Reihe 60 ab 04-08-09 ... ...

(1694) Und nun die japanische Krankheit

(1693) Die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost- und Westdeutschland stockt und läuft zurück

(1692) Wie China den Weltfinanzmarkt mitanzündete

(1691) Das Ende der Rezession, das (noch) keines war

(1690) Ein paar kleine grüne Sprossen in der US-Konjunktur

(1689) Mogelpackung zum 2. Quartal: Wie krisenhafte Importschwäche aus -1,3 % ein künstliches Wachstum von 0,3 % macht

(1688) Sparlampen: Noch ein Ausverkauf an China

(1687) Die Erholung der amerikanischen Wirtschaft wird lange brauchen

(1686) Chinesische Billigware erhöht ihren Anteil an EU-Industriegütereinfuhren auf 28 %

(1685) Warum die Linke in ihrer potenziell größten Stunde in ihrer tiefsten Identitätskrise steckt

(1684) Deutsche Bank ganz vorn dabei in der Spekulation auf Lebensmittelpreise zum Schaden der Armen

(1683) Der Wohnbau geht in den Keller

(1682) Deutschland auf der neoliberalen Rutsche: Vom atypischen zum typischen Arbeitsverhältnis

(1681) Auf dem Weg in die Stagflation und wie das kleine 0.3 überzeichnet ist

(1680) Gesundheit auf einen Blick

(1679) Schwerer China-Schatten über deutscher Sonnenenergie

(1678) Das deutsche Steuersystem verteilt mehr nach oben um als in anderen Ländern

(1677) An die lieben Börsenfreunde mit dem Bullen-Gemüt

(1676) Wenn dieser Gletscher und das Eis dahinter schmilzt, steigt der Meeresspiegel weltweit um 20 bis 30 cm

(1675) Was bedeutet 8 % unter Normalnull für den Arbeitsmarkt?

(1674) Horrorzahlen aus der Gewerbliche Wirtschaft im Juni: Beschäftigung -3.0 %, Arbeitsstunden -12,6 %, Lohn- u.Gehaltssumme -6,5 %

(1673) Negativ-Signale aus der US-Wirtschaft

(1672) Wirtschaftsleistung im 2. Quartal: Die Leichen unter dem Teppich des angeblichen Wachstums

(1671) Wirtschaftsleistung 2. Quartal: Kein rascher Aufstieg aus dem „Tal der Tränen"

(1670) Jetzt kommt auch das DIW dahinter: Arbeitnehmerentgeld seit 2000 gefallen

(1669) Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken Schmitz warnt vor Bankproblemen in den kommenden 18 Monaten

(1668) „level stupid" - Jetzt zählt das schreckliche Niveau, nicht schöne Wachstumsraten

(1667) Deutscher Einzelhandelsumsatz so ziemlich am Ende der EU

(1666) Bankenkrise - Bisher nichts gelernt!

(1665) Umsatzerholung der gewerblichen Wirtschaft im Juni viel schwächer als im Mai

(1664) In deutschen Haushalten nach österreichischen die wenigste Gleichheit in Europa

(1663) US-Arbeitslosenrate fällt leicht im Juli, doch Daten sind unzuverlässig

(1662) Industrieproduktion im Juni: Aufschwungstopp - Warum all die Aufschwungsversprechen wenig wert sind

(1661) Neues von der Krisenfront: Exporte, Insolvenzen, Aufträge

(1660) Industrieaufträge im Juni plus 4,6 % gegenüber Mai, aber immer noch minus 30 % gegenüber bisherigem Hoch

(1659) Immer mehr Selbständige als Hartz-IV-Bezieher

(1658) Zum Abstieg der Mittelschicht

(1657) Automobilindustrie im Juli: Weiter am Stock der Abwrackprämie

(1656) Deutschland mit einziger Schrumpfbevölkerung in ganz Westeuropa

(1655) Deutschlands sozialer Skandal in einer einzigen Zahl: 5




global news 1694 28-08-09: Und nun die japanische Krankheit

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Sehr viele Parallelen deuten darauf hin, daß auch wir die japanische Wirtschaftskrankheit einer hartnäckigen Deflation bekommen. In dem immer noch von Inflationshysterie aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg geschüttelten Deutschland kann man sich unter Deflation meist nur angenehm fallende Preise vorstellen. Tatsächlich aber fallen die Einkommen der Unternehmen, je mehr die Verbraucher in der Hoffnung auf noch niedrigere Preise ihre Einkäufe hinauszögern, und kommt es zu immer mehr Arbeitslosigkeit, die wiederum die Massenkaufkraft und damit den Absatz der Unternehmen mindert. Eine Schraube fast ohne Ende, zumal die Notenbanken gelernt haben, Inflation mit Zinssteigerungen zu bekämpfen, aber gegen die Deflation kaum noch seriöse Gegenmittel haben, nachdem der Zins erst einmal auf null gesenkt ist.

In Japan sind die Kernverbraucherpreise mit 2,2 Prozent im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat so stark gesunken wie noch nie. Bei der Kernrate werden schwankungsanfällige Lebensmittel- und Energiepreise nicht berücksichtigt. Die Gesamtinflationsrate lag im Juli wie die Kernrate bei minus 2,2 Prozent (Abb. 13795). Die Verbraucherpreise in der Eurozone und in Deutschland fallen mit der gleichen Geschwindigkeit den japanischen hinterher.


Nicht überraschend fallen da die Ausrüstungsinvestitionen, im 2. Quartal um 13,7 % gegenüber Vorjahr, aber nicht nur in Japan (Abb. 13797).


Und so entwickelt sich derzeit auch die Arbeitslosigkeit für japanische Verhältnisse dramatisch mit immer größerem Anstiegwinkel. Sie ist im Juli auf den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gestiegen. Wie die Regierung in Tokio am Freitag bekanntgab, betrug die Arbeitslosenquote im Juli 5,7 Prozent und stieg damit um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat (Abb. 13796). Insgesamt waren im Juli 3,59 Millionen Japaner arbeitslos. Auch diese Entwicklung ist ein Vorgeschmack für Deutschland nach den Wahlen, wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft.


Übrigens, die letzte depressive Phase dauerte in Japan etwa zehn Jahre.


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global news 1693 28-08-09: Die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost- und Westdeutschland stockt und läuft zurück

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat eine interessante Studie zur Angleichung von Einkommen und Lebensqualität im vereinigten Deutschland vorgelegt. Sie zeigt, daß Deutschland auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer ökonomisch erheblich geteilt ist. Wichtigste Ergebnisse:

Der Aufholprozeß bei den Einkommen kam zunächst gut voran, stagnierte dann aber und hat sich 2008 sogar umgekehrt (Abb. 14760).


1. Die Einkommensverteilung nach Haushalten ist in O-Deutschland nur etwas weniger ungleich. InW-Deutschland beziehen die obersten 20 % der Haushalte 36,2 % der Einkommen, die untersten 20 % nur 9,3 %; in O-Deutschland sind es 34,1 % bzw. 9,8 % der Einkommen (Abb. 14757, 14758).



2. Doch die Ostdeutschen haben ein wesentlich stärkeres Gerechtigkeitsempfinden. Hier halten nach Umfragen 68 % ihren Anteil an der Verteilung des Wohlstands für ungerecht, in Westdeutschland nur 40 % (Abb. 14759).


3. Auch gibt es in O-Deutschland noch ein viel stärkeres Gefühl der Zugehörigkeit zur Arbeiterschicht bzw. Unterklasse mit 51 % gegenüber nur 31 % in W-Deutschland (Abb. 14761). In W-Deutschland hat die Aufsteigermentalität die Arbeiterklasse dezimiert, obwohl sehr viele dieser angeblichen Aufsteiger praktisch in der gleichen Einkommensklasse hängenbleiben, aus der sie glaubten entkommen zu sein. Wenn sich in W-Deutschland 57 % der Mittelschicht zugehörig fühlen, so kassieren die mittleren 50 % der Haushalte nur 45 % der Einkommen, so daß sich auch die 57 % angeblich zur Mittelklasse Gehörenden mit einem viel kleineren Anteil an den Einkommen zufrieden geben müssen, als sie selbst mit Ihrer Eigeneinstufung glauben.



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global news 1692 27-08-09: Wie China den Weltfinanzmarkt mitanzündete

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Besonders gefährlich sind Flächenbrände, wenn die Brandstifter an mehreren Ecken gleichzeitig antreten. Das ist beim Weltfinanzmarkt geschehen und anders wäre es nicht zu dieser gewaltigen Feuersbrunst gekommen. Ein wichtiger Brandstifter war China. Das Land hatte vor Ausbruch der Krise mit fast zwei Billionen Dollar die bei Weitem höchsten Leistungsbilanzüberschüsse und dementsprechend Währungsreserven aufgetürmt, die je in der Welt zusammengesammelt wurden (Abb. 08006, 08028).



Gleichzeitig wurde der private Binnenverbrauch in den Keller gefahren, um diese enorme Sparleistung zusammenzubringen. Der Antei des privaten Verbrauchs an der Gesamtwirtschaftsleistung (BIP) sank bis 2008 auf kümmerlich 36 % (Abb. 13729).


Jetzt haben zwei französische Wirtschaftswissenschaftler Anton Brender und Florence Pisani in einem neuen Buch „Globalised finance and its collapse" das Geheimnis etwas lüften können, wie die gewaltigen chinesischen Ersparnisse (und die einiger anderer Überschußländer) um die Welt verschoben wurden und so das Kreditvolumen und Kreditrisiko unerträglich aufgeblasen haben. Weder China noch die USA nahmen das Risiko dieser Kreditexplosion auf sich. China wollte nur total risikolos anlegen. Die USA ihrerseits hätten nicht bereit sein können, solche gefährlich ausufernde Kreditrisiken allein zu schultern. An dieser Stelle fanden die amerikanischen Investmentbanken über die Verbriefung und den internationalen Handel mit in USA vergebenen Krediten eine Lösung.

Zur Verteilung des Risikos mußten riesige Ketten von zwischengeschalteten „risk-taker" oder Risikonehmern eingerichtet werden, die diese sekurisierten Forderungen international aufnahmen (Abb. 08176). Anton Brender und Florence Pisani schätzen, daß insgesamt 5 Billionen Dollar Ersparnisse aus China und anderen Schwellenländern weitgehend risikofrei angelegt und dann in hochriskante Kredite an westliche, vor allem amerikanische Haushalte und Unternehmen, verwandelt wurden. Im Ergebnis haben diese Länder eine sichere Anlage für ihre Ersparnisse gefunden, die sie zu Hause nicht gehabt hätten. Doch mußte der Schaden am Ende von deutschen und anderen Steuerzahlern im Wege der Bankenstützung sowie von vielen leichtsinnigen Kapitalanlegern getragen werden.


Siehe hierzu neuen Schwerpunkt: Wie China den Weltfinanzmarkt anzündete.


Das Diskussions-Forum hierzu bitte beim Schwerpunkt aufsuchen.


global news 1691 27-08-09: Das Ende der Rezession, das (noch) keines war

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Der Bundeswirtschaftsminister am 18. August in seiner Presseerklärung zur wirtschaftlichen Lage:

„Zum ersten Mal seit zwölf Monaten ist die wirtschaftliche Entwicklung wieder aufwärts gerichtet."

Doch die schöne Rechnung mit dem knappen Plus von 0,3 % im zweiten Quartal 09 hatte gleich drei, zunächst unbekannte Haken. Erstens wäre bei einer saisonalen Anpassung nach dem sogenannten Berliner Verfahren nur ein noch knapperes Plus von 0,1 % herausgekommen. Zweitens war Hauptmotor hinter dem kleinen Anstieg eine krisenbedingte Importschwäche. Dazu hieß es in der Pressemitteilung des StaBuA lapidar und unauffällig:

„Da die preisbereinigten Importe mit - 5,1% aber erheblich stärker zurückgegangen sind als die Exporte (- 1,2%), trug der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) mit 1,6 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei".

So fiel denn auch die inländische Verwendung des Bruttoinlandsprodukts, die den Außenhandel ausklammert, um 1,3 % noch weiter zurück.

Nun gibt das Statistische Bundesamt heute einen weiteren Sonderfaktor bekannt:

„Für den Kauf von Kraftfahrzeugen haben die privaten Haushalte in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 rund 36 Milliarden Euro ausgegeben. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres ist das eine Steigerung um 23%. Diese Käufe haben damit einen wesentlichen Beitrag zur Binnennachfrage geleistet. Dadurch sind die privaten Konsumausgaben insgesamt in der ersten Jahreshälfte noch leicht um 0,1% gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 gestiegen. Ohne die Käufe von Personenkraftwagen hätte sich der private Konsum um 1,0% vermindert."

Ich habe beim StaBuA heute nachgefragt, wie sich das auf die Quartale aufteilt und folgende Antwort erhalten:

„In jeweiligen Preisen gab es für die Quartale folgende Veränderungsraten: 1.Quartal 2009: Konsum insgesamt -0,1%; PKW-Käufe +19,4%, Konsum ohne PKW -0,9%; 2.Quartal 2009: Konsum insgesamt +0,2%; PKW-Käufe +26,1%, Konsum ohne PKW -1,0%."

Das heißt: Ohne die vorgezogenen Käufe von Personenkraftwagen hätte sich die Gesamtwirtschaftsleistung nominal/nicht-preisbereinigt statt um 1,6 % nur um 0,6 % erhöht, was vermuten läßt, daß sie saisonal/preis-bereinigt nicht um die 0,3 % gestiegen, sondern erheblich ins Minus gerutscht wäre, vielleicht um 0,7 % (und unter Ausklammerung des oben erwähnten Importrückgangs um 2,0 %). Die vorgezogenen PKW-Käufe können kaum das Ende der Rezession bedeuten, da sie später fehlen werden.


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global news 1690 26-08-09: Ein paar kleine grüne Sprossen in der US-Konjunktur

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Neben der für ihre Unberechenbarkeit bekannten Börse zeigt nun auch die Realwirtschaft in USA ein paar grüne Sprossen. So sind die Hauspreise zum zweitenmal in Monatsfolge leicht nach oben gestiegen, was die Immobilienbesitzer entlastet (Abb. 03714). Auch die Verkäufe neuer Häuser steigen seit einigen Monaten wieder (Abb. 05074).



Auch der Index des amerikanischen Verbrauchervertrauens, der zuletzt im Juli überraschend gefallen ist, kletterte nun auf den Juni-Stand zurück (Abb. 05073).



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global news 1689 25-08-09: Mogelpackung zum 2. Quartal: Wie krisenhafte Importschwäche aus -1,3 % ein künstliches Wachstum von 0,3 % macht

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Heute läßt nun das Statistische Bundesamt die Katze seiner Mogelpackung zum 2. Quartal endgültig aus dem Sack. Da heißt es in der heutigen Pressemitteilung lapidar: „Da die preisbereinigten Importe mit - 5,1% aber erheblich stärker zurückgegangen sind als die Exporte (- 1,2%), trug der daraus resultierende Exportüberschuss (Außenbeitrag) mit 1,6 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei". Ohne diese Importschwäche, die Teil der Krise ist, hätte also das StaBuA einen weiteren krisenhaften Rückgang der Gesamtwirtschaftsleistung um 1,3 % verzeichnen müssen, was immerhin einer hohen Jahresrate von minus 5,2 % entspricht (Abb. 14745). So schön kann Statistik machen!


Leider wird diese Mogelpackung weder von der Bundesregierung, noch von den Medien aufgepackt. Auch das StaBuA führt erneut in die Irre, indem es feststellt: „Gestützt wurde die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2009 von den privaten und staatlichen Konsumausgaben, die um 0,7% beziehungsweise 0,4% höher waren als im ersten Quartal" und erst danach unauffällig den viel stärkeren Effekt der Importschwäche erwähnt. Dabei ist noch anzumerken, daß sehr viel der um 0,7 % höheren Konsumausgaben nur auf Vorzugseffekten der Abwrackprämie beruht. Die heutigen Medien bringen, wie zu erwarten nichts über den Kunsteffekt des angeblichen Endes der Rezession. Dagegen hat sich der Bundeswirtschaftsminister erst vor einer Woche vollmundig und ebenso irreführend geäußert: „Zum ersten Mal seit zwölf Monaten ist die wirtschaftliche Entwicklung wieder aufwärts gerichtet."

Im Investitionsbereich ergab sich ein weiterer Kunsteffekt gegenüber dem 1. Quartal 2009 bei den Bauinvestitionen, da hier das 1. Quartal durch den vergleichsweise strengen Winter ausgebremst war. Dagegen fielen die kritischen Ausrüstungsinvestitionen erneut um 0,5 % gegenüber Vorquartal oder 20,7 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein schlechtes Omen für den Arbeitsmarkt. Ebenfalls bedenklich: Es kam zu einem massiven Abbau der Lagerbestände, so daß die Gesamtinvestitionen um 9,4 % unter dem Vorquartal lagen (Abb. 14754).


Durch den Gewinneinbruch bei den Unternehmen gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 2,9 % gegenüber Vorquartal oder 20,7 % gegenüber Vorjahresquartal zurück. Auch das Arbeitnehmerentgelt fiel weiter um 0,2 % bzw. 0,1 %. Auch das zeigt, wie stark die private Nachfrage ohne den künstlichen Anschub durch die Abwrackprämie gefallen wäre.

Eine ausführliche Beurteilung der Entwicklung im 2. Quartal mit vielen Abbildungen nun im aktalisierten Schwerpunkt.


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global news 1688 24-08-09: Sparlampen: Noch ein Ausverkauf an China

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Derzeit räumen die Läden europaweit die klassischen Glühbirnen aus den Regalen. Hinein kommen meist chinesische Sparlampen. Denn in Europa konnte sich kaum eine Produktion mehr gegen die chinesische Dumpingkonkurrenz halten, seit die EU-Kommission den Anti-Dumpingzoll für Chinaware aufgegeben hat. China bestreitet inzwischen 60 % der Lieferungen nach Deutschland (Abb. 14753).


Sobald Ende dieses Monats das Verbot für klassische Glühbirnen gilt und die Deutschen von ihrem Berg an gehorteten klassischen Glühbirnen heruntergestiegen sind, wird der Anteil Chinas an den Importen von Energiesparlampen noch weiter steigen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres ging der chinesische Importanteil nur wegen dieses Hortens klassischer Glühbirnen etwas auf 57,4 % zurück. In diesem Zeitraum stieg der Verkauf klassischer Glühbirnen, viele davon wieder aus China, um 34 %, während er z.B. in Großbritannien um 22 % fiel.

Dabei ist der Wert der derzeitig angebotenen Energiesparlampen umstritten. Die Kosten für Beleuchtung machen gerade mal 1,5 Prozent des Energiebedarfs eines privaten Haushalts aus, und Energiesparlampen enthalten das hochgiftige Umweltgift Quecksilber. Das hat die EU zwar seit April in anderen Geräten, die im Haushalt verwendet werden, verboten, in Fieberthermometern oder in Barometern zum Beispiel, aber in der Sparlampe ist es weiter erlaubt. Höchstens fünf Milligramm dürfen in einer Kompaktleuchtstofflampe verwendet werden. Nach Peter Andres, Lichtplaner in Hamburg, wird dieser Grenzwert häufig überschritten, vor allem in Billigimporten aus China: „Es ist viel schwieriger, bei der Produktion so wenig Quecksilber wie nur nötig in die Lampe zu geben, um sie zum Leuchten zu bringen. Es ist viel einfacher, statt fünf zehn oder fünfzehn Milligramm reinzuhauen." China ist unrühmlich bekannt für seinen Umgang mit Giften zu Hause und in Exportprodukten (z.B. Kinderspielzeug).

Das ist also ein weiteres Feld neben den Solarzellen, das im Bereich moderner Energietechnik immer mehr an China geht (siehe Rundbrief, und Gedanken zur Zeit).


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global news 1687 23-08-09: Die Erholung der amerikanischen Wirtschaft wird lange brauchen

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Das „deleveraging" der amerikanischen Wirtschaft, also der für eine Gesundung notwendige Schuldenabbau kommt derzeit nicht voran. Die Neuverschuldung der amerikanischen Regierung übersteigt derzeit den Schuldenabbau der Haushalte erheblich und läßt so das Verhältnis von Schulden zu gesamter Wirtschaftsleistung (BIP) weiter steil ansteigen (Abb. 05200).


Auch die Kapazitätsauslastung zeigt kaum eine Verbesserung, wenn man von dem kleinen Häkchen im Juli 2009 absieht (Abb. 05201). Sie liegt derzeit auf einem absoluten Tiefpunkt um 68 % oder anders ausgedrückt: die amerikanische Industrie könnte um die Hälfte mehr Güter produzieren, wenn sie die gesamte vorhandene Kapazität auslasten könnte. Was Besorgnis erregt und worauf John Mauldin hinweist: Bis 1984 gab es immer relativ steile, V-förmige Aufstiegsraten aus den Konjunkturtälern, doch seitdem wurden sie immer flacher. Diesmal wird es daher angesichts der Rekordtieflage besonders lange dauern, bis die Kapazitäten wieder ausgelastet und die Arbeitslosigkeit abgebaut ist.



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global news 1686 22-08-09: Chinesische Billigware erhöht ihren Anteil an EU-Industriegütereinfuhren auf 28 %

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In der Periode Januar bis Mai 2009 verzeichnete die EU ein Handelsbilanzdefizit von 93 Mrd Euro. Allein 56 Mrd war das Defizit mit China (Abb. 06165). Mit einem Anteil von 18 % war China mit Abstand das größte Lieferland in die EU, noch vor den USA und dem Öl- und Gaslieferanten Rußland (Abb. 06164). Wenn man nur auf Importe von Industriegütern abstellt, die China fast ausschließlich liefert und die die eigentliche Konkurrenz zur EU-Produktion darstellen, so liegt der chinesische Importanteil in die EU sogar bei 28 %.



Auf der Seite der EU-Exporte nach China stieg der chinesische Anteil von 6,0 % auf 7,1 %, oder - nur auf Industriegüter bezogen von 7,2 % auf 8,5 %, wobei es zu einem Rückgang des Exportwertes um 7 % kam.


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global news 1685 22-08-09: Warum die Linke in ihrer potenziell größten Stunde in ihrer tiefsten Identitätskrise steckt

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Die globale Krise als schwärzeste Systemkrise des Kapitalismus seit der Großen Depression hätte die größte Stunde der europäischen Linken werden müssen. Doch sie schaufelte eher noch mehr Wasser auf die rechte Seite, ob den Rhein, die Themse oder die Seine herunter. Warum?

In der Financial Times vom 21. August wird Jack Lang, der französische Sozialist und Kulturminister unter Mitterand, bei einem Gespräch während seines den Wahlkampf beobachtenden Aufenthaltes in Berlin zitiert:

„Die sozialdemokratische Familie befindet sich in einer Identitätskrise nicht nur in Deutschland sondern ziemlich stark überall in Europa. Der Einzige in der Welt, der es geschafft hat, der Mitte-Links-Richtung wenigstens einige ihrer Farben wiederzugeben, ist Barack Obama."

Bei den Europawahlen vom 16. Juli dieses Jahres schrumpfte die Linke von 36,4 % bei den vorangegangenen Wahlen auf nur noch 29,8 % der Parlamentssitze (Abb. 06163). In Deutschland kommen SPD und Linkspartei derzeit in den Umfragen nur auf 32 %, ein dramatischer Schwund gegenüber den 43 % bei der letzten Bundestagswahl.


Wenn man in die deutsche Linke - ob SPD oder Linkspartei - hineinhört, so gibt es keine überzeugende Analyse der Gründe dieser Situation. Vielfach werden die Medien verantwortlich gemacht und hier die Lufthoheit der Konservativen. Da ist sicher viel Wahres dran, doch nicht die ganze Wahrheit. Sicher dominieren von der Presse bis zu den Online-Medien die Konservativen. Das Internet als Alternative für eine Gegenöffentlichkeit versagt in Deutschland bisher fast total. Denn einerseits sind die Deutschen Blog-Muffel. Nur etwa jeder fünfte Deutsche liest sie überhaupt jemals. In den USA und Japan ist es jeder Dritte, in Südkorea und den Niederlanden sogar 40 Prozent der Bevölkerung. Dabei sind die beiden bedeutesten Blogs SPIEGEL und BILD konservativ gestrickt. Sie allein bringen es zusammen auf täglich etwa 7 Millionen Besuche. Auf der linken Seite des Spektrums kommen etwa TAZ nur auf 87.000 und Nachdenkseiten auf 36.000 Besuche oder auf gerade einmal 1,2 % bzw. 0,5 % von SPIEGEL/BILD (Abb. unten). Albrecht Müller von Nachdenkseiten fallen nur die Medien als Grund für das linke Debakel ein (siehe hier), und gleichzeitig pfeift er im dunklen Walde: „Die kritischen Stimmen in den Medien nehmen zu. Das ist mein Eindruck."


Doch diese Analyse springt viel zu kurz. Die konservative Medienhoheit gibt es schon sehr lange in Deutschland und auch anderen europäischen Ländern. Und mit der globalen Krise ist sie nicht stärker geworden. Warum dann das linke Abrutschen in der Krise? Meiner Meinung nach hat die Linke, und das nicht nur in Europa, nie richtig begriffen, was Globalisierung in ihrer neueren neoliberalen Ausprägung bedeutet und hat daher die Krise weder kommen gesehen, noch ihre Ursachen politisch einordnen und bei den Konservativen festmachen können. Die Schicksalsfrage heute ist längst nicht mehr „Kapitalismus: Ja oder Nein", sondern „Kapitalismus: Mit oder ohne die Auswüchse einer neoliberale Globalisierung". Auch heute noch, mitten in der Krise, wird die neoliberale Globalisierung von links verharmlosend eingeordnet. So schrieb erst gestern die Finanzredakteurin der TAZ:

„Die deutsche Entwicklung ist einmalig in Europa. Nirgendwo sonst fallen die Reallöhne in dieser Geschwindigkeit. Stattdessen sind sie in den anderen Industriestaaten oft kräftig gestiegen, sodass auch die Arbeitnehmer vom globalen Boom profitiert haben. Die „Globalisierung", immer gern als Argument bemüht, kann demnach nicht schuld sein. Auch die Minijobs sind wohl nicht daran schuld, dass das gesamte deutsche Lohngefüge wankt. Die geringfügig Beschäftigten haben zwar enorm zugenommen - trotzdem entfallen auf sie gerade einmal vier Prozent des Arbeitsvolumens. Ähnlich partiell dürfte die Leiharbeit wirken. Stattdessen muss man wohl akzeptieren, dass die Arbeitnehmer verlieren wollen; offenbar fühlen sie sich durch die eigene Bescheidenheit aufgewertet."

(Entsprechende, die Globalisierung verharmlosende Zitate habe ich in der Vergangenheit immer wieder aus Nachdenkseiten gebracht.)

Was für eine armselige und zugleich grundfalsche Analyse des größten deutschen Linksblattes, von dem nun auch noch die Arbeitnehmer selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht werden! Natürlich hat die Globalisierung einen gewaltigen Einfluß und zählt die bessere Lohnentwicklung in anderen Ländern nicht als Gegenbeweis. Denn die deutsche Industrie ist weit stärker fremdgegangen als die anderer Ländern und hat mit der nur Dank neoliberaler Globalisierung glaubwürdigen Verlagerungsdrohung die deutschen Löhne viel stärker drücken können als anderswo. Dafür dient der Hinweis auf die Löhne in China, aber vor allem im deutsche Hinterhof Osteueropa, wo deutsche Unternehmen viel stärker End- und Halbfertigprodukte produzieren lassen als die Konkurrenten aus anderen Ländern. Mit nur noch 1/3 des Umsatzes in Deutschland ist der Anteil des Heimatmarktes für die deutschen DAX 30 Unternehmen im internationalen Vergleich besonders klein (Abb. 12119).


In dem vom Economist mit dem deutschen Wort "Wanderlust" überschriebenen Transnationalitätsindex der UNCTAD, der den Durchschnitt der Anteile von Auslandsvermögen, Auslandsumsatz und Auslandsbeschäftigung an den entsprechenden Gesamtgrößen der Unternehmen wiedergibt, belegen deutsche Unternehmen, wie Siemens (65 %), Volkswagen (55 %) und Deutsche Telecom (35 %) hohe Plätze unter den 15 Weltspitzenunternehmen. Siemens z.B. rangiert noch vor Unilever, Sony, Carrefour, Ford, General Electric und General Motors. Und schon nach dem Herbstgutachten der Monopolkommission von 2006 hatten die 10 größten deutschen Unternehmen allein zwischen 2002 und 2004 ihren Wertschöpfungsanteil in Deutschland von 70 % auf 59 % zurückgefahren. Kann man sowas bei TAZ nicht begreifen?

Und der von TAZ für unbeachtlich zur Seite geschobene Niedriglohnsektor mit dem in Europa ziemlich einmaligen Fehlen von Mindestlöhnen drückt natürlich auch die besseren Löhne nach unten, weil Niedrigstlöhner sehr oft um dieselben Arbeitsplätze konkurrieren und so das Lohndumping in Deutschland um sich greift. Schlimm, wenn selbst ein ausgewiesenes Linksblatt in Deutschland solchen Blödsinn verzapft und dann noch die deutschen Arbeitnehmer zu Masochisten und Neidhanseln abstempelt.

Wenn die Linke nicht endlich begreift, was mit der neoliberalen Globalisierung abläuft und die Wähler entsprechend aufklärt, sollte sie wirklich einpacken.

Siehe jetzt Teil 2: Was tun? hier.


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global news 1684 20-08-09: Deutsche Bank ganz vorn dabei in der Spekulation auf Lebensmittelpreise zum Schaden der Armen

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Ethisches Verhalten zählt bei den Banken schon lange nicht mehr. Sie zocken auf alles, was Profit verspricht, und treiben dabei auch die Preise für Nahrungsmittel und Energie in die Höhe. Rücksichtlos gegenüber armen Ländern und armen Menschen.

Vor Ausbruch der Finanzkriste hatte die Investitionsbank ABN Amro ein Zertifikat am Markt, mit dem wohlhabende Spekulanten an der Terminbörse in Chicago z.B. auf steigende Reispreise setzen konnten. Die Deutsche Bank warb damals für einen „Agriculture Euro Fonds" mit dem Slogan: „Freuen sie sich über steigende Preise?". Unter der Überschrift „Attraktive Perspektiven" wies die Bank auf die Vorteile einer „signifikant steigenden Weltbevölkerung" und „historisch niedriger Lagerbestände an Agrarrohstoffen" für das eigene Vermögen des Anlegers hin.

Im Internet wirbt Deutsche Bank X-Markets auch heute im Banker-Chinesisch als Spezialist für strukturierte Geldanlageprodukte:

„X-markets deckt das gesamte Spektrum moderner Anlagemöglichkeiten ab und bietet privaten und professionellen Anlegern Produktentwicklungs-, Handels- und Risikomanagement-Strategien aus dem Investment Know-How der Deutschen Bank an. Mit Zertifikaten, Optionsscheinen und Fonds bietet X-markets ein breites Angebot an Finanzprodukten basierend auf dem direkten Zugang zum globalen Investment Banking der Deutschen Bank. Lernen Sie das gesamte Produktspektrum kennen und informieren Sie sich über die einzelnen Produktstrategien."

Da kann auf die Entwicklung eines von der Deutschen Bank aufgestellten Index (DBIQ Index) gewettet werden, der 24 Rohstoffe beinhaltet. Etwa ein Drittel sind Agrarprodukte, wie Getreide, Weizen, Sojabohnen, Zucker, Kaffee, lebende Rinder, Schweine. Daneben hat die Deutsche Bank zwei Fonds von zusammen fast 6 Mrd Dollar, die direkt an der Chicago Terminbörse (CFTC) handeln und so die Kurse beeinflussen. Das erlaubt privaten Anlegern, sich ein Bündel von Lebensmittel-Futures, also Wetten auf die künftige Preisentwicklung, mit der gleichen Leichtigkeit zu kaufen wie man sonst Aktien kauft. Bei einigen Schlüsselprodukten der Landwirtschaft gibt es allerdings an der Börse Begrenzungen, um zu große von der Spekulation angetriebene Preisausschläge zu verhindern. Doch die Deutsche Bank besaß seit 2006 für ihre beiden Fonds eine Ausnahmegenehmigung zur Spekulation bis zu 11.000 Weizen- und 17.500 Getreidekontrakten pro Monat. Die wurde jetzt zurückgezogen, nachdem ein Untersuchungskommittee des Senats herausgefunden hatte, daß die Weizenpreise von Spekulanten an der CFTC nach oben getrieben worden waren.

Der Bericht beschreibt, wie sich spekulative Anlagen in Rohstoff-Indices in nur fünf Jahren auf rund 200 Mrd Dollar verzehnfacht haben. Dabei haben Index-Spekulanten die Zahl ihrer Verträge versiebenfacht (Abb. 03999). Index-Spekulaten hielten bis zur Hälfte aller ausstehenden Weizenverträge (open long interest).


In der Folge der Spekulation stieg die tägliche Differenz zwischen dem Future-Preis der Spekulanten und dem Kasse-Preis der für den Eigenbedarf Kaufenden zwischen dem Jahr 2005 und der zweiten Hälfte 2008 von 25 cents auf 1,50 Dollar bis 2.00 Dollar pro Bushel, also bis auf das Achtfache (Abb. 16001).


Der Senatsausschuß benennt in seinem Bericht ausdrücklich den Index der Deutschen Bank und die Werbung der Deutschen Bank („der Index generiere den höchsten Profit") und auch die Ausnahmen für die Deutsche Bank von 2006.


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global news 1683 20-08-09: Der Wohnbau geht in den Keller

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Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, wurde von Januar bis Juni 2009 in Deutschland der Bau von 80 700 Wohnungen genehmigt. Das waren 8,1% weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Tendenz in den Keller hält nun bereits seit 2006 an. Bei den Wohngebäuden ist der Absturz noch stärker (Abb. 04925).



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global news 1682 20-08-09: Deutschland auf der neoliberalen Rutsche: Vom atypischen zum typischen Arbeitsverhältnis

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Pressemitteilung des Statistischen Bundesamt von heute: „Umfang atypischer Beschäftigung hat zugenommen". Aus dem Beiheft mit dem Titel „Niedrigeinkommen und Erwerbstätigkeit" kann man dann staunend entnehmen, wie sehr diese angeblich atypische Beschäftigung inzwischen typisch geworden ist und wie sehr der Begriff „atypisch" im besten Amtsdeutsch die Realitäten verschleiert.

Unter „atypisch" versteht der deutsche Beamte: Befristung, Teilzeitbeschäftigung mit 20 oder weniger Stunden, Zeitarbeitsverhältnis und geringfügige Beschäftigung. 2008 arbeiteten bereits 7,7 Millionen Menschen oder 25,2 % aller abhängig Beschäftigten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Zehn Jahre zuvor waren es erst 5,3 Millionen oder 18,2 % gewesen, eine Zunahme um 46 % oder fast die Hälfte mehr. Gleichzeitig gingen die Normalarbeitsverhältnisse um 3,3 % zurück (Abb. 14752).


Die größten Anteile atypisch Beschäftigter fanden sich 2008 in den Wirtschaftsabschnitten, die dem Dienstleistungssektor zugerechnet werden. Dabei stachen die Privaten Haushalte heraus, wo 76,1% der Erwerbstätigen atypisch Beschäftigte waren. Ebenfalls überdurchschnittlich hoch waren die Anteile im Gastgewerbe (33,8%), im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (31,4%) sowie im Bereich Grundstücks-, Wohnungswesen und Unternehmensdienstleistungen, zudem auch die Zeitarbeitnehmer gerechnet werden (28,2%).

Während diese Zahlen von 2008 relativ neu sind, geht die Verdiensterhebung leider auf 2006 zurück. Schon damals, also vor drei Jahren war der Graben in den Einkommen erheblich. So verdienten Normalarbeitnehmer 50,1 % mehr als atypische Arbeitnehmer. Bei der Untergruppe der befristet Beschäftigten, der seit 2006 besonders boomenden Branche, lag die Differenz bei 38 % (Abb. 14751). Man versteht, warum diese Branche mit Lohndumping boomt und mangels flächendeckenden Mindestlohns auch den Verdienst der Normalarbeitnehmer nach unten zieht, zumal das Konjunktur- und Krisenrisiko voll von den Zeitarbeitnehmern getragen wird, wie man gerade jetzt wieder feststellen kann.


2006 lag die Niedriglohngrenze bezogen auf zwei Drittel des Median-Stundenverdienstes bei 9,85 Euro. 49,2% der atypisch Beschäftigten erhielten einen Verdienst unterhalb dieser Grenze. Unter den Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis war der Anteil mit 11,1% deutlich geringer. Bezogen auf alle Arbeitnehmer lag der Anteil der Niedriglohnbezieher bei genau 20,0%. Bereits zwischen 2001 und 2006 hatte der Anteil der Niedriglohnbezieher um drei Prozentpunkte zugenommen, ein Trend, der sich nach 2006 fortgesetzt haben dürfte. Zwischen 1998 und 2006 stieg der Anteil der akut Armutsgefährdeten (mit weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens) von 9,8 % der atypisch Beschäftigten auf 14,3 % oder fast die Hälfte mehr an Anteil.

Frauen leiden besonders unter Niedriglohnbezahlung. Der Anteil der Niedriglohnbezieherinnen an allen Arbeitnehmerinnen lag mit 27,2% knapp doppelt so groß ist, wie der entsprechende Anteil bei den Männern mit 14,3%.


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global news 1681 19-08-09: Auf dem Weg in die Stagflation und wie das kleine 0.3 überzeichnet ist

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Die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Entwicklung der Erzeugerpreise zeigt, wie Deutschland immer mehr in die Deflation gerät. Sie fielen im Juli um 7,8 % gegenüber Vorjahr. Doch das Statistische Bundesamt setzt die falsche Fährte für die Gründe, wenn es schreibt: „Grund für die hohe negative Jahresteuerungsrate ist die Preisentwicklung bei Energie" und damit involiert, die weltweit gefallenen Ölpreise seien der einzige Grund und handele es damit um eine für uns gute Entwicklung. Denn auch ohne die Erzeugerpreise des Energiesektors ging es um 3,6 % nach unten und fällt diese Entwicklung immer mehr auf die negative Seite (Abb. 14689). Außerdem berichtet das StaBuA selbst, daß die Erzeugerpreise für Verbrauchsgüter um durchschnittlich 2,0% und für Nahrungsmittel sogar um 4,8% gefallen sind. Das ist ein deutlicher Deflationsschub.


Eine solche Entwicklung kann das zarte 0,3-Minipflänzchen Aufschwung vom 2. Quartal schnell wieder abtöten, weil die Unternehmen bei negativer Preis- und Absatzentwicklung immer mehr Verluste machen und die Arbeitslosigkeit noch schneller steigt. Ohnehin hat das StaBuA die 0,3 % mit dem saisonalen Bereinigungsverfahren „Census X-12-ARIMA" gerechnet, daß notorisch die Entwicklungen weniger korrekt und meist positiver abbildet als das alternative „BV4.1" Verfahren (oder Berliner Verfahren). Mit dem Berliner Verfahren wäre im 2. Quartal nur noch ein Plus von 0,1 % herausgekommen, das eindeutig innerhalb der Fehlerquote solcher Rechnungen liegen würde und ebenso Stagnation oder weitere Rezession hätte sein können (Abb. 14749). Die Erfahrung zeigt, daß das Berliner Verfahren meist näher am Jahresendergebnis als das andere Bereinigungsverfahren liegt (Abb. 14750).




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global news 1680 18-08-09: Gesundheit auf einen Blick

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Gesundheit ist eines der kostbarsten Güter jeder Gesellschaft. Der breiteste Indikator für den Gesundheitszustand einer Bevölkerung ist wahrscheinlich die Lebenserwartung. Ein noch besserer Indikator ist die Erwartung „gesunder" Lebensjahre, z.B. im Alter von 65 Jahren. Hier lag Deutschland 2006 bei den Frauen nur auf dem vorletzten Platz in der Alt-EU (Abb. 13788), bei den Männern auf dem viertletzten (Abb. 13789). Ebenso schlecht sieht für Deutschland der Anteil der Menschen mit langanhaltender Krankheit oder langanhaltenden Gesundheitsproblemen aus. Deutschland ist unter den Vergleichsländern der Alt-EU nach Eurostat auf der Basis einer Befragung mit einem Anteil von 37,8 % Schlußlicht (Abb. 13793). Kein gutes Bild für einen kurzen Blick .




Siehe ausführlich dazu auf dem neuen Schwerpunkt „Gesundheit auf einen Blick".


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global news 1679 18-08-09: Schwerer China-Schatten über deutscher Sonnenenergie

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Die Solarindustrie ist ein gutes Beispiel, wie die Globalisierung falsch läuft. Da will der Kanzlerkandidat der SPD mit Umwelttechnologie in Deutschland Vollbeschäftigung schaffen. Da trillert die Regierung seit Jahren, das Steuerzahlergeld, z.B. für die Investition in Sonnenenergieanlagen auf dem Hausdach, schaffe viele Arbeitsplätze. Und dann muß man plötzlich fragen: „Wo eigentlich" und die ehrliche Antwort lautet: „Natürlich in China".

Heute meldet die Financial Times Deutschland:

„Experten erwarten eine Pleitewelle, obwohl der Staat die Branche mit stolzen Summen fördert. Doch davon profitieren die hiesigen Hersteller kaum. Nachdem zahlreiche Zellenhersteller im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht sind, fürchten Branchenexperten nun einen Niedergang vieler Unternehmen. Die hiesige Branche profitiert kaum von der staatlichen Förderpolitik. Vor allem China hat seine Stellung bei der Solartechnik massiv ausgebaut. Binnen zwei Jahren stieg der Weltmarktanteil des Landes auf mehr als 30 Prozent. Und auch andere asiatische Staaten wie Taiwan, Südkorea und Indien holen auf.

Chinesische Hersteller wie Suntech Power , Yingli Solar oder Trina Solar profitieren davon, dass sie deutlich günstiger arbeiten als ihre deutsche Konkurrenz. Nach aktuellen Berechnungen der Schweizer Großbank UBS bauen chinesische Unternehmen Anlagen mittlerweile um ein Drittel günstiger. Die Preise für Solarmodule rutschen deshalb weltweit immer tiefer. Die einst gefeierten deutschen Hersteller können nicht mehr mithalten. Asiatische Hersteller würden über kurz oder lang die hiesigen Unternehmen vom Markt drängen. Oder es komme zu einem Exodus der Unternehmen nach Fernost. „Die asiatischen Zell- und Modulhersteller werden die deutschen verdrängen - außer die deutschen produzieren zukünftig ebenfalls in Asien", zitiert die Financial Times Deutschland die Branchenexpertin Anne Kreutzmann, die Chefredakteurin des Fachmagazins Photon ist.

Branchengrößen wie Marktführer Q-Cells machen keine Gewinne mehr. In den ersten sechs Monaten fuhr das Unternehmen einen Verlust von 119,1 Millionen Euro vor Steuern ein. Ein Jahr zuvor stand zur Jahresmitte noch ein Plus von 47,6 Millionen Euro in den Büchern. Ähnlich erging es dem Erfurter Solaranlagenhersteller Ersol, einer Bosch-Tochter, bei der die Verluste allerdings geringer blieben. Die Branche muss sparen. Q-Cells kündigte in der vergangenen Woche an, 500 Stellen abzubauen, Produktionslinien sollen geschlossen werden."

Diese Entwicklung war natürlich abzusehen. Bei Hungerlöhnen in China, rücksichtsloser Ausbeutung der Umwelt und staatlicher Exportförderung bis zur Wechselkursmanipulation ist China unschlagbar, wenn nicht die EU die vorhandenen Notbremsen der Welthandelsorganisation rechtzeitig zieht. Dazu aber hat die Bundesregierung keine Lust, weil sie immer noch von den immensen Exportmöglichkeiten nach China träumt. Mit einem dumpenden kommunistischen Regime kann man nun mal nicht normale Marktwirtschaft spielen und dann auch noch den Honigtopf deutscher Subventionen für Chinaware hinstellen.

Schon vor einhalb Jahren brachte ich einen Rundbrief mit dem Titel „Chinesisches Energiesparen: Bei uns, nicht in China". Darin berichtete ich:

„Es ist immer dasselbe Lied. China reißt die Märkte mit Dumpingware auf. Hat man sie erst einmal besetzt, kann man die Preise anheben. Bei Solarzellen kommt noch etwas hinzu. Der deutsche Markt ist besonders interessant wegen der enormen Subventionen, die der Verbraucher mit seinen Stromrechnungen bezahlt: je Kilowattstunde Sonnenenergie rund 47 Cent, insgesamt bis zu 90 Milliarden Euro. Deutschland stellt so fast die Hälfte des gesamten Weltmarktes (Abb. 13383). Praktisch subventioniert also der deutsche Verbraucher den chinesischen Produzenten von Solarzellen und baut ihn so zum deutschen Konkurrenten auf.


China hat Deutschland bei der Solarproduktion überholt und liegt nun erstmals auf Platz eins. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Solarzellen mit einer Leistung von 875 Megawatt produziert. In China waren es dagegen 1200 Megawatt (Abb. 13384). Der globale Marktanteil der Chinesen schoss im vergangenen Jahr von 15 auf 28 Prozent. Der deutsche verharrte bei 20 Prozent. Insgesamt stammen schon 65 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen aus Asien. Weit vorne liegt neben China auch Japan. In den asiatischen Herstellerländern gibt es keine oder kaum eine staatliche Förderung. Die Firmen verkaufen ihre Ware einfach auf subventionierten Märkten wie Spanien oder Deutschland. Suntech-Chef Zhengrong Shi spricht es offen aus: Es gibt kaum einen chinesischen Markt. Wir hängen von euch ab. Deutschland ist inzwischen Netto-Importland. Gerade mal noch die Hälfte der Nachfrage wird mit inländischer Ware gedeckt."


Übrigens, was jetzt bei Solarzellen läuft, erinnert an die Energiesparlampen, die auch inzwischen China übernommen hat, ohne sich bei der EU für deren Energiesparpolitik auch nur zu bedanken. Und es wird so in allen anderen Umweltschutzsparten laufen, von denen die deutsche Politik noch träumt.


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global news 1678 17-08-09: Das deutsche Steuersystem verteilt mehr nach oben um als in anderen Ländern

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Nach einer neuen Steuerübersicht von Eurostat ist die deutsche Steuerlastquote (Steuern ohne Sozialversicherungsabgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) die zweitniedrigste in der Alt-EU (Abb. 12245). Das liegt vor allem an der relativ geringen Besteurung von Kapital. Deutschland belegt bei den Steuern auf Kapital mit Griechenland, Österreich und den Niederlanden den Platz mit der geringsten Steuerlast als Anteil am BIP (Abb. 13785). Auch gemessen am Gesamtsteueraufkommen bringen die Kapitalsteuern weniger als in anderen Ländern (Abb. 13786).




So hatte Deutschland bei den Unternehmenssteuern 2007 mit nur 1,4 % den kleinsten Anteil der Einnahmen am BIP aller Alt-EU Länder und Norwegen (Abb. 13110).


Deutschland kennt im Unterschied zu vielen anderen Ländern keine Vermögenssteuer mehr und erhebt nur einen relativ kleinen Erbschaftssteuersatz. Dementsprechend gering ist das Steueraufkommen gemessen im Anteil am Bruttoinlandsprodukt und verglichen mit anderen Ländern (Abb. 12244). Tatsächlich sind die Einnahmen aus diesen Steuern in Deutschland seit 1950 immer weiter zurückgegangen, zumal seit Wegfall der Vermögenssteuer; das Erbschaftssteueraufkommen ist zwar etwas gestiegen, aber wahrscheinlich weniger als der Wertzuwachs der Erbschaften (Abb. 14719).



Dagegen erhebt Deutschland bei der Lohnsteuer einen erheblich höheren Anteil am BIP als sehr viele andere Länder (Abb. 13783). Mit 48,2 % aller Steueraufnahmen erbringt die Lohnsteuer in Deutschland den dritthöchsten Anteil am Gesamtsteueraufkommen aller Vergleichsländer (Abb. 13784).



Das ist die böse Kehrseite der relativ niedrigen Besteuerung von Kapital, Unternehmen, Erbschaften und des Fehles einer Vermögenssteuer.


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global news 1677 15-08-09: An die lieben Börsenfreunde mit dem Bullen-Gemüt

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Die Börse ist zu einem der wichtigsten Indikatoren gemacht worden, um das Ende der Krise zu verkünden. Tatsächlich haben sich die Börsenkurse über die letzten Wochen recht gut entwickelt, wenn auch zuletzt abbröckelnd. Dabei liegt z.B. der Dax noch immer um ein Drittel unter dem Börsenindex von vor der Krise (Abb. 03712).


Allerdings haben die Geldanleger derzeit wenig Alternativen, da einerseits Staatspapiere oder gar Spareinlagen einmalig niedrig verzinst werden und andererseits der Wiedereinstieg in Junk-Anleihen schwacher Unternehmen vielen zu riskant erscheint. Also rutscht das große Geld wieder Richtung Börse.

Da hilft vielleicht ein kleiner Blick auf 1929 folgende. Der deutsche Dax ist jetzt ziemlich genau da, wo die Börsenkurse 1930 neunzehn Monate nach Beginn des Crash waren (Abb. 03950). Und dann ging es damals wieder weiter runter auf der Rutsche, bis am Ende fast 70 % verloren waren. So schlimm wird es diesmal nicht kommen, weil die Regierungen und Notenbanken die Finanzmärkte mit enormen Mengen an Liquidität geflutet haben, viel früher und viel massiver als 1930. Außerdem werden die Bankaktien von den staatlichen Regenschirmen vor einem zu starken Abrutschen bewahrt.


Und immer zeigt sich ein Bären-Schatten über dem optimistischen Bild und treibt die Bullen zurück. So fiel am Freitag plötzlich die Verbraucherstimmung in USA und heute kam es dort mit Colonial BancGroup zur größten Bankenpleite in diesem Jahr und ließ die Gesamtzahl von in die Pleite gerutschter amerikanischer Banken allein in diesem Jahr auf 70 steigen.

Übrigens, die wildesten Bullen sind die gleichen Banker, die vor der Krise die Börsen antrieben und die wieder den großen Boni hinterher hecheln.

Siehe hierzu jetzt auch aktualisierten Schwerpunkt Deutschland: Unsoziales Steuerland.


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global news 1676 14-08-09: Wenn dieser Gletscher und das Eis dahinter schmilzt, steigt der Meeresspiegel weltweit um 20 bis 30 cm

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Am 5. Oktober hatte ich in einem Rundbrief über den Abriß des Wilkins Eisschelf, eine Eisfläche von der Größe Jamaicas in der Antarktis geschrieben. Jetzt gibt es einen neuen Bericht der BBC mit einem sehenwerten Video, das über das Schmelzen des Pine Island Gletschers im Westen der Antarktis berichtet.

Die Gletscheroberfläche sinkt derzeit mit einer Rate von 16 Metern pro Jahr nach unten. Seit 1994 ist die Gletscherhöhe bereits um 90 Meter gefallen. Damals war berechnet worden, daß es bei der seinerzeitigen Schmelzrate bis zum totalen Abschmelzen 600 Jahre dauern würde. Doch die neuen Daten lassen nur noch eine Lebensdauer des Gletschers von 100 Jahren erwarten. Der Schmelzrate ist am größten in der Mitte des Gletschers. Daher befürchet man nun eine Auseinanderbrechen des Gletschers. Das würde das riesige Eisschild dahinter destabilisieren können. Schmilzt nur der Gletscher so steigt die Seehöhe weltweit um etwa 3 cm. Kommt es aber auch zur Schmelze des Eisschildes dahinter, so ergibt das bereits 30 bis 30 cm mehr in der Höhe des Meeresspiegels.

Professor Andrew Shepherd von Leeds University meint: „So etwas ist noch nicht dagewesen in dieser Gegend der Antarktis. Wir wissen seit einiger Zeit, daß das natürliche Gleichgewicht gestört ist. Doch nichts in der natürlichen Welt geht mit einer so exponential beschleunigenden Geschwindigkeit verloren wie dieser Gletscher".


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global news 1675 14-08-09: Was bedeutet 8 % unter Normalnull für den Arbeitsmarkt?

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Saisonal- und kalenderbereinigt lag der amtliche Index für die deutsche Wirtschaftsleistung (BIP) im 2. Quartal 2009 bei 104,26 und 102,6 nach Herausrechnen des Effekts verminderter Importe. In der Sprache der Wasserämter wären das 8 unter Normalnull von vor der Krise.

Wenn man diesen Index, der das Basisjahr 2000 hat, auf das Basisjahr 2005 bezieht, so liegt er statt bei 102,6 bei 99,8 oder fast auf dem Durchschnittswert des Jahres 2005. Deutschland ist also auf die Wirtschaftsleistung von vor vier Jahren zurückgefallen. Bei dieser Wirtschaftsleistung gab es 2005 (2. Quartal) fast 5 Millionen Arbeitslose (Abb. 14748).


Jetzt ist nach diesen Erfahrungen mit einem ähnlichen Wert zu rechnen, wobei hier nur auf die amtlich erfaßten Arbeitslosen abgestellt wird. Es können auch sehr leicht mehr werden, weil es im Jahre 2005 noch kaum befristete Leiharbeit gab. Jetzt sind immer noch 15 % der Beschäftigten oder rund 6 Millionen Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen, von denen sich die Unternehmen relativ leicht trennen können. Andererseits gibt es heute viel mehr amtliche Tricks, die Arbeitslosenzahlen schrumpfen zu lassen. Erwarten wir also mal ca. 5 Millionen amtlich gezählte Arbeitslose im kommenden Jahr.

Man gar nicht dringlich genug davor warnen, jetzt vor den Bundestagswahlen den Menschen unbegründete Hoffnungen auf ein Ende der Krise zu machen, die dann - wie auch schon 1930 - bitter enttäuscht werden und noch mehr Vertrauen in die Politik zerstören. Die Kombination

(a) einer deflationären Situation mit Ohnmacht der Notenbanken und Abwarten der Verbraucher auf immer neue Preissenkungen,

(b) einer schweren ungelösten Bankenkrise,

(c) eines definitiv auf niedrigerem Niveau verbleibenden Exports und

(d) hoher Arbeitslosigkeit mit entsprechenden Rückwirkungen auf die Nachfragekomponente der Volkswirtschaft

ist ein verheerendes Knäuel an Problemen, das sich nur über mehrere Jahre beseitigen läßt, soweit das überhaupt möglich ist.

Auch in USA bleibt die Lage unsicher. Gerade wird zum zweiten Mal in Monatsfolge ein Abrutschen des amerikanischen Verbraucherindex bekannt (Abb. 13405).



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global news 1674 14-08-09: Horrorzahlen aus der Gewerbliche Wirtschaft im Juni: Beschäftigung -3.0 %, Arbeitsstunden -12,6 %, Lohn- u.Gehaltssumme -6,5 %

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Das Statistische Bundesamt meldet heute katastrophale Zahlen zur Lage der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland: Beschäftigung -3.0 %, Arbeitsstunden -12,6 %, Lohn- u.Gehaltssumme -6,5 %, Entgeld pro Beschäftigten -3,6 % (Abb. 04009, 14711).



Sowohl die Arbeitsstunden, wie das Arbeitsentgeld gehen immer mehr zurück (Abb. 14710, 14712).



Da die gewerbliche Wirtschaft noch vergleichsweise gut bezahlt und mehr Tarifbindung hat, dürfte die Gesamtsituation in der Gesamtwirtschaft noch schlechter sein. Ein so starker und ungebremster Abriß der Arbeitseinkommen muß sich in der privaten Nachfrage und damit in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung krisenhaft niederschlagen. Die Entwicklung im Einzelhandel verläuft ohnehin schon negativ. Auch das bestätigt den Verdacht, daß das leichte Plus von 0,3 % im BIP des 2. Quartals 2009 auf Sonderfaktoren, wie den rückläufigen Importen beruht, die eigentlich das Gegenteil von Wachstum widerspiegeln.

Wer bei dieser Entwicklung, die von den Medien heute in angeblich guten Meldungen versenkt wird, behauptet, Deutschland sei nun aus der Krise, kann die Zahlen nicht lesen oder will sie einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Im heutigen BILD-Kommentar unter der Überschrift: „Wirtschaftskrise: Ende der Rezession - Deutsche Wirtschaft wächst wieder" ist von einem „überraschend schnellen Ende der Rezession" die Rede. Doch so schnell geht das mit dieser Krise leider nicht. Sollte das kleine Plus anhalten (und nicht nur an den rückläufigen Importen liegen), so würde es zwei Jahre dauern, bis die deutsche Wirtschaft das alte Niveau wieder erreichte.


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global news 1673 13-08-09: Negativ-Signale aus der US-Wirtschaft

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Der Einzelhandelsumsatz fiel überraschend im Juni zurück (Abb. 05095). Auch die Zwangsvolstreckung in Wohnimmobilien steigt immer weiter. Jeweils einer in 355 Haushalten wurde im Juli in die Zwangsvollstreckung gezogen, die höchste Monatszahl seit Beginn der Statistik im Januar 2005 (Abb. 05199). Diese Entwicklung wird von wachsender Arbeitslosigkeit angetrieben.




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global news 1672 13-08-09: Wirtschaftsleistung im 2. Quartal: Die Leichen unter dem Teppich des angeblichen Wachstums

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Fast jeden Tag gab es nun die wohl ehrlichen Null- oder gar Minus-Meldungen vom Statistischen Bundesamt zum zweiten Quartal gegenüber dem ersten, wie Produktionsindex in der gewerblichen Wirtschaft -0,8 %, Einzelhandelsumsatz 0,0 % oder zum ersten Halbjahr 09 gegenüber 08, wie von deutschen Flughäfen abfliegende Passagiere -7,9 % (im Auslandsverkehr oft zweistellig), Gästeübernachtungen -2 %, oder schließlich Bierabsatz -4,5 %. Und dann „erfreut" uns das Statistische Bundesamt per neuester und letzter Meldung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die noch vor den Wahlen herauskommt, mit einem Quartalswachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,3 % im 2. Quartal 2009. Man könnte sich mit der Bemerkung zur Ruhe setzen: „Nun hat die Regierung rechtzeitig vor der Wahl die 3 hinter der 0 geschafft". Oder man könnte dem Bundeswirtschaftsminister glauben, der wahlkampfgerecht und stolz verkündet:

„Die Stabilisierung der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal ist noch etwas günstiger ausgefallen, als wir erwartet haben. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind in den letzten drei Monaten insgesamt nicht mehr zurückgegangen. Diese Zahlen sollten uns ermutigen. Sie belegen, dass der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung hinter uns liegen dürfte. Dies ist auch auf unser schnelles und beherztes Handeln zurückzuführen: Mit den Konjunkturpaketen haben wir wirtschaftspolitisch die Weichen richtig gestellt, so dass sich aus der Stabilisierung im zweiten Quartal eine nachhaltige konjunkturelle Erholung entwickeln könnte."

Doch da schauen schon, wie zu Wahlkampfzeiten nicht anders zu erwarten, viele Leichen unter dem statistischen Teppich hervor, jedenfalls für die, die hinsehen wollen, was die meisten deutschen Medien nicht wollen. Und der ganze Teppich sieht schon fast wie ein kleines Gebirge aus. Mehrere dieser Leichen, werden erst nach den Bundestagswahlen nach oben gespült werden. So wird das „schwarze Loch" für den PKW-Absatz erst nach Auslaufen der Abwrackprämie kommen, und was jetzt an Absatz in der Statistik ist, war großenteils künstlich generiert und dann mit dem falschen Etikett „Umweltprämie" verkleistert. Die Arbeitslosigkeit wird nach Auslaufen der Kurzarbeitförderung hochschnellen und damit die Nachfrage privater Haushalte als wichtigster Teil des BIP zurückfallen. Das auf gigantischen Pump finanzierte Programm öffentlicher Ausgaben wird auslaufen müssen mit weiteren Kontraktionen des BIP. Die total unaufgeräumte Lage deutscher Banken wird spätestens nach den Wahlen zu viel mehr Wertberichtigungen, auch aus jetzt in der Krise neu anfaulenden Krediten, und entsprechender Kreditverknappung mit Kontraktionswirkung für das BIP führen.

Vor allem enthält das Quartalsergebnis ein riesiges Milchmädchen-Element. Wenn meine Rechnung stimmt, dann ist es allein dem wegen der schlechten Wirtschaftslage ausbremsten Einfuhrvolumen zu verdanken, daß dieses magere Plus von 0,3 % herausgekommen ist. Schamhaft räumt das Statistische Bundesamt das auch ein, aber so, daß es in keiner Pressemeldung Platz findet:

„Da die preisbereinigten Importe erheblich stärker zurückgegangen sind als die Exporte, trug auch der Außenbeitrag zum BIP-Wachstum bei."

In den heutigen Abendnachrichten der ARD war dann auch prompt von Kauflaune der Verbraucher und Staatsprogrammen als Grund für den kleinen Zuwachs die Rede, nicht aber vom Außenbeitrag.

Wenn das Statistische Bundesamt am 25. August die Katze aus dem Sack der dann veröffentlichten Detailergebnisse lassen wird, wird sich kaum ein Journalist mehr dafür interessieren. Tatsächlich sind volumensmäßig - also ohne Preisentwicklung - die Einfuhren in den ersten zwei Monaten des 2. Quartals (der dritte Monat liegt noch nicht vor) gegenüber den ersten zwei Monaten des ersten Quartals saison- und kalenderbereinigt um 3,9 % gefallen, die Ausfuhren dagegen um 0,2 % gestiegen. Dies ergibt, wenn man den dritten Monat mit der Tendenz der beiden vorangegangenen einbezieht, einen Saldoeffekt von 8,9 Mrd Euro mehr Außenbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Und das sind dann 1,57 % oder summa summarum im BIP-Endergebnis ein Minus von 1,3 % statt der jetzt kräftig gefeierten plus 0,3 % (Abb. 14745, 14746); genau kann man es erst am 25. August sehen. So führt ein krisenhafter Rückgang auf einmal zu statistischem Wachstum.




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global news 1671 13-08-09: Wirtschaftsleistung 2. Quartal: Kein rascher Aufstieg aus dem „Tal der Tränen"

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Nach der heute veröffentlichten Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP) im 2. Quartal 2009 ergibt sich kalenderbereinigt ein Minus gegenüber dem Vorjahreswert von 5,9 % und ein leichtes Plus von 0,3 % gegenüber dem Vormonat (Abb. 14744, 14003). Nicht kalenderbereinigt betrug der Rückgang gegenüber Vorjahr 7,1 %, während er im 1. Quartal 2009 noch bei 6,4 % gelegen hatte, hat sich also verschärft.



Das Plus ist neben dem Abwrackprämien-angetriebenen privaten Verbrauch und den mit wachsender Staatsverschuldung erkauften zusätzlichen staatlichen Ausgaben perverserweise dem Außenhandel zu verdanken. Der Rückgang der Importe ist nämlich noch stärker ausgefallen als der der Exporte. Es wird aber nur der Außenbeitrag, also die Differenz zwischen Export und Import auf das BIP angerechnet. Dieser Rückgang der Importe ist nicht das Ergebnis von Preissenkungen für Öl und Rohstoffe, da hier eine preisbereinigte Berechnung der realen Entwicklung vorgenommen wird, sondern allein das Ergebnis der schlechten deutschen Wirtschaftslage. So trägt die schlechte Wirtschaftslage wundersamerweise zu einer besseren Wirtschaftsentwicklung bei. Die Statistik macht's möglich. Ohne diesen Effekt, wäre nach meiner Berechnung mit dem Trend des Außenbeitrags von April und Mai (Juni liegt noch nicht vor), für das 2. Quartal ein Minus von 1,3 % gegenüber 1. Quartal herausgekommen.

So erfreulich dennoch die positive Zahl von 0,3 % sein mag, so zeigt sie auch, wie lang die Krise sein kann, bis das um 6,9 % höhere Vorkrisenniveau (1. Quartal 2008) wieder erreicht wird. Mit der im 2. Quartal 2009 nun amtlich verzeichneten leichten Anstiegsrate von 0,3 % würde das nahezu zwei Jahre dauern. Die Frage ist nun, wie sich die Wirtschaft nach Auslaufen von Abwrackprämie und Kurzarbeitergeld und einer normaleren Importsituation darstellen wird. Ein erheblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit erscheint derzeit unvermeidbar und wird Konsequenzen für das Einkaufsverhalten der Bevölkerung haben. Der Einzelhandelsumsatz hat den leichten Anstieg vom ersten zum zweiten Quartal 2009 jedenfalls nicht mitgemacht. Auch hat sich im 2. Quartal der Lagerabbau fortgesetzt, ebenfalls ein Warnsignal.

Mit euphorischen Pressemeldungen, wie wiedereinmal SPIEGEL-online, sollte man daher vorsicntig umgehen:

„Die Konjunkturaussichten verbessern sich überraschend deutlich: Die deutsche Wirtschaft hat laut Statistischem Bundesamt im zweiten Quartal um 0,3 Prozent angezogen - das erste Wachstum seit einem Jahr. EZB-Direktor Jürgen Stark (CDU) glaubt, dass sich auch der Euro-Raum früher als erwartet erholt."

Erst im Kleingedruckten kommt das volle Stark-Zitat:

„Was wir derzeit sehen, basiert im Wesentlichen auf den Stimulierungsmaßnahmen der Regierungen und dem Wiederauffüllen der Lager. Solange das so ist, können wir nicht mit einer nachhaltigen Rückkehr auf einen höheren Wachstumspfad rechnen."


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global news 1670 13-08-09: Jetzt kommt auch das DIW dahinter: Arbeitnehmerentgeld seit 2000 gefallen

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Was hier schon immer berichtet wird, entdeckt nun auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung:

„In den letzten Jahren sind die Löhne je geleisteter Arbeitsstunde in Deutschland nominal kaum gestiegen, unter Berücksichtigung der Preissteigerungen sind sie sogar gesunken - das gilt für die Arbeitnehmerentgelte, die Bruttolöhne und für die Nettolöhne. Bei den Arbeitnehmerentgelten und den Bruttolöhnen kam es nach 2003 zu einer Abwärtsbewegung, bei den Nettolöhnen setzte sie ein Jahr später ein.

In welchem Maße es zu Lohnsteigerungen kommt, hängt generell von der jeweiligen Wirtschaftsentwicklung ab. In konjunkturell guten Phasen haben die Arbeitnehmer und ihre Vertretungen eine starke Verhandlungsposition, in schlechten Zeiten eine eher schwache. In der Ersten Ölpreiskrise traf das allerdings nicht zu - die Arbeitnehmerseite war in dieser Phase überlegen, und in den gesamten 70er Jahren wurden recht hohe Nominallohnzuwächse durchgesetzt. Ab Ende des Jahrzehnts bis zum Auslaufen des letzten Zyklus im Jahr 2004 verlief die Lohnentwicklung dann in einem üblichen Konjunkturmuster - abgesehen von vereinigungsbedingten Sonderfaktoren in den ersten Jahren nach dem Mauerfall. Im letzten Aufschwung haben dagegen die realen Löhne entgegen den Erwartungen nicht angezogen; sie sind sogar gesunken (Abb. 14742).


Daten über die Lohnentwicklung in anderen Ländern existieren nur lückenhaft. Nach Angaben des statistischen Amtes der EU (Eurostat) sind seit dem Jahr 2000 die realen Arbeitnehmerentgelte - je Arbeitnehmer gerechnet - in Deutschland um neun Prozent gesunken. So schlecht war die Entwicklung in keinem anderen Land der alten EU (Abb. 14743)."


Das DIW spricht von einer „Umverteilung nach oben aufgrund schwacher Lohnentwicklung". In der Begründung heißt es, die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften habe deutlich nachgelassen. Natürlich erwähnt das DIW nicht, warum die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften geschwächt wurde. Weder wird auf den wuchernden Niedriglohnsektor verwiesen (Abb. 14741), noch auf das Fehlen eines flächendeckenden Mindestlohns, noch auf die Wirkung einer übereilten neoliberalen Globalisierung mit ständiger Verlagerungsdrohung der Arbeitgeber.



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global news 1669 12-08-09: Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken Schmitz warnt vor Bankproblemen in den kommenden 18 Monaten

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Im Interview mit der gestrigen Ausgabe der Financial Times sagt Schmitz, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken:

„Wird es eine Kreditkrise (credit crunch) geben? Das ist eindeutig eine Sorge und da gibt es eine wirkliche Gefahr. Ich denke nicht, daß es völlig unrealistisch ist zu denken, daß es eine geben wird. Ich denke, wir haben den Tiefstpunkt der finanziellen Krise erreicht. Aber es ist offensichtlich, daß jede Bank mehr zu tun bekommen wird in den nächsten 18 Monaten mit Konkursen von Kunden und nicht zurückgezahlten Krediten als bisher.

Die Banken sind unter Druck, die Größe ihrer Bilanzen zurückzuführen und müssen mehr Kapital zur Seite legen, falls Unternehmenskunden von den Kreditagenturen heruntergestuft werden. Ich denke, da gibt es eine substanzielle Veränderung in der Krediteinstufung, die auch im nächsten Jahr kommen wird. Die Liquiditätszuführung per Kredit der ECB hilft nicht der Eigenkapitalsituation der Banken, besonders wenn sie mit Herunterstufungen zu tun bekommen. Es gibt viel Liquidität im System, aber das sagt nichts über die Eigenkapitalposition der Banken. Es sieht im Augenblick so aus, als hätten die Banken ausreichende Eigenkapitalpositionen. Doch wenn mehr Risiken bis zum Jahresende eintreten, wird die eine oder andere Bank mehr Kapital brauchen.

Im Augenblick gibt es keine Kreditverengung. Es ist mehr ein Druck auf die Kreditwürdigkeit und auf die Kreditbedingungen, die einfach das höhere Risiko widerspiegeln und die teuereren Refinanzierungen, denen die Banken gegenüberstehen."

Gemessen an der Bilanzsumme beträgt das von der Bundesbank ausgewiesene Eigenkapital deutscher Banken von 315 Mrd Euro nur 4,1 % (Abb. 03998); darunter Großbanken 4,8 %. Die so gerechnete Eigenkapitalquote der Banken hat sich damit im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2007 nur sehr geringfügig von 4,02 % auf 4.07 % erhöht, bei den Großbanken ist sie durch Abschreibungen sogar von 5,9 % auf auf 4,8 % gefallen. Die Banken sind also mit dem Gesundschrumpfen bisher kaum vorangekommen.


Gemessen an den ausstehenden Forderungen gegen Nicht-Banken beträgt der Eigenkapitalanteil bei den Banken 9,7 %, darunter Großbanken 15,5 %. Wenn also in einer fortgesetzten extremen Krise mit Firmenzusammenbrüchen und Insolvenzen arbeitslos gewordener Privatschuldner 10 % dieser Forderungssumme ausfallen sollte, so stünden die deutschen Banken nackt ohne jedes Eigenkapital da und wären selbst Insolvenzfälle, falls nicht die Steuerzahler erneut rettend eingreifen.


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global news 1668 12-08-09: „level stupid" - Jetzt zählt das schreckliche Niveau, nicht schöne Wachstumsraten

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Der Governor der Bank of England hat heute in einer Pressekonferenz zur britischen Wirtschaftsentwicklung Stellung bezogen. Darin warnte er vor einer jahrelangen Phase unausgelasteter Kapazitäten und entsprechender Arbeitslosigkeit, auch jahrelanger Unterkapitalisierung der Banken und daher Unterversorgung der Wirtschaft mit Krediten. Wenn eine Volkswirtschaft einen so tiefen und plötzlichen Fall erfahren habe, sollte man nicht auf die Wachstumsraten von unten herauf achten, wie das jetzt bevorzugt geschehe, sondern auf das tiefe Niveau in dem sich die Volkswirtschaft immer noch befinde. Was zähle sei „level stupid" (von Clinton's "economy stupid").

Governor King erläuterte auch, daß die zusätzlichen 50 Mrd Pfund „quantitative easing" (Aufkauf von riskanten Finanzpapieren) nötig waren, um das Unterschreiten des Inflationsziels zu verhindern. Was hier noch „Inflation" genannt wird, ist praktisch die Gefahr der Deflation.

Solche Überlegungen sind direkt auf Deutschland übertragbar, auch wenn sie hier wegen des Wahlkampfes nicht zu hören sind. Die deutschen Verbrauchen fahren derzeit (bis auf die Abwrackprämie-angeschobenen KfZ) ihre Einkäufe trotz 0,5 % Deflation zurück und beschleunigen damit eine deflationäre Entwicklung. Die Verbraucherpreise sind zum ersten Mal in 22 Jahren unter dem Vorjahresniveau, die Großhandelspreise sogar schon um fast 12 % (Abb. 14689).


Fast jeden Tag meldet das Statistische Bundesamt jetzt Deflationsspuren aus dem ersten Halbjahr, so heute von deutschen Flughäfen abfliegende Passagiere -7,9 % (im Auslandsverkehr oft zweistellig), vorgestern weniger Gästeübernachtungen -2 %, oder auch Einzelhandelsumsatz -1,8 % oder schließlich Bierabsatz -4,5 %. Im Übrigen zählt „level stupid". Was das für Deutschland nach den neuesten Zahlen für das 2. Quartal 2009 bedeutet, zeigt Abb. 14744.



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global news 1667 11-08-09: Deutscher Einzelhandelsumsatz so ziemlich am Ende der EU

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Nach den heute bekannt gegebenen Daten von Eurostat hat sich seit 2005 der Einzelhandelsumsatz in der Alt-EU nirgendwo so schlecht entwickelt wie in Deutschland mit mehr als 6 % Minus (Abb. 12922).


Auch im Vormonatsvergleich liegt Deutschland, nur von Irland überboten, am Ende der Vergleichsländer (Abb. 12378). Dieser reale Rückgang ist umso erstaunlicher, als die Verbraucherpreise im Juni bei 0 % und im Juli nun erstmals seit 22 Jahren mit -0,5 % im negativen Bereich sind. Die deutscher Verbrauchen sparen also trotz Verschwinden der Inflation und sogar beginnender Deflation, wahrscheinlich in Erwartung von steigender Arbeitslosigkeit.



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global news 1666 10-08-09: Bankenkrise - Bisher nichts gelernt!

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Die Politiker üben sich auf Nebenkriegsschauplätzen, wie Steueroasen und Bankerboni. An die Banken selbst trauen sie sich nicht ran. Weder gibt es nun zwei Jahre nach Ausbruch der Krise Banken, die die Wirtschaft und kreditbedürftige Menschen mit Kredit zu angemessenen Bedingungen versorgen, noch gibt es Eigenkapitalvorschriften mit dem Zwangsmittel alternativer Verstaatlichung, die dem nächsten, eventuell schon bald zu erwartenden Crash vorbeugen könnten.

Die großen Bankhäuser machen bis auf Ausnahmen wieder saftige Gewinne, vielleicht auch nur Buchgewinne, jedenfalls genug, um mit ebenso saftigen Dividenden die eigenen Aktien hochzujagen. Die Gewinne werden fast ausschließlich in zwei Bereichen gemacht. Der erste ist fast dasselbe riskante Geschäft, mit dem sie - in die Krise geschlittert sind (mit Ausnahme der unten angesprochenen Staatspapiere). Der englische Begriff dafür hat die Abkürzung FICC, was fixed income, currency and commodity trading beinhaltet. Zu fixed income gehören die festverzinslichen Papier, darunter auch securisierte, wenn auch jetzt nicht mehr die Subrime Hypotheken. Die Spekulation auf die Entwicklung von Währungen und Warenpreise ist Teil des Geschäfts mit Finanzwetten oder Derivaten. Unter den 12 großen europäischen und amerikanischen Banken kam dieser Sektor nach Schätzungen für das erste Halbjahr 2009 auf 63 % aller Einnahmen, oder fast zwei Drittel (Abb. 03997).


Der zweite Bereich oder Bankschalter ist neu: Das Geschäft mit dem Zentralbankgeld, das eigentlich unser aller Geld ist. Die Zentralbanken verschenken es an die Banken zu niedrigsten Zinsen und nehmen sehr oft hochriskante Bankenpapiere dafür ab. Die Banken parken es dann teilweise in sicheren, aber höher verzinslichen Staatspapieren oder leihen es gegen saftige Kreditzinsen aus. Die amerikanische Fed kauft sogar Papiere von Wall Street Banken auf. Der Aufkauf bestimmter Papiersorten wird vorher immer angekündigt. Diese Vorabinformation erlaubt den Banken, ihre Papiere zu einem weit höheren Preis zu verkaufen, als wenn die Fed das Geschäft wie die Wall Street Banken selbst unauffällig betreiben würde. So kaufte die Fed für 3 Mrd Dollar anfangs Juli Regierungsbonds mit Fälligkeit zwischen 2021 und 2026. Die Preise stiegen prompt in Erwartung des Aufkaufs. Zwei Stunden später verkaufte die Treasury 5-Jahres-Papiere für 39 Mrd Dollar. Prompt sanken die Preise in Erwartung zusätzlichen Angebots. Jedesmal steht Wall Street als Händler dazwischen und macht einen saftigen Schnitt. Die neue Welt des Handels mit Regierungsschulden hat die Handelsspannen für Wallstreet stark nach oben geschoben. Goldman Sachs machte 6,8 Mrd Dollar in der FICC-Sparte im letzten Quartal, wozu der Handel mit Schuldpapieren der amerikanischen Regierung gehört.

Und nun zur anderen Seite, wo Wall Street und amerikanische Banken mit privaten Kunden handeln. Die heutige Financial Times berichtet über eine Studie, derzufolge sie in diesem Jahr allein 38,5 Milliarden Dollar an Überziehungsgebühren kassieren werden. Das ist eine Rekordsumme, nachdem sie im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Gebühren kräftig angezogen haben. Die durchschnittlich pro Kunde verlangte Summe sei, so die Studie, gegenüber dem Vorjahr von 25 auf 26 Dollar gestiegen, wobei die größten Banken am heftigsten zulangten: Die Citigroup und die Bank of America etwa verdienten je Fall im Schnitt 33 Dollar. Dabei kämen rund 90 Prozent des Geldes von zehn Prozent der 130 Millionen US-Bankkonten, in der Regel von Kunden, denen das Wasser ohnehin bis zum Hals stehe. Die Lage bei europäischen Bankhäusern dürfte nicht viel anders sein.

Ein Besucher des Infoportals hat heute im Blog einen Link zu einem Video über Goldman Sachs eingestellt, das schwere Vorwürfe gegen das Spitzengeldhaus erhebt.


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global news 1665 10-08-09: Umsatzerholung der gewerblichen Wirtschaft im Juni viel schwächer als im Mai

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Jetzt kommen im Unterschied zu den unsichereren, aber trotzdem von der Bundesregierung und den Medien gefeierten Auftragszahlen (unsicher, weil Aufträge oft storniert werden und damit in alle Richtungen überzeichnen) die eigentlichen „harten" Daten von Produktion und Umsatz in der Gewerblichen Wirtschaft. Der Umsatz erhöhte sich im Juni nur um 1,6 % gegenüber Mai und damit viel weniger als die damals ebenfalls als Durchbruch in den Wiederaufstieg gefeierten 4 % (Abb. 14739).



Gegenüber dem Vorjahr lag er um 17,7 % tiefer (Abb. 04910), in der deutschen Spitzenbranche Maschinenbau sogar um 31,3 %, also fast ein Drittel. Da der Spitzenwert des Industrieumsatzes vom August letzten Jahres vor dem Abrutsch 27,9 % höher war, würde es mit der Steigerungsrate vom Juni von nur 1,6 % nicht weniger als 17 Monate dauern, um auf das alte Niveau zurückzukommen, wenn der Aufstieg denn überhaupt so lange anhalten sollte.


Die drei Werte für Aufträge, Produktion und Umsatz jeweils gegenüber Vorjahr sind in Abb. 14564 dargestellt. Interessanterweise haben sich die Medien über das Auftragsplus im Juni berauscht (freilich ohne das besonders tiefe Niveau gegenüber Vorjahr zu erwähnen; der Bundeswirtschaftsminister hat diesen ungünstigen Vorjahresvergleich in seiner Presserklärung einfach unterschlagen), verschweigen aber jetzt weitgehend die negative oder sehr gedämpfte Entwicklung von Produktion und Umsatz oder vermengen sie sofort wieder mit den besseren Auftragswerten.



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global news 1664 09-08-09: In deutschen Haushalten nach österreichischen die wenigste Gleichheit in Europa

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Im Blog des Infoportals findet nach Veröffentlichung der besonders niedrigen Geburtenrate und der hohen Zahl an kinderlosen Frauen eine heftige Diskussion über die Gründe statt. Jetzt habe ich eine neuere an der Universität Oxford erarbeitete Studie entdeckt. Sie erarbeitet den statistischen Zusammenhang zwischen Gleichheitsgrad in der Beteiligung an Haushalt und Erziehung und andererseits der Geburtenrate. Beruhend auf Interviews mit 13.500 Männern und Frauen zwischen 20 und 45 Jahren in 12 Ländern, erstelllt sie einen Index und eine Reihenfolge.

Die Kinderzahl pro Frau korresondiert eng mit dem Anteil der in Partnerschaft lebenden Bevölkerung (13738). Deutschland hat den kleinsten Anteil in Partnerschaft und eine der kleinsten Kinderzahlen pro Frau unter den untersuchten Ländern.


Dann stellt die Studie eine Reihenfolge in der Gleichheit der Lastenteilung auf. Dabei nimmt Deutschland (nur noch von Österreich unterboten) den letzten Platz in Europa ein (Abb. 13739). In der führenden Position sind wenig überraschend mit großem Abstand die skandinavischen Länder Schweden und Norwegen.


Die Studie fand heraus, daß Frauen in Ländern mit mehr zur Gleichheit neigenden Männern eher bereit sind, eine Partnerschaft einzugehen und Kinder zu haben.


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global news 1663 09-08-09: US-Arbeitslosenrate fällt leicht im Juli, doch Daten sind unzuverlässig

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Die ausgewiesene amerikanische Arbeitslosenrate ist im Juli leicht von 9,5 % auf 9,4 % gefallen (Abb. 05097).


Doch diese Statistik hat viele Mängel. Sie beruht auf einer Umfrage unter 50.000 Befragten und erfaßt nur solche, die noch konkret nach Arbeit suchen. Menschen, die die Arbeitssuche aufgegeben haben, weil sie einfach keine Arbeit finden können, gelten nicht als arbeitslos. Das waren im Juli 796.000 Menschen oder 0,5 % der Arbeitskräfte und 335.000 mehr als im Jahr zuvor (sogenannte U-4 Statistik). Dazu kommen noch 0,7 % oder 1,5 Millionen Menschen, die aus Familiengründen oder wegen einer Ausbildung in den der Umfrage vorangegangenen vier Wochen nicht nach Arbeit gesucht haben, aber an Arbeit interessiert sind. Dieser weitere Begriff der Arbeitslosigkeit kommt auf eine Arbeitslosenquote von 10,7 % (sogenannte U-5 Statistik). Dann gibt es noch diejenigen, die keine Vollzeitarbeit gefunden haben und statt dessen eine Teilzeitarbeit angenommen haben. Rechnet man auch sie unter die Arbeitslosen, so kommt man zu einer Arbeitslosenquote von 16,6 % (sogenannte U-6 Statistik).

Die amerikanische Arbeitsbehörde BLS hat eine Tradition nachträglicher Aufwärtsrevidierung der Arbeitslosenzahlen, oft Monate später, wenn die Aufmerksamkeit geringer ist. Kritiker bemängeln auch das System der saisonalen Bereinigung dieser Arbeitslosenzahlen. Die wirkliche allumfassende Arbeitslosigkeit wird daher auf um 21 % geschätzt (Abb. 05198). Das wären rund 32 Mio Menschen statt der amtlich ausgewiesenen 14,5 Millionen oder mehr als doppelt so viele. Die Ungereimtheiten der amerikanischen Statistik erinnern an die der deutschen, wo auch nur etwas mehr als die Hälfte der Bezieher von Arbeitslosengeld echt als Arbeitslose gezählt werden.



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global news 1662 08-08-09: Industrieproduktion im Juni: Aufschwungstopp - Warum all die Aufschwungsversprechen wenig wert sind

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Derzeit werden wir mit Versprechen eines raschen Aufschwungs überschüttet. So erwartet Guttenberg schon für die zweite Jahreshälfte wieder Wachstum: „Vor allem das anhaltende Plus bei den Bestellungen spricht dafür, dass die deutschen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion weiter steigern können. Der wiederholte und stärker werdende Anstieg der Auftragseingänge ist ein breiter werdender Hoffnungsschimmer."

Nun hängen die Auslandsaufträge an einem höchst unsicheren Faden: den immensen staatlichen Konjunkturstützprogrammen, vor allem in USA und China, darunter auch die massiven in vielen Abnehmerländern für die deutsche Automobilindustrie nur zeitweise vorhandenen Abwrackprämien. Diese Stützprogramme sind entweder schon terminiert oder lassen sich so nicht dauerhaft durchhalten, wenn ganze Staaten nicht in die Pleite rutschen sollen. Die Frage ist, was danach kommt, wenn die deflationäre Entwicklung anhalten sollte.

Außerdem berücksichtigen solche Versprechungen nicht, wie sich die nun erwartete zusätzliche massive Arbeitslosigkeit, die in Deutschland zeitlich befristet durch das Kurzarbeitergeld zurückgestaut wurde, über die Nachfrageentwicklung auf den Wirtschaftsprozeß auswirkt. Die schon jetzt klar negative Tendenz im Einzelhandelsumsatz sollte jedenfalls vorsichtig machen. Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre waren die Zahl der Arbeitsstunden als Ausdruck der Beschäftigung und der Verdienste immer stark mit der Nachfrage der privaten Haushalte korreliert: sie stiegen zunächst beide, dann fiel seit 2000 die Zahl der Arbeitsstunden und stagnierte fortan die private Nachfrage, bis sich in 2006 der Arbeitsmarkt zu erholen begann und die Nachfrage zu einem kleinen Zwischenhoch ansetzte, von dem sie aber mit Beginn der Krise im Sommer 2007 wieder herunterkam (Abb. 14738).


Die rosigen Prognosen sind auch deshalb mit Vorsicht zu genießen, weil sie aus der Politik oder von politiknahen Institutionen kommen, und bewußt mit dem Ziel gemacht werden, über Optimismus die Wirtschaft auch gegen die natürlichen Vorausetzungen anzukurbeln.

Wie schnell die Prognosen ins Auge gehen können, zeigen die jüngsten Zahlen aus der Gewerblichen Wirtschaft vom Juni. Da sind die besonders wichtigen Inlandsaufträge zuletzt kaum noch gegenüber dem Vormonat gestiegen und um auf das alte Niveau vor der Krise zu kommen, müßten bei dieser Rate zehneinhalb Jahre vergehen. Nun werden heute die Produktionszahlen bekannt. Die sind im Juni wieder leicht gefallen (saisonal- und kalenderbereinigt) und bei Konsumgütern ist der negative Trend bisher kaum unterbrochen (Abb. 04306). Von "Weitersteigern" (Originalton Guttenberg) war schon im Juni keine Rede mehr.


Grundsätzliche zeigen alle bisherigen Erfahrungen, wie wenig die optimistischen wie überhaupt alle volkswirtschaftlichen Prognosen wert sind. In USA wurden Prognosen und reale Entwicklungen der Wirtschaftsleistung über die letzten 20 Jahre verglichen. Kein einziger Einbruch war vorausgesehen worden (Abb. 05197). Ein ähnliches Bild würde sich für Deutschland ergeben.


Natürlich meldet die Presse die enttäuschenden Juni-Zahlen der Industrieproduktion bisher jedenfalls gar nicht. Statt dessen berauscht sich z.B. DIE WELT weiter an der Exportentwicklung: „Der deutsche Export zieht in einem Ausmaß an, dass es Fachleuten die Sprache verschlägt. Der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft nennt den Exportzuwachs gigantisch. Unternehmen hoffen nun auf ein rasches Ende der Wirtschaftskrise." Nun gehört dieses Institut den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden, und DIE WELT verschweigt auch, daß das angebliche Exportwunder auf allertiefstem Niveau stattfindet und statt der jetzt registierten 7 % gegenüber Vormonat insgesamt 48 % nötig sind, um das alte Niveau wieder zu erreichen.


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global news 1661 08-08-09: Neues von der Krisenfront: Exporte, Insolvenzen, Aufträge

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Der deutsche Export scheint seine Talsole erreicht zu haben und sich wieder nach oben zu bewegen. Er lag im Juni bei minus 22,3 % gegenüber Vorjahreswert (Abb. 14631). Die Frage ist nun, wo sich die neue Normalhöhe einpendelt. Sie wird wahrscheinlich für längere Zeit erheblich unter dem Vorjahreswert liegen.


Wie zu erwarten, steigen die Unternehmensinsolvenzen nun in der Krise. Der Mai-Wert lag um 14,9 % über dem Vorjahreswert (Abb. 14602).


Nun begeistern sich die Bundesregierung und die ihr frommen Medien für die ersten monatlichen Aufstiegswerte aus der Krise, als sei die nun definitiv vorbei und gehe es V-haft auf die alten Spitzenwerte zurück, z.B. SPIEGEL-online:

„Die Exporte sind im Juni so stark gestiegen wie seit fast drei Jahren nicht mehr."

Natürlich sieht eine monatliche Veränderungsrate nach oben, wie bei den Exporten von 7 % im Mai oder bei den Aufträgen von 4,5 % , schön aus und läßt - so immer weiter fortgedacht - das alte Niveau um die Ecke erscheinen. Doch dabei wird die geplatze Kreditblase, die in Vergangenheit alle Werte künstlich aufgeblasen hat, total ausgeblendet und auch, daß die mathematische Aufstiegsmechanik eine andere als die des Abstiegs ist. Die Exporte und die Aufträge liegen nun um 32,3 % bzw. 31,7 % unter den Spitzenwerten vor Ausbruch der Krise, doch um auf das alte Niveau zurückzukommen sind nun Steigerungsraten - gemessen an dem abgesenkten Niveau - von 47,9 % bzw. 46,4 % nötig. Nehmen wir das Beispiel der besonders wichtigen Inlandsaufträge - die Industrie macht 30 % mehr Inlands- als Auslandsgeschäft. Hier ist eine Steigerung zum alten Niveau von 44,2 % nötig, doch die Aufstiegsrate vom Juni gegenüber Vormonat lag nur bei 0,3 %. Bei dieser Rate wären zehneinhalb Jahre nötig, um wieder auf das Ausgangsniveau zu kommen. Ende der Krise oder nur Ende der Talfahrt?


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global news 1660 07-08-09: Industrieaufträge im Juni plus 4,6 % gegenüber Mai, aber immer noch minus 30 % gegenüber bisherigem Hoch

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Die Industrieaufträge erholten sich im Juni um 4,6 %, lagen aber immer noch um 30 % unter dem Spitzenwert vom Februar letzten Jahres (Abb. 04569).


So erfreulich diese begrenzte Erholung ist, so muß doch berücksichtigt werden, daß die Abnehmer ihre Lager sehr stark abgebaut hatten und von einem bestimmten Punkt an einfach wieder ordern müssen. Entscheidend ist dann, was nach Wiederauffüllen der Lager passiert. Auch stieg die Inlandsnachfrage mit 0,3 % gegenüber Mai so gut wie gar nicht und verharrt bei einem Minuswert von 29 % gegenüber April 2008.

Da der Anschub im Juni 2009 allein aus dem Ausland kam und hier von den Investitionsgütern (+10,1 %), ist weiter zu berücksichtigen, daß dazu die Kraftfahrzeuge gehören und in den meisten Nachbarländern ebenfalls Abwrackprämien für eine künstlich vorgezogene Nachfrage nach KfZ und auch Maschinen zu deren Herstellung sorgen. Die Auslandsbestellungen für KfZ stiegen um 6,6 % gegenüber Mai. Dagegen fielen die Auslandsbestellungen für die deutsche Konsumgüterindustrie noch einmal um 0,9 % gegenüber Mai.

Das Bundeswirtschaftsministerium und die meisten Medien verschweigen natürlich die immer noch tiefe Lage der Aufträge sowie den Lagerzyklus und werfen sich nur auf das Häkchen nach oben. SPIEGEL-online z.B. mit der Schlagzeile „Größtes Plus seit zwei Jahren". Die Stagnation bei der wichtigeren Binnennachfrage (30 % mehr Inlands- als Auslandsumsatz) wird weitgehend verschwiegen. Eine Erholung vor allem auf der Basis von Auslandsaufträgen kann ebensowenig nachhaltig sein, wie die einseitig auf Export setzende Entwicklung vor Ausbruch der Krise.


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global news 1659 06-08-09: Immer mehr Selbständige als Hartz-IV-Bezieher

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Es war ein gefeiertes Mittel, die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren und die Bundesagentur hat zu dessen Förderung viel Geld eingesetzt. Doch nun zieht die Förderung nicht mehr. Zu unsicher sind die Wirtschaftsverhältnisse. Insgesamt wurden im Juni mit dem neuen Gründungszuschuß und dem auslaufenden Existenzgründungszuschuß noch 130.400 Personen gefördert. Dies waren bereits 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und wenig mehr als ein Drittel der Zahl von 2005 (Abb. 14737).


An sich ist die Förderung stattlich. Mit dem sogenannten Einstiegsgeld können ALG II-Empfänger finanziell unterstützt werden. Das Einstiegsgeld wird für längstens 24 Monate gewährt und kann 50 bis maximal 100 Prozent der Regelleistung betragen. Neu ist, daß zusätzliche Zuschüsse oder Darlehen zur Eingliederung von Selbstständigen gewährt werden können. Diese können für die Beschaffung von Sachgütern gezahlt werden. Die Zuschüsse betragen maximal 5.000 Euro. Ein Darlehen kann den Höchstbetrag für Zuschüsse übersteigen. Unter Umständen können Zuschüsse und Darlehen kombiniert werden. Seit Jahresbeginn wurden rund 12.000 Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II) durch die Jobcenter in die Selbstständigkeit begleitet, angefangen von der Entwicklung der Geschäftsidee, über die Unterstützung in Finanzierungsfragen bis hin zur Geschäftseröffnung. Auf das Jahr hochgerechnet liegt die Zahl etwas niedriger als im Vorjahr.

Doch nun dreht sich in der Krise die Entwicklung um. Bei immer mehr Selbständigen sind die Einkünfte so stark geschrumpft, daß sie zusätzlich ALG II erhalten, werden also Hartz-IV-Bezieher. Bereits Ende 2008 hatten rund 114.000 Selbständige die sogenannte Grundsicherung bezogen. Zwei Jahre zuvor waren es lediglich 56.000 gewesen. Die Zahl der sogenannten Aufstocker unter Männern und Frauen mit eigenem Gewerbe hat sich damit mehr als verdoppelt. „Und der Trend setzt sich weiter fort", sagt BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Als Hauptgrund nannte die BA, daß den Selbständigen Aufträge weggebrochen seien und deshalb Einnahmen in früherer Höhe ausblieben. Mehr als die Hälfte der Bedürftigen habe monatlich weniger als 400 Euro zur Verfügung."

Was bleibt da an der Selbständigkeit, wenn der Staat mit Arbeitslosengeld so sehr stützen muß? Ehrlicher wäre, die gescheiterten Selbständigen in die Statistik der Arbeitslosen aufzunehmen. Aber das liegt natürlich nicht im Interesse der Politik, die die Arbeitslosenzahlen nach unten manipuliert haben möchte.


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global news 1658 05-08-09: Zum Abstieg der Mittelschicht

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Zur Mittelschicht zählen nicht nur die kleineren Handwerker, mittlere Angestellte und andere weniger gut verdienende Selbständige sondern auch die in verantwortlichen Positionen des öffentlichen Dienstes Beschäftigten vom Bildungssektor bis zum Gesundheitsdienst und den öffentlichen Verwaltungen. Der größte Teil des Bildungsbürgertums gehört hierher. Menschen in dieser Schicht waren einmal die Hoffnungsträger der alten Industrieländer. Mit Zuwachsraten bei Löhnen und Gehältern, die alle zwanzig Jahre eine Verdoppelung erlaubten, konnten sie sich viel Optimismus leisten. Sie garantierten spätestens seit dem 2. Weltkrieg die soziale Stabilität und demokratische Dynamik der Gesamtgesellschaft. Sie verköperten das Versprechen sozialen Aufstiegs, auch für die Kinder der Unterklasse. Die großen sozialen Innovationen, wie die Gleichberechtigung der Frauen, die Bildungsreform mit der neuen Breitenbildung bis zum Zugang zu den Universitäten, die Geburtenkontrolle, sichere Altersversorgung, Wohneigentum, Umweltschutz und viele andere Elemente des gesellschaftlichen Fortschritts waren ihnen zu verdanken.

Doch nun hat sich etwa seit Beginn der 80er Jahre und verstärkt mit diesem Jahrtausend der Trend gegen sie gekehrt und das optimistische Feuer im Kern der Gesellschaften ausgelöscht. Ein Blick auf die Entwicklung seit 1986 zeigt, daß die Schrumpfung der Mittelschicht erst seit etwa dem Jahr 2000 stattfindet (Abb. 14099). Der neue Schwerpunkt „Ungleich geht die Welt der Mittelschicht zugrunde" wirft Licht auf diese auch in anderen Ländern beklagte Entwicklung.



global news 1657 05-08-09: Automobilindustrie im Juli: Weiter am Stock der Abwrackprämie

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Im Juli 2009 stiegen die Neuzulassungen in Deutschland gegenüber Vorjahr Dank Abwrackprämie um 30 % (Juni noch 40 %). Davon profitierten jedoch zum allergrößten Teil ausländische Fabrikate mit einem Plus von 59 %, während die deutschen Fabrikate, zu denen auch die im Ausland gefertigten Konzernmarken zählen nur noch um 18 % zulegten (Juni noch 37 %)(Abb. 14646). Der Anteil ausländischer Marken (ohne deutsche im Ausland hergestellt Konzernmarken) stieg von 28 % auf 35 %. Die Meldung des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die deutschen Hersteller hätten sich gut behaupten können, scheint also weit übertrieben.


Der Export ging um 12 % gegenüber Vorjahr zurück, was den VDA zu der Meldung veranlaßt, die Auslandsnachfrage habe die Talsohle durchschritten. Dabei wird jedoch verschwiegen, daß auch in 11 anderen EU-Ländern und den USA staatliche Abwrackprämien gelten, von denen der deutsche Export nur zeitweise profitieren kann. Die Produktion ging um 5 % zurück.

Matthias Wissmann (CDU), Präsident des VDA, betonte in einer Presseerklärung: "Diese Entwicklung sowie der hohe Auftragsbestand von 487.000 Fahrzeugen stimmen uns zuversichtlich und dürften auch in den kommenden Monaten für eine stabilere Auslastung der Produktion sorgen." Kein Wort also über das schwarze Loch, das die deutsche Automobilindustrie im kommenden Jahr nach Auslaufen der Abwrackprämien erwartet.


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global news 1656 04-08-09: Deutschland mit einziger Schrumpfbevölkerung in ganz Westeuropa

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Nach den heutigen Zahlen von Eurostat schrumpft allein die deutsche Bevölkerung unter den Ländern der Alt-EU, Norwegen und Schweiz (Abb. 13737). Ursächlich ist die Kombination der niedrigsten Geburtenrate (Abb. 13735) und der höchsten Sterberate (Abb. 13736). Die jungen Menschen von morgen werden die besonders niedrige Geburtenrate mit einer der höchsten Rentenlasten büßen.





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global news 1655 04-08-09: Deutschlands sozialer Skandal in einer einzigen Zahl: 5

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Die 80/20-Zahl zeigt das Einkommensverhältnis des einkommensstärksten Fünftels der Bevölkerung zum einkommensschwächsten Fünftel. In Deutschland war das zum letzten von Eurostat angegebenen Jahr 2007 5 zu 1, oder kurz „5". Das ist der ganze soziale Skandal in eine einzige Ziffer gefaßt.

Der Skandal daran ist, daß sich das Verhältnis in keinem anderen Land der Alt-EU seit dem Jahr 2000 so drastisch nach oben geschoben hat wie in Deutschland (Abb. 13732). Deutschland hat damit im Ergebnis ein höheres Viefaches als fast alle anderen Länder erreicht. Es zog mit der Anteilsziffer 5,0 an Frankreich (3,8) vorbei und liegt weit über dem Schlußlicht Schweden (3,4). Größer ist die Ungleichheit nur noch in den immer schon von der Einkommensverteilung her sehr ungleichen Ländern Portugal, Griechenland, Spanien, Italien und Großbritannien (Abb. 13733).



Besonders schlimm haben sich die Einkommen in USA auseinandergewickelt. Während sie zwischen 1947 und 1973 in allen Quintelen fast ähnlich zunahmen und im untersten sogar mehr als im obersten, hat sich die Entwicklung seitdem total verändert. Das oberste Fünftel legte jedes Jahr im Durchschnitt etwa 1,6 % dazu, während das unterste Fünftel so gut wie keinen Zuwachs verzeichnete (Abb. 05195).


Diese total auseinanderlaufende Einkommenssituation erklärt die meisten Probleme der Wirtschafts- und Sozialentwicklung in Deutschland und anderen Ländern spätestens seit der Jahrtausendwende. Sie erklärt auch, wo das Spielkapital für das Casino der Finanzmärkte hergekommen ist (neben den auf Kredit ausgeborgten Leistungsbilanzüberschüsse einiger Länder, besonders Chinas und Deutschlands) und warum wir jetzt in dieser schlimmen Krise stecken, die primär von den „kleinen Leuten" auszulöffeln ist.

Solange diese Entwicklung nicht gestoppt wird, sind weitere Krisen und am Ende möglicherweise Zusammenbrüche des demokratischen Systems vorgezeichnet.


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Wirtschaftsstandort

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