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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(898) Die neoliberale Globalisierung macht es möglich: Reich und Arm in China und Indien

(897) Deutschland - Niedrigsteuerland

(896) Der amerikanische Markt für strukturierte Finanzpapiere ist immer noch tot

(895) Deutsche Baukonjunktur: Schwaches Bild in der EU

(894) Wem gehört die EU: den Politikern oder ihren Bürgern (dem Volk?)

(893) Asien-Importe dominieren die Informations- und Kommunikationstechnologien in Deutschland

(892) Nun schwächeln auch noch die amerikanischen Unternehmen

(891) Euro: Quo vadis?

(890) Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute: Wieviel Illusionen verträgt das Papier?

(889) Internationale Kreditkrise: Deutschland fein raus?

(888) Die Inflation meldet sich zurück und trifft die kleinen Leute und die Binnenkonjunktur

(887) Die Bankenkrise: Immer neue Tricks auf der Flucht vor den Verlusten

(886) Einkommensverteilung in Deutschland: immer ungleicher

(885) Deutschland trotz starker Exportentwicklung nur im unteren Mittelfeld des internationalen Wirtschaftswachstums

(884) Spekulanten-Banken fordern noch mehr Hilfe der Notenbanken und wehren sich gegen Regulierung

(883) 10 Schaubilder gegen die unsoziale Entwicklung in Deutschland

(882) Lebt der Staat vor allem von den Steuern der Reichen?

(881) Auch der DeutschlandTREND im Auftrag der ARD-Tagesthemen zeigt die kritische Haltung der Bundesbürger

(880) Die meisten Deutschen haben noch oder wieder ein Gefühl für soziale Gerechtigkeit, viele Medien oder Wirtschaftswissenschaftler offensichtlich nicht

(879) Auch der Stern hetzt nun gegen den Abbau der Ungerechtigkeiten bei Hartz IV

(878) Alle wollen exportieren, aber wer ersetzt einen Konsumrückgang in USA?

(877) Einzelhandelsumsatz - Konsumentenschulden

(876) Bankenkrise: Die Stunden der Wahrheit schlagen langsam

(875) Entwarnung an der Verlagerungsfront?

(874) Die Verbraucherpreisinflation kehrt zurück

(873) Auch der EU-Konjunktur-Indikator fällt, weitere negative Meldungen von der Kreditkrise

(872) Im internationalen Vergleich starke Einkommens-Diskriminierung der in deutschen Hotels und Restaurants beschäftigten Frauen




global news 898 24-10-07: Die neoliberale Globalisierung macht es möglich: Reich und Arm in China und Indien
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Dieser kurze Bericht ist einerseits motiviert von einer BBC-Mitteilung über die unterernährten Kinder in Indien, andererseits von einem unglaublichen Bericht in der "Zeit" über angebliche Lohnsteigerungen in China und ein Ende der Billigstarbeit. China hat jetzt nach den USA die meisten Milliardäre der Welt. Indien hat die meisten nach China in Asien. Ohne die neoliberale Globalisierung wäre der dramatische Aufstieg der Millionäre und Milliardäre in beiden Ländern nicht denkbar. Auf der anderen Seite gibt es unglaubliches Elend.

Zunächst zu Indien. Schon heute gibt es in Indien eine große 60 Millionen starke wohlhabende Oberschicht. Namen wie Mittal stehen dafür. Diese Klasse soll sich über die nächsten 25 Jahren nach Prognosen von McKinsey noch auf 600 Millionen verzehnfachen. Indien weist eine jährliche Wachstumsrate von 8,4 % (Abb. 08056) auf. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1995 real mehr als verdoppelt.


Doch neben den Reichen vegetieren weiterhin Millionen in bitterster Armut. Nach der internationalen Definition waren es nach den neuesten Zahlen für 2004 nicht weniger als 34 % der Bevölkerung. Am schlimmsten sind dabei die unterernährten Kinder dran. 6 % aller Kleinkinder sterben vor ihrem ersten Geburtstag. Nach dem Bericht des Nobelpreisträgers Prof. Amartya Sen "Focus on Children Under Six", der 2004 in sechs indischen Staaten zusammengestellt wurde, ist die Hälfte dieser Kinder Unterernährung ausgesetzt und leidet eine ganze Generation indischer Kinder an schlechter Gesundheit, geringer Bildung und Armut: "Mehr als die Hälfte leiden an Blutarmut und ein ähnlicher Anteil wird nicht geimpft. Wenige Länder der Erde haben so niedrige Werte für die Lebensqualität der Kinder. Die Impfrate ist die niedrigse in Südasien. Der Anteil von Kindern ohne das BCG-Serum, das auch gegen TBC wirktm ist doppelt so hoch wie in Nepal und fünfmal höher als in Nepal oder dreißigmal höher als in Sri Lanka. Trotz eines fortschrittlichen Gesundheitssystem und einer riesigen Armee von Ärzten war Indien nicht in der Lage, eine höhere Überlebensrate von Kindern als seine Nachbarn, mit Ausnahme von Pakistan, zu erreichen. Die meisten Kinder sind sich bis zum Alter von sechs Jahren, bis sie in die Schule gebracht werden, selbst überlassen. Die ersten sechs Jahre, besonders die ersten zwei, haben einen entscheidenden und bleibenden Einfluß auf die Gesundheit eines Kindes, sein Wohlergehen, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten. 90 % des Gehirns entwickelt sich bis zum Alter von fünf Jahren."

Nach dem letzten UN-Bericht hat Indien den höchsten Anteil unterernährter Kinder, zusammen mit Bangladesch, Äthopien und Nepal. Auch nach dem letzten Weltbankbericht für 2005 ist die Lage nicht viel besser geworden (Abb. 08120).


Und wenn Kinder in Indien erst einmal arbeiten können, beginnt der nächste Akt der Misere. In keinem anderen Staat gibt es so viele Kinderarbeiter. Einer Unicef-Studie zufolge gibt es mehr als 35 Millionen Kinderarbeiter, 15 Prozent davon jünger als 14 Jahre. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit höheren Gesamtzahlen zwischen 60 bis sogar 125 Millionen aus. Das ist die obszöne Kehrseite eines neuen Tigerlandes, bei dem sich - anders als z.B. in Japan - die Einkommensunterschiede zwischen dem untersten und dem obersten Fünftel der Bevölkerung dramatisch vergrößern (Abb. 08121). Mehr zu Indien hier.


Und nun zu China: Da beruhigt uns also "Die Zeit" in einem langen Artikel: Die Löhne in China steigen angeblich rasch und die Arbeiterschaft schrumpft demographisch. Wörtlich: "Vor rund 150 Jahren befanden sich die Gesellschaften des Westens in einer ähnlichen Lage: Kaum ein Bürger hungerte noch, aber die Ungerechtigkeit war größer denn je. Das rief die Arbeiterbewegung auf den Plan. Aus ihren Forderungen erwuchs die Sozialpolitik. China scheint dieser Entwicklung heute nicht entrinnen zu können. ... In gewisser Weise geht also das Gespenst von Karl Marx wieder um. Auch viele Menschen in anderen Ländern haben ein Interesse daran, dass Chinas Arbeiter in Zukunft mehr verdienen. Die Konsumenten im Westen, weil sie sich sichere Qualitätsprodukte aus China wünschen, die nur unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt werden können. Die Arbeiter im Westen, damit ihre eigenen Lohnforderungen weniger anmaßend klingen."

Dabei vergißt "Die Zeit" allerings, daß sich die Produktivität in China schneller entwickelt als die Löhne und daß bei einer der höchsten Sparquoten der Welt China auf den Export billigster Arbeitskraft angewiesen bleibt. Auch scheint "Die Zeit" den horrenden Unterschied zwischen den Löhnen in den Städten, die "Die Zeit" in einer Tabelle vorführt, und auf dem Lande, wo die Exportkapazitäten mit billigsten Wanderarbeitnehmern arbeiten, nicht zu kennen. Das "Überall in China steigen Löhne und Gehälter" ist einfach irreführend, siehe Abb. 08080 mit der Nominalentwicklung ohne Bereinigung um die erhebliche Inflation. Auch weiß "Die Zeit" offensichtlich nicht, wie stark die Schere zwischen dem obersten und dem untersten Fünftel der Einkommensbeziehern aufgeht.


Der Vergleich mit Europa vor 150 Jahren hinkt total. Daß die deutschen Arbeiter Lohnsteigerungen in China bräuchten, damit ihre eigenen Lohnforderungen weniger anmaßend klingen, ist blanker Hohn auf die Sozialverhältnisse in Deutschland. Ein bißchen Nachhilfe für "Die Zeit": Vor 150 Jahren mußte in Europa eine kommunistische Partei erst gegründet werden, in China gibt es sie nun schon seit 86 Jahren und sie regiert das Land bereits seit 57 Jahren. Doch im Unterschied zu den seinerzeitigen Ereignissen in Europa ist die CPC immer neoliberaler geworden, hat auf Privateigentum gesetzt, Börsen eingerichtet, eine Millionärs- und Milliardärsklasse gezüchtet, ausländische Mulitis profitträchtig ins Land geholt und kauft nun selbst heuschreckenartig Unternehmen im Ausland. Die importierten Mulits dürfen zusammen mit chinesischen Unternehmen die billige chinesische Arbeitskraft ausbeuten. Streiks sind selten und werden oft unterdrückt; sie sind meist verboten, und unabhängige Gewerkschaften gibt es ohnehin nicht.

In keinem der größeren Länder der Welt ist der Graben zwischen Arm und Reich zwischen 1994 und 2004 so zusätzlich aufgerissen wie in China, und diese Entwicklung setzt sich - entgegen den Verheißungen der "Zeit" - fort. Damit hat China alle Chancen, sich an Brasilien vorbei an die Spitze der Liga in Ungleichheit zu setzen. Zwischen dem untersten und dem obersten Fünftel der Einkommensbezieher klafft nun schon ein Graben von 1 zu 12 (zum Vergleich: Japan 1: 2,3 - siehe Abb. 13341). Seit Deng Xiaoping in den 80er Jahren erklärte: "Laßt erst mal einige Leute reich werden", ist China immer kapitalistischer geworden. Heute gibt es in keinem Land der Welt, außer USA, so viele Milliardäre wie in China. Die Hurun Rich List für 2007 zählt davon 106 (gegenüber nur 15 im Vorjahr) mit einem Gesamtvermögen von 243 Milliarden Dollar, außerdem 800 Millionäre mit je mehr als 100 Millionen Dollar und durchschnittlich einer halben Milliarde Dollar. Ein Drittel der 800 gehören der Partei an, 38 sind sogar im Nationalen Parlament vertreten. In den Buchläden werden zur Nachahmung zahlreiche Biografien der Reichen angeboten.


Vor 150 Jahren konnten allenfalls Sklaven verschifft, nicht aber konnte die Weltindustrieproduktion um den Globus herum bei offenen Grenzen auf die billigsten Standorte verteilt werden.

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global news 897 23-10-07: Deutschland - Niedrigsteuerland
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Auch die neueste OECD-Statistik vom 17. Oktober zum internationalen Steuervergleich zeigt, wie niedrig in Deutschland inzwischen der Anteil der Steuern und Sozialabgaben am Bruttoinlandsprodukt geworden ist. Mit 37,5 % wird die Quote nur von wenigen der größeren Vergleichsländer unterboten und liegt erheblich unter dem ungewichteten Durchschnittswert für die Alt-EU (Abb. 12108).


Bei den Einkommens- und Gewinnsteuern liegt nur Japan noch etwas niedriger (Abb. 12243).


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global news 896 23-10-07: Der amerikanische Markt für strukturierte Finanzpapiere ist immer noch tot
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Es sieht schlimm aus, wenn man die Entwicklung ausstehender besicherter kommerzieller Papiere in USA verfolgt. Für das riesige Volumen von fast 1,2 Billionen Dollar konnten seit August kaum mehr Käufer gefunden werden, so daß sich das Volumen bereits um fast ein Viertel verkürzt hat (Abb. 05077). Entsprechend wurden die Bilanzen der Banken mit Preiseinbrüchen belastet, wobei die Bewertung dieser Papiere mangels Markt so ziemlich unmöglich ist und entsprechend die Bilanzen fragwürdig geworden sind.


Die Verluste der Banken schwappen um den Globus und nehmen auch europäische Banken nicht aus. In dieser Situation trauen die Banken einander weiterhin nicht, was sich im Kurs von Euribor ausdrückt (Abb. 03676). Auch die Aktien deutscher Banken sind weiter unter Druck, heute vor allem die der Commerzbank (Abb. 13344).



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extra global news 895 22-10-07: Deutsche Baukonjunktur: Schwaches Bild in der EU
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Nicht überraschend lag die deutsche Baukonjunktur im August nur auf dem drittletzten Platz im EU-Vergleich (Abb. 12917).


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global news 894 22-10-07: Wem gehört die EU: den Politikern oder ihren Bürgern (dem Volk?)
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Merkel sprach von einem "großen politischen Erfolg". Außenminister Frank-Walter Steinmeier betonte, die geduldige Vorarbeit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr habe sich ausgezahlt. Nach der "tiefsten europäischen Depression" werde nunmehr Europa auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt. Große Worte, aber was sind die Realitäten? Was ist das für eine Europäische Union, bei der sich immer noch Gewinner erklären, wie jetzt wieder Polens Präsident Kaczynski, und bei der die EU-Bürger zur Änderung der Verfassung nicht zu Worte kommen?

Wieder war der Kompromiß nur der kleinste gemeinsame Nenner. Die wichtigsten Bereiche der Integration zur Herstellung gleicher Wettbewerbsverhältnisse, nämlich Steuer- und Sozialpolitik, unterliegen weiterhin dem nationalen Veto einzelner Mitgliedsstaaten, vor allem aus den neu beigetretenen, die damit ihr Steuer- oder Lohndumping zu Lasten der Partner ungeniert weiter betreiben können. Und besonders viele Sonderwürste bekam Großbritannien gebraten, damit dort auf jeden Fall ein Referendum, das negativ ausgehen würde, vermieden werden kann.

Bei den Abstimmungensregeln haben sich brutal die Polen durchgesetzt. Für weitere 7 Jahre bleibt das für sie günstige Abstimmungsverfahren im Ministerrat (nur 2 Stimmen weniger als Deutschland) erhalten und kann auf Wunsch eines Mitgliedsstaates sogar noch bis 2017 angewandt werden. Danach gilt die sogenannte Ioannina-Klausel, die zwar nicht Bestandteil des Vertrags wurde, aber bei der Polen zugesichert wurde, daß sie nur einstimmig geändert werden kann. Sie ermöglicht es einer Minderheit von Staaten, bei knappen Mehrheitsbeschlüssen im EU-Ministerrat neue Verhandlungen zu erzwingen.

Nach einer neuen Umfrage treten die EU-Bürger mehrheitlich für ein Referendum über den EU-Vertrag ein, am meisten in Deutschland (Abb. 13338), das ihnen jedoch aus Angst der Politiker verweigert wird. In keinem der Länder, wo die Umfrage gemacht wurde, glauben die Bürger mehrheitlich, daß die Reform einen positiven Einfluß auf die EU haben wird (Abb.13339).



Und hier kommt der Witz: Die Bürger können in Zukunft über ein Volksbegehren mit mindestens einer Million Unterschriften die EU- Kommission mit einer Gesetzgebung beauftragen. Doch sie dürfen nicht über den Vertrag selbst volksbegehren, den das würde je etwa so negativ ausgehen wie die unverbindlichen Umfragen der Meinungsforscher. Die EU gehört ihnen bisher jedenfalls nicht.

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global news 893 22-10-07: Asien-Importe dominieren die Informations- und Kommunikationstechnologien in Deutschland
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Deutschland importiert nach der heutigen StaBuA-Meldung immer mehr Güter der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Seit 2000 sind die Importe um 15,1 % gestiegen. Fast die Hälfte kommt aus Asien. Erstaunlich ist dabei der Aufstieg Chinas, daß in sehr kurzer Zeit zum wichtigsten Lieferanten geworden ist (Abb. 13334).


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global news 892 19-10-07: Nun schwächeln auch noch die amerikanischen Unternehmen
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Für das dritte Quartal haben die 500 amerikanischen Unternehmen im Standard und Poors Index einen Rückgang der Gewinne um fast 1 % angezeigt. Es ist der erste Rückgang seit fünf Jahren. Daraufhin verzeichnete Wallstreet den strärksten Fall in einer Woche seit der ersten Krisenwoche im Juli. Der Dow fiel dabei um 3,6 % (Abb. 13314).


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global news 891 20-10-07: Euro: Quo vadis?
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Es ist einmal wert, den Kommentar aus der deutschen Ausgabe der Financial Times unter der Überschrift "Ein Herz für Sarkozy" zu zitieren: "Deutsche Wirtschaftspolitiker und Währungsapostel üben sich in eifrigen Lehrstunden für Frankreichs Staatspräsidenten. Dabei gäbe es guten Grund, sich mit dem Mann zusammenzutun. Jeder Prozentpunkt Aufwertung [des Euro] kostet auch hier 0,6 Prozent Export, so die Ökonomen der Société Générale; in Frankreich sind es 0,9. Dafür sind die gesamtwirtschaftlichen Folgen schwerwiegender. Immerhin macht der Export mittlerweile mehr als 45 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus; in Frankreich weniger als ein Drittel. Eigentlich müssten unsere Politiker viel mehr Interesse als Monsieur Sarkozy haben, dass der Dollar nicht abstürzt. Im eigenen Interesse. Es ist fahrlässig zu suggerieren, dass überhöhte Zinsen und Euro-Kurse in Deutschland nicht auch Zigtausende Arbeitsplätze kosten können. Und mutig, die Franzosen zu einem Konsolidierungskurs zu drängen, den man selbst (zum Glück) nicht befolgt hat. Die wahren Gegner sind andere: Amerikaner, die den Dollar mehr oder weniger wohlwollend abstürzen lassen, um sich zu sanieren. Oder Chinesen und Japaner, die seit Jahren die Wechselkurse manipulieren, um zu verhindern, dass dies zu ihren Lasten geht. Dafür gibt es ja die Europäer, die sich lieber mit gegenseitiger Lehrmeisterei aufreiben."

Seit Anfang 2006 hat der Euro schon um 17 % gegenüber dem Dollar, 16 % Yen und 11 % chinesischen Renmimbi aufgewertet (Abb. 13309). Und der Dollar ist weiter auf der Rutsche und zieht die manipulierten Yen- und Renmimbi-Kurse mit sich. Je mehr die amerikanische Wirtschaft an Fahrt verliert, umso mehr Kapital wird abgezogen werden mit weiteren negativen Folgen für den Wechselkurs. Das bedeutet, daß bei Untätigkeit der EZB (und dem dummen Plädoyer der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute über weitere Zinserhöhungen) allein die Eurozone die Anpassung der enormen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu verkraften hat. Nach Ansicht des IWF haben sich diese Ungleichgewichte mit dem Dollarsturz bisher nicht verändert. Für einige Zeit kann sich die deutsche Exportindustrie zu Lasten ihrer Europartner mit einem Lohndumping wenigstens teilsanieren, aber wenn die dann schwach werden, was derzeit bei Frankreich und Italien passiert, ist auch dieses Spiel vorbei. Das deutsche Verhalten gegenüber Sakozy von der bürgerlichen Mitte bis nach Linksaußen ist einfach borniert und dumm. Es ist ein typisches Beispiel der Unfähigkeit, sich mit weltwirtschaftlichen Zusammenhängen intelligent auseinanderzusetzen. Deutschland begreift die Gesetze der Globalisierung immer noch nicht.


Oder will man am Ende die deutschen Arbeitnehmer mit immer neuen Lohnverzichten die Rechnung für Amerikaner, Japaner und Chinesen bezahlen lassen?

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global news 890 19-10-07: Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute: Wieviel Illusionen verträgt das Papier?
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Vom Aufschwung können sich die deutschen Forschungsinstitute nicht trennen und so heißt das Herbstgutachten "Aufschwung legt Pause ein". Tatsächlich bezieht sich das jedoch nur auf das für 2008 geschätzte Wirtschaftswachstum, das nach 2,6 % in diesem Jahre auf dann 2,2 % zurückgehen soll.

Gespenstisch wird es allerdings, wenn man die zwei für die Konjunktur wichtigsten Einzelwerte anschaut, nämlich die Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter und davon abgeleitet des Konsums der privaten Haushalte. Hier wird alles stark nach oben projeziert (Abb. 04974). Wie sich der Zuwachs der nominalen Bruttolöhne vom ersten zum zweiten Halbjahr fast verdoppeln und dann ins 1. Halbjahr 2008 weiter steigern soll, ist auf der Basis der bisherigen Lohnentwicklung genauso schwer nachvollziehbar, wie vor allem der vorrausgesagte reale Anstieg des Verbrauchs privater Haushalte von minus 0,3 % im 1. Halbjahr 2007 auf plus 2 % im 1. Halbjahr 2008.


Da heißt es im Gutachten: "Für den Prognosezeitraum lassen die vorliegenden Lohnabschlüsse einen stärkeren Anstieg der Tariflöhne erwarten". Haben die Wirtschaftsforschungsinstitute vergessen, daß die Tarifabschlüsse nur noch einen Teil der Betriebe erfassen, daß die Renten (bis auf eine lächerliche Erhöhung), Sozialleistungen und Bezüge des öffentlichen Dienstes praktisch eingefroren von der Inflation verkürzt werden, daß sich die Niedrigstlöhne ausbreiten und daß die gefühlte Inflation inzwischen bei über 5 % liegt (Abb. 13333).


Geradezu komisch wird es allerdings, wenn sich die Institute an die Aktienkurse klammern: "Gegen einen Konjunkturpessimismus spricht auch, dass die Aktienkurse in Deutschland nach dem kräftigen Rückgang im August wieder in der Nähe ihres Höchststandes notieren." Von den Aktionären wird die deutsche Konjunktur nicht leben können!

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global news 889 18-10-07: Internationale Kreditkrise: Deutschland fein raus?
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IWF und der amerikanische Wirtschaftsminister werden nicht müde zu betonen, daß die Folgen der weltweiten Kreditkrise noch längst nicht vorrüber sind. Doch in Deutschland verbreiten Medien und Institute beharrlich das Gegenteil für Deutschland. So macht SPIEGEL-online auf: "Deutsche Konjunktur trotzt der Finanzkrise". Und das ZEW verbreitet nach seiner Befragung der Finanzanalysten, die allerdings den Indikator auf dem niedrigsten Wert seit einem Jahr gehalten und damit keine Entwarnung gegeben hatten (Abb. 04762): "Die nahezu unveränderte Erwartungshaltung der befragten Experten zeigt, daß die wichtigsten Abwärtskorrekturen in Folge der Finanzkrise abgeschlossen zu sein scheinen". So einfach und basta!


Inzwischen zeigen die Daten, daß ausländische Investoren im August massiv Anlagen aus amerikanischen Wertpapieren abgezogen haben, der größte Abfluß seit 1990 (70 Mrd und netto von Käufen 41 Mrd Dollar), und umgekehrt Amerikaner immer mehr im Ausland anlegen. Das trägt erheblich zum kontinuierlichen Abwärtstrend des Dollars bei. Dabei hat der Dollar gegenüber dem Euro weit mehr als gegenüber Yen und Renmimbi verloren (Abb. 13335), so daß die Eurozone auch gegenüber Japan und China allein über die Währung an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Irgendwo wird auch für die deutsche Exportwirtschaft die absolute Schmerzschwelle liegen.


Seit dem Ausbruch der Krise mußten die amerikanischen Banken schon 280 Mrd Dollar neue Schulden auf ihre Bilanzen nehmen, nachdem sie nicht mehr an Investoren verkauft werden konnten, was nun die Banken in der Vergabe neuer Kredite an die Wirtschaft behindert. Auch ging das Netto-Kapital der Banken um 40 Mrd Dollar zurück. Selbst Citygroup, die größte Bank der Welt, hat den Rückkauf von Kreditpapieren ihrer Ableger, die etwa 80 Mrd Dollar davon halten, einstellen müssen, um nicht die eigene notwendige Kapitaldeckung zu unterschreiten. Immerhin wurde 30 % des enormen Schuldenwachstums amerikanischer Haushalte (Abb. 03469) mit Papieren finanziert, für die sich derzeit kaum noch Interessenten finden. Europäische Banken sind unter ähnlichem Druck aus derartigen Papieren und insbesondere einige kleinere können daran zugrunde gehen. Ein gehandicapter Bankensektor ist allemal ein schweres Risiko für die Konjunkturentwicklung, auch in Deutschland.


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global news 888 17-10-07: Die Inflation meldet sich zurück und trifft die kleinen Leute und die Binnenkonjunktur
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Nach den letzten Zahlen des Statistischen Bundesamts hat die Inflationsrate im September einen kräftigen Sprung von 1,9 % auf 2,4 % gemacht. Dabei stiegen besonders stark die Preise für Kraftstoffe, leichtes Heizöl, das Bildungswesen, Tabakwaren, Verkehr, Speisefette und -öle (besonders Butter), Milchprodukte (besonders Speisequark und Vollmilch), Eier, Brot und Getreidewaren (besonders Brötchen). Der Marktführer E.on hat angekündigt, zum Anfang des kommenden Jahres seine Preise für Privatkunden um bis zu knapp 10 Prozent bei Strom und um bis zu fast 9 Prozent bei Gas zu erhöhen. Allein zum 1. Oktober sollen 47 Stadtwerke und andere Versorger ihre Tarife erhöht haben. Siehe Abb. 04973.


Diese deutliche Rückkehr der Inflation trifft besonders die kleinen Leute, die einen hohen Anteil ihrer Einkünfte für den Verbrauch ausgeben müssen (Abb. 04026). Bei eingefrorenen Renten (bis auf eine minimale Erhöhung), Sozialleistungen, Bezügen im öffentlichen Dienst und weiterhin stagnierenden Arbeitseinkommen der meisten Arbeitnehmer wird dies auf die Kaufkraft und damit die deutsche Binnenkonjunktur durchschlagen. Hier rächt sich auch die zur falschen Zeit vorgenommene Erhöhung der Mehrwertsteuer.


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global news 887 16-10-07: Die Bankenkrise: Immer neue Tricks auf der Flucht vor den Verlusten
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Immer wieder haben die Banken beschworen, sie wollten Vertrauen zurückgewinnen, indem sie die Verluste ehrlich, d.h. "market to market" bilanzieren. Zwar haben die Großbanken zusammen etwa 20 Mrd Dollar abgeschrieben (Abb. 03679).


Laut Leitartikel in der Financial Times von heute haben sie sich dabei jedoch sehr unterschiedlich in der Bewertung ihrer Verlusten verhalten, und einige haben natürlich versucht, größere Abschreibungen zu vermeiden. Nun allerdings verfallen sie auf die eigenartigsten Tricks, um künftige Verluste aus den Bilanzen zu halten. Das fing mit Krediten an sogenannte "Geierfonds" an, die dann die miesen Kreditpapiere aufkaufen sollen. Jetzt haben Citygroup, Bank of America und JP Morgan mit eigenen Garantien selbst einen Fonds gegründet, der etwa 75 bis 100 Mrd Dollar in solchen Papieren von ihnen aufkaufen soll. Einer der Gründe soll sein, daß einige der Vehikel, die bisher als Ableger der Banken die Papiere halten, in Notverkäufe gezwungen werden könnten, was den Preis der Papiere weiter herunterholen und die Bilanzen der Banken zusätzlich belasten würde. Schon jetzt bewertet der Markt die Papiere offensichtlich viel niedriger als es bisher der Bewertung durch die Banken entspricht (Abb. 03680).


Allerdings halten die hohen Zinsaufschläge für Kredite zwischen Banken an, wenn auch in den letzten Tagen etwas abgeschwächt (Abb. 03676), was zeigt, daß sie sich gegenseitig weiterhin nicht trauen. Nur in einem sind sie sich einig: keine stärkere Regulierung durch die Behörden.


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global news 886 15-10-07: Einkommensverteilung in Deutschland: immer ungleicher
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Nach der DIW-Ermittlung für 2004 hat die untere Hälfte der Einkommensbezieher nur noch 8,9 % der Einkommen bezogen. Rechnet man mit den Veränderungsraten zwischen 1992 und 2004 weiter, so würde deren Anteil bis 2010 auf 7,3 % fallen (Abb. 04971).


Allerdings hat sich seit etwa 2003 eine erhebliche Öffnung der Schere zwischen Unternehmens- und Vermögenseinkommen einerseits und Arbeitseinkommen andererseits ergeben (Abb. 04054) und ebenso zwischen der oberen Gruppe der Bezieher von Arbeitseinkommen, zu denen auch die Top-Manager zählen, und dem Rest ergeben. Rechnet daher man die Veränderungen mit der doppelten Rate derer zwischen 1992 bis 2004 auf 2010 hoch und die oberste Gruppe der Einkommensbezieher dabei mit der dreifachen Rate, so wird das oberste Zehntel mehr als 41 % aller Einkommen beziehen und die untere Hälfte nur noch 5,8 % (Abb. 04972).



Bei einer solchen Entwicklung der Einkommensverhältnisse kann man alle Hoffnungen auf ein Wiederanspringen der deutschen Binnenkonjunktur mangels Kaufkraft fallen lassen. Denn die oberen Einkommensgruppen geben viel weniger ihres Einkommens für den Verbrauch aus (Abb. 04026).


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global news 885 13-10-07: Deutschland trotz starker Exportentwicklung nur im unteren Mittelfeld des internationalen Wirtschaftswachstums
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Nach den neuesten Zahlen von Eurostat rangiert Deutschland im Vergleich des 2. Quartals 2007 sowohl mit dem Vorquartal (Abb. 12913) wie mit dem Vorjahr (Abb. 12914) nur im unteren Mittelfeld. Schuld an dieser Entwicklung ist die miserable Binnenkonjunktur in der Nachfrage der Haushalte, wo Deutschland seit Jahren die "rote Laterne" trägt (Abb. 12912).




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global news 884 13-10-07: Spekulanten-Banken fordern noch mehr Hilfe der Notenbanken und wehren sich gegen Regulierung
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Die Finanzminister treffen sich in der nächsten Woche in Washington zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und werden vor allem über die Kreditkrise und die internationalen Ungleichgewichte beraten. Leider wird außer schönen Worten nicht viel herauskommen. Dabei stehen wir trotz Abschreibung von 20 Mrd Dollar durch Großbanken wahrscheinlich immer noch eher am Anfang dieser schweren Krise, die auch in der Realwirtschaft ihre tiefen Spuren hinterlassen wird. Und mit dem Rettungsnetz der Notenbanken für die Spekulanten und sehr viel zusätzlicher Liquidität wird, ebenso wie nach dem Platzen der High-tech Blase vor einigen Jahren, die nächste Krise schon vorgeplant. Nachdem die Bullen wieder durch die Börsen traben, wird die Bereitschaft zu drastischen Maßnahmen, die nur gemeinsam getroffen werden könnten, ohnehin erlahmen. Vor allem gibt es immer eine Adresse, wo der "buck stops". In diesem Fall werden die kleinen Leute mit höherer Inflation die Rechnung dafür bezahlen, daß die Notenbanken an deren Bekämpfung gehindert sind. So ist die deutsche Inflation auf 2,5 % gestiegen, und sind alternative Berechnungen bei einem realistischeren Warenkorb, wie von Brachinger, schon auf über 5 % gekommen (Abb. 13333).


Noch immer wissen die Banken und Fonds nicht, wie sie die mit miesen Hypotheken besicherten festverzinslichen Papiere bewerten sollen, für die es gegenwärtig kaum einen Markt gibt. Einige Banken haben begonnen, einen künstlichen Markt zu schaffen, um sich von diesen Papieren zu befreien, indem sie deren Aufkauf durch sogenannte Geierfonds und Hedgefonds mit Krediten vorfinanzieren, was nicht mehr als ein Seiltanz sein kann. Nach den letzten Meldungen stieg die Zahl der Zwangsversteigerungen von Wohnimmobilien in USA im September auf 224 Tausend, das Doppelte des Vorjahres-September. Der Anteil notleidender Hypotheken stieg von 4 % um die Häfte auf 6 %.

Der Preisindex für diese Papiere (ABX-HE-BBB- 07-1) am Markt für Kreditderivative ist von noch über 70 im Mai auf inzwischen unter 30 abgestürzt (Abb. 03680). In den nächsten 18 Monaten werden 350 Mrd Dollar an Hypotheken mit flexiblem Zins auf erhöhte Zinssätze ansteigen und niemand weiß, wieviele dabei ausfallen werden. Die Banken horten weiterhin ängstlich Liquiditãt, was sich in der hohen Euriborrate zeigt (Abb. 03676).



Die Krise ist der leichtsinnigen Vergabe von Hyptheken, der noch leichtsinnigeren Umwandlung in international handelbare festverzinsliche Papiere durch große Investmentbanken, der unkritischen Bewertung durch die Rating Agenturen und der leichtfertigen Rolle vieler Banken, Hedge- und anderer Fonds zu verdanken, die sich profitsüchtig auf die höheren Zinssätze gestürzt haben, ohne die Risiken zu berücksichtigen. Doch während die Bundesregierung auf Transparenzregeln für Hedgefonds drängt, arbeitet die britische Regierung mit einer Gruppe von 17 führenden in London angesiedelten Hedgefonds an freiwilligen Verhaltensregeln, die der Bundesregierung den Wind aus den Segeln nehmen sollen, wobei allerdings niemand die korrekte Einhaltung der Verhaltensregeln erzwingen kann.

Nun sind die Spekulanten-Banken sogar zum Gegenangriff auf die Notenbanken angetreten. In einem Brief des Direktors ihrer Dachorganisation Dalara erkennen sie ihre Mitverantwortung für die Kreditkrise an, fordern dann aber ungeniert von den Zentralbanken die Erweiterung der Kategorien von Papieren, die als Sicherheiten für Kredite der Zentralbanken an die Banken akzeptiert werden (sollen die denn nun miese Hypothekenpapiere annehmen?), die Akzeptanz solcher Papiere über die Grenzen hinweg, so daß riskante Papiere auch von ausländischen Zentralbanken als Sicherheiten für Kredite angenommen werden, und schließlich größeres Engegenkommen bei den Laufzeiten der Unterstützungskredite der Zentralbanken an die Banken, d.h. wohl Abnahme auch des mittelfristigen Risikos durch die Zentralbanken. Gleichzeitig warnen die Banken vor einer Überreaktion der Regulierungsbehörden. Es ist eine verkehrte Welt, in der die Spekulanten die Bedingungen für Hilfeleistungen diktieren wollen.

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global news 883 12-10-07: 10 Schaubilder gegen die unsoziale Entwicklung in Deutschland
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Die Stimmung in Deutschland kippt nach allen Meinungsumfragen und den Reaktionen der Politiker gegen die neoliberalen Reformen. Heute titelt die Financial Times in einem ganzseitigen Bericht über Deutschland: "An altered zeitgeist" (ein veränderter Zeitgeist). In der Tat, die Financial Times hat recht, wenn sie meint, die Reformen hätten nichts gebracht und Verbesserungen in der Wirtschaftslage seien der guten Konjunktur auf den Auslandsmärkten für deutsche Waren zu verdanken gewesen, und wenn sie die deutschen Reformer als Kostenschneider ohne Kreativität bezeichnet. Ein Blick auf die nachstehenden 10 Schaubilder belegt dies eindringlich. Eine Druckversion kann hier nachgeschlagen werden.

Diese Webseite zeigt dies nun seit mehr als zwei Jahren immer wieder. Vielleicht kann sie in aller Bescheidenheit zum Meinungswandel beitragen.











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global news 882 11-10-07: Lebt der Staat vor allem von den Steuern der Reichen?
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Das oberste Zehntel verfügte schon nach dem Armutsbericht der Bundesregierung von 2004 über die Hälfte der Vermögen in Deutschland (Abb. 04041) und das oberste Fünftel bezog damals schon 37 % aller Einkommen in Deutschland (Abb. 04685). Nun wird auf einmal als sensationell empfunden, daß nach der heutigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts das oberste Zehntel im Jahre 2003 die Hälfte der Einkommenssteuer in Deutschland bezahlte, und dies bei einem erklärten Jahreseinkommen ab 66.000 Euro aufwärts. 1 % hatten sogar ein erklärtes Jahreseinkommen ab 162.000 Euro aufwärts. Und wieviel mehr lag nicht erklärt in Steueroasen von Luxemburg bis in die Karibik? Und wieviel mehr verdient das oberste Zehntel heute verglichen mit den vier Jahre alten Steuer-Daten, nachdem die Einkommensschere immer mehr auseinanderläuft? Angesichts der Einkommensverteilung und der vielen Schlupflôcher ist die Meldung alles andere als sensationell.



Vor allem aber: Was sowohl Statistisches Bundesamt wie die Medien (z.B. SPIEGEL-online) unerwähnt lassen, ist, daß die Einkommenssteuer nur 35 % des gesamten Steueraufkommens darstellt (Abb. 04968), wovon das meiste Lohnsteuer ist (Abb. 04969) und daß die restlichen 65 % im wesentlichen Verbrauchssteuern sind, die weit überproportional von den weniger verdienenden und sehr viel zahlreicheren Haushalten entrichtet werden, wie z.B. die Mehrwertsteuer auf alle Einkäufe oder die Mineralöl- und die Tabaksteuer. Die Reichen geben dagegen einen viel geringeren Anteil ihrer stark wachsenden Einkommen und Vermögen für den persönlichen Verbrauch aus und sparen auch wesentlich mehr (Abb. 04026). Gemessen daran ist die Konzentration auf die Einkommenssteuer schlicht irreführend. Prompt melden die Medien ebenso irreführend, z.B. WELT: "Reiche zahlen mehr für die Gesellschaft", SPIEGEL-online: "Die Ärmsten überweisen dem Finanzamt verschwindend wenig", FAZ: "Die Reichen zahlen am meisten ins Staatssäckel".




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global news 881 10-10-07: Auch der DeutschlandTREND im Auftrag der ARD-Tagesthemen zeigt die kritische Haltung der Bundesbürger
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Die Pläne zur Teil-Privatisierung der Deutschen Bahn werden von einer wachsenden Zahl der Bundesbürger abgelehnt. Nur ein Drittel (35 Prozent) unterstützt aktuell eine Bahnprivatisierung, sechs von zehn (60 Prozent) sprechen sich dagegen aus (Abb. 13328).


Jeder zweite Bundesbürger hält Löhne und Gehälter in Deutschland für zu niedrig. Nur 30 Prozent der Bundesbürger bewerten die hiesigen Löhne und Gehälter insgesamt als angemessen, die Hälfte (51 Prozent) aber kritisiert sie als zu niedrig. Dass die deutschen Löhne insgesamt zu hoch seien, bilanzieren noch am ehesten Unternehmer und Selbstständige, aber selbst die nur zu 12 Prozent (Abb. 13329). Demgegenüber klagen insbesondere Geringverdiener (60 Prozent) und Industriearbeiter (77 Prozent), aber auch Arbeitslose (67 Prozent) über zu niedrige Löhne und Gehälter in Deutschland.


Sechs von zehn sind für flächendeckende Mindestlöhne. Nur jeder achte Bundesbürger (12 Prozent) lehnt Mindestlöhne grundsätzlich ab. Drei von zehn (27 Prozent) plädieren für Mindestlöhne in bestimmten Branchen, sechs von zehn (59 Prozent) sogar für ihre flächendeckende Einführung (Abb. 13330).


Nur ein Fünftel sieht für sich persönlich Vorteile durch Wachstum. Aus Sicht der Bevölkerung kommt die positive wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nur einer Minderheit zugute. Lediglich ein Fünftel (21 Prozent) sieht sich als Nutznießer des Wachstums. Für die große Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) kommt von der Konjunkturbelebung derzeit wenig bei ihnen an (Abb. 13331).


Die Mehrheit hält die Verhältnisse in Deutschland für ungerecht. Trotzt einer wachsenden Wirtschaft und sinkender Arbeitslosenzahlen beklagen mehr Bürger eine Gerechtigkeitslücke in Deutschland als im Sommer. Derzeit sind 57 Prozent der Meinung, es gehe in Deutschland ungerecht zu, eine Zunahme der kritischen Stimmen um 8 Punkte im Vergleich zum Juli. Lediglich 36 Prozent beurteilen die sozialen Bedingungen hierzulande als gerecht (Abb. 13332).


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global news 880 09-10-07: Die meisten Deutschen haben noch oder wieder ein Gefühl für soziale Gerechtigkeit, viele Medien oder Wirtschaftswissenschaftler offensichtlich nicht
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Nach dem ZDF-Politbarometer vom 5. Oktober empfinden große Mehrheiten der Bürger aus allen Parteien die mit den Hartz-Reformen vorgenommene Verkürzung des Arbeitslosengelds I für ältere Arbeitslose, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben und seitdem ebenso wie die mit kurzen Einzahlungszeiträumen behandelt werden, als ungerecht. Sie treten für eine Verlängerung bei Arbeitslosen über 45 Jahre ein (Abb. 04967).


Dagegen machen viele Medien Front, wie BILD oder der Stern. Stellvertretender Stern-Chefredakteur Jörges: "Die kürzere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes, so hart das für den Betroffenen auch erscheinen mag, erzeugt hingegen Druck, sich rasch selbst nach neuer Beschäftigung umzutun." Bild-Kommentator Hugo Müller-Vogg heute: "Eine längere Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld führt deshalb zu höheren Sozialabgaben; und mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger zu höheren Steuern. Nein, zur Agenda-Politik von Gerhard Schröder gibt es derzeit keine Alternative. Das ist nicht angenehm - aber weiterhin bitter notwendig." Ebenso regt sich Widerstand gegen eine Verwässerung dieser angeblichen Jahrhundertreformen aus der Wirtschaftswissenschaft und von Politikern, besonders aus dem Schröder-Flügel der SPD. Steinmeier im BILD-Interview: "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als ob es mit der SPD einen Aufbruch zu alten Ufern gäbe."

Doch allmählich wird die Politik von der Wählermehrheit gezwungen, die besonders unpopulären Teile der falschen Reformen der Schröder-Regierung zurückzunehmen. Heute schreibt die Financial Times in ihrer internationalen Ausgabe: "Aus einer ökonomischen Perspektive waren diese Reformen marginal. .. Die deutschen pro-Reform Sozialdemokraten sind altmodischen Kostenschneider. Sie sind keine kreativen Reformer." Es kommt für das Infoportal und andere kritische Instanzen einer Gegenöffentlichkeit nun darauf an, die Fakten immer wieder auf die Webseiten zu knallen, damit auch von daher die Aufklärung Unterstützung erfährt. Vor allem der Vergleich mit den Nachbarn kann immer wieder zeigen, wie besonders falsch sich Deutschland entwickelt hat.

Bis sich die Kritiker gegen die falschen Reformer, gegen die falschen Medien, gegen die Nebelwerfer von Bertelsmann u.Co. durchgesetzt haben.

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global news 879 08-10-07: Auch der Stern hetzt nun gegen den Abbau der Ungerechtigkeiten bei Hartz IV
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Es war von Anfang an eine bodenslose Ungerechtigkeit, ja Gemeinheit, Ältere, die Jahrzehnte Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben, mit der Verkürzung des Arbeitslosengelds I genauso zu behandeln, wie die mit nur sehr kurzen Beitragszeiten. Hartz IV biß mit dieser Absenkung vor allem die älteren Arbeitslosen, die es ohnehin schwerer haben, wieder einen Job zu finden.

Doch nachdem in der SPD und Teilen der CDU über eine Nachbesserung nachgedacht wird, die die Frist für ALG I wenigstens auf 18 Monate für über 45-Jährige und 24 Monate für über 50-Jährige verlängern soll, machen deutsche Massenmedien mobil. So meldet sich der noch nie arbeitslose und bestens bezahlte stellvertretender Chefredakteur des „Stern" Hans-Ulrich Jörges mit rücksichtsloser Polemik zu Wort. Hier zunächst seine Argumente: "Wer länger als ein Jahr ohne Job ist, verliert den Anschluss im Beruf, versinkt in Depression, gilt als Ramschware auf dem Arbeitsmarkt. Die kürzere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes, so hart das für den Betroffenen auch erscheinen mag, erzeugt hingegen Druck, sich rasch selbst nach neuer Beschäftigung umzutun. Und sie bietet keinen Anreiz mehr, Ältere auf Kosten der Solidargemeinschaft in die Frührente abzuschieben. Das hat Wirkung, sichtbar. Ende 2002 hatten nur 35,5 Prozent der über 50-Jährigen einen Job, Ende 2006 waren es schon 39,8 Prozent. Die Verlängerung der Bezugsdauer auf 24 Monate hingegen macht die Frühpensionierung wieder reizvoll - für die Älteren wie für die Arbeitgeber. Und sie untergräbt die Rente mit 67".

Erstens wird hier unterstellt, daß sich Arbeitslose mit Arbeitslosengeld I nach 12 Monaten an der Arbeitslosigkeit festhalten und daß sie nach weiteren 6 Monaten auf einmal "Ramschware" am Arbeitsmarkt seien. Abgesehen von der perfiden Diktion ist das eine durch nichts belegte Behauptung. Ähnlich werden immer wieder Arbeitslose als Hängematten-Liebhaber verleumdet.

Nirgendwo ist auch belegt, daß der Rückgang der Arbeitslosigkeit unter älteren Arbeitnehmern ein Geschenk von Hartz IV sei. Die Arbeitslosigkeit Älterer ist weniger zurückgegangen als die aller Arbeitslosen (Abb. 04966). Soweit sie zurückgegangen ist, ist das vor allem dem Aufwuchs von prekären Beschäftigungen zuzuschreiben: 1-Euro-Jobs, geringfügig bezahlte Arbeit und unsichere Zeitverträge sowie - nicht zu vergessen - der administrativen "Bereinigung", d.h. was die Agentur eine systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus nennt. Hinzu kommen noch 233.000 Empfänger von Arbeitslosengeld, dienicht als arbeitslos geführt werden, weil sie die vorruhestandsähnliche Regelung des § 428 SGB III in Anspruch nehmen


Ebensowenig kann von einem "Untergraben" der Rente mit 67 die Rede sein. Und wäre es so, könnte man es nur begrüßen. Denn die Rente mit 67 ist für viele ältere und schon verbrauchte Arbeitnehmer eine ebenso große Gemeinheit. Sie ist total unnötig, wenn man den hohen Produktivitätsgewinn der Volkswirtschaft, den sich die Besserverdiener und Kapitaleigner allein unter die Nägel reißen, mit zur Finanzierung der Renten heranzieht. Man sollte z.B. in Deutschland, wie jetzt in Frankreich, die üppigen Aktienoptionen der Leitenden Angestellten mit Abgaben zur Sozialversicherung belasten.

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global news 878 06-10-07: Alle wollen exportieren, aber wer ersetzt einen Konsumrückgang in USA?
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An der Exportfront herrscht großes Gedränge. Vor allem China, Deutschland und Japan treiben seit Jahren die Exporte hoch. Dazu setzt Deutschland seit sieben Jahren verstärkt die negative Entwicklung der realen Arbeitseinkommen, also eine moderate Form von Lohndumping, ein. China arbeitet mit enormem Lohn-, Währungs-, Umwelt- und Steuerdumping. Japan hat einen lächerlich niedrigen Zentralbankzins und davon angetrieben den sogenannten "carry trade" japanischer Hausfrauen und Spekulaten, die ihre Yen im Ausland profitabler anlegen, und so einen viel zu niedrigen Yen-Kurs, sehr zur Freude der Exporteure. Nun steigen auch noch die USA mit steil fallendem Dollar (Abb. 13118) und unter dem Druck einer sich abschwächenden Binnenmarktsituation intensiver in den Export ein.


Doch wo sind die Verbraucher für all die schönen Exportgüter? In den letzten Jahren waren es vor allem die amerikanischen Haushalte, die sich dabei auf dem Rücken eines gewaltigen Immobilienbooms und beliebig verfügbaren billigen Kredits bis über die Halskrause verschuldeten (Abb. 03469). In den neuen Zeiten der kombinierten Immobilien- und Kreditkrise kann der amerikanische Verbraucher diese Rolle als Lokomotive des Weltexports immer weniger spielen. Der Immobilienmarkt befindet sich derzeit in freiem Fall (Abb. 05076) und wird für lange Jahre sein altes Niveau nicht wieder erreichen. Immobilienkredite sind wesentlich teuerer und restriktiver geworden. Im September ist es zu einem erheblichen Einbruch des Verbrauchervertrauens gekommen (Abb. 05073).




Bleiben vor allem die Verbraucher in Europa und China. Über den deutschen Verbraucher kann man nicht lange spekulieren. Er wird unter dem Druck real fallender - weil eingefrorener - Renten, Sozialleistungen und Einkommen im öffentlichen Dienst sowie stagnierender Arbeitseinkommen bei bereits auf 2,5 % angezogener Inflation schwach bleiben. Der Einzelhandelsumsatz zeigt das überdeutlich (Abb. 04943). Auch die Verbraucher in Frankreich und Spanien werden vorsichtiger, nachdem die Immobilienpreise dort ebenfalls unter Druck geraten. Großbritannien ist nach einem Kommentar in der heutigen Financial Times sogar noch anfälliger für eine Immobilienkrise als die USA: die Immobilienpreise sind dort stärker gestiegen, und die Haushaltsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist höher. Überall in Westeuropa (mit der derzeitigen Ausnahme von Großbritannien) sind die Konjunktursignale auf "gelb" oder "rot" gestellt (Abb. 12910) und bremsen damit auch die Zuversicht der Konsumenten.



Nun gibt es Beobachter, die auf den chinesischen Konsumenten setzen. Doch auch der zeigt wenig Neigung zu einem Verbraucherboom mit entsprechend anziehenden chinesischen Importen von Industrieerzeugnissen. Der Kommentar der Financial Times vom Mittwoch weist zurecht auf einige ernüchternde Realitäten hin. So ist der Anteil des Verbrauchs privater Haushalte am BIP von 46,4 % in 2000 auf nur noch 36,4 % in 2006, eine der niedrigsten Raten in ganz Asien, gefallen. Angesichts unterentwickelter Soizial- und Krankenversicherungssysteme, schrumpfenden Familienbeistands im Land der 1-Kind-Familien und stark steigender Inflation gehören die Chinesen zu den ängstlichsten Weltmeistern im Sparen. Nur 17 % der Bevölkerung kommt unter den Schutz eines staatlichen, wenn auch notdürftigen Rentensystems. Nur die Hälfte in den Großstädten ist krankenversichert und noch viel weniger auf dem Lande. Allein die privaten Bildungsausgaben sind auf 8 % des Gesamtverbrauchs der Haushalte geklettert. Nein, die chinesischen Haushalte werden nicht an die Stelle ausfallender Nachfrage amerikanischer Haushalte treten.

In dieser Situation "something has to give", wie die Briten sagen. Die Frage ist dann, wo in der Welt es zum Exporteinbruch kommen wird. Die Kursentwicklungen (Abb. 13309) und Zinspolitiken der Notenbanken von USA, China, Japan und der Eurozone sprechen dafür, daß letztere die Hauptlast des weltweiten Anpassungsprozesses wird schultern müssen, jedenfalls solange nicht die EZB mit ihrer Zinspolitik ebenfalls in einen Abwertungswettlauf einsteigt. Die Situation wird für die EU noch dadurch zugespitzt, daß China seinen Export schon jetzt zunehmend wegen des schwächer werdenden US-Markts und des fallenden Dollars nach Europa umleitet und schon in diesem Jahr mehr nach Europa als nach USA exportiert. Übrigens, auch der Export von Investitionsgütern - eine Spezialität des deutschen Exports - wird leiden, wenn sich die damit herzustellenden Waren schlechter verkaufen lassen.


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global news 877 05-10-07: Einzelhandelsumsatz - Konsumentenschulden
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Zwei Meldungen von heute, eine von Eurostat zum Einzelhandelsumsatz im August und eine vom Statistischen Bundesamt zur Überschuldung deutscher Haushalte. Wer wollte da nicht eine Brücke schlagen. Zunächst Eurostat: Deutschland hatte im August die bei weitem schlechteste Einzelhandelsentwicklung im EU-Vergleich (Abb. 12378).


Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes waren Personen, die im Jahre 2006 von einer Schuldnerberatungsstelle betreut wurden, im Durchschnitt mit knapp 37.000 Euro verschuldet bei einem monatlichen Nettoeinkommen von durchschnittlich 1.150 Euro. Bei knapp 60% lagen die Einkünfte sogar unter 900 Euro. Diese Angaben beruhen auf einer Befragung von 124 Schuldnerberatungsstellen, deren Dienste 2006 von rund 47 000 Personen in Anspruch genommen worden sind. Mehr als die Hälfte dieser Personen, die überschuldet waren oder einen finanziellen Engpass zu meistern hatten, war arbeitslos gemeldet. Arbeitslosigkeit war auch bei knapp einem Drittel Auslöser der finanziellen Schwierigkeiten. Nahezu die Hälfte (45%) der Personen lebte allein, wobei deutlich mehr alleinlebende Männer als Frauen auf die Hilfe der Beratungsstellen angewiesen waren. Damit sind Singlehaushalte überproportional an der Überschuldung beteiligt. Bei 36% der untersuchten Fälle waren Kinder von den Konsequenzen betroffen. Alleinerziehende Frauen machten 14% aller überschuldeten Personen aus, repräsentieren aber nur 3% der Gesamtbevölkerung über 18 Jahren. 30% aller beratenen Personen gehörten der Altersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren an, und damit deutlich mehr, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung über 18 Jahren entspricht (20%).

Zur Erinnerung: Die Zahl der Isolvenzverfahren steigt immer mehr von Jahr zu Jahr, jedes Jahr die Bevölkerung einer Großstadt (Abb. 04028). Warum begreift keiner in der Bundesregierung, daß in diesen beiden Entwicklungen etwas grundsätzlich falsch läuft?


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global news 876 04-10-07: Bankenkrise: Die Stunden der Wahrheit schlagen langsam
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In den letzten Tagen haben drei Großbanken ihre Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht. Zusammen haben sie schon 19 Mrd Dollar abgeschrieben (Abb. 03679). Natürlich weiß niemand, mit wieviel "Prinzip Hoffnung" diese Abschreibungen vorgenommen wurden oder ob es bei diesen Instituten zu weiteren Abschreibungen kommen wird. Jedenfalls zeigen die Aktienkurse, daß Marktteilnehmer hoffen, das Schlimmste sei nun vorbei.



Allerdings stehen die Ergebnisse vieler Banken noch aus, vor allem Merryl Lynch. Seriöse Schätzungen nehmen einen gesamten Verlust des Bankensektors von mindestens 30 Mrd Dollar an. Derzeit horten die Banken jedenfalls weiterhin Liquidität und trauen einander nicht.

Derweil verschlechtert sich der amerikanischen Häusermarkt, von dem die Verluste der Banken ausgehen, immer mehr. Der Index der Kaufverträge über vorhandene Häuser fiel im August um weitere 6,5 % auf den niedrigsten Stand, seit dieser Index existiert (Abb. 05076). Die im August eingetretene Verteuerung der Kredite wird die Krise am Häusermarkt bis weit nach 2008 hinein verlängern. Daher kommt die Fed schon jetzt unter Druck, weitere Zinssenkungen vorzunehmen, um eine allgemeine Wirtschaftskrise in USA zu vermeiden.


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global news 875 03-10-07: Entwarnung an der Verlagerungsfront?
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Diese Webseite weist immer wieder auf den Verlagerungsdruck hin. Den gibt es in drei Formen, die man auseinanderhalten sollte. Der wichtigste Druck wird aufgemacht, indem Unternehmen mit Verlagerung drohen und so längere Arbeitszeiten und vor allem Lohndisziplin erzwingen. Natürlich geschieht dies oft, ohne daß eine konkrete Verlagerungsabsicht besteht, aber welcher Arbeitnehmer kann das durchschauen und sich erlauben, die Drohung nicht ernst zu nehmen? Jedenfalls dürfte diese Situation erheblich zu der real negativen Lohnentwicklung in Deutschland beitragen, auch wenn dazu keine wissenschaftlichen Nachweise verfügbar sind.

Zweitens werden Produktionen in Billigsländern aufgemacht, während andere in Deutschland schließen oder eingeschränkt werden, ohne daß dassselbe Unternehmen aus Deutschland verlagert. Die expolosionsartige Entwicklung des Exports aus China (Abb. 08001) ersetzt natürlich Produktion in Deutschland und anderen Industrieländern. China kann nicht zur Werkbank der Welt werden, ohne daß dies anderswo Konsequenzen hätte.


Drittens verlagern tatsächlich bestimmte deutsche Unternehmen Produktion oder Betriebsteile ins Ausland. Dies ist immer wieder wissenschaftlich untersucht worden. Besonders hervorgetan hat sich dabei das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Hier ein Auszug aus seinem Bericht von 2006: ".. hat im Zeitraum zwischen 2001 und 2003 knapp ein Viertel (24,5 Prozent) aller Betriebe aus den Kernbranchen des Verarbeitenden Gewerbes Teile der Produktion ins Ausland verlagert. Dieser Wert stellt gegenüber dem Zweiiahreszeitraum 1999 bis 2001 einen Anstieg dar. Die nur für die Metall- und Elektroindustrie verfügbare, weiter zurückreichende Zeitreihe macht deutlich, dass nach einem Aufwuchs der Verlagererquoten von 1995 bis 1999 auf 27 Prozent 2001 erstmals ein Rückgang zu verzeichnen war. Dieses Nachlassen der Verlagerungsneigung war jedoch keine stabile Trendumkehr. Der für 2003 ermittelte Wert entspricht wieder nahezu dem hohen Verlagerungsniveau von 1999. Neben dem ins Ausland gerichteten Verlagerungstrend erlauben die Daten auch eine Quantifizierung der Rückverlagerung von Produktionskapazitäten nach Deutschland. Demnach haben hochgerechnet 4,4 Prozent aller Firmen zwischen 2001 und 2003 Teile ihrer Produktion aus dem Ausland wieder nach Deutschland zurückgeholt. Wie sich weiter zeigt, folgen Produktionsrückverlagerungen um zwei Jahre zeitversetzt dem Verlagerungstrend. Daraus wird folgendes Muster ersichtlich: Auf jeden vierten bis fünften Verlagerer kommt zwei Jahre später ein Rückverlagerer der Produktion."

Mit anderen Worten, die Rückverlagerung kompensiert nur einen kleinen Teil der originären Verlagerung (Abb. 04965). Und noch etwas ist aus der Studie interessant: "Bei der Analyse der Herkunftsregionen von Rückverlagerungen fällt auf, dass ca. 60 Prozent der rückverlagernden Firmen Produktion aus westeuropäischen Standorten abgezogen haben. Die EU-Beitrittsländer sowie die nord- und mittelamerikanischen Staaten folgen mit 19 bzw. 18 Prozent der Nennungen auf Rangplatz zwei und drei. Asien, Osteuropa und Südamerika sind als Herkunftsregionen für Rückverlagerungen eher nachrangig. In der Gesamtschau von Ziel- und Herkunftsregionen scheint Westeuropa als Alternativstandort für inländische Produktion an Attraktivität verloren zu haben. Die EU-Beitrittsländer wie auch Asien üben dagegen zunehmend eine hohe Anziehungskraft aus." Mitnichten hat also Asien an Interesse verloren.


Was nun passiert ist, muß man als symptomatisch für die unsaubere Arbeit des SPIEGEL ansehen. Der Spiegel macht eine große Story unter dem Titel "Rolle rückwärts" auf: "Tausende Jobs kommen wieder nach Deutschland. Grund: Bei der Verlagerung ins Ausland haben sich vor allem mittelständische Firmen verkalkuliert. Jeder fünfte Betrieb aus der Metall- und Chemiebranche kehrt zurück. Und selbst ausländische Firmen lockt das hiesige Wirtschaftswunder. Im Maschinenbau ist der Rückzug besonders ausgeprägt." Und dann zitiert SPIEGEL den Präsidenten des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Dieter Brucklacher: "Es gibt keinen Trend mehr zur Produktionsverlagerung ins Ausland.Die Stimmung der Firmen hat sich gedreht. Sie haben wieder mehr Vertrauen zu Deutschland. Auch Unternehmer reagieren durchaus emotional". Leider vermischt der Spiegel dabei die Analyse des ISI aus dem Jahre 2004 mit aktuellen Aussagen verschiedener Branchen-Lobbyisten und Einzelfällen von eher anekdotischem Charakter.

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global news 874 02-10-07: Die Verbraucherpreisinflation kehrt zurück
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Nach den jüngsten Angaben von Eurostat und Statistischem Bundesamt sind die Inflationsraten für September auf 2,1 für die Eurozone und 2,5 für Deutschland hochgesprungen (Abb. 12911).


Damit erhebt die Inflation wieder ihr Haupt ausgerechnet in einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank wegen der Kreditkrise in der Bekämpfung der Inflation behindert ist. Am Ende zahlen die Verbraucher, und das sind vor allem die "kleinen Leute" die Zeche für die Spekulanten an den Kreditmärkten.

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global news 870 01-10-07: Auch der EU-Konjunktur-Indikator fällt, weitere negative Meldungen von der Kreditkrise
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Der am letzten Freitag von der EU-Kommission veröffentlichte und auf Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern beruhende Konjunkturindikator ist ziemlich steil gefallen (Abb. 12910). Für die Eurozone war es der vierte Fall in Monatsfolge. Noch stärker fiel der Indikator für Deutschland.


Nach Ansicht von Beobachtern zeigt sich hier, daß die Kreditkrise auch in der europäischen Realökonomie ankommt.

Die Schwierigkeiten im Bankenbereich bestehen fort. Der Euribor, der Zinssatz für Kredite zwischen Banken hat einen neuen Höchstwert erreicht (Abb. 03676). Die Aktienkurse der Banken, auch in Deutschland (Abb. 13316), bewegen sich immer noch auf Tiefstständen. Gerade heute berichtet die "Financial Times", daß die schweizer Grossbank UBS aus ihrem Anleihe-Portfolio rund 1,8 Milliarden Euro abgeschrieben hat.



Aus USA kommen weitere Zeichen einer Wirtschaftsabschwächung. Der Verkauf neuer Einfamilienhäuser rutschte im August um 8,3 % gegenüber Vormonat und um 22,7 % gegenüber Vorjahr auf das niedrigste Niveau seit Juni 2000 ab (Abb. 05074). Die Bestellungen neuer langlebiger Wirtschaftsgüter sanken in sieben der bisher aufgezeichneten acht Monaten 2007 (Abb. 05075). Der Dollar ist auf einen neuen Tiefststand gegenüber dem Euro (minus 17 % seit 2006, Abb. 13118) und anderen Währungen abgerutscht. Seit Mitte August ist der Absturz besonders steil geworden.




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global news 872 29-09-07: Im internationalen Vergleich starke Einkommens-Diskriminierung der in deutschen Hotels und Restaurants beschäftigten Frauen
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In Deutschland unterliegen Frauen einer stärkeren Diskriminierung bei den Stundenlöhnen als in fast allen anderen Ländern (Abb. 12396). Jetzt hat Eurostat dies auch für den Hotel- und Restaurantsektor herausgefunden (Abb. 12908). 60 % der 1,4 Millionen der in diesem Sektor in Deutschland Beschäftigten sind Frauen. Damit ist es weit mehr als nur ein Randproblem.



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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.