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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(1112) Praktisch mehr als ein Viertel der Deutschen in Armut

(1111) Und nun eine Vorschau auf das 2. Quartal 2008

(1110) Industrie-Entgelte pro Beschäftigten minus 0,7 %, Produktivität plus 3,2 %

(1109) Das angebliche Quartalswunder ist das Ergebnis statistischer Manipulation, einer schiefen Optik und eines Einmaleffekts

(1108) Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung 1. Quartal 2008: Bestes Ergebnis seit 12 Jahren?

(1107) Wie Deutschland seine soziale Sicherheit verspielt

(1106) Deutschland gibt im Alt-EU-Vergleich viel zu wenig für die soziale Sicherheit aus und fällt immer mehr zurück

(1105) Amtliche und gefühlte Inflation

(1104) Wir und andere müssen das Auto tieferhängen

(1103) Die Nettolüge: Immer wieder bösartige Täuschung bei den Arbeitseinkommen

(1102) Ölpreis und die deutsche Konjunktur

(1101) Nun verliert auch der Bundeswirtschaftsminister seinen Berufsoptimimus

(1100) Eurozone: Profitanteil Plus - Lohnanteil Minus, vor allem Deutschland

(1099) Neue Fließdiagramme

(1098) China auch ein Domino im internationalen Krisenszenario?

(1097) Diagnose: Deutschland leidet an schwerem Fall von Exportitis

(1096) Mit mieser Binnenkonjunktur in die Exportkrise?

(1095) Arbeitsmarktbericht vom April: Das Lügenbuch der Nation

(1094) Die Rezessions-Einschläge kommen immer näher

(1093) Das Statistische Bundesamt spielt mit Tariflohnzahlen

(1092) Deutsche in Kauflaune?

(1091) Verbraucherstimmung auf wichtigen Exportmärkten bricht ein

(1090) Biotreibstoffe und der Hunger der Welt

(1089) Vollbremsung für die deutsche Wirtschaft?

(1088) Rekord Dollar-Tief, Rekord Ölpreis-Hoch, hoher Libor, hoher Versicherungsaufschlag

(1087) Legende: Export gut - Alles gut

(1086) Die Globalisierung treibt die Zahl der Millionäre und Milliardäre hoch

(1085) Warum die Banken so viel Kapital verlieren?




global news 1112 19-05-08: Praktisch mehr als ein Viertel der Deutschen in Armut
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Wieder einmal zeigt der Armutsbericht der Bundesregierung, der seit Jahren immer neu herauskommt, ein Anwachsen der Armut. Schon 13 Prozent der Bundesbürger gelten entsprechend der EU-Definition als arm, weil sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens oder 781 Euro netto verdienen. Weitere 13 Prozent der Gesamtbevölkerung werden durch Sozialtransfers wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen in die Armut bewahrt, sind also praktisch auch als arm anzusehen, weil sie nur am Tropf staatlicher Almosen über die Armutsschwelle kommen. Damit ist die Zahl der Armen oder ohne Sozialtransfers von Armut Bedrohten von noch 20 % im Jahr 2000 auf 26 % hochgesprungen. Im Vergleich mit den 14 Mitgliedern der Alt-EU ist Deutschland in diesen Jahren aus der Position in der Spitze des Feldes der Länder mit geringster Armut (3. Platz) auf einen Platz im unteren Mittelfeld der Länder mit mittlerer Armut (9. Platz) zurückgefallen (Abb. 13433). Auch die Zahl derjenigen, die arbeiteten und trotzdem unter die Armutsgrenze abzurutschen drohen, ist größer geworden.


In meiner Analyse hat diese Entwicklung mehrere Gründe: eine weiterhin hohe Langzeitarbeitslosigkeit - die höchste in der Alt-EU - (Abb. 12999), immer mehr schlecht bezahlte Zeit- oder Leiharbeit (sechshöchster Anteil in Alt-EU und gestiegen, Abb. 13434), das Fehlen eines flächendeckenden Mindestlohnes (wie in fast alle anderen Vergleichsländer haben) und einer Mindestrente, ein gegenüber Familien mit mehreren Kindern vergleichsweise unsoziales Steuersystem.



Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1111 19-05-08: Und nun eine Vorschau auf das 2. Quartal 2008
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Gerade hat uns das Statistische Bundesamt mit den saisonal aufgehübschten Zahlen des erste Quartals 2008 zu begeistern versucht. Betrachtet man den deutschen unbereinigten Urspungswert und vergleicht ihn mit den anderen 14 Alt-EU-Länder kann man nichts Sensationelles feststellen (Abb. 13432). Doch wir sind nun schon zu mehr als der Hälfte durch das zweite. Also darf man fragen: Was wird das zweite Quartal bringen?


Zunächst einmal wird es, wieder saisonal manipuliert, im Vergleich zum 1. Quartal schlecht aussehen. Denn das Wachstum des zweiten Quartals ist durch die Bereinigung im Schnitt der Jahre 2000 bis 2007 um 1,8 Prozentpunkte gegenüber dem Ursprungswert abgesenkt worden (Abb. 14419), während das des ersten diesmal um 3,4 Prozentpunkte aufgewertet wurde (Abb. 14418). Die Bereinigung ist ein enormer Swing von 5,2 Prozentpunkten. Bei einem Quartalszuwachs im noch unbereinigten Ausgangswert von vielleicht 1,3 % wie im vergangen Jahr bestimmt die Bereinigung das Endergebnis fast schon allein, in diesem Fall negativ, wenn sich das Statistische Bundesamt nicht etwas Neues einfallen läßt.



Dann kommt hinzu, daß die anhaltende Inflation doppelt zuschlägt: auf die Portemonaies und auf die Volkswirtschaft insgesamt. Im ersten Quartal lag das Arbeitseinkommen pro Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft nach Bereinigung durch die amtliche Verbraucherpreisentwicklung um 0,7 % unter dem Vorjahresergebnis (Abb. 04009). Die echt wahrgenommene Inflation in den Taschen normaler Verbraucher brachte bei einem realistischeren Warenkorb nach Prof. Brachinger wahrscheinlich ein Minus um 7 % ein. Nun zahlt die gewerbliche Wirtschaft, zu der der Exportsektor zählt, noch vergleichsweise gut. Im Durchschnitt wird das deutsche Arbeitseinkommen pro Beschäftigten also eher noch stärker abgerutscht sein. Dazu trägt auch der immer stärkere Anteil an Zeit- oder Leiharbeit mit außertariflich schlechter Bezahlung bei (in Großbritannien soll nun die Schlechterbezahlung der Zeitarbeit nach 12 Wochen Beschäftigung nicht mehr zugelassen werden, warum nicht auch in Deutschland?). Im bisherigen zweiten Quartal sind die Nahrungsmittelpreise per April gegenüber Vorjahr um 7,3 % gestiegen, die Preise für leichtes Heizöl um 38,9 %. Man kann also nicht erwarten, daß die Menschen sehr viel zusätzliches Geld für einen Einkaufboom in der Tasche haben.


Die Volkswirtschaft insgesamt mit ihrem vergleichsweisen hohen Energieverbrauch in der Industrie leidet immer mehr unter dem hohen Ölpreis, der nun auf fast 124 Dollar pro Faß gestiegen ist (Abb. 07198). Im bisherigen Verlauf des 2. Quartals lag der Ölpreis bei 112 Dollar oder 71,3 Euro. In der gleichen Periode des Vorjahres waren es 67 Dollar oder zum damaligen Wechselkurs 49,3 Euro, ein Anstieg um rund 45 %. Das kostet die deutsche Volkswirtschaft bei Öl- und Gaseinfuhren von 14 Millarden Euro im 2. Quartal 2007 rund 6,4 Mrd Euro mehr oder einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt des 2. Quartals 2008 von rund 1,1 % im Vorjahresvergleich. Da die Wirtschaft im 1. Quartal 2008 um gerade einmal 1,8 % gegenüber der Vorjahresperiode gewachsen war, kann man leicht ermessen, was diese 1,1 % bedeuten, zumal sie nur sehr begrenzt über die Exportpreise für deutsche Waren auf das Ausland abgewälzt werden können.


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global news 1110 17-05-08: Industrie-Entgelte pro Beschäftigten minus 0,7 %, Produktivität plus 3,2 %
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Das Statistische Bundesamt verbreitet mit seiner Überschrift "Verarbeitenden Gewerbe im März 2008" wieder nur die frohe Botschaft. Unterdrückt wird dabei, daß die Engelte verbaucherpreisbereinigt pro Beschäftigten um 0,7 % zurückgegangen sind (Abb. 04009).


Dagegen stieg die Produktivität um 3,2 %. Die Arbeitnehmer haben also weniger als nichts vom Produktivitätszuwachs gesehen, den sich die Kapitaleigner einseitig angeeignet haben (und mehr als das). Wie da immer noch erwartet wird, daß zum Ausgleich des müde werdenden Exports, die Nachfrage der privaten Haushalte anspringt, ist mir schleierhaft.

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global news 1109 17-05-08: Das angebliche Quartalswunder ist das Ergebnis statistischer Manipulation, einer schiefen Optik und eines Einmaleffekts
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Eigentlich hätte sich jeder Journalist denken müssen, daß Deutschland in diesen trüben krisenhaften Zeiten nicht ein 12-Jahres-Wirtschaftswunder produzieren kann. Der amtlich verkündete Quartalszuwachs von 1,5 % gegenüber Vorquartal entspricht einer phantastischen Jahresrate von 6 %. Die angebliche Sensation wurde sofort in die ganze Welt hinausgetragen und verwundert heute die Financial Times, die die Vokabel "dramatisch" gebraucht.


Viele Daten des 1. Quartals waren bereits amtlich verkündet worden. Die gedämpfte Nachfrage privater Haushalte, die allein 56 % des Bruttoinlandsprodukts bestimmt, zeigte sich im weiter müden Einzelhandelsumsatz. Die PKW-Zulassungen verzeichneten ein Minus von 9 % gegenüber dem Vorquartal. Das Exportvolumen lag nur um 1,3 % über dem Vorquartal. So hatten alle Auguren auf ein gedämpftes Wachstum gesetzt.

1. Die statistische Manipulation

Dann aber kam die statistische Manipulation mit einer sogenannten statistischen Bereinigung, die eklatant in die Irre führt, aber vom Statistischen Bundesamt nicht einmal mit einem Vorsichtszeichen versehen wurde. Hier ist die offizielle Statistik (Abb. 14142):


Daraus ergibt sich der große Einfluß der saisonalen Bereinigung von allein 3,17 % (!) nach oben. Dabei wird ein normaler Winter mit weniger Wirtschaftsaktivität unterstellt und die positive Bereinigung so vorgenommen, als hätte es den nicht gegeben. Nun hat es aber einen normalen Winter im 1. Quartal ohnehin nicht gegeben, so daß für eine Bereinigung eigentlich gar kein Anlaß war. Der Bundeswirtschaftsminster ist noch vorsichtig in seiner Presseerklärung und spricht davon, daß die Zahlen durch den milden Winter stark geprägt seien, ohne allerdings die Katze in Zahlen aus dem Sack zu lassen. Das Statistische Bundesamt verschweigt diesen entscheidenden Umstand dagegen total. So wird die Meldung zur Sensation. Warum kann das Statistische Bundesamt nicht wenigstens wie die Bundesagentur für Arbeit in den letzten Arbeitsmarktberichten auf den Effekt des ungewöhnlich milden Winters hinweisen und auch seinen Bereinigungsumfang mit 3,17 % selbst bennen (ich habe ihn erst ausrechnen müssen)? Wenn der Effekt sich am Arbeitsmarkt zeigt, muß er auch auf die Wirtschaftsleistung durchschlagen.

Dazu kommt dann noch die Kalenderbereinigung, bei der das Statistische Bundesamt wegen zweier Arbeitstage weniger das Quartalsergebnis noch einmal um 0,8 % im Vorjahresvergleich nach oben korrigiert. Das frühere Osterfest hat die zwei Arbeitstage weggenommen, doch haben die Deutschen auch an diesen Tagen gegessen, ihr Auto bewegt und sonst Geld ausgegeben. In der Industrie wurden Schichten vor- oder nachgefahren.

Will man sich von diesen Manipulation freimachen, so muß man auf die Ursprungswerte achten und da hat sich das Quartalsergebnis nicht verbessert sondern um mehr als 1,8 % verschlechtert (Abb. 14113), ein dramatische Swing in die Gegenrichtung.


2. Die schiefe 1-Quartal-Optik

Ein Vergleich von nur zwei aufeinanderfolgenden Quartalen ist immer gefährlich, wie auch der Vergleich einzelner Monate. Deswegen werden Monaten meist zu zwei oder drei gebündelt und sollte man eigentlich dasselbe bei Quartalen machen. Nicht nur daß das aktuelle Quartal ein Ausrutscher sein kann, auch das eine Vergleichsquartal kann ungewöhnlich ausgefallen sein und einen Vergleich irreführend machen. Das war hier tatsächlich der Fall, denn im 4. Quartal 2007 war die Wirtschaft mit 0,3 % kaum gewachsen (Abb. 14114). Man vergleicht also mit einem besonders schlechten Quartal. Auch darauf hätte das Statistische Bundesamt hinweisen müssen.


3. Der Einmaleffekt

Nicht nur das 4. Quartal 2007 ist zum Vergleich wenig geeignet, auch das 1. Quartal 2008 ist durch einen Einmaleffekt ungewöhnlich. Einige Experten haben schon zurecht darauf hingewiesen, daß der Bau das Wachstum besonders angetrieben habe, weil steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten zum Jahresende 2007 ausliefen, was sich deutlich am Anstieg der Auftragsvolumnia im gewerblichen Hochbau in den letzten drei Quartalen 2007 ablesen läßt, die dann im 1. Quartal 2008 und danach abgearbeitet werden (Abb. 14415).


4. Und was kommt morgen?

Nun werden viele enttäuscht sein und die Seriösität amtlicher Zahlen zusätzlich anzweifeln, wenn der Vorquartalsvergleich für das nächste 2. Quartal 2008 umso negativer ausfallen wird. Oder hat das Statistische Bundesamt schnell wieder ein Grund bereit und verweist wenigstens dann auf die ungewöhnliche Situation mit dem 1. Quartal 2008? Natürlich wird es das tun!

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global news 1108 15-05-08: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung 1. Quartal 2008: Bestes Ergebnis seit 12 Jahren?
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Bundeswirtschaftsminister und Statistisches Bundesamt legen den positiven Ton vor und einige Medien überschlagen sich. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos: "Auch wenn die Zahlen durch den milden Winter stark geprägt sind, zeigen sie, dass der Aufschwung in Deutschland auch den schwierigen Bedingungen der Weltkonjunktur trotzt. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist derart gestiegen, dass sie nicht mehr jeder Windhauch erschüttere." Statistisches Bundesamt: „ Über das gesamte erste Quartal gesehen, hat sich der wirtschaftliche Aufschwung des vergangenen Jahres damit unvermindert fortgesetzt; die deutsche Wirtschaft hat sich am Anfang des Jahres 2008 auch bei zunehmenden Belastungsfaktoren als sehr robust erwiesen." Der SPIEGEL: „Trotz der Finanzkrise ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2008 so kräftig gewachsen wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. - Es ist das stärkste Wachstum seit Frühjahr 1996 - und es hat alle Experten überrascht."

Nun malt der SPIEGEL allerdings gar zu schön. Denn erstens, sind Vorquartalsvergleiche wegen der sehr kurzen Zeitspanne sehr wenig aussagefähig und Zufälligkeiten besonders ausgesetzt. Zweitens, ist der zuverlässigere Vorjahresvergleich mit dem 1. Quartal 2007, also über ein ganzes Jahr, schlechter als viele Vorjahresvergleichswerte bis zum 1. Quartal 2007, also mitnichten eine 12-Jahres-Sensation. Drittens, ist das Statistische Bundesamt mit seiner Saison- und Kalenderbereinigung sehr vorsichtig und weist in der eigenen Grafik nur die nicht bereinigten Werte aus, denn eine Bereinigung um zwei Arbeitstage weniger im 1. Quartal 2008 unterschlägt, daß die Menschen auch ohne Arbeit an zwei Tagen den Verbrauch von Nahrung, Energie, Transport etc. nicht anhalten. Hinzu kommt bei der Saisonkorrektur, daß das Statistische Bundesamt auf der Basis langfristiger Vergleichswerte den Effekt der neuerdings milden Winter unterschlägt. Viertens, schließlich weisen Experten zurecht darauf hin, daß der Bau das Wachstum mit einem Vorzieheffekt angetrieben habe - neben dem Wetter habe das Ende von steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten zum Jahresende 2007 einen Schub gegeben, was sich deutlich am Anstieg der Auftragsvolumnia im gewerblichen Hochbau in den letzten drei Quartalen 2007 ablesen läßt, die dann im 1. Quartal 2008 und danach abgearbeitet werden (Abb. 14415).


Hier die Entwicklung ohne die zweifelhafte Saison- und Kalenderbereinigung; es ist das Bild, das auch vom Statistischen Bundesamt auf seiner eigenen Grafik gezeigt wird (Abb. 14413). Danach ist der Trend eher negativ. Das erste Quartal ist nicht schlecht ausgefallen, aber es beruht teilweise auf Besonderheiten. Auch die deutsche Wirtschaftsentwicklung wird sehr bald in den Schatten der weltwirtschaftlichen Abschwächung geraten. Für das ganze Jahr 2008 sagt der IWF Deutschland nur noch ein sehr bescheidenes Wachstum von 1,4 % vorraus.


Übrigens beschönigt auch noch der Vorjahresvergleich des privaten Verbrauchs, für den das Statistische Bundesamt einen (geringfügigen) Anstieg feststellt, denn das 1.Quartal 2007, mit dem man dann vergleicht, hatte wegen der aus Gründen der MWSt-Erhöhung nach 2006 vorgezogenen Nachfrage privater Haushalte die schlechtestes Entwicklung der Nachfrage privater Haushalte seit sehr vielen Jahren (Abb. 14010). Da beide Quartale, das Vorjahresquartal (1. Quartal 2007) und das Vorquartal (4. Quartal 2007) außergewöhnliche schlechte Quartale für die Nachfrage privater Haushalte waren und die mehr als 56 % der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht, dürften beide Vergleiche des 1. Quartals 2008 in die Irre führen.


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global news 1107 15-05-08: Wie Deutschland seine soziale Sicherheit verspielt
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Fortsetzung des Rundbriefes 1106: Der Zuwachs an Ausgaben für die soziale Sicherheit ist seit 2000 in Ausgaben pro Kopf und zu konstanten Preisen mit nur 0,2 % pro Jahr der weitaus geringste (Abb. 13427).


Verglichen mit dem Alt-EU-Durchschnitt hat Deutschland besonders an den Kosten für die Beschäftigung und die Gesundheit, aber auch Ehe/Familie und Alter/Hinterbliebene gespart (Abb. 13428) - eine sehr unglückliche und die Zukunft belastende Entwicklung.


Vor allem sind in Deutschland die Arbeitgeberbeiträge zur sozialen Sicherheit vermindert worden, angeblich für mehr Beschäftigung wahrscheinlich aber, um kurzsichtig die deutsche Konkurrenzfähigkeit im Export weiter zu stärken, und dies offensichtlich mit wenig Rücksicht auf die Zukunft der sozialen Sicherheit. Allein zwischen 2000 und 2005 verminderte sich der Arbeitgeberbeitrag um 7 %, während die Anteitgeberanträge aller anderen, teilweise erheblich, zulegten (Abb. 13430).


Deutschland ist auf dem besten Weg, seine soziale Sicherheit zu verspielen. Dazu zwingt uns bei hohen Exportüberschüssen sicher nicht die Orientierung an den Exportinteressen und deren Lobby. Ein Land, das in Angst um seine soziale Sicherheit leben muß, verliert auch an Würde und Schaffenskraft seiner Menschen. Die vollständige Analyse mit viel Vergleichsmaterial finden Sie im neuen Schwerpunkt.

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global news 1106 14-05-08: Deutschland gibt im Alt-EU-Vergleich viel zu wenig für die soziale Sicherheit aus und fällt immer mehr zurück
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Die Eurostat-Pressemitteilung vom 8. Mai 2008 hat es in sich. Dort wird in nackten Zahlen vorgeführt, wie sich in der EU die Kosten für die soziale Sicherheit verhalten und wie sie sich zwischen 2000 und 2005 entwickelt haben. Deutschland scheint auf das Bruttoinlandsprodukt bezogen mit 36 % in 2005 auf dem 5. Platz unter den 15 Alt-EU-Ländern noch im oberen Mittelfeld zu liegen (Abb. 13417).


Berücksichtigt man alllerdings, daß Deutschland eine besonders stark alternde Bevölkerung hat und daher relativ mehr für die soziale Sicherheit ausgeben sollte, und stellt dementsprechend auf die Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung ab 30 Jahre ab, so fällt Deutschland auf einen sehr enttäuschenden 11. Platz ab und hat nur noch das europäische „Armenhaus" mit Italien, Spanien, Griechenland und Portugal unter sich (Abb. 13419). Dänemark und Schweden führen nach Luxemburg das Feld an.


Das liegt auch an der relativ geringen Beteiligung öffentlicher Gelder, bei der Deutschland nur auf dem 9. Platz rangiert (Abb. 13418). Hier findet man, wie zu erwarten, die skandinavischen Länder in der Spitzengruppe.


Besonders bedrohlich für Deutschland: Hier ist der Zuwachs seit 2000 in Ausgaben pro Bruttoinlandsprodukt mit nur 0,2 % pro Jahr der weitaus geringste (Abb. 13416).


Wieder einmal zeigt Deutschland eine fundamentale Schwäche im Europatest. Man sollte dringends von den skandinavischen Ländern lernen.

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global news 1105 11-05-08: Amtliche und gefühlte Inflation
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Die letzten Daten des Statistischen Bundesamtes für April zeigen bei den Großhandelspreisen eine Inflation von 6,9 % an (Abb. 14122). Die Nahrungsmittelpreise werden von der Gruppe "Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette" mit 21,5 % gewaltig angetrieben. Nach den letzten Zahlen für die Verbraucherpreisinflation im März kamen die Nahrungsmittel auf 8,2 % gegenüber Vorjahr (Abb. 14106); das liegt viel näher an der von den Verbrauchern tatsächlich gefühlten Inflation.



Nun habe ich mich mal bei der Inflation auf den Weltmärkten für wichtige Agrarprodukte umgesehen. Die machen seit Mitte letzten Jahres enorme Sprünge, im Durchschnitt von April 2007 bis April 2008 um 46 % (Abb. 07255). Das ist die Lawine, die auch Deutschland erreicht hat. Angesichts weiter steigender Ölpreise werden die Nahrungsmittelpreise in den nächsten Monaten kaum wesentlich sinken können. Die Lawine wird noch von der Spekulation geschürt, nachdem Banken und Heuschrecken immer mehr Anlagemöglichkeiten, die auf künftige Preissteigerungen spekulieren, bieten. Laut Investment Bank Morgan Stanley sind seit 2003 Wetten auf Mais von 500.000 auf 2,5 Millionen hochgesprungen. Nach Reis ist Mais das Nahrungsmittel mit dem stärksten Preissprung.


Ähnliche Spünge haben viele Rohstoffpreise gemacht, Metalle z.B. fast 100 % seit 2005, alle Industrierohstoffe 66 % (Abb. 07256).


Von Prof. Brachinger habe ich die Abfolge der von ihm mit einem realistischer Warenkorb berechneten gefühlten Inflation herangezogen (Abb. 14141). Legt man die an die Zeitreihe für die Einkommensentwicklung an, so haben die Bruttolöhne und -gehälter entsprechend bereinigt um 23 % seit 2000 verloren, während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um eine Mischung von BIP-Deflator und gefühlten Inflation bereinigt 31 % dazugewonnen haben (Abb. 14140). Das zeigt dann das ganze Ausmaß der echten sozialen Verwerfung in Deutschland.



In den USA sind änhliche, vor mir nicht nachprüfbare Berechnungen gemacht worden. Sie zeigen, daß die Arbeitnehmer seit 1982 bereits 280 % mehr verloren haben, als die offizielle Inflation ausweist (Abb.05099).


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global news 1104 11-05-08: Wir und andere müssen das Auto tieferhängen
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Wenn sich bei begrenzter Weltölproduktion das Milliardenvolk der Chinesen und das der Inder und viele andere von Lateinamerika bis Osteuropa motorisieren, müssen die bisherigen Öl-Oberverbraucher in den alten Industrieländern zusammenrücken. So erwartet der IWF, daß in China schon im Jahr 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden (Abb. 07030).


Zusammenrücken heißt, daß vollmotorisierte Länder, wie die USA und die in Westeuropa, das Auto tiefer hängen müssen. Das geht nur durch eine strikte Subventionierung des öffentlichen Transports. Frankreich ist da ein gutes Vorbild. In Paris und demnächst anderen Städten werden z.B. Fahrräder gratis ausgeliehen, um die Menschen vom Auto abzubringen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun. In britischen Städten, wie London, werden Gebühren für die Benutzung der verstopften innerstädtischen Straßen erhoben und daraus der öffentliche Transport subventioniert.

Nur durch ein Zusammenrücken kann der Preis auf gerade noch vertretbarem Niveau gehalten und damit zugleich die Ernährung armer Länder zu erschwinglichen Preisen gesichert werden. Denn die Landwirtschaft und Düngemittelindustrie hängen ebenfalls vom Öl ab, und ein höherer Ölpreis treibt die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen in den Anbau von Rohstoffen für Biosprit und damit wieder die Nahrungsmittelpreise in die Höhe. So wird die gesamte amerikanische Zusatzproduktion von Mais bis 2017 auf Ethanol entfallen, das dann für ein Drittel aufkommen soll, und nichts für zusätzlichen Export und den Hunger der Welt lassen (Abb. 07254). Auch kann nur durch ein Sparen von Öl (und anderen verschmutzenden Energieträgern) der sich aufbauende Treibhauseffekt noch gebremst und das Schlimmste verhindert werden.


Kommt es zu diesem Zusammenrücken nicht, so wird der Ölpreis immer mehr explodieren. Er hat sich allein seit Beginn vergangenen Jahres um mehr als 132 % erhöht (Abb. 07198). Nach einer neuen Analyse der Investmentbank Goldman Sachs wird der Ölpreis wahrscheinlich in den nächsten 6 bis 24 Monaten von jetzt um 125 Dollar noch auf 150 bis 200 Dollar pro Faß steigen (Abb. 07253).



Gleichzeitig machen andererseits die Nahrungsmittelpreise weltweit enorme Sprünge, im Durchschnitt allein seit 2005 um 72 % und dabei z.B. bei Mais um 150 % (Abb. 07255). Der Maispreis hat gerade in diesen Tagen einen neuen Rekord verzeichnet.


In Deutschland ist von solchem notwendigen Zusammenrücken derzeit allerdings noch keine Spur. Politiker und Automobilclubs überbieten sich mit Forderungen, die Öko- und Kfz-Steuer abzuschaffen, obwohl eine umso weniger gebremste Nachfrage die Verknappung erhöhen und den Preis nur sofort wieder in noch größere Höhen treiben würde. Die Bundesbahn soll privatisiert werden, was die Benutzerkosten für diesen wichtigsten öffentlichen Transport in Deutschland nur in die Höhe treiben und zu Streckenstillegungen führen wird, wiederum mit der Folge von mehr Ölverbrauch. Die Autobahnen sind als einzige in der Welt ohne allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung, obwohl sich mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 Stundenkilometer etwa zehn Prozent des auf Autobahnen verbrauchten Spirts sparen ließe. Schließlich baut die deutsche Automobilindustrie besonders großvolumige und spritfressende Fahrzeuge. Wo bleibt hier die Vernunft?

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global news 1103 10-05-08: Die Nettolüge: Immer wieder bösartige Täuschung bei den Arbeitseinkommen
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Normalerweise sind die Rundbriefe sehr nüchtern aufgemacht, die Gedanken zur Zeit dagegen freier und manchmal polemischer formuliert. Heute ist mir allerdings der „kalte Kaffee" hochgekommen, als ich in SPIEGEL und BILD die gleiche Geschichte fand, wonach nur die Inflation am Rückgang der Kaufkraft schuld sei. Das ist ähnlich irreführend wie die in den Medien immer wieder präsentierte Lüge, wonach der Finanzminister aus einem schönen Bruttolohn immer mehr ein mieses Netto macht. Dies stimmt nachweislich nicht, denn das Verhältnis von Netto zu Brutto pendelt auch wegen der Reformen bei der Lohnsteuer seit Jahren zwischen 65 % und 66 % und ist im 4. Quartal 2007 sogar wieder etwas gestiegen (Abb. 14090).


Nun kommt das neueste Märchen aus interessierter Ecke von Allianz und Dresdner Bank. Da wird uns ein nominaler Zuwachs der Arbeitseinkommen von 28,5 % vorgerechnet bei einer Inflation von 36,8 %. Das stimmt, führt aber total in die Irre, weil hier der lange Zeitraum seit 1991 angesprochen ist. Der aber bestand aus drei Abschnitten mit sehr unterschiedlicher Einkommens- und Inflationsentwicklung. In der Periode 1991 bis 1994 stiegen die Nettoeinkommen im Wiedervereinigungsboom und Aufholprozeß der neuen Bundesländer pro Jahr um 4,5 %, dann zwischen 1994 und 2001 nur noch um 1,1 % und schließlich zwischen 2001 und 2007 im Zeichen der Drosselung der Lohnentwicklung nur noch um magerste 0,89 %. Hier liegt der eigentliche Hund begraben und nicht bei der Inflation. Die Inflation hat nur noch ein Übriges getan und verbraucherpreisbereinigt die Kaufkraft in der ersten Periode bei plus 0,2 % pro Jahr konstant gehalten, während sie in der zweiten Periode in ein Minus von 0,4 % und in der dritten in ein solches von 0,8 % drehte. Bei weiter gedrosselter Lohnentwicklung und wieder anspringender Inflation ergab sich dann nur auf das Jahr 2007 geblickt ein Kaufkraftverlust von schon 1,4 % (Abb. 14412).


Noch einmal: Was hier zugeschlagen hat und sowohl von Allianz wie von BILD verschwiegen wird, ist der negative Lohndruck. Dagegen war die Inflation in den Jahren 1995 bis 2006 ganze elf Jahre lang mit 1,5 % pro Jahr ziemlich moderat. Nun schreibt BILD in einem weiteren Täuschungsmanöver: In diesem Jahr solle es erstmals seit 2004 wieder ein Kaufkraft-Plus geben. Laut Allianz und Dresdner Bank sei mit einem Anstieg der Nettolöhne um durchschnittlich drei Prozent zu rechnen. Nach Abzug der Inflation von 2,4 Prozent bliebe unterm Strich ein Kaufkraftanstieg von 0,6 Prozentpunkten. Das ist natürlich purer Unsinn und glatt gelogen. Die Kaufkraft ist nur noch sehr begrenzt ein Ergebnis der Tariffabschlüsse. Viel zu viele Arbeitnehmer existieren inzwischen außerhalb der Tariffabschlüsse. Die Tarifbindung der Unternehmen ist in Westdeutschland auf nur noch 70 %, in Ostdeutschland auf nur noch 55 % gefallen. Sehr viele Arbeitnehmer werden, z.B. als Leiharbeiter oder geringfügig Entlohnte, außerhalb der Tariffverträge geführt. Die Kaufkraft der Rentner entwickelt sich ohnehin weit unterhalb der Inflationsschwelle. Was soll dann diese Irreführung??

Unsere Partner in der Alt-EU haben eher höhere Inflationsraten (Abb. 13414) und doch hat sich dort das Netto viel besser als in Deutschland entwickelt (Abb. 12990). Warum war das nicht auch bei uns möglich?



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global news 1102 09-05-08: Ölpreis und die deutsche Konjunktur
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Der Ölpreis hat sich allein seit Beginn vergangenen Jahres mehr als verdoppelt (Abb. 07198). Da die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar nur bei 17 % lag, hat die Ölpreisexplosion auch im Eurobereich voll zugeschlagen (Abb. 07200). Damit ist der Preissprung noch wesentlich stärker als bei der letzten Ölkrise Ende der 70er Jahre.



Das läßt jetzt um den Globus herum tiefe Spuren in der Wirtschaftsentwicklung, zumal die globale Kreditkrise besonders in USA das Wachstum hat zusätzlich stark einbrechen lassen. Nach einer neuen Analyse der Investmentbank Goldman Sachs wird der Ölpreis wahrscheinlich in den nächsten 6 bis 24 Monaten von jetzt um 120 Dollar noch auf 150 bis 200 Dollar pro Faß steigen (Abb. 07253). Die Spuren können also noch tiefer werden.


Inzwischen zeigen sich auch in der deutschen Wirtschaft erste Folgen. Nachdem schon die Exporte und die Aufträge unter Negativdruck gekommen sind, wird heute bekannt, daß die Produktion der gewerblichen Wirtschaft, die bereits im Februar stagnierte nun im März um ein halbes Prozent zurückgefallen ist (Abb. 04306). Aus der Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministers: „Für die Industrie signalisieren die seit einigen Monaten rückläufigen Bestellungen wie auch die zuletzt deutliche Stimmungseintrübung in den kommenden Monaten eine etwas schwächere Produktionsdynamik."


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global news 1101 08-05-08: Nun verliert auch der Bundeswirtschaftsminister seinen Berufsoptimimus
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Die neuen Auftragszahlen der deutschen Industrie für März zeigen saisonbereinigt schon den vierten Rückgang in Monatsfolge, ein Minus von mehr als 3 % gegenüber November 2007 und mehr als 4 % bei den Exportaufträgen (Abb. 04569).


Nun wird selbst der sonst immer (übertrieben) optimistische Bundeswirtschaftsminister vorsichtiger. Aus seiner Presseerklärung von heute: „Die Bestellungen in der Industrie sind in den letzten Monaten spürbar zurückgegangen. Maßgeblich hierfür war im ersten Quartal dieses Jahres vor allem die Abnahme der Auftragseingänge aus dem Ausland. Von der Nachfrage im Inland gingen ebenfalls keine positiven Impulse aus. Für die Industrieproduktion zeichnet sich absehbar eine etwas schwächere Dynamik ab."

Der Trend der Ausfuhrvolumina im Vergleich zum Vormonat ist seit einiger Zeit eindeutig negativ (Abb. 14119).


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global news 1100 08-05-08: Eurozone: Profitanteil Plus - Lohnanteil Minus, vor allem Deutschland
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Mit ihrer heute veröffentlichten Statistik läßt Eurostat die Katze aus dem sozialen Sack der Eurozone. Seit 1999 sind die Löhne und Gehälter als Anteil am Umsatz ständig gefallen (Abb. 13411).


Spiegelbildlich dazu ist der Anteil der Unternehmensgewinne ständig gestiegen (Abb. 13412). Praktisch haben die Arbeitnehmer mit einer niedrigen Lohnentwicklung und die Produktivität eine Gewinnexplosion ermöglicht.


Trennt man jedoch Deutschland vom Rest der Eurozone, so war der Absturz des Lohnanteils am Umsatz auf Deutschland beschränkt. Deutschland hat im Lohnanteil am Umsatz jetzt fast das Niveau der anderen erreicht, unter denen sich jedoch viele Länder mit relativ niedrigen Löhnen befinden, vor allem im Süden Europas. Von der sozialen Marktwirtschaft kann da nicht mehr viel übrig sein.


Nur um die Größenordnung zu verdeutlichen: Der Gewinnsprung der deutschen Unternehmen zwischen 2000 und 2007 um rund 210 Mrd Euro pro Jahr entspricht nicht weniger als 35 % aller deutscher Nettolöhne und -gehälter eines Jahres in 2007.

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global news 1099 05-05-08: Neue Fließdiagramme
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Die beigefügten Diagramme sind aus der aktualisierten Fassung von Deutschland im Europatest.









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global news 1098 06-05-08: China auch ein Domino im internationalen Krisenszenario?
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Bisher wird überwiegend angenommen, daß Asien von der Eintrübung der Konjunktur in USA und Europa verschont bleiben und so die Weltkonjunktur vor einem schärferen Abgleiten bewahren könnte. Nun mehren sich erstmals auch in dieser Hinsicht Zweifel.

Li Yushi, Stellvertretender Vorsitzender der Chinesischen Akademie für Internationalen Handel und wirtschaftliche Kooperation erwartet für dieses Jahr nur noch ein Exportwachstum von 10 %, nachdem es im vergangenen Jahr noch bei 26 % gelegen hatte. Dabei wird erwartet, daß die chinesischen Exportunternehmen unter Druck steigender Rohstoffpreise bleiben. Der Handelsbilanzüberschuß soll um 25 % fallen. Schon im ersten Quartal 2008 fiel der Überschuß um 11 % gegenüber Vorjahr (Abb. 08139 nach den Zahlen des Intitute of International Finance nur ein Minus von 4 %).


Vor allem wird eine schwächere Nachfrage aus USA erwartet. Nach den amerikanischen Zahlen ist der Frühjahrsabstieg in diesem Jahr besonders ausgeprägt (Abb. 08140). Die chinesischen Zahlen lassen für das erste Quartal 2008 eine Wachstumsabschwächung auf 21 % (gegenüber 28 % im 1. Quartal 2007) erkennen. Nach Auffassung des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, im Interview mit dem „Handelsblatt", wird die Finanzkrise unter den Schwellenländern insbesondere China treffen. Schon heute spüre China, dass der Export in die USA zurückgehe. Es werde für das Land immer schwieriger, diesen Rückgang durch mehr Ausfuhren nach Europa und in die Nachbarländer auszugleichen.


Das trifft dann letztlich auch den deutschen Export nach China, der allerdings im vergangenen Jahr nur einen kleinen Anteil von 2,9 % am deutschen Gesamtexport hatte. Die Bremsspuren zeigen sich bereits beim Maschinenbau, dem wichtigsten deutschen Exportprodukt (Abb. 08141).


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global news 1097 05-05-08: Diagnose: Deutschland leidet an schwerem Fall von Exportitis
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Exportitis ist eine unselige Mischung von Magersucht und Elephantitis. Die ganze Volkswirtschaft steht auf dem Export und hat dabei Beine, die wie Wasserfässer aufgeschwollen sind. Der Körper darüber ist auffällig dünn. Dies zeigt sich sehr deutlich, wenn man die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Einzelhandelsumsatz mit denen zum Export vergleicht, wobei Preisentwicklungen herausgerechnet werden müssen. Das gibt dann zwei völlig entgegengesetzte Trends, der eine nach unten, der andere nach oben (Abb. 14136).


Immer mehr an volkswirtschaftlicher Leistung wird nach draußen gegeben, statt der Versorgung der eigenen Bevölkerung zu dienen. Vor der Einführung des Euro wäre das über so lange Jahre in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen, weil eine Wechselkursanpassung der DM die Entwicklung immer wieder korrigiert und den Export eingefangen hätte. Die Folgen zeigen sich nicht überraschend in der deutschen Wirtschaftsentwicklung insgesamt. Verglichen mit den übrigen Alt-EU-Ländern ist sie über die letzten sieben Jahren fast die schlechteste gewesen (Abb. 13408, 13409) und ordnet sich mit einem Zuwachsrate, die nur halb so groß wie die der anderen Alt-EU-Länder ist, neben die beiden anderen Schlußlichter Italien und Portugal. Ein trauriges Bild an totaler wirtschaftspolitischer Inkompetenz.



Leider kann der Vergleich da nicht stehenbleiben. Ohne hier die Kausalitäten herausarbeiten zu können, ist das Gesamtbild für Deutschland katastrophal (Abb. 13407). Die Gesamtdarstellung finden Sie im Europatest mit 21 Schaubildern.


Für mehr dazu siehe mein neues Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1096 03-05-08: Mit mieser Binnenkonjunktur in die Exportkrise?
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Wichtige Exportmärkte für deutsche Waren werden derzeit müde, vor allem USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien, die allein 2007 für mehr als 27 % des deutschen Exports aufkamen (Abb. 14134). Märkte, die derzeit noch weniger von der sich eintrübenden Weltkonjunktur betroffen sind, wie z.B. China und Rußland rangieren erst auf den Plätzen 11 und 12 und nehmen zusammen nur etwa 6 % des deutschen Exports ab.


In dieser Situation zeigen die heutigen Daten des Einzelhandelsumsatzes einen weiterhin negativen Trend (Abb. 04943) und alles andere als eine Spur von Kauflaune. In dieser Hinsicht rangiert Deutschland zusammen mit Italien am Ende des westeuropäischen Geleitzuges (Abb. 12922).



Besonders eingebrochen mit einem Minus von 9,2 % ist der deutsche Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabak (Abb. 14135). Viele Deutsche sparen es sich also schon am Leibe ab.


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global news 1095 02-05-08: Arbeitsmarktbericht vom April: Das Lügenbuch der Nation
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Der Bundesarbeitsminister, der Bundeswirtschaftsminister, der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen und viele Medien nehmen den Arbeitsmarktbericht vom April zum Anlaß, die Vollbeschäftigung für eine nähere Zukunft zu versprechen. Dabei geben die Arbeitsmarktzahlen vom April trotz aller Beschönigung und statistischen Manipulation wenig Anlaß zu solcher Vollmundigkeit:

Das Stellenangebot geht schon seit Beginn vergangenen Jahres saisonbereinigt zurück (Abb. 14133). Der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich deutlich (saisonbereinigt fast auf Null, Abb. 04772), ebenso der Aufbau an Beschäftigung, wovon mehr als ein Drittel auf unsichere befristete Arbeitsverhältnisse entfällt. Die Agentur versucht das mit dem milden Winter zu erklären: „Hauptgrund für die schwächere Entwicklung im April sind saisonale Sondereffekte. Wie schon im Winter 2006/2007 haben die vergleichsweise milde Witterung und das Saison-Kurzarbeitergeld die üblichen saisonal bedingten Belastungen gemildert". Allerdings war der Abbau zwischen Oktober 2007 und April 2008 mit insgesamt nur noch 370.000 um ein Drittel schächer als in der Vorjahresperiode mit gleichen Bedingungen. Die Erklärung der Agentur überzeugt daher wenig.



Die Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosgengeldempfänger klafft immer mehr auseinander. Nur noch 56 % der Arbeitslosengeldempfänger werden als arbeitslos registriert (Abb. 04980); vor zwei Jahren waren es noch mehr als 71 %. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat keinen richtigen Job.


Im mehr als in Arbeit Registrierte, schon fast 5 Millionen, werden nur geringfügig entlohnt.

Die Arbeitslosenstatistik kennt auch sonst viele Manipulationen. So werden die über 58 Jahre alten Arbeitslosen nach der neuen gesetzlichen Regelung nun nicht mehr als arbeitslos geführt.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland weiter die meisten Langzeitarbeitslosen (Abb. 04022) und liegt auch bei den Arbeitslosen insgesamt im unteren Drittel (Abb. 04068). Angesichts des deutschen Dauertriumphes bei den Arbeitsmarktdaten sollte man die der Nachbarn zur Ernüchterung im Auge behalten.



Die vielen Beschönigungen der Arbeitsmarktstatistik lösen sich auf, wenn Bundesregierung, Wirtschaftsforschung und Medien von der Entwicklung am Arbeitsmarkt immer wieder den Konsumboom erwarten (SPIEGEL erst vor drei Tagen: „Deutsche in Kauflaune"), der aber nicht eintritt. So zeigen die heutigen Daten des Einzelhandelsumsatzes weiterhin einen negativen Trend (Abb. 04943).


Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt.

Für mehr zur Arbeitslosigkeit siehe Kapitel 2 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1094 01-05-08: Die Rezessions-Einschläge kommen immer näher
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Die Einschläge kommen immer näher. In USA fallen die Grundstückspreise immer steiler, im Februar schon um fast 14 % gegen Vorjahr, der stärkste Fall seit Beginn der Statistik vor 21 Jahren (Abb. 03714). Das Konsumklima nach der wichtigsten Messung durch das Conference Board erreichte im April den tiefsten Stand seit 5 Jahren (Abb. 05073).



In Großbritannien wird in der Bank of England mit einem Fall der Hauspreise um bis zu 30 % gerechnet. Das wäre jede Woche ein Wertverlust pro durchschnittlichen Haushalt von mehr als 1.000 Pfund (1.300 Euro). Neue Hypotheken erreichten das tiefste Niveau seit Beginn der Statistik vor 15 Jahren. Der Einzelhandelsumsatz fiel im April auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. In Spanien fiel der Einzelhandelsumsatz im März um gespenstische 8,7 % gegenüber Vorjahr. Ebenso schlechte Nachrichten kommen aus Frankreich. Dort fiel das Konsumklima auf den tiefsten Stand seit Beginn der Messungen vor 21 Jahren. Für Italien erwartet die EU-Kommission nach ihrem neuesten Ausblick nur noch ein Wachstum von 0,5 % in 2008, also fast eine Rezession. Allein diese fünf Länder kamen 2007 für mehr als 27 % des deutschen Exports auf.

In Deutschland selbst sank der Großhandelsumsatz nach Meldung des StaBuA von heute um 4,6 % gegenüber Vorjahr. Zu allem Überfluß nahm auch noch der Bierkonsum, ein guter Gradmesser der Stimmungslage, im 1. Quartal 2008 um fast 1 % ab. Auch der Abbau an Arbeitslosigkeit verlangsamt sich deutlich, wie der neue Schwerpunkt vorführt.

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global news 1093 30-04-08: Das Statistische Bundesamt spielt mit Tariflohnzahlen
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Heute kam die froh gemeinte Botschaft des Statistischen Bundesamtes mit der knalligen Überschrift: "Höchster Anstieg der Tarifverdienste seit zwölf Jahren". Doch leider sind das Nominalzahlen, die die Preisteigerung unberücksichtigt lassen. Auch meldet das StaBuA nicht nur - wie angegeben - die Januarzahlen, sondern auch die des gesamten ersten Quartals 2008. Dazu paßt die vom StaBuA erwähnte Januarteuerungsrate von 2,8 % nicht, denn die des ersten Quartals lag bereits bei über 2,9 %. Rechnet man das real auseinander so fällt der angebliche 12-Jahres-Rekord in sich zusammen und zeigt nur, wie das StaBuA mit der Wahrheit umgeht. Die reale Steigerungsrate im 1. Quartal 2008 verglichen mit dem 1. Quartal 2007 lag nämlich nur bei 0,34 % für die Angestellten und 0,35 % für die Arbeiter, also fast bei Null, und in jedem Fall unter den realen Steigerungsraten des 3. Quartals 2007 und vieler anderer Quartalswerte der letzten Jahre (Abb. 14052).


Und was bedeuten überhaupt noch die Tariflohnzahlen, sebst wenn sie ehrlich präsentiert werden? Die Zahl der tarifgebundenen Unternehmen ist als Folge der Tarifflucht immer kleiner geworden. So beträgt die Tarifbindung in Westdeutschland nur noch 70 %, in Ostdeutschland nur noch 55 %. Hinzu kommen so genannte Öffnungsklauseln in Tarifverträgen, die tarifliche Steigerungen für die davon betroffenen Arbeitnehmer reduzieren oder aussetzen. Schließlich fällt die boomende Leiharbeit aus den normalen Tarifverträgen total raus, ebenso natürlich alle Minijobber.

Natürlich übernimmt der SPIEGEL sofort die "frohe" Botschaft und legt noch oben drauf: "Das Wachstum kommt bei den Angestellten und Arbeitern an: Die Tarifverdienste sind zu Jahresbeginn so stark gestiegen wie seit zwölf Jahren nicht mehr - im Schnitt sogar stärker als die Inflation." Kein Wort über die nur 0,3 %!

Wenn nun wegen solcher angeblichen Tarifrekorde ein Verbraucherboom erwartet wird, wird man enttäuscht werden. Auch zeigt der Arbeitsmarkt inzwischen Ermüdungserscheinungen. So meldet die Bundesarbeitsagentur heute: "Die Expansion der Arbeitskräftenachfrage in Deutschland scheint an ihre Grenzen zu stoßen. Der zuletzt deutlich verlangsamte Aufwärtstrend des Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit - einem Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland - scheint auszulaufen. Im April konnte der Index nicht mehr zulegen (nach +4 im März, aber noch +7 im Dezember, Abb. 14132).


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global news 1092 28-04-08: Deutsche in Kauflaune?
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Das Konsumklima ist nach der Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung leicht gestiegen (Abb. 04711), ebenso die Konjunkturerwartung (Abb. 04917). Doch liegen die Werte weiter erheblich unter denen von Mitte vergangenen Jahres.



Dennoch spricht die GfK gleich von einer "spürbaren" Verbesserung und prognostiziert gleich für Mai einen Wert von 5,9 Punkten. Der SPIEGEL-online legt in bewährter Manier noch obendrauf mit seiner Schlagzeile: "Deutsche trotz hoher Teuerung in Kauflaune". Wir werden bald mit den Einzelhandelszahlen vom Freitag konkret sehen, was wirklich passiert.

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global news 1091 28-04-08: Verbraucherstimmung auf wichtigen Exportmärkten bricht ein
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Die letzten Werte für die Verbraucherstimmung in USA, Frankreich und Großbritannien zeigen die Spuren der globalen Kreditkrise. In USA erreichte die Verbraucherstimmung den tiefsten Punkt seit 26 Jahren (Abb. 13405). In Frankreich sank der Einzelhandelsumsatz im März innerhalb eines Monats um 2,3 % (Abb. 13403). Auch in Großbritannien kam es im März zu einem Einbruch (Abb. 13404). Spanien und Italien sind ebenfalls unter erheblichem Druck.




Die Verbraucherstimmung in der Eurozone leidet (neben der hohen Inflation) auch unter den schwächer werdenden Immobilienmärkten, vor allem in Spanien und Frankreich, aber auch anderswo ohne Deutschland (Abb. 13406).


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global news 1090 27-04-08: Biotreibstoffe und der Hunger der Welt
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Nun ist die Diskussion um die Biotreibstoffe so richtig ausgebrochen, nachdem deutlich wird, wie sie zu den Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und damit zum steigenden Hunger der Welt beitragen. Weltweit soll die Produktion nach Schätzungen der IEA von 2006 bis 2009 auf mehr als das Doppelte zugenommen haben (Abb. 07252). Mehr als die Hälfte der gegenüber dem Vorjahr zusätzlichen Versorgung mit Öl aus nicht-Opec-Quellen soll in 2008 aus Biotreibstoffen kommen und im längerfristigen Zeitraum bis 2012 immer noch ein Viertel (Abb. 07521).



Hauptzuwachsländer für Biotreibstoffe sind die USA und Brasilien. Dabei sparen Biotreibstoffe aus Mais, die so in USA gewonnen werden, nach Auskunft der IEA kaum CO2-Emissionen, da die Elektrizität für den Destillationsprozeß in USA aus Kohlekraftwerken gewonnen wird. Hier geht es den Amerikanern wohl mehr um etwas weniger Abhängigkeit vom Opec-Öl, die sie zu Lasten der Ernährung der Welt gewinnen. Das zeigt letztlich, wie im Interesse eines unverantwortlichen Energieeinsatzes und der wachsender Mobilität im Individualverkehr reiche Länder den Hunger anderwo schüren, aber auch unter den Armen zu Hause.

Für mehr dazu siehe Kapitel 8 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1089 25-04-08: Vollbremsung für die deutsche Wirtschaft?
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Mit Rundbrief von vor erst einem Monat hatte ich unter der Überschrift "Wie ifo Stimmung macht" die Ifo-Meldung zitiert: "Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftssituation erneut positiver als im Vormonat. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konjunktur in Deutschland mit Jahresbeginn an Schubkraft gewonnen hat." Prompt kommt SPIEGEL-online: " GUTE KONJUNKTURAUSSICHTEN - Ifo-Geschäftsklimaindex steigt überraschend - Unerwartete Trendwende in der deutschen Wirtschaft: Die Stimmung der Unternehmen hat sich weiter aufgehellt - trotz des starken Euros und der Finanzkrise. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte zum dritten Mal in Folge." Dabei war der wichtige Erwartungsindex, der allein eine Trendwende anzeigen würde, nur um kümmerliche 0,2 %, also praktisch gar nicht gestiegen und lag immer noch auf dem tiefsten Stand seit November 2005.

Nun meldet Ifo nur einen Monat später für April: "Geschäftsklima merklich abgekühlt". Und SPIEGEL schwenkt ebenfalls um: "Vollbremsung für die deutsche Wirtschaft. Der Optimismus ist verflogen: Nach Euro-Hoch und Ölpreisrekord hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft eingetrübt. Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose für 2009 auf 1,2 Prozent - das bedeutet faktisch Stagnation." Die Abbildungen 04589, 14051 und 04739 zeigen die Ergebnisse.




Doch Bundeswirtschaftsminister Glos kann es nicht lassen. Seine heutige Presseerklärung: "Es geht weiter aufwärts - trotz Gegenwind. Für dieses Jahr erwartet die Bundesregierung in ihrer Frühjahrsprojektion ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 1,7 Prozent im Jahresdurchschnitt. Für das Jahr 2009 geht die Bundesregierung von einer Zunahme der realen Wirtschaftsleistung in Höhe von 1,2 Prozent aus. Der Aufschwung setzt sich fort, wenngleich mit vermindertem Tempo." Was ist eigentlich ein Aufschwung von gerade einmal 1,2 %? Da können kaum noch neue Arbeitsplätze entstehen, außer durch statistische Tricks.

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global news 1088 24-04-08: Rekord Dollar-Tief, Rekord Ölpreis-Hoch, hoher Libor, hoher Versicherungsaufschlag
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Die Kreditkrise hält an. Der Dollar hat ein Rekord-Tief gegenüber dem Euro erreicht (Abb. 13372). Noch steiler steigt umgekehrt der Ölpreis (Abb. 07198).



Der Liborzins zwischen Banken liegt wieder mit 0,8 Punkten über dem Zentralbankzins und arbeitet sich auf einen neuen Rekord hoch, was die Unruhe und das Mißtrauen zwischen Banken zeigt (Abb. 03718). Die Versicherungsprämie für Bonds liegt weiter um 3 Prozentpunkte über dem Stand vor Ausbruch der Krise (Abb. 03636).



Die Krise ist mitnichten vorrüber. Das zeigen auch die sich fortsetzenden Abschreibungen der Banken.


global news 1087 23-04-08: Legende: Export gut - Alles gut
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Heute möchte ich Ihnen mit dem 1087. Rundbrief einen Zusammenhang vorführen, den ich auch in den Mittelpunkt meines neuen Buches gestellt und dort näher erläutert habe. Es geht um die Legende im Zentrum der Globalisierung, daß der steigende Handel alle Schiffe, auch die der alten Industrieländern, höher schwimmen läßt. Ausgelöst wurde dieser Rundbrief von zwei Meldungen vom Dienstag. Da meldet BILD: "Die deutsche Industrie feiert ein grandioses Comeback! Auf der weltgrößten Technik-Schau in Hannover stellen fast 2700 deutsche Firmen seit gestern ihre Neuheiten vor. Die ganze Welt will wieder Made in Germany." Das ist natürlich wieder ein Akt von Schön-Wetter-Propaganda, denn der Exportboom besteht ja nun schon seit vielen Jahren und läßt damit keinen Raum für ein Comeback.

Die andere Meldung kommt vom Statistischen Bundesamt und beleuchtet die Hintergründe des Exporterfolges. Auch in 2007 sind die deutschen Arbeitskosten im Europavergleich am wenigsten gestiegen (Abb. 13400, hier nur Alt-EU, in den Beitrittsländern stiegen die Arbeitskosten weit stärker). Damit liegen die deutschen Arbeitskosten der Gesamtwirtschaft heute längst nicht mehr im Spitzenfeld (Abb. 13401).



Das gilt auch für die Arbeitskosten der Industrie, wenn man den kostensenkenden Verbundeffekt der in Deutschland relativ niedrigen Dienstleistungskosten aus der Vorleistungsverflechtung der Industrie berücksichtigt, wie er vom IMK für 2005 ermittelt wurde (Abb. 13402). Da die deutsche Industrie die stärkste Kostendämpfung hat und die Eurozonenpartner nicht mehr abwerten können, wird die deutsche Industrie damit immer wettbewerbsfähiger. So setzt denn SPIEGEL-online die stolze Überschrift: "Deutschland verbessert sich bei Arbeitskosten".


Leider wird nirgendwo in diesen frohen Botschaften gemeldet, wie bitter der Exporterfolg erkauft wird. Hierzu kann ich Ihnen nun eine interessante Abgleichung über die vergangenen 16 Jahre von Exportleistung, Bruttoinlandsprodukt, Arbeitnehmerentgelt und Arbeitsvolumen anbieten (Abb. 14129). Sie zeigt am deutschen Beispiel, daß die Handelsentwicklung keineswegs alle Bote, auch in den alten Indunstrieländern, höher schwimmen läßt. So ist das deutsche Exportvolumen in den 16 Jahren zwischen 1991 und 2007 um 171 % gestiegen, dagegen das Bruttoinlandsprodukt nur um 27 % und das Arbeitnehmerentgelt verbraucherpreisbereinigt sogar nur um 2,5 %, ein lächerlicher Jahresdurchschnitt um ein Zehntel Prozent. Das deutsche Arbeitsvolumen hat bis zur letzten statistischen Angabe für 2006 sogar um 6,1 % abgenommen, und das trotz der vielen Minijobs, gering bezahlten Jobs und unsicheren Zeitverträge. Oder anders ausgedrückt: Der Export hat die Reduktion des Arbeitsvolumens durch Rationalisierung und Verlagerung nicht kompensiert.


Eine ausführlichere Diskussion finden Sie neuesten Eintrag in das Wochenbuch.

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global news 1086 22-04-08: Die Globalisierung treibt die Zahl der Millionäre und Milliardäre hoch
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Trotz der Finanzkrise stiegt die Zahl derer, die mindestens eine Million Dollar verfügbares Einkommen haben, im Jahr 2007 um 4,5 % auf über 8 Millionen. Deutschland liegt nach China auf dem 5. Platz (Abb. 13396). Der Anstieg kommt vor allem aus den starken Zuwachsraten in China, Indien und einigen Ölländern (Abb. 13397). An diesem Ende wirkt die neoliberale Globalisierung besonders kräftig.



Das zeigt sich auch in der Zahl der Milliardäre, bei denen Deutschland nach USA, Rußland, China und Indien ebenfalls auf dem 5. Platz liegt (Abb. 13398). Allerdings leben besonders viele deutsche Milliardäre außerhalb Deutschlands, so daß nach der Nationalität gezählt, die deutschen Milliardäre auf dem 4. Platz rangieren. Pro Bevölkerung liegt Deutschland allerdings erst auf dem 9. Platz, weil sich vor allem die Schweiz (Spitzenreiter), Singapur und kleinere Ölländer vorschieben (Abb. 13399).



Nach einer anderen neuen Studie, werden die deutschen Vorstandsvorsitzenden mit Jahresbezügen von 667.000 Euro nach den britischen in Europa am besten bezahlt (Abb. 133995). Wer soviel einstreicht (mehr als 1 Mio Dollar), zählt schon oder bald zu den deutschen Dollar-Millionären.


Für mehr dazu siehe Kapitel 9 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1085 21-04-08: Warum die Banken so viel Kapital verlieren?
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Die Banken haben schon etwa 270 Mrd Dollar an Anlagen in miesen amerikanischen Hypothekenpapieren abgeschrieben (Abb. 03733). Nach den amerikanischen und schweizer Banken sind die deutschen besonders betroffen. Das ist etwa so viel wie die Sozialprodukte ganzer Länder, wie z.B. Argentinien, Finnland oder Portugal. Noch etwa einmal so viel an Abschreibungen wird erwartet, ohne daß man bisher weiß, welche Finanzinstitutionen die schwarzen Peter halten. Nun fragt man sich, wie sind solche Verluste bloß möglich?


Die Erklärung heißt "Super-Senior", wie in der Financial Times vom Freitag nachzulesen ist. Etwa vor vier Jahren erfanden schlaue Banker ein neues Konstruktionsmuster für die schon im Umlauf befindlichen Collateralised Debt Obligationen (= CDO). Das sind Wertpapiere, die durch einen Pool diversifizierter Vermögensgegenstände, vor allem amerikanische Hypotheken, besichert sind. Die neue Konstruktion hatte mehrere Scheiben, wobei die oberste Scheibe als erste auszuzahlen war, wenn die Obligation anbrennen würde. Es sollte also die sicherste Scheibe sein für Anleger, die angeblich auf der sicheren Seite sein würden. Daher wurde sie auch prompt AAA eingestuft. Da die Sicherheit dennoch als geringer galt als die von total risikolosen Papieren, z.B. amerikanischen Staatspapieren, war ein Prozent mehr an Zins zu verdienen, was diese Anlage attraktiv machte.

Sie war so attraktiv, daß einige Großbanken, wie UBS oder Merril Lynch diese oberste Scheibe in großem Umfang nicht weiterverkauften sondern für sich im eigenen Anlagenbestand hielten und damit ein sicheres Einkommen aus einem angeblich sicheren Papier erzielten. Ein weiterer Vorteil war, daß wegen der angeblichen Sicherheit nach den Bankenvorschriften nur sehr wenig Eigenkapital dagegen gebucht werden mußte. Natürlich erfanden die schlauen Banker auch gleich einen schönen Namen: "Super-Senior". Ein weiterer Vorteil des Eigenerwerbs der "Super-Seniors" war, daß der hier eingebaute "Reißverschluß" im Falle des Falles nicht von einem ängstlichen Kunden gezogen werden konnte, mit der Folge der Entwertung des Restes nach Auszahlung der AAA-Scheibe.

Nun fraßen sich also die größeren Banken an "Super-Senior" jeweils in Höhe mehrer zehn Milliarden Dollar voll und auch gleich noch die Hedgefonds, die dies mit Krediten derselben Banken finanzierten und ebenfalls bei "Super-Senior" als sicher galten. Auch die deutsche Mittelstandsbank IKB und deutsche Landesbanken fraßen dieses Zeug. Die IKB hat dann noch die Dummheit begangen, die "Super-Senior"-Scheibe an Anleger zu verkaufen, die nun in der beginnenden Krise mit der Drohung, sofort den Reißverschluß für das ganze Paket zu ziehen, die IKB zwingen konnten, diese Scheibe zurückzunehmen und damit das eigene Risiko weiter zu erhöhen.

Die Sonne schien über diesem Geschäft. Niemand in den Vorständen machte sich Gedanken. Bis plötzlich die Krise kam und der Markt auch für "Super-Senior" illiquide wurde. Kaum jeman wollte den Banken das Zeug abnehmen und die Werte fielen und fielen, etwa schon um 30 % (Abb. 03719). Dementsprechend mußte immer mehr "Super-Senior"-Wert abgeschrieben werden, neben Abschreibungen für die riskanteren Scheiben der CDOs unterhalb der AAA-Kategorie, die noch nicht verkauft waren (Abb. 03681). Der CDO-Bereich von UBS z.B. produzierte mehr als 15 Mrd Dollar an Abschreibungen, meist aus "Super-Senior". Nun lernten auch die Bankenvorstände, was "Super-Senior" eigentlich war. Aber die Millionen an Boni, die sie mit solch künstlichen Profiten verdient hatten, haben sie natürlich nicht zurückgegeben. Einige von ihnen mußten die Koffer packen, bekamen aber weitere Millionen als Abschiedsgeld.



Wenn Sie nun von der Fähigkeit der Bankenvorstände ausreichend beindruckt sind, möchte ich noch folgendes zu bedenken geben. Der eigentliche Risikoaufbau hat nicht einmal bei den miesen Hypothekenpapieren stattgefunden, sondern bei den Derivaten, praktisch Wetten auf die Entwicklung von Zinsen, Aktien, Währungen, Rohstoffen und vieles mehr, deren nominales Volumen sich nach der Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in nur zwei Jahren bis Juni 2007 auf 516 Billionen Dollar fast verdoppelt hat. Saldiert man die verschiedenen Wetten, so belief sich der Marktwert der Derivate per Ende Juni 2007 immer noch auf 11 Billionen Dollar oder sechsmal mehr als die miesen US Hypothekenpapiere. Nach ihrem letzten Jahresbericht von Ende 2007 und dem Umrechnungsschlüssel der BIZ hatte allein die Deutsche Bank nicht weniger als 14 % davon in ihren Büchern, fast zwanzigmal ihr Eigenkapital. Bei den besonders gefährlichen Kreditderivaten waren es sogar 19 % des gesamten Marktwertes oder 137 Mrd Dollar oder fast viermal das Eigenkapital der Bank. Wäre Bear Stearns ausgefallen und nicht von der US-Regierung gerettet worden, so hätte es in diesem Bereich der Kreditderivate wegen der zentralen Rolle dieses einen Brokers leicht zu einer Kernschmelze kommen können (siehe Bericht in der Frankfurter Allgemeinen) mit entsprechenden Folgen für die Deutsche Bank.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.