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Reihe 70 ab 28-04-10 ... ...

(2037) Deutschland und China „plündern" weiter ihre Handelspartner aus: Die nächste Krise kommt

(2036) Die Millionäre der Welt haben die Krise unbeschadet überstanden - die Zahl der deutschen wuchs 2009 besonders schnell auf 430.000

(wb11.27) Kreditblase, Euroblase, Exportblase, Wachstumsblase - alle geplatzt und alle voraussehbar

(2035) Wofür sollen die sozial Schwachen eigentlich sparen?

(2034) Falsch angelegte Sparpolitiken: Die Weltwirtschaft steht vor einer langjährigen Spirale nach unten

(2033) Die Regierung der Besserverdiener schiebt die Rechnung für Schäden aus deren Spekulation den kleinen Leuten zu: Zeit für eine friedliche Revolution in Deutschland (und anderswo)

(2032) Deutsche Industrie mit überraschendem Auftragsplus?

(2031) Die „kleinen Leute" sollen für die Krise zahlen - gelten sie doch in Deutschland immer als besonders opferbereit

(2030) Die Kreditkrise und die Eurokrise waren schon vor fünf Jahren voraussehbar

(wb11.28) Ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das in 10 Jahren 40 % mehr Menschen in Depressionen und Verzweifelung treibt

(2029) Bei den Banken kriselt es wieder

(2028) Deutschland hat ein total falsches Wirtschafts- und Sozialmodell, und die Menschen beginnen, das zu verstehen

(2027) Das Land der Frauendiskriminierung

(2026) PKW-Weltmarkt: China kommt und siegt im zweiten Anlauf?

(2025) Von den Untiefen des Arbeitsmarktes im Mai 2010

(2024) Köhler-Rücktritt, Afghanistan, die internationale Presse und die Militärausgaben

(wb10.26) Steigende atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration und die Meerestemperatur

(2023) Neue Grafik-Datenbank mit mehr als 600 Grafiken aus Wirtschaft, Sozialem, Bildung, Gesundheit und Umwelt

(2022) Der chinesische Fluch über den Sozialverhältnissen der Welt (Teil 2)

(wb10.25) 1. Quartal 2010: Selbst das Mini-Wachstum beruht nur auf steigenden Staatsausgaben - Die soziale Kluft wird tiefer - Privater Konsum geht weiter zurück

(2021) Ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das in 10 Jahren 40 % mehr Menschen in Depressionen und Verzweifelung treibt

(2020) Der Handel mit Deutschlands wichtigstem Partner Frankreich ist total unausgewogen

(2019) OECD: Mut machen mit überoptimistischen Prognosen

(wb09.24) Europa erst einmal ausgeträumt: Vom Traum zum Alptraum

(2018) Und nun Spanien

(wb09.23) Nun ist auch noch die zweite globale Kreditblase geplatzt und den Schaden haben wieder die Nicht-Spekulanten

(2017) Das Krankenhaussterben setzt sich in der Krise beschleunigt fort

(2016) Wohin mit den steil steigenden Ersparnissen der Reichen?

(2015) Wir leben in einer statistisch künstlich aufgehellten Scheinwelt




global news 2037 11-06-10: Deutschland und China „plündern" weiter ihre Handelspartner aus: Die nächste Krise kommt

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Es ist die klassische „beggar my neighbour"-Politik, mit der sich vor allem Deutschland und China aus den eigenen Wirtschaftsproblemen zu Lasten ihrer Handelspartner mit gebremsten Importen und wesentlich stärker wachsenden Ausfuhren zu befreien versuchen. Diese Politik hat schon zur Kreditkrise entscheidend mit beigetragen. Sie kann daher auch nicht die Zukunft des Welthandelssystems bestreiten, ohne weitere Krisen auszulösen.

Deutschland hat nach heute veröffentlichten Zahlen im 1. Quartal 2010 verglichen mit dem Vorjahr seine Einfuhren nur um 5.6 % gesteigert, seine Ausfuhren dagegen um das Doppelte, nämlich 10,3 %, und damit seinen Bilanzüberschuß um gewaltige 40,3 % nach oben getrieben. Auf der Einfuhrseite kamen vor allem Frankreich, Italien und die USA mit Minuswerten weg (Abb. 14234). Dementsprechend stiegen mit diesen Ländern die deutschen Ausfuhrüberschüsse besonders stark an (Abb. 14235).



Das Ungleichgewicht zwischen Deutschland und dem Rest der Eurozone vergrößerte sich weiter. Die neue Sparpolitik der Bundesregierung schädigt vor allem die Europartner, die keine eigene Währung mehr haben, die sie der Entwicklung entgegensetzen könnten. Besonders in Frankreich steigt daher der Ärger.

Auch China treibt seine Exporte wieder hoch (Abb. 08181). Im Mai wurde der vierthöchste Monatswert in der chinesischen Exportgeschicht erzielt. Damit steigen auch die chinesischen Überschüsse wieder rasant (Abb. 08195).



Zwar gibt es in letzter Zeit mehr Streiks in China, die auch teilweise bereits höhere Löhne erzwungen haben. Doch weiterhin fehlen unabhängige Gewerkschaften und versucht die chinesische Regierung, die Streikbewegung durch Einsatz von Polizei und Verschweigen in den Medien zu unterdrücken. In der vergangenen Woche wurden die Medien angewiesen, weder über die Streiks bei Honda, noch die Selbstmordserie bei Foxconn zu berichten. Die seit langem erwartete Aufgabe der strikten Währungsanbindung an den Dollar wurde offensichtlich verschoben, um die Exportoffensive weiter durch eine manipulative Währungspolitik zu unterstützen. US-Finanzminister Timothy Geithner hat jetzt mit scharfen Worten die chinesische Währungspolitik kritisiert und damit ein härteres Vorgehen im Streit um den Yuan-Kurs signalisiert:

„Die vom chinesischen Wechselkurs ausgehenden Verzerrungen reichen weit über die Grenzen Chinas hinaus und stehen der weltweiten Neuausrichtung im Wege, die wir dringend benötigen. Die Unterbewertung des Yuan ist wieder so schlimm wie 2005. Wir haben keine Fortschritte erzielt. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, ob wir jetzt an einem Punkt sind, an dem wir in nächster Zeit nennenswerten Fortschritt sehen werden."


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/cGUF1g

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global news 2036 10-06-10: Die Millionäre der Welt haben die Krise unbeschadet überstanden - die Zahl der deutschen wuchs 2009 besonders schnell auf 430.000

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111,6 Billionen waren die Dollar-Millionäre mit ihren Anlagen in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds 2007 wert. Nach einem Einbruch in 2008 waren sie im vergangenen Jahr 2009 mit 111,5 Billionen Dollar nach einem Anstieg um 11,5 % wieder auf Vorkrisenniveau (Abb. 15185). Geholfen hat neben einer Erholung der Aktienkurse vor allem eine höhere Sparrate. Die Millionäre haben also wieder mehr verdient und konnten dementsprechend mehr sparen und anlegen.


Auch die Zahl der Millionärshaushalte erreichte mit 11,2 Millionen wieder das Vorkrisenniveau. Deutschland hat mit 430.000 die meisten Millionäre nach USA, Japan, China und Großbritannien (Abb. 15186). Dabei wuchs hier die Zahl der Millionärshaushalt mit +23 % besonders stark. Im Durchschnitt der Welt waren es nur +14 %.


Die Millionäre stellen zwar nur einen Anteil an der Weltbevölkerung von 1 %, halten aber 38 % der Vermögen (Abb. 15184). Bis 2014 sollen die globalen Vermögenswerte nach BCG-Schätzungen nun jedes Jahr um durchschnittlich sechs Prozent zunehmen.


Der Bericht paßt hervorragend zu den Sparbeschlüssen der Bundesregierung.


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global news wb11.27 09-06-10: Kreditblase, Euroblase, Exportblase, Wachstumsblase - alle geplatzt und alle voraussehbar

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Sie platzen nacheinander, doch sie hängen zusammen. Was sie verbindet, ist künstlich geschaffene Liquidität, die wie heiße Luft die Blasen steigen ließ. Es war ein scheinbar schönes Bild. Politiker wie Wirtschaftsbosse nahmen und präsentierten es als eigenen Leistungsausweis. Dann platzte beginnend 2007 die Kreditblase, die von wohlhabenden Spekulanten über noch mehr spekulierende Banken und von einseitig exportversessenen Unternehmen und Ländern, vor allem Deutschland und China, mit ihren kreditierten Bilanzüberschüssen global aufgeblasen worden war.

Deutsche Banken haben unverhältnismäßig stark unter den Schäden aus der Kreditkrise gelitten und leiden noch, vor allem die Landesbanken, die IKB und die HRE. Sie haben ein besonders großes Rad gedreht in der Aufnahme von Kapital (Abb. 14159) und Hebelung mit Krediten, aber noch mehr in der Anlage in zweifelhaften Papieren, die meist außerhalb der Bilanzen in besonderen Vehikeln geparkt wurden. Entsprechend wurden besonders große öffentliche Hilfen notwendig (Ab. 16660).



In den Aufsichtsräten der öffentlichen Banken in Deutschland ist besonders wenig Sachkompetenz vorhanden, wie eine Studie von Prof. Hau herausfand. Er hat die Sachkompetenz der Aufsichtsräte mit den Verlusten der Banken korreliert. Die fehlende Sachkompetenz der Aufsichtsräte öffentlicher Banken und die Korrelation mit den Verlusten ist einfach erschreckend (Abb. 14204, 14203, 14202). Kein Wunder, daß die Deutsche Bank und Goldman Sachs hier Opfer für die vergifteten Papiere fanden, die sie selbst nicht in ihren Büchern halten wollten.




Die heiße Luft hatte auch den Euro nach oben getrieben. Schwache Euroländer sahen stark aus, weil sie sich mit Kredit aufgeblasen hatten. Niemand achtete auf das Volumen an sich aufbauender privater und öffentlicher Verschuldung. Beginnend mit Griechenland platzte auch diese Blase. Der Euro fiel und fällt geplatzt zu Boden (Abb. 15170). Die Eurozone wird in ihren Grundfesten von enormen Ungleichgewichten geschüttelt. Die Märkte mißtrauen der Kunstwährung. Ebenso ist das Mißtrauen zwischen den Banken wieder stark gestiegen, wie der Libor-Zins ausweist (Abb. 03718).



Auch der deutsche Export war auf viel heiße Luft gebaut. Doch der Exportweltmeistertitel glänzte so schön. Eine starke Lobby der Exportkonzerne putzte ihn jeden Tag heraus. Die Zahlen an Arbeitsplätzen, die angeblich dem Export zu danken waren, wuchsen jeden Tag. Niemand rechnete netto die notwendigen Importe an Rohstoffen, Energie und Vorprodukten heraus. Niemand fand heraus, wieviel des Exports nach Abzug des Kreditfaktors wirklich real und nachhaltig war, wieviel künstliche Abhängigkeit von unsicheren Auslandsmärkten in Kauf genommen wurde. Nun sind große Teile der Eurozone und der EU, aber auch viele andere Länder auf der Konsumbremse, um ein neues Gleichgewicht mit viel weniger Kredit zu finden. Schlecht für den deutschen Export, auch langfristig (Abb. 15593, 14205). Von China mit seinem Drei-Prozent-Anteil allein kann er nicht leben, aller Propaganda der China-Export-Lobby zum Trotz (Abb. 14206).




Da ist noch das Wirtschaftswachstum. Das wird von seiner Verwendungsseite her gerechnet. Nicht, wieviel real produziert wird, sondern wieviel mit oder ohne Kredit konsumiert wird, bestimmt entscheidend das Wirtschaftswachstum. Also wurde auch das Wirtschaftswachstum per Kredit global aufgeblasen und sinkt nun wieder auf Normalmaß. In gleitenden 5-Jahreschritten läßt sich das vorführen, wenn so die Ausschläge kurz vor und kurz nach der Krise eingefangen werden (Abb. 14871). Langfristig ging es immer weiter nach unten. Das Oben vor der Krise war nur eine Sumpfblüte oder ein aufgeblasener Ballon.


Das Alles aufzuräumen, wird schmerzhaft. Doch die Blasen und ihr Platzen war seit Jahren auf der Basis frei zugänglicher Daten durchaus voraussehbar und hätte verhindert werden können und müssen.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/bhaMJH

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global news 2035 08-06-10: Wofür sollen die sozial Schwachen eigentlich sparen?

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Die Sparauflage für die bei uns sozial Schwachen für die nächsten vier Jahre beträgt 30,3 Mrd Euro. Gleichzeitig legt Deutschland 150 Mrd Euro auf den Tisch für die Eurozonen-Schwachen. Die Stabilisierungsmaßnahmen des Rettungsfonds für 10 deutsche Banken betragen derzeit 172,5 Mrd. Euro. Glaubt wirklich jemand, daß plus 323 zu minus 30 sozial ausgewogen ist? Wenn man zehnmal so viel für sogenannte Rettungsaktionen ausgibt, machen die Schnitte ins soziale Netz dann irgendeinen Sinn?

Schlimmer noch: Die sozial unausgeglichenen Sparpolitiken in Europa lassen viele Experten nun eine Rückkehr in die Rezession erwarten. Die Konsumneigung ist ohnehin schon schwach, abzulesen von den heutigen Zahlen für die Produktion der deutschen Konsumgüterindustrie (Abb. 14232).


Daher fällt der Euro weiter trotz der Sparauflagen an die sozial Schwachen (Abb. 15590). Der Goldpreis, ein gutes Krisenbarometer, steigt immer weiter und zeigt, wo die risikoscheuen Reichen jetzt mit ihrem Vermögen hingehen (Abb. 16125). Nein, die Politik läuft in die falsche Richtung Amok.




ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/9iSEb4

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global news 2034 08-06-10: Falsch angelegte Sparpolitiken: Die Weltwirtschaft steht vor einer langjährigen Spirale nach unten

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Das volkswirtschaftliche Einmaleins ist ziemlich einfach und brutal zwingend. Wirtschaftliche Entwicklung gibt es nur, wenn mehr Nachfrage nach Gütern zu mehr Produktion führt. Sinkt die Nachfrage langfristig, so muß auch die Produktion und damit das Volumen an Investitionen sinken. Bei sinkender Nachfrage, sinkender Produktion und sinkenden Investitionen sinkt die gesamte Wirtschaftsleistung. Das Spiel der Marktwirtschaft läßt sich zeitweise aufhalten, indem einzelne Volkswirtschaften noch vorhandene Nachfrage in anderen für den eigenen Export nutzen, aber auch dieses Spiel kann nicht immer weiter gehen. Deutschland wird das besonders zu spüren bekommen.

Nehmen wir Deutschland als Beispiel. Die private Nachfrage im Lande ist bereits heute chronisch schwach (Abb. 14197). Der Staat hat daher seit Krisenausbruch die Gesamtnachfrage durch staatliche Nachfrage stützen müssen, die im Vorjahresvergleich seit dem 4. Quartal 2008 immer wesentlich mehr zulegte als die anämische private Nachfrage und damit deren Schwäche zeit- und teilweise ausglich, was nun aber zu Ende kommen soll (Abb. 14230).



Die private Nachfrage kann auf mehreren Wegen gestützt werden: durch Subventionen (wie die Abwrackprämie), durch Sozialleistungen, die zu mehr Nachfrage der Leistungsempfänger führen, oder durch eine Öffnung der Kreditschleusen. Letzterer Mechanismus war bis zur globalen Kreditkrise explosionsartig aktiv. Die Best- und Besserverdiener (zu Deutschland Abb. 14849, 14178) stellten im globalen Rahmen ihre Ersparnisse, die sie selbst nicht mehr ausgeben konnten, Kreditnehmern zur Verfügung, die sich so verschuldeten, aber zugleich ihre eigene Nachfrage hochfahren konnten. Damit ist auch die soziale Frage immer disparaterer globaler Einkommensentwicklungen entschärft oder jedenfalls vertagt worden. Man konnte sich ja verschulden und was passiert schon morgen? Wer nicht genug verdiente, mußte sich eben verschulden. Vor allem ist in USA ein gigantisches, zur Hälfte aus Europa kreditfinanziertes Immobilienprogramm abgelaufen und von den Immobilien wurde durch deren Beleihung dann noch weiterer Konsum in USA nachfragestärkend finanziert. Länder mit hohen Überschüssen in den Leistungsbilanzen gaben Kredit an Länder, in denen der Staat oder die Privaten bereit waren, sich über Leistungsbilanzdefizite zu verschulden, z.B. China an die USA oder Deutschland an Partner auf der Südschiene der Eurozone.



Nun sind all diese Kreditdominos gefallen und niemand wird sie nach diesen Erfahrungen wieder im früheren Umfang aufbauen können. Die überschuldeten Privaten gehen global auf die Nachfragebremsen, weil sie keinen Kredit mehr bekommen oder weil ihre Zinslasten bereits erdrückend hoch sind. Die verschuldeten Staaten tun es ebenfalls (vor allem in der Eurozone), wie sich in der deutschen Exportentwicklung mit einem Minus von 12 % gegenüber 2008 zeigt (Abb. 15593).


Natürlich könnten die Staaten die Haushaltsbremsen nachfrageneutral anziehen, indem sie genau die Bevölkerungschichten stärker besteuerten, die bis zum Ausbruch der Krise ihre Ersparnisse über den nun geplatzten Kreditmechanismus wieder in die Realwirtschaft und damit die Nachfrage zurück geleitet haben. Das wäre umso leichter vertretbar, als diese Bevölkerungsschichten in der Vergangenheit immer mehr durch Steuersenkungen verwöhnt worden sind. In Deutschland sank z.B. der Spitzensteuersatz von 56 % auf nur noch 45 % (Abb. 14658), die vermögensbezogenen Steuern wurden immer weiter abgebaut, die Vermögenssteuer ganz gestrichen (Abb. 14719), und der Steuersatz auf Gewinne der Kapitalgesellschaften fiel von fast 57 % auf nur noch knapp 30 % (Abb. 14659). Durch viele Schlupflöcher wurden selbst diese abgesenkten Steuern nur teilweise eingetrieben. Solche Steuersenkungen waren geradezu ein wesentlicher Beitrag zu den sozialen Ungleichgewichten, der spekulativen Kreditflut und am Ende dem Platzen der Kreditblase.




Doch nun schlägt sich der neoliberale Kapitalismus mit seinen eigenen Gesetzen. Er tut genau das Gegenteil und vermeidet die Besteuerung der mit starken Lobbies ausgestatteten und parteispendend agierenden Kapitaleigner. Keine Sondersteuer für Reiche oder Erhöhung des Spitzensteuersatzes in Deutschland, natürlich auch keine Anhebung der Unternehmenssteuern, offensichtlich nicht einmal in ausreichendem Umfang bei den Banken, denen wir die letzte Krise mitverdanken und die viel Steuerzahlergeld gekostet haben. Der Staat tut statt dessen genau das Gegenteil. In Deutschland und vielen anderen Ländern geht er an die „kleinen Leute", die ohne Lobbies, und kürzt die Sozialleistungen, erhöht Verbrauchssteuern oder fährt die Ausgaben für die Infrastruktur (vor allem im Kommunalbereich), auf die sie besonders angewiesen sind, zurück (siehe Rundbrief von gestern). Es wird genau dort gekürzt, wo das Nachfragepotential am größten ist.

Hat eigentlich schon jemand aus der Politik darüber nachgedacht, wie stark nun die von allen Seiten ausgebremste Nachfrage weiter abstürzen wird und wie das Ganze zu einer langjährigen Spirale nach unten führen muß, quasi einer super-japanischen Krankheit, die dort ein ganzes Jahrzehnt anhielt und immer noch nicht ganz überwunden ist? Warum meldet sich nicht wenigstens die Wirtschaftswissenschaft energisch, von Ausnahmen wie Prof. Bofinger in Deutschland, abgesehen?


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/dqnsK5

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global news 2033 07-06-10: Die Regierung der Besserverdiener schiebt die Rechnung für Schäden aus deren Spekulation den kleinen Leuten zu: Zeit für eine friedliche Revolution in Deutschland (und anderswo)

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Im Erfinden wohlklingender Politformeln war die Bundesregierung schon seit Jahren gut und wird immer noch besser. Das absolut unsoziale Sparpaket trägt den Namen: „Die Grundpfeiler unserer Zukunft stärken - Acht Punkte für solide Finanzen, neues Wachstum und Beschäftigung und Vorfahrt für Bildung". Man hat mit dem „reinen Wein" undemokratisch bis nach den Wahlen in NRW gewartet. Jetzt darf bekannt werden, wie massiv man im sozialen Bereich unter den Resten der Sozialen Marktwirtschaft wildern wird. Allein 30,3 Mrd Euro sollen in den nächsten vier Jahren unter der verlogenen Überschrift „Neujustierung von Sozialgesetzen" gespart werden. „Justierung" hat normalerweise etwas mit Recht zu tun, hier ist sie pures Unrecht. Zusätzlich werden die Verbraucher, auch wieder weitgehend die „kleinen Leute", über Belastungen der Fluggesellschaften und der Bundesbahn, herangezogen, die auf sie abgewältzt werden dürften. Das sind zusammen 44,5 % des Sparpakets, weitere 16,4 % sollen im Verwaltungsbereich und bei der Bundeswehr gespart werden und der Rest sind dann weitgehend „Luftnummern" (Abb. 14231). Eine Übersicht zum Sparpaket finden sie hier.


Dagegen werden weder die Wohlhabenden, von denen die Spekulationsmasse ausging, steuerlich zur Kasse gebeten, noch werden die Unternehmen bis auf die lächerlich geringe Bankenabgabe von 6 Mrd Euro richtig beteiligt, lächerlich angesichts der hunderte von Milliarden, die der Staat für die Banken blechen mußte oder noch muß. Auch sonst ist der Einsparkatalog auf dieser Seite ziemlich verlogen. Die „ökologische Luftverkehrsabgabe" wird unter „ökologische Neujustierung" als Umweltmaßnahme ausgegeben, dabei ist es die Einführung einer neuen Verbrauchsteuer zur Stopfung von Haushaltslöchern, da der Luftverkehr diese Steuer natürlich auf die Kunden abwälzen wird. Die Kernenergiewirtschaft soll im Gegenzug für ihre Abgabe von 5,5 Mrd Euro eine Verlängerung der Laufzeiten der KKWs zugesprochen erhalten, also keine Zusatzbelastung. Die Dividendenabführung bei der Bundesbahn als staatliches Unternehmen ist ebenso eine Selbstverständlichkeit und wird durch eine Erhöhung der Fahrpreise kompensiert werden. Ebenso verlogen ist die Wiedereinführung des Fiskusprivilegs im Insolvenzverfahren, die mit 2 Mrd Euro angesetzt ist, denn diese Regelung von 1999 hatte in erheblichem Umfang zu einer unberechtigten Privilegierung von Banken geführt und war ohnehin längst überfällig.

Bei den Einschnitten ins soziale Netz ist noch zu berücksichtigen, daß der Anteil der Netto-Sozialschutzleistungen am deutschen Volkseinkommen bereits seit 2003 erheblich zurückgegangen ist (Abb. 14885, 14233) und daß die sozale Absicherung von Langzeitarbeitslosen im internationalen Vergleich ohnehin bescheiden ausfällt (Abb. 15160).




Der Plan der Bundesregierung steht in totalem Widerspruch zu der letzten Meinungsumfrage vom ZDF-Politbarometer (siehe Rundbrief). Wenn die Menschen das akzpetieren, ohne friedlich und massenhaft von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen, haben sie wirklich nichts Besseres verdient. Man wird sie dann nur weiter sozial mißhandeln und das kann jeden treffen, der nicht zu den Wohlhabenden gehört.

Außerdem ist diese Art von Sparpolitik auch volkswirtschaftlich pervers, worauf der morgige Rundbrief eingehen wird.


ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/aLAPLx

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global news 2032 07-06-10: Deutsche Industrie mit überraschendem Auftragsplus?

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Die hochgejubelte Botschaft kommt vom Bundeswirtschaftsminister:

„Die Auftragseingänge in der Industrie sind im April weiter deutlich um 2,8 % angestiegen. Ihren Vorjahresstand überschritten die Industrieaufträge im März/April um 27,8 %. Nach einer ruhigeren Entwicklung im Jahresschlussquartal 2009 hat sich die Bestelltätigkeit in der Industrie aus dem In- und Ausland im laufenden Jahr wieder erheblich belebt."

Da kann dann das Handelsblatt, wie andere Medien, unter der Überschrift „Deutsche Industrie mit überraschendem Auftragsplus" nur noch oben drauflegen:

„Die Deutsche Industrie glänzt auch im April mit starkem Auftragsplus. Der Zuwachs von fast drei Prozent übertrifft Erwartungen klar, Inlands- und Auslandsbestellungen hielten sich dabei die Waage. Experten hatten mit einem nur minimalen Plus gerechnet. Im Vergleich zum ausgesprochen schlechten Vorjahreswert beträgt der Zuwachs sogar 30 Prozent."

Natürlich ist der Vorjahresvergleich mitten in der Krise total unseriös. Vergleicht man seriöserweise mit dem Vorkrisen-April von 2008 so beträgt das Minus fast 15 % (Abb. 04569). Übrigens entwickelt sich der Autragseingang der deutschen Konsumgüterindustrie aus dem Inland seit schon einem Jahr noch weiter nach unten, was die schlechte Binnenkonjunktur zeigt und ebenfalls nicht zu der Jubelmeldung paßt.



ULR-short, z.B. für Twitter: http://bit.ly/9yAjFv

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global news 2031 07-06-10: Die „kleinen Leute" sollen für die Krise zahlen - gelten sie doch in Deutschland immer als besonders opferbereit

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Diese Krise hat mehrere Phasen. In der ersten hätte die Finanzwelt dran sein können. Doch mit dem Steuerzahlerschirm wurden die meist wohlhabenden privaten Finanzierer der Banken (auch Pensionsfonds, meist ausländische) davor bewahrt, durch Bankenpleiten Verluste an den von ihnen erworbenen Bankenanleihen hinnehmen zu müssen. Im Gegenteil, sie kassieren jetzt Dank Steuerzahlergarantie praktisch ohne Risiko jahrelang hohe Festzinsen. Dann gibt es Krisengewinnler, nämlich diejenigen, die jetzt die hohen Staatsschulden finanzieren, indem sie Bundesanleihen kaufen, deren Zinsen in Zukunft mit ziemlicher Sicherheit steigen werden, oder die Staatsanleihen der Schwachländer mit besonders hohen Festzinsen gekauft haben, die nun von der Europäischen Zentralbank gestützt werden.

Dann kam die Phase 2. Die Realwirtschaft tauchte und taucht in die Krise ab. Viele der meist „kleinen Leute" verloren ihre Arbeitsplätze oder wurden auf Kurzarbeitergeld gesetzt. In der gewerblichen Wirtschaft ging die Zahl der Beschäftigten über zwei Jahre bis März 2010 um 5,4 % oder 278 Tsd zurück (Abb. 14653). Es fand ein allgemeiner Austausch statt, an dessen Ende mehr unsichere Zeitverträge und schlechtbezahlte Jobs stehen, vor allem im Dienstleistungsbereich.


Die EZB kann die über die Euroabwertung (Abb. 15590) anrollende Inflation der Importpreise (Abb. 14229) nicht bekämpfen, weil Zinserhöhungen zur Eurostützung Gift für die schwache Konjunktur wären. Und die Verteuerung der Importpreise besonders für Energie und viele Nahrungsmittel, die sich in der Verbraucherpreisentwicklung für Verbrauchsgüter zeigt, trifft erneute vor allem die „kleinen Leute".



Nun kommt die Phase 3, in der der Staat die ausufernde Verschuldung wieder in den Griff zu bekommen versucht. Steuererhöhungen für die Best- und Besserverdiener scheinen tabu zu sein; da ist schon die FDP vor. Also werden die Leistungen heruntergefahren, auf die die „kleinen Leute" angewiesen sind. Das trifft diese doppelt. Direkt über weniger Sozialleistungen sowie weniger öffentliche Infrastruktur und indirekt durch die Schwächung der Gesamtkonjunktur, weil die Massenkaufkraft zurückgeht und zwar gerade bei den Bevölkerungskreisen, die ihre knappen Einkünfte nachfragerelevant ausgeben müssen. Der Verbrauch stellt mehr als drei Viertel der Gesamtenwirtschaftsleistung dar (Abb. 14198). Seit dem letzten Quartal 2008 ist allerdings der Zuwachs im Staatsverbrauch der Wachstumsfaktor auf der Verbrauchsseite (Abb. 14230). Wenn der nun stärker eingeschränkt wird, kann man sich die Folgen für die Gesamtkonjunktur ausmalen. Ohne den Anstieg der Staatsausgaben wäre die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2010 gegenüber dem Vorquartal bereits um 0,3 % geschrumpft. Bei schwächerer Gesamtkonjunktur sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und wieder auf die "kleinen Leute" voraussehbar.



Die "kleinen Leute" werden auch deshalb Opfer einer opportunistischen und klientelbestimmten Politik, weil sie keine richtige Lobby haben, keine Parteien spendenfinanzieren und weil sie ihre Unzufriedenheit sehr oft nur in Wahlenthaltung ausdrücken. In Frankreich z.B. wäre jetzt die Zeit der Maschenaufmärsche, die jede Regierung beeindrucken.


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global news 2030 06-06-10: Die Kreditkrise und die Eurokrise waren schon vor fünf Jahren voraussehbar

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Wer bezweifelt, daß diese beiden schlimmen Krisen schon vor fünf Jahren voraussehbar waren, braucht bloß im Infoportal zurückzublättern. Sie finden dann deutliche Warnungen vor der Hauspreisblase, Kreditderivaten, den Ungleichgewichten in der Eurozone mit Gefahren für deren Zusammenhalt und die Verschuldung von Griechenland und Italien, sowie auch zu den von Chinas Exportoffensive ausgehenden Ungleichgewichten, und insgesamt zum falschen deutschen Sonderweg in die Globalisierung:

global news 21-06-05: Globale Hauspreisblase - die größte in der Geschichte: „Der britische Economist verfolgt seit 2002 regelmäßig die internationale Entwicklung der Hauspreise und hat jetzt eine warnende Analyse über ein mögliches Platzen der Blase veröffentlicht (The global housing boom - the worldwide rise in house prices is the biggest bubble in history - prepare for the economic pain when it pops; 16. Juni 2005). In der Tat ist die Hauspreisblase derzeit eine der größten globalen Unsicherheiten. Ein Crash z.B. in USA würde den dortigen Konsumerboom beenden und hätte sofortige Auswirkungen auch auf Deutschland.

global news 14-11-05:Im Juni 2005 erreichte der Wert aller ausstehenden Forderungen aus Kreditderivativen den astronomischen Betrag von 12.430 Milliarden US$ - ein Anstieg um 128 % gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht etwa dem Fünffachen des deutschen Bruttoinlandsprodukts eines ganzen Jahres oder dem 11-Fachen aller Bruttolöhne und -Gehälter in Deutschland. Der explosionsartige Zuwachs zeigt die Risiken, die sich im internationalen Finanzsystem ansammeln.

global news 14-06-05: Der Trend wachsender deutscher Handelsbilanzüberschüsse gegenüber den Partnern der Eurozone, der nicht zuletzt auf der besonderen deutschen Lohnzurückhaltung aufbaut, hat sich im 1. Quartal 2005 mit einer Steigerung um 16 % gegenüber Vorjahresperiode noch erheblich verstärkt. Der Überschuß mit der Eurozone machte im 1. Quartal 2005 bereits 55 % des gesamten deutschen Exportüberschusses aus. Auf Jahresbasis hochgerechnet wird sich der Überschuß mit der Eurozone in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 2000 auf fast 100 Mrd Euro mehr als verdoppeln. Praktisch exportiert Deutschland mit grösserer Wettbewerbsfähigkeit (auch ein Ergebnis der Lohnzurückhaltung) Arbeitslosigkeit in die Eurozone. Diese Entwicklung vergrößert die Ungleichgewichte in der Eurozone weiter und kann zu heftigen Reaktionen der Partner führen (die Diskussion in Italien um den Euro ist ein Warnzeichen).

global news 26-07-05: Nicht weniger als fast 2/3 des gesamten deutschen Handelsbilanzüberschusses mit aller Welt wurde in den ersten 5 Monaten 2005 mit 7 Eurozonenländern erzielt, denen gegenüber Deutschland seine Eurozonen-Vorteile ausspielt. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, so kann sie leicht zu einer Gefahr für den Zusammenhalt der Eurozone werden.

global news 25-06-05: Die Verbraucherpreise in der Eurozone haben sich seit 1996 und besonders in den vergangenen 4 Jahren bis 2004 erheblich auseinander entwickelt, mit Unterschieden zum Schlußlicht Deutschland von bis zu 22 % über den gesamten Zeitraum. Das erschwert nicht nur die Zinsfestsetzung durch die EZB enorm, sondern hat vor allem Deutschland einen starken Wettbewerbsvorteil gegenüber den Partnern in der Eurozone geschaffen. Niederlande, Spanien und Italien sind von den größeren Eurozonenlaender die Hauptverlierer in den Wettbewerbsbedingungen.

Schwerpunkt 25/02/2006 Wirtschaftskrieg in Europa: Im Zeichen anhaltend hoher Arbeitslosigkeit, unter der Deutschland mehr als die anderen Partner leidet, bahnt sich in Europa eine Art von „Wirtschaftskrieg" an. Es ist ein „kalter Krieg" unter dem Banner der neoliberalen Globalisierung und kalt wie jener, den er bald nach dem Fall der Berliner Mauer abgelöst hat. Die weitaus größere und für die Europäische Union und die Eurowährung gefährlichere Schlacht tobt derzeit an der Lohnstückkostenfront.

global news 16-06-05: Beigefügte Schaubilder zeigen die öffentliche Verschuldung im internationalen Vergleich ausgewählter Länder. Spitzenreiter im Verhältnis zum BIP sind Griechenland, Italien und Belgien.

Zu China: global news 13-04-05: China hat nach jetzt veröffentlichten Angaben des IIF Washington 2004 einen stark gestiegenen Leistungsbilanzüberschuß in der Größenordnung von 70 Mrd $ erzielt. global news 04-08-05: "produce now, live later" - China kann Deutschland in drei Jahren an Wirtschaftsleistung überholen. global news 23-07-05: Chinas Aufwertung um 2,1% wird wenig tun, um die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte auszutarieren.

Die Warnungen vor dem deutschen Sonderweg: global news 371 05-07-06: „Die heutigen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts zeigen erneut deutlich den deutschen Sonderweg mit stagnierendem Masseneinkommen und eingefrorener Binnenkonjunktur im Verhältnis zur der Eurozone und darüber hinaus." global news 327 23-05-06: „Das Trauerspiel eines absoluten deutschen Sonderweges, den Herausforderungen der Globalisierung ausschließlich mit Lohnverzichten und entsprechend steigenden Exportüberschüssen zu begegnen und statt dessen die viel wichtigere Binnenkonjunktur über Kaufkraftentzug schleifen zu lassen, setzt sich also auch in 2006 fort." Wirtschaftspolitik mit Tunnelblick oder wissen Sie, was sie tun?: „Wird die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik mit "Tunnelblick" betrieben, ohne "Seitensicht" auf die anderen vergleichbaren Industrieländer, vielleicht auch ohne "Rücksicht" und "Vorsicht"? Ein einziger Blick über die Grenzen jenseits der deutschen Kirchturmaura kann zeigen, daß das deutsche Schiff einsam im falschen Wind segelt. Ein einziger Blick zurück müßte dieselbe Erkenntnis fördern, denn der Sonderweg wird nun schon im siebten Jahr verfolgt. Und nach vorne müßten die Klippen zu sehen sein, die näher kommen, aus der Weltwirtschaft, aber auch der immer schiefer liegenden deutschen Sozialstruktur. Weiß man auf der Brücke, was man tut? Dieser kleine Bericht enthält daher auch die sieben nach meiner Meinung wichtigsten Blicke über die deutschen Grenzen."


Sie werden wahrscheinlich keine Webseite in Deutschland finden, die auf allen diesen Feldern schon vor 5 Jahren so deutlich warnte. Ich wurde damals von einer bekannten Webseite verdächtigt, einen eindimensionalen Alarmismus zu betreiben und mich ansonsten über weite Strecken in die Gruppe der Anti-Aufklärer einzureihen, die mit Panikmache ihre politischen Ziele zu verfolgen versuchen.


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global news wb11.28 03-06-10: Ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das in 10 Jahren 40 % mehr Menschen in Depressionen und Verzweifelung treibt

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Der neueste Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse hat es in sich. Er analysiert jedes Jahr die Krankenstandsdaten sowie Arzneimittelverordnungen der bei der TK versicherten Erwerbspersonen. Dazu zählen derzeit 3,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Arbeitslosengeld I-Empfänger. Obwohl der Krankenstand mittlerweile mit 3,3 Prozent wieder das Niveau von vor zehn Jahren erreicht hat, haben die psychisch bedingten Krankschreibungen bei Deutschlands Erwerbspersonen im selben Zeitraum um fast 40 Prozent zugenommen.

Hauptursachen für Fehlzeiten der Beschäftigten und Arbeitslosen in Deutschland sind danach neben Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zunehmend psychische Störungen. Von den gut zwölf Tagen, die jeder im letzten Jahr krankgeschrieben war, waren 1,6 Tage psychisch bedingt. Professor Dr. Norbert Klusen, Vorsitzender des TK-Vorstandes:

„Die Arbeitswelt hat sich in diesen zehn Jahren deutlich gewandelt. Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse sind befristet, dank moderner Kommunikationsmittel sind wir mittlerweile rund um die Uhr und nahezu überall erreichbar. Das geht an den Menschen nicht spurlos vorbei."

Klusen bezeichnete die heutige Arbeitswelt als „Pop up-Gesellschaft", in der der Arbeitsrhythmus immer seltener selbstbestimmt ist. Immer häufiger würden der Computerbildschirm und die darauf erscheinenden Pop up-Fenster über neue Posteingänge, Kurznachrichten und Ähnliches Arbeitsabläufe diktieren.

Beunruhigend ist laut TK auch das enorme Volumen der verordneten Antidepressiva, das sich innerhalb der letzten zehn Jahre bei Frauen nahezu verdoppelt hat. Bei Männern liegt der Zuwachs sogar bei fast 120 Prozent. Auffällig ist zudem, dass arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva erhalten wie berufstätige Frauen. Arbeitslose Männer liegen sogar um 200 Prozent über dem Volumen der Berufstätigen (Abb. 14213, 14214).



Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer und Verhaltensstörungen nimmt immer mehr zu, besonders stark bei Arbeitslosen (Abb. 14216, 14217). Der Streß für Arbeitslose, denen nach einem Jahr der Absturz in Hartz IV droht, ist für viele unerträglich.



Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover (ISEG), der die Daten für die TK ausgewertet hat:

„Arbeitslose sind von nahezu allen Diagnosen häufiger betroffen als jede andere Gruppe. Besonders groß ist die Schere jedoch bei den psychischen Störungen."

Seit der Einführung der Hartz-Gesetzgebung ist der Anteil der mit Krankengeld verbundenen Arbeitsunfähigkeiten auf fast 30 Prozent gestiegen und jeder Anspruch dauert im Durchschnitt fast 100 Tage. Die auffälligsten Veränderungen bei den Gesundheitsdaten zeigen sich nach Einführung der Hartz-Gesetze ab 2005. Klusen:

„Das zeigt, dass auch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen deutliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben. Gesundheitspolitik ist also weit mehr als das Entwickeln von Sparmaßnahmen für die gesetzliche Krankenversicherung."

Tatsächlich hat es die Bundesregierung trotz aller statistischer und anderer Manipulationen nicht geschafft, die Zahl der auf Hartz-IV-Leistungen angewiesenen Menschen in Deutschland zu vermindern (Abb. 14218).


Das starke Ansteigen psychischer Erkrankungen wird auch vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen gemeldet, der ebenfalls einen Anstieg seit 1998 um fast 40 % meldete (Abb. 04148); ähnlich ist das Ergebnis bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (Abb. 14792).



Wir leben in einem Wirtschafts- und Sozialsystem, das immer mehr Menschen unter uns in Depressionen und Verzweifelung treibt. Es wird Zeit, daß auch die „Noch-Gesunden" das begreifen.


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global news 2029 05-06-10: Bei den Banken kriselt es wieder

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Gestern formulierte ich noch flott: „Durch die Ritzen der deutschen Banken stinken die Leichen in den Tresoren immer stärker." Und heute ist über Ackermanns Deutsche Bank in der Presse zu lesen, sie sei tiefer in die Immobilienkrise verstrickt als bisher bekannt gewesen sei. Die Bank hat dem SPIEGEL bestätigt, sie verwalte als Treuhänder knapp eine Million Objekte in den USA. Tausende davon wurden auf Betreiben der Deutschen Bank zwangsversteigert, weil die Hausbesitzer ihre Zinsen nicht mehr zahlen konnten. Zudem konstruierte die Bank nach SPIEGEL mehr als 25 hochkomplexe Immobilienwertpapiere, sogenannte CDOs, mit einem Wert von rund 20 Milliarden Dollar, die in der Finanzkrise größtenteils zusammenbrachen. In zahlreichen Städten in den USA soll es nun Proteste von Bürgerrechtlern und Klagen gegen die Deutsche Bank geben, die damit zunehmend ein Image-Problem bekommen soll. Zur Zeit hält die Deutsche Bank nach Auskunft des amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC unmittelbar Kredite für amerikanische Ein- und Mehrfamilienhäuser über rund 3,7 Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank behauptet zwar, dabei handele es sich um Immobilienkredite an vermögende Privatkunden, doch das paßt eigentlich nicht mit den Zwangsversteigerungen zusammen.

Die Nervosität an den Märkten hat in den letzten Tagen erheblich zugenommen. Anders als in USA hat bei europäischen Banken ein öffentlicher Härtetest nicht stattgefunden und sind die Leichen in den Schränken in den Bilanzen vergrabene Staatsgeheimnisse. Der Kurs der Deutschen Bank hat stark nachgegeben, seit Mitte April schon um 22 % (Abb. 04919). Die italienische Regierung hat den italienischen Banken erlaubt, Staatsanleihen nicht mehr zum Marktwert zu bilanzieren, um so Abschreibungen auf ihr Eigenkapital zu vermeiden. Die spanischen Sparkassen sind in Schieflage und müssen z.T. gerettet werden. Die französische Societe Generale hat wieder Probleme mit Derivaten. Die ungarische Regierung hat bis zum heutigen Dementi wiederholt die Bedienung von Staatsanleihen in Frage gezogen. Der 3-Monate Euribor-Zins, den sich Banken gegeneinander berechnen, steigt wieder (Abb. 03718). Der Itraxx Europa Crossover Index für Zinsaufschläge auf Ramschanleihen der Unternehmen geht ebenfalls wieder hoch (Abb. 03636). Alle diese Werte sind noch weit entfernt von den dramatischen Ausschlägen nach dem Zusammenbruch von Lehman, und sind doch beunruhigend.





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global news 2028 04-06-10: Deutschland hat ein total falsches Wirtschafts- und Sozialmodell, und die Menschen beginnen, das zu verstehen

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Wieviel Bankenkrisen braucht es eigentlich, bis die Menschen merken, das sehr viel faul ist im Staate Deutschland? Das bisherige Wirtschafts- und Sozialmodell beruht auf der Priorität für den Export gekoppelt mit strikter Lohndisziplin sowie der Ablehnung eines Lohnnetzes nach unten durch den bei unseren Nachbarn üblichen flächendeckenden Mindestlohn. Gleichzeitig werden die meisten Frauen massiv bei den Arbeitseinkommen diskriminiert, besonders indem sie auf schlecht bezahlte Teilzeit oder befristete Jobs abgeschoben werden oder mangels Kinderbetreuungseinrichtungen zu Hause gehalten werden. Nur wenig mehr als ein Drittel aller Frauen haben in Deutschland einen Volltagsjob gegenüber 55 % in Finnland oder 42 % in Frankreich (Abb. 15179).


Die Folge ist eine immer größere Ungleichheit zwischen den normalen Arbeitseinkommen und den Einkommen der Kapitaleigner (vor allem der exportierenden Unternehmen) sowie der Best- und Besserverdiener. Die höheren Einkommen können nur noch zu einem begrenzten Teil sinnvoll konsumiert werden und landen statt dessen spekulativ auf den Finanzmärkten. An dieser Stelle beginnt das Übel der deutschen Banken. Sie bieten Anlagen in Papieren an und halten sie auch selbst, die sich immer wieder als zu riskant herausstellen. So hatten wir die Krise mit den miesen amerikanischen Hypothekenpapieren und haben jetzt die Krise mit den ebenfalls miesen Staatsanleihen aus der Eurozonen-Südschiene und Ost-Europa (kritisch vor allem derzeit Ungarn). Die deutschen Banken halten weit mehr dieser Papiere als die Banken der anderer Eurozonenländer. Der deutsche Steuerzahler als Normalbürger mußte seinen Schirm über die Banken und damit die wohlhabenden Finanzierer der Banken halten.

Gleichzeitig hat die von den Arbeitgebern und der Politik erzwungene Austrocknung und Verängstigung der deutschen Massenkaufkraft die Binnenkonjunktur dramatisch in den Kühlschrank geschoben und damit den deutschen Arbeitsmarkt belastet (Abb. 12998). Auch wurden so den Europartner Möglichkeiten zum Ausgleich ihrer gegenüber Deutschland negativen Handelsbilanzen abgeschnitten Die Eurokrise ist nicht zuletzt das Ergebnis dieses Ungleichgewichts in den Warenströmen und den Finanzen. Der Euro fällt immer weiter, seit Beginn des Jahres allen gigantischer Rettungsmaßnahmen zum Trotz bereits um 18 % gegenüber dem Dollar (Abb. 15590).



Derzeit schlägt die Bankenkrise wieder zu und sie trifft erneut die deutschen Banken. Deutsche Banken sind mit 331 Mrd Dollar die Hauptgläubigerbanken bei Spanien, Griechenland und Portugal (Abb. 16041). Auf Ungarn entfallen 33 Mrd Dollar, nach Österreich die Spitzenposition. Seit Mitte April ist beispielsweise der Aktienkurs der deutschen Bank schon um 22 % gefallen. Vor allem steigt die Nervosität zwischen Banken, die sich erneut nicht mehr gegenseitig trauen, abzulesen an der Entwicklung des 3-Monate-Libor (Abb. 03718).



Nach dem letzten ZDF-Polit-Barometer ist nur noch ein Drittel aller Befragten der Meinung, daß die Bundesregierung ihre Arbeit eher gut gemacht habe (Abb. 14225). Lediglich 13 Prozent rechnen damit, dass die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung sozial gerecht ausfallen werden; mehrheitlich wird diese Meinung selbst bei den Anhängern von CDU/CSU und FDP geteilt (Abb. 14228).



Besonders deutlich abgelehnt werden Kürzungen in den Bereichen Rente, Gesundheit und Familienförderung, ebenso bei Nacht- und Sonntagsarbeitszuschlägen, Pendlerpauschale oder Hartz IV. Eindeutig wird auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer abgelehnt; dagegen würden mehr als drei Viertel die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und eine Besteuerung des Handels mit Wertpapieren unterstützen (Abb. 14226, 14227).



Darf man hoffen, daß selbst die Deutschen aus der Krise lernen können (jedenfalls an ihrem Geldbeutel), wenn auch noch nicht die Bundesregierung? Die ist derzeit dabei, uns durch eine ungerechte Verteilung der Kürzungen in die Krise zurück zu sparen, die spätestens dann auch zu einer politischen Krise werden wird.


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global news 2027 04-06-10: Das Land der Frauendiskriminierung

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Frauen werden in Deutschland im internationalen Vergleich der entwickelten Industrieländer, besonders der skandinavischen, relativ stark benachteiligt. Das muß die Kinderzahl nach unten drücken, auch wenn es sicher nicht der einzige Grund dafür ist. Die relativ geringe deutsche Zahl an Kindern pro Frauen im gebährfähigen Alter, führt dann zwangsweise zu einer besonders raschen Veralterung der Bevölkerung mit Verlust an Dynamik, Risikobereitschaft und Druck auf die Renten.

Frauen werden noch immer vielfach benachteiligt. Am deutlichsten wird das bei den Stundenverdiensten, die seit Jahren und auch im vergangenen Jahr nach jetzt veröffentlichten Zahlen um 23 % unter denen der Männer liegen. Dabei sind es in W-Deutschland sogar 25 %, in Ost-Deutschland dagegen nur 6 %. Unter 17 vergleichbaren Ländern hat Deutschland bis auf die Niederlande und Österreich den größten Unterschied, W-Deutschland allein läge mit Östereich gleichauf an der Spitze (Abb. 14224).


Die Lohndiskriminierung hängt auch damit zusammen, daß über die letzten Jahre Teilzeit-, geringfügig entlohnte und befristete Beschäftigung von Frauen immer weiter angestiegen sind, während die Vollzeitbeschäftigung zurückging (Abb. 14154).


Die Folgen für die demographische Entwicklung sind unübersehbar. Deutschland hat unter 28 Vergleichsländern in Europa nach Italien den geringsten Anteil an Menschen unter 25 Jahren. Berücksichtigt man dann noch, daß etwa 3 Millionen Türkischstämmige wesentlich mehr Kinder haben, so dürfte die deutschstämmige Bevölkerung den europäischen Minusrekord halten (Abb. 12353).


Eine kritische Analyse der Situation der Frauen in Deutschland und der demographischen Folgen enthält der nächste Wochenbrief, den Sie hier bestellen können.


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global news 2026 03-06-10: PKW-Weltmarkt: China kommt und siegt im zweiten Anlauf?

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Der erste Angriff auf den Weltmarkt für PKWs scheiterte noch an unzureichender Qualität und den deutschen Crashtests. Seitdem haben die chinesischen Produzenten große Fortschritte gemacht. Sie haben gelernt und vor allem Technik im Ausland eingekauft. BAIC hat Technologie von Saab erworben. Geely vereinahmte die Marke Volvo, verdoppelte damit seinen Absatz und klettert auf Rang 19 der Branche. Volvo eröffnet als Konstrukteur besonders sicherer Autos China Zugang zu modernster Technik. Die britischen Nobelfirmen Rover und MG wurden chinesisch. Ebenso wichtig: Seit den 80er Jahren wird von ausländischen Herstellern in China verlangt, ihre Autos in Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Unternehmen zu produzieren. Das erlaubte Einblick in das Know-how der Westkonzerne und verkürzte die Entwicklungsarbeit enorm.

Vor allem aber haben die Chinesen auf der Preisseite den traditionellen Wettbewerbsvorsprung, der gerade bei Autos zum Tragen kommt, weil Käufer neben der Qualität auch die Preise ständig vergleichen. Ein riesiger Heimatmarkt mit riesigen Serien kombiniert mit niedrigsten Stundenlöhnen führt für China zu einmalig niedrigen Produktionskosten. Während die Wirtschaftskrise den US-Markt von 13,2 auf 10,4 Mio. Pkw und Pick-up-Trucks zusammenschrumpfte, wurden in der Volksrepublik 2009 mehr als 13 Mio. Fahrzeuge verkauft - ein Jahresplus von 45 Prozent. China ist damit der größte Markt der Welt (Abb. 15174). Dabei verdienen chinesische Autoarbeiter kaum mehr als einen Euro in der Stunde, während in Westeuropa im Schnitt 27 Euro gezahlt werden.


Nun fährt China Produktion und Export von Kraftfahrzeugen hoch. Bei der KfZ-Produktion ist China bereits 2007 an Deutschland vorbeigezogen und in 2008 dann auch an den USA (Abb. 08074). Über die nächsten 5 Jahre sollen die drei wichtigsten chinesischen Hersteller unter den obersten zehn ihre Produktion um 110 % steigern, gegenüber 57 % für die sieben wichtigsten ausländischen Hersteller (Abb. 15175). Der Anteil der Chinesen unter diesen zehn Größten soll damit von 19 % auf 24 % steigen (Abb. 15177).





Jetzt schließen sich die Hersteller zusammen, um mit vereinten Kräften den Vorsprung durch Technik der Westkonkurrenz wettzumachen. Dank staatlicher Subventionen liegen sie bei der Entwicklung von Elektroautos bereits vorn. Nach Vorgaben der Regierung soll in fünf Jahren ein chinesischer Hersteller unter den ersten Zehn der Welt sein. Kein anderer Staat der Welt fördert die Elektromobilität mit ähnlichem Einsatz wie China. Bis 2011 verlangt Peking eine Jahresproduktion von 500.000 E-Autos. Die Regierung stellt dafür Fördermittel und Kaufanreize von 1 Mrd. Euro, Forschungsgelder, Geld für Ladestationen und Steuernachlässe bereit. Der chinesische Kleinwagen F3DM ist das erste in Großserie gebaute Elektroauto der Welt. Sein Radius für eine Ladung kommt auf 100 Kilometer; doch Anfang 2010 präsentierte BYD mit dem E6 ein Modell, das angeblich mehr als 400 Kilometer im Akkumodus schafft. Mit dieser Entwicklung wird der Weltmarkt angepeilt.

Der Stratege hinter der Auslandsoffensive ist Industrieminister Li Yizhong. Entsprechend seiner Planung sollen in zehn Jahren 10 % der weltweiten Autoexporte aus China stammen. Zum Vergleich: Der derzeit weltgrößte Automobilhersteller Toyota hat einen Weltmarktanteil von 7,2 %. Sollte der Plan aufgehen und alles spricht dafür, auch wenn es ein sehr ehrgeiziger Plan ist, bei dem es Verzögerungen geben kann, muß sich auch die deutsche Automobilindustrie warm anziehen, und - bei der Abhängigkeit Deutschlands vom Automobilexport - das ganze Land mit ihr. Die westliche Automobilindustrie hat selbst den Konkurrenten hochgepäppelt. Angsichts der dort so dramatisch niedrigeren Kosten wird sie ihre Produktion in wenigen Jahren immer mehr nach China verlagern müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die längerfristigen Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt sind schon abzusehen.


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global news 2025 01-06-10: Von den Untiefen des Arbeitsmarktes im Mai 2010

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Tatsächlich ist die amtlich gemessene Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Doch im Vergleich zum Vorjahr lag die ehrlichere Zahl der Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) mit 4,4 Millionen nur um 1,9 % niedriger. Vor allem: Abzüglich der offiziell gezählten Arbeitslosigkeit hat die in der Unterbeschäftigung versteckte im Mai sogar um 12,1 % gegenüber Vorjahr zugelegt (Abb. 14893).


Und die besonders bedrückende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als 12 Monate arbeitslos waren, hat gegenüber dem Vorjahr um 27.000 oder 3 % weiter auf fast 1 Million zugenommen, womit der Anteil dieser besonders unglücklichen Arbeitslosen an allen Arbeitslosen auf 32 % gestiegen ist.

Im Wesentlichen sind nur minderwertige Jobs neu entstanden. Bei der Arbeitnehmerüberlassung, die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für die besonders unsichere und in den Regel schlechter bezahlten Leiharbeit, kam es im letztgemeldeten Monat März wieder zu einem starken Anstieg um 5,7 %, was die Gesamtqualität des Zuwachses an Beschäftigung mindert. Zwar war im März die Gesamtarbeitslosigkeit um 18.000 zurückgegangen, hätte aber ohne den Anstieg der Leiharbeit um 63.000 zugenommen. Dagegen stagniert die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Nur noch 53,8 % der Arbeitslosengeldempfänger werden ehrlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980). Auch wenn es bisher hätte weitaus schlimmer kommen können, gibt die Situation keinen Grund zum Jubel. Die statistische Verschleierung der Realität ist ein bleibendes Ärgernis und eine Schande für eine amtliche Behörde.


Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt „Arbeitslos im Mai 2010".


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global news 2024 02-06-10: Köhler-Rücktritt, Afghanistan, die internationale Presse und die Militärausgaben

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Deutsche Truppen werden von unseren Nato-Partnern gern in Afghanistan gesehen. Und so versteht man bei einigen Partnern nicht, wie ein Bundespräsident wegen einer wirtschaftlichen Rechtfertigung des Truppeneinsatzes stürzen konnte. Das sollte eigentlich überraschen, denn deutsche Truppen für deutsche Wirtschaftsinteressen hat es mit sehr leidvollem Ausgang für unsere Partner ja schon wiederholt gegeben. Auch würde man es heute nicht dulden, wenn wir eigene Wirtschaftszonen im Ausland aufbauen würden, die wir notfalls militärisch verteidigten, wie es einige unserer Partner aus strategischen Gründen weiterhin tun, z.B. die Briten in Gibraltar oder auf den Falkland Inseln oder die USA auf Kuba und im Irak, um nur einige zu nennen.

Komisch wird es allerdings mit dem heutigen Hauptkommentar der Financial Times. Da wird der Rücktritt des Bundespräsidenten bedauert und sein Eintreten für wirtschaftliche Interessen als Begründung eines militärischen Einsatzes für normal befunden. Leider zitiert die Financial Times dann aus seinem Interview nur das Eintreten für die notfalls militärische Verteidigung „offener Handelswege", nicht aber zur „Vermeidung regionaler Instabilitäten", wozu gerade Afghanistan gehört. Das Klagelied über die Deutschen ist auch deshalb komisch, weil jede britische Regierung weg vom Fenster wäre, wenn sie den Tod ihrer Soldaten in Afghanistan mit den Interessen von UK Business vermengen würde.

Im vergangenen Jahr stiegen die weltweiten Rüstungsausgaben nach Angaben im neuesten Jahrbuch des Stockholmer International Peace Research Institute (Sipri) um 5,9 % auf 1,5 Billionen Dollar. Offensichtlich haben die Regierungen zur Stützung der Wirtschaft auch die Rüstungsbudgets eingesetzt. Während die Defizite in den Staatshaushalten Rekordbeträge erreichten, stiegen die Rüstungsausgaben damit um fast 50 % über das Niveau des Jahres 2000 (Abb. 15173). Allein 43 % entfielen auf die USA. Das zeigt eigentlich, daß die Welt schon viel zu viel für Rüstung und Kriege ausgibt, den sinnlosen in Afghanistan eingeschlossen.



global news wb10.26 01-06-10: Steigende atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration und die Meerestemperatur

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Die Atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration steigt und steigt, vor allem seit etwa 60 Jahren in steilem Winkel (Abb. 0709, 07329, 07330). Das entspricht den Trends von Bevölkerungswachstum, Verstädterung, Industrialisierung in der Dritten Welt (vor allem China) und steigendem Wohlstand mit immer mehr Energieeinsatz für Wärme, Kühlung und Verkehr.




Während sich der Planet mit dem Treibhauseffekt erwärmt, nimmt das Meer 80 bis 90 Prozent der zusätzlichen Hitze auf. Seit 2000 haben zusätzliche Treibhausgase die Energieleistung in der Luft um rund ein Watt pro Kubikmeter erhöht. Die Ozeane sind der größte Wärmespeicher: In ihren obersten drei Metern halten sie so viel Wärme wie die gesamte Lufthülle der Erde. Die Erwärmung dehnt das Wasser aus und läßt den Meeresspiegel steigen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte des Anstiegs geht darauf zurück, der Rest auf die Eisschmelze.

Der Meeresspiegel begann weltweit bereits in den 90er Jahren, immer stärker zu steigen (Abb. 07059, 07141).



Nun behaupteten jedoch einige Wissenschaftler, wie der Klimatologe Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in den USA, daß sich die Ozeane seit etwa sieben Jahren nicht mehr aufwärmten. Sie sprechen vom Phänomen der „fehlenden Wärme" („missing heat") und berufen sich dazu auf bisherige Wärmemessungen (Abb. 07331). Prompt werfen sich die in Deutschland besonders weit verbreiteten Kritiker der Klimaforschung auf diese Unsicherheit.


Jetzt aber wurde in Nature eine neue Studie unter Leitung von John Lyman von NOAA's Joint Institute for Marine and Atmospheric Research veröffentlicht. Das Team umfaßt Wissenschaftler von NOAA, NASA, the Met Office Hadley Centre in Großbritannien, der Universität und des Meteorological Research Institute in Japan. Nach dieser neuen Studie haben sich die Ozeane seit 1993 weiter erwärmt und oberhalb von 700 Metern ein halbes Watt pro Kubikmeter zusätzlich gespeichert. Die Temperatur der Meere sei demgemäß um anderthalb Grad gestiegen - und dieser Wert entspreche den Prognosen, schreiben Lyman und seine Kollegen. Die gespeicherte Energie würde ausreichen, um jedem der 6,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten zu erlauben, fast 500 100-Watt-Lampen zu betreiben.

Das Team analysierte neun verschiedene Schätzungen des Wärmegehalts in den Schichten bis 700 Meter Tiefe zwischen 1993 und 2008. Verarbeitet wurden Meßergebnisse der jetzt mehr als 3.200 oben treibenden Argos-Sonden, aber auch der älteren XBT-Sonden, die nach unten sinken und deren jeweilige Meßhöhe daher bisher schwer zu bestimmen war. Wenn auch das Team einige immer noch bestehende Unsicherheiten feststellt, fühlt es sich im Ergebnis seiner Analyse doch ausreichend sicher (Abb. 07332).



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global news 2023 30-05-10: Neue Grafik-Datenbank mit mehr als 600 Grafiken aus Wirtschaft, Sozialem, Bildung, Gesundheit und Umwelt

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Die Grafik-Datenbank ist nun fertig. In 10 Kategorien aus Wirtschaft, Arbeit/Soziales, Bildung, Gesundheit und Umwelt und 40 Unterkategorien zum leichteren Auffinden enthält sie derzeit 632 relativ leicht verständliche Grafiken. Die werden automatisch auf den neuesten Stand gebracht und durch neue Grafiken ersetzt, wenn über Rundbriefe oder Schwerpunkte Aktualisierungen von Grafiken erfolgen oder neue entstehen.

Das Infoportal will mit dem auf dem deutschen Internet in dieser Breite und Aktualität wahrscheinlich einmaligen Informationsangebot helfen, unsere Entwicklung im nationalen und internationalen Kontext zu verstehen und kritisch zu begleiten. Sie finden den Zugang hier.


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global news 2022 29-05-10: Der chinesische Fluch über den Sozialverhältnissen der Welt (Teil 2)

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Vor einem Monat habe ich in einem Rundbrief berichtet, wie China seine Industriebeschäftigung immer weiter aufbaut und wie der negative Lohndruck in den Ländern, die die Verdrängung der eigenen Arbeitskräfte durch eine negative Lohnpolitik abwenden wollen oder das zu tun vorgeben, zum Fluch über den Sozialverhältnissen der Welt geworden ist. Der größte und besonders unfaire Wettbewerbsfaktor in der chinesischen Expansion mit allen negativen Wirkungen auf die globale Soziallandschaft kommt aus den dortigen Arbeitsverhältnissen. Das Fehlen eines anerkannten Streikrechts und unabhängiger Gewerkschaften hält die Löhne fast konkurrenzlos niedrig. Besonders betroffen sind etwa 230 Millionen Wanderarbeitnehmer, die nur geschätzt werden können, da sie in den Städten, wo sie arbeiten, nicht registriert werden dürfen und damit weitgehend rechtlos sind.

Heute ist nun in der Financial Times ein sehr gut recherchierter Artikel über die Arbeitsbedingungen beim weltgrößten Elektronikkonzern Foxconn, der in Auftragsarbeit für alle bekannten Marken von Sony über HP, Dell, Apple und viele andere deren Produkte zusammenbaut, erschienen. Ausgelöst wurde der Bericht von einer Selbstmordserie im Unternehmen. Foxconn beschäftigt 800.000 Mitarbeiter, die streng reglementiert werden nach den drei Prizipien von Autorität, Kontrolle und Disziplin. Sie bekommen täglich drei Malzeiten aus der größten Küche Asiens und müssen dafür zu einer vorbestimmten Zeit in einer der Kantinen pünktlich erscheinen. 90 % wohnen in den Schlafsälen, deren Türen immer geschlossen gehalten werden. An einigen Produktionslinien gibt es sogar Vorschriften, wann die Arbeiter auf die Toilette gehen dürfen.

Solche Verhältnisse gehen in den globalen Wettbewerb ein, auch wenn sie sich nicht auf Länder wie Deutschland übertragen lassen. Dagegen wirken die Lohndifferenzen unmittelbar auf die Standortwahl vieler Unternehmen oder führen über billige Produkte zu Schließungen oder Beschäftigungsabbau in den alten Industrieländern. Der Mindestlohn bei Foxconn beträgt derzeit 113 Euro pro Monat, wobei die meisten Arbeitnehmer auf 238 Euro pro Monat kommen. Das sind absolute Dumpinglöhne, die zu Anti-Dumpingzöllen führen sollten, aber von den alten Industrieländern in der Hoffnung auf Aufträge aus China hingenommen werden. Dazu ein Kommentar von Prof. Yang Lixiong von der Renmim Universität in Peking:

„Unser Land ist in einem Rennen nach Unten, weil unser einziger Vorteil billige Arbeit ist. Daher ist unsere Entwicklung auf einen Berg von Ausbeutungsbetrieben („sweatshops") gebaut. Die Provinzregierungen haben einen Anreiz, die Arbeiter auszuquetschen und die Unternehmen bei der Suche nach Profit zu unterstützen. Der einzige Weg, dies zu ändern, ist, Politik davon abhängig zu machen, was die Leute unten wollen, nicht die an der Spitze."

Hier einige Grafiken, die für sich selbst sprechen (Abb. 08189, 15568, 15566, 15565, 13828, 13729). Weitere Grafiken zu China finden Sie in der neuen Datenbank.








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global news wb10.25 27-05-10: 1. Quartal 2010: Selbst das Mini-Wachstum beruht nur auf steigenden Staatsausgaben - Die soziale Kluft wird tiefer - Privater Konsum geht weiter zurück

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1. Gesamtentwicklung


Das Statistische Bundesamt hat am vergangenen Freitag die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 1. Quartal 2010 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, ergab sich kalenderbereinigt ein ganz schwaches Plus von nur 0,2 % gegenüber dem Vorquartal und 1,6 % gegenüber dem Vorjahr (Abb. 14744, 14003). Allerdings lag die Wirtschaftsleistung damit weiter um 5,3 % unter dem Ergebnis des 1. Quartals 2008 vor Beginn des Absturzes.



Es zeigt sich nun immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung auch in der Krise über den Export ständig weiter vorangetriebenen Globalisierung. Ein nur langsam auf das Vorkrisenniveau zurückkletternder Export (Abb. 14192) kann den Verlust aus der stagnierenden inländischen Verwendung des Bruttoinlandsprodukts (Abb. 14191) und dem dabei besonders schrumpfenden Konsum privater Haushalte nicht ausgleichen. Ohne den Anstieg der Staatsausgaben wäre die Wirtschaftsleistung um 0,3 % geschrumpft; allein das zeigt, auf was für schwachen Füßen die deutsche Wirtschaft derzeit steht.



Die soziale Kluft zwischen der Entwicklung der Nettolöhne- und gehälter einerseits und der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen vergrößerte sich weiter. Die einen sparten aus Angst vor der Zukunft, die anderen konnten wegen ihrer hohen Einkommen leicht sparen, und so stieg die Sparquote auf einen neuen Rekord von 11,6 % der verfügbaren Einkommen. Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2008 und zum Vorquartal sind in Abb. 04305 und 14818 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt. Dabei fällt auf, wie stark sich die Unternehmens- und Vermögenseinkommen schon erholt haben und das im Unterschied zu den Löhnen.




Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:

2. Weitere Vertiefung des sozialen Grabens bei den Einkommen

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen legten um 16,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 1,3 % gegenüber dem Vorquartal zu. Die Nettolöhne und -gehälter stiegen um 2,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 1,4 % im Vorquartalsvergleich (nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise).

Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 2,6 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen trotz des Einbruchs in 2008 um 37,2 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte und bereits vorübergehende Situation war.

Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist im 1. Quartal 2010 weiter leicht gefallen (Abb. 04797).


Die Produktivität je Erwerbstätigenstunde ging zurück, was bei so viel Unterauslastung, Kurzarbeit und Investitionsrückgang kein Wunder ist (Abb. 04730).


3. Entwicklung der Verbraucherkonjunktur

Entgegen allen überoptimistischen Voraussagen gingen die privaten Konsumausgaben im Vorquartalsvergleich um mehr als 0,9 % und im Vorjahresvergleich um 1,6 % zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum (Abb. 14010).


4. Investitionstätigkeit

Die Bruttoanlageninvestitionen sind im 1. Quartal 2010 um 1,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen und lagen auch um 1,6 % unter dem Vorjahreswert. Dabei verharrten die realen Ausrüstungsinvestitionen nach einem massiven Einbruch im Jahr 2008 nun etwa auf dem abgesenkten Niveau des Vorjahres (Abb. 14754).


5. Internationaler Vergleich

Im Vergleich mit anderen Ländern sieht die deutsche Entwicklung gegenüber dem Vorquartal nicht besonders gut aus. Unter den 10 vergleichbaren Ländern, die bereits das 1. Quartal 2010 gemeldet haben, liegt Deutschland auf dem 7. Platz und unter dem erwarteten Durchschnitt der Eurozone (Abb. 15594). Nur Italien hat sich seit dem Jahr 2000 noch schlechter entwickelt (Abb. 13408).




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global news 2022 29-06-10: Wo holen die Regierungen der fortgeschrittenen Volkswirtschaften mal eben 1,3 Billionen Dollar an jährlichen Haushaltseinsparungen her? - Sanierung zu Lasten der „kleinen Leute"?

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Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2011 ein Gesamtdefizit in den Staatshaushalten der 33 Länder, die er als fortgeschrittene Volkswirtschaften ausweist, von etwas mehr als 6,6 % ihrer Wirtschaftsleistung oder 2,84 Billionen Dollar. Ein solches Defizit ist nicht lange finanzierbar oder, sollte es überhaupt finanziert werden müssen, nur mit steil zunehmenden Zinslasten, die das Problem am Ende noch viel größer machten. Es würde das Vertrauen der Anlegen in Staatsanleihen überfordern. Griechenland wäre überall. Die Alternative wäre eine steil ansteigende Inflation über die Notenpressen, die dann die Verschuldung zu einseitigen Lasten der normalen Kleinsparer und Verbraucher abschmelzen würde.

Die bei 3 % des BIP angesiedelte Haushaltsdefizitgrenze des EU-Stabilitätspaktes würde - auf die 33 Länder übertragen - Defizitkürzungen von 1,3 Billionen Dollar pro Jahr erfordern, mehr als eine Halbierung der Defizite. Dann wäre allerdings noch nicht einmal ein Ausgleich für die hohen Defizite der vorangegangenen Jahre eingeleitet. Einige Länder mit meist konservativen Regierungsmehrheiten fangen inzwischen an, über drastische Haushaltsreformen nachzudenken. Vordenker in dieser Hinsicht sind die Regierungen, die bei ausufernder Verschuldung besondere Abneigung der Finanzmärkte und zugleich Währungsprobleme befürchten müßten, vor allem die Regierungen Großbritanniens und der Euro-Ländern, und hier auch die Bundesregierung, die sich per Verfassung zum Sparen verpflichtet hat.

Das Problem ist für die EU-Länder umso größer, als sie die Bankenrettung ganz überwiegend in Schattenhaushalten außerhalb der offiziellen Haushalte untergebracht haben und ihre Banken bisher viel weniger an Verlusten abgeschrieben haben als z.B. die amerikanischen Banken. Das gilt vor allem für die staatlichen deutschen Landesbanken. Nach einer Abschätzung des Internationalen Währungsfonds haben die Regierungen Stützungsmaßnahmen für den Finanzsektor von 9,5 Billionen Dollar oder 30 % der jährlichen Wirtschaftsleistung angekündigt (Abb. 16075), aber sehr viel weniger bisher realisiert (Abb. 16077); in Deutschland z.B. erst 4,9 % des BIP. Niemand weiß derzeit, wie hoch die Verluste am Ende sein werden. Für die berüchtigten Subprime-Hypothekenpapiere sieht es jedenfalls nicht gut aus, da sich die amerikansichen Hauspreise auf dem niedrigen Krisenniveau eingerichtet haben (Abb. 16066) und die Zahl der Zwangsverwertungen im ersten Quartal 2010 stark steigend mit fast einer Million um 16 % über denen des 1. Quartals 2009 lagen.




Abstrakt würde eine Verkürzung der Staatsausgaben oder Erhöhung der Einnahme um 3,6 % einen entsprechenden Entzug an Liquidität in den Volkswirtschaften bedeuten und damit das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum gefährden. Gefährlich wird es vor allem, wenn die Einsparungen auf den Schultern der schwächeren Verbraucher ausgetragen werden, die hohe Anteile ihres Einkommens für den Verbrauch verwenden müssen und daher die Binnenkonjunktur besonders tragen. Allerdings haben die Regierungen derzeit nirgendwo die Absicht, die meist sehr wohlhabenden Gläubiger der Banken aus Bankenanleihen an den Verlusten zu beteiligen. Die wurden durch den Rettungschirm aus Steuerzahlergeld weitgehend vor Verlusten geschützt. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen nun wieder und haben die Krise längst überwunden. Gegenüber dem Jahr 2000 sind sie bis zum ersten Quartal 2010 um 40 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Nettolöhne- und Gehälter, deren Durchschnitt noch durch die Besserverdiener, wie Ackermann, nach oben gezogen wurde (Abb. 14193).


Und die Ersparnisse aus den hohen Einkommen fluten auf der Suche nach profitablen Anlagen wieder die Finanzmärkte. Daher sind auch die Profite der Banken wieder auf das frühere Niveau geklettert. Die US Finanzindustrie hat das vorgemacht (Abb. 03847). Und in Deutschland zeigt es die Deutsche Bank, die in diesem Jahr einen neuen Gewinnrekord erwarten kann (Abb. 16122).



Und so soll der Kahlschlag total einseitig genau gegen die Bevölkerungskreise geführt werden, die nie unter den Spekulanten waren. Führende Vertreter der schwarz-gelben Koalition schlagen Einsparungen vor allem im Sozialetat vor. Der Bundesfinanzminister denkt an die Ausgaben des Arbeitsministeriums, was auf eine Absenkung der Hartz-IV-Leistungen für Langzeitarbeitslose hindeutet. Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), verlangt in Interviews Kürzungen beim Rentenzuschuss und bei den Hartz-IV-Leistungen. Außerdem fordert er, die ermäßigten Mehrwertsteuersätze von sieben Prozent, die zum Beispiel für Lebensmittel gelten, an die regulären Sätze von 19 Prozent anzugleichen.

Die Bundesregierung scheint nicht zu begreifen, daß der für die Konjunktur so wichtige Verbrauch privater Haushalte seit fast einem Jahr schrumpft (Abb. 14197). Nicht weniger als 57 % der Wirtschaftsleistung hängt vom privaten Verbrauch der Haushalte ab (Abb. 14198). Wenn die Menschen weniger verbrauchen, fällt das BIP. Der Außenbeitrag aus Export minus Import kann das nicht auffangen. Wer das nicht begreifen will, kann Deutschland nur immer mehr in ein klägliches Abseits führen.




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global news 2021 28-05-10: Ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das in 10 Jahren 40 % mehr Menschen in Depressionen und Verzweifelung treibt

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Der neueste Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse hat es in sich. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer und Verhaltensstörungen nimmt immer mehr zu. Die psychisch bedingten Krankschreibungen bei Deutschlands Erwerbspersonen sind innerhalb von 10 Jahren um fast 40 Prozent gestiegen, besonders stark bei Arbeitslosen mit 107 % oder mehr als einer Verdoppelung (Abb. 14216). Die auffälligsten Veränderungen bei den Gesundheitsdaten zeigen sich nach Einführung der Hartz-Gesetze ab 2005.


Eine ausführliche Analyse dieser Entwicklung bringt der nächste Wochenbrief (kostenfreie Bestellungen hier).


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global news 2020 27-05-10: Der Handel mit Deutschlands wichtigstem Partner Frankreich ist total unausgewogen

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Nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamt häufte Deutschland den größten Exportüberschuß im vergangenen Jahr von 27 Mrd Euro mit Frankreich auf. Dabei exportierte Deutschland ein Fünftel mehr nach Frankreich, als es von dort importierte (Abb. 14210, 14211).



Frankreichs Wirtschaft schrumpfte im vergangenen Jahr um 2,6 %, doch ohne das Defizit mit Deutschland wären es nur 1,16 % Minus gewesen. Das ist der Hintergrund der sich häufenden französischen Klagen über die von Deutschland ausgehenden Ungleichgewichte in der Eurozone.

Auch mit anderen Europartnern, wie Österreich, Belgien, Spanien, Italien und Griechenland, wurden hohe deutsche Überschüsse aufgebaut. Bei Österreich und Italien kam es allerdings zu einer kleinen Entlastung in der Leistungsbilanz durch den Tourismus, so daß Deutschlands Leistungsbilanz bei Österreich mit einem Plus von 17 Mrd Euro und bei Italien von 9 Mrd Euro abschloß (statt 19 bzw. 11 Mrd Euro in der Handelsbilanz).

Eine so ungleichgewichtige Entwicklung ohne die Möglichkeit von Anpassungen der Währung muß auf Dauer zum Bruch des Eurosystems führen.


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global news 2019 26-05-10: OECD: Mut machen mit überoptimistischen Prognosen

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Die neoliberal gestrickte Industrieländerorganisation OECD ist für ihre selten zutreffenden Prognosen bekannt. Heute hat sie eine neue herausgebracht. Die wird nun von den Medien ziemlich unbesehen aufgegriffen. SPIEGEL-online setzt die Überschrift „Industrieländer erholen sich überraschend schnell" und fügt an: „Das tiefste Konjunkturtal der Nachkriegsgeschichte scheint durchschritten: Die OECD hebt ihre Wachstumsprognosen deutlich an, auch für Deutschland." Man beachte in der Überschrift die mit der Verwendung der Gegenwartsform „erholen sich" angeblich gesicherte Feststellung, die keinen Zweifel aufkommen lassen soll.

Doch die OECD überschätzt immer wieder vor allem die Konsumbereitschaft der deutschen Verbraucher. Sie muß das auch tun, wenn sie zu dem positiven Gesamtergebnis eines deutschen Wirtschaftswachstums in diesem Jahr von 1,9 % kommen will. Denn der Verbrauch der privaten Haushalte macht 57 % der gesamten Wirtschaftsleistung auf der Verwendungsseite aus (weit vor dem Außenhandel mit 4,7 % aus Exporte minus Importe) und ist damit der bei weitem wichtigste Einzelfaktor (Abb. 14198). Nun soll der private Verbrauch im letzten Quartal dieses Jahres um nur 0,3 % unter dem letzten Quartal von 2009 liegen. Doch bereits im ersten Quartal 2010 ist er real gegenüber dem Vorquartal um 0,9 % gefallen. Also muß die OECD entgegen dem deutlich negativen Trend der letzten Quartale nun für den Rest dieses Jahres eine positive Entwicklung annehmen (Abb. 14207).



Doch dafür spricht eigentlich nichts. Die deutschen Verbraucher sind auch jetzt so vorsichtig wie nie zuvor. Nach einer neuen „Stern"-Umfrage haben mehr als drei Viertel aller Deutschen (76 %) große oder sehr große Angst davor, daß die Staatsschulden nicht mehr zu bewältigen sind. 59 % sorgen sich um die Sicherheit der Renten. Genauso viele Befragte fürchten, die Politiker könnten mit den aktuellen Problemen überfordert sein (59 %). Stark gestiegen ist die Zahl der Befragten, die Preissteigerungen erwarten: 54 % der Bürger sagten, sie hätten Angst vor einer höheren Inflationsrate, zehn Punkte mehr als im Februar.

Sehr optimistisch ist auch die OECD-Erwartung an den deutschen Export. Der soll in diesem Jahr um 10 % steigen. Tatsächlich prognostiziert die OECD damit ein ziemlich gradliniges Wiederansteigen auf die Situation von vor der Krise, als seien nicht die wichtigsten deutschen Abnehmermärkte, vor allem in der Eurozone, inzwischen auf der Sparbremse (Abb. 14208).


Das ist die Art von Prognose, die psychologisch helfen soll, aber am Ende nur Enttäuschung bereiten kann.


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global news wb09.29 26-05-10: Europa erst einmal ausgeträumt: Vom Traum zum Alptraum

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Es war einmal ein Traum, dem die Deutschen nach dem von ihnen angerichteten zweiten Weltkrieg und wegen der Teilung ihres Landes besonders anhingen: ein einiges Europa mit voller Integration aller Politikfelder. Viele Jahre lang waren sie auch bereit, dafür mehr als andere zu zahlen, denn Europa mit seinen Subventionen und Bürokraten wurde teuer. Von der Erweiterung und dann dem Euro erhofften sich gerade die Deutschen neuen Auftrieb für Europa.

Als Europa nicht zuletzt wegen der Erweiterung an seine Integrationsgrenzen stieß und auch wirtschaftlich zu lahmen begann, riefen die europäischen Staats- und Regierungschefs im März 2000 in Lissabon die sogenannte Lissabon-Strategie aus. Das ist ein Programm, das zum Ziel hatte, die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Dieses Ziel fand sich auch in den Maßnahmen und im Namen der Agenda 2010 der Bundesregierung Schröder wieder. Die EU wollte „im Rahmen des globalen Ziels der nachhaltigen Entwicklung ein Vorbild für den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritt in der Welt sein".

Jetzt sind wir in 2010. Der wettbewerbsfähigste und dynamischste Wirtschaftsraum ist China geworden, das vor allem mit europäischen Industrieausrüstungen, besonders aus Deutschland, aufgerüstet wurde und diese mit billigster, ausgebeuteter Arbeit kombinieren konnte. Deutschland hat mit der Agenda 2010 und dem Austrocknen der Massenkaufkraft seine Binnenkonjunktur endgültig auf Eis gelegt und verlor auch den ohnehin wertlosen Exportweltmeistertitel an China. Es wurde zum größten Bremsklotz der europäischen Wirtschaftsentwicklung. Zwischen den Jahren 2000 und 2009 stieg die reale Wirtschaftsleistung in der gesamten EU um 12 %, in der Eurozone ohne Deutschland ebenfalls um 12 % und in Deutschland nur um knapp 5 %. Im gleichen Zeitraum nahm die Wirtschaftsleistung in den USA, an denen sich die EU immer mißt, um 16 % zu (Abb. 15171). Bei China waren es sogar 37 %.


Doch jetzt kommt es noch schlimmer. In den überschuldeten Eurozonenländern und auch anderen EU-Ländern, wie Großbritannien, werden mit Macht die Haushaltsbremsen hineingeworfen. Sie werden die Wirtschaftsentwicklung der gesamten EU ausbremsen. Es sind genau die Länder, die bisher an der Spitze der Wachstumsländer in der Eurozone standen. Die magere deutsche Wirtschaftsentwicklung als weiterer Bremsklotz wird sich fortsetzen. Eurostat erwartet für dieses Jahr nur noch ein Wachstum der EU von 1 % und der Eurozone von 0,9 %; das Wachstum der USA wird dagegen auf 2,8 % oder mehr als dem Dreifachen der Eurozone geschätzt. Im ersten Quartal 2010 stieg die amerikanische Wirtschaftsleistung mit einer Jahresrate von sogar 3,2 %, die deutsche gerade mal mit einer von 0,8 %.

So wie die starke DM ein Leistungsausweis Deutschlands war und den Nationalstolz des wiederaufgebauten Landes begründete, so sollte der Euro zum Stern und zur Sternstunde der Eurozone werden. Die Politiker hatten Härte versprochen. Nun sieht es jedoch derzeit so aus, als hätte sich der Euro mit steilem Abstieg auf den Weg zur Dollar-Parität gemacht. Zwischen seiner Einführung 1999 und seinem Gipfel im Währungsverhältnis zum Dollar ist der Euro von 1,07 Dollar bis August 2008 um 50 % auf 1,60 Dollar gestiegen, wobei die Dollarkrise als Teil der globalen Kreditkrise nachgeholfen hatte. Für diesen Aufstieg brauchte der Euro fast neun Jahre. Doch in nur 20 Monaten ist er nun um 23 % auf weniger als 1,24 Dollar gefallen (Abb. 15170).


Die Talfahrt ist seit der Griechenlandkrise trotz aller hunderte von Milliarden Euro schweren Hilfsprogrammen ungebrochen (15590). Einige Experten sehen den Euro denn auch bereits auf Parität zum Dollar fallen. Die Europartner sind im Euro gefangen. Keiner kann raus.


Es ist das Ergebnis einer beispielslosen Nachlässigkeit von Seiten der Regierungen der Eurozone gegenüber den wachsenden Haushaltsdefiziten, dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in mehreren Ländern der Eurozone sowie - im Falle Deutschlands - einer Niedriglohnpolitik zu Lasten der Partner, als könnte die deutsche Industrie China in Europa spielen.

Daraus ergeben sich mehrere gravierende Folgen. Erstens verteuern sich die in Dollar und anderen Währungen außerhalb des Euro gehandelten Importe von Rohstoffen, Energie, vielen Nahrungsmitteln und anderen Importwaren zum Nachteil der Verbraucher in der Eurozone. Das hat die Wirkung einer schleichenden Enteignung, wie wenn die Mehrwertsteuer ständig angehoben würde.

Zweitens entwerten sich alle Euroreserven, die Notenbanken außerhalb des Euroraumes halten, und alle privaten ausländischen Anlagen in Euros mit der Folge eines weiteren Abmarsches aus dem Euro, solange die Märkte weitere Wertverluste befürchten. Der Abzug von ausländischem Kapital verteuert Kapital innerhalb der Eurozone. So werden Euroregierungen höhere Zinsen bieten müssen, um Staatsanleihen unterzubringen, wenn die Nachfrage aus dem Ausland nachläßt. Unternehmen werden es schwerer haben, ihre Investitionen über den globalen Kapitalmarkt zu finanzieren. Bei einer sich zuspitzenden Krise kann es auch zu Kapitalflucht kommen.

Drittens wird es wegen der besseren Exportmöglichkeiten in den Nicht-Euro-Raum Dank schwächerer Währung vor allem in Deutschland zu einer weiteren einseitigen Allokation knapper Resourcen hin zum Exportsektor und entsprechend weiter verstärkter Abhängigkeiten vom Schicksal der Weltmärkte und der Währungen kommen. Gleichzeitig wird die Exportlobby mit ihrem enormen Einfluß auf die deutsche Politik darauf bestehen, wie bisher schon, die Löhne und Renten niedrig zu halten, um den Export zu stützen. Deutschland wird nicht von seinem verhängnisvollen Sonderweg und seiner schlechten Gesamtwirtschaftsentwicklung wegkommen.

Man muß sich nur einmal vorstellen: Deutschland hat allein in den acht Jahren zwischen 2002 und 2009 fast 1.000 Milliarden Euro mehr eingenommen, als es ausgegeben hat, und entsprechend kumulierte Leistungsbilanzüberschüsse zu Lasten der Binnenkonjunktur aufgebaut (Abb. 14190). Das Geld ist dann über die Zahlungsbilanz in Kapitalexporten gelandet, als Investitionen in ausländischen Finanzpapieren, Unternehmen, Krediten ans Ausland und ausländischen Staatspapieren (auch Griechenland) etc..


Bei solchen Aussichten ist der europäische Traum vom wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt und dem Vorbild für den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritt in der Welt erst einmal ausgeträumt. Es ist ein Alptraum geworden.


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global news 2018 25-05-10: Und nun Spanien

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Spanien galt als Klassen besser verglichen mit Griechenland. Doch ist es das wirklich? Anders als Griechenland hatte Spanien einen gewaltigen Immobilienboom mit relativ wackeligen Hypotheken. Der ist nun geplatzt und viele Bauunternehmen und Banken hängen da drin. Die Banken konnten die Hypothekenpapiere wie amerikanische Investmentbanken verbriefen und weiter handeln, vor allem bei der EZB in als Sicherheit gegen billigste Kredite einreichen. Damit wurde ein Rauchschleier vor den wahren Verhältnissen aufgezogen.

Die Zentralbank in Madrid mußte gestern die Sparkasse CajaSur retten - offenbar ging es um das Überleben des Instituts. Die spanische Zentralbank hat die Geschäfte übernommen. Der geplante Zusammenschluss mit dem Rivalen Unicaja sei gescheitert und das Überleben des Instituts gefährdet gewesen, teilte die Bank von Spanien mit. Durch die Intervention der Zentralbank werde sichergestellt, dass die Sparkasse den Betrieb aufrechterhalten und ihren Verpflichtungen weiterhin nachkommen könne. CajaSur habe nun Zugang zu einem milliardenschweren staatlichen Rekapitalisierungsfonds für die Bankenbranche. Die spanischen Sparkassen sind traditionell stark im Hypothekengeschäft engagiert und leiden unter einer großen Zahl fauler Kredite. Die Zentralbank will nun die Zahl der Sparkassen bis Mitte des Jahres von 45 auf rund 15 verringern.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte Spanien zu schnellen und weitreichenden Reformen auf. Die Erholung des Landes von der Wirtschaftskrise sei bisher schwach gewesen. Der IWF fordert vor allem Reformen auf dem Arbeitsmarkt und eine Konsolidierung des Bankensektors. Tatsächlich stagniert die spanische Wirtschaft bei einer Jahresrate von 0,3 % im ersten Quartal und als Folge der unvermeidbaren Sparmaßnahmen wird eine Rezession erwartet. Die Arbeitlosenrate lag im März bereits bei mehr als 19 %.

Spanien hatte bis zum Krisenausbruch die stärkste Lohnkostenentwicklung der Eurozone und damit viel an Wettbewerbsfähgkeit eingebüßt (Abb. 15166, 15106, 16085).




In der Folge stieg das spanische Leistungsbilanzdefizit mit dem Ausland bis auf enorme 10 % des BIP an (Abb. 15172).


Das spanische Haushaltsdefizit wird von der EU-Kommission für 2011 bei fast 9 % des BIP erwartet - fast doppelt so hoch wie bei Deutschland. Spanien muß in diesem Jahr fast 100 Mrd Euro an Staatsanleihen unterbringen, weit vor Griechenland mit 55 Mrd Euro (Abb. 16103). Der Zins für das 10-Jahrespapier stieg auf 4,1 %.


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Als Folge der verschärften Krise in Spanien fiel der Euro bis heute Mittag noch einmal um 1,3 % gegenüber dem Dollar (Abb. 15590).



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global news wb08.22 25-05-10: Nun ist auch noch die zweite globale Kreditblase geplatzt und den Schaden haben wieder die Nicht-Spekulanten

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Die global ständig verschärfte einseitige Ansammlung von Reichtum hat in den Jahren seit der Jahrtausendwende immer mehr Wasser auf die Mühlen der Spekulation geleitet, statt in die Realwirtschaft für Investitionen und Arbeitsplätze. Die wohlhabenden Kapitaleigner der Unternehmen, andere zu Reichtum Gekommene und viele profitträchtige Unternehmen stellten diese Mittel den Banken und Fonds auf Kredit zur Verfügung. Die weltweiten Finanzanlagen sprangen zwischen 2000 und 2007 von 291 % der gesamten Wirtschaftsleistung der Welt auf 358 % steil hoch (Abb. 16112). In Billionen Dollar ausgedrückt stiegen sie von 96 in 2002 auf 196 in 2007 (Abb. 16113).



Dabei explodierten die von Banken zur eigenen Finanzierung ausgestellten Schuldpapiere von 3,8 Billonen Dollar in 2000 auf das fast Fünffache von 19 Billionen Dollar in 2007 (Abb. 13362).


Banken und Fonds hebelten diese Mittel durch weitere von ihnen meist untereinander geschöpfte Kredite weiter hoch. Am Ende wurden dafür miese international gehandelte Papiere gekauft, die von miesen Ratingagenturen viel zu hoch bewertet waren, oder einfach synthetische Wetten auf die Wertentwicklung solcher Papiere abgeschlossen, ohne daß die wettenden Parteien die Papiere überhaupt besaßen. Diese miesen Anlagen und Wetten standen in krass falschem Verhältnis zu dem geringen Eigenkapital der Spekulanten. Die Aufsichtsbehörden drückten alle Augen zu oder schliefen ohnehin einen seligen Bürokratenschlaf.

Die erste Blase, die mit lautem Krachen um den Globus herum platzte, war dann auch die der auf Kredit gekauften sekurisierten Papiere, die mit amerikanischen Subprime-Hyphotheken und anderen zweifelhaften Werten angeblich besichert waren. Die Steuerzahler mußten die Banken retten und damit die wohlhabenden Gläubiger aus den Anleihen der Banken, die mit ihrem Kredit an die Banken die Spekulation erst richtig ermöglicht hatten. Niemand verlangte diesen Gläubigern Zins- oder Forderungsverzichte ab und so kassieren sie jetzt weiterhin jahrelang überteuerte Zinsen aus ihren festverzinsten Bankenanleihen. Den Schaden haben nicht nur die vielen kleinen Steuerzahler, sondern die Millionen, die um den Globus herum Arbeitsplätze verloren haben und wegen der Krise den Riemen noch enger schnallen mußten.

Das zweite Geschäft auf Kredit machte der internationale Handel auf. Exportversessene Länder, wie vor allem Deutschland, exportierten auf Kredit an Länder der Eurozone und andere, die weit über ihre Verhältnisse lebten. Die finanzierten ihre Schulden zu einem großen Teil durch die Auflage von Staatsanleihen, die wieder von den Rating Agenturen als top oder ziemlich sicher gewertet wurden, und wieder legten die Banken in solchen Papieren an. Das Geschäft wurde noch durch zwei Umstände zusätzlich versüßt, denn einerseits erlaubten die Aufsichtsbehörden den Banken, sehr wenig Eigenkapital dagegen zu rechnen, weil auch die Aufsichtsbehörden diese Papiere für sehr sicher hielten (wie schon bei den Papieren der zuerst geplatzten Kreditblase), und weil andererseits seit etwa zwei Jahren die EZB solche Staatsanleihen als Sicherheiten für Billigstkredite an die Banken von nur 1 % akzeptiert. Auch dieses Spekulantenrad wurde also kräftig gedreht. Das Volumen an Staatsanleihen von Griechenland, Spanien, Irland und Portugal stieg allein zwischen 2007 und 2009 um mehr als zwei Drittel oder 201 Mrd Dollar auf eine halbe Billion Dollar (Abb. 16114).


Das besondere Problem von Griechenland, Portugal und Irland ist, daß sie ihre Staatsanleihen zum allergrößten Teil ans Ausland verkauften (Abb. 16117).


Anders als bei im Inland verkauften Staatsanleihen kehren die Zinszahlungen nicht in die eigene Wirtschaft zurück und können auch keine Steuern auf diese Zinsen erhoben werden. Die Länder werden mit jeder Zinszahlung ärmer und kommen am Ende an einer Umschuldung meist nicht vorbei. Im Falle Griechenlands beträgt die Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland fast 90 % der jährlichen Wirtschaftsleistung; bei einem Zinsatz von 5 % werden jedes Jahr 4,5 % der Wirtschaftsleistung allein an Zinsen ans Ausland abgeführt. Und wenn nun die Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren wegen des Sparprogramms abstürzt, steigt der Anteil daran, der als Zinsen in das Ausland abgeführt werden muß, immer weiter. Bei einer Staatsverschuldung von 150 %, wie sie von vielen Beobachtern erwartet wird, wären es schon fast 6 %.

Die historische Erfahrung zeigt, daß Länder mit hoher Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland nie oder sehr selten an der Umschuldung vorbeigekommen sind, und Griechenland hat nach Chile den höchsten Anteil aus den letzten dreißig Jahren (Abb. 16118).


So hat auch der Aufkauf griechischer Anleihen durch die EZB den Zins auf griechische Anleihen bisher nur auf um 8 % heruntergeholt (Abb. 16119). Doch das ist nicht viel weniger als noch im April und für Griechenland viel zu hoch. Offensichtlich haben große Fonds und andere Anleger unter Feuerschutz der EZB ihre Anlagen in griechischen Bonds aufgelöst.


Wie sehr die deutschen Verbraucher sparten, um die ungeniert einkaufenden Verbraucher der Defizitländer zu finanzieren, zeigt sehr eindrücklich die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in der Eurozone (Abb. 12922). Von 2005 bis Ende 2007, vor Ausbruch der globalen Krise, ist der Einzelhandelsumsatz in den Defizitländern stark gestiegen, während er in Deutschland zurückfiel, aber auch seitdem ist er nur in Spanien unter die deutsche Entwicklung gefallen. Aber auch das stark verschuldete Großbritannien, wenn auch nicht im Euro, praßte drauflos.


Nun ist auch diese Blase geplatzt. Die Kaiser auf der Südschiene der Eurozone tragen keine Kleider mehr. Wieder sind die Steuerzahler der Gläubigerländer dran und wieder nicht diejenigen, die sich in den Staatsanleihen verspekuliert haben. Aber auch die Mehrheit der Menschen in den Schuldnerländern muß jetzt die Riemen enger schnallen. Damit wird eine harte Rezession in Ländern, die 15 % der Wirtschaftsleistung der Eurozone erbringen (Spanien, Griechenland, Portugal und Irland) unvermeidbar. In der Folge wird die Wirtschaftsentwicklung der gesamten Eurozone nach unten gedrückt werden. Außerdem werden die Gläubigerländer durch den Ressourcentransfer der neuen Euro-Transfergemeinschaft selbst erheblich geschwächt.

Die Währungsmärkte haben diese Folgen längst erkannt und halten den Euro unter Druck (Abb. 15590).


Um die Ecke wartet bei fallendem Euro die Verbraucherpreis-Inflation, weil Rohstoffe, Energie und viele Nahrungsmittel teuerer importiert werden müssen. Sie trifft nicht nur als Steuerzahler, sondern auch als Verbraucher die Menschen, die selbst nie spekuliert haben, ein weiteres Mal. Inflation droht auch, weil die geplatzte zweite Kreditblase nun von den Regierungen und der EZB mit gigantischen Volumina an Liquidität wieder aufgeblasen wird, wie das schon bei den Rettungspaketen und Konjunkturprogrammen nach dem Platzen der ersten Kreditblase geschehen ist.


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global news 2017 24-05-10: Das Krankenhaussterben setzt sich in der Krise beschleunigt fort

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Nach einer neuen Untersuchung von Ernst & Young ist die Zahl der Krankenhäuser seit 1998 um 8 %, die der Krankenhausbetten um 12 % zurückgegangen (Abb. 14195). Gleichzeitig ist die Bettenauslastung immer weiter gestiegen. Das Minus an Krankenhäusern seit 1992 beträgt sogar 13 %.


Vor allem hat seit 1992 die Zahl der öffentlichen und gemeinnützigen Krankenhäuser um 28 % abgenommen, während die der privaten mit 73 % um fast drei Viertel gestiegen ist. Der Anteil der privaten Krankenhäuser hat sich damit von 15 % auf 31 % mehr als verdoppelt (Abb. 14196).


In der Krise tun sich jetzt besonders die öffentlichen Krankenhäuser, auf die die meisten Menschen angewiesen sind, noch schwerer. Die Krise führt dazu, daß die Kommunen vielfach die Defizite der öffentlichen Krankenhäuser nicht mehr ausgleichen können und die Länder ihre Investitionen reduzieren. Mehr als jedes dritte Krankenhaus (39 %) will die Zahl der Beschäftigten in Pflege beziehungsweise Verwaltung reduzieren. Jedes fünfte Krankenhaus (21 %) plant sogar, künftig weniger Ärzte zu beschäftigen. Auch das ist ein Teil der unsozialen Entwicklung, durch die Deutschland schon seit Jahren geht und die sich nun noch verschlimmert.


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global news 2016 23-05-10: Wohin mit den steil steigenden Ersparnissen der Reichen?

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Die Ersparnisse der immer reicheren Reichen als Individuen und als Kapitaleigner der Unternehmen haben global die letzte große Spekulationswelle und dann die entsetzliche Krise ausgelöst. Um ihnen Anlagemöglichkeiten zu bieten, mußten sich immer mehr Menschen verschulden, mit Hauskauf per riskanter Hypotheken übernehmen und ganze Länder dem Ausland gegenüber in die Verschuldung gehen. Deutschlands Reiche und Unternehmen waren an der Vorfront dieser globalen Entwicklung, weil hier die soziale Diskrepanz zu Hause und die Exportunwucht nach draußen besonders stark anstiegen.

Doch nun setzt sich genau diese Entwicklung fort, als hätte es keine Krise gegeben. Die Spekulanten wurden durch den Rettungschirm aus Steuerzahlergeld weitgehend vor Verlusten geschützt. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen nun wieder und haben die Krise längst überwunden (Abb. 14849). Gegenüber dem Jahr 2000 sind sie bis zum ersten Quartal 2010 um 40 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Nettolöhne- und Gehälter (Abb. 14193).



Von solchen Einkommen wird massiv gespart, weil die Reichen schon fast alles haben und die Unternehmen bei gedrückter Massenkaufkraft wenig Chancen für Investitionen in mehr Warenproduktion sehen. Noch nie wurde mit fast 12 % aller verfügbaren Einkommen so viel in Deutschland gespart, wozu natürlich auch das Angstsparen normaler Menschen beiträgt (Abb. 14194).


Und die Ersparnisse der Reichen fluten auf der Suche nach profitablen Anlagen wieder die Finanzmärkte. Daher sind auch die Profite der Banken wieder auf das frühere Niveau geklettert. Die US Finanzindustrie hat das vorgemacht (Abb. 03847). Und in Deutschland zeigt es die Deutsche Bank, die in diesem Jahr einen neuen Gewinnrekord erwarten kann (Abb. 16122).



Da sind zwar Spekulationsbremsen dringend notwendig, wie die Transaktionssteuer. Doch bisher gibt es die nicht. Vor allem aber muß endlich eine andere Einkommensverteilung hereingefahren werden, damit sich Investitionen in den produktiven Sektor der Volkswirtschaft bei ausreichender Kaufkraft wieder lohnen und Ersparnisse hier eingesetzt werden. Sonst wird nach der Krise wie vor der Krise sein. Wetten?


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global news 2015 22-05-10: Wir leben in einer statistisch künstlich aufgehellten Scheinwelt

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Die Bundesregierung hat alles getan, um uns an den harten Realitäten blind vorbeizuführen. Das zum Innenministerium gehörende Statistische Bundesamt und mit ihm alle Medien melden das Bruttosozialprodukt oder neuerdings Bruttoinlandsprodukt (BIP) Quartal für Quartal. Seit seinem Hoch vor zwei Jahren ist es um 5,3 % gefallen. Doch das wird uns verschwiegen. Statt dessen werden wir mit einem Vergleich mit dem Tiefstpunkt beruhigt und damit, daß der große Boom vor der Haustür wartet.

Tatsächlich jedoch ist der Fall über die letzten zwei Jahre viel tiefer. Denn durch die staatliche Konjunkturstütze kam über zusätzliche Staatsverschuldung in zwei Jahren ein Schuldenaufbau um 183 Mrd Euro oder 8,1 % des BIP zusammen (Abb. 14160, 04065). Die Staatsausgaben wurden als Wirtschaftleistung gerechnet, weil sie in Sozialleistungen, wie Kurzarbeitergeld, oder Konjunkturprogrammen, wie die Verschrottungsprämie oder öffentliche Bauprogramme, landeten. Doch diese Ausgaben waren nur ein künstlicher Pump auf die Zukunft und müssen am Ende durch Sparprogramme wieder zurückgenommen werden. Das macht dann netto schon ein Minus von 13,4 % in zwei Jahren, wenn man real rechnet.



Und dann kommen die Schattenhaushalte, in denen die Bundesregierung die Bankenrettungsprogramme und jetzt die Rettungsprogramme für bestimmte Euroländer versteckt hat. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) gewährte bisher 160,7 Milliarden Euro an Bankenhilfen und schloß 2009 mit einem Verlust von 4,3 Milliarden Euro ab. Sollten alle 160,7 Mrd Euro zu Verlusten führen, was nicht sehr wahrscheinlich ist, so wären das weitere 7 % des BIP. Angenommen es wären am Ende nur 50 Mrd Euro, so sind das weitere 2,2 % des BIP und saldiert sich das Minus über die zwei Jahre nicht auf 5,3 % sondern auf fast 16 % des BIP. Und wieviel wird in Griechenland noch verloren gehen, wurde aber als auf Kredit gefahrene deutsche Exportleistung im BIP gemessen? Die Realitäten sehen also ganz anders aus als die uns stets vorgespielte Scheinwelt.


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Wirtschaftsstandort

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