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(1380) Nur noch wenige Monate Krise?

(1379) Drohen jetzt Handelskriege?

(1378) Die Bauaufträge taumeln weiter nach unten

(1377) Die Dreier-Bande - "Gangster-Logik"?

(1376) Zehn Prozent der deutschen Bevölkerung besitzen bereits fast 2/3 des deutschen Gesamtvermögens

(1375) Jahreswirtschaftsbericht 2009: Wieder die Rechnung ohne den Wirt

(1374) Herkules Obama?

(1373) Finanzmarktexperten sehen die Lage noch schwärzer

(1372) Wege aus der Krise

(1371) EU-Kommission erwartet für EU 1,8 % Wirtschaftsschrumpfung in 2009 und bis 2010 ein Drittel mehr Arbeitslose

(1370) Deutsche werden immer skeptischer

(1369) Krisenphasen des globalen Banken- und Versicherungssektors: Nun die Vierte

(1368) Deutsche gewerbliche Wirtschaft: Beschäftigungszuwachs läßt deutlich nach, Lohnzuwachs sehr bescheiden

(1367) Nachtrag zu: "Die Eurozone kommt immer mehr unter Zerreiß-Druck"

(1366) Die Eurozone kommt immer mehr unter Zerreiß-Druck

(1365) Die amerikanischen Verbraucher können nicht mehr

(1364) Deutsche Wirtschaft schrumpfte um bis zu 2 % im letzten Quartal 2008

(1363) Auch das zweite Konjunkturpaket wird in dieser Form wenig gegen die Krise helfen können

(1362) Noch eine Rückkoppelung: Das Meer arbsorbiert weniger CO2

(1361) Umsatzeinbruch der gewerblichen Wirtschaft verstärkt sich

(1360) Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit in USA, Stimmungstief in der EU

(1359) Deutsche Industrieproduktion fällt mit Jahresrate von 36 %, Einzelhandel stagniert

(1358) Die wachsenden Diskrepanzen in der Eurozone besorgen die EU-Kommission - doch die Analyse hinkt

(1357) Industrieaufträge im November: Weiter nach unten

(1356) US-Haushalt immer negativer

(1355) Deutscher Export im freien Fall

(1354) Die Krise ist am Arbeitsmarkt angekommen

(1353) Immer mehr Ebbe am Automarkt

(1352) Die Krise erreicht den Arbeitsmarkt

(1351) Nun sinkt auch der globale Industrieindex auf den tiefsten Stand

(1350) Zur Entwicklung der Kurzarbeit

(1349) Was bringt 2009?




global news 1380 26-01-09: Nur noch wenige Monate Krise?
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Der Bundeswirtschaftsminister sieht schon das zweite Halbjahr 2009 in rosigerem Licht. Der Bundesbankpräsident erklärt in BILD: "Es braucht Zeit, bis alle Maßnahmen wirken. Ich rechne aber damit, dass die Wirtschaft schon im Herbst wieder leicht wachsen kann und sich die Konjunktur 2010 weiter erholt." Also, alles nicht so schlimm, da nur von kurzer Dauer?

Doch wie passen dazu folgende Worte von Weber im gleichen Interview?: "Das eigentliche Ausmaß der weltweiten Finanzkrise ist noch längst nicht absehbar. Der wirtschaftliche Abschwung ist stärker und weltweit umfassender, als wir das erwartet haben. Es macht mir Sorge, daß es noch nicht gelungen ist, die Krise an den Finanzmärkten einzudämmen. Es gibt derzeit immer neue Verwerfungen, mehr betroffene Segmente und neue Verluste, die zu weiterem Abschreibungsbedarf führen".

Oder hören wir auf Professor Nouriel Roubini, einer der wenigen, die die Kreditkrise frühzeitig haben kommen sehen. Er schätzt die Verluste des globalen Finanzsektors nicht auf 1,4 Billionen Dollar, wie bisher der Weltwährungsfond, sondern auf 3,6 Billionen Dollar, davon 1,6 Billionen Dollar in Kreditverlusten und 2 Billionen Dollar in Verlusten auf vermögensunterlegte Wertpapiere (securitized assets), wenn sie zum stark gefallenen Wert bewertet werden. Von den 3,6 Billionen Dollar soll etwa die Hälfte in USA anfallen, der Rest zum größten Teil in Europa. Die 1,8 Billionen Dollar für die USA erwartete Verluste vergleichen sich mit einem Kapital des amerikanischen Finanzsektors von noch etwa 1,4 Billionen Dollar und zeigen die gigantische Dimension, mit der der Staat zur Rettung des für die Volkswirtschaft unentbehrlichen Bankensystems in der einen oder anderen Weise einspringen muß. Nach Roubini müssen allein die amerikanischen Banken 1,0 - 1,4 Billionen Dollar an privaten oder staatlichen Geldern bekommen. Dennoch wird das Kapital der amerikanischen Banken von 1,4 Billionen Dollar vor der Krise auf nur noch 30 Mrd Dollar fallen. In Europa soll die Lage ähnlich sein. Das eigentliche Problem ist nun, daß der gesamte Schattenbank-Sektor, der die Hauptlast der Keditbeschaffung für Immobilien, Autos,Kreditkraten, Studentenkredite etc. in USA und einigen anderen Ländern, wie Großbritannien, Spanien und Irland, getragen hat, verschwunden ist und von den normalen Banken nicht ersetzt werden kann. Dieser Teil der Finanzindustrie ist bereits gestorben. Man kann für viele Jahre einfach nicht erwarten, daß die geschwächten Banken selbst in diese Bresche springen.

Die internationalen Banken haben ihre Anlagen in zweifelhaften und überriskanten Papieren zum größten Teil mit Anleihen in der Realwirtschaft und zu einem viel kleineren Teil über Einlagen von Kunden finanziert. Sie haben insgesamt Schuldpapiere im Wert von mehr als 17 Billionen Dollar ausgestellt, fast so viel wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der USA (Abb. 13362). Dabei hatten deutsche Banken zur Mitte des vergangenen Jahres Hebelraten von durchschnittlich dem Fünfzigfachen ihres Eigenkapitals (Abb. 03802). Nun versuchen sie verzweifelt, diese Hebelraten herunterzuführen, verlieren aber durch Verlustabschreibungen immer mehr Eigenkapital. Andererseits fordern jetzt viele Unternehmen bereits fest zugesagte Kreditlinien ein, von denen sie bisher keinen Gebrauch machen mußten. Einstweilen ist das Gesundschrumpfen also eine Schraube ohne Ende. Und am Ende wahrscheinlich nur ein Ende in der Verstaatlichung.



Wie stark dabei die Deutsche Bank als größte private deutsche Bank mit nur 40,6 Mrd Euro Eigenkapital von den Bewertungsmodalitäten für riskante Finanzpapiere abhängt, zeigt der Bilanzposten "zum Fair Value bewertete finanzielle Vermögenswerte" von gigantischen 1,4 Billionen Euro. Auf der Passivseite hat allein die Deutsche Bank dagegen Verbindlichkeiten aufgenommen, die zusammen etwa 86 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts eines Jahres ausmachen.

Wenn man sich diese immer noch zunehmende Bankenkrise ansieht, kann man sich eigentlich nur über die amtlichen Optimisten wundern, die schon für die Jahresmitte oder jedenfalls den Herbst dieses Jahres wieder Wirtschaftswachstum in Deutschland erwarten.

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global news 1379 25-01-09: Drohen jetzt Handelskriege?
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Die Doha-Runde eines weiteren Abbaus von Handelshemmnissen in der Welthandelsorganisation ist eines der Krisenopfer geworden. Einige Länder haben in der Krise schon protektionistische Maßnahmen ergriffen. So hat Rußland die Importzölle für Autos erhöht. Ähnliche Maßnahmen haben einige andere Schwellenländer ergriffen. Die spanische Regierung ruft bereits die Spanier auf, sich auf spanische Produkte und Dienstleistungen einzurichten und damit spanische Jobs zu retten.

Nun kommt ein Streit zwischen der neuen US Administration und China über Manipulationen des Wechselkurses der chinesischen Währung dazu. China hat seit vielen Jahren den Wechselkurs des Renmimbi trotz stark steigender Leistungsbilanzüberschüsse eng an den Kurs des Dollars angebunden und damit unterbewertet. Bei Ausbruch der Finanzkrise im August 2007 und zeitweisem Absturz des Dollar erklärte China unter dem Druck der amerikanischen Regierung eine gewisse Bandbreite für Aufwertungen des Renmimbi. Die hielten dann bis zum Juli vergangen Jahres an. Seitdem wertet der Renmimbi nicht mehr gegenüber dem Dollar auf und sinkt in diesem Jahr sogar leicht ab (Abb. 08158). Nun besteht die Gefahr, daß China seine Währung benutzt, um in der Krise auf den Absatzmärkten den eigenen Exporteinbruch abzufedern und damit Märkte von den Konkurrenten zu übernehmen.


Jetzt erklärte der neue amerikanische Finanzminister Geithner vor dem Finanzkommittee: "Präsident Obama - unterstützt von den Schlußfolgerungen einer breiten Gruppe von Ökonomen - glaubt, daß China seine Währung manipuliert. Das neue Wirtschaftsteam wird eine integrierte Strategie entwickeln, wie am besten Neuordnungen der Währungsrelationen in dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld erreicht werden können". Die chinesische Reaktion ließ nicht auf sich warten. Die Regierung erklärte, die amerikanischen Vorwürfe würden nur protektionistische Bestrebungen in USA anheizen. Das Handelsministerium sprach von unbegründeten Vorwürfen. Besonders starke Reaktionen kamen aus akademischen Kreisen in China. Der Professor für Amerikastudien Shen Dingli meinte, die Vorwürfe seien ein Zeichen von Unreife und Unfähigkeit den verantwortlichen Job des US Finanzministers zu bekleiden. Geithner würde eine Grube für sich selbst graben. Der Ökonom Bai Qinxian sagte, unsere Regierung sollte ihre Politik gegenüber den USA überprüfen und eine stärkere Strategie verfolgen.

Auch sonst scheint das kommunistische China eine Abgrenzung gegenüber Obama zu suchen. Die Rede Obamas bei der Amtsübernahme wurde in den chinesischen Medien zensiert, indem die Übertragung an der Stelle abgebrochen wurde, wo Obama den amerikanischen Sieg über den Nationalsozialismus und den Kommunismus erwähnte.

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global news 1378 24-01-09: Die Bauaufträge taumeln weiter nach unten
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Gegenüber dem Gipfel im Oktober 2007 hat das Auftragsvolumen im Baugewerbe schon fast ein Viertel (23,8 %) verloren (Abb. 14605). Uber die letzten vier Monate betrug der Rückgang auf Jahresrate gerechnet schon 40,1 %.


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global news 1377 23-01-09: Die "Dreier-Bande" und die "Gangster-Logik"
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Drei Länder haben sich mit einer total einseitigen Exportorientierung und Drosselung der privaten Binnennachfrage vom Rest der Weltwirtschaft abgesetzt. In nur fünf Jahren zwischen 2004 und 2008 türmten sie einen gigantischen Leistungsbilanzüberschuß von zusammen 3,1 Billionen Dollar auf: China, Deutschland und Japan (Abb. 03798). China handelte rational im Landesinteresse, nützte die Dummheit seiner Handelspartner in der Akzeptanz von Dumping aus und erzielte zweistellige Wachstumsraten in der Wirtschaftsentwicklung. Deutschland und Japan hatten unter den Vergleichsländern der G7 eine eher ungünstige Wirtschaftsentwicklung (Abb. 13665). Hier profitierten nur die Kapitaleigner von den gedrückten Arbeitseinkommen.



Nun ist das Spiel zu Ende, die Spekulationsblase mit den Leistungsbilanzüberschüssen geplatzt. Die Weltwirtschaftskrise trifft diese Dreier-Bande wegen ihrer enormen Exportabhängigkeit ganz besonders. Das gilt auch für China mit stark einbrechender Industrieproduktion und rückläufigem Wirtschaftswachstum (Abb. 08130, 08017). Mit dem jetzt für 2009 zu erwartenden Wachstum von 6,8 % oder weniger steigt in China die Arbeitslosigkeit und wird soziale Unruhe wahrscheinlich.



Für den Chefökonomen der Financial Times Martin Wolf ist die hohe chinesische Ersparnis von weit über 50 % des Bruttoinlandsprodukts, die auf fast 70 % des Bruttoinlandsprodukts (67 % in 2007) angestiegene chinesische Exportrate und der entsprechende Leistungsbilanzüberschuß der drei Länder teilweise ursächlich für die Defizite der USA und einiger anderer Länder. Doch Zhang Jianhua von der chinesichen Zentralbank soll diese Ansicht als "äußerst lächerlich, unverantwortlich und als Gangster-Logik" bezeichnet haben. Die globalen Ungleichgewichte seien nur von den westlichen Politikern verursacht worden, besonders den laxen Geldpolitiken der amerikanischen Zentralbank und der unkontrolierten Expansion der Kreditmärkte.

Wer immer recht hat, so Martin Wolf, die gigantische globale Blase im Wertanstieg von Finanzanlagen (und damit Kaufkraft) habe die Leistungsbilanzüberschüsse einiger Länder, besonders Chinas, erst ermöglicht. Diese Ära sei nun vorbei. Eine positive Lösung der Krise sei nur denkbar, wenn die Überschußländer die Nachfrage ihrer privaten Verbraucher wirksam ankurbelten. Sollten diese Länder jedoch versuchen, ihre Exporte durch Subventionierung zu halten, so wäre protektionistische Abwehr sicher.

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global news 1376 23-01-09: Zehn Prozent der deutschen Bevölkerung besitzen bereits fast 2/3 des deutschen Gesamtvermögens
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Nach einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung entwickelt sich die Vermögensverteilung immer ungleicher. Das oberste Fünftel besaß 2007 schon über 80 % der Vermögen. Das sind 3,2 Prozentpunkte mehr als noch 2002 (Abb. 14621). Das unterste Fünftel hatte im Saldo nur Schulden von 1,6 % der Vermögen.


Bezogen auf das oberste Zehntel ergab sich ein Vermögensanteil von 61,1 % oder fast zwei Drittel (Abb. 14622).


27 % der Bevölkerung weisen dagegen so gut wie kein Vermögen auf oder sind sogar verschuldet. Beim untersten Zehntel stieg im Saldo die Verschuldung zwischen 2002 und 2007 von 1,1 % auf 1,6 % aller Vermögen (Abb. 14623). Bei der unteren Hälfte kam 2007 nichts mehr an (Abb. 14224). Hingegen besitzen die vermögendsten 1 % der Bevölkerung, also die Allerreichsten, über knapp ein Viertel des Gesamtvermögens.



Diese Explosion des Reichtums bei den Reichen, das vermögendste 1 % konnte zwischen 2002 und 2005 das durchschnittliche Vermögen um 10 % steigern, hängt mit der immer ungleicheren Einkommensverteilung zusammen. Sie produziert bei den Best- und Besserverdienern Einkommen, die zu einem erheblichen Teil nicht mehr konsumiert werden, sondern gespart und dann spekulativ auf den Finanzmärkten angelegt werden. Dabei werden auf der Suche nach maximaler Marge hohe Risiken eingegangen, da dieser Personenkreis in der Regel immer noch genug im Rücken hat und sich daher solche Risiken leisten kann. Die besonders hohe Sparquote der oberen Einkommen hat das Statistische Bundesamt schon vor sechs Jahren festgestellt (Abb. 04026).


Siehe auch heutige Gedanken zur Zeit Die neoliberale Globalisierung schlägt zurück: Der Exportweltmeister verliert seine Hosen und vieles mehr.

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global news 1375 22-01-09: Jahreswirtschaftsbericht 2009: Wieder die Rechnung ohne den Wirt
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Es ist längst ärgerlich. Dieselben Kräfte, die in Deutschland den Niedriglohnsektor aufgebaut und die Masseneinkommen real zurückgeführt haben, setzen in ihren Prognosen immer wieder und immer wieder falsch auf ein Anspringen der Nachfrage eben dieser am Einkommen strangulierten Verbraucher. So jetzt wieder der Bundeswirtschaftsminister im Jahreswirtschaftsbericht.

Da wird für 2009 ein Rückgang des Exports um 8,9 % angenommen, was trotz der dramatisch schlechten Zahl nur Kaffeesatz und im schlimmsten Fall schreckliche Schönfärberei ist. Doch um bei der Gesamtentwicklung nicht unter ein Minus von 2,25 % und über eine Arbeitslosigkeitsquote von 8,4 % zu kommen, muß wieder der Verbraucher herhalten. Ihm wird entgegen allen Erfahrungen und allen enormen Verängstigungen durch diese Weltwirtschaftskrise ein wundersamer Zuwachs an Verbrauch von 0,8 % unterstellt oder soll man sagen: abverlangt (Abb. 14620). Mit jedem Monatsbericht der Bundesagentur Monat für Monat um insgesamt eine halbe Million steigende Arbeitslose und trotzdem ein Konsumentenboomchen - wie soll das zusammenpassen? Erinnern wir den Minister: Für 2008 hatte er einen Zuwachs an privater Nachfrage von 1,1 % vorausgesagt; herausgekommen war null, und das in einem Jahr mit rückläufiger Arbeitslosigkeit.


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global news 1374 21-01-09: Herkules Obama?
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Bekommen wir ein anderes Amerika? Sicher eine andere Führung. Aber kann Obama ein neues Amerika schaffen und wie schnell? Wären die USA nicht in dieser entsetzlichen finanziellen und wirtschaftlichen Verfassung, könnte er loslegen und die Amerikaner mit sich selbst versöhnen: ein besseres Gesundheitssystem, weniger Steuervorteile für die Reichen, mehr für die Umwelt. Doch in der Krise?

Hier sind seine zehn Hauptprobleme:

1. Drei einst mächtige Wirtschaftszweige sind derzeit nur noch Ruinen: Die Automobilindustrie, die Banken und der Immobiliensektor. Der letzte zusätzliche Rettungsschirm für Bank of America brauchte allein 138 Mrd Dollar. Der Immobilienmarkt ist mit stark abrutschenden Hauspreisen (Abb. 03775) weiter im freien Fall. Die Verkäufe bestehender Häuser sind im November auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gesunken. Im Jahresvergleich gingen die Verkäufe um 35,3 Prozent zurück (Abb. 05074).



2. Die Arbeitslosigkeit schnellt nach oben, seit in 2008 bereits um 2,8 Mio (Abb. 05097, 05100).



3. Die Ausgaben der privaten Haushalte in USA sanken im 3. Quartal gegenüber Vorquartal auf Jahreswert gerechnet um 3,8 Prozent (Abb. 05117), der Einzelhandelsumsatz seit Juni 2008 um 9,4 % und damit bereits zum sechsten Mal in Folge (Abb. 05095). Das Verbrauchervertrauen ist am Boden (Abb. 05073).




4. Die USA werden sich nicht länger primär auf den Dienstleistungssektor verlassen können, denn der bestand zu einem hohen Anteil aus Finanzdienstleistungen eines überdimensionierten Finanzsektors an Wall Street und anderswo in USA. In 2007 verzeichnete dieser Sektor rund 40 % des Umsatzes aller amerikanischer Unternehmen und war fast doppelt so profitabel wie der Rest. Auch der Gewinn pro Aktie war 80 % höher als der Durchschnitt der amerikanischen Wirtschaft. Selbst die Industrieunternehmen, die eigentlich ihre Gewinne investieren sollten, bevorzugten zu großen Teilen das Einkommen aus Finanzanlagen. So stammten die amerikanischen Unternehmensgewinne bereits 2004 zu nicht weniger als 40 % nicht aus dem Umsatz ihrer Produkte, sondern von Anlagen am Kapitalmarkt.

5. Das Volumen der ausstehenden Bonds, die mit Vermögenswerten unterlegt sind (ABS) ist enorm gefallen und zeigt die Probleme mit der Unternehmensfinanzierung in USA auf (Abb. 03715). Ebenso deutet die extrem hohe Differenz im Zins zwischen Bonds mit und ohne Investmentgrad darauf hin, daß eine hohe Pleitequote bei den Unternehmen erwartet wird (Abb. 03794).



6. Die Wirtschaftsleistung insgesamt stürzt ab (Abb. 05085).


7. Die Fed und die US-Regierung versuchen, mit einer gigantischen Geldschöpfung gegenzusteuern. Das zeigt sich auch in den von der Fed ausgewiesenen Bar-Reserven (Abb. 05110). Das Haushaltsdefizit bewegt sich wie ein Fahrstuhl nach unten, da die Steuereinnahmen drastisch zusammenbrechen und die Ausgaben für die Rettungspakete irrsinnig steigen (Abb. 05087).



8. Die USA haben die bei weitem größte Ungleichheit in der Einkommensverteilung unter allen hochentwickelten Industrieländern. Der Vergleich zu Deutschland fällt sehr deutlich aus. In den USA ist der Unterschied zwischen dem Anteil am Gesamteinkommen der 10% Spitzeneinkommen und dem der 10% untersten Einkommen mehr als doppelt so groß. Das obere Fünftel monopolisiert etwa die Hälfte aller Einkommen. Das oberste 1 % besitzt 40 % aller Vermögen (Abb. 05092). Auch das wird sich nur sehr langsam ändern lassen, jedenfalls viel langsamer als die auf Obama gesetzten Erwartungen.


9. 46 Mio Menschen oder fast 16% haben keinerlei Krankenversicherung. Nach Angaben des amerikanische Ärztebunds steigt die Zahl an, da immer mehr Arbeitgeber aus Kostengründen darauf verzichteten, ihre Angestellten zu versichern. Das trifft auch die Familienangehörigen, die in der Regel mit dem Arbeitnehmer mitversichert sind. Die staatliche Altersversorgung deckt nur etwa die Hälfte der Alterseinkommen.

10. Die USA werden sich nicht mehr wie bisher auf die Finanzen des Restes der Welt verlassen können. Sie werden viel stärker auf sich selbst gestellt sein. Ohne die Finanzierung aus dem Ausland, werden sie voll auf die Fähigkeiten ihrer eigenen Arbeitnehmer setzen müssen. Dazu brauchen sie vor allem ein weit besseres Bildungssystem, eine nur sehr langfristig zu bewältigende Aufgabe.

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global news 1373 20-01-09: Finanzmarktexperten sehen die Lage noch schwärzer
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Die Beurteilung der gegenwärtigen Lage durch die Finanzmarktexperten ist erneut pessimistischer geworden und liegt so tief wie seit vielen Jahren nicht mehr (Abb. 04588).


Die Erwartungen sind demgegenüber erneute leicht gestiegen, halten sich aber weiter tief unter dem historischen Mittelwert (Abb. 04762).


Daraus macht nun ZEW-Präsident und CDU-Mitglied Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz unter der Überschrift seiner Presseerklärung von heute "ZEW-Konjunkturerwartungen - Erholung setzt sich fort": "Die deutliche Verbesserung der Konjunkturerwartungen dürfte zum Teil auf das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung zurückzuführen sein. Die Finanzanalysten teilen den Optimismus neuerer Konjunkturprognosen, dass sich ab Mitte dieses Jahres die Konjunkturperspektiven wieder aufzuhellen beginnen." So schön ist die Welt des Herrn Präsidenten in der Nähe der Politik!

Und natürlich legt - wie immer - gleich noch SPIEGEL oben drauf: "Finanzexperten hegen Hoffnungen für zweite Jahreshälfte. Das Rettungspaket für Deutschlands Wirtschaft macht Finanzexperten Mut - ihre Konjunkturerwartungen haben sich im Januar überraschend deutlich aufgehellt. Ihre Prognose: Ab Jahresmitte könnte es wieder aufwärts gehen. Doch nach Einschätzung der Finanzexperten ist jetzt immerhin die Talsohle in Sicht. Danach geht es wieder aufwärts. So schön ist die SPIEGEL-Welt! Wetten, daß auch in einem Jahr die Talsohle noch nicht erreicht ist? Was wird uns Herr Franz wohl dann erzählen?

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global news 1370 20-01-09: Wege aus der Krise
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In der Weltwirtschaftskrise kann ich ehrlicherweise noch weniger gute Nachrichten vorführen. Da erreichen mich nun gelegentlich Zuschriften wie diese: "Ihre Analyse ist sehr überzeugend, Ihre Hiobsbotschaften alle korrekt, nur auf die Dauer leider deprimierend. Ich erwarte jetzt von Ihnen Vorschläge, wie wir das Ruder herumreißen könnten. Welche Rezepte empfehlen Sie ?"

Es stimmt zwar nicht, daß ich nicht immer wieder Lösungen andeute, und viele ergeben sich ohnehin aus den Analysen ohne viel Nachdenken. Ein eigener Schwerpunkt "Was tun? Es gibt Alternativen" beschäftigte sich schon seit fast drei Jahren mit den Alternativen. Nun aber habe ich noch einmal aktuell in die Harfe gegriffen und einen neuen Schwerpunkt aufgesetzt: "Was tun? - Wege aus der Krise". Die Rezepte sind relativ radikal, weil sie an der Einkommensverteilung als Auslöser der Krise ansetzen und nicht abstrakt an "Spekulation" oder "Gier nach Marge", halten sich aber total im Rahmen der Marktwirtschaft. Alle Wege aus der Krise sind - wie die Krise selbst - lang und können fünf bis zehn Jahre dauern. Hier ein Auszug zu den in Deutschland notwendigen Änderungen, die sich an einer Wiedereinführung der vor vielen Jahren untergegangenen Sozialen Marktwirtschaft orientieren:

    » Beseitigung des extremen Niedriglohnsektors durch Einführung flächendeckender Mindestlöhne, ein Verbot der Lohndiskriminierung von Zeitvertragsarbeit und ein Zurückdrehen von Hartz IV, womit zugleich der negative Sog auf die darüber liegenden Arbeitseinkommen beseitigt wird. Die Regelung der Zeitarbeit wird umso mehr nötig, als sie nun seit Jahren weit stärker als die Beschäftigung insgesamt wächst (Abb. 14527) und die Branche erwartet, daß die jetzt in der Krise verlorengehenden Dauerarbeitsplätze nach der Krise durch Zeitarbeit ersetzt werden.

    » Auch werden die Lebens- und Wochenarbeitszeiten wieder verkürzt werden müssen, weil Deutschland nach Platzen der globalen Leistungsbilanz-Blase nicht länger im bisherigen Stil Arbeitslosigkeit exportieren kann und dann mit weiterer Produktivitätssteigerung die Arbeitslosigkeit immer größer werden wird.
    » Die Renten sind durch eine staatliche, aus dem Steueraufkommen finanzierte Mindestrente nach unten abzusichern. Die ständigen Warnungen der Medien vor der Unsicherheit des staatlichen Rentensystems müssen aufhören, wobei notfalls die Bundesregierung die Medien wegen falscher Berichterstattung zur medienrechtlichen Verantwortung ziehen muß.
    » Weiter ist die ständige Absenkung des Spitzensteuersatzes der Einkommenssteuer von noch 53 % in 1999 auf nur noch 47,5 % rückgängig zu machen. Besonders bei den obersten Spitzeneinkommen ist die effektiv einkassierte Steuer enorm gefallen (Abb. 15012). Schließlich sind die letzten Steuersenkungen, die vor allem Kapitaleinkommen (Abgeltungssteuer von nur 20 %) und Erbschaften (Erbschaftssteuerreform) der Wohlhabenden begünstigen, zurückzunehmen.



    » Soweit eine Wiedereinführung der Sozialen Marktwirtschaft wahrscheinlich nur mit außenwirtschaftlicher Abschirmung vor Dumpingimporten aus unsozialen Wirtschaften möglich ist, muß uns die Bundesregierung und die EU weit wirksamer als bisher davor schützen. Es wäre besonders unerträglich, wenn die hochqualitativen und entsprechend teueren Exportprodukte der alten Industrieländer in der Krise keinen Markt mehr finden sollten, dagegen Billigprodukte aus China u.Co. noch mehr die Märkte übernehmen würden. Unfaire Dumping-Konkurrenz auf der Basis ausgebeuteter Arbeit und Umwelt, manipulierter Wechselkurse, Streikverbots, Unterdrückung unabhängiger Gewerkschaften und eines Staatsdirigismus, wie in China, muß jetzt endlich verhindert werden. Dazu braucht es wirksame Sozial- und Umweltklauseln in der Welthandelsorganisation. Gleichzeitig sollten wirkliche Präferenzen für die ärmsten Entwicklungsländer vereinbart werden. Erweiterungen der EU um noch mehr Billiglohnländer, wie die Ukraine oder die Türkei, wären definitiv auszuschließen.

Den neuen Schwerpunkt, auch mit Wegen aus der Bankenkrise, finden Sie hier in voller Länge.

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global news 1371 20-01-09: EU-Kommission erwartet für EU 1,8 % Wirtschaftsschrumpfung in 2009 und bis 2010 ein Drittel mehr Arbeitslose
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Nach der heutigen Prognose der EU-Kommission soll die EU-Wirtschaftsleistung in 2009 um 1,8 % zurückgehen. Dabei soll Deutschland wegen seiner großen Exportabhängigkeit mit minus 2,3 % besonders stark betroffen sein (Abb. 06094). Schon im November ist der deutsche Export mit einer Jahresrate von 37 % gegenüber Oktober eingebrochen (Abb. 06093). Bei auf Jahresrate gerechnet rund 11 Mrd Euro Rückgang, sank in absoluten Werten nur der britische Export mit 14 Mrd Euro noch stärker.



Die Arbeitslosigkeit soll dabei bis 2010 in der EU um 31 % und in der Eurozone um 32 % zunehmen. Die Arbeitslosenquote der Eurozone soll dann bei 10,2 % liegen. Für Deutschland wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,1 % oder eine halbe Million mehr erwartet. Im November lag die deutsche Arbeitslosigkeit im oberen Mittelfeld des internationalen Vergleichs (Abb. 04068). Da die Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im Oktober und November jeweils mit Jahresraten um 4 % eingebrochen ist, was für November 2009 auf die Gesamtwirtschaft übertragen 1,2 Millionen zusätzliche Arbeitslose ergibt, dürfte diese Annahme viel zu optimistisch sein. Ebenso überoptimistisch erscheint die Schätzung der Bundesregierung im am Mittwoch veröffentlichten Jahreswirtschaftsberichts von ebenfalls nur 0,5 Millionen zusätzlichen Arbeitslosen vom 4. Quartal 2008 bis zum 4. Quartal 2009.


Wie immer kann die Bundesregierung den Ernst der Lage nicht rechtzeitig erkennen. Deshalb kommen auch die Abwehrmaßnahmen regelmäßig zu spät.

Sie auch neuen Schwerpunkt "Was tun? - Wege aus der Krise".

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global news 1370 19-01-09: Deutsche werden immer skeptischer
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Eine neue, vom 6. Oktober bis 6. November 2008 durchgeführte europaweite Umfrage der EU-Kommission zeigt die Deutschen erneut als besonders skeptisch. Die Werte zur Wirtschaftsentwicklung sind seit dem Frühjahr 2007 immer weiter gefallen. So ist die Erwartung an eine positive Entwicklung der Wirtschaftslage in Deutschland in den nächsten 12 Monaten von 41 % auf nur noch 9 % zurückgegangen, obwohl sich die eigentliche Krise in der Realwirtschaft im Oktober letzten Jahres noch kaum bemerkbar machte (Abb. 06091).


Die Einschätzung der Deutschen ist dabei ungünstiger als die des europäischen Durchschnitts (Abb. 06092). So glauben 57 Prozent der Bundesbürger an eine Eintrübung der wirtschaftlichen Situation, europaweit sind es nur 51 Prozent. Für die Europäische Union sehen 47 Prozent in Deutschland eine Verschlechterung der Situation, EU-weit sind es sechs Prozentpunkte weniger. Auf die Frage "Wird das Leben der heutigen Kinder schwieriger sein als das Ihrer eigenen Generation?" antworten 73 Prozent der Deutschen mit Ja, europaweit sind es nur 62 Prozent. Auch genießt in Deutschland die Erweiterung der EU immer weniger Zustimmung. Während hierzulande nur noch 26 Prozent die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten befürworten, sind es europaweit 44 Prozent.


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global news 1369 18-01-09: Krisenphasen des globalen Banken- und Versicherungssektors: Nun die Vierte
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Seit Beginn dieses Jahres ist die Krise des globalen Banken- und Versicherungssektors in ihre vierte Phase eingetreten, wie die Financial Times die Phasen zutreffend unterscheidet. Über diese vier Phasen hat sich der Aktienwert dieses Sektors dramatisch von 8,5 Billionen Dollar auf nur noch 3,6 Billionen Dollar mehr als halbiert und sind die Verlustabschreibungen auf über 1 Billion Dollar angestiegen (Abb. 03845). Die beiden deutschen Paradebanken Deutsche Bank und Commerzbank verloren sogar 86 % bzw. 91 % ihres Wertes (Abb. 03752).



Die erste Phase brach im August 2007 aus, als die französische BNP die Auszahlungen aus drei ihrer Investmentfunds stoppte, weil mit Vermögenswerten hinterlegte und international gehandelte Papiere mangels Nachfrage nicht mehr bewertet werden könnten. Die Zentralbanken reagierten rasch mit hohen Liquiditätsspritzen. Als erste größere Bank wurde die britische "Northern Rock" verstaatlicht.

Eine zweite Phase von September 2007 bis August 2008 begann mit riesigen Verlustankündigen der Investmentbanken UBS und Merrill Lynch und der Rettung des großen amerikanischen Brokers Bear Stearns durch einen von der Fed mit Notfinanzierung unterstützten Aufkauf durch JPMorgan Stanley.

Daran schloß sich etwa im September 2008 die 3. Phase an, in der die riesigen Hypothekenbanken Fannie und Freddie (mit 12 Billionen Dollar Schulden) sowie die größte amerikanische Versicherung AIG von der Fed und daneben Merrill Lynch von der Bank of America gerettet wurden, jedoch Lehman Brothers in Konkurs ging. Die Fed kündigte einen Kreditrahmen von 900 Mrd Dollar für amerikanische Banken an. Ähnliche Maßnahmen wurden in anderen Ländern nötig. Die Lage an der Bankenfront schien damit zunächst einmal beruhigt.

Nun sind wir jedoch seit Beginn dieses Jahres in der 4. Phase mit neuen gewaltigen Unsicherheiten konfrontiert, weil sich die Krise in die Realwirtschaft hineinfrißt und damit die Banken mit weiteren Verlusten erneut in die Mitte des Strudels zieht. Bank of America kündigt jetzt einen Verlust von 2,4 Mrd Dollar an, die noch im Übernahmeprozeß befindliche Merrill Lynch von 21,5 Mrd Dollar und Citygroup von 8,3 Mrd Dollar. Die amerikanische Regierung muß über Bank of America einen Rettungsschirm von 138 Mrd Dollar aufspannen. In Deutschland mußte die Bundesregierung bei der Commerzbank mit 10 Mrd Euro einsteigen. Die Deutsche Bank erklärt einen Verlust von 3,9 Mrd Euro, und Ackermann muß die Deutsche Post - und damit indirekt den Staat - als Großaktionär ins Boot holen.

Alle Indizes der Zinsaufschläge für riskante Papiere im Umfang von Billionen Dollar steigen derzeit steil nach oben: für hochgehebelte Darlehen und selbst im Top-AAA-Bereich für mit kommerziellen Hypotheken oder mit Subprime-Hypotheken hinterlegte Papiere. Dazu stürzt der Export weltweit ab und macht die Exportweltmeister zu den größten Opfern. Als Reaktion der Finanzmärkte auf die wachsende Staatsverschuldung verlieren ganze Länder an Kreditstanding. Die Versicherung von öffentlichen Anleihen durch Credit Default Swaps kostet bei Griechenland und Irland inzwischen bereits 2,6 %, bei Österreich 1,5 % gegenüber nur 0,5 % bei Deutschland.

Man soll es nicht glauben: Selbst mitten in der Krise des Jahres 2008 konnten die berüchtigten Private Equity Heuschrecken weltweit mehr als eine halbe Billion Dollar an neuen Mitteln zusammensammeln, nur 11 % weniger als im Rekordjahr 2007, und haben nun viel trockenes Pulver. Also sind ihnen selbst in der Krise weitere Ersparnisse in gigantischem Umfang zugewachsen. Andererseits werden nun erstmals von amtlichen Stellen grundsätzliche Fragen zur Globalisierung aufgeworfen. So ist nach Ansicht des italienischen Finanzministers Tremonti der "wahre" Kapitalismus in der Krise, weil die Globalisierung mit dem Einschluß Asiens im letzten Jahrzehnt zu schnell, zu früh und mit zu viel Kredit expandierte.

In Deutschland sollen Banken insgesamt noch auf 300 Mrd Euro an besonders giftigen Papieren sitzen, wovon nur ein Viertel offen als Verlust abgeschrieben sein soll. Das ergab eine Umfrage von Bundesbank und Bankenaufsichtsbehörde BaFin unter 20 großen Kreditinstituten, die für das Bundesfinanzministerium erstellt wurde. Das Finanzministerium selbst soll davon ausgehen, daß der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt, fast die Hälfte der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres. Bankenvertreter fordern nun schon seit längerem die Einrichtung einer Bad Bank, also einer Art staatlichen Mülldeponie für faule Kredite; ohne die Maßnahme könne der Kreditfluss nicht wieder in Gang kommen.

Der deutsche Bundesfinanzminister hat die Gründe der Krise, nämlich die gewaltigen Fluten an auf die Finanzmärkte drängender Ersparnis der Besserverdiener unter Privatpersonen und Unternehmen, auch aus Deutschland, noch immer nicht verstanden. Für ihn ist laut Interview vom 17. Januar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung alles sehr einfach: die Gier der Banken nach Marge. Er vergißt dabei gern, daß die Bundesregierung selbst die Verbriefung von zweifelhaften Forderungen mit höherer Profiterwartung energisch gefördert hat und daß sie die Ausgründung von Vehikeln der Banken für solche riskanten Papieren außerhalb der von der Aufsicht kontrollierten Bankenbilanzen steuerlich unterstützt hat. Er selbst hat den Abteilungsleiter seines Hauses Asmussen, der sich immer wieder für die Verbriefung öffentlich eingesetzt hat, noch im letzten Herbst zum Staatssekretär befördert, als der Wahnsinn einer solchen Politik längst an den Folgen ablesbar war. Allerdings hat sich auch die CDU/CSU mit der Unterschrift von Frau Merkel seinerzeit in einer parlamentarischen Anfrage an die Schröder-Regierung für die Erleichterung der Verbriefungen stark gemacht. Doch auf ein "mea culpa" werden wir vergeblich warten.

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global news 1368 17-01-09: Deutsche gewerbliche Wirtschaft: Beschäftigungszuwachs läßt deutlich nach, Lohnzuwachs sehr bescheiden
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Nach der heute bekanntgegebenen Entwicklung in 2008 bis November stieg die Beschäftigung in 11 Monaten gegenüber derselben Periode des Vorjahres noch um 2,4 %. Doch lag der Novemberwert nur noch um 1,7 % über dem Vorjahr. Besonders schlecht hat sich mit Minusraten die Beschäftigung im Oktober und November entwickelt (Abb. 14619).


Die Lohnsumme pro Beschäftigten entwickelte sich nach Abzug der Verbraucherpreisinflation sehr bescheiden mit einem kleinen Plus von 0,3 % (Abb. 04009). Dabei sind die Arbeitseinkommen in der gewerblichen Wirtschaft noch besser als in anderen Bereichen.


Im europäischen Vergleich des Zweimonatswertes für die Industrieproduktion lag Deutschland mit einem Minus von 2,6 % im unteren Viertel (Abb. 13493).


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global news 1367 17-01-09: Nachtrag zu: "Die Eurozone kommt immer mehr unter Zerreiß-Druck"
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Nachstehend noch eine grafische Darstellung der Entwicklung des Zinsaufschlags für Staatsanleihen vor allem aus Griechenland, Irland und Spanien im Vergleich mit deutschen Staatsanleihen. Sie zeigen für diese Länder den steilen Anstieg seit Mitte vergangenen Jahres, mit dem die Finanzmärkte auf die zunehmende Verschuldung und allgemeine Schieflage dieser Länder reagieren (Abb. 06090).


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global news 1366 16-01-09: Die Eurozone kommt immer mehr unter Zerreiß-Druck
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Jetzt hat die internationale Rating Agentur Standard & Poors nach Griechenland, Spanien und Irland auch noch Portugal eine Herunterstufung unter den besten Grad AAA angedroht, weil die Schuldenaufnahme nach Einschätzung der Agentur riskant wird. Tatsächlich liegen inzwischen 7 Eurozonenländer zum Teil sehr weit über dem Maastrich-Kriterium von 60 % des Bruttoinlandsprodukts für die Staatsverschuldung (Österreich, Deutschland, Portugal, Frankreich, Belgien, Griechenland und Italien, Abb. 06088). Die Aufschläge für die Staatsanleihen mehrer Länder im Vergleich zu den deutschen Bundesanleihen sind in den letzten Wochen erheblich gestiegen, nämlich bei fünf Eurozonenländern auf zwischen 1 bis 2,4 Prozentpunkte (Abb. 06089).



Sollte z.B. Griechenland, das bereits 2,4 Punkte mehr Zins zahlen muß als Deutschland, bei massivem Kapitalabzug verunsicherter Anleger das Handtuch werfen müssen, so dürfte die bisherige Eurozone platzen, wenn nicht Länder wie Deutschland mit eigenen Mitteln zur Hilfe eilen. Das würde dann allerdings vor allem Deutschland zusätzlich belasten, obwohl auch hier die Verschuldung noch in diesem Jahr auf 67 % des BIP hochlaufen wird und in 2010 einen neuen Rekordstand bei 70 % des BIP erreichen dürfte, falls sich die allgemeine Wirtschaftsentwicklung weiterhin negativ bewegt (Abb. 04065).


Es zeigt sich einmal mehr, daß der Krise nicht allein mit massiven Staatsausgaben beizukommen sein wird. Schon die Steuerverluste durch die Krise sind gewaltig. Am Ende werden Steuernachlässe für die unteren Einkommensgruppen und staatliche Ausgabenprogramme mit Steuererhöhungen für die Best- und Besserverdiener kombiniert werden müssen. Anderenfalls besteht die Gefahr gefährlicher Brüche und einer neuen gewaltigen Inflationswelle in wenigen Jahren.

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global news 1365 16-01-09: Die amerikanischen Verbraucher können nicht mehr
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Sie, die amerikanischen Verbraucher, waren mit ihrer wachsenden Verschuldung jahrelang der Motor der Weltwirtschaft. Auch der deutsche Export hat davon gewaltig profitiert. Jetzt fällt ihr scheinbarer Wohlstand aus dem Wert der Immobilien und Aktien zusammen. Gleichzeitig dreht sich der Kredithahn zu. Hypotheken können nicht mehr zur Finanzierung von Anschaffungen benutzt werden. Die Bank geben keinen Kredit mehr. Die Arbeitslosigkeit springt nach oben. Im Verlauf nur eines Jahres ist der Umsatz des amerikanischen Einzelhandels um 10 % zusammengebrochen (Abb. 05095).


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global news 1364 15-01-09: Deutsche Wirtschaft schrumpfte um bis zu 2 % im letzten Quartal 2008
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Das Statistische Bundesamt setzt zwar die viel zu freundliche Überschrift über das jetzt bekannt gegebene Jahresergebnis 2008: "Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2008 nur noch moderat gewachsen". Doch allein in den letzten drei Monaten 2008 brach das BIP um 1,5 bis 2,0 Prozent ein, wie Norbert Räth vom Statistischen Bundesamt sagte (Abb. 14510). Damit habe sich die negative Entwicklung zum Jahresende beschleunigt. Das Wachstum ist damit vor allem dem Jahresbeginn zu verdanken. Bereits seit dem Frühjahr steckt die Wirtschaft in einer Rezession.


Insgesamt stieg die Wirtschaftleistung um 1,3 %, wovon allerdings 0,2 % nur der Kalendereffekt der im Schaltjahr häufigeren Arbeitstage ist (Abb. 04699). Das kalenderbereinigte Wachstum hat sich also in 2008 bereits gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert. Für dieses Jahr sagen nun alle führenden Institute und Experten einen historischen Konjunktureinbruch voraus. Erwartet wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa zwei Prozent. Das wäre die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik 1949.


Ursächlich für die schwache Entwicklung in 2008 war einerseits der Außenbeitrag, also die Differenz zwischen der Aus- und der Einfuhr von Waren und Dienstleistungen, der mit minus 0,3 % Prozentpunkte die wirtschaftliche Entwicklung erstmals seit Jahren bremste. Dabei verloren der Export gegenüber 2007 in 11 Monaten 2008 nominal um 6,6 %, der Auftragseingang aus dem Ausland sogar real um 22,4 % (Abb. 14599), was einen weiteren Absturz des Exports in 2009 erwarten läßt. In der Vorzeigebranche Maschinenbau fielen die Auslandsaufträge gegenüber Vorjahr im November sogar um 29 %.


Andererseits stagnierten die privaten Konsumausgaben. Das ist kein Wunder, da sich die Arbeitseinkommen pro Arbeitnehmer in den bis jetzt bekannten ersten drei Quartalen nach Abzug der Verbraucherpreisinflation real um 0,4 % verminderten (Abb. 14618).


Somit hat die total einseitige Exportorientierung bei Ausbremsung der privaten Nachfrage in 2008 begonnen, sich bitter zu rächen. Das wird sich nun in 2009 verstärkt fortsetzen und auch wieder die Massenarbeitslosigkeit hochtreiben.

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global news 1363 14-01-09: Auch das zweite Konjunkturpaket wird in dieser Form wenig gegen die Krise helfen können
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Bei stark einbrechendem Export (Abb. 14599) kann nur ein schnelles Anspringen des Inlandsnachfrage, besonders der privaten Haushalte, Deutschland vor einer schweren und langen Krise retten. Deutschland hat - nur noch von Italien unterboten - die seit 2000 schlechteste Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in der Alt-EU (Abb. 12922), was das gewaltige Ausmaß der Fehlsteuerung auf den Export hin andeutet (Abb. 14109). Ein sehr wahrscheinlicher Exporteinbruch von 15 % würde schon mehr als 4 % des deutschen BIP kosten (nach Abzug der Vorproduktimporte von ca. 40 % des Exports).




Daran gemessen, wird auch das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung sein Ziel nicht erreichen. Mit 50 Mrd Euro für zwei Jahre entspricht es nur ca. 1 % des jährlichen BIP und bleibt damit erneut weit hinter den Erfordernissen zurück, z.B. der generellen Forderung des IWF an alle Mitgliedsländer von 2 % des BIP in 2009 und erst recht dem oben angedeuteten Exportminus von 4 % des BIP. Viele der Maßnahmen werden zudem nur die Ersparnis erhöhen. Andere, vor allem im steuerlichen Bereich, werden teilweise erst in 2010 wirksam und kommen damit ohnehin viel zu spät. Wieder andere sind schon im Ansatz fraglich.

Noch am unmittelbarsten wird das öffentliches Investitionsprogramm im Volumen von rund 17,3 Milliarden Euro für die Sanierung von Schulen und Hochschulen, Verkehrswegen und anderen öffentlichen Gebäuden greifen. Allerdings kann bezweifelt werden, ob bei aller vorgesehener Lockerung des Vergaberechts für Aufträge diese Investitionen schnell genug greifen. Es wäre besser gewesen, sie bereits vor vielen Monaten zu beschließen, als sich die Kreditkrise schon überdeutlich abzeichnete.

Mit rund 9 Mrd Euro in zwei Jahren will die Bundesregierung die Steuern senken. Doch nur ein kleiner Teil entfällt dabei auf die Absenkung des Eingangssteuersatzes und dies nur um einen Punkt von 15 % auf 14 %. Das ist der Teil, der noch am ehesten konjunkturrelevant zu mehr privater Nachfrage führen wird, weil es sich um die Bevölkerungskreise am unteren Ende der steuerpflichtigen Einkommenspyramide handelt, die kaum sparen können, und weil diese Maßnahme sogar rückwirkend per Anfang 2009 in Kraft tritt. Dagegen führt der bei weitem größte Teil der steuerlichen Maßnahmen zu Verbesserungen auch für diejenigen, die sehr viel an ihrem Einkommen sparen können und werden und in diesen Krisenzeiten erst recht. Die Best- und Besserverdiener haben nämlich die höchsten Sparquoten (Abb. 14526). Hier wäre eher eine Solidaritätssteuer für diesen Personenkreis kombiniert mit einer stärkeren Absenkung für die am unteren Ende der Pyramide angebracht gewesen. Ein Teil dieser steuerlichen Entlastungen ist auch erst für 2010 vorgesehen und hat damit eigentlich in dem Krisenpaket nichts zu suchen.


Die Absenkung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung zum 1. Juli 2009 von 15,5 auf 14,9 Prozent ist viel zu gering, um eine größere Wirkung zu erzielen. Der Teil für die Arbeitgeber wird ohnehin nicht zu mehr Konsum führen.

Für jedes Kind soll ein einmaliger Bonus von 100 Euro gezahlt werden. Auch das wird weitgehend in die Ersparnisse gehen, da es nach der Einkommensstruktur nicht diversifiziert. Zwar sollen Hartz-IV-Empfänger zusätzlich ab Juli je Kind zwischen sechs und 13 Jahren rund 35 Euro mehr im Monat bekommen, doch dieser kleine Schub wird nicht viel bewirken, zumal die Hartz-IV-Hilfen real in den vergangenen Jahren schon viel mehr an Substanz verloren haben.

Wer einen Neuwagen kauft und dafür ein mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrottet erhält 2500 Euro. Die Prämie gilt für Zulassungen bis Ende 2009. Auch diese Maßnahme wird viele Menschen, vor allem im unteren Einkommensbereich, nicht davon abhalten, ihre alten Autos länger zu fahren.

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand wird um 450 Millionen Euro jährlich aufgestockt. Der Ausbau der Breitbandverkabelung für das Internet wird beschleunigt. Auch dies eher Tropfen auf einen sehr heißen Stein, denn Innovation und Internet können die ausfallende Nachfrage nach Made in Germany kaum ersetzen.

Zur Absicherung von Krediten an Großunternehmen wird der Bürgschaftsrahmen des Bundeswirtschaftsministeriums für Inlandsdarlehen von bisher 25 auf 100 Milliarden Euro aufgestockt. Kredite können Unternehmen kurzfristig über Wasser halten, nicht aber die fehlende Nachfrage ersetzen.

Kurzarbeit soll attraktiver werden. Die Bundesagentur für Arbeit erstattet den Arbeitgebern die Hälfte der auf Kurzarbeit entfallenden Sozialbeiträge. Für Zeiten der Qualifizierung können auf Antrag die vollen Sozialbeiträge erstattet werden. Auch dies ist nur eine temporär wirksame Maßnahme, denn bei zusätzlicher und längerer anhaltender Arbeitslosigkeit werden die Entlassungen durch das auf 18 Monate befristete Kurzarbeitergeld nur herausgeschoben, nicht aber vermieden.

Bei alledem ist nicht zu übersehen, daß hier die größte Verschuldung Deutschlands in seiner Nachkriegsgeschichte hochwächst. Die aber wird für längere Zeit mit Staatspapieren finanziert, die zu Einnahmen bei denen führen, die Mittel für eine solche Anlage haben, ist also Teil der Umverteilung von Unten nach Oben. Sie wäre nur gerechtfertigt, wenn das Konjunkturpaket wirkungsvoller ausgestaltet wäre.

Siehe dazu auch neuen Schwerpunkt: Deutschland im festen Griff der neoliberalen Abwärtsspirale.

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global news 1362 14-01-09: Noch eine Rückkoppelung: Das Meer arbsorbiert weniger CO2
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Als eine der großen CO2-Senken, die den Klimakollaps der Erde verzögern würde, galt immer das Meer. Normalerweise nehmen die Ozeane etwa ein Viertel des vom Menschen produzierten CO2 auf. Das sind ungefähr 11 Mrd Tonnnen jedes Jahr. Durch den Ventilationsprozeß wird Oberflächenwasser in die Tiefe gezogen und so das CO2 mit nach unten befördert, wo es dann dauerhafter verbleibt.

Nun jedoch hat ein Wissenschaftlerteam an 24 Stellen der Japanischen See Proben aufgenommen und mit entsprechenden Proben verglichen, die zwischen 1992 und 1999 eingesammelt wurden. Die Vergleichsanalyse zeigte, daß zwischen 1999 und 2007 nur etwa halb so viel CO2 absorbiert wurde wie noch zwischen 1992 und 1999. Der Grund wird in einem wesentlich abgeschwächten Ventilationsprozeß gesehen. Fast die gesamte CO2-Aufnahme war auf Tiefen bis zu 300 Meter beschränkt. Dies wiederum wird auf die Erwärmung der Ozeane durch den Treibhauseffekt zurückgeführt. Die Wissenschaftler vermuten, daß die gleiche Abschwächung der CO2-Aufnahme im Atlantik und in den südlichen Ozeanen stattfindet.

Damit handelt es sich um einen der positiven Rückkoppelungsprozesse, die den Treibhauseffekt noch weiter verstärken. Ein anderer ist das Abschmelzen der polaren Eisschilder, wodurch weniger Sonnenlicht reflektiert und die Meeren entsprechend stärker aufgeheizt werden, was wiederum den Treibhauseffekt erhöht. Es sind diese labile Zusammenhänge, die die Klimakatatrophe wahrscheinlicher machen, es sei denn die Menschheit verschärft die Gegenmaßnahmen ebenfalls.

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global news 1361 12-01-09: Umsatzeinbruch der gewerblichen Wirtschaft verstärkt sich
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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe nach vorläufigen Angaben im November 2008 arbeitstäglich bereinigt einen realen Umsatzrückgang um 6,4% gegenüber dem November 2007 (Abb. 04910). Der Inlandsumsatz nahm im Vergleichszeitraum um 5,1%, die Erlöse im Geschäft mit ausländischen Abnehmern um 8,2% ab. Dabei lag der Umsatz mit den Ländern der Eurozone um 12,0%, der Absatz in das übrige Ausland um 4,8% unter dem Vorjahresniveau. Im Vergleich zu den beiden Vormonaten fiel der Umsatz im Oktober und November mit einer Jahresrate von über 25 %.


Die Entwicklung bei Aufträgen, Produktion und Umsatz seit Januar zeigt Abb. 14564.


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global news 1360 11-01-09: Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit in USA, Stimmungstief in der EU
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Nach den gestrigen Zahlen für Dezember lag die Zahl der Arbeitslosen nach steilem Anstieg um 57 % über dem Durchschnitt von 2007 und bei einer Arbeitslosenquote von 7,2 % (Abb. 05097). Ein erneuter Verlust von 524.000 Jobs im Dezember machte 2008 zum schlimmsten Jahr seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden 2,6 Millionen Stellen abgebaut. Mit weiterem Anstieg wird gerechnet.


In der EU stürzte der Stimmungsindikator der EU-Kommission im Dezember sowohl für die EU insgesamt, wie auch die Eurozone auf den tiefsten Stand seit Beginn der Messungen im Januar 1985 (Abb. 06085).


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global news 1359 10-01-09: Deutsche Industrieproduktion fällt mit Jahresrate von 36 %, Einzelhandel stagniert
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In nur drei Monaten ist die deutsche Industrieproduktion saisonal bereinigt um 9 % gefallen, was einer Jahresrate von 36 % entspricht (Abb. 04306). Dazu der Bundeswirtschaftsminister: "Vor dem Hintergrund der rückläufigen in- und ausländischen Nachfrage wurde die Produktion im Produzierenden Gewerbe weiter eingeschränkt. Insbesondere die Industrieproduktion war hiervon betroffen. Angesichts der anhaltend schwachen Bestelltätigkeit dürfte sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen."


Der deutsche Einzelhandel setzte in den ersten 11 Monaten 0,7 % weniger um als im Vorjahr; die Tendenz bleibt trotz eines sehr leichten Anstiegs im November langfristig negativ (Abb. 04943).


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global news 1358 10-01-09: Die wachsenden Diskrepanzen in der Eurozone besorgen die EU-Kommission - doch die Analyse hinkt
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In einem 17-Seiten-Papier mit dem Titel "Ein Überblick über die Entwicklung bei der Wettbewerbsfähigkeit im Euro-Raum" zerbricht sich die Kommission den Kopf, warum sich die Wettgewerbsfähigkeit der Eurozonenländer so unterschiedlich zwischen einer Nordgruppe aus Deutschland, Österreich, Niederlande, Finnland und Luxemburg einerseits und einer großen Südgruppe aus Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland andererseits entwickelt. Die anhaltenden Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit unter den Mitgliedsländern bei Preisen und Kosten sei zusammen mit dem Entstehen von Leistungsbilanzdefiziten in einigen Ländern ein Anlass zur Sorge, die Entwicklung sei "nicht nachhaltig".

Neoliberal, wie diese Kommission nun mal aufgestellt ist, wird den angeblich wettbewerbsschwachen Ländern die deutsche Lösung anempfohlen, nämlich „deutliche Kosten- und Preissenkungen in den Exportbranchen". Deutschland habe seine Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Boom nach der Wiedervereinigung gebracht. Der reale Wechselkurs in der Gruppe um Deutschland sei aufgrund der gesunkenen Lohnkosten und geringerer Güterpreise "in unterschiedlichem Ausmaß unterbewertet". In der Gruppe um Spanien gebe es dagegen eine "bedeutende Überbewertung". Ähnliches gelte in geringerem Umfang auch für Frankreich und Italien.

Was man offensichtlich in Brüssel nicht begreifen will, ist der Preis solcher Lohnkostensenkungen, nämlich die deutsche Krankheit einer chronisch kaputten Binnenwirtschaft und wachsenden Abhängigkeit vom Export. Wir erleben in diesen Wochen, was die Abhängigkeit bedeutet. Im Übrigen hat sich Deutschland trotz der angeblichen Wettbewerbsstärke in den vergangenen Jahren wirtschaftlich schlechter entwickelt als fast alle anderen EU-Länder (Abb. 13408, 13409) und hat die höchste Langzeitarbeitslosigkeit (Abb. 04022). Wie kann das wohl der EU-Kommission entgangen sein?




Außerdem hat die Analyse schwere handwerkliche Mängel. Mißt man, wie dies die Kommission tut, Wettbewerbsfähigkeit in Leistungsbilanzüberschüssen, so ist Deutschland erst in den letzten drei Jahren so stark geworden, als die Leistungsbilanz gemessen am BIP von 2.0 % auf 7,6 % explodierte. Dieses Niveau hatte es entgegen der Annahme der Kommission in der Vergangenheit vor der Wiedervereinigung nicht gegeben. Zwischen 1980 und 1985 bewegte sich die deutsche Leistungsbilanz nicht viel anders als die der anderen Ländern. Nur zwischen 1986 und 1989 gab es eine kurze Phase mit Leistungsbilanzüberschüssen um 4 % (Abb. 13664).


Ehe die EU-Kommission die deutsche Krankheit einer schlechten Binnenkonjunktur zur Nachahmung empfielt, sollte sie mal abwarten, was der Exportweltmeister bei Einbruch der Exporte nun erlebt. Wenn etwas nicht „nachhaltig" war, dann die einseitige deutsche Exportfixierung.

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global news 1357 09-01-09: Industrieaufträge im November: Weiter nach unten
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Die Industrieaufträge rutschten im November weiter nach unten: allein in einem Monat um 6,0 %, nachdem sie bereits im Vormonat um 6,3 % gesunken waren (Abb. 04569). Gegenüber dem Gipfel im Juni 2006 sind die Aufträge bereits um 24 %, darunter die Auslandsaufträge um 29 % gefallen. Dazu der Bundeswirtschaftsminister schon vorbereitend: "Die Industrieproduktion wird angesichts der Auftragsentwicklung in den kommenden Monaten weiter deutlich zurückgehen."


Die negative Auftragsentwicklung aus dem Ausland hat sich, wie bereits berichtet, in den Novemberzahlen des deutschen Exports mit einem Minus von 11 % gegenüber Vormonat niedergeschlagen. Die letzten Daten für andere Exportnationen zeigen ebenfalls starke Rückgänge: im November Japan - 27 %, im Dezember Korea -15 % und Taiwan - 47 %.

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global news 1356 09-01-09: US-Haushalt immer negativer
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Das amerikanische Congressional Budget Office (CBO) erwartet, wie heute bekannt gegeben, einen Anstieg des amerikanischen Haushaltsdefizits von 2008 auf 2009 um 160 % auf fast 1,2 Billionen Dollar (Abb. 05087). Daran ist das von Präsident Obama geplante Ausgabenpaket von 800 Mrd Dollar noch nicht enthalten.


Das Defizit wird einen neuen Rekord von 8,3 % des amerikanischen BIP erreichen (Abb. 05121). Der größte Einzelbeitrag zum Defizit kommt aus Steuerausfällen vor den geplanten Sonderausgaben. Über den gesamten Zeitraum der nächsten fünf Jahre erwartet CBO fast 2 Billionen an kumulierten Defiziten.


Ob es der amerikanischen Regierung gelingen wird, ohne ein dramatisches Abrutschen des Dollars, ein so gigantisches Defizit zu finanzieren, wird sich zeigen müssen.

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global news 1355 08-01-09: Deutscher Export im freien Fall
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Nach heutiger Mitteilung des Statistischen Bundesamts sind die deutschen Exporte wegen der weltweiten Wirtschaftskrise so stark eingebrochen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Im November sanken sie kalender- und saisonbereinigt um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, und betrugen 11,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat (Abb. 14599).


„Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebung 1991", sagte ein Statistiker zu Reuters. Die Außenhandelsbilanz schloss im November 2008 mit einem Überschuss von 9,7 Milliarden Euro ab. Im November 2007 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 19,4 Milliarden Euro betragen. Nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank schloß die gesamte Leistungsbilanz im November 2008 mit einem Überschuss von 8,6 Milliarden Euro ab. Im November 2007 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 19,7 Milliarden Euro ausgewiesen.

Besonders stark um minus 14 % nahmen die Exporte in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab, davon die Eurozone sogar minus 16,1 %. Die Exporte in die Länder außerhalb der Europäischen Union brachen um 7,8% ein.

Ebenso zweistellig sind die Exporte Japans und Koreas abgestürzt.

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global news 1354 08-01-09: Die Krise ist am Arbeitsmarkt angekommen
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Nun kann es auch die Bundesregierung nicht mehr verheimlichen: Die Krise ist am Arbeitsmarkt angekommen. Hat die Bundesregierung bisher immer das angebliche Wunder am Arbeitsmarkt auf ihre eigene Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zurückgeführt, so macht sie jetzt das Ausland und die globale Wirtschaftskrise verantwortlich.

Die Zahl der Kurzarbeiter steigt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften fällt deutlich. Gegenüber November stieg saisonbereinigt die Arbeitslosigkeit erstmals wieder deutlich an, der Beschäftigungsaufbau brach ab. Im internationalen Vergleich hat Deutschland weiter den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen und landet in der allgemeinen Arbeitslosigkeit unter 18 alten Industrieländern nur auf dem 14. Platz.

Besonders rasant steigt nun die Kurzarbeit. Zahlen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen jeweils erst zwei Monate nach Quartalsende vor und sind daher als Konjunkturindikator vom Arbeitsmarkt wenig geeignet. Doch muß Kurzarbeit vorher angezeigt werden. Die Anzeigen sind deshalb als potenzielle Zugänge in die Kurzarbeit zu interpretieren. Die Entwicklung im November mit 107.000 mehr als im Vormonat und 125.000 mehr als im Vorjahr zeigt einen fast dramatisch zu nennenden Anstieg an. Rechnet man die Anzeigen der saisonal geprägten Bau- und Landwirtschaft heraus und bildet damit den konjunkturell bedingten Arbeitsausfall ab, kommt man auf 87.000 mehr als im Vormonat und 126.000 oder zwölfmal mehr als vor einem Jahr (Abb. 14615). Dazu die Bundesagentur: "Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter in den nächsten Monaten kräftig erhöhen wird."


Für eine komplette Analyse des Arbeitsmarkt im Dezember siehe hier.

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global news 1353 07-01-09: Immer mehr Ebbe am Automarkt
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Der Export deutscher Automobile ist im Dezember um 22 Prozent eingebrochen. Im Gesamtjahr 2008 ging der Export laut VDA um vier Prozent zurück; die Produktion sank um drei Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Neuzulassungen in Deutschland um 7 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 14061, 04789).



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global news 1352 07-01-09: Die Krise erreicht den Arbeitsmarkt
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Die Vorauskommandos der Weltwirtschaftskrise sind am deutschen Abeitsmarkt angekommen. Die morgen veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Dezember werden erneut kaum noch Zeitphasenvergleiche zulassen, weil immer neue Veränderungen in der statistischen Basis erfolgt sind. So wurde Ende 2006 eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Aufgrund einer anderen Neuregelung in 2007 werden viele der über 58-Jährigen nicht mehr als arbeitslos geführt, obwohl sie noch arbeiten wollen. Außerdem hat die Arbeitsverwaltung in 2007 die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus verschärft, ohne den darauf entfallenden Rückgang der Arbeitslosigkeit zu benennen. Die Zahlen vom Dezember 2008 sind also kaum noch mit denen des Vorjahres vergleichbar.

Dagegen gibt es noch einige verläßlichere Daten. Dazu zählt die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger, von denen nur noch wenig mehr als die Hälfte tatsächlich als arbeitslos gezählt werden. Dahin gehören auch die Anmeldungen von Kurzarbeit, deren erheblichen Anstieg schon im Oktober letzten Jahres das Infoportal gestern gemeldet hat. Ebenso ist hier die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage einzuordnen, die von der Bundesagentur als „Stellenindex BA-X" monatlich bekannt gegeben wird. Dieser Index ist laut Bundesagentur der aktuellste Stellenindex in Deutschland und beruht auf konkreten Stellengesuchen der Firmen. Er signalisiert die Einstellungsbereitschaft und bildet die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage am ersten Arbeitsmarkt ab. In den saisonbereinigten Index fließen die bei der BA gemeldeten ungeförderten Stellen für "normale" sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, die Stellen für Freiberufler und Selbständige sowie die gemeldeten Stellen aus der privaten Arbeitsvermittlung ein. Nach heutiger Mitteilung der Agentur hat sich dieser Index im Dezember 2008 „deutlich abgeschwächt" (Abb. 14616). Mittelfristig werde sich der Rückgang des Index in der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeigen, erklärte die Bundesagentur.


Zum Arbeitsmarkt im Dezember siehe aktualisierten Schwerpunkt.

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global news 1351 06-01-09: Nun sinkt auch der globale Industrieindex auf den tiefsten Stand
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Der JPMorgan Global Manufacturing PMI, der auf Umfragen unter Einkaufsmanagern beruht, zeigte im Dezember mit nur 33,2 Punkten den tiefsten je gemessenen Stand (Abb. 03844). Index-Ergebnisse über 50 deuten dabei wachsende Wirtschaftsentwicklungen, unter 50 schrumpfende an.


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global news 1350 06-01-09: Zur Entwicklung der Kurzarbeit
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Als eines der wichtigsten Kurzfrist-Geschütze gegen einen Anstieg der ausgewiesenen Arbeitslosigkeit hat die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld in Stellung gebracht. Das Kurzarbeitergeld soll Unternehmen in Flautezeiten von Entlassungen abhalten, indem die Bundesagentur für Arbeit für einen Teil der Lohnkosten einspringt. Schon im Dezember 2006 wurde eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Nun hat die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld von 12 auf 18 Monate verlängert. Doch die Industrie beanstandet, daß betroffene Betriebe den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil auf 80 Prozent des normalen Lohns entrichten müssen. Diese Abgabenlast soll nach Vorstellung des Arbeitgeberverbands künftig aus Steuermitteln abgemildert werden. Damit wächst natürlich die Gefahr, daß Arbeitgeber vorschnell auf Kurzarbeit ausweichen, weil die für das Unternehmen profitabler ist.

Zahlen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen jeweils erst zwei Monate nach Quartalsende vor und sind daher als Konjunkturindikator vom Arbeitsmarkt wenig geeignet. Doch muß Kurzarbeit vorher angezeigt werden. Die Anzeigen sind deshalb als potenzielle Zugänge in die Kurzarbeit zu interpretieren. Im letztgemeldeten Oktober lagen Anzeigen für 57.000 Kurzarbeiter vor (Abb. 14615). Im Vergleich zum Vormonat war das ein Anstieg um 30.000 und im Vergleich zum Vorjahr um 42.000 angezeigte Kurzarbeiter. Die Welle an Kurzarbeit baute sich also schon vor zwei Monaten deutlich viel früher und stärker als im Vorjahr auf und signalisiert, wie die Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt übergreift. Am kommenden Mittwoch wird die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktzahlen vom Dezember mit den Kurzarbeitanmeldungen vom November gekannt geben. Dabei rechnet die Bundesagentur mit einem weiteren kräftigen Anstieg der Kurzarbeit.


Bei längeren Krisen, wie sie jetzt erwartet wird, geht Kurzarbeit am Ende in Arbeitslosigkeit über.

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global news 1349 04-01-09: Was bringt 2009?
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Viele schauen nun in ihre Glaskugeln und dienen uns ihre Erwartungen für 2009 an. Wie schon die schrecklich falschen Voraussagen für 2008 (und die Jahre vorher) zeigten, ist in diesen Kugeln nicht viel an Kaffeesatz drin. Ich will versuchen von einigen konkreten Erfahrungen der Vergangenheit auszugehen und zugleich die letzten statistisch verfügbaren Trends einzubeziehen. Dabei warte ich nicht auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts, die meist Monate zu spät kommt, so die vom 4. Quartal 2008 im Detail erst am 25. Februar 2009. Natürlich werde ich auch diesmal ein ungeschöntes Bild der Realität vermitteln, selbst wenn es bitter ist. Nichts ist schlimmer als Hoffnungen, die wieder enttäuscht werden.

I. Erfahrungen der Vergangenheit

Bei den Erfahrungen der Vergangenheit kann ich mich auf eine erst zwei Wochen alte Studie der Professoren Carmen Reinhart von der University of Maryland und Kenneth Rogoff von Harvard mit dem Titel: "The Aftermath of Financial Crises" stützen. Krisen des Finanzsystems (kurz: Bankenkrisen) sind in der Regel viel härter als die konjunkturell bedingten Rezessionen. Die meisten Bankenkrisen haben drei Charakteristika.

Erstens, ist der Zusammenbruch der Börsen- und Immobilienpreise tief und lang, bei den Börsenpreisen durchschnittlich dreieinhalb Jahre mit einem Verlust von 55 % des Wertes (Abb. 03841).


Zweitens, nach Bankenkrisen kommt es zu starken Abstiegen in Produktion und Beschäftigung. In der Regel steigt die Arbeitslosigkeit um 7 % gegenüber dem tiefsten Punkt und dauert länger als vier Jahre (Abb. 03842). Die Produktion fällt im Schnitt um 9 %, wobei allerdings der Einbruch in der Regel nur zwei Jahre andauert. Die Arbeitslosigkeit wird daher viel höher und länger ausfallen, als wir sie in einer typischen Rezession erleben. In den Schwellenländer wird dabei die Arbeitslosigkeit etwas weniger stark ausfallen, weil hier die Arbeitskosten schneller nach unten nachgeben, auch weil die Arbeitnehmer sich nicht auf ein soziales Netz verlassen können.


Drittens, explodiert in der Regel die öffentliche Verschuldung, in erster Linie wegen eines Zusammenbruchs der Steuereinnahmen und erst in zweiter Linie durch die Kosten von öffentlichen Programmen gegen die Krise.

Der durchschnittliche Verlust an Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung lag in der Vergangenheit bei 9 %. Das erscheint hoch, versteht sich aber vor dem Hintergrund, daß nach dem zweiten Weltkrieg die Ausschläge in den Schwellenländern besonders groß waren und in den Durchschnitt eingehen (Abb. 03843). Allerdings decken die vergangenen Krisen, bis auf die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, meist nur lokale Krisen ab. In einer globalen Krise, wie sie jetzt wieder stattfindet, wird es für einzelne Länder schwerer, sich über steigende Exporte aus der Krise zu befreien oder mehr Kapital zu importieren. Gerade in vielen Schwellenländer droht dann in einer solchen Situation der finanzielle Konkurs des ganzen Landes.


II. Mittelfristige Trends

Die besten international vergleichbaren Trenddaten kommen von den Umfragen unter Einkaufsmanagern von vor wenigen Tagen. Index-Ergebnisse über 50 deuten dabei wachsende Wirtschaftsentwicklungen, unter 50 schrumpfende an. Derzeit fallen die Werte für fast alle Länder. Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index für Deutschland, eine Umfrage unter etwa 500 Firmen, fiel im Dezember 2008 auf nur 32,7 und damit so tief wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996 (Abb. 14613). Ähnlich ist der Abstieg in der gesamten Eurozone. In USA fiel der Index im Dezember auf den tieftsten Stand seit 1980 mit 32,4 fast auf den gleichen Wert (Abb. 05108). Das Gleiche gilt für viele andere Länder (Abb. 13663). Bei Japan und Korea brachen die Exporte im Dezember zweistellig ein, bei China noch einstellig, und auch bei Deutschland deuten sich schrumpfende Exporte an.




So rechnen einzelne Experten, wie z.B. John Mauldin, für die USA schon im 4. Quartal 2008 mit einer auf Jahresrate hochgerechneten Schrumpfung des BIP zwischen 4 und 5 %. Für Deutschland glaubt der sicher nicht zu übermäßigem Pessimismus neigende Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard, den Abschwung im laufenden Jahr verantwortlich zwischen zwei und 2,7 Prozent schätzen zu können.

Fazit für Deutschland:

Man sollte nach solchen Signalen nicht überrascht sein, wenn auch in Deutschland die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr drastisch fällt (vielleicht um 5 %) und die Arbeitslosigkeit um 700.000, wie Wiegand erwartet, vielleicht bis zu 1 Million zunimmt und dann noch weiter in 2010 und vieleicht sogar 2011. Das sind Werte, die Deutschland in seiner Nachkriegsgeschichte nie erleben mußte. Besonders belastend wird nach den Erfahrungen der Vergangenheit mit solchen Krisen die mehrjährige Dauer der erhöhten Arbeitslosigkeit werden, besonders bei einem Land, das immer noch das höchste Niveau an Langzeitarbeitslosigkeit in der Alt-EU verzeichnet (Abb. 04022).

Außerdem erwarte ich weiterhin eine schwere Dollarkrise, die den deutschen Export noch mehr torpedieren wird, als es die Krise bisher schon tut. Die USA fürchten jetzt vor allem eine deflationäre Entwicklung, unter der Japan 10 Jahre lang gelitten hat, und wollen das mit gigantischen Liquiditätssspritzen vermeiden, wobei ihnen die Dollarpresse hilft und ein Absturz des Dollar bei entsprechender Inflation einen Teil der in- und erst recht ausländischen Schulden tilgen und den amerikanischen Export fördern würde. Das kann für ein Land mit der Haupt-Weltreservewährung durchaus guten Sinn machen. Das eigentliche Problem wird dann sein, daß sich viele andere Währungen, vor allem die chinesische und japanische, an den Dollar hängen werden und die Eurozone und besonders das exportversessene Deutschland die Dummen sein werden.


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Wirtschaftsstandort

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