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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(724) Soziale Mobilität in Skandinavien: Anfang eines neuen Systemvergleichs

(723) Deutschland hat die fettesten Katzen

(722) Vom Unsinn der Geschäftsklima-Umfragen

(721) Detailergebnisse des 1. Quartals: Wirtschaftsaufschwung vor allem für eine kleine Minderheit

(720) Der unaufhaltsame Aufstieg der Zeitarbeitsunternehmen und Abstieg der Arbeitnehmer

(719) Deutscher Export powert in der Eurozone und drückt dabei auf die deutsche Binnenkonjunktur

(718) CO2-Emissionen wachsen seit 2000 in der Nähe der Worst-Case-Szenarien

(717) 1. Quartal 2007: Beschleunigter Anstieg der Erwerbstätigkeit? Nein: Nur eine Irreführung

(716) Politisch verursachte Liquiditätsflut als reicher Nährboden für Expansion der Heuschrecken

(715) Familienunternehmen in Wanderslust: Auch familiengeführte Unternehmen verlagern immer stärker

(714) Kleiner Lebensfreudenvergleich: Irland - Frankreich - Deutschland

(713) Chinesische Niedrigstlohn-Waren erobern den deutschen Markt

(712) Noch ein Klima-Schlag: Südliche Ozeane nehmen immer weniger Treibhausgase auf und werden immer saurer

(711) Endrunde in der Exportweltmeisterschaft

(710) Die vorrauszeigenden Konjunktur-Indikatoren der OECD für Deutschland und andere G7 auf Sinkflug

(709) Beginnt nun auch die Antarktis wegzuschmelzen?

(708) Nachfrage beim Statistischen Bundesamt zu der Erfassung der MWSt-Erhöhung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

(707) Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für März 2007: Arbeitseinkommen weiter auf negativer Sparflamme trotz guter Entwicklung von Produktivität und Umsatz

(706) Aus aktuellem Anlaß: Steuerquoten und Wirtschaftsleistung

(705) Jetzt haben wir den Salat: Wachstum im 1. Quartal halbiert

(704) Produktivitätsfortschritt in China viermal schneller

(703) Die Freihandelspäpste lenken ein

(702) Immer weniger Mütter mit Kleinkindern

(701) Frankreich und die EZB: Wer hat recht?

(700) Schon wieder falsche Jubel-Meldungen: Diesmal zum Export

(699) Zusammenhänge von Produktivität, Produktionsindex, Arbeitnehmereinkommen und Verbraucherinsolvenzen

(698) Deutschlands Immigranten: Hier kommt noch eine Unterklasse

(697) Nochmal zum Tarifabschluß in der Metallindustrie

(696) Der Sieg der nationalistischen französischen Rechten als Signal an die Linke, auch in Deutschland




global news 724 27-05-07: Soziale Mobilität in Skandinavien: Anfang eines neuen Systemvergleichs

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Immer wieder wurde ich ermuntert, die Systemvergleiche weiter auszubauen. Dabei wird vor allem das skandinavische Sozial- und Wirtschaftsmodell angesprochen. Nun habe ich mich entschlossen, die etwas mehr als ein Jahr alte Schwerpunktseite wieder neu aufzulegen und dabei erheblich zu erweitern. Ich stehe dabei unter dem Eindruck eines mir zugeschickten Artikels im WallStreet Journal über das amerikanische Mobility Projekt. Das versucht festzustellen, in wieweit der amerikanische Traum der Aufwärtsmobilität von Eltern zu Kindern noch den Fakten entspricht und kommt dabei zu einem für die USA bedrückenden Ergebnis: Männer in den 30ern verdienen heute weniger als Männer der gleichen Altersgruppe in der Generation der Väter. Zweites Ergebnis: Bis auf Großbritannien sind alle Vergleichsländer in der Mobilität besser dran (Frankreich, Deutschland, Schweden, Kanada, Finnland, Norwegen, Dänemark). Das eigentlich Auffallende daran ist der deutliche Vorsprung der vier skandinavischen Länder, in den sich nur Kanada miteinordnet (Abb. 12451). In Dänemark haben die Söhne fast die gleichen Einkommenschancen egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen.


Wenn man davon ausgeht, daß die Besitz- und Einkommensverhälnisse der Elterngenerationen überall in Zeiten einer neoliberalen Wirtschaftsordnung zementiert sind und sich eher noch weiter auseinanderentwickeln, so können allenfalls die Kinder bei einem ausreichenden Maß an Chancengleichheit das Pendel zurückholen. Das Mobility Projekt stellt auf die Chancengleichheit im Bildungssystem, der Gesundheitsfürsorge, der Familienumgebung, der Kultur, des Arbeitsmarkts und anderer institutioneller Faktoren ab. Es mißt als relative Mobilität den Einkommensunterschied zwischen der Eltern- und der Kindergeneration. Den Unterschied in der so definierten Chancengleichheit markiert für mich Dänemark, wo sie doppelt so hoch ist als in Deutschland gemessen wird (Abb. 12452). Ebenso hat eine Studie der Warwick Universität vom September 2006 gezeigt, daß in Dänemark, Finnland und Norwegen die Einkommen von Vätern und Söhnen sich hoch „nicht-liniear" verhalten also das Einkommen des Sohnes so gut wie gar nicht durch das des Vaters bestimmt wird.


Angesichts der in Deutschland grassierenden Jubelmeldungen der Großen Koalition und vieler Medien ist ein frischer Blick über die deutschen Grenzen nach Norden dringends angebracht. Die neue Schwerpunktseite wird den einzelnen Faktoren in folgender Reihenfolge nachgehen: Geburtenrate, Bildung, Forschung & Entwicklung, Produktivität, Steuern und Staatsquote, Einkommen und Verbrauch, Arbeitsmarkt, Bruttoinlandsprodukt.

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global news 723 26-05-07: Deutschland hat die fettesten Katzen

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Nach dem Kienbaum-Vergleich der Geschäftsführerbezüge liegen Deutschlands „fat cats" eindeutig vorn (Abb. 12450).


Die deutschen Gehälter übersteigen das europäische Durchschnittsgehalt (inkl. Deutschland):

» bei den kleinen Unternehmen um +67%

» bei den mittleren Unternehmen um +32%

» bei den Großunternehmen um +50%.

Würde man die Abweichung der deutschen Gehälter vom europäischen Durchschnitt ohne Deutschland ermitteln, wäre die %-Abweichung noch ausgeprägter. Im Vergleich zu Schweden, dem einzig ausgewerteten skandinavischen Land, fallen die Unterschiede noch extremer aus:

» bei den kleinen Unternehmen um +79%,

» bei den mittleren Unternehmen um +94%,

» bei den Großunternehmen um +90%.

Im Vergleich zu Schweden ist zudem zu berücksichtigen, daß der Unterschied zu Deutschland beim Nettogehalt wegen des wesentlich höheren schwedischen Spitzensteuersatzes noch zusätzlich ansteigt.

Außerdem: Im Vergleich zu den meisten OECD-Ländern gibt es in Deutschland keine Vermögenssteuer mehr, über welche eine zusätzliche steuerliche Beteiligung der Spitzenverdiener an den staatlichen Aufgaben gewährleistet wäre.

Zu der deutschen Ansammlung „fetter Katzen" trägt auch bei, daß sehr viele Geschäftsführer in Deutschland erfolgsabhängig vergütet werden und die Unternehmen wegen der weggebremsten Löhne einmalig hohe Profite hochfahren. In Deutschland und Österreich erhalten 93 Prozent der Geschäftsführer Bonifikationen, in Italien 92 Prozent, in Großbritannien 84 Prozent, in Schweden 83 Prozent und in der Schweiz 81 Prozent. Am unteren Ende der Skala stehen Spanien mit nur 71 Prozent und Belgien, wo sich die Zahl gar nur auf 64 Prozent beläuft. Bei 26,5 Prozent der deutschen Topmanager mit einem Einkommen von über 200.000 Euro steigerten sich die Boni im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Bei denjenigen, die unter 100.000 Euro verdienten, waren es immer noch 19,4 Prozent, deren Bonus entsprechend höher ausfiel.

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global news 722 25-05-07: Vom Unsinn der Geschäftsklima-Umfragen

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Originalton Bundesminister Glos zu den Detailergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des 1. Quartals: „Der private Konsum verlief aufgrund der Anhebung des Umsatzsteuersatzes gedämpft. Hier ist im weiteren mit einer Normalisierung zu rechnen. Dafür sprechen die sehr positive Beschäftigungsentwicklung und die verbesserte Stimmung, die auch von den aktuellen Indikatoren angezeigt wird." Die Stimmungsindikatoren sind bekanntlich Umfrageergebnisse in Wirtschaftskreisen. Vor allem der Geschäftsklima-Index des Münchener Ifo-Instituts wird hier auf die Waagschale gelegt.

Gestern wurde erneut bekannt gemacht, wie die deutsche Wirtschaft ihre Geschäftsituation derzeit einschätzt. Leider ist der Indikator von 113,1 im April auf nur noch 112.5 im Mai gefallen. Im Dezember 2006 hatte er schon bei 115,3 gelegen (Abb. 04731).


Vor allem, daß der private Konsum anspringen wird, läßt sich entgegen der Kaffeesatz-Lese des Ministers aus den Umfragewerten nicht ablesen. Hierzu Ifo-Chef Sinn: „Im Einzelhandel ist der Geschäftsklimaindex gesunken. Die Unternehmen stufen sowohl ihre aktuelle Situation als auch ihre Perspektiven für die kommenden sechs Monate schlechter ein."

Entgegen seinen eigenen Umfrage-Ergebnissen will das Ifo-Institut den Minister dennoch nicht im Stich lassen. Nach Einschätzung des Instituts könnte im Sommer auch der private Konsum anspringen. Ifo-Experte Gebhard Flaig sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dank der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt und der Lohnerhöhungen sollte es im Sommer "leicht positive Zuwachsraten" beim Konsum geben. Die Belastung durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn sei weitgehend verdaut. Sind wir nun überzeugt?

Dem Minister gegen die bösen statistischen Werte mit Meinungsumfragen zu Hilfe kommen will auch die Gesellschaft für Konsumforschung. Die hat nun ihren Zähler für Juni auf 7,3 Punkte hochgeschraubt (Abb. 04711). Das ist zwar immer noch erheblich unter dem Wert vom Jahresanfang. Dennoch verbreitet die GfK, die deutschen Konsumenten sähen die Konjunktur zunehmend im Höhenflug. Daraus kann dann SPIEGEL-online gleich die noch frohere Schlagzeile prägen: „Marktforscher rechnen mit Riesenkauflaune der Deutschen". Die schöne heile Welt der kritik- und zahlosen deutschen Medien!


Vielleicht wollen die überoptimistischen Auguren mal diese Information zur Kenntnis nehmen: Privatleute in Deutschland kaufen weniger Neuwagen. Von Januar bis April sind die Verkaufszahlen in diesem Bereich um 27,2 Prozent zurückgegangen. Der starke Rückgang beim Autoabsatz in Deutschland geht nach einem Bericht von „Auto Motor und Sport" vor allem auf die Kaufzurückhaltung der Privatkunden zurück. Unter Berufung auf das Marktforschungsinstitut Dataforce berichtete die Zeitschrift am Dienstag in Stuttgart, dass die privaten Autokäufe von Januar bis April um 27,2 Prozent eingebrochen sind.

Eine ausführliche Analyse der Detailergebnisse finden Sie auf der neuen Schwerpunktseite.

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global news 721 24-05-07: Detailergebnisse des 1. Quartals: Wirtschaftsaufschwung vor allem für eine kleine Minderheit

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Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse des 1. Quartals 2007 bekannt gegeben. Der Bundeswirtschaftsminister hat schon in seiner Pressemitteilung zu der Schnellmeldung des StaBuA vor 10 Tagen gejubelt: „Konjunktur in Deutschland auf robustem Wachstumskurs". Ähnlich in der vorgestrigen Pressemitteilung zur wirtschaftlichen Lage im Mai: „Der Aufschwung setzt sich im laufenden Jahr mit beachtlicher Stärke fort." Und BILD meldete: „Wirtschaft boomt weiter". Die eigentliche Frage ist dabei: Für wen boomt eigentlich die Wirtschaft, wenn sie überhaupt boomt? Das läßt sich nun sehr gut aus den Detail-Ergebnissen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ablesen.

Die Schere zwischen Arbeitseinkommen und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen öffnete sich weiter. Die Arbeitnehmereinkommen (netto) haben sich im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise mit minus 0,4 % erneut nach unten entwickelt, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen real 5,4 % (nach Abzug der BIP-Inflation) wiederum stark gestiegen sind (Abb. 04054).


Der Produktivitätszuwachs hielt an (Abb. 04730). Umso unsozialer ist dessen einseitige Verteilung an die Kapitaleigner.


Nicht zuletzt wegen der schlechten Entwicklung der Kaufkraft stagnierte die Nachfrage der privaten Haushalte, von der die deutsche Konjunktur maßgeblich abhängt, weiter um den Wert, den sie vor 7 Jahren erreicht hat, und ist im 1. Quartal 2007 noch zusätzlich unter den Druck der Mehrwertsteuererhöhung geraten. Sie ist daher gegen das letzte Quartal 2006 um 1,4 % gefallen (Abb. 04055). Der mit dem Jahr 2000 eingetretene Abbruch der bis dahin anhaltenden Aufwärtsentwicklung ist unübersehbar.


Da wird es allerdings schon komisch, wenn man die auf puren Meinungsumfragen aufbauenden ZEW-Ergebnisse dagegenhält. Die liegen zwar immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch wischte ZEW-Präsident und Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung Prof. Franz bei Vorstellung des Mai-Ergebnisses am 22. Mai den Mehrwertsteuereffekt einfach weg: „Der Aufschwung in Deutschland zeigt sich von der Erhöhung der Mehrwertsteuer wenig beeindruckt." Und damit das alle glauben, legt dann Spiegel-online noch nach: „Konsum entwickelt sich zum Konjunkturmotor. Die Experten vom Mannheimer ZEW rechneten mit zusätzlicher Nachfrage nach Konsumgütern." Natürlich fehlt dazu auch nicht ein schönes Photo vom angeblichen Einkaufsrausch mit der Bildunterschrift „Hohe Straße in Köln: Einzelhandel wird zur Konjunkturstütze". Für wie blöd hält man uns eigentlich?


Fazit

Aus meiner Sicht klingt der Jubel von Regierung und Medien bei

» einer so ungleichen Verteilung der Wirtschaftsleistung,

» einer weiter stagnierenden Verbraucherkonjunktur,

» einer von neuer Beschäftigung vor allem in befristeten und schlecht entlohnten Arbeitsverhältnissen gezeichneten Arbeitsmarktsituation und

» einer unsicher werdenden Exportsituation

ziemlich hohl. Immer noch versuchen Regierung und Medien, die Konjunktur auf der psychologischen Seite anzuheizen, was eher Unsicherheit verrät.


Eine ausführliche Analyse der Detailergebnisse finden Sie auf der neuen Schwerpunktseite.

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extra global news 720 23-05-07: Der unaufhaltsame Aufstieg der Zeitarbeitsunternehmen und Abstieg der Arbeitnehmer

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Ein Besucher meiner Webseite hat mir zum Thema Leiharbeit eine Statistik eines Marktforschungsunternehmens über den Aufstieg der Zeitarbeitsunternehmen geschickt. Allein die 25 führenden Unternehmen konnten im vergangenen Jahr die Zahl der von ihnen verwalteten Zeitarbeitnehmer um 66 % auf 199.000 steigern. Dabei wuchs ihr Umsatz um 37 % auf 5,7 Milliarden Euro. Die Gewinnsteigerung wird ähnlich exorbitant ausgefallen sein (Abb. 04796).


Dazu ein treffendes Zitat aus einem Blog: „Meiner Meinung nach ist der Erfolg der Zeitarbeitsfirmen, darauf zurückzuführen, das sich die Industrie mit Hilfe der Verleihfirmen um gültiges Recht wie Kündigungsschutz und Tarifverträge drückt, um auf Kosten der Arbeitnehmer, die sonst keine normale Anstellung finden konnten, Gewinnmaximierung betreibt. Die "normalen" Arbeitnehmer finanzieren diese, durch höhere Zahlungen in die Sozialkassen und an den Fiskus, die vermutlich geringer ausfallen würden, wenn die Leiharbeiter alle den für die Branche, in der sie eingesetzt werden, gültigen Tariflohn erhalten würden. Im Osten Deutschlands beschäftigt die Automobilindustrie bis zu 30% (!) Leiharbeiter."

Und noch ein Zitat von meiner Kommentarseite: „..ich bin stellvertretender Betriebsratsvorsitzender eines Unternehmens der M+E mit 280 Mitarbeitrinnen und Mitarbeiter. Gegenwärtig ist die Auftragslage bei uns im Unternehmen sehr gut, so dass wir seit Jahresbeginn zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt haben: 7 Befristungen (höhere Qualifikation!) für 1 Jahr und 11 Leiharbeiter (einfache Tätigkeiten!). Alle Leiharbeiter kommen von einem Leiharbeitsunternehmen. Ich weiß daher sehr genau, was unser Unternehmen dieser Firma als Stundenlohn bezahlt: 15,00 Euro. Von diesen 15,00 Euro erhalten die Leiharbeiter 6.60 Euro. Da können Sie leicht ablesen, was davon im Monat übrig ist bei einer 32 - 35 Stundenwoche. Einige müssen mittels Hartz IV finanzielle Ergänzungen beantragen, um die Familie über die Runden zu bringen. Bei Einstellungen von Auszubildenden gehen viele Unternehmen dazu über, sich die Auszubildenden ebenfalls von Leiharbeitsunternehmen zu holen, da diese Jugendlichen von der EU (also durch Steuergelder!) „subventioniert" werden. Den Unternehmen kosten solche Auszubildende gar nichts, denn sie erhalten ihr Lehrgeld" (267,00 Euro) von dem Leihunternehmen."

Dazu am Beispiel Telekom noch die „Wirtschaftswoche", die für Links-Tendenzen nicht bekannt ist: „Neue Klassengesellschaft mit ungleichen Löhnen. Der Telekom-Streik zeigt, was Globalisierung und Marktöffnung in den Unternehmen erzwingen: ungleiches Gehalt für gleiche Arbeit - und das Ende des Einheitsbeschäftigten an Schreibtisch und Werkbank. 50.000 Beschäftigte sollen nach dem Willen von Vorstandschef René Obermann das schützende Konzerndach verlassen und in eine zu gründende Billigtochter wechseln. In dieser rechtlich selbstständigen Servicegesellschaft sollen sie nicht nur vier Stunden länger pro Woche arbeiten, sondern auch neun Prozent weniger Fixgehalt verdienen. Guten Morgen Telekom, guten Morgen Deutschland. Nach vergleichsweise gemütlichen Jahrzehnten sicherer Märkte, geschützter Beschäftigung und eingespielter Rituale auf dem Arbeitsmarkt schlagen nun Globalisierung und Deregulierung bis zum Schreibtisch und zur Werkbank durch.

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extra global news 719 23-05-07: Deutscher Export powert in der Eurozone und drückt dabei auf die deutsche Binnenkonjunktur

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Die jetzt vom Statistischen Bundesamt vorgestellten Zahlen zum deutschen Außenhandel in 2006 zeigen erneut, wie der deutsche Export von den fallenden deutschen Stücklohnkosten und dem Fehlen von Wechselkursänderungen profitiert. Der Export in die Eurozone stieg um rund 11 % und erwirtschaftete rund 56 % des deutschen Gesamtüberschusses.

Der Export in die Länder außerhalb der Eurozone und der anderen oft den Euro beschattenden EU-Länder (deren Überschußanteil: 27 %) erzielte dagegen nur 16 % des Gesamtüberschusses (Abb. 06037). Das größte regionale Defizit verzeichnete der deutsche Außenhandel mit Asien, vor allem wegen der stark steigenden Importe aus China.


Fallende Stücklohnkosten sind natürlich vor allem die Folge stagnierender oder real rückläufiger Arbeitseinkommen. Dies aber schadet der deutschen Konjunktur über die ungünstige Entwicklung des Verbrauchs privater Haushalte mehr als der Export einbringt, zumal ein wachsender Anteil des Exports auf Vorproduktimporten beruht und damit in Deutschland nicht arbeitsplatzrelevant wird.

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global news 718 23-05-07: CO2-Emissionen wachsen seit 2000 in der Nähe der Worst-Case-Szenarien

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Ein ausstralisches Wissenschaftler-Team hat jetzt seine Ergebnisse einer Berechnung der CO2-Emissionen auf der Basis zweier amerikanischer regierungsamtlichen Quellen (Carbon Dioxide Information Analysis Center und Energy Information Agency) vorgestellt. Danach haben sich die CO2-Emissionen plötzlich um das Jahr 2000 gewaltig beschleunigt. In den 90er Jahren wuchsen sie noch um 1,1 % pro Jahr, zwischen 2000 und 2004 (dem Endjahr der Studie) waren es schon 2,5 %. Diese Rate liegt in der Nähe der schlimmsten Annahmen unter den schon vor Jahren erarbeiteten Szenarien, wenn nicht noch darüber. Das auf der Basis von weiterer intensiver Verbrennung fossiler Energiestoffe ausgerichtete A1F1 Szenario des Intergovernmental Panel on Climate Change sagt eine Erhöhung der Temperatur bis 2100 um 4 Grad vorraus und damit doppelt so hoch, wie der von der EU angesteuerte Grenzwert (siehe Abb. 07167).


Die Wissenschaftler schlossen aus verschiedenen Daten, daß der Grund nicht bei der Bevölkerungsentwicklung der Welt liegt sondern in einer Verschlechterung der Energieeffizienz. Zwischen den 70er und 90er Jahren steig die Energieeffizienz, aber dieser Trend drehte sich im Jahr 2000 um. Die Entwicklungsländer kamen für 73 % des Zuwachses in 2004 auf. Tatsächlich fanden die Forscher vor allem bei China die größte Steigerung der Treibhausgasemissionen. Kürzlich hatte die Internationale Energieagentur prognostiziert, daß das asiatische Riesenland schon 2008 und damit früher als bisher gedacht die USA als weltgrößten CO2- Emittenten ablösen wird. Das Jahr 2000 des Umkippens im globalen Emissionstrend dürfte nicht zufällig mit dem Beginn der zweistelligen Zuwachsraten bei den chinesischen Bruttoanlageninvestitionen zusammenfallen, die zu einer Verdoppelung der Industrieanlagen alle fünf Jahre führen und in China noch dazu einen hohen Anteil an äußerst schmutziger Schwerindustrie enthalten (Abb. 08089).


Heute ebenfalls von der US Energy Information Agency bekannt gewordene Prognosen per 2030 zeigen das stark wachsende Gewicht vor allem von China mit einer Verfünffachung der C02-Emissionen gegenüber 2030 (Abb. 07165, 07166).



Die Grenze vor einer Klimakatastrophe wird gegenwärtig bei 450 bis 550 ppm CO2-Konzentration gesetzt. Vor der industriellen Revolution lag der tatsächliche Wert bei 280 ppm, heute liegt er bei 380 ppm. 450 ppm wird die Entwicklung ungebremst in nur 25 bis 35 Jahren, 550 ppm in nur 50 Jahren erreichen, so die Autoren der Studie. Viele der jetzt lebenden Generationen werden es also noch am eigenen Leib erfahren.

Leider haben die Wissenschaftler nicht den neoliberale Trend angesprochen, der China ohne Rücksicht auf die Klimafolgen durch massive Produktionsverlagerung in dieses Land mit besonders hoher Emissionsintensität pro Bruttoinlandsprodukt immer mehr zur Werkbank der Welt macht. Und China lehnt bekanntlich jede internationale Klimadisziplin ab (siehe hierzu auch Gedanken zur Zeit).

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extra global news 717 22-05-07: 1. Quartal 2007: Beschleunigter Anstieg der Erwerbstätigkeit? Nein: Nur eine Irreführung

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Das Statistische Bundesamt meldet heute für das 1. Quartal 2007 einen „beschleunigten" Anstieg der Erwerbstätigkeit. Schaut man genauer hin, so hat sich die Beschäftigung gegenüber dem 1. Quartal 2006 zwar um 1,48 % erhöht, getragen wird der Anstieg aber fast ausschließlich vom Dienstleistungsbereich (+1,7 %) und dem Bauhauptgewerbe (+3,3 %), während die Beschäftigung im Industriebereich nur um magere 0,5 % zunahm (Abb. 04793).


Das Bauhauptgewerbe profitierte dabei im Vorjahresvergleich eindeutig von der milden Witterung und der Umstellung des Saison-Kurzarbeitergelds, das einen flexibleren Personaleinsatz ermöglicht und damit Entlassungen vermieden hat. Der Dienstleistungsbereich ist der, in dem die 1-Euro-Jobs und geringfügig bezahlten Arbeiten hochwachsen. Auch ist zu berücksichtigen, das der größte Anteil der im Jahresvergleich zusätzlichen Beschäftigung auf unsichere und schlecht bezahlte Zeitverträge entfallen dürfte, die beim nächsten Konjunkturabschwung wieder abgebaut werden.

Die Überschrift von der „Beschleunigung" ist also schon aus diesen Gründen ziemlich irreführend. Aber was soll man von „Beschleunigung" halten, wenn die Erwerbstätigen-Zahlen gegenüber dem Vorquartal trotz der milden Witterung auffallend stark zurückgegangen sind (Abb. 04794).


Dabei war der Rückgang wieder ähnlich stark wie im 1. Quartal des Vorjahres, als es keine milde Witterung gab, d.h. ohne die milde Witterung hätte die Beschäftigung weit stärker abgenommen als ein Jahr zuvor (Abb. 04795). Die Erwerbstätigkeit in der Industrie lag im übrigen im 1. Quartal 2007 noch um 1,3 % unter der vom 1. Quartal 2005 - ein Quartal ohne besonders milde Witterung und besonders hoher Arbeitslosigkeit.


Kein Wunder dann, daß schnelle Journalisten wie von SPIEGEL-online schon wieder in Jubel ausbrechen: „WACHSTUMSERFOLG. Zahl der Erwerbstätigen auf Sieben-Jahres-Hoch. .. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg zum Jahresanfang so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr." Die Irreführung ist einfach nicht aufzuhalten. Und dann lesen z.B. die Finanzmarktanalysten und die Unternehmensführungen solche positiv klingenden Botschaften und morgen wird dann ZEW mit einer sehr schönen Prognose dieser Analysten und am Donnerstang Ifo mit einer ebenso schönen der Unternehmen herauskommen. Wetten?

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global news 716 22-05-07: Politisch verursachte Liquiditätsflut als reicher Nährboden für Expansion der Heuschrecken

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Während die Bundesregierung ihre Versuche, Hedge Fonds einer Regulierung zu unterwerfen, angesichts der Widerstände aus USA und Großbritannien schnell aufgegeben hat, kommen von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der OECD in neuen Berichten warnende Signale. In Financial Market Trends und den dazugehörigen Anlagen gelangt die OECD zu dem Ergebnis, daß die globale Liquidität hoch ist und dies die Anlage mit hoher Hebelwirkung (d.h. hohen Kreditanteilen) durch private Kapitalquellen begünstigt. Davon profitieren dann die Heuschrecken in besonderem Maße. Schuld an der Exzess-Liquidität sind nach Ansicht der OECD viele Länder, wie China und Japan, die durch den Versuch, den internationalen Preis ihres Geldes niedrig zu regulieren, die Geldmenge hochtreiben. Als besonderes Beispiel führt die OECD China an. In nur 12 Monaten bis Januar 2007 hat China bei dem Versuch, die eigene Währung billig zu halten, weitere 259 Mrd Dollar an Währungsreserven angehäuft (Abb. 08028).


Im 1. Quartal 2007 kam es zu einer weiteren Steigerung gegenüber Vorquartal um fast 13 %. Das Recykeln in US-Schatzpapiere ist ein Hauptgrund für die niedrigen US Zinsen. Gleichzeitig führen die zur Steuerung der chinesischen Währung notwendigen Kapitalverkehrskontrollen dazu, daß chinesische Unternehmen ihre Fremdwährungseinnahmen im Ausland belassen und durch Kredite in China ersetzen und so ebenfalls Liquidität schöpfen. Ebenso tragen die Exporte billiger Produkte aus China dazu bei, die Inflation in den Abnehmerländern niedrig zu halten, was seinerseits wieder zu niedrigen realen Zinsraten führt.

Dann kommt die OECD zu einem sehr eindrucksvollen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der globalen Liquidität und den Heuschrecken-Investitionen der Private Equity Unternehmen, die die gestiegene Liquidität mit niedrigen Zinsen jeweils ausnützen (Abb. 03491). Die OECD stellt dazu fest: die Korrelation zwischen der mit globalen Politiken angetriebenen Liquidität und den Investionen der Privaten Equity Unternehmen ist auffällig und ist oft verbunden mit politischen Versuchen, dem Druck auf die Wechselkurse in bestimmten Regionen zu widerstehen. Die OECD warnt, daß wenn aus den dargelegten Gründen die Zinsen von Bonds zu niedrig sind, am Ende gefährliche Konsequenzen für die Investoren stehen können. Der derzeitige Boom in Private Equity Investitionen sei viel stärker als der vorrangegangen Anfang der 90er Jahren, der in Tränen und Strafverfolgungen geendet habe. Auch befürchtet die OECD das Risiko von Insider-Geschäften und der Refinanzierung der Investitionen zu Lasten der Bilanz des aufgekauften Unternehmen, nur damit die Investoren schnell Dividenden erhalten.


Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nimmt die strukturierten Derivative ins Visier. Das Gesamtvolumen ist im vergangenen Jahr um über ein Drittel auf 415 Billionen US $ angeschwollen, d.h. mehr als 30-mal die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der USA (Abb. 13115). Daraus ergeben sich besonders deshalb neue Herausforderungen für die Aufsichtsbehörden und Investoren, weil der größte Teil dieser Geschäfte auf privater Basis („over the counter") erfolgt und Hedge Fonds daran stark beteiligt sind. Im neuen Papier des Financial Stability Forums unter der Aufsicht der BIZ, wird den Banken vorgeworfen, in der Aufsicht über die kreditnehmenden Hedge Fonds nachlässig geworden zu sein. Das Forum warnt, daß die Disziplin im Umgang mit Risiken durch die Konkurrenz der Banken um Geschäft mit Hedge Fonds unterminiert werde.


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global news 715 21-05-07: Familienunternehmen in Wanderslust: Auch familiengeführte Unternehmen verlagern immer stärker

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Bisher galt der familieneigene Mittelstand als heimatverbunden, bodenständig, hausbankabhängig und jedenfalls ohne besondere Wanderlust, praktisch das Rückrat der Nation und eben anders als die Vaterlandsverräter der großen deutschen Multis. Doch nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und der DZ Bank „Aktive Globalisierung - Chancen für deutsche Familienunternehmer?" ändert sich das. Befragt wurden über die European Business School 401 Unternehmen mit einem Mindestumsatz von 50 Millionen Euro, davon 61 Prozent Familienunternehmen.

Beim Status quo der internationalen Aktivitäten zeigt sich sogar, dass Familienunternehmen alle Bereiche der Wertschöpfungskette konsequenter auslagern als Nicht-Familienunternehmen (sind das die Unternehmen, die jetzt von der Erbschaftssteuer befreit werden sollen??). Dies belegt auch die höhere Bereitschaft zur kurzfristigen Entsendung von Mitarbeitern und zur stärkeren Nutzung lokaler Arbeitsmärkte. In den kommenden Jahren werden Familienunternehmen ihren Vorsprung im Hinblick auf die Auslagerung wissensintensiver Bereiche der Wertschöpfungskette weiter ausbauen, während sich Nicht-Familienunternehmen verstärkt auf die Auslagerung der arbeitsintensiven Bereiche konzentrieren.

Die Autoren, die natürlich ideologisch wirtschaftsnah sind, halten die Bewertung des Standorts Deutschland aus Sicht deutscher Unternehmen für eindeutig. Hauptfaktoren seien zu hohe Lohnkosten, die Komplexität des Steuerrechts und die insgesamt hohe Steuerbelastung, d.h. das übliche Sammelsurium an oft vorgeschobenen Gründen. Zusätzlich begegnen Unternehmen laut Studie mit der Abwanderung zu internationalen Wachstumsmärkten der Sättigung des deutschen Marktes. Warum sagen sie nicht, daß sie mit der Verlagerung in Niedrigstlohn-, -steuer- und -umweltschutzländer schlicht den höheren Profit suchen? Das traurige an dieser Studie ist, daß solche Argumente unkritisch transportiert und dann von den neoliberalen Kräften in Deutschland gern in Politik, wie Steuersenkungen oder Senkung der Sozialbeiträge der Arbeitgeber, umgemünzt werden.

Dabei wird z.B. die angebliche Sättigung der Märkte von den Arbeitgebern durch eine im internationalen Vergleich ungewöhnliche Knausrigkeit bei den Löhnen selbst herbeigeführt. Ist der deutsche Automarkt gesättigt, wenn das Durchschnittsalter der Fahrzeuge immer ehrwürdiger wird, falls nicht gerade eine MWSt-Erhöhung droht? Sind die IT-Märkte gesättigt, wenn Deutschland in der zentralen Breibandnutzung hinten liegt? Sind Märkte gesättigt, weil die Verbraucher bei knappen Kassen auf die Chinaschnäppchen ausweichen müssen?

Die Autoren meinen schließlich beruhigend verstanden zu haben, daß der negative Einfluß einer verstärkten Globalisierung auf die deutsche Wirtschaft ausbleibe, weil mehr als 60 Prozent der Unternehmen bestätigt hätten, die verstärkte Internationalisierung habe sich angeblich positiv auf die eigene Beschäftigung im Inland ausgewirkt. Sind die übrigen knapp 40 % nicht eigentlich schon viel zu viele? Und um wieviel wurden in der Umfrage die knapp 40 % nach unten geschönfärbt, weil verlagernde Unternehmen nach dem Strohhalmargument der Sicherung der Beschäftigung in Deutschland greifen? Warum haben die wirtschaftsnahen Autoren der Studie nicht bei den Gewerkschaften und Betriebsräten rückgefragt, bevor sie soche Angaben übernehmen?

Hier nun das Ergebnis in einigen Abbildungen. Abb. 13291 zeigt die angegebenen Verlagerungsgründe. Dazu die Urheber der Studie: „Überträgt man diese Grundhaltung auf die Unternehmen, die den Schritt ins Ausland bisher noch nicht gewagt haben, so ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen auch in Zukunft eine verstärkte Abwanderung zu erwarten."


Abb. 13292 unterscheidet nach Formen der Verlagerung. Dazu die Urheber der Studie: „Analysiert man die verschiedenen Bereiche der Wertschöpfungskette die in Deutschland abgebaut werden, wird deutlich, dass Nicht-Familienunternehmen sich in naher Zukunft darauf konzentrieren werden, ihre Versäumnisse der Vergangenheit nachzuholen. Für mehr als 20 Prozent der Unternehmen wird Deutschland als Produktionsstandort an Relevanz einbüßen. Familienunternehmen können sich auf der anderen Seite auf die konsequente Fortführung ihrer Internationalisierungsstrategie stützen und den Rest ihrer Wertschöpfungskette im Ausland intensivieren."


Die Familienunternehmen sind sehr viel zurückhaltender bei der Ausweitung der Produktion in Deutschland und denken viel mehr an Asien (Abb. 13293). Hierzu wieder die Autoren der Studie: „Gleichzeitig zeigt ein starker Fokus auf Wachstumsmärkte, wie beispielsweise den asiatischen Raum. Überraschend ist, dass die asiatischen Volkswirtschaften gleichermaßen für die Produktion als auch für die Logistik an Bedeutung gewinnen werden. Familienunternehmen übernehmen auch hier eine Vorreiterrolle, da sie in der Zukunft administrative Managementaufgaben wesentlich stärker in den internationalen Standorten, insbesondere in Asien (Abb. 13296), beabsichtigen zu bündeln".



Schließlich stellt Abb. 13294 den Einfluß der internationalen Aktivitäten auf die Beschäftigung im Inland dar und zwar in der Produktion, sowie Abb. 13295 die der Gesamtbeschäftigung. Noch einmal die Interpretation der Autoren der Studie: „Viele Unternehmen haben zwar angegeben, dass sie aufgrund institutioneller Rahmenbedingungen bereits auf Einstellungen in Deutschland verzichtet haben; insgesamt geben jedoch mehr als 60 Prozent der Unternehmen an, dass die Beschäftigung im Inland gestiegen sei."



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global news 714 20-05-07: Kleiner Lebensfreudenvergleich: Irland - Frankreich - Deutschland

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Warum gerade diese drei Länder? Es sind nun die, in denen ich mich besonders zu Hause fühle und meine Zeit verbringe. Außerdem vergleicht sich Deutschland neuerdings von der überlegenen Exportleistung und dem besserem Wirtschaftswachstum her gern, wenn auch meiner Ansicht nach irreführend, mit Frankreich. Daß Irland bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf inzwischen Deutschland um fast die Hälfte (47,5 %) übertrifft, wird sowieso oft vergessen, zumal es ein so unglaublicher Unterschied ist und deswegen alle möglichen Erklärungen gesucht werden, wie die Gewinnabführung ins Ausland für ausländische Investitionen in Irland.

Zugegeben, Lebensfreude ist schwer zu fassen und sehr individuell bestimmt. Ich versuche sie auf die Kriterien auszurichten, von denen ich annehme, daß sie (a) von der Mehrheit als besonders wichtig eingeschätzt werden und (b) einigermaßen meßbar sind. Gleich zur Seite lege ich die Gesamtwirtschaftsleistung und die Beschäftigung. Erstere ist höchst ungleich verteilt und daher nicht auf die Mehrheit der Bevölkerung zugeschnitten und letztere wird in Deutschland und wahrscheinlich auch Frankreich nach oben (ebenso wie die Arbeitslosigkeit nach unten) manipuliert und enthält viele prekäre Arbeitsverhältnisse wie Zeit- und Teilzeitverträge oder Minijobs. In Irland ist das sowieso umgekehrt: Das Land muß in seinem Dauerboom Arbeitskräfte importieren. Sicher ist die Gesundheit ein für die Lebensqualität extrem wichtiger Faktor und deshalb sollte man eigentlich das Gesundheitswesen in die Waagschale werfen, bei dem ich Frankreich vorn und Irland hinten sehen würde. Aber bei diesem Faktor wird überall rumgebastelt und vieles Gute aus Kostengründen immer mehr eingespart.

Also konzentriere ich mich auf drei Größen, die einigemaßen meßbar sind und von denen ich annehme, daß sie für die Mehrheit der Menschen besonders zählen. Erstens freut man sich in der Regel über seine Kinder und vereinsamt schmerzvoll im Alter, wenn man keine hat. Viele Kinder in der Gesellschaft bedeuten außerdem mehr junge Leute und die sind in der Regel lebensfroher und unbesorgter als die Älteren und prägen damit das Gesamtbild. Zweitens freut man sich noch mehr, wenn den Kindern ein gutes Bildungssystem Chancengleichheit verspricht und ärgert sich schrecklich, wenn sie mangels ausreichender Bildung arbeitslos sind. Und drittens macht man gerne Anschaffungen, ohne ständig von einem zu engen Budget zurückgehalten zu werden. Hier denke ich nicht an das Gesamtvolumen an Binnenkonsum, denn das deckt auch die teueren Fahrzeuge, Yachten und Villen der Wohlhabenden ab und ist somit sehr ungleich verteilt. Statt dessen können die Umsatzzahlen im normalen Einzelhandel als besser geeigneter Vergleichsmaßstab dienen.

Als Indikator für die Familiensituation kann man die Fruchtbarkeitsrate nehmen, die anzeigt, wieviele Kinder eine Frau durchschnittlich zur Welt bringt. Abb. 12440 zeigt außerdem den Jugendquotienten, d.h. den Anteil von Menschen unter 30 Jahren.


Die Bildungsausgaben werden von der OECD als kaufkraftbereinigte Ausgaben pro Schüler gemessen. Deutschland liegt hier besonders im Primärbereich um mehr als ein Viertel hinter Frankreich und mehr als 10 % hinter Irland zurück (Abb. 12441). Die ständigen Ergebnisse der Pisa-Studien zeigen die Folgen. Z.B. ist die Wahrscheinlichkeit des Versagens in der Basisqualifikation Mathematik bei Kinder aus der unterer sozialen Schicht in Deutschland deutlich höher (Abb. 12442).



Nun abschließend zur Einkaufsfreude und zum Einzelhandelsumsatz. Eurostat hat Zahlen seit 2001. Abb. 12439 zeigt die Stagnation in Deutschland und die sehr guten Entwicklungen in Frankreich und besonders in Irland.


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extra global news 713 19-05-07: Chinesische Niedrigstlohn-Waren erobern den deutschen Markt

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Befördert von der ungünstigen Einkommensentwicklung der deutschen Arbeitnehmer und Rentner setzen sich immer mehr die China-Schäppchen durch, die nicht selten das Produkt von Lohn-, Steuer-, Währungs- und Umweltdumping sind. Im letzten Jahr hat nun China erstmals die USA von Platz drei der deutschen Importstatistik verdrängt.

In vielen Waren-Bereichen liegen die Importanteile Chinas schon um 30 %. Das gilt bei weitem nicht nur für Bekleidung. Auch in den Gruppen Büromaschinen/Datenverarbeitungsgeräte, Möbel/Schmuck/Musikinstrumente/Sportgeräte/Spielwaren, sowie Nachrichtentechnik/Radio/TV,elektron.Bauelemente dominiert der Chinaimport inzwischen. Allein in den ersten 2 Monaten 2007 kam es zu weiteren Anteilssprüngen gegenüber 2006 (Abb. 08106).


Zunehmend werden vor allem Unterhaltungselektronik, Computer, Kühlschränke, Mikrowellengeräte und ähnliches technisches Gerät importiert. Bei der Unterhaltungselektronik lag das Plus gegenüber 2005 bei fast 40 Prozent, bei Computern waren es 20 Prozent mehr. Dabei bedienen sich die Chinesen gänzlich unchinesischer Namen, wie Lenovo (Computer), Konka (PC-Zubehör), Haier und Galanz (Haushaltsgeräte) oder TCL (Handys). Noch weniger bemerkbar ist der hohe Anteil chinesischer Einzelteilen in Produkten aus anderen Ländern. Nicht selten kleben auch westliche Handelsfirmen ganz ungeniert ihren Namen auf das Produkt.

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global news 712 19-05-07: Noch ein Klima-Schlag: Südliche Ozeane nehmen immer weniger Treibhausgase auf und werden immer saurer

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In „Science" ist eine Untersuchung mit dem Titel „Saturation of the Southern Ocean CO2 Sink Due to Recent Climate Change" erschienen. Die sogenannten natürlichen Senken in den Weltmeeren nehmen normalerweise etwa die Hälfte des von Menschen verursachten CO2 auf und vermindern so den Treibhauseffekt der Erderwärmung erheblich. Nun aber haben die Wissenschaftler festgestellt, daß dieser segensreiche Effekt zwischen 1981 und 2004 im Südlichen Ocean rund um die Antarktis immer weniger als erwartet des enormen Anstiegs an atmospherischem Kohlendioxid aufgenommen hat, fünf bis dreißig Prozent weniger pro Jahrzehnt - als Forscher vorhergesagt hatten. Dabei sind diese südlichen Senken die wichtigsten auf dem Globus (Abb. 07164).


Die Abnahme wird auf die Verstärkung der Winde als Folge des vom Menschen verursachten Treibhauseffekts zurückgeführt. Durch die Winde würden tiefere, kohlendioxidreiche Wasserschichten an die Oberfläche gewirbelt, die dann Kohlendioxid in bestimmten Fällen sogar abgäben. Damit verstärkt sich der Treibhauseffekt derzeit selbst. Die Autoren der Studie zeigen sich sehr besorgt, weil sich dieser ungünstige Effekt noch im Laufe dieses Jahrhunderts mit der von den Klimamodellen angezeigten Häufung von Stürmen verstärken wird.

Außerdem wurde herausgefunden, daß die Übersäuerung durch den Aufnahmeprozes wahrscheinlich schon vor dem Jahr 2050 ein gefährliches Niveau erreichen wird.

Die Menschheit in ihrem CO2-intensiven Lebensstil, den die neoliberale Globalisierung um den Globus herum trägt, gleicht immer mehr einem „Teufelsschüler", der versucht, ein kompliziertes Uhrwerk zu regulieren und dabei ein Räderwerk der Natur nach dem anderen zerstört. In diesem Sinne ist der Neoliberalismus ein Fluch, der über die Menscheit gekommen ist. Siehe jetzt wieder die Weigerung der USA, in das Ergebnis des kommenden G8-Gipfels irgendeine Erwähnung der bei 2 Grad Celsius vom UN-Weltklima-Rat bestimmten Gefahrengrenze für den Treibhauseffekt aufzunehmen. Mit welchem Gleichmut können die älteren Generationen eigentlich ihren Kindern in die Augen sehen, die dies alles werden ausbaden müssen?

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global news 711 18-05-07: Endrunde in der Exportweltmeisterschaft

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Drei Länder machen die Endrunde um die Exportweltmeisterschaft unter sich aus: China, Japan und Deutschland (in der Reihenfolge der Bevölkerungsgröße). Alle drei haben riesige Bilanzüberschüsse mit steigender Tendenz (Abb. 12443). Japan ist dabei schwach in das Jahr gestartet, hat aber im März einen Exportüberschuß erzielt, die auf das Jahr gerechnet mit 131 Mrd Euro in der Nähe der beiden Konkurrenten liegt.


Abb. 12344 zeigt die für 2007 hochgerechneten Bilanzüberschüsse als Anteile am Bruttoinlandsprodukt.


Gemessen daran sind ihre Währungen stark unterbewertet und wird volkswirtschaftliche Leistung massiv ans Ausland verschenkt. Da die auf den Export verwandten Teile des Bruttoinlandsprodukts nicht von den Unternehmens- und Vermögensbesitzern getragen werden, deren Einkommen sich von Jahr zu Jahr stark erhöhen, geht die Belastung voll auf das Konto normaler Arbeitnehmer, deren Nachfrage durch strenge Lohndisziplin stark weggebremst wird.

China und Japan kämpfen zudem mit gegenüber dem Euro stark nach unten manipulierten Währungen (Abb. 13257, 13256). Das ist für Deutschland wegen der negativen Lohnpolitik und damit fallen Stücklohnkosten bisher kein großes Problem, wohl aber für die anderen Europartner.



Natürlich kann die Endrunde noch sehr lange andauern. Praktisch so lange, bis die Arbeitnehmer eine so einseitige Belastung nicht länger akzeptieren. Man kann wetten, in welchem der drei Länder das zuerst der Fall sein wird.

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extra global news 710 17-05-07: Die vorrauszeigenden Konjunktur-Indikatoren der OECD für Deutschland und andere G7 auf Sinkflug

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Die OECD hat am 10. Mai ihre neuesten Indikatoren der zu erwartenden Wirtschaftsentwicklung veröffentlicht. In der vornehmen Sprache der OECD heißt es dazu in der Presseerklärung: „Die Indikatoren zeigen an, daß einige Moderation in der Wirtschaftsentwicklung des OECD-Bereichs zu erwarten ist. Obwohl die März-Daten eine leicht verbesserte Situation in den USA, Großbritannien und Italien andeuten, ist der Abwärtstrend für die meisten G7-Volkswirtschaft noch offensichtlich." Die OECD erwähnt Deutschland nicht ausdrücklich, obwohl hier der Abwärtstrend schon seit fast einem Jahr ohne Unterbrechung anhält und von einer hohen 8,0 auf nur noch 1,2 gefallen ist (Abb. 12405).


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global news 709 17-05-07: Beginnt nun auch die Antarktis wegzuschmelzen?

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In der Antarktis sind die größten Süßwasservorräte der Welt in einem tausende von Metern dicken Eispanzer eingefroren. Jetzt bekannt gewordene Messungen des Nasa-Satelliten "Quikscat" haben ergeben, dass es im Jahr 2005 zu einer großflächigen Schmelze in der Westantarktis gekommen ist. Bisher hatte es nach Konrad Steffen, Glaziologe von der University of Colorado, mit Ausnahme der Antarktischen Halbinsel (siehe unten), kaum Anzeichen für eine Erwärmung gegeben. Die Daten des Satelliten "Quikscat" bewiesen jedoch - so Steffen -, dass im Januar 2005 im Westen des Kontinents in mehreren Regionen Schnee geschmolzen sei. Ein Meßgerät an Bord des Nasa-Satelliten beobachtet seit 1999 die Antarktis-Oberfläche und miß dabei die Reflexionen. Es kann Schnee von den Eiskristallen unterscheiden, die entstehen, wenn Schnee schmilzt und nachts wieder gefriert. Nun haben Forscher mit diesem Gerät die Schneeschmelze entdeckt, die von der Größe her Kalifornien entspricht. Abb. 07163 zeigt gelb gekennzeichneten Bereiche, in denen im Januar 2005 der Schnee schmolz und anschließend wieder fror. Tatsächlich waren die Höchsttemperaturen im Januar 2005 ungewöhnlich hoch gewesen und sollen teilweise mehr als fünf Grad Celsius erreicht haben. Dabei sollen die Temperaturen über einen Zeitraum von einer Woche oberhalb des Gefrierpunkts gelegen haben. Die Schmelze spielte sich in Regionen im Innern der Antarktis, z.T. über 900 Kilometer von der Küste entfernt und in Höhenlagen von über 2000 Metern ab.


Steffen befüchtet nun, bei einer Zunahme der Schneeschmelze könne das entstandene Wasser durch Spalten von der Oberfläche in tiefere Eisschichten gelangen und bis auf den Grund der Eisschicht laufen. Dort könnte es dann als ein Schmiermittel wirken, das ein Abgleiten des Eises Richtung Ozean erleichtern würde. Noch ist unbekannt, ob es sich 2005 nur um einen ungewöhnlichen Zufall handelte oder den Beginn einer gefährlichen Entwicklung.

Schon 2002 hatte sich ein Riesen-Eisschild von ca. 100 km Breite und 200 Meter Dicke (Larsen B), das in den vergangenen 12.000 Jahren stabil gewesen war, in einer spektakulären Entwicklung gelöst und später im Meerwasser aufgelöst (Abb. 07140).


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global news 708 16-05-07: Nachfrage beim Statistischen Bundesamt zu der Erfassung der MWSt-Erhöhung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

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Ich hatte zu den Ergebnissen des 1. Quartals der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in einem Rundbrief und Gedanken zur Zeit darauf hingewiesen, daß dort die MWSt-Erhöhung eingegangen sei. Nun teilt das StaBuA mit, daß diese bei der Preisbereinigung wieder herausgerechnet worden sei.

Meine Mail an StaBuA

Ihre heutige Meldung über den BIP-Zuwachs im 1. Quartal von 0,5 % veranlaßt mich zu der Frage, ob es stimmt, daß dieser Zuwachs allein schon durch den Effekt der Hereinrechnung der Steuererhöhung in das BIP (geschätzt auf 1 %) produziert wird? Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Antwort von StaBuA

Die Mehrwertsteuererhöhung von 16% auf 19% zum 01.01.2007 hat keinen unmittelbaren Effekt auf die Zuwachsrate des preisbereinigten BIP.

Im Rahmen der Preisbereinigung (Deflationierung) wird die Erhöhung des Steuersatzes herausgerechnet, da bei einer Gütersteuer die Erhöhung des Steuersatzes bereinigt wird. Im preisbereinigten Wachstum des BIP (Wirtschaftswachstum) ist die Erhöhung des Steuersatzes also nicht mehr enthalten.

Im Fall einer sog. Wertsteuer, wie beispielsweise der Umsatzsteuer, wird zusätzlich auch die Veränderung der Preise der besteuerten Güter als Teil des "Preises" der Steuer aufgefasst.

Nähere Informationen zur Deflationierung der Gütersteuern finden Sie in Fachserie 18, S. 24 "Methoden der Preis- und Volumenmessung", die Sie kostenlos im Statistik-Shop via Internet (www.destatis.de) downloaden können.

Meine Reaktion

Vielen Dank fuer Ihre Erklärungen. Allerdings erlaube ich mir die Anregung, solche Klarstellungen nicht nur im Kleingedruckten einer Fachserie unterzubringen, sondern dort wo das StaBuA die Berechnung des BIP in Statistik von A bis Z für normale Menschen erläutert. Die dortigen Ausführungen sind mindestens stark irreführend, wenn sie zu den Erläuterungen in der Fachserie passen sollen. Denn dort heißt es zum BIP-Indikator: Auf Vorjahrespreisbasis wird die „reale" Wirtschaftsentwicklung im Zeitablauf frei von Preiseinflüssen dargestellt. Die Veränderungsrate des preisbereinigten BIP dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften. Und unter der Überschrift "Wie wird der Indikator berechnet" heißt es dann weiter: "In der Entstehungsrechnung (Produktionsansatz) wird das BIP ermittelt, indem die Wertschöpfung aller Produzenten als Differenz zwischen dem Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen (Produktionswert) und dem Vorleistungsverbrauch berechnet wird und dann die Gütersteuern (wie Tabak-, Mineralöl- oder Mehrwertsteuer) hinzugefügt wird." Von Wiederherausrechnen wird dort kein Wort verloren. Auch beim preisbereinigten Kettenindex in der Tabelle 81000-0001 werden die Gütersteuern verrechnet.

Man darf dann sicher auch fragen, warum die Hinzufügung überhaupt erst stattfindet, denn es ist ohnehin für normale Menschen schwer nachvollziehbar, daß Steuern Wirtschaftsleistung sein sollen?

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extra global news 707 16-05-07: Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für März 2007: Arbeitseinkommen weiter auf Sparflamme trotz guter Entwicklung von Produktivität und Umsatz

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Wie schon im Februar so hat sich auch im Zeitraum Januar-März nach den heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts beim Vorjahresvergleich das Entgeld pro Arbeitsstunde kaufpreisbereinigt weiter vermindert, während die Lohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigtem nur um 1 % gewachsen ist. Die Stagnation von Arbeitsentgeld pro Stunde und Fast-Stagnation der Lohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigtem zeigt sehr deutlich auch den Einfluß der zunehmenden Zahl von billigen Leiharbeitskräften, Teilzeitbeschäftigten und solchen in anderen schlecht bezahlten Jobs (Abb. 04691).


Diese ungünstige Entwicklung der Durchschnittsarbeitseinkommen, die sich in der gewerblichen Wirtschaft noch weniger schlecht als in der Gesamtwirtschaft entwickeln, erklärt zu einem großen Teil die schlechte Entwicklung des Verbrauchs privater Haushalte im 1. Quartal 2007 und damit das enttäuschende Gesamtergebnis. Die Beschäftigten der gewerblichen Wirtschaft haben weiterhin keinen Anteil an dem starken Aufwuchs der Produktivität (Umsatz pro Beschäftigten) um 5,6 % gegenüber Vorjahr.

Die ungleiche Entwicklung von Export und Binnenumsatz zeigt die immer stärkere Abhängigkeit vom Export, eine gefährliche Entwicklung.

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global news 706 16-05-07: Aus aktuellem Anlaß: Steuerquoten und Wirtschaftsleistung

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In Deutschland, wie in anderen Ländern, findet eine Dauerdiskussion über Steuersenkungen statt. Dabei geht es derzeit in Deutschland vor allem um die Einkommens- und Gewinnsteuern, und hier besonders um die Unternehmenssteuern und damit verbunden die Steuern auf Zinseinnahmen. So fordert jetzt der Bundesrat Nachbesserungen bei der Unternehmenssteuerreform; vor allem die Zinsschranke, die Verlagerung von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen eindämmen soll, müsse überprüft werden. Außerdem wird heftig über die Zukunft der Erbschaftssteuer diskutiert; viele in der CDU/CSU wollen sie ganz abschaffen. Daher ist wieder einmal ein Vergleich der Hoch- und Niedrigsteuerländer und ihrer Wirtschaftsleistung angebracht. Deutschland hat unter den Alt-EU-Ländern, den EU-15, seit 2000 die Steuerquote am drittstärksten gesenkt (Abb. 12435) und hat damit nach Griechenland die niedrigste Steuerquote (Abb. 12434).



Die fünf Länder mit den niedrigsten Steuerquoten sind Griechenland, Deutschland, Spanien, Portugal und Niederlande. Die fünf Länder mit den höchsten Steuerquoten sind Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien und Großbritannien. Ein Vergleich der Wirtschaftsentwicklung von 2000 bis 2006 zeigt, daß sich die Hochsteuererländer im BIP-gewichteten Durchschnitt mit 15,4 % erheblich besser entwickelt haben als die Gruppe der Niedrigsteuer-Länder mit 11.2 % (Abb. 12438). Daraus ist mindestens zu entnehmen, daß niedrige Steuerquoten nicht wirtschaftsfördernd gewirkt haben - das gilt besonders für Deutschland - und daß hohe Steuerquoten durchaus gut bekommen sind.


Für mehr zu diesem Thema siehe neuen Schwerpunkt Aus aktuellem Anlaß: Steuerquoten und Wirtschaftsleistung.

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global news 705 15-05-07: Jetzt haben wir den Salat: Wachstum im 1. Quartal halbiert (ohne künstlichen MWSt-Erhöhungs-Effekt sogar minus 0,5 %)

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Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im 1. Quartal 2007 mit einem schwachen Plus von nur 0,5 % ausgesprochen enttäuschend ausgefallen (Abb. 04718). Das Wachstum hat sich damit verglichen mit dem 4. Quartal 2006 praktisch halbiert. Enttäuschend ist das erst recht, wenn man den künstlichen Steuereffekt berücksichtigt, den das Statistische Bundesamt natürlich nicht erwähnt. Das Statistische Bundesamt fügt nämlich dem BIP die Gütersteuern (wie Tabak-, Mineralöl- oder Mehrwertsteuer) hinzu. Damit bläst allein die Erhöhung der Mehrwertsteuer als wichtigster Gütersteuer um 3 Prozentpunkte das BIP in diesem Jahr um mehr als 1 % auf. Ohne diese recht komische Einbeziehung des Effektes der Mehrwertsteuererhöhung wäre also die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal um mindestens 0,5 % zurückgegangen. Bitte beachten: Nach Auskunft des StaBuA trifft das jedoch nicht zu, siehe hier.


Der negative Trend hält nun - mit der kleinen Unterbrechung im 4. Quartal 2006 - schon seit drei Quartalen an (Abb. 04790).


Ursächlich war vor allem die ungünstige Entwicklung der privaten Nachfrage (siehe unten Einzelhandelsumsatz) sowie die des Exports, der gegenüber dem Vorquartal 0,4 % verlor (Abb. 04783).


Im EU-Vergleich landet Deutschland im Vergleich des 1. Quartals 2007 mit dem Vorquartal selbst mit dem künstlichen MWSt-Effekt von 1 % nur auf einem der letzten Plätze (Abb. 13287).


Immer wieder war von den verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten und Umfrage-Forschern wie Ifo oder GfK jubelnd vorrausgesagt worden, daß die Mehrwertsteuererhöhung schon gut verdaut sei. Dazu stellt nun das Statistische Bundesamt fest: „Dagegen haben die privaten Konsumausgaben das Wirtschaftswachstum deutlich gebremst, was ins­besondere im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn zu sehen ist."

Die Institute wetteiferten mit immer schöneren Prognosen für dieses Jahr. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft verstieg sich sogar auf 2,8 % Zuwachs; da müßte das Wachstum nun im Rest des Jahres mit einer Jahresrate von 3,1 % explodieren. Die Medien sahen Deutschland schon im Superboom. Mit allen Tricks eines falschen Jubels hat man versucht, die Menschen zum unbesorgten Geldausgeben zu verführen, um so die Konjunktur zwar nicht über Lohnsteigerungen, dafür aber mit den Mitteln der Psychologie anzuheizen. Es hat - jedenfalls bisher - nichts bewirkt. Wie sollte es auch bei der stagnierenden Einkommensentwicklung; die Menschen können immer noch rechnen. So sind die Stundenverdienste in der gewerblichen Wirtschaft nach den letzten amtlichen Zahlen vom Februar kaufpreisbereinigt um 0,5 % gegen Vorjahr weiter zurückgefallen, die eingefrorenen Renten und Beamtenbezüge real sogar um 1,5 %. Die detaillierten Ergebnisse zum 1. Quartal 2007, die am 24. Mai veröffentlicht werden, dürften das erneut bestätigen.

Die ungünstigen Ergebnisse zeichnete sich bereits deutlich in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze ab, die in der Kumulation der Monatsveränderungen der ersten drei Monate 2007 um 5,4 % gegen Dezember 2007 zurückfielen (Abb. 04214). Unsere EU-Partner zeigen da ein ganz anderes Bild (Abb. 12378). Auch die PKW-Zulasssungen sind in den ersten vier Monaten schon um 9 % hinter das Vorjahresergebnis zurückgefallen; die Tendenz ist hier abgesehen vom Dezember-Rush schon seit Juni 2006 fallend (Abb. 04789).




Trotz aller Warnsignale hob die Bundesregierung erst vor wenigen Tagen in ihrer Frühjahresprojektion die Projektion für 2007 auf 2,3 % an. Dabei der Bundeswirtschaftsminister unter der Überschrift: „Konjunktureller Aufschwung festigt sich" voller Selbstlob: „Die Zahlen für die aktuelle Entwicklung sind ausgesprochen positiv; sie stellen unserer Politik ein gutes Zeugnis aus". Für diese Prognose wird es jetzt enger werden, schon weil das nun ein Wachstum von stolzen 2,4 % im Rest des Jahres verlangt (Abb. 04787).

Wahrscheinlich werden die meisten Medien das enttäuschende Ergebnis allein der einmaligen Mehrwertsteuer-Erhöhung und nicht der dauerhaft negativen Entwicklung der Massenkaufkraft zuschreiben. Vielleicht werden sie auch den Tarifabschluß in der Metallindustrie, der ohnehin knapp ausgefallen ist, weiterhin unangemessen als Durchbruch für die Massenkaufkraft verallgemeinern, obwohl selbst der nur einen sehr begrenzten Teil der Lohnempfänger und schon gar nicht die Rentner betrifft. Dann kann man wieder ungestört in die Zukunft jubeln. Natürlich wird sich niemand dieser Jubeler gern daran erinnern lassen wollen, daß er schon das Jahr 2006 leichtfertig, weil ohne Herausrechnen des Mehrwertsteuer-Effekts, bejubelt hatte. Und natürlich wird niemand an den eingangs erwähnten künstlichen Mehrwertsteuereffekt von 1 % im Jahr 2007 erinnern.

Und hier noch eine Kostprobe, wie BILD das Ergebnis heute verarbeitet: „Wirtschaft boomt weiter. Die Mehrwertsteuererhöhung hat die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn weniger gebremst als zunächst befürchtet." Und noch besser der Bundeswirtschaftsminister in seiner Pressemitteilung: „Konjunktur in Deutschland auf robustem Wachstumskurs". Es darf also weiter gejubelt werden. Na dann jubelt mal schön!

Siehe dazu jetzt auch Gedanken zur Zeit.


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global news 704 14-05-07: Produktivitätsfortschritt in China viermal schneller

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Nach neuen Zahlen des IWF erreicht China einen Produktivitätsfortschritt von fast 9 % pro Jahr (Abb. 08104), während die entwickelten Volkswirtschaften nur bei etwas über 2 % liegen, so auch der deutsche Zuwachs des vergangenen Jahres.


Hier zeigt sich, wie das starke Wirtschaftswachstums China zusammen mit besserer Ausbildung, einer stürmischen technologischen Entwicklung und viel Technologieimport (legal oder illegal) auf die Produktivität durchschlägt. Kombiniert mit wesentlich niedrigeren Löhnen, einer nach unten manipulierten Währung, vielen Exportsubventionen und einer rücksichtslosen Ausbeutung der Umwelt entsteht so ein Wirtschaftsgigant, mit dem auch Deutschland am Ende auf den Weltmärkten nicht mithalten kann. Jedenfalls, solange als die Spielregeln nicht fairer und das heißt weniger neoliberal gestaltet werden.

Der chinesische Handelsbilanzüberschuß ist in den ersten vier Monaten 2007 um nicht weniger als 88 % gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen (Abb. 08105).


Das gestiegene wirtschaftliche Gewicht spielt China nun auch zunehmend auf der internationalen Bühne aus. So hat China mit anderen Entwicklungsländern und den USA verhindert, daß die Uno-Kommission für Nachhaltige Entwicklung den Vorschlag der EU akzeptierte, alle Länder zur Abgabe eines langfristigen Energieplanes bis 2010 zu verpflichten. China argumentierte, daß damit seine Energiepolitik der Kontrolle durch Industriestaaten unterstellt worden wäre.

Wie China in Deutschland immer noch unterschätzt wird, zeigt ein Bericht in SPIEGEL-online über die von dem Schweizer Management-Instituts IMD jährlich vorgelegte Rangliste der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ("World Competitiveness"): „ .. (Deutschland) liegt damit nur noch knapp hinter China." Wahrscheinlich sind solche Vergleiche ohnehin nicht viel wert. Nimmt man diesem zum Nennwert, so liegt in der Tat China Mainland nur einen Platz über Deutschland, aber im Durchschnitt zusammen mit dem chinesischen Hongkong sind es viele Plätze mehr (Abb. 12432). Das „SPIEGEL-Noch" suggeriert zudem, China würde nun hinter Deutschland zurückfallen. Der SPIEGEL sollte sich lieber wundern, daß das kommunistische China überhaupt so hoch rangiert. Immerhin gehen in diese Bewertung, neben harten Faktoren wie das Wirtschaftswachstum, auch Rahmenbedingungen wie die Motivation der Beschäftigten, Sprachkenntnisse oder die Ausgaben für die Gesundheit ein.


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global news 703 12-05-07: Die Freihandelspäpste lenken ein

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Zwei Gallionsfiguren vor allem sind es, die in den letzten Jahrzehnten die Lehre vom gefahrlosen Nutzen des Freihandels verfochten hatten. Beide sind ihrem Beruf entsprechend konservativ und liberal ausgerichtet. Der eine ist der Nobelpreisträger und Mentor der Theorie zum internationalen Handel Paul Samuelsen, der andere Alan S. Blinder, Wirtschaftsprofessor an der Princeton University. Paul Samuelsen wurde seinem Freihandels-Glauben unter dem Eindruck der enormen Umschichtung zu den Niedrigstarbeitsplätzen und den sozialen Auswirkungen untreu. Im Spiegel-Interview vom September 2005 erklärte er: „Ich glaube, daß sich in der globalen Welt bei der Einkommensverteilung die Trennung zwischen der oberen Hälfte und der unteren verschärft. Die Globalisierung gibt uns zusätzlichen Wohlstand, aber sie bringt uns ebenso zusätzliche Unsicherheit, Spannungen und ein erhöhtes Maß an Ungleichheit. Vielleicht sollten wir den Prozess ein wenig bremsen."

Nun hat auch Alan Blinder ein erstes Handtuch geworfen. Die Financial Times hat in Ihrer gestrigen Ausgabe prompt ein großes Lamento angestimmt: Ausgerechnet Blinder! Blinder sieht ein gewaltige Lawine von Verlagerungen im Dienstleistungsbereich in Richtung Niedrigstkostenländer auf die USA zurollen. Dabei sollen vor allem die höher qualifizierten und daher bisher als sicher geltenden Jobs betroffen sein. Er steht unter dem Eindruck einerseits des enormen Fortschritts in der Kommunikationstechnologie, die solche Verlagerungen erst möglich macht, und andererseits des Eintritts von 1,5 Milliarden „neuer" Arbeitskräfte aus China, Indien und Osteuropa in die Weltwirtschaft. Seiner Ansicht nach wird vor allem China und Indien hunderte von Millionen hochgradig ausbilden. Demgegenüber sieht er das amerikanische Bildungssystem als längst nicht ausreichend vorbereitet an, um diesen Ansturm über die Qualität der amerikanischen Arbeitskraft zu parieren.

Dieser Prozeß hat es in sich, denn er soll zugleich Dekaden andauern und daher nicht schnell durchzustehen sein, bis zu 40 Millionen Jobs allein in USA betreffen können und am hohen Ende Wissenschaftler, Mathematiker, Herausgeber und ähnliche Berufe erfassen. Vor allem soll er schmerzvoll sein, weil das soziale Sicherheitsnetz nicht ausreicht, um diese Masse an ausgebooteten Arbeitskräften aufzufangen. Nur die Glücklichen unter ihnen werden Möglichkeiten einer Umschulung haben. Der volle Wortlaut seines Artikels in der Washington Post vom 6. Mai 2007 ist hier auf Englisch beigefügt.

Man muß sich fragen, ob Deutschland sehr viel besser dran sein wird. Wie alle alten Industriegesellschaften versucht auch Deutschland, sich vor der Konkurrenz der Industrieprodukte aus den Billigstländern nicht zuletzt durch den Aufbau des Dienstleistungssektors zu retten. Der Dienstleistungsanteil an der Beschäftigung beträgt schon mehr als 72 % (Abb. 04784).


Einige dieser Bereiche werden tatsächlich relativ sicher sein, weil sie nur vor Ort ausgeübt werden können, wie im Gaststätten- und Hotelbereich, im lokalen Transportsektor oder bei Krankenschwestern sowie natürlich bei Polizei und Sicherheitsdiensten. Doch gerade die höher qualifzierten Bereiche, bei denen sich bisher die dort Arrivierten sicher fühlten, werden auch in Deutschland besonders bedroht sein, solange nicht das Bildungssystem gewaltige Sprünge nach vorne macht. In dieser Hinsicht sind unsere Bildungsausgaben im internationalen Vergleich nur miserabel zu nennen. Sie liegen so ziemlich am Ende des Vergleichsfeldes (Abb. 13004, 13092, 13093).




Deutschland hat eine besonders niedrige Hochschulabschlußquote (Abb. 13001) und zählt auch unter seinen jüngeren Erwachsenen einen vergleichsweise kleinen Anteil an Hochschulabsolventen (Abb. 13088). Besonders schlecht sieht es bei der naturwissenschaftlichen Abschlußquote pro Erwerbstätige aus, die beispielsweise um das Zweieinhalbfache niedriger als beim Spitzenreiter Finnland liegt (Abb. 13002).




Gerade hier könnten mit hochgradigen Leistungen vor Verlagerung sichere Arbeitsplätze entstehen. Nach dem eigenen Bericht der Bundesregierung „Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006" verläuft jedoch das Wechselspiel von Industrie und Dienstleistungen in Deutschland in gebremstem Tempo, weil zum einen wissensintensive Dienstleistungen nur schwach gewachsen sind und daher weniger Impulse für Innovationen gegeben haben. Die Exportorientierung der deutschen Wirtschaft begünstige zum anderen einseitig den Industriesektor, darunter zunehmend diejenigen Industrien, die nicht forschungs- oder wissensintensiv produzieren und kaum mehr expandieren werden. Deutschland sei in den letzten Jahren einen eigenständigen wirtschaftsstrukturellen Weg gegangen, der auf längere Sicht gesehen nur wenig Wachstumsperspektiven und kaum zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten verspreche. Wissensintensive Dienstleistungen hätten in Deutschland in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Ländern Boden verloren haben. Kein gutes Bild also.

Und hier noch einmal Blinder: Warum melde ich mich jetzt mit meinen Sorgen? Wenn wir Wirtschaftswissenschaftler stur darauf bestehen zu singen „Freihandel ist gut für Euch" für Menschen, die wissen, daß das nicht so ist, werden wir schnell irrelevant in der öffentlichen Debatte werden.

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extra global news 702 11-05-07: Immer weniger Mütter mit Kleinkindern

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Nach der heutigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts geht die Zahl der Mütter mit Kleinkindern in Deutschland erheblich zurück. Von 1996 bis 2005 betrug der Rückgang fast 8 %. Besonders stark war er bei Müttern mit zwei Kindern (-10 %) und drei und mehr Kindern (-18 %). Siehe Abb. 04785. Das entspricht auch dem Rückgang der Geburtenrate (Abb. 04579).



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global news 701 11-05-07: Frankreich und die EZB: Wer hat recht?

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Beide französischen Präsidentschaftskandidaten hatten der EZB vorgeworfen, mit zu hohen Zinsen den Euro-Kurs so hochzutreiben, daß der französische Export (z.B. Airbus) verliert. Sarkozy hat eine Änderung der Statuten vorgeschlagen, wonach die EZB auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes zu berücksichtigen hätte, wie es z.B. die FED in USA tut. Er setzt sich deshalb für einen permanenten Dialog der EZB mit einem neuen Wirtschaftsrat der Eurozone ein. Man erwartet, daß er seine Zustimmung zu einer Änderungen des EU-Vertrages mit Forderungen nach Änderungen an der EZB-Satzung verknüpfen wird. Sucht Sarkozy, wie die Presse teilweise meint, nur einen Prügelknaben für Schwächen des französischen Arbeitsmarktes oder hat er gute Gründe für seinen Vorstoß?

Zunächst einmal trifft es zu, daß sich der französische Export längst nicht so gut entwickelt wie der deutsche (Abb. 12428, 12431).



Im Unterschied zu Deutschland hat es in Frankreich eine normale Lohnentwicklung gegeben (Abb. 12429), die die Arbeitnehmer am Produktivitätsgewinn und Zuwachs der Volkswirtschaft beteiligt hat. Das zeigt sich auch in einer - im Unterschied zu Deutschland - normalen Entwicklung der Nachfrage der Haushalte (Abb. 12427) und intakten Binnenwirtschaft. Dafür hat der französische Export jedoch nicht den Rückenwind bekommen, den der deutsche aufgrund einer negativen Lohnpolitik und stark fallender Lohnstückkosten erfährt. Während der deutsche Export Dank der Lohnverzichte der Arbeitnehmer die Aufwertung des Euro wegstecken kann, ist das dem französischen Export mit weiter fallendem Dollarkurs immer weniger möglich.



Nach in Frankreich weitverbreiteter Auffassung ist die seit einigen Monaten betriebene schrittweise Anhebung der Zinsen durch die EZB nicht nur für den Export schädlich, sondern nicht einmal durch die Inflationsentwicklung gerechtfertigt. In Frankreich ist die Inflationsrate seit mehreren Monaten noch niedriger als in Deutschland (im März 2007 nur 1,2 % gegen 2,0 % in Deutschland, Abb. 12426). Sarkozy höhnt daher über die Obsession der EZB, eine Inflation zu bekämpfen, die gar nicht existiere. Tatsächlich hat die EZB die Zinsen weit stärker angehoben, als sich die Inflation in Frankreich bisher entwickelt hat, so daß der reale Zinsatz so hoch liegt, wie seit vielen Jahren nicht mehr (Abb. 12430). Die französische Nationalbank vor Euro-Zeiten und die FED in USA hätten eine solche Politik bei Wirtschaftsdaten wie jetzt in Frankreich nicht betrieben. Die Abbildung zeigt sehr deutlich, wie die Differenz zwischen Nominalzins und realer Zinsrate bei nachlassender Inflation ständig kleiner geworden ist.



Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß einerseits von der Aufwertung des Euro die chinesische Währung mit ihrer weiterhin relativ engen Anbindung an den Dollar profitiert und damit der Billigstimport aus China zu Lasten der Produktion in Frankreich angekurbelt wird. Andererseits übt Deutschland mit seiner negativen Lohnpolitik und entsprechenden Exporten nach Frankreich sehr viel zusätzlichen Druck auf den französischen Arbeitsmarkt aus, ohne daß innerhalb des Euro Währungsanpassungen noch wie früher möglich wären. Der deutsche Export ist in den ersten drei Monaten in die Eurozone um 11,8 % (unbereinigt) gestiegen, in Drittländer dagegen nur um 7,1 %.

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extra global news 700 10-05-07: Schon wieder falsche Jubel-Meldungen: Diesmal zum Export

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BILD meldet: „Deutsche Exporte legen weiter kräftig zu!" Das bezieht sich nach der Erklärung auf die Mitteilung des Statistischen Bundesamts, wonach der Export in der Periode Januar bis März 2007 um 11,1 % zugenommen hat. Schaut man jedoch genauer hin, so hat sich BILD eine Zahl herausgeklaubt, die weder kalender- noch saisonbereinigt wurde, noch wurde die Entwicklung der Exportpreise berücksichtigt. Schon die kalender- und saisonbereinigten Angaben hätten BILD vorsichtig machen müssen, denn die waren zuletzt negativ. Nimmt man alle Bereinigungsfaktoren in Betracht, so stagniert der deutsche Export volumensmäßig bereits seit Oktober letzten Jahres (Rückgang seitdem um 1,8 %). Abb. 04783 stellt diese Entwicklung grafisch dar.


Dabei werden viele deutsche Branchen immer mehr vom Export abhängig, weil der Binnenabsatz stagniert oder weiter zurückläuft. So sind die PKW-Zulasssungen in den ersten vier Monaten schon um 9 % hinter das Vorjahresergebnis zurückgefallen.

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global news 699 10-05-07: Zusammenhänge von Produktivität, Produktionsindex, Arbeitnehmereinkommen und Verbraucherinsolvenzen

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Seit Jahren ist die Produktivität erheblich stärker gewachsen als die Arbeitnehmereinkommen (Abb. 04782). Im Ergebnis haben sich die Kapitaleigner den Produktivitätsgewinn einseitig angeeignet. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in der Industrie, wo die Produktivität in 2006 um fast 7 % anstieg (Abb. 04779), die Arbeitnehmerverdienste preisbereinigt dagegen nur um 1,7 % zunahmen (Abb. 04781).




Im Lichte dieser Entwicklung wirkt auch der jüngste Abschluß in der Metallindustrie geradezu mickrich (Abb. 04780).


Nach den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigt der Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im März leicht nach unten, wobei sich vor allem die Energieproduktion abgeschwächt hat. Während die Industrie insgesamt weiter im Aufwärtstrend liegt, hält jedoch in der Konsumgüterindustrie, die weit mehr auf den Inlandsabsatz angewiesen ist, die nun schon seit dem Herbst 2005 verzeichnete Stagnation mit geringen Aufs und Abs an (Abb. 04306). Dies ist zugleich eine Folge der ungünstigen Entwicklung der Arbeitseinkommen und Renten, die sich auch im Anstieg der Verbraucherinsolvenzen um ein Viertel gegen Vorjahr zeigt (Abb. 04028).



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global news 698 09-05-07: Deutschlands Immigranten: Hier kommt noch eine Unterklasse

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Das Statistische Bundesamt hat jetzt weitere Daten aus dem Mikrozensus 2005 zu den 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen) in Deutschland ausgewertet. In mehreren Größstädten, wie Nürnberg, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgar, haben Kinder (unter 5 Jahren) mit Migrationshintergrund schon eine Zwei-Drittel-Mehrheit in ihrer Altersgruppe (Abb. 13280). Hier kombiniert sich die Konzentration der Immigranten vor allem auf Großstädte mit der wesentlich geringeren Kinderzahl der deutschstämmigen Bevölkerung.


Deutschland hat nach Feststellungen der OECD den bei weitem größten negativen Abstand in der Lesefähigkeit von Immigranten-Kindern verglichen mit denen von einheimischen Eltern (Abb. 13284). Das zeigt, wie schlecht trotz des hohen Anteils an Immigrantenkindern die Integration in das erheblich unterfinanzierte deutsche Bildungs- und in der Konsequenz auch Berufssystem gelingt. Die Situation wird sich notwendigerweise noch verschlechtern, wenn in wenigen Jahren die Einwanderungsschranken für die osteuropäischen Beitrittsländer fallen, und erst recht, falls die Türkei der EU beitreten sollte.


Die Ergebnisse zeigen weiter, dass Personen mit Migrationshintergrund im Unterschied zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund geringer qualifiziert sind (Abb. 13281). Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind doppelt so häufig als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig wie Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund.


Die neun wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei (mit 14,2% aller Zugewanderten), die Russische Föderation (9,4%), Polen (6,9%), Italien (4,2%), sowie verschiedene Balkanländer (13,1 %) - Abb. 13283.


Hier wächst immer stärker eine neue Unterklasse in der deutschen Gesellschaft heran, die ihre Rechte einfordern wird und die - solange es keine wirksamen Mindestlohnregelungen gibt - in erheblichem Umfang gering qualifizierte deutschstämmige Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt verdrängen wird.

Im internationalen Vergleich ist der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung relativ hoch und wird schon jetzt fast nur von den ausgesprochenen Einwanderungsländern Kanada und Australien übertroffen (Abb. 13285).


Eine ausführliche Darstellung mit vielen Abbildungen enthält der neue Schwerpunkt.

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global news 697 08-05-07: Nochmal zum Tarifabschluß in der Metallindustrie

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Um es gleich einzuräumen: Ich bin natürlich kein Tarifexperte und Tarife sind komplizierte Vereinbarungen. Dennoch bleibe ich dabei: Mit ein paar vernünftigen Annahmen lassen sich solche Vereinbarungen einigermaßen bewerten und mit Inflation und Produktivitätsentwicklung abgleichen. Ich halte daher die Kritik von Nachdenkseiten, jede Umrechnung auf 24 Monate wäre „Quatsch", weil der Abschluss ab November 2008 nicht bekannt ist, nicht nur im Ton für überzogen sondern auch für unberechtigt. Mit dem Argument: „Es gibt keine mathematische Musterrechnung, um eine prozentuale Jahreserhöhung auszurechnen" macht es sich Nachdenkseiten zu einfach.

Sollen Metaller und Öffentlichkeit total im Dunkel tappen, was dieser Abschluß eigentlich bedeutet? Soll man wirklich annehmen, daß die Verhandler der IG-Metall nicht genau wußten, was sie mit dem Abschluß für dieses und das nächste Jahr erreichen würden? Die Arbeitnehmer müssen doch wenigstens ungefähr verstehen können, wie sich ihr Lohn im Dezember 2007 mit dem vom Dezember 2006 real vergleicht und ebenso vorraussichtlich der vom Dezember 2008. Was soll die breite öffentliche Diskussion, wenn keiner weiß, was die Zahlen eigentlich bedeuten? Kann der SPIEGEL und andere Medien nun allen Deutschen ungestört 3 % mehr vorgaukeln?.

Angenommen habe ich erstens, daß die gegenwärtige Verbraucherinflation von 1,9 % andauert, zweitens daß der zuletzt für 2006 festgestellte Produktivitätszuwachs von 2 % ebenfalls anhält und drittens daß die Anhebung für die ersten zehn Monate 2008 von 1,7 % sowie der Konjunkturbonus von 0,7 % auch für die letzten 2 Monate 2008 zur Anwendung kommen. Das Ergebnis ist in Abb. 04778 dargestellt, wobei die verschiedenen Anhebungen jeweils auf Jahresbasis umgerechnet sind. Es zeigt, daß sowohl Ende 2007 wie Ende 2008 der nominale Lohnanstieg nur um etwa 1,1 % bis 1,4 % über der Inflationsrate und weit unter dem Anstieg der Kombination von Produktivität und Inflation liegen wird. Dies setzt allerdings noch vorraus, daß die Arbeitgeber in einzelnen Unternehmen nicht nach der neuen Öffnungsklausel per Betriebsvereinbarung ein Hinausschieben der ab Juni 2008 fälligen Tariferhöhung um 4 Monate erzwingen. Ohnehin beträgt die Tarifbindung in Westdeutschland nur noch 70 %, in Ostdeutschland nur noch 55 %.


Übrigens liegen unter meinen Annahmen selbst die nominalen Erhöhungen auf das Jahr umgerechnet erheblich unter den 4,1 %, nämlich bei 3,05 % für 2007 und weiteren 2,19 % für 2008.

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global news 696 08-05-07: Der Sieg der nationalistischen französischen Rechten als Signal an die Linke, auch in Deutschland

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Was erwarten die Bürger von ihrem Staat seit jeher? Nichts anderes als Schutz. Welcher Art Schutz in Zeiten neoliberaler Globalisierung? Schutz genau dagegen. Da half es der armen Linkskandidatin in Frankreich wenig, in ihren Versammlungen die Marseillaise statt der Internationale singen zu lassen und sich für die Trikolore in jedem Haushalt einzusetzen. Die Menschen fühlten sich am Ende bei Sarkozy besser geschützt. Der versprach, den Kampf gegen die Belastungen aus der Globalisierung aufzunehmen, und bezeichnete gleich konkret die EU als Trojanisches Pferd der Globalisierung, die Europäische Zentralbank als Vernichter französischer Arbeitsplätze und die Türkei als ein Land, bei dem man selbst die Vorbereitungsgespräche für einen eventuellen Beitritt nach vielen Jahren sofort abbrechen sollte. Vor drei Wochen habe ich aus Frankreich unter dem Eindruck des französischen Wahlkampfs einen Gedanken zur Zeit unter die Überschrift gestellt: „Globalisierung treibt Wähler nach rechts".

Was kann die deutsche, eher internationalistisch orientierte Linke daraus lernen? Sie wird weiter den Bach heruntergehen, wenn sie nicht endlich wirksamen Schutz vor Globalisierung versprechen kann, denn gerade ihre traditionellen Wähler fühlen sich davon bedroht und die eigentlichen Belastungsproben der erst anlaufenden neoliberalen Globalsierung stehen noch bevor. Schließlich ist das Nationale auch in Deutschland wieder in. BILD hat das mit ganzen Breitseiten von „Stolz auf Deutschland" vorgemacht. Aber was tut z.B. die SPD in ihrem neuen Grundsatzprogramm? Statt den notwendigen Mindestschutz zu versprechen, spricht sie davon, daß Deutschland Gewinner der Globalisierung sei. Deutschland sind doch wir alle. Sind wir alle Gewinner? Kleinlaut und übel verharmlosend heißt es dann noch: „Aber nicht alle in unserem Land haben gewonnen."

Hier noch einmal zur Aufklärung dreierlei Fakten, die in der SPD nicht bekannt zu sein scheinen, wenn sie die große Mehrheit der Deutschen mit einigen Ausnahmen unter den Gewinnern sieht. Erstens: Die Einkommen der großen Mehrheit der Arbeitnehmer und Rentner sind über die letzten Jahren real gefallen und tun es weiter (Abb. 04777). Bei der steigenden Zahl der Mini-Einkommen und der befristeten Arbeitsverhältnisse wird auch der Abschluß der IG-Metall daran wenig ändern, zumal die Tarifbindung schon stark durchlöchert ist. Die große Mehrheit der Deutschen kauft immer weniger ein, wenn nicht gerade eine Mehrwertsteuererhöhung droht, so in den ersten drei Monaten 2007 fast 2 % weniger als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Auch das ein Fast-Negativrekord in der Alt-EU (Abb. 12378).



Zweitens: Wir haben korrekt gezählt 11 Millionen Arbeitslose mit zusätzlich sehr vielen Angehörigen und in der Alt-EU - gerade noch von Griechenland überboten - den höchsten Anteil an Langzeitarbeitslosen (Abb. 04022). Selbst wer Arbeit hat, sorgt sich dennoch um seinen Arbeitsplatz und lebt entsprechend unter Streß. Immer neue Nachrichten über Betriebsverlagerungen oder Drohungen damit jagen die Menschen hoch.


Drittens: Ein sehr großer Teil der Deutschen wird im Alter nicht nur mit Sorgen die Entwicklung seiner Rente verfolgen, sondern bei einer auf 1,3 Kindern pro Frau abgesunkenen Geburtenrate ohne Kinder sein - auch dies nicht zuletzt eine Folge zu geringer oder unsicherer Einkommensverhältnisse unter dem Druck einer falschen Globalisierung. Hier hat Deutschland in der Alt-EU mit Griechenland ebenfalls die „rote Laterne" (Abb. 04047). Sehr viele werden sich ohne eine richtige Familie nicht als Gewinner fühlen können.


Will uns die SPD wirklich glauben machen, daß wir, wenn auch „nicht alle", Gewinner der Globalisierung seien, die man also nicht zu schützen brauche? Gewinner der Globalisierung in Deutschland sind ganz andere, und die wählen ohnehin nie links.

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