Reihe 56 ab 16-04-09 ... ...

(1568) Wasserschaden nach der Fed-Feuerwehr?

(1567) Zur Unternehmensfinanzierung in schwierigen Zeiten

(1566) Tragen die falschen Wirtschaftspolitiken von China und Deutschland die Hauptschuld an der globalen Krise?

(1565) Auch der Industrieumsatz zeigt mit minus 23,2 % noch keine „Bodenbildung"

(1564) Deutsche Industrieproduktion minus 24,1 % im April, soll das „Bodenbildung" sein?

(1563) Neue Schockmeldung: Die Exportspekulation geht gründlichst daneben

(1562) Deutschland „down and out"?

(1561) Industrieaufträge und OECD-Indikatoren: Noch keine Krisenentspannung bei Deutschland

(1560) Der deutsche wissenschaftliche Nachwuchs per Habilitation in Naturwissenschaften und Mathematik bricht weiter ein

(1559) Armes Europa: Statistische Bilder von der Europawahl

(1558) Die soziale Entgleisung seit 2002

(1557) Vom Fluch der deutschen Exportabhängigkeit

(1556) Größter monatlicher Zuwachs an Arbeitslosen in USA

(1555) Privater Verbrauch (neben Export) weiterhin Achillesferse der deutschen Wirtschaft

(1554) Trotz aller Versprechen: Auch der deutsche Export nach China bricht ein

(1553) Immer noch falsche Propaganda mit der Abwrackprämie

(1552) Der neueste statistische Trick zum Verschwinden von Arbeitslosen

(1551) Warum die Krise noch längst nicht zu Ende ist

(1550) Wie brasilianische Rinder den Regenwald am Amazonas fressen und wir mit Fleisch und Leder versorgt werden

(1549) Warnung von der Bondfront

(1548) Die große Krise damals und jetzt

(1547) 39 % haben in Deutschland weniger als 860 Euro für unerwartete Ausgaben flüssig

(1546) Die ärgerliche Komplizenschaft von Eurozone-Regierungen, EZB und Banken zu Lasten des unwissenden Steuerzahlers

(1545) Weiter Negativtrend im Einzelhandel

(1544) Auftragseingang im deutschen Maschinenbau April 2009 - Real minus 58 % gegenüber Vorjahr




global news 1568 12-06-09: Wasserschaden nach der Fed-Feuerwehr?

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Die amerikanische Notenbank hat den Flächenbrand der Finanzkrise bisher mit etwas mehr als 1,2 Billionen Dollar zu ersticken versucht (Abb. 05174. 05175). Dazu kommt das gigantische Haushaltsdefizit der Regierung von mehr als 1,8 Billionen Dollar in diesem Jahr (Abb. 05087). Es war eine Lehre aus der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, als die Notenbanken viel zu spät Liquidität einschossen.




Nun wachsen die Ängste vor Wasserschäden und treiben die Zinsen für Staatsanleihen immer höher, in diesem Jahr schon von wenig über 2 % auf fast 4 % bei der 10-Jahres-Anleihe (Abb. 03944). Dazu trägt auch die neu gefundene Attraktivität der Aktienmärkte bei, die die Regierung zwingt höhere Zinsraten anzubieten. Das allerdings treibt dann auch wieder die Zinsen für Hypotheken, Verbraucherdarlehen und die Unternehmensfinanzierung in die Höhe und bremst so den gesuchten Effekt der Stabilisierung. Im Ergebnis zeigen sich die Grenzen der Feuerwehr sehr deutlich.



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global news 1567 12-06-09: Zur Unternehmensfinanzierung in schwierigen Zeiten

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Heute erreichte mich eine sehr freundliche Beurteilung meines letzten Buches „Die zweite Große Depression": „Sie haben in kurzer Zeit ein brillantes Buch von hoher Aktualität geschrieben, dafür meinen herzlichen Glückwunsch. Schade, dass es nicht in einem der großen Taschenbuchverlage mit hohen Auflagen erscheint. Dem Buch (vielleicht einer aktualisierten Neuauflage?) wäre unbedingt eine große Verbreitung zu wünschen." Daran waren zwei Fragen zur Finanzierung der Unternehmen über Ausgabe von Aktien und durch Kredite geknüpft, die ich hier mit meinen vorsichtigen Antworten wiedergeben möchte, weil es um die wichtige Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft geht.

„In welchem Umfang trägt die heutige Börse überhaupt noch zur Unternehmensfinanzierung im klassischen Sinne bei, wie wir es im Studium gelernt haben, also zur Finanzierung realer Investitionen? Ich habe einen amerikanischen Freund gefragt und er mailte: I still don't have a percentage, but feel quite confident that almost none is a fair approximation. Wie hoch ist Ihre Schätzung?"

Dazu meine Antwort: „Wahrscheinlich hängt die Ausgabe echt neuer Aktien zur Finanzierung von Investitionen von mindestens vier Faktoren ab: (1) dem Bedarf im Sinne der Investitionstätigkeit der Unternehmen, der von der Nachfrage und der Konjunktur generell abhängig ist, (2) der Gewinnlage der Unternehmen, die die alternative und billigere Finanzierung aus Gewinnen ermöglicht (so besonders in Deutschland vor der letzten Krise bei hohen Unternehmensgewinnen), (3) die Attraktivität alternativer Finanzierungen über Anleihen und Bankkredite und schließlich (4) die Lage an den Börsen im Sinne des Interesses potentieller Investoren. Ich kann diese Faktoren leider nicht zuordnen und bin auch kein Experte in dieser Frage. Jedenfalls ist das Volumen an globalen Neuemissionen schon bis 2008 erheblich zurückgefallen (Abb. 03959). In den ersten 4 Monaten 2009 soll das Volumen von Neuemissionen in USA um 28,4 % gegenüber Vorjahresperiode gefallen sein.


„Gibt es wirklich empirische, belastbare Hinweise auf eine derzeitige "Kreditklemme", von der so viel geredet wird?"

Es scheint in Deutschland inzwischen Anfänge einer allgemeinen Kreditklemme zu geben, sonst hätte der Bund nicht das große Alternativprogramm bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau von 40 Mrd Euro aufgelegt. Die Frage ist nur, wie flächendeckend diese Klemme ist. Dazu gibt es offensichtlich keine genaue Statistik. Doch der Chefökonom der KfW meint: „Anzeichen dafür gibt es in der Tat. Da es keine verlässliche Statistik über die Neuvergabe von Krediten gibt, berechnen wir diese in unserem vierteljährlichen Kreditmarktausblick. Die Wachstumsraten der Kreditneuvergabe an Unternehmen und Selbständige sind etwa seit einem knappen Jahr stark rückläufig. Im vierten Quartal 2008 stieg das Volumen neuvergebener Kredite gegenüber Vorjahr noch mit rund fünf Prozent und diese Veränderungsrate wird im Trend wahrscheinlich noch weiter abnehmen. Wenn gleichzeitig die Kreditnachfragen der Unternehmen bei den Banken anziehen - wie das die Kreditinstitute gemäß der letzten Bundesbank-Umfrage selbst erwarten - dann wäre ein Szenario für eine Kreditklemme gegeben. Auch die vierteljährlichen Banken-Befragungen der Bundesbank zeigen, dass im Laufe des Jahres 2008 die Finanzierungssituation für alle Unternehmen erheblich schwieriger geworden ist. Die Banken haben die Risikomargen stark erhöht und die Bedingungen für die Vergabe deutlich verschärft."

Allerdings stellt sich die Bundesbank vor die Banken und sah zuletzt im Mai keine Anzeichen für eine Kreditklemme in Deutschland. Zwar hätten die Banken ihre Standards für die Kreditvergabe an Unternehmen seit Mitte 2008 deutlich verschärft. Das sei aber eine normale Reaktion in einer rezessiven Phase.


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global news 1566 11-06-09: Tragen die falschen Wirtschaftspolitiken von China und Deutschland die Hauptschuld an der globalen Krise?

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Sucht man nach den Ursachen der Krise, kommt man an der Frage nicht vorbei, woher die irrsinnige Liquidität gekommen ist, die die Kreditblase immer weiter aufgeblasen hat. Sicher haben die Banken mit unsinnig hohen Hebelraten gearbeitet und damit viel mehr Kredit geschaffen als längerfristig seriös verkraftbar. Sicher haben die Zentralbanken, vor allem die Fed, den Zentralbankzins zu lange zu niedrig gehalten und damit die Kreditaufnahme geschmiert. Sicher hat die Verbriefung und der internationale Handel von Schulden das Risiko verschleiert. Doch auch diese Elemente sind alle nur vordergründig und erklären nicht, warum Geschäftsbanken und Zentralbanken plötzlich die Kreditschöpfung betrieben bzw. erleichtert haben und warum Geschäftsbanken zur globalen Verbreitung des Risikos übergegangen sind.

Langsam kommen Antworten auf diese Fragen. Einige besonders wichtige habe ich in meinem Buch „Die zweite Große Depression" aufgegriffen, besonders die enormen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte aus den Leistungsbilanzen und aus der Einkommensverteilung. Auch die Financial Times mit ihrem Chef-Ökonomen Martin Wolf geht immer wieder den weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten als den eigentlichen Ursachen der Krise nach, wie jetzt wieder in ihrer heutigen Ausgabe. Wolf bezieht sich dabei auch auf eine neue Untersuchung von Goldman Sachs vom 27. 5. 2009 „The Savings Glut, the Return on Capital and the Rise in Risk" (ähnlich Goldman Sachs: „ Avoiding Another Meltdown, März 2009). Daraus ein kurzes Zitat:

„Imbalances in the real economy that built up over the past decade forced the global financial system to absorb enormous amounts of excess liquidity. Two factors drove the global savings glut: the sharp rise in Asian foreign-exchange holdings in the wake of the 1997-1998 Asian crisis; and soaring oil prices that filled the coffers of the oil-exporting countries. The problem was not the savings themselves, but the magnitude and speed of their accumulation, which overwhelmed efforts to allocate them efficiently. These excess savings vastly exceeded domestic investment opportunities in the emerging markets that were generating the capital. Accordingly, they flowed instead into the open markets of developed countries, particularly housing markets. Excess liquidity also found weaknesses in the regulatory system - weaknesses that did not become apparent until it was too late."

Der kritische Finger von Wolf zeigt besonders auf China und Deutschland und einige andere Länder mit ihren horrenden Leistungsbilanzüberschüssen und entsprechend hohen volkswirtschaftlichen Sparraten. Ebenso hat der heutige Fed-Chef Bernanke schon 2005 in einem Vortrag unter dem Titel „The Global Saving Glut and the U.S. Current Account Deficit" die Ungleichgewichte der Überschußländer in Asien für eine Sparflut Richtung USA verantwortlich gemacht. Auch der damalige Fed-Chef Greenspan verweist in seinen Memoiren jetzt auf die enormen in USA angelegten chinesischen Überschüsse (Abb. 03958), die die Zinsraten in USA nach unten getrieben hätten, und auf die chinesischen Billigstexporte, die die Inflationsrate in USA im Schach gehalten und damit der Fed die Argumente für Zinsanhebungen genommen hätten.


China und Deutschland als die Hauptüberschußländer haben ihre Leistungsbilanzen in der Tat seit 2002 bis zum Ausbruch der Krise in 2007 explosionsartig nach oben getrieben (China auch weiter seitdem). Kumuliert waren das allein in den sechs Jahren 2002 bis 2007 mehr als 1,7 Billionen Dollar (Abb. 03955). Deutschland muß seit der Krise zwar einen Einbruch verkraften, hofft aber entsprechend den Erklärungen von Bundeskanzlerin Merkel, zu seiner einseitigen Exportrolle nach Ende der Krise zurückzufinden.


Die hohen Sparraten in den Überschußländern waren das Ergebnis der Vorfahrt des Exports vor dem internen Verbrauch und der Verteilung von immer mehr Einkommen an diejenigen Bevölkerungskreise, die ohnehin schon fast alle Verbrauchs- und Gebrauchsgüter im Überfluß haben, sowie besonderer Sparleistungen alternder Bevölkerungen. Die hohen Sparraten trieben mit der Überflutung der Finanzmärkte die Erträge aller Arten von Anlagen in Schuldpapieren noch weiter nach unten, in USA selbst noch, als die Fed den Zins anhob (Abb. 03956). Entsprechend stiegen die Erträge aus Sachwerten, zu denen vor allem die Immobilien zählen (Abb. 03957).



Auf den Finanzmärkten wichen die Anleger bei fallenden Erträgen immer mehr in von den Banken vermittelte Papiere mit höheren Risiken aus, bei denen höhere Erträge möglich waren. Gleichzeitig verwässerte der starke Liquiditätszufluß die Qualität der Hypothekenvergabe in USA und anderswo. Die Nachfrage nach Papieren mit höheren Erträgen war global und wurde über die Verbriefung und den internationalen Handel von Schuldpapieren gedeckt. Sehr viel dieser Papiere ging in das besonders stark sparende Deutschland, wobei die deutschen Banken die Papiere kauften und durch Ausgabe von Anleihen an wohlhabende deutsche Sparer finanzierten (Mindesteinsatz per Anleihe der Deutschen Bank 50.000 Euro!). Der Infarkt der Weltfinanzmärkte wurde am Ende unvermeidlich, zumal auch noch die Bankenaufsicht versagte.

Martin Wolf sieht daher nur zwei Auswege aus der derzeitigen Krise. Entweder die Schuldnerländer, vor allem USA, Großbritannien und einige in der Eurozone können sich durch eigenen Export aus der Verschuldung herausarbeiten und das verlangt ein Umschalten der Überschußländer auf weniger Export und mehr interne Nachfrage mit mehr Import. Oder es kommt zu einer konkursartigen Entwertung der Auslandsforderungen gegen die Schuldnerländer. Martin Wolf wird wohl recht haben. China und Deutschland und andere Überschußländer müssen wählen zwischen einer wirksamen Umschichtung auf Binnennachfrage oder einigen Konkursen von Schuldnerländern bzw. einer globalen Inflation, die die Auslandsforderungen der Überschußländer entwertet und so die Verschuldung auflöst. Solange die Überschußländer dazu nicht bereit sind, hilft auch das Jammern über die Liquiditätsschöpfung der Schuldnerländer und ihrer Notenbanken und die damit verbundenen Inflationsgefahren - siehe Kritik der Bundeskanzlerin an Fed, BoE und EZB - sehr wenig.


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global news 1565 11-06-09: Auch der Industrieumsatz zeigt mit minus 23,2 % noch keine „Bodenbildung"

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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ging der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe im April 2009 arbeitstäglich- und preisbereinigt um 23,2% gegenüber dem April 2008 zurück. Der Inlandsumsatz nahm im Vergleichszeitraum um 17,3% ab; noch stärker brach der Auslandsumsatz mit - 29,8% ein (Abb. 04910). Das Gesamtbild von Aufträgen, Produktion und Umsatz zeigt Abb. 14564.



Innerhalb der umsatzmäßig wichtigsten Wirtschaftszweige ging bei den Produzenten von Kraftwagen und Kraftwagen­teilen der preisbereinigte Umsatz im April 2009 mit 37,2% am stärksten gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei verringerte sich der Inlandsumsatz trotz Abwrackprämie um 19,0% und das Geschäft mit ausländischen Abnehmern um 48,0%.

Auch wird heute bekannt, daß es im ersten Quartal 2009 zu 7.712 Unternehmensinsolvenzen gekommen ist. Das sind 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im März stieg die Zahl um 31 %, was die Tendenz andeutet.


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global news 1564 10-06-09: Deutsche Industrieproduktion minus 24,1 % im April, soll das „Bodenbildung" sein?

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Die heute veröffentlichten Daten zur Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft im April sind alles andere als gut. Das Gesamtergebnis liegt um 21,6 % unter dem Vorjahresmonat, bei der Industrie um 24,1 % und bei dem Paradebereich der Investitionsgüter sogar um 30,0 %. Gegenüber dem Vormonat März lagen die Werte damit um 1,9 %, 2,9 % bzw. 6,4 % niediger (auf Jahreswert gerechnet sind das Rückgänge von 22 %, 34 % bzw. 77 %). Die Industrieproduktion ging allein über die letzten acht Monate um 24 % zurück, was einer Jahresrate von 36 % entspricht. Das ist schlicht katastrophal. Von Bodenbildung oder Ende des Absturzes ist da keine Spur (Abb. 04306).


Doch was macht der Bundeswirtschaftsminister in seiner Presseerklärung daraus? Er spricht von einer „merklich abgeschwächten Abwärtsdynamik", die auch unter der Lupe nicht zu erkennen ist, und verweist auf positive Produktionsimpulse im Baugewerbe, das das Gesamtergebnis allerdings nur wenig beeinflußt und von der künstlichen Nachfrage aus dem Konjunkturpaket für öffentliche Arbeiten profitiert. Und dann müssen wieder die Stimmungsindikatoren herhalten, um die Situation zu verschönern. Dabei sind auch die, was die aktuelle Lage angeht im Mai weiter gefallen (Abb. 04731).


Nach allen diesen Kunststücken kann der Bundeswirtschaftsminister nun „Bodenbildung" ausmachen. Hier der Schlußabsatz der Presseerklärung:

„Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist angesichts der Belastungen aus der vormals schwachen Bestelltätigkeit weiter abwärts gerichtet. Die Abwärtsdynamik hat sich aber merklich abgeschwächt. Während vom Baugewerbe positive Produktionsimpulse ausgehen, entwickelt sich vor allem die industrielle Erzeugung noch schwach. Die Chancen für eine absehbare Bodenbildung der Industrieproduktion haben sich angesichts der Stabilisierung der Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen und der Tendenzwende bei den Stimmungsindikatoren verbessert."

Ähnlich lief es übrigens gestern mit den neuesten Auftragszahlen (Abb. 04569). Da hieß es in der Presseerklärung: „Die Auftragseingänge in der Industrie blieben vorläufigen Angaben zufolge im April preis- und saisonbereinigt unverändert (+0,0 %)." Prompt meldete die Presse ohne weitere Prüfung, es hätte nun eine „Bodenbildung" gegeben oder mit anderen Worten ein Ende des Abstiegs. Schlägt man jedoch auf der Datenbank des Statistischen Bundesamts nach, so war der Indexwert für April zwar - wie auch vom Bundeswirtschaftsminister angegeben - 80,8. Doch für März wirft die Datenbank den Indexwert 81,7 aus, was ein Minus von 1,1 % bedeutet. Das entspricht immerhin einem Jahreswert von minus 13,2 % und damit alles andere als „Bodenbildung".



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global news 1563 10-06-09: Neue Schockmeldung: Die Exportspekulation geht gründlichst daneben

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Deutschland hat, ebenso wie China und Japan, auf Export gewettet, ohne die Zahlungsfähigkeit der Absatzmärkte im Auge zu behalten. Das hat den Kapitaleignern der Exportkonzerne viel Gewinn gebracht und den Arbeitnehmern wegen der damit verbundenen Lohnverzichte schwer geschadet. So haben sich die drei Länder gegenseitig in die Spekulation verrannnt und gleichzeitig zugunsten des Auslandes auf Wirtschaftsleistung verzichtet. Nun kommt der schlimmste Teil der Rechnung. Die Exportmärkte brechen weg, ohne daß die innere Nachfrage diese Entwicklung auffangen kann.

Nach letzten Meldungen fiel der Export gegenüber Vorjahr im April um 28.7 %, in Deutschland, 22.6 % in China und 39.1 % in Japan (Abb. 03866, 14631). Für Deutschland ist es der stärkste Einbruch der Exporte in der gesamten Nachkriegszeit. Dazu beigetragen hat zwar die besonders starke Exportentwicklung im Vergleichsmonat April 2008, doch auch im Vergleich zum Vormonat März sanken die Exporte im Rekordtempo von 4,8 %, was einer Jahresrate von fast 58 % entspricht. Dabei zeigt sich der Exporteinbruch in allen Ländergruppen fast gleichmäßig.



Hinzu kommt die Gefahr einer dauerhaften Abwertung des Dollars und der an ihn gebundenen Währungen mit weiteren negativen Rückwirkungen auf den deutschen Export. Nach Schätzung des US Congressional Budget Office muß die amerikanische Regierung wegen des explodierenden Haushaltsdefizits in den kommenden 10 Jahren weitere 10 Billionen Dollar Schulden machen, was praktisch heißt Bonds ausgeben. Darin sind noch nicht einmal die enormen, bisher nicht im Haushalt verankerten Verpflichtungen aus dem Gesundheitssystem und der sozialen Sicherheit berücksichtigt. So kann es nicht überraschen, daß die Anleger sich bereits Sorgen machen und der Zins für 10-Jahres-Staatspapiere in nur fünf Monaten um 81 % gestiegen ist (von 2.06 % auf 3,73 %). Sollte es der amerikanischen Regierung nicht gelingen, diese Unmengen an Finanzierung zu verkraftbaren Zinsen aufzutreiben, so wird der Dollar entsprechend an Wert verlieren müssen.


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global news 1562 09-06-09: Deutschland „down and out"?

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Der Wirtschaftskommentator der internationalen Ausgabe der Financial Times Wolfgang Münchau meint heute, das auf Exportüberschüsse setzende deutsche Wirtschaftsmodell sei definitiv gescheitert. Die Hauptabnehmer deutscher Waren würden nicht mehr zu dem durch Verschuldung hochgetriebenen Pegel an privatem Verbrauch zurückkehren, der die deutschen Exportüberschüsse ermöglicht hat, sondern ihn noch weiter und dauerhaft herunterfahren. Außerdem würde der Euro den deutschen Export weiter schädigend aufwerten. Die letzten Sätze seines Kommentars lauten:

„If my predictions prove correct, Germany will be down and out for a long time with a huge and still unresolved banking crisis, an overshooting exchange rate and lower net exports, presided over by politicians who panic about domestic inflation. This will not end well."

Sicher läßt sich die Zukunft des privaten Verbrauchs bei unseren Handelspartner noch nicht eindeutig beurteilen. Klar sollte allerdings sein, daß die Länder mit hoher Verbraucherverschuldung nach Platzen der Kreditblase so nicht mehr weitermachen können und daß sich diese Kreditblase nicht erneut aufblasen läßt, weil die Banken langfristig auf der Bremse sein müssen, wenn sie diese Krise überleben sollten. Bei Betrachten der Entwicklung des privaten Verbrauchs als Anteil am Bruttoinlandprodukts der acht wichtigsten Absatzmärkte für den deutschen Export fällt auf, wie fast alle mehr oder weniger diesen Anteil hochgefahren haben. Die schlimmsten Fälle Spanien, USA und Großbritannen steigerten diesen Anteil um 20 bis 30 %, was eine gewaltige Umschichtung der Faktoren des Bruttoinlandsprodukts bedeutete. Sechs dieser Länder, also alle bis auf Frankreich und Österreich, sind inzwischen auf die Bremsen gegangen und haben begonnen, die Anteile wieder zurückzuschneiden (Abb. 13710).


Nun sind die Auslandsaufträge gegenüber Juni 2007 - unmittelbar vor Ausbruch der Krise - bereits um gespenstische 42 % abgestürzt und noch immer ist keine Erholung in Sicht (Abb. 14686). Der Export stürzte im April um 29 % gegenüber Vorjahr ab (Abb. 14631). Man möchte gar nicht ausrechnen, was das an zusätzlicher Arbeitslosigkeit bedeuten würde, wenn nicht endlich durch eine sozialere Einkomensverteilung die Binnenkonjunktur angeschoben wird. Doch die Bundesregierung lehnt das - bis auf die unsinnige Abwrackprämie - ausdrücklich ab und setzt weiter auf Export.




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global news 1561 09-06-09: Industrieaufträge und OECD-Indikatoren: Noch keine Krisenentspannung bei Deutschland

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Nach der heutigen Mitteilung des Statistischen Bundesamts sind die Industrieaufträge im April um 1,1 % zurückgegangen, darunter die Auslandsaufträge um 1,4 % (Abb. 04569). Auch das zeigt, daß die Krise in Deutschland noch längst nicht überwunden ist.


Ebenso zeigen die heute von der OECD veröffentlichten „Composite Leading Indicators" (CLIs) bei mehreren Ländern einen langsame Entspannung der Krise, nicht jedoch bei Deutschland, USA und Japan (Abb. 12405).



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global news 1560 09-06-09: Der deutsche wissenschaftliche Nachwuchs per Habilitation in Naturwissenschaften und Mathematik bricht weiter ein

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Die Zahl der Habilitationen an deutschen Universitäten ist auch im Jahr 2008 weiter gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Gegenüber dem Gipfel im Jahr 2002 war es bereits ein Rückgang um 22 %. Noch bedenklicher: In Mathematik und Naturwissenschaften betrug der Rückgang gegenüber dem Jahr 2000 schon 44 % (Abb. 14685). Der Anteil der Habilitationen in diesen Fächern an allen Habilitiationen fiel von 28 % (2000) auf nur noch 22 % (2008).


Da Deutschland im globalen Wettbewerb gerade auf den wissenschaftlichen Nachwuchs in Naturwissenschaften und Mathematik angewiesen ist, muß man diese Entwicklung als katastrophal einstufen, auch wenn sie teilweise auf die Einführung der Juniorprofessur zurückzuführen dürfte; diese stellt einen alternativen Qualifizierungsweg zum traditionellen Habilitationsverfahren dar.


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global news 1559 08-06-09: Armes Europa: Statistische Bilder von der Europawahl

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An dieser Europawahl interessiert eigentlich nur noch die Wahlbeteiligung und die war mit 43,1 % rekordschlecht, was viel über die EU aussagt (Abb. 13709). Auch Deutschland verzeichnete einen Negativrekord von 42,2 % und damit noch unter dem Durchschnitt. Längst vorbei die Zeiten, als in der EU noch 52 % und in Deutschland sogar 66 % zur Wahl gingen.


Besonders bedenklich: Die Beitrittsländer aus Osteuropa sind bereits europamüde, kaum daß sie beigetreten sind. Bei sechs von ihnen lag die Beteiligung noch unter 30 % (Abb. 13708). Geht es ihnen wirklich nur um die Brüsseler „Freßtöpfe"? Schlimmer noch: Europakritische Parteien schnitten besonders gut ab, so war in Tschechien die ODS Wahlsieger.



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global news 1558 07-06-09: Die soziale Entgleisung seit 2002

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In den ersten Quartalen dieses Jahrtausends bis zum Jahr 2002 entwickelten sich die Einkommen aus einerseits Unternehmertätigkeit und Vermögen und andererseits Buttolöhnen etwa parallel ohne viel Veränderung. Danach liefen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen bis zum 1. Quartal 2008 steil auf einen kumulierten Zuwachs für die gesamte Periode seit 2000 von rund 47 Mrd Euro hoch. Doch unter dem Eindruck der Krise brachen sie dann vom 4 Quartal 2008 an erheblich ein, so daß der kumulierte Betrag am Ende des 1. Quartal 2009 nur noch bei rund 11 Mrd Euro lag. Dagegen verloren die Bruttolöhne und -gehälter kumuliert über die ganze Periode etwas über 9Mrd Euro (Abb. 14683). Dabei sind die Bruttolöhne und -gehälter verbraucherpreisbereinigt, die Unternehmens-Vermögenseinkommen BIP-Inflator bereinigt dargestellt.


Schließlich ist noch zu berücksichtigen, daß in die Bruttolöhne und -gehälter auch die Einkommen der leitenden Angestellten und anderen hochbezahlten Arbeitnehmer, einschließlich Ackermann von der Deutschen Bank, eingehen. Für die Mehrheit der Arbeitnehmer sieht die Entwicklung daher noch ungünstiger aus, wenngleich auch normale Arbeitnehmer einen, wenn auch begrenzten, Anteil an den Vermögenseinkommen haben.


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global news 1557 06-06-09: Vom Fluch der deutschen Exportabhängigkeit

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Deutschland hat sich über die vergangenen Jahre seit 2000 gefährlich vom Export abhängig gemacht und damit sehr stark von der Finanzierbarkeit über Kredite. Entsprechend bricht der Export nun ein. Auf den 20 Hauptabsatzmärkten waren es im 1. Quartal 2009 21,5 % weniger als in der Vorjahresperiode. Diese Ländergruppe stellte noch im 1. Quartal 2008 etwas mehr als 80 % des deutschen Exports dar (Abb. 14682).


Bei 16 dieser Länder liegt der Einbruch über 10 %, darunter 6 Länder 30 % bis 39 %. Selbst bei Rußland (minus 31 %) und China (-3,3 %) ist die Exportentwicklung negativ. Auf dem zweitwichtigsten Absatzmarkt USA beträgt das Minus 26 %.

Es ist nicht nachvollziehbar, daß die deutsche Politik - offensichtlich unter dem Druck der Exportlobby - diese Exportabhängigkeit halten will, wie die Bundeskanzlerin immer wieder erklärt. Die gewaltigen Exportüberschüsse waren in der Vergangenheit nur über eine Niedriglohnpolitik mit Konsumverzicht der Mehrheit der Bevölkerung (Abb. 12922), ein unverantwortlich hohes Kreditvolumen und einen im Verhältnis zu den hohen deutschen Exportüberschüssen viel zu schwachen Euro und damit Verteuerung der Importe zu erreichen. Wen kann es eigentlich überraschen, daß Deutschlands negative Wirtschaftsentwicklung im 1. Quartal 2009 - von den Sonderfällen Luxemburg und Irland abgesehen - nur noch von Japan unterboten wurde (Abb. 13511)?




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global news 1556 06-06-09: Größter monatlicher Zuwachs an Arbeitslosen in USA

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Da springt die heute veröffentlichte Zahl der Arbeitslosen in USA in dem einzigen Monat Mai um 787.000 von 13,7 Mio auf 14,5 Mio. Mit 9,4 % ist dies höchste Arbeitslosenquote seit über 20 Jahren, und es ist der größte Zuwachs in einem Monat, der in dieser Krise und wahrscheinlich je in der amerikanischen Nachweltkriegszeit verzeichnet wurde. Und das bei stark geschönter Statistik. Seit März 2007 sind schon 7,8 Millionen Arbeitslose hinzugekommen (Abb. 05097).


Und was macht die amerikanische Börse? Sie springt auch und auch nach oben. Selbst der deutsche Aktienindex Dax steigt binnen weniger Minuten nach Bekanntgabe der Meldung um rund 70 Punkte. Die deutschen Anleihen reagierten wie auch die US-Staatstitel mit kräftigen Verlusten auf die Zahlen, weil nun das Wirtschaftsrisiko vielen Anlegern vermindert erschien.

Wer soll das eigentlich verstehen? Angeblich war ein stärkerer Einbruch der Beschäftigung erwartet worden, obwohl immer noch 345.000 Jobs verloren gingen und das nach der wahrscheinlich ebenfalls geschönten Statistik (Abb. 05172). Sofort wurde wieder einmal die Krise von amerikanischen und deutschen „Experten" als beendet erklärt. Das geschah, obwohl gleichzeitig bekannt wurde, daß die Kreditaufnahme der amerikanischen Verbraucher im April mit der zweitstärksten Rate seit Beginn der Aufzeichungen gefallen ist und damit der Verbrauch, von dem die amerikanische Wirtschaft lebt, weiter eingeschränkt werden dürfte (Abb. 05173).



Fazit: Die Aktienspekulanten und viele angebliche Experten sind entweder pervers oder spinnen. In den USA läuft derselbe Propagandafilm ab wie in Deutschland.


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global news 1555 05-06-09: Privater Verbrauch (neben Export) weiterhin Achillesferse der deutschen Wirtschaft

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Die Bundesbank erwartet in ihrer neuesten Prognose jetzt ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,2 %. Da bereits das erste Quartal 2009 um 6 % unter dem Jahreswert für 2008 lag, hat die Bundesbank für die weiteren Quartale 2009 kaum noch weiteren Abstieg angenommen. Das erscheint angesichts der bereits eingegangen negativen Meldungen aus dem 2. Quartal 2009, insbesondere der wachsenden Arbeitslosigkeit, ziemlich optimistisch.

Dabei sagt die Bundesbank eine absolute Stagnation des Arbeitnehmerentgelts pro Arbeitnehmer, bei einem Rückgang der Erwerbstätigen um 0,9 %, voraus. Da dies auch ein Schrumpfen des Gesamtarbeitsentgelts um 0,9 % nach sich zieht, ist eigentlich nicht nachvollziehbar, wie die Bundesbank dennoch zu der Erwartung eines Anstiegs der privaten Konsumnachfrage in diesem Jahr um 0,3 % kommen will (während sie dann für 2010 einen Rückgang um 0,8 % prognostiziert). Auch ist die Bundesbank in der Annahme der Arbeitslosigkeit überoptimistisch. Für 2010 erwartet sie 4,4 Millionen Arbeitslose, während die führenden Wirtschaftsinstitute schon knapp unter 5 Millionen vorausgesagt haben.

Die letzte Statistik des Einzelhandelsumsatzes von Eurostat bis April 2009 zeigt, wie Deutschland unter den Alt-EU-Ländern den letzten Platz in der mittelfristigen Entwicklung einnimmt (Abb. 12922). Da das noch Durchschnittswerte quer durch die Bevölkerung sind, dokumentiert die Entwicklung überdeutlich, wie an den weniger gut Betuchten in Deutschland der angebliche Boom der letzten Jahre total vorbeigegangen ist und sie den Ausgabenriemen immer enger schnallen mußten. Das wird sich im Verlauf des Jahres 2009 kaum ändern können.


Beim Export, der zweiten Achillesferse der deutschen Wirtschaftsentwicklung, erwartet die Bundesbank in diesem Jahr ein Einbrechen der Exportmärkte um 12,7 % und keine Erholung in 2010. Mit der EU, den USA und der Schweiz hat Deutschland auch im ersten Quartal 2009 noch 27 % mehr Export gehabt, als es von dort importierte. Der stark kreditfinanzierte Überschuß mit dieser wichtigsten Ländergruppe (mit den restlichen Ländern ist der deutsche Aussenhandel ausgeglichen) ist damit zwar gegenüber dem Spitzenwert im Vorkrisenjahr 2007 von 40 % geschrumpft, aber immer noch nicht auf das Ausgangsniveau des Jahres 2000 zurückgekommen (Abb. 14681).


Für 2010 erwartet die Bundesbank (anders als bisher die Bundesregierung) keine Rückkehr zu Wachstum der Wirtschaftsleistung mehr. Der Nobelpreisträger Paul Krugman hat jetzt im BBC-Interview gewarnt, der globale Konjunktureinbruch könne fünf bis zehn Jahre dauern und Billionen Dollar kosten. Er forderte von der US-Regierung ein größeres Konjunkturpaket und ist ein prominenter Kritiker der Anti-Krisenpolitik der Bundesregierung, die er als zu halbherzig verurteilt.


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global news 1554 05-06-09: Trotz aller Versprechen: Auch der deutsche Export nach China bricht ein

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Im ersten Quartal 2009 exportierte Deutschland 3,3 % weniger Waren nach China als in der Vorjahresperiode. Damit brach der Export nach China mehr als doppelt so stark ein als mit 1,5 % der deutsche Import von dort (Abb. 08167, 08013). Während das deutsche Defizit im China-Handel im 1. Quartal 2008 bei 59,9 Mrd Euro gelegen hatte, stieg es jetzt auf 60,4 Mrd Euro. Deutschland konnte damit nur wenig mehr als die Hälfte (56 %) seiner Einfuhren aus China durch eigene Ausfuhren dorthin ausgleichen.



Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, hat die Zusage der Regierungen beim letzten Spitzentreffen, sich in der Krise über den gegenseitigen Handel zu unterstützen nur begrenzten Wert. China erhöht seinen ohnehin hohen Bilanzüberschuß selbst in der Krise weiter.


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global news 1553 04-06-09: Immer noch falsche Propaganda mit der Abwrackprämie

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Nach den heute veröffentlichten Zulassungszahlen für Mai verzeichnete der Automobilhandel im Zeichen der Abwrackprämie einen kräftigen Boom (Abb. 14646).


Doch je kräftiger der total künstliche Boom jetzt, umso mehr muß man befürchten, daß das schwarze Loch nach Auslaufen der Prämie umso größer wird. Auch ist der für die deutsche Industrie von den Umsatzzahlen her viel wichtigere Export weiterhin in einem kräftigen Minus von 24 %. Die vollmundige Botschaft von VDA-Verbandspräsident Matthias Wissmann (CDU) zu den PKW-Zulassungen im Mai „Die Zahlen belegen, daß die Abwrackprämie ihre Funktion erfüllt, den Automobilstandort Deutschland und seine Beschäftigung zu stabilisieren", täuscht wieder einmal darüber hinweg, daß erstens die deutschen Marken längst nicht so gut zugelegt haben, wie die ausländischen, wobei zu den deutschen noch die Konzernmarken gerechnet werden, die oft aus dem Ausland kommen. Die Beschäftigung in Deutschland wird also wesentlich weniger stabilisiert als die Zahlen vorgeben.

Hinzu kommt nach Auskunft des statistischen Bundesamt, daß sich der Boom fast nur bei Kleinwagen (+93 %) und Kleinstwagen (+140 %) abspielt und hier vor allem koreanische Billigmarken (+146 %) profitieren. In diesem Segment ist das Verhältnis von Abwrackprämie zu Kosten des Neufahrzeugs besonders günstig. Bei der auf Deutschland konzentrierten arbeitsintensiven Fertigung der oberen Mittelklasse und Oberklasse, also den deutschen Qualitätsmarken, gingen die Neuzulassungen dagegen weiter um einen zweistelligen vom Bundesamt nicht weiter erklärten Prozentsatz zurück. Der deutsche Steuerzahler blutet also, ohne daß in diesem für die Beschäftigung besonders wichtigen Bereich der erstrebte Erfolg eintritt. Am Ende werden wir das alles durch saftige Steuererhöhungen bezahlen, natürlich erst nach den Wahlen!


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global news 1552 04-06-09: Der neueste statistische Trick zum Verschwinden von Arbeitslosen

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Die deutsche Arbeitslosenstatistik ist die meistmanipulierte aller amtlichen Statistiken. Je schlimmer die Arbeitslosigkeit, je mehr wird davon wegmanipuliert. Nun hat die Bundesregierung im Mai ein neues Gesetz in Kraft gesetzt, das bis zu 200.000 Arbeitslose aus der Statistik verschwinden läßt. Nach dem Gesetz zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten werden seit Mai dieses Jahres alle Arbeitslosen, die seit Beginn dieses Jahres durch private Träger betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt. Im Mai waren für 178.100 Bewerber Dritte mit deren Vermittlung beauftragt. Infolge der steigenden Arbeitslosigkeit dürfte die Zahl der extern Betreuten in den kommenden Monaten weiter steigen, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit, wie die Rheinische Post meldet.

Man möchte nun also erst mal die derzeit von Dritten betreuten 178.000 zu den Arbeitslosen hinzuzählen, um ein klares Bild zu gewinnen. Doch so einfach geht das nicht. Statistisch wurden und werden die Maßnahme nämlich unabhängig vom Zeitpunkt des Beginns identisch erfasst. Die vorgefertigten Auswertungen lassen offensichtlich nicht feststellen, welcher der aktuellen Teilnehmer in welchem Jahr begonnen hat. Das Abfrageprogramm zu den Arbeitslosen wurde also geändert, ohne jedoch am Ende auszuwerfen, wie viel Altfälle bei dieser Maßnahme noch vorhanden sind, die arbeitslos zählen. Dementsprechend verrät uns die Bundesanstalt in ihrem Monatsbericht für Mai nicht, wieviele im Mai von Dritten betreut wurden, deren Betreuung in diesem Jahr begonnen wurde. Und hier geht die Trickserei erst richtig los. Der Vorsitzende Weise sprach in einem Fernsehinteview von einem statistischen Effekt im Mai von nur rund 20.000 Arbeitslosen. Eine Sprecherin der Agentur gab an, ohne den Statistikeffekt der Nichtmehrzählung solcher Arbeitsloser wären es insgesamt 100.000 Arbeitslose weniger gewesen statt der amtlich ausgewiesenen 127.000, also eine Differenz nicht von 20.000 sondern von 27.000 Arbeitslosen. Demnach wären nur 20.000 bis 27.000 von den insgesamt 178.100 erst in diesem Jahr in die Betreuung durch Dritte gelangt.

Doch Experten meinen, daß so gut wie keine Maßnahmen mehr laufen, die im Jahr 2008 begonnen wurden. Fast alle Teilnehmer wurden vermutlich erst 2009 zugewiesen und fallen deshalb aus der Statistik Arbeitslose heraus. Denn diese Maßnahmen laufen in der Regel nur bis zu 3 Monate. Man muß also vermuten, daß die Arbeitslosigkeit nicht etwa wie amtlich berichtet im Mai um 127.000 zurückgegangen, sondern um mehr als 51.000 gestiegen ist. Oder saisonal bereinigt ein Anstieg von 179.000 statt der ausgewiesenen 1.000. In Abb. 04596 ist in aller Vorsicht ein Anstieg um 150.000 unterstellt.


Dabei bleibt die Frage, ob dieses Verwirrspiel nicht von Anfang an beabsichtigt war, um die Verschönerung der Zahlen auch noch zusätzlich zu verschleiern.


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global news 1551 03-06-09: Warum die Krise noch längst nicht zu Ende ist

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Die Regierungspropaganda hat nun allerorten, besonders in dem wahlträchtigen Deutschland, auf Krisenverdrängung geschaltet und die Medien folgen willfähig. Auch in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre wurde die Krise immer wieder als erledigt deklariert, obwohl sie dann erst richtig anfing. Ein beliebtes Mittel sind in Deutschland Unternehmens- und Verbraucherumfragen, deren Korrektheit niemand beurteilen kann und bei denen in letzter Zeit immer nur die angeblich positiven Erwartungen an die Zukunft in die Schlagzeilen kommen, während die sich weiter verschlechternde Beurteilung der derzeitigen Lage ins Kleingedruckte verbannt wird.

Der Internationale Währungsfonds warnt immer wieder, daß diese Krise - weil mit einer Bankenkrise verbunden - nach allen Erfahrungen der Vergangenheit besonders lang werden wird. Zudem zeigen in dieser Krise viele Daten weiterhin nach unten und setzen negative Rückkoppelungen in Bewegung. So fallen in USA immer noch die Immobilienpreise (Abb. 03714) und steigen neuerdings unter dem Druck wieder steigender Zinsen für langfristige Staatsanleihen (Abb. 03953) auch die Hypothekenzinsen. Mit immer neuen Zwangsverwertungen von Immobilien und entsprechend anbrennenden Hypotheken wird bei der allgemeinen globalen Bankenkrise weiter nachgelegt, obwohl die Banken noch längst nicht alle bisher entstandenen Verluste abgeschrieben haben.



Ebenso wird die Unternehmensfinanzierung durch steigende Zinsen erschwert und deuten nach wie vor die großen Differenzen zwischen dem Spitzenrating von Unternehmensbonds und den minderwertigeren Kategorien auf die sehr hohe Wahrscheinlichkeit von Unternehmenspleiten hin (Abb. 03794).


Der für Deutschland so wichtige Export verharrte im letztgemeldeten Monat März mit minus 22 % gegenüber dem Spitzenmonat April des vorigen Jahres weiter auf einer dramatisch tiefen Tauchstation. Schließlich und vor allem steigt die Arbeitslosigkeit weltweit und ungebremst. Das wiederum dämpft das Vertrauen der Verbraucher und drosselt die Binnenkonjunktur. Man sieht das sehr deutlich bei den USA (Abb. 05117, 05095) aber auch beim deutschen Einzelhandel.



Die positiven Signale der jüngeren Vergangenheit kommen vor allem von den Aktienbörsen und den Bankbilanzen. Bei den Aktienbörsen gibt es angesichts der einmalig tiefen und damit abschreckenden Zinsen kürzerfristiger Staatsanleihen für die Anleger starke Motive zur Rückkehr in die Aktien, auch wenn das riskant ist (Abb. 03712).


Die Bankbilanzen zeigen einige grüne Sprossen und fördern so die Kurse von Bankaktien. Hier wirkt sehr künstlich positiv die Lockerung der Bilanzregeln für Banken, wonach miese Papiere nicht mehr zu derzeitigen Marktwerten geführt werden müssen. Außerdem vergessen die Anleger in Europa gern, daß vor allem die europäischen Banken längst noch nicht von ihren extrem hohen und damit existenzbedrohenden Hebelraten heruntergekommen sind. In der Eurozone wurde ein Streßtest der Banken mit Druck auf zusätzliches Eigenkapital bisher tunlichst vermieden und vom deutschen Finanzminister geradezu brüsk zurückgewiesen. Immerhin haben die europäischen Banken gigantische und zu großen Teilen miese Anlagen in Höhe von 330 % des BIP aufgetürmt, gegenüber nur 50 % bei den amerikanischen Banken, und haben dabei einen hohen Anteil an Anlagen in dem von der Rezession besonders hart getroffenen Osteuropa oder in Asien, wo die Exportmärkte derzeit zusammenbrechen.

Bei aller Freude über gelegentlich positive Signale darf man also skeptisch bleiben, ja sollte es sogar. In Deutschland werden viele der bitteren Wahrheiten ohnehin bis nach den Bundestagswahlen aufgehoben, z.B. wenn dann das Kurzarbeitergeld auszulaufen beginnt und die Unternehmen nicht mehr mit Rücksicht auf den konservativen Teil der Bundesregierung Kündigungen aufschieben. Wer sich selbst informieren will, findet alle einschlägigen Daten in der total aktualisierten Krisenwache.


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global news 1550 02-06-09: Wie brasilianische Rinder den Regenwald am Amazonas fressen und wir mit Fleisch und Leder versorgt werden

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Greenpeace hat zur Bonner Klimakonferenz einen neuen Bericht zum langsamen Sterben des brasilianischen Regenwaldes herausgebracht. Wälder sind ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Sie speichern weltweit über eineinhalbmal mehr Kohlenstoff, als sich zurzeit in unserer Atmosphäre befindet. Die Zerstörung der Wälder ist für annähernd 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, mehr als der weltweite Transportsektor. Nach Schätzungen sind 80-120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Amazonas-Gebiet gespeichert. Die Vernichtung des gesamten Regenwaldes würde die 50-fache Menge der jährlichen Treibhausgasemissionen der USA freisetzen. Im Amazonas-Gebiet befinden sich 20 Prozent des weltweiten Süßwassers. Der Ausstoß von Methan durch die Viehzucht verursacht rund 30 Prozent der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft als Ganzes ist für circa zehn bis zwölf Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Die Treibhausgasemissionen der Produktion von Rindfleisch betragen 13 Kilogramm CO2-äquivalent pro Kilo Fleisch. Damit ist der Verzehr von einem Kilo Rindfleisch genauso klimaschädlich wie 100 Kilometer Flug pro Person.

Zwischen 2000 und 2007 wurden im brasilianischen Teil des Amazonas-Gebiets pro Jahr durchschnittlich 20.000 Quadratkilometer entwaldet. Über die Gesamtzeit entspricht das einer Fläche größer als Griechenland. Brasilien liegt an Platz vier in der Rangliste der weltweit größten Klimaverschmutzer. Rund 75 Prozent der brasilianischen Treibhausgasemissionen stammen aus Entwaldung und Landnutzungsänderung, wiederum 59 Prozent davon aus Zerstörung und Brandrodung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet. Rinderzucht ist die Hauptursache für die Zerstörung des Regenwalds. Seit Beginn der 70er Jahre breitet sie sich kontinuierlich aus.

In Brasilien gibt es die weltweit größte kommerzielle Rinderhaltung. Seit 2003 ist das Land der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt (Abb. 07230, 07231). Rund 40 Prozent aller brasilianischen Rinder befinden sich im Amazonas-Gebiet. Eine Greenpeace-Analyse von Daten der brasilianischen Regierung zeigt, dass im Jahr 2006 80 Prozent der genutzten Fläche im „Legal Amazon" für die Rinderzucht beansprucht wurde (nicht berücksichtigt ist der Bundesstaat Maranhão).



Rinderzahl und Entwaldung verlaufen in gleichen Tempo (Abb. 07232). Im Jahr 2006 kamen im „Legal Amazon"drei Rinder auf einen Einwohner, und ihre Anzahl wächst kontinuierlich. Mit steigenden Rinder- und Fleischexporten von Brasilien wächst auch die Rindfleischproduktion im Amazonas-Gebiet. Die Anzahl der Rinder im „Legal Amazon" wächst rasend schnell, verdoppelte sich zwischen 1990 und 2003 von 26,6 Millionen auf 64 Millionen Tiere. Zwischen 1996 und 2006 wuchsen die Weideflächen im Amazonas-Gebiet um circa 10 Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie Island oder auch die gesamte deutsche Waldfläche (Abb. 07235).



Unter den Hauptimporteuren von Rindfleisch aus Brasilien liegt Deutschland auf Platz 5 (Abb. 07233). Dazu gehören bekannte deutsche Marken, vor allem unter den Billigläden, die bereits in Brasilien verarbeiten lassen (Abb. 07234).




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global news 1549 01-06-09: Warnung von der Bondfront

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Staatsanleihen weisen derzeit einen abnormalen Zinsabstand zwischen kurz- und langfristigen Papieren auf. Bei US Staatsanleihen lag der Zins lange Zeit unabhängig von der Laufzeit eng beieinander. Mit Ausbruch der Krise sanken die Zinsen für kürzerfristige Anleihen erheblich ab, während sie sich für 20- und 30-Jahrespapiere kaum veränderten (Abb. 03953). Anleger retteten sich in dieser Phase aus dem Aktienmarkt in kürzerfristige Staatsanleihen und akzeptierten auch niedrige Zinsen, um die Zukunft abzuwarten. Ab Oktober letzten Jahres leiteten US Regierung und Fed nach Erschöpfung des Zinssenkungspotentials der Notenbank systematisch eine Politik der Geldvermehrung durch so genanntes "Quantitative easing" ein, wobei aus konjunkturellen Gründen und vor allem zur Entlastung der anbrennenden Hypotheken und der Unternehmensfinanzierung durch ein starkes Angebot an Staatsanleihen die Zinsen für alle Laufzeiten stark nach unten gedrückt wurden.


Seit Beginn dieses Jahres verlangen Anleger jedoch aus Sorge vor der stark explodierenden Staatsverschuldung weit höhere Zinsen. Außerdem wandern viele wieder auf den Aktienmarkt ab. Das treibt nun die Zinsen vor allem für langfristige Anlagen wieder steil nach oben bis gegen 4,6 % (Abb. 03951). Die Zinsdifferenz zu 1-Jahres-Anleihen mit Zins bei 0,5 % ist enorm. Dieser Effekt verteuert nun die Finanzierung der Staatsverschuldung, aber auch erneut die Finanzierung der Unternehmen durch Ausgabe von Unternehmensanleihen und vor allem die notleidende Hypothekenfinanzierung. Die Politik des „Quantitative easing" stößt offensichtlich an Grenzen.


In Deutschland ist die Situation nicht sehr viel anders. Hier beträgt die Zinsdifferenz derzeit 3,5 Prozentpunkte (Abb. 03952). Das zeigt, daß die Krise nicht so einfach durch Hochfahren der Liquidität und Verschuldung der Regierungen zu überwinden ist.



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global news 1548 31-05-09: Die große Krise damals und jetzt

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In einer neuen Arbeit haben der Wirtschaftshistoriker Kevin O'Rourke vom Trinity College in Dublin und der Makroökonom Barry Eichengreen von der University of California in Berkeley) die Große Depression der 30er Jahre mit der Krise von heute verglichen. Dabei haben sie viele Wirtschaftsdaten aus aller Welt zusammengetragen und miteinander verglichen. Ich habe in die Weltdaten dieser Studie für die derzeitige Krise die deutschen Zahlen für Industrieproduktion und Export eingetragen. Das Ergebnis bis März 2009 ist in Abb. 03946 und 03947 dargestellt und verglichen. Es zeigt, daß die Krise auf Deutschland bisher stärker zuschlägt als damals auf die Welt. Ein wichtiger Grund ist die enorme Exportabhängkeit Deutschlands. Aber auch die Weltdaten von heute zeigen, wenn auch weniger ausgeprägt als bei Deutschland, einen stärkeren Absturz als in den 30er Jahren.



Auch die Aktienkurse stürzten in einer ersten Phase viel stärker ab. Sie haben sich in diesem Jahr wieder etwas erholt, liegen aber weiterhin erheblich unter den Werten der Großen Depression zum gleichen Zeitpunkt seit Krisenbeginn (Abb. 03950).


Dagegen haben die beiden Wissenschaftler die Antikrisenpolitik gestellt. Sie hat diesmal zu einer viel schnelleren Zinssenkung der Zentralbanken und Ausweitung der Liquidität geführt (Abb. 03948, 03949).



Sollte sich die derzeitige Krise am Ende nicht so stark entwickeln wie damals, so liegt das vor allem an der Vermeidung der Geldverknappung, was allerdings die Gefahr von Inflation mit sich bringt. Außerdem ist diese Politik bereits an ihre Grenzen gestoßen, denn die Notenbanken können den Zins gar nicht oder kaum noch weiter senken und die Bondmärkte reagieren bereits seit Wochen mit erheblichem Anstieg der langfristigen Zinsen auf die staatliche Nachfrag nach Geld zur Finanzierung der Notprogramme und neuerdings die eher vorübergehend wiederauflebende Attraktion der konkurrierenden Aktienmärkte. Dieser Zinsanstieg verteuert bereits wieder die langfristige Finanzierung der Unternehmen und verschärft die Krise auf den Hypothekenmärkten.

Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel und im Buchhandel bestellt werden kann, siehe hier.


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global news 1547 30-05-09: 39 % haben in Deutschland weniger als 860 Euro für unerwartete Ausgaben flüssig

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Eurostat hat jetzt eine Statistik zu Finanzlage der Europäer in 2007 veröffentlicht. Danach leben ein Drittel in einem Haushalt, der unerwartete Ausgaben von einem Zwölftel der Armutsgrenze nicht mehr aus eigenen Mitteln finanzieren könnten. Die Armutsgrenze liegt bei 60 % des Medianeinkommens, also des Durchschnittseinkommens von jeweils der Hälfte der Bevölkerung, und zwar für Deutschland 860 Euro. Aus eigenen Mitteln heißt: kein Geld borgen, nicht andere Zahlungen verschieben oder Ratenzahlungen anfangen für ursprünglich bar bezahlte Ausgaben.

Deutschland liegt wieder einmal nur auf dem vorletzten Platz unter denen, die in Westeuropa am Wenigsten flüssig haben (13707).



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global news 1546 30-05-09: Die ärgerliche Komplizenschaft von Eurozone-Regierungen, EZB und Banken zu Lasten des unwissenden Steuerzahlers

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Das ist schon ziemlich komisch. Da nörgeln Merkel, Steinbrück u.Co. über das amerikanische „Quantitative easing", bei dem die Notenbank Geld druckt und damit Staatsanleihen kauft, so daß die Regierung ihr Notprogramm finanzieren kann. Angeblich soll das die Inflationsgefahren nach Ende der Krise schüren, falls Notenbank und US-Regierung die Liquidität nicht wieder einsammeln können. Immerhin läuft aber dieses Programm öffentlich und wird öffentlich diskutiert. Dagegen haben sich die Eurozone-Regierungen zusammen mit der EZB ein nicht öffentlich diskutiertes Programm der Ausgabe von Staatsanleihen und der indirekte Finanzierung durch die EZB einfallen lassen, das auf dem Rücken des unwissenden Steuerzahlers läuft und gleichzeitig die Bankensanierung zu deren Lasten betreibt. Dieses Programm ist sogar noch wesentlich größer als das amerikanische.

Die Financial Times bringt das heute in ihrer internationalen Ausgabe unter der ironischen Überschrift „Quatitative pleasing" ans Licht. Und das läuft so: Die EZB stellt den Banken der Eurozone in gigantischem Umfang billigsten Kredit zu etwa 1 % Zins zur Verfügung. Der Öffentlichkeit wird gesagt, dies solle die Kredittätigkeit der Banken an die Wirtschaft ankurbeln. Die Banken legen aber dieses billige Geld nicht in Krediten an die notleidende Wirtschaft an, sondern kaufen sich dafür langfristige Regierungsbonds zu 4 % Zins und erhalten aus diesem Schnitt ohne viel Risiko einen enormen Beitrag zu ihrer Sanierung. Parallel nimmt die EZB die Regierungsbonds als Sicherheit für den Kredit an die Banken an. Weiterer Vorteil für die Banken: Die Bankenaufsicht rechnet die Anlage in Regierungsbonds als angeblich topsicher nicht gegen die schwache Eigenkapitalbasis der Banken, wie sie das bei Krediten der Banken an die Wirtschaft tun müßte.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben die Eurozonenbanken nicht weniger als 250 Mrd Dollar Gegenwert in solchen Bonds gekauft (Abb. 03945). Das ist viel mehr als der Bondaufkauf der Fed, der nur bei 160 Mrd Dollar lag.


Nun ist das in der Eurozone ein Spiel, bei dem nicht alle gewinnen können. Die Banken gewinnen in jedem Fall. Die Regierungen bekommen indirekt das EZB-Geld als Gegenwert für die von ihnen gedruckten Bonds. Doch für den Zinsschnitt der Banken von 3 % muß am Ende der Steuerzahler bei der Finanzierung der Staatsverschuldung einstehen. Warum borgen die Regierungen sich das Geld dann nicht gleich zu nur 1 % bei der EZB oder wird - wenn die Statuten der EZB nicht entsprechend geändert werden können -den Banken der mißbräuchliche Zugang zum Kreditfenster der EZB gesperrt? Für den Steuerzahler wäre das weit weniger belastend. Freilich müßte die Bankensanierung dann transparent betrieben werden und machte in vielen Fällen eine aus Ideologiegründen abgelehnte zwischenzeitliche Verstaatlichung nötig. Auch dürfte es eine Komplizenschaft zwischen Regierungen und Banken geben, weil die Regierungen so dramatisch in der Bankenaufsicht versagt haben, auch und gerade die deutsche. Und am Ende läßt eine saftige Mehrwertsteuererhöhung grüßen! Schon fordert der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, eine MWSt-Erhöhung auf 25 %. Begründung: „Beim Schuldenabbau wird der Staat um Steuererhöhungen nicht herumkommen."


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global news 1545 30-05-09: Weiter Negativtrend im Einzelhandel

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Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im April 2009 real 0,8% niedriger als im April 2008. Der April 2009 hatte wegen der Osterfeiertage allerdings mit 24 Verkaufstagen zwei Verkaufstage weniger als der April 2008. Im Vergleich zum März 2009 stieg der Umsatz im April 2009 unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal um 0,9% und real um 0,5%. Der Trend ist weiterhin nach unten gerichtet (Abb. 04943). Von angeblichem Kaufrausch der Deutschen keine Spur.



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global news 1544 29-05-09: Auftragseingang im deutschen Maschinenbau April 2009 - Real minus 58 % gegenüber Vorjahr

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Der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag im April 2009 um real 58 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag mit. Das Inlandsgeschäft sank um 52 Prozent. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Minus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Februar bis April 2009 ergibt sich insgesamt ein Minus von 47 Prozent im Vorjahresvergleich, bei den Inlandsaufträgen ein Minus von 46 Prozent und bei den Auslandsaufträgen ein Minus von 48 Prozent (Abb. 14680).


"Anzeichen einer Bodenbildung sind noch nicht auszumachen. Nur die Frühindikatoren lassen hoffen", kommentierte VDMA Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers das Ergebnis.


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global news 1543 28-05-09: Die Weltwirtschaftskrise kommt immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an

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Nun kommt die Weltwirtschaftskrise immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-21,6 % im Mai gegenüber Vorjahr) und damit rächt sich die leichtsinnige Arbeitsmarktpolitik mit unsicheren Zeitverträgen auf die bitterste Weise (Abb. 14527). Die Zahl der Kurzarbeiter steigt steil (Abb. 14615). Die Nachfrage nach Arbeitskräften fällt deutlich.



Gegenüber April stieg saisonbereinigt die Arbeitslosigkeit weiter deutlich an, der Beschäftigungsaufbau brach im letztgemeldeten Monat April noch mehr als schon im März auf negative Werte ein (Abb. 14041).


Von den Arbeitslosengengeldempfänger werden nur noch 56,9 % als arbeitslos registriert (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig, zumal nun seit Mai auch nicht mehr die von privaten Trägern betreuten Arbeitslosen mitgezählt werden. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


Eine ausführliche Analyse bringt der neue Schwerpunkt „Arbeitslos im Mai 09".


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global news 1542 27-05-09: Immer mehr Fachkräfte verlassen Deutschland wegen schlechter Arbeits- und Sozialverhältnisse

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Nach einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration verlassen jährlich Zehntausende Fachkräfte Deutschland. Nur wenige kehren zurück. Dabei sind die Auswanderer im Schnitt deutlich besser qualifiziert als die Erwerbsbevölkerung in Deutschland. Seit 2003 haben im Saldo unter Berücksichtigung der Rückkehrer rund 180.000 Fachkräfte Deutschland verlassen. Bereits seit mehr als 15 Jahren und in letzten Zeit verstärkt übersteigt die Zahl der Fortzüge diejenige deutscher Rückwanderer (Abb. 14678).


Die deutschen Arbeits- und Sozialverhältnisse vergleichen sich seit Jahren sehr ungünstig mit anderen Ländern und treiben die Auswanderung von Fachkräften an. Das gilt für die Arbeitseinkommen, die real in Deutschland seit Jahren stagnieren oder im Rückgang sind. Nach einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Berlinpolis gibt es in Deutschland mehr soziale Ungerechtigkeit als in den meisten anderen Ländern der EU. Anhand von 35 Einzelindikatoren wurden fünf "sozialpolitische Dimensionen" wie Bildungschancen, Generationengerechtigkeit, Jobaussichten, Gleichstellung von Mann und Frau und Einkommensverteilung untersucht. Im Gesamtergebnis belegt Deutschland unter den EU-Ländern nur Platz 19 von 27 Ländern. Besonder gut schneiden dagegen Schweden, Dänemark, die Niederlande und Finnland ab. Auch bei Jobchancen und Ausbildung kommt die Bundesrepublik mit Rang 17 und 18 nur in das hintere Mittelfeld. Die Schulbildung ist in Deutschland nach wie vor eng mit dem Beruf der Eltern verbunden: Wer einen weniger privilegierten Hintergrund hat oder zugewandert ist, hat schlechte Chancen auf dem deutschen Bildungsmarkt und dementsprechend im Berufsleben.

Besonders schlecht dran sind in Deutschland Alleinerziehende. Haushalte mit Kindern und nur einem Elternteil haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Sie sind öfter und länger auf staatliche Transferleistungen angewiesen als andere Haushalte. Das zeigt eine neue Studie aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Abb. 14679). Der Anteil der Alleinerzieher an den Bedarfsgemeinschaften mit Kindern ist mit 54,1 % wesentlich höher als ihr Anteil an allen Bedarfsgemeinschaften von 18,7 %. 2005 lag der Anteil der Alleinerzieher in den Bedarfsgemeinschaften mit Kindern erst bei 50,9 %.



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global news 1541 26-05-09: Detailergebnisse des 1. Quartals 2009

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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 1. Quartal 2009 mitgeteilt. Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine mit minus 0,1 % gegenüber Vorjahresquartal schrumpfende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 17,2 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 18,6 % schalteten (Abb. 14677). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen. Die leichte Steigerung der Konsumausgaben des Staates konnte das Gesamtergebnis nur um 0,2 Prozentpunkte aufbessern.


Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 1. Quartal 2008 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Dabei fällt auf, wie als Folge der Krise einerseits die Sparquote hochgeschossen ist und andererseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen abgestürzt sind. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.



Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer gingen im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise um 1,9 % zurück. Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer real um 6,2 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (nach Abzug der BIP-Inflation) trotz des starken Einbruchs im 1. Quartal 2009 um 8,2 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte vorübergehende Situation sein wird.

Besonders enttäuschend entwickelten sich weiter die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Sie gingen um 0,1 % gegenüber Vorjahr zurück. Der Trend der Quartalswerte seit dem Jahr 2000 ist negativ (Abb. 14010).


Auch die neueste Verbraucherumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt sehr deutlich die Zurückhaltung der privaten Verbraucher (Abb. 04711, 04917). Das Konsumklima will nicht aus dem Keller kommen. Da wirkt es schon recht komisch, wenn die GfK in ihrer heutigen Pressemitteilung das mit der Überschrift „Konsumklima bleibt in der Krise konstant" ins Positive zu wenden versucht. Erst recht unwirklich ist eine Betrachtung der FT Deutschland: „Jahrelang steckten die deutschen Verbraucher ihr Geld lieber in den Sparstrumpf als in neue Kleidung, Elektro-Artikel oder Autos. Jetzt, mitten in der Rezession, kaufen sie ein wie wild. "Konsumkarneval" nennen Forscher das Phänomen."



Die Aussichten sind weiterhin bedrückend, auch wenn sich der Abstieg nun offensichtlich verlangsamt. Mit steigender Arbeitslosigkeit wird jedoch die Nachfrage privater Haushalte weiter zurückgehen. Das Konjunkturpaket wurde viel zu spät beschlossen, ist zu gering und wird frühestens im 2. Halbjahr einige Entlastung bringen. Die Einschätzung der eigenen Lage durch die deutschen Unternehmen ist nach der ifo-Umfrage für Mai auf einen neuen Tiefstpunkt gefallen (Abb. 04731).


Eine ausführliche Darstellung enthält der neue Schwerpunkt.


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global news 1540 26-05-09: Auch der deutsche Bau geht weiter am Stock

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Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe lagen im März um 9,1 % unter dem Vorjahresergebnis, der Umsatz im ersten Quartal um 12,9 % (Abb. 14605).


Dennoch tröstet uns das Statistische Bundesamt mit dem Argument, der Rückgang in den Vormonaten Januar und Februar im Vorjahresvergleich sei erheblich stärker gewesen. Doch wer genau hinsieht, wird feststellen, daß der Vergleichsmonat Januar 2008 ein extrem guter Monat gewesen war, der auch den Durchschnitt für Januar und Februar hochgezogen hat. Destatis versäumt auch darauf aufmerksam zu machen, daß die Osterfeiertage in 2008 in den März fielen (2009: April). Das schönt den Vorjahresvergleich.

Der kleine Aufwärtszacken im März dieses Jahres ist daher nur eine Schwalbe, der kein Sommer folgen muß. Eigentlich müßten sich die massiven Programme der Bundesregierung stärker bemerkbar machen.


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global news 1539 24-05-09: Und Flupps war die Bank weg: Das Zittern geht weiter - Heute um Banken, morgen um das Kreditstanding ganzer Länder?

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Es war der größte Zusammenbruch einer Großbank in USA in diesem Jahr. Die Bank United, das größte Finanzinstitut in Florida, verschwand in der nun schon 34. amerikanischen Bankenpleite dieser Krise mit 12,8 Mrd Dollar an zweifelhaften Aktiva vom Bildschirm. Die Reste übernahmen Finanzinvestoren.

In Deutschland droht der WestLB die Schließung im Herbst, wenn das Rating des Instituts weiter abgesenkt wird, was die Kernkapitalquote unter die Mindestrate von 4 % drücken würde, und wenn die Eigner nicht weiteres erhebliches Kapital nachschießen. Der WestLB-Chef Heinz Hilgert ist bereits wegen mangelnder Unterstützung durch die Sparkassen, denen die Hälfte der WestLB gehört, zurückgetreten.

Europäische Banken sind generell viel schlechter dran als die in USA. Sie haben durchschnittlich mit etwa dem 30-Fachen viel höher gehebelt. Das lag vor allem an den Regeln der Bankenkontrolle, die die Anlagen auf Riskbasis einstufte, wobei gegen von den Ratingagenturen hochbewerte oder bei den US-Versicherungskonzernen versicherte Anlagen kaum Eigenkapital gebucht werden mußte. Dagegen hat die US Bankenaufsicht ohne Anwendung von Basel II-Regeln das gesamte Verhältnis von Anlagen zu Eigenkapital ohne Risikobewertung berücksichtigt.

Im Ergebnis haben die europäischen Banken gigantische Anlagen in Höhe von 330 % des BIP aufgetürmt, gegenüber nur 50 % bei den amerikanischen Banken und dabei einen hohen Anteil an Anlagen in dem von der Rezession besonders hart getroffenen Osteuropa oder in Asien, wo die Exportmärkte derzeit zusammenbrechen. Dabei ist der Zusammenbruch des internationalen Handels derzeit geradezu gespenstisch und schlimmer als in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre (Abb. 03943).


Inzwischen haben die Rating-Agenturen begonnen, ganzen Ländern mit weiteren Herunterstufungen zu drohen, was die Kreditaufnahme im Rahmen der gigantischen Krisenprogramme erheblich verteuern würde. Am letzten Donnerstag hat die Ratingagentur Standard & Poor's angekündigt, die britische Kreditwürdigkeit zu überprüfen und dabei den Ausblick von "stabil" auf "negativ" korrigiert. Damit droht zum ersten Mal seit 1978 der Verlust der Bestnote "AAA". In einer ersten Reaktion stiegen bereits die Kosten von Kreditausfallversicherungen (Credit Defaul Swaps - CDS) auf britische Staatsanleihen.

Auch bei den USA steigt der Druck durch die starke Verschuldung. Das Haushaltsdefizit soll in diesem Jahr noch steil auf mehr als 1,8 Billionen Dollar klettern (Abb. 05087). Bis 2014 soll die gesamte Staatsverschuldung der USA auf 107 % der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen (Abb. 03935). Die Unsicherheit zeigt sich auch in der Entwicklung des Dollarkurses gegenüber dem Euro mit einem Anstieg des Euros gegenüber März um 11,3 % (Abb. 05171).




Die Ansprüche der Regierungen an die Bondmärkte zur Finanzierung ihrer Defizite werden - nach Einschätzung von John Mauldin in seinem Rundbrief vom 23. Mai - die Märkte wahrscheinlich überfordern. Der gesamte Markt liegt derzeit bei 67 Billionen Dollar. Doch die USA brauchen in den kommenden 10 Jahren weitere 10 Billionen Dollar. Global werden allein in den nächsten zwei Jahren etwa 5 Billionen Dollar nachgesucht werden, neben all den privaten Ansprüchen an die Bond-Märkte. Schon jetzt reagieren die Märkte mit höheren Zinsforderungen der Anleger. Für eine 10-Jahres-Anleihe stieg der Zins bereits um 1 %, obwohl in der allgemeinen deflationären Entwicklung eigentlich Zinssenkungen zu erwarten wären (Abb. 03944).



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global news 1538 23-05-09: China will keine internationale Umweltdisziplin akzeptieren

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Angesichts seiner durch die westliche Wirtschaftskrise gestärkten Position spielt China nun in den Klimaverhandlungen mit besonders harten Bandagen. Es verlangt von den alten Industrieländern, deren Emissionen bis 2020 um nicht weniger als 40 % gegenüber dem Wert von 1990 zu kürzen und mindestens 0,5 bis 1 % ihres Bruttoinlandsprodukts an ärmere Länder, einschließlich China, für Umweltinvestitionen zu geben (für Deutschland wären das etwas über 22 Mrd Euro pro Jahr). Vor allem aber will China Beschränkungen der Emissionen nur auf freiwilliger Basis ohne internationale Vereinbarung akzeptieren und selbst dann nur, wenn sie mit der eigenen nationalen Situation und der eigenen Entwicklungsstrategie übereinstimmen. Nun wird sich China mit dieser unnachgiebigen Haltung an die Spitze der Entwicklungsländer stellen wollen.

China hält unter den 10 Hauptverschmutzern, die bereits 2006 nicht weniger als 66 % der weltweiten CO2-Emissionen erzeugten, den Platz 1 vor den USA (Abb. 07075). Dabei zeigt auch die Emissionsintensität (Emissionen/BIP) einen Spitzenwert auf Platz 2 nach Rußland (Abb. 07091).



Das World Watch Institute hat auf der Basis des Resourcenverbrauchs und der Emissionen errechnet, daß China und Indien beim heutigen japanischen Pro-Kopf-Niveau bereits 2030 einen extra Planeten von der Größe der Erde brauchten, um ihre Bedürfnisse abzudecken. China z.B. würde den heutigen japanischen Pro-Kopf-Emissionswert bereits mit einer jährlichen Zuwachsrate an Emission von nur 5 % bis 2030 erreichen; derzeit wachsen seine Emissionen um 6 % pro Jahr.

Mit seiner Weigerung, international vereinbarte Disziplinen zu akzeptieren, verschafft sich China im internationalen Wettbewerb einen unfairen Standortvorteil neben den Niedrigstlöhnen (bei Streikverbot und Fehlen unabhängiger Gewerkschaften), einer manipulierten Währung, und vielen Formen von Exportsubventionen. Am Ende werden die Wettbewerber in Europa und USA ebenfalls Ausnahmen von den Umweltauflagen zugesprochen bekommen müssen oder werden Sonderzölle für Importe aus China notwendig werden.


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global news 1537 22-05-09: Nochmal zum Rettungsversuch über Bad Banks

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Mein Rundbrief 1534 vom 19. Mai "Wann endlich begreift die Bundesregierung, daß sie die besonders maroden Banken verstaatlichen muß?" hat einige Reaktionen auf der Kommentarseite hervorgerufen, mit denen ich gut leben kann. Weniger kann ich eine Reaktion akzeptieren von einem Experten, der auch als gelegentlicher Berater der Bundesregierung fungiert und selbst eine Beratungsgesellschaft im Finanzbereich betreibt. Ich zitiere sie hier, weil diese Ansicht typisch für viele im Finanzsektor vertretene Meinungen sein dürfte:

"Ich hoffe, dass sich der BMF nicht durch ein solches Gezeter nach Subventionen beeinflussen läßt. Münchau (Anmerkung Infoportal: Journalist der Financial Times) verbreitet denselben Unsinn. Das Problem ist nicht mangelnde Verstaatlichung, sondern daß die Bundesregierung keine Trennung in Altlasten und Neugeschäft durchsetzt. Die Commerzbank ist ein klassischer Fall für eine derartige Good Bank-Lösung, da hier ein systemrelevanter und lebensfähiger Kern vorliegt, der in der Good Bank weiterleben kann. Dort sollte also dreierlei geschehen: Abspaltung der Eurohypo, Auslagerung von Mittelstands- und Retailgeschäft (aller einfach bewertbaren Aktiva) mitsamt Einlagen und nächstrangigem Kapital in die Good Bank, und der Rest verbleibt in der Commerzbank-AltlastenBadBank."

Nun sollte dieser Experte schon deshalb eigentlich etwas vorsichtiger formulieren, weil er berufsmäßig selbst Partei ist. Hat er etwa rechtzeitig vor der Krise gewarnt? Die vollständige Abtrennung einer Bad Bank geht doch nur, wenn die Aktionäre der verbleibenden Good Bank nicht mehr - und sei es nur mit ihren Dividenden - für die miesen Anlagen haften und wenn die Good Bank trotzdem für die miesen Anlagen vom Steuerzahler einen vollwertigen Ersatz in ihre Bilanz bekommt. Denn den miesen Anlagen stehen in der Bilanz hohe Schulden durch Aufnahme von Anleihen gegenüber. So hat z.B. die Commerzbank ihr Eigenkapital über Schuldenaufnahme in der Realwirtschaft auf eine vierzigmal größere Bilanzsumme hochgehebelt (Abb. 3802).


Das kann also mit der vollständigen Abtrennung nur funktionieren, wenn entweder der Steuerzahler allein für die Altlasten im Ausstausch gegen Echtgeld aus Steuermitteln aufkommt, und das ohne über die Bundesregierung irgendeinen Einfluß auf die Geschäftspolitik der Good Bank zu haben, oder wenn die giftigen Papiere auf wundersame Weise wieder ihren Nominalwert zurückerlangen sollten. Letzteres ist angesichts der in USA steil steigenden Immobilienzwangsverwertungen bei stark gefallenen Preisen nicht zu erwarten. Im April lagen die Anträge auf Zwangsverwertung mit 342.038 um 32 % gegenüber Vorjahrestand und betrafen bereits einen in 374 Haushalten mit Hypothekenfinanzierung (Abb. 05170). Außerdem werden viele mit Subprime-Hypotheken finanzierte Immobilien von den enttäuschten Eigentümern, die nicht mit ihrem persönlichen Vermögen haften, in stark beschädigtem Zustand verlassen und damit weiter entwertet.


Ich habe nie für Subventionen an die Banken "gezetert", sondern immer wieder auf das schwedische Beispiel verwiesen. Dort sind die Banken mit besonderer Schieflage zeitweilig verstaatlicht und später mit einem fast ausgeglichenen Gesamtergebnis für den Steuerzahler wieder privatisiert worden. Bad Banks gab es nur für die verstaatlichten Banken. Mit der Verstaatlichung stellte die bürgerliche schwedische Regierung sicher, daß das Management der Banken nicht nur im Interesse der privaten Aktionäre und nicht der Steuerzahler handeln würde. Die miesen Anlagen konnten bequem auf Eis gelegt werden, weil eine staatliche Bank in jedem Fall wegen der staatlichen Beteiligung liquide bleibt. Ist das eigentlich so schwer zu begreifen?

Natürlich wollen Experten wie der hier zitierte auch nicht den amerikanischen Weg, der die Banken nach einem Stresstest zur Aufnahme von neuem Kapital zwingt, sei es privates oder derzeit eher staatliches. Auch die USA haben reichhaltige Erfahrung mit zeitweiser Verstaatlichung von Banken und anschließender Privatisierung. Man kann viel gegen das amerikanische Konzept sagen, aber wahrscheinlich wird es die amerikanischen Banken schneller sanieren, als das in Deutschland zu erwarten ist.


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global news 1536 21-05-09: Deutsche Wirtschaftspolitik: "Weiter wie bisher" geht nicht

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"Bisher" ging schon nicht oder nur mit Lohnverzichten, schlechter Binnenkonjunktur und aus dem Ausland qua Export geborgten und entsprechend unsicheren Arbeitsplätzen. Wer einseitig so stark wie Deutschland auf Export setzt, braucht kreditfähige Abnehmer. Doch die Überschuldung läßt viele Exportmärkte tief einbrechen. Niemand wird die gigantische Kreditblase wieder aufblasen können.

Dennoch sitzt die Lobby der deutschen Exportwirtschaft der Bundesregierung mit einem "Weiter wie bisher" schon wieder kräftig im Genick. Man beachte nur die öffentlichen Äusserungen von Löscher, dem Chef des größten deutschen Exportkonzerns Siemens:

"Deutschland wird zu den Gewinnern der weltweiten Wirtschaftskrise gehören und die nächste Runde der Industrialisierung anführen. Weltweit werden Infrastrukturprogramme aufgelegt, weltweit wird unter umweltfreundlichen Aspekten modernisiert. Dies wird im Industriesektor zu weiterem Wachstum führen. Als Folge der derzeitigen Wirtschaftskrise wird die Industrialisierung zweifelsohne zu- und nicht abnehmen. Länder wie Deutschland mit einer hochinnovativen Industriestruktur werden großen Vorteil daraus ziehen."

Dementsprechend Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview der Financial Times:

"Man kann es sich angesichts der hohen Verschuldung und sinkender Bevölkerungszahlen nicht erlauben, zulasten der Ausfuhren den Verbrauch anzukurbeln, Die deutsche Wirtschaft hängt in hohem Maße von den Exporten ab, so etwas lässt sich nicht innerhalb von zwei Jahren verändern. Und das wollen wir auch nicht verändern."

Wie einseitig sich Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigt Abb. 14676. Dabei ist die deutsche Industrie viel mehr fremdgegangen als die Industrien anderer Länder. Nur noch 43,4 % der Mitarbeiter der 30 größten börsengehandelten Deutschen Unternehmen waren 2008 in Deutschland beschäftigt (Abb. 14675). Damit deckt sich das Interesse dieser Konzerne längst nicht mehr mit dem der deutschen Arbeitnehmer. Der Verlagerungsdruck ist bei diesen Unternehmen besonders stark und damit die Fähigkeit, Löhne unter Verlagerungsdrohung zu deckeln. Wenn Löscher von den Chancen einer hochinnovativen deutschen Industriestruktur spricht, so zeigt die Arbeitsverteilung im eigenen Unternehmen, wie wenig Siemens selbst davon überzeugt ist.



Weder Löscher noch die von ihm bedrängte Bundeskanzlerin hat eine Antwort auf die Frage, wie man auf immer mehr Kredit exportieren kann, wenn die Kreditwürdigkeit der abnehmenden Volkswirtschaften fehlt. Wie exponential und unhaltbar die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte durch wenige Exportländer in den vergangen Jahren angeschoben wurden, zeigt Abb. 03885. Wenn die Bundesregierung hier weitermachen will, sollte sie ehrlicherweise einen großen Teil weiterer Kredite an die Defizitländer von vornherein zu Lasten des Steuerzahlers abschreiben.



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global news 1535 20-05-09: Erfolgsmeldungen aus dem Konjunkturkeller

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Wenn die Wirtschaftsleistung, der Export oder die Erwartungen an die Zukunft tief abgestürzt sind, wie jetzt, dann kommt einfach der Punkt, der als Talsole bezeichnet wird und von wo aus der Absturz aufhören muß, wenn nicht alles den Bach heruntergehen soll. Das ist genau der Augenblick, in dem von interessierter Seite aus den kleinsten Zacken nach oben frohe Botschaften gezimmert werden, die die Psychologie auf Aufschwung einstellen sollen. Eigentlich ist es ein durchsichtiges Spiel. Doch wer kann es den Menschen verargen, daß sie nach so vielen schlechten Nachrichten nun bereit sind, einigen positiv klingenden Vertrauen zu schenken?

Ein typisches Beispiel ist das monatlich erhobene Umfrageergebnis des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Da wird nun heute die schöne Überschrift gesetzt: "Erneute Aufhellung der Stimmung" und gleich kommentiert: "Die optimistischere Stimmung der befragten Experten dürfte dadurch unterstützt worden sein, dass sich in den vergangenen Wochen in der Realwirtschaft vorsichtige Anzeichen einer Erholung gezeigt haben. So wurde der freie Fall der Industrieproduktion gestoppt, außerdem legten Exporte und Auftragseingänge wieder zu." Das ganze stützt sich auf den besonders unsicheren Erwartungsindex für die Zukunft, der wieder in die Nähe des historischen Mittelwertes geklettert ist (Abb. 04762). Erst ganz am Ende des Berichts findet man dann, wie die aktuelle konjunkturelle Lage eingeschätzt wird, nämlich mit einem neuen Tiefstwert (Abb. 04588): "Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland verharrt im Mai weiter auf sehr niedrigem Niveau. Der entsprechende Indikator sinkt geringfügig um 1,2 Punkte auf minus 92,8 Punkte."



Und die erwähnten Anzeichen einer Erholung existieren größtenteils gar nicht und sind frei erfunden. Nach neuesten Daten ist die Industrieproduktion im April um fast ein halbes Prozent gegenüber März weiter gefallen und der Export im März um weitere 12 % eingebrochen. Die Entwicklung der deutschen Gesamtwirtschaftsleistung erreichte im 1. Quartal 2009 einen einmaligen Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen.


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global news 1534 19-05-09: Wann endlich begreift die Bundesregierung, daß sie die besonders maroden Banken verstaatlichen muß?

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In mehreren Ländern haben einige der angeschlagenen Banken im 1. Quartal plötzlich wieder Gewinne verzeichnet. Doch die Banken-Bilanzen ähneln derzeit mehr eine Fata Morgana. Bei niedrigsten Zinsen auf der Kostenseite und einer sehr schleppenden Weitergabe des Zinsvorteils an die Kunden sind Ertragsverbesserungen eigentlich kein Kunststück. Allerdings geben die Banken die Liquidität, die ihnen die Notenbanken reichlich zuführen, nur zu kleinen Teilen weiter und horten sie ansonsten. In den entwickelten Industrieländern ist die Geldmenge weiter kräftig gestiegen (Abb. 03941). Zieht man jedoch von der gesamten Geldmenge die von den Notenbanken geschaffene Basisgeldmenge (Bargeldumlauf plus Sichteinlagen bei der Zentralbank) ab, so ist die Liquidität zuletzt kaum noch gewachsen (Abb. 03942).



Der IWF erwartet, daß die Banken noch mindestens 1,5 Billionen Dollar abschreiben müssen und dabei die in Europa mehr als die in USA. Dabei gehen die verbrieften und international gehandelten Darlehen amerikanischer Banken weit über die miesen Sub-prime Hypothekenpapiere hinaus (Abb. 05169).


Was vor diesem Hintergrund derzeit bei uns läuft, ist ein wahres Trauerspiel für Deutschland. Die Banken geizen wegen ihrer Überschuldung mit Kredit an die Wirtschaft ausgerechnet jetzt, wenn die Wirtschaft in der Krise mehr Kredit braucht. Die bürgerliche schwedische Regierung hat in einer ähnlichen Situation vor einigen Jahren zur Verstaatlichung gegriffen und nur nach Übernahme der Kontrolle über einige Banken eine Bad Bank für die giftigen Papiere dieser Banken eingerichtet. Auch in Großbritannien und den USA wurden schon in dieser Krise Banken verstaatlicht.

Die Bundesregierung will partout eine Verstaatlichung vermeiden. Sie bietet eine freiwillige Lösung für die giftigen Papiere an, bei der neben dem Steuerzahler (mit sehr riskanten Garantien) auch die Aktionäre zu Lasten ihrer Dividenden einspringen sollen. Doch private Banken sind ihren Aktionären verpflichtet, und die wollen nun einmal nicht für lange Zeiten auf Dividenden verzichten. Auch schließt eine Dividendenbegrenzung die Aufnahme neuen privaten Kapitals natürlich aus. Also erklärt Commerzbank-Chef Martin Blessing, seine Bank sehe aktuell keine Notwendigkeit zur Auslagerung toxischer Papiere. Dabei ist die Commerzbank besonders angeschlagen.

Im Ergebnis einer falschen Ideologie der Bundesregierung würde so die deutsche Bankenkrise auf viele Jahre verlängert und die Krise in der Volkswirtschaft ebenso. Dazu kommt das andere Übel, daß die Bundesregierung zunehmend den ausfallenden Bankenkredit an die Wirtschaft durch einen direkten Staatskredit zu Lasten des Steuerzahlers ersetzt.

Nun darf man wetten, was nach den Wahlen geschieht. Dann wird die gleiche Bundesregierung, wenn sie denn wieder im Amt sein sollte, aus ideologischen Gründen noch immer nicht zwangsverstaatlichen. Statt dessen wird sie wohl die Aktionäre aus der Pflicht entlassen und die giftigen Papiere voll zu Lasten des Steuerzahlers übernehmen.. Das derzeitige Konzept ist in diesem Sinne vielleicht nur ein Feigenblatt, das Zeit bis zu den Wahlen kaufen und die Bundesregierung gegen den Vorwurf der Untätigkeit schützen soll.


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global news 1533 17-05-09: In Deutschland kommen die Reichen bei der Steuer am Günstigsten weg

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Die Steuerstatistik der OECD vom letzten Herbst hat es wieder einmal ans Licht gebracht. Faßt man Grundsteuer, Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuer zusammen, so wird der deutsche Anteil am Bruttoinlandsprodukt von lächerlichen 0,9 % nur noch von Österreich unterboten (Abb. 12244). Dagegen liegt der gemittelte Anteil bei Frankreich und Großbritannien mit 4,1 % viereinhalbmal höher.


Das hat eine Gruppe von wohlhabenden Mitbürgern unter Führung des Hamburger Reeders Peter Krämer (geschätztes Vermögen: 600 Millionen Euro) bereits 2005 zu der Aktion "Belasten Sie die Superreichen, statt den Arbeitnehmern und Rentnern weitere Opfer abzuverlangen!" veranlaßt. Damals forderten die Unterzeichner eines bundesweit beachteten Aufrufs, darunter Literaturnobelpreisträger Günter Grass, von der Politik eine spürbare Anhebung der Grund-, Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuern, anstatt Normalverdienern, Rentnern und Arbeitslosen durch eine höhere Mehrwertsteuer noch tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Begründung las sich damals wie folgt:

"Es ist ein Skandal, dass Deutschland im internationalen Vergleich die niedrigste Besteuerung für Vermögensbestände hat. Fasst man Grundsteuer, Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuer zusammen, ist Großbritannien mit einem Anteil von 4,3 Prozent am Bruttosozialprodukt Spitzenreiter; es folgen Frankreich mit 3,3, die USA mit 3,2, Japan mit 2,8 Prozent. Und Deutschland: 0,8 Prozent! Folgt Deutschland dem Beispiel von Großbritannien und passt die Besteuerung u. a. von Vermögen um weitere 3 Prozent an das Bruttosozialprodukt an, so ergäbe dies die Summe von 66 Milliarden Euro. Bereinigt um steuerliche Abzüge, so die Initiatoren seinerzeit, blieben dem Fiskus 38 Milliarden Euro zur sinnhaften Verwendung."

Seit diesen Zahlen aus dem Jahr 2004 hat sich der Abstand Deutschlands nach unten noch weiter erhöht. Der gemittelte Abstand zu Frankreich und Großbritannien beträgt 3.2 %. Das ergibt auf das heutige Bruttosozialprodukt gerechnet und um den gleichen Anteil von 42 % für steuerliche Abzüge bereinigt einen Betrag von 46 Mrd Euro, angesichts des gewaltigen Defizits in der Staatskasse ein erheblicher Betrag. Jetzt will ein anderer Reicher mit 20 weigeren Vermögenden, darunter die Hamburger Industrie-Magnaten-Tochter Susann Haltermann, rechtzeitig vor der Bundestagswahl den Parteien in Berlin und der Öffentlichkeit erneut publikumswirksam nahe bringen: Reiche wollen mehr Steuern zahlen.

Tatsächlich ist der Anteil der indirekten oder Verbrauchssteuern, die besonders Menschen mit kleinen und durchschnittlichen Einkommen treffen, am gesamten deutschen Steueraufkommen seit der Wiedervereinigung ständig von wenig über 40 % auf 50 % gestiegen, während der Anteil der direkten Steuern, an denen die Wohlhabenden mehr beteiligt sind, entsprechend abgenommen hat, (Abb. 14674). Einerseits wurden die Unternehmenssteuern und die Spitzensteuersätze auf die Einkommenssteuer immer mehr abgesenkt, andererseits wurde die Mehrwertsteuer mehrfach kräftig angehoben.


So ist denn auch durch die Steuerpolitik die Nachfrage der privaten Haushalte in Deutschland unter zusätzlichen Druck geraten (während der Export explodierte), und das rächt sich jetzt gewaltig. Der Absturz des Bruttoinlandsprodukts im 1. Quartal 2009 war beispielsweise dreimal stärker als in Frankreich (Abb. 13706).



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global news 1532 16-05-09: Deutschland wieder "kranker Mann" in Europa

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Die heute von Eurostat veröffentlichten Zahlen zeigen, daß die Wirtschaftsleistung in allen Alt-EU-Ländern weniger als in Deutschland abgestürzt ist (außer Irland und Luxemburg, die beide als kleine Länder besonders von ihrer Finanzwirtschaft abhängen). Das gilt auch für den Vergleich mit USA, Japan, Schweiz und Norwegen (Abb. 13511).


Hier wirkt sich verheerend die deutsche Exportabhängigkeit aus, aber auch die einseitig auf unsichere Leiharbeit sowie den Niedriglohnsektor setzende Arbeitsmarktpolitik ohne das Netz flächendeckender Mindestlöhne. So sind die Arbeitstunden im März gegenüber Vorjahr zwar um 1,9 % gestiegen, was jedoch ausschließlich an drei zusätzlichen Arbeitstagen lag, bei Bereinigung um diesen Effekt gingen sie um 12 % zurück. Darin wirkt sich auch die Kurzarbeit aus, denn die Zahl der Beschäftigten ist nur um 1 % gefallen. Im Ergebnis nahm das Engelt pro Beschäftigten um 4,6 % ab (Abb. 04009). Die Verminderung der Massenkaufkraft trägt in der Rückwirkung zu der schlechten Wirtschaftsentwicklung bei.



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global news 1531 15-05-09: Von wegen Ende der Krise - ein richtiger Aufschwung wird lange auf sich warten lassen

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Alle Notenbanken verbreiten derzeit Optimismus von der Fed bis zur EZB. Das brauchen sie, sonst verpuffen die starken Zinssenkungen und alle anderen unortodoxen Maßnahmen des Gelddruckens ohne den damit gesuchten Effekt. Doch die nakten Zahlen sprechen bisher eine andere Sprache. Eine ehrlichere Sprache spricht auch der Internationale Währungsfond, der für Westeuropa noch in 2010 einen, wenn auch verlangsamten Rückgang der Wirtschaftsleistung voraussagt. Nach seinen Berechnungen stürzt vor allem der Export der Eurozone ab (im letzten Quartal 2008 schon um 26 %), was besonders Deutschland trifft.

Die heute veröffentlichte Entwicklung der deutschen Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2009 mit einem Minus von 3,8 % gegenüber Vorquartal und 6,9 % gegenüber Vorjahresquartal, kann nur dramatisch genannt werden (Abb. 14510, 14003). Einen solchen Einbruch hat es in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland nie gegeben. Auf einen Jahreswert hochgerechnet ging die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2009 um nicht weniger als 15,2 % zurück.



Dabei mehren sich die Nachrichten über Kreditprobleme der Unternehmen, von denen im Februar 1,2 % mehr in die Insolvenz gegangen sind als ein Jahr zuvor. Nach einer neuen Umfrage der KfW haben die Finanzierungsprobleme deutscher Unternehmen "massiv und gravierend" zugenommen. Eine flächendeckende Kreditklemme gebe es zwar noch nicht, aber vor allem kleine Unternehmen leiden schon jetzt unter dem schleppenden Kreditgeschäft. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) befürchtet, dass es spätestens im Spätsommer eine Kreditklemme geben könnte. "Allein die Sorge vor einer Finanzklemme führt dazu, dass Investitionen gebremst werden", sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Das starke Ausmaß dieser Krise ist durch die einmalige Synchronisierung um den Globus herum bestimmt:

1. Die Vorwärtsindikatoren der OECD für die drei größten Volkswirtschaften (außer China), nämlich USA, Japan und Deutschland, zeigen weiter nach unten (Abb. 12405).


2. In USA hat der Einzelhandelsumsatz im April mit 11,3 % unter Vorjahreswert einen neuen Tiefstpunkt erreicht (Abb. 05095), ebenso der Anstieg der amtlich verzeichneten Arbeitslosigkeit mit fast 14 Millionen einen neuen Höchstpunkt (Abb. 05097).



3. In China ist auch im April der Export mit fast 23 % weiter eingebrochen (Abb. 08160); die Importe wurden um die gleiche Rate gebremst. Wie in Deutschland wirkt sich hier die extreme Exportabhängigkeit stark negativ aus; dabei stieg die Sparrate in den letzten Jahren steil bis auf über 50 % der gesamten Wirtschaftsleistung an (privaten Haushalte und nicht ausgeschüttete Gewinne der staatlichen Unternehmen, Abb. 08166). Besonders die nicht ausreichend versicherten Gesundheitskosten zwingen die Bevölkerung zum Sparen. Nun muß die chinesische Industrie bei Exportausfall den Zuwachs der Produktion auf weniger als die Hälfte von vor zwei Jahren erheblich drosseln (Abb. 08130).





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global news 1530 14-05-09: Ein Bundeswirtschaftsminister, der sich aus einer internationalen Steuerstudie nur das herauspickt, was ihm in den Wahlkampf paßt, ist nicht besonders seriös

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Die OECD mit ihrer neuen Steuerstudie hat Deutschland nicht an den Pranger gestellt. Das versucht dagegen BILD und nun auch noch der Bundeswirtschaftsminster mit seiner heutigen Presseerklärung:

"Die Belastung mittlerer Einkommen ist in Deutschland besonders hoch. Wir müssen sie so bald wie möglich deutlich senken. Darin bestärkt mich die neue Studie der OECD. Die Ergebnisse bestätigen, dass wir gerade bei der Einkommensteuer etwas tun müssen."

Dazu der total in die Irre führende Begleittext seiner Pressemitteilung:

"Die Studie untersucht die Steuer- und Abgabenbelastung in den 30 Industrienationen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der durchschnittlich verdienende deutsche Arbeitnehmer OECD-weit die höchste Belastung aus Steuern und dem Arbeitnehmeranteil der Sozialabgaben schultert. Nimmt man den Arbeitgeberanteil hinzu, so belegt Deutschland nach wie vor Platz drei hinter Belgien und Ungarn. Während die Sozialabgaben im Jahr 2008 gegenüber 2007 gesunken sind, hat sich die Steuerbelastung erhöht. Ein Single mit einem Jahresgehalt von rund 63.000 Euro zahlt mit fast 54 Prozent den höchsten Anteil an Steuern und Sozialabgaben, gemessen an seinem Arbeitseinkommen."

Da werden natürlich Äpfel mit Birnen verglichen, wie das nun gerade in den deutschen Wahlkampf paßt. Der besonders hohe Anteil kommt nur zusammen, wenn man auf eine Einzelperson abstellt und die Sozialabgaben einbezieht, die mit der Steuer und dem Steuerstreit ganz und gar nichts zu tun haben. Die Sozialabgaben sind in Deutschland schon wegen der im Vergleich zu den angelsächsischen und anderen Ländern relativ hohen Sozialleistungen, z.B. im Gesundheitssystem, relativ hoch. Man kann nicht nur die Kosten vergleichen, ohne die Leistungen miteinzubeziehen. Auch sind bei den deutschen Sozialabgaben die kostentreibende demographische Situation einer besonders stark alternden Bevölkerung, die im internationalen Vergleich höchste Rate an Langzeitarbeitslosigkeit sowie die Folgen der deutschen Teilung für das Rentensystem zu berücksichtigen.

Bei der reinen Steuerbelastung (ohne Sozialabgaben) liegt die Steuerbelastung einer Einzelperson ohne Kinder durchaus nicht in einer internationalen Spitzenposition. In der folgenden grafischen Auswertung (Abb. 13703) bleiben die osteuropäischen Länder, Mexiko, Türkei und Korea wegen ihrer schlecht vergleichbaren Situation ausgeklammert.


Dagegen verschweigt der Minister, daß Deutschland bei Familien mit zwei Kindern die drittniedrigste Position an Steuerbelastung nach den Niedrigststeuerländern Irland und Luxemburg, hält (Abb. 13376). Das ist besonders wichtig, weil die Familiensituation, sprich Zahl der Kinder, über die Zukunft der deutschen Steuer- und Sozialbelastung maßgeblich mitentscheidet. In diesem Sinne "schmarozen" kinderlose Einzelpersonen in ihrer Altersversorgung von der Kinderzahl der Familien mit Kindern und werden zurecht höher besteuert. Warum wird dieses wesentliche Vergleichselement der OECD eigentlich total verschwiegen? Nur weil es nicht in die Wahlkampfstrategie eines Ministers der CSU paßt, die sich sonst immer so kinder- und familienfreundlich geriert? Oder hat der Minister das Werk seiner konservativen Beamten unbesehen übernommen.



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global news 1529 12-05-09: Neues von der Krisenfront

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1. Die gestern veröffentlichten vorwärtsgerichteten Indikatoren der OECD zeigen unter den sieben größten Ländern der Weltwirtschaft eine leichte Erholung für Frankreich, Italien, Großbritannien und vor allem China, aber einen weiteren starken Fall für USA, Deutschland und Japan (Abb. 12405). Dabei verzeichnet Deutschland den stärksten Abstieg seit etwa einem Jahr.


2. Auf der Exportseite setzt sich der steile Abstieg bei China mit einem Minus von 22,6 % im April fort (Abb. 03866), was zeigt, daß auch das besonders exportabhängige China noch nicht aus dem Schneider ist.


3. Während sich in Deutschland die Diskussion über Steuererleichterungen zur Krisenabwehr im Wahlkampf fortsetzt, hat die OECD ihre übliche jährliche Veröffentlichung zur Lohnsteuerbelastung herausgebracht. Darauf haben sich mit sehr einseitigen Auswertungen sofort die deutschen Medien gestürzt. So meldet SPIEGEL online:

"Deutsche müssen überdurchschnittlich viele Steuern zahlen: Laut einer aktuellen OECD-Studie ist die Abgabenlast im Vergleich zu den meisten anderen Ländern nicht nur frappant hoch - das System benachteiligt obendrein auch noch Paare, bei denen beide berufstätig sind. .. . Unter den 30 OECD-Ländern kommt Deutschland aber immer noch auf den zweithöchsten Wert. So fallen in Deutschland bei einem Alleinstehenden mit einem Jahresgehalt von rund 63.000 Euro mit 53,7 Prozent die höchsten Abzüge durch Steuern und Sozialbeiträge an."

Das ist leider eine gleich mehrfach verzerrte Auswertung des Berichts. Bei der reinen Steuerbelastung liegt eine Einzelperson ohne Kinder noch im oberen Mittelfeld. In der folgenden grafischen Auswertung (Abb. 13703) bleiben die osteuropäischen Länder, Mexiko, Türkei und Korea wegen ihrer schlecht vergleichbaren Situation ausgeklammert. Unter den übrigen 22 Ländern befinden sich 4 traditionelle Niedrigststeuerländer: Irland, Luxemburg, Schweiz und Japan, die hier grün markiert sind.


Jedoch hat Deutschland bei Familien mit zwei Kindern die drittniedrigste Position nach den Niedrigststeuerländern Irland und Luxemburg, was in der Berichterstattung total unterschlagen wird (Abb. 13376).


Deutschland kommt nur in das Spitzenfeld der Belastung, wenn man auf eine Einzelperson ohne Kinder abstellt und die Sozialabgaben einbezieht (Abb. 13704). Die in SPIEGEL online genannten 53,7 % ziehen alle Sozialbeiträge auch die der Arbeitgeber mit ein, ohne die Arbeitgeberbeiträge sind es 35,8 %. Allerding muß man dabei berücksichtigen, daß die Sozialabgaben in Deutschland wegen der im Vergleich zu den angelsächsischen und anderen Ländern relativ hohen Sozialleistungen und auch unter Berücksichtigung der demographischen Situation, der im internationalen Vergleich höchsten Rate an Langzeitarbeitslosigkeit sowie der Folgen der deutschen Teilung für das Rentensystem höher ausfallen müssen.



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global news 1528 12-05-09: Deutschland leidet mehr unter der schlechten Binnenkonjunktur als dem Exporteinbruch

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Die Bundesregierung wird seit Ausbruch dieser Krise nicht müde, uns einzureden, daß nur die Weltwirtschaft daran schuld sei, also praktisch die Wirtschaftspolitik der anderen Länder mit den Folgen für den deutschen Export, nicht aber die Bundesregierung mit ihrer eigenen Wirtschaftspolitik. So zuletzt wieder der Bundeswirtschaftsminister bei der Frühjahrsprojektion:

"Die wirtschaftliche Entwicklung des laufenden Jahres wird durch den massiven weltwirtschaftlichen Einbruch geprägt. Rund drei Viertel des Wachstumsrückgangs entfallen dabei auf den stark negativen Außenhandelseinfluss."

Das ist in doppelter Hinsicht falsch. Einerseits ist der große Einfluß des Außenhandels selbst wiederum auf die falsche Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zurückzuführen, die dem Export immer Vorfahrt vor dem Binnenkonsum gegeben hat. Dazu wurden die deutschen Löhne und Renten und damit die Massenkaufkraft auf Sparflamme gehalten. Instrumente dafür waren die Verweigerung flächendeckender Mindestlöhne, wie sie bei unseren Nachbarn üblich sind, die Förderung der schlechter bezahlten Leiharbeit und Oppostion gegen Brüsseler Versuche eines Diskriminierungsverbots von Leiharbeit, aber auch die ständigen Warnungen an die Gewerkschaften vor angeblich überzogenen Lohnforderungen, die dem Export schaden könnten. Gleichzeitig wurde die Produktionsverlagerung in Niedrigstlohnländer steuerlich gefördert und wurden Technologiesubventionen bei Verlagerung nicht zurückgefordert. Schließlich wurde ein die Verlagerung und damit den negativen Lohndruck fördernder Steuerwettlauf nach unten der EU-Beitrittsländer bei den Unternehmenssteuern zugelassen.

Andererseits sprechen die Umsatz- und Auftragszahlen der deutschen Industrie eine andere Sprache als die des Ministers. Der Inlandsumsatz brach nämlich im März gegenüber dem Vorjahresmonat um gewaltige 17,8 % ein oder fast so viel wie der Export mit 26,6 % (Abb. 14670). Ähnlich liegt es bei den Aufträgen mit einem Minus von 28 % bei den Inlandsaufträgen im März gegenüber Vorjahresmonat und 36 % minus bei den Auslandsaufträgen. Sogar die deutsche Konsumgüterindustrie ist im Inlandsumsatz um 12 % gegenüber Vorjahresmonat eingebrochen. Ebenso brach trotz Abwrackprämie der Inlandsumsatz von Kraftwagen und Kraftwagenteilen um 17,1 % ein. Der negative Trend beim Einzelhandelsumsatz bestätigt die vom Export unabhängige binnenwirtschaftliche Situation ebenfalls (Abb. 04943).



Da aber die Binnenumsatz mit 54,6 % Anteil am Gesamtumabsatz der gewerblichen Wirtschaft erheblich größer als der Export mit 28 % ist (nach Abzug des Vorproduktimports, Abb. 14673), entfällt vom Umsatzrückgang der gewerblichen Wirtschaft im März gegenüber Vorjahr im Ergebnis nur etwa 34,2 % auf den Exportrückgang, wenn man ihn netto rechnet.



Andererseits gibt es wahrscheinlich auch Inlandsumsatz, der den Export vorbereitet, so daß Inlandsumsatz und Export nicht leicht zu trennen sind. Jedenfalls ist die negative Entwicklung des Binnenumsatzes ein so großes Problem für die deutsche Wirtschaft, daß es nicht durch den irreführenden Hinweis auf die Weltwirtschaft als dreiviertel schuldig für den deutschen "Wachstumsrückgang" verniedlicht werden darf. Schon das Wort "Wachstumsrückgang" ist bei einer Negativentwicklung dieses Ausmaßes stark irreführend.


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global news 1527 12-05-09: Tiefer Einbruch im Industrieumsatz

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Nach den Zahlen für März fiel der Umsatz im verarbeitenden Gewerbe gegenüber Vorjahr um 22 % (Abb. 04910). Wie stark der Absturzwinkel ist, zeigt eine Hochrechnung auf Jahreswerte gegenüber dem Gipfelpunkt vom August letzten Jahres: Gesamtumsatz minus 42 %, Inland minus 38 %, Ausland minus 47 %, Inlandsumsatz Konsumgüter minus 19 % . Gemessen an den 22 % Rückgang im Vorjahresvergleich zeigt das kleine Plus im März gegenüber Februar von 1,5 % nicht viel mehr als eine Stabilisierung auf sehr tief abgesenktem Niveau.


Innerhalb der umsatzmäßig wichtigsten Wirtschaftszweige ging der reale Umsatz im März 2009 gegenüber dem Vorjahr bei den Produzenten von Kraftwagen und Kraftwagenteilen trotz Abwrackprämie, die vor allem ausländischen Fabrikaten nützt, am stärksten zurück, nämlich um 32,3%. Dabei sanken der Inlandsumsatz um 17,1% und das Geschäft mit ausländischen Abnehmern um 40,9%. Ähnlich hoch war das Minus mit 31,5% in der Metallerzeugung und -bearbeitung (Inland: -32,0%, Ausland: -30,6%).

Die deutsche Stahlindustrie hat ihre Produktion im April um 53,1 Prozent gedrosselt. Grund sind die Absatzkrisen in der Autoindustrie und im Maschinenbau. Es ist der stärkste Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik.


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global news 1526 11-05-09: Die Arbeitslosigkeit in USA seit Ausbruch der Krise schon um 7 Millionen gestiegen

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Nach den neuesten Daten für April ist die Arbeitslosenquote in USA auf 9,8 % gestiegen, nahezu eine Verdoppelung seit Ausbruch der Krise im Sommer 2007 (Abb. 05097). Dabei stieg die Zahl der Arbeitslosen von 7,1 Millionen auf 13,7 Millionen.



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global news 1525 10-05-09: Wirtschaftsprognosen: Warum ein abgesenktes L wahrscheinlicher als V oder U ist

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Da gibt es nun eine Diskussion unter Wirtschaftsforschern in Deutschland, ob die tiefe Krise von einem raschen (V-Kurve), langsamen (U-Kurve) oder gar keinem Aufstieg (L-Kurve) auf das Vorkrisenniveau abgelöst wird. Sowohl die Auftrags- wie die Produktionsdaten der deutschen Industrie scheinen derzeit einen Tiefstpunkt anzuzeigen, von dem es nun V-, U- oder L-mäßig weitergehen kann, wenn es nicht zu weiteren Einbrüchen kommen sollte (Abb. 14667). Kann es überhaupt ein Zurück zum früheren Niveau geben, oder wird das neue Gleichgewicht tiefer liegen müsse, weil die die Weltwirtschaft ehemals antreibende Kreditblase nicht wieder prall aufzublasen ist und die Banken ihre Bilanzen immer weiter gesundschrumpfen müssen?


Eines ist ziemlich klar: Die Nachfrage der deutschen privaten Haushalte wird weiter auf L-Kurve fahren (Abb. 14669). Viel Aufwärtsdynamik ist da nicht in Sicht, schon weil die Masseneinkommen kaum steigen (wenn nicht fallen) werden und die Entwicklung am Arbeitsmarkt große Unsicherheit verbreitet. Also hängt wieder einmal alles vom Export ab. Der ist tief eingebrochen und liegt nun um 21 % unter dem Gipfelpunkt vom Februar letzten Jahres (Abb. 14668). Doch die Auslandsaufträge sind im selben Zeitraum sogar um 38 % eingebrochen, so daß der Export durchaus noch weiter nachgeben kann.



Die Frage ist nun, ob der Export wieder auf das Vorkrisenniveau hochschnellen kann. Dazu gibt es eine ehrliche Antwort des japanischen Ministerpräsidenten im Interview mit dem Handelsblatt:

"In den letzten rund 20 Jahren hat die Weltwirtschaft durch die überzogene Kreditaufnahme und den übermäßigen Konsum der Länder mit Handelsbilanzdefizit ein hohes Wachstum verzeichnet. Finanziert wurde dies durch Länder mit Handelsbilanzüberschuss. Dieses Modell für weltweites Wachstum ist durch die Krise zerstört worden. Die Weltwirtschaft befindet sich nun in einer Ära der umfassenden Neuordnung, in der sie nach einem neuen Gleichgewicht sucht."

Das scheint mir ziemlich überzeugend und bedarf eigentlich keiner Ergänzung. Das neue Gleichgewicht wird sich nicht bei minus 38 % Export einpendeln entsprechend dem Auftragsrückgang. Doch 15 % weniger wären durchaus möglich. Vergessen wir nicht, daß der Export im Ausgangsjahr 2000 um etwa 40 % niedriger als im vergangenen Jahr lag. Und 15 % weniger wären 7 % weniger Bruttoinlandsprodukt und entsprechend mehr Arbeitslosigkeit.

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global news 1524 09-05-09: Deutsche Industrieproduktion fällt im März um 22,8 % gegenüber Vorjahr

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Die deutsche Industrieproduktion ist auch im März weiter leicht gefallen (Abb. 04306). Die Produktion der gewerblichen Wirtschaft insgesamt (einschließlich Energie und Bau) stagnierte auf dem niedrigen Niveau vom Februar.


Allerdings beruht die derzeitige Stabilisierung ausschließlich auf dem zeitlich begrenzten Sondereffekt des kräftigen Anstiegs der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (+15,4 %). Dagegen ist die Konsumgüterproduktion allein im Monat März gegenüber Februar um weitere 2 % gefallen.

Nach einer heute veröffentlichten Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung haben die Sorgen um die wirtschaftliche Stabililität enorm zugenommen und belegen jetzt bei 36 % der Befragten den zweiten Platz nach der Arbeitslosigkeit, die 57 % als Hauptsorge umtreibt.



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global news 1523 09-05-09: Export im März: Wenn die Medien nach Strohhalmen greifen

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Derzeit greifen die deutschen Medien nach Strohhalmen, um einen Konjunkturaufschwung herbeizureden. Typisch ist wieder einmal SPIEGEL online mit der Meldung von heute unter der Schlagzeile "Exporteure schaffen erstes Umsatzplus seit sechs Monaten":

"Hoffnungsschimmer aus der deutschen Exportwirtschaft: Nachdem die Ausfuhren monatelang schwächelten, legten die Umsätze der Unternehmen im März wieder leicht zu. Die deutschen Exportunternehmen überraschen mit positiven Zahlen: Im März verkauften die Firmen preis- und saisonbereinigt 0,7 Prozent mehr ins Ausland als im Vormonat."

Doch was sind 0,7 % mehr, wenn der Wert um katastrophale 22 % seit dem Gipfel im Juni vergangenen Jahres eingebrochen ist? Abb. 14665 zeigt, auf wie dünnem Eis solche frohe Botschaften aufgebaut werden.


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global news 1522 08-05-09: Industrieaufträge mit leichter Verbesserung weiter im Keller

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Nach der Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministers über die Entwicklung des Auftragseingangs in der Industrie im März 2009 lagen die Gesamtaufträge um 32,5 % unter dem Vorjahreswert, davon die Inlandsbestellungen um 27,5 % und die Auslandsbestellungen um 36,3 %. Der Rückgang im Vorjahresvergleich schwächte sich damit etwas ab, gegenüber dem Vormonat kam es zu kleinen Zuwächsen (Abb. 04569).


Der Abstand zum Auftragsgipfel im November 2007 kurz nach Ausbruch der Krise ist mit einem Minus von 37 % für alle Aufträge und 39 % für solche aus dem Ausland immer noch gravierend. Natürlich konnte sich der Absturz bei bereits so tiefen Werten nicht lange fortsetzen. Die Frage ist nun, auf welchem Niveau er sich am Ende konsolidieren kann. Wie zu erwarten, macht der Bundeswirtschaftsminister jetzt auf Optimismus:

"Diese Einbuße ist mit der jüngsten Wiederbelebung noch längst nicht ausgeglichen. Die jüngsten Zahlen zeigen aber, dass der bisher ungebrochene Absturz der Bestellungen sich fängt und Hoffnung auf eine Normalisierung wachsen kann."


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global news 1521 07-05-09: Der neue OECD-Gesellschaftsbericht

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Die OECD hat jetzt wieder einmal einen breit gefächerten internationalen Vergleich der gesellschaftlichen Verhältnisse vorgelegt. Hier einige Auszüge:

Der Anteil der Kinderarmut ist in Deutschland besonders hoch (Abb. 13700). Vor allem verzeichnet Deutschland zusammen mit Österreich den stärksten Anstieg (Abb. 13701).



Bei der jährlichen Arbeitszeit arbeiten 6 Länder, vor allem skandinavische, kürzer und 12 länger (Abb. 13696). Die bezahlten Ferien- und Feiertage vergleichen sich für Deutschland günstig (Abb. 13699).



Der Anteil derer, die ihre Gesundheit als gut bezeichnen, ist verhältnismäßig niedrig (Abb. 13702).


Die Deutschen nehmen sich genug Zeit zum Essen (Abb. 13698), aber viel zu wenig zum Schlafen (Abb. 13697).




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global news 1520 06-05-09: Die Wahrheit zu den miesen amerikanischen Hypothekenpapieren kommt allmählich ans Licht

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Eine amerikanische Studie des Center for Public Integrity lüftet jetzt den Schleier, wie es möglich war, mit sehr wenig Regulierung der Banken das enorme Volumen von miesen amerikanischen Hypothekenpapieren für den internationalen Handel vorzubereiten. Die 25 wichtigsten Schöpfer solcher Hypotheken wurden entweder von den größten amerikanischen Banken finanziert oder gehörten ihnen. Zusammen schufen sie zwischen 2005 und 2007 etwa 1 Billion Dollar an solchen Papieren, fast drei Viertel des Gesamtvolumens; insgesamt waren es zwischen 2000 und 2007 2 Billionen Dollar, die in solche Papiere versenkt wurden (Abb. 03939).


Zusammen spendeten diese 25 Hypothekenbanken in einem sehr wirksamen Lobby-Aufgebot fast 370 Millionen Dollar, um eine strengere Regulierung der Hypothekenindustrie abzuwehren.

Zu den neun größten Herausgebern solcher Hypotheken-besicherten Papiere gehörte mit rund 52 Mrd Dollar im Zeitraum 2005-06 die Deutsche Bank (Abb. 03940). Sie hat später auch die unglückliche IKB mit solchen Papieren versorgt. Preisfrage: Hat auch die Deutsche Bank in USA gespendet?



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global news 1519 06-05-09: Einbruch der deutschen PKW-Produktion setzt sich fort

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Trotz Abwrackprämie ging im April die deutsche PKW-Produktion um 34 % gegenüber Vorjahresmonat zurück. Der Inlandsabsatz kann den Einbruch beim Export um 48 % bei Weitem nicht abfangen (Abb. 14663, 14640).



Die Zahl der Neuzulassungen lag nur noch um 19 % über dem Vorjahreswert, was ein Nachlassen des Effekts der Abwrackprämie andeuten könnte (Abb. 14664). Leider unterscheidet der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) nicht mehr zwischen Zulassung deutscher und ausländischer Marken. Will man auf Drängen der Bundesregierung eine Diskussion vermeiden, wem die Abwrackprämie vor allem zugute kommt? Nach den letztveröffentlichten Daten vom März stiegen die Zulassungen ausländischer Fabrikate mehr als doppelt so stark als die deutscher, wobei in den deutschen noch deutsche Konzernmarken gerechnet waren, auch wenn sie im Ausland produziert wurden.



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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.