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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(781) Arbeitzeitvergleich

(780) Von der Gnade der frühen Geburt - Brave New World 2050

(779) EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark und der Euro-Kurs

(778) Kommt der Crash und wer wird dafür verantwortlich sein?

(777) Industrieproduktion, Verbraucherinsolvenzen, Einkommensdisparitäten

(776) Immer mehr Steuervorteile für Heuschrecken

(775) Neoliberale Liga: Deutschland vorn

(774) Umweltschäden aus der Luft photographiert

(773) Deutschland: Die Angst vor dem Arbeitsamt sitzt tief

(772) Neuer Steuervergleich von Eurostat

(771) Wie lange kann der Exportweltmeister vom Exportüberschuß leben?

(770) Der Markt der minderwertigen Hypotheken bricht in USA und Großbritannien ein - Ansteckungsgefahr?

(769) Reichtum und Top-Gehälter: Gleicher Bevölkerungs-Anteil an Superreichen wie in USA

(768) Deutschland als Exporteur von Spitzentechnologie unter "ferner liefen"

(767) Die chinesische Herausforderung: Und morgen kauft uns China

(766) Nochmal: Einzelhandelsumsatz im Mai und irreführende Kommentierung des Statistischen Bundesamts

(765) Einzelhandelsumsatz wieder im Rückzug: Kein Kaufrausch in Sicht

(764) Der Arbeitsmarkt im Juni

(763) Struktureffekte der Beschäftigung: Mc Jobs

(762) Neue Bundesländer - Trumpfkarte oder Achillesferse in der Globalisierung?

(761) Auch die Alpenländer liegen im Sozial- und Wirtschaftsvergleich vor Deutschland

(760) US Acting Under Secretary for International Affairs Clay Lowery über die Superheuschrecken vom Typ Offizielle Reichtum-Fonds

(759) Internationale Bank für Zahlungsausgleich: Schlechtes Bild für Deutschland bei Vermögensentwicklung und Verbrauch der Haushalte

(758) Die OECD bringt es ans Licht: Deutschland Niedriglohnland unter den entwickelten Industrieländern

(757) Auch der Ifo-Index schaltet zurück

(756) Neues vom „alten Hut": Diesmal Finanzkapitalismus

(755) EU-Gipfel: Was die Menschen in Europa wollen

(754) Der Kaffeesatz der Konjunkturerwartungen: Finanzexperten-Umfrage des ZEW

(753) OECD berichtet über wachsende Ungleichheit in der Einkommensverteilung als Folge der Globalisierung

(752) Weltkampf um Jobs und Profite: Währungs-Schieflagen bis das internationale System zusammenkracht

(751) Mindestlohn in der Alt-EU zwischen 7 und 9 Euro/Stunde

(750) Produktivität und Lohnquote: Warum gehen sie seit 2000 getrennte Wege

(749) Gewerbliche Wirtschaft in den ersten 4 Monaten 07




global news 781 14-06-07: Arbeitzeitvergleich

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Arbeitszeitvergleiche sind nicht leicht zu finden. Die OECD berichtet zwar über die Stunden pro Jahr, faßt dabei aber Vollzeit- und Teilzeitarbeitnehmer zusammen, so daß die Länder nicht vergleichbar sind. Eurostat hat eine Wochenarbeitszeit-Statistik der Vollzeitarbeitnehmer. Deutschland liegt hier mit 40,3 Stunden leicht über dem Durchschnitt der Eurozone und eher unter den Ländern mit langen Wochenarbeitszeiten (Abb. 12559).


Nur die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions hat sich die Mühe gemacht, bei den für Vollzeitarbeitskräfte vereinbarten Arbeitszeiten die Ferien- und Urlaubszeiten herauszurechenen. Deutschland hat dann nach Frankreich und Dänemark die geringste Jahresarbeitszeit und fast 5 % unter dem EU-Durchschnitt (Abb. 12558).


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global news 780 13-07-07: Von der Gnade der frühen Geburt - Brave New World 2050

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Wenn man über 40 Jahre in die Zukunft blickt, kann man leicht falsch liegen. Doch einige Trends sind zu fest eingefahren, um in diesem im Rahmen der Menschheitsgeschichte Bruchteile von Millisekunden verleichbaren Zeitraum noch einfach umzukippen.

Der Lebensstandard in den alten Industrieländern wird bei Fortsetzung dieser Trends trotz technologischen Fortschritts erheblich gefallen sein. Angst um den Arbeitsplatz und die Altersversorgung werden noch weiter verbreitet sein als heute schon in Deutschland. Die Gesellschaft wird noch viel stärker als heute in Arm und Reich gespalten sein. Das politische Leben wird von Konflikten und Swings zu den Extremen bestimmt werden. Schon jetzt zeigen Studien, wie das Mobility Projekt für die USA, daß Männer in den 30ern heute in USA weniger verdienen als Männer der gleichen Altersgruppe in der Generation der Väter. Es wird einer wahren Revolution der jüngeren Generationen bedürfen, um die tief eingefahrenen Trends umzukehren oder wenigstens abzubremsen. Wahrscheinlich wird ein wirklicher Widerstand erst kommen, wenn entweder das Leben von den Sozial- und Umweltverhältnissen her unerträglich wird oder wenn die jüngeren Generationen begreifen, was die „Gnade der frühen Geburt" für ihre Eltern bedeutet hat. Dann allerdings kann es schon zu spät sein.

Die Weltbevölkerung insgesamt soll bis 2050 noch auf über 9 Mrd Menschen anwachsen, ein Anstieg gegen 2005 um nicht weniger al 41 % mit allen Folgen für die Versorgung mit Energie und Rohstoffen und die Belastung der Umwelt (Abb. 0703). Über 3 Mrd Menschen, oder so viele wie die gesamten Weltbevölkerung des Jahres 1960, werden allein in Indien und China leben.


Europas Bevölkerung ist mit durchschnittlich 39 Jahren schon derzeit mehr als 40 % älter als die Asiens mit knapp 28 Jahren (Abb. 07034). Vor allem aber ist der Anteil der über 60-jährigen und meist im Ruhestand Lebenden in Europa mit 21 % gegenüber 9 % in Asien mehr als doppelt so hoch - angesichts der Renten- und steigenden Gesundheits- und Pflegekosten älterer Menschen eine enorme Belastung in der internationalen Konkurrenz. Die deutsche Bevölkerung gehört zu den am schnellsten alternden. Nach der 11. Bevölkerungsvorrausberechnung wird es im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben. Der Alters- und Jugendquotient an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird von 58 % 1990 auf 89 % ansteigen (Abb. 04899).



Mit anhaltender Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung, besonders der Schwellenländer, und überall noch wachsender Motorisierung, expandiert die Nachfrage nach Öl und einer Reihe von Rohstoffen. Der Weltölverbrauch steigt exponential (Abb. 0707). Die Folge dieser Entwicklung, die ähnlich bei einer Reihe von anderen wichtigen Rohstoffen stattfindet, ist notwendigerweise eine Preissteigerung, die sich überall in der Welt durchsetzen und die Wachstumsgeschwindigkeiten sowie den Lebensstandard beeinträchtigen wird. In den wenigen Jahren seit dem Beginn dieses Jahrtausends hat sich der Rohölpreis bereits fast verdreifacht (Abb. 07176).



Trotz aller Forderungen nach Eindämmung der Emissionen ist der Treibhauseffekt nicht mehr aufzuhalten, schon wegen des Anstiegs der Weltbevölkerung und der rasanten Entwicklung in China. Die Frage ist nur noch, ob er sich bis zu einer regelrechten Katastrophe entwickeln wird. Die Emissionen, bei denen China die USA bereits überholt hat, und die atmosphärische Kohlendioxyd-Konzentration steigen in einem festen Trend steil an, ebenso die Oberflächentemperatur (Abb. 07153).


Angesichts des Eintritts von ca. 1,5 Mrd zusätzlichen Arbeitskräften in die Weltwirtschaft aus Osteuropa, China, Indien und einigen anderen Schwellenländern, meist zu sehr niedrigen Arbeitskosten, unter Ausbeutung der Umwelt, Steuervorteilen und Währungsmanipulation bei gleichzeitig hohem Niveau an Globalisierung von Waren- und Finanzströmen, wird sich der Druck auf die Einkommenssituation der Arbeitnehmer in den entwickelten Industrieländern immer stärker bemerkbar machen. Dies gilt erst recht für die Länder, die wie China gleichzeitig das Bildungssystem revolutionieren und die Produktivität steigern (in China in den letzten Jahren viermal schneller als Deutschland). China hat Deutschland nach Wirtschaftskraft bereits als drittgrößtes Land abgelöst und kann nach Projektionen von Goldman Sachs um das Jahr 2040 auch die USA abhängen (Abb. 08019). Der Anteil von Finanzanlagen am Weltsozialprodukt explodierte von 109 % in 1980 auf 316 % und den astromonischen Betrag von 140 Billionen Dollar in 2005. In der Eurozone war der Anstieg noch stürmischer, nämlich allein zwischen 1995 und 2005 von 180 % auf 303 %. Damit kommt es zur Übernahme der Kontrolle immer größerer Teile der Beschäftigung in den alten Industrieländern durch anonyme, kurzfristig spekulierende und kaum regulierte Finanzfonds mit hohen Renditeforderungen. Auch diese Bewegung geht zu Lasten des Lebensstandards normaler Arbeitnehmer.


Seit Erweiterung der Europäischen Union tobt ein negativer Wettlauf bei den Unternehmenssteuern, der die öffentlichen Haushalte in den Ländern der Alt-EU, auch Deutschland immer ärmer macht. Hinzu kommt die nach Liberalisierung der Kapitalmärkte nicht mehr einzudämmende Steuerflucht in Karibik-Fonds oder andere Steueroasen. In Deutschland sind die staatlichen Bruttoanlageinvestionen sowohl preisbereinigt als auch als Anteil am Bruttoinlandsprodukt seit Beginn der 90er Jahre erheblich zurückgegangen (Abb. 04900).


Das Material für den neuen Schwerpunkt kommt zum großen Teil aus schon vorhandenen Schwerpunkten dieser Webseite. Es ist praktisch die gekürzte Quintessenz meiner 131 Webseiten in der Analyse der verschiedenen Trends.

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extra global news 779 12-06-07: EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark und der Euro-Kurs

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Das EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark vertrat bei einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten jetzt die Ansicht, der Euro-Kurs reflektiere lediglich die derzeitige wirtschaftliche Stärke in Europa und Tageswerte beim Wechselkurs dürften nicht überinterpretiert werden. Kann man wirklich sagen, daß die nun seit Jahren - und nicht Tagen - anhaltende Abwertung von Yen und Renmimbi (siehe Abb. 13303), der Währungen der beiden Hauptkonkurrenten Europas, auf europäischer Wirtschaftsstärke und entsprechender Schwäche in China und Japan beruht? Das deutsche Direktoriumsmitglied sollte außerdem wissen, daß sich der deutsche Export in den Nicht-Euro-Raum trotz starken Euros nur wegen der im internationalen Vergleich extremen Lohnzurückhaltung deutscher Arbeitnehmer hält, diese also die Zeche zahlen (EZB-Direktoriumsmitglieder sind extrem gut bezahlt und kennen natürlich keine eigene Lohnzurückhaltung).


Schließlich kann sich das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied nur so gelassen äußern, wenn es die Lage der Hälfte der Eurozonenländer vergißt und im wesentlich nur auf Deutschland schaut (Abb. 12557). Ohne Deutschland hat die Eurozone ein Defizit von 5 % des Imports gegen Export. Die Hälfte der Eurozonenländer hat Defizite, besonders Spanien (33 %), Frankreich (8 %) und Italien (6 %). Dieses so zur Schau gestellte vollmundige deutsche Zentralbank-Selbstbewußtsein wird besonders in Frankreich nicht gut ankommen. Es erinnert dort fatal an die Zeiten der Bundesbank-Überheblichkeit.


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global news 778 12-06-07: Kommt der Crash und wer wird dafür verantwortlich sein?

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Die Welt erlebt derzeit eine Liquiditätsschwemme unvorstellbaren Ausmaßes. Die wirft extreme spekulative Blasen und die müssen ohne wirksame Gegenmaßnahmen früher oder später zum großen Crash des internationalen Finanzsystems führen. Für eine weiche Landung, von der Notenbanken und Regierungen träumen, könnte es schon zu spät sein. Die Deutsche Bank kommt in einer neuen Analyse zu dem Ergebnis, dass die weltweite monetäre Liquiditätsausstattung sehr oder sogar übermäßig hoch war und noch ist. Das Wachstum des weit definierten G5-Liquiditätsindikators (USA, Euroland, Japan, Großbritannien und Kanada, sowie zusätzlich, China, Indien, Australien und Neuseeland) habe sich seit Mitte 2004 wieder beschleunigt (Abb. 03617). Auch verglichen mit einem Wirtschaftswachstum der G7-Länder in 2006 von nur 2,8 %, ist ein solches Geldmengenwachstum von zuletzt fast der dreifachen Höhe sehr hoch.


Den Notenbanken in den entwickelten Volkswirtschaften (mit Ausnahme der japanischen wegen des dort noch immer extrem niedrigen Zinses) wird man aus der derzeitigen Liquiditätsschwemme kaum einen Vorwurf machen können, denn bei gedämpften Inflationsraten, gebremstem Wirtschaftswachstum und relativ hoher Arbeitslosigkeit hatten sie wenig Anlaß, um Zinsen anzuheben und so Liquidität abzuschöpfen (Abb. 03613).


Dagegen werden sich die Regierungen nicht herausreden können: Sie kennen alle Zahlen, sie zeichnen im IWF für die internationale Finanzarchitektur verantwortlich und sie können auf Währungsungleichgewichte, ein wesentlicher Faktor in der Liquiditätsschwemme, Einfluß nehmen. Den Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge ist die weltweite Wirtschaftsleistung zwischen 1995 und 2005 um 52 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich aber der Wert der an den Weltbörsen notierten Aktien auf über 50 Billionen Dollar fast verfünffacht. Nach den Zahlen der Deutschen Bank wuchs die globale Wirtschaft von 1996 bis 2006 um 60 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Geldmenge um 90 Prozent.

Zunächst zur Liquidität und wo sie herkommt. Drei verschiedenene Liquiditätsschöpfungen, die sich dabei überschneiden, lassen sich unterscheiden. Erstens ist in den letzten Jahren seit 2002 die Sparquote der Welt gemessen am Buttoinlandsprodukt von 24 % auf fast 28 % angestiegen, wenn man die USA und Großbritannien mit besonders niedrigen Sparquoten ausklammert (Abb. 03614). In so wenigen Jahren ist das ein gewaltiger Sprung, der fast einem Viertel des Wirtschaftszuwachses entspricht. Die Länder mit hohen Sparraten, besonders China, Japan und Deutschland (Abb. 03615) häufen gewaltige Exportüberschüsse auf und speisen dadurch Überschuß-Liquidität in das internationale Finanzsystem ein. China und Japan tun das nicht zuletzt über eine erhebliche Unterbewertung ihrer Währungen, Deutschland mit der seit Jahren im internationalen Vergleich schlechtesten Lohnentwicklung.



Handelsbilanzen und Währungen im Viereck Europa - Japan - China - USA geraten immer mehr aus dem Gleichgewicht. China meldete heute für Juni einen Handelsbilanzüberschuß, der um sage und schreibe 85 % über dem des Vorjahres liegt, und zugleich einen neuen Bilanzrekord für das erste Halbjahr 2007. Japanischer Yen und US Dollar rutschten auf neue Tiefststände gegenüber dem Euro, was beim Dollar von der Handelsbilanz her verständlich ist, bei Yen und Renmimbi aber nicht (Abb. 13303 zeigt den Abwertungswettlauf gegen den Euro).


Andererseits saugen die USA und Großbritannien die Überschußliquidität nur teilweise auf, da dort angesichts der Hauspreisblasen eine eigene Kredit- und Liquiditätsschöpfung mit hoher Verschuldung der privaten Haushalte (Abb. 03469) stattfindet.


Zweitens wächst in fast allen entwickelten Volkswirtschaften, aber auch in China und besonders in Deutschland, die Ungleichheit in den Einkommen (Abb. 03616). Der wohlhabende Teil der Bevölkerung kann nur einen Teil davon selbst verbrauchen und investiert den wachsenden Überschuß spekulativ auf den internationalen Finanzmärkten, wo unter anderem Hedgefonds und Private Equity Unternehmen dann wieder in spekulative Anlagen (Finanzderivative und Unternehmensaufkäufe) mit zusätzlicher hoher Kreditschöpfung weiterinvestieren. Da schwappt also die zweite gewaltige Welle an Liquidität herum.


Drittens können selbst die auf der Einkommensseite benachteiligten Bevölkerungschichten immer weniger von diesen knappen Einkommen verbrauchen, weil sie bei alternden Bevölkerungen in der Angst vor Unsicherheiten bei den Renten und der Armut im Alter leben. Das gilt besonders für Deutschland, aber auch für China, wo es kaum Sozialversicherung gibt und die staatlich verordnete Ein-Kind-Familie keine Sicherheit im Alter mehr bietet. Auch das treibt die Sparquoten und damit die internationale Liquidität hoch.

Inzwischen suchen die Finanzakteure schon ziemlich verzweifelt nach neuen Anlagemöglichkeiten. Besonders die Heuschrecken sitzen auf hohen Barbeträgen, die noch nicht richtig angelegt sind. Damit werden zunehmend auch sehr riskante Anlagen gesucht, die man früher vermieden hätte. Die minderwertigen Hypotheken in USA und Großbritannien sind ein Beispiel. Die Aktienkurse steigen und steigen und liegen längst über den realen Unternehmenswerten (siehe Abb. 13275 für Deutschland). Wie lange noch kann dieses Spiel weitergehen? Kommt es zum Crash kann sich keine Regierung der hauptbeteiligten Länder von Verantwortung freizeichnen. Nicht einmal das Ungleichgewicht der Währungen und der Exportüberschüsse konnten sie bisher abbremsen, und schon gar nicht durch entsprechende steuerliche Eingriffe das zunehmende Ungleichgewicht der Einkommen (z.B. hat die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland das Gegenteil bewirkt, indem Importe verteuert wurden und der Einzelhandelsumsatz zusätzlich ausgebremst wurde).


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global news 777 11-07-07: Industrieproduktion, Verbraucherinsolvenzen, Einkommensdisparitäten

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Die Zahlen der Industrieproduktion vom Mai zeigen, daß der Mai nur den Verlust vom April wieder ausgeglichen hat. Im Ergebnis ist das Stagnation. Dabei stagniert die deutsche Konsumgüterindustrie nun schon seit fast zwei Jahren (Abb. 04306). Das Gleiche gilt für den Industrieumsatz, vom Export abgesehen (Abb. 04910). Dennoch läßt sich das Statistische Bundesamt nicht davon abhalten, über seine heutige Pressemeldung die übertrieben positive Schlagzeile zu setzen: „Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe im Mai 2007: Real + 6,2% zum Vorjahr". Hier wird immer wieder Politik mit Schlagzeilen betrieben und nur die übernehmen die Medien in der Regel.



Unter der gebremsten Entwicklung der Arbeitseinkommen leiden weiterhin die Finanzen der Verbraucher. Die Insolvenzen nahmen im Zeitraum Januar bis April um 22,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum weiter zu (Abb. 04028), eine Entwicklung, die auch nun schon seit vielen Jahren anhält.


Die in Deutschland besonders stark wachsende Ungleichheit der Einkommen zeigt sich sehr deutlich in der Entwicklung des Verhältnisses des Einkommens des obersten Fünftels zu dem des untersten von 3,5 in 2000 zu 4.1 in 2005. Nach Italien ist das die ungünstigste Entwicklung der Alt-EU-Länder (Abb. 12556).


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global news 776 10-07-07: Immer mehr Steuervorteile für Heuschrecken

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Die einst im deutschen Wahlkampf wegen ihrer kurzfristigen Kapitalverwertungsstrategien verpönten Heuschrecken bekommen einen immer längeren roten Teppich an Steuervorteilen ausgerollt. Nach einem Schreiben des Finanzministeriums von Ende Mai sollte ab 2008 auf Beratungsleistungen, die die Beteiligungsgesellschaften (Heuschrecken) ihren Kapitalgebern als Management Fee in Rechnung stellen, Umsatzsteuer fällig werden. Die Management Fee beträgt gewöhnlich zwischen 1 und 5 Prozent der Einlage der Investoren. Wird darauf die Umsatzsteuer fällig, würde die Beratungsleistung um 19 Prozent teurer. Weil diese Summe angesichts des scharfen internationalen Wettbewerbs in der Branche angeblich nur schwer auf die Investoren umgelegt werden kann, müssten sie die Heuschrecken teilweise oder gar ganz übernehmen, heißt es. Nun aber hat der für Finanzmärkte zuständige Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium erklärt: „Wir denken daran, das zurückzunehmen." Eine Entscheidung werde innerhalb der Beratungen über das geplante Private-Equity Gesetz getroffen. Der Verzicht auf eine Steuer, die jeder Handwerker für seine Dienstleistungen zahlt, ausgerechnet bei Managern, die zu den bestbezahlten der Welt zählen, wird in Deutschland also zur selben Zeit erwogen, da in Großbritannien eine parlamentarische Untersuchung zur Besteuerung von Private-Equity-Managern und deren Geschäftspraktiken läuft und da die USA die Einführung eines höheren Steuersatzes für die Gewinne der Branche prüfen. Die meisten der in Deutschland tätigen Heuschrecken kommen aus USA und Großbritannien (hier zahlen sie bisher weniger als 10 % Einkommenssteuer!).

Der Wettbewerb um das Geld der Heuschrecken ist offensichtlich voll entbrannt. Zur Erinnerung: Einige der Heuschrecken, die derzeit an die Börse gebracht werden, machen aus dem Verkauf ihrer Fonds an Investoren Riesenprofite, im Falle von Blackstone und KKR in Höhe von Milliarden Dollar. Blackstone erzielte im vergangenen Jahr aus seinen Private Equity Fonds einen Profit von 22,6 %, KKR von 22,2 %. Dabei kontrolliert Blackstone 88,4 Milliarden Dollar an Investments, KKR 53,4 Milliarden Dollar. Bisher in diesem Jahr haben die Heuschrecken weltweit Unternehmen im Wert von 618 Mrd Dollar aufgekauft, fast das doppelte des gegenwärtigen Aktienwertes der 12 größten deutschen Unternehmen (einschließlich Deutsche Telekom, Allianz, Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Siemens, VW, BMW usw., siehe Abb. 03612). Der Durchschnitt der Profite aller Heuschrecken während der letzten 5 Jahre liegt immer noch bei 9,2 %.


Die Heuschrecken verteidigen den Aufkauf börsennotierter Firmen oft damit, dass das Management des betroffenen Unternehmens sich fortan nicht mehr den rein renditeorientierten Wünschen der Aktionäre beugen müsse. Eine neue Analyse der Ratingagentur Moody's straft dieses Argument Lügen. Tatsächlich sind die neuen Hausherren in ihren Gewinnansprüchen kein Stück besser als aufsässige Aktionäre, erklärt die Ratingagentur jetzt. Firmen im Besitz von Finanzinvestoren planten jedenfalls kein bisschen langfristiger und strategischer als am Aktienmarkt notierte Konzerne. Die Verschuldung der eingekauften Firmen sei außerdem nach der Übernahme oft gefährlich hoch. Das schade der langfristigen Entwicklung der Firmen. „Beteiligungsgesellschaften haben aus den zu ihrem Portefeuille gehörenden Unternehmen Geld abgezogen und sind früher als in der Vergangenheit ausgestiegen. Das ist keine langfristige Strategie", sagte Christina Padgett, eine der Autoren des Reports.

Mit der Drohung der Verlagerung kann das mobile Finanzkapital offensichtlich jeden Finanzminister erpressen, auf Steuereinnahmen zu verzichten und statt dessen die Steuerbelastung einseitig auf den Konsum und die Arbeitseinkommen umzuschichten.

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global news 775 09-07-07: Neoliberale Liga: Deutschland vorn

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Deutschland war einstens das Wunderland in sozialer Stabilität und erklärte sich sein Wirtschaftswunder auf eben diese Weise. Doch mit kaum nachvollziehbarer Geschwindigkeit hat es sich an die Spitze der neoliberalen Global-Entwicklung gesetzt. In nur wenigen Jahren ist Deutschland zu einem der unsozialsten unter den alten Industrieländern geworden und nun auf dem fast track in Neoliberalisierung.

Die deutschen Unternehmensprofite (Abb. 12364) ebenso wie die Einkommen der Top-Manager sind unter den höchsten der Welt, Kehrseite einer seit Jahren ausgebremsten Lohnentwicklung.


Nach dem neuesten OECD-Bericht „Beschäftigungsausblick" lag Deutschland 2005 in den Arbeitseinkommen unter den entwickelten Industrieländern (ohne Osteuropa) auf dem 16. Platz. Danach kommen nur noch Kanada, Italien, Spanien, Griechenland, Korea und Portugal (Abb. 12533). Seit 2005 dürfte Deutschland noch weiter abgerutscht sein. Auffållig ist dabei auch, wie sich der Unterschied in der Entwicklung der Tariflöhnen zu Frankreich immer mehr aufbaut, allein in den vergangenen zwei Jahren zusammen mehr als 3 % (Abb. 12554).



Die Ungleichheit der Arbeitseinkommen wird immer größer. Seit 1995 ist Deutschland in der Rangordnung der Ungleichheit 5 Plätze vorgerückt und hat seitdem Niederlande, Tschechien, Frankreich, Japan und Australien überholt. Wenn man die europäischen Länder (ohne Osteuropa) sowie USA, Kanada und Japan vergleicht, so ist in keinem dieser Länder die Schere zwischen den Top 10 % der Arbeitseinkommen und den untersten 10 % soweit aufgegangen wie in Deutschland (Abb. 12527).


Um zu beleuchten, wie stark die Einkommensunterschiede zwischen den ärmsten und den reichsten Personen eines Landes tatsächlich sind, kann man ein Verteilungsmaß heranziehen, das das Gesamteinkommen der reichsten 20% dem Gesamteinkommen der ärmsten 20% gegenüberstellt (sogenanntes S80/S20-Quintilverhältnis). Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland hier nur noch im unteren Mittelfeld (Abb. 12247).


Für mehr siehe neuen Schwerpunkt.

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global news 774 07-07-07: Umweltschäden aus der Luft photographiert

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Vom Satelliten lassen sich einige schwere, vom Menschen verursachte Umweltschäden mit vorher und nachher sehr gut feststellen. National Geographic hat in dem Bildband "Zerbrechliche Erde" viele Bilder festgehalten. Hier nur einige.

Abb. 07177 zeigt in der Gegenüberstellung von Aufnahmen des Aralsees aus 1973 und 2005 den Verfall des ehemaligen Riesensees durch übermäßige Wasserentnahme für den Baumwollanbau. Der Aral ist ein Salzsee, an seinen Ufern bilden sich breite weiße Ränder, weil Wasser verdunstet und Salz übrig bleibt.


Der Vergleich zwischen den Satellitenbildern vom Wadi as- Sirhan in Saudi- Arabien vom Februar 1986 und vom Februar 2004 (Abb. 07178) zeigt, wie aus der Tiefe hochgepumptes Wasser in kreisrunden Feldern die Wüste erblühen läßt. Allerdings fällt der Grundwasserspiegel ständig und müssen die Pumpen immer tiefer in die Erde geführt werden.


Die Aufnahmen vom Upsala Gletscher in Argentinien (Abb. 07179) liegen zeitlich mehr als 75 Jahre - 1928 und 2004 - auseinander. Der Rückzug der Eismassen steht für die globale Erwärmung.


Auch der Regenmangel im Westen der USA hängt mit der globalen Erwärmung zumsammen. Abb. 07180 zeigt den Colorado River, der hier in den Stausee Lake Powell fließt. In nur 18 Monaten fiel der Wasserpegel um dreizehn Meter. Bis 2005 war der Pegel des Sees auf seinen bislang niedrigsten Stand von zwei Dritteln seines ursprünglichen Wasservolumens gesunken. Neben fehlenden Niederschlägen sind auch übermäßige Wasserentnahme daran schuld.


An den Iguacu-Wasserfälle im Länderdreieck Argentinien, Brasilien und Paraguay hatte sich das einmalige Ökosystem des Paranaense Regenwalds mit tausenden für die Region einzigartigen Arten entwickelt. Abb. 07181 zeigt erste Anzeichen der Entwaldung und den Unterschied zwischen jenen Flächen, auf denen der Mensch nach Belieben umgestalten konnte, und jenen, auf denen die ursprüngliche Natur unter Schutz steht.


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global news 773 06-07-07: Deutschland: Die Angst vor dem Arbeitsamt sitzt tief

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Die neue Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, die die größten Sorgen der Menschen in mehreren Länder erfragt hat, zeigt wieder einmal: In Deutschland sind die Sorgen um den Job und die Rente weit größer als in anderen Ländern. Trotz aller Schalmeienklänge von Bundesregierung und Medien zum Wunder am Arbeitsmarkt, scheinen die Deutschen dem wenig Glauben zu schenken (was zugleich auch die besondere Zurückhaltung beim Einkaufen erklärt, Abb. 12378). Mit 67 % fällt diese Sorge in Deutschland weit höher als im Durchschnitt (30 %) aus. Auch die Rentenfrage beschäftigt mit 18 % die deutschen weit mehr als der Durchschnitt von 13 % (Abb. 12553).



Besonders glücklich die Briten und Holländer die sich bei diesen Themen so gut wie keine Sorgen machen. Mit 18 % rangiert auch die Preis- und Kaufkraftentwicklung in Deutschland ziemlich hoch.

Befragt wurden 12.000 Bürger in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Spanien, Russland und Belgien.

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global news 772 05-07-07: Neuer Steuervergleich von Eurostat

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Nach dem Steuervergleich von Eurostat vom 26. Juni 2007 liegt die deutsche Steuern- und Abgabenquote (einschl. Sozialversicherung) am Bruttoinlandsprodukt im Mittelfeld und noch unter dem Eurozonendurchschnitt (Abb. 12108).


Der durchschnittliche Steuersatz auf Arbeitseinkommen liegt etwas über dem Eurozonendurchschnitt (Abb. 12541), der auf Kapitaleinkommen darunter (12542), was eine unsozialere Steuerpolitik als im Durchschnitt der Eurozone zeigt. Der Steuersatz auf Konsum liegt nach der MWSt-Erhöhung etwa im Durchschnitt der Eurozone (Abb. 12543).




Der Spitzensteuersatz liegt jetzt unterhalb des Eurozonendurchschnitts (Abb. 12008), auch das ein Hinweis auf die unsozialere Natur des deutschen Steuersystems. Mit der Änderung der Unternehmenssteuern wird der Spitzensatz der deutschen Köperschaftssteuer etwa in Höhe des Eurozonendurchschnitts liegen (Abb. 12544); allerdings ist bei diesem Vergleich zu berücksichtigen, daß der der für 2006 ausgewiesene deutsche Satz nicht die vielen Ausnahme- und Anrechnungstatbestände erfaßt, die die Steuerbelastung bisher immer erheblich abgesenkt haben.



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global news 771 05-06-07: Wie lange kann der Exportweltmeister vom Exportüberschuß leben?

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Noch ist Deutschland Exportweltmeister und nach China auch Exportüberschuß-Vizeweltmeister. Die gute Konjunktur auf den Exportmärkten hat seit einigen Jahren das Wirtschaftswachstum immer mehr vom Exportüberschuß als Aussenbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt abhängig gemacht. Nie war Deutschland auch nur entfernt so lange so abhängig. Seit 2001 wäre bei einem Ausfall des Aussenbeitrags oder Exportüberschusses die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr um durchschnittlich fast 4 % negativ gewesen (Abb. 04908 und 04909). Das zeigt umgekehrt, wie schwach die viel wichtigere Binnenkonjunktur ausgefallen ist. Die meisten Bundesbürger, viele Politiker und Medien werden sich dieses Umstands nicht ausreichend bewußt sein.



Zwei Fragen stellen sich hier: erstens nach der Länge der Konjunktur auf den Exportmärkten und zweitens nach den strukturellen Defiziten des deutschen Exports, die diese Konjunktur verdeckt und die sich im nächsten konjunkturellen Abschwung sehr schnell zeigen müssen. Zum ersten Punkt läßt sich nur folgende Antwort geben: Bisher ist noch jede Konjunktur irgendwann umgekippt, oft unter Führung der USA mit weltweiten Auswirkungen. Derzeit zeigen der sinkende Dollar mit seinen negativen Auswirkungen auf das amerikanische Preisniveau für Importwaren, die hohe US-Verschuldung und die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt , die Verengung der Kreditspielräume für riskante Unternehmenskredite, sowie die nicht dauerhaft zu haltenden Blasen bei der internationalen Liquidität, daß die amerikanische Wirtschaft wieder in die Nähe einer Gefahrenzone kommt.

Der deutsche Export hat zwei große Schwächen, die sich erst in einer Krise deutlich zeigen werden. Er hängt auf der Kostenseite davon ab, daß die deutschen Arbeitnehmer zeitlich unbegrenzt zu einer weit ungünstigeren Lohnentwicklung wie ihre Kollegen in den anderen alten Industrieländern, besonders in der Eurozone, bereit sind (Abb. 12340). Dies muß man angesichts der in diesem Jahr zunehmenden Arbeitskämpfe bezweifeln; außerdem würde es die Einheitswährung der Eurozone an den Rand des Auseinanderbrechens bringen. Zweitens wird der deutsche Export wegen eines relativ geringen Anteils an High-tech (Abb. 12548) einem verschärften Niedrigpreiswettbewerb, der besonders in einer Wirtschaftskrise von Ländern wie China zu erwarten ist, besonders stark ausgesetzt sein. Auch werden einige Schwellenländern, unter denen wieder besonders China zu nennen ist, mit gewaltigen Produktivitätssprüngen (viermal mehr als in Deutschland, Abb. 08104) und technologischen Entwicklungen ausserhalb der Nicht-High-Tech-Bereiche ohnehin immer wettbewerbsfähiger.




Auch der noch amtierende Exportweltmeister sollte dringends seine Binnenkonjunktur ankurbeln, wofür mehr Kaufkraft und damit höhere Arbeitseinkommen und Renten notwendig sein werden.

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global news 770 04-06-07: Der Markt der minderwertigen Hypotheken bricht in USA und Großbritannien ein - Ansteckungsgefahr?

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Es ist ein Riesenmarkt, allein in USA von 1,8 Billionen Dollar. Hypothenbanken in USA und zum Teil auch in Großbritannien haben Hypotheken an Schuldner mit einer negativen Kreditgeschichte verkauft. Die kamen in USA an Hypotheken zu 100 % des Wertes der beliehenen Immobilie. In Großbritannien sind es immer noch 15 % der Hypotheken mit Werten von 90 % und mehr der beliehenen Immobilie. Diese Hypotheken wurden in Zeiten niedriger Zinsen gewährt. Die Schuldner nahmen sie, weil sie auf immer steigende Immobilienpreise bauten. Seitdem steigen vor allem die Zinsen, in USA von 1 % in 2004 auf jetzt 5,25 %. Da gehen viele Schuldner in die Knie (Abb. 05005). Die Zahl der Zwangsverkäufe wächst. Im 1. Quartal kam es zu einem neuen Rekord an eröffneten Verfahren. In USA ist der Häusermarkt für vorhandene Immobilien schon tief eingebrochen. Die US Federal Reserve hat jetzt die Banken ermahnt, mit den Schuldnern vorsichtiger zu verfahren.


Das Problem wächst sich immer mehr zu einem der internationalen Finanzmärkte aus. Die sogenannten „collaterised debt obligations" oder CDO (Kredit mit Pfandsicherung) wurden von den internationalen Investmentbanken aufgekauft, mit anderen Krediten und Obligationen vermengt und in Scheibchen aufgeteilt, die dann an Investoren verkauft wurden. Ein großer Teil ging an Hedgefonds. Zwei große Hedgefonds von Bear Stearns mußten in der vergangenen Woche mit 3,2 Milliarden Dollar gestützt werden, um nicht zusammenzubrechen. Mehr als die Hälfte dieser CDOs waren mit zweitklassigen Hypotheken gedeckt. Die betroffenen Hedgefonds versuchten noch, die Hypothen am Markt zu verkaufen, hatten damit aber wenig Erfolg. Schon im Mai hatte UBS den Dillon Read Capital Management Hedgefonds in USA geschlossen, nachdem sich dort ein Verlust von 123 Millionen Dollar durch zweitrangige Hypotheken gezeigt hatte. Der amerikanische ABX-Index der CDO mit Immobilien-Deckung ist schon kräftig abgestürzt (Abb. 03610).


Niemand weiß, was solche Hypotheken wirklich wert sind. Hier hat der Markt völlig im Dunkeln spekuliert. Der Kommentator der Financial Times schreibt dazu: Die Hedgefonds-Manager konnten mangels einer regulären Markt-zu-Markt-Bewertung mystische Profite buchen und sich selbst davon ihren 20 % Profitanteil aus dem Hedgefonds auszahlen. Jetzt schlägt in Großbritannien der Finanzregulator Alarm, der schon seit 2005 vor dieser Entwicklung warnt. Er kritisiert Hypothenbanken und -Vermittler, nicht genug geprüft zu haben, ob solche Hypotheken für die Schuldner geeignet sind.

Inzwischen wächst die Ansteckungsgefahr, wie die Entwicklung bei den hochverzinslichen Unternehmenskrediten der riskanten Art zeigt (Abb. 03611). Prompt haben auch einige der großen Private Equity Unternehmen ihre Angebote für den Aufkauf von Unternehmen zurückgezogen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, so wird sich die Unternehmensfinanzierung international erheblich erschweren, was auf die Konjunkturen drücken würde.


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global news 769 03-06-07: Reichtum und Top-Gehälter: Gleicher Bevölkerungs-Anteil an Superreichen wie in USA

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Die Welt teilt sich mit rasanter Geschwindigkeit in Reich und Arm. Und die Reichen teilen sich nochmal in Einfach-Reiche und Super-Reiche. Der englische Begriff „High Net Worth Individuals" oder HNWI bezeichnet Menschen mit mehr als 1 Million Dollar investierbares Kapital, d.h. ohne ihre Hauptimmobilie und Verbrauchsgüter. Daneben gibt es noch die Kategorie der Ultra-Super-Reichen mit mehr als 30 Millionen Dollar Vermögen. Viele Menschen in aller Welt glauben noch immer geduldig, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können, obwohl das immer mehr an Wunder grenzt. Wer die Teilung der Welt kritisiert, gilt in den betuchten Kreisen nur noch als Sozialneider. Seit der Kommunismus oder auch ein echter Sozialismus verschwunden sind, fühlen sich die Reichen und Super-Reichen immer mehr in ihren angestammten Rechten, auch wenn sie durch Ausbeutung dazu gekommen sind. Hier ein Überblick aus dem schon etwas obszönen 2007 Welt Reichtum-Bericht von Merrill Lynch und Capgemini:

    » Die Zahl der Super-Reichen ist 2006 um 8,3 % auf 9,5 Millionen Menschen gestiegen.
    » Ihr Vermögen beträgt nun 37,2 Billionen $, ein Plus von 11,4 % gegen Vorjahr (Abb. 03608).


    » Der Reichtum profitierte vom allgemeinen Wirtschaftswachstum und spekulativem Anstieg der Vermögenswerte.
    » Das größte Wachstum in der Zahl der Super-Reichen wurde in Singapur, Indien, Indonesien und Rußland verzeichnet.
    » Das Vermögen der Superreichen soll bis 2011 auf 51,6 Billionen Dollar ansteigen. Zum Vergleich: Das gesamte Geldvermögen mit allen Finanzanlagen der deutschen Haushalte betrug im vergangenen Jahr 6,1 Billionen Dollar, also wenig mehr als ein Zehntel.
    » Die Zahl der Ultra-Super-Reichen stieg 2006 um 11,3 % auf 94.790 Menschen mit einem besonders starken Vermögenszuwachs von 16,8 % (um die Hälfte stärker als bei den „nur" Super-Reichen) auf 13,1 Billionen Dollar oder etwa das Doppelte des Geldvermögens aller deutscher Haushalte. 40 % der Ultra-Super-Reichen leben in USA.
    » Die Zahl der Super-Reichen ist in Deutschland um 4 % auf 798.000 Menschen gestiegen. Das ist mit großem Vorsprung vor dem Rest nach den USA die zweithöchste Zahl. Unter den einzeln ausgewiesenen Ländern hat Deutschland nach Australien und zusammen mit USA den höchsten Anteil an Millionären (Abb. 03609).


Früher waren es nur die Eigentümer der Unternehmen und Erben großer Vermögen, die als super-reich zu bezeichnen waren. Heute sammelt sich mit den Top-Gehältern der Manager viel Super-Reichtum an. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit 13,055 Millionen Euro Jahresverdienst beispielsweise könnte allein mit diesem Verdienst jedes Jahr für weitere 18 neue Super-Reiche stehen. Insgesamt zahlten die im europäischen Stoxx 50 Chart gelisteten Konzerne ihren Vorständen die Summe von 1,3 Milliarden Euro, die Vorstände der im Dax gelisteten Unternehmen kamen auf eine Gesamtvergütung von rund 525 Millionen Euro. Bei den deutschen Dax-Unternehmen wuchsen die Vorstandsgehälter mit 14,5 % noch kräftiger als im europäischen Stoxx-Durchschnitt.

Im Schnitt verdiente der Vorstandschef eines Dax-Unternehmens 4,287 Millionen Euro und der eines mittleren MDax-Unternehmens immer noch 2,145 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung gegenüber 2005 von 14,2 Prozent bei den Dax-Chefs, von 14,3 Prozent bei den Stoxx-Chefs und von 8,7 Prozent bei den Chefs der MDax-Unternehmen. In den vergangenen fünf Jahren legten die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Konzerne bei ihren Bezügen um nicht weniger als 50 Prozent zu, während die Einkommen ihrer Arbeitnehmer real stagnierten oder sogar zurückliefen.

Wolfgang Kaden zitiert in seinem SPIEGEL-Bericht den ehemaligen Chef eines deutschen Autokonzerns: „Die derzeitige Managergeneration verhält sich wie die Junker im Kaiserreich. Die sind genauso ohne jede Sensibilität für politische Strömungen, nur auf Besitzstandswahrung bedacht."

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global news 768 02-07-07: Deutschland als Exporteur von Spitzentechnologie unter "ferner liefen"

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Nach dem neuesten Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands des Bundesministeriums für Bildung und Forschung konzentrieren sich Deutschlands Exporte von FuE-intensiven Waren sich auf Güter der gehobenen Gebrauchstechnologie. Auf sie entfielen im Jahr 2004 72 Prozent der gesamten Ausfuhren von Technologiegütern. Dementsprechend gering ist die Bedeutung von Spitzentechnologieerzeugnissen. Unter den größeren hoch entwickelten Industrienationen weisen nur Kanada und Italien noch niedrigere Anteile der Spitzentechnologie auf (Abb. 12548). In der Spitzentechnologie erzielte Deutschland 2005 in Summe kaum einen Exportüberschuss.


Deutschlands rangiert beim Exportüberschuss bei Technologiewaren zwar pro Kopf nach Schweiz, Finland, Schweden und Japan auf dem 4. Platz (Abb. 12549). Er ist aber fast ausschließlich auf die gehobene Gebrauchstechnologie zurückzuführen. Hier sind es insbesondere der Automobilbau, der Maschinenbau und die Chemieindustrie, die zusammen für über 58 Prozent des gesamten deutschen Außenhandelsüberschusses und für über 85 Prozent des Exportüberhangs bei FuE-intensiven Waren verantwortlich sind. Dies sind Güter, wie zum Beispiel Autos, deren Hersteller sich vielfach schon mittelfristig mit neuer Konkurrenz, vor allem aus China werden herumschlagen müssen.


Bei nachlassendem Gewicht des Spitzentechniksektors in Deutschland ist es damit letztlich fast ausschließlich der Automobilbau, dem die deutsche Wirtschaft ihre immer noch überdurchschnittlich hohe FuE-Intensität zu verdanken hat: Über die Hälfte des Zuwachses der FuE-Aufwendungen in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre fand im Automobilbau statt. Fast ein Viertel der gesamten FuE-Aufwendungen im Automobilbau in der OECD werden in Deutschland erbracht. Damit wird das deutsche Innovationssystem immer stärker vom Automobilbau abhängig.

Das "Info Tech 100"-Ranking des US-Magazins "Business Week" nennt 13 Hersteller aus Taiwan und fünf aus Indien - aber mit SAP nur ein einziges deutsches Unternehmen. Auch die Zukunft ist verspricht für Deutschland in dieser Hinsicht gegenwärtig nicht viel. Nicht einmal jedes hundertste neu gegründete Unternehmen in Deutschland ist im Bereich der Spitzentechnologie angesiedelt.

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global news 767 30-06-07: Die chinesische Herausforderung: Und morgen kauft uns China

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Zur Erinnerung: China ist ein staatskapitalistisches Land in Bilderbuchmanier. Die kommunistische Partei hat die absolute Kontrolle. Marktwirtschaft gilt nur im Rahmen dieser Kontrolle. Niemand kommt in eine einflußreiche Wirtschaftsposition, ohne daß die Partei dies abnickt. Die Banken und damit das Kreditsystem sind staatlich. Die gigantischen Währungsreserven unterliegen natürlich der Kontrolle der Partei, auch soweit sie jetzt in einen ebenso gigantischen Investitionsfonds fließen werden, mit dem sich China im Ausland einkaufen will. China manipuliert seit Jahren den Wechselkurs seiner Währung, subventioniert den Export durch billige Kredite und erlaubt die bittere Ausbeutung seiner hunderte von Millionen starken Armee an Wanderarbeitnehmer. Die Preise steigen, immer mehr arme Menschen können sich keine Grundnahrungsmittel mehr leisten. Deshalb soll in diesem Jahr der Mindestlohn erhöht werden. Ende vergangenen Jahres lag der Höchstsatz in der Boom-Stadt Shenzhen bei 810 Yuan (rund 78 Euro) im Monat, der niedrigste Satz in der östlichen Provinz Jiangxi dagegen bei 270 Yuan (26 Euro).

Wegen der staatlichen Devisenkontrollen müssen chinesischen Firmen, die einen Großteil ihrer Produkte ins Ausland verkaufen, die eingenommenen Dollar bei der Regierung in chinesische Yuan eintauschen. So ist der höchste Berg an Währungsreserven aufgewachsen, den jemals ein Land der Welt zusammengebracht hat. Sie werden in diesem Jahr noch auf rund 1,7 Billionen anwachsen. In nur 12 Monaten bis Januar 2007 hat China bei dem Versuch, die eigene Währung billig zu halten, weitere 259 Mrd Dollar an Währungsreserven angehäuft (Abb. 08028). Diese Währungsreserve wächst jetzt täglich um durchschnittlich 1,5 Milliarden Dollar.


Der Ständige Ausschuss des Volkskongresses billigte heute in Peking die Pläne des Finanzministeriums, für 1,55 Billionen Yuan Schatzanleihen auszugegeben, die dem Kauf von 200 Milliarden Dollar aus Devisenreserven dienen werden. Das Kapital fließt als erste Tranche in die neue Anlagegesellschaft, die sich im Ausland einkaufen soll und bereits im Mai drei Milliarden Dollar in den amerikanischen Hedge-Fonds Blackstone investiert hatte. Die chinesische Regierung kündigte bereits an, sich künftig als Großinvestor zu betätigen und weltweit in lukrative Firmen zu investieren. Natürlich wird China nur einen Teil der Währungsreserven in den neuen Fonds fließen lassen, zumal die Ausgabe von Dollar zum Kauf von Unternehmen, den Wert des Dollars drücken und damit einen unerwünschten Aufwertungseffekt für den Yuan haben könnte. Wenn bei weiter steil wachsenden Devisenreserven auch nur die Hälfte der heutigen Reserven in so einem Fonds landen würde oder die zusätzlichen Reserven von wenig mehr als einem Jahr, könnte man damit eine Menge kaufen. Nur um eine Größenordnung zu vermitteln, hier eine Gegenüberstellung mit dem Aktienkapital der größten deutschen Unternehmen (Abb. 03607).


Mit sehr viel weniger Geld kann man sich in kleinere Unternehmen mit Spitzentechnologie einkaufen und völlig legal Technologie nach China transferiern, für deren Entwicklung man sonst viele Jahre brauchen würde. Wie das geht, hat China beispielsweise mit dem Erwerb von Rover in Großbritannien und der von BMW dort aufgerüsteten Technologie bewiesen: Rovers werden jetzt in China gebaut und für den Angriff auf die Weltmärkte vorbereitet. Auch kann man so sehr einfach Markennamen und Kundschaft übernehmen. Die Kunden merken dann oft nicht einmal, daß sie es mit China Inc. zu tun haben.

Kleiner Trost: Die Chinesen werden nicht nur in Deutschland einkaufen. Die Naivität im Umgang mit China ist jedenfalls bedrückend. Die Bundesregierung will eine Kontrollstelle für Staatsfonds einführen, die deutsche Industrie protestiert!

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extra global news 766 29-06-07: Nochmal: Einzelhandelsumsatz im Mai und irreführende Kommentierung des Statistischen Bundesamts

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Das Statistische Bundesamt kommentiert den Einbruch beim Einzelhandelsumsatz im Mai 2007 heute so: „ Zudem liefen die Geschäfte der Einzelhändler im Mai 2006 außergewöhnlich gut (Anstieg des Umsatzes um nominal 4,8% und real 4,1% gegenüber Mai 2005)". Damit hat das Amt erreicht, daß diese sicher nicht ins Konzept der Bundesregierung und in die sonst mit „Kaufrausch" verbreitete Situation passende Meldung keine Beachtung in den online-Diensten der deutschen Medien gefunden hat.

Dabei war der Mai 2006 nur im Vergleich zum besonders schlechten Mai 2005 gut, ansonsten gar nicht, zumal offensichtlich zwischen Dezember 2005 und Januar 2006 ein Statistikbruch stattgefunden haben muß (siehe Abb. 04905). Diese Erklärung mit Verweis auf Mai 2005 ist daher absolut irreführend und sollte des deutschen Statistikamts nicht würdig sein.


Ich habe das StaBuA angeschrieben und werde über die Antwort berichten.

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global news 765 29-06-07: Einzelhandelsumsatz wieder im Rückzug: Kein Kaufrausch in Sicht

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Nachdem das Statistische Bundesamt gestern für Mai einen Rückgang des Großhandelsumsatzes um 1,8 % gemeldet hatte, folgt heute die Meldung, daß der Einzelhandelsumsatz gleich um 3,7 % zurückgefallen ist. Dabei hört das Gerede in den deutschen Medien vom „Konsumrausch" gar nicht auf, als wolle man Fakten einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Es zeigt sich auch einmal mehr, wie hier mit irreführenden Meinungsumfragen gearbeitet wird; so meldete die Gesellschaft für Konsumforschung erst vor wenigen Tagen unter dem Titel „Kauflaune erwacht": „Der Aufwärtstrend des Konsumklimas hat sich auch im Juni fortgesetzt."

Kalender- und saisonbereinigt lag der Einzelhandelsumsatz um 1,8 % unter dem Wert für April (Abb. 04214) und um 4 % unter dem MWSt-bestimmten Wert vom Dezember 2006. Das Statistische Bundesamt tut sich offensichtlich schwer mit dieser Entwicklung und fühlt sich zunehmend veranlaßt, schlechte Entwicklungen einfach wegzuinterpretieren. In diesem Fall wird darauf hingewiesen, daß die Geschäfte der Einzelhändler im Vergleichsmonat Mai 2006 außergewöhnlich gut gelaufen seien und wird dafür ziemlich weit hergeholt der Mai 2006 mit dem Mai 2005 verglichen. Das hilft allerdings überhaupt nicht über die enttäuschende Entwicklung Monat für Monat in 2007 hinweg, und außerdem war der Mai 2006, wie Abb. 04214 zeigt, keineswegs ein ungewöhnlich günstiger Monat.


Diese verquere Interpretation des Statistischen Bundesamts hat offensichtlich ausgereicht, um das Interessen der Medien an der Meldung auszuräumen; jedenfalls gibt es bisher in den online-Diensten keine Meldungen. Die WELT beruft sich statt dessen auf Hoffnungen des Branchenverbands und titelt optimistisch „Kaufparty auf das zweite Halbjahr verschoben" Wann kehrt hier endlich Ehrlichkeit in der Bewertung der Verbraucherkonjunktur ein? Solange die Arbeitseinkommen nicht deutlicher und nachhaltiger steigen und die Arbeitslosigkeit nicht echt erheblich zurückgeht, werden die Verbraucher in vernünftiger Logik vorsichtig bleiben.

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global news 764 29-06-07: Der Arbeitsmarkt im Juni

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Der neue Schwerpunkt zum Arbeitsmarkt im Juni stellt die Entwicklungen im einzelnen dar.

Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen kräftigen Anstieg (8,3 Prozent bzw. 274.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung, also Leiharbeit, getragen wird. Im Klartext: 30 % des Rückgangs an Arbeitslosigkeit und 57 % der Gesamtzunahme an Beschäftigung über ein ganzes Jahr entfällt bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge.

Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten, die nicht als arbeitslos gemeldet werden, liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Mai 4,93 Mio betragen, 131.000 mehr als vor einem Jahr; diese Zahl lag vor einem Monat noch bei 39.000 mehr, ist also stark angesprungen und hat das Juni-Ergebnis mit dem Rückgang von 125.000 gegen Mai um fast 100.000 aufgebessert. Im Klartext: ca. 80 % des Rückgangs der Arbeitslosigkeit gegen Vormonat.

Sehr enttäuschend auch, daß die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze nach den letzten Zahlen für April gegenüber dem Vormonat mit einem Minianstieg um 147 Tausend oder 0,55 % praktisch stagniert. 2,07 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus (gegenüber dem Vorjahr 228.000 mehr - ein Anstieg, der bereits mehr als einem Drittel der Gesamtzunahme an versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen entspricht), was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.

Abb. 04904 zeigt in welchem Umfang der Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Anstieg versicherungspflichtiger Arbeitsplätze durch prekäre Arbeitsverhältnisse und die demographische Entwicklung bestimmt ist.


Die Beschäftigung stagniert denn auch praktisch im Vergleich Mai zu April bei einem sehr schwachen Plus von 0,04 % (Abb. 04903); die Begründung des Statistischen Bundesamts: „Die Abflachung des saisonbereinigten Anstiegs resultiert zum Teil aus der durch die milde Witterung begünstigten Entwicklung der Erwerbstätigkeit in den Wintermonaten ist im Vergleich Mai zu April nicht glaubwürdig.


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global news 763 28-06-07: Struktureffekte der Beschäftigung: Mc Jobs

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Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat im Juni-Report den gegenwärtigen Konjunkturzyklus mit dem vorangegangenen verglichen und ist dabei zum Ergebnis gekommen, daß die Arbeitsmarktreformen im Aufschwung bisher kaum Wirkung zeigen. Eigentlich sollten sie den Arbeitslosen genug Anreize und Druck verschaffen, um sie so in die Beschäftigung zu bringen. Statt dessen arbeiten schon Beschäftigte länger und wird der Rückgang der Arbeitslosigkeit von statistischen Kontrollen und einem wegen der demographischen Entwicklung rückläufigen Arbeitskräftepotential angetrieben. Die Beschäftigungsentwicklung verläuft daher bisher jedenfalls - verglichen mit dem vorangegangenen Zyklus - ausgesprochen enttäuschend (Abb. 04902).


Ein im Vergleich zum vorangegangenen Zyklus erheblich geringerer Teil der Abgänge aus der Arbeitslosigkeit landet in Beschäftigung (Abb. 04901). Statt dessen geht ein höherer Anteil in Ausbildung und Qualifizierung. IMK hat allerdings nicht ermittelt, was davon nur Warteschleifen sind.


Eine neue Datenbank von Eurostat/Klems zeigt, in welchen Ländern in einer „Wissensgesellschaft" der Akademikeranteil unter Berufseinsteigern deutlich höher ist als in der etablierten Erwerbsbevölkerung und durch die Verschiebung der Beschäftigungsstruktur sowohl Produktivitätswachstum wie allgemeines Bruttoinlandsprodukt zunehmen. In Deutschland sollte der Effekt eigentlich ebenfalls relativ groß sein. Denn der Akademikeranteil ist im Vergleich zu anderen reichen Industrieländern niedrig, entsprechend groß ist das Potenzial für hohe Steigerungsraten. Dennoch ist in Deutschland ist der Effekt, der sich aus Verschiebungen der Beschäftigungsstruktur ergibt, mit nur 1 % am Bruttoinlandsprodukt zwischen 1995 und 2004 per saldo geringfügig (Abb. 12545). In Frankreich etwa trug er 4 Prozentpunkte zum Wachstum der Privatwirtschaft bei. Inzwischen könnte der Effekt für Deutschland sogar ein negatives Vorzeichen haben. Die vielen jungen Arbeitnehmer, die nun auf den Arbeitsmarkt kommen, sind unerfahren und haben teilweise ihre Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen. Dem Eurostat/Klems-Bericht zufolge ist die Produktivität in der deutschen Industrie zwischen 1995 und 2004 zwar kräftig gestiegen. Im Dienstleistungssektor dagegen, der auch in Deutschland weit mehr Menschen beschäftigt als die Industrie, sind die Zuwachsraten gegenüber dem Vergleichszeitraum 1980 bis 1995 gefallen. Der Grund, heißt es in dem Bericht, ist „ein wachsender Anteil von Dienstleistungen mit geringer Produktivität". Mit den Worten des Kommentators der Financial Times Deutschland : „Nicht das Entstehen hochwertiger, hochproduktiver, hoch bezahlter Jobs für Investmentbanker, Ingenieure oder Informatiker dominiert seit Jahren die Entwicklung im Dienstleistungssektor. Sondern jene McJobs, mit denen wir, die selbst ernannte Wissensgesellschaft, so gern angelsächsische Volkswirtschaften in Verbindung bringen."


Zu einer ausführlichen Beurteilung der neuesten Juni-Daten vom Arbeitsmarkt siehe ab Donnerstag Mittag hier.

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global news 762 27-06-07: Neue Bundesländer - Trumpfkarte oder Achillesferse in der Globalisierung?

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Es ist nun zunehmend deutlicher geworden, wie schwierig die Aufholjagd bei hohen Finanzierungskosten, hoher Arbeitslosigkeit und falsch behandeltem fortschreitendem Globalisierungsdruck aus der Weltwirtschaft wird. Beunruhigend ist auch die demographische Prognose für die NBL. Bisher jedenfalls hat sich die Chance eines wirtschaftlichen Neuanfangs längst nicht so auswirken können wie seinerseits der Wiederaufbau in Westdeutschland. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen. Das Zusammenfallen von durch die neoliberale Globalisierung bedingten Billigstimporten aus Osteuropa und Asien mit den gravierenden Entwicklungsproblemen der NBL ist für ganz Deutschland zum Problem geworden. Unternehmen aus dem Altbundesgebiet, die sich sonst gern in den NBL angesiedelt hätten, um die noch vorhandene Spanne bei den Arbeitskosten auszunutzen, werden heute viel häufiger den Weg nach Osteuropa oder Asien finden, wo die Kosten noch weit niedriger sind.

Sicher sind die NBL auf ihrem Weg zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft seit der Wiedervereinigung ein beträchtliches Stück vorangekommen. Seit etwa 1996 stagniert jedoch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung auf dem Niveau von zwei Dritteln desjenigen der Alten Bundesländer (Abb. 10005). Der Produktivitätszuwachs war in den letzten zwei Jahren kaum höher als im Altbundesgebiet und beispielsweise über die letzten 5 Jahre nur halb so hoch wie in der Slowakei (Abb. 1004). Mit den enormen Finanztranfers aus dem Altbundesgebiet ist es also nicht gelungen, den Produktivitätszuwachs in den NBL wenigstens auf dem Niveau der benachbarten Länder Osteuropas zu halten.



Nach den ergänzenden Daten zur 11. Bevölkerungsverausberechnung vom Mai 2007 werden die NBL bis 2050 fast die Hälfte der Bevölkerung im Erwerbsalter (Abb. 10021). Der Altenquotient wird auf 80 %, der Jugend- und Altenquotient auf 105 % steigen (Abb. 10027), d.h. auf jeden Erwerbstätigen werden mehr etwas mehr Alte und Junge kommen, die von ihm unterhalten werden müssen.


Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt.

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global news 761 26-06-07: Auch die Alpenländer liegen im Sozial- und Wirtschaftsvergleich vor Deutschland

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Nach Skandinavien folgt nun auf einer neuen Schwerpunktseite der Systemvergleich mit den Alpenländern Österreich und Schweiz. Es ist die 131. Schwerpunktseite und der 7. Systemvergleich nach Frankreich, Großbritannien, USA, Indien, China und Skandinavien.

Die Daten der Alpenländer sind ein relativ überzeugender Beweis für einen im Vergleich zu Deutschland besseren Wohlstandskurs, der vor allem aufbaut auf: höheren Einkommens-und Gewinn-Steuern (Abb. 12515), einem viel besser finanzierten Bildungssystem (Abb. 12514), höheren Arbeitseinkommen und einer besseren Integration der Frauen sowie der Immigrantenkinder in den Arbeitsmarkt. Den eigentlichen Erfolg gegenüber Deutschland verzeichnen die Alpenländer bei der Arbeitslosenquote. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist um 78 % niedriger (Abb. 12517), die Arbeitslosigkeit insgesamt um 47 %. Hier zeigt sich, wie schon beim Vergleich mit Skandinavien, die bittere Kehrseite des deutschen Modells mit gedrosselten Arbeitseinkommen, einer viel schlechteren Verbraucherkonjunktur (Abb. 12516) und unzureichenden Investitionen in die Bildung, vor allem in der Grundschulstufe. Nicht überraschend war dann auch das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren besser als in Deutschland (Abb. 12518). # Die neue Schwerpunktseite berichtet ausführlich mit 23 Abbildungen und einer Übersicht.






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extra global news 760 25-06-07: US Acting Under Secretary for International Affairs Clay Lowery über die Superheuschrecken vom Typ Offizielle Reichtum-Fonds

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Es ist schon interessant, wenn sich die amerikanische Regierung auf einer Konferenz der Federal Reserve Bank San Francisco vom 21. Juni 2007 kritisch mit den immer stärker wuchernden Offiziellen Reichtum-Fonds („Sovereign Wealth Funds") beschäftigt. Dazu liefert Lowery zunächst ein paar Größenordnungen. Die globalen Währungsreserven der Überschußländer stiegen noch zwischen 1997 und 2002 um etwa 6 % pro Jahr. Seitdem beträgt der durchschnittliche jährliche Anstieg phänominale 20 %. Der Gesamtbetrag liegt derzeit bei ungefähr 5,6 Billionen Dollar. Doch diese Zahlen enthalten noch nicht die Offiziellen Reichtum-Fonds, in die einige Überschußländer ihre Reserven oder einen Teil davon einbringen und deren globale Größe auf 1,5 bis 2,5 Billionen Dollar geschätzt wird (Abb. 03604). Zusammen mit den offiziellen Reserven geht es also um einen Betrag in Höhe von 15 % des globalen Sozialprodukts der Welt.


Aus den Offiziellen Reichtum-Fonds ergeben sich zusätzliche Risiken für das internationale Finanzsystem. Offizielle Reichtum-Fonds werden noch viel größer werden. Ihre Investmentpolitiken sind unbekannt. Sie werden nicht direkt reguliert. Kleinere Kommentare oder Gerüchte über das Verhalten der Fonds können Unsicherheiten an den Märkten erzeugen. Die Investitionen dieser ausländischen Fonds können den Protektionismus hochfahren. Wenn Offizielle Reichtum-Fonds die operationelle Kontrolle von Unternehmen gewinnen, kann der Umstand, daß sie Regierungen gehören, zusätzliche Probleme schaffen.

Lowery kommt zu dem Ergebnis, Länder sollten nur soviel ausländische Anlagen erwerben, wie sie brauchen. Hier zeigt sich deutlich die Sorge der USA vor einem Aufkauf durch solche staatlichen Fonds. Der neueste und wahrscheinlich am Ende größte wird der aus China sein.

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global news 759 25-06-07: Internationale Bank für Zahlungsausgleich: Schlechtes Bild für Deutschland bei Vermögensentwicklung und Verbrauch der Haushalte

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Die BIZ kümmert sich in ihrem neuesten Jahresbericht um den Konsum der privaten Haushalte in den fortgeschrittenen Industrieländern. Der eindeutige Außenseiter ist wieder einmal Deutschland und - wenn auch weniger ausgeprägt - Japan.

Wie ich immer wieder berichtet habe, sind bei den meisten Vergleichsländern die Arbeitseinkommen normal gestiegen, außer in Deutschland. Vor allem aber wurde der Konsum durch einen kräftigen Anstieg der Vermögenswerte befördert, außer in Deutschland und Japan (Abb. 12540).


Dies lag an dem günstigen Aktienmarkt und an der Entwicklung der Wohnimmobilienpreise. Bei steigenden Immobilienpreisen konnten die Eigentümer zudem einen Teil ihres Konsums über langfristige und zinsgünstige Hypotheken finanzieren (Abb. 12537).


Von beiden Faktoren konnte Deutschland nicht oder nur weniger profitieren. Die Immobilienpreise stagnierten nur in Deutschland (Infoportal: auch wegen der schlechten Einkommensentwicklung), die Hypothekenverschuldung ging hier am stärksten aller Vergleichsländer zurück (Abb. 12538). Die privaten Haushalte in Deutschland sind im Vergleich zu den USA oder Großbritannien Aktien-Muffel oder gar -flüchtlinge.


In den Worten der BIZ: „Die Vermögenspositionen der privaten Haushalte haben im gegenwärtigen Aufschwung in den meisten fortgeschrittenen Volkswirtchaften einen rasanten und breit abgestützten Wertzuwachs erfahren. Seit Ende 2002 ist das Verhältnis des Gesamtvermögens zum verfügbaren Einkommen in den USA, im Euro-Raum und in Großbritannien um etwa 15 - 20 % gestiegen" (Abb. 12539). Leider weist die BIZ die deutsche Entwicklung nicht besonders aus. Man kann sie aber aus dem neuesten Monatsbericht der Bundesbank für Juni entnehmen, wobei die Bundesbank das Immobilien- und sonstige Sachvermögen wie schon in den letzten Jahren auf 4,8 Billionen Euro schätzt, also ohne Steigerung (angesichts der stagniereden bis rückläufigen Immobilienpreise ist das plausibel). Dann lag der Vermögensanstieg in Deutschland nicht bei 15 - 20 % sondern nur um 2 %.


Kein Wunder dann: Überall stiegen die privaten Konsumausgaben in Prozent der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte zwischen 2003 und 2006, nur nicht in Deutschland (Abb. 12535 und 12536).



Kommentar: Die schlechte Entwicklung der verfügbaren Einkommen, die sehr mäßige Vermögenssteigerung der privaten Haushalte durch Aktienkurse und Immobilienpreise und die schleppenden privaten Konsumausgaben haben sich natürlich in Deutschland auf die Binnenkonjunktur insgesamt übertragen und Deutschland immer mehr vom Export und seinen Risiken abhängig gemacht, gleichzeitig aber auch die Arbeitslosigkeit hochgehalten (höchste Langzeitarbeitslosigkeit nach Griechenland!). Das ist ein Teufelskreis, den man so nur in Deutschland findet und aus dem Deutschland auch in diesem Jahr nach den bisherigen Ergebnissen noch nicht ausgebrochen ist. Bei der Einkommens- und Vermögensentwicklung ist noch zusätzlich zu berücksichtigen, daß Deutschland in den letzten Jahren eine besonders starke Spreizung erlebt hat, also die weniger gut Situierten in der Einkommens- und Vermögensentwicklung besonders stark gelitten haben, zumal sie an der Aktienhausse keinen Anteil hatten.

Die Berechnungen selbst einer so neutralen und eher konservativen Instanz wie der BIZ zeigen es mit nicht zu überbietenden Deutlichkeit: Der von der deutschen Industrie Hand in Hand mit verschiedenen Bundesregierungen durchgesetzte deutsche Sonderweg stellt sich im internationalen Vergleich über die Jahre seit etwa 2000 trotz der Exporterfolge als ein teuer erkauftes soziales und wirtschaftliches Desaster dar. Die Lebensqualität der großen Mehrheit der Deutschen, die sich nicht zuletzt in sorgenlosen Einkaufsmöglicheiten der privaten Haushalte beweisen sollte, hat schwer gelitten.

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global news 758 23-06-07: Die OECD bringt es ans Licht: Deutschland Niedriglohnland unter den entwickelten Industrieländern

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Nach dem neuesten OECD-Bericht „Beschäftigungsausblick" lag Deutschland 2005 in den Arbeitseinkommen unter den entwickelten Industrieländern (ohne Osteuropa) auf dem 16. Platz. Danach kommen nur noch Kanada, Italien, Spanien, Griechenland, Korea und Portugal (Abb. 12533). Seit 2005 dürfte Deutschland noch weiter abgerutscht sein.


Bei der realen Steigerung der Arbeitseinkommen zwischen 2000 und 20005 war Deutschland unter den Schlußlichtern der Entwicklung (Abb. 12534).


Wenn man die europäischen Länder (ohne Osteuropa) sowie USA, Kanada und Japan vergleicht, so ist in keinem dieser Länder die Schere zwischen den Top 10 % der Arbeitseinkommen und den untersten 10 % soweit aufgegangen wie in Deutschland (Abb. 12527).


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extra global news 757 22-06-07: Auch der Ifo-Index schaltet zurück

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Nach dem von den „Experten" unerwarteten Fall des ZEW-Index der Finanzexperten hat nun auch der Ifo-Geschäftsklima-Index nachgegeben (Abb. 04731 und 04589).



Die Erklärungen des Prof. Sinn entsprechend der üblichen „Rumeierei" bei solchen Entwicklungen, die nicht ins Konzept passen: „Beide Komponenten des Geschäftsklimas sind aber nach wie vor auf einem hohen Niveau und sprechen für eine weiterhin robuste Konjunktur." Dann wird aber die besondere Eintrübung im Einzhelhandel und im Bauhauptgewerbe eingeräumt: „Im Einzelhandel ist der Geschäftsklimaindex gesunken. Die Unternehmen stufen ihre aktuelle Situation ungünstiger ein, ihre Perspektiven für die kommenden sechs Monate haben sich jedoch aufgehellt. Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima spürbar verschlechtert. Insbesondere die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage, aber auch die Erwartungen haben sich abgeschwächt. Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima leicht eingetrübt. Die Umfrageteilnehmer bewerten die aktuelle Lage nahezu unverändert, während sie ihre Perspektiven ungünstiger als im Vormonat einschätzen."

Was wird nun wohl der Bundeswirtschaftsminister, der sich immer gern auf Ifo für seine eigene sonnige Perspektive beruft, daraus machen? Hier seine Interpretation: „Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen wurden etwas weniger optimistisch beurteilt. Insgesamt spricht das Geschäftsklima für eine weiterhin stabile konjunkturelle Aufwärtsentwicklung. Im Einzelhandel trübte sich die Beurteilung der Geschäftslage ein, während sich die Beurteilung der Geschäftserwartungen etwas aufhellte. Bei einem historisch gesehen weiterhin recht zuversichtlichen Geschäftsklima und insbesondere optimistischen Geschäftserwartungen rechnen die Einzelhändler offensichtlich mit steigenden Umsätzen. Diese Erwartung wird durch die Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung der privaten Haushalte gestützt." Doch die Beschäftigungsentwicklung ist durch schlecht bezahlte Leiharbeit und andere Formen unsicherer Zeitverträge gezeichnet. Die Einkommensentwicklung der privaten Haushalte wird kaum Entlastung bringen, es sei denn man knüpft an die Besserverdiener Erwartungen, die jedoch in erster Linie ihre Sparquote hochfahren (sie haben schon fast alles).

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global news 756 22-06-07: Neues vom „alten Hut": Diesmal Finanzkapitalismus

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Die Financial Times brachte am letzten Dienstag einen langen Bericht ihres Chef-Ökonomen Martin Wolf unter dem Titel „Der Neue Kapitalismus - Wie die freigelassene Finanzwirtschaft die globale Wirtschaft schnell umgestaltet". Und hier noch ein wörtliches Zitat dieses an sich konservativen Geistes: „Nach dem Fall des Kommunismus hat eine neue revolutionäre Periode begonnen. Der Kapitalismus mutiert noch einmal. Wir haben den Triumpf des Globalen über das Lokale, des Spekulanten über den Manager, des Finanziers über den Produzenten. Gleichzeitig gab es einen großen Einkommensschub von der Arbeit zum Kapital".

Interessant aus dieser Analyse sind ein paar Fakten, die man ständig wenigstens in Umrissen vor Augen haben sollte, wenn man die Wirtschaftswelt von heute begreifen will und nicht der Theorie von der Globalisierung als „altem Hut" anhängt. Der Anteil von Finanzanlagen am Weltsozialprodukt explodierte von 109 % in 1980 auf 316 % und den astromonischen Betrag von 140 Billionen Dollar in 2005 (Abb. 03599). In der Eurozone war der Anstieg noch stürmischer, nämlich allein zwischen 1995 und 2005 von 180 % auf 303 %.


Die Finanzwirtschaft ist heute weit mehr tansaktionsorientiert. Waren 1980 noch 42 % aller Finanzanlagen in der Form von Bankkonten, so ist dieser Anteil bis 2005 auf nur noch 23 % gefallen. Während traditionellerweise in Obligationen, Aktien, Waren und Währungen gehandelt wurde, sind seitdem komplexe neue Finanzprodukte, wie Derivative, das sind meist Finanzwetten auf Zeit, in riesigem Umfang dazugekommen. Der ausstehende Werte von Swaps in Zinssätzen und Währungen sowie Zinsoptionen hat nach einem Anstieg auf das 83-Fache seit 1990 inzwischen die Höhe des Sechsfachen des Weltsozialprodukts erreicht und der Anstieg hält an (Abb. 03600).


Neue Spieler, wie Hedgefonds und Private Equity Unternehmen, sind dazu gestoßen. Die Zahl der Hedgefonds ist von nur 610 in 1990 auf 9.575 im 1. Quartal dieses Jahres explodiert. Sie verwalten inzwischen schon 1,6 Billionen Dollar an Vermögen (Abb. 03464). Private Equity Unternehmen konnten allein im vergangenen Jahr 432 Mrd Dollar aufnehmen. Der neue Finanzkapitalismus ist dabei immer globaler: Der Anteil international gehaltener Finanzanlagen der reichen Länder sprang von 50 % ihres Bruttoinlandsprodukts in 1970 auf 330 % in 2004.


Es gibt viele Erklärungen für diese Entwicklung. Eine verweist auf die Schwemme an globalen Ersparnissen und dementsprechend an Liquidität. Niedrige Zinsraten und die Anhäufung liquider Finanzanlagen (nicht zuletzt durch die Überschußländer, vor allem Deutschland, China und die Ölländer) hat die Finanztechnik und die Anlage mit hohem Kreditanteil hochgetrieben. Es ist damit viel einfacher geworden, andere Unternehmen zu übernehmen. Das Volumen von M & A hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert von fast 4 Billionen Dollar erreicht, der in diesem Jahr vorrausichtlich erneut überboten wird (Abb. 03601).


Wieviel von dieser gewaltigen Bewegung (siehe auch Größenvergleich mit deutschem Bruttoinlandsprodukt Abb. 03602) strukturell und wieviel temporär ist, wird nach Martin Wolf erst die nächste Krise zeigen. Er hat wohl recht, leider. Allerdings fürchte ich, daß angesichts des nicht temporären Zulaufs von 1,5 Milliarden Billigstarbeitnehmern sehr viel, viel zu viel dieser Bewegung strukturell ist.


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global news 755 21-06-07: EU-Gipfel: Was die Menschen in Europa wollen

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Rechtzeitig vor dem EU-Gipfel hat die Financial Times über das renomierte Harris Institut eine Meinungsumfrage unter mehr als 6.000 EU-Bürgern in 5 Ländern vornehmen lassen.

Die Umfrage zeigt, daß sich in Deutschland und Großbritannien, den Ländern ohne Referenden, nur etwa die Hälfte der Bürger gut oder ungefähr informiert fühlt, was der Verfassungsvertrag eigentlich bedeutet (Abb. 06064). In Deutschland liegt der Anteil bei gerade einmal 54 %. Dieses Ergebnis unterstreicht die Wichtigkeit von Referenden, um die Bürger für die EU überhaupt zu interessieren.


Große Mehrheiten sind in allen Ländern dafür, daß der überarbeitete Verfassungsentwurf in den Ländern, die ihn noch nicht angenommen haben, einem Referendum unterworfen wird (Abb. 06065). In Deutschland liegt der Anteil bei 71 % und läßt damit darauf schließen, daß auch in Deutschland ein Referendum der richtige Weg gewesen wäre. Allerdings werden die Politiker genau diesem Wunsch der Mehrheit ihrer Bürger nicht entsprechen.


Der Verfassungsvertrag soll die EU auch für neue Erweiterungsschritte vorbereiten. Doch die erdrückende Mehrheit der Befragten EU-Bürger ist z.B. gegen einen Beitritt der Türkei (Abb. 06066). Zwei Drittel der Deutschen und 71 % der Franzosen sind dagegen. Nur Minderheiten in allen 5 Ländern sind überhaupt für irgendwelche Erweiterungsschritte, 67 % der Franzosen sind dagegen.


77 % der Befragten sind für einen europäischen Aussenminister, aber nur 46 % für einen ständigen Präsidenten.

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extra global news 754 20-06-07: Der Kaffeesatz der Konjunkturerwartungen: Finanzexperten-Umfrage des ZEW

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Der Bundeswirtschaftsminster ist in seinem heutigen Lagebericht ungebremst optimistisch: „Die Aussichten für die weitere Entwicklung bleiben günstig. Die deutsche Wirtschaft wird angesichts ihrer hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit weiterhin spürbare konjunkturelle Impulse durch die zügig expandierende Weltwirtschaft erhalten. Die anhaltende binnenwirtschaftliche Dynamik hat den Arbeitsmarkt voll erfasst und wird mit zunehmender Beschäftigung und allmählich steigenden Einkommen den privaten Konsum im Verlauf des Jahres wieder beleben."

Kein Wort über den Abriß der Baugenehmigungen für Wohnbauten oder des PKW-Verkaufs und auch nicht zu der verhaltenen Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes oder der Einkommensentwicklung. Auch nicht über die Auswirkungen steigender Zinsen und wieder steigender Rohstoffpreise.

Da paßt dann eigentlich auch der heutige ZEW-Indikator für die Konjunkturerwartungen nicht ins Konzept. Der ging von 24 Punkten im Mai auf 20,3 Punkte im Juni zurück. Das war der erste Rückgang nach zuvor sechs Anstiegen in Folge. Das Barometer blieb damit unter seinem langjährigen Durchschnitt von 33,0 Zählern (Abb. 04762). Unsicher dann die Interpretation von ZEW-Präsident Wolfgang Franz: „Die Lagebeurteilung ist nach wie vor hervorragend, aber die konjunkturelle Dynamik wird sich nach Ansicht der Experten nicht weiter beschleunigen. Nach leicht rückläufigen Auftragseingängen im April und angesichts einer historisch außergewöhnlich guten Lageeinschätzung hat der Anteil der Experten, die eine weitere Verbesserung der konjunkturellen Entwicklung erwarten, abgenommen. Insgesamt zeugt die Lage- und Erwartungskomponente jedoch von guten konjunkturellen Perspektiven."


Wenn die stolzen Prognosen für dieses Jahr aufgehen sollen, muß sich aber die konjunkturelle Dynamik nach dem müden ersten Quartal deutlich beschleunigen.

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extra global news 753 19-06-07: OECD berichtet über wachsende Ungleichheit in der Einkommensverteilung als Folge der Globalisierung

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Nun sorgt sich auch die OECD wegen der Folgen der Globalisierung auf die Einkommensverteilung in den alten Industrieländern, die immer ungleicher wird, auch in Deutschland (Abb. 12525). Seit 1995 ist Deutschland in der Rangordnung 5 Plätze abgerutscht und hat seitdem in Ungleichheit Niederlande, Tschechien, Frankreich, Japan und Australien überholt.


Wenn man die europäischen Länder (ohne Osteuropa) sowie USA, Kanada und Japan vergleicht, so ist in keinem dieser Länder die Schere zwischen den Top 10 % der Arbeitseinkommen und den untersten 10 % soweit aufgegangen wie in Deutschland (Abb. 12527).


Die höchstbezahlten zehn Prozent der deutschen Arbeitnehmer erhielten 2005 im Schnitt 3,1 mal so viel wie die zehn Prozent mit den niedrigsten Löhnen (Abb. 12528). 1995 waren es nur 2,8-mal so viel. Aber seit 2005 hat sich die Schere weiter geöffnet.


Die OECD meint, die Regierungen müssen mehr tun, um den Arbeitnehmern zu helfen, sich an die Globalisierung anzupassen. Natürlich empfielt die OECD keinerlei Änderungen an der neoliberalen Globalisierung. Das war auch von dieser Organisation nicht zu erwarten.

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global news 752 19-06-07: Weltkampf um Jobs und Profite: Währungs-Schieflagen bis das internationale System zusammenkracht

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Zwei Länder manipulieren ihre Währungen nach unten, eine Währung wird hochmanipuliert und eine Währung ist für den Exportweltmeister viel zu niedrig angesetzt. Es geht um die 4 wichtigsten Währungen der Welt: Dollar, Euro, Yen und Renmimbi.

China und Japan treiben ihre Währungen gegenüber dem Euro in den Keller. Sie intervenieren unendlich, nämlich China, um den Dollar zu stützen und möglichst die Parität zu dem sinkenden Dollar zu halten, oder sie intervenieren zwar nicht direkt im Währungshandel, nämlich Japan nicht mehr seit dem Jahr 2004, erreichen das gleiche Ergebnis aber über den Zinssatz der Zentralbank (Abb. 03598). Japan hält den Yen trotz stark steigender Überschüsse und einer guten Konjunktur auf dem lächerlichen Notenbankzinssatz von nur 0,5 % und veranlaßt so japanische Anleger, im sogenannten „carry-trade" Yen ins besser rentierliche Ausland zu tragen mit der gleichen schwächenden Folge für den Yen wie eine direkte Intervention der Notenbank. Der Yen erreichte heute prompt den tiefsten Stand seit 4 ½ Jahren, nachdem der Chef der Zentralbank auch für Juli eine Erhöhung der Zinsrate ausschloß (Abb. 13256). Da entwickeln sich die Handelsbilanzüberschüsse von China und Japan astronomisch. Praktisch werden Jobs von den Handelspartnern „geklaut", um die eigene Wirtschaft und die Profite anzutreiben.



Der amerikanische Dollar war bisher das Hauptopfer der chinesischen und japanischen Währungspolitik. Aber die USA lassen sich bisher den Kapitalexport aus China und Japan gern gefallen, denn solange nicht amerikanische Unternehmen sondern nur niedrig verzinste Schatzpapiere gekauft werden, ist das für die USA ein gutes Geschäft und können sie als Herren der Weltreservewährung notfalls schmerzlos Dollar drucken, was das Zeug hält, um ihre Schulden einzulösen. Ein noch immer Dank China und Japan überbewerteter Dollar kostet allerdings amerikanische Jobs und hält die Gefahr eines plötzlichen Dollarabsturzes am Leben. Der amerikanische Senat will jetzt die US-Regierung gesetzlich verpflichten, sich gegen die chinesische Währungsmanipulation in der Welthandelsorganisation zur Wehr zu setzen.

Der Euro ist ein besonderer Fall. In den ersten 4 Monaten 2007 konnte die Eurozone nur 0,3 % mehr zum Rest der Welt exportieren als von dort importiert wurde. Dementsprechend hatte der Euro von der Handelsbilanz her wenig eigenen Aufwertungsdruck. Von der so gedämpften Währung profitierte vor allem der deutsche Export und fuhr riesige Bilanzüberschüsse hoch: Die Exporte jenseits der Eurozone lagen um 28 % über den Einfuhren. Der Überschuß von 39 Mrd Euro vergleicht sich mit dem mickrigen Betrag von nur 1,4 Mrd Euro für den Außenhandel der Eurozone insgesamt. Würde der deutsche Außenhandel noch von der DM bestimmt, so hätten Wechselkursanpassungen das Ungleichgewicht längst zurückgeführt, wie das auch früher immer wieder geschehen ist. Trotz dieses enormen künstlichen Vorteils für den deutschen Export, arbeitet Deutschland beim internationalen „Job-Klau" noch mit zwei weiteren Instrumenten, um auch innerhalb der Eurozone zu einem künstlichen Erfolg zu kommen. Erstens wird die Arbeitskostenentwicklung auf Sparflamme gehalten, was zu einem Lohndumping gegenüber den Europartnern führt. Zweitens hat die MWSt-Erhöhung die Importe aus den Europartnerländern voll erwischt, während der deutsche Export dorthin unbehelligt blieb. Das hat dann in den ersten 4 Monaten 2007 noch einmal 25 Mrd Euro Überschuß für Deutschland in der Eurozone gebracht.

Sollte dieser Währungsturm von Babel bei ständig steigenden Ungleichgewichten zusammenkrachen, so wird in den Überschußländern Deutschland, China und Japan sehr viel Geschirr kaputt gehen.


global news 751 18-06-07: Mindestlohn in der Alt-EU zwischen 7 und 9 Euro/Stunde

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Eine neue Übersicht von Eurostat mit den Mindestlöhnen in 23 Ländern, die dort am 1. Januar 2007 galten, zeigt die Monatssätze in Euro und Euro-Kaufkrafteinheiten, den durchschnittlichen Anteil der Mindestlöhne verglichen mit den normalen Bruttolöhnen in Industrie und Dienstleistungen sowie den Anteil an Arbeitnehmern, die Mindestlöhne beziehen. Es sind sehr interessante Daten für die Mindestlohn-Diskussion in Deutschland. (Abb. 12519 bis 12524).

In den 5 Alt-EU-Ländern, zu denen Eurostat mit der Angabe der Wochenarbeitszeit in Vollbeschäftigung eine Umrechnung ermöglicht, liegt der Mindestlohn in dieser Umrechnung zwischen sieben und neun Euro. Das liegt durchaus in der Größenordnung des von den Gewerkschaften geforderten Satzes von Euro7,50.






Bei den 4 Alt-EU-Ländern, die hierzu statistisch erfaßt werden (Großbritannien, Niederlande, Irland und Luxemburg), liegt der Durchschnittssatz des Mindestlohns verglichen mit dem allgemeinen Durchschnitts-Brutto-Lohn bei 46,5 %. Überträgt man das auf Deutschland, wo der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde 2006 bei Euro 16,48 lag, so ergäbe sich ein Mindestlohn von Euro 7,66 und mit dem Kaufkraftausgleich für 2007 bei Euro 7,81. Also auch in dieser Betrachtung ginge die Forderung der Gewerkschaften von Euro 7,50 durchaus in Ordnung.

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global news 750 18-06-07: Produktivität und Lohnquote: Warum gehen sie seit 2000 getrennte Wege

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Die Bundesbank weist in einer Zeitreihe vom 1. Quartal 1991 bis zum 1. Quartal 2007 die Entwicklung der Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde aus. Das Statistische Bundesamt tut dasselbe für die Entwicklung der Lohnquote, d.h. des Anteils des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen. Beide Kurven trennen sich plötzlich zu Beginn des Jahres 2000 in Gegenrichtungen. Die Lohnquote geht seitdem nach unten, während die Arbeitsproduktivität so ziemlich mit dem gleichen Winkel weitersteigt (Abb. 04896). Dabei ist die Lohnquote gekippt, obwohl sich das Bruttoinlandsprodukt weiter erhöht.


Das zunehmende Auseinanderklaffen von Unternehmens- und Vermögenseinkommen einerseits und Arbeitseinkommen andererseits wird noch deutlicher, wenn man die beiden Entwicklungen inflationsbereinigt gegenüberstellt und dabei die Arbeitseinkommen mit der größeren Verbraucherpreisinflation bereinigt, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen dagegen mit der Inflationsrate des Bruttoinlandsprodukts (Abb. 04054).


Ich habe bisher niemanden gefunden, der mir eine allein aus der Binnenwirtschaft abzuleitende überzeugende Begründung hätte liefern können, zumal ähnliche Entwicklungen auch in anderen EU-Ländern laufen (Abb. 04897).


Meine Erklärung ist, daß etwa beginnend mit der Jahrtausendwende durch die Erweiterung der EU (Startsignal durch Vertrag von Nizza von 2000) und durch den Eintritt Chinas in die Weltwirtschaft mit der Aufnahme in die Welthandelsorganisation (Ende 2001) ein Riesenreservoir an Billigstarbeitskräften in die Weltwirtschaft öffnete. Seitdem ist die Drohung der Verlagerung zur Einschüchterung von Arbeitnehmern realistisch und seitdem explodieren die Exporte aus China und ersetzen zunehmend eigene Produktion in der EU. Außerdem erlaubt die Einführung des Euro seit Beginn 1999 den deutschen Unternehmen, auf der Basis gedrosselter Lohnkosten zu konkurrieren, ohne daß die Europartner abwerten können; deutsche Unternehmen haben seitdem ein zusätzliches Motiv, sich an der Lohnfront besonders hart zu zeigen.

Das Thema wird auch in Gedanken zur Zeit Keynes und kein Ende? angesprochen.

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extra global news 749 18-06-07: Gewerbliche Wirtschaft in den ersten 4 Monaten 07

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Im Zeitraum Januar bis April 2004 hat sich die Beschäftigung der gewerblichen Wirtschaft um 1,1 % gegen Vorjahr erhöht. Allerdings stieg die Lohn- und Gehaltssumme pro Arbeitsstunde nur um 0,1 % (pro Beschäftigten 0,8 %), wenn man sie um den Anstieg der Verbraucherpreise bereinigt (Abb. 04009).


Der Inlandsumsatz stieg im Volumen um 3,4 %, der Auslandsumsatz um 6,9 %. Das zeigt, daß die Abhängigkeit vom Export immer noch zunimmt. Der Inlandsumsatz der Konsumgüterindustrie blieb dagegen mit einem schwachen Plus von 1,3 % angesichts der schlechten Einkommensentwicklung und dementsprechenden Entwicklung des Verbrauchs der Haushalte gedämpft.

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