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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(1084) Deutschland Europameister bei Geringverdiener-Anteil

(1083) Da zahlen wir wieder für ein Wirtschaftsgutachten voller Ungereimtheiten, das nicht das Papier wert ist

(1082) Man muß nicht mehr Pessimist sein, um schwarz zu sehen: Die Effekte der Doppelkrise: inflationäre Preissteigerungen und Kreditverknappung

(1081) Internationale Umfrage: China größte Bedrohung der globalen Stabilität

(1080) ZEW-Konjunktur-Indikator fällt wieder

(1079) Die Sorgen der Menschen

(1078) Industrie-Entgelte pro Beschäftigten minus 0,5 %, pro Arbeitsstunde minus 2,1 %, Produktivität plus 3,9 %

(1077) Die Weisheit des Ober-Wirtschaftsweisen

(1076) Großhandelspreise mit 7,1 % höchste Jahresteuerungsrate seit 26 Jahren

(1075) Ackermann gegen Verschärfung der Bankenaufsicht

(1074) Der IWF sieht nun auch schwarz

(1073) Die Kreditkrise, der deutsche Export und die Wirtschaftsbeurteilung der Deutschen

(1072) Schon 240 Mrd Dollar abgeschrieben

(1071) Industrieproduktion im Februar 2008

(1070) Die Lohndrücker sind wieder unterwegs

(1069) Europas Wirtschaftsschicksal läßt sich nicht von dem der größten Weltwirtschaft abkoppeln

(1068) Teilweise Entglobalisierung des Nahrungsmittelhandels?

(1067) Wo bleibt denn der angekündigte Konsumboom, Herr Bundeswirtschaftsminister?

(1066) Schlapper Frühjahrsaufschwung am Arbeitsmarkt

(1065) Staatsfonds immer fetter (deutsches BIP mal 2,6 in 2015?)

(1064) Vollbeschäftigung?

(1063) Deutschland in der Exportfalle: Immer schlechtere terms of trade

(1062) Chinesisches Energiesparen: Bei uns, nicht in China

(1061) Noch immer vom großen US-Bruder lernen?

(1060) Deutschland und der Weltexport

(1059) Wie ifo Stimmung macht

(1058) Banken - Zu groß für die Pleite

(1057) Wie China die Rohstoffpreise weltweit treibt

(1056) Noch ein Statistikskandal in den Arbeitsmarktberichten: Falsche oder irreführende Meldungen über angeblich steigende Stellenangebote

(1055) OECD - Berechtigter Optimismus?

(1054) Aus der kinderlosen Familie in die knappe Rente und dann ins Pflegeheim?




global news 1084 19-04-08: Deutschland Europameister bei Geringverdiener-Anteil
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Eine neue Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) bestätigt jetzt die Entwicklung zu immer mehr Geringverdienern. Danach ist innerhalb nur eines Jahrzehnts der Anteil der Geringverdiener von 15 auf 22 Prozent oder 6,5 Millionen gestiegen. Damit lag Deutschland schon 2005 knapp über dem britischen Niveau (Abb. 13392). In Frankreich war die Quote gerade mal halb so hoch wie hierzulande, in Dänemark war sie noch niedriger. In Deutschland könnte der Niedriglohn-Sektor bald größer sein als in den USA. Drei Viertel der Betroffenen haben eine Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss. 68 Prozent der Geringverdiener sind Frauen, 46 Prozent sogar Vollzeit-Beschäftigte. Sie arbeiten im Gastgewerbe (63 Prozent), im Einzelhandel (40 Prozent) und sonst im Dienstleistungsbereich (36 Prozent).


Für mehr dazu siehe Kapitel 3 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1083 17-04-08: Da zahlen wir wieder für ein Wirtschaftsgutachten voller Ungereimtheiten, das nicht das Papier wert ist
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Die Bundesregierung finanziert aus unseren Steuern über den Haushalt des Bundeswirtschaftsministeriums, der dafür 41 Millionen Euro vorsieht, die Wirtschaftsforschungsinstitute. Die produzieren dann teuere Gutachten und stützen damit meist die politische Linie des Bundeswirtschaftsministers und der Bundesregierung.

Beim diesjährigen Frühjahrsgutachten mußte ganz besonders getrickst werden. Denn die Aussichten sind nicht gut, doch die Institute haben das Wachstum für 2008 und 2009 noch um fast ein halbes Prozent höher als noch vor wenigen Tagen der IWF angesetzt (Abb. 14125).


Wichtig war ihnen vor allem die angeblich frohe Botschaft vom Arbeitsmarkt, die auch prompt den erwarteten prominenten Einzug in die Medien gefunden hat: Trotz des geringeren Wirtschaftswachstums profitiere der Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen werde 2008 auf rund 3,2 und im Jahr 2009 auf 2,97 Millionen sinken. Also ganz knapp aber immerhin wie ein Ramschpreis unter die magische Marke. Da kann man dann die Wachstumsabschwächung bequem wegstecken, obwohl beides -Wachstumsabschwächung und Rückgang an Arbeitslosigkeit - eigentlich nicht zusammenpaßt, wie jeder Laie merken wird!

Diese Botschaft vom Arbeitsmarkt wird aber auch schon deshalb plaziert, um die gesamte Wachstumsprognose abzustützen. Denn die hängt bei fallenden Exporten von einem Anspringen des Konsums privater Haushalte ab und der wiederum wird trotz der hohen Inflation von der Belebung am Arbeitsmarkt erwartet. Es ist geradezu gespenstisch, wie sich die Institute Jahr für Jahr mit der Lüge des anspringenden privaten Konsums an den Realitäten vorbeimogeln. Diesmal ist der Unterschied zum IWF vor allem für 2009 mit einem IWF-Plus von nur 0,3 % und einem viermal größeren Plus der Institute von 1,2 % geradezu haarsträubend (Abb. 14126).


Warum schätzen die Institute die Konsumlaune der Deutschen immer wieder und offensichtlich absichtsvoll falsch ein? In ihrem vorjährigen Gutachten hatten sie für 2007 einen Zuwachs von 0,9 % erwartet, doch herausgekommen war ein Minus von 0,4 % und dies noch vor dem eigentlichen Anspringen der konsumdämpfenden Inflation. Für dieses Jahr hatten sie sogar einen total unrealistischen Zuwachs von 2,1 % prognostiziert.

Die Institute können solches Falschgeld nur mit einer weiteren Lüge liefern, die den Arbeitsmarkt betrifft. Da wird einerseits unterschlagen, daß die neuen Arbeitsplätze meist unsichere Zeitverträge und niedrigbezahlte Jobs sind, die das Geld im Portemonaie nicht lockerer sitzen lassen. Andererseits liegt der Rückgang der Arbeitslosigkeit an einer demographisch bedingten Abnahme des Arbeitsangebots und an statistischen Manipulationen, die beide ebenfalls die Massenkaufkraft nicht hochtreiben können. Um das Lügenspiel mit dem Arbeitsmarkt dann noch vollkommen zu machen, haben die Institute einen dramatischen und nicht erklärten Rückgang des Zuwachses an Arbeitsproduktivität von 0,8 % in 2007 auf nur noch 0,2 % in 2008 angenommen, was mehr Nachfrage nach Arbeit schaffen würde, wenn es zuträfe.

Nur so kommt die irreführende "frohe Botschaft" vom Arbeitsmarkt heraus und dann die erst recht irreführende Botschaft erheblich anspringender Konsumausgaben: "Insbesondere ist damit zu rechnen, dass die privaten Konsumausgaben nach der lang anhaltenden Flaute spürbar ausgeweitet werden. Dafür spricht, dass die Beschäftigung weiter zunimmt." Nun klingt die Botschaft vom Konsumboom in Zeiten hoher Inflation noch unglaubwürdiger als die schon als falsch überführten früheren Botschaften dieser Art. Und das verlangt dann auch noch eine weitere waghalsige Annahme, nämlich ein starker Rückgang der Inflationsrate von 3,1 % im März auf einen Jahresdurchschnitt von nur noch 2,3 %, was entgegen allen internationalen Erwartungen für den Rest des Jahres nur noch einen Durchschnitt von 2,1 % zulassen würde.

Da ist jedenfalls der IWF in seiner Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage erheblich ehrlicher. Allerdings bekommt er sein Geld auch nicht aus dem Haushalt des Bundeswirtschaftsministers. Und so kann denn Bundesminister Glos zufrieden feststellen: "Das klare Plädoyer der Forschungsinstitute für eine Fortsetzung unseres Reformkurses - auf dem Arbeitsmarkt, bei der Haushaltskonsolidierung und der Steuerpolitik - begrüße ich ausdrücklich."

Übrigens, in ihrer harschen Kritik an der weit unter der Inflation liegenden minimalen Rentenerhöhung von 1,1 % merken die Institute nicht einmal, daß ihnen diese Erhöhung bei ihrer unrealistischen Annahme einer anspringenden Konsumnachfrage wenigstens ein kleines Stückchen entgegen kommt. Die vielen Ungereimtheiten scheinen sie ohnehin nicht zu stören. Schließlich halten sie uns und die Medien wohl für sehr dumm.

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global news 1082 17-04-08: Man muß nicht mehr Pessimist sein, um schwarz zu sehen: Die Effekte der Doppelkrise: inflationäre Preissteigerungen und Kreditverknappung
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Die Weltwirtschaft ist derzeit einer doppelten Krise ausgesetzt, deren Folgen nicht ernst genug genommen werden können. Die eine Krise geht von stark steigenden Preisen für Nahrungsmittel und Energie aus und belastet die Massenkaufkraft der Verbraucher zum Nachteil der Binnennachfrage und Wirtschaftsentwicklung. China meldet heute einen Anstieg der Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr um bisher 21 %. Das deutsche Statistische Bundesamt hat ebenfalls heute eine Steigerungsrate für März von 3,1 % bekannt gegeben (Abb. 14074), darunter Kraftstoffe 12,3 %, leichtes Heizöl 40,0 %, Strom 7, 2% , Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 8,2 % (davon Nahrungsmittel: + 8,6 %). Besonders deutliche Preiserhöhungen wurden für Molkereiprodukte und Eier 23,9 %, Speisefette und -öle 15,9 %, Obst 11,0 % sowie Brot und Getreideerzeugnisse 8,7 % ermittelt. Auch Eurostat hat heute seine Inflationsrate für März mit 3,6 % veröffentlicht, wobei Deutschland mit 3,3 % ausgewiesen wird (Abb. 13391). Nicht überraschend sind die Neuzulassungen von PKW in der EU im März um 10 % gegenüber Vorjahr gefallen.



Der Ölpreis hat mit 111,22 Dollar pro Faß Brent einen neuen Rekord erreicht, eine Steigerung um 65 % in nur einem Jahr (Abb. 07198).


In Ländern ohne Mindestlohn und weitgehend eingefrorenen Renten, wie Deutschland, kommt die Massenkaufkraft besonders in die Klemme. In Frankreich dagegen ist der Mindestlohn (Smic) in 2006 und 2007 um insgesamt 5,1 % angehoben worden und wird jetzt zum 1. Mai für die 2,3 Millionen Betroffenen außer der Reihe um 2,3 % erhöht, gefolgt von der normalen Erhöhung im Juli. Die Vorsitzende der Industriellenvereinigung Medef signalisierte ihr Einverständnis mit dem Smic und verwies sogar darauf, daß er von einem Liberalen, nämlich Antoine Pinay, eingeführt worden sei. Wie anders ist da die Situation in Deutschland, in der es sich heute selbst der Bundespräsident nicht nehmen ließ, seine falschen Bedenken gegen einen Mindestlohn anzubringen!

David Roche, ein bekannter Wirtschaftswissenschaftler, erwartet heute in der Financial Times, daß die Kreditverknappung zu einer langen "Halb-Rezession" führen wird. Seit Ausbruch der Kreditkrise kommen Zentralbanken und Regierungen mit ihren Maßnahmen für etwa 70 % des neuen Kreditvolumens auf. Doch Kredite an den Nicht-Finanzsektor werden um 11 bis 12 % schrumpfen müssen, mit entsprechenden Folgen für Investitionen und Wachstum. Das wird die USA 5 % an Wirtschaftsleistung kosten und dort eine Rezession auslösen. Europa wird aus dem gleichen Grund 2 % an Wirtschaftsleistung verlieren (die deutsche war im letztvermessenen 4. Quartal 2007 gerade einmal um 1,75 % über Vorjahr). Global wird ein Kreditverlust von etwa 1,4 Billionen Dollar mit etwa 2,5 % an Wachstumsverlust zu Buche schlagen - keine Weltwirtschaftskrise wie 1929, aber eine graue, trübe Welt mit anhaltender Inflation und das über eine lange Zeit.

Seit mehr als drei Jahren schreibe ich nun gegen das aus der neoliberalen Globalisierung heraufziehende Unheil an - immer in der Hoffnung auf Korrekturen. Heute muß man nicht mehr Pessimist sein, um schwarz zu sehen.

Für mehr dazu siehe meine neues Buch „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1081 16-04-08: Internationale Umfrage: China größte Bedrohung der globalen Stabilität
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Nach einer neuen Umfrage des seriösen Harris Poll im Auftrag der Financial Times hat China die USA in Italien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien als größte wahrgenommene Bedrohung der globalen Stabilität überholt (Abb. 08138).


Innerhalb eines Jahres hat sich die Wahrnehmung in diesen Ländern und in USA erheblich zum Nachteil Chinas geändert (Abb. 08137).


Die Gründe sind vielseitig. Vor allem die Ereignisse in Tibet und die Bedrohung der Arbeitsplätze duch billige Chinaware haben diese dramatische Entwicklung produziert. Nach Mark Leonhard, Exekutivdirektor des Europäischen Rates für Auswärtige Beziehungen, war China über fünf Jahre die Geschichte wirtschaftlicher Chancen und ist eine Bedrohung von Tibet bis Dafur geworden. Gleichzeitig würden die USA angesichts des Abgangs von Bush weniger als Bedrohung wahrgenommen.

Hinzu kommt noch die von China mitausgehende Welle von Preiserhöhungen und die Belastung der Umwelt. China hat jetzt die USA als Klimakiller Nr. 1 überholt. Nach einem im nächsten Monat erscheinenden Bericht der Universität von Kalifornien sind die Emissionen Chinas unterschätzt worden und haben die der USA schon in 2006-2007 übertroffen. Die Studie warnt, daß der chinesische Emissionsaufbau die Emissionssenkungen der reichen Länder in den Schatten stellen würde. Die zusätzlichen chinesischen Emissionen würden mehrfach größer als die Kyoto Protokoll Beschränkungen sein. Dabei wird unterstellt, daß das derzeitige chinesische Energieeffizienz-Programm genauso scheitert wie die Vorgänger.

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1080 15-04-08: ZEW-Konjunktur-Indikator fällt wieder
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Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragt monatlich auf Umfragebasis 285 Analysten und institutionelle Anleger, wie sie die die Wirtschaftserwartungen einschätzen. Der Ausbruch der Kapitalmarktkrise hatte sie im August vergangenen Jahres in ein immer tieferes "Tal der Tränen" gestürzt. Der Wert verzeichnet im April nach einem erneuten Rutsch den zweittiefsten Stand seit 15 Jahren und liegt weit unter dem historischen Mittelwert (Abb. 04762).


ZEW-Präsident und einer der "Wirtschaftsweisen" Franz will trotzdem Mut machen: "Neue Höchststände des Euro und des Ölpreises trüben die Erwartungen wieder ein. Gleichwohl besteht derzeit kein Anlass zu stärkerem Konjunkturpessimismus. Ein Wachstum in Deutschland von 1,7 v.H. in diesem Jahr liegt nach wie vor in einer realistischen Größenordnung." Wie schön, daß es immer selbst für negative Daten optimistische Interpreten gibt, besonders in der Nähe der Bundesregierung.

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global news 1079 15-04-08: Die Sorgen der Menschen
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Das renomierte Harris-Institut hat im Auftrag der Financial Times wieder einmal die Sorgen der Menschen abgefragt. Ganz oben steht die Sorge vor steigenden Nahrungs- und Energiepreisen, gefolgt von mangelnder Kaufkraft, während hohe Steuern und Arbeitslosigkeit weiter unten rangieren (Abb. 13388).


Eigenartigerweise ist die Inflationsangst in Deutschland weniger stark als in allen anderen Ländern, bis auf Italien. Es scheint also nicht zu stimmen, daß die Deutschen eine Inflationshysterie seit der großen Inflation der 30er Jahre in ihren Genen hätten, wie der Oberwirtschaftsweise Rürup behauptet hat. Dementsprechend scheinen sich die Deutschen auch weniger Sorgen um die Massenkaufkraft zu machen, was im Widerspruch zu der gegenüber den Vergleichsländern wesentlich schwächeren Kaufkraftentwicklung steht. Ich vermute, daß der eine Teil der Deutschen inzwischen so gut dran ist, daß er sich keine Sorgen machen muß, während sich der andere Teil mehr als in anderen Ländern an Bescheidenheit bei seit Jahren stagnierenden Einkommen gewöhnt hat.

Dagegen ist die Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland mehr als anderswo ausgeprägt. Auch die Angst vor hohen Steuern ist relativ stark.

Nach den Briten haben die Deutschen allerdings das wenigste Vertrauen in ihre Regierung, mit den derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten fertig zu werden (Abb. 13389).


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global news 1078 14-04-08: Industrie-Entgelte pro Beschäftigten minus 0,5 %, pro Arbeitsstunde minus 2,1 %, Produktivität plus 3,9 %
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Das Statistische Bundesamt verbreitet mit seiner Überschrift "Verarbeitenden Gewerbe im Februar 2008" wieder nur die frohe Botschaft. Unterdrückt wird dabei, daß die Engelte verbaucherpreisbereinigt pro Beschäftigten um 0,5 % und pro Arbeitsstunde um 2,1 % zurückgegangen sind (Abb. 04009).


Dagegen stieg die Produktivität um 3,9 %. Die Arbeitnehmer haben also weniger als nichts vom Produktivitätszuwachs gesehen, den sich die Kapitaleigner einseitig angeeignet haben (und mehr als das) Wie da immer noch erwartet wird, daß zum Ausgleich des müde werdenden Exports, die Nachfrage der privaten Haushalte anspringt, ist mir schleierhaft.

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global news 1077 14-04-08: Die Weisheit des Ober-Wirtschaftsweisen
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Der Ober-Wirtschaftsweise Bert Rürup beruhigt uns im Tagesspiegel-Interview vom Samstag. Trotz Finanzkrise "wird das Wachstum in diesem Jahr, das kann man wohl sagen, bei etwa 1,7 % landen. Ein Problem ist aber die hohe Inflation - das Kalkül, dass der private Verbrauch zu einer kräftigeren Stütze des Wachstums in diesem Jahr wird, wird wohl nicht aufgehen. Denn die Teuerung zehrt die Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer auf, ihre reale Kaufkraft stagniert womöglich nur." Der IWF ist da schon viel vorsichtiger und kommt nur auf 1,4 %.

Wie vor allem will Rürup seine Prognose erklären, wenn er gleichzeitig nicht mehr an den privaten Verbrauch als Konjunkturstütze glaubt und eine stagnierende Kaufkraft vorraussagt? Der Export wird es kaum noch reißen. Dennoch wendet sich Rürup gegen Lohnforderung zum Inflationsausgleich: "Allerdings ist es falsch, einen Ausgleich für die gesamte Preissteigerung zu fordern". Das paßt in der Realität alles nicht mehr zusammen, wenn vielleicht auch noch in der Ideologie.

Und dann wird es schlicht komisch. Auf die Frage "Reagieren die Deutschen auf Inflation besonders sensibel?" anwortet Rürup: "Ja, die Deutschen haben offensichtlich ein kollektives Langzeitgedächtnis. Es gibt kaum ein Land, wo die Furcht vor Inflation als Echo der Erfahrungen von 1923 so ausgeprägt ist. Die damaligen Steigerungsraten von bis zu 30 000 Prozent halten sich in der Erinnerung. Deshalb haben die Bürger auch so sensibel auf die vermeintlich angehobenen Preise bei der Euro-Einführung reagiert. Dieser mehr gefühlte als tatsächliche Makel haftet der Währung sogar noch heute etwas an." Erstens, ist eine gefühlte Inflation echt das, worauf es ankommt, nicht die von einem wenig repräsentativen Warenkorb ziemlich künstlich abgeleitete. Bei den Rentnern liegt sie jetzt bei etwa 6 % (Abb. 14074). Zweitens, zeigen die Großhandelspreise gerade die größte Steigerung seit 26 Jahren (Abb. 14122).



Wenn das die Kaufkraft wegfrißt, weil gleichzeitig die Löhne keinen Ausgleich für die hohe Inflation bringen sollen und die Rentner mit der kümmerlichen Rentenerhöhung von nur 1,1 % abgefunden werden, wo soll dann noch ein Wachstum von 1,7 % herkommen? Schon im 4. Quartal 2007 war das Wachstum auf nur noch 1,75 % gefallen, und das bevor sich auch nur Anzeichen der globalen Kreditkrise auswirken konnten (Abb. 14003). Die Nachfrage privater Haushalte sank sogar auf minus 1,6 % (Abb. 14123).



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global news 1076 11-04-08: Großhandelspreise mit 7,1 % höchste Jahresteuerungsrate seit 26 Jahren
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Der Index der Großhandelsverkaufspreise lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes im März 2008 um 7,1% über dem Vorjahresstand (Abb. 14074). Dies war die höchste Jahresteuerungsrate seit Februar 1982 (+ 8,5%). Im Februar 2008 und im Januar 2008 hatte die Jahresveränderungsrate + 6,0% beziehungsweise + 6,6% betragen.


Besonders stark stiegen gegenüber März 2007 die Preise im Großhandel mit Getreide, Saaten und Futtermitteln (+ 52,0%). Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette waren um 23,5% teurer als im Vorjahr. Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze verteuerten sich auf Großhandelsebene um 13,2%. Für feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse wurde im März 2008 gegenüber dem Vorjahr 18,8% mehr bezahlt.

Diese Entwicklung ist ein böses Omen für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise.

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global news 1075 11-04-08: Ackermann gegen Verschärfung der Bankenaufsicht
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Ausgerechnet Ackermann, der ein Millionen-Euro-Salair wegen angeblicher Profite der Deutschen Bank eingesteckt hat und nichts davon zurückgibt, nachdem die Verluste offensichtlich sind, wehrt sich nun als Chef des Institute of International Finance gegen schärfere Regulierung der Banken. Zunächst räumt er im Namen dieses internationalen Verbandes der 375 größten Finanzinstitutionen "wesentliche Punkte von Schwächen in den Geschäftspraktiken, einschließlich Bezahlung der Banker und des Risikomanagements" ein. Doch dann fügt er an: "Es wäre völlig falsch, wenn die Regierungen den Banken eine striktere Regulierung auferlegen würden." Nur zur Erinnerung: Der IWF erwartet etwa 1 Billion Dollar Schaden aus der derzeitigen Krise an den Finanzmärkten, was fast dem Jahresbetrag aller Löhne und Gehälter in Deutschland entspricht. Die Banken selbst haben schon 240 Mrd Dollar abgeschrieben.

Es ist gespenstisch, wenn man diese Unbelehrbarkeit gegen die Dimension der Krise spiegelt, die den Dollar allein seit Februar weitere 8 % seines Wertes gekostet hat (Abb. 13372) und dazu beiträgt, den Ölpreis in immer größere Höhen zu treiben (Abb. 07198), mit einem seit Februar wieder stark gestiegenen Interbank-Zins (Abb. 03718), was das mangelnde Vertrauen zwischen Banken zeigt.




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global news 1074 10-04-08: Der IWF sieht nun auch schwarz
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Angeführt von einem scharfen Bremsvorgang in USA senkt der IWF nun auch die Wachstumsaussage für die Weltwirtschaft auf nur noch 3,7 % in 2008 mit wenig Verbesserung in 2009. Es gäbe eine 25 % Chance, daß das Wachstum in 2009 auf 3 % oder weniger falle, was einer globalen Rezession entspräche.

In realer also inflationsbereinigter Betrachtung wurde das Wachstum für die USA besonders scharf auf nur noch 0,5 % herabgesetzt. Unter den größeren Volkswirtschaft wird bei Deutschland mit einer Wachstumsabsenkung auf nur noch 1 % in 2009,neben den USA und Italien,die ungünstigste Entwicklung vorrausgesagt (Abb. 14121) Bei nur 1 % Wachstum entstehen keine neuen Arbeitsplätze mehr, weil der Produktivitätsfortschritt in jedem Fall höher ist. Interessanterweise hat die ARD in der gestrigen 20 Uhr Tagesschau die IWF-Prognose nicht gemeldet und statt dessen die mit 1,8 % bzw. 1,6 % Wachstum in 2008 bzw. 2009 rosigere OECD-Erwartung gemeldet - eine nicht untypische Einseitigkeit deutscher Medien zugunsten einer heilen Welt.


Ist das das, was die Bundesregierung, die Bundesbank und schlaue Wirtschaftsforscher noch vor wenigen Wochen Abkopplung genannt haben?

Der IWF schätzt die weltweiten Verluste des Finanzsektors auf fast 1 Billion Dollar oder 597 Mrd Euro (Abb. 03734). Das entspricht fast dem Jahreseinkommen aller deutscher Beschäftigter von 39 Millionen Menschen. Bei den Banken sollen die Verluste in Europa fast so groß wie in USA sein.


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global news 1073 09-04-08: Die Kreditkrise, der deutsche Export und die Wirtschaftsbeurteilung der Deutschen
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Die Kreditkrise hält an. So ist der Interbankenzins mit 0,74 % über dem EZB-Diskontsatz trotz aller gewaltiger EZB Liquiditätsspritzen weiterhin ungewöhnlich hoch (Abb. 03718).


Die Versicherungsprämie für die Junkbonds ist zwar etwas heruntergekommen, liegt aber immer noch um 3 % über dem Niveau vor der Krise (Abb. 03636).


Der Wert der US hypothekenbesicherten Papiere ist weiter gefallen (Abb. 03681).


Der deutsche Export scheint ebenfalls Spuren der Krise zu zeigen. Der Trend der letzten Monate ist preisbereinigt ziemlich flach (Abb. 14119), mit einem Rückgang gegenüber dem Vormonat im Februar um 0,6 %. Die heutige frohe Botschaft des Statistischen Bundesamts mit der Überschrift "Deutsche Ausfuhren im Februar 2008: + 9,0% zum Februar 2007" ist irreführend veraltet, zumal der Wert nicht preisbereinigt ist. Daher liegt auch SPIEGEL falsch wenn er schreibt: Experten werden nicht müde, die Gefahren des teuren Euro für die deutschen Unternehmen zu beschwören. Allein - sie werden jeden Monat aufs Neue durch die Zahlen des Statistischen Bundesamts widerlegt. Die Ausfuhren stiegen im Februar abermals um neun Prozent.


Der Ausblick der Deutschen auf die wirtschaftlichen Verhältnissen ist nach der heute veröffentlichten Forsa-Umfrage wesentlich pessimistischer geworden. 55 % gegen 20 % beurteilen die Lage pessimistisch (Abb. 14120).


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global news 1072 08-04-08: Schon 240 Mrd Dollar abgeschrieben
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Die Banken haben jetzt etwa 240 Mrd Dollar abgeschrieben. Allerdings wird mit mindestens 400 Mrd Dollar an Verlusten gerechnet (Abb. 03733).


Deutsche Banken sind dabei bisher mit etwa 40 Mrd Dollar vertreten (Abb. 03732) oder etwa 17 %. Das ist angesichts der sonst relativ geringen Präsenz deutscher Banken unter den Investmentbanken ein überproportional hoher Anteil und zeigt die besondere Naivität, mit der sie hier gezockt haben. 40 Mrd Dollar entspricht übrigens in Euro umgerechnet den durchschnittlichen Jahresarbeitseinkommen (netto) von mehr als 1,4 Millionen deutschen Arbeitnehmern.


Bei einem reinen Tisch kämen allein auf die deutschen Banken nach Einschätzung der Bankenaufsicht, einschließlich der schon vorgenommenen, bis zu 60 Mrd Euro an Abschreibungen zu (zur Erinnerung: Der Streit um die Minirentenerhöhung geht um 9 Mrd Euro verteilt über zwei Jahre).

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1071 07-04-08: Industrieproduktion im Februar 2008
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Die deutsche Industrieproduktion ist im Februar gegenüber dem Vormonat noch um 0,3 % gestiegen (Abb. 04306).


Der Bundeswirtschaftsminister kommentiert aber erstmals deutlich vorsichtiger: "Die zuletzt schwächere Entwicklung der Bestelltätigkeit in der Industrie sowie eine infolge des milden Winters zu erwartende geringere Frühjahrsbelebung beim Bau sprechen allerdings dafür, dass die Aufwärtsdynamik im Produzierenden Gewerbe in den kommenden Monaten weniger stark verlaufen dürfte."

Besonders ungünstig entwickelt sich weiter die Konsumgüterindustrie, wo die Produktion im Februar um 1,5 % zurückgefallen ist und praktisch schon seit Beginn letzten Jahres stagniert. Das entspricht dem schlechten Zustand der Nachfrage privater Haushalte und des Umsatzes des Einzelhandels.

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global news 1070 07-04-08: Die Lohndrücker sind wieder unterwegs
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Wenn Arbeitnehmer mit Lohnforderungen inflationsbedingte Einkommensverluste vermeiden wollen, melden sich prompt EZB-Präsident Trichet und die EU-Finanzminister und warnen vor Lohnsteigerungen, die sie für unangemessen halten. So jetzt beim Treffen in Slowenien. Nur Deutschland darf wegen des Nachholbedarfs in diesem Jahr eine Ausnahme sein. Die Wahrheit ist allerdings: Alle anderen Eurozonenländer sind dringend darauf angewiesen, daß endlich die Nachfrage der privaten Haushalte in Deutschland auch für ihre Waren anspringt. Seit 2003 haben sich die deutschen Einfuhren aus der Eurozone erheblich schlechter entwickelt als die Ausfuhren dorthin (Abb. 13386).


Die ausdrückliche Ausnahme für Deutschland ist ziemlich lächerlich. Denn die deutschen Löhne und Gehälter haben inflationsbereinigt seit 2000 bis zum 4. Quartal 2007 bereits 14 % gegenüber dem Durchschnitt der anderen Alt-EU-Länder verloren; Italien fehlt hier, da keine Daten für 2007 vorhanden sind (Abb. 13385, 12990). Auch in diesem Jahr werden im Durchschnitt die deutschen Löhne und Gehälter kaum über der gewaltig angesprungenen Inflationsrate liegen.



Warum melden sich EZB und Finanzminister eigentlich nicht, wenn die Unternehmensgewinne exorbitant steigen und so die Inflation anheizen, weil bei solchen Gewinnen eigentlich die Preise gesenkt werden sollten? Oder wenn die Besserverdiener, bei Ackermann angefangen, wieder einmal zuschlagen?

Für mehr dazu siehe Kapitel 3 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1069 05-04-08: Europas Wirtschaftsschicksal läßt sich nicht von dem der größten Weltwirtschaft abkoppeln
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Die USA rutschen immer mehr in die Rezession. Die Beschäftigung sank im März um 80.000, der dritte monatliche Rückgang in Reihe (Abb. 05096). Die Arbeitslosenrate stieg auf 5,1 %, der höchste Wert seit September 2005 (Abb. 05097).



Zwei neue Wirtschaftsdaten von heute zeigen, wie illusionär die Erwartung ist, eine Wirtschaftskrise in USA würde nicht zugleich starke Spuren in Europa und besonders der Eurozone hinterlassen. So ist nach den heutigen Zahlen für den Auftragseingang der deutschen Industrie saison- und arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Gipfel im November 2007 schon ein Minus von 2,4 % festzustellen, wobei die Auslandsaufträge mit minus 3,7 % besonders stark gefallen sind. Die Aufträge der deutschen Konsumgüterindustrie stagnieren wegen des schlechten Nachfrage privater Verbraucher bereits seit April vergangenen Jahres (Abb. 04569).


Gefallen ist im Februar auch der Umsatz des Einzelhandels in der Eurozone (Abb. 12378). Deutschland rangiert hier am Ende des Vergleichsfeldes. Das gleiche gilt für die längerfristige Entwicklung, bei der nur Italien noch weiter hinten liegt (Abb. 12922).



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global news 1068 04-04-08: Teilweise Entglobalisierung des Nahrungsmittelhandels?
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Die Nahrungsmittelpreise steigen gespenstisch, in Deutschland im März um 7,3 bis 9,6 % gegenüber Vorjahr je nach Bundesland. Betroffen sind vor allem die Armen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Index für Nahrungsmittelpreise der Welternährungsorganisation lag Ende vergangenen Jahres beim 1,9-Fachen des Standes der Jahre 1998 bis 2000 (Abb. 03731). Der Reispreis ist seit Mitte vergangenen Jahres von etwa 300 Dollar pro Tonne auf 750 Dollar pro Tonne hochgesprungen (Abb. 03730). Ähnliches spielt sich beim Preis von Sojabohnen ab (Abb. 07212).




Einerseits steigt der Bedarf von großen Schwellenländern, vor allem China und Indien. Andererseits treibt die Spekulation sowie der Anbau für die Biospritproduktion die Preise hoch.

Nun ziehen einige Länder handelspolitische Notbremsen. So hat Ägypten ein Exportverbot für Reis verhängt, ebenso Indien (mit Ausnahme von Besmati-Reis). Auch hocheffiziente Nahrungsmittelexporteure wie Argentinien und Vietnam begrenzen die Exporte. So senkt der drittgrößte Reisexporteur Vietnam die Exporte um 11 %. Die Ukraine setzt dem Weizenexport Grenzen. Damit werden Liberalisierungen zurückgedreht, die unter dem Druck des IWF in den 80er und 90er Jahren eingeführt wurden. Nach Ansicht des indischen Handelsministers ist die Nahrungsmittelverknappung das dringendste handelspolitische Problem geworden. Die Vorräte an Nahrungsmittel seien nie niedriger als heute gewesen.

So zeigen sich neben der globalen Kreditkrise auch hier Sprünge im neoliberalen System der Globalisierung.

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global news 1067 03-04-08: Wo bleibt denn der angekündigte Konsumboom, Herr Bundeswirtschaftsminister?
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Der Bundeswirtschaftsminister redet seit langem vergeblich den Konsumboom in Deutschland herbei. Erst am 18. März erklärte er uns per Presseerklärung: „Hinsichtlich des privaten Konsums senden eine Reihe von Indikatoren zu Jahresbeginn positive Signale aus. So erhöhten sich die Einzelhandelsumsätze ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und Tankstellen von Dezember auf Januar preis- und saisonbereinigt um 0,7 %." Und am 20. März zur wirtschaftlichen Lage: „Auch beim Absatz von Pkws, gemessen an der Zahl ihrer Neuzulassungen, deutete sich zuletzt im Februar sowohl im Verlauf als auch gegenüber dem Vorjahr eine leichte Belebung an. Angesichts dieser positiven Entwicklungen am aktuellen Rand hellte sich auch das Geschäftsklima im Einzelhandel im Februar außerordentlich kräftig auf." Sowohl die Hinweise auf die Zulassungen wie die auf den Einzelhandel waren reine Seifenblasen.

Die Seifenblase zu den PKW-Zulassungen hatte Verbandschef der deutschen Automobilindustrie Matthias Wissmann zugeblasen. Dieser (CDU), früherer Bundesminister für Forschung und Technologie und dann Bundesminister für Verkehr (erinnert man sich noch?) erklärte beim Genfer Autobilsalon stolz: „Die deutschen Neuzulassungen haben im Februar 2008 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Wenn sich der Trend fortsetzt, machen wir zunehmend Schritte auf dem Weg aus der Talsohle heraus". Was sowohl Bundeswirtschaftsminster wie Wissman gerne vergessen haben: Die Vorjahresmonate waren die schlechtesten wegen der auf Dezember 2006 wegen der bevorstehenden MWSt-Erhöhung vorgezogenen Käufe und damit für einen Vergleich total ungeeignet. Die Rechnung kommt nun mit den März-Zulassungen. Die nämlich liegen um 14 % unter dem Vorjahr und der Trend ist weiter negativ (Abb. 14061). Dabei wär der Monat März immer der Spitzenmonat in den PKW-Zulassungen.


Auch der optimistische Hinweis auf den Einzelhandel war eine reine Seifenblase. Denn die Realität ist umgekehrt. Der seit mehreren Jahren schon bestehende negative Trend setzte sich im Februar 2008 fort (Abb. 04943). Anderes war eigentlich nicht zu erwarten. Begreift vielleicht der Bundeswirtschaftsminster, daß es zu einer echten Kehrtwende mehr Geld in den Taschen der Verbraucher braucht?


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global news 1066 02-03-08: Schlapper Frühjahrsaufschwung am Arbeitsmarkt
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Selten war ein Arbeitsmarktbericht so widersprüchlich. Auf der einen Seite der übliche Triumphalismus. Das fängt mit der Bundesagentur für Arbeit selbst an: "Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter auf Wachstumskurs, der allerdings etwas an Dynamik verloren hat. Auf dem Arbeitsmarkt ist aber keine Abschwächung zu erkennen. Die Arbeitslosigkeit ist im März deutlich gesunken. Die Beschäftigung wächst weiter, und die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften bleibt auf hohem Niveau."

Wie üblich vollmundig der Bundesarbeitsminister unter der Überschrift "Zahlen, die Mut machen": "Erneut gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt: über 617.000 weniger Arbeitslose als vor einem Jahr, 110.000 weniger gegenüber dem Vormonat. Vollbeschäftigung in Deutschland ist möglich. Sie wäre erreicht, wenn niemand länger als ein Jahr arbeitslos wäre" (man beachte die Umdefinition der Vollbeschäftigung!).

Andererseits aber sickert durch die Ritzen der Agentur durch, daß eben doch eine Abschwächung zu erkennen ist, nur daß sie eben im Kleingedruckten gesucht werden muß:

    "Der gemeldete Stellenbestand hält sich auf hohem Niveau, allerdings mit rückläufiger Tendenz". Dahinter verbirgt sich der Skandal, daß die Bundesagentur viel zu lange wachsende Zahlen von Stellenangeboten gemeldet hat, während die Tochter IAB schon seit dem Frühjahr letzten Jahres rückläufige Zahlen meldet.
    "Die Arbeitslosigkeit hat sich von Februar auf März um 110.000 auf 3.507.000 verringert. Ein Rückgang ist in diesem Monat üblich; er fiel etwas schwächer aus als im März 2007. Saisonbereinigt errechnet sich ein Minus von 55.000, nach -74.000 im Februar und -90.000 im Januar" (also immer weniger Rückgang!).

Was ist nun wirklich geschehen?

1. Unbereinigte Zahl der Beschäftigten und Arbeitslosen

Die so wichtige Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat in den 4 Jahren seit Januar 2004 nur um knappe 2,1 % zugenommen (Abb. 04008). Erst recht zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung, wenn man langfristig mit 1995 vergleicht. Da ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an allen Beschäftigten von 75,0 % in 1995 auf nur noch 68,4 % im Januar 2008 zurückgefallen (Abb. 14011). 2,15 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus - gegenüber dem Vorjahr 199.000 oder 9,9 % mehr -, was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.



Die unbereinigten Zahl der Arbeitslosen sank im Januar der Jahreszeit entsprechend auf 3,5 Mio (Abb. 04595). Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Arbeitslosigkeit um 14,6 % zurück, im März 2007 lag der Rückgang noch bei 17,5 % (Abb. 14042).



2. Saisonbereinigte Zahlen

Bei der Arbeitslosigkeit errechnet sich saisonbereinigt im März ein Rückgang von nur noch 55.000, wesentlich weniger als in den Vormonaten Januar (-90.000) und Februar (-74.000), wobei nicht klar ist, warum der Abbau an Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten immer erheblich größer sein soll als der Aufbau an Beschäftigung.

3. Struktur-Effekte der Beschäftigung: Mc Jobs

Abb. 04922 zeigt, in welchem großem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist.


Gerade die unsicheren, zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnisse werden teilweise sehr schnell wieder verschwinden, wenn sich die Konjunktur - wie erwartet wird - weiter abschwächt. Die negative Entwicklung des deutschen Einzelhandelsumsatzes (Abb. 04943) bei wachsenden Problemen im Export läßt das Gerede vom "Wachstumskurs" ziemlich hohl klingen.


Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosgengeldempfänger, von denen nur 56,5 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980); vor einem Jahr wurden noch 62,9 % registiert.


4. Internationaler Vergleich

Auf der Basis der letzten Eurostat-Erfassung für das 3. Quartal 2007 verzeichnet Deutschland den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).


Auch sonst ist im internationalen Vergleich die deutsche Arbeitslosigkeit auf dem 15. Platz von 18 Vergleichsländern immer noch sehr hoch, zumal alle größeren bis auf Frankreich wesentlich niedrigere Raten haben (Abb. 04068). Angesichts des deutschen Dauertriumphes bei den Arbeitsmarktdaten sollte man die der Nachbarn zur Ernüchterung im Auge behalten.


Eine aussführlichen Bericht finden Sie hier

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global news 1065 01-04-08: Staatsfonds immer fetter (deutsches BIP mal 2,6 in 2015?)
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Nach einem neuen Bericht in der Financial Times von heute hat die International Financial Services London vorrausgesagt, daß die Staatsfonds von derzeit 3,3 Billionen Dollar bis 2015 auf mehr als 10 Billionen Dollar anwachsen werden (Abb. 03729). Das entspricht dann dem 2,6-Fachen der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung von 2007, während es heute 86 % entspricht.


Die 5 größten Fonds gehören zu Vereinigte Arabische Emirate (875 Mrd $), Norwegen (380 Mrd $), China mit Hongkong (363 Mrd $), Singapur (330 Mrd $), Saudi-Arabien (300 Mrd $), siehe Abb. 03695.


Viele dieser Fonds sind sehr intransparent und in ihrem Investmentverhalten schwer einzuschätzen. Sie sind, zusammen mit Banken aus den Schwellenländern, auch die Gewinner aus der derzeitigen internationalen Bankenkrise, da sie sich relativ billig einkaufen konnten und das auch noch in der Zukunft tun werden. Die Folgen dieser Entwicklung könnten für die Marktführer aus den Industriestaaten noch schmerzhafte Folgen haben. Denn die Krise beschleunigt nach Ansicht der Unternehmensberater Boston Consulting Group die Machtverschiebung innerhalb der Branche dramatisch. Neue Spieler aus China oder Indien werden in Zukunft weltweit eine weitaus größere Rolle spielen als bisher.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1064 01-04-08: Vollbeschäftigung?
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Der SPIEGEL-online: „So viel Einigkeit ist selten. Vertreter von Arbeitgebern, -nehmern und Regierung halten jetzt für möglich, was lange undenkbar schien: Vollbeschäftigung in Deutschland. In naher Zukunft könne es soweit sein."

Ganz vorne Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) natürlich in Bild am Sonntag: „Wir haben 1,6 Millionen Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt - jeden Tag entstehen 1400 neue Arbeitsplätze. Deutschland sei auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung im nächsten Jahrzehnt, wenn nun die Weichen richtig gestellt würden. Die von der SPD geforderten Mindestlöhne wirkten dieser Entwicklung entgegen." Die Angst der Neoliberalen vor dem Mindestlohn provoziert also das Versprechen der Vollbeschäftigung. Aber es ist auch die Angst vor dem Exporteinbruch bei stagnierender Binnennachfrage der privaten Haushalte. Mit frohen Botschaften sollen sie endlich zum Geldausgeben bewegt werden. Morgen mit dem Arbeitsmarktbericht vom März mehr in diesem Theater.

Ist „Vollbeschäftigung" wirklich erreichbar? Ja, sie ist es. Doch nur, wenn

Erstens, die Arbeitslosenzahlen weiter so manipuliert werden. Schon jetzt werden nur noch 59 % der Arbeitslosgengeldempfänger als arbeitslos registriert, vor einem Jahr wurden noch 66 % registiert (Abb. 04980).Nun werden ab dieses Jahr auch noch die älteren Arbeitslosen aus der Statistik entfernt: Wer nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gilt nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht mehr als arbeitslos.


Zweitens, wenn Arbeitslose immer brutaler über ungeeignete 1-Euro-Jobs und, was die Agentur euphemistisch „ intensivere Betreuung von Arbeitslosen sowie die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus" nennt, in einen künstlichen Beschäftigtenstatus gezwungen oder jedenfalls aus der Arbeitslosenstatistik aussortiert werden.

Drittens, wenn immer mehr Arbeitnehmer in Billigstarbeit und unsichere Zeitverträge abgeschoben werden (Abb. 04970).


Viertens, wenn man die Wochenarbeitszeit und die Lebensarbeitszeit verkürzt statt ständig zu verlängern.

Fünftens, wenn sich das derzeit aus demographischen Gründen rückläufige Arbeitskräfteangebot, das nach aktuellen Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2008 jahresdurchschnittlich um rund 90.000 abnehmen wird, so fortsetzt und wir mit Vollbeschäftigung in 10 Jahren zufrieden sind.

Sechstens, wenn endgültig alle Rezessionen und Wirtschaftskrisen von der Politik ausgeschlossen werden.

Na dann, Du schöne Welt der Glos u.Co.! Und hoffentlich kein Mindestlohn! Übrigens dies ist die langfristige Entwicklung der Arbeitsstunden in Deutschland: pro Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter seit 1960 ein Minus von 30 % (Abb. 04199).


Für mehr dazu siehe Kapitel 2 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1063 31-03-08: Deutschland in der Exportfalle: Immer schlechtere terms of trade
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Deutschland hat sich unter den großen Vergleichsländern (von China abgesehen) am meisten vom Export abhängig gemacht. Das ist in Zeiten weltweiter Krisenerscheinungen umso gefährlicher, als gleichzeitig die Inlandsnachfrage privater Haushalte stagniert bzw. zuletzt zurückgelaufen ist.

Nun zeigt sich zu allem Überfluß auch noch, daß die Importpreise für Rohstoffe und Halbwaren rasant steigen (gegenüber 2006 bereits um 17,7 %) und ebenso die Importpreise für Vorerzeugnisse (5,4 %), dagegen sich die erzielbaren Exportpreise nun sehr wenig entwickeln (3,3 %). Damit haben sich die deutschen terms of trade im Industriegüterbereich erheblich verschlechtert. Der Export erlaubt nicht mehr, die Kostensteigerungen bei Einfuhren, die für die Produktion der Exportgüter nötig werden, voll weiterzugeben (Abb. 14068).


Besonders hoch war im Februar 2008 auf der Einfuhrseite die Jahresteuerungsrate für Energieträger mit 35,7 % (darunter Rohöl 48,4 %, Mineralölerzeugnisse 38,6%, Steinkohle 33,8 %, Kokereierzeugnisse 30,1 % und Erdgas 12,3 %. Nicht-Eisen-Metallerze verteuerten sich um 15,3 %, Edelmetalle und deren Halbzeug um 29,0 % und Rohkupfer um 21,0 %.

Die ungünstige Exportpreisentwicklung zeigt sich auch im Vergleich zu der höheren Entwicklung der deutschen Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte (ohne Energie).

Für mehr dazu siehe Kapitel 6 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1062 02-03-08: Chinesisches Energiesparen: Bei uns, nicht in China
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Es ist immer dasselbe Lied. China reißt die Märkte mit Dumpingware auf. Hat man sie erst einmal besetzt, kann man die Preise anheben. Bei Solarzellen kommt noch etwas hinzu. Der deutsche Markt ist besonders interessant wegen der enormen Subventionen, die der Verbraucher mit seinen Stromrechnungen bezahlt: je Kilowattstunde Sonnenenergie rund 47 Cent, insgesamt bis zu 90 Milliarden Euro. Deutschland stellt so fast die Hälfte des gesamten Weltmarktes (Abb. 13383). Praktisch subventioniert also der deutsche Verbraucher den chinesischen Produzenten von Solarzellen und baut ihn so zum deutschen Konkurrenten auf.


China hat Deutschland bei der Solarproduktion überholt und liegt nun erstmals auf Platz eins. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Solarzellen mit einer Leistung von 875 Megawatt produziert. In China waren es dagegen 1200 Megawatt (Abb. 13384). Der globale Marktanteil der Chinesen schoss im vergangenen Jahr von 15 auf 28 Prozent. Der deutsche verharrte bei 20 Prozent. Insgesamt stammen schon 65 Prozent der weltweit produzierten Solarzellen aus Asien. Weit vorne liegt neben China auch Japan. In den asiatischen Herstellerländern gibt es keine oder kaum eine staatliche Förderung. Die Firmen verkaufen ihre Ware einfach auf subventionierten Märkten wie Spanien oder Deutschland. Suntech-Chef Zhengrong Shi spricht es offen aus: "Es gibt kaum einen chinesischen Markt. Wir hängen von euch ab."


Deutschland ist inzwischen Netto-Importland. Gerade mal noch die Hälfte der Nachfrage wird mit inländischer Ware gedeckt.

China ist das Land mit der größten CO2-Verschmutzung unserer Atmosphäre. Doch für Sonnenenergie gibt es dort keine Subventionen. Statt dessen wird der Benzinpreis unter die Kosten der Raffinerien heruntersubventioniert. Nur 1 % der städtischen Bevölkerung atmet Luft ein, die den EU-Standards entspricht. Die Weltbank schätzt die Zahl der vorzeitigen Todesfälle auf 350.000 bis 400.000 pro Jahr. Und nun leistet sich auch noch diese zu Geld kommende Bevölkerung an ihrer wohlhabenden Spitze den Luxus der großen benzinfressenden Allradwagen. 2007 stieg deren Gesamtabsatz um 58 % auf 370.000 Stück.

Für mehr dazu siehe Kapitel 5 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

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global news 1061 27-03-08: Noch immer vom großen US-Bruder lernen?
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Es ist schon komisch. Die derzeitige schwere Krise auf den Finanzmärkten läßt selbst eingefleischte Neoliberale an Ihrem Weltbild zweifeln. Für Martin Wolf, den Chef-Ökonomisten der FT starb am 14. März mit der Finanzhilfe für Bear Stearns der „dream of global free market capitalism". Er bezieht da auch die Ackermann-Äußerung ein, wonach dieser nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes glaube. Und weiter bei Martin Wolf: „Für drei Jahrzehnte habe wir uns in Richtung eines vom Markt bestimmten Finanzsystems bewegt. Mit der Entscheidung, Bear Stearns zu retten, habe die Fed, Hauptprotagonist des free market capitalism, das Ende dieser Ära erklärt. In Zukunft werden weit größere Regulierungen solcher Institutionen notwendig werden. Die Anti-Regulierungs-Positionen der Wall Street Lobbies seien unhaltbar geworden. Die Fähigkeit, die Profite zu genießen, während die Verluste auf die Gesamtgesellschaft abgeschoben werden, muß beschränkt werden. Ein unreguliertes, aber subventioniertes Kasino wird die Mittel nicht gut anlegen."

Andererseits aber - und das ist die Komik - veranstaltet die OECD, in der die USA das größte Sagen haben, zusammen mit dem IWF just zur selben Zeit eine große Konferenz auf der Basis eines Papiers, in dem sie die Europäer einseitig kritisiert, nicht genügend Reformen zu betreiben. Der OECD-Chef redet uns quasi ins Gewissen. Starkes Wachstum und fallende Arbeitslosigkeit hätte eine Gelegenheit zur Intensivierung der strukturellen Reformen schaffen sollen. Doch die Erfahrung zeige, daß Reformen verzögert worden seien. Das sei das grausame Paradox. Das Versäumnis, Arbeits- und Warenmarktreformen anzugehen, könnte Europa für Jahre belasten. Reform sei unverzichtbar. Die Kosten seien kurzfristig, die Vorteile aber langfristig. Die Lebenstandards in Europa seien um ein Drittel niedriger als in USA, eine Lücke so weit wie in den 70ern.

Angeblich soll es bis auf einen gewerkschaftlichen Außenseiter volle Übereinstimmung aller Beteiligter gegeben haben, daß Europa mehr Flexibilität in die angeblich rigiden Arbeitsmärkte einführen muß. Der OECD-Chef drängte die Politiker, das Publikum über die Notwendigkeit von Reformen zu unterrichten, damit es auch unpopuläre Reformen akzeptiert.

Nach dem Bericht in der Financial Times meldete sich dann Adam Posen, Stellvertretender Direktor des amerikanischen Peterson Institute for International Economics: „Es ist angsteregend, daß die Produktivität in Europa so viel niedriger als in den USA ist, besonders angesichts der manifesten strukturellen Schwächen. Wir müssen akzeptieren, daß Europa tatsächlich eine sehr kranke Wirtschaft ist. Wenn Amerika Euch bei der Produktivität schlägt, ist etwas sehr falsch mit Euch. Europas Finanzsektor hat noch nicht die Früchte des Gemeinsamen Marktes geerntet, was bedeutet, daß Kapital immer noch verschwendet wird. Warum werden diese Resourcen verschleudert? Die Antwort ist, daß Euer Finanzsysstem lausig ist. Die Profitrate ist nicht hoch genug." Da platzte mir der Kragen und ich hielt Posen per Mail zweierlei entgegen:

Erstens ist Europa keine homogene Einheit, umso mehr seit der Erweiterung. Das zeigt die Abbildung 13381 sehr deutlich. Der Durchschnitt wird z.B. von Großbritannien nach unten gezogen. Andererseits hat Frankreich, mit weit weniger Arbeitsmarktflexibilität und 30-Stunden-Woche die gleiche Produktivität wie die USA.


Zweitens, wird die amerikanische Produktivität in mehrfacher Hinsicht verzerrt. Einerseits ist der Finanzsektor, wie die derzeitige Krise zeigt, künstlich aufgeblasen. Er hat eine Kreditaufnahme von 114 % des US BIP erreicht, ein gigantisches Volumen (Abb. 03726). Der Anteil der Profite des Finanzsektor an allen Unternehmensprofiten stieg auf über 40 %, während der Anteil am Umsatz bei nur 15 % liegt (Abb. 03725).



Andererseit hat die künstliche Liquidität mit niedrigem Fed Zinssatz unter Greenspan ein gewaltiges künstliches Konjunkturprogramm mit einem Immoblienboom und kreditgeneriertem Einkaufsboom geschaffen, was ebenfalls das BIP künstlich nach oben geschoben hat, und damit auch die Produktivität. Das kommt nun zu Ende und wird zurück korrigiert werden müssen.

Posen hat sich dann mit einigen Reaktionen gemeldet, die er auch an andere kopiert hat und die daher nicht vertraulich erfolgt sind. Hier seine „letzten Worte" an mich: „Unfortunately, I also do expect that us "neo-liberals" will indeed lose the political battle over economic policy in the coming years, especially in Europe. Even though I don't really view some bank shareholders losing money as the end of the world, and nothing much else will happen in the US (oh, gee, a one year slowdown after a big consumption boom - quel horreur), pundits will claim that this disproves the virtues of liberalization. And Europe will suffer as a result. Schade."

Es wird nun auch angesichts der Krise Zeit, daß wir von unseren eigenen Erfahrungen lernen, und nicht von den Einflüsterungen der OECD oder von jenseits des Teiches.

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global news 1060 27-03-08: Deutschland und der Weltexport
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Seit Beginn dieses Jahrtausends ist der Weltexport in eine besonders steile Entwicklung eingetreten, vor allem Dank der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation. In nur sechs Jahren zwischen 2001 und 2007 hat das Weltexportvolumen um die Hälfte zugenommen (Abb. 03722).


Aber auch Deutschland war an dieser Entwicklung stark beteiligt. Hier stieg das Exportvolumen sogar um 53 % (Abb. 03723).


Wenn man nach den Ursachen für den Exporterfolg sucht, darf man an der Entwicklung der Arbeitskosten nicht vorbeigehen. Deutschland hat seit dem Jahr 2000 in der Alt-EU die niedrigste Arbeitskostenentwicklung (Abb. 12815, 12990).



Nun sagen viele: „Ja, aber das deutsche Arbeitskostenniveau ist immer noch das höchste!". Weit gefehlt. Auch das Niveau des deutschen Arbeitnehmerentgelts ist eher niedrig. Um die Arbeitsentgelte zwischen Ländern in ihrem 2007 erreichten Stand zu vergleichen, muß man sie an den jeweiligen Bruttoinlandsprodukten messen. Unter vergleichbaren Ländern der Alt-EU und Schweiz rangiert Deutschland auf Platz 9 unter 14 und wird nur noch von Östereich, Finnland, Spanien, Italien und Griechenland unterboten, wobei die meisten dieser Länder zur südeuropäischen Zone mit vergleichsweise schwachen Sozialsystemen gehören; Luxemburg und Irland sind Hochlohnländer, aber wegen der hohen Anteile ihrer Bankensektoren mit Auslandskapital am BIP nicht vergleichbar (Abb. 14115).


Das paart sich übrigens mit der stärksten Lohndiskriminierung der Frauen (Abb. 14100).


Nicht überraschend hat Deutschland bei der Nachfrage privater Haushalte schon seit 2001 keine Aufwärtsentwicklung mehr (2007 war sie sogar negativ) und ist seit 2004 einsam am Ende des Vergleichsfeldes der Alt-EU (Abb. 12998). Das binnenwirtschaftliche Opfer an Arbeitseinkommen für den Exporterfolg ist viel zu hoch.


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global news 1059 26-03-08: Wie ifo Stimmung macht
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Was ist passiert? Ifo-Sinn meldet: „Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftssituation erneut positiver als im Vormonat. Geringfügig aufgehellt haben sich auch die Perspektiven für das kommende halbe Jahr. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konjunktur in Deutschland mit Jahres-beginn an Schubkraft gewonnen hat." Prompt kommt SPIEGEL-online: „ GUTE KONJUNKTURAUSSICHTEN - Ifo-Geschäftsklimaindex steigt überraschend - Unerwartete Trendwende in der deutschen Wirtschaft: Die Stimmung der Unternehmen hat sich weiter aufgehellt - trotz des starken Euros und der Finanzkrise. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte zum dritten Mal in Folge."

Was ist nun wirklich passiert? Der wichtige Erwartungsindex, der allein eine Trendwende anzeigen würde, stieg um kümmerliche 0,2 %, also praktisch gar nicht, und liegt - wenn man den Minisprung im März mal ausklammert - immer noch auf dem tiefsten Stand seit November 2005 (Abb. 04589).


Mit solchen „Erfolgsmeldungen", die bei näherem Hinsehen keine sind, soll wieder nur die positive Propaganda betrieben werden, um die Menschen endlich zum Geldausgeben zu verführen, obwohl bei den meisten die Realeinkommen weiterhin fallen.

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global news 1058 26-03-08: Banken - Zu groß für die Pleite
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Ein wesentlicher Teil des Problems mit der gegenwärtigen schweren Kreditkrise ist, daß sehr viele Banken einfach zu groß geworden sind, und daß Regierungen und Notenbank aus Angst vor einer systemischen Krise deren Pleite nicht mehr riskieren können. Aus der Erfahrung der großen Weltwirtschaftskrise hatte der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem „Glass-Steagall Act" 1933 eine Feuerwand zwischen normalen und Investment Banken errichtet. Eine strikte Trennung zwischen Banken-, Versicherungs- und Wertpapiergeschäften sollte verhindern, daß noch einmal das Platzen spekulativer Blasen die ganze Wirtschaft in eine Abwärtsspirale ziehen könnte. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde dann allerdings 1999 aufgehoben. Die US-Banken konnten weiter stark wachsen. Ihre Kreditaufnahme hat im vergangenen Jahr 114 % des Bruttoinlandsprodukts der USA erreicht (Abb. 03724).


Seit etwa der gleichen Zeit stieg der Anteil des amerikanischen Finanzsektors an allen amerikanischen Unternehmensgewinnen von etwa 20 % auf mehr als das doppelt an, obwohl der Umsatzanteil nur wenig gestiegen ist und um 15 % liegt (Abb. 03725). Ohne die gigantische Größe des amerikanischen Finanzsektors und seine Bedeutung für die amerikanische Volkswirtschaft wären die ungewöhnlichen Hilfsaktionen der Federal Reserve nicht erfolgt und würden nicht weitere noch ungewöhnlichere zu Lasten des Steuerzahlers erwogen. Diese Banken sind einfach „too big to fail". Natürlich hat gerade dieses Gefühl, notfalls gerettet zu werden, ihre Risikobereitschaft unverantwortlich in die Höhe getrieben.


Auch wären ohne diese Größe der amerikanischen Finanzindustrie und ohne die Aufhebung des „Glass-Steagall Act" die minderwertigen Verbriefungen von ebenso minderwertigen amerikanischen Hypothekenpapieren nicht so um den Globus gewandert. Im Ergebnis konnte weder die britische Regierung die zweitgrößte Hypothekenbank Northern Rock absaufen lassen und mußte sie verstaatlichen, noch die Bundesregierung die relativ kleine IKB und mußte ihr mit Steuerzahlergeld unter die Arme greifen. Hier zeigen sich besonders eklatant die Folgen der neoliberalen Globalisierung der Finanzmärkte. Bei der IKB soll übrigens die Verantwortung des Vorstands und des Aufsichtsrats für die Krise des Finanzinstituts durch eine Sonderprüfung untersucht werden (schon jetzt erklärt allerdings das antragstellende Bundesfinanzministerium, es gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat seinen Pflichten voll nachgekommen ist - angesichts der Mitgliedschaft des Ministeriums im Aufsichtsrat eine mindestens eigenartige Erklärung zu diesem Zeitpunkt.

Für mehr dazu siehe Kapitel 4 meines neuen Buches „Globalisierung: Legende und Wahrheit".

Und noch ein Nachtrag zur Lage in USA. Der S∓P/Case-Shiller home-price index ist nach er heutigen Meldung im Januar um weitere 11,4 % gegenüber Vorjahr gefallen, der 13. Fall Monat auf Monat (Abb. 03714). Der viel beachtete Conference Board Konsumenten-Index fiel auf den tiefsten Punkt seit fünf Jahren (Abb. 05073).



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global news 1057 24-03-08: Wie China die Rohstoffpreise weltweit treibt
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China sichert sich derzeit überall, vor allem in Afrika und auch mit Einstieg bei Rio Tinto Rohstoffquellen. Dabei ist China sehr plötzlich vom Exporteur zum Importeur geworden.

Abb. 08135 zeigt die rasante Entwicklung der chinesischen Stahlproduktion, die von 15 Mio Tonnen 1999 auf 70 Millionen Tonnen in 2007 hochgesprungen ist.


Sehr ungünstig hat sich wegen des Zuwachses an energieintensiver Schwer- und Chemieindustrie in letzter Zeit die Energieintensität entwickelt. Nachdem sie zwischen 1978 und 2000 um zwei Drittel gesenkt werden konnte, steigt sie seit 2002 wieder und das um das 1,5-Fache der gesamten Wirtschaftsleistung, eine sehr ungünstige Relation (Abb. 08136).


Die Importe von Rohöl und Sojabohnen sind seit 1999 auf das 350-Fache explodiert, bei Kupfer und Kupferkonzentrat auf das 250-Fache (Abb. 08134). Diese rasante Entwicklung treibt weltweit die Rohstoffpreise hoch und wird es weiter tun.


Nun bekommt China auch die eigene Inflation nicht mehr in den Griff. Sie betrug 2007 4,8 % und wird für 2008 auf knapp 7 % geschätzt (Abb. 08129). Schuld daran ist nicht zuletzt die wachsende Nachfrage einer zu relativem Wohlstand kommenden städtischen Bevölkerung, die ihre Ansprüche an Unterkunft, Energieeinsatz, Motorisierung und hochwertigere Nahrungsmittel stellt und dem westlichen Lebensstandard nachstrebt. Dieser erhebliche Teuerungseffekt wird teilweise auch über die chinesischen Exportpreise weitergegeben werden müssen. China kommt dabei zugute, daß es auf vielen Ausländsmärkten die heimische Industrie inzwischen schon total oder fast total verdrängt hat und damit relativ ungestört die Preise anziehen kann. Denn niemand wird auf die Idee kommen, verdrängte Industriesparten gleich wieder aufzubauen, wenn China die Preise anhebt. Neben der Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten treibt China also auch auf diese Weise die Preise weltweit.


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global news 1056 22-03-08: Noch ein Statistikskandal in den Arbeitsmarktberichten: Falsche oder irreführende Meldungen über angeblich steigende Stellenangebote
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Man erinnere sich. In jeder Meldung vom Arbeitsmarkt stellen Bundesregierung und Bundesagentur immer das steigende Angebot offener Stellen heraus. So meldete die Agentur zuletzt: „Alles in allem waren das im Februar 999.000 Stellen, 146.000 oder 17 Prozent mehr als vor einem Jahr." Oder im Jahresbericht 2007: „Der Bestand an gemeldeten Stellen ist im Jahresdurchschnitt 2007 noch mal deutlich gestiegen." Dazu kam dann immer eine eindrucksvolle Grafik über den enormen Anstieg solcher Stellen. Abb. 14113 zeigt die aus dem Bericht vom Dezember 2007.


Dazu passen diese Auszüge aus den Presseerklärungen des Bundesarbeitsministers zum Arbeitsmarkt:

    Überschrift: „Eine Million offene Stellen - Chancen steigen" (30.8.07),
    „Rund eine Million offene Stellen gibt es jetzt in Deutschland. Wann, wenn nicht jetzt, kann in Arbeit vermittelt werden?" (30.10.07),
    „Rund 940.000 offene Stellen sind zu besetzen" (3.1.08).

Doch dann gab es immer eine eigenartig nichtssagende Fußnote: „Einen umfassenderen Einblick in das Volumen der nicht realisierten Arbeitskräftenachfrage gibt eine repräsentative Betriebsbefragung des IAB (Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) über das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot, die vierteljährlich durchgeführt wird. In dieser Erhebung werden auch jene Stellen erfasst, die der Bundesagentur für Arbeit nicht gemeldet wurden bzw. nicht bekannt sind. Nach Angaben des IAB lag das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot im dritten Quartal 2007 bei 1,25 Mio, im Vergleich zum Vorjahr waren das 70.000 oder 6 Prozent mehr." Auch das klang sehr gut.

Doch nun auf einmal meldet die IAB, die ja eine Tochter der Arbeitsagentur ist, am 20. März das Gegenteil der Arbeitsmarktberichte der Arbeitsagentur unter der Überschrift: „Leichter Rückgang bei den offenen Stellen im vierten Quartal 2007" und das sieht in der Grafik dann genau umgekehrt aus und zeigt einen Abstieg seit dem Gipfel im 1. Quartal 2007 (Abb. 14114).


Erklärung der IAB: „Das Institut befrage regelmäßig rund 14.000 Unternehmen nach offenen Stellen. Damit erfasse es auch freie Jobs, die der Bundesagentur nicht bekannt seien. Im Unterschied zu dem vom IAB ermittelten gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot flößen in die BA-Statistik auch von Firmen gemeldete Stellen, Stellenangebote der BA-Internet-Jobbörse und solche auf Firmen-Webseiten ein. Deren Zahl sei in den vergangenen Monaten stark gewachsen und habe zu der optimistischen BA-Einschätzung geführt."

Darf man das peinlich nennen, wenn die Tochter die Mutter so bloßstellt und damit den Bundesarbeitsminister? Ist das nicht eine systematische Irreführung gewesen, nachdem die Zahlen der IAB bereits seit dem ersten Quartal 2007 fielen, die Bundesagentur aber ihre frohen Botschaften fortsetzte und bei den IAB-Zahlen statt die ungünstige Quartalsentwicklung zu melden, auf den Vorjahresvergleich auswich, bis der nun auch noch im 4. Quartal 2007 negativ geworden ist. Die Notbremse mußte offensichtlich gezogen werden, bevor die Bundesagentur nach Ostern mit dem nächsten Arbeitsmarktbericht herauskommt, der die Wahrheit nun nicht mehr verschweigen kann, nachdem auch der Vorjahresvergleich negativ geworden ist.

Und noch eine ernüchternde Meldung der IAB in ihrer neuen Mitteilung: „Der Fachkräftebedarf bleibt in einzelnen Bereichen der Wirtschaft also ein Problem. Er tritt aber weiterhin nicht flächendeckend auf". War uns nicht weißgemacht worden, daß Deutschland schon überall unter Fachkäftemangel leiden würde?

Nun wundert sich selbst SPIEGEL-online, der sonst immer alle schönen Meldungen unkritisch transportiert hat: „Erstaunlich an den Zahlen ist: Die Ergebnisse des IAB stehen denen der Bundesagentur für Arbeit (BA) komplett entgegen. Seit mehr als zwei Jahre meldet die BA Monat für Monat einen stetig steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Die IAB verzeichnet hingegen seit Jahresmitte 2007 einen stetigen Rückgang." Der Rückgang ist übrigens schon seit dem ersten Quartal.

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global news 1055 21-03-08: OECD - Berechtigter Optimismus?
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Eigenartigerweise erwartet die OECD plötzlich für Deutschland im 1. Quartal dieses Jahres ein ansteigendes Wachstum, das allerdings im 2. Quartal wieder auf eine Jahresrate von nur 1,6 % mit einer allerdings genausogroßen Fehlermarge zurückfallen soll, nicht besser als Frankreich, die Eurozone insgesamt und schlechter als Großbritannien ( Abb. 13380). Die OECD schließt also auch in Deutschland Nullwachstum nicht aus. Daraus macht SPIEGEL-online prompt die frohe Botschaft: „Deutschland trotzt der Krise - massiver Abschwung in USA".


Schaut man die Stimmungslage bei Wirtschaft (Abb. 13378) und Verbrauchern (13379) an, so kann man ebenfalls nicht entdecken, daß Deutschlands Stimmung nicht ebenfalls abfällt. Sie kommt von höher und der Fall ist bisher ebenso weit.



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global news 1054 20-03-08: Aus der kinderlosen Familie in die knappe Rente und dann ins Pflegeheim?
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Eigentlich kann man schon wegen der sich anbahnenden Wirtschaftskrise deprimiert und verärgert über eine unfähige Politik sein, die dies zuläßt. Dann kommt heute noch das Statistische Bundesamt mit seinen Vermutungen, die keine Prognosen sein sollen, zur rasanten Entwicklung des Anteils von pflegebedüftigen und kranken alten Menschen an der deutschen Gesamtbevölkerung. In 2030 soll es über 58 % mehr Pflegebedürftige und 12 % mehr Krankenhausbehandlungen als Folge der demographischen Entwicklung in Deutschland, der ungünstigsten unter westlichen Ländern (Abb. 04047, 12353), geben.



2030 sollen es 3,4 Millionen Pflegebedürftige sein und 19 Millionen in Krankenhäusern behandelt Fälle. Während heute 53% der Pflegebedürftigen 80 Jahre und älter sind, könnten es im Jahr 2030 rund 65% sein. Eigentlich sollte uns eine längere Lebenserwartung fröhlich stimmen. Doch muß man sich fragen, ob die Gesellschaft insgesamt auf die damit verbundenen Kosten vorbereitet ist. Denn die Lebenserwartung wächst ja nicht mehr in erster Linie vorne, z.B. durch weniger Todesfälle im Kindestalter, sondern hinten Dank Medizin und notfalls Chirurgie, wo es früher kein Leben mehr gegeben hätte (Abb. 14111). Angesichts des Ausfalles an Kindern, werden viele Alte in Pflege oder im Krankenhaus keine oder nur sehr wenige Angehörige haben und entsprechend vereinsamen. Schon deshalb werden immer mehr Pflegebedürftige in Pflegeheimen landen.


Schon jetzt zeigt sich, daß in Deutschland auch die Krankenhäuser immer schlechter finanziert sind. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt angesichts der finanziellen Probleme vor einem weiteren Kliniksterben. Die rund 600 kommunalen Krankenhäuser seien wegen ihrer schlechten Finanzausstattung im Bestand gefährdet, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sparauflagen hätten zusammen mit steigenden Kosten dazu geführt, dass knapp 200 kommunale Kliniken "geschlossen, zusammengelegt oder veräußert werden mussten".

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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.