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(1348) Industrieproduktion fällt immer schneller

(1347) Rezession oder Depression?, das ist hier die Frage

(1346) Fieberkurven

(1345) Alan Greenspans Welt und die Krise

(1344) Mentale Belastung und Einkommensverteilung

(1343) Nun straft die Weltwirtschaft die Exportweltmeister ab

(1342) Exportnation Japan im freien Fall

(1341) Nie wieder darf der Exportschwanz mit der deutschen Volkswirtschaft wedeln

(1340) Ein kurzer Rückblick auf 2008

(1339) Zur Angst der Neoliberalen vor der Staatsverschuldung

(1338) Warum 2009 so schwer wird: Die fünf Krisen auf einmal

(1337) Neue Daten: Die USA geraten immer mehr in die Krise - Drei Meldungen von heute

(1336) Mit Propaganda in den Weihnachtseinkauf

(1335) Die verlorenen Jahre der Arbeitnehmer seit 1991

(1334) Bauaufträge brechen ein

(1333) Der Ifo-Index für das Wirtschaftsklima fällt weiter, u.a.

(1332) Die Krise erreicht die Arbeitmärkte

(1331) Die Horrorszenarien sind keine Erfindung, sonder kommen aus der Realität: weiter fallende Reallöhne

(1330) Deutscher Export: Die frohe StaBuA-Botschaft ist leider von gestern

(1329) Krisen-Zwischenbilanz: Wer verliert?

(1328) Und nun die Welle der Unternehmenspleiten in 2009

(1327) Kyoto als Mogelpackung: Die Gefahr steigt

(1326) Kinderbetreuung: Deutschland nur abgeschlagenes Mittelmaß

(1325) Junge Erwachsene in der ALG II-Falle

(1324) Noch mehr Meldungen zum Abschwung

(1323) Industrieproduktion fällt in letzten zwei Monaten mit Jahresrate von 34 %

(1322) Die deutsche Politik begreift Ursachen, Geschwindigkeit und Ausmaß der Weltwirtschaftskrise immer noch nicht

(1321) Industrieaufträge brechen immer weiter ein, auch Bundesbank erwartet jetzt Rezession wie in den 70ern

(1320) Warum China und die Promotoren seines WTO-Beitritts zu den Hauptverantwortlichen für die globale Krise zu zählen sind

(1319) Jetzt sparen in Deutschland auch noch die, die es kaum nötig hätten

(1318) Immer weniger Neuzulassungen

(1317) Chronische Unterinvestition und Übersparnis in Deutschland




global news 1348 03-01-09: Industrieproduktion fällt immer schneller
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Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), eine Umfrage unter etwa 500 Firmen, fiel im Dezember 2008 so tief wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996 (Abb. 14613).


Der aktuelle Einkaufsmanagerindex zeigt, dass die komplette Industrie ihre Produktion massiv zurückfährt. Er entspricht bereits einem Rückgang der Industrieproduktion um etwa 10 %. Die Industriefirmen haben den Experten zufolge mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen und bauten deswegen Arbeitsplätze ab. Jede vierte Firma habe angegeben, Stellen gestrichen zu haben, hieß es. Besonders bei den Herstellern von Investitions- und Vorleistungsgütern sei es wiederum zu Entlassungen gekommen. Wegen der rückläufigen Nachfrage senkten die Unternehmen ihre Preise so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard erwartet für 2009 nun eine deutliche Verschlechterung am Arbeitsmarkt. Verantwortlich geschätzt könne man bisher sagen, dass der Abschwung im laufenden Jahr zwischen zwei und 2,7 Prozent liegen dürfte und die Politik mit 700.000 mehr Arbeitslosen rechnen müsse, sagte er im ZDF. Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird 2009 nach Einschätzung von Creditreform auf bis zu 35.000 steigen. Das wären gut 17 Prozent mehr als 2008. Dadurch würden rund 510.000 Arbeitsplätze bedroht, warnt die Wirtschaftsauskunftei in einer am Freitag veröffentlichten Prognose.

Auch der Industriesektor in der Euro-Zone schrumpfte laut Markit im Dezember so stark wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Sommer 1997. „Das deutet darauf hin, dass die Industrieproduktion im Dezember um zwölf Prozent gesunken ist", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Mit China, Indien, Südkorea und Singapur meldeten am Freitag gleich vier Staaten düstere Konjunkturdaten. Der Industriesektor in China, der knapp die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Volksrepublik ausmacht, steht nach Einschätzung der Investmentbank CLSA am Rande einer Rezession: Die Umfrage des Instituts unter Einkaufsmanagern ergab, dass Produktion und Arbeitsplätze im Dezember im Rekordtempo abgebaut wurden. Das viel beachtete CLSA-Barometer signalisiert nunmehr den fünften Monat in Folge ein Schrumpfen. Die Daten des Einkaufsmanagerindex für Indien zeigen erstmals seit Umfragebeginn vor dreieinhalb Jahren, dass die unter Kostendruck geratenen Industriefirmen Stellen abbauten. Die weltweite Wirtschaftskrise drückt zudem Singapur immer tiefer in die Rezession. Die Wirtschaft des Stadtstaates schrumpfte im vierten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 12,5 Prozent. In USA fiel der Industrie-Index im Dezember auf den tieftsten Stand seit 1980, bei einzelnen längerlebigen Wirtschaftsgütern wie Autos, Ausrüstungen und Möbeln sogar auf den niedrigsten seit mindestens 1948 (Abb. 05108).


Dementsprechend fallen weltweit die Exporte. Die Ausfuhren Koreas fielen im Dezember um 14,7 %. Die japanischen Exporte stürzten im November um fast 27 % gegenüber Vorjahr ab, der tiefste Fall, seit die Statistik vor 27 Jahren aufgelegt wurde. Selbst die chinesischen Exporte verzeichneten im November zum ersten Mal seit 7 Jahren im Vorjahresvergleich mit -2,2 % ein Minus, nachdem sie in den Vorjahren sehr stark gestiegen waren.

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global news 1347 02-01-09: Rezession oder Depression?, das ist hier die Frage
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In USA wächst die Sorge, daß der Zusammenbruch des privaten Verbrauchs nicht nur zu einer Rezession sondern einer sehr viel länger anhaltenden Depression führen wird. Darunter hat Japan als Folge seiner Bankenkrise etwa 10 Jahre lang gelitten. Zur Rezession kommt es, wenn die Verbraucher durch Kreditverknappung, Überschuldung, Arbeitslosigkeit und allgemeine Verunsicherung auf den Bremsen stehen und die Unternehmen, um ihre wachsenden Inventare loszuwerden, die Preise immer weiter absenken müssen, wie es derzeit bereits vor allem in der Automobilindustrie geschieht. Die Notenbanken haben dann durch Senkung der Zentralbankzinsen ihr Zins-Pulver verschossen. Viele Regierungen können sich auch für öffentliche Programme nicht weiter verschulden, weil die Finanzmärkte für Staatsanleihen stark verschuldeter Länder unruhig werden.

Über fast die gesamten 90er Jahre lag die japanische Wirtschaftsentwicklung erheblich unter der anderer Länder. Während der durchschnittliche jährliche Zuwachs zwischen 1992 und 1999 bei Japan nur 0,8 % betrug, lag er z.B. für die USA fast fünfmal höher bei 3,7 % (Abb. 03838). Die durchschnittliche Inflationsrate fiel in diesem Zeitraum für Japan auf 0,6 %, während sie für die USA fast fünfmal höher bei 3,0 % lag (Abb. 03839). In mehreren Jahren war die japanische Verbraucherpreisentwicklung negativ.



Nun fallen auch in USA, nicht nur im Energiebereich, die Verbraucherpreise. Der Index lag im November gegenüber Vorjahr bereits nur noch um 1,06 % höher (Abb. 03840). Gegenüber Vorjahr fiel der private Verbrauch im 3. Quartal 2008 um fast 4 % (Abb. 05117). Das amerikanische Verbrauchervertrauen ist auf den tiefsten Stand seit Beginn des Index vor 40 Jahren gefallen (Abb. 05073). Das alles sind ominöse Zeichen für eine drohende Depression.




Auch Deutschland ist gegen eine solche Entwicklung nicht gefeit. Auch hier herrscht Bankenkrise. Die deutschen Verbraucher sind chronisch unsicher und ängstlich und mußten anders als die anderer Länder in den vergangenen Jahren real negative Arbeitseinkommen hinnehmen. Auch hier fällt die Nachfrage der privaten Verbraucher deutlich, wie der Umsatz des Einzelhandels und der Automobilindustrie zeigt (Abb. 04943, 14061).



Siehe auch neuen Schwerpunkt Wer ist schuld am Elend der neuen Weltwirtschaftskrise?.

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global news 1346 31-12-08: Fieberkurven
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Die Kurven der Krisenwache zeigen eindeutig auf Sturm. Das gilt für die derzeit ziemlich wild ausschlagenden Kurse von Dollar, Pfund, Yen, Renmimbi und Rubel gegenüber dem Euro (Abb. 03811). Es gilt aber vor allem auch für die Zinsentwicklung an den Märkten. Der Euribor-Index zeigt den Euro-Zins für Kredite zwischen Banken an. Er liegt auf drei Monate immer noch um 1,2 % über der Eurepo-Rate, die Banken für mit Euro-Regierungsbonds besicherte Kredite untereinander berechnen, und deutet damit weiterhin eine Blockade der normalen Kredittätigkeit zwischen Banken ohne solche Sicherheiten an (Abb. 03834). Die deponieren ihre Mittel nach wie vor lieber niedrigverzinst bei der EZB. Da klagen dann immer mehr Unternehmen in Deutschland über eine restriktive Kreditvergabe der Banken. Wie aus einer Befragung des Münchner ifo-Institutes hervorgeht, ist ihr Anteil im Dezember auf 39,9 Prozent gestiegen. Im November waren es 35,2 Prozent. Das ist ein Mechanismus an Krisenverstärkung.



Der Itraxx-Index zeichnet die Versicherungsprämie für Unternehmensbonds unterhalb des Investmentgrades AAA in Europa nach. Er liegt mit 10 % gegenüber knapp 2 % vor der Krise weiterhin in gefährlicher Höhe, die die Unternehmensfinanzierung am Kapitalmarkt erheblich behindert und eine Welle von Unternehmenspleiten andeutet (Abb. 03636).


In USA liegt der in der Vergangenheit große Markt der mit Vermögenswerten unterlegten Wertpapiere weiterhin total flach und stark abgesenkt (Abb. 03715). Auch hier deutet die extrem hohe Differenz im Zins zwischen Bonds mit und ohne Investmentgrad darauf hin, daß eine hohe Pleitequote bei den Unternehmen erwartet wird (Abb. 03794).



Die Hauspreise stürzen in USA weiter ab, bis Oktober schon um 19 % gegenüber Vorjahr (Abb. 03775). Die Fed und die US-Regierung versuchen, mit einer gigantischen Geldschöpfung gegenzusteuern. Das zeigt sich auch in den von der Fed ausgewiesenen Bar-Reserven (Abb. 05110).



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global news 1345 30-12-08: Alan Greenspans Welt und die Krise
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In seinen nach Ausbruch der Krise mit einem Epilog versehenen Memoiren „The Age of Turbulence" meint Allan Greenspan, die Fed unter seiner Führung hätte das Aufkommen der Kreditblase nicht mit höheren Zinsen stoppen können, weil die Inflationsrate niedrig war und in einer Demokratie die Menschen eine solche Bremse für die Wirtschaftsentwicklung ohne hohe Inflation nicht akzeptiert hätten. Greenspan war vom August 1987 bis zum Januar 2006 der Vorsitzende der Federal Reserve mit der zweitlängsten Amtszeit aller Vorsitzenden. Er wird auf dem Einband der Memoiren (sicher mit seiner Zustimmung) als „Master of the Financial Universe" gefeiert.

In seiner Zeit begann die explosive Kreditaufnahme der USA im Ausland, die jetzt offensichtlich erstmals in einige Schwierigkeiten läuft (Abb. 05118). Auch wurden immer mehr amerikanische Staatspapiere ans Ausland verkauft (Abb. 05119). Dabei hat sich die Qualität der amerikanischen Staatsschuld immer mehr verschlechtert, weil die durchschnittliche Fälligkeit zurückging und vor allem in jüngster Zeit immer mehr kurzfristige Papiere herausgegeben werden mußten (Abb. 05120), da längerfristige nur zu erheblich höheren Zinsen hätten untergebracht werden können.




Das Buch enthält neben der Selbstrechtfertigung und starken Zweifeln an jeder Verschärfung der Regulierung des Finanzsektors interessante Aussagen über die Entstehungsgründe der Krise. Greenspan sieht den Umschaltpunkt in die Turbulenz beim Fall der Berliner Mauer. Seitdem hätte unter dem Eindruck des Scheiterns der Planwirtschaft der Markt-Kapitalismus Schritt für Schritt auch die bis dahin interventionalistischen Wirtschaftspolitiken der westlichen Demokratien ersetzt und sich bis nach China ausgebreitet. Die enormen westlichen Investitionen in China zusammen mit dem dortigen Überfluß an billiger Arbeit hätten die Löhne und Preise in der gesamten entwickelten Welt heruntergedrückt. Insgesamt seien eine halbe Milliarde Menschen aus den neuen Marktwirtschaftsländern zusätzlich in den Arbeitsprozeß gekommen. Die Verlagerung von globaler Wirtschaftsleistung aus niedrig sparenden entwickelten Ländern in hoch-sparende Entwicklungsländer hätte die Weltsparleistung weit über das Volumen der geplanten Investitionen angehoben. Im Ergebnis seien die globalen Finanzmärkte überschwemmt und die Zinsen für die Anlage der Ersparnisse nach unten getrieben worden. Niedrige Zinsen und Inflationsraten hätten in der Folge die Preise für alle Anlagen scharf nach oben gejagt. Die Anleger hätten dann immer riskantere Anlagen gesucht, weil dort die Zinsen höher gewesen seien. Greenspan hält also die globale Überersparnis für die Ursache der Flut ins Finanzmarkt-Casino und der Krise selbst.

Aus meiner Sicht übersieht Greenspan in dieser Bewertung mindestens zwei Umstände. Erstens haben die in den alten Industrieländern von billigster Arbeitskraft aus China u. Co. gedrückten Löhne gleichzeitig die Unternehmensgewinne und Vermögenseinkommen (shareholder value) hochgetrieben und auch in diesen Ländern bei dem wohlhabenden Teil der Bevölkerungen enorme Sparleistungen ermöglicht. Auch haben allein Deutschland und Japan im vergangenen Jahr 80 % der Sparleistung der asiatischen Entwicklungsländer einschl. China erreicht. Diese Ersparnisse aus alten Industrieländern haben dann ebenso die Finanzmärkte überschwemmt wie die von Greenspan allein als Schuldige ausgemachten aus Ländern wie China.

Zweitens geht er mit dem Begriff „Markt-Kapitalismus" bezogen auf Länder wie China viel zu großzügig um. China ist zwar ein durch und durch kapitalistisches Land geworden, bisher jedoch schon wegen der starken Rolle der kommunistischen Partei im Wirtschaftsprozeß und dem Fehlen unabhängiger Gewerkschaften (bei Streikverbot) keine Marktwirtschaft und auch als solche von den meisten Industrieländern, wie der EU und den USA, in der Welthandelsorganisation nicht anerkannt.

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global news 1344 29-12-08: Mentale Belastung und Einkommensverteilung
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In Großbritannien ist ein neues Buch erschienen, das die Streßbelastung in ihrer schlimmen Ausprägung als „emotional distress", also einem Notzustand, zwischen den angelsächsischen und anderen Gesellschaften vergleicht und dann noch mit der Einkommensverteilung korreliert. Die Daten zeigen, daß die angelsächsischen Gesellschaften auf Grund von Reagonomics und Thatcherism wesentliche höhere Belastungen und zugleich größere Einkommensungleichheit aufweisen (Abb. 12562, 12563).



Die Daten zu geistigen Störungen wurden meist von der Weltgesundheitsorganisation erhoben (hinzugenommen wurden weitere nationale Studien für Großbritannen Australien und Kanada, um die angelsächsischen Länder möglichst vollständig abzubilden). Die WHO erfaßte in mündlichen Haushaltsbefragungen die Situation von 60.463 Erwachsenen in 14 Ländern. Die Befragungen wurden von geschulten Kräften zwischen 2001 und 2003 durchgeführt. Im Durchschnitt zeigten mehr als ein Drittel der Befragten während ihrer Lebenszeit die Kriterien des Streßnotstands. Die Daten beschränken sich jedoch auf die Häufigkeit während der letzten 12 Monate vor der Befragung und zeigen damit niedrigere Werte.

Im Ergebnis kamen die angelsächsichen Länder auf eine durchschnittliche Häufigkeit von 21,6 %, während es bei den anderen nur 11,5 % waren.

Deutschland rangiert hier im unteren Bereich. Doch dürften sich die Verhältnisse über die acht Jahre seit der Zeit, für die die Erhebung gemacht wurde, auch in Deutschland deutlich in Richtung der angelsächsischen Werte verschoben haben, und zwar sowohl bei der Einkommensverteilung wie bei der emotionalen Belastung. So sind zwischen 2000 und 2007 nach der amtlichen Entlassungsstatistik aus Krankenhäusern die Fälle von psychischen und Verhaltensstörungen um 18 % gestiegen (Abb. 14006). Der Gesundheitsreport 2008 der Betriebskrankenkassen stand unter der Überschrift: "Seelische Krankheiten prägen das Krankheitsgeschehen". Bei Pflichtversicherten einschließlich Arbeitslosen wurden 2007 134 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder durch Psychische Störungen verursacht, ein Anstieg seit 1998 um fast 40 % (Abb. 04148). Psychischen Störungen nehmen inzwischen unter den Diagnosehauptgruppen den vierten Rang ein - vor den Krankheiten des Kreislaufsystems und des Verdauungssystems.



Siehe dazu auch aktualisierten Schwerpunkt zur Angst.

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global news 1343 28-12-08: Nun straft die Weltwirtschaft die Exportweltmeister ab
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Deutschland, China und Japan, die alle ihre Wirtschaftsentwicklung auf Export von Waren und Arbeitslosigkeit gegründet haben (Abb. 13561), werden jetzt voll von der Krise erwischt.


Die japanischen Exporte stürzten im November um fast 27 % gegenüber Vorjahr ab. Es ist der tiefste Fall, seit die Statistik vor 27 Jahren aufgelegt wurde (Abb. 03833).


Die chinesischen Exporte verzeichneten im November zum ersten Mal seit 7 Jahren im Vorjahresvergleich mit -2,2 % ein Minus, nachdem sie in den Vorjahren sehr stark gestiegen waren (Abb. 08156).


Für den deutschen Export liegen die Zahlen erst bis Oktober vor. Doch auch hier zeichnet sich schon der Abriß nach unten ab (Abb. 14119).


Damit kommen die Exportweltmeister in etwa die gleiche Situation wie die Spekulanten, die auf immer höhere Kurse gewettet hatten. Es wird ein Ende in Tränen werden. Zu den Sekulanten noch zwei Cartoons, damit dieser Rundbrief nicht gar so traurig endet.



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global news 1342 28-12-08: Exportnation Japan im freien Fall
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Die japanischen Exporte stürzten im November um fast 27 % gegenüber Vorjahr ab. Es ist der tiefste Fall, seit die Statistik vor 27 Jahren aufgelegt wurde (Abb. 03833).


Vor allem die Nachfrage nach Autos und Elektronik fiel, besonders stark aus USA (minus 34 %, darunterAutos minus 44 %, Audioausrüstungen minus 48 %). Ähnlich fiel die Nachfrage aus Europa mit minus 31 % und China mit minus 25 %. Aber auch die Nachfrage aus Rußland und dem Mittleren Osten ging zurück. Im Ergebnis mußte Japan im November mehr im- als exportieren. Für die nächsten Monate wird nun eine Fortsetzung dieser Entwicklung erwartet.

Unter dem Druck der Krise gab auch die Industrieproduktion allein im November gegenüber Vormonat um 8,1 % nach und schon um mehr als 16 % gegenüber Vorjahr. Es war der zweite Fall in Monatsfolge. Besonders stark viel die Produktion von Transportausrüstungen, Maschinen und Elektronik.

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global news 1341 27-12-08: Nie wieder darf der Exportschwanz mit der deutschen Volkswirtschaft wedeln
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Wenn wir heute eine Lehre aus der beginnenden schweren Krise ziehen müssen, dann die, daß uns die Exportlobby der großen deutschen Unternehmen mit ihren Regierungsverbindungen auf einen seit vielen Jahren einsam falschen Wirtschaftskurs geführt hat. Der von der Lobby vorgeführte und von Politik und Medien gefeierte Exportweltmeister wird als einer der ganz großen Verlierer aus dieser vorprogrammierten Krise hervorgehen.

Mit der einseitigen Exportorientierung wurde eine gewaltige Abhängkeit vom Export und der aus Deutschland nicht zu beeinflussenden Wirtschaftsentwicklung in den Abnehmerländern geschaffen (Abb. 14109). Sie ist weit größer als bei allen anderen größeren Vergleichsländern (Abb. 13560).



Der neue Schwerpunkt „Nie wieder darf der Exportschwanz mit der deutschen Volkswirtschaft wedeln" geht auf die Konsequenzen ein.

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global news 1340 26-12-08: Ein kurzer Rückblick auf 2008
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Das ablaufende Jahr war für die meisten von uns kein besonders gutes. Soweit wir von Arbeitseinkommen leben, sind sie nach Abzug der Inflation erneut um 1,8 % gefallen (Abb. 14610). Die Rentner unter uns haben sogar 1,9 % verloren. Während das Buttoinlandsprodukt im Durchschnitt der letzten 5 Jahre um 1,8 % gestiegen ist, haben die Arbeitseinkommen je Arbeitnehmer Jahr für Jahr um 1,0 %, die Renten sogar um 1,7 % verloren. Und dabei rechnen innerhalb der Arbeitseinkommen auch noch die der Bestverdiener von den leitenden Angestellten, wie Ackermann, und Managern herunter.


Viele von uns haben zwar neue Jobs gefunden. Doch sind es oft nur gering bezahlte (Abb. 14611) und sehr oft solche auf Zeit in der Form von „unternehmensnahen Dienstleistungen" oder auf Deutsch Leiharbeit (Abb. 14527), die nun besonders unsicher werden. Die Bundesregierung hat das Kurzarbeitergeld verlängert, was nicht zuletzt der Arbeitslosenstatistik gut bekommen wird. Aber wenn die Krise nun mehr als die 18 Monate dauert, und das ist sehr wahrscheinlich, wird auch das wenig helfen.



Wer sein mühsam Erspartes vorsichtig in Aktienzerfikate mit einem angeblichen Schutz nach unten oder in Fonds angelegt und nicht rechtzeitig herausgezogen hat, hat erheblich verloren. Der deutsche Dax-Index ist im Laufe des Jahres um weitere 40 % abgestürzt (Abb. 14612). Das gilt auch für an den Aktienmärkten angelegte Betriebsrenten. Wer die sicherste Anlegeform in Tagesgeld bei der Bundesvermögensverwaltung gesucht hat, erhält inzwischen reale Zinsen von nur noch 0,85 %, wenn man die Inflation herausrechnet, kann also davon kaum einen Beitrag zum Leben erwarten.


Wir haben uns Weihnachtsreden anhören müssen, die uns Bescheidenheit predigen, und gar ein Ende der Herrschaft des Geldes in Aussicht stellen, wie die des Bundespräsidenten. Für eine alternative, doch nie gehaltene Rede siehe hier.

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global news 1339 24-12-08: Zur Angst der Neoliberalen vor der Staatsverschuldung
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Auffällig viele Neoliberale melden sich derzeit in Deutschland und warnen vor der von einem Krisenpaket ausgehenden Staatsverschuldung. So warnt der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, im Hamburger Abendblatt jetzt die Politik davor, unter Hinweis auf die Konjunkturkrise immer neue Schulden zu machen. EZB-Direktor Stark im Interview mit Süddeutsche Zeitung vom August 2008: „Konjunkturprogramme erhöhen dauerhaft Schulden, nicht aber wirtschaftliche Leistungen. Sie wirken zudem meist zu spät. Der geeignetere Ansatz ist, die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen, das heißt niedrigere Steuereinnahmen und höhere Sozialausgaben hinzunehmen." Die Bundesregierung plant nun nach Medienmeldungen von heute, das zweite Konjunkturpaket noch kleiner zu machen, angeblich um Staaten wie Frankreich und Italien kein zusätzliches Argument fürs Schuldenmachen zu geben.

Tatsächlich geht bei den Neoliberalen eine doppelte Sorge vor den Folgen steigender Staatsverschuldung für ihre besondere Klientelle der Besserverdiener um. Einerseits können höhere Staatsschulden den Ruf nach einer Sondersteuer für Besserverdiener laut werden lassen. Andererseits führt der inflationäre Effekt hoher Liquiditätsspritzen zusammen mit niedrigen Zentralbankzinsen zu negativen realen Zinsen auf Ersparnisse, von denen die Besserverdiener besonders viele haben. So sind in USA die Realzinsen bereits deutlich negativ. Doch während in den meisten anderen Ländern diese negativen Effekte für die Besserverdiener in Kauf genommen werden, um den Anstieg der Massenarbeitslosigkeit zu bremsen, hat das besonders neoliberale Deutschland damit offensichtlich Probleme.

Dabei sollten die Warner vor der Staatsverschuldung, die wohl die Krise bisher noch nicht richtig entdeckt haben, nur einmal auf das starke Abrutschen der Auftragseingänge in der Alt-EU, mit Deutschland wieder einmal als Schlußlicht, achten: über die 6 Monate bis Oktober 2008 bereits ein Abstieg um 14 %, für Deutschland sogar um 17 % (Abb. 13559).


Was einige dumme Spitzen-Deutsche dabei nicht begriffen haben: Die anderen und schon gar nicht die USA werden sich vom Schuldenmachen nicht abhalten lassen. Der inflationäre Effekt kommt dann trotzdem über die deutschen Grenzen herein. Aber Deutschland wird ohne ausreichendes Anti-Krisen-Paket viel mehr Arbeitslosigkeit und Wohlstandsverlust haben.

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global news 1338 23-12-08: Warum 2009 so schwer wird: Die fünf Krisen auf einmal
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Das nächste Jahr zeichnet sich in seinen wirtschaftlichen Parametern schon überdeutlich und leider nicht im besten Lichte ab. Es wird wahrscheinlich von fünf Krisen gekennzeichnet sein, die gleichzeitig stattfinden und auch in 2009 noch nicht beendet sein werden.

Erstens, hält die Kreditkrise an und verschärft sich in der Realwirtschaft immer weiter. Die Banken genießen zwar den staatlichen Schirm und profitieren bei ihren hohen Schulden von den stark abgesenkten Zinsen der Notenbanken und massiven Liquiditätsspritzen. Doch unter dem Zwang, ihr knappes Eigenkapital besser mit den oft sehr riskanten Anlagen auszuballancieren, und bei den wachsenden Verlusten aus Krediten an die zunehmend geschwächten Unternehmen und Verbraucher werden sie auf der Kreditbremse bleiben und der Realwirtschaft die Luft für eine positivere Entwicklung nehmen. Symptomatisch sind die gewaltig gestiegenen Versicherungsprämien auf Unternehmensbonds (Abb. 03636).


Zweitens, kommt es immer mehr zu einem Abwertungswettbewerb zu Lasten des Euro und der aus dem Euroraum exportierenden Industrie. Alle wesentlichen Währungen auf den klassischen Exportmärkten außerhalb der Eurozone sind seit Wochen mit etwas Auf und Ab gefallen und werden wahrscheinlich weiter fallen: Dollar, chinesischer Renmimbi, britisches Pfund, japanischer Yen und russischer Rubel (Abb. 03811). Die größe Gefahr des Jahres 2009 wird ein regelrechter Dollar-Crash sein, der aus der mit den gigantischen Staatsausgaben und Liquiditätsspritzen der Fed stark steigenden amerikanischen Staatsverschuldung (Abb. 05087, 05102) einerseits gespeist sein wird, und andererseits aus dem Versuch, über einen schwachen Dollar zur Erhaltung von amerikanischen Jobs mehr zu exportieren bzw. weniger zu importieren.




Drittens, besteht die Gefahr eines Wiederauflebens der Inflation als Folge der enormen Geldmengenvermehrung. Um aus der deflationären Schraube herauszukommen, werden vor allem die USA alles tun, auch wenn sich daraus ein Überschießen in eine inflationäre Situation ergeben kann. Die Inflation wird nicht zuletzt gesucht werden, um damit die gigantischen Dollarschulden abzubauen. Eine Inflation in USA wird den Dollar weiter schwächen, aber auch die weltweite Inflation anheizen können.

Viertens, werden besonders die Exporte der drei großen Überschußländer China, Deutschland und Japan dramatisch einbrechen und zu entsprechenden Job-Verlusten führen. Ein böses Vorzeichen ist die Entwicklung der japanischen Exporte im November mit einem Fall von 27 % gegenüber Vorjahr, der stärkste Einbruch seit Aufnahme der Statistik vor 27 Jahren. Der chinesische Export, der immer zweitstellig gewachsen ist, fiel im November um 2,2 %. Das Institut für Weltwirtschaft Kiel erwartet für den deutschen Export in 2009 ein Minus von fast 9 %. Da der Export derzeit 48 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts ausmacht, entspricht allein ein solcher Einbruch mehr als 4 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts und damit einem gewaltigen Aderlaß an Wirtschaftskraft. Tatsächlich ist der Trend des deutschen Exportvolumens bereits deutlich nach unten gerichtet und im Oktober bereits im Minusbereich (Abb. 14119). Überall in der Alt-EU, vor allem in Deutschland, sind die Aufträge im Oktober meist zweistellig gegenüber Vorjahr gefallen (Abb. 04732).



Fünftens, droht angesichts der tiefen Verunsicherung der Verbraucher, der real weiter rückläufigen Massenkaufkraft (Abb. 14608) und der zunehmenden Arbeitslosigkeit ein gewaltiger Einbruch der deutschen Binnennachfrage mit zusätzlichen negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet jetzt für 2009 und 2010 mit 0,7 Millionen zusätzlichen Arbeitslosen. Hier wird sich die Vernachlässigung der Entwicklung der Arbeitseinkommen bitter rächen, die jahrlang für den Export ausgebremst wurden, was aus heutiger Sicht angesichts der Exportaussichten ein reiner Wahnsinn war. Selbst in der relativ gut entlohnenden gewerblichen Wirtschaft ist das Entgeld pro Arbeitsstunde in den ersten 10 Monaten 2008 gegenüber Vorjahr verbraucherpreisbereinigt noch einmal um 1,4 % gefallen. Ein Mindestlohnnetz nach Unten gibt es in Deutschland nicht. Der hohe Anteil neuer Jobs auf unsicherer Zeitvertragsbasis wird den Einbruch am Arbeitsmarkt beschleunigen.


Die deutschen Konjunkturprogramme kommen nun viel zu spät, um noch viel zu retten. Nie seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ist das Land so düster in ein neues Jahr gegangen. Vieles daran ist die Schuld der eigenen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik und einer von Deutschland angetriebenen zunehmend neoliberalen Globalisierung.

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global news 1337 23-12-08: Neue Daten: Die USA geraten immer mehr in die Krise - Drei Meldungen von heute
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Die amerikanische Wirtschaftsleistung sackte im 3. Quartal 2009 auf Jahreswert gerechnet um 0,5 % ab (Abb. 05004).


Die Ausgaben der privaten Haushalte in USA sanken im 3. Quartal gegenüber Vorquartal auf Jahreswert gerechnet um 3,8 Prozent (Abb. 05117).


Die Verkäufe bestehende Häuser sind im November auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gesunken. Im Jahresvergleich gingen die Verkäufe um 35,3 Prozent zurück (Abb. 05074).


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global news 1336 22-12-08: Mit Propaganda in den Weihnachtseinkauf
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Derzeit wird wieder einmal alles getan, um die Menschen in den Weihnachtseinkauf zu treiben, obwohl sie in diesem Jahr deutlich weniger in der Tasche haben als im letzten. Vorne weg marschiert wie immer die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit ihren Umfragen zu den Konjunkturerwartungen und zum Konsumklima. Tatsächlich waren beide Werte für Dezember schlecht, wie die Abbildungen 04917 und 04711 eindeutig belegen.



Doch unter der Überschrift „Konsumklima startet stabil ins neue Jahr" macht die GfK mit einem Prognosewert für Januar 2009 auf, der nicht viel mehr als Kaffeesatz ist: „Der Gesamtindikator prognostiziert für Januar 2009 einen Wert von ebenfalls 2,1 Punkten und bleibt damit konstant." Erst im weiteren Text heißt es dann: „ Allerdings führen Produktionseinbrüche, Kurzarbeit sowie Meldungen über drohende Entlassungen dazu, dass sich mehr und mehr Konsumenten auch persönlich von der Krise betroffen fühlen. Nachdem die Einkommenserwartung zuletzt viermal in Folge angestiegen war, sinkt sie im Dezember erstmals spürbar ab." Wie kann der GfK-Kaffeesatz für Januar eigentlich davon unbeeinflußt bleiben?

Und natürlich legt der SPIEGEL dann gleich noch oben drauf: „ Deutsche lassen sich Weihnachts-Kauflaune nicht verderben. Das Weihnachtsgeschäft brummt: Bislang konsumieren die Verbraucher laut GfK-Studie trotz Rezession und Finanzkrise auf stabilem Niveau."

Kann man eigentlich das seit Jahren einmalig tiefe Niveau als "stabil" ansprechen oder hat die deutsche Sprache jeden Wert verloren?

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global news 1335 20-12-08: Die verlorenen Jahre der Arbeitnehmer seit 1991
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Entgegen allen Versprechungen hat die Globalisierung die deutsche Wirtschaftsentwicklung nicht gestärkt. Seit 1991 ist der Trend des Wirtschaftszuwachses abwärts gerichtet (Abb. 14606). Das gilt natürlich erst recht für die kommenden schweren Krisenjahre. Was in der Vergangenheit noch Wachstum war, ist weitgehend das Produkt der Kreditblasen gewesen, die auch teilweise den deutschen Export künstlich befördert haben.


Schlimmer noch ist das Bild, wenn man die Arbeitseinkommen ins Visier nimmt. Die Nettolöhne und -gehälter sind verbraucherpreisbereinigt bis auf wenige Jahre immer noch schlechter gewachsen oder meist gar nicht und nur nach unten. Dabei ist auch die Schere zwischen Besser- und Normalverdienern und erst recht Empfängern von Sozialleistungen (Abb. 14607) immer mehr aufgegangen.


Arbeitseinkommen und Sozialrenten haben sich in fast allen Jahren seit 1992 erheblich schlechter als die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung entwickelt.


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global news 1334 19-12-08: Bauaufträge brechen ein
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Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts waren im Bauhauptgewerbe im Oktober 2008 preisbereinigt die Auftragseingänge 20,5% niedriger als im Vorjahresmonat (Abb. 14605). Der starke Rückgang der Auftragseingänge wird zum Teil darauf zurückgeführt, daß im Vorjahresmonat Oktober 2007 die Auftragseingänge vergleichsweise stark angestiegen waren. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2008 sind die Auftragseingänge preisbereinigt um 2,5% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gesunken.


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global news 1333 19-12-08: Der Ifo-Index für das Wirtschaftsklima fällt weiter, u.a.
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Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist auch im Dezember gefallen und setzt so seine seit über einem Jahr anhaltende Abwärtsbewegung in einmalig tiefe Minuswerte fort. Dabei dominiert diesmal die Verschlechterung der Geschäftslage. Einen ähnlich niedrigen Wert hatte der Geschäftsklimaindex in der zweiten Ölkrise Ende 1982 angenommen (Abb. 14051, 04731, 04589).




Die Krise wird durch die in den letzten Tagen fortgesetzte starke Aufwertung des Euro mit der entsprechenden Exportbelastung verschärft (Abb. 03831). Der chinesische Renmimbi hat allein seit einem Monat gegenüber dem Euro um 15 % abgewertet. Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den Höhenflug des Euro. "Das kommt zur Unzeit", sagte der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau, Olaf Wortmann, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist eine zusätzliche Belastung für die gesamte Exportwirtschaft." Sie stehe wegen der weltweit sinkenden Nachfrage ohnehin unter Druck.


Das Ifo-Institut rechnet mit einer halben Million mehr Arbeitslosen im kommenden Jahr. Das wird dann die Kaufbereitschaft der Verbraucher weiter in den Keller treiben, trotz aller Konjunkturprogramme. Zur negativen Entwicklung der realen Arbeits- und Sozialeinkommen addieren sich die Verluste der Normalverbraucher durch fallende Immobilien- und Aktienwerte. Nach einer Untersuchung der Zeitschrift Capital litten vor allem die Kleinanleger unter dem Börsenabsturz. Während allein die Dax-Werte im ersten Halbjahr 2008 bereits 21 Prozent nachgaben, zeigten die Depots der vermögenden Kundschaft bei der Schweizer Bank Julius Bär, eine beliebte Adresse der deutschen Geldelite, in dieser Zeit nur ein Minus von zehn Prozent durch Börsen- und Währungsverluste. Capital vermutet, daß sich die Mehrheit der Superreichen schon zu Beginn der Finanzkrise tendenziell aus den gefährdeten Anlageklassen zurückgezogen und Vermögen in Geldkonten, Edelmetalle oder sichere Immobilien umgeschichtet hat. So fahren schweizerische Edelmetallschmelzen wegen der gestiegenen Nachfrage nach Goldbarren derzeit Rekordgewinne ein. Zudem sichern sich die Superreichen bei ihren Auslandsanlagen aller Erfahrung nach besser gegen Währungsrisiken ab, als Kleinanleger dies tun. Da leidet wieder der sparsame deutsche Mittelstand.

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global news 1332 18-12-08: Die Krise erreicht die Arbeitmärkte
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Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist im 3. Quartal 2008 die Beschäftigung in der Eurozone gefallen, und zwar um 0,1 % oder mit einer Jahresrate von 0,4 % (Abb. 13558).


In Großbritannien stieg die Zahl der Arbeitslosen im Zeitraum Juli bis Oktober um 137.000 auf 1,9 Millionen bei einer Arbeitslosenquote von 6 % und damit auf den höchsten Stand seit 1997, die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger sogar auf den höchsten Stand seit 1991.

Trotz aller gigantischer Liquiditätseinschüsse der Zentralbanken, ist die Kredittätigkeit der Banken bisher nicht flüssig geworden und dürfte damit den Arbeitsmarkt zusätzlich belasten. Der Zuschlag auf die Libor-Rate für die Kredite zwischen Banken gegenüber dem Zins für Staatsanleihen liegt noch immer sechsmal höher als vor der Krise bei jetzt 1,82 %. Dabei erwartet der Markt frühestens im 2. Halbjahr 2009 eine Normalisierung. So hat auch die Deutsche Bank darauf verzichtet, wie sonst üblich, 1 Mrd Euro an Anleihen zum 16. Januar zurückzuzahlen, und zahlt lieber die 0,9 % Prozentpunkte Zinszuschlag, weil jede neue Anleihe viel teuerer kommen würde. Die Entscheidung verursachte einen Anstieg in der Versicherung von Forderungen für den Fall einer Pleite der Bank und einen Aktienkursverlust von 6 % auf nun nur noch 18 % des Wertes von vor der Krise (Abb. 03752).


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global news 1331 17-12-08: Die Horrorszenarien sind keine Erfindung, sonder kommen aus der Realität: weiter fallende Reallöhne
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Weil die Wirtschaftsprognosen der Ökonomen in Zeiten der Krise immer schlimmer werden, fordert DIW-Präsident Zimmermann eine Pause. Der Forscher befürchtet sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Also Funktstille für Deutschland? Friedhofsruhe?

Dabei scheinen die Banken trotz aller Abschreibungen und Staatshilfen und verwässerten Bewertungsregeln noch immer so vollgetankt mit giftigen Papieren zu sein, daß Deutsche Bank-Chef Ackermann beim Berliner Gipfel vorschlagen konnte, eine staatliche sogenannte Bad Bank zu gründen, die zu Lasten des Steuerzahlers den Geldhäusern Wertpapiere abkaufen soll, deren Preis in der Finanzkrise stark gesunken sei. Tatsächlich tragen die Banken immer noch ihre Depots lieber zur EZB mit niedriger Verzinsung, als sie an andere Banken oder die Wirtschaft auszuleihen. Der Euribor Interbank-Zins für 3 Monate hängt immer noch um mehr als 0,7 Prozentpunkte über dem EZB-Zins und hat dessen Senkung um drei Viertel Prozentpunkte bisher kaum weitergegeben (Abb. 03792). Wie wäre es übrigens, wenn die Bankenchefs, wie Ackermann mit dem zweistelligen Millionen-Betrag, erst einmal ihre horrenden letztjährigen Boni zurückgeben würden, die sie nur aufgrund schöngefärbter Bilanzen einsacken konnten? Es reicht bei Weitem nicht aus, auf Boni in diesem Jahr zu verzichten, die ohnehin nicht anfallen können, nachdem die deutschen Großbanken, wie Deutsche Bank, rund 80 % des Aktienwertes ihrer vertrauensvollen Aktionäre vernichtet haben.


Heute meldet sich nun das Statistische Bundesamt unter der irreführend optimistischen Überschrift "2,0% mehr Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober 2008". Die Entwicklung im Vorjahresvergleich, verschweigt dabei aber den jüngsten Rückgang der Beschäftigung von September auf Oktober 2008 um 0,3 %, was immerhin einer Jahresrate von 3,8 % entspricht. Vor allem ist im Zeitraum Januar bis Oktober 2008 gegenüber Vorjahr das Entgeld pro Beschäftigten weiter um 1,0 % und pro Arbeitsstunde sogar um 1,4 % gefallen, wenn man es um die Inflationsrate bereinigt (Abb. 04009). Auch das verrät uns das Statistische Amt in seiner Pressemitteilung nicht. Und dabei ist das verarbeitende Gewerbe noch der besser entlohnende Teil der deutschen Beschäftigung. Woher soll da die Entlastung durch die Binnennachfragte privater Haushalte, auf die alle Optimisten angesichts des bitteren Exporteinbruchs setzen, kommen? Da sind jedenfalls die Horrorszenarien, die leider die Realität schreibt, weit ehrlicher.


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global news 1330 16-12-08: Deutscher Export: Die frohe StaBuA-Botschaft ist leider von gestern
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Heute meldet das Statistische Bundesamt unter der Überschrift „Außenhandel im 3. Quartal 2008: Exporte erreichen 250 Milliarden Euro": „ .. wurden in den Monaten Juli bis September 2008 Waren im Wert von 250 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt. Das ist eine Steigerung um 4,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Preisbereinigt erhöhten sich die Ausfuhren um 1,5 %." Das klingt noch gut und soll natürlich gut klingen, auch wenn der Durchschnittswert für Juli bis September im Dezember schon etwas veraltet ist.

Doch sieht man genauer hin, so sagt der Vorjahresvergleich in dem viel schwieriger gewordenen Umfeld der letzten Monate nicht mehr viel. Vergleicht man das letztgemeldete dritte mit dem zweiten Quartal 2008 so zeigt sich ein Rückgang von fast 5 %; im Vorjahr war der Export vom zweiten auf das dritte Quartal noch um 2 % gestiegen (Abb. 14604).


Wie sehr diese Meldung Schnee von gestern ist, belegt auch die negative Entwicklung der beiden zunächst noch verbliebenen deutschen Hoffnungsmärkte Rußland und China. Rußland ist schon in eine tiefe Krise mit abstürzendem Rubelkurs und ebenso abstürzenden Öl- und Gasexporteinnahmen geraten. In China ist die Industrieproduktion von einem Plus von 18,5 % in 2007 auf nur noch 5,4 % nach den Zahlen für November 2008 eingebrochen (Abb. 08130). Die chinesischen Exporte verzeichneten im November zum ersten Mal seit 7 Jahren im Vorjahresvergleich mit -2,2 % ein Minus, nachdem sie in den Vorjahren sehr stark gestiegen waren (Abb. 08156).



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global news 1329 15-12-08: Krisen-Zwischenbilanz: Wer verliert?
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Die Krisenwache des Infoportals zeigt mit dem komplett aktualisierten Stand vom 14. Dezember in erschreckender Deutlichkeit, wie sich die Finanzmarktkrise zunehmend in die Realwirtschaft hineinarbeitet.

Zugleich zeigt sich nun immer deutlicher, daß von allem die verlieren, die seriös gespart haben. Das gilt zwischen Volkswirtschaften ebenso wie innerhalb derselben. Vor allem die deutsche Volkswirtschaft wird durch ihr jahrelanges für die Außenwirtschaft betriebenes Sparen verlieren. Einerseits ist viel zu wenig in die Infrastruktur, die Bildung und den Verbrauch der privaten Haushalte geflossen. Andererseits wurden gewaltige Leistungsbilanzüberschüsse von in den fünf Jahren 2004 bis 2008 kumuliert etwa 710 Mrd Euro aufgebaut. Das ist erheblich mehr als alle deutschen Nettolöhne und -gehälter des vergangenen Jahres von 623 Mrd Euro. Anders ausgedrückt: ohne diese Überschüsse hätten die deutschen Löhne und Gehälter fast um ein Viertel höher ausfallen können, wenn die Wirtschaftsleistung nicht nach draußen, sondern nach innen gelenkt worden wäre. Ein großer Teil dieser Leistungsunterschüsse dürfte in der Krise verloren gehen: von Verlusten auf den internationalen Finanzmärkten, bis zu Verlusten an Forderungen gegen bankrotte ausländische Schuldner, bis zu Währungsverlusten, indem deutsche Auslandsguthaben und Portofolioanlagen durch Abwertung dortiger Währungen an Wert verlieren.

Innerhalb der Volkswirtschaften ist das Ergebnis zu Lasten der Sparer noch schlimmer. Wer für sein Alter oder schlechte Zeiten vorsichtig und ohne Spekulation gespart hat, wird nun in vielerlei Hinsicht bestraft. Anlagen in Staatspapieren oder Sparbüchern werfen real nur noch sehr wenig Zinsen ab und bewegen sich mit weiteren Zinssenkungen der EZB immer mehr in Richtung auf negatives Territorium. Wer vorsichtig in Aktien renormierter Unternehmen oder noch vorsichtiger in Aktienzertifikaten gespart hat - und das haben auch viele vorsichtige Sparer aus dem Mittelstand getan - hat mit dem Absturz des deutschen Dax auf nur noch 60 % seines Wertes von vor der Krise schwer verloren, erst recht wenn er dem Aktienwert der deutschen Bank vertraut hat, der auf 20 % abgestürzt ist (Abb. 03712, 03752). Ähnliches gilt für an der Börse angelegte Betriebsrenten.



Die Aktienmärkte um die Welt herum haben bereits etwa 30 Billionen Dollar verloren, eine astronomische Zahl. Die amerikanischen Pensionsfonds verloren allein seit Beginn dieses Jahres etwa 20 % des Wertes ihrer Anlagen. Das amerikanische Finanzmarkt-Institut Morningstar hat errechnet, daß wer in USA über die letzten 10 Jahre jeden Monat 100 $ in einen Aktienfonds gesteckt hat, bereits mehr als 1.000 $ verloren hat. Auch die Anlage in ballancierten Fonds aus Regierungspapieren und Aktien hat verloren. Ähnlich ist die Situation in Europa. Es wäre für diese Sparer besser gewesen, ihr Geld einfach unter die Matraze zu schieben oder mit geringfügig besserem Ertrag in sicheren Staatspapieren zu halten.

Und dabei ist die Krise längst nicht vorbei und wird ihre nächsten Opfer unter den Arbeitslosen suchen.

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global news 1328 14-12-08: Und nun die Welle der Unternehmenspleiten in 2009
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Was wir jetzt im kommenden Jahr erwarten müssen, ist eine massive Welle von Unternehmenspleiten mit entsprechenden Job-Verlusten. Nicht nur die von den „Heuschrecken" bei der Übernahme mit nun drastisch verteuerten Krediten belasteten Unternehmen werden in der Regel zusammenbrechen. Auch ein großer Teil der anderen Unternehmen wird von den Banken angesichts der drastisch verschlechterten Absatzverhältnisse keinen Kredit zu akzeptablen Bedingungen mehr bekommen und wird sich erst recht nicht über Anleihen akzeptabel refinanzieren können. Werfen Sie doch bitte mal einen kurzen Blick auf die drei hier angehängten Abbildungen. Abb. 03636 zeigt, wie extrem der Versicherungsaufschlag für europäische Unternehmensbonds unterhalb des besonders sicheren Investmentgrades auf 11 % angestiegen ist und keine Anstalten macht, herunterzukommen. Der Markt rechnet also einerseits mit steil ansteigenden Unternehmenspleiten und andererseits fördert er sie durch solche Strafzuschläge.


Abb. 03794 zeigt die Zinsdifferenz zwischen den allerbesten Bonds AAA und der riskanteren Kategorie Baa: Sie ist auf 3,5 % hochgesprungen, was ebenfalls große Gefahr von Unternehmenspleiten im Anrollen andeutet.


Schließlich führt Abb. 03829 vor, wie der Zins auf kurzfristige Bonds der Kategorie A2/P2, die auch in Europa von vielen bekannten Unternehmen aufgelegt wurden, von um 1 % im Jahr 2004 auf in den letzten Wochen bis über 6 % hochgesprungen ist und dort in hektischen Ausschlägen hängt. Dazu gehören Anleihen (in Dollar umgerechnet) von Vodafone (5,2 Mrd), Deutsche Telekom (ca. 2,3 Mrd), Volkswagen (2,3 Mrd), oder Daimler (2,1 Mrd). Daimler mußte in seiner letzten Anleihe über 1 Mrd Euro vom Dezember über drei Jahre einen Zins von sage und schreibe 9 % anbieten.


Seit Beginn dieses Jahres steigen die Unternehmensinsolvenzen bereits wieder, obwohl die Statistik bisher nur die Monate bis September 08 freigibt (Abb. 14602). Im September lagen sie um 8,5 % über dem Vorjahreswert.


Inzwischen beklagt die Industrie und ihre Verbände auch eine deutliche Verschlechterung der Kreditbedingungen der Banken. Aus einem Bericht in der heutigen „WELT": Kredite werden gekündigt, neue Finanzierungen mit deutlich schärferen Forderungen verbunden. In vielen Branchen mehren sich die Beispiele dafür, dass das Firmen an die Existenzgrundlage geht - auch wenn kaum ein Betroffener offen darüber redet. Nach einer Befragung des Münchener Ifo-Instituts unter 4000 Unternehmen hat sich die Kredithürde für die Wirtschaft im November im Vergleich zum August "deutlich erhöht", was auf eine "wesentlich zurückhaltendere Kreditvergabe der Banken" hindeute. Vor allem das verarbeitende Gewerbe ist der Umfrage zufolge betroffen - und dort vor allem die größeren Unternehmen. 40 Prozent von ihnen berichteten im November von einer restriktiven Kreditvergabe der Banken. Im August waren es noch 17 Prozent. Laut Umfrage des Verbandes Creditreform sind neun Prozent von 4000 befragten Firmen, die einen Kredit beantragt hatten, bis zum November sogar leer ausgegangen - noch im März hatten lediglich zwei Prozent Absagen kassiert. Auch der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer VDMA beklagt verschlechterte Konditionen und wachsende Probleme in der Exportfinanzierung. Sämtliche Vorstandsmitglieder des VDMA Ost, in dem die ostdeutschen Mitglieder organisiert sind, hätten von Restriktionen bei der Kreditvergabe berichtet, sagt Vorstand Hans J. Naumann. Zwei Verbandsmitgliedern seien Kredite in zweistelliger Millionenhöhe verwehrt worden. Selbst in Chefetagen großer Konzerne ist das Problem angekommen. "Es gibt eindeutig eine Kreditklemme", sagte MAN-Finanzchef Klaus Hornung. Kunden und Zulieferer würden in die Bank gebeten, um bestehende Konditionen neu zu verhandeln. Bei MAN habe eine Bank urplötzlich einen Vertrag ändern wollen. "Die wollten auf einmal dreimal so viel haben wie vorher", so Hornung. Die Geschäftsbeziehungen seien inzwischen gekappt. Wenn Deutsche-Bank-Chef Ackermann behaupte, es gebe keine Kreditklemme, sei das wohl "eine Frage der Perspektive", legte MAN-Chef Samuelsson nach. Noch deutlicher wird der Vorstandschef des Chemiekonzerns, BASF, Jürgen Hambrecht. "Es kann nicht sein, dass sich die Banken erst einmal selbst sanieren", vor allem bei größeren Krediten ab 80 Millionen Euro sowie bei mittel- und langfristigen Finanzierungen werde es "richtig problematisch". Auch für ein kerngesundes Unternehmen wie BASF selbst sei es schwieriger geworden, langfristige Kredite zu bekommen. Wenn die Banken nicht ausreichend Geld an die Wirtschaft ausliehen, "verschärft das die Kreditklemme und bringt selbst gesunde Unternehmen in Bedrängnis", sagte der BASF-Chef.

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global news 1327 13-12-08: Kyoto als Mogelpackung: Die Gefahr steigt
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Während sich die Regierungen fast nur noch mit der Weltwirtschaftskrise befassen, säuft das Klima immer mehr ab, bzw. fällt die Chance auf Katastrophenvermeidung. Statt mit einem großen Programm von Investitionen in alternative Energien die Brücke zwischen beiden Krisen zu schlagen, wird das Klima auf den back-burner gelegt. Die deutsche Kanzlerin in BILD: "Der EU-Gipfel wird keine Klimaschutz-Beschlüsse fassen, die in Deutschland Arbeitsplätze oder Investitionen gefährden. Dafür werde ich sorgen." Und so wurden auf deutsches Drängen die verbindlichen CO2-Grenzwerte für Autos verschoben und sollen nun Gratis-Verschmutzungsrechte für die Industrie folgen. Statt die Einfuhr aus Ländern, die keine Klimaziele akzeptieren, zu regulieren, soll nun gerade die verschmutzungsintensive EU-Industrie mit Blick auf die Konkurrenz aus diesen Ländern vom "Verschmutzer-zahlt-Prinzip" für einige Zeit befreit werden.

Dabei erweist sich Kyoto immer mehr ohnehin als gefährliche Mogelpackung. Die gesetzten Ziele können nur aus zwei Mogelgründen erreicht werden. Einerseits wurde viel CO2-intensive Industrieproduktion aus den alten Industrieländern nach China ausgelagert, wo sie nun mit noch mehr Verschmutzung stattfindet aber wegen der Nicht-Mitgliedschaft Chinas nicht bei Kyoto zählt.

Andererseits verfälscht der sogenannte "Wall-Fall"-Effekt die Statistik. Die Osteueropäer, die zu kommunistischen Zeit enorm viel Schwerindustrie und CO2-Verschmutzung hatten, werden bei Kyoto an den Werten von vor dem Fall der Mauer, nämlich 1990, gemessen und können daher heute mit Reduzierungen des CO2-Ausstoßes zwischen 20 % bis 50 % aufwarten, bei Rußland 34 % minus, bei der Ukraine sogar 52 %. Schaut man genauer hin, so liegen nicht weniger als 9 größere Industrieländer zweistellig über den Reduktionszielen (Abb. 07268, 07269).



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global news 1326 12-12-08: Kinderbetreuung: Deutschland nur abgeschlagenes Mittelmaß
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In den Industrienationen werden bereits 80 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren außerhalb der Familie betreut. Selbst bei Kleinkindern unter drei Jahren wird schon mindestens ein Viertel in einer Einrichtung oder von einer Tagesmutter betreut. Auch in den ersten zwölf Monaten werden immer mehr Kinder außerhalb der Familie betreut. Das Unicef-Forschungsinstitut Innocenti in Florenz hat zehn Indikatoren entwickelt, anhand derer die Wissenschaftler gemessen haben, ob die Einrichtungen den Bedürfnissen nach Schutz, Förderung und Betreuung außerhalb der Familie gerecht werden. Die Studie wurde jetzt als "Erste internationale Vergleichsstudie zur Betreuung und Bildung von Kindern in Kindergärten und anderen Kindertageseinrichtungen in 25 Industrieländern" veröffentlicht.

Zu den Kriterien gehören unter anderem:

    Ein Jahr Elternzeit nach der Geburt bei mindestens 50 Prozent des Einkommens
    Ausreichende Betreuungsangebote für unter Dreijährige
    Gute Ausbildung und Bezahlung von Mitarbeitern in Einrichtungen
    Kleine Gruppen, in denen eine Erzieherin maximal 15 Kinder zu betreuen hat
    Nationaler Aktionsplan zur Förderung benachteiligter Kinder
    Ein Prozent des Bruttonationaleinkommens wird in die frühkindliche Förderung investiert.
    Kinderarmutsrate von unter zehn Prozent

Deutschland erfüllt jedoch nur die Hälfte der Kriterien und landete damit nur im Mittelfeld (Abb. 13556).


Die Staaten, die die ersten Plätze der Tabelle belegen, investieren zugleich mindestens ein Prozent des Bruttonationaleinkommens in die Betreuung von Vorschulkindern. In Deutschland sind es jedoch mit nur 0,4 % viel weniger. Besonders negativ für Deutschland: Der Anteil der Kinder, die in einem als "arm" geltenden Haushalt mit weniger als 50 Prozent des Medianeinkommens leben, sollte unter 10 Prozent liegen; in Deutschland sind es jedoch 16 Prozent. Deutschland versagt auch bei den Kriterien "staatlich geförderter Kindergartenbesuch für 25 der Kinder unter 3 Jahren", "80 % der Mitarbeiter in Kindergärten mit spezifischer Ausbildung und entsprechender Bezahlung" sowie "alle Kinder mit medizinischen Grunddiensten erreicht".

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global news 1325 11-12-08: Junge Erwachsene in der ALG II-Falle
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Eigentlich soll das ALG II den Betroffenen eine Überbrückung sein, bis sie wieder einen dauerhaften Job finden. Gerade bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren ist das wichtig, weil sonst der Einstieg in eine normale Berufsentwicklung verpaßt wird. In Deutschland ist eine beträchtliche Zahl von jungen Erwachsenen auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende angewiesen: Im Jahresdurchschnitt 2007 bezogen rund 1,35 Millionen erwerbsfähige Personen zwischen 18 und 29 Jahren Arbeitslosengeld II (Abb. 14601). Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit hat nun Dauer und Kontinuität des Arbeitslosengeld-II Bezugs von jungen Erwachsenen im Zeitraum 2005 und 2006 betrachtet.


Etwa 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, die im Januar 2005 erstmalig Arbeitslosengeld II bezogen hatten, waren bis Ende 2006 durchgängig im Leistungsbezug. Rund 60 Prozent schafften in den Jahren 2005 und 2006 den Ausstieg aus dem Hilfebezug. Jedoch war etwa die Hälfte dieser jungen Erwachsenen bis Ende 200 zumindest zeitweise erneut auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Nur ein Drittel der jungen Erwachsenen hat damit in den zwei Jahren den Ausstieg aus der Hilfebedürftigkeit dauerhaft geschafft.

Die jungen Erwachsenen hatten überwiegend eine abgeschlossene Berufsausbildung und zwei Drittel auch eine Erwerbserfahrung (Abb. 14600).


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global news 1324 10-12-08: Noch mehr Meldungen zum Abschwung
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Nach Aufträgen und Produktion ging auch der Umsatz im gewerblichen Bereich im Oktober real gegenüber Vorjahr um 3,3 % zurück (Abb. 04910).


Dabei hatte Deutschland erneut die geringste Arbeitskostenentwicklung in der EU und eine entsprechende Verengung von Kaufkraft und Binnennachfrage (Abb. 13400, 12815).



Der deutsche Export hat nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts seinen Gipfelpunkt überschritten und befindet sich seit Juni im Rückgang (Abb. 14599).


Nun versucht das ZEW, mit seiner Umfrage unter Finanzmarktspezialisten Optimismus zu verbreiten und titelt "ZEW-Konjunkturerwartungen erneut verbessert." Wie immer, legt der SPIEGEL noch obendrauf: "Konjunkturklima verbessert sich überraschend. Das ist eine Nachricht, die den Dax beflügelt: Finanzmarktprofis in Deutschland schätzen die Aussichten für die Konjunktur wieder positiver ein - das hat das Wirtschaftsinstitut ZEW in seiner Monatsumfrage ermittelt." Doch die Realität sieht wieder einmal anders aus. Die besonders wichtige Beurteilung der gegenwärtigen Lage ist erneut pessimistischer geworden und liegt so tief wie seit drei Jahren nicht mehr (Abb. 04588). Die Erwartungen sind demgegenüber nur leicht gestiegen und halten sich weiter tief unter dem historischen Mittelwert (Abb. 04762).



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global news 1323 08-12-08: Industrieproduktion fällt in letzten zwei Monaten mit Jahresrate von 34 %
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Nun fällt über die letzten zwei ermittelten Monate September und Oktober dem Absturz der Aufträge folgend auch die deutsche Industrieproduktion wie ein Stein mit einer Jahresrate von 34 % (Abb. 04306). Der Bundeswirtschaftsminister erwartet, daß sie sich "in den kommenden Monaten weiter abschwächt".


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global news 1322 07-12-08: Die deutsche Politik begreift Ursachen, Geschwindigkeit und Ausmaß der Weltwirtschaftskrise immer noch nicht
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Für die deutsche Politik kommt die Weltwirtschaftskrise aus Gier und Dummheit von Bankern und aus falscher amerikanischer Regulierung von Hypotheken, Rating Agenturen und Banken. Kein Wort von unzureichender deutscher Bankenaufsicht, von versagenden Ministerialen in Aufsichtsräten staatlicher oder teilstaatlicher Banken von KfW bis IKB, von gigantischen deutschen Exportüberschüssen, deren Abnehmer immer mehr Kredit brauchten, oder von der stark wachsenden Einkommenskluft, die gerade in Deutschland sehr viel Spekulationskapital am oberen Ende freigesetzt hat.

Ebensowenig ist die Geschwindigkeit dieser besonders bedrohlichen Krise und ihr voraussichtliches Ausmaß bisher richtig eingeordnet worden. Die Prognosen für das kommende Jahr werden nur sehr zögerlich heruntergeschraubt, als sollte der deutsche Michel nicht von seinen Weihnachtseinkäufen abgeschreckt werden. Die Bundesregierung geht für nächstes Jahr offiziell noch immer von einem Wachstum von 0,2 % aus. In seinem Bericht zur wirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik Deutschland im November 2008 von vor gerade einmal zwei Wochen rechnet der Bundeswirtschaftsminister noch immer mit einer "moderaten Belebung des privaten Konsums in näherer Zukunft". Doch schon haben Bundesbank auf minus 0,8 % und Deutsche Bank sogar auf eine Drittelwahrscheinlichkeit von minus 4 % geschaltet. Die täglichen Keulenschläge schlechter Konjunkturdaten aus dem In- und Ausland werden von der Bundesregierung offensichtlich kopfschüttelnd zur Seite gelegt, als kann nicht sein, was nicht sein darf.

Die für die Unternehmensfinanzierung neben den nur noch spärlich fließenden Bankenkrediten wichtige Finanzierung über Anleihen verlangt nun zum ersten Mal Versicherungsprämien von mehr als 10 % bei Unternehmen unterhalb des Top-Investmentgrades, eine für sehr viele Unternehmen besonders bei gleichzeitiger Absatzkrise kaum noch zu überspringende Höhe an Finanzierungskosten (Abb. 03636). Seit Januar geht es mit den deutschen Industrieaufträgen nur noch und immer schneller nach unten, bisher schon um 17 %, was einer geradezu dramatischen Jahresrate von mehr als 22 % entspricht (Abb. 14597). Hat man in Berlin keine Vorstellung, was fast ein Viertel weniger Auftragseingang bedeutet, selbst wenn er auf diesem Niveau anhält und nicht - wie zu erwarten - noch weiter fällt? Unsere politischen Vortänzer laufen noch immer leicht bekleidet und ohne ausreichendes Konjunkturprogramm herum, wo sie sich und uns warm anziehen sollten. Heute spricht der SPD-Vorsitzende von einem weiteren Konjunkturprogramm im nächsten Frühjahr, wenn es für Abfangmanöver schon längst zu spät sein wird. Doch wer jetzt vom nächsten Frühjahr redet und innerlich dabei davon träumt, die Krise könne zur Jahresmitte wundersamerweise schon vorbei sein, will eigentlich gar nichts tun.



Dabei scheint die Politik endlich zu begreifen, daß nur eines Deutschland am Ende aus der Krise helfen kann: sehr viel mehr Nachfrage der privaten deutschen Haushalte. Auf sie entfällt immerhin 57 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts und sie hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich schlechter als in anderen Ländern entwickelt und droht nun erst recht abzustürzen (Abb. 12912). Doch erstens rächen sich nun die unverzeihlichen wirtschafts- und sozialpolitischen Sünden der letzten Jahre, nämlich die anhaltend real negative Entwicklung von Arbeitseinkommen und Sozialleistungen. Vor allem liegt der Pegel an Verunsicherung der Konsumenten durch die negativen Meldungen zur Rentensicherheit und nun zur Konjunktur bereits so hoch, daß bei der Mehrheit der Verbraucher mehr Geld in der Tasche gegenwärtig kaum zu sehr viel mehr Nachfrage führen würde, und das erst recht, wenn demnächst die Arbeitslosigkeit wieder massiv steigen wird.


Die einzigen wirksamen Nachfrage-Instrumente faßt die Bundesregierung in ihren neoliberalen Überzeugungen nicht an. Als Beispiele seien erwähnt:

    ein viel massiveres als jetzt vorgesehen öffentliches Investitionsprogramms, das mindestens teilweise durch eine Solidaritätssteuer auf die Einkommen der Besserverdiener finanziert wird,
    ein angemessener flächendeckender Mindestlohn zur Stärkung der Kaufkraft derer, die als chronisch Unterversorgte am ehesten auch jetzt noch Lohnsteigerungen tatsächlich ausgeben würden,
    ein zeitweises Verbot der Umwandlung regulärer Arbeitsplätze in solche auf unsicherer und damit zum Sparen zwingender Zeitvertragsbasis, und
    handelspolitische Maßnahmen in der EU gegen unfaire Dumpingimporte aus China bei Waren, für die es bei uns noch eigene Produktion gibt, deren Nachfrage so gesteigert werden könnte.

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global news 1321 06-12-08: Industrieaufträge brechen immer weiter ein, auch Bundesbank erwartet jetzt Rezession wie in den 70ern
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Die deutschen Industrieaufträge sind im Oktober 2008 tiefer eingebrochen als jemals seit der Wiedervereinigung. Seit dem Gipfel im Juni letzten Jahres vor Ausbruch der Krise verloren die Aufträge saisonbereinigt bereits 20 %, davon aus dem Ausland sogar 26 % und aus dem Inland mehr als 11 % (Abb. 04569). Das ergibt im Vorjahresvergleich einen Rückgang von 17 %. Der Autragsrückgang aus dem Aus- und Inland, entspricht, wenn er anhalten und voll auf die Industrieproduktion durchschlagen sollte, einem Betrag von über 269 Mrd Euro oder mehr als 10 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Daran gemessen ist das Konjunkturprogramm von 3 Mrd Euro Bundesausgaben pro Jahr weniger als ein Tropfen auf einen heißen Stein.


Endlich korrigiert auch die Bundesbank ihre bisher immer viel zu optimistische Prognose für 2009 auf minus 0,8 % . Und dabei fügt die Bundesbank vorsichtig an: "Keineswegs abwegig wäre aber auch ein Zeitprofil, bei dem der Konjunktureinbruch kurzfristig deutlich schärfer ausfällt. .. Die Schwächephase der Weltwirtschaft und damit auch der deutschen Wirtschaft könnte aber auch merklich länger anhalten, zumal eine endogen getragene Revitalisierung der Weltwirtschaft erst nach erfolgter Konsolidierung der Immobilienmärkte in wichtigen Industrieländern und fortgeschrittener Rekapitalisierung und Restrukturierung des internationalen Finanzsystems wahrscheinlich ist." Für 2008 erwartet die Bundesbank noch 1,6 % Wachstum, wobei 0,3 % reiner Kalendereffekt wegen des längeren Schaltjahres ist.

Das Statistische Bundesamt macht zum Arbeitmarkt immer noch auf Optimismus und titelt heute: "Dienstleistungsbereich: Beschäftigung im 3. Quartal 2008 stabil". Doch wenn man hier die bisher nur bis September verkündete Entwicklung betrachtet, so geht der Beschäftigungsaufbau selbst in dem vom Ausland weniger abhängigen Dienstleistungsbereich drastisch zurück und stand schon im dritten Quartal kurz davor, ins Minus abzukippen (Abb. 14596). Am Ende wird es nicht viel anders kommen als jetzt in USA, wo die Arbeitslosigkeit steil ansteigt (Abb. 05097). In nur einem Monat haben die Arbeitgeber dort 533.000 Stellen gestrichen, im November der stärkste Fall in 34 Jahren.



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global news 1320 05-12-08: Warum China und die Promotoren seines WTO-Beitritts zu den Hauptverantwortlichen für die globale Krise zu zählen sind
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Normalerweise muß man mit monokausalen oder anders verengten Erklärungen volkswirtschaftlicher Abläufe vorsichtig sein. Dennoch ist bei der gegenwärtigen schweren globalen Krise vor allem ein Auslöser, neben einigen anderen, zu sehen: die überstürzte und unfaire Integration des Staatshandelslandes China in die für Marktwirtschaften geschaffene Welthandelsorganisation im Jahre 2001. Derzeit sind gleichzeitig vier gewaltige globale Blasen geplatz, die alle zu einem erheblichen Teil mit China zu tun haben: Blasen bei Immobilien, Krediten, Rohstoffen und Schwellenländer-Beteiligungskapital. Bei Rohstoffen ist das wegen der enormen Nachfrageentwicklung aus China, die die Preise global nach oben getrieben hat, offensichtlich. Beim Beteiligungskapital ebenso, wenn man die Markteinbrüche an den chinesischen Börsen verfolgt.

Zwei renomierte Fachleute haben sich in der Financial Times zu der Rolle Chinas bei den Immobilien- und Kreditblasen geäußert: der Chef von Morgan Stanley Asia Stephen Roach und Martin Wolf von der Financial Times. Roach schreibt, China und andere seien mit ihrer exportgeführten Wachstumsstrategie dabeigewesen. Der Exportanteil am Bruttinlandsprodukt Chinas sei über die letzten sieben Jahre von 20 % auf fast 40 % gestiegen. China habe dabei einen unverhältnismäßig hohen Anteil seines massiven Vorrats an Währungsreserven in Dollar-Anlagen zurückverwandelt. Das habe die chinesische Währung sehr wettbewerbsfähig (niedrig) gehalten, aber auch die amerikanischen Zinsraten am Steigen gehindert und damit den Zauber der von der Kreditblase abhängigen amerikanischen Konsumenten am Leben erhalten.

Tatsächlich hat China über lange Jahre den Renmimbi manipulativ in der Nähe des Dollar gehalten und so einen Ausgleich der immer ungleichgewichtigeren Handelsbilanz mit den USA verhindert und auch noch bei in 2006 und 2007 fallendem Dollarkurs eine Abwertung seiner Währung von 13 % gegenüber dem Euro erreicht (Abb. 13386). Amerikanische Regierung und Congress mußten sich immer wieder darüber beklagen. Selbst in jüngster Zeit, da der Dollar aufwertet und damit die Verminderung des unhaltbaren amerikanischen Handelsbilanzdefizits erschwert, hat China sehr zum Ärger der USA versucht, seine Währung nach unten abzukoppeln um so seinen Export auch in der Krise durch Währungsmanipulation zu stützen (Abb. 03829).



Martin Wolf stellt die vom IWF für dieses Jahr erwarteten hohen Leistungsbilanzüberschüsse der Ölexportländer, Chinas, Deutschlands und Japans zusammen (Abb. 03830). Sie allein kämen für 83 % aller globalen Überschüsse auf, während die USA auch 2008 bei weitem das größte Defizit haben werde. Der Überschuß bei China solle in Höhe von 9,5 % seines Bruttoinlandsprodukts liegen. In einer Krise global fehlender Nachfrage hält Wolf diese Überschüsse für sehr gefährlich, da sie Arbeitslosigkeit exportierten, und befürchtet protektionistische Abwehrmaßnahmen der Defizitländer.


Dazu kommt noch ein weiterer von Roach und Wolf nicht diskutierter Umstand. Insgesamt geht es um die schrittweise Integrierung in die neoliberal globalisierte Weltwirtschaft von fast 2,5 Milliarden Menschen allein aus China, Indien und dem früheren Ostblock. Dabei hat sich schon jetzt nach Schätzungen von Harvard Professor Richard Freeman die Zahl der Arbeitskräfte weltweit von 1,46 Milliarden auf 2,93 Milliarden verdoppelt, ohne daß das nach Arbeit suchende Kapital entsprechend zunahm. Vor allem China hat mit der Reservearmee seiner viele hundert Millionen starken bitterarmen Landbevölkerung auf dem Weg zur Werkbank der Welt global die Löhne unter großen Druck gesetzt und die Drohung der Arbeitgeber in den alten Industrieländern mit Verlagerung glaubwürdig gemacht. Obwohl China eine Staatswirtschaft mit Streiverbot in den staatlichen Unternehmen und ohne unabhängige Gewerkschaften ist, wurden bei der Aufnahme in die Welthandelsorganisation keine Vorkehrungen, z.B. durch Sozialklauseln, getroffen, um einen fairen Wettbewerb zu sichern. Im Ergebnis wurden global die Einkommen der Best- und Besserverdiener zu Lasten der anderen Bevölkerungschichten immer höher geschoben und wurde damit sehr viel Spekulationskapital freigesetzt. Das wiederum hat, wie mit dem Kauf der amerikanischen Hypothekenpapiere die Immobilien- und dann auch die Kreditkrise so richtig angeheizt.

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global news 1319 04-12-08: Jetzt sparen in Deutschland auch noch die, die es kaum nötig hätten
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Die Deutschen gehen auf die Sparbremse und würgen die Binnenkonjunktur weiter ab, während gleichzeitig die Exporte einbrechen. Das ist auch Folge der jahrelangen realen Auszehrung der Arbeitseinkommen und Sozialleistungen und des öffentlich geförderten Aufwuchses von Niedrigstlohnjobs ohne flächendeckenden Mindestlohn. Deutschland wird deshalb tiefer in die Krise stürzen als die meisten anderen Länder.

Nur 17 % der im Auftrag von Ernst & Young Befragten haben ihr Einkaufsverhalten bisher nicht geändert (Abb. 14591). Selbst bei einem Haushaltsbruttoeinkommen von mehr als 50.000 Euro gehen nun 28 % der Befragten zum Diskounter und verzichten 38 % auf größere Anschaffungen überhaupt (Abb. 14592).



Von denen, die ihr Einkaufsverhalten geändert haben, werden vor allem größere Anschaffungen, aber auch Restaurantbesuch und Kleidung zurückgestellt (Abb. 14593).


Besonders die jüngeren Jahrgänge und Frauen beurteilen ihre wirtschaftliche und finanzielle Situation wenig positiv (Abb. 14594).


Fast die Hälfte der Deutschen sind der Meinung, dass ihr Lebensstandard in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist - nur jeder vierte sieht eine Verbesserung seines Lebensstandards. Vor allem ältere Personen beklagen eine Verschlechterung ihrer Situation. Die Mehrheit der Befragten (58 % der Männer und 64 % der Frauen) erwartet eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Jeder dritte erwartet eine Verschlechterung seiner eigenen wirtschaftlichen Lage, nur jeder fünfte ist optimistisch. 16 % der Männer und 24 % der Frauen sehen schon jetzt vor Beginn der eigentlichen Krise ihren eigenen Arbeitsplatz als unsicher oder gar sehr unsicher an. Das gilt vor allem für die mit den geringeren Einkommen.


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global news 1318 05-12-08: Immer weniger Neuzulassungen
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Im November ist die Neu-Zulassung von PKW in Deutschland um 17,6 im Vergleich zum Vormonat eingebrochen. Damit bleibt der Trend negativ (Abb. 14061, 04789).



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global news 1317 03-12-08: Chronische Unterinvestition und Übersparnis in Deutschland
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Schon in ihrem Monatsbericht vom März 2006 verglich die Bundesbank die Ersparnis der deutschen Volkswirtschaft mit den Nettoinvestitionen (Bruttoanlageninvestitionen minus Abschreibung) und warnte vor einer Unterinvestition in Deutschland. Die Investitionen haben sich zwar seitdem etwas erholt, doch ist die Ersparnis viel mehr gestiegen (Abb. 04583). In den fünf Jahren seit 2003 summierte sich die deutsche Ersparnis auf 897 Mrd Euro, während nur 352 Mrd Euro in die Nettoinvestionen gingen, ein Überhang an nicht in Investition umgesetzter Ersparnis von 545 Mrd Euro.


Ähnlich ist aus den Daten des Internationalen Währungsfonds zu entnehmen, wie stark seit der Jahrtausendwende die Differenz zwischen Ersparnis und Investitionen als Anteil an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung von -1,7 % auf 7,6 % gesprungen ist, kumuliert seit 2003 eine ähnliche Größenordnung von 589 Mrd Euro (Abb. 14590).


Diese Entwicklung lief seit 2003 ziemlich parallel zu dem sich aufbauenden Unterschied zwischen der Entwicklung der Unternehmens- und Vermögenseinkommen einerseits und des Arbeitnehmerentgelts andererseits (Abb. 14589). Preisfrage: Wieviel an den rund 0,6 Billionen Euro Übersparnis ist auf den Finanzmärkten gelandet?


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.