Reihe 58 ab 03-07-09 ... ...

(1624) Deutschland im Anteil von Superreichen an der Bevölkerung jetzt vor USA

(1623) Warum die Konjunkturprogramme der 70er Jahre heute nicht mehr die Arbeitslosigkeit beseitigen können

(1622) Industriedaten für Mai unter großem Krisendruck

(1621) Umfrage unter Finanzmarktexperten: Lagebeurteilung weiter pechschwarz

(1620) Warum die Fed (und andere Notenbanken) den Kampf gegen die Deflation derzeit nicht gewinnen kann

(1619) Der Euro und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Lissabon

(1618) Wir brauchen mal eben fast 5 Billionen Dollar für die Staatsfinanzierung der alten Industrieländer in 2009

(1617) Und jetzt die Deflation: Japanische Erfahrungen

(1616) Niedriglohnbeschäftigung 2007 weiter gestiegen

(1615) Abmarsch in die Deflation

(1614) UN-Prognose: Immer weniger Europäer, immer mehr Asiaten und Afrikaner

(1613) Es sind die Großbanken, die auf der Kreditbremse stehen

(1612) Immer weniger arktisches Winter-See-Eis

(1611) IWF: 2010 weiterer Wirtschaftsrückgang für Deutschland, Exporte stagnieren im Mai auf stark abgesenktem Niveau

(1610) Kredittätigkeit der Banken: Da fehlen mal eben 8,7 Billionen Dollar

(1609) Produktion in der gewerblichen Wirtschaft: -18,1 % gegenüber Vorjahr

(1608) Minuten bis zur "Kernschmelze" des deutschen Bankensystems

(1607) Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 7,1 % (seit Dezember 08: 33 %)

(1606) Leichte Erholung bei den Industrie-Aufträgen von sehr tiefem Niveau

(1605) Deutsche Rohstahlproduktion im Juni: minus 41 %

(1604) Wie deutsche Banken Staatspapiere bunkern und die Buchkredite an Wirtschaft und Verbraucher zurückfahren

(1603) Warum die herbeigeredeten grünen Sproßen schon wieder verwelken

(1602) Bei 23 % weniger PKW-Export fällt Produktion trotz Abwrackprämie um 10 %

(1601) Tiefer Einbruch auch im deutschen Dienstleistungsbereich




global news 1624 17-07-09: Deutschland im Anteil von Superreichen an der Bevölkerung jetzt vor USA

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Die Welt hat sich mit rasanter Geschwindigkeit in Reich und Arm geteilt. Und die Reichen teilen sich nochmal in Einfach-Reiche und Super-Reiche. Der englische Begriff "High Net Worth Individuals" oder HNWI bezeichnet Menschen mit mehr als 1 Million Dollar investierbares Kapital, d.h. ohne ihre Hauptimmobilie und Verbrauchsgüter. Daneben gibt es noch die Kategorie der Ultra-Super-Reichen mit mehr als 30 Millionen Dollar Vermögen. Viele Menschen in aller Welt glauben noch immer geduldig, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können, obwohl das immer mehr an Wunder grenzt. Wer die Teilung der Welt kritisiert, gilt in den betuchten Kreisen nur noch als Sozialneider. Seit der Kommunismus oder auch ein echter Sozialismus verschwunden sind, fühlen sich die Reichen und Super-Reichen immer mehr in ihren angestammten Rechten, egal wie sie dazu gekommen sind. Im Krisenjahr 2008 ging ihre Zahl in Deutschland nur sehr leicht um 2,8 % zurück, viel weniger als in anderen Ländern, z.B. in USA mehr als 20 % (Abb. 14715, 14716). Nach Japan und der Schweiz und noch vor USA hat Deutschland nun mit fast 1 % den höchsten Anteil an Superreichen an der Bevölkerung (Abb. 03609).




Hier andere Ergebnisse aus dem schon ziemlich obszönen 2009 Welt Reichtum-Bericht von Merrill Lynch und Capgemini:

Die Zahl der Super-Reichen ist 2008 um 14,9 % auf 8,6 Millionen Menschen gefallen. Ihr Vermögen beträgt nun 32,8 Billionen $, ein Minus von 19,5 % gegen Vorjahr. Die Zahl der Ultra-Super-Reichen fiel 2008 um 24,6 % auf 78.000 . 53 % der Super-Reichen leben in USA, Japan und Deutschland.


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global news 1623 17-07-09: Warum die Konjunkturprogramme der 70er Jahre heute nicht mehr die Arbeitslosigkeit beseitigen können

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Karl Georg Zinn, einer der wenigen linken Wirtschaftsprofessoren in Deutschland, hat kürzlich in Le Monde Diplomatique argumentiert, in den siebziger Jahren habe ein Bruch stattgefunden und das hohe Wachstum zu Ende gebracht. Politiker, Banker und Manager samt den Heerscharen besser verdienender Lobbyisten und Thinktanker hätten seit den 1980er-Jahren die Überliberalisierung auf nationaler und internationaler Ebene vorangetrieben. Die Dialektik der Globalisierung habe den technisch-wirtschaftlichen Wiederaufstieg Ostasiens beschleunigt. Damit ständen deren westkapitalistische Initiatoren - insbesondere die USA mit ihrem berühmten "Washington-Konsens" - vor einem Dilemma: Entweder setze sich die Deindustrialisierung des Westens fort und damit auch die chronische Krise; oder der Westen fange endlich an, sein Wirtschaftssystem umzustellen und nach Lösungen zu suchen, die auch ohne anhaltendes Wachstum funktionieren. In Anlehnung an Keynes spricht Zinn von einer notwendigen "endogenen" Wachstumsabschwächung.

Gegen diese eigentlich einleuchtende Erklärung ist - wieder einmal von linker Seite - Protest angemeldet worden, womit sich die heutigen Gedanken zur Zeit beschäftigen. Damals wie heute gäbe es politische und wirtschaftspolitische Gestaltungsspielräume, die man nur ausnützen müsse, um zu Wachstum zu kommen. Auch habe es seit den 70er Jahren immer wieder stattliches Wachstum gegeben. Eine aktive Beschäftigungspolitik sei allein der Schlüssel zum Erfolg und dann auch zu Wachstum. Ohne diesen Kampf zur nachhaltigen Verringerung der Reservearmee werde auch die Einkommensverteilung nicht grundlegend verbessert werden können.

Tatsächlich ist das Wirtschaftswachstum in der Eurozone und in Deutschland seit den 70er Jahren in der Tendenz deutlich nach unten gelaufen, wobei man den kurzen deutschen Wiedervereinigungsboom ausklammern muß (Abb. 04105, 14713).



Trotz eines wuchernden Niedriglohnsektors ist die Zahl der in Deutschland nachgefragten und geleisteten Arbeitsstunden immer weiter gefallen (Abb. 14714).


Doch diese Entwicklung liegt nicht am Mangel nationaler Konjunkturprogramme sondern an der immer stärkeren neoliberalen Globalisierung mit dem Eintritt von mehr als eine Milliarde Niedrigstlöhner in die Weltwirtschaft und der entsprechenden Entwicklung vieler Formen von Dumping. So hat sich nach Schätzungen von Harvard Professor Richard Freeman nur durch das Hinzukommen von China, Indien und des früheren Ostblocks die Zahl der Arbeitskräfte im gemeinsamen Wirtschaftssystem weltweit von 1,46 Milliarden auf 2,93 Milliarden verdoppelt, ohne daß das nach Arbeit suchende Kapital entsprechend zunahm. In der Folge sind die Arbeitseinkommen der Massen in den alten Industrieländern immer mehr unter Druck gekommen, wurde die Massenkaufkraft real vor allem in Deutschland vermindert und dementsprechend die Binnennachfrage und der Arbeitsmarkt negativ beeinflußt. Mit staatlichen Beschäftigungsprogrammen und anderen konjunkturstützenden Maßnahmen wäre die immer ungleichere Einkommensverteilung und die Arbeitsplatzverdrängung aus Niedrigstlohnländern nicht zu korrigieren gewesen. Auch kann man Konjunkturprogramme nicht über Jahrzehnte gegen langfristige Entwicklungen fahren, wenn die Staaten nicht in die Pleite gewirtschaftet werden sollen.


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global news 1622 16-07-09: Industriedaten für Mai unter großem Krisendruck

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Nun zeigt sich immer deutlicher in den Daten der gewerblichen Wirtschaft der Druck der Wirtschaftskrise mit immer mehr Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. So lag im Mai die Beschäftigung um 2,3 %, die Zahl der Arbeitsstunden aber bereits um 9,1 % unter dem Vorjahreswert, was die Lohn- und Gehaltssumme um 6,3 % abrutschen ließ (Abb. 04009). Für den Zeitraum Januar-Mai betrugen die Rückgänge 1,0 %, 9,4 % und 5,2 % (Abb. 14711, 14712).




Man kann sich leicht ausmalen, was ein Einbruch von bereits 6,3 % bei der Gehaltssumme für die Nachfrage und damit die Konjunktur bedeutet, wobei der eigentliche Anstieg der Arbeitslosigkeit erst noch bevorsteht. Hier verstärkt sich der Abschwung selbst. Der Verlust an Arbeitnehmereinkommen entspricht auf das Jahr gerechnet bereits 3,1 % der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Mittlerweile hat schon jeder zwanzigste Beschäftigte in Deutschland einer freiwilligen Arbeitszeitverkürzung mit nur teilweisem Lohnausgleich zugestimmt. Doch die Unternehmen können die Kurzarbeit nicht viel länger halten, auch wenn die Bodensole erreicht sein sollte, es sei denn ein sehr unwahrscheinlicher schneller Aufschwung würde einsetzten. Wer 40 Prozent seiner Aufträge verliert, muss hernach um knapp 67 Prozent wachsen, um das alte Niveau wieder zu erreichen. Das dauert dann viel länger, als man unausgelastete Kapazitäten vorhalten kann.

Nach einer Übersicht der Frankfurter Allgemeinen sind mit dem Rückgang der Rohstoffpreise nach Angaben des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung auch etwa 10.000 Stellen in der Entsorgungswirtschaft in Gefahr. Im Maschinenbau könnten nach Angaben des VDMA bis zum Jahresende 50.000 Stellen einer Streichung zum Opfer fallen. Der etwa gleich großen Elektroindustrie drohen in diesem Jahr nach den Worten von ZVEI-Präsident Friedhelm Loh 20.000 bis 30.000 Stellenverluste bei rund 180.000 Beschäftigten In beiden Branchen sind jeweils mehr als 100.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. In der Bankenbranche halten Fachleute vor allem durch die Konsolidierung - Konzentration auf weniger Institute - einen Stellenabbau von etwa 10 Prozent in diesem Jahr für realistisch, das wären fast 70.000 Stellen weniger. Der Verband der Stahlverarbeiter kündigte den Wegfall von 43.000 Arbeitsplätzen in seiner Branche an, die in 5000 Unternehmen 450.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Autoindustrie wird nach Angaben des VDA in diesem Jahr die Zahl der Mitarbeiter um 2 Prozent oder 18.000 reduzieren. Allein diese Zahlen addieren sich auf fast eine viertel Million (221.000) noch in diesem Jahr.


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global news 1621 15-07-09: Umfrage unter Finanzmarktexperten: Lagebeurteilung weiter pechschwarz

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Die letzte ZEW-Umfrage zeigt das Lagebild unverändert pechschwarz (Abb. 04588).


Und wieder rettet sich Wirtschaftsweiser und ZEW-Chef Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz in die Zukunftserwartungen. Die sind zwar bekanntlich immer unsicherer als die Beurteilung der derzeitigen Lage und zu allem Überfluß diesmal wieder zurückgefallen (Abb. 04762).


Doch kann uns Franz dennoch wieder einmal seine übliche Portion an Optimismus vermitteln:

"Die Stabilisierung der Lagebeurteilung und der Erwartungen bestätigt bisherige Prognosen, dass in diesem Jahr die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in der Größenordnung von sechs Prozent zurückgeht. Die Wachstumsraten dürften sich bis ins nächste Jahr entlang der Nulllinie entwickeln. Die Konjunktur wird voraussichtlich im Verlauf des nächsten Jahres wieder anziehen. Das ist eine gute Nachricht."


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global news 1620 15-07-09: Warum die Fed (und andere Notenbanken) den Kampf gegen die Deflation derzeit nicht gewinnen kann

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Der von mir sehr geschätzte John Mauldin hat in seinem letzten Rundbrief einen Beitrag von Van R. Hoisington und Lacy H. Hunt unter der Überschrift: "Verschuldung wirkt als Bremse der Geldmaschine". Darin wird dargestellt, warum die Fed ihren verzweifelten Kampf gegen die Deflation derzeit aus mehreren Gründen nicht gewinnen kann.

Der wichtigste Grund ist, daß - wie in Deutschland - die Liquidität bei den maroden Banken zu deren eigener Sanierung hängenbleibt. Das Volumen an Bankkrediten und kommerziellen Wertpapieren ist in den letzten Monaten mit Rekordraten gefallen (Abb. 03982). Bisher mußten in diesem Jahr schon 52 Banken geschlossen werden, viele andere sind in der Intensivstation. Die Schattenbanken sind noch schlechter dran. Mehr als 300 Hypothekenbanken sind untergegangen. Die beiden größten Fannie Mae und Freddie Mac sind unter staatlicher Insolvenzverwaltung. Zwangsversteigerungen und Nichtbedienung von Hypotheken steigen, was die Banken und ihre Hypothekenableger zu weiterem Rückzug vom Kreditmarkt zwingt. So hat extreme Verschuldung und fallende Hauswerte die besten Anstrengungen der Fed zu nichte gemacht.


Hinzu kommen andere Faktoren wie die steigende Arbeitslosigkeit mit nachlassender Zahl der Arbeitstunden (Abb. 05182). Das gilt übrigens auch für Deutschland, wo die Arbeitsstunden seit Mitte vergangenen Jahres im Zeichen von Kurzarbeit und wachsender Arbeitslosigkeit eine stark fallende Tendenz zeigen; im April lag die Zahl der Arbeitsstunden schon um mehr als 9 % unter dem Vorjahr (Abb. 14710).



Die enorme Ausweitung der Fed-Bilanz auf mehr als das Doppelte (Abb. 05174) hat weder den Kreditmarkt angekurbelt noch zu wenigstens ein bißchen Inflation geführt. Das Risiko ist also weiter Deflation, nicht Inflation.


Die Hauspreise in USA liegen nun um 33 % unter ihrem Gipfel im Juli 2006, aber immer noch um 31 % über dem Durchschnitt des Jahres 2000 (Abb. 05183). Mit weiter fallenden Hauspreisen in USA und anderswo sowie notleidenden Krediten an Unternehmen und Konsumenten kommen weitere Verluste auf die Banken zu. Dabei sind diese auch jetzt immer noch erheblich überhebelt (zu viele Anlagen im Verhältnis zum Eigenkapital). Wir sind noch längst nicht aus der globalen Krise.



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global news 1619 14-07-09: Der Euro und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Lissabon

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Der Euro ist eine absolute Kunstwährung, hinter der weder eine zentrale Wirtschafts-, noch Sozialpolitik steht. So etwas gibt es nirgendwo in der Welt. Der erste Härtetest kommt erst jetzt in der Krise. Die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone sind schon jetzt enorm: unterschiedliche Lohnentwicklungen, Inflationsraten, Steuerregeln. Eigentlich sollte das gar nicht funktionieren können. Doch der Euro lebt von der Erwartung der Marktteilnehmer, daß die Partner sich im Krisenfall immer wieder zusammenraufen und auf ein Mindestmaß an Fairness untereinander verständigen, so daß die Ungleichgewichte nur temporär sind.

Das Land, daß in Sachen Ungleichgewichte und deren brutaler Ausnützung bisher am Meisten aus der Reihe tanzt, ist Deutschland. Es hat die niedrigste Lohnentwicklung (Abb. 13724) und so auch die zweitniedrigste Inflationsrate in der Alt-EU (Abb. 13725). Das zeigt z.B. die Entwicklung der tariflichen Monatsverdienste im Vergleich mit Frankreich (Abb. 12554). Gleichzeitig hat sich Deutschland im europäischen Wettbewerb der Unternehmenssteuern durch ständige Steuersenkungen aus einer oberen Spitzenposition immer mehr nach unten bewegt (Abb. 13726).





Auf der Basis seiner so geschaffenen enormen Wettbewerbsstärke und der Unfähigkeit der Partner, sich über Wechselkursanpassungen wie früher zu schützen, hat Deutschland hohe Handelsbilanzüberschüsse hochgefahren und so Arbeitslosigkeit exportiert. Es wird nun aber bald der Zeitpunkt kommen, bei dem der Euro nur noch durch eine stärkere Integration von Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitiken vor dem Bruch gerettet werden kann. Das erfordert zentrale Steuerungskompetenzen in Brüssel.

Doch genau hier hat nun das Bundesverfassungsgericht bei den wirtschaftlichen und sozialen Lebensverhältnissen einen Riegel vorgeschoben:

"Die europäische Vereinigung auf der Grundlage einer Vertragsunion souveräner Staaten darf allerdings nicht so verwirklicht werden, dass in den Mitgliedstaaten kein ausreichender Raum zur politischen Gestaltung der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebensverhältnisse mehr bleibt. Dies gilt insbesondere für Sachbereiche, die die Lebensumstände der Bürger, vor allem ihren von den Grundrechten geschützten privaten Raum der Eigenverantwortung und der persönlichen und sozialen Sicherheit prägen, sowie für solche politische Entscheidungen, die in besonderer Weise auf kulturelle, historische und sprachliche Vorverständnisse angewiesen sind, und die sich im parteipolitisch und parlamentarisch organisierten Raum einer politischen Öffentlichkeit diskursiv entfalten. Zu wesentlichen Bereichen demokratischer Gestaltung gehören unter anderem die Staatsbürgerschaft, das zivile und militärische Gewaltmonopol, Einnahmen und Ausgaben einschließlich der Kreditaufnahme sowie die für die Grundrechtsverwirklichung maßgeblichen Eingriffstatbestände, vor allem bei intensiven Grundrechtseingriffen wie dem Freiheitsentzug in der Strafrechtspflege oder bei Unterbringungsmaßnahmen. Zu diesen bedeutsamen Sachbereichen gehören auch kulturelle Fragen wie die Verfügung über die Sprache, die Gestaltung der Familien- und Bildungsverhältnisse, die Ordnung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit oder der Umgang mit dem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis."


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global news 1618 13-07-09: Wir brauchen mal eben fast 5 Billionen Dollar für die Staatsfinanzierung der alten Industrieländer in 2009

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Derzeit sind von den Regierungen in den OECD-Ländern rund 4,8 Billionen Dollar an neuen Staatsanleihen in 2009 geplant. Das sind etwa 13 % der Wirtschaftsleistung, allerdings allein in USA 22 %, dagegen in Deutschland nur etwas mehr als 6 % (Abb. 03981). Hier zeigt sich die unterschiedliche Höhe der Konjunkturpakete recht deutlich. Die Bundesregierung will von dem amerikanischen Konjunkturanstoß profitieren, obwohl sie den immer wieder als zu groß kritisiert, und hält den eigenen dafür knapp.


Die Frage ist nun, ob die privaten Kapitalmärkte, auf denen sich auch die Wirtschaft mit ihren Investitionen und nun vor allem Refinanzierungen finanziert, das hergeben können. Da der erwartete Bedarf für Staatsanleihen weit über die Ersparnisse der Volkswirtschaften der OECD-Länder hinausgeht und auch China nur einen kleinen Teil davon wird finanzieren wollen, werden die Notenbanken vor allem in USA und Großbritannien noch viel mehr Staatsanleihen kaufen und mit der Notenpresse finanzieren müssen.


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global news 1617 12-07-09: Und jetzt die Deflation: Japanische Erfahrungen

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Eine Deflation ist für jede Volkswirtschaft eine schreckliche Sache. Denn die Konsumenten schieben dann Kaufentscheidungen in der Erwartung noch niedrigerer Preise immer weiter hinaus, so daß die Nachfrage und damit die Wirtschaftsleistung immer weiter zurückgehen und die Preise noch weiter nach unten getrieben werden. Diese Entwicklung ernährt sich von sich selbst ("feeds on itself"). Die Japaner haben sie zehn Jahre lang erfahren (Abb. 03977) und dabei eine entsprechend abgesenkte Wirtschaftsentwicklung gehabt. Auch in der Großen Depression der 30er Jahre kam es zu einer ausgeprägten Deflation. Heute fallen die Großhandelspreise in Deutschland bisher mit derzeit 9 % unter Vorjahresniveau ähnlich schnell (Abb. 03980).



Es gibt kein sicheres Rezept, um aus der Deflation herauszukommen. Die japanische Regierung und Notenbank haben seinerzeit alles versucht: Zentralbankzins bei 0 %, "quantitative easing", öffentliche Ausgaben (die Verschuldung stieg auf gigantische 170 % des BIP), Heruntertreiben des Yen, usw.. Auch jetzt versuchen Regierungen und Zentralbanken alles, was an Instrumenten bekannt ist. Sie hoffen, daß am Ende die Wirtschaft wieder anspringt und die Deflation überwindet. Auch wir sitzen nun in der "Deflationsfalle". Die enorme künstlich geschaffene Liquidität bleibt bei den Banken hängen, die damit eigenes Einkommen erzielen, indem sie entweder besser verzinste Staatspapiere kaufen oder das Geld nur mit hohem Zinsaufschlag weiterverleihen. So kommt der Kreditmarkt nicht wieder in Schwung. Das zeigt sich sehr deutlich, wenn man die amerikanische Gesamtgeldmenge darstellt und davon abzieht, was der Nichtbankenbereich an Geld hält: eine negative Entwicklung weil die von den Notenbanken hochgefahrene Gesamtgeldmenge durch den Rückgang im Nicht-Bankenbereich überkompensiert wird (Abb. 03979). Die Situation in Europa ist ähnlich.


Dabei ist auch noch zu berücksichtigen, daß durch die Krise bisher allein in USA etwa 14 Billionen Dollar an Werten vernichtet wurden und dem nur 2 Billionen an Geldschöpfung von Regierung und Notenbank gegenüberstehen.

Aus der Realwirtschaft sind auch keine raschen Verbesserungen zu erwarten. Dazu müßte zunächst eine hohe Kapazitätsauslastung erreicht werden, so daß dann die Produzenten auf wachsende Nachfrage mit höheren Preisen reagieren könnten. Doch die Kapazitätsauslastung ist inzwischen so tief gefallen, daß dieser Zeitpunkt nicht so schnell erreicht werden kann (Abb. 03978).


Also werden wir uns für einige Zeit auf das Übel der Deflation einrichten müssen. Auch evtl. wieder steigende Energie- und Rohstoffpreise werden daran nichts ändern, da die knapp gehaltenen Verbraucher dann an anderer Stelle ihres Ausgabeverhaltens die Mehrkosten wieder einsparen müssen.


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global news 1616 11-07-09: Niedriglohnbeschäftigung 2007 weiter gestiegen

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Nach einer am 9. Juli 2009 veröffentlichten Auswertung der Jahre 1995 bis 2007 des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen arbeiteten im Jahre 2007 6,5 Millionen Menschen in Deutschland für Niedriglöhne. Seitdem dürfte deren Zahl weiter erheblich gestiegen und somit fast jeder vierte Beschäftigte ein Niedriglöhner sein.

Geringverdiener erhielten im Beobachtungszeitraum in Westdeutschland durchschnittlich 6,88 Euro brutto pro Stunde, in Ostdeutschland 5,60 Euro. Damit ist der durchschnittliche Stundenlohn der Niedriglohnbeziehenden seit 2003 verbraucherpreisbereinigt gesunken, während er in den Vorjahren gestiegen war (Abb. 14709). Gleichzeitig franst das Lohnspektrum nach unten aus, Stundenlöhne von weniger als 6 Euro brutto sind längst keine Seltenheit mehr.


Unter allen abhängig Beschäftigten liegt der Anteil von Niedriglöhnen (unterhalb von zwei Dritteln des Medians) 2007 bei gut 21,5%; 1998 waren es nur 14,2 % (Abb. 14055), d.h. mehr als jede/r Fünfte arbeitete für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle (Abb. 14708). Gegenüber 1998 ist der Niedriglohnanteil in Deutschland damit um mehr als die Hälfte gestiegen.



Der Anteil von Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung am Niedriglohnbereich ist von 58,5 % (1995) auf 70,8 % (2006) deutlich gestiegen (Abb. 14058). Die immer wieder von Politik und Wissenschaft verbreitete Behauptung, Niedriglöhner seien im Wesentlichen gering Qualifizierte, trifft also nicht zu. Nimmt man die Beschäftigten mit einem akademischen Abschluss hinzu, sind mittlerweile vier von fünf Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland formal qualifiziert. Die ohne Berufsausbildung haben nur noch einen Anteil von knapp 21 %.


Für mehr siehe den neuen Schwerpunkt.


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global news 1615 11-07-09: Abmarsch in die Deflation

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Alles deutet darauf hin, daß wir die befürchtete Phase der Deflation bekommen, unter der Japan zehn Jahre lang gelitten hat. Die Großhandelspreise liegen nun 9 % unter Vorjahresniveau, die Erzeugerpreise 3,5 % und die Verbraucherpreise sind auf 0 % gefallen (Abb. 14485).


Heute wurde auch gemeldet, daß sich die Deflation in Japan mit einem Minus der Großhandelspreise im Juni von 6,6 % zurückgemeldet hat. Die Verbraucherpreise sind zuletzt um 1,1 % gefallen.

Auch in der Großen Depression der 30er Jahre kam es zu einer starken Deflation (Abb. 03924). Die Notenbanken versäumten damals, rechtzeitig mit Liquidität gegenzusteuern. Sie tun es zwar diesmal, doch die Liquidität bleibt weitgehend bei den Banken hängen und kommt nicht beim Verbraucher an.



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global news 1614 10-07-09: UN-Prognose: Immer weniger Europäer, immer mehr Asiaten und Afrikaner

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Aus der heutigen Mitteilung des Statistischen Bundesamts: Im Moment leben rund 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde, bis Anfang 2012 werden es über sieben Milliarden sein. Dies ist eines der Kernergebnisse aus den jüngsten Projektionen der Vereinten Nationen (UN). In den Vorrausschätzungen geht das "mittlere Szenario" von den am wenigsten extremen Annahmen aus. Demnach wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf über 9,1 Milliarden Menschen anwachsen.

Das Wachstum verläuft insgesamt langsamer als in den vergangenen Jahrzehnten und in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich (Abb. 07283, 07284). Der Schätzung zufolge wird die Bevölkerung Afrikas am stärksten wachsen und sich, trotz regional hoher AIDS-Raten, zwischen 2010 und 2050 von 1,03 Milliarden auf 2,00 Milliarden fast verdoppeln. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung wird im gleichen Zeitraum von 15,0% auf 21,8% zunehmen. Dagegen wird der Anteil der in Europa Lebenden, der 1950 noch 21,6% betrug, der Schätzung zufolge bis 2010 auf 10,6% und bis 2050 auf 7,6% gesunken sein. In Europa lebten Mitte des vergangenen Jahrhunderts 547 Millionen Menschen. 2010 werden es laut UN-Schätzung rund 733 Millionen und 2050 nur noch 691 Millionen sein. Europa ist der einzige Kontinent, für den in Zukunft mit einer schrumpfenden Bevölkerung gerechnet wird.



Der Vorausberechnung zufolge wird Indien nach 2025 China als bevölkerungsreichstes Land ablösen. Während für China für 2010 eine Einwohnerzahl von rund 1,35 Milliarden erwartet wird, schätzen die UN die indische Bevölkerung noch um 140 Millionen kleiner ein. Im Jahr 2050 werden der Schätzung zufolge rund 1,42 Milliarden Menschen in China und rund 1,61 Milliarden Menschen in Indien leben.


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global news 1613 10-07-09: Es sind die Großbanken, die auf der Kreditbremse stehen

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Ausgerechnet die Großbanken, die sich des besonderen Schutzes der Bundesregierung und des Steuerzahlers erfreuen, stehen auf der Kreditbremse. Im Mai lag das Bestandsvolumen der Kredite an Nichtbanken bei den Großbanken schon um 13,0 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 03975), bei Krediten bis zu einem Jahr sogar um 24,8 % (Abb. 03974, 03975).




Auch das Gesamtvolumen an Krediten fiel seit Oktober um 1,9 %, wobei der starke Abstieg bei den Großbanken von einem viel schwächeren von nur 0,8 % bei den anderen Banken gebremst wurde.


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global news 1612 10-07-09: Immer weniger arktisches Winter-See-Eis

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Nach Messungen mit einem Nasa-Satelliten hat das Volumen des arktischen Eises in nur vier Jahren zwischen 2004 und 2008 um 57 Prozent abgenommen. Dabei macht der drastische Rückgang des langlebigen, älteren Eises, das im Sommer nicht taut, besondere Sorgen (Abb. 07281). Die Menge dieses Eises, das zumindest einen Sommer überstanden hat, ist um 42 Prozent zurückgegangen.


Seit 2004 ist die Eisschicht jährlich um knapp 18 Zentimeter dünner geworden und über die gesamte Zeit von vier Jahren 67 Zentimeter (Abb. 07282).


Schon in 30 Jahren könnten die Sommer komplett eisfrei sein. Dann wird eine gefährliche Rückkopplung befürchtet: Je weniger weißes Eis vorhanden ist, umso mehr Wärmestrahlung fängt der dunkle Ozean auf. Das beschleunigt dann die Erwärmung der Arktis weiter.


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global news 1611 10-07-09: IWF: 2010 weiterer Wirtschaftsrückgang für Deutschland, Exporte stagnieren im Mai auf stark abgesenktem Niveau

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In seinem neuesten Wirtschaftsausblick sagt der IWF Deutschland mit minus 0,6 % auch für nächstes Jahr einen weiteren Wirtschaftsrückgang voraus, die schlechteste Entwicklung unter vergleichbaren Landern (Abb. 13723).


Neue Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, daß der deutsche Export im Mai bei 0,3 % gegenüber April auf stark abgesenktem Niveau stagniert (Abb. 14707). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt 24,5 % (Abb. 14631). Das hält die Tagesschau nicht davon ab, unter der Überschrift "Exporte ziehen wieder an" zu berichten.



Auch der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft liegt nach einem leichten Anstieg im Mai um 19 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 04910, 14564).




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global news 1610 11-07-09: Kredittätigkeit der Banken: Da fehlen mal eben 8,7 Billionen Dollar

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Derzeit wird um den Globus herum in den alten Industrieländern diskutiert, warum trotz der immensen künstlichen Liquiditätschöpfung von Notenbanken und Regierungen die Banken nicht endlich zu einer normalen und in der Krise umso wichtigeren Kreditgewährung zurückfinden. Denn nur so wäre das Unheil der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre zu vermeiden oder wenigstens abzukürzen. Hier sind zwei Erklärungen, die zusammengehören. Erstens ist mit den Verbriefungen (securitisation) die Maschine ausgefallen, die es den Banken bis zur Krise erlaubt hat, die Kredite weiterzuverkaufen und damit neue vergeben zu können, ohne an die Eigenkapitalgrenzen zu stoßen (Abb. 03971, 03972). Ungefähr 8,7 Billionen Dollar an Finanzanlagen sind derzeit global über Verbriefungen finanziert. Die werden fällig, können aber nicht durch neue Verbriefungen ersetzt werden.



In 2009 sind bisher in USA kaum neue Verbriefungen erfolgt (Abb. 03973). Der Umfang der am amerikanischen Markt noch ausstehenden vermögenshinterlegten Papiere (ABS) fällt immer weiter (Abb. 03715).



Zweitens müssen die Banken von den hohen Bilanzvolumina herunter, die für das verbliebene Eigenkapital viel zu hoch sind. Schon in einer normalen Rezession verkürzen sich die Bankbilanzen um etwa 7 %, wie der IWF herausgefunden hat. Bisher aber sind z.B. in der Eurozone die Anlagen der Banken, zu denen die Kredite gehören, erst um 2,4 % gefallen. Der Fall begann auch erst im Januar dieses Jahres (Abb. 03970). In Deutschland sind die Kreditvolumina erst um 0,5 % gefallen. Allerdings zeigt sich jetzt eine sehr deutliche Abwärtsbewegung in der Eurozone insgesamt (Abb. 03969).



Der noch bevorstehende weitere steile Fall in der Kredittätigkeit deutscher Banken und die Unmöglichkeit, mit Verbriefungen Raum für neue Kredite zu schaffen, erklärt, warum Minister Steinbrück - allerdings vergeblich - versucht hat, seine EU-Kollegen für eine Verwässerung der Basel-II Regeln für die Eigenkapitalvorschriften der Banken zu gewinnen.


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global news 1609 09-07-09: Produktion in der gewerblichen Wirtschaft: -18,1 % gegenüber Vorjahr

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Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im Mai vorläufigen Angaben zufolge1 gegenüber April preis- und saisonbereinigt um 3,7 % angestiegen (Abb. 04306). Ihren Vorjahresstand unterschritt die Produktion im Produzierenden Gewerbe Mai um 18,1 % und im April/Mai jeweils arbeitstäglich und saisonal bereinigt um 20,1 %.


Im Vormonat war die Produktion um 2,6 % zurückgegangen. Es wurde also nicht viel mehr als der Verlust des vergangenen Monats gut gemacht. Ein kleines Häkchen nach oben und schon jubeln die Medien. SPIEGEL-online: "Deutschlands Industrie macht einen mächtigen Satz aus der Krise: Die Produktion der Unternehmen ist im Mai um mehr als fünf Prozent gewachsen - so stark, wie zuletzt im Boom nach der Wiedervereinigung."


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global news 1608 09-07-09: Minuten bis zur "Kernschmelze" des deutschen Bankensystems

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Ein Protokoll der Verhandlungen, die vom 26. September bis in die Nacht des 29. Septembers dauerten, zeigt, daß Deutschland nur Minuten von der Kernschmelze des Bankensektors trennten. Die Bundesregierung erschien mit StS Asmussen erst gegen Ende der Verhandlungen am 29. September um 17.05, obwohl die anderen Teilnehmer immer wieder nach der Teilnahme der Bundesregierung gerufen hatten. Ackermann nahm dann mehrfach direkt mit Steinbrück Kontakt auf.

Hier die spannendsten Passagen aus dem Protokoll zum Herunterladen. Das gesamte Protokoll ist hier verfügbar.

Aus dem damals erwarteten Verlust von "im schlimmsten Fall" 15 bis 25 Mrd Euro (so damals Ackermann) sind inzwischen Hilfen des Bundes und der Bankenbranche von 102 Milliarden Euro geworden und jetzt drohen weitere Mrd-Verluste. Alles über 8,5 Mrd Euro trägt der Bund allein. Die von der Bankenaufsicht zugelassene Eigenkapitalquote hatte bei nur 2,5 % gelegen. Wurde in der Notsitzung vom September 2008 von Steinbrück die Verstaatlichung noch abgelehnt, so ist die HRE heute praktisch verstaatlicht. Mehr zum Fall Steinbrück/Asmussen hier.

Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel und im Buchhandel bestellt werden kann, siehe hier.


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global news 1607 08-07-09: Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 7,1 % (seit Dezember 08: 33 %)

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Wie zu erwarten, steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen unter dem Druck der Krise immer weiter an (Abb. 14602). Im April kam es bereits zu rund 3.000. Seit dem Tiefstpunkt im Dezember 2008 sind die monatlichen Insolvenzen der Unternehmen bereits um ein Drittel gestiegen, was auf das Jahr hochgerechnet einer Verdoppelung entspricht.



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global news 1606 08-07-09: Leichte Erholung bei den Industrie-Aufträgen von sehr tiefem Niveau

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Auch im Mai haben sich die Industrieaufträge weiter leicht erhöht (Abb. 04569). Allerdings liegen die Aufträge immer noch um 35 % (Inland 31 %, Ausland 38 %) unter dem Niveau vom November 2007. Schon der Aufbau der heruntergefahrenen Lager verlangt einen Wiederanstieg der Aufträge. Starke Impulse erhielt erneut der Wirtschaftszweig "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen", der von deutschen und anderen europäischen Abwrackförderungen profitiert.


Allerdings überzeichnet der Index offensichtlich die Entwicklung seit der Jahrtausendwende erheblich, wenn man mit dem Index der Produktion, die dann tatsächlich stattfindet, vergleicht (Abb. 14706). Offensicht wurden viele Aufträge in den Büchern gehalten, die nur immer weiter vorgeschoben wurden, aber nie zur Produktion kamen. Die vor allem dürften dann in der Krise gestrichen worden sein. Wir sollten also den morgen veröffentlichten Produktionsindex abwarten, um ein klareres Bild zu bekommen.



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global news 1605 07-07-09: Deutsche Rohstahlproduktion im Juni: minus 41 %

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Die deutsche Rohstahlproduktion hat sich zwar ein bißchen erholt, liegt aber immer noch 41 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 14656).



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global news 1604 06-07-09: Wie deutsche Banken Staatspapiere bunkern und die Buchkredite an Wirtschaft und Verbraucher zurückfahren

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Die EZB hat den Banken erneut massive billigste Liquidität bereitgestellt: 442 Mrd Euro zu 1 % Zins auf 1 Jahr. Doch die Liquidität kommt bei den kreditbedürftigen Unternehmen nicht an und so gehen immer mehr in den Konkurs. Die enorme Liquiditätsschöpfung der Zentralbanken hatte - anders als in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre - das Zusammenbrechen des Kreditmarktes verhindern sollen.

Obwohl der Bedarf viel größer geworden ist, denn anders als in der Vergangenheit können sich die deutschen Unternehmen derzeit nicht mehr hauptsächlich aus ihren Gewinnen finanzieren, stagniert die Ausgabe von Buchkrediten. In den ersten 5 Monaten dieses Jahres kamen nur kümmerliche 1,7 Mrd Euro hinzu, ein Anstieg um 0,06 % (Abb. 03968). Berücksichtigt man dabei noch, daß die Banken jetzt viele Kreditlinien bedienen müssen, die sie noch vor der Krise den Unternehmen zugesagt haben, so dürfte die Zahl neuer Kredite eher abgenommen haben.


Dagegen parkten die Banken immer mehr Liquidität profitträchtig in erheblich höher finanzierten Staatspapieren. Das Volumen der in ihren Bilanzen gehaltenen derartigen Papiere stieg in den ersten 5 Monaten dieses Jahres um mehr als 5 Mrd Euro oder 3,7 %, und das war noch vor der letzten massiven Liquiditätsspritze. Seit September letzten Jahres sind sogar schon mehr als 8 % dazugekommen.

Wann endlich wird den Banken der Zugang zu deutschen Staatspapieren mindestens solange gesperrt, wie sie die billige Liquidität der EZB in Anspruch nehmen? Es darf nicht sein, daß die Banken sich mit der Zinsdifferenz selbst sanieren und die Wirtschaft hängen lassen.


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global news 1603 05-07-09: Warum die herbeigeredeten grünen Sproßen schon wieder verwelken

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Weniger als drei Monate dauerte ein kleines Zwischenhoch an der Börse. Das ließ Politiker und Medien mächtig von der nun erreichten Talsole reden. Der einzige Beweis waren zweifelhafte Umfragewerte, wobei die Antworten nach dem Motto ausfielen "es muß ja auch wieder aufwärts gehen". Statt eines radikalen Umdenkens sollte Psychologie den Aufschwung herbeizaubern. Doch dann ging es zuletzt wieder abwärts (Abb. 03712).


Schlechte Arbeitsmarktdaten und andere Unsicherheiten drängten nach vorn. Es ist immer noch wie damals bei der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, nur bisher schlimmer. Nach 16 Monaten Krise hatte der Dow damals etwa 35 % seines Wertes verloren. Heute ist der Dax bei 41 % nach genau demselben Zeitablauf (Abb. 03950).


Die Aktienmärkte unterliegen zwar Spekulationen, können sich aber am Ende nicht von der Gewinnerwartung der Unternehmen und den zu erwartenden Dividendenerträgnissen abkoppeln. Und da sieht es derzeit schlecht aus. Die Gewinne sind im fast senkrechten Fall, nachdem sie z.B. in USA zwischen 1980 und 2007 den steilsten Aufstieg seit der Großen Depression der 30er Jahre erfahren hatten (Abb. 03967). Auch die Dividendenzahlungen nahmen den steilsten Aufstieg (Abb. 03900), was sich nun jetzt brutal umdrehen wird.



Der sich in USA und anderswo ausbreitende Beschäftigungseinbruch dämpft den Konsum und damit die Absatzchancen der Unternehmen gewaltig (Abb. 05097). So brechen vor allem in Deutschland Export und Industrieproduktion viel steiler weg als in den 30er Jahren (Abb. 03947, 03946).



Alle Versuche die Lage schönzureden stoßen sich immer wieder an den harten Fakten. Vor allem ist es bisher genauso wenig wie in den 30er Jahren gelungen, den Kreditmarkt ausreichend wiederzubeleben, so daß zusätzliche Investitionsbremsen der Unternehmen verschwinden oder kreditverschuldete Unternehmen überleben können.

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global news 1602 04-07-09: Bei 23 % weniger PKW-Export fällt Produktion trotz Abwrackprämie um 10 %

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Die Juni-Zahlen des deutschen PKW-Sektors zeigen zwar Dank Abwrackprämie eine Steigerung der Zulassungen um 40 %, davon 37 % für deutsche Marken. In denen zählen jedoch auch die von deutschen Unternehmen im Ausland produzierten PKW, und die sind gerade bei der Abwrackprämie in den unteren Preiskategorien stark vertreten (Abb. 14646).


So geht die Produktion gegenüber Vorjahr um 10 % zurück, wobei der Export erneut um 23 % einbricht (Abb. 14640).



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global news 1601 03-07-09: Tiefer Einbruch auch im deutschen Dienstleistungsbereich

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Auf Jahresrate gerechnet ist der Umsatz im deutschen Dienstleistungsbereich im 1. Quartal 2009 um 12,4 % eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet (Abb. 14704).


Besonders betroffen sind Information und Kommunikation mit 30 %, Verkehr und Lagerei mit 20 % sowie wirtschaftliche Dienstleistungen mit 15,6 % (Abb. 14705).



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global news 1600 03-07-09: Die Eurostatdaten zeigen Deutschland auf dem Wege von der Sozialen Marktwirtschaft zur neoliberalen Spitzengruppe

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Eurostat hat in einer neuen Fassung vom 15. Juni 2009 die Ginikoeffizienten der EU-Länder bis 2007 veröffentlicht. Sie zeigen, wie Deutschland mit wachsender Ungleichheit der Einkommensstruktur in den letzten Jahren zur neoliberalen Spitzengruppe mit Großbritannien, Spanien und Italien aufgeschlossen und im Vergleich zu Frankreich den umgekehrten Weg eingeschlagen hat (Abb. 13722). Es ist ein Dokument der Aufgabe des traditionellen Sozialmodells der Sozialen Marktwirtschaft.



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global news 1599 03-07-09: Die Sintflut nach den Wahlen

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Eine ziemlich unverantwortlich handelnde Politikerklasse der Regierungsparteien, auch noch unter Lobby-Druck, hat alle Entlastungmaßnahmen genau so eingerichtet, daß sie gerade noch vor den Wahlen greifen, z.B. die danach auslaufenden Subventionen für Kurzarbeit und das Abwracken von eigentlich noch ordentlichen PKWs (ohne Umweltauflagen für den Ersatz) oder nun die Entlastung der Bankaktionäre und Bank-Anleihezeichner durch ein nachgebessertes Bad-Bank-Konzept. Andererseits wurden alle bitteren Pillen, wie massive Steuererhöhungen, bis nach den Wahlen aufgeschoben. Das ist eine echte Politik des "Nach meiner Wiederwahl die Sintflut".

Das Kurzarbeitergeld läuft nach 24 Monaten aus. Ende 2010, wenn die Arbeitslosigkeit ihren vorausgesagten Höhepunkt mit über 5 Millionen Arbeitslosen erreichen wird, wird ein großer Teil des Programms schon im Auslaufen sein. Verdient haben daran nicht zuletzt die Arbeitgeber, denen bei der Nachbesserung alle Sozialbeiträge erlassen wurden. Dagegen sind die vor den Wahlen beschlossenen Konjunkturpakete viel zu klein, um die Katastrophe am Arbeitsmarkt nach den Wahlen zu verhindern. Nach Prognose der OECD wird Deutschland 2010 mit 11,6 % die höchste Arbeitslosenquote aller größeren Industrieländer (G7) haben (Abb. 13720).


Die Abwrackprämie, die total irreführend von der Bundesregierung als "Umweltprämie" bezeichnet wird, läuft im Februar 2010 aus, also noch weit vor dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit. Volkswagen rechnet daher im kommenden Jahr mit einem herben Absturz der Neuzulassungen in Deutschland. Bis zu eine Millionen Fahrzeuge dürften 2010 weniger verkauft werden. Grund ist das Auslaufen der Abwrackprämie. Nach VW sind 30 Prozent der aus der Umweltprämie generierten Verkäufe vorgezogen. Die gehen dann in 2010 von dem abgesenkten Niveau noch zusätzlich ab. Ohnehin hat die Absatzprämie in erster Linie dem Verkauf von im Ausland produzierten Kleinwagen gedient (Abb. 14646). Einer neuen Studie zufolge machen VW, Opel und Co. pro verkauftem Auto im Schnitt 1800 Euro Verlust. Laut Studie schwebten im vergangenen Jahr bereits 22 Prozent der europäischen Zulieferer in Insolvenzgefahr, Ende dieses Jahres könnten es 30 bis 50 Prozent sein.


Die Verschuldung Deutschlands baut sich nun dramatisch auf. 507 Milliarden Euro müssen sich Bund, Länder und Gemeinden laut "Handelsblatt" bis 2013 leihen. Deutschland muss damit so viele Schulden wie noch nie machen. Kommende Woche soll der Finanzplanungsrat die Rekordsumme absegnen. Insgesamt würde die deutsche Verschuldung damit auf bis zu zwei Billionen Euro anschwellen. Das wären 81 % der jährlichen Wirtschaftsleistung (der IWF erwartet bis 2014 sogar 91 %, Abb. 04065). Bei einem Zins von vier Prozent müßte der Staat dann jährlich 80 Milliarden Euro Zinsen zahlen - das entspricht etwa einem Sechstel der gegenwärtigen Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden. Dennoch verspricht eine unverantwortliche Politik Steuersenkungen.



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Wirtschaftsstandort

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