diesem Jahrzehnt den Anteil der Personen mit Tertiärabschluß deutlich weniger steigern konnte als viele andere EU-Staaten. 2007 hatte Deutschland die niedrigste Studienanfängerquote von allen Ländern, die in dem Bildungsbericht verglichen werden (Abb. 14263).



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global news 2090 04-08-10: Die USA nähern sich einem zweiten Wirtschaftseinbruch

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Viele neuere Daten aus USA sind beunruhigend, zumal sie die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen werden. So haben die amerikanischen Konsumenten offensichtlich ihre Einkaufsbereitschaft und ihre Kreditaufnahme zurückfahren müssen. Die Immobilienpreise haben sich nicht oder kaum erholt und liegen um ein Viertel unter dem Stand von 2007 (Abb. 16066). Nach Auslaufen von Steuersubventionen ist der Verkauf neuer Häuser abgerutscht (Abb. 05074).



Die Zahl der Beschäftigten ist zuletzt wieder gefallen (Abb. 05240). Sie war in den letzten Monaten vor allem von staatlicher Beschäftigung gestützt worden, die jetzt aus Haushaltsgründen zurückgefahren wird.


So kann es nicht überraschen, wenn das Konsumentenvertrauen im Juli zum zweiten Mal in Monatsfolge wieder nach unten tendiert (Abb. 05073) und wenn das Volumen an Konsumentenkredite deutlich fällt (Abb. 05213).



Im zweiten Quartal ging der Zuwachs der gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung auf eine Jahresrate von 2,4 % zurück, nachdem sie im 4. Quartal 2009 noch um 5,6 % und im 1. Quartal 2010 um 3,7 % zugenommen hatte (Abb. 05085). Ein großer Teil dieses schrumpfenden Zuwachses kam aus einem normalen Wiederaufbau von Lagern und aus Regierungsprogrammen, die nun im zweiten Halbjahr auslaufen. Abzüglich des Lageraufbaus zogen die Umsätze nur um 1,3 % an. US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Wirtschaftsaussichten erst kürzlich als "ungewöhnlich ungewiss".



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global news 2089 03-08-10: Heil Globalisierung! Und morgen kauft uns China?

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Als die westlichen Marktwirtschaftsländer die Aufnahme des Staatshandelslandes China in die für Marktwirtschaftsländer geschaffene Welthandelsorganisation beschlossen und China einen bedingungslosen Marktzugang einräumten, dachte offensichtlich niemand an die Folgen einer dumpinggestützten chinesischen Exportdampfwalze.

Eine der Folgen ist heute ein Berg von mehr als 2,4 Billionen Dollar an Währungsreserven, die mit den enormen Handelsbilanzüberschüssen zusammengetragen wurden (Abb. 08188). Der größte Teil ist in amerikanischen Staatspapieren angelegt. Jedoch geht China zunehmend dazu über, Investitionen in westlichen Unternehmen und Fonds zu suchen. Dafür wurde 2007 die China Investment Corporation (CIC) geschaffen, deren Anfangskapital bei 300 Mrd Dollar liegt. Um eine Größenvorstellung von den chinesischen Devisenreserven zu geben: Sie sind fünfmal größer als der Marktwert aller börsengehandelten deutschen Unternehmen zur Mitte des vergangenen Jahre oder siebenmal größer als die 15 deutschen Spitzenunternehmen.


China sucht mit seinen Anlagen nicht nur bessere Profite, als sie mit amerikanischen Staatspapieren zu erzielen sind, sondern auch Zugang zu Technologie und Rohstoffen, um den eigenen Entwicklungsprozeß weiter zu beschleunigen. So hat CIC vor wenigen Wochen 0,8 Mrd Dollar in ein gemeinsames Unternehmen mit dem kanadischen Penn West Energy Trust investiert, das Ölsände in Nord-Alberta ausbeuten soll. Die Provinz Alberta verfügt über 175 Milliarden Barrel Öl im Boden, gebunden an Sand. Nach Saudi-Arabien ist Kanada damit das Land mit den größten bekannten Ölreserven der Welt (siehe hier).

Allerdings hat CIC bisher primär in andere Fonds und kleinere Unternehmen investiert und kaum direkte größere Beteiligungen gesucht. Doch kann sich das ändern. Daneben gibt es seit 1997 die Safe Investment Company, ein Fond der chinesischen State Administration of Foreign Exchange ("Safe"), mit 347 Mrd Dollar, der ebenfalls in westlichen Fonds investiert hat. Außerdem investieren chinesische Staatsunternehmen und private Unternehmen, in denen die KPC viel zu sagen hat, direkt im westlichen Ausland. So hat BAIC Technologie von Saab erworben, Geely vereinnahmte die schwedische Nobelfirma Volvo und auch die britischen Nobelfirmen Rover und MG sind schon chinesisch. Im PC-Bereich hat Levotno die Computer-Sparte von IBM gekauft.

In dem Maße, wie chinesischen Investmentmanager nun Erfahrungen mit solchen Investitionen sammeln, wird das Tempo der Anlagen beschleunigt werden. Dabei sind die Verhältnisse ziemlich einseitig, weil westliche Unternehmen in China sehr strikten Auflagen unterliegen, z.B. müssen sie Entwicklungslabors halten.


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global news wb19.44 03-08-10: NBL: Kein schöner Aufbau mehr in dieser Zeit

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Der immer wieder beschworene Aufbau Ost ist seit Jahren sehr langsam geworden und leidet in den neuen Ländern (NBL) jetzt mehr unter der Krise als in den alten (ABL). Die für jeden Aufschwung entscheidenden Investitionen in neue Ausrüstungen und Anlagen (ohne Bau) kletterten pro Kopf bis 1995 etwa auf das Niveau in den ABL, gingen dann jedoch erheblich zurück und stagnieren nun seit Jahren um 35 % unter dem Niveau der ABL (Abb. 14265).


Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stagniert bei 30 % unter dem Niveau der ABL (Abb. 14266). Auch der Anteil der privaten Konsumausgaben stagniert (14267).



Dazu das Wirtschaftsforschungsinstitut Halle (IWH) in Wirtschaft im Wandel 7/2010 v. 21. Juli 2010:

„Gegenüber dem Westen bleibt der Rückstand des Ostens mit knapp einem Viertel bei der Produktivität und fast 30% bei der Produktion je Einwohner bestehen."

Angesichts der mangelnden Produktivität verharren die Arbeitskosten des Verarbeitenden Gewerbes bei 40 % unter denen der ABL (Abb. 14268), was wiederum die Masseneinkommen drosselt und damit den Aufbau bremst.


Vor allem aber entwickelt sich die Bevölkerung und das Erwerbstätigenpotential weiter zurück (Abb. 14264). Die Verringerung der Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland ist auch auf die anhaltend hohen Wanderungsverluste zurückzuführen. So überstieg im Jahr 2008 - neuere Daten liegen nicht vor - die Zahl der Abwanderer die der Zuwanderer um 60.000 Personen.


Die Krise hat die Situation noch verschlechtert und die jetzt einsetzende Erholung kann sich in den NBL infolge der geringeren Exportorientierung und des unterdurchschnittlichen Industrialisierungsgrades nicht so durchsetzen, so daß die Wirtschaft 2010 im Wachstumstempo der Produktion hinter Westdeutschland zurückbleibt. Dazu IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig:

„Eine Trendumkehr, daß der Osten wieder schneller wächst so wie in den neunziger Jahren, ist nicht in Sicht. Es bleibt bei den 70 Prozent Angleichung. In diesem Jahr wird der Abstand zum Westen sogar wieder größer. Die ostdeutsche Wirtschaft ist auf dem Höhepunkt der konjunkturellen Talfahrt mit fast sechs Prozent abgestürzt. Das ist alles andere als besonders krisenresistent."

Für 2010 sagt Ludwig eine Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent für die NBL voraus. In den ABL rechnet er mit gut zwei Prozent.


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global news 2088 02-08-10: Läge es im deutschen Interesse, wenn die Eurozone gesundschrumpfen würde oder müßte?

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Für Wachstumsfetechisten gibt es nur eine Richtung: größer werden; "small is beautiful" zählt nicht. Nur eine große Eurozone, und sei sie auch noch so brüchig und spekulationsumwoben könne dem Dollar oder Renmimbi paroli bieten. Doch mit dem Wissen von heute und das griechische Drama vor Augen, muß man wirklich fragen, wie eine in die heutige Dimension gewachsene Eurozone aus deutscher Interessenlage eigentlich zu rechtfertigen ist, und muß man zu dem Ergebnis kommen: allenfalls politisch, nicht aber ökonomisch.

Die politische Rechtfertigung heißt Solidarität innerhalb der Europäischen Union, indem starke Länder mit breiten Schultern für die schwachen, wie Griechenland, mitsorgen und so Europa zusammenhalten. Kohl sprach von einer Garantie für den Frieden in Europa. Dann werden auch noch die USA als Beispiel bemüht, wo Einzelstaaten sich auf die Hilfe des Bundes einrichten können. Doch die EU ist keine USA und hat auch keine einheitliche Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Steuerpolitik. Und einige EU-Länder, wie Großbritannien oder Schweden, sind heute froh, nicht in den Euroverbund eingetreten zu sein und damit ihre eigene Währung bei Verlust von Wettbewerbsfähigkeit notfalls noch abwerten zu können. Sie glauben auch nicht an den politischen Gewinn.

Auf der ökonomischen Seite wird geltend gemacht, der Euro sei ebenso hart wie die DM und er vermeide wettbewerbsschädigende Aufwertungen innerhalb der Eurozone, die es bei der DM immer wieder gegeben hätte. Das sind, näher betrachtet, beides schwache Argumente. Die Verbraucherpreisinflation lag zwischen 2000 und 2008 für die Eurozone bei etwas über 2,3 % pro Jahr, also nicht besonders hoch (Abb. 16139).


Doch macht es wenig Sinn, diese Inflationsrate direkt mit der früheren DM-Inflation für Deutschland zu vergleichen. Zu groß sind da im Zeitphasenvergleich die äußeren Einflüsse, vor allem die enormen Schwankungen der Öl- und Rohstoffpreise. Doch kann man die DM und dann den Euro jeweils mit den zeitgleichen Verbraucherpreissteigerungen in anderen Währungsräumen vergleichen, die denselben äußeren Einflüssen unterlegen haben. Am Naheliegensten ist in dieser Hinsicht ein Vergleich mit dem Schweizer Franken, der anderen traditionellen Hartwährung, wozu der IWF die Daten ab 1980 führt. Dabei zeigt sich, daß die DM zwischen 1980 und 1992, meist mit weniger Inflation härter als der Schweizer Franken war, doch danach die schweizer Verbraucherpreisinflation unter der gewichteten der Eurozonenländer lag (Abb. 15209).


Das andere ökonomische Argument für den Euro als Vorteil für Deutschland ist, daß nun keine Aufwertungen mit negativen Folgen für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone mehr möglich seien und daß das Arbeitsplätze in Deutschland sichere. Auch diese Argumentation hinkt. Denn einerseits sind die deutschen Unternehmen nun seit Jahren auf die Lohnbremse gegangen, um sich einen künstlichen Wettbewerbsvorteil im Export zu sichern, was aber zu Lasten der Massenkaufkraft und damit der gegenüber dem Export viel wichtigeren Binnenkonjunktur ging. Andererseits wurden deutsche Ware zu billig exportiert, also mit Verlust an volkswirtschaftlicher Leistung, und teilweise nur auf Pump, was jetzt zu deutschen Hilfeverpflichtungen an verschuldete Partner führt.

Überhaupt wurde allein in den acht Jahren von 2002 bis 2009 fast eine Billion Euro (919 Mrd) an Leistungsbilanzüberschüssen ans Ausland gegeben, die im Inland verloren gingen. Das entspricht Jahr für Jahr dem durchschnittlichen Netto-Einkommen von 6,6 Millionen deutschen Arbeitnehmern.

Außerdem hat Deutschland unter der DM trotz wiederholter Aufwertungen nie über längere Zeiten größere Leistungsbilanzdefizite gehabt (Abb. 14279). Während einiger Jahre mit relativ geringen Defiziten in den neunziger Jahren war das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt besser als in den letzten Jahren mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen. In der Regel konnte die deutsche Industrie die Belastungen aus Aufwertungen durch eine Verbesserung der Produktivität überspielen und so wettbewerbsfähig bleiben.


Eine Schrumpfkur der Eurozone, falls Griechenland (und einige andere) ihre enorm eingebrochene Wettbewerbsfähigkeit nicht zurück erlangen sollten, wäre also aus deutscher Sicht kein Unglück und würde Deutschland von anderenfalls erforderlichen dauerhaften Hilfezahlungen befreien.


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global news 2087 02-08-10: Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, der europäische auch - von den verlorenen Aufstiegschancen

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Es war einmal ein großer Traum: der amerikanische. Armut war kein Schicksal. Man konnte es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen, wenn man nur hart arbeitete und dabei etwas Glück hatte. Die Aufwärtsmobilität war die Antidote, die die seit jeher unsozialialen und die Gesellschaft immer mehr vergiftenden Verhältnisse mental erträglich machte. Es war ein sehr verbreiteter Traum, obwohl der große amerikanische Komiker George Carlin zurecht sagte, man müsse schlafen, um daran zu glauben ("American Dream, You have to be asleep to believe it" - hier sein 3:15 Minuten-Video).

Tatsächlich ist mangels Aufstiegsmöglichkeiten die Einkommens- und Vermögensverteilung in USA immer ungleicher geworden. Das Fachwort heißt dort "median wage stagnation". Die Einkommen von 90 % der Bevölkerung haben über die letzten 37 Jahre real nur um insgesamt 10 % oder etwa 0,2 % pro Jahr zugenommen. 2008 lag das Durchschnittseinkommen (median) um mehr als 4 % unter dem Stand des Jahres 2000 (Abb. 05205). Auch während des letzten Booms zwischen 2002 und 2007 ging dieses Einkommen um 2.000 Dollar zurück, das erste Mal in der amerikanischen Geschichte, daß die Mehrheit am Ende eines Aufschwungs schlechter dran war als an seinem Beginn.


Dagegen hat sich zwischen 1979 und 2007 das Verhältnis der durchschnittlichen Einkommen des obersten Zehntels zum untersten Fünftel der Haushalte mehr als verdreifacht (Abb. 05236).


Das oberste ein Prozent konnte das Einkommen fast verdreifachen und seinen Anteil an allen Einkommen auf 17 % verdoppeln (Abb. 05237, 05238).



Siehe auch den Rundbrief von heute hier.

Der Wochenbrief vom 12. August wird auf die Situation bei der Aufstiegsmobilität in USA und Deutschland näher eingehen (kann hier bestellt werden).


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global news 2086 31-07-10: Mehrheit alleinerziehender Mütter mit Kind(ern) durchschnittlich weniger als 1.100 Euro/Monat

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Das Statistische Bundesamt hat am 29. Juli 2010 auf der Basis des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa, Daten zur Situation der Alleinerziehenden veröffentlicht. Sie sind alles andere als schön. Kinder, die nur einen Elternteil haben, sind selbst bei größter Anstrengung des erziehenden Elternteils im Nachteil. Die Alleinerziehenden aber ebenso.

Alleinerziehenden sind überdurchschnittlich häufig Leistungsempfänger von Hartz IV. Im Jahresdurchschnitt 2008 bezogen laut Bundesagentur für Arbeit von allen Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern 41,6% Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende, im Vergleich zu 8,7% bei Paaren mit Kindern.

Die finanzielle Situation von Alleinerziehenden kann nicht zuletzt an der Höhe der monatlichen Einkünfte ausgemacht werden. Knapp 30% der Alleinerziehenden hatte ein Einkommen von weniger als 1.100 Euro netto monatlich (bei den Müttern waren es 31,2 %). 62% verfügten über ein Monatseinkommen zwischen 1.100 und 2.600 Euro und rund 8% hatten mehr als 2.600 Euro monatlich zur Verfügung. Im Falle eines Kindes unter 3 Jahren hatten sogar 54 % der alleinerziehenden Mütter weniger als 1.100 Euro an Einkommen (Abb. 14277).


Der nächste Wochenbrief geht auf die Situation Alleinerziehender ein (kann hier bestellt werden).


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global news 2085 30-07-10: Das Geldgewerbe schwimmt schon wieder ganz oben und Normalmenschen tragen den Krisenschaden

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Laut einer Studie des Münchener Wirtschaftswissenschaftlers Christoph Kaserer im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft könnte die Rettung von Banken in Deutschland bis zu 52 Milliarden Euro kosten - im günstigsten Fall wären es immer noch knapp 35 Milliarden Euro. Doch schon jetzt ist es, als wäre nichts gewesen. Deutsche Bank Chef Ackermann nimmt für das Krisenjahr 2009 mit 9,6 Mio. Euro Vorstandsbezüge wieder den Spitzenplatz unter den Dax-Vorstandschefs ein (Abb. 14278). Im Durchschnitt kamen die Vorstandschefs auf 2,4 Millionen Euro und damit 3,1 % als im Jahr zuvor.


Außer einigen in USA, wurde kaum eine Bank zerschlagen. Alle Versprechungen der Regierungen am Höhepunkt der Krise, nun die Zügel anzuziehen, sind verpufft. Die Bonuszahlungen sind wieder auf das alte Niveau gestiegen. Der europäische Streßtest war nicht viel mehr als ein Witz. Das Geldgewerbe konnte für sich die berüchtigte Systemrelevanz weiter in Anspruch nehmen und mit dieser Erpressung erfolgreich die Versuche abwehren, über das internationale Baseler Committee der Bankenaufsichten bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften ausreichend fest anzuziehen. An vielen Stellen wurden Ausnahmen eingeräumt und ursprünglich vorgesehene Verschärfungen wieder verwässert, z. B..:

Die neue Verhältnisregel zwischen Anlagen und Verpflichtungen sah im Entwurf vor, nach den Erfahrungen mit Lehman Brothers die Banken zu zwingen, genügend Liquidität für 30 Tage Krise zu halten. Doch wurden die für den Krisenfall angenommen Liquiditätsabflüsse nun abgesenkt und wurde zugelassen, weiterhin auch hochwertige Unternehmensanleihen - neben Barmitteln und Regierungsbonds - als Liquidität einzustufen. Damit muß das Bankgewerbe nicht länger Bonds im Wert von 1,5 Billionen Euro mit anderer Liquidität ersetzen. Außerdem wurde das Inkrafttreten der gesamten Vorschrift, die ein besseres Verhältnis von langfristigen Anlagen zu langfristigen Verpflichtungen erzwingen soll, bis 2018 verschoben. Prompt machten die Bankenaktien einen starken Sprung nach oben.

Beim Eigenkapital sollte ursprünglich die Anrechnung von Minderheitsbeteiligungen an ausländischen Banken beendet werden. In Zukunft können diese Beteiligungen jedoch gegen Verluste in diesen Banken verrechnet werden.

Bei den Hebelsätzen für die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung von Anlagen wurde eine relativ großzügige Obergrenze von 3 % des Eigenkapitals vorgesehen. Doch brauchen die Banken diese Grenze erst ab 2017 einzuhalten und brauchen ihre Hebelsätze erst ab 2015 zu veröffentlichen.

In Deutschland war die Rede von einem freiwilligen Bankensicherungsfonds, in den für die nächste Krise Vorsorgegelder einzuzahlen wären. Aber bisher ist daraus nicht viel geworden.

Auf der Verliererseite werden derzeit in allen Ländern mit Bankenkrise massiv die Sozialleistungen zusammengestrichen, öffentliche Dienstleistungen abgebaut und neue Steuern eingeführt bzw. alte angehoben. In Deutschland leiden jetzt auch die Tariflöhne, die bei abgesunkener Tarifbindung immer noch besser als die außertariflichen Arbeitseinkommen fahren. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, hat sich die Gesamtentwicklung der Tarifverdienste deutlich abgeschwächt. Im April 2010 stiegen die tariflichen Stundenverdienste gegenüber dem April 2009 real nur noch um 0,8 % (Abb. 14052). Zudem profitierten aufgrund von Kurzarbeit, der Kürzung von Sonderzahlungen aber auch wegen der vorübergehenden Aussetzung von Tarifsteigerungen durch die Anwendung von Öffnungsklauseln nicht alle Tarifbeschäftigten in vollem Umfang von den vereinbarten Tariferhöhungen.


Es ist das alte Spiel. Die Regierungen und die Zentralbanken und das Geldgewerbe sind so versippt, daß mit wachsendem Abstand von der Krise wirkliche Veränderungen, die eine weitere verhindern könnten, nicht mehr zu erwarten sind.


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global news 2084 30-07-10: Arbeitslose viel häufiger im Krankenhaus und in psychischer Behandlung

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Aus dem Krankenhausbericht der Barmer Ersatzkrankenkasse vom Juli 2010:

„Das herausragende Ergebnis ist unverändert die hohe Inanspruchnahme stationärer Leistungen bei Arbeitslosen. Als arbeitslos gemeldete männliche Erwerbspersonen verbringen mit 1.572 Krankenhaustagen je 1.000 Versicherungsjahre etwa doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie aktuell beschäftigte Personen aus nahezu allen berücksichtigten Berufsgruppen."

Auch nach diesem Bericht, wie schon dem der anderen Krankenkassen, steigt, die Anzahl der psychischen Erkrankungen weiter rapide an. Betrachtet man die zehn häufigsten Diagnosen, die im vergangenen Jahr in Kliniken gestellt wurden, gehörten allein vier zur Gruppe der psychischen Beschwerden (Abb. 14271). Dabei nimmt die Behandlung psychischer Krankheiten immer mehr Zeit in Anspruch. Während die Verweildauer im Krankenhaus bei den meisten Diagnosen seit Langem rückläufig ist, gibt es bei psychischen Störungen seit Jahren einen deutlichen Anstieg (Abb. 14270). Besonders dramatisch ist in der Beurteilung der Barmer, daß sich der Anstieg in den vergangenen Jahren nochmals beschleunigt hat. Vor allem die Behandlung von Depressionen nehme inzwischen im Schnitt bis zu 38 Tage in Anspruch.



Die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung mit der höchsten Langzeitarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich der OECD (Abb. 13479) macht sehr viele Menschen in Deutschland krank und treibt sie ins Krankenhaus.


Mehr dazu im neuen Wochenbrief, der hier bestellt werden kann.


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.