Reihe 54 ab 16-04-09
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(1518) China trägt erhebliche Mitverantwortung für die geplatzte Kreditblase (1517) Krisenphase 4: Der große Ausverkauf - Opel ist nur ein Anfang (1516) Der deutsche Einzelhandelsumsatz geht immer mehr zurück (1515) Die Abwrackprämie hilft der deutschen Automobilindustrie wenig (1514) Krisenprognose von Boston Consulting Group (BCG) (1513) Informationssplitter von der Krisenfront (1512) Die Weltwirtschaftskrise kommt immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an (1511) Ein kleiner Lichtblick: US-Verbraucher etwas weniger pessimistisch (1510) Frühjahrsprojektion der Bundesregierung: Viel Optimismus für 2010 (1509) Und jetzt der Kreditkartencrash? (1508) Deutscher Weltmarkt-Anteil an High-Tech-Exporten auf 7,7 % gefallen (1507) Deutsche Staatsverschuldung soll gemessen am BIP um 35 % steigen (1506) Immer wieder das gleiche Spiel: GfK und SPIEGEL trommeln zum Einkaufen (1504) Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Krise? (1502) Streß-Test für deutsche Banken? (1501) Dem deutschen Bau geht es schlecht (1500) Tiefer Einbruch der Industrieaufträge in der Eurozone um 34,5 % (1499) Frühjahrsgutachen: Minus 6 % und auch das noch mit Illusionen (1498) Der IWF sieht für Deutschland besonders schwarz (1496) Kommt jetzt Deflation oder Inflation? (1495) Hedgefonds in der Krise - Wo bleiben die Reichen? (1494) Die Große Depression läßt grüßen (1493) Warum „schlechte Banken" schlechte Lösungen sind (1492) Alle Ampeln auf „rot" in der gewerblichen Wirtschaft (1491) Stärkster Rückgang der Industrieproduktion in der Eurozone seit mehr als 19 Jahren (1490) Warum dies eine lange Krise wird global news 1518 05-05-09:
China trägt erhebliche Mitverantwortung für die geplatzte Kreditblase Die chinesische Regierung weist jede Kritik und jede Mitverantwortung für die Krise zurück. Doch China hat
seine enormen und einseitig auf ausgebeuteter billigster Arbeitskraft aufgebauten Handelsbilanzüberschüsse viele Jahre lang mit den USA entwickelt. Es hat in dieser Periode zur
Exportsteigerung den Renmimbi an den Dollar gebunden und damit unterbewertet, sonst wären solche Überschüsse gar nicht möglich gewesen. Die so erwirtschafteten gigantischen
Devisenreserven wurden dann zu einem großen Teil in amerikanischen Schatzpapieren angelegt, was ein Riesenkredit an die USA und indirekt die amerikanischen Verbraucher war. Die enorme Welle an
Liquidität, die so nach USA geschwappt ist, hat gleichzeitig die Zinsen in USA niedriger gehalten und damit den künstlichen Boom im Immobilienbereich und anderswo noch weiter angeheizt. In
den vier Jahren von 2004 bis 2008 hat China seine Anlagen in US Schatzpapieren von 200 Mrd Dollar auf 750 Mrd Dollar nahezu vervierfacht und dabei Japan als ausländischer Hauptanleger
überholt (Abb. 03938). Nachsatz: Deutschland hat ähnlich unverantwortlich im Eurobereich gehandelt.
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Krisenphase 4: Der große Ausverkauf - Opel ist nur ein Anfang Die weltweite Krise kommt nun in ihre 4. Phase nach dem Zusammenbruch der Immobilienmärkte (Phase 1), vieler Banken und der
Kreditmärkte (Phase 2) und der Nachfrage privater Verbraucher sowie der Exporte (Phase 3). Unternehmen, die ihren Markt verlieren und/oder keinen Kredit mehr bekommen, werden in dieser neuen
Phase zum Spielball von Schnäppchenjägern. Die wollen billigst erwerben, haben aber oft weniger die Produktion als den Markt des Übernahmeopfers im Auge, um ihn mit ihrer eigenen
Produktion zu übernehmen. Die Automobilindustrie einschließlich Zulieferer ist weltweit in dieser Situation, zumal Autos sehr stark auf Kredit gekauft wurden. Von Chrysler in USA,
über die GM-Töchter in Europa oder auch Schäffler in Deutschland. Selbst das deutsche Musterunternehmen Porsche hat nun Finanzierungsprobleme. Die Banken selbst sind zum Spielfeld von
Übernahmen geworden. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, der in Deutschland fast 1 Million Menschen beschäftigt, wird ebenfalls drankommen, schon weil der Export nach Platzen der
Kreditblase nicht auf das alte Niveau zurückfinden wird. Unter den Aufkäufern werden - neben der unmittelbaren Konkurrenz (siehe FIAT) und den immer noch aktiven Heuschrecken - Staatsfonds
aus China oder aus Ölländern aktiv sein. Diese Phase der Konsolidierung und Anpassung an die geschrumpften Märkte geht vor allem zu Lasten der Arbeitsplätze, zumal
in der Krise der Trend zu kostensparenden Verlagerung in Billiglohnländer zunehmen wird. Der heute
veröffentlichte Einkaufsmanager-Index zeigt, daß sich der Rückgang der Produktion im April etwas abgeschwächt hat (Abb. 14613). Dazu der Kommentar: "Doch gleichzeitig
beschleunigte sich der Jobabbau und fiel so stark aus wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung vor dreizehn Jahren. Damit passten die Firmen ihre Beschäftigungslevels den niedrigeren
Produktionsanforderungen an.
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Der deutsche Einzelhandelsumsatz geht immer mehr zurück Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im März 2009 nominal 1,8% und real 1,5%
niedriger als im März 2008. Im Vergleich zum Februar 2009 sank er unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal um 1,4% und real um 1,0%, was einer Jahresrate von 12 %
entspricht. Verglichen mit dem Durchschnitt des Jahres 2007 war der Umsatz schon rund 3 % im Minus (Abb. 04943). Besonders stark ging der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren
zurück; er setzte im März 2009 nominal 2,6% und real 3,0% weniger um als im März 2008 um. Dabei verzeichneten Supermärkte, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte einen
Rückgang von nominal 2,5% und real 2,8%. Beim Facheinzelhandel mit Lebensmitteln lagen die Umsätze nominal um 3,7% und real sogar um 5,4% niedriger als im Vorjahresmonat. Die Zahlen
strafen alle Prognosen der Bundesregierung Lügen, die immer noch von der privaten Nachfrage trotz der enormen Verunsicherung durch steigende Arbeitslosigkeit eine Konjunkturstützung
erwarten. So der Bundeswirtschaftsminister mit seiner Erwartung einer Stagnation bei -0,1 % in 2009: "Gleichwohl dürfte der private Konsum im Projektionszeitraum nur leicht zurückgehen.
Denn Maßnahmen aus dem Konjunkturprogramm wie die Einkommensteuersenkung, niedrigere Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung, der Kinderbonus und die Rentenerhöhung stützen
die Einkommensentwicklung. Damit ist der private Konsum eine wichtige Stabilisierungskraft."
global news 1515 03-05-09:
Die Abwrackprämie hilft der deutschen Automobilindustrie wenig Derzeit brechen die Exporte auf dem weltgrößten Automobilmarkt USA drastisch ein. Deutsche Marken sind stark betroffen.
Im Schnitt wurden in den USA im April 34 Prozent weniger Autos verkauft als im März. BMW , Porsche und Daimler mussten im April starke Rückgänge hinnehmen (Abb. 03937). Umso mehr
Hoffnungen wurden auf die Abwarckprämie gebaut. Doch nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle hätten sich Drei von vier Neuwagenkäufern in diesem Jahr
ohnehin einen Pkw zugelegt. Bei einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent, wie für 2009 erwartet, wäre mit einem Rückgang des Neuwagenabsatzes um drei Prozent zu rechnen
gewesen , das entspricht rund 100.000 Autos. Gefördert werden aber bis zu zwei Millionen Neuwagenkäufe. Das heißt: Wahrscheinlich sind nur fünf Prozent der Käufe auf die
Abwrackprämie zurückzuführen, die restlichen 95 Prozent dagegen wären ohnehin getätigt worden. Andererseits rechnet das IWH damit, daß der Staatshaushalt durch die
Abwrackprämie unter dem Strich mit 2,6 Milliarden Euro belastet wird. Um das Verhalten eines Bürgers zu steuern, werden gleich drei weitere mitsubventioniert. Für jeden Bürger, den
allein die Abwrackprämie von 2500 Euro dazu bringt, sich dieses Jahr einen Neuwagen zuzulegen, werden die Steuerzahler aus dem Abwrack-Etat mit 10.000 Euro belastet. Dabei nützt die
Abwrackprämie vor allem den billigeren ausländischen Fabrikaten (Abb. 14646).
global news 1514 03-05-09:
Krisenprognose von Boston Consulting Group (BCG) BCG hat in einer Studie basierend auf internationalen Umfragen unter Unternehmensmanagern zu ermitteln versucht, wie der Krisenverlauf
eingeschätzt wird. Immerhin erwarten 45 % eine Erholung erst in der zweiten Hälfte 2010 oder noch später. Nur 22 % erwarten einen raschen Aufschwung ("V-Kurve"), dagegen 59 % einen
langsameren Aufschung ("U-Kurve") und 17 % sogar eine dauerhaft abgesenkte Wirtschaftskraft ("L-Kurve"). Interessant sind die Ansichten zum Weltexport. Während in Deutschland etwa die
Hälfte (51 %) ein dauerhaft abgesenktes Exportvolumen erwarten, sind es in den klassischen Defizitländern wesentlich höhere Anteile: Frankreich 70 %, Spanien 64 %, USA 58 % und
Großbritannien 56 %. In den Defizitländern rechnet man also weit weniger damit, daß die Ungleichgewichte fortbestehen können.
global news 1513 02-05-09:
Informationssplitter von der Krisenfront Es kommen derzeit viele Meldungen herein, die man nicht alle einzeln in Rundbriefe setzen kann. Nach Mitteilung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sind die Aufträge im März 2009 im
Vorjahresvergleich real um 35 % geschrumpft (Abb. 14647). Damit hat sich der Einbruch, der im Vormonat noch bei -49 % lag, etwas abgeschwächt, bleibt aber immer noch bedrückend. In dieser
Branche arbeiten immerhin 975.000 Beschäftigte. Auch in diesem Jahr schütten die Dax-Konzerne - das sind die 30
größten an deutschen Börsen notierten Unternehmen wieder hohe Dividendenzahlungen in der Großenordnung von 22 Mrd Euro aus. Zwar sind die Gewinne im zurückliegenden Jahr um
40 Prozent gesunken, doch liegen die Dividenden nur 20 Prozent unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Bei einigen Unternehmen sind die Dividenden sogar gestiegen. Da läuft also alles noch nach
"shareholder value". Mit -6.1 % stabilisierte sich der Rückgang der amerikanischen Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2009 etwa auf dem Niveau des Vorquartals (Abb.
05085). Nach einer Analyse des Weltwährungsfonds dürften die Rettungsaktionen der amerikanischen
Regierung den Steuerzahler in den kommenden fünf Jahren etwa 1,9 Billionen Dollar kosten oder 13,3 % der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das sind gigantische 6.200 Dollar pro Kopf der
Bevölkerung in jedem der fünf Jahre, wenn die Verschuldung des amerikanischen Staates über Steuern abgebaut werden sollte und nicht einfach über mehr Inflation. Nach den neuesten Daten der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich (BIZ), haben die europäischen Banken massive Kapital aus den Schwellen- und
Entwicklungsländern Osteuropas und der übrigen Welt abgezogen. Dies geschah unter dem Druck, die Bilanzen schrumpfen zu müssen und der Forderung der stützenden Regierungen nach
Kreditversorgung der heimischen Märkte. In den neun Monaten bis Dezember letzten Jahres zogen die Banken 4,8 Billionen Dollar (3,6 Billionen Euro) grenzüberschreitend ab, der stärkste
jemals registierte Fall. Allein imm letzten Quartal 2008 waren es rund 2 Billionen Euro oder 14 % Kreditvolumen weniger als im 1. Quartal 2008. Abb. 03936 zeigt den Rückgang der
Finanzströme in die 30 größten Volkswirtschaften sowohl in den Zuflüssen fremden Kapitals wie in den Rückflüssen eigenes Kapitals, letzteres vor allem eine in den USA
auftretende Bewegung, die den Dollar erheblich gestüzt hat.
global news 1512 01-05-09:
Die Weltwirtschaftskrise kommt immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an Nun kommt die Weltwirtschaftskrise immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs
(-17,4 % im April gegenüber Vorjahr) und damit rächt sich die leichtsinnige Arbeitsmarktpolitik mit unsicheren Zeitverträgen auf die bitterste Weise (Abb. 14527). Die Zahl der
Kurzarbeiter steigt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften fällt deutlich. Gegenüber März stieg saisonbereinigt die Arbeitslosigkeit weiter deutlich an, der Beschäftigungsaufbau
brach erstmals auf negative Werte ein (Abb. 14041). Von den Arbeitslosengengeldempfänger werden nur 58,7 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als
71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job. Eine ausführliche Analyse bringt der neue Schwerpunkt „Arbeitslos im April 09". global news 1511 30-04-09:
Ein kleiner Lichtblick: US-Verbraucher etwas weniger pessimistisch Das amerikanische Verbrauchervertrauen ist im April leicht angestiegen, liegt allerdings mit 39.2 weit unter dem Normalwert von 100
des Conference Board Index, um den es noch gegen Ende 2007 pendelte (Abb. 05073). Besonders die Erwartungen an die Zukunft verbesserten sich. Das gilt auch für die Erwartungen an den Arbeitsmarkt, wo nur noch 37
% einen Job-Rückgang erwarten und nun 14 % eine Verbesserung. Bei so niedrigen Werten, sind allerdings Bewertungen wie im SPIEGEL: "Der Stimmungsindex legte damit in diesem Monat so stark zu
wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr" weit übertrieben. Auch fallen die Immobilienpreise immer noch im Februar mit 18,6 % gegenüber Vorjahr oder 2,2 % gegenüber Vormonat
(entspricht Jahresrate von 26,4 %). Der Absturz der Hauspreise hat sich damit kaum abgemildert (Abb. 03714).
global news 1510 30-04-09:
Frühjahrsprojektion der Bundesregierung: Viel Optimismus für 2010 Die Bundesregierung erwartet nun für dieses Jahr einen tiefen Einbruch von minus 6 % in der Wirtschaftsleistung.
Allerdings soll es dann 2010 mit plus 0,5 % schon wieder aufwärts gehen. Das widerspricht total der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds, der auch im nächsten Jahr
ein Minus von 1 % voraussagt (Abb. 13691). Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Minus von 0,5 % in 2010. Dazu der Bundeswirtschaftsminister: "Wer jetzt, wo unsere
Maßnahmen gerade erst beginnen zu wirken, meint, mit einem dritten Konjunkturprogramm nachlegen zu müssen, erreicht genau das Gegenteil des Gewünschten: Verunsicherung der Investoren,
der Konsumenten und der Steuerzahler. Attentismus und Missmut ist das Letzte, was wir jetzt brauchen." Offensichtlich soll die frohe Erwartung für 2010 vor allem Forderungen nach
zusätzlichen Konjunkturhilfen abwehren. Dem entspricht auch die Erwartung des Bundeswirtschaftsministers, daß die steigende Arbeitslosigkeit den privaten Konsum kaum beeinträchtigt:
"Gleichwohl dürfte der private Konsum im Projektionszeitraum nur leicht zurückgehen." Bei solchen Prognosen zum privaten Verbrauch stützt sich die Bundesregierung nicht zuletzt auf die
Entwicklung der Tariflöhne. Die lagen im Januar real nach Abzug der Verbraucherpreisinflation um 1,25 % über dem Vorjahreswert (Abb. 14052). Doch dabei wird immer vergessen, daß ein
sehr großer Teil der Arbeitnehmer gar nicht in den Genuß der Tarifabschlüsse kommt, sei es in Unternehmen ohne Tarifbindung (in Westdeutschland 30 %, in Ostdeutschland 45 %) oder in
der stark hochgefahrenen Leiharbeitsbranche. Außerdem drängen jetzt die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie darauf, die zum 1. Mai vorgesehene Tariferhöhung um 2,1 %
herauszuschieben? Laut "Süddeutscher Zeitung" könnten die Arbeitnehmer in jedem zweiten Betrieb leer ausgehen. So schätzt auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall, daß jeder
zweite Betrieb die Erhöhung vermeiden will. Dessen Präsident Kannegiesser forderte in der "Bild am Sonntag" die Beschäftigten auf, die zweite Stufe der Lohnerhöhung zu
verschieben. Nach den letzten Zahlen für Februar ist die Lohn- und Gehaltssumme pro Arbeitsstunde in der gewerblichen Wirtschaft kaufpreisbereinigt um 3,6 % zurückgegangen,
was die begrenzte Wirkung der Tarifverträge zeigt. Außerdem
arbeiten nur noch weniger als ein Fünftel der deutschen Erwerbstätigen überhaupt in der gewerblichen Wirtschaft.
global news 1500 29-04-09:
Und jetzt der Kreditkartencrash? Als nächste Welle bedroht ein Crash bei amerikanischen Kreditkartenschulden die internationale Bankenwelt. Denn auch Kreditkartenschulden sind in sogenannten
Struktured Investment Vehikeln (SIV) zusammengelegt, in Wertpapieren verbrieft und dann international gehandelt worden. Der Kauf solcher Papiere wurde von den Banken mit kurzfristigen am Kapitalmarkt
aufgenommenen Krediten hochgehebelt, um den Profit zu steigern (Abb. 03671). Bei Ausbruch der Krise in 2007 gab es ungefähr 300 Mrd Dollar in solchen Verbriefungen (Abb. 03709). Seit in vielen
amerikanischen Haushalten die Finanzierung des notwendigen Konsums nicht mehr über Hypotheken auf Immoblien laufen kann, werden noch stärker als schon in der Vergangenheit Kreditkarten
eingesetzt. Diese Finanzierung ist umso riskanter als Kreditkartenschulden viel höhere Zinslasten tragen als Hypotheken, besonders wenn es zu Zahlungsverzug kommt. Derzeit besitzen 78 Prozent
aller Amerikaner mindestens eine Kreditkarte gegenüber nur etwa 35 % der Deutschen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Summe der offenen Kreditkartenschulden aller Amerikaner um 25 Prozent
angestiegen. Insgesamt sind es jetzt 956 Milliarden Dollar. Ein Drittel der Kreditkartenschulden entfällt auf die wachsende Zahl der Schuldner mit schlechter Bonität - die ihrerseits
zusehends Gefahr laufen, säumig oder zahlungsunfähig zu werden. Deren Anteil stieg seit Ende 2006 von 3,9 auf 5,6 Prozent. Die Zinsen dieser Kreditkarten sind in den vergangenen Monaten
dramatisch angestiegen. So hat Citibank die Kartenkunden gewarnt, dass der Zinssatz ab sofort automatisch auf 29,99 Prozent angehoben werde, sobald auch nur eine Rate zu spät komme. Aber auch
liquide Kunden werden mit Zinssteigerungen zwischen drei und sechs Prozent belegt. Um sich gegen Ausfälle abzusichern, erhöhen die Banken die Zinsen und damit das Risiko eines
Zusammenbruchs.
global news 1508 29-04-09:
Korrektur: Deutscher Weltmarkt-Anteil an High-Tech-Exporten auf 7,7 % gefallen Nach einer neuen Übersicht von Eurostat bestreitet die EU nur noch 14,6 % des Weltexports an High-Tech-Gütern, die vor
allem folgende Gruppen beinhalten: Elektronik-Telekommunikation, Computer-Büromaschinen, wissenschaftliche Instrumente, Luft- und Raumfahrt, Chemie-Pharma. Der Grund liegt in dem starken
Aufstieg Chinas, das jetzt die USA überrundet und die Spitzenposition eingenommen hat (Abb. 13695). Der deutsche Anteil am Weltexport von High-Tech beläuft sich nur auf 7,7 %. Dabei
entfällt auf Deutschland fast 8 % der EU-Exporte von High-Tech. Die deutsche Exportstärke liegt in normalen technischen Produkten unterhalb der High-Tech-Kategorie, wie Kraftfahrzeuge,
Werkzeugmaschinen, etc..
global news 1507 28-04-09:
Deutsche Staatsverschuldung soll gemessen am BIP um 35 % steigen In seinem neuen Wirtschaftsausblick erwartet der IWF einen Anstieg der deutschen Staatsverschuldung von von 67 % des BIP in 2008 auf
91 % in 2014, d.h. um nicht weniger als 35 % (Abb. 04065). Eine so hohe Staatsverschuldung kann nicht lange durchgehalten werden, weil immer mehr der Steuereinnahmen auf den Schuldendienst
draufgehen. Schon im vergangenen Jahr besetzte der Schuldendienst mehr als 15 % aller Ausgaben; 2014 würden es dann bereits 21 % sein, wenn nicht normale Ausgaben stark beschnitten würden.
Ohne saftige Steuererhöhungen wird es also nicht gehen. Dabei ist die deutsche Staatsverschuldung unter den G8-Ländern nicht einmal besonders hoch. Die USA kommen auf 107 %, Italien auf
129 % und Japan auf 234 % (Abb. 03935). Die Zahlen verdeutlichen welche enormen Aufgaben vor den Regierungen stehen, wenn sie einerseits eine Welle an Inflation nach Ende der Depression vermeiden
wollen, andererseits aber den Schuldendienst reduzieren müssen. Hinzu kommt, daß die Kapitalmärkte nich beliebig groß sind und immer neue Staatsanleihen nur zu wachsenden Zinsen
akzeptieren oder bei einigen Ländern am Ende gar nicht mehr.
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Immer wieder das gleiche Spiel: GfK und SPIEGEL trommeln zum Einkaufen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vor einem Monat: „Trotz einer Flut negativer Meldungen zur konjunkturellen
Entwicklung bleibt die Stimmung bei den Verbrauchern insgesamt nahezu unverändert." Und SPIEGEL: „Verbraucher lassen sich von Krise nicht einschüchtern". Dabei verharrte das
Konsumklima mit leichtem Auf und Ab auf Tiefstständen. Nun einen Monat später wiederholt sich das Propagandaspiel, mit dem wir zum Einkaufen getrieben werden sollen. Unter der
Überschrift: „Konsumklima bleibt robust" meldet die GfK: „Der schweren Wirtschaftskrise zum Trotz bleibt die Stimmung der Verbraucher auch im April dieses Jahres stabil. Die
Konjunktur- und Einkommenserwartungen können nach leichten Einbußen im Vormonat sogar wieder etwas zulegen. Die Anschaffungsneigung schwächt sich zwar leicht ab, kann aber ihr gutes
Niveau insgesamt beibehalten. Der Gesamtindikator prognostiziert nach revidiert 2,5 Zählern im April für Mai ebenfalls 2,5 Punkte und zeigt sich damit angesichts der anhaltenden
Hiobsbotschaften erstaunlich robust." Und der SPIEGEL meldet prompt unter der Überschrift: „Konsumklima bleibt stabil": „Lichtblick in der Krise: Die Stimmung der Verbraucher bleibt
laut der Gesellschaft für Konsumforschung im April und Mai stabil." Tatsächlich verharrt das Konsumklima weit unter dem Normalniveau (Abb. 04711). Die Konjunkturerwartung dürfte sogar
in der Nähe des tiefsten jemals gemessenen Wertes liegen (Abb. 04917). Sollte das etwa ein „robustes" Konsumklima sein?
global news 1504 27-04-09:
Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Krise? Die enormen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte von drei Leistungsbilanzüberschußländern, nämlich China,
Deutschland und Japan, die weit unter ihren Verhältnissen gelebt haben, und den USA, die weit über ihre Verhältnisse gelebt haben, haben erheblich zur Kreditkrise beigetragen. Doch
seit Beginn letzten Jahres sind die Handelsbilanzüberschüsse Japans praktisch verschwunden (Abb. 03933). Dazu hat auch die Aufwertung des Yen stark beigetragen. Ebenso sind die deutschen
Überschüsse auf die Hälfte ihres Ausgangswertes zu Beginn des vergangenen Jahres zurückgefallen. Dagegen hat China bis zum Januar dieses Jahres seine
Handelsbilanzüberschußposition weiter aufgebaut und einen Einbruch im Februar inzwischen teilweise überwunden. In den sieben Monaten seit September letzten Jahres entwickelte sich der
Export nur in einem einzigen schlechter als der Import. Der Handelsbilanzüberschuß lag im März 2009 fast auf der Höhe von Anfang 2008 und doppelt so hoch wie der letztgemeldete
deutsche vom Februar 2009. So hat China per Ende März 2009 seine Währungsreserven um weitere 16 Prozent gegenüber Vorjahr hochgefahren (Abb. 08028). Damit trägt China bisher
relativ wenig zur Stabilisierung der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, die die Krise mitausgelöst haben, bei. Es müßte gerade jetzt seine Importe aus den Ländern, mit denen
es hohe Überschüsse angesammelt hat, hochfahren, tut es aber bisher jedenfalls nicht. Symptomatisch ist Chinas Handelsbilanz mit der EU. Die Importe aus der EU sind seit dem 2. Quartal
letzten Jahres rückläufig (in Mrd Euro Q2 20,6 - Q3 19,8 - Q4 19,2); dagegen hat China im gleichen Zeitaum seine eigenen Exporte in die EU von 52,8 Mrd Euro auf 64,4 Mrd Euro hochgefahren
und über das ganze Jahr einen Überschuß von 158 Mrd Euro erzielt. Nach den letzten Zahlen der EU für Januar gingen die chinesischen Importe aus der EU um 27 % zurück und
stieg der chinesischen Handelsbilanzüberschuß um 16 % gegenüber Vorjahr. China erhöht also das Ungleichgewicht mit der EU, seinem wichtigsten Handelspartner selbst in der Krise
weiter (Abb. 03934). Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
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Das größte Haushaltsdefizit in der Geschichte der Bundesrepublik, doch - anders als z.B. in Großbritannien - kein Gegensteuern durch Reichensteuer Die Nettokreditaufnahme wurde
für dieses Jahr bereits von 18,3 auf 36,8 Mrd Euro erhöht. Doch darin sind die Ausgaben für das Konjunkturpaket II und zur Stabilisierung der Banken noch gar nicht enthalten.
Angesichts dieser Sonderausgaben und der enormen Steuerausfälle erwartet der Bundesfinanzminister bisher bereits eine Neuverschuldung von deutlich über 50 Mrd Euro, die höchste in der
Geschichte der Bundesrepublik. Andere Schätzungen gehen bis auf 90 Mrd Euro. Andere Länder kommen in ähnliche Situationen. Doch - anders als Deutschland - steuern einige wenigstens
teilweise mit Sondersteuern auf hohe Einkommen dagegen. So hebt Großbritannien den Spitzensteuersatz von 40 auf 50 % für Einkommen von umgerechnet mehr als 166.000 Euro an. In Irland
müssen die Besserverdiener eine Sondersteuer von 15.600 Euro pro Jahr berappen. Deutschland hätte Raum nach oben. Denn durch immer mehr Absenkungen liegt der Spitzensteuersatz heute im
Mittelfeld der EU, wenn man von Sondersituation in Luxemburg, Griechenland und Portugal absieht (Abb. 13539).
global news 1502 25-04-09:
Streß-Test für deutsche Banken? In USA und Großbritannien werden die Banken einem Streßtest unterzogen, um sicherzugehen (soweit das überhaupt möglich ist), daß
sie bei sich weiter verschlechternder Konjunktur und entsprechendem Aufwuchs fauler Forderungen noch genügend Eigenkapital haben. Die Regierungen müssen bei ungünstigem Ausgang bereit
sein, mit Verstaatlichung einzusteigen, falls - wie zu erwarten - privates Kapital keinen Appetit auf Bankaktien hat und auch die Zusammenlegung von Banken das Problem nicht lösen kann. In
Deutschland ist ein solcher Streßtest offensichtlich nicht vorgesehen. Hier glaubt man bei den privaten Banken den beruhigenden Aussagen des Managements, besonders Ackermanns von der Deutschen
Bank. Doch kann man wirklich glauben? Der Internationale Währungsfonds hat erst in dieser Woche im Global Financial Statibility Report berichtet, die Banken bräuchten seiner Ansicht nach
1,7 Billionen Dollar an neuem Kapital. Dabei entsteht der Hauptbedarf mit einem Anteil von 725 Mrd Dollar bei Banken der Eurozone, fast dreimal mehr als in USA (Abb. 03931). Vermutlich sind die
deutschen Banken besonders kapitalbedürftig. Der IWF berechnet diesen Kapitalbedarf auf der Basis eines von ihm für notwendig gehaltenen Verhältnisses von „tangible equity"
(Eigenkapital abzüglich Geschäfts- oder Firmenwerte sowie Präferenzaktien) zu „tangible assets" (Finanzanlagen) von 6 %. Dieser Anteil lag vor Ausbruch der Krise nur bei 4 %, was
entschieden zu wenig war. Auch im amerikanischen Streßtest wird dieses Verhälnis von „tangible equity" ermittelt. Dagegen legt die Bankenaufsicht nach den internationalen Spielregeln
der BIZ einen anderen Maßstab an, nämlich „tier one capital" zu „tangible assets", wobei „tier one capital" aus dem gesamten eingezahlten Grundkapital und Rücklagen
besteht, ohne die bei „tangible equity" vorgenommenen Abzüge. Doch hat sich gerade in der derzeitigen Bankenkrise gezeigt, daß Geschäfts- und Firmenwerte sowie
Präferenzkapital schwer zu bewerten sind und damit erhebliche Unsicherheiten enthalten. Ausgerechnet das Beispiel der Deutschen Bank zeigt den Unterschied sehr deutlich. Bei „tier one
capital" liegt die Deutsche Bank mit einem Anteil von 11 % noch über dem europäischen Durchschnitt von 9 % auf dem vierten Platz von 12 größeren Banken. Doch legt man den
vorsichtigeren Maßstab von „tangible equity" an, so fällt die Deutsche Bank mit etwa 1,3 % unter den Durchschnittswert von 1,8 % und vor allem weit unter den vom IWF geforderten Wert
von 6 % auf den 11. Platz gegen Ende des Feldes (Abb. 03932). Die Selbstsicherheit von Ackermann mag gespielt sein.
Nach einem nun öffentlich gewordenen Geheimpapier der deutschen Bankenaufsicht BaFin belaufen sich die Engagements von 17 deutschen Banken in problematischen Geschäftsfeldern auf 816 Mrd
Euro, wobei nur ein Teil auf echt giftige Papiere entfällt, andere sind derzeit nicht handelbare Papiere oder andere Risikopositionen. Insgesamt sollen bei den Landesbanken 355 Mrd Euro an
solchen Risiken liegen, bei der Hypo Real Estate 268 Mrd Euro, bei den Volks- und Raiffeisenbanken 54 Mrd Euro und bei den Privatbanken, wie Commerzbank und Deutsche Bank, 139 Mrd Euro. Allerdings
sollen nach Angaben einer Bafin-Sprecherin in die als Risikobeträge angeführten Zahlen auch Vermögenswerte eingeflossen sein, die nach Angaben der Banken nicht mehr zur aktuellen
Geschäftsstrategie passen und die daher ausgegliedert werden könnten. Bei den einzelnen Angaben soll es sich zum Teil um Bruttobeträge handeln. Risikovorsorge, Sicherheiten und
Gegengeschäfte sollen nicht berücksichtigt sein. Ein Teil der Summe sollen Staatsanleihen sein, deren Ausfallrisiken als extrem gering einzustufen seien. Egal wie, die Bundesregierung
sollte einen strengen Streßtest durchführen, bevor es zu spät sein kann. Dabei sollte ein Wirtschaftseinbruch um mindestens 6 % in diesem Jahr und einige Prozente im nächsten
angenommen werden. Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
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Dem deutschen Bau geht es schlecht Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts verzeichnete das Bauhauptgewerbe im Februar 2009 in Deutschland preisbereinigt 17,5% niedrigere
Auftragseingänge als im entsprechenden Vorjahresmonat. Gegenüber dem Gipfel vom Januar letzten Jahres sind die Aufträge schon um fast 27 % gefallen (Abb. 14605). In den Betrieben des
Hoch- und Tiefbaus waren Ende Februar 2008 666 000 Personen tätig; das waren etwa 12 000 Personen weniger als vor einem Jahr (- 1,8%).
global news 1500 24-04-09:
Tiefer Einbruch der Industrieaufträge in der Eurozone um 34,5 % Nach heutiger Meldung von Eurostat sind die Industrieaufträge im Februar gegenüber Vorjahr um 34,5 % eingebrochen.
Deutschland lag mit minus 39,4 % noch unter dem Durchschnitt (Abb. 04732). Über den gesamten Zeitraum der Krise seit dem 4. Quartal 2007 verzeichneten die Aufträge in Deutschland den
stärksten Rückgang (Abb. 13559).
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Frühjahrsgutachen: Minus 6 % und auch das noch mit Illusionen Selbst die traurige Voraussage der Konjunkturforschungsinstitute eines Konjunktureinbruchs um 6 % in diesem und 0,5 % im kommenden
Jahr ist mit Illusionen befrachtet. Die Zahl der Erwerbstätigen soll nur um 1,3 % zurückgehen, obwohl der Rückgang beim Arbeitsvolumen bei 4,8 % angenommen wird. Die Differenz soll
wohl weitestgehend auf das Konto von Kurzarbeit gehen. Doch ob diese Rechnung aufgehen kann, hängt von der Länge der Krise ab. Sollte Deutschland nicht so schnell aus der Krise auftauchen,
wie es die Insitute für 2010 vermuten, so werden viele Unternehmen schon in diesem Herbst zu massiven Entlassungen übergehen. Deshalb kann die Annahme bezweifelt werden, daß die
Arbeitslosigkeit in diesem Jahr „nur" um 450.000 steigt, auch wenn die amtliche Statistik am Ende die Zahlen wieder verschönern wird. Die größte
„Milchmädchen-Rechnung" wird wieder einmal beim Konsum der privaten Haushalte aufgemacht, dem mit einem Anteil von über 56 % größten Einzelposten der deutschen
Wirtschaftsleistung. Der soll in diesem Jahr von -0.1 % in 2008 auf +0.3 % steigen und das in der größten globalen Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren trotz stark steigender
Arbeitslosigkeit sowie Kurzarbeit und allgemeiner Verunsicherung. Da wird wieder der falsche und ungedeckte Scheck auf das Verbraucherverhalten gezogen, der in der Vergangenheit immer wieder
angebrannt ist. So erwarten die Institute auf der Basis ihrer relativ optimistischen Annahmen zum Arbeitsmarkt zwar ein Sinken der Bruttolöhne und -gehälter um 3,6 %, bauen aber dann die
ganze Hoffnung auf die Konjunkturprogrammme mit den dort vorgesehenen Steuersenkungen. Im Ergebnis sollen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, die über die Kaufkraft
entscheiden, im laufenden Jahr um 0,2 % zunehmen. Doch die meisten Verbraucher sind ohnehin in den unteren Steuerklassen oder zahlen gar keine Steuern. Daher wird sich die erwartete Gesamtzunahme der
verfügbaren Einkommen, wenn sie denn überhaupt so eintritt, kaum in eine noch stärkere Zunahme der Nachfrage umsetzen. Zudem erwarten die Institute einen leichten Preisanstieg um 0,2
%, der die Kaufkraft zusätzlich einschränkt. Die Exporte sollen um 22,6 % fallen, aber im kommenden Jahr bereits wieder um 2,4 % steigen. In den ersten zwei Monaten 2009 sind die Exporte
gegenüber dem Vorjahr um 23,1 % gefallen und haben damit ihren Abstieg weiter fortgesetzt. Es müßten schon einige Wunder passieren, wenn sich die Negativrate bei 22,6 % stabilisieren
sollte, zumal der deutsche Export im Vorjahr seinen Abstieg erst im November antrat und die Abschwächung im Vergleichsjahr 2008 erst von da an ins Gewicht fällt. Auch wird sich die
Konjunkturabschwächung auf den Absatzmärkten noch fortsetzen und damit den deutschen Export weiter drücken. In der jüngeren Vergangenheit haben die Wirtschaftsforschungsinstitute die Konjunkturentwicklung immer in die positive
Richtung überschätzt. So haben sie noch im Herbstgutachten 2008 das endgültige amtliche Ergebnis dieses Jahres um 38 % übertroffen (Abb. 14662). Der Bundeswirtschaftsminister
heute in seiner Presseerklärung zum Gutachten: „Die Institute rechnen aber damit, dass sich die Abwärtsdynamik nach dem Frühjahr 2009 verlangsamt und die weltweit expansiv
ausgerichtete Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik das Fundament für eine Stabilisierung legen." Dagegen der Originaltext der Institute: "Auf Basis der vorliegenden Indikatoren erwarten die
Institute zwar, dass die Abwärtsdynamik fortan nachlässt, sie rechnen aber nicht mit einer Stabilisierung vor Mitte 2010." Warum muß der Bundeswirtschaftsminister das Gutachten
positiv uminterpretieren?
global news 1498 23-04-09:
Der IWF sieht für Deutschland besonders schwarz In seinem heute veröffentlichten Wirtschaftsausblick erwartet der IWF einen schweren Einbruch der Weltwirtschaft mit einem Rückgang der
Weltwirtschaftsleistung um 1,3 % und einem nur geringem Wachstum im kommenden Jahr von 1,9 %. Die entwickelten Industrieländer werden demzufolge in diesem Jahr um 3,8 % abrutschen und im
kommenden Jahr kein Wachstum erzielen. Dabei soll deren Export in diesem Jahr um 13,5 % schrumpfen. Der IWF spricht von der bei Weitem tiefsten Rezession seit dem 2. Weltkrieg. Dabei ist die Krise
global, denn pro Kopf soll die Wirtschaft in Ländern schrumpfen, die drei Viertel der Weltbevölkerung darstellen. Für Deutschland sieht der IWF besonders schwarz. Unter den
G8-Ländern wird Deutschland in diesem Jahr unter der nach Japan zweitstärksten Absturzrate von 5,6 % leiden und in kommenden Jahr mit minus 1 % die negativste Entwicklungsrate verzeichnen
(Abb. 13691, 13692). Die Arbeitslosigkeit soll dabei bis 2010 bis auf fast 11 % ansteigen; das sind 38 % mehr Arbeitslose als noch 2008 (Abb. 13694). Der IWF besorgt sich wegen der Gefahren wachsender
Unternehmenszusammenbrüche und spricht von „gefährlichen" Ausmaßen. Er weist weiter auf die steigende Staatsverschuldung hin. Er erwartet für die entwickelten
Industrieländer einen Anstieg von 75 % der Wirtschaftsleistung auf 110 % in 2014, kann sich aber bei ungünstigen Umständen auch 140 % vorstellen (Abb. 13693).
Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
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Drei „IWF-Bomben": 4,1 Billionen Dollar an Schaden im Finanzsektor, Eurozonenbanken brauchen dreimal mehr Kapital als amerikanische,
IWF fordert Verstaatlichungen Die Wahrheit dieser
Finanzkrise kommt nur stückchenweise ans Licht. So wuchsen die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Schäden der Banken und anderen Institutionen des Finanzsektors von 1,4 über 2,2 auf
jetzt 4,1 Billionen Dollar im heutigen Global Financial Stability Report. 4,1 Billionen Dollar sind eine gigantische Zahl und entspricht 3,2 Billionen Euro und damit weit mehr als alle deutschen
Wirtschaftsleistungen eines Jahres von rund 2,5 Billionen Euro. Damit rechnet der IWF mit dem Ausfall von 7 % aller Kredite und Wertpapiere, deren gesamter Außenstand bei 58 Billionen Dollar
angenommen wird. Von den 4,1 Billionen Dollar sollen etwa 2,7 Billionen Dollar auf Schäden bei den Banken entfallen, der Rest auf Versicherungen, Pensionsfonds und andere Spieler. Doch die Banken
haben nach Mitteilung der Wirtschaftsagentur Bloomberg bis zum Anfang des Monats erst Abschreibungen über rund 1,3 Billionen Dollar veröffentlicht. Die Banken brauchen nach Ansicht
des IWF 1,7 Billionen an neuem Kapital. Dabei entsteht der Hauptbedarf mit einem Anteil von 725 Mrd Dollar bei Banken der Eurozone, fast dreimal mehr als in USA (Abb. 03931). Der IWF berechnet diese
Schadenswerte bei einem angestrebten Verhältnis des Eigenkapitals zu den Finanzanlagen von 6 %, während dieser Anteil vor Ausbruch der Krise nur bei 4 % lag. Allerdings äußert
der IWF erhebliche Sorgen, ob die Regierungen so hohe Zahlungen aus den öffentlichen Haushalten gegen den wachsenden Widerstand der Steuerzahler durchsetzen können (die US Administration
versucht deshalb bereits private Beteiligungen hineinzuziehen). Nach Ansicht des IWF wird es einige Jahre dauern, bis das Bankensystem wieder normal funktionieren kann und wird die Rezession deshalb
länger und tiefer werden. Seit Beginn der Krise ist die Marktkapitalisierung der Banken um mehr als die Hälfte von 3,6 Billionen Dollar auf nur noch 1,6 Billionen Dollar gefallen. Damit
hat nach Ansicht des IWF das Kapitalkissen der Banken erheblich gelitten. Banken würden nun am Markt zunehmend nach ihren Aussichten für Kapitalzuflüsse beurteilt. Zum ersten Mal
fordert der IWF die Regierungen zur Verstaatlichung von Banken auf: „The current inability to attract private money suggests that the crisis has deepened to the point where governments need to
take bolder steps and not shrink from capital injections in the form of common shares, even if it means taking majority, or even complete, control of institutions. Temporary government ownership may
thus be necessary, but only with the intention of restructuring the institution to return it to the private sector as rapidly as possible. (Die Krise hat sich nun derart vertieft, dass Regierungen
mutigere Initiativen ergreifen müssen und auch vor Kapitalspritzen in Form von Stammaktien nicht zurückschrecken dürfen - auch wenn das bedeutet, die mehrheitliche oder gar komplette
Kontrolle über die Institute zu übernehmen)". Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
und im Buchhandel bestellt werden kann, siehe hier. global news 1496 22-04-09:
Kommt jetzt Deflation oder Inflation? In diesen Tagen erreichten mich mehrere Zuschriften zu diesem Thema, hier nur zwei: "Persönlich halte ich etwa die Auffassung von Peter Bofinger für
plausibel, der den Inflationswarnungen seitens des BMF Steinbrück u.a.m. wg. der aktuellen Deflationsgefahren widerspricht und bei der Eindämmung mittelfristig drohender Inflation vor allem
auf den Instrumentenkasten der EZB setzt. Wegen der Brisanz dieser Frage wäre eine weitere seriöse Auseinandersetzung und Positionierung damit sicher wissens- und dankenswert." "Mir
fällt auf, dass in letzter Zeit immer öfter in den Unternehmen mit Vereinbarungen wie Lohnverzicht, Aussetzung von Tarifvereinbarungen u.ä. reagiert wird. Oft habe ich dabei den
Eindruck, dass die Krise lediglich missbraucht wird, um solche "Sparmaßnahmen" durchzudrücken, die man in normalen Zeiten nicht durchsetzen konnte. Nun wissen wir, dass genau diese
Entwicklung die Krise erst ermöglicht hat. Was können wir daraus lernen? Wo führt das hin? Verschärft es die Krise (ist das überhaupt möglich)? Enden wir in einer
immerwährenden Stagnation, in der die Beschäftigten endgültig nur noch vom Wohlwollen der Konzernchefs und der Gewährung staatlicher Hilfen abhängig sind? Staatskapitalismus
a la China dann auch in Deutschland? Was meinen Sie, welches Szenario realistisch ist, wenn das so weiter geht? Vielleicht ist das ja mal ein Thema für einen GzZ." Man muß eigentlich
nicht Kaffeesatz lesen, um sich eine heftige Deflation vorzustellen. Die kam übrigens auch in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, als die Großhandelspreise über einen Zeitraum
von vier bis sechs Jahren um etwa die Hälfte fielen (Abb. 03924). Bei einer globalen Bankenkrise, in der der Kredithahn abgedreht wird, ist das ohnehin wahrscheinlich. Das gilt umso mehr, wenn
diesmal in vielen Ländern, besonders USA und Großbritannien, die Menschen heillos überschuldet sind, und wenn in anderen, besonders Deutschland, China und Japan, die Mehrheit der
Bevölkerungen seit Jahren mit negativen Reallohnentwicklungen leben oder aus anderen Gründen auf chronisches Sparen geschaltet haben. Die Deflation brütet dann Deflation, weil die
Verbraucher bei fallenden Preisen mit größeren Anschaffungen erst recht warten. Japan hat etwa zehn Jahre lang in einer solchen Situation leben müssen. Die Situation wird noch
verschlimmert, wenn - wie jetzt offensichtlich in Deutschland - mit Hinweis auf die Krise Druck auf Lohnzurückhaltung aufgemacht wird. In Deutschland rächt sich nun umso mehr das Fehlen
flächendeckender Mindestlöhne. Das gibt dann eine grandiose Spirale nach unten, die sehr viele Jahre anhalten kann. Dagegen sind staatliche Konjunkturprogramme schon wegen der
Größenordnungen, um die es bei der Einschränkung des privaten Verbrauchs geht, total machtlos. Auch sind die Notenbanken nach einer Zinssenkung auf null weitgehend am Ende ihrer Fahnenstange. Was
dann noch hilft ist die Notenpresse mit der Gefahr einer späteren Inflation. Dies ist der Weg der USA und Großbritanniens, die sich durch Gelddrucken aus dem deflationären Druck
befreien wollen. Tatsächlich sind viele Länder schon auf dem Weg in die Deflation. In USA war der Verbraucherpreisindex im März zum ersten Mal seit 1955 mit minus 0,4 % negativ. Auch
Großbritannien meldet heute zum ersten Mal seit 1960 eine negative Entwicklung der Einzelhandelspreise gegenüber dem Vorjahr, während sich die Verbraucherpreise insgesamt noch auf
positivem Gelände befinden. Auch in Deutschland kommt die Deflation näher. Die Großhandelsverkaufspreise sind bereits von ihrer Spitze bei plus 10 % gegenüber Vorjahr im Juli
vergangenen Jahres auf ein Minus von 8 % im März dieses Jahres abgestürzt, die Erzeugerpreise von plus 2,6 % auf minus 1,2 % und die Verbraucherpreisentwicklung von 3,3 % auf nur noch 0,5 %
(Abb. 14485). Diese Entwicklung stößt in Deutschland auf eine ohnehin schwache Verbraucherkonjunktur und führt direkt in mehr Arbeitslosigkeit, womit sich eine weitere negative
Spirale in Bewegung setzt. Bereits die starke Kurzarbeit führ zu geringerer Kaufkraft: die Arbeitsstunden in der gewerblichen Wirtschaft fielen im Februar gegenüber Vorjahr um 11 %, die
Lohn- und Gehaltssumme kaufpreisbereinigt um 3,6 %. Wir müssen uns also auf eine längere deflationäre Periode mit hoher Arbeitslosigkeit einrichten, zumal die deutsche Politik die
großen Konjunkturpakete wie in USA und Großbritannien ablehnt und die Europäische Zentralbank kein Geld künstlich drucken kann. Nach dieser Periode droht allerdings wegen der
irrsinnigen Liquidität, die vor allem die USA in den Kapitalmarkt pumpen, eine starke weltweite Inflationswelle. Die wird umso mehr kommen, falls die USA und einige andere Länder über
Inflation die Verschuldung ihrer Staatshaushalte und Banken abbauen wollten. Deutschland hat dann beide Übel: eine teilweise hausgemachte Deflation und eine später importierte Inflation.
global news 1495 21-04-09:
Hedgefonds in der Krise - Wo bleiben die Reichen? Ein Großteil der Reichen gehörte zu den Ersten, die ihr Geld im vergangenen Jahr gleich zu Beginn der Krise in Sicherheit gebracht haben. Es macht schon einen Unterschied, ob ein Reicher sich einen erfahrenen
Vermögensberater leisten kann, oder ob ein Normalmensch sein begrenztes Vermögen selbst verwalten muß. Die Normalmenschen, die an der Börse angelegt hatten, haben in der Regel
den besten Zeitpunkt zum Abstoßen und Auf-Sicherheit-Gehen verpaßt. Viele haben der Börse am Ende mit für sie erheblichen Verlusten dann endgültig den Rücken gekehrt.
An die besonders profitablen Hedgefonds, bei denen nur die Reichen akzeptiert werden, sind sie ohnehin nicht herangekommen. Das von Hedgefonds verwaltete Vermögen ist in den letzten Jahren bis
zum Ausbruch der Krise steil auf mehr als 2,2 Billionen Dollar angewachsen (Abb. 03478). Das ist mehr als das Doppelte aller in Deutschland im Laufe eines Jahres gezahlter Löhne und
Gehälter. Mehr als zwei Drittel des verwalteten Vermögens gehört zu Hedgefonds, die in Steueroasen der Karibik angesiedelt sind (Abb. 03465). Natürlich wollen die Manager der
Hedgefonds in der Regel nicht an solchen exotischen Plätzen leben und brauchen auch die Nähe ihrer Kunden. Etwa drei Viertel des Vermögens wird daher aus USA und Großbritannien
verwaltet (Abb. 03466). Die Hedgefondsbranche war bis Ende 2006 auf etwa 9000 Hedgefonds angewachsen. Immer mehr Banken hatten eigene Hedgefonds aufgemacht, z.B. JP Morgan, Goldman Sachs, Barclays. Mehr als zwei Drittel der Anlagen in Hedgefonds kam bis vor der Krise von wohlhabenden Einzelinvestoren. Der Rest entfiel auf institutionelle Anleger, besonders die Pensionsfonds aus USA und anderen
angelsächsischen Ländern. Mit der Krise sind auch die Hedgefonds stark unter Druck geraten. Ihr Anlagevermögen ist im vergangenen Jahr um 30 % geschrumpft, was eine Folge von negativer
Entwicklung der Anlagen selbst, von Rückforderungen der Anleger und der Auflösung eines Teils der Fonds ist. Wer aber glaubt, die Reichen seien so zu den Hauptopfern der Krise geworden,
unterschätzt deren Beweglichkeit. Im vergangenen Jahr kam es zu massiven Abzügen aus den Hedgefonds, wobei bei den europäischen Hedgefonds 80 % dieser Abzüge auf das Konto reicher
Individualanleger kam. So sind nun die Pensionsfonds zu den Hauptanlegern in diesem riskanten Geschäft aufgestiegen.
global news 1494 20-04-09:
Die Große Depression läßt grüßen Der IWF hat jetzt einen Vergleich der derzeitigen Krise mit der Großen Depression der 30er Jahre veröffentlicht. Sie begann mit
dem Börsencrash in 1929. Auch diesmal hat die Börse ähnlich stark nachgegeben, obwohl ein Bankencrash und nicht ein Börsencrash am Anfang stand (Abb. 03928). Die
Industrieproduktion ging damals drei Jahre lang steil nach unten und erreichte erst etwa 7 Jahre später wieder das ursprüngliche Niveau (Abb. 03923). Auch diesmal fällt die
Industrieproduktion steil ab, wie der Vergleich für Deutschland zeigt (Abb. 03930). Es kam zu einer deflationären Spirale von fallenden Preisen um etwa die Hälfte (Abb. 03924). Auch
jetzt deutet sich in USA eine Deflation an. Hartnäckige Rückkoppelungen zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft verstärkten damals wie jetzt die Entwicklung nach unten. Der
Absturz in USA übertrug sich auf den Rest der Welt. Beide Krisen, die von damals und heute, sind die einzigen, die in den USA als größter
Wirtschaft der Welt ihren Ursprung nahmen. Dabei sind auch die globalen Ungleichgewichte mit dem gewaltigen Schuldaufbau der USA heute größer (Abb. 05168)
Finanzierungsprobleme führten damals wie heute zu einer Schrumpfung der Bilanzen der Banken und Einschränkung der Kredittätigkeit (Abb. 03927). Das wiederum erhöhte die
Finanzierungskosten der Wirtschaft, z.B. über Bonds damals wie heute, heute sogar noch viel stärker und schneller (Abb. 03925). Der große Unterschied zu damals liegt in der Krisenpolitik der Regierungen. Roosevelt ging
schließlich lange nach Ausbruch der Krise zu Antideflationspolitiken über, allerdings ohne die Geldmenge hochzufahren, weil noch der Goldstandard galt. Diesmal wurde die Geldmenge schnell hochgefahren (Abb. 03929). Andererseits fand der Kreditboom vor der
Krise in den 20er Jahren fast nur in USA statt, während er diesmal weltweit stattgefunden war. Auch ist die wirtschaftliche und finanzielle Integration heute viel stärker als damals, so daß
die finanziellen Schocks heute viel intensiver und globaler weitergegeben werden.
Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
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Warum „schlechte Banken" schlechte Lösungen sind Die deutschen Großbanken haben ihre Kredittätigkeit gegenüber Nicht-Banken in Deutschland seit dem Gipfel im Mai 2007,
unmittelbar vor Ausbruch der Krise, bereits um mehr als 13 % eingeschränkt und fahren sie in der Tendenz ziemlich steil nach unten (Abb. 03922). Die Unternehmen klagen zunehmend über
Kreditverknappung. Eine der Ursachen, neben der schlechten Konjunktur und der damit größeren Kundenrisiken, ist die Verstopfung der Kreditkanäle durch den in den Banken angesammelten
Giftmüll an toxischen Papieren. Man könnte sie in Quarantäne packen, indem die Großbanken für eine Übergangszeit verstaatlicht würden. Die Banken würden dann
mit dem Staat im Rücken nicht mehr an den toxischen Anlagen ersticken können. Der Staat könnte über das Management der Banken für einen normalen Kreditfluß sorgen. Doch
diese Lösung, die Schweden in seiner Bankenkrise betrieben hat, indem dort zwei Banken voll verstaatlicht wurden, stößt in Deutschland auf ideologische Widerstände aus der
neoliberalen Ecke. Die will keinen Systembruch einräumen und auch in der Krise an der total privaten Orientierung festhalten, auch wenn das sehr viel Steuerzahlergeld kostet. Statt dessen wird
an die Einrichtung von „schlechten Banken" gedacht, also aus den Bilanzen ausgegliederten Einheiten als Sammelbecken der toxischen Anlagen, für die dann der Staat Ausfallbürgschaften
übernehmen würde. Aus Sorge vor dem Unwillen der Wähler an einer derartigen Sozialisierung der Verluste will Minister Steinbrück Presseberichten zufolge zwischen stark toxischen
Anlagen, für die er nicht bürgen möchte, und nur vorübergehend nicht handelbaren Papieren unterscheiden, und nur für letztere mit Bürgschaften antreten. Am 21. April
will Steinbrück mit Branchenvertretern über sein Konzept sprechen, das dem Kanzleramt bereits vorliegt. Ein solches Konzept ist total irreal. Denn wenn die echt toxischen Anlagen im System
bleiben, wird der Kreditmarkt nicht flüssig werden. Außerdem öffnet eine solche unklare Unterscheidung zwischen toxischen und illiquiden Anlagen dem vom Wähler und Steuerzahler
nicht zu kontrollierenden Kuhhandel mit den Banken Tor und Tür. Wieviel konsequenter hat doch seinerzeit die bürgerliche schwedische Regierung gehandelt! Sie hat verstaatlicht und sie hat
nur bei den verstaatlichten Banken für die Entsorgung des Giftmülls gesorgt, sonst aber „bad banks" nicht einmal erwogen. Bei den verstaatlichten Banken ist sie voll ins Management
eingestiegen, um zu verhindern, daß sich dieses nur der Interessen der Aktionäre, nicht aber des Steuerzahlers und der Bankkunden annimmt. Bei einer Verstaatlichung kann der Staat auch die
Anleihezeichner, die den Banken mit ihrem Geld das Spiel auf dem Hochseil erst ermöglicht haben, an den Verlusten beteiligen, ebenso natürlich und erst recht die Aktionäre. Beide
Gruppen wären bei einer „bad bank"-Lösung sonst die großen Gewinner.
global news 1492 17-04-09:
Alle Ampeln auf „rot" in der gewerblichen Wirtschaft Nach den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts sind nun alle wesentlichen Werte für Februar im saisonbereinigten Vorjahresvergleich
auf „rot" geschaltet: Beschäftigte minus 0,3 %, Arbeitsstunden minus 11,1 %, Lohn- und Gehaltssumme kaufpreisbereinigt minus 3,6 %, Entgelt pro Beschäftigten minus 2,3 % und
kaufpreisbereinigt minus 3,4 % (Abb. 14637). Im hohen Rückgang der Arbeitsstunden drückt sich vor allem Kurzarbeit und Überstundenabbau aus; außerdem gab es im Februar 2009
lediglich 20 Arbeitstage und somit einen weniger als im Februar 2008, so daß der Rückgang ohne diesen Faktor bei minus 10,6 gelegen hätte. Der starke Abfall der realen
Arbeitseinkommen um 3,6 % muß die deutsche Konjunktur weiter schwächen und neben dem starken Exportrückgang das erste Quartal 2009 tief ins Minus drücken.
global news 1491 17-04-09:
Stärkster Rückgang der Industrieproduktion in der Eurozone seit mehr als 19 Jahren Wie Eurostat am Donnerstag mitteilte, fiel die industrielle Erzeugung (ohne Baugewerbe) gegenüber dem
Vorjahr um 18,4 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang auf Jahressicht seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 1990. Die deutsche Industrieproduktion gehörte mit minus 20,6 % zu den
höchsten Absenkungsraten (Abb. 13687, 13688).
global news 1490 16-04-09:
Warum dies eine lange Krise wird Keine moderne Volkswirtschaft kann ohne ein solides Kreditsystem funktionieren. Doch der Kreditbogen wurde global irrsinnig überspannt und ist an vielen Stellen
gebrochen. Da gab es die Überschußländer, darunter Deutschland. Die haben in nur 5 Jahren ihre jährlichen Überschüsse verfünffacht. Kumuliert waren es dann
über diesen Zeitraum 4,5 Billionen Dollar (Abb. 03885). Um mit Billionen zu rechnen, braucht man einen verständlichen Maßstab. Nehmen wir also die gesamte jährliche
Wirtschaftsleistung der USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, von ungefähr 19 Billionen Dollar oder der deutschen von etwas über 3 Billionen Dollar. Dann kann man die
Unwucht zwischen Ländern und innerhalb von Ländern im globalen System einordnen. Die Banken haben den Bogen durch immer mehr Schuldenaufnahme bei kleinstem Eigenkapital überspannt.
Bei der Deutschen Bank z.B. stieg das Verhältnis von 1 zu 20 in fünf Jahren auf mehr als 1 zu 50 (Abb. 03869). Sehr viel des von den Banken über Anleihen in der Realwirtschaft
aufgenommenen Kapitals, allein von internationalen Banken etwa 17 Billionen Dollar, wurde in minderwertigen amerikanischen Hpothekenpapieren angelegt. Die Zahl solcher Hyptheken explodierte
förmlich von 200.000 im Jahr 2000 auf 2.250.000, also mehr als das Zehnfache, nur fünf Jahre später. Besonders leichtsinnig haben die Private Equity Unternehmen Kredit aufgenommen, um
so ihre Raubzüge in der Unternehmenslandschaft zu finanzieren. Von den 15 größten in London angesiedelten Fonds sind zehn inzwischen weniger wert als die Kosten, die sie auf sich und
die bedauerlichen Unternehmen genommen haben. Die weltgößten Fonds dieser Art haben jetzt schon 40 % bis 70 % ihrer Anlagen in Unternehmen abgeschrieben. Weltweit, auch in Deutschland,
wurde der Kreditbogen zwischen einer kleinen vermögenden Oberschicht als Kreditgeber und der Masse an kreditnehmenden ärmeren Bevölkerungsschichten überspannt. Vor allem der
amerikanische Verbraucher, die phänomenale globale Konjunkturlokomotive der letzten Jahre, hat sich heillos übernommen und muß nun ein neues Gleichgewicht zwischen Einkommen und den
etwa 13 Billionen Dollar an Schulden finden. Seit Mitte vergangenen Jahres hat er seine Einkäufe bereits mit einer Jahresrate von mehr als 12 % eingeschränkt (Abb. 05095). In den Jahren
zuvor haben die amerikanischen Verbraucher massiv billigen Kredit auf ihre immer höhere Preise erklimmenden Immobilien geladen, um damit einzukaufen oder andere Kredite zu refinanzieren (Abb. 05167). Nach Schätzungen
von McKinsey waren es in den fünf Jahren bis zum 3. Quartal 2008 3,2 Billionen Dollar. 0,9 Billionen Dollar davon wurden auf Einkäufe verwandt, mehr als das Notpaket der
Obama-Administration. Gleichzeitig sparten sie immer weniger. Hätten sie ihre Sparrate auf dem Niveau von 1980 gehalten, so hätten sie allein in dem einen Jahr 2007 etwa 1 Billion Dollar
weniger ausgegeben. Hinzu kommt der Vermögensverlust amerikanischer Haushalte durch fallende Hauspreise und Börsenkurse. Seit der Spitze im Jahre 2007 sollen es schon etwa 13 Billionen
Dollar sein. Auch das wirkt sich nun negativ auf das amerikanische Verbraucherverhalten aus. Alles muß jetzt global auf einem viel niedrigeren Kreditniveau ein neues Gleichgewicht finden. Das
braucht Jahre und geht nur durch eine schwere Anpassungskrise. Gemessen an diesen astronomischen Größenordnungen sind die bisherigen Notprogramme der Regierungen nicht besonders
eindrucksvoll. Mehr zur weltweiten Krise in meinem neuen Buch "Die zweite Grosse Depression", das jetzt direkt beim Verlag (portofrei), im Versandhandel
und im Buchhandel bestellt werden kann, siehe hier. Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme"
- ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.

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Auftragslage im Maschinenbau

Trotz Krise und Jobabbau hohe Dividendenzahlungen an deutsche Aktionäre
US Wirtschaftsleistung

Das Krisenmanagement kostet den amerikanischen Steuerzahler fast 5.000 Euro pro Kopf
Starke Deglobalisierung der Finanzmärkte

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