Reihe 59 ab 17-07-09 ... ...

(1654) Weiterer Umsatzeinbruch im deutschen Einzelhandel

(1653) China und Deutschland: Kein sozialer Raum für den privaten Verbrauch

(1652) Der Sprengstoff, der erst den amerikanischen Kreditmarkt und dann die globalen Finanzmärkte hochsprengte, kam größtenteils aus China

(1651) Von wegen Kaufboom

(1650) Deutsche Arbeitnehmer gehören zu den Meist-Ausgebeuteten in der Alt-EU

(1649) Immer mehr kinderlose Frauen

(1648) Der Arbeitsmarkt im Juli 2009: Eine immer verlogenere Statistik auseinandergenommen

(1647) Deutschland und China immer noch auf dem einsamen Weg ins weltwirtschaftliche Abseits

(1646) EZB-Umfrage bestätigt: Die Banken in Deutschland stehen weiter auf der Kreditbremse an die Wirtschaft

(1645) Bankenbilanzen: „Legalisierte Bilanzfälschung"

(1644) Wieder StaBuA-Schmuh mit Verdienstdaten

(1643) Widersprüchliche Konjunktursignale aus USA

(1642) Deutsche Bank Bilanz: Noch viele Unbekannte

(1641) Und nun die Kreditkartenwelle an Verlusten

(1640) Nun mal schnell einkaufen, die Waren gehen aus!

(1639) Nun auch chinesische "Aasgeier"?

(1638) Nochmal zur Misere der deutschen Banken und zur deutschen Kreditkrise: "Mit solchen Ärzten, bete für die Patienten"

(1637) Die deutsche Jugendmisere

(1636) Ifo-Index: Lagebeurteilung in der Wirtschaft nur geringfügig besser

(1635) Der Bau kommt nicht aus der Krise

(1634) Das Geld kommt nicht richtig von der EZB über die Banken auf die Kreditmärkte von Unternehmen und Haushalten

(1633) Zur Vermögenssteuer-Diskussion: Wo bleibt die Ehrlichkeit?

(1632) Würde - Angst - Jugendarbeitslosigkeit

(1631) Vom dritten Klimaeffekt auf Wasserlebewesen

(1630) Deutschland auf der Wanderung von sozial zu einem Spitzenplatz in neoliberal

(1629) Die Entwicklung Richtung Deflation belastet Unternehmen und Banken

(1628) Bankenrisiko: Eurozone mehr exponiert als USA

(1627) Eine Goldman-Schwalbe ist noch kein Banken-Sommer

(1626) Ausländische Privatanleger vermindern Anlage in amerikanischen Schatzpapieren

(1625) US Industrieproduktion rutscht weiter (stärkster Fall seit 1946)




global news 1654 03-08-09: Weiterer Umsatzeinbruch im deutschen Einzelhandel

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Nach heutigen Angaben des Statistischen Bundesamtes ging der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Juni 2009 real um 1,6 % im Vergleich zum Juni 2008 zurück (Abb. 04943, 14702). Im ersten Halbjahr 2009 wurde real 2,1 % weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum umgesetzt.



Der negative Trend war doch längst fest eingefahren. Auch zeigte die Entwicklung im Großhandel sehr deutlich, was mit dem üblichen Zeitverzug im Einzelhandel zu erwarten ist (Abb. 04626).


Dennoch wurde von den Medien und vor allem der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf Basis höchst zweifelhafter Umfragergebnisse immer wieder das Gegenteil behauptet und geradezu von einem Konsumboom gesprochen. Die Aussagen der GfK und die nackten Zahlen des Statistischen Bundesamt stehen nun schon seit Monaten auf Gegenkurs (Abb. 14696).


Und nun klagt SPIEGEL-online, wo immer wieder die Boomstory verbreitet und mit Photos von Käuferschlangen geschmückt wurde: „Das Ergebnis ist weit schlechter als erwartet. Auch die Aussichten für den Rest des Jahres sind mies." Will man nicht endlich mal aufhören uns zu belügen? Und wie soll zum rückläufigen Einzelhandelsumsatz und stark einbrechenden Export die Versicherung vom Ende der Krise passen, bitte-schön?


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global news 1653 02-08-09: China und Deutschland: Kein sozialer Raum für den privaten Verbrauch

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China und Deutschland sind nicht nur Exportweltmeister, wobei China nun in diesem Jahr Deutschland überholt hat. Es gibt auch eine besonders dunkle Dimension dieser Meisterschaft. Beide rangieren am Ende der größeren Vergleichsländer im Anteil des privaten Verbrauchs an der Gesamtwirtschaftsleistung (BIP). Bei China waren das 2008 nur kümmerliche 36 %, bei Deutschland 56 %. Das vergleicht sich mit den Spitzenländern USA 70 % und Großbritannien 64 % (Abb. 13729).


Da kommt, vor allem bei China, nicht viel von der volkswirtschaftlichen Leistung auf den Tisch der Verbraucher oder sonstwo in die Ecke des angenehmen Lebens. Zu berücksichtigen ist dann noch die sehr ungleiche Verteilung dieses heruntergedrückten Verbrauchs. In China verdiente die Stadtbevölkerung 2008 fast 3,5-mal so viel wie die Landbevölkerung, aus der das Gros der Wanderarbeitnehmer für den Export kommt (Abb. 08163). Das oberste Fünftel der chinesischen Einkommensbezieher erhält rund zwölfmal mehr Einkommen als das unterste Fünftel (Abb. 13730). In Deutschland sind es fünfmal mehr. Die kümmerlichen Anteile des privaten Verbrauchs am Bruttoinlandprodukt werden also noch mehr als in vielen anderen Ländern von den Best- und Besserverdiener beansprucht, was die Situation für die breite Masse der Verbraucher noch schlimmer macht.



Übrigens hat Deutschland zwischen den Jahren 2000 und 2007 den größten Ruck in Richtung Ungleichheit der Einkommensverteilung in der Alt-EU getan (Abb. 13731, 13732).




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global news 1652 01-08-09: Der Sprengstoff, der erst den amerikanischen Kreditmarkt und dann die globalen Finanzmärkte hochsprengte, kam größtenteils aus China

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Die Kreditblase ist in USA geplatzt. Vorausgegangen war ein dramatischer Kreditaufbau, der vor allem in den Jahren seit der Jahrtausendwende immer stärker von der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts abhob (Abb. 05190) und schließlich das 1,8-Fache des BIP der USA erreichte (Abb. 05191). Damit lag das Kreditvolumen um 11 Billionen Dollar über der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist auf Deutschland übertragen mehr als dreimal die deutsche Wirtschaftsleistung. Es war eine irrsinnige Kreditblase, die nur noch platzen konnte, zumal ein großer Teil der Kredite minderwertig in Hypotheken auf weit überbewertete Immobilien angelegt worden war.



Im Jahre 2000 waren die 14 Jahre vorher begonnen WTO-Verhandlungen Chinas in der Schlußphase. Sie brachten dann hunderte von Millionen Niedrigstlöhner in die eigentlich für Marktwirtschaftsländer geschaffene WTO und damit in eine direkte Konkurrenz zu den Arbeitskräften der alten Industrieländer. China konnte nun seinen Export und damit seine Währungsreserven dramatisch hochfahren: den Export bis 2008 auf fast das Sechsfache des Jahres 2000 (Abb. 05194), die Währungsreserven sogar auf fast das 12-Fache; im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es bereits 2,1 Billionen Dollar (Abb. 08028).



Kurz vor der Jahrtausendwende begann China, seine Währungsreserven immer mehr in US Staatspapieren anzulegen (Abb. 03958). China und HongKong halten mehr als ein Viertel der amerikanischen Staatspapiere und wahrscheinlich für mehr als 900 Mrd Dollar. Nach Schätzungen hält China etwa 65 % seiner Währungsreserven in Dollar-Anlagen (derzeit etwa 1,4 Billionen Dollar). Die Folge war eine Liquiditätsflut nach USA und ein Druck nach unten auf die Zinsen vor allem amerikanischer Staatspapiere und damit auf die Kreditzinsen in USA generell, die sehr stark von den Zinsen für langfristige Staatspapiere bestimmt sind.


Gleichzeitig sorgte China mit der Flut seiner Billigstwaren dafür, daß die Inflation in USA trotz der enormen Liquiditätsflut und des Immobilienbooms moderat blieb (Abb. 05193). Die chinesischen Exporte nach USA stiegen steil von 100 Mrd Dollar im Jahre 2000 auf 321 Mrd Dollar nur sieben Jahre später, mehr als eine Verdreifachung. 28 % aller amerikanischen Importe kamen nun allein aus China. Das größte Handelshaus der Welt, der amerikanische Wall-Mart-Konzern, bezieht inzwischen mehr als 70 % seines Sortiments aus China. Auch diese Entwicklung (zusammen mit Billigstimporten aus anderen Ländern) sorgte in USA dafür, daß keine hohe Inflation zu hohen Zinsen führen konnte, wie das sonst der Fall gewesen wäre.


Das Ergebnis der Liquiditätsflut und niedriger Zinsen war der größte Kredit-Crash seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. China hatte einen kräftigen Anteil an seiner Entstehung. Diejenigen neoliberalen Politiker der großen Industrieländer, die in blindem Glauben an den riesigen chinesischen Markt für ihre Exporte gar nicht schnell genug und ohne Vorsichtsmaßnahmen China in die Weltwirtschaft integriert haben, tragen viel Verantwortung für das Unheil, das nun über uns alle gekommen ist. Eigentlich war abzusehen, daß man nicht ohne Knall auf einen Schlag hunderte von Millionen Billigstarbeiteter auf der Basis westlicher Technologie und westlicher Vermarktungskanäle in die Weltwirtschaft holen kann.


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global news 1651 31-07-09: Von wegen Kaufboom

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Das Statistische Bundesamt hat heute die Umsatzentwicklung des Großhandels (ohne Kraftfahrzeuge) für Juni mit real minus 9,1 % gegenüber Vorjahr veröffentlicht (Abb. 04626). Der Trend ist eindeutig nach unten gerichtet und das trotz erheblicher Preissenkungen (Abb. 14485). Die Deutschen scheinen also die Preissenkungen mitzunehmen, ohne deswegen viel mehr einzukaufen (vom Ersatz der abgewrackten Autos abgesehen).



Die Grafik zeigt auch, wie der Einzelhandel im Trend meist dem Großhandel folgt. Mit der von den Medien und zweifelhaften Umfrageinstituten und natürlich der Bundesregierung immer wieder verbreiteten These eines deutschen Kaufbooms sollte man wirklich vorsichtig umgehen. Sie wird nur verbreitet, weil die Autoren entsprechendes Nachahmverhalten erwarten, das hier nicht die Tatsachen nachahmen würde sondern nur die unzutreffenden Meldungen.


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global news 1650 31-07-09: Deutsche Arbeitnehmer gehören zu den Meist-Ausgebeuteten in der Alt-EU

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Nach einer neuen Übersicht der EU-Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen arbeiten die Deutschen (zusammen mit den Österreichern) mit durchschnittlich 41,2 Stunden die längsten Wochenarbeitszeiten (Abb. 13728) in der Alt-EU und Norwegen. Das sind fast vier Stunden jede Woche länger als die von den Tarifparteien in Deutschland vereinbarte Arbeitszeit. Es sind auch fast drei Stunden mehr als in Frankreich.


Der SPIEGEL-online setzt über diese Nachricht die Überschrift „Deutsche gehören zu den Fleißigsten in Europa". Doch hat das wenig mit Fleiß und umsomehr mit Ausbeutung zu tun. Dazu paßt auch der vorletzte Platz Deutschlands in der Entwicklung der Löhne und Gehälter real nach Abzug der Verbraucherpreisentwicklung. Mit einer Steigerung von wenig mehr als 4 % in acht Jahren, also im Jahresdurchschnitt gerademal ein halbes Prozent wird Deutschland nur noch von Italien unterboten (Abb. 13444). Auch das ist eine traurige Bilanz und erklärt, warum das hyperexport-abhängige Deutschland nun so tief in der Krise steckt.



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global news 1649 31-07-09: Immer mehr kinderlose Frauen

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Deutschland hat eine Fruchtbarkeitsrate von Kindern pro Frau, die im Vergleich mit anderen Ländern der Alt-EU, Schweiz und Norwegen am Ende rangiert und nur noch von Italien und Portugal unterboten wird (Abb. 04047). Der Anteil derer unter 30 Jahren ist in Deutschland ebenfalls besonders niedrig (Abb. 12353).



Auf der Basis des neuen Mikrozensus hat das Statistische Bundesamt jetzt über die Kinderlosigkeit von Frauen in Deutschland in 2008 berichtet. Die Kinderlosigkeit ist von Altersgruppe zu Altersgruppe bis zur Gruppe der 40-45 Jahre Alten immer weiter von 11,2 % bis 20,8 % angestiegen (Abb. 14729).


Die im Ausland geborenen und nach Deutschland zugewanderten Frauen sind viel seltener kinderlos als die hier geborenen Frauen. Es kam nur zu einem leichten Anstieg bis 10,1 % (Abb. 14732).


Interessant ist das Verhältnis nach Bildungsgraden. Bei Frauen mit Fach- und Fachhochschulreife ist die Kinderlosigkeit bis auf 28 % angestiegen (Abb. 14730), in Westdeutschland sogar bis auf fast 30 % und bei Frauen mit Hochschulabschluß und Promotion bis auf ein Drittel (Abb. 14731).



Man kann sich ausmalen, wieviele relativ einsame Menschen das einmal im Alter geben kann und wie ältere Menschen, die nicht in Familienbindung mit den jüngeren Generationen leben, der Bezug zu deren Lebenssituation verloren gehen kann. Der Zusammenhang mit der Bildung und Berufsqualifikation zeigt, wie Frauen in Deutschland relativ oft vor die Wahl zwischen Beruf und Familie gestellt werden. Der Anteil der berufstätigen Frauen ist z.B. in den skandinavischen Ländern viel höher, obwohl dort auch die Fruchtbarkeitsraten erheblich höher sind (Abb.13727).


Abb. 14733 verrät die eigentliche Verschiebung hinter der Kinderlosigkeit. Sie findet nicht bei den verheiratet Zusammenlebenden und auch nicht bei den Nicht-Ledigen (Geschiedene, verheiratet getrennt Lebende und Verwitwete) statt, wo die Kinderlosigkeit in den letzten Jahrgängen sogar etwas zurückgegangen ist. Statt dessen kommt sie von immer mehr Frauen, die als Ledige leben und dementsprechend ganz überwiegende kinderlos sind.


Dagegen hat die Kinderlosigkeit relativ wenig mit dem Haushaltseinkommen zu tun, bis auf die Gruppe unter 900 Euro Monatseinkommen, wo die Kinderlosigkeit erheblich höher ist (Abb. 14734).



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global news 1648 30-07-09: Der Arbeitsmarkt im Juli 2009: Eine immer verlogenere Statistik auseinandergenommen

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Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lassen Zeitphasenvergleiche und damit eine Beurteilung der Entwicklung kaum noch zu, weil immer neue Veränderungen und Manipulationen in der statistischen Basis erfolgt sind. Diese „Statistik" ist inzwischen die bei Weitem verlogenste, die amtlich in Deutschland erstellt wird. Ich empfehle dringend, diesmal den neuen Schwerpunkt „Arbeitslos im Juli 2009" zu lesen, der auch auf die statistischen Mängel eingeht.

Vor allem werden nach einem weiteren Gesetz zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten seit Mai dieses Jahres alle Arbeitslosen, die durch private Träger betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt. Im April waren Dritte bundesweit für rund 200.000 Personen mit der Vermittlung beauftragt, wobei die Teilnahmen an diesen Instrumenten ab Mai 2009 sukzessive auslaufen. Die Bundesanstalt gibt für Juli keine neuen Daten an, liefert aber eine Schätzzahl für die „Unterbeschäftigung" - eine euphemistische Umschreibung für „Arbeitlosigkeit" -, in die die frühere Beauftragung Dritter eingeht. Die Unterbeschäftigung soll im Juli bei 4,527 Millionen gelegen haben (noch ohne Kurzarbeit) und damit 1,1 Millionen mehr als die offiziell ausgewiesene Zahl der Arbeitslosen. Hier wird also Arbeitslosigkeit millionenhaft versteckt.

Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) um 7 % zugenommen, bzw. die Unterbeschäftigung im engeren Sinn um 8,2 % und im Vergleich zum Vormonat sogar mit auf das Jahr gerechneten 13,5 % (Abb. 14727). Ich werde in Zukunft vor allem mit der Zahl der Unterbeschäftigung arbeiten, die von der Agentur nur in einer relativ versteckten Tabelle und erst seit März 09 genannt wird. Sie ergibt ein erheblich anderes Bild, als es von der Bundesregierung und den Medien verbreitet wird. Natürlich verschweigen die Medien diese etwas ehrlichere Statistik, was wohl von der Bundesregierung beabsichtigt ist. Praktisch hat also diese Statistik wohl nur eine Alibi-Funktion bei Angriffen auf die offizielle Arbeitslosenzählung. Korrekter und verläßlicher werden die Arbeitsmarktstatistiken wahrscheinlich erst nach den Wahlen werden.


Relativ unbehelligt von statistischen Manipulationen ist auch die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage einzuordnen, die von der Bundesagentur als "Stellenindex BA-X" monatlich bekannt gegeben wird. Verglichen mit dem Juli 2008 lag die Arbeitskräftenachfrage insgesamt mit 58 Punkten im Minus, im Juni lag der Vorjahresabstand noch bei minus 49 (Abb. 14616).


Grob irreführend ist die saisonbereinigte Statistik der Arbeitslosigkeit, die jetzt auf einmal eine Abnahme um 6.000 ausweist, indem die durch Dritte betreuten Arbeitslosen einfach in die „Unterbeschäftigung" verschoben werden (Abb. 04596). Das sich Bundesregierung und Agentur nicht schämen solche getürkte Statistiken zu verbreiten!


Bei der Arbeitnehmerüberlassung, die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit, kam es zum fünften Mal in Monatsfolge zu einem kräftigen Beschäftigungsrückgang um 25,4 % oder 173.000 gegenüber Vorjahr. Diese Arbeitnehmer fliegen nun als erste auf die Straße. In den Vorjahren war der Aufbau an Beschäftigung zum größten Teil auf diese unsicheren und in der Regel schlecht bezahlten Zeitverträge entfallen (Abb. 14527).


Die Verfälschungen der Statistik zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur 56,7 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


Da der deutsche Arbeitsmarkt in den letzten Jahren sehr stark von kreditfinanziertem Export lebte und die Verschuldungsgrenzen vieler Abnehmer erreicht und überschritten sind, kann die Normalisierung nur auf dauerhaft erheblich niedrigerem Niveau stattfinden, solange die deutsche Wirtschaft nicht stärker von Export auf Binnenkonsum umgebaut wird oder die Arbeitszeit verkürzt wird. Das zeigt auch die Auftragsentwicklung in der deutschen Exportparade-Branche Maschinenbau mit fast einer Halbierung gegenüber dem Vorjahr (Abb. 14647).



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global news 1647 30-07-09: Deutschland und China immer noch auf dem einsamen Weg ins weltwirtschaftliche Abseits

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Deutschland und noch mehr China haben in den vergangenen Jahren total einseitig auf Export gesetzt und zu diesem Zweck die Löhne und den Binnenverbrauch gedrosselt und gleichzeitig den stark verschuldeten Abnehmerländern großzügig Kredit gewährt. Der Kreditmechanismus ist unreparierbar zusammengebrochen. Die amerikanischen Verbraucher, die mit ihrem kredifinanzierten Verbrauch die Lokomotive der Weltwirtschaft gewesen waren, müssen sich nun quasi auf dem Abstellgleis gesundschrumpfen. Ihre Verschuldung wird zurückgefahren (Abb. 05189).


In USA werden in den nächsten 18 Monaten mehr als 400 Mrd Dollar an Kreditverlusten der Banken erwartet, in Europa mehr als 280 Mrd Dollar. Die Rückstellungen der amerikanischen Banken sind immer geringer im Verhältnis zu den notleidenden Krediten geworden (Abb. 05188). Der amerikanische staatliche Kreditversicherer der Banken erwartet noch weitere 500 Bankpleiten in USA über die schon 57 dieses Jahres hinaus. Kein Wunder, daß die Unternehmen immer weniger Kredit bekommen (Abb. 03996). Dazu zählen auch die in der Vergangenheit auf Kredit großzügig importierenden Unternehmen der Defizitländer, die deutsche oder chinesische Ware kauften.



Die goldenen Zeiten für die bisherigen Exportweltmeister werden für lange Jahre nicht wiederkommen. Derzeit pendelt ihr Export gemessen am Vorjahreswert bei minus 38 % für Japan, minus 29 % für Deutschland und minus 21 % für China (Abb. 03866).


Doch sowohl Deutschland wie China setzen total blind auf eine wundersame Auferstehung der alten Zeiten und tun so gut wie gar nichts, um auf mehr Binnenkonsum umzuschalten. Deutschland hat die schlechteste Entwicklung im Einzelhandelsumsatz der Alt-EU seit 2000 (Abb. 12922). Das Konjunkturpaket enthält wenig, was die Verbraucher beflügeln könnte, zumal nun Arbeitslosigkeit droht. In China geht das Konjunkturprogramm an den weiter knapp gehaltenen Verbrauchern total vorbei. Alles wird auf Investitionen gesetzt, die vor der Krise 2007 zusammen mit Export schon 80 % der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachten. Im ersten Halbjahr 2009 stieg allein der Anteil der mit großzügigen Bankkrediten finanzierten Infrastrukturausgaben auf unglaubliche 88 % der Wirtschaftsleistung, der doppelte Anteil des Durchschnittswertes von 43 % der letzten Dekade.



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global news 1646 30-07-09: EZB-Umfrage bestätigt: Die Banken in Deutschland stehen weiter auf der Kreditbremse an die Wirtschaft

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Nach der letzten EZB- Bank Lending Survey ist in Deutschland die Nachfrage der Unternehmen nach Bankkrediten gestiegen und wird ein weiterer Anstieg erwartet (Abb. 14727).


Im Gegenzug haben jedoch die Banken ihre Kreditstandards seit Ausbruch der Krise immer weiter verschärft, ohne daß die Verschärfung bisher zum Ende gekommen wäre (Abb. 14728).



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global news 1645 30-07-09: Bankenbilanzen: „Legalisierte Bilanzfälschung"

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In meinem letzten Buch „Die zweite Große Depression" befindet sich ein Kapitel unter der Überschrift „Legalisierte Bilanzfälschung". Ich zitiere daraus in Ergänzung meines Rundbriefs zur Bilanz der Deutschen Bank, die nach amerikanischen Bilanzregeln verfährt, weil ihre Aktien zum Handel an der NYSE zugelassen sind.

„Die Verlustabschreibungen der Banken nach Krisenausbruch waren unvermeidbar, weil nach den Bilanzierungsvorschriften die riskanten Kreditpapiere nach Marktwert auszuweisen waren, und der lag eben sehr niedrig. Im Oktober 2008 räumte dann das USFinancial Accountancy Standards Board (FASB) den dortigen Banken mehr Spielraum bei der Bilanzierung ein. Ließ sich für die Vermögensbestände kein aktueller Marktwert definieren, konnte das Unternehmen eine eigene begründete Beurteilung des künftigen Marktwertes abgeben. Das International Accountancy Standards Board in Brüssel zog nach. Im April 2009 verwässerte das FASB die Regeln weiter. Seither gilt bei einem illiquiden Markt jede Anlage als unter dem Druck von Notverkäufen stehend und ist nach der eigenen Modellrechnung der Banken zu bewerten, wenn sie die Papiere bis Fälligkeit halten. Wertverluste sind dann nicht mehr in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen und schmälern daher das von der Bankenaufsicht geforderte Eigenkapital nicht mehr. Das allerdings macht die Beurteilung der Solidität von Banken anhand ihrer Bilanzen fast unmöglich, und auch die Bankenaufsicht wird nun viel im Nebel herumstochern."

Die Bundesregierung drängt in der EU auf eine noch weitere Verwässerung der Bilanzregeln. Die Vorschriften zur Absicherung von Kreditausfällen verschärften die Finanzkrise, sagte Regierungssprecher Thomas Steg: „Deswegen halten wir es für notwendig, das Regelwerk zu überprüfen und zumindest befristet zu Änderungen zu kommen." Nach einem SPIEGEL-Bericht will die Bundesregierung dafür plädieren, eine Obergrenze für die Summe Eigenkapital festzulegen, die zur Risikoabsicherung beiseite gelegt werden muss. Außerdem sollen die Kapitalanforderungen an Banken bei einer schlechteren Bewertung durch die Rating-Agenturen nicht so stark steigen wie derzeit vorgesehen.

In einer ARD Sendung (Plus Minus) wird ganz anschaulich auch für Laien und lustig noch dazu, erklärt, was wir uns unter dem Fair Value in den Bilanzen der Banken vorstellen können. Hier der von einer Besucherin des Infoportals zugesandte Videolink.


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global news 1644 30-07-09: Wieder StaBuA-Schmuh mit Verdienstdaten

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Das Statistische Bundesamt setzt heute die frohlockende Überschrift über seine Pressemitteilung: „Tarifverdienste stiegen im April 2009 erneut stärker als Verbraucherpreise" (Abb. 14052). Erst im Text erscheint dann die Einschränkung: „Aufgrund der Tatsache, dass sich die Verbraucherpreise im selben Zeitraum lediglich um 0,7% erhöhten, erzielten die Tarifbeschäftigten - sofern sie von den vereinbarten Tarifentgelterhöhungen in vollem Umfang profitierten - erneut einen deutlichen Kaufkraftzuwachs." Leider erklärt das Statistische Bundesamt nicht, was dieses „sofern" bedeutet. Auch wird nicht erwähnt, daß die Tarifbindung in Westdeutschland nur noch 70 %, in Ostdeutschland nur noch 55 % beträgt, weil viele Unternehmen aus der Tarifbindung ausgestiegen sind, und daß die besonders zahlreichen Leiharbeiter nicht von den Unternehmenstarifen profitieren. Auch das Millionenheer der Kurzarbeiter wird untertariflich bezahlt. Die frohe Botschaft des StaBuA ist also ziemlich theoretisch.



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global news 1643 29-07-09: Widersprüchliche Konjunktursignale aus USA

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Die Nachrichten, die derzeit aus USA herüberkommen, sind reine Wechselbäder. Da hört man an einem Tag etwas über Entspannung am leckgeschlagenen Immobilienmarkt. So sind im Juni die Verkäufe neuer Wohnimmobilien wieder etwas gestiegen (Abb. 05074). Auch haben sich die Hauspreise zuletzt wenn auch nur minimal nach oben bewegt (Abb. 03714). Die Börse hat das zum Sprungbrett nach oben genommen.



Dann kommt heute mit umgekehrtem Effekt für die Börse die Meldung, daß der amerikanische Verbraucherindex im Juli zum zweiten Mal in Monatsfolge nachgegeben hat, nachdem er sich seit Februar nach oben bewegt hatte (Abb. 05073).


Daneben kommen jetzt jeden Tag Bilanzberichte der amerikanischen Großunternehmen ein, einige gut, andere schlecht. Auch das läßt die Stimmung in beide Richtungen ausschlagen. Und im Hintergrund marschiert die Arbeitslosigkeit nach oben (Abb. 05097).



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global news 1642 29-07-09: Deutsche Bank Bilanz: Noch viele Unbekannte

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Die Bilanz der Deutschen Bank, die jetzt für das 1. Halbjahr 2009 mit viel Brimborium auf die Rampe geschoben wurde, weist zwar schon wieder eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 19 % im Vergleich zu 3 % im ersten Halbjahr 2008 aus. Gemäß der eigenen Deutsche Bank Zielgrößendefinition waren es sogar 20 % und damit schon nahe an den von Ackermann wieder für erreichbar bezeichneten 25 %.

Doch schaut man etwas genauer hinter die Bilanzkulissen, so ist die Hebelung des Eigenkapitals bei einer fünfzigmal höheren Bilanzsumme immer noch enorm (Abb. 03869).


Natürlich rechnet Ackermann so nicht, sondern ermittelt den Hebel gemessen an den risikogewichteten Anlagen entsprechend den verwässerten internationalen Bilanzregeln (Basel-II) und kommt dann zu einer Tier-1-Kapitalquote von 11 %, was harmlos klingt. Dabei wird das Eigenkapital nur den Risikopositionen in der Bilanz zugeordnet, die nach sogenanntem „fair value" von der Bank selbst bewertet werden. Damit werden nicht die insgesamt vorgenommenen Anlagen dem Eigenkapital gegenübergestellt, sondern nur das daraus erwartete Ausfallrisiko. Auf der Aktivseite der Bilanz der Deutschen Bank befinden sich immer noch gigantische 1,1 Billionen Euro, die so von der Deutschen Bank selbst nach „fair value" bewertet werden (Abb. 03858). Dazu gehören immer noch eine Menge giftiger Positionen aus sekurisierten Papieren, aber auch viele Unternehmens- und Verbraucherkredite, die in der derzeitigen Krise über die Rückstellungen hinaus Not leiden können. Die Geheimnisse dieser internen Bewertung werden natürlich nur teilweise veröffentlicht. Jedenfalls hält die Deutsche Bank immer noch 1,8 Mrd Euro in Hypotheken-Risikopositionen, meist aus dem US-Markt.


Außerdem kann die Deutsche Bank die veränderten Bilanzregeln anwenden, wonach sie Anlagen, die derzeit am Markt nicht unterzubringen sind, mit dem Nennwert in den Büchern halten kann, ohne die "fair value"-Regeln anzuwenden und den Wert abzusenken.


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global news 1641 28-07-09: Und nun die Kreditkartenwelle an Verlusten

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Allein am amerikanischen Kreditmarkt standen im März 1,4 Billionen Dollar an Verbraucherkrediten aus. Das sind fast fünfmal mehr als die Subprime-Hypothekenkredite. Prof. Roubini rechnet daraus mit 238 Mrd Dollar Verlusten, davon 180 Mrd Dollar bei amerikanischen Finanzinstitutionen, der Rest fast vollständig bei europäischen (Abb. 03994).


In einer neueren Schätzung nimmt der IWF 1,9 Billionen Dollar an ausstehenden Krediten mit einem Ausfall von 14 % oder 268 Mrd Dollar an. Für Europa geht die Schätzung auf 2,5 Billionen mit einem Ausfall von 7 % oder 173 Mrd Dollar, sehr viel davon in Großbritannien, wo Kreditkartenschulden besonders boomten. Tatsächlich hat sich die Verschuldung der Haushalte in Großbritannien bis auf 170 % der verfügbaren Einkommen entwickelt, gegenüber knapp 140 % für die USA (Abb. 03995). Moody's Index zeigt einen Anstieg der Ausfälle von 6,4 % im Mai 2008 auf 9,4 % ein Jahr später. In USA lag der Index im Juni bei fast 10,8 %. Wenn die Rate auf 18 % bis 20 % steigt, sollen die Verluste allein der amerikanischen Kreditversicherer nach Feststellungen der Fed etwa 82 Mrd Dollar erreichen.


Die Frage, auch für deutsche Banken, ist, wieviel von den Kreditkartenschulden sind sekurisiert und - wie die miesen Hypothekenpapiere - international gehandelt worden? In der Vergangenheit wurde in Großbritannien etwa ein Drittel der Verbraucherschulden sekurisiert, in USA sogar zwei Drittel. Bei sekurisierten Kreditkartenschulden der USA soll die Ausfallrate derzeit bei je nach Kartenaussteller zwischen 9 % bis 18 % liegen, was den Vorjahreswert um die Hälfte bis zum Doppelten übersteigt. Mit steigender Arbeitslosigkeit werden immer mehr Kreditkartenschulden ausfallen. Unbekannt ist allerdings, wieviel davon bei deutschen Banken gelandet ist. In jedem Fall werden auch sie sich noch wärmer anziehen müssen.


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global news 1640 27-07-09: Nun mal schnell einkaufen, die Waren gehen aus!

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In immer wiederholt penetranter Manier spiegelt die deutsche Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zusammen mit einigen Medien, vor allem SPIEGEL-online, jeden Monat den großen Kaufboom vor. Diesmal ist der Umfrage-Index für das Konsumklima etwas angestiegen, was für diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich ist, und liegt dennoch weiter tief unten (Abb. 04711).


Flugs rechnet GfK noch einen eigenen Prognosewert für August hinein, noch bevor irgendeine Umfrage gemacht ist, und verkündet:

„Der Gesamtindikator prognostiziert nach revidiert 3,0 Punkten im Juli für August einen Wert von 3,5 Punkten und verbessert sich damit stärker als im Vormonat."

Das bringt dann bei SPIEGEL-online ein schönes Bildchen von in den Einkaufsläden wild herumrennenden Schoppern und den herzerwärmenden Text (natürlich ohne Erwähnung des tiefen Niveaus):

„Die wirtschaftliche Zuversicht wächst, entsprechend hellt sich die Stimmung der Verbraucher auf: Der Konsumklimaindex steigt bereits zum vierten Mal in Folge - und zwar wesentlich stärker als erwartet. Der private Konsum wird damit als Konjunkturstütze immer wichtiger."


"Shop until you drop!"

Nachtrag:

Nun wird es mit SPIEGEL-online wirklich komisch. Nachdem die GfK-Umfrage so in den Himmel gehoben wurde, meldet er in einem anderen Beitrag selbst Zweifel an:

„Im GfK-Index werden nämlich nicht nur die Einzelhandelsausgaben erfasst, sondern sämtliche Ausgaben des privaten Konsums - also auch die Kosten für Reisen, Energie, Miete oder Versicherungen. Erhöht beispielsweise der Energieanbieter die Kosten für Gas oder Strom oder steigen die Steuern für Versicherungen, steigt auch der GfK-Konsumklimaindex, weil die Leute dafür mehr Geld ausgeben - obwohl die Einzelhändler gleichzeitig über Umsatzeinbußen klagen. In den sechziger Jahren betrug der Anteil der Ausgaben für den Einzelhandel noch mehr als 50 Prozent, heute sind es nur noch zwischen 30 und 35 Prozent. Entsprechend groß ist die Hebelwirkung der übrigen Ausgaben auf den Index.

Auch die Auswahl der Befragten ist zweifelhaft. So werden ausschließlich Deutsche befragt und keine Bürger anderer Nationalitäten, ganz gleich, wie lange sie in Deutschland leben. Begründet wird die Einschränkung damit, dass man die Fragen nicht in alle Sprachen übersetzen könne. Doch erwiesenermaßen unterscheidet sich das Ausgabeverhalten von Deutschen und Bürgern ohne deutschen Pass grundlegend. Migranten verrichten häufig schlecht bezahlte Jobs und können deshalb auch weniger konsumieren. Die mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund im engeren Sinne bei der Befragung auszublenden, verfälscht das Ergebnis grundlegend.

Finanziert wird die Marktforschung zur Hälfte von der Europäischen Kommission (Anmerkung Infoportal: das sind unsere Steuern!) und zur Hälfte von der GfK. Für 2000 Euro jährlich können Unternehmen den GfK-Newsletter abonnieren. Vor allem der Index verschafft dem Nürnberger Institut das Renommee für spätere kommerzielle Aufträge. Inzwischen beschäftigt die GfK weltweit mehr als 10.000 feste Mitarbeiter, der Umsatz kletterte 2008 auf 1,22 Milliarden Euro.

GfK-Mann Bürkl zu warum sich der Index nicht vom Fleck bewegt, während alle anderen Daten steil nach unten zeigen: Es werde ja immer gesagt, der zurückliegende Aufschwung sei an den Menschen vorbei gegangen. Jetzt gehe eben auch der Abschwung an ihnen vorbei."

Wie wenig der GfK-Index mit dem Einzelhandelsumsatz, mit dem er immer von SPIEGEL-online zusammengeworfen wird, korreliert, zeigt Abb. 14723. GfK überzeichnet weit in beide Richtungen.



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global news 1639 27-07-09: Nun auch chinesische "Aasgeier"?

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In jeder Krise steigen die Aasgeier hoch, um sich auf kranke oder schon Pleite gegangene Unternehmen zu stürzen, sie zu Schnäppchenpreisen zu kaufen, dann zu zerlegen und mit Profit zu verkaufen oder anders zu verwerten. Da dies eine tiefe Krise ist, muß man mit mehr und aggressiveren Aasgeiern, vor allem vom Typ Finanzinvestoren rechnen. Der Fall Opel zeigt einige dieser Aasgeier, wie den belgischen Finanzinvestor RHJI oder auch den chinesischen Autobauer Beijing Automotive Industries (BAIC). BAIC ist bereits Partner von Hyundai Motor and Daimler AG und sucht vor allem Technologie für seine eigene Produktion in China.

Nun hat China eine gewaltige Kriegskasse für seine eigenen Aasgeier aufgebaut. Seine Devisenreserven sind mit mehr als 2,1 Billionen Dollar bei weitem die größten der Welt (Abb. 08028) - genug um die 15 größten deutschen Unternehmen dreimal zu kaufen. Aus den Devisenreserven werden die chinesischen Staatsfonds mit bisher 163 Mrd Dollar gespeist, die in Unternehmen im Ausland investieren sollen statt in niedrigverzinste amerikanische Staatsanleihen. Der Ständige Ausschuss des Volkskongresses billigte schon vor zwei Jahren die Pläne des Finanzministeriums, für 1,55 Billionen Yuan Schatzanleihen auszugegeben, die dem Kauf von 200 Milliarden Dollar aus Devisenreserven dienen werden. Das Kapital fließt als erste Tranche in die neue Anlagegesellschaft, die sich im Ausland einkaufen soll und bereits im Mai 2007 drei Milliarden Dollar in den amerikanischen Heuschreckenfonds Blackstone investiert hatte. Die chinesische Regierung kündigte an, sich künftig als Großinvestor zu betätigen und weltweit in lukrative Firmen zu investieren.


Allein mit Deutschland erzielte China im vergangenen Jahr einen Handelsbilanzüberschuß, mit dem es jedes Jahr ein Unternehmen von der Größe von Daimler-Benz oder BASF oder zweimal BMW aufkaufen könnte. Wahrscheinlich wird es sich aber mehr für mittelständische Hochtechnologieunternehmen interessieren, die unauffälliger zu erwerben sind und unterhalb des Radarschirms der neuen Kontrollen der Bundesregierung liegen.

Vor allem Dank der Exportleistung entwickelt sich Chinas Wirtschaft seit 2000 etwa dreizehnmal schneller als die deutsche (jährlich seit 2000 +9,7 % gegenüber 0,7 %; Abb. 08174).


Wenn man China den freien Marktzugang für oft gedumpte Waren läßt, muß man wissen, was das bedeutet. Auch muß man wissen, was es bedeutet, wenn China unbehelligt trotz dieser immensen Überschüsse die seit Anfang 2005 nach internationalem Druck aufgegebene Bindung an den Dollar ausgerechnet in dieser Krise im Sommer letzten Jahres wieder hergestellt hat und seitdem seine Währung künstlich unten hält, um noch mehr zu exportieren (Abb. 08172, 08173).




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global news 1638 26-07-09: Nochmal zur Misere der deutschen Banken und zur deutschen Kreditkrise: "Mit solchen Ärzten, bete für die Patienten"

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In einem Artikel über die Situation der deutschen Banken und der Kreditverknappung in Deutschland zitiert der britische Economist am Schluß einen deutschen Regierungsbeamten: „Warum zögern wir mit einem Streßtest der deutschen Banken? Weil wir uns sorgen, was wir da finden könnten." Die Schlußfolgerung des Economist: Mit solchen Ärzten, bete für die Patienten. Tatsächlich ist die Kapitalisierung der deutschen Banken bei 2 % Eigenkapital zu Aktiva mit die schlechteste in Europa (Abb. 03993).


Dabei sind die europäischen Banken insgesamt viel schlechter kapitalisiert als die amerikanischen mit 4,8 % (Abb. 03769, 03767) und haben nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds einen 2,6-mal höheren Kapitalbedarf, um sich zu erholen (Abb. 03931). Kein Wunder dann, daß die deutschen Banken auf der Kreditbremse stehen und, soweit sie Kredit geben, dieser weit überteuert ist gemessen an dem 1 % Zins, den die EZB den Banken abverlangt.




Anders als in den USA und Großbritannien und früher schon in Schweden, hat die deutsche Regierung aus primär ideologischen Gründen und zum Schutz der Aktionäre bisher davon abgesehen, die Banken zur Aufnahme von staatlicher Beteiligung zu zwingen. Sie hat statt dessen massiv Steuerzahlergeld zur Subventionierung der Banken mißbraucht und in ein Faß ohne Boden geworfen. Bestes Beispiel ist die HypoRealEstate (HRE), bei der der Staat sich nun endlich einkauft, wobei aber bereits mehr als 3 Mrd Euro Steuerzahlergeld und 94 Mrd Euro Staatsbürgschaft eingesetzt worden sind und nun weitere Milliarden notwendig werden, weil hier viel zu spät gehandelt wurde. Sehr viel dieses Geldes diente indirekt zur Stützung anderer deutscher Banken und deren Aktionäre, ohne daß der Staat hier irgendeinen Einfluß gewinnen konnte. Nach von ZEIT ONLINE zitierten Informationen betrugen die unbesicherten Verbindlichkeiten der HRE gegenüber deutschen Banken zum 30. Juni 2008 rund 19,8 Milliarden Euro, die gegenüber deutschen Versicherern und Pensionskassen rund 10 Milliarden Euro und gegenüber deutschen öffentlichen Anlegern - etwa Städte und Gemeinden - rund 8,2 Milliarden Euro.

Bei den deutschen Banken handelte es sich nach einem internen Papier der Bundesbank unter anderem um die Allianz (rund 5,6 Milliarden Euro), die Münchener Rück (rund 4,4 Milliarden Euro), die BayernLB (rund 3,0 Milliarden Euro), die Unicredit mit ihrer Tochter HypoVereinsbank (rund 3,0 Milliarden Euro), die DZ Bank (rund 2,9 Milliarden Euro), die Commerzbank (rund 1,4 Milliarden Euro) und die Deutsche Bank (rund 1,0 Milliarden Euro). Diese Zahlen erfassen nur die sogenannte Millionenkreditgewährung von Krediten über mehr als 1,5 Millionen Euro, wobei allerdings eventuelle Gegengeschäfte und Absicherungen nicht berücksichtigt sind, so daß die Kreditgeber im Falle eines HRE-Zusammenbruchs per Saldo nicht unbedingt die gesamte Summe verloren hätten. Angesichts der 20 Mrd Euro an Kredit deutscher Banken gegenüber der HRE ist die Begrenzung der Haftung der Banken im Ende September 2008 mit dem Bund ausgehandelten Rettungspaket auf nur 8,5 Mrd Euro ein reines Geschenk an die Aktionäre der Banken gewesen, ohne daß der Bund irgendeinen Einfluß auf die Kreditpolitik gewonnen hätte.

Und nun kommt auch noch ein besonderer HRE-Clou: Während der Bund mit Barem (neben Bürgschaften) antreten mußte, haben die Banken einen Kredit von 15 Mrd Euro gegeben (mit auf 8,5 Mrd Euro begrenztem Verlust), auf den sie nun munter Zinsen kassieren, die der Bund als neuer HRE-Eigentümer bezahlt, also Zinsen auf einen todsicheren Kredit, und dazu noch den Schutz gegen den Ausfall von 20 Mrd Euro ursprünglicher Kredite an die HRE erhalten, die der Bund nun auch noch verzinsen muß. Das heißt, wie Harald Schumann zurecht in ZEIT ONLINE schreibt, die „Rettung der HRE" wird für die Banken sogar ein gutes Geschäft. Ihre Kredite an die HRE werden - staatlich garantiert - marktüblich verzinst pünktlich bedient.


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global news 1637 25-07-09: Die deutsche Jugendmisere

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Ein Drittel aller Jugendlichen verließ 2006/7 die Schule entweder ohne jeden Abschluß oder nur mit Hauptschulabschluß (Abb. 04211) - passende Vorraussetzungen für Arbeitslosigkeit oder unsichere Niedriglohnjobs später.


Überdurchschnittlich betroffen von Niedriglöhnen sind insbesondere Jüngere, gering Qualifizierte, Ausländer/innen und Frauen (Abb. 14060). Von denen ohne Berufsausbildung sind 43,3 % Niedriglöhner (Abb. 14057). Wenn also nicht oder mangelhaft ausgebildete Jugendliche überhaupt einen Arbeitplatz finden, ist es meist ein unsicherer und niedrig bezahlter.



Besonder prekär ist die Lage von Jugendlichen mit Immigrantenhintergrund. Ein fehlender allgemeiner Schulabschluss war bei bei ihnen 2007 viel häufiger anzutreffen; auch erreichte fast die Hälfte keinen für den Beruf qualifizierenden Abschluß - mehr als doppelt so hoch als bei Jugendlichen ohne Immigrantenhintergrund (Abb. 13281). Das zeigt, wie schlecht trotz des hohen Anteils an Immigrantenkindern die Integration in das erheblich unterfinanzierte deutsche Bildungs- und in der Konsequenz auch Berufssystem gelingt.


Die schlechte schulische Situation überträgt sich natürlich in die Arbeitswelt. Personen mit Migrationshintergrund waren nach den letzten Zahlen für 2007 nahezu doppelt so häufig erwerbslos oder gingen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach. Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind doppelt so häufig als einfache Arbeiterinnen und Arbeiter tätig wie Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund. Der Anteil der ‚working poor', das heißt der trotz Erwerbstätigkeit Armutsgefährdeten, ist bei den Personen mit Migrationshintergrund deutlich höher als bei jenen ohne (Abb. 14721). Seit 2007 dürfte sich der Abstand zu den Menschen ohne Immigrationshintergrund in der derzeitigen Krise noch erheblich vergrößert haben.


Siehe dazu den neuen Schwerpunkt „Schlecht integrierte Jugendliche von heute, Sprengstoff für die deutsche Gesellschaft von morgen?".


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global news 1636 25-07-09: Ifo-Index: Lagebeurteilung in der Wirtschaft nur geringfügig besser

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Nach dem heutigen Ifo-Index beurteilen die befragten Unternehmen im Juli ihre Lage geringfügig, wenn auch nach wie vor auf tiefem Niveau, besser (Abb. 04731).


Die massiven frohen Botschaften, die nun verbreitet werden und Deutschland bereits jenseits der Krise sehen (ARD: „Die Wirtschaft glaubt an die Konjunkturwende", SPIEGEL: „Geschäftsklima verbessert sich überraschend deutlich. Noch im Sommer könnte die deutsche Wirtschaft wieder wachsen, hoffen Ökonomen.") knüpfen sich an den unsicheren Erwartungsindex (Abb. 04589), der dann auch den Klima-Index aus beiden Werten bestimmt (Abb. 14051).




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global news 1635 25-07-09: Der Bau kommt nicht aus der Krise

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Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts zu den Mai-Ergebnissen im Bau gingen im Vorjahresvergleich die Aufträge um 4,6 %, der Umsatz um 4,0 % und die Beschäftigung um 2,6 % zurück (Abb. 14605). Verglichen mit dem Vorkrisenjahr 2007 lagen die Aufträge um 9,3 % niedriger.


Während die Nachfrage im Tiefbau Dank öffentlicher Aufträge aus dem Konjunkturprogramm mit 2,6 % etwas weniger fiel, lag der Rückgang im Mai im Hochbau bei 6,8 % gegenüber dem Vorjahr.


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global news 1634 24-07-09: Das Geld kommt nicht richtig von der EZB über die Banken auf die Kreditmärkte von Unternehmen und Haushalten

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Neue Zahlen zeigen, wie das viele EZB-Geld bei den Banken hängenbleibt (Abb. 03989, 03990). Zudem stocken die Banken derzeit wieder ihre Anlagen bei der EZB auf, seit die EZB am 24. Juni 442 Mrd Euro den Banken zur Verfügung gestellt hat (Abb. 03991).




Nach einem Bericht in der Financial Times kaufen die Banken derzeit vor allem Regierungsanleihen, Anleihen besonders guter Unternehmen und Aktien (siehe positive Entwicklung der Aktienkurse). Auch kaufen die Banken Anleihen anderer Banken, die nun unter dem Regierungschirm stehen. So war die Anleihe der Deutschen Postbank am 3. Juli 2009 innerhalb von 10 Minuten mit 9,2 Mrd Euro nachgefragt. Allein 300 Mio Euro wurden davon an andere Banken verkauft. Dieses Herumschieben des EZB-Geldes hilft natürlich der Wirtschaft und kreditbedürftigen Verbrauchern sehr wenig.

Nach den neuesten Daten der BIZ gingen die Auslandsforderungen der Banken im 1. Quartal 2009 um 3,3 Billionen Dollar oder 10 % gegenüber dem Vorjahreswert zurück (Abb. 03992). Auch diese Entwicklung zeigt, wie wenig Wirkung bisher die Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken zur Wiederbelebung der Kreditmärkte gehabt haben. Der Fall hat sich nur gerinfügig gegenüber dem des vorrangegangenen Quartals abgeschwächt, das den stärksten Fall seit Beginn der BIZ-Aufzeichnungen vor 32 Jahren zeigte.



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global news 1633 24-07-09: Zur Vermögenssteuer-Diskussion: Wo bleibt die Ehrlichkeit?

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Das Infoportal berichtet schon seit Langem unter Datennachweis über die ungewöhnlich geringe Besteuerung des Reichtums in Deutschland nach Absenkung des Spitzensteuersatzes der Einkommenssteuer, Einführung der Abgeltungssteuer von nur 25 % auch für hohe Kapitaleinkommen, ständige Absenkung der Unternehmenssteuern, Abschaffung der Vermögenssteuer und im internationalen Vergleich geringe Erbschaftssteuer, die bei Unternehmensvererbung nun unter einigen Bedingungen auch noch ganz entfallen soll. Die Einnahme aus Vermögens- und Erbschaftssteuern beträgt gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Schnitt der Alt-EU 2,1 %, der OECD 2,0%, in Großbritannien 4,6 %, in Frankreich 3,5 %, aber in Deutschland nur geringe 0,9 % (Abb. 12244).


Tatsächlich sind die Einnahmen aus diesen Steuern in Deutschland seit 1950 immer weiter zurückgegangen, zumal seit Wegfall der Vermögenssteuer; das Erbschaftssteueraufkommen ist zwar etwas gestiegen, aber wahrscheinlich weniger als der Wertzuwachs der Erbschaften (Abb. 14719).


Nun kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung daher und entfacht die Diskussion über die Vermögensbesteuerung in Deutschland erneut, indem ausgerechnet wird, daß eine Anhebung auf EU-Durchschnitt zusätzliche 25 Milliarden Euro einbringen soll. Das stimmt zwar nicht ganz, denn eigentlich sind es nach Adam Riese 30 Mrd Euro auf der Basis von 2006 im Vergleich zur Alt-EU (die osteuropäischen Beitrittsländer darf man wegen der besonderen Situation nicht beibeziehen). Zudem rechnet das DIW mit dem Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2006, statt mit der neuesten OECD-Zahl für 2006. Auch wären es mit dem britischen Prozentanteil 92 Mrd Euro, also das Fünffache der DIW-Rechnung.

Doch dann bringt das neoliberale DIW sogleich einen angeblichen Pferdefuß, indem es die Überschrift wählt: „Vermögensbesteuerung in Deutschland: Eine Ausweitung trifft nicht nur Reiche" und erklärt dazu aus dem Munde des Stellvertretender Leiters seiner Abteilung Staat, Stefan Bach:

„Schon eine Anhebung auf den EU-Durchschnitt kann zusätzliche 25 Milliarden Euro einbringen. Solche hohen Beträge lassen sich aber nicht erzielen, wenn man nur die Reichen schröpft. Die Vorschläge zur persönlichen Vermögensteuer oder auch einer einmaligen Vermögensabgabe (gemeint sind die von SPD und Linkspartei) stellen bezogen auf den laufenden Vermögensertrag eine relativ hohe Belastung dar. Diese hohen Steuersätze lösen Ausweichreaktionen aus, weil reiche Leute mit ihren Kapitalanlagen oder auch Unternehmer gewisse Gestaltungsmöglichkeiten haben, dieser Steuerbelastung zu entgehen. Eine Wiedereinführung der persönlichen Vermögensteuer auf das gesamte Vermögen oder eine Vermögensabgabe sehe ich skeptisch."

Also nur Angst vor der eigenen Courage mit der (wenn auch fehlerhaften) Musterrechnung oder eher eine Warnung? Es soll wohl mehr eine Warnung sein, auch wenn dann für eine Reform der Grundsteuer plädiert wird.


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global news 1632 23-07-09: Würde - Angst - Jugendarbeitslosigkeit

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Der neueste Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Würde des Menschen zu der Angst. Ein besonderes Kapitel betrifft die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit und hier der Jugendarbeitslosigkeit.

Das größte Angstverbrechen wird an den jüngeren Generationen verübt, bei denen ein großer Teil direkt von der Schule zum Arbeitsamt wandert und gar nicht erst auf die Rille einer stetigen Berufskarriere kommt. Junge Menschen sind nach einer neuen Bilanz des Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes derzeit die Hauptleidtragenden der Wirtschafts- und Finanzkrise auf dem Arbeitsmarkt. Ihre Arbeitslosigkeit stieg bis Juni im Jahresvergleich mit 19,0 % fast dreimal so stark wie die der anderen Altersgruppen mit 6,7 % (Abb. 14718). In der Krise trennen sich die Unternehmen zuerst von denjenigen Mitarbeitern, deren Beschäftigungsschutz relativ gering ist, und das sind oft junge Menschen, die einen Leiharbeiter-Job oder einen befristeten Vertrag haben oder hatten. Auch müssen Unternehmen bei betriebsbedingter Kündigung eine Sozialauswahl treffen. Und dann sind oft zuerst Jüngere dran, weil sie noch nicht so lange im Betrieb sind und oft noch keine Familie haben. Zudem werden in jüngster Zeit viele Azubis nicht mehr übernommen. Auch trennen sich Arbeitergeber leichter von noch nicht so erfahrenen Arbeitskräften. So verkommen junge Menschen immer mehr zu einer Dispositionmasse am Arbeitsplatz: schneller eingestellt in guten Zeiten, aber auch viel schneller gefeuert in schlechten. Sie lernen auf diese traurige Weise die Angst sehr früh im Leben und kommen gar nicht erst dazu, „aufmüpfig" zu werden.



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global news 1631 21-07-09: Vom dritten Klimaeffekt auf Wasserlebewesen

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Die Menschheit plündert die Fischbestände der Weltmeere. Das ist allseits bekannt. Unter dem bezeichnenden Titel "Trading Away our Oceans" hat Greenpeace bereits vor zwei Jahren eine Übersicht über den Schaden an den Weltfischbeständen vorgelegt. 52 % der Bestände sind bereits voll ausgebeutet, 17 % überausgebeutet und 7 % erschöpft, so daß nur 23 % als unterausbebeutet oder mittelmäßig ausgebeutet übrig bleiben. Der Trend auf Erschöpfung der Fischbestände ist eindeutig (Abb. 07128).


Bekannt ist auch, daß die Menscheit über den von ihr verantworteten Klimaeffekt auf die Lebewesen im Wasser Einfluß nimmt. Zwei dieser Veränderungen wurden mehrfach untersucht: das Auswandern der Arten in höhere Breiten und die saisonale Veränderung im Lebenszyklus. Jetzt ist eine dritte Veränderung untersucht worden, die die schwindende Größe der Arten betrifft. Martin Daufresne vom französischen Institut für Agrar- und Umweltwissenschaften in Lyon und Ulrich Sommer vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel berichten darüber im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Forscher haben bei Untersuchungen in Flüssen in Frankreich, sowie in Nord- und Ostsee festgestellt, daß als Folge des Klimawandels Bakterien, Plankton und Fische schrumpfen. Dafür wurden Bestände in europäischen Salz- und Süßgewässern analysiert. Einzelne europäische Fischarten sollen in den vergangenen Jahrzehnten die Hälfte ihres Körpergewichtes verloren haben. Kleinere Fischspezies sollen inzwischen einen größeren Anteil an den Fischbeständen ausmachen als früher.

Zugleich sollen die Fischbestände in Nord- und Ostsee sowie in Flüssen in Europa um durchschnittlich 60 Prozent zurückgegangen sein. Überfischung allein soll das Phänomen nicht erklären können, zumal ein allgemeines Schrumpfen aller Organismen in allen möglichen Lebensräumen festgestellt wurde. Zudem seien auch Bakterien und Plankton in Salz- wie auch Süßwasser kleiner geworden. Dabei soll die Größe ein wesentlicher Faktor mit Blick auf eine Reihe von biologischen Funktionen, wie die Fruchtbarkeit, die Fähigkeit, sich fortzupflanzen, sein. So legten kleinere Fische weniger Eier, Raubfische verlören damit einen Teil ihrer Nahrungsbasis. Die Folgen seien ein Domino-Effekt, der sich durch die gesamte Nahrungskette bis zum Menschen fortsetze. Angesichts der Verschiedenheit der Lebensbedingungen, in denen solche Veränderungen festgestellt wurden, sollen vor allem die steigenden Temperaturen eine Hauptrolle bei den Veränderungen der Größenstruktur von Populationen und Gemeinschaften spielen.


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global news 1630 11-07-09: Deutschland auf der Wanderung von sozial zu einem Spitzenplatz in neoliberal

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Es ist eine faszinierende, wenn auch erdrückende Reise der Deutschen aus der sozialen Marktwirtschaft in eine der Spitzenpositionen des neoliberalen Feldes der Nationen. Drei Merkmale oder Marksteine zeichnen diesen Weg besonders.

Erstens war die Einkommens- und Vermögensverteilung der letzten Jahre so ungleich, daß Deutschland in der Zahl der Millionäre mit mindestens drei Millionen Dollar frei verfügbarem Kapital pro Einwohner im vergangenen Jahr die USA überrunden konnten. Insgesamt gehört jetzt mit 810.000 Menschen schon fast jeder hunderte Bewohner Deutschlands dazu (Abb. 03609). Von Japan abgesehen, gibt es unter vergleichbaren Ländern nur in der Schweiz eine noch höhere Konzentration, die dort über eine lange, von keinen Kriegen und ähnlichen Umwälzungen beeinträchtigte Geschichte herangewachsen ist.


Die Ungleichheit der Einkommensverteilung ist nirgendwo in der Alt-EU in den letzten Jahren so stark gestiegen wie in Deutschland (Abb. 13684). Löhne und Gehälter weisen die niedrigste reale Steigerung unter den Alt-EU Ländern auf (Abb. 12990). Dabei ist Deutschland eines der wenigen Länder ohne einen flächendeckenden Mindestlohnschutz nach unten. Der Lohnabstand der Frauen hat in Deutschland den dritthöchsten Rang in der Alt-EU (Abb. 14100).




Zweitens hat Deutschland zwar im internationalen Vergleich die wahrscheinlich am stärksten von der Kreditkrise belasteten Banken. Doch hat die Bundesregierung aus rein ideologischen Gründen davon abgesehen, den Banken eine Staatsbeteiligung aufzuzwingen, damit sie zu einer normalen Kreditpolitik gegenüber ihren Kunden zurückkehren. Dagegen sind die USA und Großbritannien, die in Deutschland immer als die neoliberalen Erzländer gebrandtmarkt werden, genau diesen Weg gegangen. So bekommt man in Großbritannien jetzt eine variabel verzinste Hypothek zu nur 0,5 % über dem Zins der Bank of England. Versuchen Sie mal, eine solche Finanzierung in Deutschland zu bekommen. In USA pumpten Wagniskapitalgeber laut MoneyTree Report im zweiten Quartal schätzungsweise 3,7 Milliarden Dollar in innovative Projekte, 15 Prozent mehr als noch im ersten Quartal. Auch das wird es vergleichbar an Deutschlands Finanzmarkt als Zukunftsinvestition derzeit kaum geben.

Drittens hat Deutschland die höchste Rate an Langzeitarbeitslosen in der Alt-EU und hält diese negative Spitzenposition seit Jahren (Abb. 04022).


Wohin soll diese Reise, an der sich Regierungen aller Couleurs geübt haben, eigentlich noch gehen? Wie der durchschnittliche deutsche Wahlbürger mit seiner Stimme diese Reise gegen seine Interessen unterstützen konnte, bleibt ein Rätsel. Hat er nur nicht bemerkt, was da abgeht, weil es so raffiniert und undurchsichtig und medienverfäscht angelegt wurde?


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global news 1629 21-07-09: Die Entwicklung Richtung Deflation belastet Unternehmen und Banken

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Die heute veröffentlichen Daten des Statistischen Bundesamt zur Entwicklung der Erzeugerpreise (ohne Energie) im Juni zeigen mit einem Minus von jetzt 2,8 % gegenüber Vorjahr, wie sich eine deflationäre Entwicklung anbahnt (Abb. 14717). Die Verbraucherpreise lagen in der gesamten Eurozone im Juni um 0,1 % unter Vorjahr und in Deutschland mit plus 0,1 nur noch leicht im inflationären Bereich. Der Preisverfall belastet die deutschen Unternehmen erheblich.


Hinzu kommt die zunehmende Belastung der Unternehmen durch die Kreditverengung. Eine deflationäre Entwicklung verschärft die Verschuldungssituation der Banken. Die Bundesregierung hätte schon längst staatliche Beteiligungen an den Banken erzwingen müssen, um eine ausreichende Eigenkapitalausstattung sicherzustellen und dann auch auf eine angemessene Kreditgewährung an die Unternehmen hinwirken zu können. So sind die amerikanische und britische Regierung verfahren und waren relativ erfolgreich. Dabei sind die deutschen Banken im internationalen Vergleich besonders stark mit miesen Anlagen belastet. Auch ihre Gesamtexposition in Anlagen aller Arten liegt mit mehr als dem Dreifachen der gesamten jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung weit höher als bei Italien, Japan und USA (Abb. 03988). Besonders die deutschen Großbanken fahren die Kredite herunter und beteiligen sich dafür wieder kräftig am spekulativen Geschäft (Abb. 03976).




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global news 1628 20-07-09: Bankenrisiko: Eurozone mehr exponiert als USA

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Die Eurozonen-Banken gehen in die zweite Phase der weltweiten Depression schwächer als die amerikanischen. Sie haben eine viel stärkere Exposition zu schwachen Schuldnern in der Dritten Welt und in Osteuropa. Ihr Eigenkapital ist im Verhältnis zu den Anlagen höher gehebelt (Abb. 03986, 03985).



Insgesamt ist die Eurozone im Verhältnis von Netto-Staatsverschuldung plus Bankenaktiva zu BIP mit 4,3-mal viel exponierter als die USA mit 2-mal. Deutschland nimmt mit 4-mal einen Mittelplatz ein (Abb. 03984).



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global news 1627 19-07-09: Eine Goldman-Schwalbe ist noch kein Banken-Sommer

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Jetzt rätseln viele und reiben sich die Augen, waren die Wallstreet-Banken nicht eben noch fast unter der Erde und jetzt schon wieder Milliarden-Gewinne? Kann es sein, daß z.B. Goldman beim derzeitigen Trend allen seinen 29.000 Mitarbeitern in diesem Jahr durchschnittlich 770.000 Dollar zahlen wird? Ist die Krise etwa doch schon vorbei? Steigen die Aktienkurse zu recht?

Tatsächlich hat sich der Standard & Poors Aktienindex der größten 500 Unternehmen im Finanzbereich seit der schlimmsten Panik im März diesen Jahres verdoppelt, der FTSE Weltindex der Finanzinstitutionen im selben Zeitraum um 70 % erholt. Der Anteil der Finanzinstitutionen an der Aktienmarktkapitalisierung liegt weltweit wieder auf dem langfristigen Durchschnittswert von 21 % (Abb. 03983).


Und doch ist das bisher nur eine Scheinblühte, die beim nächsten Frost schnell wieder verschwinden wird. Die Banken rennen jetzt in eine traditionelle chronische Krise, wenn ihre Kreditkunden in der anhaltenden Depression schwach werden. Wenn Millionen weltweit ihre Arbeitsplätze verlieren, können sie sehr oft weder ihre Schulden bedienen noch mit Einkäufen für den Absatz der Unternehmen sorgen, die ihrerseits Schuldner der Banken sind. In USA haben die Kreditkartenausfälle, die normalerweise der Entwicklung der Arbeitslosigkeit eng folgen, im Juni bereits eine Rekordrate von 10,4 % erreicht. Auch wird die Arbeitslosigkeit sehr viele zusätzliche Hypotheken notleidend machen.

Zudem haben die Regierungen und Notenbanken ungewöhnliche bankenfreundliche Bedingungen geschaffen, die nicht dauerhaft sein können. Das geht von den Rettungsaktionen bis zu praktisch zinsfreien Krediten der Notenbanken, mit denen man dann leicht im weiteren Geschäft Gewinne erzielen kann. Daß aber die Bankenkrise weitergeht, zeigen immer neuen Insolvenzen in USA. Jetzt droht mit CIT die viertgrößte Bankeninsolvenz in der gesamten amerikanischen Geschichte.

Die zuletzt gemeldeten Gewinne der amerikanischen Großbanken Citi und Bank of America (BofA) im zweiten Quartal 2009 sind sämtlich einmaligen Sondersituationen zu verdanken. City hat die Tochter Smith-Barney für 6,7 Mrd Dollar verkaufen müssen, Anlagen weniger verlustträchtig neubewertet und besondere Steuervorteile eingestrichen, anderenfalls wäre aus dem ausgewiesenen Gewinn von 4,3 Mrd Dollar zum sechsten Mal in Quartalsfolge ein hoher Verlust geworden (Abb. 05187). Allein die Verluste aus Krediten betrugen 12,4 Mrd Dollar.


Bei BofA kamen 5,3 Mrd Dollar aus dem Verkauf der Beteiligung an der China Construction Bank und weitere 3,8 Mrd Dollar aus einem anderen Verkauf. Ohne diese Einmalgewinne wäre bei Kreditverlusten von 16,4 Mrd Dollar auch hier ein gewaltiger Verlust zu verbuchen gewesen.

Und Goldman machte zwar 3,4 Mrd Dollar Gewinn. Dabei stiegen die Erträge aus dem Handel mit Wertpapieren, Aktien, Anleihen, Festverzinsliche und Derivaten um 51 % gegenüber Vorquartal auf 10,8 Mrd Dollar. Doch, wenn mit Bear Stearns und Lehman zwei Konkurrenten ausscheiden und Merril Lynch am Stock geht, so daß nur noch JP Morgan als Vollkonkurrent übrig bleibt, lassen sich Gewinne viel leichter erzielen, zumal wenn Goldman nun in eine Geschäftsbank mutiert an die Fed-Kredite zum Null-Tarif herankommt.


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global news 1626 18-07-09: Ausländische Privatanleger vermindern Anlage in amerikanischen Schatzpapieren

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Seit dem Gipfel im Oktober letzten Jahres haben ausländische Anleger bereits 169 Mrd Dollar aus amerikanischen Staatspapieren abgezogen (Abb. 05186, 05161 ). 217 Mrd $ wurden von privaten Anlegern abgezogen, während die öffentlichen 48 Mrd $ hinzulegten (Abb. 05185).




Der Abzug läuft dem Bedarf der US Treasury zuwider, die in diesem Jahr zur Finanzierung der Konjunktur- und Bankenprogramme besonders viel Staatspapiere verkaufen muß. Die USA brauchen einen monatlichen Kapitalzustrom in Höhe von etwa 33 Mrd Dollar, um ihr Leistungsbilanzdefizit mit dem Ausland zu finanzieren. Sollte sich statt dessen der Rückzug aus Staatsanleihen fortsetzen und kein Ersatz über private Investments in USA stattfinden, so muß der Dollar leiden, was wiederum den Abzug von Auslandskapital stark beschleunigen kann. Im schlimmsten Fall droht ein regelrechter Crash.


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global news 1625 17-07-09: US Industrieproduktion rutscht weiter (stärkster Fall seit 1946)

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Nach den neuesten Daten der Fed kam es im Juni zu einem weiteren Rückgang der amerikanischen Industrieproduktion (Abb. 05184). Die liegt nun schon um mehr als 15 % unter dem Spitzenwert vom Dezember 2007. Im Vorjahresvergleich ist es der höchste Einbruch seit 1946. Auch die Kapazitätsauslastung ist mit 68 % auf den tiefsten Stand seit dem Start der Datenerhebung in 1967 gefallen.



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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.