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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(871) Der Einzelhandelsumsatz sinkt und sinkt

(870) Arbeitsmarktzahlen vom September: Kein Grund zum Jubel

(869) Deutschland auch in der Breitband-Liga hinten

(868) Konsumklima zum vierten Mal in Folge im Abschwung, Rückgang auch in USA

(867) Auf welchem Stern lebt die Mehrheit der Deutschen?

(866) Ifo-Index der Konjunkturerwartungen auf tiefstem Stand seit 2 Jahren

(865) Die Gesellschaft ist nur so stark wie ihre Frauen

(864) Was verbindet die Immobilienmärkte in USA und Deutschland?

(863) Unternehmensbeteiligung unterbelichtet

(862) Bildungsschwach in die Zukunft

(861) Statistisches Bundesamt zur Bedeutung des deutschen Exports für die Beschäftigung: nur 22,7 %

(860) Unser Lebensstil schmelzt das Eis weg

(859) ZEW-Konjunkturindikator stürzt weiter ab

(858) China lenkt Export von USA auf EU um

(857) Das Euro-Dilemma

(856) Von der Kreditkrise zu Bankenkrise?

(855) 5 Jahre Skandal: Produktivität +27 %, Lohnquote -12 %

(854) Jeder siebte Deutsche war 2005/6 auf Hartz IV angewiesen

(853) Realer Zuwachs der Buttolöhne und -Gehälter pro Arbeitsstunde in der gewerblichen Wirtschaft um nur 0,18 % in ersten 7 Monaten 2007

(852) Soziale Gerechtigkeit: Fatalismus breitet sich aus

(851) Größter britischer Hypothekenanbieter erstes Opfer der globalen Krise unter Europas Hypothekenbanken

(850) Deutsche Arbeitskosten immer niedriger

(849) Nur 12 % zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz

(848) Die Geburtenziffer geht weiter zurück

(847) Der Industrieumsatz geht seit Mai zurück

(846) Reformen auch am "Schwedischen Modell"

(845) Von wegen Spitzenreiter: Arbeitskosten in Deutschland

(844) Immer mehr überlegen auszuwandern

(843) Bitte zurücktreten von der Bahnsteigkante: Die Krise ex USA kommt

(842) Wohnungsbau: Der geborgte Vorjahres-Boom

(841) Krise bei Interbank-Krediten verschärft sich - OECD senkt Wachstumsprognose

(840) Industriepolitik im Zeitalter der Globalisierung

(839) Die Kreditkrise arbeitet sich in die Realwirtschaft hinein

(838) In den drei größten Volkswirtschaften hängen die Arbeitseinkommen weit hinter der Produktivität zurück

(837) Von Sarkozy lernen

(836) Pflege in Deutschland

(835) Weiter enttäuschende Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes

(834) Trügerische Ruhe am Finanzmarkt - Demnächst Notverkäufe?

(833) Arbeitsmarkt im August: wieder Stagnation




global news 860 28-09-07: Der Einzelhandelsumsatz sinkt und sinkt
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Nach den heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag der Einzelhandelsumsatz im August schon um 2,2 % unter dem Vorjahresergebnis (Abb. 04943). Wo bleibt da der angebliche Konsumrausch der Deutschen? Es fehlt einfach die Kaufkraft. Und außerdem steigen die Preise wieder erheblich, nach heutiger StaBuA-Meldung um 2,5 % im September gegenüber Vorjahr - die höchste Teuerungsrate seit zwei Jahren. Dabei bleiben die Renten, Sozialleistungen und Bezüge im öffentlichen Dienst (bis auf eine lächerlich minimale Erhöhung bei den Renten) praktisch eingefroren und der Auszehrung durch die Inflation überlassen.


Besonders schlimm ist dabei, daß viele Menschen immer mehr am Essen sparen. Hier fiel der Umsatz um 1,8 %.

Weil neuerdings in Deutschland unter BILD-Ägide von einem Netto-Lohnskandal gesprochen wird und angeblich der Staat wegen der Steuern Schuld an der mangelnden Kaufkraft sein soll, sei daran erinnert, daß auch die Bruttolöhne und -gehälter nach StaBuA im 2. Quartal 2007 um 2,1 % unter dem Wert des Jahres 2000 lagen.

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global news 860 27-09-07: Arbeitsmarktzahlen vom September: Kein Grund zum Jubel
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Der September verzeichnet in der Statistik der Bundesagentur gegenüber Vormonat einen Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit um 50.000. Doch angesichts praktisch gestoppten Zuwachses an den besonders wichtigen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, des bei saisonaler Bereinigung stagnierenden Beschäftigungsaufbaues im September gegenüber August, des im Vorjahresvergleich starken Aufbaues an prekären Beschäftigungsverhältnissen, und der fortgesetzten "administrativen Bereinigung" der Statistik sowie der von der Arbeitsmarktpolitik unabhängigen Entlastung durch die demographische Entwicklung bleibt die Arbeitsmarktsituation trotz aller Erfolgsmeldungen enttäuschend. Im europäischen Vergleich verharrt Deutschland bei den besonders belasteten Langzeitarbeitslosen am Ende des Vergleichsfeldes.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat nach der jüngsten Statistik für Juli gegenüber Vormonat um 1.900 abgenommen. Bereits im Juni stagnierte diese besonders wichtige Zahl gegenüber dem Vormonat mit einem Minianstieg von nur noch 0,05 % und hat auch über einen längeren Zeitraum wenig Entwicklung gezeigt (Abb. 04008, 04962).



Das Wachstum der Beschäftigung fiel im Vormonatsvergleich saisonbereinigt von noch 0,4 % im Januar auf nur noch 0 % im August (Abb. 04942).


Abb. 04922 zeigt, in welchem großem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist. Leider verrät uns die Bundesagentur nicht, obwohl ihr die Zahl bekannt sein sollte, wie viel des Rückgangs an Arbeitslosigkeit auf der von ihr angedeuteten systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruht.


Eine ausführliche Analyse der neuesten Zahlen vom Arbeitsmarkt finden Sie hier.

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global news 869 27-09-07: Deutschland auch in der Breitband-Liga hinten
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Nach dem neuen Bericht der OECD lag Deutschland im Juni letzten Jahres mit nur 15 Breitbandzugängen pro 100 Einwohner weit hinter den meisten Konkurrenzländern und noch unter dem OECD-Durchschnitt (Abb. 13327). Dänemark und Niederlande hatten fast doppelt so viel, aber selbst Flächenländer wie Kanada (48 % mehr) oder Großbritannien (28 % mehr) hatten erheblich mehr.


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extra global news 868 26-09-07: Deutsches Konsumklima zum vierten Mal in Folge im Abschwung, Rückgang auch in USA
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Nach den heute veröffentlichten Umfragedaten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) setzte sich der Abschwung des Konsumklimas auch im September fort (Abb. 04917).


Der Index der Konjunkturerwartung folgt damit der negativen Entwicklung des gestern veröffentlichten Geschäftsklimas des Ifo-Instituts. Wie üblich verbrämt die GfK die fortgesetzt negative Entwicklung mit der Überschrift: "Konjunkturerwartung: rückgängig, aber nach wie vor auf gutem Niveau". Diese Bewertung ist umso erstaunlicher, als der Einzelhandelsumsatz nach den letzten Daten des StaBuA für Januar bis Juli ein Minus von 1,6 % gegenüber der Vorjahresperiode zeigt (Abb. 04943). Er setzte real 1,5 % weniger um als im Juli 2006. Wo ist da die „gute Entwicklung"?


Auch in USA ist es jetzt zu einem erheblichen Einbruch des Verbrauchervertrauens gekommen (Abb. 05073).


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global news 867 26-09-07: Auf welchem Stern lebt die Mehrheit der Deutschen?
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BILD hämmert es fast täglich ein: Die deutschen Arbeitskosten sind Weltspitze. Dabei ist das Gegenteil richtig und haben sich die deutschen Arbeitskosten seit 1991 um 16 % weniger bewegt als der EU-Durchschnitt (Abb. 12907). Und alle fallen vom Sockel, wenn plötzlich der Ifo-Index auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren landet (Abb. 04589), als würde die Konjunktur nicht schon seit dem letzten Jahr immer mehr nachgeben. Eine kaum mittelmäßige Führungschicht in Regierung, Wirtschaft und solche Massenmedien, wie BILD, lassen die Mehrheit der Deutschen nach der letzten internationalen Harris Poll/FT-Umfrage auf einem eigenartigen Stern voller Naivität leben.



So blicken die Deutschen immer noch weit optimistischer in die Zukunft als alle Vergleichsländer (Abb. 12901). Pessimistisch sind hier bisher nur weniger als ein Drittel. Dabei ist Deutschland weit mehr als die Vergleichsländer vom Schicksal der Weltmärkte abhängig und hat seine Binnenkonjunktur weit mehr als die anderen schleifen lassen.


Die Deutschen haben auch mit fast der Hälfte den höchsten Anteil derer, die immer noch glauben, die Wirtschaft Europas könne mit den aufstrebenden Schwellenländern wie China erfolgreich konkurrieren (Abb. 12899), als gäbe es kein massives Lohn-, Umwelt-, Währungs- und Steuerdumping. Dabei glauben sie auch mit dem höchsten Anteil von über 70 % an die Rolle der internationalen Handelsorganisationen, vor allem der WTO (Abb. 12905). Die Medienarbeit der Regierung und der Wirtschaftsverbände war bei diesem eigentlich spröden Thema der WTO, von dem die meisten Menschen wahrscheinlich wenig verstehen, besonders wirkungsvoll.



Das Ergebnis ist umso auffälliger, als sich die Deutschen der Macht der Multinationalen Unternehmen durchaus bewußt sind (12904).


Mit der Arbeit der Europäischen Zentralbank sind die Deutschen trotz der Euroaufwertung besonders zufrieden, auch wenn es eine Menge an Zweiflern gibt (Abb. 12902).


Dann kann es eigentlich nicht mehr überraschen, daß von denen, die eine Meinung haben, in Deutschland fast zwei Drittel mit Ja antworten, wenn sie gefragt werden, ob eine kapitalistische Wirtschaft das beste Wirtschaftssystem ist (Abb. 12900). Dabei wurde dieses System neoliberal definiert und damit erklärt, daß Preise und Löhne in einem uneingeschränkten Wettbewerb zwischen Unternehmen mit begrenzter öffentlicher Regulierung bestimmt werden. Hallo Landsleute, mal was von "sozialer Marktwirtschaft" gehört?


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extra global news 866 25-09-07: Ifo-Index der Konjunkturerwartungen auf tiefstem Stand seit 2 Jahren
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Die Zeit der frohen Botschaften und überoptimistischen Prognosen von Bundesregierung, Wirtschaftsforschung und den meisten Medien scheint nun zu Ende zu gehen. Zu deutlich kontrastiert inzwischen die Realität. Der heute bekannt gegebene Ifo-Index der Geschäftserwartungen für September ist nach dem dritten Rückgang in Monatsfolge auf den tiefsten Stand seit 2 Jahren gefallen (Abb. 04589).


Dem morgen erscheinenden Verbraucherindex wird es nicht viel besser gehen. Auf die Arbeitslosenzahlen vom Donnerstag darf man gespannt sein. Wenn Sie diese Webseite regelmäßig verfolgt haben, können Sie eigentlich nicht überrascht sein.

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global news 865 25-09-07: Die Gesellschaft ist nur so stark wie ihre Frauen
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Viele Gesellschaften leiden darunter, daß sie ihren Frauen weniger oder gar überhaupt keine Rechte einräumen. Das gilt besonders für viele muslemische Gesellschaften; aber auch die christlichen behandeln ihre Frauen sehr unterschiedlich. Frauen werden im Berufsleben in Deutschland mehr als in fast allen anderen EU-Ländern benachteiligt. Das gilt für die Bildungschancen, den Beschäftigungsanteil von Frauen mit Kindern, die Nachteile von Teilzeit- und Zeitarbeit, die Stundenlöhne, die Rolle in den Führungsetagen der Unternehmen und vor allem bei den Altersrenten. Der besondere Schwerpunkt zur Frauendiskriminierung in Deutschland enthält viel einschlägiges Material.

Der alte Spruch von Bertrand Russel "Bilde die Mutter und Du bildest die ganze Familie" hat immer noch Gültigkeit. Im Vergleich der Oberstufenabschlüsse rangiert Deutschland mit einem Anteil von 83 % an der Altersgruppe 25 bis 33 Jahre noch im Mittelfeld (Abb. 12903), allerdings nicht wenn man den Frauenanteil mit dem der Männer vergleicht (Abb. 12906).



Dagegen ist die Nettozugangsquote der Frauen zum Studium in Deutschland pro Bevölkerung im Alter 25 bis 34 Jahre, aber auch im Verhältnis zur Männerquote besonders niedrig (Abb. 12895, 12896).



Ähnlich ausgeprägt ist das beim Zugang zum naturwissenschaftlichen Studium (Abb. 12897, 12898).



Zur Auswertung der neuesten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" siehe neuen Schwerpunkt.

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global news 864 24-09-07: Was verbindet die Immobilienmärkte in USA und Deutschland?
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Der in USA abstürzende Immobilienmarkt wird dort voraussichtlich trotz Zinssenkung der Notenbank zu einem Element nachlassender Binnenkonjunktur und gebremster Importe, auch aus Deutschland, zumal sich die Importe mit dem fallenden Dollar verteuern. In Deutschland war der müde Immoblienmarkt schon immer ein Zeichen für eine schlechte Binnenkonjunktur. Jetzt begegnen sich beide Entwicklungen und addieren sich möglicherweise zu Rezessionen in beiden und weiteren Ländern der neoliberal globalsierten Weltwirtschaft.

Man sollte daher die Entwicklung am amerikanischen Immoblienmarkt zeitnah verfolgen, um ein Gefühl für die Interdependenz der Konjunkturen zu bekommen. Derzeit zeichnet sich in USA der steilste Abstieg ab, der dort seit vielen Jahrzehnten gemessen wurde (Abb. 05072). Für die Eurozone zeigte der gestern veröffentlichte Purchasing Managers' Index, der das Vertrauen der Einkaufsmanager in die Konjunktur mißt, den schon dritten Rückgang in Monatsfolge. Für den Dienstleistungsbereich, in dem fast drei Viertel der Beschäftigung angesiedelt sind, war es der stärksten Absturz seit Beginn der Messungen vor neun Jahren. Damit deuten sich starke Zusammenhänge zwischen den Konjunkturen auf beiden Seiten des Atlantiks bereits jetzt an.


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global news 863 22-09-07: Unternehmensbeteiligung unterbelichtet
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Die Unternehmensbeteiligung deutscher Arbeitnehmer steckt mit nur acht Prozent der sozialversicherungspflichtigen nur ein Promille der drei Millionen deutschen Unternehmen noch absolut in den Anfängen (Abb. 13323). Das ergibt sich aus einer Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) und der Unternehmensberatung A.T. Kearney.


Nach einer anderen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit vom 2. August 2007 beteiligen knapp zehn Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiter am Gewinn und nur zwei Prozent am Kapital. Vor allem qualifizierte Arbeitnehmer profitieren von Beteiligungsmodellen. Geringqualifizierte, Arbeiter aus dem gewerblichen Bereich und Niedrigverdiener werden seltener einbezogen. Ebenso werden Mitarbeiter in kleinen Betrieben seltener an Gewinn und Kapital beteiligt als solche in großen Unternehmen.

Tatsächlich ist die Zahl der Aktionäre mit Belegschaftsaktien in Deutschland seit Ende des vergangenen Jahrhunderts erheblich gefallen (Abb. 04961).


Heinrich Beyer, Geschäftsführer der AGP, verweist auf die deutlich größeren Anteile in Großbritannien und Frankreich. Nach der Carnet-Studie von 2000/2001 liegt Deutschland bei der Aktienbeteiligung erst auf Platz 9. Hier haben Großbritannien und Frankreich den dreifachen, bzw. doppelten Anteil (Abb. 13324, 13325 und 133226).




Die geringe Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland ist auch daran mitschuld, daß hier die Einkommensstrukturen besonders auseinanderlaufen und sich die Kapitaleigner den Produktivitätsfortschritt der Volkswirtschaft allein aneignen (Abb. 04054). Angesichts der gedrückten Löhne machen die Unternehmen besonders hohe Gewinne, an denen sie aber in aller Regel ihre Mitarbeiter nicht oder kaum beteiligen.


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global news 862 21-09-07: Bildungsschwach in die Zukunft
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Nach dem neuesten OECD Bericht landet Deutschland mit einem Anteil von Hochschulabsolventen in der Gruppe der Jüngeren von 25 bis 35 Jahren - also der akademische Nachwuchs - auf einem der hintersten Plätze (Abb. 13088).


Während Deutschland bei der Abschlußquote im Sekundärbereich noch relativ gut abschneidet, sieht es mit den Hochschulabschlüssen viel schlechter aus. Deutschland liegt hier mit einer Hochschulabschlußquote von nur 20 % des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 36 % so ziemlich am Ende des Vergleichsfeldes (Abb. 13001). Weniger Akademiker pro Generation als in Deutschland werden nur noch in einem OECD-Staat ausgebildet: in der Türkei.


Sogar noch schlimmer sieht es bei den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen aus. Niedrige Abschlussquoten in den 80er und 90er Jahren schlagen sich auch in einem niedrigen Anteil von naturwissenschaftlichen Hochschulabsolventen in der Erwerbsbevölkerung nieder. Mit lediglich 1302 naturwissenschaftlichen Absolventen der Hoch- und Fachhochschulen unter 100.000 Erwerbstätigen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen liegt Deutschland unter den 28 OECD-Staaten mit vergleichbaren Daten nur an 21. Stelle (Abb. 13002).


Die Ersatzquote für die älteren und demnächst in den Ruhestand gehenden Ingenieure und Naturwissenschaftler ist im internationalen Vergleich besonders ungünstig (Abb. 12683).


Ein besonders leidiges Thema ist der Einsatz öffentlicher Mittel im Bildungssystem. Auch hier rangiert Deutschland im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt rangiert Deutschland mit 5,2 % weit unten und noch unter dem OECD-Durchschnitt (Abb. 13004). Bei den Ausgaben pro Grundschüler und für die Unterstufe der Oberschule liegt Deutschland fast am ganz am Ende des internationalen Feldes (Abb. 13092).


Nach der OECD-Berechnung ist an deutschen Schulen für Kinder aus der unteren sozialen Schicht die "Wahrscheinlichkeit" des Versagens in der Basisqualifikation Mathematik um 4,6 mal größer als für Kinder aus der Oberschicht. Nur noch Belgien, die Slowakei und Ungarn haben unter 29 untersuchten Staaten noch schlechtere Werte. Erneut wird damit auf die mit mehreren Studien belegte hohe Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland verwiesen (Abb. 13090).


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global news 861 20-09-07: Statistisches Bundesamt zur Bedeutung des deutschen Exports für die Beschäftigung: nur 21,7 %
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Die deutsche Exportindustrie und der Bundesverband der Deutschen Industrie berufen sich, wenn es um die Bedeutung des deutschen Export für die Beschäftigung geht, in der Regel auf den Exportanteil von ca. 46 % des Bruttoinlandsprodukts (1. Halbjahr 2007), so in ihrer Broschüre: "Produzieren und Investieren in Deutschland". Das war schon deshalb nicht richtig, weil bei Vorproduktimporten von 42 % des Exports, die in Deutschland nicht arbeitsplatzrelevant sind, nur 27 % für die Beschäftigung in Deutschland übrig bleiben.

Jetzt hat das Statistische Bundesamt in einer Input-Output-Rechnung einen direkten Anteil des Exports an der Beschäftigung von nur 10,1 % ermittelt. Hinzugerechnet hat es dann noch einen indirekten Anteil, vor allem im Dienstleistungsbereich, von 11,6 % (Abb. 04960).


Was das StaBuA dabei natürlich nicht gemacht hat, ist eine Abschätzung, wie sich der negative Lohndruck des Exports auf die Binnenwirtschaft auswirkt, die seit Jahren stagniert, weil die Kaufkraft fehlt. Vor allem die Dienstleistungsbereiche würden sehr viel stärker der Binnenwirtschaft zuarbeiten, wenn mit weniger Lohndruck und weniger Export die Binnenwirtschaft belebt würde. Die fast vier Füftel, die nicht vom Export abhängen, leiden für den viel kleineren Anteil des Exports.

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global news 860 19-09-07: Unser Lebensstil schmelzt das Eis weg
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Die arktische Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik (siehe Abb.) ist nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur Esa nach einer Rekordschmelze völlig eisfrei und somit für Schiffe befahrbar. Die Route durch die kanadische Arktis ist gewöhnlich wegen des Eises auch im Sommer für gewöhnliche Schiffe weitgehend unpassierbar. In diesem Jahr sei die Eisfläche in der Nordpolregion aber auf ihre geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenbeobachtung vor 30 Jahren geschrumpft, teilte die Esa jetzt mit. "Ein Rückgang um eine Million Quadratkilometer in nur einem Jahr ist extrem", sagte Leif Toudal Pedersen vom dänischen Raumfahrtzentrum. Das könne bedeuten, dass das Meereis im Sommer wesentlich früher verschwunden sein könnte als bisher angenommen. Die Eisfläche im Nordpolargebiet sei bis auf drei Millionen Quadratkilometer geschrumpft. Das seien eine Million Quadratkilometer weniger als die bislang geringsten Ausdehnungen in den Jahren 2005 und 2006, und auch damals war der Seeweg nicht vollkommen frei.


Die Arktis gilt seit langem als der Ort, an dem der Klimawandel weltweit die deutlichsten Folgen haben wird - unter anderem wegen eines Rückkopplungseffekts. Wenn das Polareis schmilzt, wird die Fläche kleiner, die die Sonnenstrahlung ins All reflektiert - weshalb die Schmelze weiter an Geschwindigkeit zunimmt. Wissenschaftler glauben, dass das arktische Meereis bis zum Jahr 2040, möglicherweise schon 2020 während des Sommers, komplett verschwunden sein könnte.

Es wird immer deutlicher, wie gering die Chancen sind, die Klimakatastrophe noch zu vermeiden. Dazu wäre eine dramatische Änderung des global gewordenen Lebensstils mit hoher Mobilität und hohem Energieeinsatz notwendig, was keine demokratisch gewählte Regierung gegen die verschiedenen Lobbies durchzusetzen wagt. Die undemokratischen, wie in China, denken schon gar nicht daran. Vielleicht wird erst ein neues Gleichgewicht mit dem Verlust eines nicht unerheblichen Teils der Weltbevölkerung bei den dann gegen Ende des Jahrhunderts Überlebenden die Einsicht und Akzeptanz in das Unvermeidliche durchsetzen.

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extra global news 859 18-09-07: ZEW-Konjunkturindikator stürzt weiter ab
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Es ist immer dieselbe Geschichte. Der Indikator fällt, und das sehr deutlich (Abb. 04762), aber ZEW-Präsident Prof. Franz hat nichts Eiligeres zu tun als seine Rosabrille aufzusetzen und zu versicheren: "Neben den fundamentalen Daten für Deutschland, die nach wie vor gut sind, könnten Besorgnisse der Kapitalanleger das Konjunkturklima eintrüben." Bei der letzten Umfrage vor einem Monat hatte er noch erklärt: "Die Krise ist in erster Linie ein Problem der Vereinigten Staaten. Mögliche Rückwirkungen auf die deutsche Konjunktur werden sich nach derzeitigen Kenntnissen in engen Grenzen halten."


Merkt der Mann gar nicht mehr, wie er trotz hoher akademischer Grade "rumeiert" mit seinem "nach wie vor gut" und "könnte eintrüben". Die Eintrübung ist schon seit dem Beginn des Jahres mit fallenden Zuwachsraten von zuletzt im 2. Quartal 2007 nur noch 1 % (auf Jahresrate umgerechnet) längst da. Fast alle Detaildaten zeigen ebenfalls nach unten: von den Autoverkäufen, zu den Baugenehmigungen bis zum müden Einzelhandelsumsatz.

Auf dieser Webseite haben Sie jedenfalls schonungslos „reinen Wein" bekommen, auch wenn er nicht besonders schmeckt und ich Ihnen lieber einen Gewürztraminer kredenzt hätte.

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global news 858 18-09-07: China lenkt Export von USA auf EU um
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Angesichts der nachlassenden Binnenkonjunktur in USA, geht immer mehr des expandierenden chinesischen Exports nach Europa. Im August war die EU zum zweiten Mal nacheinander der wichtigste Absatzmarkt für chinesische Güter vor den USA. In den ersten acht Monaten stiegen die chinesischen Exporte hierher um 31 % und damit fast doppelt so stark wie nach USA. Dabei half die Abwertung des chinesischen Renmimbi um mehr als 9 % seit 2005 (Abb. 13121).


Europa scheint allerdings der chinesischen Währungspolitik nichts entgegenzusetzen. Mit der weitgehenden Anbindung des Renmimbi an den Dollar und dem fallenden Dollarkurs, dürfte die Gefahr bestehen, daß der Renmimbi im Vergleich zum Euro noch billiger wird, jedenfalls solange nicht auch die EZB den Zins senkt. Dies war auch ein Thema beim letzten Treffen Merkel-Sarkozy. Laut Sarkozy war er sich mit der Bundeskanzlerin in der Verurteilung der Unterbewertung der chinesischen Währung einig. Im gleichen Interview beklagte sich Sarkozy, daß die EZB mit dem Einschuß von mehreren hundert Milliarden Euro in den Geldmarkt Erleichterungen für die Spekulanten geschaffen habe, ohne gleichzeitig die Zinsen zu senken und so der Verteuerung des Kredits für die Unternehmen entgegenzuwirken.

Wenn sich diese Entwicklung mit China so fortsetzt und noch mehr Arbeitsplätze in Europa kostet, werden sich die Neoliberalen in Deutschland das zu Nutze machen, und noch mehr Lohndisziplin von den deutschen Arbeitnehmern fordern. Der Zusammenhang zwischen der sich immer weiter öffnenden sozialen Schere in Deutschland und anderen EU-Länder sowie dem Billigstimport aus China ist schon heute unübersehbar. Dabei wäre die richtige Reaktion, den China-Import durch Maßnahmen gegen Währungsmanipulation (warum schließt sich die EU nicht dem amerikanischen Vorstoß in der WTO an?), Lohndumping und Umweltdumping drastisch zu verteuern.

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global news 850 18-09-07: Das Euro-Dilemma
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Wie lange kann der Euro-Verbund das aushalten? Die Arbeitseinkommen entwickeln sich immer mehr auseinander. Während sie in Deutschland weiter ausgebremst werden, steigen sie normal in Frankreich, Spanien, Italien sowie Griechenland und Portugal. In der Folge entwickeln sich im Einheits-Zwangskorsett des Euro die Außenhandelsbilanzen auseinander. Die Länder mit der normalen Arbeitskostenentwicklung sammeln Handelsbilanzdefizite an, im ersten Halbjahr 2007 zusammen 99,1 Mrd Euro, Deutschland dagegen einen Überschuß von 97 Mrd Euro. Auch die Niederlande können mit ausgebremster Arbeitskostenentwicklung einen Überschuß von 20,6 Mrd Euro zusammenfahren (Abb. 12816).


Der Euro ist demnach zu stark für die Defizitländer und immer noch zu schwach für die Überschußländer, die selbst mit dem erstarkten Euro noch große Überschüsse aufbauen. Das wird am Beispiel Frankreichs deutlich: Hier macht das Handelsbilanzdefizit schon mehr als 11 % des französischen Exportvolumens aus, und mehr als 57 % dieses Defizits entsteht im Handel außerhalb der Eurozone.

Sollte, wie allgemein erwartet wird, der Euro gegenüber dem Dollar (und zugleich dem den Dollar beschattenden chinesischen Renmimbi) weiter erstarken und die EZB dies durch eine Politik höherer Zinsen als in USA unterstützen, so müssen die Defizite der Defizitländer weiter zunehmen. Die Folgen sind Wachstumsverluste und negative Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte. Wer das nicht sieht, kann den französischen Druck auf die EZB nicht verstehen. Bei einem ungebremsten Absturz des Dollars, kann es am Ende zu einem politischen Bruch innerhalb der Eurozone kommen.

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global news 856 18-09-07: Von der Kreditkrise zu Bankenkrise?
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Vor dem im ersten Halbjahr noch größten britische Hypothekenanbieter Northern Rock Panikschlangen von Menschen, die ihre Ersparnisse retten wollen und keinen beruhigenden Erklärungen mehr glauben. Mehrere große Hypothekenbanken in USA schon geschlossen. In Deutschland SachsenLB und IKB schwer angeschlagen. Die Aktienkurse deutscher Banken und Versicherungen in starkem Fall (Abb. 13316).


Der 3-Monats-Euribor, der Zinssatz für die Ausleihe zwischen Banken, bewegt sich weiter auf einsamem Höchststand um 4,75 % (Abb. 03676). Keine Bank traut der anderen und hortet panikartig ihre eigene Liquidität, weil weiterhin niemand weiß, wo die Verluste aus dem globalen Kasino minderwertiger Kreditpapiere geparkt sind und wie ehrlich sie nun von den Banken in den Bilanzen bewertet werden.


Zwar sind die Zinsaufschläge für besonders riskante Kredite in USA etwas heruntergekommen (Abb. 03640a) und ist auch der Versicherungsaufschlag für solche Kredite in Europa nicht mehr ganz so hoch (Abb. 03636), doch die eigentlichen Belastungsproben mit der Refinanzierung riskanter Kredite stehen erst bevor. Im November werden in USA etwa 1 Billion Dollar an variabel finanzierten Hypotheken zur Refinanzierung fällig. Der Anteil von mit Grad "B" oder niedriger bewerteten amerikanischen Unternehmenskrediten stieg von einem Fünftel in 1997 auf ein Drittel in diesem Jahr und vieles davon wird ebenfalls zur Refinanzierung fällig (Abb. 03675). Man wird erwarten müssen, daß mangels Refinanzierungsmöglichkeiten zu verkraftbaren Bedingungen eine Menge an diesen Krediten notleidend werden mit direkten Rückwirkungen in die Realwirtschaft.




Auch wird der Dollar weiter gegenüber dem Euro fallen, wobei auch Yen und Renmimbi weiter nach unten wandern werden (Abb. 13309). Die Folgen für den europäischen Export und die europäische Wirtschaftsentwicklung sind absehbar. Hinzu kommt, daß China derzeit viel von seinem Export nach Europa umleitet, wohin er mit 31 % doppelt so stark wie nach USA wächst.


Wohin kann diese Krise noch führen? Am Ende werden möglicherweise die Notenbanken nicht umhinkommen, die Zinsen drastisch zu senken, wie es die amerikanische Fed für ihre Kredite an amerikanische Banken schon in einem ersten Schritt getan hat und morgen mit einer allgemeinen Senkung des Zentralbankzinses tun wird. Dann werden die Spekulanten gerettet und die Allgemeinheit - auch ärmere Menschen, die nie mit der Börse in Berührung gekommen sind - werden über höhere Inflationsraten die Zeche bezahlen. Noch ein "neuer Hut" für die alte Globalisierung.

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global news 855 17-09-07: 5 Jahre Skandal: Produktivität +27 %, Lohnquote -12 %
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Das ist der soziale Skandal in Deutschland: Seit 2002 bis Juli 2007 ist die Produktivität je Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft um nicht weniger als 27 % gestiegen. Dagegen fielen die Löhne u. Gehälter je Produktionseinheit um 12 % (Abb. 04959).


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global news 854 17-09-07: Jeder siebte Deutsche war 2005/6 auf Hartz IV angewiesen
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Nach der neuesten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit waren in den vergangenen beiden Jahren insgesamt 10,3 Millionen Menschen oder jeder siebte Einwohner Deutschlands von Hartz IV abhängig - weit mehr als bisher gedacht.

Bei der Einführung der Leistungen zur Grundsicherung im Januar 005 bezogen 3,33 Mio. Bedarfsgemeinschaften Arbeitslosengeld II. In diesen Haushalten waren damals 6,1 Mio. Personen auf Unterstützung angewiesen. Bis Mai 006 kam es zu einer kontinuierlichen Zunahme auf 4,13 Mio. Bedarfsgemeinschaften mit 7,44 Mio. Personen. Bis Dezember 006 sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften kontinuierlich auf den Wert von 3,76 Mio. Damit waren zu diesem Zeitpunkt 7, 8 Mio. Personen bedürftig Dagegen konnten 1,87 Mio. Bedarfsgemeinschaften ihre Hilfebedürftigkeit über die zwei Jahre hinweg auch nicht vorübergehend überwinden. Sie bezogen jeden Monat Leistungen zum Lebensunterhalt oder Leistungen zur Unterkunft. Damit sind 56 Prozent der Bedarfsgemeinschaften oder fast 2/3 (63 %) der darin lebenden Personen vom Januar 2005 24 Monate lang ununterbrochen im Leistungsbezug verblieben (siehe Abb. 04957, 04958).



Sorge bereitet den Wissenschaftlern der hohe Anteil der sogenannten Aufstocker, die trotz eines Arbeitseinkommens auf zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen sind. Ihre Zahl hat sich von 660.000 im Januar 2005 auf 1,2 Millionen im Januar 2007 fast verdoppelt, erklärte IAB-Forscher Helmut Rudolph. Das angebliche "Beschäftigungs-Wunder" ist damit zum großen Teil nur ein Zuwachs an Billigjobbern.

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global news 853 15-09-07: Realer Zuwachs der Buttolöhne und -Gehälter pro Arbeitsstunde in der gewerblichen Wirtschaft um nur 0,18 % in ersten 7 Monaten 2007
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Nach der heutigen Mitteilung des Statistischen Bundesamt wuchs das Arbeitsentgelt pro Arbeitsstunde in den ersten sieben Monaten in der gewerblichen Wirtschaft nach Abzug der Verbraucherpreisinflation um magere 0,18 % gegenüber der Vorjahresperiode (Abb. 04956). Gleichzeitig stieg die Produktivität pro Beschäftigten um 4,75 %.


Siehe hierzu auch Gedanken zur Zeit „Der Aufschwung des Verbrauchs der privaten Haushalte: Nichts als Lügen".

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global news 852 15-09-07: Soziale Gerechtigkeit: Fatalismus breitet sich aus
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Nach einer neuen Studie der Humboldt-Universität Berlin im Auftrag der Zeitschrift „Geo" finden es 82 Prozent ungerecht, wie Einkommen und Vermögen verteilt sind. Weniger als ein Drittel der Deutschen glaubt noch an Chancengleichheit was Bildung, Selbstverwirklichung und sozialen Aufstieg angeht. Vor 16 Jahren glaubten noch mehr als 70 Prozent der Westdeutschen, dass Leistung belohnt wird - heute tut das nur noch jeder Zweite (Abb. 04954).


Wenn ein Manager jedoch 126 Mal soviel verdient wie ein ungelernter Arbeiter, finden die meisten das nicht mehr leistungsgerecht (Abb. 04955). Das durchschnittliche Managergehalt, das von "Geo" auf 125.545 Euro monatlich geschätzt wird, empfinden die Befragten mehrheitlich als viel zu hoch. Als fair empfinden sie allerdings immer noch ein Verhätnis von eins zu 34 mit einem Mangergehalt von 48.256 Euro.


Als immer bedrohlicher empfinden viele Deutschen das Altern der Bevölkerung. 87 Prozent der 17- bis 34-Jährigen sehen es als großes Problem, dass der Anteil der Alten an der Bevölkerung steigt. Kinderlose werden von der Mehrheit der Befragten als verantwortungslos empfunden. 63 Prozent fordern höhere Steuern für Menschen ohne Nachwuchs.

Trotz dieses Empfindens von Ungerechtigkeit, gibt es erhebliche Widersprüche. So wird die Ungleichheit durch Erbschaft akzeptiert. 84 Prozent finden es gerecht, dass Eltern ihr Vermögen an ihre Kinder weitergeben, auch wenn dann Kinder reicher Eltern bessere Chancen haben. Dazu der Leiter der Forschungsgruppe Wegener: „Die Leute wollen ihr Erbe behalten. Erben ist Familiensache." Auch halten 34 Prozent der Befragten das deutsche Bildungssystem für gerecht, obwohl laut Pisa-Studie die Chancen eines Kindes von dessen sozialer Herkunft abhängen.

Die Soziologen haben herausgefunden, dass Menschen selbst ungerechte Zustände für gerecht halten, wenn sie daran gewöhnt sind. „Zustände, die immer so waren, sollen auch immer so sein", erklärt Wegener die Einstellung dahinter. Wenn 64 Prozent der Deutschen glauben, dass junge Menschen heute weniger Chancen haben als ihre Eltern und Großeltern, so führt das nach Meinung von Wegener zu Fatalismus und Politikverdrossenheit. Die wenigsten Menschen sind noch bereit, selber aktiv gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen.

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sonder global news 851 14-09-07: Größter britischer Hypothekenanbieter erstes Opfer der globalen Krise unter Europas Hypothekenbanken
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Nachdem sich der britische Baufinanzierer Northern Rock gestern Abend mit der Bitte um einen Notkredit an die Bank of England gewandt hatte, zögerte diese nicht lange - und sprang dem Unternehmen als letzter Kreditgeber bei. Laut "Times" war das der erste Rettungseinsatz der Bank für ein Unternehmen, das durch die weltweite Kreditkrise in Schwierigkeiten geraten ist. Die Bank of England hat sich nach Rücksprache mit der britischen Bankenaufsicht und Premierminister Gordon Brown zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschieden. Die Hypothekenbank stehe zwar nicht vor dem Zusammenbruch, berichtete die BBC, allerdings zeige das Hilfsersuchen das Ausmaß der weltweiten Finanzprobleme, die durch die Krise am US-Hypothekenmarkt entstanden seien. Northern Rock war im ersten Halbjahr der größte Hypothekenanbieter in Großbritannien.


Dazu der Boss von Northern Rock: "Solche Umstände haben ich nicht in 25 Jahren erlebt. Ich kann nicht erkennen, wann der globale Engpaß bei der Liquidität zu Ende geht. Eine Entspannung wird erst eintreten, wenn die Banken offenbaren, was sie auf ihren Bilanzen halten." Die Aktien von Northern Rock sind bereits um 46 % gefallen. Laut Experten ist Northern Rock in Schwierigkeiten geraten, weil es zu stark von Krediten anderer Banken abhängig war. Normalerweise machen Banken Kredite unter sich aus, um sich nicht an die Notenbank wenden zu müssen. Gegenwärtig aber hortet jede Bank Liquidität für sich selbst. 44 Prozent des Liquiditätsbedarfs deckte Northern Rock nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr über Mortgage-backed Securities, also Wertpapiere, die mit Forderungen aus ausgereichten Hypothekenkrediten der Bank besichert sind. Ein Teil der Zeichner solcher Papiere hat sich in den vergangenen Wochen aus dem Markt verabschiedet. Parallel stiegen die Interbankenraten, zu denen sich Banken gegenseitig Geld leihen, und verteuerten so die Refinanzierung des Geschäfts für Northern Rock.

Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), der britischen Vereinigung von Immobilienfachleuten und Immobiliensachverständigen, kam es zu einem ersten Rückgang der Hauspreise in Großbritannien seit zwei Jahren und sinkt das Vertrauen der Immobilienexperten in die weitere Geschäftsentwicklung.

Fazit: Die Krise ist noch lange nicht zu Ende.

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global news 850 14-09-07: Deutsche Arbeitskosten immer niedriger
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Nach der heute von Eurostat veröffentlichten Arbeitskostenstatistik sind die deutschen Arbeitskosten im 2. Quartal 2007 nominal mit nur 1,2 % am wenigsten unter den Vergleichsländern gestiegen (Abb. 12501).


Bereinigt um die Verbraucherpreisinflation sind die deutschen Arbeitskosten als einzige mit -0,8 % gesunken (Abb. 12894). Für die Eurozone ergeben sich damit enorme Spannungen. So verliert Frankreich mit + 2,2 % ständig an Wettbewerbsfähigkeit und wächst Deutschland mit einem Lohndumping zu Lasten der Partner, die nicht mehr abwerten können.


Außerdem trägt Deutschland mit seinen erheblichen Exportüberschüssen jenseits der Eurozone, z.B. mit USA, zum Erstarken des Euro gegenüber Dollar, Yen und Renmimbi bei (Abb. 13309), worunter wieder die Exporte der Euro-Länder leiden, die die Aufwertung des Euro nicht - wie Deutschland - durch gedrückte Löhne kompensieren können.


Entweder die Eurozone bricht auseinander oder die Partner übernehmen das deutsche neoliberale Modell zum Schaden ihrer Arbeitnehmer. Der Antritt von Sarkozy zeigt bereits, wie Deutschland abfärbt.

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global news 849 13-09-07: Nur 12 % zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz
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Für eine Studie befragte der DGB mehr als 6000 Arbeitnehmer nach der Bewertung ihres Arbeitsplatzes. Sozialforscher des DGB sowie externe Experten erstellten einen Index von 0 bis 100 Punkten. Bewertungen von 80 bis 100 Punkten sprechen für "gute Arbeit", Werte zwischen 50 und 80 Punkten werden als "mittelmäßige Arbeit" qualifiziert und Werte unter 50 Punkte machen "schlechte Arbeit" aus. In die Bewertung flossen unterschiedliche Faktoren ein wie Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Chancen, die eigene Kreativität einzubringen, Informationsfluss, Führungsqualität der Vorgesetzten und Kollegialität, aber auch körperliche und emotionale Anforderungen sowie Arbeitsplatzsicherheit und das Einkommen. Die Beschäftigten vermissen sehr oft die Wertschätzung ihrer Arbeit, bemängeln fehlende Kollegialität, sehen kaum berufliche Entwicklungschancen und fühlen sich von Vorgesetzten alleingelassen. Besorgniserregend sei das Ergebnis, heißt es aus dem DGB, weil die Gruppe, die unter schlechten Arbeitsbedingungen zu arbeiten habe, dreimal so groß sei wie die derjenigen, die zufrieden sind mit ihrem Job.

Gut ein Drittel, 34 Prozent der Beschäftigten, stuften ihre Arbeitssituation als schlecht ein. "Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dieser Gruppe angehören, haben in der Regel hohe Belastungen (wie Mangel an Respekt, körperliche Schwerarbeit, einseitige Belastungen oder emotionale Überforderung) auszuhalten, dabei aber kaum Entwicklungsmöglichkeiten in ihrer Arbeit", heißt es in der Studie. "Sie erhalten ein Einkommen, das weder ihren Leistungen angemessen ist noch ihren Bedürfnissen gerecht wird, und leben häufig in großer Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft."

Mehr als die Hälfte, nämlich 54 Prozent, bewerten ihre berufliche Lage als mittelmäßig. "Häufig sind den Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten enge Grenzen gezogen, dafür sind sie etlichen belastenden körperlichen und emotionalen Anforderungen ausgesetzt. Die Arbeitsbedingungen bergen wenig Entwicklungs- und Lernförderliches, es fehlt an einem unterstützenden Führungsstil, die Einkommensbedingungen sind unzureichend, auch die Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft belastet die Beschäftigten", schreiben die Wissenschaftler.

Nur zwölf Prozent sind zufrieden mit ihrer Arbeit - einer unter acht Beschäftigten (Abb. 04951).


Vor allem Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte gaben ihrer Arbeitssituation schlechte Noten. Sie fühlten sich schlecht in den Betrieb integriert und sahen kaum eine Chance, sich weiterzuentwickeln (Abb. 04952). Auffällig ist auch, dass niedrige Einkommen und schlechte Arbeitsbedingungen häufig zusammenfallen. "Die Schlechtbezahltesten haben ihre Arbeit auch unter den schlechtesten Arbeitsbedingungen auszuführen", heißt es.


Unter den Berufsgruppen mit besonders großer Unzufriedenheit rangieren Maler, Lackierer, Warenprüfer, Versandfertigmacher, Berufe in der Papierherstellung und Druck sowie - wenig überraschend - Hilfsarbeiter am Ende (Abb. 04953).


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global news 848 12-09-07: Die Geburtenziffer geht weiter zurück
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Wie das StaBuA am Montag mitteilte ging die zusammengefaßte Geburtenziffer weiter auf nur noch 1,33 zurück. Die Ziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr. Im internatiolen Vergleich liegt dieser Wert sehr niedrig und wird unter Vergleichsländern nur von Griechenland unterboten (Abb. 04047). Der französische Wert liegt z.B. um mehr als die Häfte höher.


Der negative Trend hält - mit einer kurzen Unterbrechung im Jahre 2004 - schon seit der Jahrtausendwende an. Dabei war das Gesamtbild zunächst durch die Erholung der Entwicklung in den Neuen Ländern von sehr tiefem Niveau "verschönt". Der Wert für das Altbundesgebiet ist dagegen erheblich gefallen, gegenüber dem Jahr 2000 bereits um 5 % (Abb. 04950).


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extra global news 847 10-09-07: Der Industrieumsatz geht seit Mai zurück, weniger Gründungen größerer Betriebe
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Der deutsche Industrieumsatz stagniert nach Angaben des Statistischen Bundesamt von Juni auf Juli dieses Jahres und liegt damit deutlich unter dem Wert vom Mai. Besonders negativ hat sich dabei der Inlandsumsatz und hier der Konsumgüterumsatz entwickelt ((-1,4 % bzw. 2,8 % gegenüber Mai, Abb. 04910).


Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im ersten Halbjahr 2007 7,1% weniger Betriebe als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen.

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global news 846 10-09-07: Reformen auch am "Schwedischen Modell"
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Das eigentliche "Schwedische Modell" an dem sich viele in Deutschland orientieren, stammt nach einer neuen, hier verkürzt wiedergegebenen Analyse von Assar Lindbeck, Professor für Ökonomie an der Universität Stockholm, aus der Periode von 1960 bis 1985. In dieser Zeit wurde der großzügige Wohlfahrtsstaat geschaffen. In den späten 80ern erreichten die staatlichen Gesamtausgaben bis zu 65 Prozent des BIPs, während sie sich 1960 noch auf 30 Prozent belaufen hatten. Außerdem erreichten die Grenzsteuersätze für die meisten Vollzeitbeschäftigten 65 bis 75 Prozent. 1960 lag dieser Wert bei 40 Prozent. Durch die Nivellierung der Lohnunterschiede und den starken staatlichen Zugriff auf Unternehmensgewinne verringerten sich auch die Anreize, zu arbeiten, zu sparen und Unternehmen zu gründen. Zudem wurden neue Arbeitsmarktbestimmungen eingeführt, von denen die wichtigste wohl die strikte Gesetzgebung zur Jobsicherheit war. Die Wirtschaftsleistung in dieser Phase war zwar nicht desaströs schlecht, aber sie war auch nicht beeindruckend stark. Zwischen 1970 und 1995 hinkte Schweden beim Pro-Kopf-BIP den Durchschnittswerten der reichen OECD-Länder um 18 Prozent hinterher.

Dagegen wurde das Wirtschaftsmodell seit Ende der 80ger Jahre mehrfach reformiert, wobei das oft im Ausland nicht ausreichend registriert wurde. Diese Phase begann mit der Aufhebung der Währungskontrollen in den späten 80er und Schwedens EU-Beitritt in den frühen 90er Jahren. 1991 wurden die Grenzsteuersätze für große Teile der Bevölkerung um 10 bis 20 Prozentpunkte gesenkt. Anschließend wurden hauptsächlich unter einer Mitte-rechts-Regierung mehrere Märkte dereguliert: Telekommunikation, Elektrizität, Straßentransport und bis zu einem gewissen Grad auch die Bahn. Der Prozess der Deregulierung und Privatisierung setzte auch bei personenbezogenen Dienstleistungen ein, vor allem in der Kinder- und Altenbetreuung und im Bildungswesen. Ein Ziel dieser Entwicklung war es, Wettbewerb und Wahlfreiheit zu stärken.

Teils als Ergebnis dieser Reformen erholte sich ab Mitte der 90er das schwedische Wirtschaftswachstum. Bis heute konnte gegenüber anderen Industrieländern ein Drittel des seit 1970 erlittenen Rückstands beim Pro-Kopf-BIP aufgeholt werden. Dennoch bleibt Schweden durch eine hohe Abhängigkeit vom Wohlfahrtsstaat gekennzeichnet. Rund 23 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter lebten in den letzten Jahren von staatlicher Unterstützung. Die 2006 neu gewählte Mitte-rechts-Regierung hat sich der weiteren wirtschaftlichen Liberalisierung verschrieben. Sie will staatliche Betriebe privatisieren und die Bedingungen für Kleinunternehmen verbessern. Außerdem wurde die Vermögensteuer abgeschafft, nachdem die sozialdemokratische Vorgängerregierung bereits die Erbschaftsteuer gekippt hatte. Die Regierung hat die Lohnsteuer moderat gesenkt und manche Sozialleistungen eingeschränkt. Das soll der Entlastung des Staatshaushalts dienen und Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Bezug von Sozialleistungen attraktiver machen. Ein gesetzlicher Mindestlohn wurde in Schweden nicht eingeführt, doch haben die Gewerkschaften mit den meisten Arbeitgebern Mindestlöhne ausgehandelt. Alle Parteien sind sich aber auch heute einig, dass sämtliche Sozialtransfers weiter über Steuern finanziert werden sollen. Selbst wenn man also manch großzügige Sozialleistung einschränkt, ist es unwahrscheinlich, dass die Gesamtausgaben des Staates von aktuell 53 Prozent des BIPs dramatisch sinken.

In den Jahren seit 2000 hat sich Schweden nicht zuletzt Dank dieser Reformen wesentlich erfolgreicher als Deutschland entwickelt. Sein Bruttoinlandsprodukt wuchs bis zum 2. Quartal 2007 um 13 % stärker (Abb. 12801).


Es gibt Gründe, warum Schweden unter der seit der Jahrtausendwende verstärkt einsetzenden neoliberalen Globalisierung weniger leidet als Deutschland. Die Gewerkschaften sind weit mitgliederstärker als in Deutschland und können die Interessen der Arbeitnehmer wirkungsvoller wahrnehmen und damit dem negativen Lohndruck aus der Globalisierung viel besser entgegenwirken (siehe Abschluß von Mindestlohnvereinbarungen). Auch hat Schweden nie im deutschen Umfang eigene Konsumgüterindustrien aufgebaut oder gehalten und hat statt dessen High-tech und den Dienstleistungssektor weit stärker entwickelt. Billigsteinfuhren aus z.B. China treffen hier daher bisher kaum eigene Arbeitsplätze und führen positiv zu einem Wohlstandsgewinn und weniger Inflation. Auch ist Schweden nicht im Euro und kann daher über die Währungsentwicklung einigen globalem Druck abfangen. Der die Haushaltspolitik einschränkende Stabilitätspakt der Eurozone gilt ebensowenig. Schließlich hat Schweden mit der starken Konzentration auf Bildung, volle gleichberechtigte Integration der Frauen und eine protestantische Arbeitsethik seit jeher eine andere kulturelle Basis für den Wirtschaftsprozeß, die man Deutschland nicht einfach überstülpen könnte. Mehr zum skandinavischen Modell hier.

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global news 844 10-09-07: Von wegen Spitzenreiter: Arbeitskosten in Deutschland
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Diese Webseite hat immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß Deutschland entgegen den immer noch verbreiteten Falschmeldungen weder ein Hochsteuer- noch ein Hocharbeitskostenland ist. Die heutigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts und des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung belegen das wieder. Nach StaBuA hatte Deutschland bei den Arbeitskosten im 1. Quartal 2007 mit nominal nur 0,2 % den niedrigsten Zuwachs gegenüber den 22 Vergleichsländern. Wenn man davon noch die Inflationsrate abzieht, dürfte es der einzige negative Wert gewesen sein (Abb. 12814). Im Vergleich zum Jahr 2000 war es mit Österreich der niedrigste Anstieg (Abb. 12815).



Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung hat auf der Basis der Eurostatzahlen, die auch diese Webseite dafür verwendet, einen internationalen Vergleich in Eurowerten aufgebaut. Danach lag Deutschland im vergangenen Jahr im Mittelfeld hinter 8 Ländern mit höheren Arbeitskosten und wird nur noch von Großbritannien, Italien und Spanien sowie den üblichen Schlußlichtern Portugal, Griechenland und Osteuropa unterboten (Abb. 12811). Zwar liegt Deutschland im speziellen Industriebereich zusammen mit Frankreich auf dem 4. Platz (Abb. 12812), jedoch hat es dafür besonders niedrige Kosten im Dienstleistungsbereich (10. Platz, Abb. 12813). Da die Industrie in großem Umfang Diensleistungsfunktionen ausgelagert hat und fremde Dienstleistungen, z.B. im Verkehrs-, Versorgungs- oder Finanzbereich, in Anspruch nimmt, kommt im internationalen Wettbewerb der Arbeitskosten für die Industrie ein Wert zwischen dem der eigenen Arbeitskosten und dem für Dienstleistungen zum Tragen, so daß auch hier Deutschland im Mittelfeld liegt.




Der besonders niedrige Arbeitskostenwert bei Dienstleistungen (z.B. 74 % von Dänemark und 81 % von Frankreich) liegt auch am Fehlen eines flächendeckenden Mindestlohns. Bei solchen ungünstigen Bedingungen darf mach sich nicht wundern, wenn der Dienstleistungssektor in Deutschland kleiner als in den meisten Vergleichsländern ausfällt.

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global news 843 08-09-07: Immer mehr überlegen auszuwandern
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Nach einer neuen Allensbachumfrage würde jeder Fünfte gern aus Deutschland auswandern (Abb. 04947). Vor allem für Westdeutschland ist der Anteil von noch 13 % in 1986 auf 21 % Jahr für Jahr angestiegen (Abb. 04948).



Bei jungen Leuten unter dreißig Jahren spielt zur Zeit sogar ein Drittel mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen und ganz in den Lebensraum eines anderen Landes einzutauchen. Als Gründe für ihren Auswanderungswunsch geben die meisten an, dass ihnen andere Länder besser gefallen. Für die Jüngeren steht im Vordergrund, dass sie gerne einen Arbeitsplatz im Ausland finden würden. Das nennen 56 Prozent der Auswanderungswilligen im Alter unter Dreißig als ihr Motiv.

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global news 843 08-09-07: Bitte zurücktreten von der Bahnsteigkante: Die Krise ex USA kommt
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Die Meldung ließ aufhorchen. Die Zahl der Beschäftigten in USA ist im August zum ersten Mal seit vier Jahren gesunken. Dies war der erste Rückgang der Beschäftigung seit August 2003. Konkret gingen den Angaben zufolge im Handwerk 46.000 Stellen verloren, in der Bauindustrie waren es 22.000 Jobs. Es sind also genau die Bereiche, wo sich die Krise am Immobilienmarkt zuerst auswirken muß. Doch so schnell war dies nicht erwartet worden, denn normalerweise braucht es Zeit, bis die Probleme am Arbeitsmarkt ankommen und die neuen Arbeitsmarktzahlen decken erst die Woche vom 12. August ab. Das sind auch schlechte Nachrichten für den amerikanischen Binnenkonsum, der zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Die Konsumausgaben hatten sich bereits vom 1. zum 2. Quartal von 3,7 % Jahresrate auf nur noch 1,4 % mehr als halbiert.

Daraufhin kam es heute zu erheblichen Kursverlusten an den Aktienmärkten, beim Dow Jones Industrial Average um 1,9 %, beim deutsche Dax um 2,6 % (Abb. 04916).


Schon der Umstand, daß sich die EZB trotz früherer Ankündigungen nicht mehr getraut hat, den Leitzins anzuheben, zeigt, wie ernst die Krise jetzt auch auf dieser Seite des Atlantik genommen wird. In der kommenden Woche müssen die Banken hier fast 130 Mrd Dollar an Kreditpapieren refinanzieren und noch ist sehr unsicher, ob ihnen das gelingen wird. Danach steigt die Rate dann Woche für Woche steil an.

In Deutschland stagniert nach neuer Meldung des Statistischen Bundesamts die Industrieproduktion bei einem sehr knappen Plus von 0,1 % im Juli und einem Minus von 0,2 % im Juni jeweils gegenüber Vormonat. Keine gute Voraussetzung für eine Abschwächung der Weltwirtschaft.

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global news 842 07-09-07: Wohnungsbau: Der geborgte Vorjahres-Boom
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Die relativ gut deutsche Konjunkturentwicklung im vergangenen Jahr war, wie erwartet, zu einem großen Teil zu Lasten des laufenden Jahres geborgt, weil sowohl die MWSt-Erhöhung wie das Auslaufen der Eigenheimzulage zu starken Vorzieheffekten führten. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, wurden von Januar bis Juni 2007 in Deutschland fast 38 % weniger Baugenehmigungen als im Vorjahreszeitraum erteilt. Auch das monatliche Genehmigungsvolumen sinkt kontinuierlich (Abb. 04925).


Die Verbraucher-Konkurse haben nach heutigen StaBuA Daten für das erste Halbjahr 2007 um fast 20 % gegenüber Vorjahr weiter zugenommen (Abb. 04028).


Ungünstig entwickelten sich auch die Auftragseingänge in der Industrie mit einem Rückgang um 7,1 % gegenüber Juni, als sie noch 5,1 % zugenommen hatten (Abb. 04569). Nach Bloomberg ist es der stärkste Monatsrückgang seit September 1991. Allerdings sind die Auftragseingänge immer etwas sprunghaft, da von Großaufträgen bestimmt. Dennoch deutet sich jetzt seit Monaten, vor allem beim Inlandsumsatz, eine Stagnationsphase an.


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global news 841 06-09-07: Krise bei Interbank-Krediten verschärft sich - OECD senkt Wachstumsprognose
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An den Geldmärkten hat sich die Krise mit einem weiteren Anstieg der Euro Libor Rate für drei Monate, die für Ausleihungen unter Banken gilt, weiter verschärft (Abb. 03676). Die Londoner Libor Rate erreichte den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren, für drei Monats-Geld sogar seit neun Jahren. Die EZB beklagte heute die gestiegene Volatilität an den Geldmärkten und kündigte eine Intervention für morgen an, falls nötig. Die Übernachtrate hatte zuvor den höchsten Stand seit 2001 erreicht. Die Aktien fielen in Deutschland um 1 ¾ %, der Dow an Wall Street ebenfalls um fast 1 %.

Die Feuerwehraktionen der Fed und der EZB scheinen hier bisher nichts bewirkt zu haben. Der Zusammenbruch des Interbank-Geschäfts ist eine globale Erscheinung, die auch außerhalb des Euro und des Dollar-Bereichs auftritt. Damit besteht die Gefahr, daß schwache Banken nicht mehr die Liquidität finden, die sie brauchen. Die Banken versuchen derzeit panikartig jede für sich Liquidität für die nächsten drei Monate zu horten, um sich auf Belastungen aus eingegangenen Verpflichtungen vorzubereiten. In Deutschland hat typischerweise die Deutsche Bank eine große Fernsehkampagne für höher verzinste einjährige Einlagen gestartet.


Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erwartet wegen der US-Kreditkrise weltweit ein schwächeres Wachstum als zunächst angenommen. Für Deutschland senkte die OECD die Jahres Prognose besonders deutlich von 2,9 % auf nur noch 2,6 %, die neben Frankreich stärkste Absenkung (Abb. 03677). Die Abwärtsrisiken für die globale Konjunktur hätten mit den Turbulenzen an den internationalen Kreditmärkten zugenommen. Diese OECD-Prognose steht in krassem Gegensatz zu den Verlautbarungen des Bundeswirtschaftsministers und der Bundesbank, wonach für Deutschland keine Beeinträchtigung zu erwarten sei. Die Prognosen für dieses Jahr waren ohnehin auch ohne die Krise viel zu optimistisch. Die Krise gibt nun eine Gelegenheit, die Prognosen unauffällig zu bereinigen.


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global news 840 05-09-07: Industriepolitik im Zeitalter der Globalisierung
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Im Hinblick auf die globalen Herausforderungen reagieren die Industrieländer sehr unterschiedlich. So wurde in Deutschland die „Deutschland AG" durch Verkauf der von den Banken gehaltenen Anteile mit steuerlicher Unterstützung durch die Bundesregierung aufgelöst. Gleichzeitig privatisierte und privatisiert die Bundesregierung die verbliebenen Bundesbeteiligungen. Ein typisches Beispiel ist die Deutsche Post, die unter Abschaffung des Postmonopols privatisiert wird, obwohl die meisten anderen EU-Länder den entsprechenden Schritt hinauszögern (wobei am Ende mit dem Mindeslohn ein Rettungsnetz gegen die Billigwettbewerber eingezogen werden muß). Die Heuschrecken und die internationale Konkurrenz können nun in Deutschland reichliches Fressen finden.

Ganz anders reagiert Frankreich mit dem Konzept der nationalen Champions. Sarkozy hat jetzt aus dem staatlichen Unternehmen Gaz de France und dem privaten Suez den zweitgrößten und nach Verkauf des Umweltbereichs drittgrößten Energiekonzern Europas gemessen in Börsenwert geschmiedet. GDF und Suez sind größer als E.ON und RWE und werden aber nach Abspaltung des Umweltbereichs von Suez nur wenig kleiner als E.ON sein (Abb. 12810).


Das neue Unternehmen wird der größte Erdgasversorger in Europa sein und der Welt größter Betreiber von Flüssiggas-Terminals. Er wird der Welt drittgrößter und um 2011 zweitgrößter Einkäufer von Flüssiggas sein und damit Erdgas um den Globus herum verschiffen und so - anders als die deutschen Konkurrenten - Extraprofite erwirtschaften können.

Zusammen mit EDF wird Frankreich zwei der fünf größten Energiegruppen Europas haben. Nun ist Sarkozy schon dabei, um das staatliche Nuklearunternehmen Areva und den nuklearen Teil von Alsthom das weltgrößte Unternehmen in diesem Bereich zu bauen. Die französische Sonderheit: Überall ist der Staat mit großen Anteilen beteiligt, bei Suez GDF direkt und indirekt mit 40 %. Und keiner der Giganten wird sich vor Heuschrecken oder anderen Aufkäufern fürchten müssen. So wurde mit dem Zusammenschluß der Versuch des italienischen Unternehmens Enel, bei GDF einzusteigen, erfolgreich abgeblockt. Andererseits gibt es schon Spekulation, daß der neue französische Gigant in Deutschland auf Einkaufstour gehen könnte.

Sarkozy hat wahrscheinlich recht, wenn er erklärt, im Zeitalter der Globalisierung brauche es die Kombination von Staat und Wirtschaft mehr als zuvor. Dagegen kann sich die staatliche Abstinenz in Deutschland, nicht zuletzt von den Finanznöten der Bundesregierung angetrieben, bitter rächen.

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global news 839 04-09-07: Die Kreditkrise arbeitet sich in die Realwirtschaft hinein
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Die anhaltende Kreditkrise macht sich zunehmend in der amerikanischen und globalen Realwirtschaft bemerkbar. Nach einer Meldung der Financial Times vom Montag stecken Geschäfte im Umfang vom 470 Milliarden Dollar bei den internationalen Banken fest, davon 385 Milliarden für Firmenkäufe mit hohem Kreditanteil, 81 Milliarden Dollar für Beteiligungen und 4 Milliarden für neue Unternehmensbonds. Wenn die Banken für diese Papiere keine Käufer finden, haben sie weniger Mittel für andere Aktivitäten verfügbar.


Im August stürzte das internationale Transaktionsvolumen, laut Angaben von Thomson Financial, mit insgesamt 3,2 Milliarden Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren.

Ausstehende Papiere von Unternehmenskrediten sind in den vergangenen drei Wochen in USA um 10,5 % scharf gefallen, was die Verengung des Marktes zeigt (Abb. 05071).

Martin Feldstein von der Harvard University warnte jetzt vor einem sehr ernsten Konjunkturabschwung und forderte eine Absenkung der Zinsrate um 1 %.

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global news 838 03-09-07: In den drei größten Volkswirtschaften hängen die Arbeitseinkommen weit hinter der Produktivität zurück
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Nach den letzten Zahlen der OECD für 2005 haben in USA, Japan und Deutschland die Arbeitseinkommen seit 2000 eine sehr viel schlechtere Entwicklung genommen als die Produktivität. Sie hängen hier um 6 bis 12 Prozentpunkte zurück (Abb. 12892). Diese ungünstige Entwicklung dürfte sich 2006 fortgesetzt haben, wie das deutsche Beispiel mit einem weiteren Anstieg der Differenz von 8,6 in 2005 auf 9,6 Prozentpunkte in 2006 zeigt. Diese drei die Weltwirtschaft bestimmenden Länder haben sich damit drastisch von allen anderen abgesetzt. China, für das die OECD-Statistik keine Zahlen hat, dürfte sich ähnlich entwickeln.


In diesen Ländern haben sich damit die Kapitaleigner das Einkommen aus der Produktivitätsentwicklung völlig einseitig angeeignet. Deutschland hat zwar verglichen mit USA und Japan einen wesentlich geringeren Produktivitätsfortschritt, ist aber dafür das einzige unter 14 Vergleichsländern und der Eurozone, in dem das Arbeitseinkommen sogar zurückgegangen ist (Abb. 12893).


Diese Entwicklung erklärt, warum aus USA, Japan und Deutschland soviel spekulatives Kapital auf die internationalen Finanzmärkte gekommen ist und sich selbst in minderwertigen Anlagen ausgebreitet hat.

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global news 837 03-09-07: Von Sarkozy lernen
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Globalisierung

In einer Hinsicht kann die deutsche Politik, links und rechts und auch ganz links, von Sarkozy lernen: den Umgang mit der Globalisierung. Hier meiner Meinung nach lehrreiche und wörtliche Auszüge aus seiner Rede vom letzten Donnerstag. Dabei muß man sich freilich an den typisch französisch-emotionalen und stark populistischen Sprachstil gewöhnen. Es ist jedenfalls eine Rede, die normalen Menschen Mut macht und Vertrauen erzeugt, daß sich die Verhältnisse ändern lassen. Dagegen erklären uns deutsche Politiker entweder entgegen der Wirklichkeit ausnahmslos zu Gewinnern der Globalisierung oder erklären sich selbst unaufrichtig als ohnmächtig, wenn sie mit den vielen Opfer konfrontiert werden. Wie anders ist da Sarkozy. Das ist kein Französisch für Akademiker oder Absolventen der Kaderschmiede ENA. Obwohl vor einer Elite von Unternehmern gehalten, kommt eine solche Rede auch beim „kleinen Mann" oder der „kleinen Frau" gut an.

„Wir werden kein Wachstum erreichen, wenn wir nicht zusammen das Spiel der Globalisierung spielen. Aber man darf dabei nicht naiv sein!

Wer in der Welt spielt das Spiel des freien Austausches? Wer spielt das Spiel der Gegenseitigkeit? Wer spielt das Spiel einer fairen Konkurrenz?

Das Spiel spielen? Ja, aber nicht alleine.

Laßt uns der Realität des Marktes ins Gesicht sehen: Wir sprechen von einer Globalisierung, die es schon nicht mehr gibt, wenn es sie jemals gab. Wir sprechen von einer Globalisierung, die die Ausdehnung einer perfekten Konkurrenz auf globalem Maßstab wäre. Also sprechen wir von einer Globalisierung, die der Triumpf der Marktwirtschaft und der Demokratie überall in der Welt wäre. Wir sprechen von einer Globalisierung, die ein Versprechen des Friedens und Wohlstands wäre.

Nach dem Fall der Berliner Mauer hatte man sogar geglaubt, das Ende der Geschichte ankündigen zu können. Laßt uns die Realität der Welt betrachten. Die Welt ist sie so magisch wie die von gestern?

Wir sprechen von einer Globalisierung, wo alles transparent wäre, wo alles offen wäre, wo Währungsdumping nicht existieren würde ebensowenig wie soziales Dumping, Umweltdumping oder Steuerdumping.

Betrachten wir die Welt: Wer spielt das Spiel ehrlich, loyal, ohne zu versuchen, seine Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen?

Laßt uns die Welt betrachten und die Frage stellen: Müssen wir so naiv sein, daß wir die Einzigen sind, die nicht ihre Interessen verteidigen, während alle andere ihre verteidigen?

Ich spreche zuerst von Europa. Wenn die Franzosen mit Nein zur Europäischen Verfassung gestimmt haben, und viele andere Völker hätten es getan, wenn man ihnen die Frage gestellt hätte, so war das vor allem, weil sie den Eindruck hatten, daß Europa, statt sie zu schützen, sie den Gefahren aussetzte. Weil sie das Gefühl hatten, daß Europa sie nicht stärker machte, sondern im Gegenteil verwundbarer.

Wenn Europa darauf verzichtet sich zu verteidigen, sich zu schützen, während alle anderen sich verteidigen und sich schützen, wenn es verzichtet zu handeln und sich darauf einläßt, sich zu unterwerfen, wenn alle anderen das Gegenteil tun. Wenn der Euro sich immer mehr aufwertet, während der Dollar, der Yuan oder der Yen nicht aufhören abzuwerten. Wenn es seinen Unternehmen Regeln auferlegt, um gegen die Umweltverschmutzung und gegen den Treibhauseffekt zu kämpfen, während die anderen keine Regeln auferlegen. Wenn Europa seine Märkte ganz offen hält für Produkte, die mit der Arbeit von Kindern und Gefangenen produziert werden.

Wenn die Regeln des Wettbewerbs hier härter sind als überall sonst. Wenn Europa die einzige Region der Welt ist, wo es unmöglich ist, Industriepolitiken, Handelspolitiken oder Währungspolitiken zu betreiben, dann wird Europa verurteilt sein.

Wenn wir nicht fähig sind, Europa eine Wirtschaftsregierung zu geben. Wenn wir nicht fähig sind, den Euro (gemeint ist der Wechselkurs) in den Dienst der europäischen Wirtschaft zu stellen. Wenn wir nicht fähig sind, eine wirkliche Vorzugsbehandlung für Unternehmen aus der EU einzurichten.

Europa ist vor allem dafür da, die Europäer zu schützen.

Wenn Europa nicht fähig wäre, zu erkennen, daß der Wettbewerb ein Mittel ist aber nicht ein Endziel und daraus die Konsequenzen zu ziehen, dann wird Europa die Beute der Raubtiere der ganzen Welt und das sühnende Opfer einer Globalisierung, die zu allererst nur das Glück derer einrichtet, die das Spiel ihrer Interessen betreiben.

Bei dieser Idee, daß Europa sich entwickelt vor allem, um die Europäer zu schützen, um ihnen zu erlauben, sich in der Globalisierung mit gleichen Waffen wie ihre Konkurrenten zu schlagen, um einen Willen zum gemeinsamen Handeln und nicht zum gemeinsamen Verzicht zu zeigen, werde ich bis zum Ende gehen.

Ich werde meine Arme nicht hängen lassen.

Man sagt mir, Frankreich sei in der Währungspolitik isoliert. Frankreich dürfe nicht vom Kurs des Euro reden, weil die Europäische Zentralbank unabhängig sei. Als wenn das Geld nicht die Angelegenheit von allen wäre. Als wenn das Geld ein Thema wäre, daß die Politik nichts angeht, als hätte es keine Auswirkungen auf das Leben der Menschen, das Wachstum, die Beschäftigung. Und schaut, was sich jetzt entwickelt. Schaut, wie die Ereignisse mir Recht geben, die Debatte eröffnet zu haben.

Wenn wir wollen, daß Europa lebt, darf man nicht Angst haben zu sagen, was man glaubt, man darf keine Angst vor Ideen haben, man darf keine Angst vor der Debatte haben.

Wenn wir wollen, daß Europa wieder eine Wachstumszone wird, müssen wir akzeptieren, die Welt so zu betrachten, wie sie ist, und darüber zu reden. Wir müssen aus den Dogmen herauskommen.

Ich möchte die Politik wieder in Europa hineinbringen. Die Wirtschaft ist nicht das Gegenteil der Politk.

Überall in der Welt sind Wirtschaft und Politik verbunden, verwechseln sich Wirtschaft und Politik nicht, aber kooperieren.

Seit der Kapitalismus existiert, ist das Wachstum immer die Frucht einer erfolgreichen Kooperation zwischen der öffentlichen Kraft und der privaten Initiative, einer wirkungsvollen Koordinierung zwischen dem allgemeinen und dem besonderen Interesse.

Warum sollte Europa verdammt sein, die einzige Region in der Welt zu sein, wo sich das nicht so abspielte?"

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global news 836 03-08-07: Pflege in Deutschland
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Der heute veröffentlichte neueste Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS) liest sich bedrückend. Danach wird in Heimen jeder dritte Patient nicht häufig genug umgebettet und liegt sich wund. Bei amubulanter Pflege zu Hause sind es sogar 42 %. Jeder dritte Pflegefall bekommt nicht genug zu essen und zu trinken! Grund: Zeitnot. Dass die Pflegebedürftigen rapide an Gewicht verlieren, stellt das Pflegepersonal angeblich nicht fest. Selbst Windeln wechseln fällt dem Zeitdruck zum Opfer! Keine angemessene Inkontinenzversorgung diagnostizierten die Kassenprüfer bei 16 % der Heimbewohner (ambulant: 22 %). Besonders schlecht werden häufig Altersverwirrte gepflegt. Ihre Betreuung ist sehr zeitaufwendig. 30 % der demenzkranken Heimbewohner (ambulant: 26 %) wurden nicht vernünftig versorgt!

Wörtliches Zitat: „Bei den Qualitätskriterien, die sich mit konkreten Pflegeproblemen beschäftigen (Wundliegegeschwür-Prophylaxe, Ernährung und Flüssigkeitsversorgung, Inkontinenzversorgung sowie Versorgung von Personen mit gerontopsychiatrischen Beeinträchtigungen), bewegen sich die Pflegeeinrichtungen nach wie vor auf einem nicht zufriedenstellenden Niveau. Die hier dargestellten Qualitätsdefizite weisen auf potentielle Gesundheitsgefährdungen der Pflegebedürftigen hin." (Abb. 04946)


Man muß dazu vergegenwärtigen: Die Pflegebedürftigkeit wird bis 2020 nach Vorrausberechnungen des Statistischen Bundesamtes auf etwa 2,8 Mill. Pflegebedürftige, ein Anstieg um 39 % (Abb. 04945).


Nach der Pflegestatistik 2005 war die Pflege durch Angehörige mit 46 % bereits in der Minderheit. Dieser Anteil fiel zwischen 2003 und 2005 um 1 %, während der in Heimen um 6 % stieg (Abb. 04944). Man wird daher erwarten dürfen, daß weitaus die meisten alten und sonst pflegebedürftigen Menschen um 2020 ihr Leben in Heimen fristen werden.


Nur Italien hat unter allen Ländern der Alt-EU einen noch höheren Anteil an Menschen über 65 (Abb. 12808). Bis 2020 wird der Altenanteil in Deutschland stärker steigen als in den meisten anderen Ländern (Abb. 12809).



Siehe dazu heutige Gedanken zur Zeit.

Siehe auch neuen Schwerpunkt: Im sozialen Abseits: Kinder, Alte, Pflegebedürftige.

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extra global news 835 31-08-07: Weiter enttäuschende Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes
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Die heute bekannt gegebenen Ergebnisse des Einzelhandelsumsatzes zeigen für Januar bis Juli ein Minus von 1,6 % gegenüber der Vorjahresperiode (Abb. 04943). Besonders negativ entwickelte sich der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren. Er setzte real 1,5 % weniger um als im Juli 2006. Viele Menschen sparen wieder am Essen.



Deutschland rangiert damit weiterhin so ziemlich am Ende des internationalen Feldes (Abb. 12378).


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global news 834 31-08-07: Trügerische Ruhe am Finanzmarkt - Demnächst Notverkäufe?
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Die Notenbanken haben mit ihren Interventionen am Geldmarkt einstweilen für Ruhe gesorgt. Ist es nur eine trügerische? Die Financial Times berichtet heute in ihrer englischen Ausgabe über eine Analyse der Bank of Scotland. Danach kann es zu Notverkäufen an den internationalen Börsen im Umfang von 43 Mrd Dollar kommen. Die Briten haben dafür den schönen Begriff „firesales". Tatsächlich gibt es einen Haufen an außerhalb der Bilanzen von Banken und Anlageverwaltern geführten Vehikeln, die in riesigem Umfang gutes Geld von den Banken geborgt haben, um mit sehr wenig zusätzlichem Eigenkapital, also weitgehend mit kurzfristig gepumptem Geld, hochriskante Anlagen zu kaufen. Die aber sind jetzt sehr wenig wert, z.B. minderwertige Hypotheken oder Schuldpapiere kriselnder Unternehmen, so genannte Junkbonds. Das sind vor allem Schulden, mit denen Buy-out Private Equity Unternehmen die Opfer ihrer Raubzüge belastet haben.

So stieg der Anteil von mit Grad „B" oder niedriger bewerteten amerikanischen Unternehmenskrediten von einem Fünftel in 1997 auf ein Drittel in diesem Jahr (Abb. 03675). Während sich die etablierten und soliden Unternehmen, z.B. die im FTSE 100 der Londoner Börse oder die im S& P 500 an Wall Street geführten, seit dem Jahr 2000 kaum zusätzlich verschuldet haben, stieg die Netto-Gesamtverschuldung der Unternehmen (außerhalb des Bankenbereichs) erheblich an. Die LBO-Kredite für das buy-out mit hohem Kreditanteil machen dabei nicht weniger als 85 % der zusätzlichen Nettoverschuldung amerikanischer Unternehmen seit 2001 aus (Abb. 03646).



Da diese Vehikel derzeit kaum Kredit zur Refinanzierung ihrer fällig werdenden Kredite bekommen und teilweise auch Kapitaleinlagen an private Anleger zurückgeben müssen, geraten sie in die Liquiditätsklemme und sind gezwungen, Anlagen zu verkaufen. Außerdem erhöht jede Herunterstufung der Bonität durch die Rating-Agenturen den Druck. Allerdings finden die Vehikel für die minderwertigen Anlagen derzeit nur zu Ramschpreisen mit Abschlägen um 50 % Käufer. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich teilweise auch von einigen ihrer besseren Anlagen zu trennen.

Nach der Analyse der Royal Bank of Scotland müssen allein die Vehikel, deren Schwierigkeiten schon bekannt geworden sind, eventuell um 43 Mrd Dollar an Anlagen verkaufen. Das würde die Preise für vergleichbare Anlagen in den Händen auch solcher Vehikel drücken, die derzeit noch keine Liquiditätsprobleme haben, und könnte so einen Domino-Effekt auslösen. Rheinbridge, das Vehikel der deutschen IKB, hat bereits Anlagen im Werte von 176 Millionen Dollar verkauft von insgesamt 14 Milliarden Dollar an Anlagen. Ebenso hat Cheyne Capital mit dem Ausverkauf seiner 6,6 Mrd Dollar an Anlagen begonnen. Niemand weiß derzeit, vieviel der Structured Investment Vehicles, die allein im vergangenen Jahr etwa 2,7 Billionen Dollar an sogenannten CDO (collateralised debt Obligations) ausgegeben haben, am Ende unter den Hammer kommen könnten. 2,7 Billionen Dollar ist immerhin das Siebenfache des gesamten Aktienwertes der 12 größten deutschen Unternehmen, so daß bereits der Verkauf eines kleinen Teils davon Auswirkungen hätte.

Die Ruhe kann also durchaus trügerisch sein. Erst über die nächsten zwei Jahre wird deutlich werden, ob die Notenbanken durch Zinssenkungen oder auf andere Weise das Problem beherrschen können oder ob sich der Risikoappetit der Anleger wieder so aufbaut, daß sich das Problem von selbst lösen kann.

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global news 833 31-08-07: Arbeitsmarkt im August: wieder Stagnation
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Angesichts praktisch gestoppten Rückgangs der Arbeitslosigkeit, fehlenden Beschäftigungsaufbaues und fehlenden Zuwachses versicherungspflichtiger Stellen im August gegenüber Juli, im Vorjahresvergleich starken Aufbaues an prekären Beschäftigungsverhältnissen, fortgesetzter „administrativer Bereinigung" der Statistik sowie der von der Arbeitsmarktpolitik unabhängigen Entlastung durch die demographische Entwicklung bleibt die Arbeitsmarktentwicklung enttäuschend. Dies gilt umsomehr vor dem Hintergrund der noch vergleichsweise guten internationalen Konjunktur. Münteferings frohe Botschaft „Wer arbeitslos ist, darf begründet hoffen, Arbeit finden zu können" ist vor allem für Langzeitarbeitslose schwer nachvollziehbar.

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland bei den besonders belasteten Langzeitarbeitslosen am Ende des Vergleichsfeldes.

Wenn es nicht bald gelingen sollte, bei der derzeit noch relativ guten internationalen Konjunktur einen stärkeren echten Rückgang an Arbeitslosigkeit zu erreichen, wird es im nächsten Abschwung wieder sehr schlecht aussehen.

Saisonbereinigt ist der monatliche Zuwachs der Beschäftigung von Januar bis Juli (letzte Erhebung) immer weiter auf 0 % gesunken (Abb. 04942).


Bei der Arbeitslosigkeit errechnet sich saisonbereinigt im August ein relativ geringer Abbau der Zahl der Arbeitslosen um nur 15.000 gegenüber dem Vormonat, nachdem der Trend schon in den Vormonaten schwach gewesen war und weit entfernt von dem Abbau in früheren Zeiten (Abb. 04772). Die Trendabschwächung besteht hier schon seit Dezember 2006.


Abb. 04922 zeigt, in welchem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist.


Eine ausführliche Darstellung zum Arbeitsmarkt im August enthält der besondere Schwerpunkt. (bitte auch Startseite besuchen)



Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: Falsch globalisiert, 232 Seiten, 250 Abbildungen, € 14,80 - ist im Mai im vsa-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 3-89965-193-6). Das Buch greift 30 der wichtigsten Schwerpunkte in aktualisierter Form auf. Neue Rezension in FR. 16 wichtigste Schaubilder hier stets aktualisiert (auch Korrekturen).

Hier zu meiner kurzen Einführung bei der Vorstellung des Buches am 15. Mai im Beisein von Jürgen Peters, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Otto Brenner Stiftung und Vorsitzender der IG Metall, und Professor Dr. Peter Bofinger, Universität Würzburg, und hier zu einer aktuellen Einschätzung sowie zu meinem halbstündigen WDR-Interview zum Abhören.