Reihe 62 ab 29-09-09 ... ...

(1765) Schwarz-Gelb in der Schuldensteilwand: Wann stürzt Deutschland ab?

(1764) Warum Merkels Steuerwette auf den nächsten Boom nicht aufgehen kann

(1763) Der neue OECD-Bericht: Deutschland integriert seine Immigranten besonders schlecht

(1762) Von der Perversion der angeblichen "Aufwärtstendenz"

(1761) China wächst, doch die Nachfrage ist viel zu gering und reglementiert, um der Weltwirtschaft aus der Krise zu helfen

(1760) Die Banken-Phönixe, die die vergifteten Eier gelegt haben, sind noch größer geworden

(1759) Das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher führt zu gefährlichem Wassermangel

(1758) Scheitert die Nachfolge des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz in Stockholm an China?

(1757) Die drei führenden Exportnationen stecken mit ihrem Export immer noch tief in der Krise

(1756) Auch das deutsche Gastgewerbe krebst erheblich im Minus

(1755) Weiter Horrorzahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Noch nie so starker monatlicher Rückgang der Beschäftigung

(1754) Das Sommereis in der Arktis verschwindet noch schneller

(1753) Deutscher Einzelhandelsumsatz weiter am Ende der Alt-EU

(1752) Immer mehr arbeitslose Abiturienten, Teilzeitarbeitnehmer und Sozialhilfeempfänger

(1751) Trotz intensivster Aufschwungspropaganda: Die Zeichen auf einen erneuten Absturz mehren sich

(1750) Das Handwerk im 2. Quartal 09: Umsatz minus 6,9 %, Beschäftigung minus 1,5 %

(1749) Immer mehr unfairer Wettbewerb durch Währungsmanipulation

(1748) Droht dem deutschen Export ein zweiter Schock an der Währungsfront?

(1747) Der Export kommt noch nicht richtig aus dem Keller, Industrieumsatz minus 16,4 %, Unternehmensinsolvenzen plus 10,4 %

(1746) Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im August: leichter Anstieg um 1,7 %, aber bis zum Wert vom Januar 2008 noch 22,8 % nötig

(1745) Trotz Abwrackprämie Industrieaufträge im August: minus 38 % gegenüber Anfang 2008

(1744) Zwischen stark alternden Volkswirtschaften herrscht Wettbewerb um die besten Immigrations- und Integrationspolitiken: Deutschland hat ihn längst verloren

(1743) Deutschland in Lebensqualität nur auf einem der letzten Plätze unter vergleichbaren Ländern

(1742) Starker Einbruch bei den Arbeitsstunden

(1741) Deutschland wird 2010 mit Italien das schwächste Glied der G7 sein (mit höchster Arbeitslosigkeitsrate)

(1740) Und nun das schwarze Loch im deutschen Autoabsatz

(1739) Schlechte Aussichten für die Banken

(1738) Einzelhandelsumsatz: Minus 2,6 %, Maschinenbauaufträge minus 43 %

(1737) Der letzte Arbeitsmarktbericht aus der Zeit vor den Wahlen: Immer mehr echte Arbeitslosigkeit und eine verlogene Statistik

(1736) Die Steuervorschläge von CDU und FDP begünstigen einseitig die Bestverdiener

(1735) Industrieaufträge: Deutschland kommt schlechter aus dem Tal heraus




global news 1765 26-10-09: Schwarz-Gelb in der Schuldensteilwand: Wann stürzt Deutschland ab?

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In den nächsten Jahren werden die öffentlichen Schulden Deutschlands fast senkrecht steigen, nach Vorraussage des IWF von 63,4 % des Bruttoinlandsprodukts bis auf 89,3 % in 2013 oder nach neueren Berechnungen der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen von jetzt 1,6 bis auf 2,1 Billionen Euro (Abb. 14734,14735). Dabei sind die rezessionsbedingten Mehrausgaben und Mindereinnahmen sowie die geplanten Steuersenkungen der schwarz-gelben Koalition berücksichtigt. Zur Erinnerung: Die rote Linie des EU-Stabilitätspaktes liegt immer noch bei 60 %.



Die Schulden pro Kopf jeden Einwohners werden sich dann von 18.066 Euro im Jahre 2008 auf über 26.000 Euro in 2013 erhöht haben. Bei einem solchen Schuldenaufbau erhöht sich die Zinsbelastung von Bund, Ländern und Gemeinden um 20 Milliarden auf über 85 Milliarden Euro. Das sind mehr als 8 % aller öffentlichen Ausgaben. Um diesen Betrag werden die Kapitalanleger bereichert werden, die Staatsanleihen zeichnen können. Das ist fast dreimal soviel, wie der Bund für die Landesverteidigung, neunmal soviel wie für Bildung und Forschung und vierzehnmal soviel wie für Wirtschaft und Technologie ausgibt.

Wenn also, wie erwartet werden muß (siehe Rundbrief), die Steuersenkungen keinen Boom erzeugen, der die Steuerverluste durch höhere Einnahmen wieder hereinspielt, wird Deutschland fiskalisch aus der steilen Schuldenwand stürzen können. Deutschland hat etwas unter 17 Millionen Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren. Ein Land das Jedem der nachwachsenden Generation an Kindern und Jugendlichen einen Schuldenberg von mehr als 126.00 Euro oder - anders ausgedrückt - jedem seiner derzeit Beschäftigten von etwa 53.000 Euro übertragen will, sollte eigentlich Konkurs anmelden.

Hierzu noch ein Nachtrag in den heutigen Gedanken zur Zeit.


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global news 1764 25-10-09: Warum Merkels Steuerwette auf den nächsten Boom nicht aufgehen kann

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Die von der neuen Koalition vereinbarten erheblichen Steuersenkungen, vor allem für die Unternehmen und Besserverdiener, werden trotz der starken Staatsverschuldung mit der Erwartung gerechtfertigt, daß sie einen Boom auslösen und so über steigende Steuereinnahmen die Absenkung kompensieren würden. Diese Rechnung wird wahrscheinlich nicht aufgehen. Schon in der Vergangenheit haben Steuersenkungen, die vor allem auf Unternehmen und Besserverdiender gezielt sind, nicht den verkündeten Effekt gehabt, sondern statt zu wirtschaftsfördernden Ausgaben zu führen nur die Gewinne und Sparquoten erhöht und so das Finanzkarussel auf Tempo gebracht.

Hinzu kommen mehrere gravierende Umstände dieser derzeitigen Krise, die noch sehr lange mit uns sein und Konjunktur und Steuereinnahmen drosseln wird. Erstens wird nach allen Voraussagen, auch der Bundesregierung, die Arbeitslosigkeit erheblich ansteigen und damit die Massenkaufkraft weiter begrenzen, bzw. das Einkaufsverhalten aus Angst vor Arbeitslosigkeit weiter abbremsen. Schon jetzt hat Deutschland die negativste Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in Westeuropa (Abb. 12922). Die Erzeugerpreise fallen immer weiter, was die widrigen Marktverhältnisse auf dem deutschen Binnenmarkt zeigt. Im September lagen sie - ohne Energie - um mehr als 3,3 % unter dem Vorjahresniveau (Abb. 14717).



Die für Deutschland so unsinnig hochgetriebene Exportabhängigkeit ist zum Bumerang geworden. Die Verbraucher und sonstigen Abnehmer in wichtigen Exportmärkten sind auf der Bremse, vor allem in USA und Großbritannien. In USA ist die industrielle Kapazitätsauslastung im September trotz einer geringen Verbesserung immer noch, von den allerletzten Monaten abgesehen, auf dem tiefsten je gemessenen Stand (Abb. 05209). Die amerikanischen Banken drosseln die Kreditgewährung an Verbraucher und Wirtschaft (Abb. 05210). In Großbritannien ist die Wirtschaftsleistung auch im dritten Quartal dieses Jahres weiter zurückgegangen (Abb. 13826).




Hinzu kommt eine immer stärkere Aufwertung des Euro gegenüber Dollar und chinesischem Yuan (seit März bereits um 16,4 %, Abb. 03781), die den deutschen Export in seiner Wettbewerbsfähigkeit weiter belastet. Und so zeigt der deutsche Export bisher keine schnelle Aufwärtsentwicklung (Abb. 14707).



Bei steigender Arbeitslosigkeit, müder Binnenkonjunktur und abgesenktem Export und damit noch lange anhaltender Krise werden die Steuersenkungen im Wesentlichen Mitnahmeeffekte erzeugen, ohne einen zu höheren Steuereinnahmen führenden Boom auszulösen.


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global news 1763 25-10-09: Der neue OECD-Bericht: Deutschland integriert seine Immigranten besonders schlecht

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Auch der neueste OECD-Bericht zeigt, daß Deutschland seine Immigranten schlechter integriert als die meisten Vergleichsländer.

Schlechter bezahlte und in der Regel unsichere Teilzeitbeschäftigung ist besonders weit verbreitet (Abb. 13822).


Der Anteil geringqualifizierter Beschäftigung ist bei Immigranten mehr als doppelt so hoch als bei der Immigrantenbeschäftigung insgesamt, auch das eines der schlechtesten Ergebnisse (Abb. 13823).


Besonders unglücklich: Hochschulausgebildete Immigranten haben einen um 15 Prozentpunkte geringeren Beschäftigungsanteil als hochschulausgebildete Nicht-Immigranten (Abb. 13824). Das ist die größte Differenz aller Vergleichsländer.


Das überträgt sich auch noch in die nächste Generation. Kinder von hochschulausgebildeten Immigranten schneiden bei PISA in Mathematik am schlechtesten unter allen Vergleichsländern im Verhältnis zu Kindern von Einheimischen ab. Auch Kinder von Immigranten mit Oberschulabschluß fahren vergleichsweise schlecht (Abb. 13825).


Siehe auch Integration von Immigranten - Deutschland versagt.


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global news 1762 23-10-09: Von der Perversion der angeblichen "Aufwärtstendenz"

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Hier zunächst die Lagebeurteilung der deutschen Unternehmen, wie sie vom Ifo-Institut erfragt und heute veröffentlicht wurde: Ein Krebsen im kellertiefen Bereich und im Oktober kaum noch eine Verbesserung (Abb. 04731).


Das Ifo-Institut spricht in seiner eigenen Pressemitteilung in der Überschrift noch vorsichtig von einer "leichten" Verbesserung:

"Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Oktober weiter gestiegen. Die befragten Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftssituation nicht mehr ganz so unzufrieden wie im September. Die Erholung setzt sich zögerlich fort."

Trotzdem meldet SPIEGEL-online vollmundig:

"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich weiter auf, der Ifo-Index steigt zum siebten Mal in Folge. Ökonomen sprechen von erfreulichen Signalen für das laufende Jahr. Fraglich bleibt nur, ob sich die Aufwärtstendenz auch 2010 so fortsetzt."

Und hier ein zweites Beispiel: Das Statistische Bundesamt meldet heute für August einen Rückgang der saisonal und arbeitstäglich bereinigten Aufträge des Baugewerbes um real 0,5 % gegenüber Juli und das bei einem sich seit vielen Monaten fortsetzenden Negativtrend mit einer Absenkung um schon 18,4 % gegenüber dem Spitzenwert vom Januar 2008 oder 7,2 % unter dem durchschnittlichen Monatswert des Jahres 2007 (Abb. 14605). Im Vorjahresvergleich errechnet sich noch ein Plus von 3 %, aber nur weil der Vorjahreswert schon ein abgesenkter Krisenwert war und vor allem weil die Aufträge im Tiefbau wegen des zeitlich befristeten Konjunkturprogramms zunahmen, während sie im Hochbau auch im Vorjahresvergleich um 1 % abnahmen. Dabei hat das Baugewerbe im Laufe eines Jahres 15.000 Beschäftigte oder 2,1 % seiner Belegschaft verloren. Auch der Umsatz schmolz um 5,1 % weiter.


Dennoch meldet SPIEGEL-online unter der Überschrift "Erstes Plus seit einem Jahr - Deutsche Baubranche wächst wieder":

"Es ist ein kleiner Anstieg, aber immerhin: Die deutschen Baufirmen verzeichneten im August mehr Aufträge als im Vorjahr - das erste Plus seit einem Jahr. Die Schrumpfkur scheint beendet."


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global news 1761 23-10-09: China wächst, doch die Nachfrage ist viel zu gering und reglementiert, um der Weltwirtschaft aus der Krise zu helfen

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Chinas Wirtschaft wächst nach amtlichen Daten, die natürlich nicht nachprüfbar sind, wieder mit acht bis neun Prozent in diesem Jahr. Doch der Import von Fertigprodukten bleibt im Weltmaßstab bescheiden. China hat nach einem Bericht im Economist nur relativ kleine Marktanteile großer internationaler Unternehmen, weniger als 2 % z.B. bei Pfizer, AstraZeneca und Bayer, weniger als 5 % bei Procter / Gamble, um 2 % bei Unilever. Besser entwickeln sich die chinesischen Importe von einigen Luxusgütern, Glasfasern, großen Flugzeugen, bestimmten Industrieausrüstungen und natürlich Rohstoffen und Industriemüll zur Wiederaufarbeitung. Ronald Schramm, Professor an der Chinese European International Business School, sieht die Wirkung Chinas auf den Weltumsatz großer Unternehmen derzeit nur als wenig mehr als einen Rundungseffekt.

Schuld daran sind auch gesetztliche Beschränkungen und versteckte Hindernisse beim Zugang zu chinesischen Verbrauchern. So sind Telekommunikation, Ölexploration, Marketing, Pharmaprodukte, Banken und Versicherungen alle unter Schutz für lokale Unternehmen oder für Fremde schlicht unzugänglich. Korruption, Protektionismus und bürokratische Erschwernisse behindern die Geschäftstätigkeit für Ausländer in allen Bereichen.

In Berichten beklagen sich die Amerikanische Handelskammer in Shanghai, die Europäische Handelskammer in China und der US-Chinesische Wirtschaftsrate über subventionierte Konkurrenz, Zugangsschranken zum chinesischen Markt, widersprüchliche Regeln, mangelnden Schutz geistigen Eigentums und eine willkürliche und undurchsichtige Bürokratie. Lokale Beamte schützen lokale Unternehmen vor der Konkurrenz, oft mit präferenziellem Zugang zu Land und Kredit. Diese Diskriminierung wäre ein gutes Feld für multinationale Anwaltsfirmen, doch die dürfen in China keine chinesischen Anwälte beschäftigen. Auch kontrolliert die Regierung über die Medien zugleich die Werbung und hält deren Kosten höher als in vielen westlichen Ländern, was wiederum den Marktzugang erschwert. Unternehmen, die solche Probleme meistern konnten, haben sich in der Regel entschlossen, in China selbst zu produzieren.

Im deutsch-chinesischen Handel sind zwar in diesem Jahr die deutschen Exporte etwas weniger zurückgegangen als die Importe aus China, doch China exportiert nach Deutschland immer noch über 68 % mehr als Deutschland nach China liefert (Abb. 08013).



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global news 1760 22-10-09: Die Banken-Phönixe, die die vergifteten Eier gelegt haben, sind noch größer geworden

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Gemessen in Profiten und Aktienwert sind die besten Banken in USA und Europa Dank Staatshilfe wie Phönixe aus der Asche aufgestiegen (Abb. 16015, 16016). Sie werden nun noch größer als zuvor, indem sie die schwächeren Wettbewerber schon geschluckt haben oder noch schlucken. Und sie schütten wieder riesige Bonus-Zahlungen aus, als sei nichts gewesen. Die sollen in der Londoner City in diesem Jahr schon wieder um die Hälfte höher als im vergangenen Jahr ausfallen. Das Versprechen der Regierungen, keine Bank dürfe mehr so groß sein, daß sie die Regierungen erpressen könne, klingt schon pervers.



Dagegen leiden die Opfer der Banken, Anleger z.B. bei Lehmans oder viele Unternehmen, die keine vernünftigen Kredite mehr bekommen können, und es leiden viele hunderte von Millionen Menschen um den Globus, die nun arbeitslos werden.

Wie der Kommentator der Financial Times Martin Wolf heute unter der Überschrift "Wie soll man den gigantischen finanziellen Kuckuck in unserem Nest behandeln" schreibt, haben die Regierungen einen faustischen Pakt geschlossen, und der Erfolg fühlt sich jetzt wie ein Scheitern an. Doch das war kein Wunder. Wenn das Zentralbankgeld den Banken fast kostenlos ins Haus geliefert wird, müssen sich die Preise für riskante Anlagen erholen. Und bei einer verringerten Zahl an Wettbewerbern lassen sich Profite umso leichter machen.

Die großzügigste Rettung in der modernen Wirtschaftsgeschichte soll sich nach IWF-Schätzung etwa auf 30 % der gesamten Wirtschaftsleistung der entwickelten Volkswirtschaften eines ganzen Jahres belaufen. Nach Larry Summers, dem Wirtschaftsberater von Obama, war während der letzten Generation das Finanzsystem, das eigentlich Risiko kontrollieren sol, etwa alle drei Jahre die Quelle von Risiken mit zerstörenden Folgen für Arbeitnehmer, Verbraucher und Steuerzahler. Und die geretteten Banken sind jetzt sogar schon angetreten, um nach ihrer Meinung zu weitgehende Reformen abzuwehren. Dabei verstecken sie sich hinter dem Argument, daß der Wettbewerb verfälscht würde, wenn nicht absolut die gleichen Reformen überall stattfänden, was gar nicht zu erwarten ist.

Um in Matin Wolfs Worten zu bleiben: Die Regierungen haben dem Steuerzahler mit den geretteten Großanken einen riesigen Kuckuck ins Nest gelegt. Der muß jederzeit in der nächsten Krise erst recht gerettet werden, weil er noch größer und damit noch systemrelevanter geworden ist. Das gilt in Deutschland vor allem für die Deutsche Bank.


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global news 1759 20-10-09: Das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher führt zu gefährlichem Wassermangel

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Die Eis- und Schneekappen der sogenannten "Wassertürme" Asiens, von denen zehn der größten Flüsse gespeist werden, schmelzen bereits seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, während das Schmelzen der Alpengletscher erst zwanzig Jahre später begann (Abb. 07289). Jetzt beginnt man sich nach einem Bericht in der heutigen Financial Times am Himalaya zu fragen, was mit den zehn Flüssen passieren wird, wenn der von der globalen Erwärmung ausgelöste Schelzprozeß weiter voranschreitet, und was mit der 1,3 Milliarden zählenden Bevölkerung, die auf das Wasser angewiesen ist. Vor allem entlang der Grenze zwischen Indien und Bangladesh wird mit Kämpfen um Wasser gerechnet.


Schon jetzt zeigt Indien öffentlich Besorgnis wegen der von China im Tibet geplanten Dämme am Brahmaputra und der von China geplanten Finanzierung von Dämmen am Indus im pakistanischen Kaschmir. Der Monsun hat sich bereits von einem Dauerregen in einzelne sintflutartige Regengüsse, die den Mutterboden wegspülen, verwandelt. In der kritischen Periode zwischen Februar und Juni sind die Bauern unterhalb des Himalaya auf das Tauwasser für die künstliche Bewässerung angewiesen. Nicht weniger als 54 Flüsse fließen von Indien nach Bangladesh, dessen Landwirtschaft von dem Wasserzufluß abhängt.


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global news 1758 19-10-09: Scheitert die Nachfolge des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz in Stockholm an China?

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Die Menschheit produziert derzeit etwa 31 Mrd Tonnen an CO2 pro Jahr. Davon kommen etwa 7 Mrd Tonnen allein aus China. China hat die USA als Hauptemittent überholt (Abb. 07126). Die Geschwindigkeit, mit der die chinesischen Emissionen expandieren, ist das eigentliche Problem. In den letzten Jahren hat China im jährlichen Durchschnitt jeweils etwa eine halbe Milliarde obendrauf gelegt (Abb. 07098). Selbst im vergangenen krisengedrückten Jahr nahmen Chinas Emissionen um fast 5 % zu, während sie fast überall sonst zurückgingen (Abb. 07288).




Einer der Gründe für das starke Emissionswachstum in China ist die Verlagerung von Industrieproduktion aus der gesamten Welt nach China. Im Unterschied z.B. zu Deutschland hat die Emissionsintensität in China, gemessen in CO2 pro Wirtschaftsleistung, in diesem Jahrtausend wieder zugenommen (Abb. 07267). Energieproduktion und -verbrauch findet in China mit weit schlechteren Ausnützungsgraden und dementsprechend höheren Emissionen statt (Abb. 07062). Dort wird pro Einheit an Bruttoinlandsprodukt bis zu zweimal so viel CO2-Emission erzeugt wie in der Eurozone, bei bis zu fast dreimal soviel Verwendung von "schmutziger" Kohle auf der Basis veralteter Kraftwerkstechnik in der Stromerzeugung.



Ein neuer Bericht des Osloer Zentrums für Internationale Klima- und Umweltforschung zeigt, daß etwa ein Drittel aller chinesischen Emissionen und die Hälfte des Anstiegs in 2002 bis 2005 aus der Produktion von Waren für den Export kommt. So sollen 9 % der Emissionen auf das Konto von Exporten nach USA, 6 % nach Europa gehen. China lehnt es ab, für die Emissionen aus dem Export die politische Verantwortung zu übernehmen. Für China ist bisher das wirtschaftliche Entwicklungstempo wichtiger als die Folgen für die Umwelt. Deshalb weigert sich China bisher, beim bevorstehenden Weltklima-Gipfel in Kopenhagen eine mengenmäßige Begrenzung der Emissionen zu akzeptieren, obwohl von ihm ohnehin nur eine Begrenzung nach dem Jahr 2020 erwartet wird.

Daher wächst die Zahl der Länder, zu denen Frankreich und Deutschland gehören, die zwar ihrer eigenen Industrie erhebliche Auflagen zum Klimaschutz machen wollen, aber gleichzeitig bereit sind, mit Sonderzöllen die Verlagerung in Länder zu verhindern, die keine Klimaschutzauflagen akzeptieren. Der US Congress hat bereits ein entsprechendes Gesetz (Waxman-Markey Bill) verabschiedet. Auch Lord Turner, Vorsitzender des staatlichen britischen Kommittees für Klimaschutz hält einen solchen Zoll für die geeignete Lösung. Die Welthandelsorganisation hat bereits verkündet, daß ein solcher Zoll mit ihren Regeln vereinbar sein könnte.

Schon die Drohung mit einem solchen Zoll könnte das stark exportabhängige China zum Einlenken zwingen und ein Scheitern des Weltklimagipfels verhindern. Nach einer internationalen Umfrage des bekannten Harris Poll Instituts sind die Bevölkerungen beiderseits des Atlantik mehrheitlich der Meinung, daß China den Löwenanteil an Emissionsbegrenzungen akzeptieren müsse, etwa 63 % in USA und Großbritannien und noch mehr auf dem europäischen Kontinent. Auch gibt es Opposition vor allem in USA (40 %) und Großbritannien (25 %) sowie etwa 17 bis 19 % auf dem europäischen Kontinent gegen finanzielle Hilfen, um Länder, wie China, für eine Begrenzung der Emissionen zu gewinnen.


global news 1757 18-10-09: Die drei führenden Exportnationen stecken mit ihrem Export immer noch tief in der Krise

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Nach den letzten gemeinsamen Exportzahlen für August verzeichneten China, Deutschland und Japan Exporteinbrüche gegenüber dem Vorjahr von 22,6 %, 20,2 % und 36,0 % (Abb. 03866).


China gelang es, mit 731 Mrd Dollar Exportvolumen in den ersten 8 Monaten 09 an Deutschland (706 Mrd Dollar) vorbeizuziehen, wobei die niedrigen chinesischen Preise noch verstärkt durch eine brutale Wechselkursmanipulation gerade in der Krise mitspielten. Seit Mitte Februar hat der an den Dollar manipulativ angeseilte chinesische Yuan ebenso wie der Dollar bereits 15,5 % an Wert gegenüber dem Euro verloren (Abb. 03781).



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global news 1756 16-10-09: Auch das deutsche Gastgewerbe krebst erheblich im Minus

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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, setzten die Unternehmen des Gastgewerbes in Deutschland im August 2009 real 5,3% weniger um als im August 2008. Beide Bereiche des Gastgewerbes blieben im August 2009 unter den Umsatzwerten des Vorjahresmonats: das Beherbergungsgewerbe mit minus 6,2% und die Gastronomie mit minus 4,8% (Abb. 14694).



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global news 1755 16-10-09: Weiter Horrorzahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Noch nie so starker monatlicher Rückgang der Beschäftigung

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Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes wirkt sich die aktuelle Schwäche der Gesamtwirtschaft immer deutlicher auf die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland aus: Ende August 2009 waren in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes Personen 229 000 Personen oder 4,4% weniger als im August 2008 tätig (Abb. 04009). Seit Januar 1995 ist der prozentuale Rückgang der Beschäftigtenzahl im Vergleich zu einem Vorjahresmonat noch nie so stark gewesen wie in diesem Monat. Die Zahl der im August 2009 geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 10,2% auf 562 Millionen ab. Die Entgelte (Bruttolohn- und Bruttogehaltsumme) verringerten sich gegenüber August 2008 um 7,5%. Damit hat sich die Situation bis Juli 2009 immer weiter verschlechtert.


Die Wirtschaftszweige Maschinenbau (- 4,1%) und Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (- 4,2%) verzeichneten einen deutlichen Beschäftigtenrückgang. Noch wesentlich stärker als im Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes verringerte sich die Beschäftigtenzahl in den Wirtschaftszweigen Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit - 5,1%, Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren mit - 5,6% sowie Herstellung von Metallerzeugnissen mit - 6,3%.

Sowohl die Arbeitsstunden, wie das Arbeitsentgeld sind schon seit dem vergangenen Jahr kontinuierlich und stark zurückgegangen (Abb. 14710, 14712).



Da die gewerbliche Wirtschaft noch vergleichsweise gut bezahlt und mehr Tarifbindung hat, dürfte die Gesamtsituation in der Gesamtwirtschaft noch schlechter sein. Ein so starker und ungebremster Abriß der Arbeitseinkommen muß sich in der privaten Nachfrage und damit in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung krisenhaft niederschlagen.


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global news 1754 15-10-09: Das Sommereis in der Arktis verschwindet noch schneller

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Die Catlin Arktische Untersuchung, bei der im Winter und Frühjahr 2009 auf einer 450 km langen Route Eisbohrungen vorgenommen wurden, hat die starke Verdünnung des Eises gezeigt. Die durchschnittliche Eisstärke von 1,8 Meter wird für zu dünn gehalten, um den nächsten Sommer zu überdauern. Große Teile der arktischen Eisfläche bestehen bereits aus Ein-Jahres-Eis. Die Wissenschaftler erwarten jetzt, daß die Arktis in 20 Jahren während des Sommers eisfrei sein wird und das der größte Teil des Sommereises bereits in 10 Jahren verschwindet.

Dr. Sommerkorn vom Internationalen Arktik-Programm des WWF erklärte bei der Vorstellung der Ergebnisse:

"Das arktische See-Eis hat eine zentrale Position im Klimasystem der Erde. Ohne es befindet wir uns in einer dramatisch wärmeren Welt. Ein solcher Verlust wird starke klimatische Rückkoppelungen auslösen, die sich weit jenseits der Arktik selbst auswirken werden, selbstverstärkende Zyklen, die die Folgen der globalen Erwärmung vergrößern. Das kann zu Überflutungen führen, die ein Viertel der Weltbevölkerung betreffen, zu einem erheblichen Anstieg der Treibhausgase von den freigesetzten CO2-Depots und extremen globalen Wetterveränderungen."

Peter Wdhams von der Universität Cambridge, einer der in der Welt führenden Autoritäten beim Thema des arktischen See-Eises äußerte sich bei der Vorstellung der Studie in der britischen Royal Society of Arts:

"Der Mensch hat den Deckel vom nördlichen Teil des Planeten genommen. Dieser Deckel ist das Hitzeschutzschild der nördlichen Hemisphäre."


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global news 1753 15-10-09: Deutscher Einzelhandelsumsatz weiter am Ende der Alt-EU

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Auch nach den neuesten Eurostat-Daten für August bewegt sich der deutsche Einzelhandelsumsatz am Ende der Alt-EU-Länder. Gegenüber dem Monatsdurchschnitt von 2005 liegt er schon um mehr als 5,5 % niedriger. Dagegen liegt er in Frankreich um 11,1 %, in Großbritannien um 12,8 % höher, was gegenüber dem deutschen Ergebnis 17 bis 18 % mehr ist (Abb. 12922).


Das zeigt, welche enormen Konsumverzichte die deutschen Verbraucher leisten mußten, da die deutschen Löhne real sich so viel ungüstiger entwickelten. Das nützte zeitweise dem Export, doch dessen Zuwachs war künstlich, weil er weitgehend auf der Verschuldung der Handelspartner beruhte und Teil der Kreditblase war.


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global news 1752 14-10-09: Immer mehr arbeitslose Abiturienten, Teilzeitarbeitnehmer und Sozialhilfeempfänger

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Drei Meldungen aus diesen Tagen, die alle auf das gleiche Problem aus der deutschen Soziallandschaft reflektieren.

1. Immer mehr Arbeitslose Abiturienten

In der aktuellen Krise zeigt sich nach einer Studie des DGB ein ganz neues Verteilungsmuster der Arbeitslosigkeit. Überraschenderweise ist die Arbeitslosigkeit bisher jedenfalls bei Arbeitslosen mit guter schulischer Ausbildung besonders stark gestiegen. Differenziert nach dem Schulabschluss zeigt sich für August dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat, daß sich die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Fach- oder Hochschulreife im ersten Krisenjahr um fast ein Viertel erhöht und damit zwei- bis viermal so stark gestiegen, wie bei den anderen Personengruppen (Abb. 14771). Zwischenzeitlich zählen gut 480.000 Arbeitslose zu dieser Gruppe mit den höchsten Schulabschlüssen. Ihre Zahl ist nur noch um knapp 30.000 niedriger als jene, die keinen Schulabschluss haben. Auch eine gute schulische Ausbildung schützt längst nicht immer vor Arbeitslosigkeit. In den alten Bundesländern haben bereits 15,8 % des Arbeitslosenheeres eine Fachhochschul- oder Hochschulreife und 13,8 % der Arbeitslosen in den neuen Ländern.


Bei allen Personengruppen hat sich die Wirtschaftskrise schneller und stärker in der Arbeitslosenversicherung ausgewirkt. Hier ist die Arbeitslosigkeit weit stärker angestiegen als im Hartz IV-System. In starkem Maße wird dies dadurch beeinflusst, dass sozialversichert Beschäftigte entlassen wurden, die Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung haben aufbauen können. Arbeitslose mit Fach- oder Hochschulreife werden weit überdurchschnittlich von der Arbeitslosenversicherung betreut und zwar zu 57 Prozent gegenüber nur einem Anteil von 15,6 Prozent bei jenen ohne Schulabschluss. Bei einem Vergleich der beiden Rechtskreise zeigt sich allerdings, dass die Arbeitslosigkeit bei jenen mit Fach- oder Hochschulreife in beiden Systemen am stärksten angestiegen ist. Sowohl in der Arbeitslosenversicherung wie im Hartz IV-System hat sich die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich erhöht. Gut 200.000 Arbeitskräfte mit Fach- und Hochschulreife sind zwischenzeitlich verarmt und auf Hartz IV angewiesen. Innerhalb von 12 Monaten hat sich ihre Zahl bereits um ein Siebtel (13,9 Prozent) erhöht (Abb. 14772).


2. Immer mehr Teilzeitarbeitnehmer

In den vergangenen zehn Jahren ist nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes der Anteil teilzeitbeschäftigter Mütter in Deutschland stark angestiegen. Im Jahr 2008 gingen 69% der erwerbstätigen Mütter, die minderjährige Kinder im Haushalt betreuten, einer Teilzeittätigkeit nach. 1998 war es erst gut die Hälfte (53%). Bei den Frauen ohne minderjährige Kinder erhöhte sich die Teilzeitquote im betrachteten Zeitraum um 6 Prozentpunkte auf 36% im Jahr 2008. Bei den Männern stieg sie um 4 Prozentpunkte auf 9%.

Ein großer Teil der Teilzeitarbeitnehmer würde lieber Vollzeit arbeiten, findet aber keinen entsprechenden Arbeitsplatz.

3. Immer mehr Sozialhilfempfänger

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhielten zum Jahresende 2008 in Deutschland rund 325 000 Personen laufende Hilfe zum Lebensunterhalt (SGB XII "Sozialhilfe"). Dies waren 4,0% mehr Hilfebezieher als im Vorjahr.

Von den Empfängern lebten Ende 2008 rund 233 000 (72%) in Einrichtungen wie Wohn- oder Pflegeheimen und 92 000 (28%) außerhalb von Einrichtungen. Die Hilfebezieher in Einrichtungen waren mit 54 Jahren im Durchschnitt deutlich älter als diejenigen außerhalb von Einrichtungen mit 40 Jahren.


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global news 1751 13-10-09: Trotz intensivster Aufschwungspropaganda: Die Zeichen auf einen erneuten Absturz mehren sich

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Die Bundesregierung hat gerade ihre Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung aufgehübscht. Das verspricht weniger Steuerverluste und erlaubt rechnerisch etwas mehr Steuersenkungen. Doch im Hintergrund stehen die Zeichen erneut auf Sturm. Vieles sind harte Fakten der amtlichen Statistik. Anderes sind Eindrücke, die sich dem Betrachter erschließen, wenn er durch die aktuellen Meldungen blättert.

Die so wichtigen deutschen Ausfuhren kommen nicht richtig aus dem Krisenkeller und sanken im August gegenüber Juli 2009 um 1,8 % (Abb. 14707); zusätzliches Unheil droht von einer ständigen Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar und vor allem dem chinesischen Renmimbi (Abb. 03781).



Parallel dazu lahmt auch die Binnenkonjunktur mit einer Fortsetzung des Sinktrends im Einzelhandelsumsatz auch im August (Abb. 04943). Ein wachsender Teil dieses Umsatzes dürfte im Schnäppchenbereich stattfinden und Importware, vor allem aus China, gegenüber der heimischen Produktion begünstigen, was der deutschen Wirtschaftsentwicklung zusätzlich schadet. Nun stürzt nach Auslaufen der Abwrackprämie erwartungsgemäß der Autoabsatz in ein tiefschwarzes Loch. Nach Mitteilung des Vorsitzende des Bundesverbands freier Kfz-Händler ist der Neuwagenverkauf im September gegenüber dem Vormonat bereits um rund die Hälfte zurückgegangen; bei kleinen und preiswerten Autos, deren Absatz besonders von der Abwrackprämie profitiert hatte soll sich ein "absolutes Nachfrageloch" auftun.


Die deutsche Vorzeigebranche Maschinenbau hatte im August 33,6 % weniger Umsatz als im Vorjahr. Die Auftragslage war mit einem Minus von 43 % gegenüber Vorjahr und einer im tiefen Tal stagnierenden Entwicklung katastrophal (Abb. 14647).


Die Unternehmensinsolvenzen steigen stark, mit einem Plus von 9,3 % allein im Juli gegenüber Vormonat (Abb. 14602). Laut Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann kommte das Schlimmste für die Finanzbranche erst noch und stehen ihr schwere Zeiten bevor. Vor allem drohende Kreditausfälle könnten die Geschäfte noch massiv belasten. Der IWF erwartet weitere hohe Verluste der Banken in USA, Großbritannien und der Eurozone, auch als Folge der Krise in der Realwirtschaft und schätzt den Schaden bei den Banken jetzt auf 2,8 Billionen, wovon allerdings bis jetzt erst 1,3 Billionen, also weniger als die Hälfte, erklärt worden sind. Amerikanische Banken haben bereits etwa 60 % der Verluste anerkannt, dagegen die europäischen erst etwa 40 %. Damit sind die europäischen Banken schlechter auf die jetzt andauernde Krise vorbereitet.


Auf dem Arbeitsmarkt lag die Unterbeschäftigung im September bereits um 10,6 % über dem Vorjahresniveau (Abb. 14727). Die Zahl der Überstunden ist auf einen historischen Tiefstand gefallen. Und hier kommt die eigentliche Welle an zusätzlicher Arbeitslosigkeit erst jetzt und vor allem im kommenden Jahr nach Auslaufen der bundestagswahlbedingten Zurückhaltung mit Entlassungen und des Kurzarbeitergeldes. Das wird die deutsche Binnenkonjunktur zusätzlich belasten. Nach der neuen IWF-Prognose wird Deutschland 2010 mit Italien das schwächste Glied der großen Industrienationen sein. Es wird die höchste Arbeitslosenrate haben und das zweitniedrigste Wirtschaftswachstum (Abb. 15014).



Die letzte ZEW Umfrage unter Finanzmarktexperten von heute zeigt die Lagebeurteilung weiter in historischer Tieflage (Abb. 04588). Auch die Zukunftserwartungen haben sich überraschend wieder eingetrübt. Selbst der immer zu übertriebenem Optimismus neigende ZEW-Präsident und Wirtschaftsweise Franz meint: "Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland ist nach wie vor desolat".


Fredmunt Malik im Handelsblatt: "Wer jetzt Entwarnung gibt, hat anscheinend nicht die Krise der 30er-Jahre studiert. Die aktuelle Erholung an der Börse ähnelt der von 1930, als auf den Crash im Oktober 1929 eine sensationelle Rally bis hinein in den April folgte. Zu diesem Zeitpunkt gaben alle Auguren der damaligen Zeit Entwarnung. Man glaubte auch an die Wirksamkeit der Fed-Maßnahmen. Dabei begann das Debakel erst."


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global news 1750 11-10-09: Das Handwerk im 2. Quartal 09: Umsatz minus 6,9 %, Beschäftigung minus 1,5 %

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Trotz einer mit plus 0,8 % gegenüber Vorjahr leicht positiven Entwicklung im Kraftfahrzeuggewerbe, fiel der Umsatz im Handwerk gegenüber Vorjahr um 6,9 %. Die Zahl der Beschäftigten ging um 1,5 % zurück (Abb. 14766). Damit setzte sich der negative Trend im Vergleich zum Vorjahr fort.



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global news 1749 09-10-09: Immer mehr unfairer Wettbewerb durch Währungsmanipulation

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Es ist letztlich egal, ob der internationale Wettbewerb durch Importbeschränkungen oder durch künstliche Exportsubventionen verfälscht wird, weil auch letztere am Ende zur Gegenwehr durch Abwehrmaßnahmen auf der Importseite führen müssen. Nun ist die Welt schon mitten drin in diesem gefährlichen Spiel. Es begann mit China. China hat seit vielen Jahren zur Exportförderung den Wechselkurs des Renmimbi trotz stark steigender Leistungsbilanzüberschüsse eng an den Kurs des Dollars angebunden und damit erheblich unterbewertet. Erst im Juli 2005 wurde eine in Bandbreiten begrenzte Flexibilität eingeführt. Entsprechende Aufwertungen gegenüber dem vor allem zu Beginn der globalen Finanzkrise im August 2007 abstürzenden Dollar hielten dann bis zum 15. Juli 2008 an. Doch dann band China seine Währung wieder eng an den Dollar, um gerade in der Krise seinen Export über den Wechselkurs zu fördern. Da der Dollar in diesem Jahr immer weiter abstürzt, stürzt mit ihm auch der chinesische Renmimbi genauso stark gegenüber dem Euro, seit Februar bereits um 15 % (Abb. 16014).


Andere asiatische Länder müssen nun ebenfalls der chinesischen Manipulation folgen, um nicht Exportmarktanteile an China zu verlieren. So haben in den letzten Tagen die Notenbanken von Thailand, Malaysia, Taiwan und Singapur Dollar gekauft, um ihre Währungen ebenfalls mindestens in der Nähe des abstürzenden Dollar zu halten. Den Nachteil haben vor allem die Exporte der Eurozone, weil nun der Euro nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch vielen asiatischen Währungen aufgewertet wird. EZB-Präsident Trichet warnt bereits vor dieser Entwicklung. Doch das hilft wenig.

Immer mehr Handelspartner beantworten das Währungs- und sonstige Dumping Chinas mit Abwehrmaßnahmen. Nach den Sonderzöllen auf chinesische Reifen, haben die USA nun ein Untersuchungsverfahren wegen chinesischer Stahlrohre eingeleitet. China soll seine Stahlrohreexporte nach USA allein im vergangenen Jahr um 218 % gesteigert haben. Auch die EU hat im September dieses Jahres EU Abwehrzölle von fast 40 % gegen Importe chinesischer Stahlrohre eingeführt, und dies zum ersten Mal nur auf der Basis von drohenden, aber nicht per Absatzeinbußen nachgewiesenen Schäden der europäischen Hersteller. Jetzt will die EU-Kommission den Antidumpingzoll von 16,5 % auf Schuhe aus China verlängern. Das Argument der Gegner dieses Zolles in der EU, nämlich daß er die Schuhe für die Verbraucher verteuere, hat sich als unhaltbar erwiesen, da die Preise nur um 1,50 Euro pro Paar Schuhe gestiegen sind, was die enormen Händlermargen zeigt, die offensichtlich den Antidumpingzoll weitgehend schlucken konnten. Zwischen 2001 und 2005 hat China mit seinen Billigstimporten (neben einigen aus Vietnam) den Anteil der europäischen Schuh-Produzenten am europäischen Markt bereits von 65 % auf nur noch 40 % herunterdrücken können.

China ist inzwischen zum Hauptzielland von Abwehrmaßnahmen geworden. Im vergangenen Jahr stiegen die Anträge auf solche Maßnahmen gegen das chinesische Dumping weltweit um 23 % und steigen in diesem Jahr weiter. Wenn China nicht begreift, daß es mit seinen verschiedenen Dumpingformen gerade in der Weltwirtschaftskrise nicht mit Geduld seiner Handelspartner rechnen kann, wird sich diese Spirale immer weiter drehen.


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global news 1748 09-10-09: Droht dem deutschen Export ein zweiter Schock an der Währungsfront?

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Nach Berichten im britischen Independent, einer ziemlich seriösen Zeitung, bemühen sich wichtige ölimportierende und -exportierende Länder, den Dollar als Währung für den Ölhandel durch ein Bündel verschiedener Währungen zu ersetzen. Dabei soll es sich um die arabischen Golfländer, um China, Rußland, Japan, Brasilien und Frankreich handeln. Innerhalb von neun Jahren soll an die Stelle des Dollars ein Korb von Währungen treten, darunter der japanische Yen, der chinesische Yuan, der Euro, Gold und eine neue vom Golf Kooperationsrat für die Golfregion geplante Währung. Aus der Golfregion kommt allerdings ein energisches Dementi.

Damit soll der Ölhandel unabhängiger von der amerikanischen Dollarpolitik werden. Im Hintergrund baut sich die zunehmende Rivalität zwischen den US und China beim Zugang zum Golföl auf. China importiert bereits 60 % seiner Ölimporte aus dem Mittleren Osten und Rußland. Es tritt jetzt auch im Irak und Iran als Partner auf und hat die USA im Sudan aus den dortigen Ölinteressen verdrängt. Es verhandelt daneben in Libyen und Nigeria über Konzessionen.

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist der Dollar-Anteil an den internationalen Währungsreserven bereits auf 62,8 % gefallen und der des Euros auf 27,5 % gestiegen. Wenn die vom Independent berichtete Entwicklung zutreffen sollte, so könnten die USA nicht mehr Dollar drucken, um damit den wachsenden Ölhandel zu finanzieren. Auch wäre der Ölpreis weit weniger von der amerikanischen Finanz- und Inflationspolitik abhängig. Allerdings könnte eine solche Entwicklung den Verfall des Dollarkurses beschleunigen und damit starke, bisher in Dollar kontrahierende Exportländer von Industriegütern, wie Deutschland und China treffen. Daher ist unsicher, ob und in welchem Zeithorizont China wirklich zu diesem Plan stehen wird.

Auch ohne einen solchen zusätzlichen Angriff auf den Dollar, sinkt des Wert gegenüber dem Euro permanent, schon fast 15 % seit Februar dieses Jahres (Abb. 03781) und belastet damit den deutschen Export. Und China, das ein noch aggressiverer Niedrigpreiswettbewerber als die USA ist, hat seine Währung manipulativ fest an den Dollar gebunden und hat so dessen Abwertung um fast 15 % mitgemacht, obwohl China - im Unterschied zu den USA - riesige Überschüsse und Währungsreserven aufbaut. Kein Wunder dann, daß sich der deutsche Export so schwer tut, um aus dem tiefen Tal, in das er gefallen ist, herauszukommen (Abb. 14707).




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global news 1747 09-10-09: Der Export kommt noch nicht richtig aus dem Keller, Industrieumsatz minus 16,4 %, Unternehmensinsolvenzen plus 10,4 %

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Heute kamen gleich drei Meldungen vom Statistischen Bundesamt, die zeigen, wie schwer der Aufstieg aus dem Kriseneinbruch wird. Die deutschen Ausfuhren waren im August 2009 um 20,0% und die Einfuhren um 19,3% niedriger als im August 2008 (Abb. 14707). Dabei sanken die Ausfuhren gegenüber Juli 2009 um 1,8 %. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank wies die Leistungsbilanz im August 2009 einen Überschuss von 4,6 Milliarden Euro aus; im August 2008 hatte der Überschuß noch bei 8,1 Milliarden Euro gelegen.


Der Industrieumsatz lag im August um 16,4 % unter dem Vorjahreswert. Der Inlandsumsatz verringerte sich im Vergleichszeitraum um 14,7 %, die Erlöse mit ausländischen Abnehmern nahmen um 18,5% ab. Innerhalb der umsatzmäßig wichtigsten Wirtschaftszweige sank im August 2009 im Maschinenbau der preisbereinigte Umsatz mit 33,6 % am stärksten gegenüber dem Vorjahresmonat. Dabei verringerte sich der Inlandsumsatz um 36,5 % und das Geschäft mit ausländischen Abnehmern um 31,3 %. Im Vergleich zum Vormonat stieg der preisbereinigte Umsatz der gesamten Gewerblichen Wirtschaft im August 2009 um 2,6% (nach -0,5 % im Juli 2009). Im aussagefähigeren 2-Monatsvergleich betrug der Anstieg 1,0 %. Gegenüber dem Wert vom Januar des letzten Jahres liegt der Umsatz noch immer 20,7 % niedriger (Abb. 04910, 14564).



Die Unternehmensinsolvenzen machten im letztgemeldeten Monat Juli mit plus 9,3 % gegenüber Vormonat und plus 10,4 % gegenüber Vorjahr einen erheblichen Sprung nach oben (Abb. 14602).



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global news 1746 08-10-09: Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im August: leichter Anstieg um 1,7 %, aber bis zum Wert vom Januar 2008 noch 22,8 % nötig

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Die Produktion der gewerblichen Wirtschaft lag im August um 17,4 % unter dem Vorjahreswert und um 1,7 % über dem Wert vom Juli 2009. Bis zum Wert vom Januar 2008 müßte sie noch um 22,8 % steigen. Besonders schlimm hat es die Investitionsgüterindustrie getroffen, wo ein Wiederanstieg um 36,2 % nötig wäre, die letzte monatliche Anstiegsrate aber nur bei 1,5 % liegt und bei dieser Rate also zwei Jahre nötig wären, um auf das alte Niveau zu kommen. Die deutsche Konsumgüterindustrie hat den Wiederaufstieg noch nicht einmal angetreten (Abb. 04306).


Laut Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministers sind die aktuellen Ergebnisse durch einen Ferientageeffekt "leicht überzeichnet". Außerdem verzeichneten besonders die Hersteller von Vorleistungsgütern, vor allem Dank Abwrackprämie, einen Anstieg in der doppelten Höhe des Durchschnitts aller Sektoren. Das wird sich nach Auslaufen der Abwrackprämie ändern müssen.

Und was macht SPIEGEL-online daraus unter der Schlagzeile "Industrieproduktion steigt deutlich an":

"Die Anzeichen für einen Aufschwung mehren sich: so stieg die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im August preis- und saisonbereinigt um 1,7 Prozent. Experten rechnen jetzt mit einem sehr guten dritten Quartal für die Industrie."

Bis jetzt jedenfalls liegen die ersten zwei Monate des dritten Quartals monatdurchschnittlich und saisonal bereinigt um 17,2 % unter den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Ein "sehr gutes" Quartal definiert man ganz anders.


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global news 1745 07-10-09: Trotz Abwrackprämie Industrieaufträge im August: minus 38 % gegenüber Anfang 2008

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Im August sind die Industrieaufträge gegenüber dem Vormonat um 1,4 % gestiegen, lagen aber immer noch um 37,6 % unter dem Niveau vom Anfang des letzten Jahres (Januar 08). Bei dieser Aufstiegsrate, sollte sie beibehalten werden, würde es 27 Monate dauern, bis das frühere Niveau wieder erreicht wäre (Abb. 04569).


Allerdings war die Situation, wie der Bundeswirtschaftsminister in seiner Pressemitteilung einräumt, weiterhin von den auslaufenden konjunkturellen Maßnahmen gestützt, insbesondere der Abwrackprämie, von der vor allem die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern profitieren. Die Vorleistungsgüteraufträge stiegen daher mit der doppelten Rate von 2,8 %, darunter die Aufträge der Kraftwagen- und Kraftwagenteileproduzenten um ungewöhnliche 15,0 %. Dagegen setzte sich der Rückgang der Bestelltätigkeit bei den Konsumgüterproduzenten mit -3,8 % beschleunigt fort. Das trug dazu bei, daß die Inlandsaufträge um 1,9 % zurückgingen.

Im Ergebnis bleibt die Auftragslage der deutschen Industrie sehr schwierig und alles andere als in einem dynamischen Aufschwung, wie er immer wieder herbeigeredet wird.


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global news 1744 06-10-09: Zwischen stark alternden Volkswirtschaften herrscht Wettbewerb um die besten Immigrations- und Integrationspolitiken: Deutschland hat ihn längst verloren

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Stark alternde Volkswirtschaften, und die deutsche liegt hier neben der italinienischen seit vielen Jahren an der Spitze, brauchen frisches Blut durch qualifizierte und integrationsfähige Immigranten. Doch so wie Deutschland neuerdings mit der amtlichen Lüge lebt, in Afghanistan gebe es keinen Krieg, lügt es sich seit Jahrzehnten in die amtliche Tasche, Immigranten würden wieder nach Hause gehen und daher sei weder eine kluge Immigrations-, noch eine geeignete Integrationspolitik nötig. Andere klassische Einwanderungsländer, suchen sich seit jeher, zusätzlich zu der nie ganz zu vermeidenden illegalen Integration, besonders qualifizierte Einwanderer aus und betreiben anschließend eine darauf abstellende Integrationspolitik.

Deutschland hat dagegen unter dem Diktat seiner Großindustrie Immigranten nur als billige Arbeitskräfte am Fließband betrachtet, wofür es keiner besonderern Qualifikation bedurfte. So kamen sie schulisch tolal unvorbereitet vor allem aus Anatolien und vom Balkan. Sie sind geblieben (anders als frühere Immigranten aus Italien und Spanien). Mangelnde Bildung in den Elternhäusern und ein unterfinanziertes deutsches Grundschulsystem haben den Integrationsprozeß stark verlangsamt bis total verhindert. Wenn ein türkischer Ministerpräsident dann die türkische Immigration in Deutschland dazu aufrufen kann, Türken zu bleiben und Deutsche erst in zweiter Linie zu werden, dann ist unübersehbar, was hier abgeht.

Tatsächlich lebten nach dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts bereits 2005, also vor vier Jahren, 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen) in Deutschland. Am höchsten war ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Großstädten, vor allem in Stuttgart mit 40 %, in Frankfurt am Main mit 39,5 % und in Nürnberg mit 37 %. Bei den unter 5-Jährigen liegt dieser Anteil in sechs Städten bei über 60%. Insgesamt hatte knapp ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren in Deutschland einen Migrationshintergrund. Abb. 13280 zeigt diese für die Zukunft Deutschlands wichtige Situation. Hier kombiniert sich die Konzentration der Immigranten vor allem auf Großstädte mit der wesentlich geringeren Kinderzahl der deutschstämmigen Bevölkerung.


Im internationalen Vergleich ist der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung relativ hoch und wird schon jetzt fast nur von den ausgesprochenen Einwanderungsländern Kanada und Australien übertroffen (Abb. 13285). Die neun wichtigsten Herkunftsländer und -regionen der deutschen Immigranten sind Türkei mit 14,2% aller Zugewanderten, Balkanländer mit 10,9 % sowie wegen der Rückkehr der Rußlanddeutschen die Russische Föderation mit 9,4% ( Abb. 13283).



Deutschland hat nach Feststellungen der OECD den bei weitem größten negativen Abstand in der Lesefähigkeit von Immigranten-Kindern verglichen mit denen von einheimischen Eltern (Abb. 13284). Das zeigt, wie schlecht trotz des hohen Anteils an Immigrantenkindern die Integration in das erheblich unterfinanzierte (Abb. 13092) deutsche Bildungs- und in der Konsequenz auch Berufssystem gelingt.



Die Ergebnisse zeigen weiter, daß Personen mit Migrationshintergrund im Unterschied zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund geringer qualifiziert sind: Fast 10 % haben keinen allgemeinen Schulabschluss (Personen ohne Migrationshintergrund: 1,5 %) und 51 % keinen beruflichen Abschluss (gegenüber 27 %), wobei in allen Fällen diejenigen nicht berücksichtigt sind, die sich noch in Ausbildung befinden (Abb. 13281). Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 Jahren sind seltener erwerbstätig (62 % gegenüber 73 %) als Personen ohne Migrationshintergrund. Sie waren zum Zeitpunkt der Erhebung häufiger erwerbslos (13 % gegenüber 7,5 %) oder stehen dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht zur Verfügung (25 % gegenüber 19,5 %) . Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind doppelt so häufig als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig wie Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund (48,5 % gegenüber 24 %), Angestellte und Beamte sind unter ihnen entsprechend selten vertreten (Abb. 13286).



Die Misere mit der Immigration und ihrer Integration ist einer der wichtigeren Gründe warum Deutschland im internationalen Vergleich der Lebensqualitäten so schlecht abschneidet.


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global news 1743 05-10-09: Deutschland in Lebensqualität nur auf einem der letzten Plätze unter vergleichbaren Ländern

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Auch nach dem neuen UN Entwicklungsbericht 2009 bleibt Deutschland unter den höchstentwickelten Ländern auf Platz 22 hängen, weit hinter den meisten vergleichbaren Ländern, wie Frankreich, Österreich, Italien oder die USA (Abb. 13817).


Frankreich hingegen kletterte auf dem Index vom elften auf den achten Rang. Für das schlechte deutsche Abschneiden, wird zwar erneut die Wiedervereinigung mitverantwortlich gemacht. Aber nach 19 Jahren und angesichts des weiterhin starken Rückstands wird dieses Argument immer zweifelhafter. Auch andere Länder haben Sonderlasten, wie Italien mit dem Mezzogiorno oder Großbritannien mit Nordirland und beim Vergleich geht es nicht nur um das in Kaufkrafteinheiten gemessene Einkommen, sondern auch wichtige immaterielle Werte, wie Lebenserwartung und Bildung, gemessen in Anteilen beim Zugang zu den Bildungszweigen.


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global news 1742 04-10-09: Starker Einbruch bei den Arbeitsstunden

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Mit fast minus 5 % gegenüber Vorquartal ist die Arbeitszeit je Erwerbstätigen im 2. Quartal 2009 stärker eingebrochen als jemals zuvor in einem Quartal seit Beginn der 90er Jahre (Abb. 14697), und seitdem wird es weiter nach unten gegangen sein. Insgesamt beträgt der Rückgang der Arbeitsstunden bereits mehr als 10 % (Abb. 14714).



Der Rückgang der Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer hängt vor allem die stark subventionierte Kurzarbeit zusammen, die nach Auslaufen der Förderung zu großen Teilen in Arbeitslosigkeit übergehen wird. Doch nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit ist auch die Zahl der Überstunden auf einen historischen Tiefstand gefallen. Pro Arbeitnehmer wird mit einem Rückgang von 48,3 Stunden pro Jahr auf nur noch 35,4 gerechnet, ein Minus von 27 %. Generell geht die Zahl der Überstunden auch im langfristigen Trend zurück. Seit der Wiedervereinigung hat sie sich halbiert. Die für 2009 erwarteten Überstunden entsprechen immer noch mehr als 600.000 Vollzeitarbeitsplätzen. Während die Produktion in der Industrie sehr stark eingebrochen ist, ist die Lage in vielen Dienstleistungsbereichen immer noch stabil. Überstunden in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder bei der Polizei fallen in der Wirtschaftskrise nicht einfach weg.


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global news 1741 02-10-09: Deutschland wird 2010 mit Italien das schwächste Glied der G7 sein (mit höchster Arbeitslosigkeitsrate)

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Nach der neuen IWF-Prognose, die in Deutschland wegen des minimalen Plus von 0,3 % so sehr gefeiert wurde, wird Deutschland 2010 mit Italien das schwächste Glied der G7 sein. Es wird die höchste Arbeitslosenrate haben und das zweitniedrigste Wirtschaftswachstum (Abb. 15014).


In USA ist die Arbeitlosenrate im September weiter auf nun 9,8 % gestiegen. Das sind 8,4 Millionen mehr Arbeitslose als vor Ausbruch der Krise und mit nun 15,1 Millionen mehr als doppelt so viele (Abb. 05097). All das deutet nicht auf ein schnelles Ende der globalen Krise hin, zumal der leichte Aufschwung nur auf den Krücken der blutenden Steuerzahler kommt.



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global news 1740 02-10-09: Und nun das schwarze Loch im deutschen Autoabsatz

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Die Abwrackprämie war am 2. September kurz vor den Wahlen ausgelaufen. Wie zu erwarten stürzt jetzt der Autoabsatz in Deutschland in das schwarze Loch, nachdem so viele Käufe vorgezogen wurden. Der Vorsitzende des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK) Ansgar Klein sagte, der Neuwagenverkauf sei im September gegenüber dem Vormonat um rund die Hälfte zurückgegangen. Bei kleinen und preiswerten Autos bestehe ein "absolutes Nachfrageloch". Eine Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) bestätigte die deutlichen Einbußen.

Die letzten Zulassungs-Zahlen des Verbands der Automobilindustrie vom September konnten das Ende der Abwrackprämie noch nicht nachzeichnen (Abb. 14646). Auch sie zeigen, wie Export und Produktion zurückfallen. Zwar lag im September die Zahl der Zulassungen noch deutlich höher als im Vorjahr, doch war der Anstieg bei ausländischen Fabrikaten doppelt so hoch. Dabei zählen unter den deutschen Fabrikaten auch noch die im Ausland produzierten Konzernmarken.



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global news 1739 01-10-09: Schlechte Aussichten für die Banken

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Der IWF hat heute seinen Financial Stability Report vorgelegt. Darin erwartet er weitere hohe Verluste der Banken in USA, Großbritannien und der Eurozone, auch als Folge der Krise in der Realwirtschaft. Der IWF schätzt jetzt den gesamten Schaden im Finanzsystem auf 3,4 Billionen Dollar, davon 2,8 Billionen bei den Banken, von denen allerdings bis jetzt erst 1,3 Billionen, also weniger als die Hälfte, erklärt worden sind. Amerikanische Banken haben bereits etwa 60 % der Verluste anerkannt, dagegen die europäischen erst etwa 40 % (Abb. 16011). Damit sind die europäischen Banken schlechter auf die jetzt andauernde Krise vorbereitet.


Bei einer Eigenkapitaldecke von 4 % der Anlagen müssen die Banken der Eurozone, da besonders unterkapitalisiert, 310 Mrd Dollar an frischem Kapital auftreiben, die amerikanischen dagegen nur 130 Mrd Dollar (Abb. 16012). Der IWF bezeichnet das deutsche Konzept für bad banks als einen positiven Schritt, kritisiert aber den Mangel der Banken, ihre Verluste einzuräumen.


Allgemein erwartet der IWF angesichts der noch bevorstehenden Bankenverluste in diesem und dem nächsten Jahr eine weitere Verengung der Kreditspielräume (Abb. 16013).



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global news 1738 01-10-09: Einzelhandelsumsatz: Minus 2,6 %, Maschinenbauaufträge minus 43 %

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Schlimme Zahlen heute aus Deutschland. Der Einzelhandelsumsatz verfolgte seinen Sinktrend auch im August mit einem Minus gegenüber Vorjahr von 2,6 % (Abb. 04943). Im Nicht-Lebensmittelbereich waren es sogar 3,5 % weniger. Verglichen mit dem Vormonat Juli verlor der Einzelhandel 1,5 % an Umsatz, was immerhin - auf das Jahr gerechnet - einem steilen Fall von minus 18 % entspricht. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2007 liegt der Umsatz bereits fast 4 % tiefer.


In der deutschen Vorzeigebranche Machinenbau blieb auch im August die Auftragslage mit einem Minus von 43 % gegenüber Vorjahr katastrophal (Abb. 14647).



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global news 1737 30-09-09: Der letzte Arbeitsmarktbericht aus der Zeit vor den Wahlen: Immer mehr echte Arbeitslosigkeit und eine verlogene Statistik

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Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) immer mehr zugenommen, zuletzt um 10,6 %, wenn man den Schätzzahlen der Agentur folgt. Dagegen ist die offizielle Version einer Abnahme von Arbeitslosigkeit verlogen. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-24,0 %). Die Zahl der Kurzarbeiter ist bis zu den letzten Zahlen vom Juni auf 1,43 Millionen stark angestiegen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist über die letzten Monate deutlich gefallen und stagniert nun auf niedrigem Niveau. Gegenüber August stieg saisonbereinigt die Arbeitslosigkeit weiter deutlich an, wenn man die nicht mehr mitgezählten von Dritten betreuten Arbeitslosen einrechnet. Der Beschäftigungsaufbau brach weiter auf negative Werte ein.

Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres 2008 Monat für Monat immer stärker abgeschwächt und ist entsprechend der noch nicht veränderten Statistik seit März erstmals negativ geworden und seitdem immer mehr. Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % immer mehr ab und geriet seit März in wachsendes negatives Terrain, im September schon fast 9 %, wobei allerdings die vom Dritten betreuten Jobsuchenden von der Bundesagentur total irreführend nicht mehr erfaßt werden (Abb. 04772, 14727, 14726).




Eine ausführliche Analyse enthält der aktualisierte Schwerpunkt.


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global news 1736 29-09-09: Die Steuervorschläge von CDU und FDP begünstigen einseitig die Bestverdiener

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Das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung hat die Steuervorschläge der Parteien untersucht. Danach kommen die Einkommensbezieher im obersten Zehntel auf Entlastungen von 4.766 Euro nach der CDU bis 12.035 Euro nach der FDP (Abb. 14770).


Dabei ist zu berücksichtigen, daß in den vergangenen Jahren der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer bereits von 53 % auf nur noch 45 %, einschließlich Reichensteuer, gesenkt wurde (Abb. 14658) und daß so viele Steuerbefreiungsgründe geschaffen wurden, daß bei den obersten 10 % der Einkommensbezieher (etwa 5 Millionen Menschen) nur 50,9 % der Kapitaleinkommen tatsächlich zur Versteuerung herangezogen werden. Außerdem wurde der Steuersatz auf Gewinne der Kapitalgesellschaften von 56 % auf nur noch 29,8 % halbiert (Abb. 14541), was ebenfalls die Bezieher von Vermögenseinkünften begünstigt hat. Die Vermögenssteuer selbst wurde abgeschafft. Die wohlhabenden Zeichner von nachrangigen, dafür aber zinsgünstigen Bankenanleihen wurden mit den Milliarden Euro für die Banken zu Lasten der Steuerzahler ebenso geschützt wie die Kleinsparer und erziehlen jetzt ein besonders sicheres und trotzdem profitables Einkommen.



Im internationalen Vergleich hat Deutschland nach Griechenland in W-Europa die niedrigsten Steuereinnahmen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (Abb. 12245), einen Spitzensteuersatz, der weit unter dem anderer Länder liegt (Abb. 13539), eine der niedrigsten Belastungen durch Steuern auf Kapital (Abb. 13785, 13786) sowie das geringste Aufkommen an Unternehmenssteuern (Abb. 13110). Das Aufkommen vermögensbezogener Steuern ist nach Österreich das niedrigste (Abb. 12244) und ist seit den 50er Jahren immer weiter zurückgegangen (Abb. 14719). Wieweit will man den Steuer-Neoliberalismus eigentlich noch in Deutschland treiben?









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global news 1735 29-09-09: Industrieaufträge: Deutschland kommt schlechter aus dem Tal heraus

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Nach den Juli-Zahlen von Eurostat tut sich Deutschland trotz der erheblichen Hilfestellung aus dem Konjunkturprogramm (einschließlich Abwrackprämie) schwerer als der Durchschnitt der Alt-EU-Länder, wieder aus dem Auftragstal herauszukommen (Abb. 13717). Das hängt auch mit der starken Exportabhängigkeit zusammen (Abb. 13816).




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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.