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global news 08-10-05: Erzeugung im produzierenden Gewerbe weiter im Abstieg
Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe war im August 2005 weiter im Abstieg, nämlich saison- kalender- sowie Erzeugerpreisindex-bereinigt gegenüber Vorjahresmonat um 2,8 % und
gegenüber August 2000 bereits um 8,8 % (Abb. 04058). Entgegen dem klaren Trend auf der Abbildung, sieht die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit trotz der
schwächeren Entwicklung im August den Trend „aufwärts gerichtet; die Auftriebskräfte dominieren weiterhin". Allerdings ist die Darstellung in der Pressemitteilung nicht real,
d.h. preisbereinigt.
global news 07-10-05: Amerikanischer und deutscher Ressourcenverbrauch im Weltvergleich
Das World Resources Institute hat aktualisierte Ergebnisse zum globalen Ressourcenverbrauch veröffentlicht. Die beigefügte Abbildung 05002 zeigt den amerikanischen und deutschen
Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich zum Weltdurchschnitt. Die USA verbrauchen das Dreifache bis Zehnfache des Durchschnitts( Ausnahme: Fisch). Für mehr zu Umwelt bitte
hier anklicken.
global news 05-10-05: Nochmal Minijobs
Im Nachtrag zum gestrigen Rundbrief über die Minijobs bin ich gefragt worden, wie das Gewicht des Dienstleistungssektors dabei ist und wie sich diese Jobs auf einzelne Dienstleistungssparten
aufteilen. Nicht weniger als 81 % der 4,7 Millionen Minijobs in ausschließlicher Beschäftigung sind im Dienstleistungsektor angesiedelt. Die Aufteilung nach Branchen zeigt den Handel, den
Umgang mit Grundstücken und Wohnungen (vor allem Reinigung) sowie das Gastgewerbe an der Spitze der Entwicklung (Abb. 04079), ebenso in der Aufteilung der zusätzlichen 430.000
Dienstleistungs-Minijobs zwischen Ende März 2003 und 2004 (Abb. 04080). Anders als bei den meist vollzeitlichen Beschäftigungen im gewerblichen Bereich, können sich diese Minijobs
weitgehend ohne die Konkurrenz aus der Globalisierung der Weltwirtschaft entwickeln. Dies ist einer der Gründe, warum der Dienstleistungsektor zu Lasten des gewerblichen Sektors seinen Anteil an
der Beschäftigung in Deutschland ausbauen kann. Ich habe bereits darauf hingewiesen, welche gravierenden Nachteile diese von der Bundesregierung unterstützte Entwicklung zu mehr Minijobs
bringt: wachsende Defizite der Sozialversicherung, da Minijobs nicht sozialversicherungspflichtig sind, und sozialer Abstieg der so Beschäftigten; außerdem ist dies in
volkswirtschaftlicher Betrachtung eine der Ursachen für einen rückäufigen Anteil der Arbeitnehmereinkommen am Volkseinkommen und damit die stagnierende Binnenkonjunktur. Außerdem
wachsen wegen der stärkeren Fluktuation die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt und drückt das Niedriglohnniveau teilweise auch auf reguläre Löhne. Der neue Schwerpunkt
„Neoliberaler Strukturwandel am Arbeitsmarkt - Minijobs als Antwort auf Globalisierunt?" wurde entsprechend überarbeitet:
bitte hier anklicken.
global news 04-10-05: Minijobs im Vormarsch
Nach einer in Gelsenkirchen vorgelegten Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik (IAT) müssen sich immer mehr Menschen in Deutschland als sogenannte Minijobber auf ständig wechselnde
Arbeitgeber einstellen. Zwei Drittel aller Minijobber treten innerhalb eines Jahres eine neue Stelle an oder beendigen sie wieder (Abb. 04078). Arbeitnehmer mit festen Vollzeit-Stellen haben im
Vergleich dazu deutlich stabilere Beschäftigungsverhältnisse.
In den vergangenen fünf Jahren hat die Zahl der geringfügigen Beschäftigungen um mehr als 30 Prozent zugenommen.
Im vorigen Jahr arbeiteten bereits 15 Prozent aller abhängig Beschäftigten in einem Minijob (siehe Abb. 04076). Besonders hoch ist der Anteil derartiger Beschäftigungsverhältnisse
im Dienstleistungssektor. Vor allem in Branchen mit hohen Anteilen von gering qualifizierten Beschäftigten ist zu befürchten, daß gering Qualifizierte nur noch in Minijobs Arbeit
finden. Derzeit gibt es in Deutschland 4,8 Millionen Menschen, die ausschließlich einen Minijob haben. Diese Entwicklung schädigt natürlich die Kassen der Sozialversicherung schwer.
Für mehr zu Minijobs bitte neuen Schwerpunkt „Keine Jobs fürs Leben mehr – Strukturwandel am Arbeitsmarkt" hier anklicken.
global news 03-10-05: China wird Hauptlieferant für Bekleidung nach Deutschland
global news 02-10-05: Geringes Vertrauen in deutsche Führungskräfte in Politik und Wirtschaft
Im Nachtrag zu dem Rundbrief von gestern über "German Angst" noch eine Abbildung, die das Ergebnis der Internationale GfK-Studie zum Vertrauen der Bürger in Führungskräfte und
Institutionen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vom August 2004 zeigt. Danach hatten die Deutschen schon im letzten Jahr die niedrigste Meinung von ihren Führungskräften in Politik
und Wirtschaft. Nur 6 % sprachen den Politikern und nur 18 % den Managern großer Unternehmen Vertrauen aus (Abb. 04075). Für mehr bitte neuen Schwerpunkt "Deutsche
Ängste" hier anklicken.
global news 01-10-05: "The German Angst"
Nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts leiden 14 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 65 Jahren - hochgerechnet etwa 7 Millionen der gesamten deutschen Bevölkerung - im Zeitraum von
einem Jahr unter einer klinisch relevanten Angststörung (Abb. 04074).
Das deutsche Wort „Angst" hat als Fremdwort in die englische Sprache Eingang gefunden, wenn auch sehr oft in der
speziellen Anwendung auf Deutschland als „The German Angst" . Die neue Phase der Globalisierung hat weltweit in den Industrieländern den Angstpegel erhöht. In Frankreich hat man von
einer neuen großen Angstwelle des Jahrtausends gesprochen. Andere nannten es schlicht „das Zeitalter der Angst". Die Führungseliten in Politik und Wirtschaft sind offensichtlich
nicht imstande, die Angst von den Menschen zu nehmen; dazu ist auch der Graben zwischen beiden Seiten zu tief. Nach internationalen Umfragen renomierter Institute, z.B. im Auftrag des "World Economic
Forum" oder des Marshall Fund, gibt es derzeit in kaum einem anderen Land der Welt so viel Ablehnung der politischen und wirtschaftlichen Führungsgarnitur wie in Deutschland und denken in
Deutschland höhere Anteile der Befragten negativ über Globalisierung als vor allem in den angelsächsischen Ländern (Abb. 04073). Für mehr bitte neuen Schwerpunkt "Deutsche
Ängste" hier anklicken.
global news 30-09-05: Arbeitslosigkeit im September
Nach der heutigen Bekanntgabe der Arbeitsmarktzahlen ist die Vollzeitbeschäftigung (versicherungspflichtig Beschäftigte) weiter zurückgegangen (Abb. 04008). Die Zahl der
Langzeitarbeitslosen liegt um 83.000 über dem Vorjahreswert (Abb. 04033). Die Zahl der Arbeitsloseninsgesamt folgt dem jahreszeitlichen Profil des Vorjahres, allerdings um fast 400.000 nach oben
versetzt. Für mehr zur Arbeitslosigkeit bitte hier anklicken.
global news 29-09-05: Neue Bundesländer – Der soziale Abstand wächst
global news 28-09-05: US-Risiken für die Weltwirtschaft
global news 27-09-05: Wertpapieranlagen im Ausland
global news 26-09-05: Anstieg der Armut in Deutschland
Nach einer Studie des DIW im Wochenbericht v. 13. Juli 2005 stieg der Armutsanteil in der Bevölkerung bis 2004 auf 16 Prozent oder
13,2 Millionen Menschen. Die Armutsquote wird dabei in der Definition der EU bei 60 % der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen
angenommen. Das sind fast 3 Millionen Menschen mit Armutsrisiko mehr als 1998. Parallel dazu nahm der Anteil derer mit höheren oder
gehobenen Einkommen von 17,9 Prozent auf 19,4 Prozent zu. Der Armutsanteil ist besonders unter den Ostdeutschen im Phasenvergleich,
in dem die Jahre gruppiert werden, stark gestiegen (Abb. 04070). Auch der sog. Gini-Effizient zeigt den Anstieg der Ungleichheit bei
den Markteinkommen (vor Sozialleistungen), siehe Abb. 03029. Für mehr zur Armutsentwicklung bitte
hier anklicken.
global news 25-09-05: Globaler Verlust an Regenwald
global news 24-09-05: Deutscher Kapitalmarkt weit unter „Globalformat" (Kapitalmärkte im Vergleich, IWF vom Sept. 2005)
Der Financial Markets Stability Report des IWF vom September 2005 zeigt sehr deutlich, wie klein der deutsche Kapitalmarkt im internationalen Vergleich - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - ist, und
vor allem, wie gering die Aktienmarktkapitalisierung ausfällt (Abb. 02009 und Abb. 02010). Dazu trägt die Struktur der deutschen Wirtschaft mit vielen mittelständischen und nicht als
Aktiengesellschaften organisierten Unternehmen, aber auch die Unterbewertung der deutschen Aktiengesellschaften im internationalen Maßstab bei. Diese Unterbewertung ist einer der Gründe,
deutsche Aktiengesellschaften für die Übernahme durch Hegefunds und Private Equity Raider interessant zu machen. (Für mehr zu Hedgefunds bitte hier anklicken.
Außerdem finanzieren sich deutsche Unternehmen traditionell stärker über Bankkredite als den Aktienmarkt und ist es bisher trotz vieler
Anläufe nicht gelungen, die Aktie als Kapitalanlage für das allgemeine Publikum, z.B. in der Altersvorsorge, so interessant wie in anderen Ländern zu machen (Abb. 02001). Die Situation
in den angelsächsischen Ländern, vor allem USA und UK, ist hier grundsätzlich anders, wie die Abbildungen sehr deutlich zeigen. Die Webseite enthält jetzt einen neuen
ausführlichen Schwerpunkt zu diesem Thema, bitte hier anklicken.
global news 23-09-05: "Bildungsschwach in die Globalisierung" (neuer OECD Vergleich zur Hochschulbildung)
In ihrem Bericht „Bildung auf einen Blick" vom 13. 9. 2005 ist die OECD erneut zu Ergebnissen gekommen, die Deutschland in wichtigen Kategorien auf einem der hinteren Plätze zeigen. So
liegt Deutschland mit einer Hochschulabschlußquote von nur 19,5 % per Jahrgang weit unter dem OECD-Durchschnitt von 32,2 % (Abb. 13001). Noch schlimmer sieht es bei den naturwissenschaftlichen
Hochschulabschlüssen aus (Abb. 13002). Auch bei der Studienanfängerquote belegt Deutschland nur einen der unteren Plätze. Mit einem finanziellen Einsatz aus öffentlichen Mitteln
für Bildung von nur 4,4 % des Bruttosozialprodukts unterbietet Deutschland noch den OECD-Durchschnitt von 5,1 % und liegt weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark mit 6,8 %, der in dieser
Hinsicht mehr als die Hälfte mehr als Deutschland auf die Bildungswaage bringt (12082). Für mehr zum Thema "Bildungschwach in die Globalisierung" bitte hier anklicken
(kann von dort auch als Druckversion heruntergeladen werden).
global news 22-09-05: US Handelsdefizit und Leistungsbilanz weiter im "freien Fall"
global news 21-09-05: Deutschlands "Wanderung" im Modellvergleich zwischen 2000 und 2004
Der Rundbrief vom 18. September zeigte die Armuts- und Beschäftigungsquoten im Systemvergleich nach den Eurostat-Daten für 2003 bzw. 2004. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (Wochenbericht v. 13. 07.05) ist allerdings die deutsche Armutsquote von 12.4 % im Jahr 2000 auf 16 % im Jahre 2004 angestiegen - bei leichtem Rückgang des
Beschäftigungswertes -, was für Deutschland eine Wanderung im Modell in das ungünstige linke obere Viertel bedeutet (Abb. 12087). Diese enttäuschende Entwicklung setzt sich in der
Berechnung des DIW aus einer nicht ganz so ungünstigen für die alten Bundesländer und einer sehr viel ungünstigeren für die neuen zusammen. Eurostat hat leider noch keine
Werte für die Armutsquoten der anderen Vergleichsländer im Jahre 2004.
Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Wochenbericht v. 13. 7. 05 sind fast 40 %
aller Menschen in Ostdeutschland und fast 20 % aller in Westdeutschland in ihren Haushalten im Laufe des vergangenen Jahres von Arbeitslosigkeit betroffen worden, d.h. fast jeder Fünfte bzw.
Zweite (Abb. 04069), insgesamt etwa 19 Millionen Menschen. Für mehr zu Arbeitslosigkeit bitte hier anklicken.
global news 20-09-05: Global warming - Mehr Hurrikane? Weniger Öl?
global news 19-09-05: Wachsende Diskrepanz zwischen Arbeitnehmerentgelt und Unternehmens-/Vermögenseinkommen in Deutschland
global news 18-09-05: Rheinisches-Skandinavisches-Angelsächsisches Modell: Beschäftigungsgrad und Arbeitslosenrate
Deutschland hat – zusammen mit Spanien und Frankreich – weiterhin die höchste Arbeitslosenrate vergleichbarer Länder (Abb. 04068). Es gibt einen interessanten statistischen
Zusammenhang zwischen dem Beschäftigungsgrad und der Armutsrate, wobei die Länder des „angelsächsischen Modells" (Großbritannien, Irland und Portugal) hohe
Beschäftigungsraten bei hoher Armut aufweisen, während es in den Ländern des „Rheinischen Modells" genau umgekehrt ist (Abb. 12083). Die beste Relation von hoher
Beschäftigung bei niedriger Armut haben die skandinavischen Länder und Österreich. Die Mittelmeerländer Italien, Griechenland und Spanien haben die ungünstigste Kombination
von geringer Beschäftigung und hohem Armutsniveau. Wenn Deutschland weitere Reformen braucht, kann eigentlich nur das skandinavische Modell in Frage kommen.
In Ihrem Kurzbericht 10 vom 8. 7.
2005 projektiert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit die Gesamtzahl der Arbeitslosen einschl. „Stille Reserve" für dieses Jahr auf
fast 6 Millionen (Abb. 04067); das ist ein weiterer Anstieg, der im Übrigen wegen der Einbeziehung der „Stillen Reserve" nicht auf die statistische Wirkung von „Hartz IV"
zurückgeführt werden kann. Für einen vollständigen Bericht zur Arbeitslosigkeit bitte hier anklicken.



global news 17-09-05: Beschäftigung, Löhne und Inlandsumsatz im verarbeitenden Gewerbe weiter im Rückwärtsgang
global news 16-09-05: Deutschland international nur im Hinterfeld bei Bildungsausgaben und Hochschulabschlüssen
Die neue OECD-Studie „Education at a Glance" zeigt, daß das deutsche Bildungssystem in der Zahl der Hoch- und Fachhochschulabschlüsse pro Bevölkerung nur auf dem 20. Platz und
erheblich unter dem OECD-Durchschnitt liegt (Abb. 12081). Auch die gesamten öffentlichen Bildungsausgaben als Anteil am Bruttoinlandsprodukt bringen Deutschland nur auf den 20. Platz unter den
28 untersuchten OECD-Ländern und weit unter den Durchschnitt (Abb. 12082). Bei einer seit Jahren rückläufigen Steuerquote (Abb. 04066) als Folge von Steuersenkungen fehlen Deutschland
offensichtlich die Mittel, um in der international Konkurrenz bei Investitionen in die Zukunft mitzuhalten.



global news 15-09-05: Langfristige Entwicklung der öffentlichen Schulden
global news 14-09-05: Vergleich Europa - Asien
global news 13-09-05: EU-Rennen zum unteren Ende des Wohlfahrtstaates und einer sozialen Marktwirtschaft
Die EU-Erweiterung hat ein Rennen zu niedrigen Einkommenssteuern (einschließlich der Unternehmenssteuern) ausgelöst oder jedenfalls gewaltig verstärkt, in dem sich die Länder der
Alt-EU zunehmend dem besonders niedrigen Einkommensteueraufkommen pro Bruttoinlandsprodukt der Beitrittsländer anpassen (Abb. 06024). Dies gilt vor allem für einige skandinavische
Länder (mit ursprünglich hohem Aufkommen), Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Einige Beitrittsländer, wie Polen, Slowakei und Littauen, haben ihrerseits ihr ohnehin
niedriges Aufkommen an Einkommenssteuer weiter abgesenkt. Im Durchschnitt lagen die Aufkommensquoten in der Alt-EU im Jahr 2003 um 55 % über denen der Beitrittsländer, während es 3
Jahre vorher noch 76 % waren. Die Absenkungsbewegungen sind damit bereits nach den bisher statistisch ausgewiesenen Jahren 2000 bis 2003 sehr deutlich erkennbar. Ein solcher Niedrigsteuerwettbewerb,
wenn er sich fortsetzt, muß den Staat am Ende der Mittel berauben, die er für die öffentliche Wohlfahrt braucht und den sozialen Anspruch des europäischen Modells der
Marktwirtschaft auflösen. Das gilt umso mehr, als gleichzeitig die Spitzensteuersätze, die für sozialen Ausgleich sorgen, abgesenkt werden.

global news 12-09-05: Von der britischen Regierung den Umgang mit China und Asien lernen?
Der britische Schatzkanzler Gordon Brown schreibt in der Financial Times vom 13. September: „ .. Chinesische Löhne sind nur 5 % der europäischen. Aber meine Besuche in Asien,
besonders China, haben mich überzeugt, daß Asien in einem Rennen zur Spitze ist mit Investitionen in Technologie, Innovation, Wissenschaft, Bildung, mit 4 Millionen zusätzlichen
Hochschulabsolventen in China und Indien jedes Jahr. .. Europa kann nur gewinnen, wenn es die Kette an Werthaltigkeit der Arbeit nach oben steigt." Wie will Gordon Brown die 20-fach höheren
europäischen Löhne bei neoliberaler Gestaltung des Handels mit Wertzuwachs kompensieren, ohne auf das chinesische Sozialniveau abzusteigen? Dafür hat er keine konkreten Antworten, und
natürlich gibt es keine.
Das britische Beispiel selbst zeigt die Auswegslosigkeit eines solchen Bemühens, falls gleichzeitig nach Rezept Brown an neoliberal offenen Grenzen ohne wirksamen
Antidumpingschutz festgehalten werden soll, zumal das chinesische Lohndumping zugleich bei den höherwertigen Jobs stattfindet. Die Zahl der Jobs in der gewerblichen Wirtschaft hat seit 1985 um
37 % abgenommen. Die Beschäftigung in diesem Bereich ist zu großen Teilen ungeschützt ins billigere Ausland abgewandert und durch alle Formen von oft relativ unsicheren Jobs im
Dienstleistungssektor, vor allem im Bereich von Finanzen/Business sowie Handel und Gastronomie ersetzt worden (Abb. 07031). Nach Berechnungen von Edmonds (King's College) und Glyn (Oxford University)
kam seit 2000 unter Blair/Brown mehr als die Hälfte der zusätzlichen 750.000 Jobs von mehr Beamten. Man muß bezweifel, daß die meisten dieser Beamtentätigkeiten und der
Diensleistungen, die nun z. T. zunehmend durch "outsourcing" nach Asien und Osteuropa bedroht werden, „höherwertige" Tätigkeiten sind. Die für einen Wertzuwachs entscheidenden
britischen Forschungs- und Entwicklungsausgaben als Teil des Bruttoinlandsprodukts liegen bei mageren 1,93 % gegenüber 2,5 % für Deutschland. Die Zahl der Patentanmeldung zum
Europäischen Patentamt pro Einwohner liegt bei nur 43 % des deutschen Wertes (2002). Das Land lebt zudem in einer prekären inneren Verschuldung und äußeren Bilanzdefiziten. Die
Industrieproduktion befindet sich schon seit etwa einem Jahr in der Rezession. Gerade hat China den letzten britischen Automobilproduzenten Rover aufgekauft. Man wird von Arroganz sprechen müssen,
wenn ausgerechnet die britische Regierung das kontinentale Europa belehren will, wie der chinesischen Herausforderung zu begegnen ist.
Für mehr zu dem von neoliberalen Kreisen in Deutschland
hochgespielten britischen Modell bitte hier anklicken, für China hier.
global news 11-09-05: Das Thatcher-Vermächtnis: Armutsrisiko in Großbritannien
global news 10-09-05: Anteil der asiatischen Schwellenländer am Welt-BIP überspringt ein Viertel
global news 09-09-05: Schuhimporte aus China um 82,4 % gestiegen
global news 08-09-05: Erzeugung des produzierenden Gewerbes in Deutschland (Jan 2000 - Jun 2005)
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