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(1316) Einzelhandelsumsatz weiter im Sinkflug

(1315) Expandierende Ersparnisse als eine der wichtigsten Quellen des Finanz-Casinos

(1314) Die Währungskrise naht: Laßt den Exportfanatismus fahren und endlich die Löhne und Sozialleistungen steigen und die MWSt fallen!

(1313) Wirtschaftsaussichten der Exportmatadoren Deutschland und China in der globalen Krise

(1312) Arbeitsmarkt im November: Das letzte immer schwächere Hurra vom Arbeitsmarkt

(1311) ILO: Größte Entwicklung der Lohnspreizung in Deutschland

(1310) Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal

(1309) Erwartungen der Wirtschaft auf tiefstem Stand seit Beginn der ifo-Messungen vor 17 Jahren

(1308) Das Fehlen eines deutsche Konjunkturpakets schädigt die Nachbarn und wird zum Bumerang

(1307) MWSt auf 15 %, Banken verstaatlichen und Solidaritätssteuer

(1306) Die Unternehmensfinanzierung wird immer enger

(1305) Hallo aufwachen! Die Weltwirtschaftskrise II ist da!

(1304) Krisen-Barometer: Rekord-Minuswerte bei Dow und Dax

(1303) Die soziale Unzufriedenheit wächst

(1302) Wirtschaftskrise: Nun ist auch der deutsche Mittelstand dran

(1301) Auch eine unsoziale Hilfe für Besserverdiener: Umschichtung von Steuern in Beiträge

(1300) Das Statistische Bundesamt, die Medien und die Beschäftigungsstatistik

(1299) Im globalen Freiverkehrsmarkt ausstehende spekulative Finanzwetten klettern auf das 50-Fache der US Wirtschaftsleistung

(1298) Auch die offenen Stellen nehmen weiter ab

(1297) Industrielöhne fallen weiter: Das beste Anti-Konjukturprogramm

(1296) Was soll der G20-Gipfel?

(1295) Falsche Politik: Deutschlands Wirtschaft stürzt besonders steil ab

(1294) Falschspieler im Weltwirtschaftssystem

(1293) Wirtschaftskrise: Die europäischen Regierungen haben so ziemlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war

(1292) Die Medien und die Konjunktur-Fata Morgana

(1291) Noch ein Krisenfeld: Schwellenländer-Schulden

(1290) Wie wird die Kapitalstärke der Banken gemessen und überwacht?

(1289) Gewerbliche Wirtschaft: Nach Rückgang bei den Aufträgen nun auch bei Produktion und Umsatz

(1288) Jetzt lassen uns die Banken mit unserem Echtgeld für ihr Falschgeld zahlen

(1287) Obama: "USA mit größter Wirtschaftskrise unseres Lebens konfrontiert"

(1286) Stimmungmache mit Einmonatsergebnis bei Export

(1285) Weltwirtschaftskrise führt zu starkem Auftragseinbruch

(1284) Fieberkurven der Finanzmarktkrise (1)

(1283) Die drei Hauptaufgaben für eine neue Weltwirtschaftsordnung

(1282) Von der Seuche der Leiharbeit




global news 1316 02-12-08: Einzelhandelsumsatz weiter im Sinkflug
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Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes setzte der Einzelhandel in Deutschland im Oktober 2008 nominal 0,9% mehr und real 1,5% weniger um als im Oktober 2007. Allein im September und Oktober ist er um 2,6 % gesunken, was einer Jahresrate von fast 16 % entspricht (Abb. 04943).


Das ist eigentlich kein Wunder, nachdem sich die Arbeitseinkommen nach Kaufkrafteinheiten in Deutschland unter 19 Vergleichsländern am Schlechtesten entwickelt haben (Abb. 13554, die Abbildung kann nicht Irland mit 76 %, Luxemburg mit 57 % und die Schweiz mit 35 % Steigerung seit 2000 zeigen) und sich die Krisenmeldungen häufen.


Nach dem renomierten Markit/BME Einkaufsmanager Index hat sich die Talfahrt der deutschen Industrie im November nicht nur rasant beschleunigt, die Wachstumseinbußen waren sogar die höchsten, die jemals von der monatlichen Umfrage unter über 500 Industrie-Einkaufsmanagern gemessen wurden. Der Index entfernte sich so weit von der neutralen Wachstumsmarke von 50 wie noch nie seit Beginn der Umfrage im April 1996 (Abb. 14583).


Auch bei Produktion und Auftragseingang ging es noch stärker bergab als im Oktober, was neue Umfragetiefs bei den jeweiligen Teilindikatoren nach sich zog. Die Branchenakteure drosselten ihre Produktion den vierten Monat in Folge, wobei der Rückgang insgesamt stark ausfiel. Hauptverantwortlich dafür war der überwiegenden Mehrheit der Befragten zufolge der dramatische Nachfrageeinbruch. So kam es im November sogar zum höchsten Auftragsminus seit Beginn der Datenerhebung. Auch bei den Exportbestellungen schlugen Rekordausfälle zu Buche. Tim Moore, Ökonom bei Markit Economics, Kommentiert: "Die aktuellen EMI-Daten sind schlicht und einfach schockierend. Sie zeigen, dass die Industrieproduktion innerhalb weniger Monate vom Wachstumskurs abgekommen ist und mit zweistelliger Rate schrumpft. Es scheint, dass der November-Abschwung so steil ausfällt wie zuletzt 1993, und die Schwäche beim Auftragseingang deutet darauf hin, dass es noch schlimmer kommen könnte."

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau heute mitgeteilt, die Aufträge aus dem Ausland seien im Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19% gesunken (die Auslandsaufträge sorgen für etwa 75% des Gesamtgeschäfts). Im Inland sanken die Aufträge um etwa 10%. Insgesamt sei dies die schlimmsten Auftragseinbußen seit sechs Jahren. Der Maschinenbau-Sektor ist mit über 950.000 Mitarbeitern im Inland und einem Umsatz von ca. 190 Milliarden Euro einer der wichtigsten deutschen Industriezweige.

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global news 1315 01-12-08: Expandierende Ersparnisse als eine der wichtigsten Quellen des Finanz-Casinos
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Die Brutto-Sparquote der Welt von Unternehmen und Haushalten, die bis dahin zurückging, ist in den nur fünf Jahren seit 2003 um etwa 4 Prozentpunkte des Weltsozialprodukts auf über 24 % stark angesprungen (Abb. 03826). Damit wurde ein zusätzliches Sparkapital von kumuliert 52 Billionen Dollar verfügbar, das - soweit es nicht unter dem Kopfkissen landete - seinen Weg in die Finanzwirtschaft gefunden hat (Abb. 03825) - wohin denn sonst?



Das war mehr als genug, um nicht nur solide Sparkonten aufzulegen und ebenso solide Staatspapiere zu kaufen und Aktiensparen zu betreiben, sondern auch noch sehr viel direkt oder in der Regel mit Einschaltung von Banken für spekulative Zwecke im Finanzkasino abzuzweigen. Auch die Betriebsrenten, vor allem in den angelsächsischen Ländern, wurden von den Pensionsfonds ins Casino getragen. Der amerikanische Markt für Subprime z.B. wurde zum Beginn der Krise auf etwa 1,3 Billionen Dollar geschätzt. Unterstellt, daß die Hälfte davon um den Globus herum gehandelt wurde, war es durchaus eine Größenordnung, in der sich ein entsprechendes Teilchen des gewaltigen Sparkapitals verlieren konnte. Jedenfalls konnte die Verschuldung der Banken bei Nicht-Banken von zuletzt 11 Billionen Dollar bequem aus den 52 Billionen Dollar Weltsparkapital (brutto) allein seit 2003 ermöglicht werden. Auch in Deutschland sprang die Ersparnis der Volkswirtschaft seit 2003 enorm nach oben, also in der gleichen Periode in der die Kreditblase global entstand (Abb. 14587).


Wo kam das Sparkapital her? Das meiste, nämlich mehr als 34 Billionen 2003/07 kumuliert kommt aus den reichen Industrieländern, und die Differenz von je knapp 9 Billionen aus den asiatischen Entwicklungsländern, vor allem China, und den restlichen Ländern der Welt (Abb. 03827, 03828).



Sowohl in den reichen Industrieländern wie in China öffnete sich die soziale Einkommens-Schere in dieser Periode enorm und zwar sowohl zwischen Arbeitseinkommen und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen wie auch zwischen den oberen Schichten der Arbeitseinkommen und den unteren. In USA ist das sehr deutlich (Abb. 05105). Das zeigt auch die amtliche deutsche Statistik, in der ebenfalls 2003 das Umbruchjahr war, von dem an alles auseinanderlief (Abb. 04054, 14523). Die Jahre seit 2003 sind übrigens derselbe Zeitraum, in dem sich die riskanten Finanz-Anlagen immer höher auftürmten. Auch das sicher kein Zufall. Dabei ist schon seit Jahren in Deutschland statistisch nachgewiesen, daß die oberen Einkommensgruppen viel höhere Anteile an ihren ohnehin hohen Einkommen sparen (Abb. 04026).





Daneben hat die Kreditblase auch andere Quellen gehabt. Für eine umfassende Darstellung siehe den neuen Schwerpunkt „Wo kam das Geld fürs Casino her?".

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global news 1314 29-11-08: Die Währungskrise naht: Laßt den Exportfanatismus fahren und endlich die Löhne und Sozialleistungen steigen!
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Nachdem die angelsächsischen Führungsmächte des neoliberalen Kurses in der Krise ihre Rettung deutlich auf einem wenigstens vorübergehend neuen Kurs suchen, ist Deutschland (neben China) das letzte noch voll neoliberal aufgestellte größere Land. Hofft man nun in der deutschen Politik, daß die anderen mit ihren Konjunkturprogrammen auch den deutschen Export wieder flott machen und bei uns alles so weitergehen kann wie bisher? Wer das in Deutschland glaubt, hat die Dimensionen aus den Augen verloren, wenn er sie jemals in denselben hatte. Hier die Fakten:

1. Die USA als bei weitem weltgrößte Volkswirtschaft hatten im vergangenen Jahr einen privaten Konsum ihrer rund 300 Millionen Menschen, der einem Fünftel der gesamten Weltwirtschaftsleistung von mehr als sechs Milliarden Menschen entsprach. Angetrieben von diesem Verbrauch nahm das Handelsbilanzdefizit pro Jahr auf über 700 Mrd Dollar zu (Abb. 302). Wenn der Verbrauch der überwiegend stark verschuldeten amerikanischen Haushalte in den nächsten Jahren auch nur um 10 % zurückgeht, so muß das einen tiefen Einschnitt in der Wirtschaft der Länder hinterlassen, die wie China, Japan und Deutschland bisher die Überschüsse mit USA aufgebaut haben.


2. Die USA und Großbritannien nahmen im vergangen Jahr als nach Frankreich größte deutsche Absatzmärkte 15 % des deutschen Exports auf. Beide Länder versuchen derzeit, durch enorme zusätzliche Liquidität das Schlimmste der Krise zu vermeiden. Seit Mitte September hat die Fed in nur wenigen Wochen bis 19. November die Bilanzsumme durch Aufkauf von meist zweifelhalften Wertpapieren und entsprechender Ausgabe von Dollar auf mehr als 2,2 Billionen Dollar mehr als verdoppelt (Abb. 05116). Nun kommen noch einmal 0,8 Billionen Dollar aus dem am Dienstag angekündigten Kauf von Hypotheken- und sonstigen Kreditpapieren drauf. 3 Billionen Dollar sind schon 21 % der gesamten derzeitigen amerikanischen Wirtschaftsleistung eines Jahres.


In Großbritannien wird ein Konjunkturprogramm aufgelegt, das mit staatlichen Ausgaben und Steuersenkungen zu einer starken Verschuldung des Landes wird. Im Ergebnis ist abzusehen, daß es beiden Ländern zwar gelingen mag, ein völliges Wegbrechen der Nachfrage ihrer privaten Haushalte zu vermeiden. Doch wird dies nur um den Preis einer starken Abwertung ihrer Währungen möglich sein. Im Ergebnis wird der deutsche Export also von diesen Programmen eher zusätzlich negativ betroffen sein. Die USA werden sicher die gigantische Liquidität nicht hochfahren, um dem deutschen Export zu helfen. Wer darauf in Deutschland baut, versteht nichts von Wirtschaft.

3. Wenn es - wie zu erwarten - zu einer starken Währungskrise kommt, werden sich auch die anderen Nicht-Euro-Länder im Schatten des Dollars halten. Das gilt erst recht für China, das seine Währung ohnehin manipuliert. Deutschland wird dann nur im Euroraum nicht direkt betroffen sein. Der nimmt allerdings gerade einmal 42 % des deutschen Exports auf, und hier werden wir in der Krise auch noch kompensatorischen Beistandspflichten ausgesetzt sein. Schon jetzt sacken die Aufträge der deutschen Industrie stärker als als bei den anderen Ländern der Alt-EU weg (Abb. 04732).


Bisher haben die Bundesregierungen im Interesse der Exportwirtschaft alles getan, um den Export zu fördern, und dafür die Löhne und die Massennachfrage der privater Haushalte gedrosselt: von der Ablehung von Mindestlöhnen und der Förderung schlechtbezahlter Zeitverträge bis zur drastischen Erhöhung der Mehrwertsteuer zum denkbar falschen Zeitpunkt. Damit einher ging die jahrelange Nichtanhebung der Sozialrenten und Sozialleistungen. Die Anhebung der Mehrwertsteuer hat im übrigen einseitig die Importe, nicht aber die Exporte verteuert und wirkte damit trotz der gewaltigen deutschen Überschüsse wie eine Abwertung.

All dies macht Deutschland nun haargenau zum Hauptleidtragenden einer globalen Währungskrise. Sieht denn niemand in Berlin die Lawine heranrollen?

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global news 1313 28-11-08: Wirtschaftsaussichten der Exportmatadoren Deutschland und China in der globalen Krise
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Beide Länder haben in ihrer Wirtschaftsstrategie starke Ähnlichkeiten, weil sie beide auf Export gesetzt haben und dies mit einer sehr verhaltenen bis negativen Lohnentwicklung zu Lasten des Binnenkonsums geschehen ist. Bei China ist diese Situation gemessen am Bruttoinlandsprodukt sehr deutlich (Abb. 05115). So leiden nun beide Länder unter dem Exporteinbruch, ohne eine Kompensation durch die Binnenkonjunktur zur Hand zu haben.


Für Deutschland sagt die OECD für 2009 mit minus 0,8 % eine der schlechtesten Wirtschaftsentwicklungen im OECD-Raum voraus (Abb. 13551). Dabei wird vor allem die Arbeitslosigkeit stärker als in den meisten anderen Ländern auf 8,6 % im Jahre 2010 steigen (Abb. 13552). Das entspricht einem Anstieg um fast eine halbe Million.



Daß Deutschland wegen seiner extremen Exportabhängigkeit doppelt getroffen wird, zeigen auch die europäischen Vergleichsdaten der Industrieaufträge von Eurostat für September (Abb. 04732).


Bei China verkürzt sich schon jetzt der Zuwachs sowohl des Bruttoinlandsprodukts wie vor allem der Industrieproduktion (Abb. 05113). Das Weltbankbüro in Peking erwartet für 2009 eine starke Abschwächung des Exportwachstums (Abb. 05114) und einen Rückgang des gesamten Wirtschaftswachstums von noch 11,9 % im vergangenen Jahr auf nur noch 7,5 %. Während der Rückgang bisher vor allem von einem Nachgeben des privaten Verbrauchs kommt, wird er in Zukunft von der schwächeren Exportentwicklung angetrieben werden.



Beide Länder sind wegen ihrer einseitigen Exportabhängigkeit und schwachen Binnenkonjunktur ausgesprochen schlecht auf die globale Krise vorbereitet. Anders als Deutschland kann China allerdings die gewaltigen Währungsreserven zur Abfederung einsetzen und auch in der Krise auf die Wettbewerbsfähigkeit seiner Billigware bauen. Daher soll der chinesischen Export auch im kommenden Jahr um 3,5 % steigen, während die OECD für Deutschland nur noch ein schwaches Exportwachstum von 0,7 % erwartet.

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global news 1312 28-11-08: Arbeitsmarkt im November: Das letzte immer schwächere Hurra vom Arbeitsmarkt
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Das statistische Eis, auf dem bisher immer die Bundesregierung und die meisten Medien mit ihren weit übertrieben optimistischen Botschaften vom Arbeitsmarkt tanzten, wird immer dünner und immer manipulativer. Trotz vieler „Bearbeitungen" der Statistik - nur noch wenig mehr als die Hälfte der Arbeitslosengeldzieher werden als arbeitslos registriert - lassen sich die Schwächen der Arbeitsmarktentwicklung nicht mehr verdecken. Gegenüber Oktober fiel der Beschäftigungsaufbau auf unter 0,1 % (Abb. 14041), der Abbau der Arbeitslosigkeit auf nur noch 0,3 % (Abb. 04772), also praktisch Stagnation an beiden Fronten.



Niemand verrät uns auch, daß rund ein Drittel des gemeldeten Beschäftigungsaufbaus auf unsichere zeitlich befristete und schlechter bezahlte Leiharbeit entfällt. Aus den Einzelzahlen der Bundesagentur für Arbeit muß man sich das aus dem Kleingedruckten erst mühsam herausrechnen. Offensichtlich bereiten sich die Arbeitgeber mit mehr Zeitvertragsarbeit bereits seit einiger Zeit auf rasche Entlassungen vor. Der gesamte Abbau an Arbeitslosigkeit über das vergangene Jahr ist schon durch Anstieg von Leiharbeit, von versicherungspflichtiger Arbeit mit der Notwendigkeit von Nebenjobs und durch die demographische Entwicklung zu erklären (allein auf die Demographie entfällt drei Viertel des Rückgangs im November gegenüber Oktober). Mit fallender Tendenz werden nur noch 53 % der Empfänger von Arbeitslosengeld als arbeitslos registriert.

Der gemeldete Stellenbestand geht bereits seit Beginn letzten Jahres zurück (Abb. 14133).


Seit vielen Monaten übertrifft nun die Zuwachsrate der Leiharbeit die der Erwerbstätigkeit insgesamt bei Weitem (Abb. 14527).


Immer weiter klaffen die Zahlen der Arbeitslosen und der Arbeitslosengengeldempfänger auseinander, von denen nur 53,5 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


Auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 2. Quartal 2008 verzeichnet Deutschland den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen in den Alt-EU-Ländern. Auch sonst landet im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit im unteren Mittelfeld auf Platz 14 von 18 und unter dem Durchschnitt der Alt-EU (Abb. 04068).


Einen ausführlichen Bericht bringt der neue Schwerpunkt: Arbeitslos im November.

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global news 1311 27-11-08: ILO: Größte Entwicklung der Lohnspreizung in Deutschland
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Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hat heute ihren Globalen Lohn-Bericht 2008/09 herausgebracht. In der Periode 2001-07 sei die Inflation niedrig und das Wirtschaftwachstum mit real 4 % hoch gewesen. Dabei seien die Löhne weltweit jedoch nur um 1,9 gestiegen und das trotz der starken Entwicklung in Osteueropa. Jedes 1 % Wirtschaftswachstum pro Kopf hätte sich durchschnittlich nur mit einer Lohnsteigerung von 0,75 % umgesetzt. In jüngster Zeit sei der Abstand noch größer geworden. Dieser Trend sei im Zusammenhang mit wachsender Wirtschaftsintegration und internationaler Bewegung von Menschen, Gütern, Dienstleistungen und Kapital eingetreten.

Damit einhergegangen sei eine Senkung der Lohnquote am Bruttoinlandsprodukt. Jeder BIP-Zuwachs von 1 % hätte eine Absenkung der Lohnquote um 0,05 % gebracht. Die Absenkung war noch stärker in Ländern mit größerer Offenheit zum internationalen Handel, weil die einen Deckel auf Lohnforderungen wegen der Angst von Jobverlusten durch Importe gesetzt hätte. In Deutschland ist die Lohnquote besonders stark zurückgegangen (Ann. 13549).


Auch hätte in zwei Dritteln aller Länder die Ungleichheit der Löhne zugenommen. Deutschland hatte dabei die stärkste Spreizung der Löhne, vor allem in der unteren Hälfte der 10 Zehntel, d.h. zwischen dem 5. Zehntel in der Mitte und dem 1. Zehntel am unteren Ende (Abb. 13550).


Die Ermittlungen der ILO zeigen auch die Abhängigkeit der Lohnspreizung von dem Ausmaß an kollektiven Lohnabschlüssen (Abb. 13548). So haben Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande und Schweden sowohl eine hohe Bindung an Tarife wie auch eine geringe Lohnungleichheit. Dagegen ist die Lohnungleichheit bei Großbritannien und Deutschland höher und die Tarifbindung niedriger.


Nach Einschätzung der ILO wird sich die Lage vieler Arbeitnehmer mit dem globalen Abschwung verschlechtern, besonders für Haushalte mit Niedriglöhnern und ärmere Haushalte. Aber in vielen Ländern werden auch die Mittelklassen leiden.

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global news 1310 26-11-08: Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal
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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal 2008 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, kam es zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um mehr als 0.5 % gegenüber dem 2. Quartal , was einer Jahresrate von minus 2,1 % entspricht. Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine bei einem sehr knappen Plus von 0,26 % gegenüber Vorquartal (und einem Minus von 0,8 % gegenüber Vorjahr) stagnierende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 0,4 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal im negativen Exportsog auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 0,5 % schalteten (Abb. 14520). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen.


Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2007 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.



Die Nettolöhne und -gehälter stagnierten im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise bei 0,8 % und gingen je Arbeitnehmer sogar um 1,2 % zurück (Abb. 04054). Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 5,1 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (nach Abzug der BIP-Inflation zu 80 % und der Verbraucherpreisinflation zu 20 %) um 40 % expandiert sind.


Angesichts der auch im vierten Quartal bisher zu verzeichnenden Abwärtsentwicklung in der gewerblichen Wirtschaft, im Einzelhandel, bei den PKW-Zulassungen und am Bau wird sich die negative Entwicklung für den Rest des Jahres und erheblich verstärkt im kommenden Jahr fortsetzen. In ihrer halbjährlichen Wirtschaftsprognose erwartet die OECD, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland bis 2010 um 700.000 Menschen ansteigen wird. Sie sieht Deutschland im kommenden Jahr in einer tiefen Rezession. Die deutsche Ökonomie werde insbesondere durch die starke Abhängigkeit seiner Wirtschaft von Exporten "hart getroffen" und deshalb 2009 um 0,9 Prozent schrumpfen.

Eine ausführliche Darstellung mit vielen Schaubildern enthält der neue Schwerpunkt zum 3. Quartal.

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global news 1309 24-11-08: Erwartungen der Wirtschaft auf tiefstem Stand seit Beginn der ifo-Messungen vor 17 Jahren
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Aus dem ifo-Bericht von heute: „Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im November markant verschlechtert. Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr. Damit reduzieren die Unternehmen nun seit sechs Monaten ununterbrochen ihre Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf. Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima beträchtlich abgekühlt. Die Unternehmen berichten von einer klar ungünstigeren Geschäftssituation im November. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr sind sie wiederum merklich skeptischer. Das Exportgeschäft wird sich ihrer Ansicht nach beschleunigt abschwächen, den Personalbestand wollen sie reduzieren."

Der Index der Erwartungen an die Konjunktur fällt in der Tat wie ein Stein und tiefer als je gemessen (Abb. 14584).


Die Konjunkturerwartung der deutschen Verbraucher fiel nach Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung auf den niedrigsten Wert seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebungen im Jahre 1991 (Abb. 04917).


Auch der renomierte Markit Deutschland Composite Index Produktion sackt immer schneller ab und notierte im November auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Januar 1998. Der Index zeichnet ziemlich genau die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts vor und deutet jetzt auf ein Minus von 2 % und mehr hin (Abb. 14583).


Gut ein Drittel der Firmen plant jetzt schon den Abbau von Arbeitsplätzen, wie aus der neuen Herbst-Konjunkturumfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Die Zahl der Arbeitslosen wird demnach im Jahresdurchschnitt um 190.000 auf annähernd 3,5 Millionen steigen. Aber vielleicht auch sehr viel mehr.

Endlich teilt auch der sonst immer überoptimistische Bundeswirtschaftsminister die Skepsis in einer internen Lageanalyse: „Wir stehen vor einer Rezession der Weltwirtschaft, wie wir sie in Tiefe und Breite seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Der Abschwung ist global und birgt die Gefahr einer Selbstverstärkung". Glos sieht die größte Krise seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland kommen.

Die Gefahr ist in der Tat die Selbstverstärkung. Viele der fast 1 Million Jobs auf Basis von Zeitverträgen und viele andere werden jetzt wegfallen. Die Angst vor Arbeitslosigkeit wird viele Verbraucher auch dann nicht zum Einkaufen ermutigen, wenn die Einkommens-Steuern gesenkt werden, zumal ein großer Teil ohnehin keine oder nur wenige Einkommenssteuern zahlt. Eher könnte schon eine drastische Absenkung der MWSt, wie jetzt in Großbritannien, helfen, zumal sie sehr schnell wirkt.

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global news 1308 24-11-08: Das Fehlen eines deutsche Konjunkturpakets schädigt die Nachbarn und wird zum Bumerang
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Indem Deutschland nichts zur Ankurbelung des privaten Verbrauchs tut, schädigt Deutschland auch seine traditionellen Lieferanten in Europa. Das gilt vor allem für die osteueropäischen Beitrittsländer, für die Deutschland der bei Weitem größte Auslandsmarkt ist. Stiegen die Einfuhren von dort noch bis Ende letzten Jahres, so stagnieren sie seitdem selbst mit nominalen Werten und dürften sich real bereits zurückentwickeln (Abb. 03822).


Eine solche Entwicklung wird angesichts der Abhängigkeiten zum Bumerang. Sie trifft den deutschen Export in diese Region und auch die Kreditbeziehungen. Schon jetzt muß die EZB einige der Beitrittsländer über Wasser halten. So beschloß die EZB am 16. Oktober einen Kredit an die Ungarische Nationalbank von 5 Mrd Euro. Wie prekär die Lage bereits geworden ist, zeigt der enorme Unterschied in den Renditen auf Staatsanleihen gegenüber denen der Bundesrepublik Deutschland, die als relativ sicher gelten (Abb. 03821). Der Graben baut sich derzeit nicht nur mit Osteueropa, sondern auch mit Südeuropa auf. Selbst Österreich muß Strafzinsen zahlen, weil das Land als von Osteueropa besonders abhängig gilt und seine Banken dort als stark engagiert gelten.


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global news 1307 23-11-08: MWSt auf 15 %, Banken verstaatlichen und Solidaritätssteuer
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Bundeswirtschaftsminister Glos noch vor drei Monaten: „Durch die Anpassungsleistung der Betriebe und Arbeitnehmer sowie die wirtschafts- und finanzpolitischen Reformen, hat sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken und Belastungen ein gutes Stück verbessert." Derselbe heute: „Größte Krise seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland". Tatsächlich sackt der renomierte Markit Deutschland Composite Index Produktion immer weiter ab und notierte im November auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Januar 1998. Er signalisierte damit eine drastische Beschleunigung des Abwärtstrends der deutschen Privatwirtschaft gegenüber Oktober. Die Vorabschätzung basiert auf rund 85% der monatlichen Umfragerückmeldungen. Der Index zeichnet ziemlich genau die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts vor und deutet jetzt auf ein Minus von 2 % (Abb. 14583). Doch was tut die Bundesregierung dagegen? So gut wie nichts.


In Großbritannien soll die MWSt auf 15 % gesenkt werden. Das wäre auch für Deutschland der richtige Schritt. Die starke Anhebung der MWSt um drei Prozentpunkte in 2007 hat vor allem die Kaufkraft der Normal- und Geringverdiener sowie Sozialrentner getroffen, weil die relativ hohe Anteile ihres Einkommens in den MWSt-pflichtigen Verbrauch einsetzen (Abb. 04110). Das gewaltige Abrutschen des privaten Verbrauchs im Jahre 2007 zeigt die Folgen (Abb. 14582). Das sollte jetzt dringendst zurückgedreht werden.



Die Gegenfinanzierung kann durch eine Solidaritätssteuer auf hohe Einkommen derer stattfinden, die eh schon alles oder fast alles haben und daher auf besonders hohen Sparquoten sitzen (Abb. 04026). Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer wurde von 53 % im Jahre 1999 auf heute nur noch 42 % abgesenkt (ohne Soli und Reichensteuer); ab 1 Million Euro Einkommen geht der durchschnittliche Steuersatz sogar zurück (Abb. 04911). Auch das sollte zurückgedreht werden.



Das Rettungspaket der Banken stellt sich immer mehr als halbe Lösung heraus. Neben der Commerzbank hat bisher keine Privatbank davon Gebrauch gemacht. Statt dessen versuchen die Banken, durch Kreditbremsen auch gegenüber dem deutschen Mittelstand ein besseres Eigenkapitalverhältnis zu erreichen. Wenn selbst der Bundespräsident die Banken anbettelt, den Mittelstand nicht im Stich zu lassen, wird es schon komisch. Gegenwärtig können sich Unternehmen bei immer noch fallenden Kursen weder über Aktien finanzieren, noch können sie es über Bonds (festverzinsliche Papiere). Denn vor den Bondmärkten haben die Regierungen praktisch ein Umleitungsschild zu den Banken aufgestellt, die sie - anders als Anlagen bei Unternehmen - zu absolut "sicheren Häfen" erklärt haben. Und so trocknen die Bondmärkte unter den hilflosen Augen der europäischen Regierungen, auch der Bundesregierung, derzeit aus. Das Volumen an noch ausstehenden Unternehmensbonds fiel in Europa um mehr als 13 % allein seit Anfang Oktober. Der Versicherungsaufschlag, wenn man sich gegen den Ausfall von Bonds durch Unternehmenspleiten versichern will, turnt weiter in gespenstischen Höhen von fast 8 % über Normal und zeigt die Kalamität dieses Finanzierungsweges der Unternehmen sehr deutlich auf (Abb. 03636). Hier hilft nur noch die zeitweise Verstaatlichung der privaten Banken.


Sie dazu neuer Schwerpunkt: Deutsche Wirtschaftspolitik: Volle Fahrt in die Krise - Katalog der 10 größten Sünden.

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global news 1306 22-11-08: Die Unternehmensfinanzierung wird immer enger
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Nicht nur der Versicherungsaufschlag für Unternehmensanleihen unterhalb Investmentgrad hängt in Europa mit fast 10 % in Rekordhöhen (Abb. 03636), auch Hypotheken für kommerzielle Immobilien fahren derzeit besonders schlecht. John Mauldin beschreibt die Lage sehr gut in seinem wöchentlichen Newsletter. Der in USA vom Markt geforderte Zinsaufschlag bei CMBS (Commerical Mortgage Backed Securities) gegenüber 10-Jahres-Staatspapieren lag noch im Mai bei 2 % und stieg für Investmentgrad Papiere inzwischen auf 6,7 % (Abb. 03M1). Das entspricht einem Wertverlust von etwa 30 % und etwa 70 % für die weniger wertvollen Segmente unterhalb AAA.



Das niedrigst bewertete Segment (BB5) verlangt nun 48 % Zins (Abb. 03M2). Ein ursprünglich geplanter neuer Index für neue CMBS ist jetzt verschoben worden, weil die Banken, die solche Hypotheken gewähren, sie nur mit prohibitiven Preisabschlägen am Markt unterbringen könnten. Größere Kredite auf kommerzielle Immobilien sind praktisch zum Erliegen gekommen.


Bei Unternehmensanleihen muß auf die riskanten inzwischen fast 20 % Zins gezahlt werden. Versicherung dafür ist kaum mehr zu haben. Weniger gut positionierte Unternehmen müssen also Zinsen zahlen, die sie derzeit gar nicht erwirtschaften können. Der Ausweg läuft dann nur über Kostensenkung und Personalabbau. In dieser Lage erwartet Goldman Sachs für die USA nun einen 5 % Rückgang an Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal und eine bis zum 4. Quartal 2009 auf 9 % ansteigende Arbeitslosenrate.

Die Lage in Europa und Deutschland wird nicht viel besser sein können. Immer mehr Unternehmen wird schon wegen der sich verschlechternden Absatzaussichten der ohnehin verengte Kredithahn weiter zugedreht werden. Mit einem Plädoyer an die Banken, wie es der Bundespräsident versucht, wird das nicht zu verhindern sein. Die Banken selbst werden durch die Entwicklung zu immer mehr Abschreibungen gezwungen werden. Die Spirale kann sich nur weiter nach unten drehen. Die Bundesregierung scheint nicht zu begreifen, was da gerade auf das extrem exportabhängige Deutschland zurollt.

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global news 1305 22-11-08: Hallo aufwachen! Die Weltwirtschaftskrise II ist da!
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Es wird langsam schwierig, noch gute Nachrichten zu finden. Nur die deutsche Politik scheint einen guten Schlaf zu schlafen. Die Financial Times beginnt den Kommentar in ihrer heutigen internationalen Ausgabe mit dem Satz: "Deutsche Politiker haben ihre Köpfe fest im Sand begraben". Deswegen hier ein bißchen Material von heute zum Aufwachen.

In USA stieg nach amtlicher Statistik von gestern die Zahl der Anspruchsteller für Arbeitslosentgeld auf fast 70 % über Vorjahresdurchschnitt und den höchsten Wert seit mehr als 25 Jahren (Abb. 05112).


In China müssen immer mehr Exportbetriebe schließen. Die Arbeitslosigkeit in den Städten steigt, obwohl die nach 10-Millionen geschätzten Wanderarbeitnehmer grundsätzlich nicht als arbeitslos gezählt werden. Minister Yin Weimin hat jetzt die gegenwärtige Arbeitsmarktsituation als "grimmig" bezeichnet und weiter verschlechternd.

In vielen Ländern, vor allem USA, deuten die starken Einbrüche bei den Preisen (vor allem Öl und Rohstoffe, Abb. 07198), darauf hin, daß es jetzt zu einer Deflation kommen kann. Solche Situationen, wie sie z.B. Japan zehn Jahre lang erlitten hat, halten immer sehr lange an, zumal die Zentralbanken mit ohnehin abgesenkten Zinsen am Ende ihres Lateins sind. Hinzu kommt, daß wegen der von den Zentralbanken erzeugten enormen Liquiditätsschwelle die Zinspolitik der Zentralbanken immer weniger zu kontrollieren ist. So liegt derzeit in USA die effektive Zinsrate bereits um 0,6 % unter der offiziellen und damit nahe 0 %. Auch in Japan war eine Immobilien- und Bankenkrise der Auslöser und konnte die Zentralbank mit Zinssenkungen jahrelang nicht mehr helfen. Bei einer ausufernden Deflation sind die Preissenkungen so stark, daß sie die realen Schulden, die sich umgekehrt bei Inflation entwerten, hochtreiben. Dies wird bei ohnehin hohen Schuldenlasten, wie derzeit, eine sozial und wirtschaftlich enorme Belastung. Es kommt dann zu einer Spirale nach unten, in der auch die Absatzmärkte immer mehr wegbrechen.


Die USA und China sind wichtige deutsche Exportmärkte, neben anderen von Rußland bis zum Golf, die wegen der stark abstürzenden Ölpreisen nun ebenfalls in die Krise kommen, oder anderen in Europa, die schon drin sind. So rächt sich die steil gestiegene deutsche Exportabhängigkeit bei miseralber Binnenkonjunktur (Abb. 13273).


An den Weltbörsen sind die finanziellen Institutionen, die normalerweise bei sinkenden Kursen mit Käufen zuschlagen, wegen ihrer bereits angesammelten Risiken gelämt. Verkaufspaniken werden nicht mehr kontrolliert. Das ständige Abrutschen des Dax steigt das sehr deutlich (Abb. 14580).


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global news 1304 21-11-08: Krisen-Barometer: Rekord-Minuswerte bei Dow und Dax
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Die Aktienkurse sind heute auf jahrlange Rekordminuswerte gerutscht. Seit Ausbruch der Krise im Sommer letzten Jahres fiel der amerikanische Dow- um 44 %, der deutsche Dax-Index um mehr als 47 % (Abb. 03712). Für den Dow ist es der tiefste Stand seit 11 Jahren, wobei das Jahr 2008 das schlecheste in seiner 80-jährigen Geschichte zu werden verspricht.


Die deutschen Bankenkurse stürzten noch mehr ab: Ackermanns Deutsche Bank um 86 %, die Commerzbank um 84 % (Abb. 03752). Da muß man schon von einer Börsenkrise sprechen, die starke Erinnerungen an 1929 weckt.


In dieser Lage werden die Unternehmen doppelt in die Zange genommen. Der Markt bricht weg, und gleichzeitig versiegen die Finanzierungsquellen für Investitionen, weil an die Ausgabe neuer Aktien nicht zu denken ist, auch Unternehmensanleihen am Markt kaum noch unterzubringen sind, was die irrsinnig hohen Versicherungsaufschläge von mehr als 9 % zeigen und andererseits die Banken auf der Kreditbremse stehen (Abb. 03636).


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global news 1303 21-11-08: Die soziale Unzufriedenheit wächst
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In Zusammenarbeit von Statistischem Bundesamt, Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen, Zentrum für Sozialindikatorenforschung und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ist jetzt der Datenreport 2008 vorgelegt worden, der als Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland bezeichnet wird.

Danach ist die Einkommensungleichheit in Deutschland weiter gestiegen (Abb. 14575).


Vor allem hat die Aufstiegsmobilität für die beiden unteren Einkommensfünftel über die Jahre erheblich nachgelassen (Abb. 14576).


Allein zwischen 2005 und 2006 fiel die Zufriedenheit mit der sozialen Sicherung im untersten Fünftel von 41 % auf nur noch 37 %, während sie beim obersten Fünftel auf 63 % zunahm (Abb. 14577).


Besonders unzufrieden sind die Deutschen mit der Sicherheit ihrer Renten. Nur 26 % glauben noch daran. Das ist bei weitem der niedrigste Wert aller Vergleichsländer. In Skandinavien z.B. liegt der Wert zwei- bis dreimal höher (Abb. 14578).


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global news 1302 20-11-08: Wirtschaftskrise: Nun ist auch der deutsche Mittelstand dran
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Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Mittelstand untersucht. Das Ergebnis zeigt, wie wenig sich auch mittelständische Unternehmen aus dem Sog der Krise heraushalten können. Sahen sich im März noch 54 % als gar nicht betroffen an, so sind es nun im November nur noch 28 %. Besonders hart trifft es die beiden deutschen Vorzeigebranchen Automotive (nur 7 %) und Maschinenbau (nur 22 %); siehe Abb. 14572.


Diese und andere Branchen registrieren bereits erheblich Auftragsrückgänge. Selbst bei den nicht international tätigen Unternehmen trifft es schon jedes fünfte (Abb. 14573). Die Studie weist zwar die Bauindustrie als noch relativ wenig betroffen aus, jedoch zeigt die heutige Veröffentlichung der Baugenehmigungen durch das Statistische Bundesamt einen Rückgang von 4 % bei den Genehmigungen für Wohngebäude im Zeitraum Januar bis September gegenüber Vorjahreszeitraum (Abb. 04925).



Mit 44 % wollen fast die Hälfte aller Unternehmen Investitionen zurückstellen und 15 % denken bereits an die Entlassung von Mitarbeitern (Abb. 14574).


Von den größeren Unternehmen mit Jahresumsätzen über 250 Millionen Euro berichten rund 35 Prozent über eine Verschlechterung ihrer Kreditkonditionen. Tatsächlich ist beispielsweise die Versicherungsprämie für riskante Unternehmensbonds auf eine kaum noch nachvollziehbare Rekordhöhe von fast 9 % gestiegen (Abb. 03636). Das erschwert nicht nur die Unternehmensfinanzierung über Anleihen sondern deutet auch die Erwartung des Marktes von stark steigenden Unternehmenspleiten an.


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global news 1301 20-11-08: Auch eine unsoziale Hilfe für Besserverdiener: Umschichtung von Steuern in Beiträge
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Seit Jahren wälzt die Bundesregierung Lasten von den Steuerzahlern rüber auf die durchschnittlich ärmeren Zahler von Beiträgen zur Kranken- oder Rentenversicherung. Das nützt vor allem den Steuerzahlern in den oberen Progressionsstufen, die so entlastet werden. Und es schädigt Menschen, die oft ohnehin kaum genug Einkommen zum Leben haben, und denen so Lasten aufgebürdet werden, die eigentlich der allgemeine Steuerzahler tragen müßte.

Das deutlichste Beispiel ist die Behandlung der Ost-Renten in der Rentenversicherung. Hier hat die Bundesregierung, unter maßgeblicher Rolle des heutigen Bundespräsidenten, die Versicherungszeiten der Ost-Rentner mit denen der Westrentner gleichgestellt und die zusätzlichen Lasten auf die Westrentner übertragen. Formal war in der DDR niemand arbeitslos und so bekamen die Ost-Rentner, vor allem Frauen, viel längere Versicherungszeiten angerechnet als im Westen. So kommen Männer im Westen im Schnitt auf 40 Beitragsjahre, im Osten aber auf 45 Jahre. Frauen in den alten Ländern haben bei Rentenbeginn 26 Beitragsjahre, Rentnerinnen im Osten dagegen knapp 38 Jahre auf dem Versicherungskonto. Nach Medienberichten über den vorab bekannt gewordenen neuen Rentenversicherungsbericht 2008 der Bundesregierung steigt das Minus in der Ost-Rentenkasse von 12,1 Milliarden Euro in diesem Jahr auf bis zu 18,8 Milliarden Euro im Jahr 2022. Das ist ein Anstieg um rund 55 Prozent in 15 Jahren. Von 2009 bis 2022 summiert sich der Zuschussbedarf auf 212 Milliarden Euro. Die Gerechtigkeit hätte geboten, entweder bei den Ostrenten einen Abschlag vorzunehmen oder aber die Differenz über das Steueraufkommen zu finanzieren. Doch die damalige Bundesregierung wollte eine Wiedervereinigung zum Nulltarif vorführen und sich dafür wählen lassen.

Ein weiteres Beispiel ist die gesetzliche Krankenversicherung. Nach einer Studie der Hans Böckler Stiftung hat sie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, für die sie eigentlich gar nicht zuständig ist. Wäre das nicht so, könnte der Beitragssatz von jetzt 14,9 auf 10,35 Prozent gesenkt werden. Die unberechtigte Mehrbelastung der Krankenversicherung soll bei 45,5 Mrd Euro liegen (Abb. 14570).


Das DIW hat in seiner Studie von 2005 „Gesamtwirtschaftliche Wirkungen einer Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen in der Sozialversicherung" die Summe aller versicherungsfremder Leistungen in der Sozialversicherung auf jährlich 83,7 Mrd Euro berechnet. Das ist der Saldo nach Bundeszuschüssen und entspricht 27 % der tatsächlichen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung im Jahre 2007 (Abb. 14571).


Das DIW kam zu folgendem Fazit: „Die Summe aller versicherungsfremden Leistungen entspricht dem Aufkommen von gut neun Beitragspunkten, d.h. die Beitragszahler werden in diesem Maße belastet, obwohl nicht nur sie für diese Aufgaben die Finanzierung zu übernehmen haben. Eine sachgerechte Finanzierung bietet somit einen erheblichen Spielraum für Beitragssenkungen bei Beibehaltung des Leistungsniveaus. Ein Ersatz von Beitrags- durch Steuerfinanzierung entspricht nicht nur dem Prinzip einer gerechteren Abgabenstruktur, sondern es würden damit auch die Fehler bei der Finanzierung der Kosten der deutschen Einheit korrigiert. Aus europäischer Sicht würde sich so die Abgabenstruktur dem „Standardmodell" europäischer Sozialstaatsfinanzierung annähren. Mit der Reduzierung der Beitragsfinanzierung versicherungsfremder Leistungen sinkt die Beitragsbelastung des Einzelnen, was die notwendige Akzeptanz vor dem Hintergrund in Zukunft steigender Alterslastquotienten erhöht. Die Lohnstückkosten und damit die Kosten für den Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit sinken, was die Beschäftigungschancen verbessert. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum wird angeregt."

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global news 1300 19-11-08: Das Statistische Bundesamt, die Medien und die Beschäftigungsstatistik
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Da meldet das Statistische Bundesamt heute: „Erwerbstätigkeit erreicht neuen Höchststand" und fügt noch hinzu: „Während aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aktuell eine konjunkturelle Abschwächung zu beobachten ist, verlief die Erwerbstätigkeit somit allen vorliegenden Erkenntnissen zufolge im Berichtsquartal insgesamt weiterhin günstig". Da steht keinerlei Fragezeichen für die Zukunft. Der Arbeitsmarkt erscheint seltsam abgekoppelt von der Realwirtschaft. So transportieren die Medien dann auch die Meldung wie eine Sensation in diesen sonst ziemlich trüben Zeiten. Allerdings ist es ein Wert für das ganze dritte Quartal also Juli bis September 2008. Leider hat das Amt dabei unterschlagen, daß es bereits die Werte für einzelne Monate bis September gemeldet hatte mit einer saisonbereinigten Veränderung von nur noch 0,0 % im September gegenüber August, so daß der Anstieg der Beschäftigung bereits innerhalb des dritten Quartals zum Erliegen gekommen war.

Teilt man die Entwicklung nach gewerblicher Wirtschaft und dem Rest auf, so lag der Zuwachs der Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft im 3. Quartal 2008 gegenüber Vorjahreszeitraum mit 0,85 % nur noch bei der Hälfte dessen vom 1. Quartal 2007 und zeigt einen stetigen Rückgang an (Abb. 14569). Der Zuwachs der Erwerbstätigkeit hat sich also nicht nur stark abgeschächt, sondern dabei immer mehr auf den Dienstleistungsbereich und dessen schlecht bezahlte Beschäftigung, oft auf der Basis von jederzeit kündbaren Zeitverträgen, verlagert. Auch das hätte man gerne deutlicher vom Statistischen Bundesamt gehört.


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global news 1299 19-11-08: Im globalen Freiverkehrsmarkt ausstehende spekulative Finanzwetten klettern auf das 50-Fache der US Wirtschaftsleistung
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Das nominale Volumen der im globalen Freiverkehrsmarkt ausstehenden Derivative erreichte Ende Juni 2008 nach der Statistik der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich den astronomischen Betrag von 684 Billionen Dollar, eine Steigerung gegenüber Ende 2007 von 15 % oder 30 % auf Jahresrate gerechnet (Abb. 13115).


Das Volumen entspricht damit ziemlich genau dem 50-Fachen der Wirtschaftsleistung der USA. Diese Derivative werden direkt zwischen Banken und anderen Institutionen des Finanzsektors gehandelt und unterliegen keiner Kontrolle. Sie sind praktisch Wetten auf Entwicklungen bei Zinsen, Kreditausfällen, Währungen, Rohstoffpreisen und vieles mehr. Zwei Drittel davon sind Wetten auf die Zinsentwicklung (Abb. 03777, 03803). Dabei sind die Wetten auf die Entwicklung von Rohstoffpreisen allein innerhalb eines Jahres um 75 % gestiegen.



Das Kasino hat also weiter vollen Betrieb.

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global news 1298 18-11-08: Auch die offenen Stellen nehmen weiter ab
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Im dritten Quartal 2008 gab es 130.000 weniger offene Stellen als im Vorquartal II/2008 und 250.000 weniger als im Vorjahresquartal III/2007, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Abb. 14567). Dabei betont das IAB, daß die Befragungsergebnisse die Situation noch vor den Turbulenzen der internationalen Finanzmarktkrise wiedergeben.


Die internationale Krise wird immer globaler, nachdem sich jetzt auch Japan in der Rezession einer in zwei aufeinander folgenden Quartalen negativen Wirtschaftsentwicklung befindet (Abb. 13511). Der deutsche Arbeitsmarkt wird das angesichts der extrem hohen deutschen Exportabhängigkeit besonders zu spüren bekommen. Die Probleme im Automobilbereich und hier nicht nur bei Opel geben einen Vorgeschmack.


Wachsende Arbeitslosigkeit wird auch die ohnehin real negative Lohnentwicklung selbst bei den noch besser entlohnten Industriebeschäftigten (Abb. 14568) weiter absinken lassen und so die negative Schraube zu weniger privater Nachfrage und dann noch mehr Arbeitslosigkeit weiterdrehen.


Einstweilen zeichnen die Börsen die negative Entwicklung weiter nach (Abb. 03712). Die Kapitalisierung der gesamten Weltbörsen hat sich von rund 60 Billionen vor einem Jahr auf gegenwärtig 30 Billionen Dollar halbiert (das 24-Fache der deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres). In USA haben die Verbraucher durch fallende Börsen- und Hauspreise bereits 20 Billionen Dollar verloren.


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global news 1297 17-11-08: Industrielöhne fallen weiter: Das beste Anti-Konjukturprogramm
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Da haben nun die G20 in ihrer riesig publizierten Konferenz eine weltweite Konjunkturankurbelung versprochen, ohne solche Programme miteinander abzustimmen oder auch nur zu konkretisieren. Ein deutsches Konjunkturprogramm gibt es nur im Miniformat. China räumte inzwischen ein, daß sein laut herausposauntes Programm nun mit 172 Mrd $ nur ein Viertel so groß ausfallen würde in der vagen Hoffnung, daß die lokalen Regierungen sowie staatliche Banken und Unternehmen den Rest erbringen würden. Viele Regierung sind bereits so stark verschuldet, daß sie größere Programme gar nicht finanzieren können, während die USA mit der Weltreservewährung natürlich immer noch mit der Notenpresse Dollar drucken können.

Derweil stürzt der Einzelhandelsumsatz in USA immer steiler ab (Abb. 05111). In der Eurozone ist der Einzelhandelsumsatz im September schon um 1,6 % gegenüber Vorjahr gefallen.


Mit minus 2,1 % ging er in Deutschland besonders stark zurück. Das ist kein Wunder bei weiter fallenden Industrielöhnen. Sie verloren inflationsbereinigt im Zeitraum Januar bis September pro Arbeitsstunde bereits 1,5 % und pro Beschäftigten 1 %, und das trotz steigender Produktivität.(Abb. 04009).


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global news 1296 15-11-08: Was soll der G20-Gipfel?
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Was wollen die Großmächte mit dem G20-Gipfel erreichen? Die nächste Krise an den Weltfinanzmärkten verhindern? Wohl kaum. Denn der Markt wurde nicht von einem obskuren Hedgefond in die Luft gesprengt oder in sonst einer unbekannten Ecke des Finanzmarktes. Die Blase platzte unter den Augen der Regierungen in den auf Papier am stärksten überwachten Institutionen, nämlich den Banken, die mit viel höheren Kreditanteilen als die Hedgefonds spekuliert haben. Dabei war sowohl die zum Platzen volle Immobilienblase in USA bekannt, wie auch der ebenso aufgeblasene Hypothekenmarkt und die entsprechenden Verbriefungen und die Rolle der Banken in all dem. Diese Krise hätte mit einer besser organisierten und personell besetzten Bankenaufsicht und höheren Eigenkapitalvorschriften für die Banken leicht verhindert werden können.

Verhindern, daß die wichtigsten Handelspartner in der Krise gegeneinander arbeiten, indem jeder seine wachsende Arbeitslosigkeit zu den anderen exportieren will? Wohl kaum. Denn schon jetzt haben die beiden wichtigsten Überschußländer China und Deutschland Stützungsmaßnahmen für ihren Export und damit das Abdrücken von Arbeitslosigkeit ergriffen, China durch Steuernachlässe für Exportwaren, Deutschland durch eine Verbesserung der Ausfuhrbürgschaften. Deutschland vor allem hat bisher kein Konjunkturprogramm zur Stützung der heimischen Nachfrage aufgelegt und scheint sich weiterhin auf den Export verlassen zu wollen. Ohne eine gemeinsame gewaltige Anstrengung zur Ankurbelung der Konjunktur wird jedoch schon die Globalisierung dafür sorgen, daß fast alle größeren Volkswirtschaften in die Rezession rauschen und dort lange bleiben, wie jetzt die EU nach heutigen Zahlen für das dritte Quartal erwartenläßt (Abb. 13511).


Verhindern, daß die Zahl der Unternehmenspleiten mangels Kreditzugang weltweit explodiert? Wohl kaum, denn jedenfalls in Europa wurde nichts getan, um die Banken zu zwingen, Zinssenkungen und die Zusatzliquidität der Zentralbanken an die Produktionsunternehmen weiterzugeben. Immer mehr müssen noch ausreichend finanzstarke Unternehmen dazu übergehen, ihre Abnehmer und Zulieferanten selbst über Wasser zu halten, wo dies normalerweise die Banken tun. Die Ratingagentur Moddy's warnt heute, daß 19 % aller Unternehmen nicht genügend Liquidität haben, um in den nächsten 12 Monaten Fälligkeiten aus Unternehmensobligationen zu bedienen. Der Finanzchef von Siemens sagt in seltener Offenheit: "Es gibt keine Zweifel das eine große Liquiditätsklemme für viele unserer Kunden besteht. Das Gegenteil zu behaupten, ist Unfug." Auch der Verband der Deutschen Automobilindustrie reiht sich in die Reihe der Warner ein und appelierte an die Banken, der meist mittelständischen Zulieferindustrie die Kredite nicht zu kündigen: "In den letzten Wochen mehren sich die Nachrichten von Zulieferfirmen, dass einige Geschäftsbanken, zu denen auch Landesbanken gehören, zunehmend Kreditzusagen verteuern, zurückziehen oder Kredite kurzfristig fällig stellen. Damit kann gerade auch klein- und mittelständischen Betrieben der Entzug der Existenzgrundlage drohen, was den Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen am Standort Deutschland bedeuten könnte."

Und dann fegen die Regierungen, statt Notsteuern für die Wohlhabenden und Gutverdiener zu erheben, auch noch mit eigenen festverzinslichen Anleihen die Geldmärkte leer und verengen so den Zugang für andere. So konnte zum ersten Mal selbst die Bundesregierung ein neues 10-Jahres-Papier nicht am Markt unterbringen - eine geradezu unglaubliche Situation und Alarmzeichen, wie es größer kaum ausfallen könnte. Der Versicherungsaufschlag für Unternehmensanleihen verharrt derweil auf astronomischen Höhen (Abb. 03636).


Ohnehin kann die Gefahr weiterer Krisen nur gebannt werden, wenn die immer ungleichere Einkommensverteilung gestoppt und zurückgedreht wird. Nur auf diese Weise kann verhindert werden, daß sich Kaufkraft wie ein gigantischer Wasserfall ins Kasino verirrt, statt der Realwirtschaft zu Verfügung zu stehen. Wird der Gipfel hier ansetzen? Da müßte man schon Gespenster sehen.

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global news 1295 14-11-08: Falsche Politik: Deutschlands Wirtschaft stürzt besonders steil ab
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Entgegen den Regierungserwartungen ist Deutschland bereits in diesem Jahr in die Rezession gerutscht. Nach -0,4 % im 2. Quartal verlief auch das 3. Quartal mit -0,5 % negativ. Der negative Tendenz hält seit dem Gipfel von +1,5 % im 2. Quartal 2006 an (abgesehen vom statistischen Ausrutscher im 1. Quartal 08) und verstärkt sich immer weiter (Abb. 14510).


Auch im Vorjahresvergleich hat sich die Wirtschaftsentwicklung stark abgekühlt (Abb. 14003).


Für die nächsten Quartale sagt die OECD der gesamten Eurozone einen erheblichen Abschwung voraus (Abb. 13547). Im internationalen Vergleich der bisher für das 3. Quartal 2008 im Verhältnis zum Vorquartal veröffentlichten Werte sieht vor allem Deutschland nicht gut aus (Abb. 13511). Auch nach der heutigen Eurostat-Veröffentlichung der Industrieproduktion im September verzeichnet die deutsche den steilsten Absturz (13111).




Es war leicht vorauszusehen, und auch diese Webseite hat immer wieder davor gewarnt: Die Kombination von sträflicher Vernachlässigung der Massenkaufkraft und privaten Nachfrage einerseits und einer total überzogenen Exportabhängigkeit mußte beim nächsten globalen Abschwung ins Auge gehen. Es ist einfach unglaublich, daß der Bundeswirtschaftsminster noch vor drei Monaten erklären konnte: "Durch die Anpassungsleistung der Betriebe und Arbeitnehmer sowie die wirtschafts- und finanzpolitischen Reformen, hat sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken und Belastungen ein gutes Stück verbessert." Das absolute Gegenteil solcher Sprüche ist nun der Fall.

Die Risiken und Belastungen schlagen jetzt mehr durch als in fast allen anderen Ländern. Abb. 14566 zeigt den extremen Anstieg und nun eintretenden Abriß beim Außenwirtschaftsbeitrag (= Exportüberschuß), während sich als Folge einer falschen Politik die Löhne und der Einzelhandelsumsatz stetig nach unten bewegten. Die Bundesregierung hätte unter den Löhnen längst ein Mindestlohn-Netz einziehen, die Lohndiskriminierung der Zeitarbeit verbieten, die Renten erhöhen und andere Maßnahmen zur Stärkung der Massenkaufkraft ergreifen müssen.


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global news 1294 13-11-08: Falschspieler im Weltwirtschaftssystem
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Die größten Falschspieler im Weltwirtschaftssystem der letzten Jahre waren in dieser Reihenfolge China, Deutschland und Japan (Abb. 03798). Sie türmten unter totaler Vernachlässigung ihrer Binnennachfrage gigantische Leistungsbilanzüberschüsse auf (im vergangenen Jahr 835 Mrd Dollar), die durch Verschuldung anderer Länder, besonders der USA, aufgefangen wurden.


Von diesem Geruch können sie sich nur befreien, wenn sie jetzt in der Krise mit einer ebenso gigantischen Anstrengung die Nachfrage zu Hause stärken und so einen positiven Beitrag zur Weltkonjunktur leisten. Sie können es nicht den USA überlassen, mit einem Programm von bisher 170 Mrd $ und einer von der FED in den letzten Wochen dramatisch angekurbelten Geldversorgung (Abb. 05110) Dampf zu machen.


So ist anzuerkennen, daß China mit 568 Mrd $ und Japan mit 51 Mrd $ die Binnennachfrage stärken wollen. Doch wo bleibt da Deutschland mit seinen kümmerlichen Maßnahmen von insgesamt nur 15,7 Mrd $ (Abb. 03818)? Es bleibt auf der Falschspielerbank ausgerechnet jetzt sitzen.


Auch der Sachverständigenrat plädiert für ein viel größeres Konjunkturprogramm, allerdings nicht dort, wo das deutsche Übel im Argen liegt, nämlich bei der privaten Nachfrage. Nur ein Mitglied, Peter Bofinger, kommt zu dem Ergebnis, die Löhne müßten stärker steigen: "Das Problem der letzten Jahre ist also nicht eine zu hohe, sondern eine zu niedrige Lohnentwicklung, die es verhindert hat, dass der Aufschwung in Deutschland eine selbsttragende Dynamik entfalten konnte. Wenn der Lohnanstieg in den letzten fünf Jahren pro Jahr um einen Prozentpunkt höher ausgefallen wäre, hätte dies - bei einem Lohnkostenanteil der Industrie von rund einem Fünftel - die Exportdynamik kaum beeinflusst, wohl aber deutliche Impulse für die Inlandsnachfrage gesetzt. Durch das Nebeneinander von binnenwirtschaftlicher Stagnation und starker außenwirtschaftlicher Dynamik hat sich zudem die Auslandsabhängigkeit der deutschen Wirtschaft in diesem Jahrzehnt enorm erhöht." Und weiter: "Auch für das Jahr 2009 ist eine zurückhaltende Lohnpolitik nicht angebracht. Bei der massiven Abkühlung der Weltkonjunktur wäre es fatal, wenn es im nächsten Jahr auf diese Weise auch noch zu einem Einbruch beim privaten Verbrauch käme, der nach allen Prognosen - neben dem Staatskonsum - die einzige noch verbleibende Stütze der deutschen Wirtschaft darstellt."

Wie dann die Mehrheit der Sachverständigen vom nächsten Jahr noch ein Plus bei der Entwicklung der privaten Nachfrage erwarten will, und ausgerechnet in der Krise das erste seit 2006 und zweitpositivste in acht Jahren, bleibt ihr "bitteres" Geheimnis. Man muß sich das auf der Zunge zergehen lassen, um auf den bitteren Geschmack zu kommen: "Die Privaten Konsumausgaben werden mit einem Anstieg um 0,4 vH über dem Niveau des Vorjahres liegen und erstmals seit dem Jahr 2006 wieder eine positive Zuwachsrate aufweisen" (Abb. 14565). Übrigens bringt es selbst der neue Tariffvertrag in der Metallindustrie für 18 Monate nur auf eine jährliche Steigerungsrate von 3,89 % und dabei bezahlt die Metallindustrie noch besser als die meisten anderen Industriesektoren, von den Zeitvertragsarbeitnehmern und den meisten Dienstleistungsbereichen gar nicht zu reden.


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global news 1293 12-11-08: Wirtschaftskrise: Die europäischen Regierungen haben so ziemlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war
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Die europäischen Regierungen, besonders auch die Bundesregierung, haben uns ein noch tieferes Loch gegraben, als sich sonst vor uns aufgetan hätte. Nicht nur haben sie mit lascher Bankenaufsicht zugelassen, daß die USA ihr mißglücktes Wohnbauprogramm fast zur Hälfte in Europa finanzieren konnten und das mit riesigen Schäden auf dieser Seite des Atlantik. Nicht nur haben sie jetzt, anders als die USA, Japan und selbst China, auf ein richtiges und rechtzeitiges Konjunkturprogramm verzichtet. Zu allem Überfluß konzentrieren sie nun alle ihre Kräfte auf das neue Finanzmarktsystem von übermorgen, statt die Krise von heute zu beherrschen. Und sie tun dies nicht zuletzt, um von ihrer Verantwortung bei der Entstehung der Krise abzulenken.

Entscheidend für die Wirtschaftslage ist nicht so sehr, ob es den Banken gut geht, als ob sich die in der Realwirtschaft produzierenden Unternehmen finanzieren können. Das können sie gegenwärtig bei immer noch fallenden Kursen weder über Aktien, noch können sie es über Bonds (festverzinsliche Papiere). Denn vor den Bondmärkten haben die Regierungen praktisch ein Umleitungsschild zu den Banken aufgestellt, die sie - anders als Anlagen bei Unternehmen - als absolut "sichere Häfen" erklärt haben. Und so trocknen die Bondmärkte unter den hilflosen Augen der europäischen Regierungen derzeit aus. Das Volumen an noch ausstehenden Unternehmensbonds fiel in Europa um mehr als 13 % allein seit Anfang Oktober. Der Versicherungsaufschlag, wenn man sich gegen den Ausfall von Bonds durch Unternehmenspleiten versichern will, turnt weiter in gespenstischen Höhen von 6,5 % über Normal und zeigt die Kalamität dieses Finanzierungsweges der Unternehmen sehr deutlich auf (Abb. 03636).


Diese Situation ist viel schlechter als in USA, wo der Bondmarkt wieder flüssiger geworden ist, auch weil die Zentralbank FED bei der Versorgung der Banken mit Liquidität Unternehmensbonds als Sicherheit in Zahlung nimmt (Abb. 03762). Und nun müssen die europäischen Unternehmen (außerhalb des Finanzsektors) in den kommenden drei Jahren auch noch mehr als eine halbe Billion Dollar fällig werdender Bonds refinanzieren, d.h. mit neuen Bonds ersetzen.


Doch auch der "Fluchtweg" der Unternehmen zu den Banken, zu denen die Regierungen mit der Garantieerklärung für die Banken das Anlage suchende Geld umgeleitet haben, ist den Unternehmen derzeit weitgehend versperrt. Denn während die EZB den Zentralbankzins immer weiter abgesenkt hat, geben die Banken die Zinssenkung kaum weiter. Sie rekapitalisieren sich statt dessen selbst über Zinsgewinne aus teueren Krediten. Der erstrebte Konjunkturimpuls solcher Zinssenkungen für die Realwirtschaft fällt also weitgehend aus.

Außerdem stehen die Banken förmlich auf der Kreditbremse, um so ein besseres Gleichgewicht zwischen ihrem Eigenkapital und ihren Anlagen, bzw. ihrem Umsatz zu finden. Gerade die deutschen Banken haben da ein großes Mißverhältnis. Der Hebel (Mehrfaches des Umsatzes gemessen am Eigenkapital) liegt bei der Deutschen Bank bei 56 und der Commerzbank bei 38. Dagegen kommen UBS auf knapp 40, BNP 32, HSBC 19 und Santander 15 (der amerikanische Durchschnitt liegt bei 20). Auch müssen die Banken selbst in den kommenden drei Jahren in Riesenumfang eigene Bonds refinanzieren, und zwar etwa zwei Drittel der fast 2 Billionen $ an insgesamt in Europa fälligen Bonds, was trotz der Garantieerklärungen der Regierungen nur zu höheren Kosten möglich sein wird (Abb. 03817). Deutsche Banken sind besonders stark betroffen (Abb. 03819).



Eigentlich hätten die Regierungen wissen müssen und können, was sie mit der Präferenzierung der Banken durch ihre Garantieerklärungen in der Realwirtschaft anrichten. Statt dessen hätte der Kreditfluß in die Realwirtschaft durch eine zeitweise Teilverstaatlichung der Banken gesichert werden müssen.

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global news 1292 11-11-08: Die Medien und die Konjunktur-Fata Morgana
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Der SPIEGEL-online heute unter der Überschrift: "Stimmung in Deutschland hellt sich überraschend auf": "Das geplante Konjunkturprogramm der Bundesregierung und das Rettungspaket sorgen für Zuversicht: Finanzexperten schöpfen wieder Hoffnung - und zwar überraschend deutlich. Das ZEW-Barometer stieg an." Es ist wie die Hoffnung des Verdurstenden in der Wüste. Denn schaut man sich die Ergebnisse an, kann man diese Hoffnung nicht entdecken (Abb. 04588, 04762).



Ähnlich WELT-online: "Rettungspaket dämpft Pessimismus der Anleger": "Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich im November nach Einschätzung von Experten wieder aufgeklart. Das Banken-Rettungspaket hat das Vertrauen gestärkt." Oder FAZ-online "ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend": "Die Konjunkturerwartungen von Börsenexperten haben sich im November überraschend etwas aufgehellt."

Dabei hat das ZEW in der Kommentierung seiner Umfrage unter Finanzmarktexperten selber gewarnt. Unter der Überschrift: "Leichte Erholung" heißt es dort: "Die Finanzmarktanalysten können sich in ihren früher geäußerten pessimistischen Erwartungen durch die derzeitige und absehbare Konjunkturelle Entwicklung bestätigt sehen. Vom gemeinsamen Vorgehen der Regierungen und Zentralbanken scheinen die Experten allerdings eine Milderung des Konjunkturabschwungs zu erhoffen". Und dann: "Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist im November ein weiteres Mal gefallen. Der entsprechende Indikator sinkt um 14,5 Punkte auf minus 50,4 Punkte."

Was wollen die Medien eigentlich mit so verzerrter Berichterstattung erreichen?

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global news 1291 11-11-08: Noch ein Krisenfeld: Schwellenländer-Schulden
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Die Kreditkrise macht vor keinem Schwachpunkt halt. Sie macht sich derzeit besonders vor der europäischen Haustür in Osteueropa bemerkbar. Ungarn machte bereits einen Rettungsversuch mit Geld der EU-Regierungen und der EZB nötig, die Ukraine einen des IWF. Von allen Schwellenländern ist das Kreditvolumen Osteuropas am meisten explodiert (Abb. 03816) und sind die Leistungsbilanzdefizite gemessen am BIP am stärksten gestiegen (Abb. 03815).



Von allen 37 Billionen $ grenzüberschreitenden Krediten entfallen 4,7 Billionen $ auf Osteuropa, Lateinamerika und Schwellenländer in Asien. Europäische Banken sind hier weit stärker engagiert als amerikanische oder japanische, im europäischen Durchschnitt mit 21 % des europäischen BIPs (Abb. 03815). Bei Europa sind es 3,5 Billionen $ gegenüber nur 0,5 Billionen $ für die USA. Dabei sind Österreichs Banken wegen ihres starken Engagements in Osteuropa in Höhe von etwa 300 Mrd $ mit 85 % des BIPs Österreichs am meisten exponiert. Sie sind die größten Gläubiger von Ungarn und Ukraine, den gefährdetsten Schuldnerländern.


Italien ist nicht nur selbst schwach auf der Brust (drittgrößte öffentliche Verschuldung nach USA und Japan mit 107 % des BIPs) sondern ebenfalls in Osteuropa sehr exponiert, vor allem durch das Kreditvolumen von Unicredit von 130 Mrd $. Die Märkte preisen dieses Risiko Italiens bereits mit einem Aufschlag von 1,1 % bei 10-Jahresbonds gegenüber denen Deutschlands. Sorgen gelten auch Spanien. Das Land ist der größte Gläubiger Lateinamerikas, dessen Schulden zu 30 % aus spanischen Krediten kommen (nur 17 % aus amerikanischen). Auch Spanien muß auf seine Bonds bereits Risikoaufschläge zahlen.

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global news 1290 11-11-08: Wie wird die Kapitalstärke der Banken gemessen und überwacht?
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Es gibt verschiedene Wege festzustellen, wie stark Banken kapitalisiert sind. Die einfachste Methode ist, den Umsatz, der den Aktiva (Assets, Anlagen) in der Bilanz entspricht, durch das haftende Aktienkapital zu teilen und so die sogenannte Hebelrate zu bestimmen, das heißt den Prozentsatz zu dem das so bestimmte Eigenkapital auf das Umsatzvolumen hochgehebelt ist (Abb. 03802, 03773). Die Daten ergeben sich aus den veröffentlichten Bilanzen.



Doch das ist ein sehr grobes Raster. Als Bezugsgröße, an der das Eigenkapital gemessen wird, wird daher nach der Internationalen Vereinbarung Basel I nicht der Umsatz als solcher sondern die aufsichtsrechtliche Risikoposition benutzt. Dazu kommen die Aufsichtsbehörden in einer komplizierten Rechnung von Risikosensitivitäten der verschiedenen Anlagen.

Andererseits gibt es eine engere Form von Eigenkapital für die Berechnung der Kapitalstärke von Banken, nämlich das "Kernkapital". Das ist der Betrag, den die Aktionäre ursprünglich zum Erwerb der Aktien, nach deren Erstausgabe, bezahlt haben, plus einbehaltene Gewinne minus akumulierte Verluste. Im Unterschied zum breiteren Begriff von Eigenkapital, der der "Eigenkapitalquote" zugrunde liegt, gehört dazu nicht: versteckete Reserven, neubewertete Reserven, Rückstellungen, sogenannte Hybridinstrumente und nachrangige befristete Schuld.

Die von der Bankenaufsicht überwachte Mindestkennziffer für die Eigenkapitalquote beträgt 8 % und für die Kernkapitalquote 4 %. Die Deutsche Bank hat beispielsweise zum Ende vergangenen Jahres eine Kernkapitalquote von 8,6 % ausgewiesen und 10,3 % im 3. Quartal 2008 (vor allem Folge der Kapitalaufstockung um 2,2 Mrd Euro zum späteren Erwerb der Postbank). Dabei wird das Kernkapital auf 33 Mrd Euro gerechnet und auf eine Risikoposition der Anlagen von insgesamt 320 Mrd Euro bezogen. Der Deutschen Bank kommt bei der Bestimmung ihres Kernkapitals zugute, daß Verlustabschreibungen durch die gelockerten amerikanischen Bewertungsvorschriften gebremst werden. Das gesamte Eigenkapital betrug zu diesem Zeitraum 40,6 Mrd Euro und war auf eine 51-mal höhere Umsatzsumme hochgehebelt, im internationalen Vergleich ein sehr riskant hoher Wert. Wie stark dabei gerade die Deutsche Bank von den Bewertungsmodalitäten für riskante Finanzpapiere abhängt, zeigt der Bilanzposten "zum Fair Value bewertete finanzielle Vermögenswerte" von gigantischen 1,4 Billionen Euro.

Die riskante Position der Deutschen Bank zeigt sich auch in der enorm hohen Credit Default Swap Versicherung von Forderungen gegen die Deutsche Bank von netto 12,4 Mrd Dollar (bei Netto werden die verschiedenen Wetten gegeneinander saldiert und so heruntergerechnet). Die Deutsche Bank liegt damit noch vor den internationalen Großbanken GE Capital, Morgan Stanley und Merril Lynch und Forderungen gegen ganze Länder, wie Brasilien, Rußland und Griechenland (Abb. 03813). Die Deutsche Bank ist selbst der zweitgrößte CDS-Versicherer und damit hoch im Risiko (Abb. 03756).



Wie dünn das Drahtseil ist, auf dem die Banken bisher turnen, vermittelt anschaulich ein Vergleich der Relation von Eigenkapital zu Bilanzsumme von Deutsche Bank 2 % und Siemens 32 %, einem typischen Industrieunternehmen.

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global news 1289 10-11-08: Gewerbliche Wirtschaft: Nach Rückgang bei den Aufträgen nun auch bei Produktion und Umsatz
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Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im September preiskalender- und saisonbereinigt kräftig um 3,6 % zurückgegangen (Abb. 04306). Der aktuelle Produktionsrückgang ging vor allem auf die schwache Entwicklung der Industrieproduktion zurück, die um -3,8 % gesunken ist.


Auch der Umsatz ging arbeitstäglich bereinigt um 2,0 % gegenüber dem September 2007 zurück (Abb. 04910). Der Inlandsumsatz fiel im Vergleichszeitraum um 1,1 %, die Erlöse im Geschäft mit ausländischen Abnehmern nahmen um 3,1 % ab. Dabei lag der Umsatz mit den Ländern der Eurozone um 3,2 %, der Absatz in das übrige Ausland um 3,0 % unter dem Vorjahresniveau.


Damit hat der Einbruch alle Phasen von den Aufträgen bis zur Produktion und dem Umsatz erfaßt (Abb. 14564).


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global news 1288 09-11-08: Jetzt lassen uns die Banken mit unserem Echtgeld für ihr Falschgeld zahlen
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global news 1288 09-11-08: Jetzt lassen uns die Banken mit unserem Echtgeld für ihr Falschgeld zahlen

Die Banken haben sich weltweit mit uneinbringlich falschem Kreditgeld vollgesogen. Es stellt einen großen Teil des Kunstgeldes dar, das 90 % der internationalen Liquidität ausmacht. Man muß sich das als umgekippte Pyramide vorstellen. Dann sieht es etwa so aus (Abb. 03812).


Das "echte" Geld, oder englisch "cash" beträgt nur etwa 1 % der Gesamtliquidität. M3-Geld, das noch einigermaßen "echt" ist, kommt auf weitere 9 % und wird von den Notenbanken als Indikator für deren Geldpolitik benutzt. Es besteht in der Definition der Bundesbank aus Bargeldumlauf, Sichteinlagen, Termineinlagen bis zu 4 Jahren Fälligkeit und Spareinlagen mit gesetzlicher dreimonatiger Kündigungsfrist. Der Rest von 90 % sind geldschöpfende Anleihen und vor allem Wett-Geld in Form der unendlich vielen Derivative, mit denen an den Terminbörsen oder gar direkt zwischen zwei Parteien auf alles Mögliche gewettet wird.

Jetzt müssen die Banken das uneinbringliche Kreditgeld, wenn sie nicht Pleite gehen oder von den Regierungen übernommen werden wollen, wenigstens teilweise mit langfristigem Echtgeld ersetzen. Langfristiges Echtgeld ist selten geworden, weil die verunsicherten Sparer und Anleger viel Echtgeld kurzfristig auf cash halten oder es schon in der bisherigen Krise verloren haben.

Da haben die Banken in der Jagd auf Echtgeld, neben der Staatsknete, zwei Möglichkeiten. Sie können, wenn sie Glück haben, bei den Scheichs oder bei Staatsfonds in Fernost noch Echtgeld auftreiben. Die Scheichs haben es aus dem Verkauf von Öl zu horrenden Preisen. So hat die größte britische Bank Barclays neue Aktien am Golf unterbringen können und dafür die heimische Staatsknete abgelehnt. Allerdings ging das nur mit einem sehr niedrigen Aktienkurs und der Verpflichtung, später weitere Aktienpakete zu demselben abgesenkten Kurs zu verkaufen.

Oder sie können sich bei den Zentralbanken immer wieder kurzfristig Echtgeld zu günstigen Konditionen borgen und das Geld dann zu wesentlich ungünstigeren Konditionen weiterverleihen. Zwar müssen sie das geborgte Geld eines Tages definitiv an die Zentralbanken zurückgeben, doch der Gewinn aus dem Weiterverleihen verbleibt ihnen dauerhaft als Echtgeld. So läuft das derzeit, und es läuft zum Schaden der Allgemeinheit. Konsumentenkredite, Hpothekenkredite und Kredite an die Wirtschaft haben sich weltweit und besonders in Europa erheblich verteuert, obwohl die Zentralbankzinsen drastisch abgesenkt wurden. Die entsprechenden Zinsaufschläge müssen dann die Unternehmen an uns Verbraucher im Preis ihrer Produkte weitergeben. Die Regierungen in Europa von Sarkozy, über Merkel bis Brown betteln nun bei den Banken, den Unternehmen wieder normalen Kredit einzuräumen, doch bisher vergeblich. Die Bundesregierung bringt schon mal die Staatsbank KfW für den Mittelstand stärker in Stellung.

Die Lage der europäischen Unternehmen bei der alternativen und vor der Krise üblichen Finanzierung über die Geldmärkte ist ebenfalls miserabel, was die Banken noch zusätzlich ausnützen. Anleger bringen ihr Echtgeld eher zu den von den Regierungen als "sichere Häfen" erklärten Banken, als es den unsichereren Unternehmen in der Krise zu akzeptablen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Der Versicherungsaufschlag für die Bondfinanzierung hängt daher weiter auf steilen Rekordhöhen (Abb. 03636). Das Volumen an noch ausstehenden Unternehmensbonds fiel um mehr als 13 % allein seit Anfang Oktober. Dazu trägt bei, daß die EZB, anders als die Fed, Unternehmensbonds nicht als Sicherheit in Zahlung nimmt, wenn sie den Banken Liquidität ausborgt.


Die Weigerung neoliberaler Regierungen, ihre unterkapitalisierten Banken zwangsweise zu verstaatlichen, rächt sich jetzt durch die Kreditklemme der Unternehmen. Am Ende zahlen wir alle die Zeche entweder über höhere Bankgebühren und -zinsen, oder über wegen der verteuerten Unternehmensfinanzierung verteuerte Waren oder über einen umso stärkeren Wirtschaftsabschwung, wenn Unternehmen mangels Finanzierung ihre Produktion einschränken müssen. Es ist ein neoliberales Trauerspiel!

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global news 1287 08-11-08: Obama: "USA mit größter Wirtschaftskrise unseres Lebens konfrontiert"
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In seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl stand Obama unter dem Eindruck der verheerenden Zahlen vom Arbeitsmarkt, wo seit Beginn dieses Jahres schon 1,2 Millionen Arbeitsplätze verlorengegangen sind. Gegenüber dem Monatsdurchschnitt von 2007 lag die Arbeitslosenzahl bereits um 42 % höher (Abb. 05109).


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global news 1286 07-11-08: Stimmungmache mit Einmonatsergebnis bei Export
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Das Statistische Bundesamt setzt die schöne Überschrift in diesen trüben Zeiten: "Deutsche Ausfuhren im September 2008: + 6,9% zum September 2007". Und prompt meldet SPIEGEL-online: "Trotz weltweiten Wirtschaftsabschwungs ist die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland im Ausland überraschend gestiegen. Verbände warnen, schlechte Konjunkturnachrichten überzubewerten."

Doch das Statistische Bundesamt hätte nicht nur den Nominalwert sondern auch den realen Wert unter Abzug der Exportpreissteigerung melden sollen. Der liegt dann nur bei 4 %. Vor allem weiß jeder Experte, daß Werte einzelner Monate beim Export großen Schwankungen unterworfen sind und oft täuschen, weil Großaufträge durchschlagen. So war der Export im August real um mehr als 4 % zurückgegangen. Der Bundeswirtschaftsminister zieht daher in seinen entsprechenden Meldungen die Durchschnitte von jeweils zwei Monaten vor. Legt man diesen Maßstab an, so löst sich das Septemberwunder total auf (Abb. 14119).


Was bei der SPIEGEL-Meldung besonders peinlich ist: Zur Dokumentation des Septemberwunders wird das Photo einer Autohalde untergelegt. Dabei ist gerade der PKW-Export eingebrochen, und das im Oktober um 10 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

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global news 1285 06-11-08: Weltwirtschaftskrise führt zu starkem Auftragseinbruch, IWF: Vorletzter Platz für Deutschland 2009
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Die deutschen Industrieaufträge sind im September 2008 tiefer eingebrochen als jemals seit der Wiedervereinigung. Seit dem Gipfel im Juni letzten Jahres vor Ausbruch der Krise verloren die Aufträge saisonbereinigt bereits mehr als 13 %, davon aus dem Ausland sogar mehr als 20 % und aus dem Inland mehr als 5 % (Abb. 04569). Das entspricht einer Jahresrate von fast 11 %. Der Autragsrückgang aus dem Aus- und Inland, entspricht, wenn er auf die Industrieproduktion durchschlagen sollte, einem Betrag von über 150 Mrd Euro oder mehr als 6 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Auch September gegenüber Vorjahr ergibt noch einen Rückgang von 5 % des BIP. Daran gemessen ist das Konjunkturprogramm von 3 Mrd Euro Bundesausgaben pro Jahr weniger als ein Tropfen auf einen heißen Stein.


Der Bundeswirtschaftsminister spricht nun in seiner Presseerklärung davon, daß die Aussichten für die Industrieproduktion in den kommenden Monaten stark eingetrübt seien. Man erinnere sich, erst gestern hat die Bundesregierung ihrem stark eingeschränkten Konjunkturprogramm den Namen "Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärke" gegeben. Will man solche Aussichten wirklich mit "Wachstumsstärke" umschreiben, oder hat hier jemand in die falschen Tasten gegriffen?

Der IWF sagt heute die erste weltweite Rezession seit dem 2. Weltkrieg für die alten Industrieländer voraus, mit Deutschland bei minus 0,8 % auf dem vorletzten Platz (Abb. 13545, 13546).



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global news 1284 06-11-08: Fieberkurven der Finanzmarktkrise (1)
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Angesichts der anhaltenden globalen Finanzmarktkrise mit ihren zunehmenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft habe ich eine wöchentlich aktualisierte Darstellung der verschiedenen Fieberkurven vorbereitet.

1. Zentralbankzins

Die Absenkungen des Zentralbankzinses zeigt, wie die Notenbanken die Krise nachvollziehen (Abb. 03774).


2. Börsenkurse

Ein anderes Barometer sind die fallenden Kurse der Börsen, vor allem in USA, Japan und Deutschland (Abb. 03712) und in Deutschland die fallenden Kurse wichtiger Banken (Abb. 03752).



3. Devisenkurse

Ein weiteres Krisensymptom sind wild ausschlagende Kurse von Dollar, Pfund, Yen und Renmimbi gegenüber dem Euro (Abb. 03811).


4. Euribor und Itraxx

Der Euribor zeigt den Zins für Kredite zwischen Banken an. Er liegt heute nach Absenkung des EZB-Zinses um 1,4 % über dem EZB-Zins und deutet damit weiterhin eine weitgehende Blockade der normalen Kredittätigkeit zwischen Banken an, obwohl es in den letzten Wochen zu einer begrenzten Entspannung auf 1 % Zinsdifferenz gekommen war (Abb. 03792). Der Itraxx zeichnet die Versicherungsprämie für Unternehmensbonds unterhalb des Investmentgrades AAA nach. Er liegt mit 7,3 % gegenüber knapp 2 % vor der Krise weiter in einer sehr gefährlichen Höhe, die die Unternehmensfinanzierung am Kapitalmarkt erheblich behindert (Abb. 03636).



5. USA

Da die Krise aus den USA, der bei weitem weltgrößten Volkswirtschaft kommt, sind auch einige Indikatoren von dort zu verfolgen, vor allem die stark abrutschenden Hauspreise (Abb. 03775), die weitere Einbrüche bei den miesen international gehandelten Hypothekenpapiere erwarten lassen. Das Volumen der ausstehenden Bonds, die mit Vermögenswerten unterlegt sind (ABS) ist enorm gefallen und zeigt die Probleme mit der Unternehmensfinanzierung in USA auf (Abb. 03715). Ebenso deutet die extrem hohe Differenz im Zins zwischen Bonds mit und ohne Investmentgrad darauf hin, daß eine hohe Pleitequote bei den Unternehmen erwartet wird (Abb. 03794).




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global news 1283 06-11-08: Die drei Hauptaufgaben für eine neue Weltwirtschaftsordnung
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Damit der Karren irgendwann aus dem Dreck kommt, bedarf es mindestens der Lösung von drei Hauptaufgaben für eine neue Weltwirtschaftsordnung. Es ist allerdings kaum vorstellbar, daß das - wenn überhaupt - in einem Anlauf einer einzigen internationalen Konferenz gelingen kann. Normale Menschen machen sich keine Vorstellung von der astronomischen Größe der Aufgabe.

Erstens müssen die Banken noch wesentlich stärker rekapitalisiert werden als bisher vorgesehen. Wie stark die Eigenkapitalquote als Anteil an den Anlagen bei amerikanischen Banken in der historischen Entwicklung abgestürzt ist, zeigt Abb. 03810. Ähnlich war die Entwicklung in vielen anderen Ländern, auch Deutschland. Da nützt es wenig, die Leichen mit verwässerten Bewertungsregeln für miese Papiere unter den Teppich zu kehren oder die Banken mit Blankozusagen der Regierungen mal eben über Wasser zu halten. Der Überhang an Spiel- oder Wettgeld ist einfach gigantisch: 90 % der weltweiten Liquidität oder fast das Tausendfache der gesamten Wirtschaftsleistung der Welt in einem Jahr (Abb. Abb. 03692). Notfalls muß das gesamte Bankensystem für eine ausreichend bemessene Übergangszeit verstaatlicht werden.



Zweitens müssen die dramatischen Ungleichgewichte zwischen Überschußländern und Defizitländern abgebaut werden (Abb. 03798). Die Überschußländer, vor allem China, Deutschland, Japan und die Ölländer können nicht länger darauf vertrauen, daß ihnen die Verbraucher in den Defizitländern, vor allem USA, Großbritannien, Australien, Spanien und einige andere, ihre Waren auf Pump abnehmen. Der Kreditmechanismus der Banken für solche gigantische Transfers bei einem jährlichen Leistungsbilanzüberschuß von 800 Mrd Dollar allein von China, Deutschland und Japan ist zusammengebrochen. Er läßt sich nicht mehr im alten Maßstab wiedererwecken, weil die Verbraucher der Defizitländer sehr viel ihrer Kreditwürdigkeit eingebüßt haben. Leistungsbilanzüberschüße von über und um 5 % des eigenen Bruttoinlandsprodukts bei Deutschland und Japan und fast 12 % bei China lassen sich einfach nicht mehr durch Kreditmechanismen beherrschen (Abb. 12382).



Der Ausgleich kann nur gelingen, indem die Überschußländer ihren Binnenverbrauch mit einer gewaltigen Umverteilung der Einkommen Richtung der verbrauchsstarken eigenen Bevölkerungskreise und deren Kaufkraft hochfahren. Gelingt das nicht, werden nicht nur die Defizit- sondern auch die Überschußländer aus dem Teufelskreis nicht mehr herausfinden. Sozialdumping, das z.B. für die chinesischen Überschüsse verantwortlich ist, muß mit einer Sozialklausel in der Welthandelsordnung verhindert werden.

Drittens muß die Weltwährungsordnung wieder auf ein festeres Fundament gestellt werden, auch um zu verhindern, daß einzelne Länder mit Währungsmanipulation ihren Export zum Nachteil anderer Länder fördern wollen oder die USA als Land der bei weitem größten Weltreservewährung in der Krise öffentliche Programme zum Nachteil ihrer Partner über die Notenpresse finanzieren oder daß einfach die Spekulation weiter Amok läuft. In den letzten Wochen und Monaten ist es z.B. gegenüber dem Euro zu wilden Ausschlägen von 20 bis 30 % der Kurse gekommen (Abb. 03811).


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global news 1282 06-11-08: Von der Seuche der Leiharbeit
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Mit der Deregulierung der Arbeitnehmerüberlassung im Rahmen der Hartz-Reformen stieg die Zahl der Leiharbeitnehmer sprunghaft an. Seit 2004 bis Mitte vergangenen Jahres hat sie sich auf mehr als 700.00 fast verdoppelt. Die Zeitarbeiter stellen inzwischen etwa 2 Prozent aller abhängig Beschäftigten sowie 2,7 Prozent der an die Sozialversicherungen zahlenden Arbeitnehmer (Abb. 14560).


Was noch arlamierender ist: Mehr als ein Viertel des Beschäftigungsaufbaus zwischen Juni 2006 und Juni 2007 entfiel allein auf Leiharbeit und der höchste Anteil von 35 % war bei Facharbeitern und Meistern und damit noch höher als bei einfachen Hilfsarbeiten (Abb. 14559). 17 % aller Leiharbeitnehmer gehören zur Gruppe der Facharbeiter und Meister (Abb. 14561).



Das Übel der Arbeitnehmerüberlassung liegt in der hohen Fluktuation, die im konjunkturellen Abschwung, wie er jetzt stattfindet, eine schnelle Auflösung des Arbeitsverhältnisses erlaubt, und gleichzeitige in der viel schlechteren Bezahlung, da Leiharbeiter nicht unter die normalen Branchen-Tarifverträge fallen. Von Ende Juni 2006 bis Ende Juni 2007 gab es 742 000 Einstellungen und 607 000 Vertragsauflösungen bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmerbestand von 664 000. Etwa 60 Prozent der beendeten Arbeitsverhältnisse bei den Verleihfirmen haben nicht länger als drei Monate gedauert, ein Sechstel sogar weniger als eine Woche (Abb. 14562).


Die Bundesregierung wehrt sich gegen das von der EU-Kommission vorbereitete Verbot der Lohndiskriminierung von Leiharbeit. Die Lobby der Leihunternehmen ist in Deutschland besonders stark. Außerdem soll über niedrigbezahlte Leiharbeit die offen ausgewiesene Zahl der Arbeitslosen niedriger gehalten werden. Diese Rechnung wird allerdings in der Wirtschaftskrise nicht mehr aufgehen und sich sogar rächen.

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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.