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(1139) Hilfe, wir sinken!

(1138) Die Nabelschau der EU - Teil 2: Was halten wir von der EU?

(1137) Bei den Ölpreissteigerungen sind die westlichen Multis und Regierungen mitverantwortlich

(1136) Die Nabelschau der EU - Teil 1: Die EU und die Globalisierung

(1135) Ein Bundeswirtschaftsminister, der die Realitäten nicht kennt: Die soziale Realität des Jahres 2008 ist keine andere die des Jahres 2005

(1134) Warum Deutschland eines der Hauptopfer der nun seit Jahren heraufziehenden Krise sein wird

(1133) Wachsende Gefahr von Hungeraufständen in der Dritten Welt, Kampf um Nahrungsmittel und Hungermigration

(1132) Soziale Marktwirtschaft" - Lehren aus 60 Jahren Nachkriegswirtschaft

(1131) China und der Neoliberalismus

(1130) Bankenkrise - Inflationskrise - Steuerparadis für Unternehmen

(1129) Bitte Zusammenrücken! - Der Druck aus der neoliberalen Globalisierung steigt weiter

(1128) Kehrtwende am Arbeitsmarkt? Die saisonal bereinigte Arbeitslosigkeit steigt wieder

(1127) Werden die Europartner noch 10 Jahre deutsches Lohndumping aushalten?

(1126) Unterinvestition in Deutschland setzt sich fort

(1125) Das 2. Quartal riecht nach Rezession

(1124) Quartal 08: Nettolöhne -1,9 %, Konsum privater Haushalte +0.05%, Unternehmens- und Vermögenseinkommen +3,9

(1123) UNICEF: Jedes 6. deutsche Kind von Armut bedroht

(1122) Deutschland fliegt sozial zweimal auseinander

(1121) Wieviel Leichen haben die Banken noch im Schrank?

(1120) Fraunhofer-Studie: Fast die Hälfte aller größeren Betriebe verlagern

(1119) Bloomberg-Bericht über Credit Default Swaps: Das nächste Damokles-Schwert

(1118) Ölpreis: Verknappung - Subvention - Spekulation

(1117) Ifo-Index im Mai: ein Minihäkchen nach oben

(1116) Ein Jahrzehnt Hyperinflation?

(1115) ZEW-Konjunkturerwartungen weiter im Sinkflug

(1114) Der Bundesarbeitsminister kommt wieder mit einer irreführenden Statistik, diesmal zur Armutsentwicklung

(1113) Die internationalen Beweise für den Nutzen eines flächendeckenden Mindestlohns sind erdrückend




global news 1139 29-06-08: Hilfe, wir sinken!
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Die meisten Menschen kennen das Gefühl des Sinkens oder Abstürzens nur aus der Phantasie. Was wir jetzt in der Weltwirtschaft erleben, ist jedoch real. Der Ölpreis hat sich seit Januar letzten Jahres von 53.68 auf 140.87 Dollar pro Faß fast verdreifacht (Abb. 07198). In Euros ausgedrückt ist es immer noch mehr als eine Verdoppelung von 41.30 auf 89.75 Euro pro Faß.


In Ländern, die 42 % der Weltbevölkerung ausmachen, ist die Inflationsrate inzwischen zweistellig, darunter sechs der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Die deutsche Inflationsrate verdoppelte sich von 1,69 % im Januar 2007 auf 3,3 % im Juni 2008, der höchste Stand seit 15 Jahren (Abb. 14467).


Gleichzeitig sank der Dollar gegenüber dem Euro seit Januar 2007 um mehr als 17 % (Abb. 13475). Der deutsche Aktienkursindex DAX ist seit seinem Gipfel im Juli 2007 bereits um 21 % abgestürzt (Abb. 03717). Der Index der 300 Spitzenunternehmen FTSE Eurofirst 300 hatte im ersten Halbjahr 2008 den tiefsten Sturz seit seinem Start vor 22 Jahren.



Die amerikanischen Hauspreise brechen weiter ein und halten die globale Kreditkrise unter Druck (Abb. 03736). Der amerikanische Verbraucherindex fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang der 80er Jahre (Abb. 13405), der europäische Wirtschaftsindex der EU-Kommission auf den tiefsten seit 3 Jahren (Abb. 06085).




Der Euribor 3-Monats-Zinssatz zwischen europäischen Banken turnt in einsamen Höhen und zeigt, daß die Bankenkrise allen beruhigenden Erklärungen zum Trotz längst nicht überwunden ist (Abb. 03718). Ebenso ist der Index, der das Verlustrisiko für Kreditpapiere der 125 Unternehmen mit dem besten AAA-Status mißt, wieder auf das höchste Niveau seit Mitte April gestiegen. In USA ist der Aktienwert des Finanzsektors seit August 2007 auf fast die Hälfte gefallen (Abb. 03751), in Deutschland hat die Deutsche Bank schon 62 % ihres Wertes verloren (Abb. 03752).




Große Unternehmen haben mit Massenjobaubbau begonnen, wie Siemens allein in Deutschland 6.400 Stellen. Ein erschreckter Bundesfinanzminister appeliert - absolut ungewöhnlich für Deutschland - an die EZB, die Zinsen nicht wie geplant zu erhöhen, weil dies im Abflauen der Konjunktur prozyklisch wirken könnte.

Wo ist eigentlich die Wirtschaftspolitik, die den Crash verhindern kann?

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global news 1138 28-06-08: Die Nabelschau der EU - Teil 2: Was halten wir von der EU?
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Die EU-Kommission hat jetzt im Juni über Eurobarometer erneut die Stimmung in der EU getestet, sowohl zur EU wie auch zur Globalisierung. Hier die Ergebnisse zur EU. Nur noch eine knappe Mehrheit von 52 % hält die Mitgliedschaft des eigenen Landes für eine gute Sache (Abb. 06069). In Deutschland sind es 60 %, aber in Großbritannien, Österreich, Italien, Finnland, Griechenland und Frankreich unter bis erheblich unter 50 %. Bei der Frage, ob die Mitgliedschaft dem Land genützt hat, sind die Anteile ähnlich, mit Irland (!) in der Spitzenposition (Abb. 06070).



Bei der Frage, ob sich die Dinge in der EU in die richtige Richtung bewegen, fallen die Antworten allerdings noch negativer aus. Nur 42 % sehen die richtige Richtung, in Deutschland sogar nur 37 % (Abb. 06071).


Vertrauen in die EU und ihre Organe hat nur die Hälfte der befragten Bürger, in Deutschland sogar nur 43 %, was einer der niedrigsten Werte ist (Abb. 06073). Noch geringer ist allerdings das Vertrauen in die eigene Regierung mit nur 32 % (06072). In Deutschland sind es 36 %, wobei der Unterschied zwischen W-Deutschland (37 %) und Ost-Deutschland (30 %) erheblich ist.



Interessanterweise glaubt nur eine Minderheit von 47 %, daß die Wirtschaftspolitik gemeinsam mit der EU gemacht werden solle, in Frankreich nur 44 % und in Großbritannien nur 26 % (Abb. 06074). Das zeigt, wie wenig die Menschen begriffen haben, daß in der EU die wichtigsten Instrumente der Wirtschaftspolitik, wie Außenhandel, Wettbewerb, Währungs- und Zinspolitik (betr. Eurozone) und wichtige Elemente der Steuerpolitik, wie die Mehrwertsteuersätze, schon längst vergemeinschaftet sind.


Alles in allem haben die EU-Bürger keine gute Meinung von der EU und in jedem Fall noch eine schlechtere als die Iren, die sich mit der Volksabstimmung gegen den Lissabon-Vertrag entschieden haben. Das läßt vermuten, wie entsprechende Abstimmungen in anderen Ländern ausgegangen wären, hätte man sie zugelassen.

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global news 1137 27-06-08: Bei den Ölpreissteigerungen sind die westlichen Multis und Regierungen mitverantwortlich
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Wenn man Milliarden-Völker, wie die von China und Indien, im Laufe nur weniger Jahre in Boomländer mit zweistelligen Wachstumsraten katapuliert und dabei auch die Motorisierung und den Energieverbrauch insgesamt anheizt, darf man sich über die Folgen nicht wundern. Abgesehen von der Spekulation, gegen die die Regierungen bisher nichts unternommen haben, ist es zu einer echten und wahrscheinlich lange anhaltenden Verknappung von Öl gekommen.

Zu China: Der Anteil Chinas an der Weltindustrieproduktion steigt weiter dramatisch (Abb. 13452). Chinas Ölverbrauch ist in den letzten Jahren mit 8 % Zuwachs pro Jahr auf 8 Millionen Faß/Tag steil angestiegen (Abb. 08145); das ist schon jetzt mehr als dreimal der deutsche Verbrauch. Dabei ist der chinesische Benzinpreis subventioniert und auch nach einer Reduktion der Subvention mit umgerechnet 0,54 Euro pro Liter nur rund ein Drittel des deutschen (Abb. 13467). Außerdem wächst das Marktsegment der benzinfressenden Geländewagen mit einem Plus von 40 % gegenüber Vorjahr am stärksten (Abb. 08144). Der Internationale Währungsfond erwartet, daß in China schon in 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden (Abb. 07030). Der chinesische Öldurst ist der wichtigste Einzelfaktor für das Ungleichgewicht auf den Ölmärkten geworden.






Der Ölpreis steigt fast senkrecht (Abb. 07198). Das ist eine gewaltige Belastung für die deutsche Volkswirtschaft und die anderer Länder. Deutschland hat im vergangenen Jahr für 61 Mrd Euro Öl und Gas importiert. Bei einer Ölpreissteigerung um 94 % (unterstellt, der Ölpreis steigt nicht weiter und der Gaspreis folgt dem Ölpreis) müssen dafür in diesem Jahr rund 58 Mrd Euro mehr ausgegeben werden. Bei einem Bruttosozialprodukt in 2007 von 2423 Mrd Euro sind das rund 2,4 %, die vom deutschen Wachstum abgehen. Nur ein begrenzter Teil wird über die deutschen Exportpreise und den Export ans Ausland weitergereicht werden können. Die Wachstumsbremse kombiniert mit anhaltender Inflation wird zu einer gefährlichen Phase der Stagflation in Deutschland und der Weltwirtschaft insgesamt führen.


Die westlichen Regierungen und Multis tragen erhebliche Mitverantwortung an der ungebremsten chinesischen Nachfrage nach Öl. Sie haben einen gewaltigen Kapital- und Technologietransfer nach China organisiert. Der enorme Zufluß von Kapital ausländischer Unternehmen in der Größenordnung von 108 Mrd $/Jahr im 1. Quartal 2008 mit einem Plus von 61 % gegenüber Vorjahr erreicht die Größenordnung der gesamten Entwicklungshilfe an alle Entwicklungsländer der Welt. Nicht zuletzt die westlichen Automobilunternehmen haben massiv in Chinas Motorisierung investiert. Und westliche Regierungen und Multis haben China mit offenen Armen in die liberale Welthandelsorganisation WTO komplimentiert, obwohl China nicht einmal minimale Sozialstandards einhält, und so den chinesischen exportangetriebenen Boom erst ermöglicht. Sie haben in ihrer Exportversessenheit die irrsinnigen Folgen für die labilen Energiemärkte nicht wahrnehmen wollen. Das gilt auch für die Nahrungsmittelmärkte.

Der Teufel ist natürlich jetzt aus der Flasche und nicht mehr dahin zurückzubringen. Jetzt kann nur noch helfen, einerseits auf der strikten Einhaltung von sozialen Mindeststandards bei Importen aus China (und vergleichbaren Ländern) zu bestehen und so das chinesische exportangetriebene Wachstum und damit die Ölpreisentwicklung zu verlangsamen. Andererseits müssen Wege gefunden werden, die Motorisierung und den Ölverbrauch in den westlichen Industrieländern ohne unerträgliche soziale Verwerfungen zurückzuführen. Das wird sich nur durch ein massives Programm im öffentlichen Verkehrsbereich und eine weit stärkere Besteuerung der großvolumigen Fahrzeuge erreichen lassen, jedenfalls solange nicht ölunabhängige Fahrzeuge auf dem Markt sind. Der öffentliche Nahverkehr wird weitgehend gratis, bzw. zu Minimalpreisen von 1 Euro zu Verfügung gestellt werden müssen. Auch werden Fahrrad-Pools in den Großstädten einzurichten sein (beide Maßnahmen laufen derzeit in Frankreich an).

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global news 1136 26-06-08: Die Nabelschau der EU - Teil 1: Die EU und die Globalisierung
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Die EU-Kommission hat jetzt im Juni über Eurobarometer erneut die Stimmung in der EU getestet, sowohl zur EU wie auch zur Globalisierung. Hier zunächst die Ergebnisse zur Globalisierung. Dabei ist interessant, wie stark die Meinungen in Ost-Deutschland von denen in West-Deutschland abweichen.

Zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, daß die Globalisierung nur den großen Unternehmen nützt, nicht aber den Bürgern. In Deutschland liegt der Anteil sogar bei 71 %, in Frankreich sogar bei 82 %. In Dänemark, Schweden, Niederlanden, Irland und Großbritannien (den "Nordlichtern") ist diese Ansicht weniger stark vertreten (Abb. 06075).


Fast zwei Drittel sind der Meinung, daß die Globalisierung feste Regeln braucht. In Deutschland sind das sogar 83 % (Abb. 06076).


Nur eine kleine Minderheit von 39 % sieht in der Globalisierung eher eine gute Möglichkeit als eine Bedrohung der Arbeitsplätze, in Deutschland 41 % (Abb. 06077).


Nur eine Minderheit von 44 % glaubt, daß die EU sie vor den negativen Effekten der Globalisierung schützt (Abb. 06078).


Weniger als die Hälfte glauben, daß ihnen die EU erlaubt, besser von den positiven Effekten der Globalisierung zu profitieren. Hier ist dieser Anteil in Deutschland, Frankreich und Österreich besonders niedrig, dagegen bei den EU-Nordlichtern relativ hoch. Der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland ist beachtlich (Abb. 06079).


Nur eine Minderheit von 41 % hält die EU-Wirtschaft für leistungsfähiger oder gleich leistungsfähig als die Chinas. Bei Frankreich, Italien und Großbritannien sind es weit unter 30 %. Dagegen ist in Deutschland eine schwache Mehrheit immer noch optimistisch. Hier wirkt wahrscheinlich die von der Exportindustrie verbreitete Exporteuphorie mit (Abb. 06080).


Nur eine kleine Minderheit von 16 % denkt beim Wort Globalisierung an neue Märkte. In Deutschland sind es mit 20 % etwas mehr, und noch mehr bei den EU-Nordlichtern, dagegen sehr viel weniger mit 10 % und 11 % in Frankreich und Großbritannien (Abb. 06081). Auch hier ist der Unterschied zwischen Ost- und West-Deutschland groß.


Große Mehrheiten denken in Deutschland und Frankreich beim Wort "Globalisierung" an Unternehmensverlagerungen (Abb. 06082). Fast drei Viertel der befragten Bürger glauben, daß die Unternehmen nicht zu Verlagerungen gezwungen sind, sondern nur ihre Profite steigern wollen. In Deutschland und Frankreich sind das sogar mehr als 80 % (Abb. 06083).



Im Unterschied zu diesen Sorgen mit der Gobalisierung und der Forderung nach festen Regeln, fällt der Glaube an den "freien Wettbewerb", mit dem der Wohlstand zu sichern sein soll, auf (Abb. 06084). Diesen Glauben hegen 61 %, in West-Deutschland sogar 71 % (dagegen in Ost-Deutschland nur 60 %). Hier wirkt offensichtlich die neoliberale Ideologie bis in den Widerspruch zu den Lebenserfahrungen der Menschen hinein, und besonders in Deutschland auch der naive Glaube an die Exportweltmeisterschaft. Das Wort "frei" in Zusammenhang mit Wettbewerb hat die Wirkung einer Reinwäsche und lenkt von den Dumpingtatbeständen und der mangelnden Fairness ab, obwohl gerade von zwei Dritteln der Befragten Regeln gefordert werden, die zu einer Einschränkung des regellosen Wettbewerbs führen würden.


Hier zu Die Nabelschau der EU - Teil 2: Was halten wir von der EU?

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global news 1135 26-06-08: Ein Bundeswirtschaftsminister, der die Realitäten nicht kennt: Die soziale Realität des Jahres 2008 ist keine andere die des Jahres 2005
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Der Bundeswirtschaftsminister, dem der heute beschlossene 3. Armuts- und Reichtumsbericht im Magen liegt, fühlt sich zu einer Presseerklärung veranlaßt: "Die soziale Realität des Jahres 2008 ist eine völlig andere als die des Jahres 2005. Leider reichen viele der Zahlen im Bericht nur bis 2005 und blenden damit die sozialen Erfolge der letzten Jahre aus. Die Menschen haben vom Aufschwung profitiert - und zwar in Form von mehr Arbeitsplätzen, verbesserten Einkommenschancen, höheren Transferzahlungen und verstärkten öffentlichen Investitionen in Infrastruktur. 38 % der Arbeitslosen, das sind rund 2 Mio. Menschen, haben seit Anfang 2005 einen Weg aus der Bedürftigkeit gefunden.Unser Staat bekämpft die Armut äußerst wirksam."

Sollten dem Bundeswirtschaftsminister einige Fakten entgangen sein, so wollen wir ihm hier nachhelfen, wobei Armut und Reichtum relative Begriffe sind, die von der Gesamtentwicklung abhängen:

Erstens, hat sich seit 2005 die soziale Schere in Deutschland dramatisch weiter geöffnet. Während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zwischen dem ersten Quartal 2005 und dem ersten von 2008 um 27 % stiegen, legten die Arbeitseinkommen nur um 7 % zu, und davon hat die Verbraucherpreisinflation von ebenfalls 7 % nichts übrig gelassen. Dabei rechnen in diesen durchschnittlichen Arbeitseinkommen auch noch die der Besserverdiener, d.h. der Ackermanns und dergleichen. Der Abstand zwischen dem obersten und dem untersten Fünftel der Einkommensbezieher stieg nirgendwo in der Alt-EU zwischen 2000 und 2006 so stark wie in Deutschland (Abb. 12918). Deutschland hat nun auch die USA mit dem höchsten Anteil an Superreichen mit mehr als 1 Million Dollar Finanzkapital pro Bevölkerung überrundet, wenn man die größeren Länder vergleicht (Abb. 03609).



Zweitens, ist der Anteil von Menschen mit Armutsrisiko auch von 2005 auf 2006 weiter gestiegen (Abb. 13474). Laut Kinderreport 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks hat sich seit der Einführung des ALG II am 1. Januar 2005 die Zahl der auf Sozialhilfe oder Sozialgeld angewiesenen Kinder verdoppelt. Schätzungen zufolge leben in Deutschland inzwischen mehr als 2,5 Millionen Kinder auf oder unter dem Sozialhilfeniveau.


Drittens, erhöhten sich die Sozialrenten zwischen 2005 und 2007 nur um magerste 0,5 % und stürzten nach Abzug der Verbraucherpreisinflation entsprechend ab. Damit haben durchschnittliche Arbeitnehmer und erst recht durchschnittliche Sozialrentner einkommensmäßig bestimmt nicht vom Aufschwung profitiert.

Viertens, sind seit 2005 mehr als zwei Großstädte, nämlich 224.000 Verbraucher, amtlich in die Insolvenz gegangen und diese Entwicklung setzt sich in 2008 fort (Abb. 04028).


Fünftens, beruht die Berechnung der Arbeitslosen auf vielen statistischen Tricks und einer totalen Ausklammerung der Qualität der meisten dieser neuen Jobs. Schon die Zahl von 2 Millionen Arbeitslosen, die angeblich seit Anfang 2005 einen Weg aus der Bedürftigkeit gefunden haben sollen, ist nicht nachvollziehbar, denn zwischen Januar 2005 und Januar 2008 hat Zahl der Beschäftigten lediglich um 1,08 Millionen zugenommen, und ist die Zahl der Arbeitslosen nur um 1,38 Millionen zurückgegangen. Die Zahl derer, die auf öffentliche Hilfe angewiesen sind, weil sie arbeitslos sind oder das Arbeitseinkommen nicht ausreicht, lag im Mai 2008 bei 6.0 Millionen und damit immer noch fast in der Höhe der 6,2 Millionen vom Mai 2005. Tatsächlich werden immer weniger Arbeitslosengeldempfänger amtlich als arbeitslos registriert. Nach der jüngsten Statistik waren es nur noch 55 % (Abb. 04980). Vor zwei Jahren waren noch mehr als 71 % gewesen.


Sechstens, die meisten neuen Arbeitsplätze sind gering bezahlte oder befristetete Leihverträge und damit äußerst unsicher. Die Aufstiegsaussichten aus solchen Jobs sind nahe null. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung hat nachgewiesen, daß nur jeder achte Geringverdiener den Aufstieg zu einem höheren Lohn schafft (Abb. 14471). Nun hat die Arbeitsagentur auch einräumen müssen, daß die Übergangsrate von Hilfebedürftigen und damit von arbeitslosen und nicht arbeitslosen Personen im Leistungsbezug in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im ersten Halbjahr 2007 bei nur 3,4 Prozent lag. Durchschnittlich gelang es damit nur 34 von 1000 Leistungsbeziehern in der Grundsicherung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufzunehmen (Abb. 14471).


Siebentens, nicht überraschend hat Deutschland unter den Alt-EU-Ländern die schlechteste Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte (Abb. 13473).


Es wäre schön, wenn der Bundeswirtschaftsminister diese unbestreitbaren Fakten wenigstens zur Kenntnis nehmen könnte.

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global news 1134 24-06-08: Warum Deutschland eines der Hauptopfer der nun seit Jahren heraufziehenden Krise sein wird
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Diese Krise hat eine lange Vorlaufzeit, und so warnt das Infoportal schon seit fünf Jahren vor der Entwicklung. Auf den Kreditmärkten hat sich die Immobilien- und Hypothekenblase jahrelang vorbereitet. Auch die Exzesse mit allen Arten von Derivativen haben sich über Jahre aufgebaut.

Jetzt wachsen die Sorgen wegen der Credit Default Swaps (CDS), mit denen Gläubiger versuchen, das Kreditrisiko aus hochriskanten Anlagen abzusichern und die George Soros in einem dramatischen Appell als ein Damokles-Schwert über den Finanzmärkten bezeichnet hat. Das derzeitig ausstehende Volumen sei mit nominal 45 Billionen Dollar etwa halb so groß wie das Vermögen aller amerikanischer Haushalte oder fünfmal so groß wie die öffentliche Schuld der USA. Hier könne es jederzeit zu Kurzschlußreaktionen kommen, wenn die ersten Versicherungen zusammenbrächen, weil die Gegenpartei in die Pleite gehe. Vor allem die drei amerikanischen Monoline Bondversicherer, die allein 2,2 Billionen Dollar in ihren Büchern haben, haben über Credit Default Swaps versichert. Nach Herunterstufung der Monoline Versicherer durch die Rating Agenturen entstehen erhebliche zusätzliche Abschreibungsnotwendigkeiten bei den Banken, die die Bonds halten und deren Versicherungen entwertet wurden. Unter den Banken sind die vier größten CDS-Versicherer in der Reihenfolge nach Billionen Dollar JPMorgan (7,9), Deutsche Bank (5,2), Citygroup (3,2) und Bank of America (1,6).

Ebenso lange wachsen die Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen und auf den Energiemärkten, vor allem durch die sich immer weiter aufbauende Nachfrage aus den Schwellenländern, China an der Spitze, angetrieben. Die seit der Jahrhundertwende beschleunigte neoliberale Globalisierung schafft die gefährliche Dynamik dieser globalen Krise, die die schlimmste seit den 30er Jahren werden kann.

Wenn die Krise, wahrscheinlich in Form einer jahrelangen Stagflation, richtig zuschlägt, wird Deutschland eines der Hauptopfer sein. Kein anderes der großen Industrieländer hat sich so von den Auslandsmärkten abhängig gemacht (Abb. 13470). Kein anderes hat seine Binnennachfrage der privaten Verbraucher so schleifen lassen, auch eine Folge der falschen Sozialreformen (Abb. 13471, 12998).




Kaum ein anderes hat sein Bildungssystem finanziell so in den Keller gewirtschaftet, vor allem mit einer mangelnden Integration der Immigrantenkinder. Kein anderes hat einen so hohen Sockel an Langzeitarbeitslosigkeit gehalten, die nun wieder wachsen wird (Abb. 12999).


Das deutsche Bankensystem ist besonders schwach, wie sich auch in der Entwicklung der Bankaktien zeigt, wobei z.B. die Deutsche Bank in wenigen Monaten schon 60 % ihres Wertes verloren hat (Abb. 13316).


Inzwischen mehren sich die Krisenzeichen fast von Tag zu Tag. Die Umfrage unter Finanzanalysten des ZEW hat einen weiteren Rutsch nach unten in den Konjunkturerwartungen gegeben, weit tiefer als erwartet (Abb. 04762). Es ist der tiefste Stand seit 1992. Der heute veröffentlichte Ifo-Index fiel ziemlich steil auf einen 3-Jahres-Tiefststand bei den Geschäftserwartungen (Abb. 04589). Auch das Gesamtklima ist abgerutscht (Abb. 14051).




Auch der heute veröffentlichte Index der Erwartungen der Konsumenten fällt immer tiefer (Abb. 04917).


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global news 1133 22-06-08: Wachsende Gefahr von Hungeraufständen in der Dritten Welt, Kampf um Nahrungsmittel und Hungermigration
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Anfang März habe ich in einem neuen Schwerpunkt die 5 schweren Krisen beschrieben, die auf die Welt zukommen und jahrelang anhalten werden: eine Weltwährungskrise, eine Weltkreditkrise, eine Weltenergiekrise, eine Welternährungskrise und die Umweltkrise. Dazu schrieb ich: "Diese schweren Schocks werden die Welt, die wir kennen, in den nächsten fünf Jahren so ziemlich auf den Kopf stellen. Dabei hängen diese Krisen eng zusammen." Seitdem sind besonders die Öl- und die Nahrungsmittelpreise weiter explodiert und haben mit einer weltweiten Inflation eine eigene Krise erzeugt. Der Ölpreis steigt unheimlich steil (Abb. 07198) und treibt die Nahrungsmittelpreise vor sich her.


In der Eurozone stieg die Inflationsrate in im April mit 3,7 % auf ein Rekordhoch und auch die deutsche lag mit 3,0 % fast auf Rekordhoch (Abb. 13456). Inflationsbereinigt gingen damit in der deutschen Industrie die Entgelte pro Arbeitsstunde in den ersten vier Monaten 2008 um 1,1 % zurück (Abb. 04009). Die Schere zwischen Arbeitseinkommen und solchen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen öffnet sich immer mehr. Kein Wunder, daß bei dieser Situation nur noch magere 13 % der Befragten der neuen Allensbach-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland für gerecht halten und schon 73 % sie für ungerecht einschätzen (vor drei Jahren lag das Verhältnis noch bei 27 % zu 52 %, Abb. 14470) und die Mehrheit keine gute Meinung von unserem Wirtschaftssystem mehr hat (Abb. 14460). Die Konjunkturerwartungen fallen immer mehr. Die Umfrage unter Finanzanalysten des ZEW ergab am 17. Juni einen weiteren Rutsch nach unten auf den tiefsten Stand seit 1992 (Abb. 04762).





Das eigentliche Problem baut sich jedoch in der Dritten Welt auf. Überall springt die Inflation dramatisch an (Abb. 134466). Dazu trägt die Erhöhung der Benzinpreise stark bei, da viele Länder, wie z.B. China und Indien, die hohe Subventionierung nicht mehr durchhalten konnten oder wollten. Dennoch liegt der Benzinpreis in vielen dieser Länder immer noch vergleichsweise niedrig (Abb. 13467) und wird bei weiter steigendem Weltmarktpreis und damit weiterem Abbau der Subventionen weiter steigen müssen. Bisher haben sich die meisten Notenbanken in Asien nicht getraut, die Zinsen stärker anzuheben, um das Wachstum nicht zu gefährden, mit der Folge negativer Zinsraten, die wiederum die Inflation beschleunigen (Abb. 13468).




Unter der Inflation der Nahrungsmittel leiden besonders die ärmeren Länder, in denen die Haushalte hohe Anteile ihrer Einkommen auf Nahrungsmittel verwenden müssen (Abb. 13465). Und überall leiden die ärmeren Bevölkerungsschichten, wobei die in vielen Ländern stark wachsenden sozialen Gräben das Problem noch erheblich verschlimmern (Abb. 13469).



Jetzt befürchten die Internationalen Organisationen und viele westliche Regierungen wachsende Instabilität und Gefahren aus der Dritten Welt. Schon ist es in etwa 30 Ländern zu Aufständen gegen die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise gekommen. Auch droht ein globaler Kampf um Nahrungsmittel und Hungermigration in bisher unbekanntem Umfang.

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global news 1132 14-05-08: Soziale Marktwirtschaft" - Lehren aus 60 Jahren Nachkriegswirtschaft
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Das einst weltweit bewunderte deutsche Modell der "sozialen Marktwirtschaft" ist in Mißkredit geraten, und so möchte kaum jemand seinen 60. Jahrestag feiern. Eine erdrückende Mehrheit der Deutschen von 85 % hat in der letzten internationalen Umfrage des Harris Polls erklärt, der soziale Graben zwischen Armen und Reichen sei zu groß geworden (Abb. 13440). Nach einer neuen Umfrage der Bertelsmann Stiftung halten jetzt 73 % der Befragten die wirtschaftlichen Verhältnisse für nicht gerecht, während es vor drei Jahren erst 52 % waren (Abb. 14470). Erstmals hat eine Mehrheit unter denen, die überhaupt eine Meinung haben, auch in Westdeutschland keine gute Meinung vom deutschen Wirtschaftssystem (Abb. 14460). Man möchte das Wort "soziale Marktwirtschaft" gar nicht in den Mund nehmen. So unpopulär ist es heute, und zwar nicht etwa weil die Menschen dagegen sind, sondern weil sie sich mit diesem Begriff aus dem Mund der Politiker düpiert fühlen und die "soziale Marktwirtschaft" schon als faktisch begraben sehen.




Tatsächlich bedeutete die "soziale Marktwirtschaft" nach der Währungsreform einen enormen Lohnverzicht der Arbeitnehmer. Die Lohnquote, oder der Anteil der Arbeitnehmereinkommen am Volkseinkommen, fiel von etwa 50 % 1936 auf nur noch 39 % 1949. Das war nötig, um mit den entsprechend steigenden Einkommen der Unternehmen die Mittel zu erwirtschaften, die für die Investitionen in den Wiederaufbau nötig waren. Zum Ausgleich stimmten alle Parteien, auch die CDU im Ahlener Programm von 1947, für eine soziale Neuordnung Deutschlands.

Im Ahlener Programm hieß es beispielsweise schon in der Einleitung: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein."

Und weiter im Text des Programms: "Unternehmungen monopolartigen Charakters, Unternehmungen, die einen bestimmte Größe überschreiten müssen, verleihen eine wirtschaftliche und damit eine politische Macht, die die Freiheit im Staate gefährden kann. Dieser Gefahr muss dadurch vorgebeugt werden, dass entsprechende Kartellgesetze erlassen werden. Darüber hinaus soll bei diesen Unternehmungen das machtverteilende Prinzip eingeführt werden, damit jede mit dem Gemeinwohl unverträgliche Beherrschung wesentlicher Wirtschaftszweige durch den Staat, Privatpersonen oder Gruppen ausgeschlossen wird. Zu diesem Zweck sollen öffentliche Körperschaften wie Staat, Land, Gemeinde, Gemeindeverbände, ferner Genossenschaften und die im Betrieb tätigen Arbeitnehmer an diesen Unternehmungen beteiligt werden; der dringend notwendigen Unternehmerinitiative ist der erforderliche Spielraum zu belassen. Weiter soll bei solchen Unternehmungen der private Aktienbesitz, der in einer Hand dem Eigentum oder dem Stimmrecht nach vereinigt ist, in der Höhe gesetzlich begrenzt werden. In den Betrieben, in denen wegen ihrer Größe das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer nicht mehr auf einer persönlichen Grundlage beruht, ist ein Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer an den grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen Planung und sozialen Gestaltung sicherzustellen."

Was aber ist seit Ende der 50er Jahre passiert? Die Lohnquote ist Dank der Rolle der Gewerkschaften bis Ende der 80er Jahre auf 75 % gestiegen, hat sich also im internationalen Vergleich normalisiert, auch wenn sie immer noch am unteren Ende des internationalen Vergleichsfeldes liegt (Abb. 12463).


Doch an dem durch den Wiederaufbau und danach geschaffenen gewaltigen Vermögen der Unternehmen hatten die Arbeitnehmer immer weniger Anteil. Nur sehr wenig des Aktienbesitzes ist in ihren Händen, und die Mitbestimmung ist immer weiter ausgehölt worden. Zusätzlich geriet die Lohnquote seit Ende der 80er Jahre und mehr noch seit etwa dem Jahr 2000 immer mehr unter den von der Kapitalseite herbeigeführten Druck der Globalisierung und des Wettbewerbs mit unsozialen Volkswirtschaften und deren Niedrigstlöhnen. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit offen und versteckt enorm an. Die Lohnquote fiel wieder von 75 % auf 65 % zurück (Abb. 14468). Auch wenn man berücksichtigt, daß die Zahl der Selbständigen gewachsen ist, fiel die Arbeitseinkommensquote (mit Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen) nach Berechnungen des DIW um mehr als 5 %.


Die zu Zeiten der "sozialen Marktwirtschaft" noch sicheren Renten wurden immer unsicherer und vom Einstiegsbetrag her immer niedriger (Abb. 14118). Die Bildung wurde wieder sehr stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Eine in diesem Umfang früher nicht gekannte Spekulation der Wohlhabenden und die in seit dem Wiedervereinigungsboom von 1993 unbekannte Höhen stark gestiegene Inflation (Abb. 14467) schädigen die Vermögen der kleinen Leute. Größere Teile der Mittelklasse stiegen und steigen in die Unterklasse ab, viel kleinere in die Oberklasse auf. Der Graben zwischen denen, die von Arbeitseinkommen leben, und denen, die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen beziehen, wird immer tiefer (Abb. 04054). Unternehmensbosse haben sich enorme Einkommenssteigerungen in die Tasche geschoben. In vielen Unternehmen ist Korruption eingekehrt. Auch wurden Gewerkschaftler gekauft. Vom "sozial" blieb immer weniger übrig.




Das ist der Grund, warum heute die Menschen von der zur Sprechblase im Munde der Politiker und Beschwichtiger verkommenen "sozialen Marktwirtschaft" so wenig halten.

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global news 1131 12-05-08: China und der Neoliberalismus
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Dieser Rundbrief setzt sich kritisch mit der neoliberalen Entwicklung in China auseinander. Der aktuelle Anlaß ist der Einstieg des chinesischen Staatsfonds "State Administration of Foreign Exchange" oder kurz "Safe" bei Texas Pacific Group, einem der aggressivsten Private Equity Unternehmen aus USA und meine Lektüre von Naomi Klein's Bestseller "Die Schock-Strategie". Darin beschreibt sie unter anderem, wie die kommunistische Führung Chinas die militärische Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989 ausgenützt hat, um ihre neoliberalen Wirtschaftsreformen durchzusetzen.

Viele bei uns müssen sich noch daran gewöhnen, daß China nun schon seit vielen Jahren ein superkapitalistisches und neoliberal auf Profit gestimmtes Land ist. Der Guru der Neoliberalen und Gründer der Chicago-School-Ideologie Professor Milton Friedman wurde schon 1980 nach China eingeladen und hat dort die höheren Ränge der Partei, der Beamten und der Universitäten in seiner marktradikalen Theorie unterrichtet. Er schrieb für China ein wirtschaftliches Liberalisierungsprogramm, und er kam 1988 erneut nach China, um die Parteispitzen zum Durchhalten gegen den öffentlichen Protest zu ermuntern. Dabei traf er auch für zwei Stunden den Generalsekretär Zhao Ziyang und den Parteisekretär von Shanghai und zukünftigen Staatschef Jiang Zemin. Friedman erinnerte sich später: "Ich betonte die Wichtigkeit der Privatisierung und freier Märkte, und die Liberalisierung auf einen entscheidenden Streich."

Nach dem Treffen forderte er den Generalsekretär in einem Memorandum erneut auf, daß nicht weniger sondern mehr Schocktherapie nötig sei. Friedman schrieb nach Rückkehr aus China an den Herausgeber einer Studentenzeitschrift, er habe beiden Chile (unter Pinochet) und China genau den gleichen Ratschlag gegeben. China folgte praktisch dem Handbuch, das Friedman für Pinochets Chile aufgelegt hatte. Der blutig niedergeschlagene Aufstand auf dem Platz des Himmlichen Friedens war vor allem ein Aufstand gegen die wirtschaftlichen Folgen dieser von Friedman mitinspirierten Reformen und gegen einen unregulierten Kapitalismus.

Die chinesische Führung setzte mit den Panzern den Fortgang der neoliberalen Reformen à la Friedman durch. Deng Xiaoping sagte nach dem Massacker ausdrücklich: "Wir werden die Wirtschaftsreformen nicht anhalten." Dagegen wollte der Westen neben der Unterdrückung der politischer Freiheiten nicht sehen, wie die wirtschaftlichen und sozialen Interessen unterdrückt wurden, zumal er sich gleichzeitig darauf vorbereitete, die kapitalistischen Reformen und die Ausbeutung chinesischer Arbeiter im Profitinteresse westlicher Multis auszunützen.

Im Ergebnis solcher Reformen sind heute 90 % der chinesischen Milliardäre Söhne von Offiziellen der kommunistischen Partei. Fast 3.000 dieser Parteigänger kontrollieren ein Vermögen von 260 Milliarden Dollar umgerechnet. Die Wirtschaft ist fest in der Hand der kommunistischen Partei und erlaubt einem Teil der Partei-Offiziellen ein Leben in großem Wohlstand. Vieles erinnert an die Transformation in Rußland, wo sich viele ehemaligen Politruks enorme Vermögen unter den Nagel reißen konnten.

Der Gini-Koeffizient zeigt, wie stark in China die soziale Schere zwischen Arm und Reich aufgegangen ist (Abb. 07103). Der Graben ist schon fast doppelt so breit, wie in Deutschland trotz der sich auch hier abspielenden sozialen Verwerfungen. Sowohl der Anteil der Löhne wie des privaten Verbrauchs am Bruttoinlandsprodukt fällt kontinuierlich (Abb. 08087).



Wer will, kann diese traurige Geschichte in Naomi Klein's Bestseller "Die Schock-Doktrin" nachlesen.

Nun baut China einen riesigen Staatsfond (China Investment Corporation) auf. Er hat bereits 200 Mrd Dollar verfügbar. Zusätzlich gibt es einen Fond der chinesischen State Administration of Foreign Exchange ("Safe") und einen Fonds im chinesischen Hongkong von 163 Mrd Dollar. Im Mai kaufte sich die chinesische Superheuschrecke Safe bei Blackstone, der viertgrößten Private Equity Heuschrecke mit drei Mrd Dollar ein. Nun folgt ein Einstieg von Safe mit 2,5 Mrd Dollar bei TPG, der fünftgrößten (Abb. 03460). Blackstone hat in Deutschland Celanese, Gerresheimer Glas, Sulo und zuletzt die 31.000 Wohnimmobilien der früheren Beteiligungsgesellschaft WCM für knapp 1,4 Milliarden Euro geschluckt. TPG hat profitable Firmen wie Grohe, Telenovis und Isola zerschlagen und teilweise ins Ausland verlegt und sich schon zigtausende Mietwohnungen unter den Nagel gerissen, um die Bewohner raus zu sanieren.


Hier zeigt sich sehr deutlich, wie neoliberal in der Wirtschafts- und Sozialpolitik die chinesische kommunistische Führung geworden ist.

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global news 1130 11-06-08: Bankenkrise - Inflationskrise - Steuerparadis für Unternehmen
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Heute deckt der Rundbrief gleich drei aktuelle Themen ab:

1. Die europãischen Banken als Hauptleidtragende der Krise

Die europäischen Banken sind mit fast 52 % der Verlustabschreibungen weit vor den amerikanischen mit fast 43 % die Hauptleidtragenden der Kreditkrise (Abb.03743). Hinzu kommt, daß die amerikanischen mit 51 % weit mehr neues Kapital aufnehmen konnten als die europäischen mit 45 %. Im Ergebnis haben netto die europäischen Banken dreimal so viel Kapital verloren wie die amerikanischen (Abb. 03744). Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß sich die europäischen Banken immer weniger gegenseitig vertrauen und der Eurolibor-Zins auf drei Monate zwischen Banken mit fast 5 % einen neuen Rekord verzeichnet (Abb. 03718).




Die deutschen Banken haben seit Ausbruch der Krise erheblich an Aktienwert verloren, z.B. die Deutsche Bank bereits 56 % und das bei einem Millionen-Einkommen von Ackermann (Abb. 13316). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Banken insgesamt ist von 22 1999 auf nur noch 9 heute immer weiter und zuletzt immer schneller eingebrochen (Abb. 03745).



Am Ende werden auch in Deutschland die Steuerzahler und die Bankkunden an die Kassen gebeten werden.

2. Auch deutsche Unternehmen treiben die Preise

Die heutige Meldung über die Steigerung der Großhandelspreise im Mai um 8,1 % gegenüber Vorjahr hat geschockt. Es ist die höchste Preissteigerungsrate in 26 Jahren. Verglichen mit dem Vormonat April explodierten die Preise sogar mit einer Jahresrate von fast 17 %. Das Statistische Bundesamt erklärt das wieder einmal mit der Entwicklung der Importpreise (Abb. 14465).


Doch dabei wird vergessen oder unterschlagen, wie die deutschen Unternehmen ebenfalls die Preise treiben. Die deutschen Erzeugerpreise sind fast genauso gestiegen, wie die Einfuhrpreise, obwohl die Einfuhren nur einen Teil der Kosten der deutschen Erzeuger ausmachen. Während die Erzeuger in Deutschland ihre Preise um 5,2 % angehoben haben, konnten sie ihre Ausfuhrpreise nur um 2,2 % anheben. Also kommt auf die deutschen Kunden und Verbraucher der Löwenanteil der Preissteigerungen, womit wahrscheinlich auch der Export gestützt wird. Das Ausland kann sich freuen!

Die Preistreiberei zu Lasten der deutschen Verbraucher ist umso ärgerlicher, als die deutschen Unternehmen wegen der besonderen deutschen Lohndrückerei die zusammen mit Österreich stärkste Entwicklung der Unternehmensgewinne seit 2000 gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt verzeichnen (Abb. 12531).


3. Deutschland = Unternehmenssteuer-Paradis

Allen ständigen Klagen der Unternehmen zum Trotz: Unter westeuropäischen Ländern ist Deutschland ein Steuerparadis. Zwar liegt die deutsche Gewinnbesteuerung der Kapitalgesellschaften vom Steuertariff her noch im Mittelfeld (Abb. 13462).


Nun hat jedoch die britische Regierung ihre neue Übersicht über die 1283 größten europäischen Unternehmen und ihre tatsächliche Steuerleistung bei Gewinnsteuern herausgebracht. Hier zeigt sich, daß die erfaßten ca. 110 deutschen Unternehmen nach denen aus den Niederlanden und Österreich mit nur 7,3 % der Gewinne die niedrigste Steuerleistung erbrachten und weit weniger als der Durchschnitt aller Unternehmen von 10,0 % (Abb. 13461). Hier wirken sich die vielen Steuerschlupflöcher und Sonderregelungen des deutschen Unternehmenssteuerrechts aus.


Die britischen Unternehmen mit durchschnittlich 12,5 % haben Grund zur Klage, allerdings nicht die deutschen. Hinzu kommt, daß die deutschen Unternehmen mit denen aus Österreich die stärkste Entwicklung der Unternehmensgewinne seit 2000 gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt verzeichnen, ein Sprung um 27 %. Dennoch hat die Bundesregierung die Unternehmerklage immer wieder mit Steuersenkungen honoriert. Im Ergebnis fehlte und fehlt das Geld für viel wichtigere Aufgaben, wie die Bildung oder die Familienpolitik.

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global news 1129 05-06-08: Bitte Zusammenrücken! - Der Druck aus der neoliberalen Globalisierung steigt weiter
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In einer ersten Phase der neoliberalen Globalisierung, die noch längst nicht zu Ende ist, ziehen Niedrigstlohnländer in Asien und Osteuropa Beschäftigung an sich. Besonders China wird immer mehr zur Werkbank der Welt. Von 7 % der globalen Industriegüterproduktion im Jahr 2000 hat sich sein Anteil bis zum vergangenen Jahr schon verdoppelt und soll nach Schätzung von Global Insight in weiteren sieben Jahren bei 22 % und damit in der Nähe des nach unten gerutschten Wertes für die USA liegen. Alle anderen traditionellen Produzenten, wie Japan und Deutschland, werden weiter Anteile verlieren (Abb. 13452). In einer Reihe technischer Bereiche, wie Computer- und Büroausrüstungen, ist China schon heute der weitaus größte Produzent (Abb. 13453). Westliche Unternehmen, wie die deutsche BASF, gehen nun immer mehr dazu über, auch Forschungs- und Entwicklungsaufgaben nach China zu verlagern.



Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den deutschen Einfuhren aus China. Hier kommen Büromaschinen, Datenverarbeitung, Nachrichtentechnik, Radio, TV, elektronische Bauelemente, Elektrizitätserzeugung, -verteilung und Maschinen zusammen schon auf mehr als die Hälfte der Importe (Abb. 13454, 13455). Die Importe aus China insgesamt haben sich dabei seit 2000 fast verdreifacht (Abb. 08143). Der Niedriglohndruck aus den Schwellen- und Niedrigstlohnländern, vor allem China, drückt die deutschen Löhne und damit die Kaufkraft der Arbeitnehmer in Deutschland, wie in anderen alten Industrieländern, zusammen.




Nachdem in einer Art Schockoperation die Grenzen für Waren aus den Schwellenländern mit billigster Arbeitskraft aufgerissen wurden und diese Länder eine exportangetriebene Wachstumsstrategie betreiben, wächst deren Nachfrage auf den Weltmärkten nach Energie und Nahrungsmitteln dramatisch. Dazu trägt noch die Subventionierung des internen Ölverbrauchs erheblich bei. In China beispielsweise kostet Bezin nur ein Drittel des in Deutschland geforderten Preises. Das treibt nun in einer zweiten Phase global die Preise für Öl und Nahrungsmittel hoch und gilt besonders für die "gefühlte" Inflation. Die ist nach Professor Brachinger seit Mitte vergangenen Jahres von rund fünf auf 12,8 Prozent im März und 11,6 Prozent im April dramatisch in die Höhe geschossen, womit sie sogar noch höher als unmittelbar nach der Euro-Einführung (elf Prozent) liegt; hierzu werden die Güter nach ihrer Kaufhäufigkeit gewichtetet statt nach ihrem Anteil an den Gesamtausgaben.

Die Inflation wiederum belastet die Volkswirtschaften der alten Industrieländer erheblich. In Deutschland ist der KfZ-Absatz nach den letzten Zahlen für Mai weiter eingebrochen (Abb. 14061), und auch der Einzelhandelsumsatz läuft nach letzten Zahlen weiter zurück (Abb. 04943). Diese beide Nachrichten sind - weil negativ - von den deutschen Medien weitgehend unterdrückt worden.



Im Ergebnis ist die neoliberale Globalisierung durch gedrückte Löhne einerseits und stark steigende Preise andererseits doppelt für unsere wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme mitverantwortlich.

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global news 1128 29-05-08: Kehrtwende am Arbeitsmarkt? Die saisonal bereinigte Arbeitslosigkeit steigt wieder
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Je ungünstiger die Entwicklung am Arbeitsmarkt desto gewaltiger die Schönfärbung. Da steigt die saisonal bereinigte Arbeitslosigkeit, und sofort wird dieses traurige Zeichen in den knalligen Überschriften der Medien und der Bundesregierung unterschlagen. So STERN: Arbeitslosigkeit sinkt auf 3,2 Millionen. Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Die Ursache hierfür sehen Experten in der üblichen Frühjahrsbelebung und der nach wie vor guten Konjunktur." Oder SPIEGEL: „Zahl der Arbeitslosen sinkt weniger als erwartet" (was die saisonale Aufwärtsentwicklung unterschlägt). Oder Bundesminister Glos: „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin lebhaft." Oder der Bundesarbeitsminister Scholz: "Wieder ein Schritt nach vorne. Der positive Trend am Arbeitsmarkt hält an. Die Zahlen zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg. Das Ziel heißt Vollbeschäftigung. Und es ist erreichbar:" Alle die den saisonalen Anstieg wenigstens erwähnen, verwerfen ihn sofort wieder wegen des milden Winterwetters im Vormonat. Dabei haben dieselben den saisonalen Rückgang im Winter noch gefeiert!

Bei der Arbeitslosigkeit errechnet sich saisonbereinigt im Mai erstmals wieder ein Anstieg um 4.000, nachdem der Rückgang schon in den Vormonaten stark nachgelassen hatte (Abb. 04772). Das war auch viel stärker als im Vorjahr, wo es ebenfalls einen milden Winter gab. So war der Abbau zwischen Oktober 2007 und Mai 2008 ein Drittel schächer als in der Vorjahresperiode mit gleichen Bedingungen. Die Agentur versucht das mit dem milden Winter zu erklären: „Daß die Arbeitslosenzahl im Mai saisonbereinigt geringfügig zugenommen hat, ist allein eine technische Reaktion auf die kräftigen Abnahmen in den Wintermonaten, die vom Saisonbereinigungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt werden kann." Dieser Erklärungsversuch der Agentur kann also nicht überzeugen. Wir werden das in den nächsten Monaten wieder feststellen können.


Der Beschäftigungsaufbau als Anteil an der Gesamtbeschäftigung hat sich im April mit 0,06 % im Vergleich zum Vormonat mehr als halbiert (Abb. 14041).


Die amtlich ausgewiesene unbereinigten Zahl der Arbeitslosen sank im Mai der Jahreszeit entsprechend auf 3,3 Mio (Abb. 04595). Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Arbeitslosigkeit um 13,7 % zurück, im März 2007 lag der Rückgang noch bei 14,1 %. Bereits seit einem Jahr verlangsamt sich nun der Abbau der Arbeitslosigkeit (Abb. 14042).



Abb. 04922 zeigt, in welchem großem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist. Leider verrät uns die Bundesagentur nicht, obwohl ihr die Zahl bekannt sein sollte, wie viel des Rückgangs an Arbeitslosigkeit auf der von ihr angedeuteten systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruht. Außerdem wird uns nicht verraten, wieviele derer über 58 Jahre nach der neuen gesetzlichen Regelung nun nicht mehr als arbeitslos geführt werden.


Die negativen Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosgengeldempfänger, von denen nur 55 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat keinen richtigen Job.


Dauer-Beschönigung

Erst vor wenigen Tagen hat der Chef des an die Bundesagentur für Arbeit angegliederten IAB, Joachim Möller, der „Süddeutschen Zeitung" erklärt, es werde „in der Tat an der Statistik-Schraube gedreht". Als Beispiel nannte er die sogenannte „stille Reserve" von 625.000 Menschen, die sich wegen schlechter Vermittlungschancen gar nicht erst bei den Arbeitsagenturen meldeten. Hinzu kämen etwa eine Million Menschen, die nicht als arbeitslos gezählt würden, weil sie beispielsweise als Ein-Euro-Jobber arbeiteten, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien oder staatlich gefördert frühverrentet würden. „Zählt man alles zusammen, kommt man in Deutschland auf gut fünf Millionen Menschen, die gerne arbeiten würden". Doch auch diese Zahl ist noch viel zu tief gegriffen, weil sie von den niedrigstbezahlten Jobs nur die Ein-Euro-Jobs einbezieht.

Die vielen Beschönigungen der Arbeitsmarktstatistik lösen sich auf, wenn man die Einkommensentwicklung und davon abgeleitet die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes betrachtet (Abb. 04943).


(Anmerkung für Leser meines letzten Buches: Eine ausführlichere Darstellung mit mehr Schaubildern und internationalen Vergleichen enthält die für Sie reservierte Webseite).

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global news 1127 29-05-08: Werden die Europartner noch 10 Jahre deutsches Lohndumping aushalten?
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Die Eurozone begeht das 10-jährige Euro-Jubiläum. Die deutsche Exportindustrie nützt seit Jahren die Unmöglichkeit von Wechselkursänderungen im Euroverbund aus, um die in Deutschland stark gebremsten Löhne gegen die Partner auszuspielen und so erhebliche Überschüsse aufzufahren. Die Löhne und -gehälter sind seit 2000 in Deutschland real nur um 1,8 % gestiegen, dagegen z.B. um 12,4 % in Frankreich und 10,2 % in Spanien (Abb. 13450). Auch die Stücklohnkosten, die die Entwicklung der Produktivität einbeziehen, haben sich nur bei Spanien und Österreich noch besser entwickelt, wobei der Eurozonendurchschnitt von Deutschland als stärkster Volkswirtschaft statistisch wesentlich mitbeinflußt wird (Abb. 13451). So hat Deutschland in der Eurozone ständig steigende Überschüsse aufbauen können (Abb. 13445).




Das Problem für die anderen ist ein doppeltes. Einerseits kosten die Defizite im Handel mit Deutschland eigene Wirtschaftsleistung und Arbeitsplätze. Der Überschuß auf deutscher Seite entspricht mit 109 Mrd Euro in 2007 immerhin 4,5 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Andererseits ist die durch die niedrige deutsche Lohn- und Lohnstückkostenentwicklung geförderte Exportstärke entscheidend für die Handelsbilanz der Eurozone mit dem Rest der Welt. Die ist Dank der deutschen Überschüsse ausgeglichen, auch wenn sie in letzter Zeit wegen der Exportschwäche unserer Europartner in den negativen Bereich tendiert und mit dem Nicht-EU-Bereich ohnehin negativ ist (Abb. 13449). Deutschland hat bei Weitem die größte Überschußposition und gleicht so erhebliche Defizite der Partner aus (Abb. 13448).



Das bedeutet einerseits, daß sich Deutschland diese enormen Überschüsse leisten kann, ohne das der Eurokurs bremsend in den Himmel schießt, wie es früher bei der DM der Fall gewesen wäre. Andererseits aber ist der Eurokurs für unsere Partner und deren Export viel zu hoch, was deren Defizite im Handel mit dem Nicht-Euro-Raum mitverursacht, und daran ist wiederum die starke deutsche Exportposition dank gebremster deutscher Löhne mit schuld. Wenn sich diese Entwicklung nicht auf der deutschen Seite mit einer normaleren Lohnentwicklung korrigiert, kann man sich zehn weitere Eurojahre kaum vorstellen.

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global news 1126 28-05-08: Unterinvestition in Deutschland setzt sich fort
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Zieht man von den Bruttoanlageinvestitionen im 1. Quartal 2008 den Vorratsaufbau und den Anstieg der Abschreibungen ab, so machte das so sehr gepriesene Plus bei den Bruttoanlageinvestitionen gerade einmal 0,2 % der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung aus. Die deutschen Unternehmen haben den Anteil der Netto-Investitionen am in der Volkswirtschaft verfügbaren Einkommen drastisch von etwa 5,5 % im 1. Quartal 2000 auf nur noch 3,5 % im 1. Quartal 2008 abgesenkt. Abb. 04583 zeigt diese Entwicklung in gleitenden 4-Quartalsschritten.


Angesichts der hohen Sparleistung der Volkswirtschaft stieg die Differenz zwischen Sparen und Netto-Investieren von 1 % im Jahr 2000 bis auf 10,5 % im 1. Quartal 2008 ständig an. Die Bundesbank sprach deshalb schon von einer „Unterinvestition" in Deutschland. Dahinter verbirgt sich die Abzweigung von Kapital aus der Kaufkraft in Auslandsinvestitionen und pure Finanzanlagen der Unternehmen und Besserdiener. Eigentlich sollte bei der relativ hohen deutschen Sparquote, den sprudelnden Unternehmensgewinnen und den erheblichen Verbesserungen in der Unternehmensbesteuerung eine viel höhere Investitionstätigkeit mit entsprechenden Effekten für den Arbeitsmarkt zu erwarten sein.

Die Unterinvestition in vollwertige Arbeitsplätze trägt dann dazu bei, daß die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt seit Jahren schöngefärbt werden muß, indem die amtliche Statistik nur noch ein Teil der Arbeitslosen erfaßt und die wesentlich verschlechterte Qualität der zusätzlichen Arbeitsplätze unterschlagen wird. Die läßt sich nur noch indirekt aus der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen pro Beschäftigten ablesen. Das zeigt sich dann auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosgengeldempfänger, von denen nur noch 56 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Doch wer staatliche Stütze braucht, hat keinen richtigen Job.


Die Bundesagentur für Arbeit weist nur 3,4 Millionen Arbeitslose aus. Dazu hat erst vor wenigen Tagen der Chef des an die Bundesagentur für Arbeit angegliederten IAB, Joachim Möller, der „Süddeutschen Zeitung" erklärt, es werde „in der Tat an der Statistik-Schraube gedreht". Als Beispiel nannte er die sogenannte „stille Reserve" von 625.000 Menschen, die sich wegen schlechter Vermittlungschancen gar nicht erst bei den Arbeitsagenturen meldeten. Hinzu kämen etwa eine Million Menschen, die nicht als arbeitslos gezählt würden, weil sie beispielsweise als Ein-Euro-Jobber arbeiteten, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien oder staatlich gefördert frühverrentet würden. „Zählt man alles zusammen, kommt man in Deutschland auf gut fünf Millionen Menschen, die gerne arbeiten würden".

Für mehr dazu siehe Kapitel 3 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1125 28-05-08: Das 2. Quartal riecht nach Rezession
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Die gefeierten 1,5 % Zuwachs im 1. Quartal 2008 gegenüber dem Vorquartal sind irreführend, weil einerseits das Vergleichsquartal schon ein Abschwungquartal war (Abb. 14003) und weil andererseits die Saisonbereinigung normal vorgenommen wurde, als hätte es einen normalen Winter gegeben, den es aber kaum gab. Allein die Saisonbereinigung hat das Ergebnis um 3,2 Prozentpunkte verbessert (Abb. 14142). Im vergangenen Jahr kostete die Saisonbereinigung des 2. Quartals in einer ähnlichen Situation dann 1,5 Prozentpunkte Wachstum gegenüber dem Vorquartal. Das ist auch etwa die Ausgangslage in diesem Jahr.



Was ist nun an Pluspunkten gegen das Minus von 1,5 Prozentpunkten zu erwarten. Schaut man sich die Triebkräfte hinter dem Zahlenspiel im 1. Quartal an, so kam von 11,6 Mrd Euro Zuwachs gegenüber Vorquartal das Meiste von den Bruttoinvestitionen und Konsumausgaben, während der Außenwirtschaftsbeitrag negativ war (Abb. 14452). Das zweite Quartal kann keinen weiteren Anstieg der Bruttoinvestitionen erwarten, weil etwa die Hälfte des Zuwachses im 1. Quartal aus einer normalen Vorratsveränderung stammte, die im 2. Quartal wieder abgebaut werden wird. So wurde im 2. Quartal 2007 der gesamte Vorratsaufbau des 1. Quartals wieder rückgängig gemacht. Das wird auch in diesem Jahr nicht viel anders sein können. Andererseit deutet sich bisher keine Belebung der privaten Nachfrage an. Die letzte Umfrage unter Konsumenten hat einen starken Abriß des Erwartungshorizonts gezeigt (Abb. 04917). Auch der Export dürfte sich weiter eher negativ entwickeln, wozu der weiter erstarkende Euro, die Kostensituation beim Öl und die Wirtschaftseintrübung auf wichtigen Exportmärkten beitragen.



Saisonbereinigung, negative Vorratsveränderung und der Mangel an kompensierenden Auftriebskräften werden das 2. Quartal zwangsläufig in die Nähe eines Minuswertes bringen.

Für eine Analyse des 1. Quartals siehe den neuen Schwerpunkt.

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global news 1124 27-05-08: Quartal 08: Nettolöhne -1,9 %, Konsum privater Haushalte +0.05%, Unternehmens- und Vermögenseinkommen +3,9
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Nun lichtet sich mit den Detailergebnisses das Dunkel über dem angeblich so phänomenalen 1. Quartal 2008. Selbst verglichen mit dem schwachen 1. Quartal 2007, das unter der Ende 2006 vorgenommenen MWSt-Erhöhung litt, sieht es gar nicht so gut aus. Entgegen allen Beschwörungen hat der private Konsum zum Wachstum so gut wie gar nicht beigetragen. Wie sollte es bei einer so negativen Entwicklung der realen Nettolöhne und -gehälter auch anders sein. Weiter sehr gut entwickelt haben sich dagegen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (Abb. 04004 und 04305).



Entsprechend fiel der heute gemeldete Index für die Konjunkturerwartungen der Verbraucher (Abb. 04917).


Der wesentliche Wachstumsbeitrag verglichen zum 4. Quartal 2007 kam, wie sich jetzt herausstellt, aus dem Vorratsaufbau bei den Investitionen, was eigentlich kein gutes Zeichen ist, zumal die Vorräte wieder abgebaut werden. Mit 0,7 % entfiel fast die Hälfte des Gesamtzuwachses von 1,5 % allein auf diesen Faktor. Außerdem muß in Erinnerung gerufen werden, daß die Ergebnisse des 1. Quartals durch die trotz milden Winters vorgenommene normale Saisonbereinigung stark verschönert wurden. Ohne die Saisonbereinigung ging die Wirtschaftsleistung gegenüber Vorquartal um 1,8 % zurück.

Wann werden unsere Statistiker endlich ehrlicher? Die Triumphmeldung vor zwei Wochen war total irreführend. Ohne Vorratsaufbau sieht es noch schlechter aus.

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global news 1123 27-05-08: UNICEF: Jedes 6. deutsche Kind von Armut bedroht
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Dies sind die wichtigsten Festellungen aus dem neuen UNICEF-Bericht:

    Kinder sind in Deutschland häufiger arm als Erwachsene. 35 bis 40 Prozent der Kinder in Ein-Eltern-Familien wachsen in relativer Armut auf. Sie bleiben auch länger in Armut als andere Kinder, die in diese Situation geraten.
    Kinder aus benachteiligten Familien profitieren besonders davon, wenn die Beschäftigungschancen ihrer Eltern verbessert und gleichzeitig Betreuungsmöglichkeiten angeboten werden. Gleichwohl ist Deutschland von dem Ziel, bis zum Jahr 2013 flächendeckend für mindestens ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze anzubieten, noch weit entfernt. Die Besuchsquote lag 2005 in Westdeutschland bei 6,2 Prozent und in Ostdeutschland bei 36,6 Prozent.
    Die Bildungschancen eines Kindes hängen in Deutschland viel stärker als in anderen Ländern davon ab, wo es lebt und wo es herkommt. Der Schulabschluss der Eltern, Arbeitslosigkeit im Wohnumfeld, die durchschnittliche Zahl der Bücher im Haushalt sowie der Migrantenanteil sind entscheidende Indikatoren für den Schulerfolg.
    Kinder aus ausländischen Familien besuchen in den ersten Lebensjahren seltener einen Kindergarten und sind in Sonder- und Hauptschulen stark überrepräsentiert. Etwa 17 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund verlassen die Schule ohne einen Abschluss. In Baden-Württemberg sind es sogar 30 Prozent, in Hamburg und Berlin 25 Prozent.
    Chronische Krankheiten, Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Rund 13 Prozent der Kinder leiden an Bronchitis oder Neurodermitis; jeweils 15 Prozent sind übergewichtig oder haben Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme.

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global news 1122 26-05-08: Deutschland fliegt sozial zweimal auseinander
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Einerseits spaltet sich die Nation zwischen denen, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind, und den besser Betuchten, die vorrangig von Unternehmertätigkeit und Vermögen leben, wobei auch Arbeitnehmer - wenn auch in weit geringerem Umfang - Vermögseinkommen haben, Arbeiter allerdings so gut wie gar nicht. Abb. 14444 zeigt den sich stark vertiefenden Graben. Über die 7 Jahre bis 2007 sind die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen real um 42 % gestiegen, die Arbeitseinkommen jedoch um 4 % und die Sozialrenten sogar um 6 % gefallen. Zieht man bei den Arbeitseinkommen die bessere Entwicklung der obersten 10 % ab, so sanken sie sogar um 6,4 %.


Ein zweites Mal fliegt Deutschland bei den Einkommen aus unselbständiger Arbeit auseinander. Allein in den drei Jahren zwischen 2002 und 2005 vergrößerte die obere Hälfte ihren Anteil am Kuchen von 80,4 % auf 82,3 % (Abb. 14447). Für die Zeit danach liegen noch keine Zahlen vor, doch dürfte sich dieser Prozeß beschleunigt forgesetzt haben. Beispielsweise explodieren die Vorstandsbezüge der im deutschen Aktienindex DAX gelisteten 30 Unternehmen (Abb. 14448). Sie haben sich seit dem Jahr 2000 nominal um mehr als drei Viertel erhöht, und damit weit stärker als die ihre Leistung beschreibenden Aktienkurse oder gar die Personalkosten der Unternehmen insgesamt.



Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1121 26-05-08: Wieviel Leichen haben die Banken noch im Schrank?
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Da werden wir auf der einen Seite beruhigt. Das Meiste an Verlusten aus der Krise mit den miesen amerikanischen Hypothekenpapieren sei nun abgeschrieben. Die amerikanische Rating-Agentur Fitch spricht von 80 %. Um die fehlenden 20 % bräuchte man sich ja dann nicht besondere Sorgen zu machen.

Doch dann fordern die im Institute of International Finance organisierten Banken unter Führung von Ackermann plötzlich und dringend in einem Schreiben an die Notenbanken und Regierungen eine Änderung der Abschreibungsregeln, wonach in Zukunft nicht mehr der Marktwert die Abschreibung treiben solle. Mit anderen Worten: Die Banken wollen die Leichen teilweise im Schrank behalten können, ohne damit aufzufallen. Also fragt man sich sofort, was sind denn das für Leichen?

Tatsächlich liest man immer wieder über zweierlei potentielle Zeitbomben. Da sind einmal die sogenannten Credit Default Swaps (CDS), die der Milliardär-Investor George Soros als ein Damokles-Schwert bezeichnet hat, das darauf warte zu fallen. Nach Soros kann eine Kettenreaktion bei CDS die nächste globale Finanzkrise auslösen. CDS sind praktisch Versicherungen gegen den Ausfall von Krediten durch Pleite des Kreditnehmers. Ihr ausstehendes Volumen ist in eine Größenordnung von 62 Billionen Dollar explodiert, die mehr als fast fünfmal so groß ist wie das Bruttoinlandsprodukt der USA und größer als alle Aktienwerte der New York Stock Exchange und größer als die Wirtschaftsleistung der gesamten Welt (Abb. 03740).


Der Markt der CDS ist total unreguliert. Es gibt auch keine öffentlichen Berichte, die zeigen, ob die CDS-Versicherer das Kapital haben, um im Notfall einzuspringen. Die Rating Agentur Fitch berichtete schon im Juli vergangenen Jahres, daß 40 % der CDS gegen die Pleite von Unternehmen oder Wertpapiere lauten, die minderer Qualität unterhalb Investmentgrad sind, ein Sprung von nur 8 % noch in 2002. Bisher war das Ausfallsrisiko historisch gering. Doch da es die CDS erst seit wenigen Jahren gibt, sind sie praktisch noch nicht in schwierigeren Wirtschaftslagen wie die jetzt aufziehende getestet worden. Die Rating Agentur Moody's äußerte am 7. Mai die Vermutung, daß sich in den nächsten 12 Monaten die Pleite von Unternehmen auf einen Anteil von 6,1 % vervierfachen würde. Hier tickt also eine Zeitbombe, wenn die sich in USA und anderswo verschärfende Krise der Realwirtschaft eine Lawine von Firmenpleiten produzieren sollte.

In der Reihenfolge nach Billionen Dollar der größten CDS-Versicherer finden sich JPMorgan (7,9), Deutsche Bank (5,2), Citygroup (3,2), Bank of America (1,6). Man beachte: Ackermanns Deutsche Bank ist nach JPMorgan die stärkst gefährdete. Nachtigall .. ?

Das andere Risiko kommt von den hochgehebelten Krediten an Private Equity Unternehmen, die mit sehr wenig Eigenkapital und einem Vielfachen an Kredit (oft fünf- bis sechsmal mehr) Unternehmen aufgekauft und mit den Krediten belastet haben. Wieviele dieser so belasteten Unternehmen werden in einer Rezession möglicherweise in die Pleite gehen und die kreditgebenden Banken erneut schwer anschlagen? Mit 723 Mrd US$ hatten die buy-out-Heuschrecken allein in 2006 einen neuen Investitionsrekord aufgestellt (Abb. 03461). Das war der doppelte Wert von 2005 und das Zwanzigfache von 1996. Auch diese Investitionen sind bisher nie in Krisenlagen der Weltwirtschaft getestet worden. So titelt Gillian Tett in der Financial Times vom letzten Freitag: „Gehebelte Kredite könnten der nächste Alptraum sein, der auf die Banken wartet".


In meiner Bank in London sagte man immer, wenn in der Krise der Wasserstand fällt, kommen die Leichen nach oben. Weder die CDS noch die gehebelten Heuschrecken-Kredite sind bisher einem Krisentest unterzogen worden.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1120 24-05-08: Fraunhofer-Studie: Fast die Hälfte aller größeren Betriebe verlagern
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Nach einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zur Unternehmensverlagerung haben 46 % der größeren Betriebe ab 500 Beschäftigten verlagert (Abb. 14445). Die Hauptzielländer waren Tschechien, Polen und China (Abb. 14446).



Entgegen früheren Annahmen fiel die Rückverlagerungsquote bis 2006 auf nur noch 3 % (Abb. 04965).


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global news 1119 23-05-08: Bloomberg-Bericht über Credit Default Swaps: Das nächste Damokles-Schwert
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Aus dem Bericht der Wirtschaftsagentur Bloomberg vom 20. Mai: Der Milliardär George Soros hat die Finanzwelt wachgerüttelt mit seiner Warnung vor Credit Default Swaps (CDS). Das sind praktisch Versicherungen gegen den Ausfall von Krediten durch Pleite des Kreditnehmers. Ihr ausstehendes Volumen ist in eine Größenordnung von 62 Billionen Dollar explodiert, die mehr als fast fünfmal so groß ist wie das Bruttoinlandsprodukt der USA und größer als alle Aktienwerte der New York Stock Exchange und größer als die Wirtschaftsleistung der gesamten Welt (Abb. 03740).


In der Reihenfolge nach Billionen Dollar der größten CDS-Versicherer finden sich JPMorgan (7,9), Deutsche Bank (5,2), Citygroup (3,2), Bank of America (1,6). 31 % aller CDS-Versicherungen wurden von unregulierten Hedge Fonds verkauft, was ein besonderes Risiko bedeutet.

Der Markt der CDS ist total unreguliert. Es gibt auch keine öffentlichen Berichte, die zeigen, ob die CDS-Versicherer das Kapital haben, um im Notfall einzuspringen. Die Rating Agentur Fitch berichtete schon im Juli vergangenen Jahres, daß 40 % der CDS gegen die Pleite von Unternehmen oder Wertpapiere lauten, die minderer Qualität unterhalb Investmentgrad sind, ein Sprung von nur 8 % noch in 2002. Bisher war das Ausfallsrisiko historisch gering. Doch da es die CDS erst seit wenigen Jahren gibt, sind sie praktisch noch nicht in schwierigeren Wirtschaftslagen wie die jetzt aufziehende getestet worden. Allerdings soll die Rettungsaktion der Fed für Bear Stearns schon notwendig geworden sein, weil bei einer Pleite der Bank der Reißverschluß der CDS aufgegangen wäre. Die Rating Agentur Moody's äußerte am 7. Mai die Vermutung, daß sich in den nächsten 12 Monaten die Pleite von Unternehmen auf einen Anteil von 6,1 % vervierfachen würde. Hier tickt also eine Zeitbombe.

Nach Soros kann eine Kettenreaktion bei CDS die nächste globale Finanzkrise auslösen. Es sei ein Damokles-Schwert, das darauf warte zu fallen. Einem Markt zu erlauben, sich ohne Aufsicht in diese Größenordnung zu entwickeln, sei wirklich unakzeptabel.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1118 23-05-08: Ölpreis: Verknappung - Subvention - Spekulation
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Der Ölpreis von der Sorte Brent ist im bisherigen Zeitraum des Jahres 2008 um nicht weniger als 70 % über das Niveau des Vorjahreszeitraums gestiegen (Abb. 07258). Dabei ist der Anstieg immer steiler geworden (Abb. 07257). Da der Dollar nur etwa 13 % in diesem Zeitraum gegenüber dem Euro verloren hat, stieg der Euro-Ölpreis um etwa 57 %. Selbst wenn der Ölpreis nun nicht weiter steigen würde, und das ist wenig wahrscheinlich, und der Dollar weiter 13 % verloren würde, läge der Euro-Ölpreis für das ganze Jahr 2008 noch um mehr als 54 % über dem Vorjahr.



Das ist eine gewaltige Belastung für die deutsche Volkswirtschaft. Deutschland hat im vergangenen Jahr für 61 Mrd Euro Öl und Gas importiert. Bei einer Ölpreissteigerung um 57 % müssen dafür in diesem Jahr rund 35 Mrd Euro mehr ausgegeben werden, wenn man unterstellt, daß sich der Gaspreis dem Ölpreis normalerweise angleicht. Bei einem Bruttosozialprodukt in 2007 von 2423 Mrd Euro sind das rund 1,4 %, die vom Wachstum abgehen. In 2007 ist der Ölpreis auf Euro-Basis übrigens nur 3,4 % gestiegen und hat damit kaum Wachstum gekostet. Dies ins Stammbuch derer, die schon wieder die Wirtschaftswachstumsprognose für 2008 anheben. Aus der Tagesschau von Donnerstag Abend: „Wirtschaftsverbände sehen trotz Belastungen noch keine Gefahr für die Konjunktur, befürchten aber, daß sich der private Konsum abschwächen könnte." Kann man denn bei solchen Beruhigungspillen nicht begreifen, daß der private Konsum 56 % der deutschen Konjunktur darstellt?

Der Ölpreis wird von drei Elementen getrieben, die wahrscheinlich anhalten werden. Erstens ist mittelfristig eine Verknappung auf den Weltmärkten zu sehen, die vor allem von dem starken Anstieg der Nachfrage aus China und Indien kommt - beides Länder die derzeit sowohl gesamtwirtschaftlich wie in der Motorisierung sehr stark expandieren. Zweitens wird diese Nachfrageexpansion von einer Subventionierung des internen Preisniveaus in diesen Ländern zusätzlich angetrieben. So blieb der Ölpreis in China bis Oktober 2007 eingefroren und wurde dann nur um 9 % für Benzin angehoben. Da die staatliche Raffineriegesellschaft Sinopec bei solcher staatlich vorgegebener Preispolitik Verluste macht, mußte die chinesische Regierung den Ölverbrauch mit Zahlungen an Sinopec schon in 2005 und 2006 von 1,2 Mrd Dollar und 640 Mio Dollar subventionieren. In ihrer Mitteilung über die Preiserhöhung um 9 % wies die chinesische Behörde darauf hin, daß der Abstand zwischen dem steigenden Weltmarktpreis für Öl und den Preisen für Treibstoffe auf dem Inlandsmarkt stetig größer geworden sei. Adam Sieminski, Chef-Energie-Ökonom bei der Deutschen Bank, sagt daher sehr offen: „Der Ölpreis wird weiter steigen, bis die Regierungen, die den Ölverbrauch in Asien und dem Mittleren Osten subventionieren, dies nicht länger bezahlen können." Bei den gewaltigen Devisenüberschüssen der meisten dieser Länder ist das jedoch nicht zu erwarten.

Nun setzt sich noch zu allem Überfluß die Spekulation oben drauf. Nach einem Bericht in der Financial Times vom Mittwoch kaufen die Spekulanten schon jetzt Ölverträge bis Dezember 2016 in der Erwartung ständiger Preissteigerungen. Preise für Verträge für Ende 2012 sind seit Beginn dieses Jahres bereits um 60 % gestiegen. Das internationale Bankhaus Goldman Sachs hat seine kapitalkräftigen Kunden ermuntert, Ölverträge bis 2012 zu kaufen. Experten für solche Spekulation erwarten noch bis Ende dieses Jahres einen Anstieg des Ölpreises auf 150 Dollar pro Faß. Natürlich wollen die Spekulanten am Ende das Öl gar nicht haben, sondern ihre Verträge dann gegen hohen Profit an die echten Verbraucher weiterverkaufen.

Es wird wirklich Zeit, über eine Spekulationssteuer nachzudenken, zumal der Ölpreis die Nahrungsmittelpreise zum Schaden der Ärmsten der Welt nach sich zieht.

Für mehr dazu siehe Kapitel 8 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1117 21-05-08: Ifo-Index im Mai: ein Minihäkchen nach oben
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Der SPIEGEL ist wieder einmal begeistert und meldet zum heute veröffentlichten Ifo-Index: „Stimmung in den Chefetagen steigt. Finanzkrise und schwächelnder Weltwirtschaft zum Trotz: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist gut - und steigt sogar. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg entgegen den Erwartungen von Experten und liegt damit wieder auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn."

Tatsächlich hat es ein kleines Häkchen nach oben gegeben, wobei der längerfristige Trend negativ bleibt (Abb. 14051). Besonders deutlich wird das in der Erwartungskomponente des Index (Abb. 04589). Sie befindet sich auf dem dem zweitniedrigsten Niveau seit September 2005 (nur der April 2008 fiel noch niedriger aus).



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global news 1116 20-05-08: Ein Jahrzehnt Hyperinflation?
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Heute meldet das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Erzeugerpreise im April um 5,2 % gegenüber Vorjahr. Die Kurve verläuft immer steiler (Abb. 14440). In USA ist die Inflation der Erzeugerpreise im April auf 3 % gestiegen, der höchste Wert seit 1991. Die Unternehmen treiben also trotz immer noch guter Gewinnlage die Preise hoch. In Großbritannien stiegen die Verbraucherpreise um 4,2 %. Die Eurozone verzeichnet 3,3 %. Entspannung ist nicht in Sicht. Der Ölpreis (Brent) hat einen neuen Rekord bei fast 126 Dollar pro Faß erreicht (Abb. 07198).



Einige Schwellenländer, vor allem China, die mit billiger Arbeitskraft und Billigstprodukten die Inflation in den alten Industrieländern gebremst haben, verzeichnen jetzt einen erheblichen Kostendruck von den Rohstoffen bis zu den Arbeitskräften. In China z.B. stiegen die Löhne im letztveröffentlichten dritten Quartal 2007 um 22 %. Die Inflation lag dort im April bei 8,5 % (Abb. 08142). Damit wandelt sich der bremsende Effekt der Exporte dieser Länder in einen inflationssteigernden.


Die kostentreibende Entwicklung sowohl bei den Ölpreisen wie bei den Exportpreisen der Schwellenländer wird anhalten. Der Chef der Bank of England hat die nette Dekade für beendet erklärt. Kommt jetzt die schlimme? So jedenfalls der Kommentar der Financial Times. Bei dieser Situation müssen die Industrieländer dringend Wege finden, daß die Inflation nicht primär die unteren und mittleren Schichten der Bevölkerung belastet. Das wird nur durch eine sozialere Verteilung der Primäreinkommen und notfalls eine Nachkorrektur über Steuern und Sozialleistungen möglich sein.

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global news 1115 19-05-08: ZEW-Konjunkturerwartungen weiter im Sinkflug
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Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragt monatlich auf Umfragebasis 285 Analysten und institutionelle Anleger, wie sie die die Wirtschaftserwartungen einschätzen. Der Ausbruch der Kapitalmarktkrise hatte sie im August vergangenen Jahres in ein immer tieferes "Tal der Tränen" gestürzt. Im Januar und jetzt nach einem weiteren Rutsch im Mai wurden die tiefsten Stände seit 1992 erreicht (Abb. 04762). Dennoch ist der Bericht mit „Erwartungen stabilisieren sich" überschrieben.


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global news 1114 19-05-08: Der Bundesarbeitsminister kommt wieder mit einer irreführenden Statistik, diesmal zur Armutsentwicklung
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Die Langfassung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung ist zwar der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich, dafür beansprucht der Bundesarbeitsminister in einem Welt am Sonntag Interview und in einem Kurzpapier bereits die Deutungshoheit. Scholz' Sprecher verteidigte den Schritt seines Ministers. Es sei angezeigt gewesen, "kanalisierende Äußerungen" zu machen. In dem Kurzpapier, befindet sich auf Seite 10 der einzige internationale Vergleich: „Anhand der amtlichen Erhebung LEBEN IN EUROPA (EU-SILC 2006) gemessen lag das Risiko der Gesamtbevölkerung einkommensarm zu sein im Jahr 2005 bei 26% vor Beachtung von Sozialtransfers. Nach Sozialtransfers verringerte sich dieses Risiko auf einen Anteil von 13% und war damit im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich. Damit gehört Deutschland neben den skandinavischen Staaten zu den Ländern mit einer großen Wirkung der Sozialtransfers auf die Armutsrisikoquote."

Schaut man sich allerdings die Originaldaten bei Eurostat an, die bis 2006 vorliegen, und die Angabe der Bundesregierung aus dem Armutsbericht 2005 für das Jahr 2003, so zeigt sich, daß Deutschland in den drei Jahren 2003 bis 2006 die Armutsschwelle dramatisch um fast 17 % abgesenkt hat (Abb. 13441, 13443, 13442), während fast alle anderen Vergleichsländer der Alt-EU ihre Schwellen erheblich angehoben haben. Dank der Absenkung der Schwelle kann der Bundesarbeitsminister eine im Vergleich zu den Alt-EU-Ländern erheblich niedrigeren Armutsanteil an der Bevölkerung vorführen.




Die Grünen warfen Scholz heute vor, das wahre Ausmaß der Armut zu verschleiern. Markus Kurth, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion, sprach von "Zahlentricks" und bezog sich dabei auf die Absenkung der Armutsquote. Eine Erklärung für die Verschiebung der Armutsgrenze konnte das Arbeitsministerium heute zunächst nicht geben. Die Zahlen zwischen dem letzten und dem aktuellen Bericht seien jedoch nur "bedingt vergleichbar", sagte ein Sprecher. So sei der Report erstmals auf einer europäischen Datenbasis erstellt worden. Auch das stimmt nicht, denn die Absenkung hat sich auch zwischen 2004 und 2006 abgespielt, wobei dies alles in europäische Zahlen von Eurostat nachzulesen ist.

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global news 1103 19-05-08: Die internationalen Beweise für den Nutzen eines flächendeckenden Mindestlohns sind erdrückend
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Da steigt in Deutschland der Anteil der Armen und derer, die nur Dank staatlicher Almosen nicht in diese Kategorie fallen, in wenigen Jahren geradezu dramatisch von 20 % auf 26 % an. Gleichzeitig springt Deutschland vom 13. Platz unter den nach Armutsanteil gerangten 15 Alt-EU-Ländern auf den 7. Platz hoch (Abb. 13433).


Deutschland wäre sogar auf einen der negativen Führungsplätze gesprungen, wäre nicht die Einkommensentwicklung und damit die Entwicklung für die Feststellungen der Armutsschwelle in Deutschland die geringste unter allen Vergleichsländern gewesen (Abb. 13435). Deutschland hat daher einen der niedrigsten Schwellenwerte (Abb. 13436), was die erst bei Unterschreitung dieses Wertes ausgelöste Armutsquote erheblich nach unten bringt. Hätten wir eine normale Entwicklung der Durchschnittseinkommen wie unsere europäischen Partner gehabt, so wäre die Armutsquote noch weit höher.



Da hat sich übrigens der Bundesarbeitsminister von BILD am Sonntag aufs Glatteis führen lassen und prompt eine falsche Antwort gegeben. BAMS: „ Die Orientierung des Armutsbegriffs am Durchschnittseinkommen ist doch völlig lebensfremd. Denn wenn alle Bankvorstände in diesem Land eine Millionen Euro zusätzlich erhalten, steigt das Durchschnittseinkommen und somit die statistische Zahl der Armen. An deren tatsächliche Situation hat sich aber nichts geändert." Scholz: „Klar. Wir haben es mit einem statistischen Wert zu tun. Und richtig ist auch, dass viele der 13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die von Armut in Deutschland bedroht sind, mehr zum Leben haben als die Durchschnittsverdiener in vielen anderen Ländern." Das stimmt eben so nicht! Und

Als erste Reaktion auf den Armutsbericht erklären Politiker der Regierungskoalition, wie der CDU-Franktionschef Kauder, den Mindeslohn für tabu und das mit dem immer wiederholten Argument einer angeblich anderenfalls drohenden viel höheren Arbeitslosigkeit. Dabei sind die internationalen Beweise für einen flächendeckenden Mindestlohn im Vergleich der Alt-EU-Länder schlicht erdrückend. Ohne Mindestlohn hat Deutschland die schlechteste Einkommensentwicklung, wobei das Fehlen eines Mindestlohnes auch noch einen zusätzlichen Negativsog auf die Einkommen darüber ausübt (Abb. 13439). Deutschland hat auch die schlechteste Entwicklung bei den kleineren Renten (halbes durchschnittliches letztes Arbeitseinkommen (Abb. 13438). Und Deutschland hat die höchste Langzeitarbeitslosigkeit (Abb. 13437). Was braucht es eigentlich noch an weiteren Beweisen?




Das Fehlen von Mindestlöhnen ist nur für die Kapitaleigner gut, soweit Unternehmen die Billigstarbeit ausnützen und so die Unternehmenseinkommen, Börsenkurse und Dividenden hochschieben. So kann es nicht überraschen, daß sich laut neuestem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung der Anteil der Gutverdiener (mindestens 2.900 Euro monatlich netto) seit 2000 um 2,5 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent „signifikant vergrößert" hat, und sich die Gruppe mit den höchsten Einkommen (Einkommen ab 4.350 Euro) verdreifachte: 1,9 Millionen Menschen erhalten mehr als dreimal soviel wie ein Durchschnittsverdiener.

Nach einer heute in der Financial Times veröffentlichten internationalen Harris Poll Umfrage in 8 Ländern ist in Deutschland mit 87 % der Anteil derer, die den Graben zwischen Arm und Reich für zu tief halten, am größten (Abb. 13440). Auch ist hier der Anteil derer, die in den nächsten fünf Jahren eine weitere Verschärfung erwarten, am größten. 65 % der Befragten treten für höhere Steuern bei den Reichen ein, der drittgrößte Wert.


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.