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(1431) Auch China rettet den deutschen Export nicht

(1430) Wieviel Milliarden braucht Osteuropa?

(1429) Bis das Faß überläuft und der Krug bricht

(1428) Der Arbeitsmarkt im Februar

(1427) Detailergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zum 4. Quartal 2008

(1426) Finanzmarktkrise: Immer wieder falsche Ursachenforschung von rechts bis links

(1425) Das deutsche Wirtschaftsklima auf tiefstem Stand seit 26 Jahren

(1424) Der Dax folgt verblüffend genau dem Trend der großen Wirtschaftskrise 1929-32

(1423) Deutschland auch 2007 im Spitzenfeld der Lohndiskriminierung der Frauen

(1422) Zum Schicksal von Opel und dem Rest der deutschen Automobilindustrie

(1421) Der Dienstleistungs- und Industrieindex von Markit verzeichnet im Februar einen weiteren steilen Fall

(1420) Der Euro war ein Fehler, doch wir kommen jetzt nicht raus

(1419) Teil 2 von Rundbrief 1418: Bankenverstaatlichung

(1418) Zehn Jahre Bankenkrise wie in Japan oder drei wie in Schweden?

(1417) Der Lagebericht des neuen Bundeswirtschaftsministers und die Realitäten

(1416) Die Weltwirtschaft in der „Auszeit": Wann fallen die nächsten Dominos?

(1415) Die Mogelpackung der ZEW-Konjunkturerwartungen

(1414) Mit dem Nordlichter-Modell besser aus der Krise

(1413) Gewerbliche Wirtschaft im Dezember 2008

(1412) In der Weltwirtschaftskrise nun "Weltkrieg" um Jobs?

(1411) Die Weltwirtschaft unter dem Negativdruck der drei Hebel

(1410) Deutschlands rasante Lohnspreizung

(1409) Wenn das Strohfeuer erstickt

(1408) 4. Quartal 08: Tiefster Wirtschaftsabschwung im wiedervereinigten Deutschland

(1407) EU-Industrieproduktion in steilem Abstieg

(1406) Wie kann man die Banken retten?




global news 1431 03-03-09: Auch China rettet den deutschen Export nicht
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Guttenberg in seiner Pressemitteilung unter der Überschrift: „Chinesische Unternehmen kaufen deutsche Waren in Milliardenhöhe": "Eine exzellente Nachricht für die deutsche Exportwirtschaft. .. Das ist ein Beleg für die engen und vertrauensvollen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China ". Und weiter aus der Pressemitteilung: " .. so bewertet der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, den Abschluss von über 30 Lieferverträgen deutscher Unternehmen mit chinesischen Abnehmern im Rahmen eines Besuchs des chinesischen Handelsministers CHEN Deming mit einer Wirtschaftsdelegation in Deutschland.

Tatsächlich jedoch bricht auch der deutsche Export nach China (einschl. Hongkong) ein. Stieg er noch bis Mitte vergangenen Jahres um bis zu 23 % gegenüber Vorjahr, so kam die Rate im gleitenden 2-Monatsdurchschnitt inzwischen auf nur noch 3,3 % herunter (Abb. 14643). Die Darstellung in gleitenden 2-Monatsdurchschnitten ist hier gewählt, um Ausreißer einzelner Monatswerte zu vermeiden. Der Anteil Chinas am deutschen Export lag im vergangenen Jahr ohnehin nur bei 3,9 % (dagegen am deutschen Import bei 7,5 %).


Nicht überraschend gewinnt der Billigimport aus China gerade in der Krise Marktanteile in Deutschland zulasten der deutschen Produktion, aber auch der aus der Eurozone. So hat sich der Anteil der China-Importe an den Eurozonen-Importen über die letzten Monate von 15,9 % auf 24,5 % stark erhöht (Abb. 14644). Die chinesischen Importe können vor allem deshalb besonders billig bleiben, wei das Gros der Exportindustrie mit Landbevölkerung arbeitet (vor allem Wanderarbeitnehmern), deren Lohnsteigerungen erheblich niedriger ausgefallen sind als die der Stadtbevölkerung, wie die NZZ vom 28. 2. 09 berichtet (Abb. 08163).



So kann China auch in diesen Krisenzeiten mit Lohndumping seinen Bilanzüberschuß mit Deutschland noch weiter erhöhen, im zweiten Halbjahr 2008 um 8,3 % mehr als in der Vorjahresperiode (Abb. 14645).


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global news 1430 02-03-09: Wieviel Milliarden braucht Osteuropa?
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Der ungarische Ministerpräsident fordert ein Hilfspaket von 190 Mrd Euro für Osteuropa. Schon diese Forderung zeigt die enorme Dimension eines weiteren Problems der Weltwirtschaftskrise. Viele Länder Osteuropa haben hohe Leistungsbilanzdefizite (Abb. 03875), sind relativ stark verschuldet, z.B. in Anteilen am Bruttoinlandsprodukt 2008: Polen 53 %, Ungarn 72 % und erwarten für 2009 einen starken Einbruch an Wirtschaftsleistung (Abb. 13679).



Sie müssen auf ihre Anleihen schon jetzt hohe Zinsen einräumen, viele als Rendite gerechnet zweistellig oder fast zweistellig (Abb. 03821). Solche Lasten können einige nicht mehr lange tragen und neue Anleihen wird ihnen der Markt ohnehin kaum noch abnehmen. Das zeigt die Kreditversicherung gegen die Zahlungsunfähigkeit dieser Länder über CDS (Credit Default Swaps), wo die Kosten auf fünf Jahre bereits bis zu 40 % für die Ukraine gehen (Abb. 03892).



Die Banken der Eurozone haben die größte Risikohäufung aus Krediten an Osteuropa, mit 1,5 Billionen Dollar etwa 90 % aller internationalen Banken. Besonders österreichische Banken sind hier im riskanten Spiel. Das zusätzliche Risiko bekommt nun auch der Euro mit einem Wertverlust gegenüber dem Dollar zu spüren. Er hat seit Mitte Dezember 08 bereits 14 % verloren (Abb. 03781).


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global news 1429 28-02-09: Bis das Faß überläuft und der Krug bricht
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Die globalen Ungleichgewichte türmten sich in nur fünf Jahren zwischen 2003 und 2007 zum Umfallen auf. Die Ölländer, China, Deutschland und die Schweiz brachten es bis 2007 auf 1,4 Billionen Leistungsbilanzüberschuß (Abb. 03884). Kumuliert waren es über den ganzen Zeitraum von fünf Jahren 4,5 Billionen (Abb. 03885). Das waren praktisch weitestgehend Kredite an Defizitländer der Weltwirtschaft, vor allem USA, Spanien, Großbritannien, Australien und Italien, wobei die USA bei weitem die meisten Defizite aufbauten, allein in den fünf Jahren 3,4 Billionen Dollar (Abb. 03886).




Die kumulierte Kurve über die Jahre seit 1980 verlief eindeutig exponentiell und damit jenseits jeden Prinzips der Nachhaltigkeit oder brutaler formuliert: direkt in den Crash. Denn hinter diesen Ungleichgewichten verbergen sich unhaltbare Kreditvolumina. Die Werte sind hier zwar nicht um die Inflationsraten deflationiert, doch kamen entsprechende und wahrscheinlich die Inflationsraten noch übersteigende Zinseszinseffekte hinzu.

Parallel dazu und ähnlich exponentiell wuchsen die Kreditvolumina der Banken in den alten Industrieländern, angetrieben von der Aufnahme von Kapital durch die Banken in der Realwirtschaft. Kreditgeber an die Banken waren vor allem Unternehmen und Kapitaleigner, die in der Phase vor der Krise Dank hoher Profite bei gedrückten Arbeitseinkommen besonders viel Vermögen bilden konnten und nach vermeindlich besonders profitablen Anlagen auf den Finanzmärkten suchten. Die Verbindlichkeiten der Banken gegenüber dem Nichtbankensektor verddreifachten sich zwischen 2000 und 2007 auf 10,4 Billionen Dollar (Abb. 03887).


Das gleiche gilt für die deutsche Bruttoersparnis, die ebenfalls ab 2003 nach oben schoß (Abb. 03891).


Auch die vom IWF ausgewiesene Bruttoweltersparnis stieg seit 2003 wesentlich staerker als die Weltwirtschaftsleistung und fand daher keine ausreichende Verwendung in Investitionen in der Realwirtschaft mehr (Abb. 03889).


Ebenso stiegen die Interbankenkredite, wenn auch mit einer etwas schwächeren Steigerungsrate, aber ebenfalls exponentiell von 9 auf 25 Billionen Dollar (Abb. 03888). Hier drückt sich vor allem die Geldschöpfung der Banken untereinander aus.


Beide parallel laufende Entwicklungen bei den globalen Kreditbeziehungen und bei den Bankverbindlichkeiten konnten eigentlich nur im Crash enden.

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global news 1428 27-02-09: Der Arbeitsmarkt im Februar
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Die amtlich ausgewiesene unbereinigten Zahl der Arbeitslosen lag im Februar bei 3,6 Millionen (Abb. 04595).


Dabei lebt der Arbeitsmarkt derzeit auf durch Kurzarbeitergeld geborgter Zeit. Rechnet man aus den Anzeigen die saisonal geprägten heraus und bildet damit den konjunkturell bedingten Arbeitsausfall ab, kommt man für Januar auf 291.000 Kurzarbeiter. Damit waren es etwa zwölfmal mehr als vor einem Jahr (Abb. 14615). Gleichzeitig ging das Angebot neuer Stellen stark zurück (Abb. 14616).



Neue Arbeitsplätze bestehen ganz überwiegend aus Zeitverträgen, vor allem der Verleihunternehmen. Seit vielen Monaten übertrifft nun die Zuwachsrate der Leiharbeit die der Erwerbstätigkeit insgesamt bei Weitem (Abb. 14527). Abb. 04922 zeigt, daß der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung erheblich überkompensiert ist, längst also kein wirklicher Rückgang mehr stattfindet.



Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur 58,4 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig.


Details bringt der neue Schwerpunkt.

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global news 1427 26-02-09: Detailergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zum 4. Quartal 2008
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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 4. Quartal 2008 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, kam es zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 2,1 % gegenüber dem 3. Quartal , was einer Jahresrate von minus 8,4 % entspricht (Abb. 14510), dem stärksten seit 22 Jahren gemessenen Quartalseinbruch. Auch gegenüber dem 4. Quartal 2007 wurde ein Einbruch um 1,6 % verzeichnet (Abb. 14003).



Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine mit minus 0,1 % gegenüber Vorquartal (und einem Minus von 0,7 % gegenüber Vorjahr) schrumpfende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 7,3 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal im negativen Exportsog auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 4,9 % schalteten (Abb. 14520). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen.


Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2007 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Dabei fällt auf, wie als Folge der Krise einerseits die Sparquote hochgeschossen ist und andererseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen abgestürzt sind. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.



Zu beachten auch, daß ohne den durch die Absatzflaute bedingten Lageraufbau die deutsche Wirtschaftsleistung im 4. Quartal auf Jahresrate gerechnet nicht um 8,4 % sondern 10,4 % geschrumpft wäre. Doch den Lageraufbau kann die deutsche Industrie nicht beliebig fortsetzen.

Der EU-Vergleich zum Vorquartal rangiert Deutschland am Ende des internationalen Feldes (Abb. 13511).


Siehe auch neuen Schwerpunkt Das 4. Quartal 2008 der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung: Abmarsch in die Rezession.

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global news 1426 25-02-09: Finanzmarktkrise: Immer wieder falsche Ursachenforschung von rechts bis links
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Derzeit melden sich immer mehr angebliche Experten mit Erklärungen der Finanzkrise, die von der Mechanik der Finanzmärkte offensichtlich wenig verstehen. Es ist schon schlimm, wie dabei immer wieder der Eindruck vermittelt wird, die Finanzmarktkrise sei in einem geheimnisvollen Casino entstanden, wo Banken und Hedgefonds gegeneinander gespielt und verloren hätten. Wenn es so wäre, würden sich Gewinne und Verluste die Waage halten und bräuchte kein Steuerzahler anzutreten.

So sprechen linke Geister, wie z.B. Albrecht Müller, die Derivate schuldig, mit denen fast ausschließlich institutionelle Anleger, meist also Banken und Hedgefonds, zur Absicherung und auch rein spekulativ miteinander auf alles und jedes wetten, wie die Entwicklung von Währungskursen, Rohstoffpreisen oder ob Forderungen ausfallen oder nicht. Das sind in der Tat Spekulationen, noch dazu meist ohne Einschaltung öffentlicher Börsen, die sich größtenteils gegenseitig aufheben, so lange nicht das ganze System zusammenbricht. Und bei den Derivaten ist die Krise nicht ausgebrochen. Hier werden von den angeblichen Experten Derivate mit sekurisierten Papieren verwechselt, mit denen echte Forderungen (nicht abstrakte Finanzmarkt-Wetten), z.B. aus Hypotheken, international handelbar gemacht wurden und die nun anbrennen.

Auch der CDU-Abgeordnete Jochen-Konrad Fromme, der dem Kontrollgremium des Bankenrettungsfonds Soffin angehört und es eigentlich besser wissen sollte, haut mit einer besonderen Krisenmeldung in die Derivatenkerbe: Die Hypo Real Estate (HRE) habe Geschäfte in Milliardenhöhe getätigt, die nicht in der Bilanz auftauchten; zusammen mit der offiziellen Bilanzsumme von 400 Milliarden Euro ergebe sich eine Summe von knapp einer Billion Euro, die die Bank laufend mit neuen Krediten refinanzieren müsse. Doch die HRE weist diese Nachricht als Mißverständnis ihrer Bilanz zurück. Dazu der Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Rundschau von Heusinger in seinem Kommentar: "So kann es gehen, wenn man vom Kasino-Kapitalismus keine Ahnung hat. Die Wahrheit ist trivialer. Die Bilanzsumme beträgt noch immer 400 Milliarden und die eine Billion ist das Nominalvolumen der Derivate, mit der die HRE Positionen absichert und wahrscheinlich auch zockt. Doch Derivate sind Tauschgeschäfte, bei denen bei Abschluss kein Cent Geld fließt. Daher ist weniger das Nominalvolumen relevant, weshalb es auch nicht in der Bilanz auftaucht. Wichtig ist der positive oder negative Wert der Terminkontrakte, der sich nach Geschäftsabschluss je nach Markenentwicklung einstellt - und der gehört in die Bilanz. Mit Krediten müssen diese Positionen auch nicht laufend finanziert werden, denn die Dinger kosten nichts."

Andere machen die Hedgefonds als Schuldige der Krise aus und wollen sie vor allem zum Ziel besserer Kontrolle machen. Die Phalanx dieser Stimmen reicht von der Bundesregierung bis zu Heiner Flassbeck und Albrecht Müller im linken politischen Spektrum. Doch auch bei den Hedgefonds ist die Krise diesmal nicht entstanden.

Wie schön wäre es, wenn sich die Analyse der Krisenursache doch nur einmal mit der Bilanzstruktur der Banken beschäftigen würde, aus denen die wahre Krisenursache geradezu ins Auge springt. Die Banken haben nämlich nicht nur ihr eigenes Kunstgeld im Casino geschöpft, sondern vor allem reales Geld in der Realwirtschaft. Dabei haben sie mit meist kürzerfristigen Anleihen in der Realwirtschaft in der Regel langfristige Anlagen in hochriskanten Werten finanziert. So etwas geht leicht ins Auge, wenn die kürzerfristigen Anleihen fällig werden, die Anlagewerte aber nicht zu Geld gemacht werden können. Genau das bricht nun sehr vielen Banken um den Globus herum das Genick. Was man hier braucht, ist nicht eine völlig neue Kontrolle der Banken, sondern eine weit bessere Effizienz der schon längst vorhandenen.

Man muß sich nur die Bilanz der Deutschen Bank ansehen (Abb. 03824). Dort waren per 3. Quartal 2008 bei vergleichsweise kümmerlichen 37 Mrd Euro Eigenkapital 1.2 Billionen Euro an von der Deutschen Bank in der Realwirtschaft aufgenommenem Kredit verzeichnet. Damit wurden dann 1.4 Billionen Euro an Anlagen in Vermögenswerten finanziert, deren Wert nun unsicher ist und als "fair value" bewertet wird.


Die Entwicklung läßt sich im übrigen an der Verschuldung der amerikanischen Banken in der Realwirtschaft ablesen, aber auch an den Fälligkeiten bei europäischen Banken. In USA hob die Entwicklung der Verschuldung der Banken seit etwa 2000 steil von der des Bruttoinlandsprodukts ab (Abb. 03863). In Europa werden allein im kommenden Jahr Anleihen hiesiger Banken im Umfang von 1.5 Billionen Dollar fällig (Abb. 03817), in den folgenden zwei Jahren noch einmal rund 620 Mrd Dollar.



Das ist das eigentliche Problem hinter der Krise.

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global news 1425 25-02-09: Das deutsche Wirtschaftsklima auf tiefstem Stand seit 26 Jahren
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Nach der neuen Ifo-Umfrage ist der Klima-Index auf den tiefsten Stand seit 26 Jahren gefallen (Abb. 14051). Auch die Lagebeurteilung stürzte weiter ab (Abb. 04731).



Dagegen stieg die Geschäftserwartung für die nächsten 6 Monate weiter leicht an (Abb. 04589). Doch von Erwartungen kann die deutsche Wirtschaft nicht leben. Morgen werden wir mit den Detaildaten des 4. Quartals 2008 vom Statistischen Bundesamt erfahren, wie schlecht es der deutschen Wirtschaft geht. Schon jetzt wurde bekannt, daß nicht nur die Exporte eingebrochen sind und die Nachfrage der privaten Haushalte nachgegeben hat, sondern vor allem die Investitionen erheblich zurückgegangen sind, und bei den Investitionen geht es um Arbeitsplätze.


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global news 1424 24-02-09: Der Dax folgt verblüffend genau dem Trend der großen Wirtschaftskrise 1929-32
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Heute fiel der deutsche Aktienindex erstmals wieder seit vier Jahren unter die Marke von 4.000 Punkte. Das eigentlich Erstaunliche dabei ist, wie sehr der Trend dem der der großen Wirtschaftskrise 1929-32 folgt (Abb. 03799).


Auch die letzte größere Krise von 2000-02 verlief ähnlich. Bisher hat der Dax 51,4 % seines Wertes vom Juli 2007 verloren, als die derzeitige Krise ausbrach. Folgt er dem Trend weiter, so wird er insgesamt fast 80 % verlieren und in der Größenordnung von 1600 Punkten enden. Die große Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre dauerte als Börsenkrise 2 ¾ Jahre. Die derzeitige Krise hat erst 1 Jahr und 7 Monate hinter sich gebracht. Da kann uns noch viel bevorstehen, zumal die Weltwirtschaft diesmal noch vernetzter ist als in den 30er Jahren. Dax, Dow und japanischer Nikkei entwickeln sich sehr ähnlich (Abb. 03712).


Wie stark der Einbruch gerade in Deutschland ist, zeigen neue Daten und Prognosen von heute. So ist die Zahl offener Stellen in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands im 4. Quartal 2008 um fast ein Drittel zurückgegangen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erwartet jetzt einen Wirtschaftsrückgang in diesem Jahr von mindestens 5 %. Dabei erweist sich die Abwrackprämie weitgehend als Schlag ins Wasser: Bei VW geht der Ansturm auf Kleinwagen der Marken Fox und Polo, die beide nicht in Deutschland gebaut werden, und auch sonst kommen die begehrten Kleinwagen sehr oft aus dem Ausland.

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global news 1423 24-02-09: Deutschland auch 2007 im Spitzenfeld der Lohndiskriminierung der Frauen
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Deutschland hält sich mit einem Lohnabstand von 23 % im Spitzenfeld der Lohndiskriminierung der Frauen (Abb. 14100, 14411).



Ein wichtiger Grund für die Ungleichheit soll nach EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla im Intervew mit der Tageszeitung "Die Welt" die hohe Teilzeitquote von Frauen sein. Nach Ermittlungen des Statistische Bundesamts verdienen in der Tat Vollzeitbeschäftigte pro Stunde im Durchschnitt 34 % mehr als Teilzeitbeschäftigte (Abb. 12564). 46 % der Frauen arbeiten in Deutschland Teilzeit.


Doch allenfalls für die Niederlande mit einem besonders hohen Teilzeitanteil von 75 % mag der relativ hohe Lohnabstand von 24 % so ausreichend erklärt sein. Der deutsche Teilzeitanteil der Frauen ist viel niedriger und dem von Schweden (40 %) und Dänemark (36 %) vergleichbar, wo jedoch der Lohnabstand mit knapp 18 % erheblich geringer als in Deutschland mit 23 % ist. Also bräuchte auch in Deutschland der Lohnabstand nicht so groß sein und ist das Teilzeitargument für die Erklärung des Lohnabstands längst nicht ausreichend.

Hinzu kommt, daß ein großer Teil der Frauen in Deutschland keine Ganztagsjobs bekommt und deswegen Teilzeit arbeitet. Rund 30 % (Westdeutschland) bzw. 40 % (Ostdeutschland) aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind unfreiwillig nur in Teilzeitarbeit beschäftigt. Schon darin liegt eine erhebliche Diskriminierung.

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global news 1422 22-02-09: Zum Schicksal von Opel und dem Rest der deutschen Automobilindustrie
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Die Medien füllen sich mit Schlagzeilen zur Krise bei Opel. Dahinter verschwindet die Lage der deutschen Automobilindustrie insgesamt, zumal die Inanspruchnahme der Abwrackprämie frohe Botschaften zu signalisieren scheint, auch wenn die Neukäufe in der Regel kleinere Fahrzeuge sind und nicht notwendig aus deutscher Produktion. Die Zahl der Neuzulassungen geht in der Tendenz schon seit vielen Monaten nach unten (Abb. 14061).


Aber 74 % der in Deutschland gefertigten PKW wurden 2007 exportiert. Der Export bestimmt also über das Schicksal der deutschen Automobilindustrie. Da hilft die Abwrackprämie schon gar nicht.

Dem deutschen PKW-Export geht es gar nicht gut. Im Januar 2009 wurden bei steil negativem Trend bereits 39 % weniger Fahrzeuge exportiert als ein Jahr vorher (Abb. 14640). Seit April 2008 geht es praktisch nur noch abwärts.


Hier zeigt sich an einem einzigen, für die Beschäftigung besonders wichtigem Produkt, wie verhängnisvoll die einseitige Exportorentierung mit dem Aufbau gewaltiger Kapazitäten gewesen ist. So wurde der Exportanteil am Gesamtumsatz von 52.5 % 1995 auf 68,1 % in 2007 hochgefahren (Abb. 14642). Viele der deutschen Exportmärkte werden längerfristig schlapp machen, weil der Kauf von Autos auf Kredit nicht mehr wie bisher möglich sein wird und viele Käuferschichten im Ausland ihre Verschuldung zurückfahren müssen. Auch wechseln sie in diesem Prozeß auf kleinere Fahrzeuge über, die nicht im Zentrum des deutschen Exports liegen. Mit Kurzarbeitergeld wird sich die Beschäftigung daher nicht halten lassen.


Zwischen 1996 und 2004 hat die deutsche Automobilindustrie einschließlich Zulieferer die Beschäftigung um 20 % oder 88.000 aufgebaut (rund viermal stärker als die deutsche Gesambeschäftigung), mit einem leichten Rückgang seitdem (Abb. 14641). Nun sind rund 730.000 Menschen in dieser Branche beschäftigt (davon 318.000 bei den Zulieferern) und zittern um ihre Arbeitsplätze. Viele sind auf Zeitarbeit und umso leichter zu entlassen, und viele Zeitarbeiter hat dieses Schicksal schon ereilt.


Mit Verstaatlichung wird sich die miserable Situation nur kurzfristig überbrücken, aber nicht langfristig lösen lassen. Das Steuerzahlergeld, das hier hineingepumpt werden müßte, wird anderenorts, z.B. bei den Sozialleistungen, bitter fehlen.

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global news 1421 21-02-09: Der Dienstleistungs- und Industrieindex von Markit verzeichnet im Februar einen weiteren steilen Fall
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Der Markit Flash Germany Composite Output Index fiel im Februar auf den tiefsten Stand seit Beginn der Umfragen vor elf Jahren (Abb. 14613).


Das lag vor allem am steilen Rückgang des Dienstleistungsbereichs, dem steilsten jemals vom Index verzeichneten. Im Industriebereich sollen die Aufträge aus USA und Asien besonders stark zurückgegangen sein. Es war der vierte monatliche Rückgang in Folge des aus Dienstleistungen und Industrie zusammengesetzten Index und der steilste seit sechs Jahren.

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global news 1420 20-02-09: Der Euro war ein Fehler, doch wir kommen jetzt nicht raus
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Die Schaffung der Eurozone ohne koordinierte Wirtschaftspolitik, quasi eine Eurozonen-Wirtschaftsregierung, war ein schwerer Fehler. Das zeigt sich besonders jetzt für Deutschland, weil nun die Beistandspflichten für Eurozonenmitglieder akut werden, die eigentlich gar nicht vorgesehen sind. Die Mißgeburt der Einheitswährung kam zustande, weil Kohl wegen der Ängste um die deutsche Wiedervereinigung ein politisches Signal an Frankreich setzen wollte, wonach die Allmacht der Deutschen Bundesbank in Europa zu Ende kommen sollte. Weder Kohl, noch der in diesem Projekt besonders engagierte Genscher, verstanden viel von Wirtschaft. Der schon abgetretene Helmut Schmidt machte seine Sorgen vor deutschen Beistandszahlungen an schlapp machende Eurozonenpartner öffentlich. Doch das half nicht gegen die Borniertheit von Kohl, Genscher u.Co..

Mangels wirksamer Koordinierung der Wirtschaftspolitiken liefen die Inflationsraten in der Eurozone entgegen den Hoffnungen der Autoren dieses Systems nie parallel und konnte die EZB nie einen Zins setzen, der für alle paßte. So war die Inflation seit 2000 in mehreren Ländern doppelt oder fast doppelt so hoch als in Deutschland (Abb. 06004). Der EZB-Zins war in der Regel für Deutschland zu hoch und dämpfte das sonst mögliche Wachstum und für die Boomländer, wie Irland oder Spanien, viel zu niedrig; man kann sogar sagen, daß es dort nicht so zu Immobilienblasen gekommen wäre, wenn die EZB den Zins dort hätte wesentlich höher ansetzen können.


Die Nachfrage privater Haushalte entwickelte sich extrem unterschiedlich, wobei Deutschland mit einer stagnierenden Nachfrage auch die Exporte der Eurozonenpartner nach Deutschland ausbremste (Abb. 13680). Die Staatsverschuldung wuchs ebenso unterschiedlich und reicht nun von 18 % des BIP für Luxemburg bis 113 % für Italien (Abb. 06088). Italien zog in den Euro, um die Verzinsung seiner hohen Lira-Schuld in einen viel niedrigeren Eurozins abzusenken. Griechenland mogelte sich sogar mit falscher Statistik zu seinen staatlichen Defiziten hinein. Aus dem gleichen Grund der Zinssenkung meldeten sich schon weitere hochverschuldete EU-Länder aus Osteuropa, wie Polen oder die baltischen Länder zum Beitritt an.



Vor allem aber konnten Anpassungen der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr über den Wechselkurs stattfinden, wie es sonst zwischen Ländern mit unterschiedlicher Wirtschaftsentwicklung absolut normal ist. Deutschland schuf sich durch eine negative Lohnpolitik und den Druck eines absichtlich aufgebauten riesigen Niedriglohnsektors einen künstlichen Wettbewerbsvorteil und begann gewaltige Exportüberschüsse in der Eurozone aufzubauen, die nicht durch Währungsanpassung zu kontrollieren waren. 2007 hatte die Eurozone bereits 58,4 % am deutschen Exportüberschuß und war der Eurozonenüberschuß gegenüber dem Jahr 2000 auf das Zweieinhalbfache gestiegen (Abb. 14639).


Schlimmer noch: Deutschland exportierte im Schutz des vergleichsweise niedrigen Euroaußenkurses, der durch die insgesamt ausgeglichene Außenhandelssituation der Eurozone gedämpft wurde, auf Teufel komm raus und baute nach China den bei weitem größten Leistungbilanzüberschuß auf (Abb. 03870). Die ganze deutsche Industriestruktur wurde immer mehr auf Export umgestellt, vom Luxusauto angefangen. Nun ist diese vom Euro und einer falschen deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik verschuldete Blase geplatzt.


Deutschland hat nicht nur den Schaden aus der nun falschen Industriestuktur mit stark einbrechendem Export, sondern auch noch die Beistandspflichten gegenüber den besonders schwachen Eurozonenpartnern am Hals. In der globalen Krise werden deren Staatsanleihen nur noch bei extrem hohen Zinsen am Markt akzeptiert und demnächst vielleicht gar nicht mehr, was die schon jetzt hohen Zinsen auf deren Staatsanleihen zeigen (Abb. 03872). Diese Situation drückt auch seit Wochen den Kurs des Euro gegenüber dem Dollar nach unten, obwohl in USA die Notenpresse heißläuft und daher eigentlich das Gegenteil eintreten sollte (Abb. 03781).



Und doch kann Deutschland gerade jetzt in der Krise nicht aus dem Euro. Ein solcher Schritt würde den Kurs der wiedereingeführten DM in gespenstische Höhen treiben, nicht so sehr vielleicht gegenüber dem Dollar, sondern vor allem den Haupthandelspartnern in der EU, und das Schicksal des deutschen Exports endgültig besiegeln. Es wäre dagegen in der derzeitigen Situation eine absolute Illusion zu glauben, wie es der „Euro-Feind" Hankel in der Frankfurter Rundschau tut, eine solche Aufwertung wäre ein Segen für Deutschland, weil alle Importe und der Urlaub im Ausland billiger würden. Außerdem müßte befürchtet werden, daß ein solcher deutscher Schritt in der gegenwärtigen Lage die gesamte Europäische Union auseinanderreißen würde. In Washington, Moskau und Peking würden dann die Sektkorken knallen. Europa verfiele wieder in die Kleinstaaterei früherer Jahrhunderte.

Übrigens, diese Webseite zog schon als besonderen Schwerpunkt vor mehr als zwei Jahren ein kritisches Euro-Resüme. Es steht Ihnen jetzt total aktualisiert unter der Überschrift „Deutschland im Würgegriff des Euro" zur Verfügung (auch mit Druckversion).

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global news 1419 20-02-09: Teil 2 von Rundbrief 1418: Bankenverstaatlichung
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Nach einer Studie der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) haben Banken rund um den Globus herum seit Herbst 2007 gut 5,5 Billionen Dollar an Wert eingebüßt (Abb. 03878). Das entspricht etwa 10 % der globalen Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres. Dabei hat sich die Marktkapitalisierung der weltweit 30 größten Institute 2008 halbiert. Der Einbruch in der Vermögensposition der Aktionäre von Bankaktien von 2007 auf 2008 war in Westeuropa (Abb. 03881) und hier bei deutschen Banken besonders stark (Abb. 03880).




Jetzt drohen den Banken weitere schwere Belastungen, von Pleiten ihrer Kreditnehmer oder Unternehmensanleihen (Abb. 03879, 03873), bis zu Ausfällen im Ost-Europa- und Entwicklungsländergeschäft.



Zwischen 2005 und 2008 verdreifachte sich nach den letzten BIZ-Zahlen die äußere Verschuldung Osteueropas bei westlichen Banken auf 1,4 Billionen Dollar, davon 93 % bei westeuropäischen Banken. Besonders viele Schulden haben (abgesehen von Rußland) Polen, Tschechien und Ungarn auf sich genommen (Abb. 03882). Über 400 Mrd Dollar müssen davon noch dieses Jahr an westliche Banken zurückgezahlt werden. Unter den Kreditgebern am stärksten exponiert sind Österreich, Deutschland und Italien (Abb. 03883). Bei Österreich entspricht das bereits 70 % der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres. Schon werden massive Hilferufe an Westeuropa gerichtet.



Auch gegenüber den Entwicklungsländern sind westeuropäische Banken besonders stark exponiert (Abb. 03877) und auch hier kann es bei einer Kettenreaktion zu starken Einbrüchen kommen.


Die Wahrscheinlichkeit, daß am Ende viele private Banken verstaatlicht werden müssen, ist relativ groß und steigt schnell. Selbst in USA läuft nun die Diskussion über eine Verstaatlichung von Banken an. Die USA haben bereits erfolgreich in den 30er Jahren und auch vor 20 Jahren in der Savings- and Loan-Krise Banken verstaatlicht. Jetzt hat selbst der dem republikanischen Lager zugerechnete frühere Notenbankchef Greenspan die Verstaatlichung von Banken im Interview mit der Financial Times vom Mittwoch als unvermeidbar bezeichnet: „Ich verstehe, einmal in hundert Jahren ist das das, was man tut." Auch der republikanische Senator Graham hat sich schon auf diese Seite geschlagen.

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global news 1418 20-02-09: Zehn Jahre Bankenkrise wie in Japan oder drei wie in Schweden?
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Die Bankenkrisen in Japan und Schweden unterscheiden sich vor allem durch die Länge. In beiden Fällen hatten sich die Banken mit leichtfertigen Immobilienkrediten übernommen. Japan versucht seitdem, sich durchzuwursteln und hat verglichen mit dem Durchschnitt der G7-Länder, also der großen westlichen Industrieländer, seit der Krise nur noch unterdurchschnittliches Wachstum (Abb. 03876). Man spricht von der verlorenen Dekade Japans.


Schweden verzeichnete dagegen nur drei ausgesprochene Krisenjahre und seitdem meist überdurchschnittliches Wachstum. Was hat Schweden anders gemacht? Hier wurden nicht nur große Rettungspakete rechtzeitig bereitgestellt. Schweden hat auch nicht davor zurückgeschreckt, zwei der Banken zu verstaatlichen. So wurde der Teil von Nordbanken verstaatlicht, der noch nicht im Besitz der Regierung war; außerdem wurde Gota Bank verstaatlicht.

Auch die bürgerliche Regierung in Dänemark und die Labourregierung in Großbritannien haben in dieser Krise bereits Banken verstaatlicht, ohne daß es zu ideologischen Dikussionen wie in Deutschland gekommen wäre. In Deutschland gibt es dagegen derzeit eine anhaltende heftige Diskussion um die Verstaatlichung einer einzigen Bank, nämlich HRE, die schon 102 Milliarden Euro an Garantien erhalten hat und immer mehr zum Faß ohne Boden wird. Der neue Bundeswirtschaftsminister wollte sie verhindern. Der FDP-Chef wettert: "Enteignung ist Sozialismus". Übrigens, die Verstaatlichungen in Schweden wurden von einer damals bürgerlichen Regierung vorgenommen.

Und der BILD-Kommentar von heute versucht es auf der FDP-Linie:

    Die Bundesregierung hat gestern rechtlich den Weg dazu frei gemacht und auch die Tür für Enteignungen geöffnet. Kanzlerin Merkel wählt damit das scheinbar kleinere Übel, um noch größeres Unheil zu verhindern. Mit Verstaatlichung sind die Probleme aber nicht gelöst! Denn zum einen wissen wir, dass der Staat noch nie ein guter Banker war. Er hat noch fast jede Landesbank heruntergwirtschaftet. Viel größer aber ist die Gefahr, dass jetzt die Uhren wieder zurückgestellt werden: Jahrzehnte hat es gedauert, bis verkrustete Staatsunternehmen endlich privatisiert und werden konnten. Fast immer zum Vorteil der Kunden. Es darf nicht dazu kommen, dass wir wieder bei einer Behörde ein Telefon beantragen müssen oder vor einem „Bankbeamten" stehen.

Dabei will die Bundesregierung die HRE eigentlich gar nicht verstaatlichen sondern nur Druck auf eine große Heuschrecke (JC Flowers) machen, die sich dort mit 24 % eingekauft hat und die Bundesregierung zu weiteren Bürgschaften pressen will oder zu einem Abkauf der JC Flowers-Beteiligung zum doppelten Marktpreis, weil ohne Hilfestellung der deutsche Pfandbriefmarkt zusammenzustürzen droht.

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global news 1417 19-02-09: Der Lagebericht des neuen Bundeswirtschaftsministers und die Realitäten
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Ein neuer Minister, doch die Berichterstattung unterscheidet sich wenig:

    "Der globale Abschwung hat die umfassend in die Weltwirtschaft integrierte deutsche Volkswirtschaft voll erfasst. .. Die Perspektiven für das laufende Jahr bleiben zunächst stark eingetrübt . Die umfangreichen nationalen Konjunkturmaßnahmen werden im laufenden Jahr zunehmend Wirkung entfalten und zur Stabilisierung der Entwicklung beitragen. .. Die Perspektiven für den privaten Konsum bleiben angesichts der Wirtschaftsschwäche zwar gedämpft. Er könnte in den kommenden Monaten - gestützt durch die konjunkturpolitischen Maßnahmen und eine weitere Beruhigung bei den Verbraucherpreisen - aber zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung beitragen."

Wieder sind es nur globale Gründe, die die Wirtschaftsentwicklung dämpfen, als wären nicht auch zu Hause Fehler gemacht worden, besonders mit der einseitigen Exportorientierung, der Drosselung der Arbeitseinkommen und damit der privaten Nachfrage und mit der Ablehnung flächendeckender Mindestlöhne, die sich gerade jetzt bei einigen unserer Nachbarn bewähren. Während seit dem Jahr 2000 die Nachfrage der privaten Haushalte in den anderen Alt-EU-Ländern um durchschnittlich 20 % stieg, stagnierte sie in Deutschland bei plus 1,48 %. Spezifische Vergleichsländer wie Frankreich, Dänemark und Schweden verzeichneten ebenfalls Zuwachsraten zwischen 18 % und 20 %. Das ist ein eindeutiges Zeichen der falschen deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik (Abb. 12998, 13680), die sich jetzt bei abstürzendem Export bitter rächt.



Dann wird wieder auf das Ende der Krise in den kommenden Monaten dieses Jahres gesetzt, obwohl bereits fast alle Auguren gestützt auf harte Zahlen eine längere Krise erwarten.

Und schließlich wird immer noch der ungedeckte Scheck auf das Anspringen des privaten Konsums gezogen, obwohl die Menschen gerade in der Krise und wachsenden Problemen am Arbeitsmarkt mit Ausgaben zögern werden. Die Entwicklung im 4. Quartal mit einem Rückgang um auf Jahresrate gerechnet 1,2 % rechtfertigt diesen Optimismus jedenfalls nicht (Abb. 14638).


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global news 1416 18-02-09: Die Weltwirtschaft in der „Auszeit": Wann fallen die nächsten Dominos?
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Viele Dominos sind in dieser Krise schon gefallen: eine Menge Banken, wie Lehman Brothers oder Northern Rock, und ein ganzes Land, wie Island. Andere Länder mußten schon Nothilfen in Anspruch nehmen.

Nun droht die Krise, eine Menge Unternehmen und damit deren Anleihen wegzureißen, was wiederum die Investoren, darunter viele Banken, in zusätzliche Bedrängnis bringen wird. Die Rating Agentur Moody's erwartet Ausfälle, die über das laufende Jahr über 16 % ansteigen (Abb. 03873). Der Itraxx Europa Crossover Index (Subinvestment Grad) für die Verzinsung der Junkbonds steigt immer höher (Abb. 03636).



Doch die nächsten Dominos warten schon auf den Fall. Nach einem Bericht in der heutigem Financial Times warnt nun Moody's vor dem Osteuropa-Risiko. Die Einstufung des Kreditrisikos osteuropäischer Banken steht unter wachsendem Druck, wegen der Anlagenqualität und des Niedergangs einiger osteuropäischer Währungen, vor allem russischer Rubel und polnischer Zloty gegenüber dem Euro, aber vor allem dem Dollar (Abb. 03874).


Die Banken der Eurozone haben die größte Risikohäufung aus Krediten an Osteuropa, mit 1,5 Billionen Dollar etwa 90 % aller internationalen Banken. Besonders österreichische Banken sind hier im riskanten Spiel. Das zusätzliche Risiko bekommt nun auch der Euro mit einem Wertverlust gegenüber dem Dollar zu spüren. Er hat seit Mitte Dezember 08 bereits mehr als 14 % verloren (Abb. 03781). Dabei steht er bereits wegen der Risikohäufung auf der Südschiene der EU (Griechenland, Portugal, Italien, Spanien) und in Irland, die sich in hohen Anleihezinsen zeigt, unter Druck (Abb. 03872).



Viele Länder Osteuropa haben hohe Leistungsbilanzdefizite (Abb. 03875), sind relativ stark verschuldet, z.B. in Anteilen am Bruttoinlandsprodukt 2008: Polen 53 %, Ungarn 72 %, erwarten für 2009 einen starken Einbruch an Wirtschaftsleistung (Abb. 13679) und müssen auf ihre Anleihen schon jetzt hohe Zinsen einräumen, viele als Rendite gerechnet zweistellig oder fast zweistellig (Abb. 03821).




Derweil bereiten sich die Finanzminister der Eurozone bereits auf kostspielige Beistandsaktionen vor, obwohl die nach den Regeln der Eurozone gar nicht vorgesehen sind. Steinbrück sagte nach Medienmeldungen gestern bei einer Rede in Düsseldorf, Länder der Eurozone könnten gezwungen sein, andere Mitglieder auszulösen, die Probleme bei der Refinanzierung ihrer Schulden bekämen. Die Verträge über die Eurozone sähen zwar keine Hilfestellungen vor, doch in der Realität müßten die anderen Staaten zur Hilfe kommen.

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global news 1415 18-02-09: Die Mogelpackung der ZEW-Konjunkturerwartungen
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Da meldet heute das ZEW auf der Basis einer Befragung von Finanzmarktexperten unter der Überschrift: „ZEW-Konjunkturerwartungen - Erwartungen im Aufwärtstrend":

    „Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Februar ein weiteres Mal erholt. .. Die befragten Experten zeigen sich damit zum vierten Mal in Folge optimistischer hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung in sechs Monaten. Dies dürfte von den fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur getragen werden. Außerdem dürften die zurückgehenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise den privaten Konsum stützen".

Eine frohe Botschaft also? Die Wirtschaft glaubt an das Konjunkturpaket, gar an ein Anspringen des privaten Konsum entgegen allen statistischen Nachweisen und der steigenden Arbeitsmarktsorgen? Doch schaut man genauer hin, so ist der Wert für die Beurteilung der deutschen Wirtschaftssituation ein weiteres Mal und ziemlich steil gefallen (Abb. 04588). Das aber wird erst und unauffällig einige Absätze später erwähnt: „Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist im Februar ein weiteres Mal gefallen." Von vagen Zukunftserwartungen, die immer noch weit unter dem historischen Durchschnitt liegen (Abb. 04762), kann Deutschland nicht genesen.



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global news 1414 18-02-09: Mit dem Nordlichter-Modell besser aus der Krise
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Immer wieder hat die Bundesregierung einen neuen Notnagel eingeschlagen, um alle Wirtschaftshoffnungen daran zu hängen. Erst war die deutsche Wirtschaft anders aufgestellt als die amerikanische, da ohne Immobilien- und Verbraucherboom. Dann waren die deutschen Banken anders aufgestellt, da angeblich besser kontrolliert. Dann sollte der deutsche Export von Rußland, China und Indien leben, weil auf deren Bedürfnisse spezifiziert und weil deren Wirtschaftssysteme gegen den westlichen Bazillus immun sein sollten. Dann schließlich sollte die Rezession nur bis in den Herbst gehen und die Kurzarbeiterregelung in dieser Kurzphase Entlassungen verhindern. Doch ein Notnagel nach dem anderen riß aus der steilen Wand und der Absturz setzte sich fort.

Wenn Deutschland den Absturz wenigstens verlangsamen und sich längerfristig eine Zukunft jenseits der „beggar- thy-neighbour"-Politik von Exportüberschüssen zu Lasten der Handelspartner aufbauen will, muß es nach Norden, sprich Skandinavien, blicken und dort einiges lernen. Diese Länder sind wirtschaftlich und sozial wesentlich solider aufgebaut mit höheren Steuern und wesentlich niedriger Staatsverschuldung, besserer sozialer Mobilität, einem besseren Bildungssystem, mehr Aufwand in Forschung und Entwicklung, einer höheren Produktivität, höheren Arbeitseinkommen, einer besseren Integration der Frauen und Älteren sowie der Immigrantenkinder in den Arbeitsmarkt, mehr sozialer Gleichheit, einer durchschnittlich jüngeren Bevölkerung, und wesentlich weniger Langzeitarbeitslosigkeit.

Was oft vergessen wird: Der wesentliche höhere Beschäftigungsanteil im öffentlichen Wohlfahrtssektor (Bildung, Gesundheits- und Sozialarbeit, andere Gemeindearbeit, soziale und persönliche Dienste) von rund 30,4 % gegenüber nur 22,6 % für Deutschland (Abb. 13675). Dieser Umstand stabilisiert das Wohlfahrtssystem, zumal dort auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad besonders hoch ist. Schwerpunkt sind soziale und kulturelle Dienstleistungen aller Art, die der Gesamtbevölkerung zur Nutzung offenstehen. Für die Akzeptanz der hohen Abgabenlast bei aufstrebenden Mittelschichten ist die öffentliche Dienstleistungsangebot sehr wichtig, weil z.B. jeder Bürger weiß, egal was passiert, bei Bedarf und im Alter habe ich gegenüber meiner Kommune Anspruch auf hochwertige ambulante wie stationäre Pflegeleistungen.


Die Löhne und Gehälter sind kaufpreisbereinigt zwischen 2000 und 2007 in Skandinavien um 17.3 % gestiegen, während sie in Deutschland bei 1,8 % stagnierten (Abb. 12465). Bei einer normalen Einkommensentwicklung hat sich auch der Verbrauch privater Haushalte in Skandinavien gut entwickelt, während er in Deutschland seit 2000 stagnierte (Abb. 12467).



Die Ungleichheit in der Einkommensverteilung ist dabei viel geringer als in Deutschland (Abb. 12028). Man kann sagen, daß dies eine der sozialen Stärken der skandinavischen Gesellschaften geblieben ist, während Deutschland an diesem Ende verloren hat.


Keine Überraschung dann, daß die Langzeitarbeitslosenquote in Skandinavien weniger als ein Fünftel der deutschen beträgt (Abb. 12939). Im Zeitraum 2000 bis 2008 hat sich das skandinavische Bruttoinlandsprodukt etwa doppelt so gut entwickelt als in Deutschland (Abb. 12472).



Ich habe nun vor dem Hintergrund der Krise den Schwerpunkt Skandinavien noch einmal aktualisiert.

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global news 1413 17-02-09: Gewerbliche Wirtschaft im Dezember 2008
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Das Statistische Bundesamt setzt wieder eine frohe Botschaft in die Überschrift, die längst nicht mehr zur aktuellen Lage der gewerblichen Wirtschaft paßt: „2,4% mehr Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2008", denn die hat sich über das Jahr immer mehr eingetrübt.

Die Zahl der Beschäftigten lag im Dezember nur noch um 1,3 % über dem Vorjahresmonat und bereits um 1,2 % unter dem Septemberwert, die Zahl der Arbeitsstunden stagnierte gegenüber dem Vorjahresmonat bei plus 0,36 % (Abb. 04009, 14637).



Das Entgelt pro Beschäftigten stieg inflationsbereinigt für 2008 gegenüber Vorjahr um magere 0,61 %, und für Dezember gegenüber Vorjahresmonat fiel es sogar um 2,8 %. Das sind die Realitäten jenseits der Überschrift.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" hat die Bundesagentur für Arbeit Zweifel an der offiziellen Prognose für die Arbeitslosenzahlen angemeldet. Danach wird die Arbeitslosenzahl bis Dezember um eine halbe Million steigen. Die Bundesregierung geht momentan von 250.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt aus.

Dabei wird die Krise immer globaler. So fiel nach der gerade eingehenden Meldung aus Moskau die russische Industrieproduktion im Januar um 16 % gegenüber Januar 2008. Wie die japanische Regierung heute bekanntgab, ist die Wirtschaftsleistung zwischen Oktober und Dezember auf das Jahr gerechnet um 12,7 Prozent gesunken.

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global news 1412 16-02-09: In der Weltwirtschaftskrise nun "Weltkrieg" um Jobs?
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Der Kampf um Jobs hat wie schon in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre längst begonnen. Bisher läuft er weniger über rechtswidrige Zölle, als über Subventionen (selbst in der EU) und die Bindung der Bankenrettungsprogramme an den nationalen Kreditmarkt.

Doch es wird zunehmend enger und der Wettbewerb härter. Seit Juli vergangenen Jahres haben die USA als das bei weitem größte Importland ihre Importe bei fallender Nachfrage der amerikanischen Verbraucher bereits um ein Drittel zurückgefahren, Japan fast um den gleichen Prozentsatz und Deutschland um 18 %. Den Vogel hat allerdings China abgeschossen, dessen Importe gleich um 54 % zurückgefahren wurden (Abb. 13677). Mit seiner staatlich kontrollierten Wirtschaft kann das kommunistische China relativ leicht und wenn nötig manipulativ auf die Importbremse gehen.


Die Außenhandelsüberschüsse der drei Spitzenländer China, Deutschland und Japan entwickeln sich in der Krise nun sehr unterschiedlich. China kann seine besonders hohen Überschüsse bisher halten (Abb. 13676).


Löhne werden in China unter dem Druck wachsender Arbeitslosigkeit derzeit massiv gekürzt, was mangels unabhängiger Gewerkschaften und bei Streikverbot umso leichter möglich ist. Damit hoffen die Exporteure ex China, die Auslandsmärkte selbst in der Krise behaupten und nach Möglichkeit noch auszubauen zu können. Die Währung Renminbi wird weiter eng an den Dollar angebunden und bleibt damit erheblich unterbewertet. Mit Billigstware wird China gerade in der Krise bei den sparenden Verbrauchern in den alten Industrieländern Chancen zu Lasten der einheimischen Produktion haben. So erleben in Deutschland nach den Lebensmittel-Discountern Aldi, Lidl, Netto und Co. nun die drei großen "Non-Food"-Ketten Tedi, EuroShop und Mäc-Geiz einen Boom. Die China-Ware ist hier stark vertreten. Im Ergebnis exportiert China also weiterhin in die Weltwirtschaftskrise hinein massiv Arbeitslosigkeit.

Die US-Menschenrechtsorganisation National Labor Committee NLC hat einen umfangreichen Bericht über unmenschliche Arbeitsbedingungen des Tastatur-Herstellers "Dongguan Meitai Plastics & Electronics Factory" in der südchinesischen Provinz Guangdong vorgelegt, auf den ich von einem Besucher des Inforportals gerade aufmerksam gemacht wurde. Die Arbeitszeit dort beträgt wöchentlich regelmäßig über 80 Stunden. Von ihrem Stundenlohn von umgerechnet knapp 60 Cent wird den Arbeitern - zum überwiegenenden Teil jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 25 - ein Teil für Unterkunft und Verpflegung abgezogen, ausbezahlt bekommen sie dann noch rund 30 Cent pro Stunde. Mit der dort hergestellten Ware werden IBM, Microsoft, Dell, Lenovo und Hewlett-Packard beliefert. Den Bericht, der beispielhaft ist und sich mit vielen anderen deckt, finden sie hier .

Deutschland und Japan dagegen verzeichnen erhebliche Rückgänge bei den Exportüberschüssen, weit unter das frühere Niveau. Das gilt besonders für Japan, wo der starke Yen gegen die Exportbilanz arbeitet. Seit Oktober verzeichnet das Land nun steigende Defizite.

Der "Weltkrieg" um Jobs ist also schon im Gange. Vorn marschiert derzeit wenig überraschend China.

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global news 1411 16-02-09: Die Weltwirtschaft unter dem Negativdruck der drei Hebel
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Die Kreditblase ist geplatz, nachdem das Kreditvolumen mit Hebelung immer weiter aufgeblasen wurde. Drei Arten von Hebel waren besonders schädlich: der der Finanzinstitutionen, der einiger Super-Exportwirtschaften und der der Vermögensentwicklung, wobei diese drei Hebelarten zusammengewirkt haben.

Für die Finanzinstitutionen mag beispielgebend die Bilanzentwicklung der Deutschen Bank seit 1998 stehen. Das Verhältnis von eingegangenen Verbindlichkeiten zu Eigenkapital wuchs von 21:1 in nur sechs Jahren bis zum dritten Quartal 2008 auf 58:1 (Abb. 03869). Diese Relation ist viel zu gefährlich, vor allem in Zeiten einer Rezession. Die Banken müßen daher alles tun, um entweder ihr Eigenkapital zu erhöhen, was derzeit aus privaten Quellen kaum möglich ist, oder die aufgenommenen Verbindlichkeiten zurückzuführen und so gesund zu schrumpfen. Das läßt sich allerdings nur durch weniger Kreditvergabe realisieren. Das sogenannte Deleveraging, also das Herunterholen der Hebelrate, findet derzeit global statt und belastet die Volkswirtschaften schwer.


Für die Super-Exportwirtschaften geben die beiden Extremfälle an Leistungsbilanzüberschüssen Beispiel, nämlich China und Deutschland (Abb. 03870). In wenigen Jahren liefen diese Überschüsse gemessen am Bruttoinlandsprodukt, also aller Wirtschaftsleistungen dieser Länder, auf über 11 % für China, bzw. fast 8 % für Deutschland hoch. Auch diese Entwicklung lief weitgehend über Kredit an die Abnehmerländer und hat die globale Kreditblase hochgetrieben. Sie muß jetzt auf ein normales Maß zurückgeführt werden, was ebenfalls die Volkswirtschaften schwer belastet und erheblichen Zuwachs an Arbeitslosigkeit unvermeidbar macht.


Drittens lief das nach Anlage suchende Vermögen besonders in den nur fünf Jahren von 2002 bis 2007 wesentlich stärker hoch als die Weltwirtschaftsleistung. Seit 2002 kam fast fünfmal mehr Anlagevermögen als Weltwirtschaftsleistung hinzu (Abb. 03871). Das lag vor allem an der immer stärkeren relativen Unterbewertung der Arbeit als Produktionsfaktor in Schwellenländern, wie China, aber auch alten Industrieländern, wie Deutschland, und dementsprechend immer höheren Profiten der Kapitaleigner. Dieses zusätzliche Vermögen war teilweise nicht mehr in Investitionen in der Realwirtschaft, sondern nur noch über spekulative Finanzanlagen unterzubringen, war also insoweit fiktiv. Hier wird es immer wieder zu platzenden Blasen und am Ende krisenhafter Vernichtung des fiktiven Kapitals kommen, wenn nicht die fiktive Vermögensentwicklung zugunsten von mehr Konsum oder von mehr Investitionen in die Realwirtschaft gebremst wird. Allein eine sozialere Einkommensverteilung kann das ändern.


Wenn man sich die Situation mit den drei Hebeln vergegenwärtigt, wird klar, daß diese Krise einige Jahre dauern wird, bis der schmerzhafte und krisenreiche Anpassungsprozeß beendet ist.

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global news 14100 15-02-09: Deutschlands rasante Lohnspreizung
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Unterstützt von einem stark wachsenden Niedriglohnsektor entwickelt sich die Spreizung zwischen den oberen und den unteren Löhnen in Deutschland besonders rasant. Während Deutschland 2005/6 nach den letzten Zahlen der OECD noch im Mittelfeld bei der Lohnspreizung und dem Niedriglohnanteil lag, verzeichnete es eine der stärksten Entwicklungen in die ungünstige Richtung.

Zwischen 1996 und 2006 stieg der Unterschied zwischen dem obersten Zehntel und dem neunten Zehntel von 2.91 auf 3,26, ein Anstieg um rund 1,3 % pro Jahr und damit fast doppelt so stark als im OECD Durchschnitt von 0,7 % und nur von Korea, Norwegen, Ungarn und Polen übertroffen (Abb. 13672). Seit 2006 hat sich die ungünstige Entwicklung nach deutschen Daten in Deutschland noch mehr aufgebaut.


Zwischen 1996 und 2005 stieg der Anteil der Niedriglöhner mit weniger als 2/3 des Medianeinkommens in Deutschland um fast 2,9 % pro Jahr gegenüber 0,5 % für die OECD (1996-2006). Deutschland hat hier den stärksten Aufbau an Niedriglöhnern (Abb. 13670).


Die Situation in 2005/6 zeigen die Abbildungen 13671 und 13673. Man beachte jeweils die Spitzen-Platzierung der Skandinavier.



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global news 1409 14-02-09: Wenn das Strohfeuer erstickt
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Jahrelang hat sich die Weltwirtschaft, und besonders die exportversessene deutsche, an einem Strohfeuer gewärmt. Es beruhte auf einer Situation, die die Süddeutsche Zeitung im Kommentar vom 12. Februar zurecht den „Teufelspakt der Weltwirtschaft" nennt. Es war das Arrangement zwischen China und den USA, das einerseits China trotz kommunistischer Wirtschaftslenkung einen ungestörten Zugang zum amerikanischen Markt und damit ein gewaltiges exportgestütztes Wachstum ermöglichte und andererseits den amerikanischen Verbrauchern erlaubte, auf Pump von China zu leben. China finanzierte den größten Teil des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits mit seinen Überschüssen und dem Kauf amerikanischer Schatzbriefe und hielt außerdem weltweit mit seiner Liquiditätsschwemme die Zinsen niedrig. Das wiederum feuerte den Konsum auf Kredit an und blies die Kreditblase mit auf. Diese Blase ist nun geplatzt, das Strohfeuer erstickt. Was bleibt ist mehr als Katzenjammer. Auch für Deutschland, das in dem von diesem Teufelspakt global und künstlich befeuerten Exportboom trotz stagnierender Binnennachfrage Wirtschaftswachstum verzeichnete und, gestüzt auf einen wuchernden Niedriglohnsektor, dabei seine Arbeitslosigkeit teilweise exportieren konnte.

Das chinesische Kreditfeuer setzte etwa um 2003 voll ein. Es erlaubte Deutschland, über seinen Exportmotor mit den anderen G7-Länderrn mitzuwachsen, wenn auch (bis auf Italien) wesentlich schwächer (Abb. 13668). Doch nun eilt Deutschland wieder an das absolute Ende der Schlange, wo sich sonst nur Italien und Portugal aufhalten (Abb. 13408). Der deutsche Rückgang im 4. Quartal gegenüber Vorquartal war sogar noch stärker als bei diesen beiden traditionell Fußkranken (Abb. 13511).




Nun wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland mehr als anderswo unter den G7-Ländern zunehmen. Dabei hat Deutschland trotz des Exports von Arbeitslosigkeit zusammen mit Frankreich die Spitzenposition an Arbeitslosigkeit unter den G7 gehalten (Abb. 13669).


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global news 1408 13-02-09: 4. Quartal 08: Tiefster Wirtschaftsabschwung im wiedervereinigten Deutschland
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Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2008 mit minus 2,1 % gegenüber Vorquartal (entspricht Jahresrate von 8,4 %) sehr deutlich zurückgegangen (Abb. 14510). Eine rückläufige Wirtschaftentwicklung verzeichneten bereits die beiden Vorquartale. Vor allem die Anlageinvestitionen sowie der Außenbeitrag fielen nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts zurück. Aber auch die Konsumausgaben verzeichneten einen Rückgang, obwohl auf die alle Hoffnungen für 2009 gesetzt werden.


Der Einbruch ist der stärkste unter allen Vergleichsländern, wie Eurostat heute meldet (Abb. 13511).


Gleichzeitig wird bekannt, daß bei den Arbeitsagenturen bereits eine Million Anträge für Kurzarbeitergeld mit stark steigender Tendenz liegen.

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global news 1407 13-02-09: EU-Industrieproduktion in steilem Abstieg
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Die Industrieproduktion der Alt-EU fiel von Dezember 2007 bis 2008 um mehr als 11 %. Im Dezember 2008 waren das gegenüber November 2008 auf Jahresrate gerechnet und saisonal bereinigt rund 30 %, für Deutschland sogar 59 % (Abb. 12377).


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global news 1406 13-02-09: Wie kann man die Banken retten?
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Die Regierungen schmeißen derzeit horrende Beträge hinter ihren Banken her. Doch der Kreditmarkt wird nicht flüssig. Die meisten Banken sind schlicht stark überschuldet, wenn man die Anlagen in riksanten Papieren zum derzeitigen Marktwert nimmt und dann noch berücksichtigt, daß die globale Wirtschaftskrise immer mehr früher gesunde Anlagen, aber auch viele Unternehmenskredite, faul macht. Der Fäulnisprozeß bei den Bankanlagen scheint derzeit schneller voranzuschreiten, als die Regierungen Steuerzahlergeld zuschießen können.

Die Zeichen stehen auf noch viel mehr Sturm. So wie die neoliberale Globalisierung den globalen Handel in die Höhe getrieben hat, bringt sie ihn mit noch größerer Geschwindigkeit nun zum Einsturz. China meldete gestern für Januar ein Exportminus von 17,5 %; die Exportweltmeister veranstalten ein Rennen nach unten (Abb. 03866). Nach Prof. O'Rourke vom Trinity College Dublin schrumpfte der Handel während der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre von Spitze zu Talsole um etwas mehr als 25 %. Doch diesmal kommt es voraussichtlich schlimmer.


Auch die Bankenkrise wird schlimmer als in den 30er Jahren. Nach einer angeblichen Aufzeichnung der EU-Kommission, die in der Presse gemeldet wurde, soll es derzeit bei europäischen Banken faule oder unverkäufliche Wertpapiere im Wert von 18,1 Billionen Euro geben. 44 Prozent der Aktiva europäischer Banken sollen demnach derzeit im Zweifel sein. Darunter sollen sich sogenannte "Finanzinstrumente", die besonders riskanten Kunstprodukte der Banken, in Höhe von 13,7 Billionen Euro oder 33 % der Bankenaktiva befinden. Nun steigen angeblich die Sorgen in Brüssel, daß das Kreditstanding einiger schwächerer EU-Länder überfordert sein könnte, wenn mit staatlichen Anleihen das Kapital für die Bankenrettung aufgebracht werden soll. Ob diese Meldung stimmt, läßt sich allerdings nicht nachprüfen; man sollte daher mit diesen Zahlen vorsichtig umgehen.

Die Anlagen der Banken in riskanten Papieren wurden finanziert, indem die Banken Anleihen in ähnlich gigantischem Umfang auflegten und damit dem Sparkapital der Wohlhabenden um den Globus herum eine interessante Verzinsung boten. Anleihen bei der Deutschen Bank bedingen z.B. einen Mindesteinsatz von 50.000 Euro. Die Banken waren bei diesem Geschäft unter großem Wettbewerbsdruck, weil das Sparkapital auch in hochverzinsliche Unternehmensbonds (Junkbonds), Bonds von Schwellenländern, Hedgefonds und viele andere attraktive Anlageformen gehen konnte. Dabei waren die Zinsen für klassische Anlageformen, wie Staatspapiere, vor allem durch die starke Nachfrage aus China heruntergetrieben worden.

Die Entwicklung läßt sich an der Verschuldung der amerikanischen Banken ablesen, aber auch an den Fälligkeiten bei europäischen Banken. In USA hob die Verschuldung der Banken seit etwa 2000 steil von der des Bruttoinlandsprodukts ab (Abb. 03863). In Europa werden allein im kommenden Jahr Anleihen hiesiger Banken im Umfang von 1.5 Billionen Dollar fällig (Abb. 03817), in den folgenden zwei Jahren noch einmal rund 620 Mrd Dollar.



Man muß sich nur die Bilanz der Deutschen Bank ansehen (Abb. 03824). Dort wurden per 3. Quartal 2008 bei vergleichsweise kümmerlichen 37 Mrd Euro Eigenkapital nicht weniger als 1.4 Billionen Euro Anlagen in Vermögenswerten gehalten, deren Wert unsicher ist und als "fair value" bewertet werden, also 39-mal soviel. Dies wurde möglich, weil die Deutsche Bank 428 Mrd Euro an Einlagen und 1.2 Billionen Euro an finanziellen Verpflichtungen (d.h. aufgenommene Kredite) gegenrechnen konnte.


Nun muß man sich fragen, wo diese gewaltige Lawine an Kapital für die Banken hergekommen ist. Hinweise gibt einerseits die Statistik des Internationale Währungsfonds über die Ersparnis der Welt, also Kapital, das in der Realwirtschaft oder spekulativ auf den Finanzmärkten investiert wurde. Die Brutto-Sparquote der Welt, die bis dahin zurückging, ist seit 2002 um etwa 4 Prozentpunkte des Weltsozialprodukts auf über 24 % stark angesprungen (Abb. 03826). Damit wurde in nur fünf Jahren ein zusätzliches Sparkapital von 52 Billionen Dollar verfügbar, das - soweit es nicht von den Unternehmen direkt für Investitionen verwandt wurde - seinen Weg in die Finanzwirtschaft gefunden hat (Abb. 03825).



Andererseits hat McKinsey die Entwicklung von Anlagevermögen und Weltsozialprodukt zu ermitteln versucht, worauf mich ein Besucher des Infoportals aufmerksam macht. Seit 1990 ist das Anlagekapital im Durchschnitt jährlich um 17 Prozent gewachsen - fast doppelt so schnell wie das weltweite Bruttosozialprodukt (Abb. 03868), seit 2003 wuchs die Diskrepanz besonders stark. Das Wachstum des Finanzkapitals war also zum großen Teil fiktiv, weil es keinen wachsenden Mehrwert spiegelte. 2007 suchte weit über 100 Billionen Dollar Anlagekapital vergeblich nach sinnvollen Anlagemöglichkeiten.


Nun haben die Regierungen die Wahl, eine Korrektur entweder über immer mehr Steuerzahlergeld herbeizuführen, womit gleichzeitig die Kredite der meist Wohlhabenden an die Banken geschützt werden (und natürlich auch einiger, meist amerikanischen Pensionsfonds) oder die Banken staatlich zu übernehmen und die Anleihen im Zuge einer Sanierung mindestens zu einem Teil zu streichen und jedenfalls nicht mehr zu verzinsen. Im ersten Fall wird sehr viel Steuerzahlergeld vernichtet, d.h. meist die Steuern der weniger Wohlhabenden, im anderen das Geld der meist sehr Wohlhabenden. Das ist die Wahl.

Ausführlichere Information im neuen Schwerpunkt.

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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.