Reihe 64 ab 12-11-09 ... ...

(1820) Auch der deutsche Dienstleistungssektor sinkt

(1819) Vom Fluch der falschen Bankenrettung: Das schmutzige Geheimnis, das alles schlimmer macht

(1818) Die anderen asiatischen Tiger folgen China in die aggressive Abwertung für Marktanteile

(1817) Aufträge im Maschinenbau minus 29 %, Eisenbahntonnage minus 12 % unter Vorjahr, Fragen über dem Automobilstandort

(1816) Der Arbeitsmarkt im November: Immer mehr Unterbeschäftigung

(1815) Deutscher Einzelhandel im Oktober minus 1,7 %

(1814) China kann auch im Krisenjahr seinen Anteil an den EU-Importen steigern

(1813) Der Fluch am Arbeitsmarkt: Vom Elend der Leiharbeit

(1812) Hält denn der Steuerzahler die Banken nur für die Aktionäre über Wasser?

(1811) China bereitet selbst in der Krise mit zusätzlichen Überkapazitäten die nächste Niedrigpreis-Exportoffensive vor

(1810) Warum sich China einer bindenden Klimaverpflichtung verweigert

(1809) Das Armutsrisiko ist sehr ungleich verteilt

(1808) Die eigentliche Krise der deutschen Banken kann noch kommen

(1807) Neues von der Krisenfront: Müder Konsum und müder Bau

(1806) Zur Lage der europäischen Banken

(1805) Die Wirtschaftspropaganda wird immer greller

(1804) Detailergebnisse des 3. Quartals 09: Zaghafte Erholung mit vielen Fragezeichen

(1803) Selbst der Sachverständigenrat der Bundesregierung kritisiert die immer einseitigere Vermögensverteilung

(1802) Es gibt keinerlei Anzeichen, daß Steuersenkungen in Deutschland jemals zu mehr Wirtschaftsleistung geführt hätten

(1801) Methusalem-Deutschland: Zur neuesten Bevölkerungsvorausberechnung

(1800) Auch Deutschland nähert sich der Deflationsfalle

(1799) Die Krise läßt die weltweit Hungernden über 1 Mrd hochschießen

(1798) OECD sieht schwarz für Deutschland: Wirtschaftserholung unter großen Industrieländern nur in Italien noch schwächer

(1797) Die Geschichte von zwei Einkommens-Welten in Deutschland

(1796) Der Pazifik gegen Europa (Klimakriege Teil 2)

(1795) Weltwirtschaft unter Drogen: Der nächste Absturz kommt mit der Entziehung

(1794) Weiter Horrorzahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Beschäftigungs- und Entgelt-Rückgang hält unvermindert oder kaum vermindert an

(1793) Klimakriege: Der Pazifik gegen Europa

(1792) Wirtschaftsleistung 3. Quartal: Minus 4,7 % gegenüber Vorjahr und viele Sonderfaktoren

(1791) Deutschland im EU-Vergleich: Besonders hoher Rückgang in den Arbeitsstunden im 2. Quartal und drittgrößter Verdienstunterschied zum Nachteil der Frauen




global news 1820 04-12-09: Auch der deutsche Dienstleistungssektor sinkt

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Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sank der Umsatz in ausgewählten Dienstleistungsbereichen im Vergleich zum Vorjahresquartal nominal um insgesamt 9,8% (Abb. 14836). Dabei ist der Anteil des Dienstleistungssektors an Umsatz und Beschäftigung viel größer als der des produzierenden Gewerbes (Abb. 14837).



In allen betrachteten Wirtschaftsabschnitten war gegenüber dem Vorjahresquartal ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. So verringerten sich die Umsätze bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen um 5,9% und im Bereich Information und Kommunikation um 10,0%. Noch stärker waren die Rückgänge in den Bereichen Verkehr und Lagerei (- 10,4%) sowie der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (- 12,1%).

Kalender- und saisonbereinigt ging der Umsatz insgesamt gegenüber dem zweiten Quartal 2009 um 1,0% zurück. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich in den betrachteten Wirtschaftsbereichen gegenüber dem Vorjahresquartal insgesamt um 2,2%. Saisonbereinigt blieb die Anzahl der Beschäftigten insgesamt im Vergleich zum Vorquartal unverändert.


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global news 1819 03-12-09: Vom Fluch der falschen Bankenrettung: Das schmutzige Geheimnis, das alles schlimmer macht

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Jetzt rächt sich bitter mit der Kreditklemme für die Realwirtschaft der falsche Weg der Bankenrettung. Im Rahmen der Kreditblase vor Ausbruch der Krise haben die Banken per Anleihen Unmengen von Geld aus der Realwirtschaft aufgenommen, höchst riskant angelegt und dabei ihre Eigenkapitalbasis dramatisch überhebelt (Abb. 16637, 03869, 03863). Allein die 14 größten international tätigen deutschen Banken haben im Zuge der Geldaufnahme ihre Bilanzen auf 5,4 Billionen Euro, mehr als das Doppelte der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung, aufgeblasen. Schaut man nur auf die Verbindlichkeiten gegenüber der Realwirtschaft, so ist es immer noch das 1,3-Fache.




Wegen der Systembedeutung konnten die Regierungen den Bankensektor nicht einfach in die Pleite gehen lassen. Auch mußte ein Schutz für die Sparguthaben aufgebaut werden, der über die bis dahin geltenden Höchstgrenzen hinausgehen mußte. Doch haben die Regierungen und Notenbanken dabei unsinniger- und gefährlicherweise auch die Zeichner der hochverzinsten Bankenanleihen geschützt. Während Anleihen bei jeder Schieflage eines Unternehmens Not leiden, mindestens in der Verzinsung ausgesetzt werden (siehe GM in USA), geschah das bei den Bankenanleihen nicht, nicht einmal bei denen der berüchtigten HypoRealEstate. Die Banken zahlen nach wie vor die hohen Zinsen, obwohl mit dem Staatsschutz nicht einmal das Risiko mehr solche Zinsen rechtfertigt. Es wurde offensichtlich bewußt darauf verzichtet, die Banken zur Aussetzung der Zinszahlungen und Rückzahlungen zu zwingen und damit eine Mitbeteiligung der Anleihezeichner an den Bankenverlusten durchzusetzen.

Die Erklärung liegt nicht zuletzt in dem politischen Einfluß der sehr wohlhabenden Schicht dieser Anleihezeichner (Individuen und Pensionsfonds), die z.B. bei der Deutschen Bank einen Mindestbetrag pro Anleihe von 50.000 Euro zeichnen mußten. Dabei hatten die profitversessenen Anleihezeichner den Banken das Spiel mit den riskanten Anlagen erst ermöglicht, ja die Banken oft in diese Anlagen getrieben, weil das eine höhere Verzinsung der Anleihen ermöglichte. Anleihen der Deutschen Bank z.B. wurden mit einem Festzins von 6,4 % (2003-2013), 6 % (2000-2014), 5,5 % (2001-2011), 5,5 % (2002-2012) ausgerüstet, um nur einige zu nennen. Dazu kommen noch die nachrangigen oder Hybridanleihen, die wegen des besonderen Risikos noch höher verzinst wurden. Die Commerzbank z.B. hatte Ende 2007 nach eigenen Angaben ausstehende Hybrid-Anleihen von 3,3 Mrd. Euro, bei der Dresdner Bank sind es 8 Mrd. gewesen.

Das von den Regierungen mitgerettete Anleihenkapital ermöglicht im Übrigen den wohlhabenden Zeichnern dieser Anleihen, nun auch an den Aktienbörsen - neben anderen - die Kurse wieder hoch und in eine neue Blase zu treiben (auch das wird sich rächen).

Nun kommt der Fluch der bösen Rettungstat. Die Banken sind auf der Seite ihrer Anleihen noch voll in der Verpflichtung und billanziell entsprechend belastet. Sie können daher auch nicht die riskanten Anlagen in amerikanischen Hypothekenpapieren und ähnlichen Kunstprodukten so abschreiben, wie das zur Sanierung der Bilanzen und zur Herstellung einer vernünftigen Relation zu ihrem Eigenkapital nötig wäre. Also müssen sie auf die Kreditbremse gehen, um auf diese Weise mehr Gleichgewicht zwischen Aktiva und Passiva zu erreichen. Das Volumen der Kredite von Banken der Eurozone an die Unternehmen ist im September und noch mehr im Oktober hinter die Vorjahresmonate zurückgefallen. Waren es im Durchschnitt des Jahres 2007 noch 13,5 % mehr als im Vorjahr, so sind es im Oktober 2009 schon 1,2 % weniger gewesen (Abb. 16641). Die Entwicklung dürfte in Deutschland nicht viel anders gewesen sein, worauf die Gesamtkreditaufnahme deutscher Unternehmen hindeutet (Abb. 16642).



Auch in USA schmelzen die Banken in Rekordraten ihre Kreditportfolios ab: von einem Plus von 89 Mrd Dollar im 3. Quartal 2007 vor Beginn der Krise auf ein Minus von 99 Mrd Dollar im 3. Quartal 2009 (Abb. 16645). Die Regierungen wollten bei der Bankenrettung die wohlhabenden und einflußreichen Anleihezeichner schützen und haben im Ergebnis den Unternehmen geschadet, die nicht ausreichend Kredit bekommen oder nur zu überteuerten Bedingungen. Da kann auch ein Kreditmediator, wie ihn die Bundesregierung jetzt eingesetzt hat, wenig helfen.



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global news 1818 02-12-09: Die anderen asiatischen Tiger folgen China in die aggressive Abwertung für Marktanteile

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Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, folgen die anderen asiatischen Tigerländer dem chinesischen Beispiel einer aggressiven Abwertung, um auch in der Krise keine Marktanteile zu verlieren oder sogar zu gewinnen. Vietnam, Thailand, Malaysia, Taiwan und Singapur haben alle - wenn auch unterschiedlich - gegenüber dem Euro abgewertet und sind gleichzeitig in der Nähe des abrutschenden Dollar geblieben (Abb. 16644).


Besonders weit hat Vietnam seine Währung nach unten getrieben: seit Anfang März bereits um rund 20 % und hat damit selbst gegenüber dem Dollar um 4 % abgewertet. China hat es gegenüber dem Euro bei Totalbindung an den Dollar bisher auf 16 % gebracht. Das sind enorme Sprünge, die die Exporte in die Eurozone stark erleichtern und gleichzeitig die Exporte der Eurozone in diese Länder verteuern und entsprechend erschweren. Es steht zu befürchten, daß sich die Eurozone nur mit Antidumping-Zöllen und anderen Eingriffen in den Handel gegen solche Aggression wehren kann, falls sich diese Entwicklung fortsetzt. Da mit einer weiteren Abwertung des Dollars zu rechnen ist, kann sich das aggressive Währungsverhalten der asiatischen Tiger durchaus noch fortsetzen und verstärken. Welcome back to the Thirties! Die Große Depression läßt grüßen!


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global news 1817 02-12-09: Aufträge im Maschinenbau minus 29 %, Eisenbahntonnage minus 12 % unter Vorjahr, Fragen über dem Automobilstandort

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Der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag im Oktober 2009 um real 29 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau am Mittwoch in Frankfurt mit (14647). In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich August bis Oktober 2009 ergibt sich insgesamt ein Minus von 35 Prozent im Vorjahresvergleich. Es ist, auch wenn der steile Absturz gestoppt werden konnte und sich die Aufträge langsam erholen, ein ziemlich katastrophales Ergebnis.


Trotz einer berenzten Erholung liegt auch das Transportaufkommen der Bundesbahn immer noch um 11,7 % unter dem Vorjahreswert und um 20,3 % für den gesamten Zeitraum Januar - September 2009 (Abb. 14835).


Auch der Automobilsektor kommt nicht richtig aus der Krise. GM hat in dem der Bundesregierung übergebenen Papier angedeutet, daß man rund 20 % des Finanzierungsbedarfs von 3,3 Milliarden Euro für die Neuaufstellung von Opel und seiner britischen Schwester Vauxhall selbst stemmen könnte. Man muß nun vermuten, dass GM in Höhe von 2,7 Mrd Euro Staatshilfe von den europäischen Opel-Ländern fordern wird. Bei Daimler-Benz soll die volumenstarke C-Klasse künftig zu 40 % im Ausland gebaut werden (20 % in USA, je 10 % in China und Südafrika). Hier zeigt sich auch die Auswirkung der Aufwertung des Euro gegenüber Dollar und chinesischem Renmimbi.


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global news 1816 01-12-09: Der Arbeitsmarkt im November: Immer mehr Unterbeschäftigung

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Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) erheblich zugenommen, zuletzt um mehr als 9 % und das auch gegenüber dem Vormonat, wenn man den Schätzzahlen der Agentur folgt. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-20 %). Die Zahl der Kurzarbeiter ist bis zu den letzten Zahlen vom September auf 1,1 Millionen stark angestiegen. Einschließlich des Beschäftigtenäquivalents Kurzarbeit betrug die Unterbeschäftigung im letztgenannten Monat September schon 17,2 Prozent mehr als im September 2008. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist über die letzten Monate deutlich gefallen und stagniert nun mit zuletzt minimalem Anstieg auf niedrigem Niveau. Die Beschäftigung ging gegenüber dem Vorjahr weiter zurück.

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres 2008 Monat für Monat immer stärker abgeschwächt und ist entsprechend der noch nicht veränderten Statistik seit März erstmals negativ geworden und seitdem immer mehr. Auch die vom Statistischen Bundesamt nun veränderte Statistik (siehe unten Teil 8) rutscht bei der Sinkrate von Monat zu Monat mehr ins Minus (Abb. 14041). Der Begriff "Beschäftigung" umfaßt dabei noch viele Minijobs, Trainingsmaßnahmen und andere Überbrückungen, die praktisch Arbeitslosigkeit bedeuten und nur unter "Unterbeschäftigung" ausgewiesen werden.


Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % immer mehr ab und geriet seit März in negatives Terrain, im November fast 8 %, wobei allerdings die vom Dritten betreuten Jobsuchenden von der Bundesagentur total irreführend nicht mehr erfaßt werden, was die Statistik total entwertet (Abb. 04772). Die durch Dritte betreuten Arbeitslosen wurden einfach in die "Unterbeschäftigung" verschoben, die nach Schätzung der Agentur im Vergleich zum Vorjahr (ohne Kurzarbeit) um 373.000 oder 9,2 Prozent gestiegen ist. Einschließlich des Beschäftigtenäquivalents Kurzarbeit betrug die Unterbeschäftigung im September 5,0 Mio, oder 17,2 Prozent mehr als im September 2008 (für die Zeit nach September 09 sind noch keine Kurzarbeiterzahlen vorhanden).


Von den 6 Millionen Arbeitslosengengeldempfänger werden nur noch 53.7 % als arbeitslos registriert (Abb. 04980). Zwischen August 2006 und November 2009 ist der Anteil der arbeitslos Registrierten an allen Empfängern von Arbeitslosenhilfe von seinerzeit 67,3 % immer weiter gefallen (Abb. 14762). Immer mehr Arbeitslose befinden sich in Warteschleifen außerhalb der Statistik, wie oft nutzlosen Weiterbildungs- und Trainingsprogrammen, in niedrigst bezahlter Arbeit von 1 Euro und etwas mehr oder sind statistisch durch vielerlei Manipulationen schlicht ausgemerzt worden. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.



Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt "Arbeitslos im November"


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global news 1815 01-12-09: Deutscher Einzelhandel im Oktober minus 1,7 %

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Der Umsatz im deutschen Einzelhandel lag im Oktober 2009 real 1,7 % niedriger als im Oktober 2008. Im Vergleich zum September 2009 stieg der Umsatz unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten real um 0,5% (Abb. 04943). Dabei sparen die Deutschen auch am Munde: Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2009 real 2,0 % weniger um als im Oktober 2008. Seit Februar 2008 ist der Einzelhandel mit Lebensmitteln real bereits um mehr als 4 % eingebrochen.


Im internationalen Vergleich hat Deutschland die bei weitem schlechteste Einzelhandelsentwicklung der letzten Jahre (Abb. 12922).



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global news 1814 29-11-09: China kann auch im Krisenjahr seinen Anteil an den EU-Importen steigern

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Nach neuer Meldung von Eurostat stieg der Anteil Chinas an den EU-Importen von 15,8 % in 2008 auf 17,4 % im 1. Halbjahr 2009 (Abb. 13828). Bei den EU-Exporten stieg der Anteil Chinas von 6,1 % auf 7,1 %.


Die chinesische Billigware hat es offensicht bei den Verbrauchern in der Krise einfacher als die Importe aus anderen Ländern, zumal der Renmimbi über die letzten Monate stark nach unten manipuliert wurde. Die Importe aus China gingen im 1. Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um 8,4 % zurück. Dagegen sind beispielsweise die Importe aus den USA trotz des schwachen Dollars um 15,8 % eingebrochen, die Importe aus Japan sogar um 29,1 %.

China konnte im 1. Halbjahr 2009 fast dreimal mehr in die EU exportieren als die EU nach China (Abb. 08005). Durch die negative Handelsbilanz sind sehr viel Arbeitsplätze an China verloren gegangen.


Das wird alles noch schlimmer werden, falls China seine Währung durch die Anbindung an den abrutschenden Dollar weiter in den Keller treibt. Aus EU-Sicht ist die chinesische Währung erheblich unterbewertet, was China die Beibehaltung hoher Handelsbilanzüberschüsse erleichtert. Beim jüngsten EU-China-Treffen hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gedrängt, eine Aufwertung in China wäre in jeder Hinsicht gut. Ein stärkerer Yuan würde helfen, Handelsungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu beseitigen. Es sei auch im Interesse der chinesischen Wirtschaft selbst. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die Orientierung des Yuan am Dollar sei für einige Bereiche der europäischen Wirtschaft problematisch. Nicht, weil der Euro zu stark, sondern der Dollar zu schwach sei, und das schaffe einige Probleme. Das habe er Ministerpräsident Wen Jiabao auch bei einem gemeinsamen Abendessen mitgeteilt. Doch China zeigte nach den Gesprächen keine Bereitschaft zu Änderungen der Wechselkurspolitik. Wen Jiabao insistierte ein weiteres Mal, daß China seine Währung auf einem "vernünftigen, ausgewogenen Niveau" halten möchte. Der Eurogruppen-Vorsitzende Jean-Claude Juncker meinte: „Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt optimistischer wäre".


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global news 1813 29-11-09: Der Fluch am Arbeitsmarkt: Vom Elend der Leiharbeit

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Zeitarbeitnehmer gehören zu den ersten Arbeitnehmern, die auf Grund der Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Ihre Zahl sank vom Jahr 2008 zum ersten Halbjahr 2009 deutlich um 31% auf gut 520 000; parallel dazu nahm im gleichen Zeitraum die Zahl der Arbeitslosen um 8% zu (Abb. 14830).


Zeitarbeit ermöglicht es Unternehmen, flexibel auf konjunkturelle Änderungen zu reagieren und das Arbeitsmarktrisiko voll auf die Zeitarbeitnehmer abzuwälzen. Besonders häufig entlassen wurden weniger qualifizierte Zeitarbeitnehmer beziehungsweise solche, die in Tätigkeiten mit niedrigen Qualifikationsanforderungen arbeiten. So sank im Zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal die Zahl der ungelernten Arbeitnehmer um 49% und die der angelernten Arbeitnehmer um 34%. Aber auch die Zahl der herausgehobenen Fachkräfte (-14%) und Fachkräfte (-21%) ging zurück (Abb. 14831).


Die Hälfte (53%) der Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen waren im Jahr 2006 kürzer als ein Jahr im Unternehmen. Ein Drittel war zwischen einem und zwei Jahren und lediglich 16% war länger als zwei Jahre im Betrieb tätig. Die meisten Jobs der Zeitarbeitnehmer waren durch ungelernte (28%) und angelernte Tätigkeiten (35%) gekennzeichnet. Ein weiteres knappes Drittel der Zeitarbeitnehmer war als Fachkraft beschäftigt. Diese Verteilung unterscheidet sich deutlich von der aller Arbeitnehmer. Bei den Beschäftigten insgesamt war der Anteil der Un- und Angelernten im Vergleich zu den Zeitarbeitnehmern erheblich niedriger, der der Fachkräfte, herausgehobenen Fachkräfte und leitenden Arbeitnehmern hingegen deutlich höher (Abb. 14832).


Die Unternehmen läuten jetzt eine neue Runde in der Personalpolitik ein. Sie gründen Zeitarbeitsfirmen, um eigene Mitarbeiter in Leiharbeitskräfte zu verwandeln. So umgehen sie Tariflöhne und Kündigungsschutz. Der neue Schwerpunkt „Vom Elend der Zeitarbeit" bringt eine kritische Analyse der gesamten Situation um die Leiharbeit (unbedingt lesen!).


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global news 1812 28-11-09: Hält denn der Steuerzahler die Banken nur für die Aktionäre über Wasser?

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Nun haben wir die Bescherung. Das Volumen der Kredite von Banken der Eurozone an die Unternehmen ist im September und noch mehr im Oktober hinter die Vorjahresmonate zurückgefallen. Waren es im Durchschnitt des Jahres 2007 noch 13,5 % mehr als im Vorjahr, so sind es im Oktober 2009 schon 1,2 % weniger gewesen (Abb. 16641).


Die Entwicklung dürfte in Deutschland nicht viel anders gewesen sein, worauf die Gesamtkreditaufnahme deutscher Unternehmen hindeutet (Abb. 16642).


Die Bundesregierung fürchtet nun um die Kreditvergabe durch die Banken: Um die anzukurbeln, plant sie nach SPIEGEL-Meldung ein großangelegtes Maßnahmenpaket, um die drohende Kreditklemme abzuwenden. Zentrale Maßnahme soll ein Programm sein, mit dem die Regierung den Banken in großem Stil Risiken abnimmt. Der Bund will den Banken Forderungen im Umfang von zehn Milliarden Euro abkaufen und diese verbürgen. Das Geld soll aus dem Schattenhaushalt des Deutschlandsfonds kommen, mit dem die Regierung während der Wirtschaftskrise Unternehmen hilft.

Mit dem Verkaufserlös sollen die Banken neue Kredite an die Wirtschaft unterlegen. Mit der Summe lässt sich nach Berechnungen der Regierungsexperten ein Kreditvolumen von über hundert Milliarden Euro generieren. Zusätzlich will die Regierung den Kreditinstituten weitere Globaldarlehen zur Verfügung stellen. Dabei wird den Banken Staatsgeld zur Verfügung gestellt, das sie als Kredite an Unternehmen weiterreichen sollen. Bei dem neuen Vorhaben will der Bund zudem weitgehend die Haftung für das Ausfallrisiko übernehmen. Die Mittel von ebenfalls rund zehn Milliarden Euro sollen wiederum aus dem Deutschlandfonds stammen.

Man muß bei solchen Hilfen, die nicht nur den Unternehmen, sondern erneut auch den Banken gelten, die dann Kreditzinsen ohne Ausfallsrisiko verdienen, fragen, warum die Banken eigentlich gerettet wurden. Wird hier dem Chef der Deutschen Bank geholfen, wieder auf eine Rendite von 25 % abzuzielen? Warum läßt der Bund dieses Programm nicht über die quasi teil-verstaatlichte Commerzbank und die staatliche KfW laufen? Und ist es wirklich vertretbar, immer mehr Haushaltsrisiken in einem Schattenhaushalt zu verstecken.

Es wäre für den Steuerzahler und die Wirtschaft allemal besser, die Banken zu verstaatlichen, wie das auch in der Großen Depression der 30er Jahre unvermeidbar wurde und wie es die bürgerliche schwedische Regierung in der schwedischen Bankenkrise vor einigen Jahren teilweise tun mußte. Außerdem wird bei den niedrigen Zentralbankzinsen eine Spekulationssteuer immer dringender, um die sich neu aufblasende Spekulationsblase zu vermeiden (Abb. 16643).



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global news 1811 27-11-09: China bereitet selbst in der Krise mit zusätzlichen Überkapazitäten die nächste Niedrigpreis-Exportoffensive vor

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In seinem Buch „Gescheitert" schreibt Heiner Flassbeck, Chefstratege der Entwicklungsländerorganisation UNCTAD, zu China:

„Solange das Land rasch aufholt, bietet es seiner Bevölkerung im eigenen Land Entwicklungsperspektiven und zwingt kaum jemanden, das Glück außerhalb der eigenen Grenzen zu suchen. Für viele andere Länder wird China auf lange Zeit der wichtigste Markt werden. Anders als uns viele Panikpropheten weismachen wollen, stehen folglich die 700 Millionen arbeitsfähigen Chinesen keineswegs bereit, um unseren Arbeitsmarkt zu überfluten und unsere Löhne gegen Null zu drücken. Die Menschen bleiben selbst bei großen absoluten Unterschieden in den Lebensverhältnissen gerne in ihrer Heimat, wenn sie einen Arbeitsplatz haben und ihr Einkommen kräftig steigt.

Das lässt darauf schließen, dass die expansive Wirtschaftspolitik Chinas Früchte trägt. Nicht nur dort, auch für andere Länder. Die Umkehr bei den Exporten zeigt, dass sich die dynamische innere Entwicklung entlastend beim Export auswirkt."

Nun ist Heiner Flassbeck als Chefstratege der von China stark beeinflußten Entwicklungsländerorganisation UNCTAD auf dem China-Auge seit jeher total blind. Was er schreibt ist in mehrfacher Hinsicht ziemlicher Unsinn und eine Verdrehung der Fakten. Niemand hat bisher erwartet, daß die Chinesen ihre Heimat verlassen und unseren Arbeitsmarkt überfluten. Und die Umkehr bei den chinesischen Exporten, die zur Beruhigung behauptet wird, war nur zeitlich befristet, als überall die Exporte wegbrachen. Inzwischen wächst der chinesische Export wieder (Abb. 08179).


Erst recht verfängt die Beruhigungspille nicht, die dynamische innere Entwicklung Chinas wirke sich entlastend beim Export aus. China hat die Krise benutzt, um mit gewaltigen auf Staatskredit finanzierten Infrastrukturinvestitionen für Beschäftigung zu sorgen, die teilweise in die Exportlücke gesprungen ist. Doch vieles dieser Investitionen bereitet nur die nächste Exportoffensive vor, für die bessere Straßen, bessere Häfen, bessere Energienetze und Industrieanlagen gebraucht werden. Außerdem wurde durch billigsten Kredit die Überkapazität in der Industrieproduktion massiv ausgebaut und werden die demnächst zu billigsten Preisen erst recht auf den Export drängen.

So warnt jetzt die Europäische Handelskammer in China, der man sicher nicht Panikmache vorwerfen kann, in einem neuen Bericht vor dem chinesischen Aufbau an Überkapazitäten für den Export:

„Die Krise hat die Nachfrage für Exporte aus China gebremst zu einer Zeit, als durch das massive Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung sogar mehr Investitionen in den Bau neuer Fabriken und neue Produktionskapazitäten gepumpt wurden. Im Ergebnis wird das Problem derzeit für viele Industrien schlimmer. Der Zuwachs an Ausrüstungsinvestitionen beschleunigte sich von 25 % gegenüber Vorjahr in Januar-Februar auf 35 % im Mai. Gleichzeitig hat das Konjunkturprogramm wenig zur Ankurbelung des Netto-Verbrauchs beigetragen."

Der Kammerpräsident Jörg Wuttke befürchtet nun, daß es sehr viel mehr Anti-Dumpingverfahren gegen China geben werde. Chinas Überkapazität setze die europäischen Regierungen unter Druck, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Auch der derzeitige EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt warnte im Gespräch mit der Financial Times, China müsse bereit sein, die Vorteile wachsenden Wohlstands mit dem Rest der Welt zu teilen. Jobs und Handel könnten nicht nur in eine Richtung gehen. Selbst ein führender chinesischer Ökonom, Yu Yongding, warnte, die durch die billigen Kredite verursachte chinesische Überkapazität werde noch viel ernster werden.


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global news 1810 27-11-09: Warum sich China einer bindenden Klimaverpflichtung verweigert

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Eigentlich ist es schon fast komisch. Da erklärt der größte Klimaverschmutzer China mit viel Brimborium, seine Emissionen senken zu wollen. Nur darf das nicht verbindlich sein. Auch darf es nicht nachgeprüft werden. Warum eigentlich diese Scheu? Vielleicht muß man sich zum besseren Verständnis einige Zahlen ins Bewußtsein führen.

Die in China installierte Elektrizitätskapazität soll sich zwischen 2006 und 2030 fast verdreifachen, der Kohleeinsatz in der Industrie um fast 60 % steigen. China emittiert inzwischen doppelt so viel CO2 aus dem energetischen Einsatz von Kohle als die USA mit einer Steigerung um 103 % gegenüber dem Jahr 2000 (Abb. 07308). Die Internationalen Energie Agentur erwartet, daß der Kohleeinsatz in der Elektrizitätserzeugung bis 2030 noch stark weiter steigen wird, falls sich die Politik nicht grundsätzlich ändert (Abb. 07307). Die Projektion ist wichtig, denn es geht nicht um China heute, sondern um China in wenigen Jahrzehnten.



Kohle wird zu allem Überfluß in meist ziemlich veralteten Kohlekraftwerken verbrannt, wo sie unwirtschaftlich und mit übermäßig viel CO2-Emission in Strom verwandelt wird. Alle sieben bis zehn Tage geht ein neues großes Kohlekraftwerk irgendwo in China ans Netz. Dabei ziehen die chinesischen Kraftwerksbetreiber bisher oft billige und umweltbelastende Technologie von mit ihnen verbundenen heimischen Herstellern dem Import teuerer moderner und umweltfreundlicherer Ausrüstung vor. Über die nächsten 25 Jahre werden die Treibhausgase aus Chinas Kohlekraftwerken die Treibhausgas-Emissionen aller Industrieländer zusammen übersteigen und fünfmal mehr an Belastung ergeben als die vom auslaufenden Kyotoprotokoll bisher vorgesehenen Einschränkungen.

Wenn China denselben Lebenstandard mit demselben Energieeinsatz anstrebt wie bei uns, so ist dem natürlich nicht zu widersprechen. Widersprechen muß man allerdings, wenn dabei die Energieeffizienz sehr viel niedriger und dementsprechend die Emissionsintensität sehr viel höher als bei uns ist. Deutschland hat seine Emissionsintensität in den letzten Jahren erheblich zurückgefahren. Sie liegt jetzt um rund ein Viertel unter dem Niveau von 1995. In kaum einem anderen Land werden Gebäude so gut isoliert, sparen die Verbraucher so sehr am Energieeinstatz, wird so viel alternative Energie eingesetzt, etc. In China ist das allerdings nicht geschehen. Und so ist die chinesische Emissionsintensität pro Wirtschaftsleistung etwa sechsmal höher (Abb. 07302).


Innerhalb seiner Milliardenbevölkerung hat China inzwischen durch die sehr ungleiche Wohlstandsverteilung eine wohlhabende Bevölkerungsgruppe mindestens in der Bevölkerungsgröße Deutschlands, die auf dem durchschnittlichen deutschen Lebensstandard angekommen sein dürfte. Die ist nun auch nicht bereit, irgendetwas für das Klima abzugeben und lebt dabei auch noch auf der enorm hohen Emissionsintensität des ganzen Landes pro Kopf weit emissionsintensiver als der Durchschnitt hier in Deutschland, zumal in China im Sommer noch der hohe Verbrauch der Klimaanlagen hinzukommt.

Die KfZ-Dichte ist bereits heute in Shanghai z.B. bestimmt nicht viel geringer als in Berlin und sie steigt vor allem dramatisch. Schon vor einigen Jahren wurde geschätzt, daß sich der chinesische KfZ-Bestand zwischen 2002 und 2030 auf 390 Mio verzwanzigfachen wird und dann um ein Viertel über dem der USA liegt. Die durchschnittliche KfZ-Dichte pro Einwohner wird dann - trotz des hohen Anteils an heute noch in Armut lebender Bevölkerung - bereits in der Höhe der japanischen und westeuropäischen Werte zu Anfang der 70er Jahre liegen.

Wenn man sich diese dramatische Emissionentwicklung vergegenwärtigt, so kann man sich vorstellen, warum sich das Land bisher einer internationalen Vereinbarung zur Emissionsbegrenzung verweigert.


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global news 1809 27-11-09: Das Armutsrisiko ist sehr ungleich verteilt

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Nach den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts aus der Erhebung LEBEN IN EUROPA 2008 waren im Jahr 2007 durchschnittlich 24 % der Bevölkerung Deutschlands vor Sozialleistungen und 15 % nach Sozialleistungen armutsgefährdet (Abb. 14819). Das Armutsgefährdungsniveau blieb damit gegenüber 2006 (15%) unverändert. Die Armutsgefährdungsgrenze (auch: Schwellenwert für Armutsgefährdung), ab der eine Person im Jahr 2007 als armutsgefährdet galt, lag bei einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 913 Euro monatlich. Für eine Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren, belief sich dieser Grenzwert 2007 auf 1 917 Euro monatlich.


Wesentlich höhere Armutsrisiken nach Sozialleistungen lagen jedoch bei alleinlebenden Frauen (30 %), alleinerziehenden Haushalten (36 %) und Arbeitslosen (56 %). Frauen sind generell mehr armutsgefährdet als Männer. Besonders angestiegen ist die Armutsquote bei Arbeitslosen, die 2006 noch bei 51 % gelegen hatte.

Im Vergleich der Armutsrisken der Alt-EU-Länder liegt Deutschland auf dem neunten von 15 Plätzen nur noch von den ärmeren Ländern auf der EU-Südschiene und Großbritannien/Irland übertroffen (Abb. 14820).



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global news 1808 26-11-09: Die eigentliche Krise der deutschen Banken kann noch kommen

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Der immer großmaulige Ackermann von der Deutschen Bank hat auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt vor einer Woche schon das Ende der Krise der deutschen Banken ausgerufen: „Der schlimmste Teil der Finanzkrise scheint hinter uns zu liegen". Doch bisher noch baden die in der warmen Sonne riesiger Mengen von billigstem Zentralbankkredit, den sie dann zinsträchtig wieder anlegen. Die meisten der billig vor der Krise aufgenommenen langfristigen Anleihen und Kredite werden erst in den kommenden Jahren fällig und müssen dann zu wesentlich höherem Zins refinanziert werden. Viele von den Banken an Unternehmen und Verbraucher vergebene Kredite werden nun in der Krise der Realwirtschaft notleidend. Auch haben die deutschen Banken in hohem Umfang die immer gefeierten deutschen Handelsbilanzüberschüsse mit den Defizitländern vor allem in Ost- und Südeuropa finanziert, von denen einige nun unter der Verschuldungslast in die Knie zu gehen drohen, besonders Griechenland und Italien.

Zunächst ein Blick auf die zusammengefaßte Bilanz von 14 großen, international tätigen deutschen Banken: Sie haben Verbindlichkeiten von 5,3 Billionen Euro bei einem Eigenkapital von nur 175 Mrd Euro (3,3 %, Abbildung 16637).


Die deutschen Banken haben bei der EZB für 221 Mrd Euro Kredit zu 1 % aufgenommen (siehe Rundbrief). Bei einer Wiederanlage zu 4 % würden das fast 7 Mrd Euro risikofreier Gewinn pro Jahr sein. Bundesbankvorstand Hans-Helmut Kotz sagte dazu, die Banken hätten ihre teils hohen Gewinne vor allem den Hilfen der Notenbanken und Regierungen zu verdanken. Doch diese künstliche Bilanzhilfe der EZB wird wahrscheinlich Ende nächsten Jahres auslaufen müssen.

In den Bilanzen der größeren deutschen Banken stehen 1,8 Billionen Euro an Verpflichtungen gegenüber dem Nichtbankensektor und 1,1 Billionen Euro an verbrieften Verbindlichkeiten, vor allem Anleihen. Ein großer Teil dieser Verbindlichkeiten wurde zu relativ niedrigem Zins vor Ausbruch der Krise eingegangen und muß in den kommenden Jahren zu wegen des Bankenrisikos wesentlich höheren Zinsen refinanziert werden.

Die Bundesbank warnt in ihrem neuesten jährlichen Finanzstabilitätsbericht, allein die 17 größten Banken deutschen Banken müßten bis Ende 2010 etwa 90 Mrd Euro des Wertes von Anlagen in sekurisierten Papieren und Krediten abschreiben. Bislang hätten die 17 untersuchten Institute, die etwa 60 Prozent des Geschäftsvolumens des deutschen Bankensystems abdecken, in dem Bereich der sekurisierten Papiere gut 90 Mrd. Euro abgeschrieben. Nun drohten den Häusern jedoch in diesem Bereich weitere Verluste von noch 10 bis 15 Mrd. Euro. Bei den Abschreibungen auf klassische Kredite stehe der Großteil der Belastungen noch aus. Sie könnten sich auf 50 Mrd. bis 75 Mrd. Euro summieren (Abb. 16638).


Auch die Ratingagentur Standard & Poors hält viele Banken weltweit und auch in Deutschland trotz der massiven Kapitalerhöhungen der vergangenen Monate für nicht angemessen abgesichert. Gerade die deutschen Banken sehen danach nicht besonders gut aus, zumal bei dieser risikogewichteten Betrachtung das sogenannte Hybridkapital, das besonders deutsche Banken aufgenommen haben, nicht als volles Eigenkapital gerechnet wird. So landeten sie meist nur im unteren Mittelfeld, die Deutsche Bank z.B. nur auf dem 29. von 40 Plätzen (siehe Rundbrief).

Außerdem haben die deutschen Banken Risiken aus hohen grenzüberschreitenden Forderungsbeständen gegenüber ausländischen Banken, von denen ein Teil in der Krise notleidend werden kann. Vieles davon diente der Finanzierung der deutschen Handelsbilanzüberschüsse gegenüber Defizitländern, vor allem auf der EU-Südschine, USA und Großbritannien, aber auch Osteuropa. Insgesamt stehen hier 836 Mrd Euro aus (Abb. 16640). Bei einigen dieser Länder, vor allem Griechendland und Italien ist das Risiko solcher Kredite erheblich gewachsen. Das zeigt sich in dem wieder erheblichen Zinsaufschlag für Staatsbonds gegenüber den deutschen, aber auch in den Wetten mit CDS auf Überschuldung, die im Volumen z.B. bei Italien innerhalb eines Jahres von 151 Mrd Dollar auf 216 Mrd Dollar hochgesprungen sind.


Alles zusammen werden sich die deutschen Banken noch warm anziehen müssen. Auch werden deutsche Unternehmen und Verbraucher damit rechnen müssen, daß die Versorgung mit notwendigen Bankkrediten nicht einfacher wird. Auch der Aktienmarkt traut den deutschen Banken nicht über den Weg. Der deutsche Aktienindex liegt derzeit um 29,5 % unter seinem Vorkrisenstand, der Kurs der Deutschen Bank dagegen um 66,9 % (Abb. 14798).



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global news 1807 26-11-09: Neues von der Krisenfront: Müder Konsum und müder Bau

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Selbst die immer positive färbende Gesellschaft für Konsumforschung muß nun eine Eintrübung des Konsumklimas einräumen. Nach ihrer letzten Umfrage hat sich das Konsumklima in Deutschland im November nicht weiter erholt sondern im Gegenteil eingetrübt (Abb. 04711). Allerdings hat sich die GfK schon seit Monaten mit überpositiven Umfrageergebnissen weit von der tatsächlichen Entwicklung des deutschen Einzelhandels entfernt (Abb. 14696).



Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, gingen im September 2009 die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum September 2008 preisbereinigt um 5,7% zurück (Abb. 14605). Während die Baunachfrage im Hochbau um 13,9% abnahm, erhöhte sie sich im Tiefbau Dank Staatsauträgen aus dem Krisenprogramm um 3,7%. In den ersten neun Monaten 2009 sind die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes preisbereinigt bereits um 9,1% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gesunken. Der Gesamtumsatz des Bauhauptgewerbes fiel in diesem Zeitraum um 6,8%, die Zahl der tätigen Personen um 2,3%.



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global news 1806 25-11-09: Zur Lage der europäischen Banken

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Die Banken der Eurozone haben nach Abschätzung des Internationalen Währungsfonds bisher weniger als die Hälfte ihrer Verluste bekanntgegeben und abgeschrieben, viel ungünstiger als z.B. bei den amerikanischen Banken (Abb. 16011). Sie haben auch den größten Eigenkapitalbedarf, um wieder in eine normale Situation zu kommen (Abb. 16012).



Dieser Befund wird jetzt durch zwei neue Analysen unterstrichen. Die eine kommt von Standard & Poors und zeigt die risikogewichteten Eigenkapitalquoten der Banken (Abb.16033). Die Ratingagentur hält viele Banken weltweit trotz der massiven Kapitalerhöhungen der vergangenen Monate für nicht angemessen abgesichert.Die deutschen Banken sehen nicht besonders gut aus, auch weil bei dieser Betrachtung das sogenannte Hybridkapital, das besonders deutsche Banken aufgenommen haben, nicht als volles Eigenkapital gerechnet wird. So landeten sie meist nur im unteren Mittelfeld, die Deutsche Bank z.B. nur auf dem 29. von 40 Plätzen.


Die andere Analyse ist von Barclays Capital und zeigt, wie stark die europäischen Banken immer noch von den insgesamt 665 Mrd Euro abhängen, die die EZB ihnen zu nur 1 % Zins als Kredit zur Verfügung stellt (Abb. 16034). Da diese Hilfe in etwa einem Jahr auslaufen soll, müssen sich die Banken dann zu viel ungünstigeren Bedingungen an den Kapitalmärkten refinanzieren. Die griechische Zentralbank hat die besonders abhängigen griechischen Banken bereits gewarnt und aufgefordert, frühzeitig mit der Umstellung zu beginnen. Insgesamt hat die EZB mit über 2,6 Billionen Dollar (umgerechnet) auf den verschiedenen Wegen viel mehr Liquidität ins System gepumpt als die Fed in USA mit 2,2 Billionen Dollar (Abb. 16035).



Bei dieser Lage werden sehr viele der maroden Banken noch für lange Zeiten ihrer eigentlichen Funktion, die Unternehmen und Haushalte mit Kredit zu versorgen, nicht nachkommen.


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global news 1805 24-11-09: Die Wirtschaftspropaganda wird immer greller

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Da haben wir das Schlimmste noch nicht überstanden, schon gar nicht bei der Arbeitslosigkeit oder der Lage der Banken oder dem sinkenden Einzelhandelsumsatz und der im jetzt gemeldeten 3. Quartal wieder sinkenden Nachfrage privater Haushalte. Doch Medien, wie der SPIEGEL oder das berüchtigte Ifo-Institut wollen einfach in den Optimismus durchmarschieren, koste es an Wahrheit, was es wolle.

So macht SPIEGEL-online heute mit zwei weit jenseits der Realitäten angesiedelten Schlagzeilen auf: "Wirtschaft verbucht stärkstes Wachstum seit eineinhalb Jahren" und "Wirtschaftsstimmung so gut wie vor der Krise". Das angeblich stärkste Wachstum findet im Tal der tiefsten Krise seit den 30er Jahren statt. Da bedeutet ein Quartalswert von 0,7 % gar nichts, zumal er nur auf einer unzuverlässigen Saisonbereinigung beruht (bei Anwendung des Berliner Modells hätte sich auch im 3. Quartal ein Rückgang von 0,7 % ergeben). Außerdem gibt es viele andere Einmaleffekte, wie der normale Lagerzyklus. Auch hier ist der SPIEGEL irreführend, wenn er meint, daß sich die Firmen auf eine steigende Nachfrage vorbereiten. Ein Wiederaufbau von erschöpften Lagern ist etwas Stinknormales, besonders nach der Sommerpause und sagt wenig für die Zukunft.

Und die Wirtschaftsstimmung ist immer noch weit schlechter als vor der Krise. SPIEGEL online beruft sich zwar auf die Ifo-Umfrage, doch die Lagebeurteilung der Unternehmen ist mit 81,9 Punkten gerade einmal auf das Niveau vom Ende letzten Jahres zurückgekrochen und liegt noch immer meilenweit unter dem Vorkrisennivau von 115,3 von Ende 2006 (Abb. 04731).



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global news 1804 24-11-09: Detailergebnisse des 3. Quartals 09: Zaghafte Erholung mit vielen Fragezeichen

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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal 2009 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet ergab sich kalenderbereinigt ein Minus gegenüber dem Vorjahreswert von 4,8 % und ein leichtes Plus von 0,7 % gegenüber dem Vormonat (Abb. 14744, 14003). Dabei spielt allerdings auch das angewandte Bereinigungsverfahren eine Rolle. Hätte das StaBuA mit dem „BV4.1" Verfahren (oder Berliner Verfahren) gerechnet, das in der Vergangenheit meist näher am späteren Endergebnis lag, so wäre ein Minus von 0,7 % herausgekommen.



Gestützt wurde die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal 2009 von den Investitionen: In Bauten wurde um 1,5% mehr investiert als im Vorquartal, in Ausrüstungen um 0,8%. Die Ausrüstungsinvestitionen scheinen sich nach dem Einbruch im ersten Vierteljahr 2009 (- 18,5% gegenüber dem vierten Quartal 2008) auf einem niedrigeren Niveau zu stabilisieren. Auch hat der relativ starke Exportanstieg von etwa 4,9 % gegenüber Vorquartal das Quartalsergebnis im Vorquartalvergleich nach oben gezogen, ist aber vor dem Hintergrund eines besonders starken Exporteinbruchs eine eher normale Entwicklung. Außerdem kam es zu einem starken Aufbau von Lagerbeständen, was nach der dem starken Lagerabbau im Vorquartal eine normale Entwicklung ist und auch der normalen Entwicklung nach der Sommerpause entspricht, also wenig für die Zukunft aussagt.

Nettolöhne- und gehälter fielen im Vorjahresvergleich fast um 2 %. So gingen entgegen allen überoptimistischen Vorraussagen und trotz Abwrackprämie die privaten Konsumausgaben im Vorquartalsvergleich zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum. Mit wachsender Arbeitslosigkeit wird sich die Konsumschwäche eher noch verstärken. Dagegen stiegen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen sehr kräftig und glichen einen erheblichen Teil des Einbruchs in den Vorquartalen aus.

Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2008 und zum Vorquartal sind in Abb. 04305 und 14818 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt. Dabei fällt auf, wie stark sich die Unternehmens- und Vermögenseinkommen im gegenüber dem Vorquartal erholt haben. Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:




Siehe hierzu ausführlich neuen Schwerpunkt Q309: Erholung mit vielen Fragezeichen


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global news 1803 22-11-09: Selbst der Sachverständigenrat der Bundesregierung kritisiert die immer einseitigere Vermögensverteilung

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In seinem jüngsten Jahresgutachten schreibt der Sachverständigenrat u.a.:

"Im Jahr 2007 verfügten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als 60 vH des gesamten Vermögens, während die unteren 60 vH kein oder lediglich ein geringes Vermögen besaßen beziehungsweise sogar Schulden hatten. Der Vergleich mit dem Jahr 2002 zeigt, dass sich der Anteil des individuellen Nettovermögens der reichsten zehn Prozent am Gesamtvermögen erhöht hat. Im Durchschnitt besaßen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Jahr 2007 ein Vermögen von über 543 771 Euro; bereits im neunten Dezil lag dieser Wert nur noch bei 167 191 Euro und im fünften Einkommensdezil betrug das mittlere individuelle Vermögen höchstens 10 951 Euro. Im Vergleich zum Jahr 2002 ist zudem der durchschnittliche Wert der Vermögen in den untersten Einkommensdezilen zurückgegangen, während ab dem achten Einkommensdezil deutliche Vermögenszuwächse zu beobachten sind. Im obersten Einkommensdezil nahm der durchschnittliche Wert des Vermögens um gut 60 000 Euro oder 23,4 vH zu."

Das ganze wird vom Sachverständigenrat noch mit zwei Schaubildern untermalt (Abb. 14813, 14814).



Und dann geht es im Gutachten weiter:

"Neben den zeitpunktbezogenen Vergleichen der Vermögen verschiedener Gruppen in den Jahren 2002 und 2007 ist von Bedeutung, wie viele Personen ihre Vermögensposition in diesem Zeitraum beibehalten beziehungsweise verändert haben. Insbesondere am oberen Rand der Vermögensverteilung sind die Positionen stabil: 62 vH der Personen, die im Jahr 2002 zu den vermögendsten zehn Prozent gehörten, zählten auch im Jahr 2007 zu dieser Gruppe."

Weitere 19 % waren aus der bereits zweitvermögensten Gruppe hinzugestoßen. Das heißt mit anderen Worten: In Deutschland ist angesichts des festgefahrenen obersten Fünftels auch die Aufstiegsmobilität stark weggebremst (Abb. 14815).


Eine Reaktion der Bundesregierung zu diesen Feststellungen des Sachverständigenrats ist nicht bekannt geworden.


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global news 1802 22-11-09: Es gibt keinerlei Anzeichen, daß Steuersenkungen in Deutschland jemals zu mehr Wirtschaftsleistung geführt hätten

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Immer wieder haben konservative oder neoliberale Politiker Steuersenkungen mit der Erwartung der Auslösung eines dann die Steuereinnahmen hochtreibenden Booms begründet. Der ist jedoch nie nachweisbar eingetreten, zumal die Steuersenkungen meist den Bestverdienern nützten, die damit nur mehr Spar- und Spekulationskapital bilden konnten. Die derzeitige Finanzkrise ist auch durch diese Steuersenkungen, vor allem unter Bush in USA, aber auch Schröder und andere in Europa, verursacht worden.

Wenn man der Statistik in Deutschland nachgeht, so findet man keinerlei Anzeichen für diese falsche Erwartung. So haben die immer wieder mit der Erwartung von mehr Investitionen begründeten Steuersenkungen für Unternehmen nie diese Wirkung entwickelt. Die erheblichen Steuersenkungen in der zweiten Hälfte der 90er Jahre und zu Beginn dieses Jahrhunderts wurden sogar von einer Absenkung der Ausrüstungsinvestitionen begleitet, zumal die Unternehmem zunehmend im Ausland investiert haben (Abb. 14810). Ebensowenig haben diese Steuersenkungen zu mehr Wirtschaftswachstum geführt (Abb. 14809).



Ebenso hat die Absenkung des Spitzensteuersatzes der Einkommenssteuer einen Zusammenhang mit der Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte gezeigt. Im Gegenteil ist die Absenkung jahrelang von einer schwachen, zeitweise sogar negativen Entwicklung der privaten Nachfrage begleitet gewesen (Abb. 14812). Auch zwischen der allgemeinen volkswirtschaftlichen Abgabenquote auf Löhne und Gehälter einerseits und der Nachfrageentwicklung andererseits besteht kein Zusammenhang. Hier war der Rückgang der Abgabenquote ebenso von der schwachen, zeitweise sogar negativen Entwicklung der privaten Nachfrage begleitet (Abb. 14811).



Allgemein zeigt sich auch, daß die negative Tendenz der Steuerquote seit 1980 nicht etwa von einer positiven Tendenz in der Wirtschaftsentwicklung begleitet war, sondern von einer ebenso negativen (Abb. 14808).


Das Ganze wird diesmal noch dadurch verschlimmert, daß der Staat wegen seiner starken Verschuldung die eigene Nachfrage zurückfahren muß, um Steuergeschenke zu finanzieren, und in einer zweiten Phase dann die Steuern umso mehr anheben muß. Das macht dann den deutschen Regierungs-Wahnsinn komplett. Deutschland hat ohnehin nach Griechenland die niedrigsten Steuereinnahmen pro Bruttoinlandsprodukt (Abb. 12245).


Der Sachverständigenrat hat sich in seinem letzten Gutachten sehr deutlich gegen die Senkung der Einkommenssteuern ausgesprochen:

"Im Bereich der Einkommensteuer sieht der Sachverständigenrat in den kommenden Jahren keine zwingende Notwendigkeit für tarifbedingte Einkommensteuerentlastungen. Für den Beginn des Jahres 2011 ist im Koalitionsvertrag eine Tarifreform bei der Einkommensteuer mit Abflachung des so genannten Mittelstandsbauchs angekündigt. Je nach Ausgestaltung könnte dies zu Mindereinnahmen von bis zu 26 Mrd Euro führen. Steuerausfälle in dieser Größenordnung sind in den nächsten Jahren weder verkraftbar noch können sie bei realistischer Betrachtung durch eine Erhöhung der indirekten Steuern oder Ausgabenkürzungen gegenfinanziert werden."

Bereits im vorangegangenen Gutachten hieß es kritisch:

"Im Hinblick auf die aggregierten steuerlichen Kennziffern kann aus einem internationalen Vergleich jedenfalls kein genereller Steuersenkungsbedarf abgeleitet werden. Nimmt man neuere empirische Untersuchungen zu den Wirkungen diskretionärer Finanzpolitik zur Kenntnis und ernst, kann man sich einer tiefen Skepsis gegenüber Versuchen einer konjunkturstabilisierenden Finanzpolitik grundsätzlich kaum verschließen. Die Bundesregierung interpretiert ihr Maßnahmenpaket als eine „konjunkturgerechte Wachstumspolitik", die langfristig sinnvolle und zugleich kurzfristig umsetzbare und rasch wirksame Maßnahmen enthält. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen, das zwar den Eindruck vermitteln mag „Wir tun was", ansonsten aber nur bedingt auf die Erhöhung des Potenzialwachstums bei gleichzeitigem konjunkturellen Impuls zielt."


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global news 1801 21-11-09: Methusalem-Deutschland: Zur neuesten Bevölkerungsvorausberechnung

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Das Statistische Bundesamt hat jetzt die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung vorgelegt und dabei erklärt: „Im Jahr 2060 wird dann jeder Dritte mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben - jeder Siebente wird sogar 80 Jahre oder älter sein." Dem liegen zwei Varianten der Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde, die von der Fortsetzung der heute nachweisbaren demografischen Trends mit unterschiedlichen Annahmen zur Höhe der Zuwanderung ausgehen. Die Hauptannahme geht von der Fortsetzung der wichtigsten langfristigen Trends bis 2020 aus: Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt auf dem Niveau von 1,4 Kindern je Frau (Abb. 14806). Die Trends sind inzwischen so fest eingefahren, daß sich gegenüber der letzten Berechnung von vor drei Jahren kaum Änderungen ergeben.


Die Geburtenzahl wird künftig weiter zurückgehen. Die niedrige Geburtenhäufigkeit führt dazu, dass die Anzahl potenzieller Mütter immer kleiner wird. Die jetzt geborenen Mädchenjahrgänge sind bereits zahlenmäßig kleiner als die ihrer Mütter. Sind diese Mädchen einmal erwachsen und haben ebenfalls durchschnittlich weniger als 2,1 Kinder, wird die künftige Kinderzahl weiter sinken, weil dann auch weniger potenzielle Mütter leben. Die Zahl der Gestorbenen übersteigt die Zahl der Geborenen immer mehr (Abb. 14802).


Das dadurch rasant wachsende Geburtendefizit kann nicht von der Nettozuwanderung kompensiert werden. Die Bevölkerungszahl in Deutschland, die bereits seit 2003 rückläufig ist, wird demzufolge weiter abnehmen. Bei der Fortsetzung der aktuellen demografischen Entwicklung wird die Einwohnerzahl von circa 82 Millionen am Ende des Jahres 2008 auf etwa 65 (Untergrenze der „mittleren" Bevölkerung) beziehungsweise 70 Millionen (Obergrenze der „mittleren" Bevölkerung) im Jahr 2060 abnehmen (Abb. 14801). Im Ausgangsjahr 2008 bestand die Bevölkerung zu 19% aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren, zu 61% aus 20- bis unter 65-Jährigen und zu 20% aus 65-Jährigen und Älteren. Im Jahr 2060 wird bereits jeder Dritte (34%) mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden (Abb. 14803).



Das Altern der heute stark besetzten mittleren Jahrgänge führt zu gravierenden Verschiebungen in der Altersstruktur. Im Ausgangsjahr 2008 bestand die Bevölkerung zu 19% aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren, zu 61% aus 20- bis unter 65-Jährigen und zu 20% aus 65-Jährigen und Älteren. Im Jahr 2060 wird bereits jeder Dritte (34%) mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden (Abb. 14804).


Die Alterung schlägt sich insbesondere in den Zahlen der Hochbetagten nieder. Im Jahr 2008 lebten etwa 4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland, dies entsprach 5% der Bevölkerung. Ihre Zahl wird kontinuierlich steigen und mit über 10 Millionen im Jahr 2050 den bis dahin höchsten Wert erreichen. Zwischen 2050 und 2060 sinkt dann die Zahl der Hochbetagten auf 9 Millionen. Es ist also damit zu rechnen, dass in fünfzig Jahren etwa 14% der Bevölkerung - das ist jeder Siebente - 80 Jahre oder älter sein wird.

Ähnlich wie die Bevölkerung insgesamt wird auch die Bevölkerung im Erwerbsalter (hier: von 20 bis 65 Jahren) deutlich altern und schließlich schrumpfen. Heute gehören knapp 50 Millionen Menschen dieser Altersgruppe an. Ihre Zahl wird erst nach 2020 deutlich zurückgehen und 2035 etwa 39 bis 41 Millionen betragen. 2060 werden dann etwa 36 Millionen Menschen im Erwerbsalter sein (-27%), falls der Saldo der Zu- und Fortzüge jährlich etwa 200 000 Personen betragen wird. Fällt die Nettozuwanderung nur halb so hoch aus, gibt es 2060 ein noch kleineres Erwerbspersonenpotenzial: knapp 33 Millionen oder -34% gegenüber 2008.

Der Bevölkerung im Erwerbsalter werden künftig immer mehr Seniorinnen und Senioren gegenüberstehen. Im Jahr 2008 entfielen auf 100 Personen im Erwerbsalter (20 bis unter 65 Jahre) 34 Ältere (65 oder mehr Jahre). Bis Ende der 2030er Jahre wird dieser so genannte Altenquotient besonders schnell, um über 80%, ansteigen. Im Jahr 2060 werden dann je nach Ausmaß der Zuwanderung 63 oder 67 potenziellen Rentenbeziehern 100 Personen im Erwerbsalter gegenüber stehen. Auch bei einer Heraufsetzung des Renteneintrittsalters wird der Altenquotient für 67-Jährige und Ältere 2060 deutlich höher sein, als es heute der Altenquotient für 65-Jährige und Ältere ist (Abb. 14805).



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global news 1800 11-11-09: Auch Deutschland nähert sich der Deflationsfalle

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In Japan herrscht jetzt offiziell Deflation. Doch auch Deutschland verzeichnet stagnierende oder gar fallende Preise. Die Verbraucherpreise lagen im Oktober exakt auf Vorjahresniveau (Abb. 14800) und ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung für Energie wäre nur eine sehr geringe Teuerung von 0.9 % herausgekommen (gegenüber September 2009: 0,1 %).


Viel stärker noch bewegen sich die Erzeugerpreise nach unten, was den deflationären Druck auf die deutschen Unternehmen zeigt (Abb. 14717). Die Erzeugerpreise (ohne Energie) fielen gegenüber August 2008 bereits um 3.5 %.



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global news 1799 20-11-09: Die Krise läßt die weltweit Hungernden über 1 Mrd hochschießen

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Nach neuen Schätzungen der FAO liegt die Zahl der weltweit Unterernährten jetzt bei über 1,02 Milliarden (Abb. 07306).


Jahrzehntelang konnte der Hunger durch mehr Agrarproduktion eingedämmt werden. Gemessen an der Zahl der Bevölkerung fiel der Anteil der Unterernährten von 24 % Ende der 60er Jahre auf nur noch 13 % vor Beginn der Krise. Jetzt liegt er wieder bei 18 % (Abb. 07304).


Regional besonders betroffen sind Asien und Subsahara Afrika (Abb. 07305).


Die Krise wirkt sich umso schlimmer aus, als durch die neoliberale Globalisierung in vielen armen Entwicklungsländern der Außenschutz für die eigene Landwirtschaft abgebaut werden mußte. Mit Importen billigerer Nahrungsmittel aus den reichen Industrieländern wurde die Existenzgrundlage vieler kleinbäuerlicher Betriebe vernichtet, was sich nun in der Krise doppelt rächt. Hinzu kommen die Preissteigerungen auf den Weltmärkten. Zwischen 2005 und 2008 stiegen die Nahrungsmittelpreise um etwa die Hälfte. Sie sind zwar mit der Krise wieder etwas gefallen, liegen aber immer noch dramatisch über dem Ausgangsniveau. Auch die zwischenzeitlich stark gefallenen Ölpreise, die für die Landwirtschaft wichtig sind, steigen wieder und liegen bereits wieder auf dem erhöhten Niveau von 2007 (Abb. 07198).



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global news 1798 19-11-09: OECD sieht schwarz für Deutschland: Wirtschaftserholung unter großen Industrieländern nur in Italien noch schwächer

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Nach der neuen OECD Prognose wird Deutschland unter den großen Industrieländern (G7) mit Italien das Schlußlicht in der Wirtschaftserholung bis 2011 sein (Abb. 15021).


Schuld ist vor allem der Exportabriß, wobei die Exporte im kommenden Jahr noch um 8,2 % und selbst in 2011 noch unter dem Ausgangsniveau des Jahres 2008 liegen werden (Abb. 15022). Auch die Bruttoanlageninvestitionen bleiben im Keller. Während der private Verbrauch um das Niveau von 2008 stagniert, wachsen vor allem die Staatsausgaben Dank öffentlicher Verschuldung, was sich aber nicht fortsetzen läßt.


Da der Leistungsbilanzüberschuß wegen der erheblichen Exportschwäche deutlich unter dem Vorkrisenniveau bleibt, steigt die Arbeitslosenquote immer weiter bis auf für 2011 geschätzte 9,7 % (Abb. 15023).


Wie beispielsweise SPIEGEL-online da seinen Bericht zu der OECD-Prognose mit „Export zieht Deutschland aus der Krise" überschreiben kann, bleibt das Geheimnis von faulen Journalisten, die den Bericht offensichtlich nicht genau gelesen haben.


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global news 1797 19-11-09: Die Geschichte von zwei Einkommens-Welten in Deutschland

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Die eine Welt: Wie das "Handelsblatt" berichtete, werden die 30 größten börsennotierten Unternehmen im Frühjahr 2010 rund 20,3 Milliarden Euro an ihre Aktionäre überweisen. Das seien nur zwei Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Insgesamt schütteten die Konzerne damit 71 % ihrer Nettogewinne aus. Nie zuvor hätten die Unternehmen so tief in ihre Tasche gegriffen, um ihre Aktionäre zu beglücken, heißt es. Im bisherigen Rekordjahr 2007 hätten die Unternehmen 55 Milliarden Euro verdient, von denen sie etwa 45 % weiterreichten. Weiter heißt es, dass die Anteilseigener der DAX-Konzerne damit eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,73 % erzielten. Das sei rund ein Fünftel mehr als deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bieten. Bei vielen Unternehmen ist der Versuch erkennbar, auch in schwierigen Zeiten kontinuierliche Dividenden zu zahlen", sagt Steffen Neumann von der LBBW.

Die andere Welt: Nach am 19. November veröffentlichten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen im 3. Quartal 2009 im Vorjahresvergleich erstmals seit dem dritten Quartal 2005 wieder gesunken (minus 0,2 %, Abb. 14799). Im Vergleich zum Vorquartal kam es nur zu einem nach der Sommerpause üblichen saisonal bedingten Anstieg der Erwerbstätigkeit. Im produzierenden Gewerbe war der Rückgang gegenüber Vorjahr mit minus 3,4 % besonders ausgeprägt. Dies ist der höchste Rückgang der Erwerbstätigenzahl im Produzierenden Gewerbe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seit 1994. Dabei hat sich im dritten Quartal 2009 das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also das Produkt aus Erwerbstätigenzahl und geleisteten Stunden je Erwerbstätigen - um 3,5 % verringert.


Die Lohn- und Gehaltssumme lag im September um 5,1 % unter dem Vorjahreswert. Damit öffnet sich auch und gerade in der Krise die Schere zwischen den Arbeits- und Kapitaleinkommen immer weiter.


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global news 1796 18-11-09: Der Pazifik gegen Europa (Klimakriege Teil 2)

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Der Rundbrief vom 15. November hat zu einer lebhaften Diskussion im Diskussionsforum geführt. Mir wurde dabei vorgehalten, daß China bei den CO2-Emissionen doch nur das mache, was Deutschland und andere Industrieländer schon viel früher gemacht hätten. Ich habe darauf mit einer Reihe zusätzlicher Hinweise geantwortet, die ich hier wiederholen möchte:

Kein Land der Welt dieser Neuzeit hat sich in so wenigen Jahren so rasant entwickelt wie China und hält diese pro Jahr fast zweistellige Entwicklung unverändert bei. Die Kurven für Energieverbrauch und Emissionen stechen in fast graden Linien nach oben. Man muß sich dabei mit der Relation von Energieverbrauch und Emissionen auseinandersetzen. Abb. 07301 zeigt, wie falsch man liegen kann, wenn man nur auf den Energieverbrauch abhebt und dabei die Emissionsintensität vernachläßigt. Bei China wurde 1995 als Basisjahr genommen, um den Anstieg nicht zu steil darzustellen. Die in der Abbildung verwandte Zahlenreihe der IEA beginnt erst in 1971, weshalb für Deutschland nicht die Entwicklung bis dahin dargestellt werden kann (ich habe auch keine älteren Emissionsdaten anderswo gefunden).


Doch sieht man in Abb. 07302 sehr deutlich, das China in den letzten Jahren nicht mehr viel beim Abbau seiner sehr hohen Emissionsintensität erreicht hat (sie ist bis 2006 wieder gestiegen) und daß China etwa sechsmal so emissionsintensiv produziert wie Deutschland. Das liegt vor allem an dem sehr hohen Einsatz von Kohle in sehr oft veralteten Kraftwerken (Abb. 07062). Damit hat China schon 2007 die USA als weltgrößter CO2-Emittent überholt (Abb. 07126).




Ich füge noch eine Darstellung der Emissionen pro BIP in Kaufkrafteinheiten bei, wo die Unterschiede geringer, aber immer noch erheblich sind (Abb. 07303).


Man muß daher auch von China eine international vereinbarte Disziplin verlangen, wenn auch wegen der noch im internationalen Vergleich relativ geringen Pro-Kopf-Emissionen weniger Emissionsbegrenzung als bei den alten Industrieländern. Sonst können wir unsere Welt, so wie wir sie kennen, wirklich abschreiben. Das World Watch Institute hat auf der Basis des Resourcenverbrauchs und der Emissionen schon vor drei Jahren errechnet, daß China und Indien beim damaligen Japan-Pro-Kopf-Niveau bereits 2030 einen extra Planeten von der Größe der Erde bräuchten, um ihre Bedürfnisse abzudecken. China z.B. würde den heutigen japanischen Pro-Kopf-Emissionswert bereits mit einer jährlichen Zuwachsrate an Emission von nur 5 % bis 2030 erreichen - seine Wirtschaft wachse nun bereits seit Jahren um rund 10 % jährlich, wobei bei 10 % BIP-Zuwachs die Emissionen um 6 % pro Jahr wüchsen (nach den IEA-Daten wuchsen die Emissionen im letztgenannten Jahr 2007 sogar um 7,5 %).

Die meisten alten Industrieländer haben ihre CO2 Emission hochgefahren, als noch niemand die Gefahren aus dem Treibhauseffekt diskutierte. Europa setzt sich jetzt für eine Halbierung bis 2030 ein. China fährt dagegen seine Emissionen im Angesicht der sich klimatisch zuspitzenden Situation hoch und verweigert bisher eine internationale Disziplin. Wenn China (und Indien) so weitermacht, helfen alle Einschränkungen im Rest der Welt überhaupt nichts.

Auf jeden Fall sollten die alten Industrieländer nicht zulassen, daß China mit Sozial-, Umwelt- und Währungsdumping die Industrieproduktion nach China holt und dort viel energie- und emissionsintensiver produziert. Ein neuer Bericht des Osloer Zentrums für Internationale Klima- und Umweltforschung zeigt, daß etwa ein Drittel aller chinesischen Emissionen und die Hälfte des Anstiegs in 2002 bis 2005 aus der Produktion von Waren für den Export kommt. So sollen 9 % der Emissionen auf das Konto von Exporten nach USA, 6 % nach Europa gehen. China lehnt es ab, für die Emissionen aus dem Export die politische Verantwortung zu übernehmen.

Dagegen werden am Ende nur Umweltzölle helfen, wie sie von Deutschland und Frankreich gefordert werden und offensichtlich WTO-konform ausgestaltet werden können (siehe WTO-Erklärung). Wir haben es hier mit einem der größten Übel der Globalisierung zu tun, das schleunigst eingefangen werden muß. Noch mehr Industrie per Dumping aus den alten Industrieländern zu holen, weil man in China ohne die gleichen Umweltauflagen produzieren kann, ist unverantwortlich. Man kann die Umweltthematik nicht ohne die Globalisierung insgesamt behandeln. Das ist der Grund, warum das Infoportal den Zusammenhang von Globalisierung und Umwelt immer wieder herausarbeitet.

Es geht bei der notwendigen Disziplin nicht so sehr um Deutschlands Zukunft. Die Menschen in China leiden schon jetzt mehr als die in Deutschland. Und die Hauptopfer werden in den ärmsten Ländern anfallen, wie z.B. Bangladesh, entweder durch den steigenden Meeresspiegel oder durch Trockenheit und ihre Folgen. Wenn die Himalaya-Gletscher weiter abschmelzen, werden die großen Flüsse nicht mehr das ganze Jahr lang genug Wasser führen, um hunderte Millionen Menschen, auch in China, zu versorgen.


global news 1795 17-11-09: Weltwirtschaft unter Drogen: Der nächste Absturz kommt mit der Entziehung

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Die Zentralbanken haben die Weltwirtschaft mit unvorstellbaren Geldmengen geflutet und dabei mit dem eigenen Zentralbankzins und dem sogenannten „quatitave easing" die Kredite und Anleihen auf das billigste Zinsniveau aller Zeiten heruntergetrieben. Allein die amerikanische Fed hat für mehr als eine Billion Dollar Wertpapiere aufgekauft, darunter auch US-Staatsanleihen. Hinzu kam eine enorme Flut öffentlicher Ausgaben und entsprechender Staatsverschuldung. Wenn die Regierungen jetzt das Ende der Krise feiern, so verschweigen sie total den irrsinnigen Drogeneffekt, der nur den nächsten Absturz vorbereitet. Wie oft kann man der Weltwirtschaft noch die Spritze ansetzen, bevor sie endgültig wegdämmert?

Diese wahnsinnige Liquiditätsflut war jedoch nicht imstande, den privaten Verbrauch anzukurbeln und so die Krise mit einem selbsttragenden Aufschwung zu überwinden. In Deutschland ist die private Nachfrage im 3. Quartal 2009 weiter eingebrochen. Ähnlich geht es in anderen Volkswirtschaften. Dabei haben die Arbeitnehmer in Deutschland trotz fast Null-Inflation weiter an Kaufkraft verloren: insgesamt im September 2009 gegenüber Vorjahr ein Rückgang der Lohn- und Gehaltssumme um 5,1 %, und erst recht gilt das natürlich für die wachsende Zahl der Arbeitslosen, von denen immer mehr auf Hartz 4 Niveau abrutschen. Gleichzeitig stürzen immer mehr Unternehmen, besonders im deutschen Mittelstand, in die Pleite. Nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes steigt die Zahl der Insolvenzen rapide an. In der Folge bleiben gesunde Firmen auf Kreditforderungen in Rekordhöhe sitzen und drohen ebenfalls in die Pleite abzurutschen. Hermes erwartet für dieses Jahr 35.000 Insolvenzen (fast 20 % mehr als im Vorjahr) und einen Pleitenrekordwert von 58 Mrd Euro (162 % mehr als im Vorjahr). 2010 soll es dann zu einem weiteren Anstieg der Firmenpleiten um 11 % auf 39.000 kommen (Abb. 14797). Besonders betroffen ist dabei das Dienstleistungsgewerbe, wobei z.B. das StaBuA heute zum Gastgewerbe einen Umsatzrückgang von 6,2 % für September gegenüber Vorjahr meldet (Abb. 14694).



Die Liquidität hängt nun einerseits bei den Banken, die billigst Kredit bekommen und das Geld dann profitträchtig in sicheren Staatspapieren anlegen statt in Krediten an die notleidende und damit riskante Realwirtschaft. Die Staatspapiere werden wegen der Sicherheit nicht gegen das ohnehin zu schmale Eigenkapital der Banken gerechnet. Mit der künstlich gesteigerten Nachfrage nach Staatspapieren wird aber auch deren Zins und der allgemeine Anleihezins künstlich abgesenkt, was wiederrum die Anleger zwingt, aus vielen Anleihen in Aktien umzusteigen, von denen sie mehr Gewinn erwarten. Der Aktienmarkt ist bereits angesichts der notleidenden Realwirtschaft deutlich überhitzt. Der Dax liegt um 58 % über seinem Tiefstpunkt vom März dieses Jahres (Abb. 14798). Auch der Ölpreis steigt seit einigen Monaten wieder steil an (Abb. 07198). So wird der nächste Crash immer wahrscheinlicher.



Andererseits sammelt sich global immer mehr Einkommen bei den Besser- und Bestverdienern an, weil sich im Zeichen wachsender Arbeitslosigkeit der Druck auf die Arbeitseinkommen und damit auch die Renten (in Deutschland schon jetzt zwei Nullrunden sicher) erhöht. Auch diese Liquidität wandert wieder auf die Aktien- und andere Finanzmärkte. Dabei wird das eingesetzte Kapital mit den von den Notenbanken eingerichteten Billigstkrediten noch profitabel gestreckt. Auch das bereitet den nächsten Crash vor.

Bisher machen die Notenbanken allerdings keine Versuche, die Geldschwemme wieder einzudämmen, aus Angst, die schwache Konjunktur weiter in den Keller zu treiben. Wenn sie schließlich auf die Bremse gehen, könnte es zu spät sein für die Inflationsvermeidung oder zu früh für die Wirtschaft. In jedem Fall käme es zu einem neuen Crash.


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global news 1794 16-11-09: Weiter Horrorzahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Beschäftigungs- und Entgelt-Rückgang hält unvermindert oder kaum vermindert an

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Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes wirkte sich die aktuelle Schwäche der Gesamtwirtschaft auch im September auf die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland aus: Ende September 2009 waren in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes Personen 233.000 Personen oder 4,4 % weniger als im September 2008 tätig (Abb. 04009). Seit Januar 1995 ist der Rückgang der Beschäftigtenzahl im Vergleich zu einem Vorjahresmonat noch nie so stark gewesen wie in diesem Monat (im August hatte der Rückgang noch bei 229.000 Personen gelegen). Die Zahl der im August 2009 geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 8,9 % ab. Die Entgelte (Bruttolohn- und Bruttogehaltsumme) verringerten sich gegenüber August 2008 um 5,1 %.


Überdurchschnittlich stark verringerten sich die Beschäftigtenzahlen in den Wirtschaftszweigen Maschinenbau (- 4,5%), Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (- 4,8%), Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (- 5,4%) sowie Herstellung von Metallerzeugnissen (- 6,5%).

Sowohl die Arbeitsstunden, wie das Arbeitsentgeld sind schon seit dem vergangenen Jahr zurückgegangen (Abb. 14710, 14712). Die Bruttolohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigten lag im September bei 3.240 Euro. Dagegen verdienten beispielsweise die Aufsichtsratschefs der 30 größten deutschen Aktienunternehmen im vergangenen Jahr allein aus dieser Tätigkeit für in der Regel vier Sitzungen pro Jahr auf den Monat umgerechnet im Schnitt sechsmal so viel.



Da die gewerbliche Wirtschaft noch vergleichsweise gut bezahlt und mehr Tarifbindung hat, dürfte die Gesamtsituation in der Gesamtwirtschaft noch schlechter sein. Ein so starker Abriß der Arbeitseinkommen muß sich in der privaten Nachfrage und damit in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung krisenhaft niederschlagen.


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global news 1793 15-11-09: Klimakriege: Der Pazifik gegen Europa

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Die Apec-Staaten um den Pazifik herum haben das von Europa unterstützte Ziel, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 zu halbieren, aus der Abschlußerklärung ihres zweitägigen Treffens in Singapur gestrichen. Stattdessen gelobten die 21 Staats- und Regierungschefs, für ein "ehrgeiziges Ergebnis" des Klimagipfels zu arbeiten, was so gut wie nichts sagt. Ein überzeugendes Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Klimaschutzprotokoll von Kyoto wird damit immer unwahrscheinlicher, und ist jedenfalls beim Klima-Gipfel in Kopenhagen im Dezember nicht mehr zu erwarten.

Vor allem die Schwellenländer der Pazifik-Region, allen vorran China, wollen derzeit keine international verbindlichen Verpflichtungen eingehen. Dann werden auch die USA nicht beidrehen. Daß ausgerechnet die APEC-Länder Front machen und den Stockholm Klimagipfel torpedieren, ist mehr als ärgerlich und natürlich unverantwortlich. Diese Ländergruppe umfaßt, neben den USA, Japan und Rußland, eine Reihe besonders aggressiver Schwellenländer, die ihren CO2-Ausstoß entsprechend schnell hochfahren, China, Indonesien, Korea, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Singapur, Taiwan, Thailand und Vietnam. Zusammengenommen kommt mit 62 % fast zwei Drittel des Weltausstoßes an CO2 bei Treibstoffverbrennung aus den 21 APEC Ländern; ohne Rußland und USA sind es immer noch 37 % (Abb. 07299).


Seit 1990 stieg der APEC-Ausstoß - ohne USA und Rußland - um 36,6 %. Davon 171 % bei China, das die USA im Jahr 2007 als weltstärkster Emittent überholt hat (Abb. 07300). Dagegen hat Europa seinen Ausstoß um 3,3 % abgesenkt. Bei Deutschland ist er sogar um 16 % zurückgegangen.


Nun können die Regierungen, wie die kommunistische von China, ihr Spiel mit dem Schicksal der Welt treiben. Doch es wird sie selbst einholen, wenn der Meeresspiegel steigt. Allein das Grönlandeis kann über Jahrhunderte den Meeresspiegel weltweit um 7 Meter steigen lassen. Die zweitgrößte chinesische Stadt Shanghai liegt gerade mal 4 Meter über Meereshöhe und die wasserspendenden Gletscher im Himalaja schmelzen noch viel schneller als das Grönlandeis. Und niemand weiß, wo der tipping point liegt, der Umschaltpunkt, von dem an die Entwicklung der klimatischen Erwärmung vom Menschen unkontrollierbar wird.



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global news 1792 13-11-09: Wirtschaftsleistung 3. Quartal: Minus 4,7 % gegenüber Vorjahr und viele Sonderfaktoren

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Nach der heute veröffentlichten Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP) im 3. Quartal 2009 ergibt sich kalenderbereinigt ein Minus gegenüber dem Vorjahreswert von 4,7 % und ein Plus von 0,7 % gegenüber dem Vormonat (Abb. 14744, 14003). In den vorsichtigen Worten des Statistischen Bundesamtes: "Nach dem starken Einbruch im Winterhalbjahr scheint sich der leichte Aufwärtstrend der Wirtschaft aus dem zweiten Quartal (+ 0,4%) fortzusetzen."



Auch diese scheinbar positive Entwicklung beruht sehr stark auf Sonderfaktoren. So wurden die Lagerbestände wieder aufgebaut, was eine normale Entwicklung bei stark heruntergefahrenen Lagern ist und wenig für die Zukunft bedeutet. Auch kamen Impulse von den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. Hier wirkt sich das temporäre öffentliche Programm von Staatsausgaben mit der Folge steigender Verschuldung aus. Auch hat die Abwrackprämie im Automobilbereich zu mehr Ausrüstungsinvestitionen geführt. Der relativ starke Exportanstieg von etwa 4,6 % gegenüber Vorquartal hat das Quartalsergebnis im Vorquartalvergleich kräftig nach oben gezogen, ist aber vor dem Hintergrund eines besonders starken Exporteinbruchs eine eher normale Entwicklung.

Dagegen gingen entgegen allen überoptimistischen Vorraussagen und trotz Abwrackprämie die privaten Konsumausgaben zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum. Diese negative Situation wird sich mit wachsender Arbeitslosigkeit noch verstärken. Von der Entwicklung der privaten Konsumausgaben wird die Zukunft der deutschen Wirtschaft entscheidend abhängen.

Im Vergleich mit anderen Ländern sieht die deutsche Entwicklung gegenüber 3. Quartal 2008 nicht gut aus (Abb. 13794).



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global news 1791 12-11-09: Deutschland im EU-Vergleich: Besonders hoher Rückgang in den Arbeitsstunden im 2. Quartal und drittgrößter Verdienstunterschied zum Nachteil der Frauen

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Nach der heutigen Eurostat-Mitteilung ist der Rückgang der gearbeiteten Wochenstunden in Deutschland im 2. Quartal mit 1,3 % der dritthöchste in der Alt-EU gewesen (Abb. 15019).


Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, haben Frauen in Deutschland im Jahr 2008 mit durchschnittlich 14,51 Euro pro Stunde 4,39 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen verdient. Damit lag der Gender Pay Gap, das heißt der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern, wie bereits in den Vorjahren konstant bei 23%. Der Unterschied ist offensichtlich eingefroren. Nur zwischen Ost- und Westdeutschland kam es zu geringen Veränderungen: Während der Gender Pay Gap im früheren Bundesgebiet von 24 auf 25% stieg, sank er in den neuen Bundesländern von 6 auf 5%. Im EU-Vergleich hat Deutschland nach Niederlanden und Österreich den größten Unterschied (Abb. 14100).


Einer der Gründe ist der hohe Teilzeitanteil, der dritthöchste in der EU, der vor allem Frauen trifft, die oft unfreiwillig Teilzeit arbeiten müssen (Abb. 15020).



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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.