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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(974) Wer zahlt eigentlich für die globale Kreditkrise? Auch ein Ausblick auf 2008

(973) Globalisierung - Immigration - Gewaltkriminalität

(972) Jahresende, aber kein Ende der Kreditkrise

(971) Konjunkturerwartungindex der Gesellschaft für Konsumforschung weiter gesunken

(970) Berliner Globalisierungsgipfel: Ablenkungsmanöver mit window-dressing?

(969) Nun rutscht auch der Ifo-Index weiter ab

(968) Nach USA und Großbritannien fällt Spanien als dritter Domino der Kreditkrise?

(967) Von der Tröpfeltheorie zu den sozialen Realitäten

(966) Unternehmen, die zu Lasten der Arbeitnehmer Gewinne und Export hochgefahren haben, werden jetzt vom Ausland gekauft

(965) Immer mehr Niedrigstlöhner

(964) Exportweltmeister auf schwachen Füßen (Innovationsbericht)

(963) Deutsche Arbeitskosten am Ende

(962) Die Banken haben begonnen, ihre angebrannten Vehikel wieder einzusammeln

(961) Immer weniger reales Geld in der Arbeitnehmertasche

(960) Kreditkrise: Die Zentralbanken mit ihrem Latein am Ende? Kreditpapiere von mehr als 10 % des Wertes der Bankeneinlagen in Gefahr

(959) Deutsches Arbeitslosengeld im internationalen Vergleich besonders niedrig

(958) Kippt die neoliberale Globalisierung?

(957) Deutsche Frauen aus Familiengründen weit überproportional nicht berufstätig

(956) ZEW-Konjunkturerwartungen fallen zum 6. Mal in Monatsfolge

(955) Schon 62 Mrd Dollar an Kreditverlusten abgeschrieben

(954) Industrieumsatz im Oktober 2007

(953) Kreditkrise: Vier Jahre zittern?

(952) Leichter Rückgang der Produktion in der gewerblichen Wirtschaft im Oktober, stärker bei der Konsumgüterindustrie

(951) Weiter Magersucht bei deutschen Arbeitseinkommen und steigende Verbraucherinsolvenzen

(950) Wenn die Folgen der Kreditkrise nicht durch ein Anspringen der Konsumentennachfrage ausgeglichen werden, schlittert Deutschland in die Nähe einer Rezession - Neue OECD-Projektionen

(949) Deutscher Einzelhandelsumsatz Schlußlicht in der Atl-EU

(948) Kein nennenswerter Fortschritt bei Pisa

(947) Die Dominos fallen: Nach USA nun Großbritannien, fällt auch Deutschland?

(946) Gesundheit auf einen Blick

(945) Und jetzt zahlen wir alle für die Bankenkrise: Die perfide Enteignung

(944) Kinder und Kinderfürsorge: Warum in Deutschland die Kinder selten werden




global news 974 29-12-07: Wer zahlt eigentlich für die globale Kreditkrise? Auch ein Ausblick auf 2008
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Eines ist nun klar: Die globale Kreditkrise wird noch das ganze nächste Jahr und wahrscheinlich auch danach mit uns ein, so lange jedenfalls, bis die Welle an vereinbarten Anhebungen von Hypothekenzinsen in USA abebbt und klar wird, wieviel der Immobilien in die Zwangsversteigerung gehen und wieviel die Hauspreise nachgeben (Abb. 03693). In dieser Zeit wird sich die Krise von den Finanzmärkten ein Stück in die Realwirtschaft hineinarbeiten, vor allem in den vom Platzen der Hauspreisblase hauptbetroffenen Ländern USA, Großbritannien und Spanien, deren Wirtschaftswachstum bisher von den sich kraft Hauspreissteigerung reicher und kreditfähiger fühlenden Verbrauchern angetrieben wurde. Schon jetzt stellen sich drei Fragen: Wer profitiert von der Krise? Wer zahlt nicht für die Krise? Wer zahlt für die Krise?


Von der Krise profitieren derzeit vor allem die asiatischen und arabischen Staatsfonds, die sich billig in die angeschlagenen Großbanken einkaufen können, wie zuletzt bei Citygroup, UBS, Merril Lynch, Morgan Stanley und Bear Stearns. Insgesamt gibt es etwa 1 Billion Dollar an minderwertigen Hypotheken. Verbreitet wird mit einem Abschreibungsbedarf in der Größenordnung von 400 Mrd $ gerechnet, an dem gemessen die bisherigen Abschreibungen erst 18 % ausmachen. Die Staatsfonds können also weiter einsteigen, übrigens auch bei den großen Versicherungsunternehmen, die minderwertige Hypothekenpapiere versichert haben und deren Standing nun heruntergestuft wird. Es profitieren auch die sogenannten Geierfonds, die auf den billigen Aufkauf notleidender Forderungen spezialisiert sind und bald zuschlagen werden. Natürlich profitieren auch die üblichen Spekulanten, die noch schnell Aktien verkauft haben und sie dann nach der Kurserholung billigts zurückkaufen konnten.

Allgemein profitieren auch die Aktionäre - in Deutschland anders als in anderen Ländern meist nur eine kleine Oberschicht -, denn der Kursverlust bei Bankenaktien wurde inzwischen in Deutschland durch Kurssteigerungen bei den anderen Unternehmen überkompensiert. Die meisten dieser Bevorteilten sind übrigens Ausländer, die bei den Dax-30 Topunternehmen inzwischen die Mehrheit haben und die schon wegen des erstarkenden Euros in deutschen Unternehmensbeteiligungen investieren und damit zugleich für die deutschen Aktionäre die Kurse hochtreiben (Abb. 04916).


Nicht für die Krise zahlen, bis auf einige wenige, die meisten Manager der Großbanken, die die Schrottpapiere geschneidert haben oder - wie die Deutsche Bank an die unglückliche IKB - weiterverkauft haben. Denn diese Manager behalten zum größten Teil ihre Jobs und vor allem die massiven Sonderzahlungen, die sie in der Vergangenheit für das sich jetzt als faul herausstellende Geschäft kassiert haben. Auch die Ölländer zahlen nicht, denn sie überkompensieren für den wegen der Kreditkrise fallenden Dollar mit massiven Preisanhebungen.

Unter den Zahlenden sind zuerst die unglücklichen Hauseigentümer zu nennen, die jetzt und in Zukunft, vor allem in USA, aus ihren Häusern geworfen werden, weil die Zinsen stark steigen und weil die Immobilienpreise stark fallen. Dann zahlen die Verbraucher bei uns, die unter einer weit stärkeren Inflation leiden. Interessanterweise ist die Inflationsrate just zur selben Zeit in den Schnellgang geschaltet worden, als die Kreditkrise ausbrach (Abb. 12953), was angesichts der vom fallenden Dollar mitangestoßenen überdimensionalen Verteuerung von Energie und angesichts der von den Zentralbanken zusätzlich ins System gepumpten enormen Liquidität nicht überraschen sollte.


Schließlich werden wir entgegen allen Schalmaienklängen aus der Wirtschaftsforschung und den Medien im kommenden Jahr weder einen Boom bei den Arbeitseinkommen noch am Arbeitsmarkt erleben (von Billigst- und Leiharbeit abgesehen). Denn wegen der Schwäche auf wichtigen deutschen Exportmärkten (Abb. 14035) und wegen der höheren Zinsen für kreditfinanzierte Investitionen ist mit höheren Belastungen der Unternehmen zu rechnen. Trotz aller Notenbankinterventionen liegt der Interbankzins für Dreimonatsgeld noch immer um 0,7 % über dem Zentralbankzins (Abb. 03676). Besonders wichtig: 60 % aller Finanzierungen des Privatsektors laufen in Europa über Bankkredite (der kleinere Rest über Obligationen und Aktien), verglichen mit nur 20 % in USA. Die europäischen Unternehmen sind daher weit abhängiger vom Bankensystem. Auch müssen Unternehmen für eine Finanzierung mit Obligationen jetzt höhere Zinsen bieten. Wegen dieser Belastungen und auch wegen der höheren Inflation muß mit einem heftigeren Verteilungskampf bei den Einkommen gerechnet werden.Es gehört nach allen Erfahrungen der Vergangenheit nicht viel Prophetie dazu, die kleinen Leute wieder unter den Hauptverlierern zu sehen.



Wie sehr die deutsche Verbraucherkonjunktur weiter durchhängt, zeigt die Entwicklung bei den Neuzulassungen von PKW. Sie lag im November um 13 % unter dem Vorjahresergebnis (Abb. 14039), obwohl die Autobauer massenhaft Neuwagen auf sich selbst oder ihre Händler zulassen, um noch etwas weniger schlechte Ergebnisse vorzutäuschen.


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global news 973 27-12-07: Globalisierung - Immigration - Gewaltkriminalität
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In den meisten Ländern ist der Zusammenhang zwischen Immigration und Kriminalität ein Tabu, auch in Deutschland. Wer darin rumbohrt, läuft Gefahr, dem rechten Rand zugeordnet und des Rassismus geziehen zu werden. Allerdings veröffentlicht das Bundeskriminalamt, anders als die Statistiken in den meisten anderen Ländern, auch den Ausländerhintergrund in der Kriminalitätsstatistik für den Tatverdacht (nicht die Verurteilung). Der Anteil ausländischer Männer an allen tatverdächtigen Männern liegt bei Tatverdacht auf Mord und Totschlag (30,3 %), Raubdelikte (29,7 %) und gefährliche und schwere Körperverletzung (24,4 %) sehr hoch (Abbildung 14037). Dagegen liegt der Anteil von Ausländern an den Straftaten insgesamt (jedoch ohne Straftaten gegen Aufenthalts-Gesetz, Asylverfahrens-Gesetz und Freizügigkeits-Gesetz) mit 19,4 % erheblich niedriger.


Daraus läßt sich zweierlei ableiten: Erstens, fallen Ausländer besonders durch schwere Straftaten auf, an denen sie weit stärker beteiligt sind als an allen Straftaten zusammen. Zweitens liegt der Anteil registrierter Ausländer an der deutschen Bevölkerung nur bei etwas über 4 % und, läßt man die Ausländer aus den Alt-EU-Ländern, Nordamerika und Australien, die nicht besonders gewaltkriminell sein dürften, heraus, so sind es nur etwa 2 % registierte Ausländer an der Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt die zahlenmäßig nicht bekannte Menge an Ausländern, die sich in Deutschland aufhalten, ohne registriert zu sein. Jedenfalls dürfte der ausländische Anteil an allen Tatverdächtigen, vor allem bei den schweren Verbrechen, weit höher sein, als ihr Anteil an der Bevölkerung.

Der Anteil von Ausländern aus nur 6 Ländern in Osteuropa, Balkan, Türkei und Irak an allen wegen Mord und Totschlag verdächtigten Ausländern liegt bei über 56 %, angeführt von der Türkei mit 32 % (Abbildung 14038).


Im internationalen Vergleich ist der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung relativ hoch und wird schon jetzt fast nur von den ausgesprochenen Einwanderungsländern Kanada und Australien übertroffen (Abb. 13285). Immigranten leben in Deutschland konzentriert in wenigen Großstädten, wo sie hohe Anteile an der einheimischen Bevölkerung erreichen. Das gilt vor allem für Kinder mit Immigranten-Hintergrund in Großstädten we Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf und Stuttgart, wo die Anteile bereits um zwei Drittel betragen (Abb. 13280). Kinder mit Immigranten-Hintergrund werden vom deutschen Schulsystem besonders schlecht integriert. Der Abstand in der Leseleistungen von Immigrantenkindern der 2. Generation zu Einheimischen ist in keinem der Vergleichsländer so groß wie in Deutschland (Abb. 13355). Etwa die Hälfte der Jugendlichen mit Immigrantenhintergrund erreicht keinen für den Beruf qualifizierenden Abschluß (Abb. 12281). Auch diese Situation verspricht für die Zukunft erhebliche Probleme und höhere Kriminalitätsniveaus.





Mit der neuen Schengenöffnung nach Osteueropa, die dem Globalisierungstrend folgt, werden die deutschen Ost-Grenzen nicht mehr direkt kontrolliert. Die Abwehr von Immigration auch aus dem kriminellen Milieu hängt damit vor allem von der Effizienz ab, mit der Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn ihre nun um ein Mehrfaches längere Schengen-Ostgrenze nach Osteuropa und zum Balkan sowie indirekt zur Türkei und zum Irak wirkungsvoll kontrollieren können. Es bestand kein Zwang, diese Länder schon jetzt in Schengen aufzunehmen. Selbst Alt-EU-Länder wie Großbritannien und Irland beteiligen sich aus Sicherheitsgründen nicht an Schengen; wegen der Insellage brauchen sie allerdings auch weniger Personal für die Grenzüberwachung.

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global news 972 21-12-07: Jahresende, aber kein Ende der Kreditkrise
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Der letzte Rundbrief in diesem Jahr kehrt noch einmal zur globalen Kreditkrise zurück, die das global prägende Ereignis des Jahres geworden ist. Sie wird uns nach allen Indikatoren auch ins nächste Jahr und vielleicht noch länger verfolgen. Mit gewaltigen Mitteln von 349 Mrd Euro mit zweiwöchiger Laufzeit ohne Aufschlag gegenüber dem Zentralbankzins ist es der EZB gelungen, den kurfristigen Euriborzins zwischen Banken herunterzuholen. Dagegen blieb der 3-Monats-Euribor bei 4,79 % hängen und damit nur knapp unter seinem Gipfel von 4,95 % und weit über dem Zentralbankzins von 4,0 % (Abb. 03676). Die EZB hat bisher im Drei-Monats-Bereich 383 Mrd Euro angeboten, die damit weitgehend wirkungslos geblieben sind. Das zeigt, wie wenig die Banken einander auch ins neue Jahr hinein vertrauen.


Heute nun wird bekannt, daß auch die führend Wallstreet-Bank Morgan Stanley's 7.8 Mrd $ abschreiben mußte. Damit sind bisher Abschreibungen im Gesamtumfang von mehr als 71 Mrd $ mitgeteilt geworden (Abb. 03679). Wie schon zuvor UBS und Citygroup mußte sich auch Morgan Stanley's von einem Staatsfonds retten lassen. In diesem Fall erwarben die Chinesen einen strategisch wichtigen Anteil von rund 10 %.


In Zukunft werden diese Großbanken von Entscheidungen in Asien abhängig sein, zumal sich die Anteile bei weiteren Abschreibungen noch erhöhen können. Nach einer Übersicht der deutschen Bank haben die Staatsfonds zusammen derzeit eine Feuerkraft von 3,1 Billionen $. Das entspricht dem neunfachen Börsenwert der 12 größten deutschen Unternehmen. Die 17 größten Staatsfonds halten zusammen bereits fast 3 Billionen $ (Abb. 03695).


Insgesamt gibt es etwa 1 Billion Dollar an minderwertigen Hypotheken. Verbreitet wird mit einem Abschreibungsbedarf in der Größenordnung von 400 Mrd $ gerechnet, an dem gemessen die bisherigen Abschreibungen erst 18 % ausmachen. Außerdem haben die Rating Agenturen begonnen, einige große Versicherer von Obligationen herunterzustufen, was zu weiterem Abschreibungsbedarf bei den Haltern der so versicherten Obligationen führen wird. Der größte derartige Versicherer MBIA mußte heute einräumen, daß er 8,1 Mrd $ an minderwertigen Papieren versichert hat. Insgesamt hat MBIA allein 30 Mrd $ an Papieren versichert, die mit Hypotheken verbunden sind. Die MBIA-Aktien fielen sofort um 27 %.

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global news 971 20-12-07: Konjunkturerwartungindex der Gesellschaft für Konsumforschung weiter gesunken
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Auch im Dezember ist der Index der Konjunkturerwartung der Konsumenten zum siebentenmal in Folge, wenn auch nur leicht, gesunken (Abb. 04917). Dennoch wird im Kommentar der GfK überraschend vermerkt: „Die Verbraucher beabsichtigen, die Kaufzurückhaltung der letzten Monate zumindest teilweise aufzugeben." Die GfK erwartet im kommenden Jahr einen Einkommenszuwachs von 3,8 Prozent. Wie sie zu dieser Annahme kommt, ist unerfindlich. Selbst die Bundesbank, die in der Regel auch auf Optimismus macht, ist mit 2,2 % da viel vorsichtiger.


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global news 970 20-12-07: Berliner Globalisierungsgipfel: Ablenkungsmanöver mit window-dressing?
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Zwei Meldungen aus der Financial Times von heute: China hat Großbritannien als größter Lieferant der Eurozone in den ersten 9 Monaten 2007 verdrängt, wobei seine Exporte mit 20 % erneut gewaltig zulegten ( Abb. 12972). Das Handelsbilanzdefizit der Eurozone mit China lag dabei mit 80 Mrd Euro fast auf der Höhe des gesamten Jahres 2006 (90 Mrd Euro). Für das ganze Jahr 2007 kann jetzt mit einem Defizit der Eurozone von mehr als 110 Mrd Euro gerechnet werden.



Zweite Meldung: Frau Merkel will die Spitzen vom Weltbank, Internationaler Währungsfonds, Welthandelsorganisation, Internationale Arbeitsorganisation und andere nach Berlin einladen. Ziel soll sein, die Organisationen zu drängen, besser zusammenzuarbeiten, um die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Globalisierung zu managen. Es sollen faire Bedingungen für eine soziale und offene Weltwirtschaft geschaffen werden. Unter anderem sollen die internationalen sozialen und Umweltstandards sowie der Schutz geistigen Eigentums verbessert werden. Die Organisationen sollen an einem Steuerungsausschuss teilnehmen, der die fünf Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika zusammenbringen soll. Das klingt alllerdings wieder nach "window-dressing" wie schon der G8-Gipfel in Heiligendamm, denn weder das Parteiprogramm der CDU noch das der SPD enthält wirksame Maßnahmen, wie z.B. die von der Globalisierung erzeugte soziale Aufspaltung aller Gesellschaften um den Globus herum, auch der deutschen, eingedämmt weden kann. Da bringen die vagen Hinweise auf ein neues UN-Gremium (SPD) oder die Internationale Arbeitsorganisation (CDU) gar nichts. Nur Änderungen an den Spielregeln der Welthandelsorganisation würden helfen, aber an die denkt die Bundesregierung natürlich nicht.

Übrigens lädt der britische Regierungschef seinerseits zu einer Konferenz ein, die die Schwellenländer und Entwicklungsländer stärker an der Globalisierung und den dafür verantwortlichen Organisationen beteiligen will. Das ist in jedem Fall nicht mal ein "window-dressing" für ein besseres soziales Management der Globalisierung sondern eher das Gegenteil, weil noch mehr Rechte z.B. für China nur das Gegenteil bewirken können.

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global news 969 19-12-07: Nun rutscht auch der Ifo-Index weiter ab
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Nach den Indikatoren von ZEW (Finanzanlysten, Abb. 04762) und GfK (Konsumenten, Abb. 04917) ist jetzt auch der Ifo-Index für die Erwartungen der Unternehmen weiter abgerutscht (Abb. 04589). Dazu der Ifo-Kommentar: „Die Unternehmen beurteilen ihre momentane Geschäftslage deutlich weniger positiv, der Indikatorwert liegt aber klar über dem langjährigen Durchschnitt. Die Aussichten für das kommende halbe Jahr werden unverändert zurückhaltend eingeschätzt. Die konjunkturelle Dynamik lässt weiter nach." Weiterer Kommentar von mir entbehrlich.




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global news 968 19-12-07: Nach USA und Großbritannien fällt Spanien als dritter Domino der Kreditkrise?
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Spanien war in der Welt nach Großbritannien und Irland das Land mit der höchsten Preissteigerung bei Immobilien: über die letzten 10 Jahre fast eine Verdreifachung (Abb. 03016). Die relativ niedrigen Hypothekenzinsen und die Sonne haben dazu beigetragen. Doch jetzt sind dunkle Wolken aufgezogen. Von der spanischen Webseite Negocios: Seit dem August haben spanische Banken verbriefte Hypothekenkredite lediglich im Wert von 2,5 Mrd Euros bei Investoren platzieren können. Trotzdem verbriefen die Kreditinstitute weiterhin im großen Stil Kredite und nehmen sie in die eigene Bilanz auf. Seit August haben spanische Banken Kredite im Wert von 44 Mrd Euros verbrieft, ohne sie an den Finanzmärkten zu platzieren. Und eine grosse Zahl an weiteren Verbriefungen ist geplant. Die spanischen Finanzinstitute verwenden diese verbrieften Kredite als Sicherheit um sich bei den Liquiditätsspritzen der EZB zu bedienen. Spanien hat eines der grössten Handelsbilanzdefizite weltweit. Vor der Kreditkrise konnten sich spanische Banken über den Interbankenhandel und über Kreditverbriefungen die notwendige Finanzierung für das Handelsbilanzdefizit besorgen.


Seit August sind diese Finanzierungsquellen versiegt und augenblicklich finanziert die EZB mit ihren Liquiditätsspritzen das spanische Handelsbilanzdefizit. Unglaublich, aber wahr, die spanische Banken "verkaufen"/verpfänden die nicht mehr wegzubringenden Kredite an die EZB! Spanische Banken versuchen weiterhin mit allen Mitteln durch sehr hohe Zinslockangebote an Liquidität zu kommen. Bankberater sollen auch schon ihren Kunden empfehlen, Aktien und Investmentfonds zu verkaufen, um die hohen Zinsangebote bei Spareinlagen zu nutzen. Immobilien werden fast keine mehr verkauft. Die Preise, die im Vergleich zum Vorjahr noch etwa 5 % höher liegen haben wie in USA und Großbritannien zu fallen begonnen (Abb. 03017). Das Angebot wird immer grösser. Viele Maklerbüros, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, müssen jetzt wegen Umsatzeinbruch schliessen. Einige Bauträger sind schon im Zahlungsverzug. Die offizielle Arbeitslosenstatistik beginnt zu steigen. Der Konsum, bisher auch eine wichtige Stütze der spanischen Wirtschaft, beginnt wegen Inflation und höheren Hypothekenraten einzubrechen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Spanien in eine schwere Rezession fällt.


Wenn nun nach den USA und Großbritannien auch Spanien schwer an der Kreditkrise krankt, sind nicht weniger als ein Fünftel des deutschen Exports betroffen. Was das für Deutschland bedeuten kann, kann man sich leicht ausrechnen. Aber auch in Frankreich und Italien bricht das Wachstum ein. Nimmt man diese Länder noch dazu, so sind es 37 % (Abb. 14035).


Wie hartnäckig übrigens die Kreditkrise selbst zwischen den Banken ist, zeigt der 3-Monats Euribor-Zins, der trotz der gewaltigen Liquiditätsspritze der EZB vom Dienstag bisher kaum heruntergekommen ist (Abb. 03676).


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global news 967 18-12-07: Von der Tröpfeltheorie zu den sozialen Realitäten
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In zweierlei Weise betreiben die Neoliberalen ihre Sandkanone, die den Menschen bei den sozialen Verhältnissen die Augen zuschmeißen will. Da werden sie erstens vertröstet: „Wartet nur, der Wohlstand tröpfelt von den Reichen nach unten." Noch schlimmer ist der zweite Sandwurf: „Was wollt ihr denn? Wenn die paar Wohlhabenden ihren Einkommenszuwachs verteilten, käme bei normalen Menschen schon arithmetisch kaum etwas an?"

Natürlich sind das nicht die sozialen Realitäten. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres sind die Unternehmens- und Vermögenseinkommen der Kapitaleigner gegenüber der Vorjahresperiode um 31,0 Mrd Euro gestiegen. Das Arbeitnehmerentgelt stieg gerade einmal nominal um 25,2 Mrd Euro. Doch dessen Verteilung war höchst ungleich. Schon 2004 bezog das oberste Fünftel - die Besserverdiener bis zu den exorbitant bezahlten Managern - nach einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung von 2006 bereits 37 % der Einkommen. Eine neuere Berechnung gibt es leider nicht, aber man kann wohl unterstellen, daß es in 2007 schon 40 % geworden sind. Dann hat das oberste Fünftel in den ersten drei Quartalen 2007 10,1 Mrd Euro mehr an Einkommen erzielt, während es bei den vier weiteren Fünfteln 15,1 Mrd waren (Abb. 14032).


Im Klartext: Kapitaleigner und das obere Fünftel der Arbeitnehmer haben fast dreimal mehr vom zusätzlichen Einkommen aus den ersten drei Quartalen 2007 eingesteckt als die große Masse der vier Fünftel an Beziehern von Arbeitnehmerentgelt.

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global news 966 18-12-07: Unternehmen, die zu Lasten der Arbeitnehmer Gewinne und Export hochgefahren haben, werden jetzt vom Ausland gekauft
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Nach einer heutigen Mitteilung im Handelsblatt sind die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne nun mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren. Gegenüber 2005 ist ihr Anteil um 20 auf nunmehr 53 Prozent gestiegen (Abb. 14034, 14033). Dabei gibt die Hälfte der Unternehmen nur die institutionellen und strategischen Investoren, wie Blackstone, Barclays, Sun Life, Capital Research oder die Staatsfonds von Dubai und Kuwait an, nicht aber ausländische Privataktionäre, so daß die eigentlichen Anteile in ausländischer Hand noch weit höher sein dürften.



Noch vor fünf Jahren waren die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) nur zu einem Drittel in ausländischer Hand, vor zehn Jahren gar nur zu einem Zehntel. Zwei Gründe werden für diese Entwicklung genannt. Erstens haben die deutschen Unternehmen in den letzten Jahren die Gewinne stärker hochgedrückt als die der anderen Länder (Abb. 12531). Das vierte Mal in Folge legen in diesem Jahr die Nettogewinne der deutschen Großkonzerne stärker zu als in Rest-Europa und den USA. Und zweitens wird die starke Exportleistung vom Ausland honoriert.


Doch sowohl der Gewinnanstieg, wie die Exportentwicklung gingen nicht zuletzt zu Lasten der deutschen Arbeitnehmer, die die geringste Lohn- und Gehaltsentwicklung, verglichen mit ihren Konkurrenten hatten (Abb. 12967). Das heißt dann im Klartext: Die deutschen Kapitaleigner profitieren von steigenden Kursen, doch immer mehr des Gewinns geht ins Ausland. Die deutschen Arbeitnehmer erreichen mit Lohnverzicht immer mehr Profit vor allem für ausländische Kapitaleigner.


Außer den Rekordgewinnen und dem hohen Wachstum animiert der starke Euro Investoren aus dem Dollarraum zum Kauf deutscher Aktien. So streichen US-Investoren außer Kurs- auch Währungsgewinne ein. Sie machen 2007 zehn Prozent aus, in den vergangenen fünf Jahren summieren sie sich auf 40 Prozent. Während den deutschen Arbeitnehmer bei einem starken Euro noch mehr Lohndisziplin abverlangt wird, freuen sich also die nun stark vertretenen ausländischen Unternehmenseigner aus dem Nicht-Euro-Raum.

Hat schon mal jemand, statt den Jubelmeldungen in den Medien zu folgen, darüber nachgedacht, was das eigentlich sozialpolitisch bedeutet für ein Land, in dem der soziale Graben besonders tief und breit aufreißt? In den ersten drei Quartalen 2007 haben Kapitaleigner und das obere Fünftel der Arbeitnehmer - die Besserverdiener bis zu den Vorstandschefs - fast dreimal mehr vom gegenüber dem Vorjahr zusätztlichen Volkseinkommen eingesteckt als die große Masse der vier Fünftel an Beziehern von Arbeitnehmerentgelt. Sollte man den deutschen Arbeitnehmern in den Dax-Konzernen nicht einmal erklären, daß ihr Lohnverzicht vor allem das Ausland glücklich macht?

Und hat schon mal jemand darüber nachgedacht, warum sich die nun mehrheitlich in ausländischer Hand befindlichen deutschen Großunternehmen so wenig um deutsche Sozialverhältnisse kümmern und auch warum sie ihren Managern diese exorbitanten Einkommen zubilligen, die die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aufschreien lassen?

Die beschriebenen Verhältnisse passen übrigens zu einer neuen FT/Harrispoll-Umfrage. Danach haben die Deutschen bei weitem am wenigsten Nationalgefühl (Abb. 13360).


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global news 965 17-12-07: Immer mehr Niedrigstlöhner
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Nach Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen arbeiteten 2006 5,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland für Bruttostundenlöhne unter 7,50 Euro (Abb. 14030). Das waren 900.000 Menschen bzw. knapp 20 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor und ergab einen Anteil von 17,7 Prozent an den abhängig Beschäftigten, während es zwei Jahre vorher noch 15,0 % gewesen waren. Die 1,9 Millionen mit Löhnen unter 5 Euro (400.000 Menschen mehr als 2004) arbeiten für Löhne, die in Nachbarländern wie Frankreich, Großbritannien oder in den Niederlanden unzulässig wären. In der Folge müssen niedrige Löhne zunehmend durch Arbeitslosengeld II subventioniert werden - das waren im Oktober 2006 1,1 Millionen Menschen, darunter 440 000 Vollzeitbeschäftigte.


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global news 964 17-12-07: Exportweltmeister auf schwachen Füßen (Innovationsbericht)
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Bekanntlich wird uns eingeredet, daß wir dem Druck der Milliarden Billigstarbeiter der Welt entgehen könnten, wenn wir die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken. Jetzt hat das DIW Berlin ausgerechnet: Deutschland rangiert auch weiterhin nur im Mittelfeld von 17 Ländern und konnte sich gegenüber seinen wichtigsten Wettbewerbern erneut nicht entscheidend verbessern. Deutschland ist bei dieser jährlich stattfindenden Messung auf den achten Platz und damit hinter Großbritannien zurückgefallen (Abb. 12946).


Dabei werden sieben Bereiche ausgewertet: Bildung, Forschung und Entwicklung, Finanzierung von Innovationen, Vernetzung der Innovationsakteure, Umsetzung in die Produktion, innovationsfördernde Regulierung und Wettbewerb sowie innovationsfreundliche Nachfrage. Die besondere Stärke deutscher Unternehmen in der Produktion und im internationalen Handel mit FuE-intensiven Gütern (Platz 1). Doch der Bericht stellt auch viele kritische Einzelsymptome fest. Deutschlands größte Schwäche liegt auch in diesem Jahr wieder im Bildungsbereich. Gegenüber den Vorjahren zeigt sich keine Wende zum Positiven. Deutschland ist im Subindikator „Bildung" sogar vom 11. auf den 13. Platz abgerutscht und hinkt seinen Wettbewerbern in quantitativen und qualitativen Aspekten des Bildungssystems hinterher. Im Bereich Zugang zur tertiären Bildung erreicht Deutschland sogar (wie im Vorjahr) nur den vorletzten Platz, was zu künftigen Engpässen beim Angebot von hoch qualifizierten Arbeitskräften für den Innovationsprozess führen kann.

Deutlich schlechter werden der Ausbau und die Nutzung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (IuK) in Deutschland eingeschätzt (Platz 12). Mit ihrer Forschungsintensität liegen deutsche Unternehmen nur im Mittelfeld (Rang 8), und aufgrund der geringen Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung haben sie Nachteile gegenüber ihren Konkurrenten. Vor dem Hintergrund eines steigenden Bedarfs an qualifiziertem Personal und des demographischen Wandels stellen hoch qualifizierte Frauen oft ein für den Innovationsprozess ungenutztes Arbeitskräfte- und Kreativitätspotential dar. Deutschland schneidet sowohl bei der Partizipation von Frauen am Innovationsprozess (Platz 14) als auch bei den Einstellungen dazu (Platz 12) schlecht ab. Eine weitere Schwäche zeigt sich in der geringen Bereitschaft zur Übernahme unternehmerischer Risiken (Rang 16), die mit einer geringen Gründungsaktivität (Rang 11) einhergeht.

Natürlich findet auch hier der Bundeswirtschaftsminster wieder nur die positive Interpretation. So heißt es in der Überschrift zu seiner Presseerklärung: Innovationsindikator 2007: Deutschlands Rüückstand zur Innovations-Weltspitze vermindert". Da ist allerdings nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit.

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global news 963 17-12-07: Deutsche Arbeitskosten am Ende
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Auch im 3. Quartal 2007 lagen die deutschen Arbeitskosten im Vergleich der Alt-EU-Länder auf dem letzten Platz (Abb. 12969). Hier zeigt sich der negative Lohndruck kombiniert mit einem Mangel an flächendeckendem Mindestlohn.


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global news 962 15-12-07: Die Banken haben begonnen, ihre angebrannten Vehikel wieder einzusammeln
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Unter dem Druck der präferentiellen Gläubiger, die jederzeit nach Herabstufung von Vehikeln durch die Rating Agenturen einen Notverkauf veranlassen können, um sich bevorzugt zu bedienen, sind offensichtlich nun die ersten Banken gezwungen, die Vehikel in die eigene Bilanz aufzunehmen. Die Citygroup, der Welt größte Bank, tut das mit sieben Vehikeln, die zusammen 49 Mrd $ Buchwert haben. Ebenso sind HSBC und Societe Generale vorgegangen.

Allerdings verschlechtert ein solcher Schritt die Kapital-zu-Schulden-Rate der Banken und damit ihr Standing und schränkt ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe ein. Moddy's hat prompt das Rating für die finanzielle Stärke von Citygroup heruntergestuft.

Insgesamt hielten 11 besonders exponierte Banken Mitte Juli 245 Mrd Dollar an SIVs. Darunter befanden sich mit Dresdner, WestLB, HSH Nordbank und IKB allein 4 deutsche, die mit 51,3 Mrd DM mehr als 1/5 des Volumens der 11 Banken vereinigten, oder ein Drittel unter 10 Banken ohne Citygroup (Abb. 03686). In ihrer letzten Financial Stability Review vom 12. Dezember errechnet die EZB für 11 große Europäische Bankengruppen einen Betrag von 244 Mrd Euro, der derzeit außerhalb der Bilanzen in besonderen Vehikeln geparkt ist und der im Ernstfall bei 100 % Risiko in die Bilanzen zurückintegriert werden müßte. Das sind 10,4 % verglichen mit dem Wert der Einlagen dieser Banken, also kein Kleckerlesbetrag, auch wenn die EZB keine Insolvenz erwartet.


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global news 961 14-12-07: Immer weniger reales Geld in der Arbeitnehmertasche
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Wie paßt das alles noch zusammen? Die Produktivität pro Beschäftigten ist in den ersten 10 Monaten dieses Jahres laut Bundesbank um sage und schreibe 5,5 % gestiegen und hat damit große Spielräume für Lohn- und Gehaltssteigerungen aufgemacht (Abb. 14029).


Doch in der Industrie, und die zahlt noch besser als die Dienstleistungsbranche, stieg das Entgelt pro Beschäftigten inflationsbereinigt nur um 0,4 % und ging pro Arbeitsstunde sogar um 0,3 % zurück (Abb. 04009). Nimmt man die vielen Billigstjobs im Dienstleistungsbereich hinzu und die weitestgehend eingefrorenen Renten, Sozialleistungen und Bezüge im öffentlichen Dienst, so bekommt man ein Gefühl für das, was in den Taschen normaler Arbeitnehmer los ist. Eine immer größere Ebbe. Wo bleiben da die stolzen Erfolge der IG Metall und anderer Gewerkschaften bei den Tariffabschlüssen dieses Jahres? Man muß wohl auch annehmen, das vieles des angeblichen Beschäftigungswunders auf geringbezahlte Jobs entfällt. Da ist der Einkommensunterschied zwischen der staatlichen Stütze und dem Lohn nicht sehr groß und dementsprechend wenig mehr Kaufkraft vorhanden.


Heute auch meldet das Statistische Bundesamt einen Zuwachs an Arbeitstunden in der Industrie im Oktober gegenüber Vorjahr von 6,1 %. Schön denkt man. Doch dann kommen die zwei Hammer: Gesamtentgelte +5,3 % oder ein Minus von 0,8 % pro Stunde. Die zweite Meldung betrifft die endgültige Inflationsrate für November von 3,1 %. Wenn man das alles zusammennimmt, bleibt netto ein Minus von 3,9 %.

Zur Erinnerung: Alle Konjunkturprognosen für nächstes Jahr bauen auf ein starkes Anziehen der Verbraucherkonjunktur, so die OECD von minus 0,2 % in 2007 auf plus 1,8 % in 2008 (Abb. 12964). Die Prognosen von Bundesregierung, Wirtschaftsforschung und Sachverständigenrat sehen ähnlich aus.


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global news 960 14-12-07: Kreditkrise: Die Zentralbanken mit ihrem Latein am Ende? Kreditpapiere von mehr als 10 % des Wertes der Bankeneinlagen in Gefahr
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In eine gewaltigen und bisher einmaligen Aktion waren Fed, EZB, Bank of England und einige andere Zentralbanken angetreten, um den Kreditzins zwischen Banken wieder auf ein normales Maß herunterzuschleusen, bevor die Investitionsbremse fehlender Bankkredite die Realwirtschaft wegbremst. Denn seit etwa einem Monat ist dieser kritische Zins ständig gestiegen und zeigt damit, wie wenig sich die Banken nun gegenseitig trauen und wie sehr sie alle Liquidität selbst brauchen, falls ihnen per Abschreibungen die Luft ausgehen sollte (Abb. 03676). Allein EZB und Schweizer Nationalbank haben mit der Fed eine Vereinbarung getroffen, um 24 Mrd $ an europäische Banken zu auktionieren. In USA wird die Fed 40 Mrd $ zur Verfügung stellen, wobei als Sicherheiten sogar immobilienbezogene Papiere akzeptiert werden sollen.


In USA gibt es jetzt erste auf eine Rezession spekulierende Prognosen. Wenn dann die Hauspreise erst recht nachgeben und immer mehr Häuser unter den Hammer kommen, sind die minderwertigen Hpotheken, mit denen sich viele Banken vollgefressen haben, erst recht am Tanzen. Waren Ende Oktober 5,5 Mrd $ an Hypothekenpapieren angebrannt und mußten von den Rating Agenturen heruntergestuft werden, so sind es nur 6 Wochen später schon mehr als 45 Mrd $. Die internationalen Banken mußten schon 66 Mrd Dollar abschreiben (Abb. 03679). In ihrer letzten Financial Stability Review vom 12. Dezember errechnet die EZB für große Europäische Bankengruppen einen Betrag von 244 Mrd Euro, der derzeit außerhalb der Bilanzen in besonderen Vehikeln geparkt ist und der im Ernstfall bei 100 % Risiko in die Bilanzen zurückintegriert werden müßte. Das sind 10,4 % gemessen am Wert der Einlagen dieser Banken, also kein Kleckerlesbetrag, auch wenn die EZB keine Insolvenz erwartet.


Nun allerdings scheint die mit einem enormen Medienwirbel gestartete Aktion der Zentralbanken zu verpuffen, ohne ihr Ziel zu erreichen. Einen Tag nach der Aktion steht der 3-Monats-Euribor immer noch auf der siebenjährigen Rekordmarke, fast 1 % über dem Zentralbankzins. Auch in USA fiel die Zinsrate kaum. Offensichtlich erwarten Banken weitere schlechte Nachrichten und lassen sich daher auch nicht durch mehr Liquidität zu mehr Kredit verführen. In Großbritannien blieb die TED-Zinsdifferenz zwischen den Schatzpapieren und Libor bei 2,12 Prozentpunkten, nahe dem höchsten Stand seit Ausbruch der Kreditkrise. Premierminister Brown nannte die Situation heute vor dem Unterhaus einen Weckruf; die vorhandenen Insititutionen seien nicht gut genug.

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extra global news 959 14-12-07: Deutsches Arbeitslosengeld im internationalen Vergleich besonders niedrig
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Heute meldet SPIEGEL online: „Deutsche Arbeitslose beziehen überdurchschnittlich viel Geld". Die Reformgegner werden staunen: Trotz der Einschnitte durch die Hartz-Gesetze bekommen Langzeitarbeitslose in Deutschland mehr Geld als in anderen Ländern."

Das ist allerdings an den Haaren herbeigezogen und spricht für miesen deutschen Journalismus auf BILD-Niveau. Der Durchschnitt wird von meist nicht vergleichbaren Ländern wie Tschechien, Polen, Spanien, Ungarn, Portugal, Slowakei, Griechenland und Türkei stark nach unten gezogen, sagt also gar nichts. Seit wann vergleicht sich Deutschland sozialpolitisch mit der Türkei? Von den wirklich vergleichbaren Industrieländern liegen nur Frankreich und Japan leicht unter Deutschland. Dagegen liegen Dänemark, Irland, Österreich, Niederlande, Belgien, Schweden, Schweiz, Finnland, Luxemburg und Großbritannien mit teilweise erheblich höheren Setzen an Arbeitslosengeld gemessen am letzten Nettolohn über Deutschland (14025). Je nach Familiensituation ergeben sich kleinere Unterschiede (Abb. 14027, 14028).




Was noch schlimmer ist: Kein Land hat seit 2001auch nur annähernd so stark gekürzt wie Deutschland. Die Hälfte der 14 Länder hat aufgestockt oder den Stand gehalten (Abb. 14026).


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global news 958 13-12-07: Kippt die neoliberale Globalisierung?
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Aus gleich drei Ecken kommt die neoliberale Globalisierung derzeit mächtig unter Beschuß. Erstens erschüttert die schwere globale Kreditkrise das Modell, nachdem diese Wirtschaftsordnung gebaut ist. So schreibt Martin Wolf, der wirtschaftliche Chefkommentator der Financial Times, heute unter der Überschrift: „Warum die Kreditkrise ein Wendepunkt für die Welt ist": „Was heutzutage auf den Kreditmärkten passiert, ist ein Riesenschlag für die Glaubwürdigkeit des angel-sächsischen Modells eines an Transaktionen orientierten Finanzkapitalismus. Eine Mischung von Spießgesellentum des Kapitalismus und grober Inkompetenz wurde auf den zentralen Finanzmärkten von New York und London zur Schau gestellt. Diese Aktivitäten waren mit Interessenkonflikten angefüllt. .. Die Kreditrisiken wurden auf die Schultern derer geschoben, die sie am wenigsten verstehen konnten. Im Ergebnis sehen wir heute ein schnelles Zusammenschrumpfen der Märkte für besicherte kommerzielle Papiere" (Abb.03694, gegenüber dem Gipfel von 1,2 Billionen Dollar vor der Kreditkrise bereits ein Rückgang um 30 % in nur 4 Monaten). Wort für Wort Keulenschläge, wenn man berücksichtigt, daß Martin Wolf bisher so etwas wie das neoliberale Gewissen der FT war.


Dabei kommen die Teufelsschüler mit ihren eigenen Instrumenten nicht mehr klar. Die Banken pumpen immer mehr Liquidität ins System und senken, wie die Bank of England, die Zinsen, ohne das die Kreditzinsen zwischen Banken auf ein erträgliches Maß zurückfinden (Abb.3676). Damit wird die Rolle der Zentralbanken, neben denen der Finanzaufsichtsbehörden, immer zweifelhafter, wie Martin Wolf ebenfalls feststellt. Angesichts der gegenwärtigen Eingriffe der amerikanischen Regierung in den Hypothekenmarkt mit Druck auf die Zinsfixierung wird man sich künftige neoliberale Lektionen der USA nicht mehr gefallen lassen. Auch weiß niemand, wer in Zukunft die riesigen Zahlungsbilanzüberschüsse von China, Japan, Deutschland und der Ölländer aufnehmen soll, wenn die amerikanischen Verbraucher, wie erwartet wird, nun zunehmend ausfallen. Morgan Stanley's Chef-Ökonomist Berner hat heute zum ersten Mal eine Rezession in USA vorausgesagt, und zwar für das Jahr bis zum 3. Quartal 2008, mit einer Abschwächung der privaten Nachfrage auf eine Jahresrate von nur noch 1 % und einer Abschwächung der Unternehmensgewinne um 5 bis 10 %.


Zweitens beweist die derzeitige und offensichtlich festgefahrene Bali-Konferenz vor allem eines: Das Weltklima ist in einer neoliberal organisierten Welt nicht mehr zu retten. Unter anderem verlangen Brasilien, Indien und China vom Westen, Technologie zur sauberen Energiegewinnung billig oder gratis abzugeben - und die Patentrechte gleich dazu. Die Industriestaaten hätten erst die Luft mit Kohlendioxid verpestet, und wollten sich jetzt auch noch am Klimawandel bereichern, indem sie grüne Technologie verkaufen. Das trifft vor allem auch Deutschland in seinen neoliberalen Erwartungen an neue Geschäftsmöglichkeiten.

Drittens schließlich zeigen alle Umfragen in den alten Industrieländern, daß sich normale Menschen mehrheitlich nicht mehr als Gewinner dieser Form von Globalisierung erkennen können. Zu groß sind inzwischen die sozialen Verwerfungen und Ängste vor weiteren geworden. Immer stärker steigende Unternehmens- und Vermögenseinkommen haben z.B. in Deutschland zu immer mehr Ersparnis geführt, die dem Verbrauch und der deutschen Binnenkonjunktur entzogen und statt dessen spekulativ und, wie man jetzt sieht, weitgehend sinnlos auf den internationalen Finanzmärkten (und in Auslandsinvestitionen) angelegt wurde. Das läßt sich sehr schön auch durch einen Vergleich der Entwicklung der gesamten Sparquote einerseits und der Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits nachweisen. Seit 10 Jahren laufen diese Entwicklungen nun absolut parallel. Je besser sich die Unternehmens- und Vermögenseinkommen als Anteil am Volkseinkommen entwickelten, umso höher stieg die von den Besserverdienern zum Nachteil der Situation normaler Menschen hochgetriebene Sparquote (Abb. 04978). Die Politik kann sich dieser neuen Stimmungslage der Menschen nicht mehr völlig verschließen. Das zeigt sich jetzt im amerikanischen Wahlkampf mit den letzten globalisierungskritischen Bemerkungen von Hillary Clinton sehr deutlich.


Die drei Felder zeigen, wie die neoliberale Globalisierung begonnen hat, an ihren inneren Widersprüchen zu zerbrechen. Es wird allerdings ein qualvoller und langanhaltender Prozes mit schweren Konvulsionen sein. Die neoliberalen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, auch in Deutschland, glauben noch, daß es einfache Reparaturen am System gibt, ohne es grundsätzlich ändern zu müssen. Sie werden sich täuschen und wir werden unter ihrem langen Lernprozeß leiden müssen. Demgegenüber wirkt das derzeitige Vertrauen der Börsianer auf die Zentralbanken oder Regierungen wie das der Titanic-Passagiere auf den Kapitän.

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global news 957 12-12-07: Deutsche Frauen aus Familiengründen weit überproportional nicht berufstätig
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Nach einer neuen Eurostat-Erfassung sind 10 % aller Frauen im Alter zwischen 15 und 65 wegen Familienpflichten nicht berufstätig. Das ist ein Wert im Mittelfeld der Alt-EU (Abb. 12971), wenn auch weit hinter den skandinavischen Ländern. Wenn man allerdings berücksichtigt, daß auf deutsche Frauen die wenigsten Kinder entfallen, sind wahrscheinlich deutsche Frauen mit Kndern weit mehr an Berufstätigkeit gehindert als in anderen Ländern. Eine der Erklärungen ist der Mangel an Kindergartenplätzen. Mit nur 9 % aller Kinder unter 3 Jahren haben die deutschen bis auf Griechenland, Österreich und Italien die wenigsten Kindergartenplätze (Abb. 12952).



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extra global news 956 11-12-07: ZEW-Konjunkturerwartungen fallen zum 6. Mal in Monatsfolge
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Nach dem heute veröffentlichten ZEW-Umfrageergebnis unter Finanzanalysten ist der Index der Konjunkturerwartungen erneut gesunken, nun schon zum sechten Mal in Folge und weit unter den historischen Mittelkurs (Abb. 04762).


ZEW-Präsident Franz ist Miglied des Sachverständigenrats und steht der Bundesregierung nahe. Interessant ist seine ideologische Interpretation. So sagt er: „ Hinsichtlich des Konsums gehen die Experten davon aus, dass dieser innerhalb der nächsten sechs Monate weitestgehend stabil bleiben sollte. Eine Belebung des Konsums sehen sie hingegen nicht. Heimische und weltwirtschaftliche Unwägbarkeiten bremsen die Konjunkturdynamik deutlich ab. Die Verwässerung einiger Reformen hierzulande und die Unsicherheit auf den Finanz-, Devisen- und Rohstoffmärkten hinterlassen ihre Bremsspuren " Das „stabil" täuscht darüber hinweg, das es mit dem Konsum der deutschen Haushalte schlimm aussieht. Und die Kritik an dem Mangel an Reformen ist geradezu komisch angesichts des bestimmenden Mangels an Kaufkraft, der den Konsum unter negativem Druck hält - seinerseits ein Ergebnis bisheriger „Reformen" - und des ebenfalls bestimmenden weltwirtschaftlichen Umfelds.

Statt dessen sollte sich Franz für die Entwicklung der normalen Arbeitnehmereinkommen interessieren, die seit 2002 brutto und vor Kaufpreisinflation nur um magere 2 % gestiegen sind, gegenüber 62 % bei den Dax-Vorstandschefs und das noch ohne deren Aktienoptionen (Abb. 14021, 14022, 14023).




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extra global news 955 10-12-07: Schon 62 Mrd Dollar an Kreditverlusten abgeschrieben
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Mit der heutigen Ankündigung der schweizer Großbank UBS einer weiteren Abschreibung von 10 Mrd Dollar im 4. Quartal haben 16 Banken zusammen schon 62 Mrd Dollar oder 42 Mrd Euro abgeschrieben (Abb. 03679). Um das in verständliche Größenordnungen zu übersetzen: das ist soviel, wie 3,5 Millionen deutsche Arbeitnehmer im ganzen Jahr durchschnittlich verdienen.


Allerdings stehen den 62 Milliarden Dollar insgesamt etwa 1 Billion Dollar an minderwertigen Hypotheken gegenüber, von denen also erst etwa 16 % abgeschrieben sind. Deutsche Banken sind unter 12 Banken mit 56 Mrd $ von 250 Mrd $ besonders stark in den sogenannten strukturierten Investment Vehikeln (SIVs) verhaftet (Abb. 03686). Bei der Sachsenbank verlangt jetzt die LBBW eine zusätzliche Bürgschaft des Freistaats Sachsen von 4,3 Mrd Euro.


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global news 954 10-12-07: Nur noch 5 % nennen Deutschland als das Land ihrer Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit
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Selbst die Neoliberalen Scheinwerfer kommen an der sozialen Ungerechtigkeit nicht mehr vorbei. Ausgerechnet drei neoliberal orientierte Stiftungen, nämlich Bertelsmann Stiftung, Heinz Nixdorf Stiftung und Ludwig-Erhard-Stiftung, stoßen in einer neuen Studie, für die im August 2007 insgesamt 2026 Menschen befragt worden waren, auf das tiefe Gefühl sozialer Ungerechtigkeit in Deutschland. Nur 15 Prozent der Befragten sagen, der Aufschwung komme tatsächlich bei ihnen an und enthalten dementsprechend die Verteilung für gerecht (Abb. 14017). Dies ist ein historischer Tiefstand: Noch im Jahr 2006 hatten 28 Prozent der Bundesbürger erklärt, das Einkommen sei gerecht verteilt.


Stark angeknackst ist das Gefühl von Chancengleichheit, dem Grundprinzip der sozialen Marktwirtschaft, das die Menschen für besonders wichtig nehmen (Abb. 14018). Allerdings wissen 21 % der Befragten nicht, was getan werden müßte, um die Situation zu verbessern. Das spricht für Frustration und Unwissenheit gleichermaßen.


Am wenigsten realisiert ist nach Auffassung der Befragten die Verteilungsgerechtigkeit. Nur knappe 20 % sehen sie voll oder überwiegend realisiert. Dabei nennen die Deutschen mit 74 Prozent die Bekämpfung der Kinderarmut als höchste Priorität (Abb. 14019). Nahezu gleichauf liege mit 72 Prozent der Wunsch nach stärkerer steuerlicher Entlastung von Geringverdienern. Es folgen die Sicherung eines Mindesteinkommens durch Mindest- oder Kombilöhne (69 Prozent) sowie die Abschaffung von Steuerschlupflöchern.


Nur noch fünf Prozent der Befragten nennen Deutschland als das entwickelte Industrieland, das ihren Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit am nächsten kommt (Abb. 14020). Eine deutliche Mehrheit (57 Prozent) sieht die skandinavischen Länder als Vorbild. Diese seien trotz der sozialpolitischen Reformen der vergangenen Jahre mit ihren geringen Armutsquoten, niedriger Arbeitslosigkeit, Bildungschancen unabhängig von der Herkunft und vergleichsweise geringen Einkommensunterschieden beispielhaft. Abgelehnt werden dagegen die angelsächsischen Wirtschafts- und Sozialmodelle der USA und Großbritannien.


Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass, obwohl das skandinavische Modell mit einer vergleichsweise deutlich höheren Staatsquote und höheren Einkommens- und Konsumsteuern für die Bürger verbunden ist, es dennoch gerade von Bürgern mit hohem Einkommen als besonders gerecht angesehen wird: Menschen mit hohem Einkommen und aus dem oberen Viertel der Gesellschaft neigen zu über 60 Prozent sogar stärker zum skandinavischen Modell als Menschen mit niedrigem Einkommen (52 Prozent) oder aus dem unteren Viertel der Gesellschaft (49 Prozent). In dieser Verteilung dürfte sich nicht zuletzt ein Informationsmangel ausdrücken.

Das Ergebnis der Umfrage ist ein Schlag ins Gesicht der Regierungskoalition, die immer wieder behauptet, dass die wirtschaftliche Erholung auch bei der breiten Masse der Bevölkerung ankomme. Nach dieser Umfrage kann ich nur feststellen, daß das Infoportal gut im Wind liegt.

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global news 954 10-12-07: Industrieumsatz im Oktober 2007
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Während sich der Auslandsumsatz weiter dynamisch aufwärts entwickelt, bewegt sich der Inlandsumsatz nur verhalten, bei der Konsumgüterindustrie läuft er sogar seit Beginn des Jahres leicht zurück (Abb. 04910).) Die Abhängigkeit vom Export wächst immer mehr.


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global news 953 10-12-07: Kreditkrise: Vier Jahre zittern?
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Der harte Kern der globalen Kreditkrise besteht aus etwa 2 Millionen minderwertiger Hypotheken in USA, von denen allein in den kommenden zwei Jahren ein Volumen von 400 Mrd Dollar für die Anhebung des flexiblen Hypothekenzinses ansteht. Insgesamt geht es allerdings um einen Zeitraum bis 2011, ehe das Volumen der monatlichen Anhebungen herunterkommt, mit der Monatsspitze gegen Ende 2010 (Abb. 03693). Wieviele Hypotheken Not leiden und zu Zwangsversteigerungen mit fallenden Immobilienpreisen führen werden, kann sich erst über diesen langen Zeitraum zeigen. Analysen von Barklays haben ergeben, daß der an den Börsen, auch in Deutschland, gefeierte Bush-Plan nur etwa 12 % dieser Hypotheken helfen würde.


Wie stark die Krise trotz aller Liquiditätspumpen der Zentralbanken anhält, zeigt der Euribor-Zinssatz für 3-Monatskredite zwischen Banken, der in einsamer Höhe von 4,9 % und damit weit über dem Zentralbankzins von 4 % schwebt (Abb. 03676). Normalerweise liegt er etwa in ähnlicher Höhe. Heute wurde auch bekannt, daß die Schweizer Großbank UBSzehn Milliarden Dollar abschreiben muß. Es droht damit der erste Verlust in der zehnjährigen Geschichte der damals fusionierten Bank. DerStaatsfonds von Singapure und Scheichs sollen nun Kapital einschießen.


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global news 952 08-12-07: Leichter Rückgang der Produktion in der gewerblichen Wirtschaft im Oktober, stärker bei der Konsumgüterindustrie
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Nach der heutigen Meldung stagnierte die Produktion in der gewerbliche Wirtschaft im Oktober und setzte damit die enttäuschende Tendenz des Vormonats fort (Abb. 04306). Mit einem Minus von 1,3 % gegenüber Vormonat war der Einbruch im Konsumgüterbereich stärker, was der weiterhin miesen deutschen Verbraucherkonjunktur entspricht mit einer rückläufigen Tendenz beim Einzelhandelsumsatz. Die Konsumgüterindustrie ist damit wieder auf dem Niveau vom März 2007 angelangt und liegt nur um 1,8 % über dem Niveau von vor zwei Jahren.


Nun wird auch der Bundeswirtschaftsminister erstmals vorsichtig und bereitet sich auf einen Einbruch vor: "Zusammen mit den weniger zuversichtlichen Stimmungsindikatoren spricht dies für eine insgesamt etwas verhaltenere Aufwärtsdynamik der Produktion in den kommenden Monaten."

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global news 951 07-12-07: Weiter Magersucht bei deutschen Arbeitseinkommen und steigende Verbraucherinsolvenzen
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Nach der heutigen Übersicht des Statistischen Bundesamt liegt Deutschland beim Index der Bruttolöhne und -gehälter (Jahr 2000 = 100) und in der Entwicklung der Arbeitskosten des 2. Quartals gegenüber dem Vorjahr weiterhin am Ende der EU-Skala (Abb. 12968, 12969, 12967). Das sind nominale Werte, von denen noch die erhebliche Inflationsrate abzuziehen ist.




Die deutschen Arbeitskosten liegen nun in ihren Zuwachsraten schon seit 2001 ständig erheblich unter denen der Eurozone und erst recht denen der gesamten EU (Abb. 12970).


Kein Wunder, daß bei einer so miserablen Entwicklung der Arbeitseinkommen und der deswegen eingefrorenen Renten und Sozialleistungen die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ständig steigt, in den ersten 9 Monaten 2007 bereits um 16 % gegenüber Vorjahr (Abb. 04028).


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global news 950 07-12-07: Wenn die Folgen der Kreditkrise nicht durch ein Anspringen der Konsumentennachfrage ausgeglichen werden, schlittert Deutschland in die Nähe einer Rezession - Neue OECD-Projektionen
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In ihrem heutigen Wirtschaftsausblick bewertet die OECD nicht zuletzt die Risiken aus der Kreditkrise. Sie vergleicht dabei die Hauspreisentwicklung seit dem Jahr 2000 (Abb. 12963), auch gemessen an der langfristigen Einkommensentwicklung (Abb. 12962). Dabei zeigt sich, daß viele Länder noch exponierter als die USA sind. Spanien hatte z.B. einen jährlichen durchschnittlich Hauspreisanstieg um 11,2 % gegenüber 6,2 % in USA und minus 2,8 % in Deutschland.



Die Kreditkrise geht in die Projektion ein. Diese knickt für das erste Quartal 2008 deutlich ab, bei den USA auf eine Jahresrate des Wirtschaftswachstums von nur noch 1,1 % (Abb. 12961). Eigenartigerweise soll jedoch das Tief in der Eurozone schon im 4. Quartal dieses Jahres erreicht sein und wird für das erste Quartal des nächsten Jahres bereits wieder ein Wachstum von 1,8 % erwartet, das sich dann bis zum 3. Quartal auf einen relativ normalen Wert von 2 % erholen soll. Für die USA wird bis zum 4. Quartal 2009 sogar eine ständige Wachstumssteigerung bis auf 2,8 % projektiert, höher als vor der Krise (!). Offensichtlich berücksichtigt die OECD nicht die vielen ernsthaften Warnungen, die eine viel längere Dauer der Kreditkrise vorraussagen und auch die Eurozone nicht ausnehmen.


Besonders eigenartig, um nicht zu sagen unglaubwürdig, sind die Annahmen zu Deutschland. Da wird zwar eine Wachstumsabschwächung, vor allem wegen weniger Export, von 2,6 % in 2007 bis auf 1,6 % in 2009 vorrausgesagt (Abb. 12966). Auch eine Abschwächung der realen Arbeitseinkommen auf ein nur noch schwaches Plus von 0,6 % im nächsten Jahr wird angenommen (Abb. 12965).



Doch trotz dieser für die Kaufkraft bedrückenden Annahme kommt die OECD zu dem Ergebnis, daß der private Konsum von minus 0,2 % in diesem Jahr auf plus 1,8 % im nächsten Jahr hochschnellt (Abb. 12964). Es ist derselbe ungedeckte und schon mehrmals angebrannte Scheck auf das Ausgabeverhalten deutscher Konsumenten bei eingefrorener oder rückläufiger Kaufkraft, den auch die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung für 2008 gezogen haben.


Preisfrage: Wie wird die deutsche Wirtschaftsentwicklung in 2008 aussehen, wenn - wie eigentlich zu erwarten - der private Konsum weiter stagniert? Haben sich die Leute mit ihren forschen Projektionen wenigstens einen Augenblick überlegt, welche Rezession dann zu erwarten ist? Die angenommene Steigerung des privaten Konsums von 1,8 % entspricht immerhin auf das gesamte Bruttoinlandsprodukt bezogen einer Steigerung um 1,1 %. Ohne die wäre das von der OECD für das nächste Jahr angenommene Wirtschaftswachstum auf 0,7 % zu reduzieren, und das ist eigentlich schon fast eine Rezession. Ist man sich dort eigentlich bewußt, daß Deutschland auch nach den letzten Eurostat-Zahlen von gestern das absolute Schlußlicht im Einzelhandelsumsatz unter den Ländern der Alt-EU geblieben ist (Abb. 12960).


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extra global news 949 06-12-07: Deutscher Einzelhandelsumsatz Schlußlicht in der Atl-EU
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Nach der gestrigen Meldung von Eurostat über den Einzelhandelsumsatz in der EU ist Deutschland auch im Oktober mit einem realen Minus von 3,6 % gegenüber Oktober 2006 Schlußlicht unter den Ländern der Alt-EU geblieben (Abb. 12960). Das entspricht Deutschlands Position in der Entwicklung der Arbeitseinkommen.


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global news 948 06-12-07: Kein nennenswerter Fortschritt bei Pisa
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Im neuesten Pisavergleich rangiert Deutschland unter den Industrieländern trotz geringfügiger Verbesserungen bei Lesen (Platz 13 aus 21, Abb. 13359) und Rechnen (Platz 12 aus 22, Abb. 13358) weiter im Mittelfeld, bei Lesen eher im unteren Mittelfeld.



Besonders benklich sind zwei soziale Aspekte, bei denen Deutschland weiterhin am unteren Ende des Vergleichsfeldes liegt. Der soziale Status entscheidet über das Abschneiden in den Naturwissenschaften deutlich stärker als anderswo und nur in 4 Länder ist der Zusammenhang noch stärker (Abb. 13356). Der Unterschied in der Leseleistung ist nur in einem einzigen Land noch mehr davon Abhängig, ob der Vater das Abitur hat oder nicht (Abb. 13357).



Der zweite Aspekt betrifft die Integration der Immigrantenkinder. Bei solchen der zweiten Generation ist der Abstand in der Leseleistung gegenüber einheimischen Kindern nirgens so groß wie in Deutschland (Abb. 13355). Bei Rechnen ist er nur in zwei Ländern größer (Abb. 13320).



Dabei ist noch erschwerend zu berücksichtigen, daß der Anteil an Immigrantenkindern in Deutschland besonders hoch ist (Abb. 13285). Danach lebten 2005 von den 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund 14,7 Millionen oder 96% im früheren Bundesgebiet und in Berlin. Am höchsten ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Großstädten, vor allem in Stuttgart mit 40%, in Frankfurt am Main mit 39,5% und in Nürnberg mit 37%. Bei den unter 5-Jährigen liegt dieser Anteil in sechs Städten bei über 60%. Insgesamt hat knapp ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren in Deutschland einen Migrationshintergrund. Abb. 13280 zeigt diese für die Zukunft Deutschlands wichtige Situation. Hier kombiniert sich die Konzentration der Immigranten vor allem auf Großstädte mit der wesentlich geringeren Kinderzahl der deutschstämmigen Bevölkerung. Die Ergebnisse zeigen weiter, dass Personen mit Migrationshintergrund im Unterschied zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund geringer qualifiziert sind: Fast 10% haben keinen allgemeinen Schulabschluss (Personen ohne Migrationshintergrund: 1,5%) und 51% keinen beruflichen Abschluss (gegenüber 27%), wobei in allen Fällen diejenigen nicht berücksichtigt sind, die sich noch in Ausbildung befinden (Abb. 13281).




Auch der neue Innovationsbereicht des DIW kommt zu dem Ergebnis, Deutschlands größte Schwäche liege auch in diesem Jahr wieder im Bildungsbereich. Gegenüber den Vorjahren zeige sich keine Wende zum Positiven. Deutschland sei im Subindikator „Bildung" sogar vom 11. auf den 13. Platz abgerutscht und hinke seinen Wettbewerbern in quantitativen und qualitativen Aspekten des Bildungssystems hinterher. Im Bereich Zugang zur tertiären Bildung erreiche Deutschland sogar (wie im Vorjahr) nur den vorletzten Platz, was zu künftigen Engpässen beim Angebot von hoch qualifizierten Arbeitskräften für den Innovationsprozess führen könne.

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global news 947 05-12-07: Die Dominos fallen: Nach USA nun Großbritannien, fällt auch Deutschland?
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Globalisierung

Nach USA schlittert nun auch Großbritannien voll in die Kreditkrise. Die Immobilienmärkte brechen ein. Neue Immobilienverkäufe fallen drastisch, vom dritten auf das vierte Quartal auf vorraussichtlich nur noch ein Drittel. Die Immobilienpreise fielen allein im Oktober um fast 2 %, der schlimmste Monatssturz seit 17 Jahren. Immobilienfonds gehen in die Knie und stoppen die Rückzahlungen. Schon drei große Fonds haben einjährige Rückzahlungsstops verordnet: Deutsche Bank Immobilienfonds RREEF UK (£ 1,3 Mrd), Triton Immobilienfonds (£ 2.3 Mrd) und Morley Pensionsfonds (£1 Mrd). Norwich Union bereitet das gleiche beim größten britischen Immobilienfonds (£ 3,6 Mrd) vor, nachdem der Wert durch beschleunigte Auszahlungen allein im November um 7 % gefallen war. Einige Beobachter erwarten einen Einbruch am Immobilienmarkt wie 1989, als viele Haushalte in „negativ equity" rutschten, d.h. der Wert der Immobilien fiel unter die Hypothekenlasten.

Der Druck bedroht nun auch die Kreditkartenunternehmen. Discover Financial Services mußte bei der Goldfish Kreditkarte fast ein halbe Mrd Pfund abschreiben, und die Kurse des Unternehmens mit 1,5 Millionen Kunden fielen schon um 40 %. Die Aktienkurse britischer Banken fallen immer weiter. Die trauen einander nicht mehr und horden Liquidität, besonders um über das Jahresende zu kommen, was sich im höchsten 1-Monats-Liborzins seit 9 Jahren ausdrückt.

„Welcome back to boom and bust" möchte man sagen, wenn das nicht zu sarkastisch wäre. Der Boom der letzten Jahre war künstlich auf der Basis von leichtem Geld und laxen Kreditbedingungen in vielen Ländern gebaut. Der neue Reichtum mit Rekord-Unternehmensgewinnen und entsprechendem Vorteil der Kapitaleigner rutschte disproportional auf deren Seite, während die Benachteiligten immer mehr auf Kredit angewiesen sind. Die Krise holt nun die Wirtschaftsleistung auf den realen Boden zurück.

Fallen die Dominos auch auf den deutschen Stein? Die USA und Großbritannien rangieren unter den Hauptmärkten für den Deutschen Export, zusammen mit Frankreich, das ebenfalls schon seit einiger Zeit schwächelt. Zusammen geht ein Viertel des deutschen Exports auf diese drei Märkte. Da Deutschland sich bei einer miserablen Binnenkonjunktur mit stagnierendem Einzelhandelsumsatz enorm vom Export abhängig gemacht hat, wird es sich trotz aller Versicherungen aus der Politik nicht abkoppeln können. Der Exportzuwachs geht nun schon seit Mitte letzten Jahres auffällig zu rück (Abb. 14016).


Wenn der Bundeswirtschaftsminister bei dieser Situation just heute eine stolze Pressemeldung rumschickt, wonach Deutschland auch 2007 Exportweltmeister im Güterbereich vor China bleiben soll, darf man auf 2008 gespannt sein und welche Pressemeldung dann kommen wird, zumal die Exportweltmeisterschaft einer der Gründe für die negative Entwicklung der Massenkaufkraft darstellt. Wie angespannt die Lage auch zwischen Banken im Euroraum ist, zeigt der Rekord beim Euribor-Zins (Abb. 03676).


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global news 946 04-12-07: Gesundheit auf einen Blick
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Gesundheit ist eines der kostbarsten Güter jeder Gesellschaft. Die alternden Industriegesellschaften müssen sich noch mehr darum kümmern und müßten sich eigentlich auf steigende Kosten vorbereiten. Es sei denn, sie orientieren sich neoliberal und kürzen die öffentlichen Ausgaben brutal. Der jetzt von der OECD ermöglichte internationale Vergleich zeigt Deutschland per 2005 noch in einer relativ günstigen Situation. Er zeigt aber auch, daß sich Deutschland trotz der relativ starken Alterung der Bevölkerung entgegen dem Trend bewegt und die öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen real stärker zurückgefahren und nominal am schwächsten angehoben hat (Abb. 12957). So ist es bis 2005 in den immer noch relativ hohen Pro-Kopf-Ausgaben nach Kaufkrafteinheiten nominal von USA, Frankreich und Dänemark überholt worden und lag nur noch ganz knapp vor der Schweiz, Schweden und Belgien (Abb. 12956).



Trotz des Altersprozesses reduzieren fast alle Länder die Zahl der Krankenhausbetten im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße, auch Deutschland (Abb. 12954). Bisher liegt hier Deutschland allerdings noch in der Spitzenposition (Abb. 12955), wie lange noch, nachdem immer mehr Krankenhäuser seit 2005 geschlossen werden?



Der breiteste Indikator für den Gesundheitszustand einer Bevölkerung ist wahrscheinlich die Lebenserwartung. Deutschland liegt dabei im unteren Mittelfeld, zwei ganze Jahre hinter der Schweiz und drei hinter Japan (Abb. 12958). Auch bei der Verlängerung der Lebenserwartung war Deutschland in den letzten Jahren nur im unteren Mittelfeld. Ein Indikator für falsche oder schlechte Ernährung ist extreme Übergewichtigkeit: Auch hier landet Deutschland mit 14 % nur im unteren Mittelfeld (Abb. 12959).



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global news 945 03-12-07: Und jetzt zahlen wir alle für die Bankenkrise: Die perfide Enteignung
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Die Notenbanken scheinen beschlossen zu haben, daß es derzeit wichtiger ist, die Banken aus der schweren Krise zu retten, als die Inflation zu bekämpfen. Sie pumpen daher immer weiter zusätzliche Liquidität ins System und senken die Zinsen (Fed) oder wagen jedenfalls nicht, sie zu erhöhen (EZB), obwohl derzeit die Inflationsraten in der Eurozone und in Deutschland mächtig anspringen und nun schon bei 3 % liegen und sie springen exakt seit Ausbruch der Kreditkrise (Abb. 12953). Die echten oder gefühlten, nicht an einen inkorrekt zusammengesetzten Warnkorb gebundenen Inflationsraten sind noch viel höher. Hinzukommt der Abwertungswettlauf von Dollar, Yen und Renmimbi gegen den Euro, der von den Zinssätzen der Zentralbanken mitbestimmt wird. Würde die EZB den Zins anheben, so würde der Euro noch mehr aufwerten und noch mehr dem Export aus der Eurozone schaden. Der Wert des Dollars gegenüber dem Euro ist allein im Laufe dieses Jahres schon um 20 % gefallen, in den letzten Wochen fast im freien Fall (Abb. 13118).



Wie unsicher weiterhin die Lage ist, zeigt der einmalig hohe Liborzins, den Banken für Kredite untereinander fordern (Abb. 03676). Auch die Preise für Bonds der Klasse BBB- rauschen immer mehr in den Keller, inzwischen von 50 auf unter 19 (Abb. 03681). Bei besseren Bondklassen kam es ebenfalls zu erheblichen Einbrüchen, wenn auch nicht so stark. Ebenso sind die Versicherungsaufschläge für riskante Kredite in Europa seit Mitte September wieder hochgesprungen und liegen trotz einer leichten Entspannung weiterhin sehr hoch (Abb. 03636).




Im Gegensatz dazu drängen Anleger neuerdings wieder stärker auf die Aktienmärkte (z.B. Dax Abb 04916, Dow Abb. 13314), weil sie einen besseren Profit als an den Geldmärkten suchen und weil die Zinszurückhaltung bzw. -senkung der Notenbanken immer wieder Beruhigung verbreitet. Selbst die gebeutelten Kurse der Banken haben sich in der letzten Woche leicht erholt (Abb. 13316).




Wer zahlt dann am Ende für die enormen Verluste der Banken und anderer Finanzinstitutionen aus windigen Papieren und einer gewaltigen Kreditblase, die nun platzt? Bisher ist nur ein Opfer zu sehen, wir alle deren Einkommen und Sparguthaben durch den Anstieg der Inflation entwertet werden, ohne daß uns die Notenbanken ausreichend schützen. Am meisten leiden die mit den eingefrorenen Renten, Sozialleistungen und die kleinen Angehörigen des ôffentlichen Dienstes mit ihren eingefrorenen Bezügen. Die deutsche Bundeskanzlerin hat die Inflation eine „perfide Enteignung" genannt und dabei vergessen, daß sich in Deutschland auch die Bundesregierung mit einer massiven Erhöhung der Mehrwertsteuer daran beteiligt. Und bereitet Euch darauf vor: Nächstens werden die Arbeitgeber unter Verlagerungsdrohung (siehe jetzt schon Airbus) darauf bestehen, daß an den Arbeitskosten gespart wird, um den starken Euro auszugleichen, und auch solche verschärfte Lohndisziplin bei hoher Inflation und netto Lohnverlusten.

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global news 944 01-12-07: Kinder und Kinderfürsorge: Warum in Deutschland die Kinder selten werden
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Deutschland hat mit Italien die niedrigste Fruchtbarkeitsrate (Kinder pro Frau) in Westeuropa (Abb. 04047). Die Familienstruktur wandelt sich nach einer neuen Untersuchung des Statistischen Bundesamts mit großer Geschwindigkeit. In Deutschlands Hauptstadt wächst bereits fast die Hälfte aller Kinder in alternativen Familienformen auf, davon ein Viertel im Alleinerzieher-Modell und das heißt in der Regel ohne Vater (ein Fünftel für ganz Deutschland, Abb. 14012). Mehr als die Hälfte aller Kinder in Deutschland unter 18 Jahren haben keine Geschwister mehr, die ihnen bei der Sozialisierung helfen und in Notlagen beispringen könnten (Abb. 14013).




Eine neue Studie der OECD "Babies and Bosses, Reconciling Work and Family Life" erlaubt einen tiefen Einblick in die wirtschaftlichen Hintergründe. Dabei wurden Fruchtbarkeitsraten, Beschäftigungsraten der Frauen, Beschäftigungsraten der Alleinerzieher, Kindergartenbesuch, Kinderarmut und die Minderentlohnung der Frauen international verglichen. Viermal schneidet Deutschland unterdurchschnittlich ab, zweimal durschnittlich und niemals überdurchschnittlich (Abb. 12947). Ich habe das mal in Punkte umgerechnet: Deutschland liegt vor Italien am Ende des Vergleichsfeldes, und berücksichtigt man die Entwicklung der Kinderarmut seit dem Vergleichsjahr 2000, die besonders wegen Hartz IV sehr ungünstig verläuft, mit Sicherheit am absoluten Ende (Abb. 12948). Man beachte die exzellente Platzierung der Skandinavier.



Nun habe ich mir den makabren Spaß erlaubt und diesen Punktekatalog gegen die Geburtenrate gespiegelt. Das meiste läuft in der Tat synchchron, wenn man mal die beiden Ausrutscher Irland (immer schon sehr kinderstark) und Großbritannien (viele Kinder in der kopfstarken Unterklasse mit einer mehr als doppelt so hohen Geburtenrate von minderjährigen Müttern wie in Deutschland) übersieht (Abb. 12950). Sollte da nicht was zusammenhängen?


In den Finanzaufwendungen für Familien gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt Deutschland übrigens auf Platz 11 von 19, davon bei den Barleistungen erst auf Platz 12 (Abb. 12949). Besonders schlecht schneidet Deutschland beim Beschäftigungsanteil von Alleinerziehern (Abb. 12951) und bei den Kindergartenplätzen für Kinder unter drei Jahren ab (Abb. 12952). Angesichts der beschriebenen Alleinerzieherentwicklung sind beide miserablen Platzierungen unmittelbar mitverantwortlich für die ungünstige demographische Entwicklung.




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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.