Reihe 63 ab 27-10-09 ... ...

(1790) Augenöffnend: Wie Goldman Sachs die vergifteten Wertpapiere weltweit verbreitete und gleichzeitig mit Derivativen (Credit Default Swaps) gegen diese Anlagen wettete

(1789) Stagnation im Inlandsumsatz der gewerblichen Wirtschaft, insgesamt minus 13,5 % gegenüber Vorjahr

(1788) Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im September: Anstieg um 2,7 %, aber bis zum Wert von vor zwei Jahren 16,6 % nötig

(1787) Das deutsche Paradox: Besonders negativ betroffen und doch am meisten Vertrauen in den freimarktwirtschaftlichen Kapitalismus

(1786) Noch ein kritischer Wirtschafts-Rückblick auf 20 Jahre Wiedervereinigung

(1785) Der deutsche Export kommt nicht richtig aus dem Keller: minus 18,8 %

(1784) Bis 2019 gleiche Lebensverhältnisse in Deutschland Ost und West? Eine kurze Bilanz von 20 Jahren

(1783) Schon 9 Mio mehr Arbeitslose in USA als vor der Krise, höchster Stand seit 26 Jahren

(1782) Enttäuschender Auftragseingang der deutschen Industrie: Drei Jahre Durststrecke?

(1781) Der IWF erwartet auch langfristig einen erheblichen Rückgang des deutschen Leistungsbilanzüberschusses

(1780) 12,3 % mehr Unternehmensinsolvenzen

(1779) Die böse Kehrseite von Neoliberalismus und Krise: Immer mehr Erkrankungen am Arbeitsplatz, vor allem die Psyche leidet immer stärker

(1778) Auf dem Weg zu amerikanischen Sozialverhältnissen: 60 Jahre alt und noch mal für sieben Jahre mit Niedriglohn anfangen

(1777) EU-Kommission sieht schwarz: Deutsche Arbeitslosigkeitsrate steigt 2008/2011 um 1,6 Punkte oder 21 %

(1776) Jetzt hilft nur noch: Von China lernen

(1775) Von den finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit

(1774) Die Krise ist längst nicht vorbei

(1773) Trotz zwischenzeitlicher Erholung liegt der deutsche Aktienindex Dax immer noch auf der Verlust-Linie von 1930

(1772) Kein Kaufboom in Deutschland, sondern immer mehr Rückgang im Umsatz von Großhandel (minus 9,8 %) und Einzelhandel (minus 3,9 %)

(1771) Der neueste Arbeitsmarktbericht: Wieder eine sehr verbogene Statistik

(1770) Noch ist das sozialkritische Denken in Deutschland nicht verloren

(1769) Die US Konjunktur hängt weiter am Tropf befristeter Stützmaßnahmen

(1768) Zur Entwicklung der Tariflöhne

(1767) Bericht zur Gleichberechigung der Frauen des Weltwirtschaftsforums: Deutschland im Sinkflug

(1766) Roubini warnt wieder vor einem neuen Crash, diesmal der "Mutter aller carry trades"




global news 1790 11-11-09: Augenöffnend: Wie Goldman Sachs die vergifteten Wertpapiere weltweit verbreitete und gleichzeitig mit Derivativen (Credit Default Swaps) gegen diese Anlagen wettete

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Für die, die Englisch verstehen, bringt der "Kansas City Star" eine augenöffnende Dokumentation über das schmutzige Geschäft der größten amerikanischen Investmentbank, aus der viele der entscheidenden politischen Spieler der globalen Finanzkrise kommen.

2006 und 2007 handelte die Goldman Sachs-Gruppe mit mehr als 40 Mrd $ in Verbriefungen, die von mindestens 200.000 höchst riskanten Hypotheken besichert waren. Doch vor den Erwerbern dieser Verbriefungen hielt Goldman geheim, daß das Unternehmen gleichzeitig am Markt auf einen starken Absturz dieser Verbriefungen durch eine Immobilienkrise wettete. Das geschah über Credit Default Swaps, eine besondere Form von Derivaten, und erlaubte der größten amerikanischen Investmentbank, die meisten der möglichen Verluste hochprofitabel weiterzureichen und Dank der Gegenwetten selbst relativ unbeschädigt aus der Krise hervorzugehen. Man sieht das sehr deutlich am Beispiel der Goldman-Aktie, die seit dem Gipfel im Juli 2007 nur 27 % verloren hat im Vergleich zu der eines Opfers dieser Spekulation, nämlich der Commerzbank in Deutschland mit einem Absturz um 79 % (Abb. 16029, 16030). Was als hochwertige AAA-Papiere angepriesen wurde, war in der Tat Mist. Es war das Spiel zwischen einem Räuber und seinen vertrauensvollen Opfern.



Im Spiel mit Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Gewerkschaften und ausländischen Finanzinstitutionen ging Goldman relativ raffiniert vor. Der weltweite Verkauf fand über Steueroasen, oft in geheimen Geschäften über die Cayman Inseln in der Karibik statt, um die amerikansichen Offenlegungsvorschriften zu umgehen.

Zusätzlich vertrieb Goldman seit 2001 nicht weniger als 135 Mrd $ in mit riskanten Hypotheken besicherten Papieren anderer Banken. Allein 83 Mrd $ solcher und ähnlicher Papiere wurden über die Cayman Inseln vertrieben. Einige davon wurden mit angeblichen Qualitäten vertrieben, die über denen Lagen, die für die gleichen Papiere in USA galten. Spätestens in 2005 begann Goldman, das eigene Risiko durch Absicherungswetten zu begrenzen. Noch im Februar 2007, als Goldman seine eigene Absicherung verstärkt hatte, wurden die hochriskanten Papiere an gutgläubige Abnehmer verkauft, ohne die eigene Absicherung offenzulegen. Die meisten Verkäufe erfolgten an institutionelle Anleger, wie Pensionsfonds, die nach amerikanischen Gesetzen weniger geschützt werden als Kleinanleger.

Mit Hilfe von 23 Mrd $ an öffentlichen Hilfen ist Goldman wie der Phönix aus der Asche gekommen und hat seine eigenen Verluste aus den miesen Hypothekenpapieren auf 1,5 Mrd $ begrenzen können. Mit der kürzlichen Rückzahlung von 10 Mrd $ hat Goldman sogar die Freiheit wiedererlangt, unbegrenzte Bonuszahlungen an seine Mitarbeiter zu zahlen und tut das in der gewaltigen Höhe von 20 Mrd $ oder im Durchschnitt 650.000 $ für jeden der 30.000 Mitarbeiter. Nach Ausbruch der Krise ist Goldman zu allem Überfluß noch durch besondere Aggressivität in der Verfolgung armer Schuldner und der Konfizierung deren Eigenheimen hervorgetreten.

Übrigens hat die Deutsche Bank ihr eigenes Risiko aus gefährlichen Hypothekenpapieren ebenfalls erheblich begrenzt, während die Bank diese Papiere noch in großem Stil an deutsche Landesbanken und andere Abnehmer verkaufte. Die Deutsche Bank ist selbst der zweitgrößte CDS-Versicherer und damit hoch im CDS-Risiko (Abb. 03756).


Das Netzwerk von Goldman Sachs reicht in viele einflußreiche Ämter und Funktionen nicht nur in den USA hinein (Abbildung hier).

Zum Thema der mangelnden Kontolle von Derivaten und der noch drohenden Zeitbombe an den globalen Finanzmärkten gibt es auch ein kurzes Video:

Der ganze 55-Minuten-Film, mit Joseph Stiglitz in einem begleitenden Interview, ist ist sehr zu empfehlen:


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global news 1789 10-11-09: Stagnation im Inlandsumsatz der gewerblichen Wirtschaft, insgesamt minus 13,5 % gegenüber Vorjahr

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Der Industrieumsatz lag im August um 13,5 % unter dem Vorjahreswert. Der Inlandsumsatz verringerte sich im Vergleichszeitraum ebenfalls um 11,9 %, die Erlöse mit ausländischen Abnehmern nahmen um 15,3 % ab. Allerdings war der Anstieg gegenüber dem Vormonat nur von der Auslandsnachfrage getragen, während der Inlandsumsatz noch einmal leicht zurückging (Abb. 04910, 14564). Der Umsatz müßte um 22 % steigen, um auf das Niveau vom Anfang vergangenen Jahres zurückzufinden, was bei derderzeitigen Aufstiegsrate länger als ein Jahr dauern würde.



Innerhalb der umsatzmäßig wichtigsten Wirtschaftszweige sank im September 2009 der Umsatz von elektrischen Ausrüstungen mit minus 25,4 % am stärksten, gefolgt vom Maschinenbau mit 23,3 %. Der Aufschwung wird vermutlich weitestgehend Dank Abwrackprämie vom Kraftfahrzeugbau getragen, wo der Umsatz seit dem Tiefstpunkt im Februar bereits um 34,3 % gestiegen ist. Ohne diese Sonderentwicklung wäre der Gesamtumsatz der gewerblichen Wirtschaft in den letzten Monaten weiter zurückgegangen. Nach Auslaufen der Prämie wird sich diese Entwicklung allerdings nicht fortsetzen können.


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global news 1788 10-11-09: Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im September: Anstieg um 2,7 %, aber bis zum Wert von vor zwei Jahren 16,6 % nötig

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Die Produktion der gewerblichen Wirtschaft lag im September um 12.8 % unter dem Vorjahreswert und um 2,7 % über dem Wert vom August 2009. Bis zum Wert von vor zwei Jahren müßte sie noch um 16,6 % steigen (Abb. 04306).


Innerhalb der industriellen Hauptgruppen verzeichneten vor allem die Hersteller von Investitionsgütern aufgrund starker Zuwächse im Maschinenbau um 7,5 % und bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen um 11,3 % einen starken Zuwachs der Produktion um 5,9 %. Hier wirkt sich immer noch die Abwrackprmie aus.

Alles in allem ist das aber die erste überzeugend bessere Meldung von der deutschen Wirtschaft, die das Auslaufen der Krise bestätigt. Dabei bleibt abzuwarten, wie sich die in allen Ländern jetzt hochlaufende Arbeitslosigkeit auf die gewerbliche Wirtschaft auswirken wird.


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global news 1787 09-11-09: Das deutsche Paradox: Besonders negativ betroffen und doch am meisten Vertrauen in den freimarktwirtschaftlichen Kapitalismus

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Selbst die konservative Bertelsmann-Stiftung beklagt in einer neuen Studie, daß die Kluft zwischen niedrigen und mittleren Einkommen in Deutschland immer größer wird. Gleichzeitig seien neue Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor entstanden. Der Grund für diese Entwicklung sei die Agenda 2010. Geringverdiener erzielten Ende der neunziger Jahre noch 64 Prozent des Verdienstes eines Arbeitnehmers mit mittlerem Einkommen. 2007 erreichten sie nur noch 53 Prozent. Dieser Rückgang sei im internationalen Vergleich der stärkste von 20 untersuchten OECD-Ländern. Die Lohnungleichheit habe mittlerweile das Niveau Großbritanniens und anderer Länder erreicht, die bei der Beschäftigungspolitik weniger auf den sozialen Ausgleich achten. Tatsächlich hat Deutschland in der Lohnspreizung zwischen dem untersten und dem mittleren Zehntel inzwischen eine Spitzenposition erreicht (Abb. 16028).


Ein Großteil der neuen Arbeitsplätze sei in Bereichen wie Zeitarbeit, geringfügiger oder befristeter Beschäftigung entstanden. Die Hartz-Gesetze und die Agenda 2010 hätten zwar den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, allerdings auch neue Risiken geschaffen, die vor allem von Jugendlichen, Älteren oder Geringqualifizierten getragen würden. Im Zuge der Krise zeige sich dies besonders bei der Zeitarbeit, wo die Beschäftigung von Juli 2008 bis Juli 2009 weit stärker als in allen anderen Branchen um 25 Prozent eingebrochen sei.

Die Bertelsmannstiftung führt auch den hohen Anteil unfreiwillig teilzeitarbeitender Frauen (Abb. 16025), die sehr geringe Beschäftigungsquote Geringqualifizierter (Abb. 16026) und den relativ geringen Anteil unbefristet Vollzeitbeschäftigter (Abb. 16027) an.




Umso paradoxer ist der im internationalen Vergleich hohe Anteil der Deutschen, die glauben, der freimarktwirtschaftliche Kapitalismus sei reformfähig. Laut einer am Montag veröffentlichten Studie im Auftrag der britischen BBC waren nur 11 Prozent der Befragten in 27 Ländern der Ansicht, dass der Kapitalismus in seiner derzeitigen Form gut funktioniert, doch 16 % in Deutschland. 23 % halten die freie Marktwirtschaft für sehr fehlerhaft - in Frankreich waren es sogar 43, dagegen nur 9 % in Deutschland. Für zwar nicht gut funktionierend, aber reformfähig wird das System von 51 % angesehen, in Deutschland sind es allerdings erstaunliche 75 % (Abb. 15017).



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global news 1786 09-11-09: Noch ein kritischer Wirtschafts-Rückblick auf 20 Jahre Wiedervereinigung

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Auf die Frage, ob das Versprechen "blühender Landschaften" in den neuen Bundesländern durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl erfüllt worden sei, antwortete Merkel heute im ARD-Morgenmagazin: "Ja natürlich haben wir viele blühende Landschaften". So sei in besonders belasteten Regionen wie Bitterfeld die Verschmutzung durch die Industrie verringert worden.

Nun hat Kohl unter "blühenden Landschaften" nicht gerade die Umwelt gemeint. Auch sprach er nicht von einzelnen blühenden Landschaften sondern meinte generalisierend ein Aufblühen der früheren DDR. Bei aller Freude über die Wiedervereinigung sollte man nicht vergessen: Der versprochene Aufholprozeß der neuen Bundesländern ist trotz 1,3 Billionen Euro Netto-Transfer aus Westdeutschland oder 3,3 der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung seit 1990 schon vor vielen Jahren gründlich erlahmt. Das zeigt sich vor allem im Vergleich mit der preisbereinigten Wirtschaftsentwicklung der osteuropäischen EU-Beitrittsländer (Abb. 15015, 15016).



Besonders die baltischen Länder haben 50 % bis 60 % mehr zugelegt. Aber auch Länder mit einer ähnlichen Ausgangsbasis, wie Tschechien oder Polen, sind um fast 30 % besser gefahren, und das ohne den gigantischen Finanztransfer aus dem Westen.

Vor diesem Hintergrund muß man sich den BILD-Kommentar von heute auf der Zunge zergehen lassen. Unter der Überschrift "9. November 2029" heißt es da:

"Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor: Heute in 20 Jahren! Deutschland feiert den 40. Jahrestag des Mauerfalls. Und so sieht das wiedervereinte Land aus: Niemand spricht mehr von alten und neuen Ländern. Es gibt keine gravierenden Unterschiede mehr zwischen West und Ost: weder bei den Arbeitslosenzahlen noch bei den Löhnen noch bei den Renten. Die Ostdeutschen der Jahrgänge 1989 und jünger besetzen überall Spitzenpositionen - in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Linkspartei ist zu einem Club der DDR-Nostalgiker geschrumpft. Die Deutschen sind stolz auf ihr Land, ihre Freiheit, ihre Demokratie - verabscheuen Nationalsozialismus und real existierenden Sozialismus gleichermaßen. So kann es kommen, wenn wir in den nächsten 20 Jahren das Undenkbare denken - so wie die DDR-Bürgerrechtler und Politiker wie Helmut Kohl vor 20 Jahren."


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global news 1785 09-11-09: Der deutsche Export kommt nicht richtig aus dem Keller: minus 18,8 %

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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren die deutschen Ausfuhren im September 2009 um 18,8% und die Einfuhren um 16,3% niedriger als im September 2008 (Abb. 14631). Nach einem weiteren Einbruch im August liegen sie damit wieder auf dem Niveau vom Juli 2009.


Die Außenhandelsbilanz schloss im September 2009 mit einem Überschuss von 10,6 Milliarden Euro ab. Im September 2008 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 15,3 Milliarden Euro betragen. Der rückläufige Außenbeitrag wird das am kommenden Freitag zu veröffentliche Ergebnis der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im 3. Quartal erheblich beeinträchtigen.

Besonders ungünstig entwickelten sich die Exporte in Drittländer außerhalb der EU mit -23,1 %. Dabei zeigt sich auch sehr deutlich die negative Auswirkung des gestiegenen Außenwertes des Euro, in dessen Zone der deutsche Export nur um 15,5 % gefallen ist (Abb. 16024).



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global news 1784 08-11-09: Bis 2019 gleiche Lebensverhältnisse in Deutschland Ost und West? Eine kurze Bilanz von 20 Jahren

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet in zehn Jahren ähnliche Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland. "2019 werden die ostdeutschen Länder annähernd auf dem gleichen wirtschaftlichen Niveau sein wie der Durchschnitt der westdeutschen Länder", sagte der für den Aufbau Ost zuständige Minister der "Bild am Sonntag". Im Jahr 2019 läuft der Solidarpakt aus. Doch eine Reihe neuerer Studien zum Jahrestag des Mauerfalls lassen erhebliche Zweifel aufkommen.

"Von einer florierenden Landschaft kann nicht die Rede sein. Es bleibt noch einiges zu tun", betont das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im IAB-Forum Heft 2 vom 5. 11.09. Noch immer sind die ostdeutschen Arbeitslosenquoten fast doppelt so hoch wie die westdeutschen, noch immer kommt es zu Abwanderung und noch immer haben Produktivität und Lohnniveau den Stand im Westen keineswegs erreicht. Im Jahr 2008 lag das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Ostdeutschland bei 71 Prozent des westdeutschen Wertes. Der Osten holt zwar auf, aber der Prozess geht nur langsam voran. Zehn Jahre zuvor belief sich der Wert für den Osten auf 68 Prozent des Westniveaus, also in 10 Jahren nur ein Aufholen von 3 Prozentpunkten, wo noch 32 Prozentpunkte aufzuholen waren. In Bruttoinlandsprodukt gemessen, hatte Ostdeutschland 1996 mit 15,8 % von Westdeutschland den höchsten Vergleichswert erreicht, ist dann zurückgefallen und stagniert seitdem bei 15,1 % (Abb. 1005). Immer noch bestehen strukturellen Nachteile der ostdeutschen Wirtschaft. So hat Ostdeutschland nur einen relativ kleinen Industriesektor und nur wenige wirtschaftlich erfolgreiche Großunternehmen. Es gibt ein Defizit an wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen sowie an Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten der Wirtschaft.


Viel mehr Menschen als im Westen finden nur im Niedriglohnsektor Arbeit und sind zusätzlich zu ihrem Lohn auch noch auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Die Unterbeschäftigungsquote (noch ohne Kurzarbeit) lag im Oktober 09 bei 16,3 % gegenüber 8,9 % für Westdeutschland. Ostdeutschland hatte gemessen an der westdeutschen Zahl 44,9 % Arbeitslose, aber 47,3 % Empfänger von Arbeitslosenunterstützung.

Hinzu kommt der nicht gestoppte Schrumpfungsprozeß in der ostdeutschen Bevölkerung. 1989 und 1990 suchten insgesamt 784 000 Übersiedler ihr Glück im Westen. Nach der Wiedervereinigung, von Ende 1990 bis Ende 2008, schrumpfte die Bevölkerung im Osten allein durch die Abwanderung nochmals um 392 000 Menschen (einbezogen ist dabei ganz Berlin, das ebenso wie Brandenburg gegen den Trend einen leicht positiven Wanderungssaldo verzeichnet). Insgesamt ein Wanderungsverlust von 1,2 Millionen Menschen. Außerdem brach die früher in der DDR relativ hohe Geburtenrate ein. Am Tiefpunkt kamen 1994 je 1000 Einwohner nur noch 5,1 Kinder auf die Welt, der niedrigste Wert, der jemals registriert wurde. Da die Raten seitdem auf niedrigem Niveau verharren, kommt es zu hohen Sterbeüberschüssen. Im Ergebnis hat Ostdeutschland von 1990 bis 2008 zusätzlich einen Bevölkerungsrückgang um 1,3 Millionen erfahren, wobei sich der Trend fortsetzt.

Gleichzeitig altert besonders in Ostdeutschland die Bevölkerung rasant. Nach der neuen IAB-Studie sinkt in Ostdeutschland die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte viel schneller als die Zahl der Einwohner. Bis 2050 sollen mehr als vier Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter verloren gehen. Die IAB erwartet deshalb längerfristig eine "Abwärtsspirale von Beschäftigung und Erwerbspersonenpotenzial".

Dieser Lage sind die enorm hohen Transferleistungen aus Westdeutschland gegenüberzustellen. Nach einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sind in den vergangenen 20 Jahren rund 1,3 Billionen Euro vom Westen in den Osten geflossen. Das sind etwa 3,3 % der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Für die 15 Jahre bis 2005 kommt die Studie auf einen Nettobetrag von 1,03 Billionen Euro. "Netto" bedeutet dabei: Von den Ausgaben des Bundes und der Sozialversicherung für Ostdeutschland wurden die Steuer- und Beitragseinnahmen, die im Osten erzielt wurden, abgezogen. Die 1,3 Billionen Euro Transferleistungen seit der Wiedervereinigung errechnen sich, indem die Ausgaben von 2005 für die Jahre bis einschließlich 2009 konstant gehalten werden.

Dabei sollen die Transfers in den vergangenen Jahren nicht ab-, sondern zugenommen haben. Besonders kräftig war der Anstieg zwischen 1999 und 2005, wobei das Jahr 2003 ein Sonderfall ist, da damals die Folgen der Flutkatastrophe an Elbe und Mulde die Statistik verzerrten. 2005 lag die westdeutsche Unterstützung für jeden Ostdeutschen bei rund 4.666 Euro. In den vergangenen Jahren ist die Höhe der Sozialleistungen noch gestiegen, weil im Osten immer mehr Menschen auf staatliche Leistungen wie Hartz IV oder auf Altersrenten angewiesen sind, ohne daß dem entsprechende Beiträge aus Ostdeutschland gegenüberstehen. Zwischen 1991 und 2005 flossen rund 67 Prozent des nach Ostdeutschland transferierten Geldes in Sozialleistungen - aber nur rund zehn Prozent in wachstumsfördernde Projekte.

Hier noch ein Auschnitt aus einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu den Lebensbedingungen. Die ostdeutsche Lebenszufriedenheit liegt trotz eines Anstiegs in den letzten Jahren noch immer deutlich unter der westdeutschen (Abb. DIW1). Das gilt erst recht für die Zufriedenheit mit dem Einkommen, wo es in den letzten 12 Jahren kaum eine Angleichung gegeben hat (Abb. DIW2). Sehr viel zufriedener sind die Ostdeutschen bei der Kinderbetreuung (Abb. DIW3) und mit den Wohnverhältnissen, die in der DDR notorisch schlecht waren (Abb. DIW4).






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global news 1783 06-11-09: Schon 9 Mio mehr Arbeitslose in USA als vor der Krise, höchster Stand seit 26 Jahren

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Die amerikanische Arbeitslosenrate ist im Oktober auf 10,2 % geklettert, den höchsten Stand seit 26 Jahren (Abb. 05097). Der zaghafte Aufschwung scheint voll am Arbeitsmarkt vorbeizugehen, wie schon die letzten zwei Aufschwungphasen. Das Verhältnis von Arbeitsplatzverlusten zu Bruttoinlandsproduktentwicklung hat die historische Norm bereits überschritten.


Hier noch ein historischer Vergleich, obwohl die Daten wegen Änderungen in der Statistik nicht ganz vergleichbar sind (Abb. 05212).



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global news 1782 06-11-09: Enttäuschender Auftragseingang der deutschen Industrie: Drei Jahre Durststrecke?

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Die Auftragseingänge in der Industrie haben sich im September preis- und saisonbereinigt um 0,9 % erhöht. Im Vormonat waren sie aufwärts revidiert um 2,1 % angestiegen. Ausschlaggebend für die weitere Zunahme der Bestellungen war das Wachstum der Auslandsnachfrage um 3,7 %. Die Inlandsaufträge gingen demgegenüber um 2,3 % zurück, nicht zuletzt, weil die Produzenten von Kraftwagen und Kraftwagenteilen nach den Zugewinnen im Frühjahr und Sommer eine Korrektur hinnehmen mussten (-10,0 %). Um auf das Spitzenniveau vom August letzten Jahres zurückzuklettern, müßten die Aufträge um 30 % steigen (Abb. 04569). Nachdem der Erholungsprozeß in den letzten Monaten stark nachgelassen hat (Abb. 16021), wären dafür fast drei Jahre nötig.



Die Inlandsbestellungen lagen um 15,1 %, die Auslandsbestellungen um 17,4 % unter dem Vorjahresniveau. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß der Vorjahres September bereits ein deprimierender Krisenmonat war. Die Bewertung des neuen Bundeswirtschaftsministers ist dagegen ziemlich übertrieben:

"Die Auftragseingänge in der Industrie setzen ihren Erholungsprozess im dritten Quartal gestützt auf eine rege Nachfrage aus dem In- und Ausland fort."


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global news 1781 06-11-09: Der IWF erwartet auch langfristig einen erheblichen Rückgang des deutschen Leistungsbilanzüberschusses

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Nach der neuen Prognose des IWF im jetzt veröffentlichten Wirtschaftsausblick, wird der deutsche Leistungsbilanzüberschuß von noch 7,5 des BIP in 2007 auf nur noch 2,9 % in diesem Jahr zurückfallen und dann bis 2014 nur noch auf das Niveau von 2005, nämlich 5,1 % ansteigen (Abb. 16019). Dazu trägt auch die erhebliche Aufwertung des Euro bei (Abb. 16020). 2005 hatte Deutschland 1,6 Millionen weniger Erwerbstätige und 1,6 Millionen mehr Arbeitslose. Ein erheblicher Teil der Arbeitslosen verschwand durch die sehr positive Leistungsbilanzentwicklung seit 2005.



Diese Prognose paßt zu der IWF-Erwartung eines allmählichen Abbaues der globalen Ungleichgewichte (Abb. 16018). Nur bei China wird weiterhin ein hoher Leistungsbilanzüberschuß von 8,4 % (2014) des BIP erwartet.


Die Prognose steht im Konflikt mit den Annahmen der Bundesregierung, daß Deutschland wieder Leistungsbilanzüberschüsse wie vor der Krise aufbauen kann.


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global news 1780 06-11-09: 12,3 % mehr Unternehmensinsolvenzen

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Im August 2009 haben die deutschen Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2.619 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Damit stiegen die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland um 12,3% gegenüber August 2008 (Abb. 14602).



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global news 1779 05-11-09: Die böse Kehrseite von Neoliberalismus und Krise: Immer mehr Erkrankungen am Arbeitsplatz, vor allem die Psyche leidet immer stärker

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Der heute veröffentlichte AOK-Fehlzeitenreport zeigt wieder einmal überdeutlich was der Neoliberalismus und die von ihm ausgelöste Krise am Arbeitsplatz anrichten. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten haben 2008 erneut zugenommen: Die 9,7 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmer waren im letzten Jahr durchschnittlich jeweils 17 Tage krankgeschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 16,3 Tage (Abb. 14791).


Für die Zunahme der Fehlzeiten sind neben einem Anstieg von Krankheiten des Atmungssystems die seit Jahren steigenden Fälle psychischer Erkrankungen verantwortlich. Die Zahl der von ihnen verursachten Arbeitsunfähigkeitsfälle stieg seit 1995 um 80 Prozent. Sie verursachen zugleich die längsten Ausfallzeiten. Fehlt ein Arbeitnehmer aufgrund einer Atemwegserkrankung durchschnittlich 6,4 Tage, sind es bei einer psychischen Erkrankung 22,5 Tage (Abb. 14792, 14793).



Bei Frauen nehmen Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen mit 11,1 % bereits den dritten Rang ein (Männer: 6,3 %). Sie leiden am häufigsten unter depressiven Erkrankungen, Männer haben verstärkt Probleme mit Alkohol oder Tabak. Mit steigendem Alter nimmt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen zu. Gründe für diese Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten wegen psychischen Erkrankungen sind auch in der rasanten Entwicklung der Arbeitswelt zu suchen, die veränderte Anforderungen an Mitarbeiter und Betriebe stellt. Bisherige Belastungen wie Nacht- und Schichtarbeit sind geblieben, neue wie berufliche Mobilität oder erhöhter Termin- und Leistungsdruck sind hinzugekommen. Es ist zu vermuten, dass die momentane wirtschaftliche Situation die Anforderungen noch erhöhen wird.

Eine im Fehlzeiten-Report 2009 vorgestellte Studie unter knapp 2.000 Arbeitnehmern zeigt, dass Arbeitsplatzunsicherheit häufig mit einem höheren Arzneimittelverbrauch, vermehrtem Alkoholkonsum, aber auch mit weniger sozialen Kontakten verbunden ist (Abb. 14794).


Auch sind mehr als 70 Prozent von befragten gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten im letzten Jahr krank zur Arbeit gegangen oder haben zur Genesung das Wochenende abgewartet. Immerhin knapp 30 Prozent sind gegen den Rat des Arztes weiterhin zur Arbeit gegangen. Als Grund für die unterlassene Krankmeldung wird bei knapp 30 Prozent der Befragten angegeben, dass die Arbeit liegen bleibt und knapp 20 Prozent haben Angst davor deswegen ihren Arbeitsplatz zu verlieren (Abb. 14795, 14796).




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global news 1778 04-11-09: Auf dem Weg zu amerikanischen Sozialverhältnissen: 60 Jahre alt und noch mal für sieben Jahre mit Niedriglohn anfangen

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Die FDP versucht nun, einen weiteren Stein aus dem schon stark ruinierten Gebäude der sozialen Marktwirtschaft herauszubrechen: die Altersteilzeit. Das Altersteilzeitgesetz wurde 1996 beschlossen, um durch die Altersteilzeit älterer Arbeitnehmer neue Arbeitsplätze für jüngere Arbeitnehmer zu schaffen. Die Möglichkeit zur Altersteilzeit eröffnet sich bisher Arbeitnehmern/-innen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens etwa drei Jahre in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden haben. Dabei wird durch Vereinbarung mit dem Arbeitgeber die bisherige wöchentliche Arbeitszeit halbiert oder wird ein Block noch voll und dann ein Block gar nicht mehr gearbeitet. Nur jeder zehnte Altersteilzeitler nutzt die Förderung zum gleitenden Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Die große Mehrheit arbeitet drei Jahr voll und drei Jahre gar nicht mehr, was dem Einstieg Jüngerer entgegen kommt. Die Bundesagentur für Arbeit erstattet dann dem Arbeitgeber die Aufstockungszahlungen in Höhe von 20 % des für die Altersteilzeit gezahlten Regelarbeitsentgeltes und die zusätzlich gezahlten Rentenversicherungsbeiträge. Etwa 95.000 Menschen nehmen derzeit Altersteilzeit in Anspruch. Die Regelung läuft Ende des Jahres aus.

Die Altersteilzeit ist ein Teil der amtlich gezählten "Unterbeschäftigung" von insgesamt fast 1 Million Menschen (ohne amtliche Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Abb. 14790).


In der großen Koalition wollte die SPD diese staatlich geförderte Frührente bis 2015 hinaus verlängern, aber große Teile von CDU/CSU waren dagegen. Nach dem Willen der FDP soll die Regelung nun nicht verlängert werden. Im Rahmen einer Rentenreform wollen die Liberalen Arbeitnehmern ab 60 Jahren, also sieben Jahre vor dem vollen Renteneintrittsalter, eine Möglichkeit zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben geben. Ab diesem Alter solle sich jeder Arbeitnehmer für eine Teil- oder Vollrente entscheiden können. Zugleich sollen die Hinzuverdienstgrenzen für Rentner fallen.

Man wird bei einer solchen Neuregelung damit rechnen können, daß ältere Arbeitnehmer noch mehr aus dem Arbeitsleben gedrängt werden und dann nicht selten von ihren Arbeitgebern die Möglichkeit eines Zuverdienstes geboten bekommen, der praktisch einer erheblichen Lohnsenkung entsprechen würde. Da die staatliche Unterstützung entfällt und der Arbeitsmarkt noch für Jahre sehr ungünstig sein und nur besonders niedrige Hinzuverdienste bieten wird, werden viele Arbeitnehmer ihre Jobs nicht mehr freiwillig für jüngere Arbeitskräfte freimachen. Auch das ist ein sozialer Verlust. Ausgerechnet in eine um mehr als ein Fünftel steigende Arbeitslosigkeit (Abb. 14788) hinein die Altersteilzeit abzuschaffen ist ein weiteres Stück sozialpolitischen Kahlschlags.


In den USA werden sehr oft ältere Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben gedrängt und müssen zu weit niedrigeren Löhnen in weit niedriger qualifizierten Jobs weiterarbeiten. Auch in Japan hat sich diese soziale Entwertung der Arbeit Älterer ausgebreitet. Ist nun Deutschland mit einem weiter grassierenden Niedriglohnsektor auf dem gleichen Weg aus den Resten einer einst sozialen Marktwirtschaft?


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global news 1777 03-11-09: EU-Kommission sieht schwarz: Deutsche Arbeitslosigkeitsrate steigt 2008/2011 um 1,6 Punkte oder 21 %

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Im Jahre 2006 waren nach einer Abschätzung des Statistischen Bundesamts etwa 8,9 Mio deutsche Jobs vom Export abhängig, oder 23 % aller Erwerbstätigen. Seitdem stieg der Export bis 2008 preisbereinigt um 7,7 %. Gleichzeitig nahm die Beschäftigung um 1,2 Mio oder 3,1 % zu. Dieser Zuwachs, wie schon seit 2005 war fast ausschließlich exportangetrieben, wie Abb. 14787 sehr deutlich zeigt. Seit 2008 ist der Export bis zum letztgemeldeten Monat August um fast 28 % gefallen. Die Beschäftigung hat dagegen wegen der Kurzarbeit bisher noch viel weniger abgenommen.


Da die deutsche Exportdynamik in der Aufstiegsphase weitgehend auf der Kreditverschuldung der Handelspartner und einem relativ schwachen Euro beruhte, wird sie nicht dahin zurückfinden können, entgegen allen Erwartungen der Bundesregierung. Auch der Export nach China ist viel zu klein, um einen großen Unterschied zu machen. Angenommen der deutsche Export findet nur auf das Niveau von 2006 zurück, was immerhin einem Wiederanstieg gegenüber dem Exportwert vom August dieses Jahres um 20 % entspräche - und viel mehr wird wirklich nicht drin sein, so würde auch die Beschäftigung auf das Niveau von 2006 zurückfallen. Damals lag die Beschäftigung um 1,17 Millionen tiefer und die Arbeitslosenrate bei fast 10 % (9,8 %).

Auch die Kommission nimmt in ihrer heutigen Prognose einen Anstieg der Arbeitslosenrate von 7,3 % im vergangenen und 7,7 % in diesem Jahr bis auf 9,3 % im Jahre 2011 an, also einen gewaltigen Anstieg um 21 % (Abb. 14788). Und das ist noch unglaublich optimistisch, weil dieser Annahme ein Anstieg der gesamten Wirtschaftsleistung um 1,2 % in 2010 und 1,7 % in 2011 zugrunde liegt. Dies scheint schon deshalb überoptimistisch zu sein, weil es von einem Anstieg der Investitionen um 2,1 % (2010) und 3,9 % (2011) abgeleitet wird. Allein die Investitionen in Industrieausrüstungen sollen 2011 um nicht weniger als 7 % steigen. Doch wie soll die Industrie investieren, wenn der Export weiter schwach bleibt und auch die Nachfrage der privaten Verbraucher schwächelt? Und wie soll sie das, wenn öffentliche Hilfen auslaufen, z.B. nach Auslaufen der Abwrackprämie die Auftragseingänge der Kraftfahrzeugindustrie aus dem Inland im Oktober bereits um 20 Prozent nachgegeben haben, während sie im bisherigen Jahresverlauf insgesamt um 18 Prozent stiegen?


Die gesamte Prognose der EU-Kommission wird in Abb. 14789 zusammengefaßt.



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global news 1776 02-11-09: Jetzt hilft nur noch: Von China lernen

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Deutschlands Wirtschaft teilt mit der Chinas ein doppeltes Schicksal. In beiden Ländern war der Export extrem aufgebaut worden und ist jetzt extrem abgestürzt (Abb. 14786). In beiden Ländern treiben besorgte Bevölkerungen die Sparleistung hoch statt mit Konsum die Binnenkonjunktur zu stützen, wobei in Deutschland unsichere Verhältnisse am Arbeitsmarkt und im Sozialsystem von Krankenversicherung und Altersrenten mitspielen, in China das weitgehende Fehlen eines sozialen Netzes.


In dieser Situation helfen Steuersenkungen für die Wohlhabenden wenig, da die dann nur noch mehr sparen. Bei den unteren Einkommensgruppen helfen Steuersenkungen ohnehin nicht, da kaum Steuern gezahlt werden. Auch Steuersenkungen für Unternehmen helfen mangels Verbrauchernachfrage und wegen des Exporteinbruchs nicht. Das Steuersenkungsprogramm der schwarz-gelben Koalition wird daher kaum etwas bewirken, sondern nur die Staatsverschuldung hochtreiben und dann am Ende Steuererhöhungen bringen, die für eine schwache Konjunktur Gift sein werden. Es wird sogar von Anfang an kontraproduktiv wirken, soweit es die Länder und Gemeinden zu einer Einschränkung der öffentlichen Ausgaben zwingt.

China hat dagegen das richtige Antikrisenprogramm mit massiven Investitionen in die Infrastruktur gefahren, viel massiver als in Deutschland, und treibt auch den Bildungsaufwand in die Höhe. Das zahlt sich nun in einer weit besseren Entwicklung von Industrieproduktion (Abb. 14784) und der gesamten Wirtschaftsleistung (Abb. 14785) aus. Deutschland müßte von China lernen, statt seine Hoffnungen auf ein Steuersenkungsprogramm zu setzen, wie es auch in der Vergangenheit nie Erfolge gebracht hat.



Nachsatz: Da mir von einem Besucher unterstellt wurde, ich wollte mich für ein gigantisches China-like Paket von 1,5 Billionen Dollar (vieles davon war übrigens schon vor der Krise geplant) einsetzen, nur der Hinweis: Es kann auch viel kleiner sein und Investitionen in Bildung und Infrastruktur mindestens in Höhe der beabsichtigten Steuergeschenke umfassen. Wir müssen ja auch nicht 9 % Wachstum erreichen, wie China. Schon 2 bis 3 % wären sehr schön, sind aber angesichts des anhaltenden Exporteinbruchs nur durch ein Umsteuern auf viel mehr Binnenkonsum erreichbar.


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global news 1775 01-11-09: Von den finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit

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Wissenschaftler haben versucht, die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit zu errechnen. Doch in Zeiten langandauernder Massenarbeitslosigkeit läßt sich nicht mehr genau feststellen, wie viele Personen und wie oft arbeitslos werden. Aus Schätzungen ist bekannt, daß sich allein im Zeitraum 1974 bis 1985 etwa 40 Mio Arbeitslosigkeitsfälle auf rund 15 Mio Personen verteilten. Bei einer aktiven Bevölkerung von 39 Millionen kann man also vermuten, daß weit mehr als die Hälfte einmal im Laufe ihres Arbeitslebens arbeitslos werden. Eine Untersuchung im Jahre 2001 der Geburtsjahrgänge 1925 bis 1930 im Beobachtungszeitraum zwischen 1955 und 1995 ergab, daß bereits damals durchschnittlich 46 % im Laufe ihres Lebens arbeitslos gewesen waren und die Betroffenheit von Jahrgang zu Jahrgang bis zu 50,6 % für den Jahrgang 1930 zunahm (Abb. 14782).


Zwischen 1996 und 2006 soll sich der Anteil derer, die bereits mehrfach Arbeitslosigkeit erlebt haben, von 17 auf 40 Prozent mehr als verdoppelt haben. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Arbeitslosigkeit sehr stark die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen belastet und wie mit wachsender Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit diese negativen Folgen zunehmen. Da aber das Ausmaß nicht aus der amtlichen Statistiken ablesbar ist, wird es von der Politik total negiert.

Jetzt hat eine neue Studie von Wissenschaftlern der Columbia Universität, des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg die materiellen Langzeitfolgen der Arbeitslosigkeit ans Licht gezogen. Ergebnis:

"Wer in einer Wirtschaftskrise arbeitslos wird, bekommt die finanziellen Folgen noch Jahrzehnte später zu spüren. Nach 15 Jahren verdienen die Betroffenen von Massenentlassungen in Deutschland noch 10 bis 15 Prozent weniger als Vergleichspersonen, die ihre Stelle behalten haben. Daran ändern auch staatliche Transferleistungen wenig. Denn nach Einkommen, also Gehalt plus Sozialtransfers, betrachtet müssen die Betroffenen ebenfalls deutliche Abschläge hinnehmen. Die deutlichen Einkommenseinbußen zeigten sich über alle Branchen hinweg und beträfen Männer wie Frauen gleichermaßen.

Der Verdienst in der ersten Neuanstellung der Entlassenen sinkt bis 30 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe der weiterbeschäftigten früheren Kollegen. Danach erholt sich das Lohnniveau zwar relativ schnell, verlangsamt sich aber nach fünf Jahren wieder. Nach ungefähr zehn Jahren beträgt der Einkommensverlust immer noch rund 12 Prozent und verringert sich danach nur noch schleichend. Dabei sind in Deutschland die langandauernden Effekte der Arbeitslosigkeit ähnlich schwerwiegend wie in den Vereinigten Staaten. Dort haben die gekündigten Arbeitnehmer noch zwei Jahrzehnte nach der Massenentlassung ein um 15 bis 20 Prozent geringeres Gehalt. Die im Vergleich zu Amerika großzügigere soziale Absicherung der Arbeitnehmer federten in Deutschland die Einkommenseinbußen nur geringfügig ab. Bei der Größenordnung an Einkommenverlusten kann der Staat wenig tun, wenn Arbeitnehmer erst einmal ihren Arbeitsplatz verloren haben.


Die Ökonomen führen verschiedene Gründe für die starken Einbußen auf: So sei es möglich, dass eine besondere Spezialisierung nach dem Arbeitsplatzwechsel nicht mehr benötigt wird und die Löhne deshalb geringer ausfallen. Zudem haben sich Arbeitnehmer meist im Laufe eines Berufslebens über eine längere Zeit hinweg die für sie lukrativste Stelle in einem stabilen Umfeld erarbeitet - und können dies in einem neuen Unternehmen nicht noch einmal wiederholen. Als Ausgangspunkt haben die Wissenschaftler die weltumspannende Rezession zu Beginn der achtziger Jahre gewählt. Betrachtet wurden Arbeitnehmer zwischen 25 und 53 Jahren, die schon fünf Jahre in festen Arbeitsverhältnissen bei größeren Unternehmen gestanden hatten. Damit sollte gesichert werden, dass die Folgen der Entlassungen nicht durch andere Effekte überlagert werden."


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global news 1774 31-10-09: Die Krise ist längst nicht vorbei

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Von den meisten Regierungen wird bereits seit einiger Zeit das Ende der Krise ausgerufen. Doch keine dieser Regierungen, kann bisher beurteilen, ob und wie die Wirtschaft ohne die gigantischen Krücken staatlicher Hilfsprogramme laufen kann. In USA laufen die Steuernachläße für Immobilienkäufe aus, in den meisten Ländern die Abwrackprämien, in Deutschland auch das Kurzarbeitergeld. Die riesengroßen Ausgabenprogramme müssen auch auslaufen, weil sich die meisten Regierungen nicht weiter wie bisher verschulden können, ohne die Zinsen und Zinslasten enorm in die Höhe zu treiben. Schon jetzt wird beispielsweise realistisch geschätzt, daß das amerikanische Haushaltsdefizit bis 2019 noch auf 1,9 Billionen Dollar ansteigen wird (Abb. 05211). Die Notenbanken können den Niedrigstzins und andere Stützmaßnahmen nicht ewig beibehalten, weil in ihrem Schatten die nächste Blase hochwächst und bei solchen Zinsen wieder zunehmend mit immer höherem Krediteinsatz spekuliert wird.


Immer wieder kommen Negativsignale ein, nicht nur vom Arbeitsmarkt, der sich in das nächste Jahr erheblich verschlechtern wird. In USA ist im September der private Verbrauch erstmals wieder gefallen und gegenüber dem Vormonat gleich mit einer aufs Jahr gerechneten Rate von fast 6 %, bei langlebigen Wirtschafsgütern sogar 50 % (Abb. 05117). In Deutschland fallen Einzel- und Großhandelsumsatz immer tiefer.


Die Industrie leidet allerorts, besonders im exportabhängigen Deutschland unter Auftragsmangel. Die deutsche Musterbranche Maschinenbau krebst noch immer bei einem Drittel unter dem Vorjahresniveau herum (Abb. 14647). Zunehmend sehen nun in den kommenden Monaten Zuwachsraten der Wirtschaft nur deshalb gut aus, weil sie sich mit extrem niedrigen Krisenwerten des Vorjahres vergleichen.


Auch die Aktienmärkte werden wieder unruhig. Zu sehr hat sich die Aufwärtsentwicklung von der weiterhin ungünstigen Lage der Realwirtschaft entfernt. In der vergangenen Woche fiel der deutsche Aktienindex Dax um rund 6 %. Dabei liegt er mit einem Minus von einem Drittel gegenüber Vorkrisenniveau ziemlich genau auf der Verlustlinie der Weltwirtschaftskrise von 1930 (Abb. 03950). Ebenso entwickelt sich die deutsche Industrieproduktion mit zuletzt minus einem Fünftel immer noch ähnlich wie 1930, als es auch einiges Auf und Ab gab (Abb. 03946). Der deutsche Export ist sogar viel tiefer abgestürzt als der Welthandel jemals in der Weltwirtschaftskrise (Abb. 03947).




Jedenfalls habe ich die Krisenwache noch einmal aktualisiert.


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global news 1773 31-10-09: Trotz zwischenzeitlicher Erholung liegt der deutsche Aktienindex Dax immer noch auf der Verlust-Linie von 1930

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Es ist schon erstaunlich. Der Dax beschattet mit jetzt minus 32 % gegenüber Vorkrisenniveau immer noch die Entwicklung der Weltaktienkurse in der Großen Weltwirtschaftskrise von 1930 (Abb. 03950, 03712).




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global news 1772 30-10-09: Kein Kaufboom in Deutschland, sondern immer mehr Rückgang im Umsatz von Großhandel (minus 9,8 %) und Einzelhandel (minus 3,9 %)

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Die heutigen Meldungen des Statistischen Bundesamts sind wie Keulenschläge auf die deutsche Binnenkonjunktur. Während die deutschen Medien die immer total irreführend und nur auf Umfragen beruhenden positiven Meldungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) über das angeblich boomende Konsumklima groß herausstellen, hat bisher kaum eines der on-line Medien diese Nachrichten aufgegriffen. Spiegel, Handelsblatt, Welt - alle schweigen sich (jedenfalls bis heute Nachmittag) aus.

Im September 2009 wurde im Großhandel nominal 17,2% und real 9,8% weniger als im Vorjahresmonat umgesetzt. Im Vergleich zum August 2009 lag der Umsatz unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal um 2,8% und real um 1,7% niedriger (Abb. 04626).


Der Umsatz im deutschen Einzelhandel lag im September 2009 nominal 4,8% und real 3,9% niedriger als im September2008. Im Vergleich zum August 2009 sank der Umsatz im September 2009 unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal und real jeweils um 0,5% (Abb. 04943). Dabei sparen die Deutschen auch am Munde: Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im September 2009 nominal 3,7% und real 2,3% weniger um als im September 2008 (Abb. 14780). Im Laufe der vergangenen zwei Jahre ist der Einzelhandel mit Lebensmitteln real bereits um mehr als 6 % eingebrochen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland die bei weitem schlechteste Einzelhandelsentwicklung der letzten Jahre (Abb. 12922).




Die Diskrepanz zwischen der von GfK ständig verkündeten Verbesserung der Konsumklimas und der tatsächlichen Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes könnte kaum größer sein (Abb. 14696).


Zu dieser bedrückenden Situation absinkender Kauflaune trägt die ständige Verunsicherung der Verbraucher durch die Politik bei. Da ist von zusätzlichen Krankenversicherungsbeiträgen die Rede (schwarz-gelber Koalitionsvertrag). Und BILD hängt heute mit der Schlagzeile "Schockprognose Nullrunde für alle Rentner" an den Kiosken: "Grund ist die schwache Lohnentwicklung wegen der Wirtschaftskrise. Die Bundesregierung erwartet, dass die durchschnittlichen Bruttolöhne je Arbeitnehmer in diesem Jahr voraussichtlich um 0,5% sinken werden." Im Klartext: Weil die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld verlängert hat und damit das durchschnittliche Arbeitseinkommen besonders stark fällt, müssen die Rentner dran glauben.


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global news 1771 29-10-09: Der neueste Arbeitsmarktbericht: Wieder eine sehr verbogene Statistik

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Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) erheblich zugenommen, zuletzt um 9 %, wenn man den Schätzzahlen der Agentur folgt. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-21,4 %). Die Zahl der Kurzarbeiter ist bis zu den letzten Zahlen vom Juni auf 1,43 Millionen stark angestiegen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist über die letzten Monate deutlich gefallen und stagniert nun mit zuletzt minimalem Anstieg auf niedrigem Niveau. Die Beschäftigung ging nicht nur gegenüber dem Vorjahr sondern auch dem Vormonat weiter zurück.

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres 2008 Monat für Monat abgeschwächt und ist seit März erstmals negativ geworden und ist seitdem anhaltend negativ. Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % immer mehr ab und geriet seit März in negatives Terrain, im Oktober schon fast 8 %, wobei allerdings die vom Dritten betreuten Jobsuchenden von der Bundesagentur total irreführend nicht mehr erfaßt werden (Abb. 04772, 14727, 14726).




Nur noch 53,9 % aller Arbeitslosen werden als Arbeitslos registiert (Abb. 04980). Im August 2006 waren es noch 67,3 % (Abb. 14762).



Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland die fünfthöchste aller Vergleichsländer, dies trotz vieler Manipulationen an der Statistik (Abb. 12999).


Eine ausführliche Analyse enthält der aktualisierte Schwerpunkt.


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global news 1770 28-10-09: Noch ist das sozialkritische Denken in Deutschland nicht verloren

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Zwei Umfragen von heute zeigen deutlich: Die Mehrheit der Deutschen wollen, daß es in unserer Gesellschaft sozial gerecht zugeht und sie lehnen auch die vorgesehenen Steuersenkungen ab. Die Hartz-IV-Sätze halten sie für zu gering.

Nach einer Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken glauben fast drei Viertel (71 %), daß es in unserer Gesellschaft nicht gerecht zugeht (Abb. 14774). Fast zwei Drittel (63 %) beklagen, daß der Zusammenhalt in der Gesellschaft in den letzten Jahren eher abgenommen habe (Abb. 14775). Nur noch eine knappe Mehrheit (52 %) ist mit der sozialen Marktwirtschaft, wie sie jetzt läuft, zufrieden (Abb. 14776).




Eine Mehrheit von 53 % traut der Politik zu, die wirtschaftlichen Probleme unseres Landes zu lösen (Abb. 14777). Weniger als ein Viertel (24 %) glauben, daß die Probleme nach der Bundestagswahl besser gelöst werden (Abb. 14778). Dabei vertreten 81 % die Ansicht, daß hohe Unternehmensgewinne nicht der gesamten Gesellschaft zugute kommen.



Insbesondere wird das Steuersenkungsversprechen der schwarz-gelben Koalition nach einer neuen Forsa/Stern-Umfrage von mehr als zwei Dritteln (69 %) abgelehnt. Nur 22 % der Befragten halten niedrigere Steuern derzeit für verantwortbar (Abb. 14779) und auch im Unionslager ist es nur jeder vierte. Nach der gleichen Umfrage halten 48 % der Deutschen die Hartz-IV-Sätze für zu gering. 28 Prozent der Befragten finden sie gerade angemessen und nur 7 % zu hoch.



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global news 1769 28-10-09: Die US Konjunktur hängt weiter am Tropf befristeter Stützmaßnahmen

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Heutige Daten vom amerikanischen Häusermarkt unterstrichen erneut, wie zerbrechlich die gesamte Situation ist. Zwar stiegen die Hauspreise bis zum letztgemeldeten Monate August zuletzt leicht an (Abb. 03714). Doch nun fiel per September der Verkauf neuer Häuser um 3,6 % und unterbrach damit die Aufwärtsentwicklung seit Beginn des Jahres (Abb. 05074).



Für diesen erneuten Einbruch wird das herannahende Ende der Steuererleichterung von 8.000 Dollar für Neukäufe per Ende November verantwortlich gemacht. Das wirft die Frage auf, wie sich der Immobilienmarkt, von dem die globale Krise ausgegangen ist, nach Auslaufen der staatlichen Stützmaßnahmen entwickeln wird.


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global news 1768 28-10-09: Zur Entwicklung der Tariflöhne

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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stiegen die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland zwischen Juli 2008 und Juli 2009 um durchschnittlich 3,0% (Abb. 14052). Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise sanken im selben Zeitraum um 0,5%.


Das klingt nach einer guten Nachricht für die Binnenkonjunktur. Doch macht das StaBuA immer den gleichen Fehler, nicht auf die begrenzte Tarifbindung hinzuweisen. Sie liegt in W-Deutschland nur noch bei 70 %, in O-Deutschland sogar nur bei 55 %. Hinzu kommen aus dem Kleingedruckten des StaBuA mehrere Einschränkungen, die die frohe Botschaft weiter verwässern, ohne daß das StaBuA dafür genaue Angaben macht:

"Allerdings profitieren aufgrund von Kurzarbeit, der Kürzung von Sonderzahlungen, aber auch der vorübergehenden Aussetzung von Tarifsteigerungen durch Öffnungsklauseln nicht alle Tarifbeschäftigten in vollem Umfang von den vereinbarten Tariferhöhungen."

"Der Tarifindex für Juli 2009 berücksichtigt auch Tariferhöhungen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt wirksam wurden und in vorherigen Indexberechnungen noch nicht eingegangen sind, wie beispielsweise in der Zeitarbeitsbranche."

Ja, was soll man dann mit einer solchen Statistik eigentlich anfangen?


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global news 1767 27-10-09: Bericht zur Gleichberechigung der Frauen des Weltwirtschaftsforums: Deutschland im Sinkflug

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Noch vor drei Jahren belegte Deutschland einen fünften Platz im Vergleich der Gleichberechtigung der Frauen weltweit. Nur Schweden, Norwegen, Finnland und Island waren besser. Seitdem haben sich Neuseeland, Südafrika, Dänemark , Irland, die Philippinen, Lesotho und die Niederlande davor geschoben. Deutschland ist auf den siebenten (2007), elften (2008) und nun zwölften Rang abgerutscht (Abb. 13827). Das ergibt die neueste Ausgabe des von Hausmann (Harvard University) und Tyson (University of California, Berkeley) betreuten Berichts des Weltwirtschaftsforums.


Dabei sind in der Punktewertung die anderen nicht nur besser geworden. Deutschland hat auch Punkte verloren. Gewertet wurde in vier Paketen: Wirtschaftliche Teilhabe und Chancen (z.B. Teilhabe an der Beschäftigung, Arbeitseinkommen, Frauen in Parlamenten und Spitzenpositionen von Wirtschaft und Verwaltung), Bildungssituation (Lesen- und Schreibfähigkeit, Abschluß der verschiedenen Schulstufen), Gesundheit und Lebenserwartung, Politische Rolle (Sitze im Parlament, Ministerposten in der Regierung, Jahre an weiblichem Staatsoberhaupt). Schlecht schnitt Deutschland bei wirtschaftliche Teilhabe und Chancen mit Platz 37, Bildungsabschluß mit Platz 49 und Gesundheit mit Platz 60 ab, während bei der Politischen Rolle ein Platz 13 erreicht wurde. Die Achilles-Ferse ist wiedereinmal die Bildung: Im Oberschul-Anteil der Frauen belegte Deutschland sogar nur den 89 Platz, ähnlich im Hochschulabschluß nur den 87 Platz.


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global news 1766 27-10-09: Roubini warnt wieder vor einem neuen Crash, diesmal der "Mutter aller carry trades"

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Der Dollar ist seit den Rettungsaktionen der FED die billigste und liquideste Währung. Deshalb borgen immer mehr spekulierende Anleger in Dollar und investieren dann in einträglicheren Anlagen, oft in anderen Währungen. Das treibt weltweit die Aktien- und Rohstoffkurse hoch und den Kurs des Dollars in den Keller.

Der Dollar ist über das letzte Jahr um 12 % gegenüber einem Korb der sechs wichtigsten Währungen gefallen. Gegenüber dem Euro liegt die Abwertung schon bei 16,3 % (Abb. 03781).


Der Weltaktienindex von 24 Industrieländern stieg seit seinem Tief im März bereits um 65 % (Abb. 16017), der Index der Schwellenländer sogar um 96 %. Der Index für 19 Rohstoffe legt um 32 % zu.


Nach Professor Roubini, der den letzten Crash ein Jahr vorher ziemlich genau vorausgesagt hat, ist diese Entwicklung nur eine neue gigantische Blase. Auch die Preissteigerungen beim Öl seien durch keine volkswirtschaftlichen Grundlagen gerechtfertigt. Dazu Roubini wörtlich:

"Wir haben die Mutter aller carry trades. Alle spielen dasselbe Spiel und dieses Spiel wird gefährlich. Am Ende wird der Kurs des Dollars wieder steigen, wenn die FED die Kreditkosten wieder anhebt und die Stützmaßnahmen einstellt, einschließlich des Kaufes von Regierungsbonds. Dies kann die Anleger zwingen, ihre Geschäfte umzudrehen und zum nächsten Ausgang zu rennen. Das Risiko ist, daß wir den Samen aussähen für die nächste Krise. Die Blase bei den Aktienkursen ist völlig inkonsistent verglichen mit der schwächeren Entwicklung der ökonomischen und finanziellen Grundlagen. Das Platzen dieser Blase wird möglicherweise nicht für ein weiteres Jahr oder zwei Jahre passieren, weil ein Berg an Liquidität (a wall of liquidity) die Preise hochtreibt."


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.