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(1281) Automobilzulassungen im Oktober: minus 8,2 %

(1280) Krise in der Realwirtschaft

(1279) China's umweltschädigender Jobklau: die Opfer sollen zahlen

(1278) USA in der Rezession: Was passiert mit Europa?

(1277) Einkommens-Tief = Verbrauchs-Tief = Investitions-Tief = Kasino-Hoch

(1276) Die Verbraucher gehen weltweit auf Tiefstation

(1275) Arbeitsmarkt im Oktober: Das "letzte Hurra" vom Arbeitsmarkt

(1274) Finanzmarkt-Reformen

(1273) 2.800.000.000.000 Dollar Verlust auf den Finanzmärkten

(1272) Deutsche Verbraucher trotzen der Finanzkrise??

(1271) Deutsche Banken verlieren immer mehr an Aktienwert

(1270) Immer mehr Pfeiler des neoliberal globalisierten Finanzsystems brechen ab. Wann kommt das Dach runter?

(1269) Weltwirtschaftskrise: China ist Teil des Problems, nicht der Lösung

(1268) Sarkozy, Brown, Merkel: Wiederbelebungsversuche an einer Leiche

(1267) Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise 1929-1932

(1266) Von der Banken- zur Unternehmenskrise: Warten auf einen Rettungsfond?

(1265) 10 Jahre von Kapitalismus zu Kaputtalismus

(1264) Unternehmensfinanzierung in USA weiter blockiert, Fed soll retten

(1263) Nur ein Betriebsunfall des Kapitalismus?

(1262) Neue OECD-Studie: Besonders starker Anstieg der Einkommensungleichheit in Deutschland 1995-2005

(1261) Deutsche Wirtschaftspolitik total über den Wolken

(1260) Warnungen vor Unternehmenspleiten in USA wie zur Zeit der Weltwirtschaftskrise

(1259) Deutschland: Neoliberales Niedrigsteuerland

(1258) Krisenzeichen aus Westeuropa, Osteuropa und USA

(1257) Der Treibhauseffekt schert sich nicht um die Weltfinanzkrise

(1256) Entgelt pro Beschäftigten in der Industrie verbraucherpreisbereinigt minus 1,0 % trotz 0,9 % Produktivitätszuwachs

(1255) Deutschland im Herbst: Zwischen Hoffen und Bangen

(1254) Das Rettungspaket kann nicht leisten, was alles versprochen wird

(1253) Die Leichen können in den Schränken der Banken bleiben

(1252) Die Mechanik der globalen Krise

(1251) Vor der Kernschmelze des Weltfinanzsystems

(1250) OECD-Frühindiktoren zeigen für Deutschland stärksten Abschwung

(1249) Die „Mutter aller Krisen": Vom Kasino zur Realwirtschaft

(1248) IWF setzt deutsche Wirtschaftsentwicklung auf Null

(1247) Finanzkrise: Die Eurozone kommt unter Druck

(1246) Der IWF sieht schwarz, Bôrsen im freien Fall

(1245) Teilverstaatlicht die Banken oder riskiert Millionen mehr Arbeitslose

(1244) Europäische Krisenpakete: Stückwerk, zu wenig, zu spät

(1243) Was sind "Spareinlagen" und was ist eine politische Erklärung wert?




global news 1281 05-11-08: Automobilzulassungen im Oktober: minus 8,2 %
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Die Zulassungen von PKW in Deutschland sind im Oktober gegenüber Vorjahr um 8,2 % zurückgegangen. Der Trend ist nun seit Monaten nach unten gerichtet (Abb. 14061).


Gleichzeitig trifft die weltweite Krise den deutschen Export im Automobilbereich. Auf den meisten Exportmärkten stürzen die Zulassungszahlen ab, so besonders in Frankreich und USA. In USA fiel der Absatz im Oktober auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren, ein Rückgang von 34 % gegenüber Vorjahr und allein 31 % gegenüber Vormonat. Fast ein Fünftel (19,1 %) des deutschen Gesamtexports bestand im vergangenen Jahr aus Kraftfahrzeugen und -teilen.

In dieser Situation dringen asiatische Niedriglohnländer immer mehr in die Märkte der alten Industrieländer bei PKW, aber sogar bei Flugzeugen ein. Korea verlangt jetzt in den Verhandlungen mit der EU eine Absenkung der Herkunftsregel für PKW von 60 % auf nur noch 40 %. Das würde Korea erlauben, PKW mit nur 40 % Korea-Anteil und 60 % billigem China-Anteil in die EU zu exportieren ohne den höheren Zöllen für Importe aus China zu unterliegen. Sowohl Korea wie China blockieren ihrerseits Exporte aus der EU, nämlich China, indem es Teilezulieferungen aus Europa hohen Sonderzöllen unterwirft, um seine eigene Zulieferindustrie aufzubauen, Korea, indem es internationale technische PKW-Standards nicht akzeptiert und die Umstellung auf koreanische Standards für die Lieferanten aus der EU viel zu teuer ist.

China verkündete jetzt den ersten Verkauf von 25 Jets der 70-Sitzer-Klasse an GE-Leasing. China will nun in den nächsten Jahren auch größere Jets als Konkurrent für Boeing und Airbus auf den Markt bringen. Es ist erstaunlich, in wie kurzen Zeiträumen sich China als Lieferant von Textilien zu High-Tech entwickelt und dabei auf die Hilfe westlicher Unternehmen und billigste Arbeitskraft zurückgreifen kann.

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global news 1280 04-11-08: Krise in der Realwirtschaft
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Die Finanzkrise frißt sich immer tiefer in die Realwirtschaft hinein. Der anerkannte Markit-Index für die Konjunktureinschätzung der Industrie in der Eurozone hat im Oktober seine Talfahrt weiter beschleunigt und fiel auf den tiefsten Stand seit Umfragebeginn im Juni 1997 (Abb. 03800). Auch für Deutschland fiel der Index weit in den negativen Bereich.


Damit übereinstimmend hat die EU-Kommission die Wachstumsprognose für Deutschland in 2009 von bisher 1,5 % auf nur noch 0 % heruntergeholt (Abb. 14555) und sieht Deutschland mit negativen Werten für das 2. bis 4. Quartal 2008 bereits in der Rezession (Abb. 14556). Der danach angenommene Wiederaufstieg sieht allerdings nicht sehr überzeugend aus, wenn man die voraussichtliche Länge der Krise berücksichtigt.



In USA zeigt der heute bekannt gegebene Industrieindex den stärksten Absturz seit 26 Jahren (Abb. 05108).


In Deutschland trifft die Krise auf eine instabile soziale Situation, nicht nur wegen des hohen Anteils an nur befristet Beschäftigten und der nicht als arbeitslos gerechneten Bezieher von Arbeitslosengeld sondern auch wegen des ständigen Anstiegs der Empfänger von Grundsicherung (Abb. 14558). Das waren am Jahresende 2007 rund 733 000 Personen mit Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung und damit 7,4 % mehr als im Vorjahr. Seit 2003 stieg die Zahl damit bereits um 67 %. Die Zahl der im Alter auf Grundsicherung Angewiesenen wird wegen des hohen Anteils an gering entlohnten Jobs dramatisch weiter steigen, sobald diese in die Rente kommen.


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global news 1279 03-11-08: China's umweltschädigender Jobklau: die Opfer sollen zahlen
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Es ist eine richtigte Räuberpistole. China, selbst eigentlich kein Entwicklungsland mehr, hat sich an die Spitze einer Gruppe von Entwicklungsländern gestellt, die von den alten Industrieländern verlangen, die Technologie für den Klimaschutz gratis zur Verfügung zu stellen. Dabei hat China alles getan, um mit Sozial- und Umweltdumping die energieaufwendige Produktion aus den alten Industrieländern herauszuholen. Nun findet die gleiche Produktion in China zu weit schlechteren Umweltbedingungen mit weit mehr Ausstoß von Treibhausgasen statt (Abb. 07062).


Nachdem China seine Energieintensität pro Wirtschaftswachstum zwischen 1978 und 2000 um zwei Drittel senken konnte, steigt sie seit 2002 wieder, und das um das 1,5-Fache der gesamten Wirtschaftsleistung, eine sehr ungünstige Relation. So steigen auch die CO2-Emissionen pro Wirtschaftsleistung wieder (Abb. 07267). Sie waren 2005 fast siebenmal höher als in Deutschland.


China produziert bereits heute 50 % der Weltproduktion an Flachglas und Zement, mehr als ein Drittel an Stahl und 28 % an Alluminium - alles sehr energieintensive Produktionen. Der Strom kommt zu 80 % aus Kohle-Kraftwerken veralteter Technologie mit entsprechend hohen CO2-Emissionen. Nach Ermittlungen eines australischen Wissenschaftler-Teams haben sich die weltweiten CO2-Emissionen plötzlich um das Jahr 2000 gewaltig beschleunigt. In den 90er Jahren wuchsen sie noch um 1,1 % pro Jahr, zwischen 2000 und 2004 (dem Endjahr der Studie) waren es schon 2,5 %. Die Wissenschaftler schlossen aus verschiedenen Daten, daß der Grund nicht bei der Bevölkerungsentwicklung der Welt liegt sondern in einer Verschlechterung der Energieeffizienz. Zwischen den 70er und 90er Jahren stieg die Energieeffizienz, aber dieser Trend drehte sich im Jahr 2000 um. Die Entwicklungsländer kamen für 73 % des Zuwachses in 2004 auf. Tatsächlich fanden die Forscher vor allem bei China die größte Steigerung der Treibhausgasemissionen. China selbst räumt inzwischen ein, die USA als weltgrößter Emittent von Treibhausgasen überholt zu haben.

Bei China treibt vor allem die starke Exportorientierung die CO2-Emissionen hoch. Nach einer neuen EU-Untersuchung kam es zwischen 2002 und 2007 fast zu einer Verdoppelung der Emissionen. Während 1987 nur 12 % der Emissionen das Ergebnis von Exportproduktion war, expandierte dieser Anteil bis 2005 auf 33 %. Diese Entwicklung entspricht ziemlich genau dem wachsenden Anteil der Exporte an der chinesischen Gesamtwirtschaftsleistung. Die in 2005 allein dem Export zuzurechnenden Emissionen Chinas von 1.700 Tonnen entsprachen fast den kombinierten Emissionen von Deutschland, Großbritannien und Frankreich von 1.850 Tonnen.

Bei dieser Situation verweigert China eine Reduktion seiner Emissionen, solange nicht die Zielländer der chinesischen Exporte die Umwelttechnologie gratis zur Verfügung stellen. Es ist geradezu absurd, wenn ein Land mit Dumping umweltschädliche Produktion ins Land holt und dann von den Ländern, aus denen es die Arbeitsplätze geraubt hat, auch noch Entschädigung verlangt. Die EU hat die USA als Hauptzielland der chinesischen Exporte abgelöst (Abb. 08005) und müßte vor allem für den Abbau der chinesischen Emissionen durch moderne Technologie zahlen.


Es ist alles die Schuld der neoliberalen Handelspolitik, weil sie 2001 mit der bedingungslosen Aufnahme des Staatshandelslandes China in die Marktwirtschaftsorganisation WTO diese massive dumpinggestützte Industrieverlagerung zum Schaden der Umwelt ermöglicht hat.

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global news 1278 01-11-08: USA in der Rezession: Was passiert mit Europa?
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Die amerikanische Wirtschaft, die weitaus größte der Welt, landete im 3. Quartal 2008 erstmals seit Jahren im Minus. Vor allem die amerikanischen Verbraucher haben sich über die letzten Quartale dramatisch zurückgezogen (Abb. 05106).


Sie waren die Stütze der amerikanischen Konjunktur, vor allem Dank astronomischer Ausleihungen von 1,8 Billionen Dollar an Hypothekengeld seit 2005 (Abb. 05107).


Im Jahr 2005 war das 3 % des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Doch im 2. Quartal fiel der Betrag auf nur noch knapp 10 Mrd Dollar zurück. Noch helfen sich viele Amerikaner mit einem starken Anstieg ihrer Kreditkartenverschuldung: Während die Kreditkartenverschuldung in 10 Monaten bis Juli um 29 Mrd Dollar zunahm, stieg sie allein in den 10 Wochen bis Mitte Oktober um 32 Mrd Dollar. Das entspricht einer Jahresrate von 48 %. Die bange Frage ist hier: Wie lange noch. Denn schon steigt die Rate der anbrennenden Kreditkartenschulden erheblich und bald werden die Banken gegensteuern müssen.

Die Entwicklung in USA findet ein fernes Echo in der Baltic Exchange in London. Dort werden die Frachtraten für Massengüter auf den Weltmeeren mit dem Baltic Dry Index täglich festgestellt. Und der ist auf den tiefsten Stand in diesem Jahrtausend abgestürzt (Abb. 03809). Gründe liegen in der schwachen Weltkonjunktur, aber auch im Mißtrauen der Banken bei der Ausstellung von Frachtakkreditiven.


Die USA haben schon einen kräftigen Schnupfen. Bekommt Europa nun nach allen Erfahrungen aus der Vergangenheit die Grippe?

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global news 1277 01-11-08: Einkommens-Tief = Verbrauchs-Tief = Investitions-Tief = Kasino-Hoch
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Es ist eine einfache Formel, die die neoliberale Realität Deutschlands in den letzten 10 Jahren sehr korrekt beschreibt, auch wenn sie vielen nicht gefallen wird. Die Arbeitseinkommen sanken real (Abb. 04054). Dies besonders stark in den unteren Einkommensklassen, wahrscheinlich noch mehr als in USA (Abb. 05105), wobei entsprechende zeitnahe Untersuchungen für Deutschland leider fehlen.



Bei notleidenden Masseneinkommen sinkt der Verbrauch, am Einzelhandelsumsatz aktuell nachweisbar (Abb. 04943).


Die Unternehmen sehen im Inland keinen Markt und bremsen die Investitionen so sehr, daß die Differenz zwischen Ersparnis der Volkswirtschaft und Investitionen auf Rekordhöhen steigt und die Bundesbank von Unterinvestition spricht (Abb. 04583).


Was machen in dieser Situation die Reichtumsverwalter ("wealth manager") in den Banken mit dem Vermögen der Wohlhabenden und Besserverdiener, denen sie hohen Profit versprechen, aber nicht aus der Realwirtschaft durch Kredit an die Unternehmen ziehen können? Sie bringen dieses stark wachsende Vermögen ins Kasino der globalen Spekulation. Selbst die mehrheitlich private Mittelstandsbank IKB geht mit einem viel größeren Anteil ihres kleinen Eigenkapitals ins Kasino, statt dem Mittelstand unter die Arme zu greifen.

Nun wollen die Neoliberalen ihre Illusionen nicht aufgeben. Etwas mehr Bankenaufsicht mit strengeren Eigenkapitalvorschriften soll das Problem lösen. Doch an der Berechtigung dieser traurigen Formel wird sich nichts ändern, solange nicht vorne bei der Einkommensverteilung drastisch korrigiert wird. Kein Reichtumsmanager wird vom Kasino in die Unternehmensfinanzierung zurückleiten, wenn die Verbraucher die Produkte aus den Investitionen der Unternehmen nicht kaufen können. Das ist simples volkswirtschaftliches Einmaleins.

Und die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen wird ohnehin schwieriger, nachdem die Kreditblase bei den weit überbewerteten Unternehmensbonds schrecklich geplatz ist, wie der Rekordversicherungsaufschlag zeigt (Abb. 03636). Die Unternehmen sind gleich zweimal gekniffen, beim Absatz und bei der stark verteuerten Bondfinanzierung - so schwierig, daß beispielsweise Sarkozy in Frankreich den Banken drohen muß, falls sie nicht endlich wieder Kredit an die Unternehmen geben. Die eigentlichen Opfer sind die Arbeitnehmer, die ihre Jobs verlieren. Dann wiederholt sich die Formel mit dem Einkommens-Tief.


Also, liebe Neoliberale, warum nicht bei der dringends notwendigen Reform in der Formel vorne anfangen? Das Kasino kann man dann immer noch ausmisten.

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global news 1276 31-10-08: Die Verbraucher gehen weltweit auf Tiefstation
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Nach dem neuesten Stimmungsindikator der EU ist die Verbraucherstimmung im Oktober mit dem stärksten monatlichen Absturz auf den tiefsten Wert seit 15 Jahren gefallen (Abb. 13544).


Auch in Deutschland ist die Konjunkturerwartung der Verbraucher auf den tiefsten Stand abgerutscht (Abb. 04917). Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts verminderte sich der September-Umsatz des deutschen Einzelhandels im Vergleich zum August 2008 unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten real um 2,3 % (Abb. 04943).



In USA ist der Index des Verbrauchervertrauens auf den tiefsten Stand gefallen, der seit Einführung der Messung vor mehr als 40 Jahren festgestellt wurde (Abb. 05073).


Das alles kann eigentlich nicht überraschen, denn die Masse der Verbraucher weltweit trägt durch fallende an den Aktienmärkten angelegt Betriebsrenten, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sowie andere Wohlfahrtsverluste den Löwenanteil der Belastungen aus der Finanzmarktkrise.

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global news 1275 31-10-08: Arbeitsmarkt im Oktober: Das "letzte Hurra" vom Arbeitsmarkt
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Mit der üblichen Manipulation hat es die Bundesagentur für Arbeit nun doch geschafft: 2,9969 Millionen Arbeitslose im Oktober. Da kann man nun groß posaunen: "unter 3 Millionen", auch wenn es auf Tausender gerundet 3 Millionen waren und alles in der Fehlerquote. Der Bundeswirtschaftsminister meldet sich wieder einmal zu den Arbeitsmarktzahlen, wie er das immer tut, wenn sie ihm günstig erscheinen. Nun setzt der die Schlagzeile: "Arbeitsmarkt weiterhin robust - Arbeitslosigkeit erstmals wieder unter drei Millionen." Da schlägt er auch noch den Bundesarbeitsminister, der vorsichtiger formuliert: "Unter drei Millionen Arbeitslose - jetzt Beschäftigung stabilisieren". Und die meisten Medien können es noch schöner, so SPIEGEL: "Dem deutschen Job-Markt geht es so gut wie seit 16 Jahren nicht mehr." Wirklich??

Niemand verrät uns, daß rund ein Drittel des gemeldeten Beschäftigungsaufbaus auf unsichere zeitlich befristete und schlechter bezahlte Leiharbeit entfällt (Abb. 14527). Aus den Einzelzahlen der Bundesagentur für Arbeit muß man sich das aus dem Kleingedruckten erst mühsam herausrechnen. Offensichtlich bereiten sich die Arbeitgeber mit mehr Zeitvertragsarbeit angesichts der drohenden Rezession bereits seit einiger Zeit auf rasche Entlassungen vor. Außerdem hat sich der Aufbau der Erwerbstätigkeit und der Abbau der Arbeitslosigkeit über die letzten Monaten merkbar verlangsamt (Abb. 14041). Der gesamte Abbau an Arbeitslosigkeit über das vergangene Jahr ist schon durch Anstieg von Leiharbeit, von versicherungspflichtiger Arbeit mit der Notwendigkeit von Nebenjobs und durch die demographische Entwicklung zu erklären (allein auf die Demographie entfällt 30 % des Rückgangs im Oktober gegenüber September). Mit fallender Tendenz werden nur noch 53 % der Empfänger von Arbeitslosengeld als arbeitslos registriert (Abb. 04980).




Im internationalen Vergleich hat Deutschland weiter den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen (Abb. 04022) und landet in der allgemeinen Arbeitslosigkeit unter 18 alten Industrieländern nur auf dem 14. Platz.


Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt zum Arbeitsmarkt im Oktober.

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global news 1274 30-10-08: Finanzmarkt-Reformen
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Es ist die Stunde der Böcke, die zu Gärtnern werden. Just die sollen Vorschläge für die Reform der Finanzmärkte machen, die entweder in der Vergangenheit unkritisch blauäugig gewesen sind oder in den Hochburgen der Spekulation selbst lukrativ beteiligt waren. Die von der Bundeskanzlerin eingesetzten Reformkommission ist fest in neoliberalen Händen. Neben dem Vorsitzenden Issing, der einen Beraterjob bei Goldman Sachs bekleidet, finden sich hier Asmussen, der die Verbriefung am Ende viel zu riskanter Papiere wie kein anderer in Deutschland gefördert hat und Regling, der als früherer EU-Generaldirektor für Wirtschaft und Währung Deutschland mitten in der konjunkturellen Flaute 2002 bis 2004 einen strikten Sparkurs auferlegt hatte und früher beim Hedgefonds Moore Capital Strategy Group tätig gewesen war. Mehr Böcke ließen sich in Deutschland offensichtlich nicht finden.

Mit einem 32 Seiten langen Papier will auch die SPD die Meinungsführerschaft zu den notwendigen Finanzmarktreformen zurückgewinnen und dies in Konkurrenz mit der Regierungskommission. Doch das SPD-Papier startet unter seinem großsprecherischen Titel "Eine Neue Balance von Markt und Staat: Verkehrsregeln für die Internationalen Finanzmärkte. Sozialdemokratische Antworten auf die Finanzmarktkrise" ebenfalls von einer neoliberalen Position. Mit einem Sammelsurium von ungewichteten Problembeschreibungen und Lösungsvorschlägen, alles mit der glühend heißen Nadel gestrickt, will es ein bißchen hier und da korrigieren. Doch das System selbst, das die Krise herbeigeführt hat, wird nicht infrage gestellt, das Übel nicht an der Wurzel gepackt. In diesem Papier finden sich viele Vorschläge, die von Versäumnissen der SPD in der Bundesregierung ablenken und wohl auch ablenken sollen.

Das Hauptproblem der Kreditkrise wird bisher mit keinem Wort erwähnt, nämlich die total einseitige Einkommensentwicklung der letzten Jahre, die das reale Spielgeld für das Kasino aufgebaut hat, auf das sich dann noch die Hebelung durch Kredit gigantisch draufsetzte (Abb. 14102, 05015). Auch nicht die ebenso astronomischen Ungleichgewichte zwischen den Export- und den Verschuldungs-Weltmeistern, wodurch ein Teil der Kreditblase aufgeblasen wurde. Der neue Schwerpunkt "Finanzmarktreformen - Kurieren an Syptomen" untersucht das näher.



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global news 1273 29-10-08: 2.800.000.000.000 Dollar Verlust auf den Finanzmärkten
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Bei einer neuen Schätzung der Verluste an den Finanzmärkten durch die derzeitige Krise kommt die Bank of England jetzt zu dem Betrag von 2,8 Billionen Dollar. Das entspricht dem 1,4-Fachen der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Damit hat sich die Schätzung seit dem letzten Bericht vom April mit damals 1,3 Billionen Dollar mehr als verdoppelt. Von den 2,8 Billionen Dollar entfallen 36 % oder fast 1 Billion Dollar auf die Eurozone (Abb. 03807). Die BoE erwartet jedoch daß der tatsächliche Verlust am Ende geringer sein wird, falls sich Anlagen erholen sollten.


Die 2,8 Billionen Dollar entsprechen etwa 85 % des Kernkapitals der Banken von 3,4 Billionen Dollar vor Ausbruch der Krise, wobei allerdings nur ein Teil der Verluste an den Banken hängenbleiben wird und sonst bei anderen Finanzinstitutionen landet.

28,5 % der geschätzten Verluste entfallen auf hypothekenbesicherte Papiere, 68,8 % auf Unternehmensbonds und der Rest auf andere Papiere (Abb. 03808). In der Eurozone ist der Anteil von Verlusten aus Bonds mit 91,6 % besonders hoch. Das zeigt, wie sich das Kreditstanding der Unternehmen schon jetzt verschlechtert hat, bevor die Krise voll in die Realwirtschaft wandert. Es zeigt aber auch den Leichtsinn der Rating Agenturen in der Bewertung von Unternehmen.


In den USA setzt sich die Immobilienkrise, die der Grund für die anbrennenden Hypotheken ist, fort. Im September wurden rund ein Drittel weniger Einfamilienhäuser verkauft als im selben Monat 2007 (Abb. 05104). Die Preise fielen im August mit der schnellsten Rate seit Beginn der Aufzeichnungen in 2001 (Abb. 03714). Der amerikanische Index des Verbrauchervertrauens ist auf den tiefsten Stand gefallen, der seit Einführung der Messung vor mehr als 40 Jahren festgestellt wurde (Abb. 05073).




Selbst der Markt für Staatsbonds für eigentlich gute Länder leidet. So mußte Österreich jetzt einen Bond zurückziehen, weil die Investoren wegen der besonderen Belastung des Landes durch die Situation im benachbarten Osteueropa einen höheren Zins verlangten.

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global news 1272 28-10-08: Deutsche Verbraucher trotzen der Finanzkrise??
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Die letzte Pressemitteilung der Gesellschaft für Konsumforschung ist wieder einmal ein schönes Stück positiver Meinungsmanipulation. Da setzt sie die Schlagzeile: "Konsumklima trotzt Finanzkrise" und der SPIEGEL übernimmt das fast wortgleich: "Deutsche Verbraucher trotzen der Finanzkrise". Im Text heißt es dann bei der GfK: "Trotz Finanzkrise mit teilweise tumultartigen Reaktionen an den Börsen kann sich das Konsumklima im Oktober auf niedrigem Niveau stabilisieren. Dazu trägt vor allem eine leicht steigende Einkommenserwartung in Verbindung mit einer rückläufigen Sparneigung bei. Im Gegensatz dazu müssen die Konjunkturerwartung sowie die Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen." Schaut man sich doch die Werte einmal genauer an, so ist so ziemlich das Gegenteil dieser frohen Botschaft wahr. Die Konjunkturerwartung ist auf den tiefsten Stand abgerutscht (Abb. 04917). Und das Konsumklima liegt sehr tief mit nur einem Minizacken nach oben (Abb. 04711). Das mit einer so positiven Überschrift zu versehen, ist schon sehr mutig.



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global news 1271 28-10-08: Deutsche Banken verlieren immer mehr an Aktienwert
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Seit Ausbruch der Krise im Juli letzten Jahres hat die Deutsche Bank 84 %, die Commerzbank 80 % und die Postbank 78 % ihres Wertes verloren (Abb. 03752, 03806). Ähnlich, wenn nicht noch schlimmer ist die Dresdner Bank abgestürzt, was allerdings mangels eines eigenen Kurses nur aus dem Kurs der Allianz abgelesen werden kann.



Alle deutsche Banken haben mit viel zu kleinem Eigenkapital ein viel zu großes Rad gedreht, nicht nur die IKB und Hypo Real Estate (Abb. 03802). Im Durchschnitt betrug die Bilanzsumme zur Jahresmitte das Fünfzigfache des Eigenkapitals, bzw. das Eigenkapital nur 2 % der Billanzsumme. Das ist im internationalen Vergleich am untersten gefährlichesten Ende (Abb. 03797).



Mit solchen Banken, die auch noch auf der privaten Seite den staatlichen Rettungsring ablehnen, in eine schwere Wirtschaftskrise zu laufen, kann Deutschland nicht gut tun.

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global news 1270 28-10-08: Immer mehr Pfeiler des neoliberal globalisierten Finanzsystems brechen ab. Wann kommt das Dach runter?
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Da haben die Neoliberalen über die letzten 20 Jahre ein riskantes Finanzmarktinstrument nach dem anderen geschaffen oder hochgefahren und einen institutionellen Investor nach dem anderen und alles fein global verbunden. Doch nun bricht von diesen meist spekulativen Pfeilern einer nach dem anderen. Abb. 03803 zeigt die Entwicklung bei den Derivativen, deren ausstehendes Volumen den astronomischen Betrag von fast 600 Billionen Dollar erreicht hat. Die Entwicklung der international gehandelten Schuldpapiere zeigt Abb. 03805.



Erst stürzten die Mortgage Based Securities ab, mit miesen amerikanischen Hypotheken hinterlegte Papiere. Die zogen dann einige Banken mit sich und machten ein gewaltiges Programm staatlicher Beteiligungen vieler Regierungen an den Banken nötig. Der Konkurs der von der US-Regierung nicht geretteten Investitionsbank Lehman Brothers riß den Geldmarkt ein, an dem Lehman-Papiere gehandelt worden waren, und brachte den riesigen Markt von Kredit Default Swaps, Wetten gegen Kreditausfälle, in Gefahr (ausstehend 58 Billionen US$). Als nächstes beschleunigte sich der Absturz der Aktienmärkte. Die staatlichen Garantien für die Banken sogen den noch vorhandenen Kredit in Richtung der nun als sicherer geltenden Anlage bei den Banken und schnürten so den Hedgefonds und anderen auf den Kreditmarkt angewiesenen Institutionen die Luft aus neuen Krediten ab. Deren damit unvermeidbare Panikverkäufe drücken nun die Aktienwerte und Werte von Kreditmarktpapieren noch tiefer. Auch die Unternehmen der Realwirtschaft leiden mangels eines funktionierenden Geldmarktes in ihrer Finanzierung und können sich auch nicht über Aktien finanzieren. Die Banken andererseits haben ihre normale Kreditgewährung an die Unternehmen trotz aller Hilfspakete der Regierungen noch nicht wieder aufgenommen. Der Interbankenzins hat bisher nur das halbe Prozent der EZB-Zinssenkung weitergegeben, aber nicht mehr.

Zu alledem bricht nun auch noch die Devisenspekulation und damit ein weiterer Pfeiler des hochspekulativen Systems ein, weil die dort aktiven Spekulanten, vor allem wieder Hegefonds, ihre Anlagen in fremden Währungen auflösen müssen und sich aus Anlagen in von der Krise besonders gefährdeten Ländern zurückziehen, in die sie wegen der günstigeren Zinssätze ursprünglich hineingegangen waren. Das bringt eine größere Zahl von Ländern, vor allem in Osteuropa, in Gefahr und wirbelt das internationale Währungssystem mit plötzlichen Ausschlägen durcheinander. Die Währungsderivate sind im ausstehenden Volumen zwischen 2000 und 2007 auf 56 Billionen Dollar oder mehr als das Dreieinhalbfache gestiegen (Abb. 03804).


Man muß sich bei einer solchen Entwicklung immer mehr fragen, wann auch noch das Dach herunterkommt, das die neoliberalen Globalisierer mit solchen Pfeilern über den Weltfinanzmarkt gebaut und damit die Einzeldächer über den nationalen Finanzmärkten weitgehend ersetzt haben. Die deutschen Unternehmen schätzen nach dem heutigen Ifo-Index ihre Zukunft einstweilen ziemlich schwarz ein. Der Index fiel auf den tiefsten Stand seit seiner Einführung vor 7 Jahren (Abb. 04589).


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global news 1269 27-10-08: Weltwirtschaftskrise: China ist Teil des Problems, nicht der Lösung
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Da pilgern sie nun nach China, die Regierungshäupter aus der EU, getrennt und gemeinsam, in der Erwartung, daß China die Weltwirtschaftskrise mindestens abbremsen wird. Bei so gigantischen Währungsreserven und einer mehrheitlich darbenden Bevölkerung könnte das Land viel mehr in den alten Industrieländern einkaufen und dort die Wirtschaft und die Arbeitsmärkte stützen. Doch China verfolgt genau die gegenteilige Politik, denn sein größtes Problem ist die Gefahr eigener Arbeitslosigkeit. Und die soll über noch mehr Export gebannt werden. Gerade in Notzeiten der Verbraucher in den alten Industrieländern kann die China-Ware die einheimische Produktion dort über niedrige Preise noch besser ausstechen. Und wenn in China die Arbeitslosigkeit zunimmt, werden mangels unabhängiger Gewerkschaften und bei Streikverbot in den staatlichen Unternehmen die chinesischen Arbeitskosten noch mehr gezügelt, als das bei uns möglich ist. Die Dumpingmarge steigt entsprechend.

So kann China seine Exporte weiter hochfahren und hat in den ersten 8 Monaten 2008 Deutschland erstmals als Exportweltmeister abgelöst. Sein Export lag bei einer weiter enormen Zuwachsrate von 22,4 % gegenüber Vorjahr schon um 10,2 % über dem deutschen (Abb. 08154). Sein Exportüberschuß betrug mehr als das Doppelte des deutschen (Abb. 08155). Während die deutschen Einfuhren in den ersten 8 Monaten 2008 aus der Eurozone nominal um 6,2 % stiegen, expanderten die aus China um 9,3 %.



Gerade wegen der nun anlaufen Weltwirtschaftskrise werden die alten Industrieländer, auch Deutschland, chinesisches Dumping verhindern müssen. Denn Billigstimporte stechen nicht nur die einheimische Ware aus. Sie veranlassen auch die Unternehmen bei uns, die deutschen Löhne und Gehälter noch mehr zu drosseln. Martin Kannegiesser, Präsident Gesamtmetall, warnt die Gewerkschaften schon mal vor Arbeitslosigkeit als Folge der Tarifforderungen: "Die Gewerkschaft hat das Gespür für die Situation unserer Branche verloren. Viele Erfolge stehen auf dem Spiel, insbesondere die Rekordzahl an 250 000 zusätzlichen Stammarbeitsplätzen, die unsere Industrie in den letzten zweieinhalb Jahren geschaffen hat." Tatsächlich ging das Entgelt pro Arbeitsstunde in der gewerblichen Wirtschaft im Zeitraum Januar - August 2008 gegenüber Vorjahresperiode verbraucherpreisbereinigt um weitere 1,0 % zurück, und dies trotz Anstiegs der Produktivität um 0,9 % (Abb. 04009).


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global news 1268 25-10-08: Sarkozy, Brown, Merkel: Wiederbelebungsversuche an einer Leiche
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Erst haben sie den Neoliberalismus durch blasierte und dumme Übertreibungen zu Tode geritten. Nun versuchen sie verzweifelt, ihn wiederzubeleben. Jahrelang galt für die Regierenden in Frankreich, Großbritannien und Deutschland die neoliberale Globalisierung als alternativlos. Man lese nur die Erklärungen von Schröder ("Man darf ja nicht darüber hinwegsehen, daß die Globalisierung uns zu bestimmten Maßnahmen zwingt") und Köhler ("Die Welt ist in einem tief greifenden Umbruch. Wer hier den Zug verpaßt, bleibt auf dem Bahnsteig stehen"). Blind haben sie versucht, mit den Rezepten der Wall Street auch Europa zu beglücken. Die Bundesregierung machte sogar die amerikanischen Verbriefungsmethoden, an denen heute die Banken zu ersticken drohen, in Deutschland salonfähig (der damit beschäftigte Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium wurde jetzt auch noch zum Staatssekretär befördert). Doch der Zug, den man nicht verpassen wollte, fuhr direkt in die Katastrophe.

Im Ergebnis rutschte die Kaufkraft immer mehr in die Hände derer, die eigentlich schon fast alles an langlebigen Wirtschaftsgütern haben und auch die kurzlebigen nur einmal konsumieren können. Bei dieser Umverteilung nach Oben half der negative Lohndruck aus China u. Co., den die Neoliberalen über eine bedingungslos neoliberale Globalisierung ohne Sozialklauseln erzeugt hatten, entscheidend mit. Die Masse der Arbeitnehmer und erst recht der Arbeitslosen und Sozialrentner mußte sich in Deutschland in einer real negativen Einkommensentwicklung einrichten, zumal auch noch zwischen den Arbeitnehmern die Einkommensschere aufging (Abb. 14523).


Großzügig konnten die so in Deutschland und anderswo neoliberal Benachteiligten von den Besserverdienern durch Vermittlung der Banken Kaufkraft auf Kredit und gegen Zinszahlung ausleihen, vor allem in den angelsächsischen Ländern mit einer hohen Schuldentradition (siehe USA, Abb. 03469). Aber auch in Deutschland mußten sich die Ärmeren immer mehr verschulden. Als Spitze dieses deutschen Eisbergs stieg die Zahl der privaten Verbraucher im hochnotpeinlichen gerichtlichen Insolvenzverfahren: Seit 2005 bis Juli 2008 mit 325.000 die Bevölkerung dreier Großstädte und mehr. Zu allem Überfluß wurde der Kredit teilweise selbst gleich mehrfach mit Kredit finanziert, um noch mehr Profit aus den miesen international gehandelten Anlagepapieren von Hypotheken, Autokäufen, Kreditkarten, Studienfinanzierung usw. herauszuschlagen.


Nun ist diese gigantische Kreditblase geplatzt und kein Weg führt dahin zurück. Dennoch glauben die deutsche Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister, mit ein paar kleineren Korrekturen, wie mehr Bankenaufsicht, das alte neoliberale System wiederbeleben zu können. Doch was sie und ihre Vorgänger mit der leichtfertigen neoliberalen Politik an ungerechter Einkommensverteilung erreicht haben, kann man nicht so leicht zurückdrehen. Die Kaufkraft fehlt jetzt bei denen, deren steigender Verbrauch uns vor einer Weltwirtschaftskrise noch bewahren könnte, und ein großer Teil der Verbraucher ist ohnehin schon in Schockstarre verfallen. Der Kreditmechanismus, der bisher die Wirtschaft mit zusätzlichen globalen Kaufkrafttransfusionen auf Pump versorgt hat, ist gestorben. Diese Leiche läßt sich nur noch fleddern. Eine statt dessen staatlich organisierte Rückverteilung der Kaufkraft scheitert bisher an den eingefahrenen Denkweisen der immer noch neoliberalen Regierungen, denn das röche zu sehr nach Sozialismus.

Wir alle müssen nun die Folgen einer sich zuspitzenden Weltwirtschaftskrise ertragen. Einstweilen brechen schon mal die Aktienmärkte immer weiter ein. Der Absturz ähnelt dem von der letzten Weltwirtschaftskrise (Abb. 03799). Ackermanns einst stolze Deutsche Bank ist an der Börse nur noch ein Fünftel wert (Abb. 03801).




Nach einer Studie der Ökonomen der Deutschen Bank wird das Wirtschaftswachstum der Industrieländer im kommenden Jahr auf den niedrigsten negativen Stand seit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre fallen. Für die führenden sieben Industriestaaten (G7) rechnet das Institut mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent 2009 nach einem Wachstum von 0,8 Prozent 2008. Der Index für die Wirtschaftsleistung des privaten Sektors in Europa fiel im Oktober auf den tiefsten Stand seit Beginn der Messungen vor 10 Jahren (Abb. 03800).


Hoffentlich hält bei dieser Weltwirtschaftskrise - anders als bei der letzten - die Demokratie in Deutschland durch.

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global news 1267 25-10-08: Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise 1929-1932
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Heute ist der deutsche Aktienindex Dax wieder um rund 5 % gefallen. Die derzeitige Börsenkrise bewegt sich immer mehr in Richtung auf die große Krise von 1929-32, als der S & P Aktien-Index auf nur noch 11 % seines Wertes vor Ausbruch der Krise absackte (Abb. 03799). 1929 verlor der Index in seinem stärksten Fall über wenige Tage etwa 35 % seines Wertes. Der Dax hat nun in 6 Monaten etwa 37 % verloren. Die große Börsenkrise dauerte damals bis Juni 1932 etwa 2 ¾ Jahre lang. Die derzeitige dürfte ähnlich lang dauern, denn ein Ende vor Ablauf des kommenden Jahres wird immer unwahrscheinlicher.


Erst im nächsten Jahr wird sich die Kreditkrise voll in die Realwirtschaft hineingearbeitet haben. Stark steigende Zahlen an Arbeitslosigkeit und Unternehmenspleiten werden die Folge sein.

Ich bin Norbert Reuter und Verdi sehr dankbar, daß in der neuen Verdi-Mitgliederzeitschrift mit einer Auflage von kapp 2 Millionen auf mein letztes Buch "Globalisierung: Legende und Wahrheit" aufmerksam gemacht wird. Dort habe ich, wie in früheren Büchern die sich veschärfende Krise analysiert. Und so hieß es im Schlußkapitel: "Die neoliberal globalisierte Weltwirtschaft ist erheblich krisenanfälliger geworden. Ihre Ungleichgewichte nehmen ständig zu. Bitte anschnallen und das Faltblatt für Notlandungen aufschlagen. Eine weiche Landung hängt besonders von Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der sozialen Spaltung der Gesellschaften ab. Leider stehen die Chancen dafür schlecht. Also für alle Fälle schon mal üben: Füße zusammenstellen und Hände vor den Kopf." Für mehr siehe hier.

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global news 1266 24-10-08: Von der Banken- zur Unternehmenskrise: Warten auf einen Rettungsfond?
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Mit den Teilverstaatlichungen der Banken in USA, Großbritannien und einigen anderen Ländern ist bisher die Gefahr eines Bankenkollaps gebannt worden, allerdings weniger in Deutschland, weil hier die Freiwilligkeit des Programms die Banken von der staatlichen Rekapitalisierung abhält. Doch die eigentliche Gefahr einer Abwärtsspirale an den Aktienmärkten und bei der Unternehmensfinanzierung nimmt noch zu.

Der japanische Nikkei ist auf den tiefsten Stand seit 5 Jahren gefallen, der deutsche Dax hat seit Ausbruch der Krise bis heute Morgen schon mehr als 46 % seines Wertes verloren (Abb. 03712). Der amerikanische Wirtschaftsforscher Roubini, der die Krise schon vor zwei Jahren korrekt vorausgesagt hat, erwartet jetzt den Zusammenbruch von hunderten von Hedgefonds, deren Notverkäufe Panik auslösen und die Regierungen zwingen würde, die Finanzmärkte für mehre Tage zu schließen.


Ganze Länder sind finanziell ins Trudeln geraten, wie besonders Island, Ungarn, Ukraine und Argentinien. Deutsche Banken sind gerade bei Island besonders auf der Verliererseite. Spanien konnte einen Staatsbond in der vergangenen Woche nicht am Markt unterbringen. Auch Belgien und Finnland haben Probleme mit der Vermarktung von Staatspapieren, weil ihr Kreditstanding in der Folge der Bankenrekapitalisierung gelitten hat. Niemand kann sich offentlichtlich von der allgemeinen Abwärtsfahrt abkoppeln. Selbst das chinesische Wirtschaftswachstum, wenn auch noch hoch, geht zurück und das mit Wellen von Unternehmensschließungen, derzeit vor allem in der Spielzeugindustrie.

Auf der Unternehmensseite ist schon der Automobilbereich weltweit angeschlagen und fährt mit Entlassungen und Kurzarbeit zurück. Bedrohlich wird nun vor allem das Austrocknen der Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen. Die Bondversicherung in Europa, vor allem von Junkbonds, hat einen Rekord bei fast 8 % erreicht (Abb. 03636). Das impliziert eine horrende Annahme des Marktes, nämlich daß 2/3 der auf Junkbonds angewiesenen Unternehmen Pleite gehen mit dem typischen Wertverlust von 60 % der Bonds. Der IWF warnt vor einer scharfen Kreditverkürzung für europäische Unternehmen im kommenden Jahr. Das Kreditvolumen der Banken an die Wirtschaft, das noch in diesem März um 15 % höher als im Vorjahr lag, soll im nächsten Jahr nur noch um 2 bis 3 % wachsen und damit real abnehmen. Dabei sind die Unternehmen wegen des schlechten Aktienmarktes mehr denn je auf Bonds oder Bankenkredite angewiesen.


Der französische Rettungsfonds für Unternehmen macht in dieser Situation verengten Kredites durchaus Sinn, auch wenn er von Deutschland sofort abgelehnt wurde. Hinzu kommt, daß viele wichtige Unternehmen so billig geworden sind, daß sie von Staatsfonds aus Asien und Rußland oder auch einigen immer noch finanzstarken Private Equity-Heuschrecken bequem aufgekauft werden können und dies mit den zu erwartenden Folgen für die Beschäftigung in einem ohnehin nach unten driftenden Arbeitsmarkt. Daß ausgerechnet Sarkozy, der einmal als Champion für einen kapitalistischen Kurs angetreten war, hier angekommen ist, sagt mehr als viele statistische Daten.

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global news 1265 23-10-08: 10 Jahre von Kapitalismus zu Kaputtalismus
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Es hat zehn Jahre gebraucht, um den Kapitalismus klassischer Prägung kaputt zu kriegen, wie es eigentlich schon Marx ziemlich genau im "Kapital" von 1867 vorausgesagt hatte. Die Neoliberalen wollten mit ihrer Lehre nach dem Fall der Berliner Mauer und des Kommunismus in Osteuropa den Marxismus endgültig austreiben. Was sie jedoch seitdem erreichten, ist eine gigantische Akkumulation von Kapital auf einer kleinen Seite der Gesellschaft. Gerade hat die OECD, eigentlich eine Organisation der kapitalistischen Länder, die immer einseitigere Einkommensverteilung in den alten Industrieländern dokumentiert. Aus der Gruppe von Ländern, die nach dem letzten Stand von 2005 beim oder über dem OECD-Durchschnitt an Ungleichheit lagen, hatten viele nach dem Fall der Mauer in Richtung Ungleichheit dazugepackt, dabei auch Deutschland mit dem viertstärksten Anstieg unter 11 Ländern (Abb. 13543, 14523). Deutschland legte 4,1 Gini-Punkte zu - sehr viel, wenn man berücksichtigt, daß der Abstand zu Schweden und Dänemark mit ihren sozialen Modellen nur etwas über 6 Punkte beträgt.



Eine so einseitige Einkommensentwicklung hätte die Kaufkraft der breiten Massen an Verbrauchern längst austrocknen und die Volkswirtschaften in die Krise treiben müssen. Doch die Neoliberalen konnten das durch einen Trick vermeiden. Die Reichen konnten nämlich die von ihnen nicht benötigte Kaufkraft an die Armen und viele Normalverbraucher auf Kredit zurückleihen. Vor allem viele Amerikaner, die sich sonst nie ein Haus hätten leisten können, konnten nun mit Hypotheken finanzieren, die dann sekurisiert um den Globus herum kapitalkräftigen Anlegern als Anlagen dienten. Auch die Wohlhabenden aus Deutschland waren im Casino der Kredite dabei. International finanziert wurde über zweifelhafte Papiere nicht nur der Bau von Eigenheimen sondern auch der Autokauf, Kreditkartenkauf und selbst Studenten.

Um die Profite aus solchen Papieren noch zu steigern, wurden sie mit Bankenkrediten im Volumen hochgehebelt. Dabei mogelten sich die Banken durch Ausgründung von Vehikeln für das Geschäft mit solchen Kreditpapieren an der Bankenaufsicht vorbei. Die neoliberalen Regierungen wußten natürlich, was da lief (auch die Bundesregierung förderte Sekurisierung und Handel mit solchen Papieren), doch einerseits versprachen ihnen die kurzfristigen Erfolgsmeldungen des künstlichen Booms die Wiederwahl, andererseits nahmen sie neoliberal die vermeintlichen Interessen der Wohlhabenden wahr. Wer Kritik übte, wurde daran erinnert, daß der Reichtum nach unten tröpfeln würde.

Die beiden Hauptüberschußländer China und Deutschland, die ihren Export auf unterentlohnter Arbeitskraft aufbauten, traten ebenfalls als gigantische Kreditgeber an die Defizitländer an. Arme und ausgebeutete chinesische Arbeitnehmer finanzierten so mit den Überschüssen ihrer Arbeitskraft über den chinesischen Staat den Hausbau in USA mit. Mit Japan brachten es diese drei Länder im vergangen Jahr auf einen Leistungsbilanzüberschuß von 835 Mrd Dollar, in fünf Jahren eine gigantische Steigerung auf das Dreieinhalbfache oder seit 2001 zusammen 2,8 Billionen Dollar (Abb. 03798). Es ist die größte internationale Kreditaktion in der Weltwirtschaftsgeschichte.


Was allerdings fehlte, war die Kreditwürdigkeit derer, denen man erst die Kaufkraft abgenommen und dann zurückgeliehen hatte. Also mußte die gigantische Kreditblase früher oder später brechen. Man kann sie nicht wieder aufblasen, wo sie war, und so rutscht die Weltwirtschaft in die Krise.

Die einzige dauerhafte Wirtschaftsordnung kann nur darin bestehen, die Kaufkraft dort zu belassen, wo sie den Arbeitnehmern originär gehört. Ohne staatliche Eingriffe in die Einkommensverteilung und Sozialklauseln im internationalen Handel wird das jedoch nicht möglich sein. Denn ohne das Schreckgespenst des untergegangenen Kommunismus werden die Vermögenden nicht von sich aus und freiwillig auf die nun jahrelang eingefahrene ungleiche Einkommensverteilung verzichten.

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global news 1264 23-10-08: Unternehmensfinanzierung in USA weiter blockiert, Fed soll retten
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Die Finanzierung der amerikanischen Unternehmen durch Junkbonds wird immer teuerer. Die Zinsdifferenz zu den Bonds mit Investmentgrad liegt schon bei fast 3 %, was vielen Unternehmen das Genick brechen wird (Abb. 03794, 03761).



Die Regierung hat zwar die Banken stabilisiert, sie damit aber auch zu einem sichereren Hafen für Geldanleger gemacht. Im Ergebnis wurden die riskanteren Geldmärkte noch mehr geleert, auf denen sich die Unternehmen mit notwendigem Kapital versorgen. Bei fallenden Aktienkursen können sie sich auch nicht durch Ausgabe neuer Aktien finanzieren. So muß die amerikanische Regierung nun für 600 Mrd Dollar über die Fed Unternehmensanleihen und andere Papiere vom Geldmarkt kaufen in der verzweifelten Hoffnung, so diesen Markt wenigstens teilweise wieder beleben zu können.

Auch in Europa wird die Unternehmensfinanzierung über den Geldmarkt immer schwieriger, wie die einsam hohen Versicherungsraten dokumentieren (Abb. 03636).


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global news 1263 23-10-08: Nur ein Betriebsunfall des Kapitalismus?
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Überall wird in diesen Wochen philosophiert, ob die globale Kreditkrise nur ein Betriebsunfall des Kapitalismus ist und dieser, wie die Kernkraftwerke nach dem Tschernobyl-Gau, weiterbetrieben werden kann. Die verantwortlichen Politiker in vielen Ländern, auch in Deutschland, sehen es als Betriebsunfall, dessen Wiederholung mit einigen Verbesserungen am System, wie einer besseren Bankenkontrolle, auszuschalten ist. Erst recht ist das natürlich die Bewertung in der Finanzwirtschaft, wo man sich gegen staatliche Kontrollen im Zusammenhang mit Rettungspaketen wehrt. Die deutsche Bundeskanzlerin mag das böse Wort "Verstaatlichung" nicht in den Mund nehmen: ""Wenn für Banken Kapital bereitgestellt wird, ist dies nichts anderes, als wenn sich Firmen Kapital auf dem privaten Markt besorgen würden. Insofern ist es keine Verstaatlichung, daß der Staat jetzt vorhat, auf Dauer in die Banken einzugreifen, sondern es ist eine Hilfe durch den Staat."

In Deutschland meint beispielsweise Ackermann, die Deutsche Bank hätte nicht einmal das Rettungspaket nötig. Dabei ist gerade die Deutsche Bank besonders exponiert. Ihre Relation von Eigenkapital zur Bilanzsumme lag zuletzt bei nur 1,6 Prozent und damit im Schlußfeld unter den 50 führenden Banken der Welt (Abb. 03797).


Robert von Heusinger, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Rundschrau, wirft der Bundesregierung in seinem Kommentar "Sie können keinen Kapitalismus" vor, daß sie anders als andere Regierung nicht einmal zur Zwangsverstaatlichung geschritten sei, obwohl auch die deutschen Institute dramatisch unterkapitalisiert seien.

Der renomierte Harris Poll hat jetzt in einer Umfrage ermittelt, ob in verschiedenen Ländern die Menschen eher einen Betriebsunfall oder eine Systemkrise des Kapitalismus sehen. In Deutschland ist der Anteil derer, die von einem Systemfehler ausgehen, mit 30 % wesentlich höher als in den anderen Ländern, in USA z.B. nur 7 % (Abb. 03796). Das ist nicht nur die Folge besonderer deutscher Ängstlichkeit und Trauer um die verlorene Soziale Marktwirtschaft. Hier drückt sich auch die Erfahrung, der seit vielen Jahren besonders ungleichen Einkommensentwicklung aus (Abb. 13542).



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global news 1262 22-10-08: Neue OECD-Studie: Besonders starker Anstieg der Einkommensungleichheit in Deutschland 1995-2005
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Nach einer neuen OECD-Studie ist die Einkommensungleichheit zwischen 1995 und 2005 in Deutschland viel stärker gestiegen als in den meisten Industrieländern. So hat das untere Fünftel der Haushalte in Deutschland besonders stark verloren, während es in fast allen anderen Ländern dazugewonnen hat (Abb. 13540).


In der Messung nach dem Gini-Koeffizienten (0 = absolute Gleichheit, 1 = absolute Ungleichheit), liegt Deutschland per 2005 hinter 8 westeuropäischen Ländern und vielen anderen, während die Ungleichheit nur in 6 westeuropäischen Ländern noch größer ist (Abb. 13541). Besonders ungünstig ist für Deutschland allerdings die Entwicklung zwischen 1995 und 2005. Hier gehört Deutschland zu den nur 3 von 21 Ländern, in denen die Ungleichheit zugenommen hat (Abb. 13542).



Die OECD sieht mehrere Gründe für die ungünstige Entwicklung in Deutschland: die besonders starke Auseinanderbewegung von Löhnen und Gehältern, die besonders hohe Arbeitslosigkeit und auch die starke Entwicklung der Zahl der Single-Haushalte und Alleinerziehenden, wobei kleinere Haushalte ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als größere benötigten, um denselben Lebensstandard zu erreichen.

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global news 1261 21-10-08: Deutsche Wirtschaftspolitik total über den Wolken
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Da rollt die globale Wirtschaftskrise auch auf Deutschland zu, und gerade auf unser Land wegen seiner extremen Exportabhängigkeit. Doch der Bundeswirtschaftsminister verkündet heute in seiner Presseerklärung zur wirtschaftlichen Lage im Oktober 2008 unter anderem:

    „Nach der jüngsten Zuspitzung der Lage an den Finanzmärkten hat die Bundesregierung in Abstimmung mit ihren wichtigen Partnerländern ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stabilisierung beschlossen. Diese Maßnahmen werden auch dazu beitragen, negative Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Entwicklung der realen Wirtschaft zu begrenzen." Und:
    „Vom privaten Konsum gingen aufgrund des beschleunigten Preisauftriebes in diesem Jahr bislang keine Impulse aus. Zum Jahresende hin könnte er sich dagegen angesichts der voraussichtlich deutlich ruhigeren Preisentwicklung sogar etwas beleben. Für das dritte Quartal zeichnet sich bereits eine etwas günstigere Entwicklung ab."

Tatsächlich kann das Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Stabilisierung der Banken sehr wenig zur Abschirmung beitragen und negative Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Entwicklung der realen Wirtschaft begrenzen. Statt den Rettungsring anzunehmen setzen die privaten Banken bisher jedenfalls eher auf eine Geschäftspolitik des knausrigen Kredits an Wirtschaft und Verbraucher, geben Zinssenkungen der EZB nicht weiter und erhöhen Gebühren. Alles zum Schaden der deutschen Konjunktur, obwohl die Bundesregierung genau das verhindern wollte. Der Interbankenzins hängt auch heute noch mit 5 % um 1,25 % über dem EZB-Zins und die Banken parken weiterhin ihre Liquidität eher niedrigverzinst bei der EZB, als sie an Kreditnehmer auszuleihen. Sie bleiben unterkapitalisiert, obwohl weitere Einbrüche drohen, z.B. bei Unternehmens-bonds und -Krediten, Kreditkarten-Subprime-Papieren, Autokauf-Subprime-Papieren, Credit Default Swaps etc.. Von 1,5 Billionen Dollar an Strukturierten Investment Vehikeln (SIV), sind die berüchtigten mit Hypotheken unterlegten Papiere nur weniger als ein Viertel (Abb. 03671).


Und wieder setzt der Bundeswirtschaftsminister wie schon seit sehr vielen Monaten auf den gebeutelten Verbraucher, um den Wirtschaftskarren aus dem Dreck zu ziehen. Seiner Ansicht nach gingen bisher nur wegen der hohen Inflation keine Impulse vom privaten Verbrauch aus. Muß man den Bundeswirtschaftsminister wirklich daran erinnern, daß wegen real negativer Entwicklung der Arbeitseinkommen die Nachfrage privater Haushalte schon seit sieben Jahren praktisch stagniert, während die Inflation erst seit Beginn letzten Jahres Fahrt aufgenommen hat (Abb. 14552)? Wie kann man aus einem einzelnen notorisch unsicheren und immer wieder nachgebesserten Monatsergebnis im Einzelhandelsumsatz im August trotz eines längerfristig negativen Trends eine Belebung des privaten Konsums erwarten (Abb. 04943)? Warum wird uns immer wieder derselbe Sand in die Augen gestreut und mit der falschen Hoffnung gespielt?



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global news 1260 20-10-08: Warnungen vor Unternehmenspleiten in USA wie zur Zeit der Weltwirtschaftskrise
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Aus USA liegen besorgniserregende Hinweise auf zusätzliche Schwierigkeiten mit der Unternehmensfinanzierung vor. Im kommenden Jahr müssen US-Unternehmen nach Einschätzung der Rating Agentur Standard & Poor's knapp 800 Milliarden Dollar an Schulden refinanzieren. Doch der Zins auf die riskanteren Bonds ist weiter gestiegen und hat sich seit September schon mehr als verdoppelt (Abb. 03761). Das Volumen an ausstehenden Geldmarktpapieren der Unternehmen fällt angesichts der hohen Zinsen immer weiter (Abb. 03762).



Die amerikanische Rating Agentur Moddy's hat jetzt vor Ausfällen von Unternehmensbonds wie in der Weltwirtschaftskrise gewarnt. Seit Beginn solcher Rechnungen 1920 gab es eine enge Korrelation in der Zinsdifferenz zwischen Investment Grad Bonds (Aaa) und den riskanteren der Stufe Baa einerseits und der im folgenden Jahr verzeichneten Ausfallrate bei Bonds (Abb. 03795). Die Zinsdifferenz hat sich nun über die vergangenen 11 Monate etwa verdoppelt und deutet damit auf weit mehr Unternehmenspleiten im kommenden Jahr hin (Abb. 02794). In USA sind etwa 1,3 Billionen Dollar an Unternehmensbonds am Markt. Davon sind mehr als die Hälfte unterhalb Investment Grad (Abb. 03675).




Damit wir die Übersicht nicht verlieren: Die miesen Unternehmensbonds sind ein weiteres Problem neben den miesen Hypothekenpapieren und den ebenfalls miesen Kreditkartenpapieren und den Credit Default Swaps von über 50 Billionen Dollar und der Möglichkeit der Pleite eines oder mehrerer großer Hedgefonds. Gegen keines dieser Risiken haben die Regierungen ein direktes Gegengift, und die Überlebensgarantie für die Banken hilft gegen die meisten dieser gigantischen Risken sehr wenig.

Dazu ein Hinweis auf die Anfang November erscheinende Broschüre "Weltwirtschaftskrise II" siehe hier.

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global news 1259 19-10-08: Deutschland: Neoliberales Niedrigsteuerland
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Nachdem die OECD vor wenigen Tagen den neuen Steuervergleich herausgegeben hat, habe ich den Schwerpunkt zu den Steuern neu aufgelegt. Die folgenden Abbildungen brauchen keinen Kommentar.







Mein Fazit: Durch viele Steuersenkungen ist Deutschland unter den alten Industrieländern zu einem neoliberalen Niedrigsteuerland geworden. Immer wieder wurde und wird die Forderung nach Steuersenkungen mit dem Versprechen verbunden, daß eine solche Steuersenkung wirksam die Wirtschaft stärken würde, indem die begünstigten Unternehmen mehr investieren und begünstigte Einzelpersonen mit mehr Verbrauch die Konjunktur ankurbeln würden. Die historische Erfahrung ist allerdings anders. Trotz der Senkung der Spitzensteuersätze und Rückgangs des Anteils der Steuereinnahmen am deutschen Bruttosozialprodukt ist die Wirtschaftsleistung nicht wesentlich gestiegen, wohl aber die Staatsverschuldung. Die Unternehmen haben die Differenz zwischen der deutschen Sparleistung und den Nettoinvestitionen immer größer werden lassen.

Die Absenkung des Spitzensteuersatzes für Einzelpersonen hat den ohnehin Wohlhabenden erlaubt, noch mehr zu sparen und dabei auch die Spekulation anzutreiben.

Außerdem hat die Steuersenkungspolitik der Bundesregierung die sozialen Unterschiede noch verstärkt. Die Bundesregierung veröffentlicht keine Angaben über die tatsächlichen Steuereinkünfte nach sozialem Hintergrund der Steuerzahler und ihrem Einkommen. Doch stimmt die immer wiederholte Behauptung nicht, daß die höheren Einkommensbezieher den Löwenanteil des deutschen Steueraufkommens bestreiten (z.B. WELT: "Reiche zahlen mehr für die Gesellschaft", SPIEGEL-online: "Die Ärmsten überweisen dem Finanzamt verschwindend wenig", FAZ: "Die Reichen zahlen am meisten ins Staatssäckel"). Die Einkommenssteuer stellt nämlich nur 35 % des gesamten Steueraufkommens dar, wovon das meiste Lohnsteuer normaler Arbeitnehmer ist. Die restlichen 65 % sind größtenteils Verbrauchssteuern, die weit überproportional von den weniger verdienenden und sehr viel zahlreicheren Haushalten entrichtet werden, wie z.B. die Mehrwertsteuer auf alle Einkäufe oder die Mineralöl- und die Tabaksteuer.



Die - verglichen mit Deutschland - wirtschaftlich viel erfolgreicheren skandinavischen Länder (Abb. 06009) beweisen, daß Wachstum mit viel höheren Spitzensteuersätzen und Steuerquoten erreichbar ist, ja vielleicht sogar davon abhängt, siehe hier.


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global news 1258 18-10-08: Krisenzeichen aus Westeuropa, Osteuropa und USA
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Ein besonders schlechtes Zeichen für mit Unternehmensbonds unter Investmentgrad finanzierende oder refinanzierende Unternehmen: der Zins in Europa ist auf den höchsten Stand von 7,45 % geklettert (Abb. 03636). Das zeigt die in der Rezession wachsenden Kreditrisiken, aber auch die Abneigung der Banken zu normaler Kreditgewährung an, dies erkennbar an dem immer noch sehr hohen Euro-Liborzins von 1,3 % über EZB-Zins (Abb. 03792).



Die Signale aus den USA sind nicht gut. US-Unternehmen müssen nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's im kommenden Jahr knapp 800 Milliarden Dollar an Schulden refinanzieren. Für einige Unternehmen könnte dies das Aus bedeuten, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten S & P-Analystenbericht. Die Federal Reserve mußte gestern einen neuen Rekord von direkten Krediten an die Banken bei 102 Mrd Dollar verzeichnen, was die fortbestehende Unruhe an den Geldmärkten dokumentiert. Die Neubaubeginne sind im September in USA um weitere 6 Prozent gefallen, insgesamt schon um 30 % seit letzten November (Abb. 05103). Bei den Einfamilienhäusern ist es allein im September sogar ein Rückgang von 12 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren.


Die Krise breitet sich nun auch in Osteuropa immer weiter aus. Ukraine und Ungarn sind schon auf öffentliche Hilfen des IWF bzw. der EZB angewiesen. Wegen des hohen Staatsdefizits fällt es Ungarn immer schwerer, Anleihen zu platzieren - obwohl die Verzinsung zuletzt bei etwa 10 Prozent lag. Estland und Lettland sind bereits in der Rezession.

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global news 1257 18-10-08: Der Treibhauseffekt schert sich nicht um die Weltfinanzkrise
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Nach einem neuen Bericht der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration liegen die Temperaturen der Arktis in diesem Herbst um fünf Grad über dem Normalwert - und damit so hoch wie noch nie seit Beginn der Messungen. Das Jahr 2007 war das wärmste je in der Arktis gemessene und folgte dem Mitte der 60er Jahre begonnen Trend steigender Temperaturen (Abb. 07266).


Der Hauptgrund wird in dem dramatischen Verlust an Meereis gesehen und damit in einer verminderten Reflexion von Sonnenenergie in den Weltraum zurück. Die Schmelze der Eisberge erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert, für dieses Jahr rechnen die Wissenschaftler mit dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Messungen. Die Meereis-Bedeckung ist zwar in diesem Jahr rund neun Prozent größer als 2007, doch liegt sie 34 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2000. Der Meeresspiegels in der Arktis steigt bereits um 0,25 Zentimetern pro Jahr.

Hinzu kommt ein weiterer beängstigenden Effekt, den Forscher erst kürzlich in der Arktis entdeckt haben: Der Meeresboden setzt große Mengen Methan frei, das als Treibhausgas 20-mal stärker wirkt als Kohlendioxid. In der kalten Tiefe kommen große Mengen eines Eis-Methan-Gemisches vor. Erwärmt sich das Wasser aber über einen bestimmten Wert, wird das Methan gasförmig und steigt an die Oberfläche. Das wiederum verstärkt den Treibhauseffekt und gibt eine weitere positive Rückkoppelung neben der verminderten Reflexion von Sonnenlicht.

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global news 1256 17-10-08: Entgelt pro Beschäftigten in der Industrie verbraucherpreisbereinigt minus 1,0 % trotz 0,9 % Produktivitätszuwachs
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Nach der heutigen Veröffentlichung ist das Entgelt pro Arbeitsstunde in der gewerblichen Wirtschaft im Zeitraum Januar - August 2008 gegenüber Vorjahresperiode verbraucherpreisbereinigt um 1,0 % gefallen (Abb. 04009). Dabei ist die Produktion pro Beschäftigten um 0,9 % gestiegen.


Die Kaufkraftreduktion muß die Binnenkonjunktur weiter auf Eis halten, gerade wenn es wegen der beginnenden Weltwirtschaftskrise umgekehrt laufen müßte. Dies gilt umso mehr, als in der nicht-gewerblichen Wirtschaft, vor allem den Dienstleistungenberufen mit viel gering bezahlter Arbeit, die Entwicklung noch ungünstiger ist.

Wie das Statistische Bundesamt ebenfalls heute mitteilt, ist der Verbraucherpreisindex für Deutschland im September 2008 gegenüber September 2007 um 2,9 % gestiegen (Abb. 14465). Die realen Arbeitseinkommen bleiben also weiter im Minus. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die deutschen Erzeugerpreise nach den letzten Angaben für August um 8,1 % stiegen. Die Unternehmen sparen also an ihren Mitarbeitern und verteidigen ihre hohen Profite durch besonders brutale Anhebungen ihrer Preise, die weit über das hinausgehen, was wegen der höheren Energie- und Rohstoffpreise nötig wäre.


Der Bundeswirtschaftsminister hat unverantwortlicherweise gerade wieder für niedrige Lohnabschlüsse plädiert: „Auch für die Tarifpartner gilt es, Augenmaß zu bewahren. Neue Lohnabschlüsse müssen in die veränderte wirtschaftliche Landschaft passen." Gleichzeitig zeigen die Börsenkurse, die seit gestern wieder neuen Tiefenrekorden entgegenfallen (Abb. 03712), wie stark die Sorge vor einer Weltwirtschaftskrise global geworden ist. Das beste Konjunkturprogramm für Deutschland wären Lohnsteigerungen mindestens in der Höhe der Inflation und des Produktivitätszuwachses, d.h. von mehr als 4 %. Dafür müßte sich der Bundeswirtschaftsminister stark machen.


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global news 1255 16-10-08: Deutschland im Herbst: Zwischen Hoffen und Bangen
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Die Kanzlerin spricht heute erstmals von der schlimmsten Krise seit der Weltwirtschaftskrise vor achtzig Jahren. Die Wirtschaftsforschungsinstitute können sich fürs nächste Jahr eine Wirtschaftsentwicklung im Minus von 0,8 % vorstellen. Die Regierung beschließt schnell ein neues Insolvenzrecht, wonach Unternehmen trotz finanzieller Schwierigkeiten nicht umgehend Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, wenn sie "voraussichtlich mittelfristig" wieder liquide sind. Hoher Eurokurs, hohe Energiepreise und nun die globale Finanzkrise schlagen auf die Realwirtschaft ein. In Deutschland kommt mangels Kaufkraft die seit Jahren auf Eis gelegte Binnenkonjunktur hinzu.

Heute purzeln die Börsenkurse wieder mit Dax und Dow um 6 bis 8 % im Minus und haben damit etwa die Hälfte ihrer Erholung vom Anfang der Woche wieder verloren (Abb. 03712). Die Finanzierung über Unternehmensbonds verteuert sich schon wieder (Abb. 03636) und die Liborsätze für den Interbankenkredit geistern weiterhin in abschreckenden Höhen herum (Abb. 03792). Wenn die Banken aus Angst Geld horten und sich nicht gegenseitig trauen, leidet auch ihre Kreditbereitschaft gegenüber der Wirtschaft und den Verbrauchern.




Da melden sich auch Gegenstimmen. Stefan Kooths, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin: „Derzeit kann man nicht von gravierenden unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft sprechen. Daß Firmen in Deutschland von den Banken keine Kredite mehr erhielten und daher auf Investitionen verzichten müssen, ist kaum festzustellen. Das mag auf einzelne Unternehmen zutreffen, die ohnehin in finanziellen Schwierigkeiten stecken und nun die angehobenen Hürden der Banken nicht mehr erfüllen." Doch hat der Konjunkturexperte bedacht, daß auf für den deutschen Export wichtigen Märkten, wie USA, Großbritannien und vielen anderen durchaus Kreditklemmen eintreten und daß dort, wie in Frankreich, schon jetzt Rezession herrscht?

Andere Betroffene machen wohl mehr künstlich auf Optimismus. So meldet SPIEGEL-online unter dem Titel „Umsatzplus trotz Finanzkrise", das noch gar nicht angelaufene Weihnachtsgeschäft gebe Anlass zur Hoffnung. Beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) heiße es, man spüre nichts von der Finanzkrise und rechne für die Verkäufe in der Vorweihnachtszeit sogar mit einem leichten Plus." Im August hätten die Einzelhändler in Deutschland so viel Geschäfte gemacht wie seit langem nicht mehr. Oder war es nur einer der vielen Zacken nach oben in einem nach unten gerichteten Trend dieser besonders unzuverlässigen und oft nachgebesserten Statistik (Abb. 04943)?


In einem neuen Schwerpunkt bin ich der Frage nachgegangen, welche Fehler die Bundesregierung in der Verursachung der Finanzkrise gemacht hat. Nur wenn die Bundesregierung ihre Mitverantwortung einräumt, kann sie Vertrauen zurückgewinnen.

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global news 1254 15-10-08: Das Rettungspaket kann nicht leisten, was alles versprochen wird
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Die Regierungen haben sich und vor allem uns von dem gigantischen Rettungspaket viel versprochen. Es wurde weniger als Leistung an die Banken verkauft, denn als Stütze für deren Kreditgewährung an die Unternehmen, in Deutschland natürlich an die mittelständischen. Wenn sich auch die Börsen wieder etwas stabilisiert haben (Abb. 03712), so klaffen in dieser Kalkulation der Regierungen auf mehr Kredit an die Wirtschaft mindestens drei riesige Löcher.


Erstens, haben sich die Banken gewaltig mit Krediten übernommen, was nun bedeutet, daß sie ihre weitere Kredittätigkeit mit sehr viel Vorsicht betreiben müssen. Sie müssen praktisch ihr Kreditvolumen gemessen an ihrem Eigenkapital gesundschrumpfen. Die Regierungen können nicht die Banken wegen zu riskanter Kredite anklagen und dann von ihnen ein Geschäft nach dem Motte „bitte weiter wie bisher" verlangen. Dies kann schon gar nicht sein, wenn die Bundesregierung nur alles über einen Schattenhaushalt finanziert, weil angeblich die Bürgschaften an die Banken nicht ausfallen werden und die öffentlichen Einlagen nur an Wert gewinnen sollen. Das Eigenkapital der Deutschen Bank beispielsweise war noch zu Ende letzten Jahren im Verhältnis 1: 53 mit Verpflichtungen gehebelt und soll laut Ackermann bis Ende dieses Jahres auf 1:30 kommen. So sollte es nicht überraschen, daß der Zins beim Interbankengeschäft trotz des Rettungspakets mit sehr wenig Rückgang noch immer hoch in der Gefahrenzone liegt, nämlich für die Eurozone auf 3 Monate bei 1,5 % über dem EZB-Zins (Abb. 03792), in USA sogar bei 3,3 % über dem Fed-Zins (Abb. 03793). An diesem wichtigsten Punkt des Rettungspakets ist jedenfalls bisher kein ins Gewicht fallender Erfolg feststellbar.



Zweitens, hat sich die Kreditkrise kombiniert mit hoher Inflation schon weit in die Realwirtschaft hineingefressen und wird dies weiter tun. Das Herbstgutachten der immer zu optimistischen Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet jetzt fürs nächste Jahr ein Miniwachstum von 0,2 %, praktisch ein Feigenblatt, um keine Rezession vorauszusagen, der IWF geht von 0 % aus. Verbraucher überall in der Welt, auch wohin deutsche Waren exportiert werden, schalten auf Supervorsicht, zumal viele im angelsächsischen Raum auch an der Börse und über die Börse in ihrer dort angelegten Altersversorung schwer angebrannt sind und außerdem viel weniger Kredit für den Konsum bekommen. Nach dem heute veröffentlichten Konjunkturindikator sehen die Finanzmarktexperten die Situation Deutschlands tiefschwarz, wobei ihre eigene Situation mitspielen mag (Abb. 04762, 04588). Bei negativer Wirtschaftsentwicklung werden aber in Zukunft eher mehr als weniger Kredite notleiden. Auch dies muß die schon einmal angebrannten Banken nun zur Vorsicht bei weiterer Kreditgewährung anhalten.



Drittens, die Rettungsringe der Regierungen werden nur den wichtigsten Banken zugeworfen. Doch neben diesen haben vor allem die Hedgefunds und ähnliche Spieler auf der Basis von Einlagen und Bankenkrediten riesige Anlagen aufgehäuft. Die Hedgefonds z.B. verwalteten Ende vergangenen Jahres 2,25 Billionen Dollar (Abb. 03478). Der IWF rechnet hier mit bis zu 325 Mrd Dollar Verlusten und berichtet über 62 bereits eingegangene Hedgefunds. Sehr viel Kapital ist von ihnen in den letzten Wochen abgezogen worden und viele Anlagen haben stark an Wert verloren, was zu Panikverkäufen von Anlagen geführt hat und wiederum die kreditgebenden Banken schwer belastet. Außerdem wird eine größere Zahl an weniger wichtigen Banken Pleite gehen, ohne an den Rettungsring zu kommen, was dann auf die Unruhe an den Märkten zurückwirkt.


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global news 1253 13-10-08: Die Leichen können in den Schränken der Banken bleiben
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Dank mangelnder Staatsaufsicht und eigener Unvernunft konnten die Banken ihre Schränke mit Milliarden Euro an Anlagenleichen anfüllen, vom IWF auf 1,4 Billionen Dollar Verlust geschätzt. Dank Milliarden Euro an Staatshilfen, davon in Westeuropa - soweit bekannt - allein 1,5 Billionen Euro (Abb. 03791) können sie jetzt die Leichen, die schon angefangen hatten, aus den Schränken zu fallen, in denselben belassen. Sie dürfen die Anlagen sogar Dank erleichterter Bewertungsrichtlinien höher als zum Marktpreis bewerten und damit den Leichengeruch weiter unterdrücken. Dabei haben die europäischen Banken ihre Schränke mit noch mehr Leichen als die amerikanischen angefüllt. Jedenfalls haben sie noch höher gehebelt oder ihr Kernkapital mit noch mehr Fremdkapital belastet (Abb. 03782). Und nun wollen uns die Regierungen einreden, daß wir Steuerzahler am Ende mit unserer neuen Bankenbeteiligung noch Gewinne einfahren?



Zu den Leichen gehören auch viele Verpflichtungen aus den sogenannten Credit Default Swaps (CDS) mit denen man Forderungen gegen Ausfall versichern kann, indem man Wetten auf den Ausfall oder Nicht-Ausfall abschloss. Dadurch, daß CDS-Kontrakte sogar abgeschlossen wurden, ohne dass der Versicherungsnehmer überhaupt die Anleihe besitzen musste, explodierte der Markt auf 62 Billionen Dollar (Abb. 03740), mehr als das Bruttoinlandsprodukt der ganzen Welt in einem Jahr. Es sind also teilweise reine Spekulationspapiere für institutionelle Anleger (nicht kleine Bankenkunden) geworden, ähnlich wie die Spekulation auf Rohstoffe von Anlegern betrieben wird, die nie die Ware behalten wollen, oder die Börsenspekulation mit geliehenen Aktien erfolgt, wobei auch hier nur der Profit beabsichtigt ist, nicht aber das Halten eines Papieres.


Die CDS sind lediglich Verträge privater Natur, die völlig intransparent zwischen zwei Parteien per E-Mail oder Instant Messaging abgewickelt werden. Daher weiß derzeit niemand, wie viele CDS von welchen Institutionen gehalten werden und auf welche Unternehmensanleihen oder Kreditpakete sie lauten. Derzeit brennen die von der Pleite gegangenen Lehman-Bank eingegangenen CDS-Verpflichtungen lichterloh. Bei Lehman-CDS müssen die Anbieter der Policen jetzt 91 % der versicherten Summe zahlen, zusammen etwa 400 Mrd Dollar. Die Lehman-Pleite ist jetzt zum größten Stresstest für den Markt geworden. George Soros hat die CDS als riesiges Damokles Schwert über den Finanzmärkten bezeichnet. Übrigens: Die Deutsche Bank ist der weltweit zweitgrößte Verpflichtete aus CDS und könnte damit die zweitmeisten CDS-Leichen im Schrank haben (Abb. 03756).


Und weil wir schon mal dabei sind, die Bilanzierung der Banken zu verändern, wird nun auch noch das Insolvenzrecht für alle Unternehmen entschärft. Künftig müssen Unternehmen trotz finanzieller Schwierigkeiten nicht Insolvenz anmelden, wenn sie "voraussichtlich mittelfristig" wieder zahlungsfähig sind. Nach derzeitigem Recht sind Geschäftsführer verpflichtet, innerhalb von drei Wochen nach Eintritt der rechnerischen Überschuldung Insolvenz zu beantragen. Da nun nach Ansicht der Bundesregierung die aktuelle Finanzkrise zu erheblichen Wertverlusten insbesondere bei Aktien und Immobilien geführt habe, müssen Unternehmen trotz einer vorübergehenden bilanziellen Unterdeckung keinen Insolvenzantrag stellen, wenn sie nach eigener Erwartung voraussichtlich mittelfristig ihre Zahlungen leisten können. Eigentlich sollte das Insolvenzrecht ja dem Gläubigerschutz dienen. Doch der wird nun mit einem vagen Rechtsbegriff einfach tiefer gehängt. Die ausgebremsten Insolvenzen wird die Regierung sicher als Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik ausweisen. Warum wartet man nicht einmal ab, ob sich nun nach dem Krisenpaket für die Banken auch die Börsen erholen (heute ging es doch schon mehr als 10 % nach oben)?. Oder sind die Gründe etwa nur vorgeschoben und fürchtet die Regierung in Wahrheit die Insolvenzspuren des konjunkturellen Abschwungs? Künftig kann man sich jedenfalls weder auf die Bilanzen der Banken noch anderer Unternehmen wie in der Vergangenheit verlassen. Die Krise macht's möglich. Ob das Vertrauen schafft, mag bezweifelt werden.

Und warum dann nicht auch gleich noch der Autoindustrie bei ihren Exporten helfen? Da lehnt man das eigentlich notwendige Konjunkturprogramm ab und erwartet von den Arbeitnehmern wieder einmal ein „Riemen enger schnallen"; Wirtschaftsminister Glos heute: „Auch für die Tarifpartner gilt es, Augenmaß zu bewahren. Neue Lohnabschlüsse müssen in die veränderte wirtschaftliche Landschaft passen." Doch eine Ausnahme soll es geben: Die Lage der Automobilindustrie und ihrer Wettbewerbsfähigkeit müsse gesondert begutachtet werden, sagte Merkel: „Wir haben es ja durch die amerikanischen Maßnahmen wahrscheinlich mit einer massiven Stützung der Automobilindustrie seitens der Amerikaner zu tun". Also Exportförderung wieder einmal „ja", Arbeitnehmereinkommen „nein". Immer das gleiche Strickmuster!

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global news 1252 13-10-08: Die Mechanik der globalen Krise
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Diese Krise hat viele Ursachen und viele Folgen. Die Bankenkrise ist nur ein Teil davon, wie das Schaubild (Abb. 03790) zeigt.


Nach Pressemeldungen zählen zu dem vom Pariser EU-Gipfel angepeilten Instrumentenkasten: Liquiditätshilfen, Bürgschaften für Bankenkredite, Kapitalspritzen, aber auch neue Bilanzierungsregeln für Banken. Wahrscheinlich will man den Banken erleichtern, ihre miesen Anlagen nicht zu derzeitigen Marktregeln zu bewerten, sondern in der Perspektive einer künftigen Marktentwicklung. Die USA haben diesen Weg bereits beschritten. Damit werden die Bilanzen der Banken allerdings noch weniger vergleichbar und verläßlich. Das Schaubild zeigt aber auch, wie partiell die Hiflsmaßnahmen der Regierungen ansetzen. Dabei werden die Europäer nur einen begrenzten Erfolg haben, solange das amerikanische Programm keinen Erfolg zeigt.

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global news 1251 12-10-08: Vor der Kernschmelze des Weltfinanzsystems
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Nach IWF-Chef Strauss-Kahn steht das Weltfinanzsystem an der Schwelle zu einer Kernschmelze. Wer das nicht glaubt, braucht nur die folgenden sieben Schaubilder zu betrachten. Sie zeigen die Parallelität der Krise nach dem Börsencrash von 1929 mit der von heute (Abb. 03788), die wahnsinnige Verteuerung der Unternehmensfinanzierung über den Kapitalmarkt (Abb. 03636, 03761), den Absturz des Volumens an Geldmarktpapiere von Unternehmen in USA (Abb. 03789), die ebenso wahnsinnige Euro-Libor-Zinsrate für den Zwischenbankenverkehr von 1,7 % über dem EZB-Zins (Abb. 03718), wobei die Differenz in USA sogar über 3 % liegt (Abb. 03764) und schließlich den Absturz der Börsenkurse allein in der vergangenen Woche um über 20 % oder fast 7 Billionen Dollar weltweit, was mehr als dem Doppelten der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung entspricht (Abb. 03712).








In dieser dramatischen Situation ist es schon etwas komisch, wenn die Bundeskanzlerin sich noch in Semantik übt, um nicht das in ihren Kreisen ideologisch verpönte Wort von der Teilverstaatlichung auch deutscher Banken in den Mund zu nehmen: „Wenn für Banken Kapital bereitgestellt wird, ist dies nichts anderes, als wenn sich Firmen Kapital auf dem privaten Markt besorgen würden. Insofern ist es keine Verstaatlichung, daß der Staat jetzt vorhat, auf Dauer in die Banken einzugreifen, sondern es ist eine Hilfe durch den Staat." Oder wenn der Bundespräsident eine Entschuldigung von Banken-Managern fordert, während das Haus brennt. Dabei waren auch die Sparkassen, deren Verband der Bundespräsident viele Jahre lang geleitet hat, über die Landesbanken voll in die gefährliche Spekulation eingestiegen.

Es wird schon einige Jahre dauern, bis sich der Staat wieder zurückziehen kann. Ähnlich war es übrigens nach der Weltwirtschaftskrise, bei der die deutschen Banken verstaatlicht werden mußten und erst 1933 wieder privatisiert wurden. Allerdings brauchten damals die Börsenkurse in USA und anderen Ländern 50 Jahre bis sie wieder den Stand vor dem Schwarzen Freitag erreichten.

Wer mehr wissen will, sei auf mein neues Buch verwiesen, das in etwa drei Wochen erscheinen soll und sehr gut mit meinem letzten erst wenige Wochen alten (Globalisierung: Legende und Wahrheit) zusammen gelesen werden kann, siehe hier.

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global news 1250 11-10-08: OECD-Frühindiktoren zeigen für Deutschland stärksten Abschwung
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Bei den OECD-Frühindikatoren ist Deutschland innerhalb eines Jahres unter den großen Ländern von der besten in die schlechteste Lage gekommen (Abb. 12405).


Auch der deutsche Börsenindex Dax ist heute weiter stark abgerutscht und hat allein in September und bisher Oktober mehr als 20 % verloren (Abb. 03712). Die deutschen Banken scheinen am Ende zu sein, wie die Börsenkurse von Deutsche Bank und Commerzbank zeigen (Abb. 03752) - die Deutsche Bank ist nur noch ein Fünftel ihres Wertes vom letzten Sommer wert - und jetzt auch die jüngsten Verstaatlichungsgedanken der Bundesregierung.



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global news 1249 11-10-08: Die „Mutter aller Krisen": Vom Kasino zur Realwirtschaft
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Das Spielgeld fürs Kasino kam aus drei Quellen: Erstens aus den Ländern, die immer größere Exportüberschüsse und Devisenreserven aufbauten, darunter auch Deutschland (Abb. 03787). Zwei Drittel der gigantischen Weltwährungsreserven von 5,2 Billionen Dollar sind erst seit dem Jahr 2000 aufgebaut worden. Diese Liquidität suchte nach Anlagen, meist in USA, Großbritannien und einigen anderen Länder. Da es sich diesmal nicht um arme Entwicklungsländer handelte, denen so geholfen werden konnte, fand es seinen Weg zu armen Schuldnern in den reichen Ländern, die nie in diesem Umfang Kredit für den Hauskauf oder Konsum hätten bekommen dürfen.


Zweitens kam das Spielgeld aus der seit etwa 2000 dramatisch verstärkten neoliberalen Einkommensumverteilung von Unten nach Oben und damit in eine wohlhabende Bevölkerungschicht hinein, die ihr Einkommen nicht mehr normal konsumieren konnte sondern es zu spekulativer Mehrung ins Kasino der Finanzmärkte leitete. Drittens von Unternehmen, die ihre immer höheren Gewinne nicht mehr in Investitionen anlegten, sondern teilweise ebenfalls ins Kasino trugen. Dazu kam dann noch eine gewaltig Geldschöpfung („Kunstgeld") der Banken und anderer Finanzmarktinstitutionen, wie Hedgefonds, die immer mehr auf Kredit spekulierten und damit die Spekulationsmasse gewaltig vergrößerten.

Nun ist das Vertrauen unter Banken zusammengebrochen. Der Bankenkrise folgt eine gewaltige Börsenkrise (Abb. 03712). Und beide Krisen übertragen sich immer mehr in die Realwirtschaft. Die angeschlagenen Banken verschärfen die Kreditbedingungen für die Unternehmen und auf Kredit angewiesenen Verbraucher. Also wird weniger produziert und nachgefragt mit den entsprechenden Konsequenzen für Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsmarkt. Die Börsenkrise bedeutet, daß gewaltige Vermögenswerte zusammenschrumpfen. Alles, was in den letzten drei Jahren an den deutschen Börsen angelegt wurde, hat schon verloren, seit dem Gipfel im August letzten Jahres bereits fast 40 %. Die Banken verlieren weiter an Eigenkapital. Kleine Aktiensparer verlieren erst recht und müssen ihren Konsum weiter einschränken. Die in Aktien angelegte Altersversorgung, vor allem in den angelsächsischen Ländern, wird schwer angeschlagen, aber auch Privatversicherungen und Betriebsrenten in Deutschland. Und wenn die Realwirtschaft Not leidet, leiden auch Kredite und das dreht die Schraube bei den Banken weiter nach unten. Das Finanzkasino ist so - anders als ein echtes Kasino - alles andere als ein Nullsummenspiel, das Normalbürger unbehelligt läßt.


Durch die starke neoliberale Vernetzung ziehen sich die Länder in der Krise gegenseitig nach unten. Besonders auf Export angewiesene Volkswirtschaften, wie die deutsche, leiden dann ganz besonders (Abb. 14119).


Wenn schon der zum Optimismus neigende IWF im kommenden Jahr kein Wachstum in Deutschland mehr erwartet, so werden wir uns auf Minuswerte und steigende Massenarbeitslosigkeit einrichten müssen. Dabei darf man nicht vergessen, daß unsere Volkswirtschaft durch stark gestiegene Energie- und Nahrungsmittelpreise ohnehin schon unter hohen Abwärtsdruck gekommen sind. Die Reaktionen der Regierungen zur Beherrschung dieser Mehrfachkrisen, die zusammen die „Mutter aller Krisen" ergeben, kommen viel zu langsam und halbherzig. Das gilt besonders für die Bundesregierung.

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global news 1248 10-10-08: IWF setzt deutsche Wirtschaftsentwicklung auf Null
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Nach der neuesten IWF-Prognose wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr überhaupt nicht mehr wachsen. Mit Großbritannien, Italien und Spanien wird Deutschland danach zu den Schlußlichtern zählen (Abb. 13537, 13538).



Angesichts dieser Situation ist ein Anstieg der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland unvermeidbar.

Der deutsche Export dürfte schwer leiden, da wichtige Märkte stagnieren und selbst in China, Rußland, Indien und Brasilien das Wachstum nachlassen wird.

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global news 1247 09-10-08: Finanzkrise: Die Eurozone kommt unter Druck
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Die starke Senkung des Zentralbankzinses um ein halbes Prozent hat weder in USA noch in Europa Ruhe geschaffen. Der Dax fiel heute wieder um 6, 2 % und hat damit bereits mehr als ein Drittel seines Wertes vom Sommer vergangenen Jahres verloren (Abb. 03712). Ackermanns Bank hat schon 83 % ihres Aktienwertes eingebüßt (Abb. 03752).



Nun kommt auch der Zusammenhalt der Eurozone immer mehr unter Druck. Die Regierungen versuchen, mit ganz unterschiedlichen Mitteln der Krise Herr zu werden, von Bürgschaften an die Hypo Real Estate und politischen Beruhigungserklärungen an die Sparer, wie in Deutschland, über Verstaatlichung oder Teilverstaatlichung von Banken, wie in vielen anderen Ländern, bis zum regierungsseitigen Abkauf fragwürdiger Papiere nach amerikanischem Vorbild, wie in Spanien. Einige Banken haben so hohes Fremdkapital aufgenommen, daß der Staat kaum so tiefe Taschen hat, um noch zu helfen, wenn es wirklich zum Worst Case kommen sollte (Abb. 03784, 03785). Die Deutsche Bank z.B. hat 86 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts in Verbindlichkeiten.



Der Markt hat begonnen, die Kreditwürdigkeit aller Regierungen herunterzustufen, geht dabei aber sehr unterschiedlich vor (Abb. 03786). Am Schlimmsten ist Griechenland dran, wo die Versicherung von Staatspapieren über Credit Default Swaps inzwischen fast 1 % kostet, oder genau 0,83 %, verglichen mit 0,25 % bei Deutschland. Auch die von den Regierungen anzubietenden Zinsen für ihre Papiere entwickeln sich auseinander. Damit glaubt der Markt immer weinger an die Solidarität der Eurozonenländer untereinander. Das könnte zu so starken Verwerfungen und unterschiedlichen Staatsschulden führen, daß es den Beginn eines Zusammenbruchs der Eurozone einläuten würde. Wahrscheinlich wird aber am Ende doch mit Beistandszahlungen gearbeitet werden, nachdem die Politik so viel in den Euro investiert hat und vor allem in Deutschland der Widerstand der Bürger dagegen überwunden werden mußte.


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global news 1246 08-10-08: Der IWF sieht schwarz, Bôrsen im freien Fall
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Im neuesten Global Financial Stability Report befürchtet der IWF einen verschärften globalen Konjunkturabschwung. Die Schätzung der Schäden im Finanzsektor wurde von 1 Billion Dollar auf 1,4 Billionen Dollar erhöht (Abb. 03783). Die Finanzinstitutionen brauchen nach seiner Schätzung 675 Mrd Dollar Kapital, die sie aber unter derzeitigen Bedingungen am privaten Kapitalmarkt nicht bekommen. Daher müßten öffentliche Gelder zum Einsatz kommen.


Dabei sieht der IWF die kontinentaleuropäischen Banken als besonders unterkapitalisiert an, weil sie viel mehr Fremkapital im Verhältnis zum eigenen Kernkapital aufgenommen haben (Abb. 03782).


Die Börsenkurse sind heute im "freien Fall" (Abb. 03712). Die beiden größten deutschen Banken haben seit Ausbruch der Krise schon drei Viertel ihres Aktienwertes verloren (Abb. 03752). Der Abrutsch des deutschen Dax ist schon jetzt weit schlimmer als in der letzten Krise von 2000 (Abb. 04933). Die britische Regierung hat beschlossen, acht Banken teilzuverstaatlichen. Was macht die Bundesregierung? Rennt sie den Entwicklungen auch weiter nur hinterher??




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global news 1245 08-10-08: Teilverstaatlicht die Banken oder riskiert Millionen mehr Arbeitslose
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Das Kind ist im Brunnen. Die neoliberale Globalisierung, die diese Webseite seit Jahren kritisch analysiert, erschlägt sich derzeit selbst. Die Teufelschüler, die den Teufel aus der Flasche gelassen haben, rennen den Ereignissen nur noch hinterher. Jetzt rettet Fingerzeigen auf die USA oder Kriminalisierung aller Banker (BILD-Schlagzeile von heute: "Riesenwut auf Banker") keine einzige Bank mehr, auch wenn damit von der Verantwortung der Regierungen als Aufsichtsbehörden abgelenkt wird.

Der Vergleich konzentriert sich immer mehr auf die "Mutter aller Krisen", die von 1929 und danach. Damals war die Reihenfolge: Börsenkrise - Bankenkrise - Wirtschaftskrise. Da gibt es Positives im Vergleich: die Regierungen haben reichhaltiges Lehrmaterial von damals. Allerdings scheint heute wie damals sich jedes Land selbst retten zu wollen, selbst in der EU und sogar in der Eurozone, wo die Bundesregierung einen gemeinsamen Rettungsfond abgeblockt hat. Andererseits ist die Lage der Finanzmärkte heute so viel komplexer und so viel mehr durch ein wahnsinniges Kreditvolumen belastet als damals. Banken, die - wie die europäischen - im Durchschnitt das 35-Fache ihres Aktienkapitals an Verpflichtungen aufgebaut haben, bei der Deutschen Bank sogar mehr als das 50-Fache per Ende letzten Jahres, erleben jetzt wie ihr Aktienkapital an den Börsen immer tiefer gehängt und das Mißverhältnis zu den Verpflichtungen damit immer größer wird. Bis heute haben die beiden größten privaten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, bereits rund 70 % ihres Aktienwertes von vor Ausbruch der Krise im August letzten Jahres verloren (Abb. 03752).


Allein an Credit Default Swaps (Wetten gegen den Ausfall von Krediten) steht heute mehr als die Wirtschaftsleistung der gesamten Welt während eines Jahres aus (Abb. 03740), wobei die Deutsche Bank die zweitgrößte Exposition in der Welt hat. Das gesamte in Form von Derivativen oder Kunstgeld ausstehende Volumen übersteigt die Weltwirtschaftsleistung um etwa das 11-Fache (Abb. 13115). Da kann man einiges saldieren und netto rechnen, doch die Dimensionen bleiben unfaßbar.



Solche dramatisch unterkapitalisierten Banken können sich weder gegenseitig noch den auf Finanzierung angewiesenen Unternehmen Kredit geben. In USA bereitet sich die Fed deshalb darauf vor, selbst Kredit an die Wirtschaft zu gewähren, und zum ersten Mal ohne jede Sicherheiten. Mit jedem Tag ohne Rekapitalisierung der deutschen Banken durch staatliche Beteiligungen bricht auch bei uns ein Stück Wirtschaft weg und steigt das Risiko neuer Massenarbeitslosigkeit. Die Rutsche nach unten ist sehr lang und steil geworden. Schwer verunsicherte Verbraucher, die wegen der Krise um ihre Ersparnisse fürchten oder als Kleinaktionäre Tag für Tag Geld verlieren oder um ihren Arbeitsplatz zittern, werden keine Autos kaufen. Da wird nicht nur Opel die Bänder anhalten müssen.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist besonders gefährdet, weil mehr als die Hälfte im Beschäftigungsanstieg auf Leiharbeit beruht, die jederzeit gekündigt werden kann und auch als erste gekündigt wird (Abb. 14491) und weil außerdem in Deutschland die Verbraucherkonjunktur ohnehin schon lange mit negativer Lohnentwicklung zu Gunsten des Exports auf Eis gelegt wurde.


Deutschland hatte 1932 eine Arbeitslosenquote von 30,8 %. So schlimm wird es diesmal mit Gottes Hilfe (laßt uns beten!) nicht kommen. Doch auch bei der halben Quote wären es schon rund 7 Millionen Arbeitslose. Was zählt da noch, ob Deutschland in zwei Jahren einen ausgeglichenen Haushalt hat. Hier hilft nur Gelddrucken und in die Banken werfen, bis sie wieder laufen können. Die USA haben längst damit angefangen (Abb. 05102).


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global news 1244 06-10-08: Europäische Krisenpakete: Stückwerk, zu wenig, zu spät
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Da erklären die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien in Paris theatralisch, sie würden keine größere Bank fallen lassen. Und wenige Stunden später muß die Bundesregierung eine Pauschalerklärung an die Sparer abgeben, weil der Pariser Spruch nicht geglaubt wird. Die Bundesregierung hat eine schwere Verantwortung auf sich geladen, indem sie den europäischen Krisenfond für die unterkapitalisierten Banken abgelehnt hat. Europa kann nur gemeinsam schwimmen oder gemeinsam sinken. Dafür sind die Finanzmärkte viel zu verzahnt. Außerdem sind die europäischen Banken weit schwächer kapitalisiert als die amerikanischen. Sie haben weit weniger Kernkapital im Verhältnis zu ihren Anlagen (Abb. 03769) und sind daher weit höher gehebelt, vor allem einige deutsche Banken (Abb. 03771).



Auch haben die europäischen Banken schon mehr abschreiben müssen als die amerikanischen und umgekehrt weniger neues Kapital aufnehmen können (Abb. 03744).


Die Bundesregierung hat besonders widersprüchlich und verspätet gehandelt. Lange wurde eine Garantieerklärung für Sparer abgelehnt. Dann kam sie nur in politischer Form ohne die Absicht einer rechtlichen Absicherung durch den Bundestag und nur für etwa 13 % dessen, was private Haushalte in Deutschland an Geldersparnissen angesammelt haben. Dabei ist die gesetzliche Einlagensicherung die ungünstigste in Europa (Abb. 03779). Andere Regierungen haben dagegen die gesetzlichen Regelungen erheblich angehoben.


Das Mißtrauen in das europäische Stückwerk zeigt sich im Fall des Euro gegenüber dem Dollar von schon 16 % in nur 3 Monaten (Abb. 03781) und auch in dem weit stärkeren Fall der europäischen Börsen, einschließlich Dax, verglichen mit den amerikanischen (Abb. 03712).



Besonders böse stürzen heute trotz aller Rettungszusagen die deutschen Banken ab: Hypo Real Estate - 37 %, Commerzbank - 16 % und Deutsche Bank - 10 % (Abb. 03752). Fazit: Auch die Börse traut der Bundesregierung nicht. Hier hilft nur noch Rekapitalisierung durch Teilverstaatlichung. Und das Mißtrauensbarometer für den Interbanken-Verkehr Libor steigt und steigt (Abb. 03718).



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global news 1243 06-10-08: Was sind "Spareinlagen" und was ist eine politische Erklärung wert?
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Es muß mißtrauisch stimmen, wenn die Bundesregierung immer wieder eine Erhöhung der staatlichen Einlagensicherung, die am Ende der europäischen Vergleichsländer rangiert (Abb. 03779), ablehnt und auch einen europäischen Sicherungsfond zurückgewiesen hat. Die deutschen Sparer waren angeblich genug gesichert. Und nun plötzlich unter dem Druck der Hypo Real Estate Krise gleich zwei Erklärungen, eine der Kanzlerin ("Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein") und des Finanzministers ("Ich möchte gerne unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren").


Nun sind politische Erklärungen einer Regierung, die jederzeit auseinanderbrechen kann, nicht so viel wert, wie die gesetzlichen Regelungen in anderen Ländern. Deswegen erinnern einige Medien heute Abend an frühere ähnliche Erklärungen, wie "die Renten sind sicher". Einigermaßen Sicherheit gibt es eigentlich nur bei gesetzlichen Verpflichtungen des Bundes. Andererseits was sind eigentlich Spareinlagen? Der SPIEGEL erinnert daran, daß insgesamt 4,5 Billionen Euro auf der deutschen Sparkante liegen, von Festgeldern, über Sparbücher, Versicherungen, Aktien, Fonds bis Zertifikate (Abb. 03780). Dazu gehören auch die Schuldverschreibungen der Banken, die nicht einmal in den Schutz des freiwilligen Sicherungsfonds der Banken kommen.


Nur etwas mehr als ein Drittel liegt bei Banken. Davon wiederum nur ein Drittel von 568 Mrd Euro werden von der Bundesbank als "Spareinlagen" ausgewiesen. Das Bundesfinanzministerium hat nun klargestellt, daß es sich bei der Garantie nur um diesen Betrag, der alle Spargeldeinlagen, Termineinlagen und das Geld auf privaten Girokonten umfaßt und nur etwa 13 % der deutschen Geld-Ersparnisse ausmacht, handelt. Angesichts des Bürgschaftsbetrages von 400 Mrd Euro allein in dem kleinen Irland, scheint die Garantie also recht begrenzt zu bleiben. Wer z.B. sein Geld in Schuldverschreibungen der Banken oder Bankzertifikaten spart, scheint nicht gesichert zu werden.

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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.