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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(695) Deutschlands Einzelhandelsumsatz: rote EU-Laterne (mit Österreich)

(694) Das deutsche Bankgewerbe und die Binnenkonjunktur

(693) 3. Teil des Welt-Klimaberichts: Noch 8 Jahre zur Umkehr vor der Katastrophe

(692) Metaller bekommen real ca. 1,6 % mehr Lohn in 2007 und 1 % mehr in 2008 weit unter Produktivitätszuwachs

(691) Gewinner der Globalisierung: Die Aktionärsklasse profitiert fast allein vom Aufschwung

(690) Kaum Abbau an saisonal bereinigter Arbeitslosigkeit

(689) Technologie-Nation Deutschland? Das Breitband als Indikator

(688) Leben wir nächstens in einer Heuschrecken-Wirtschafts-Diktatur?

(687) Immer noch Eiszeit im deutschen Einzelhandel

(686) Globale Finanzblasen zum Platzen groß

(685) Die deutschen Tarifeinkommen weiter in Rückgang und Stagnation

(684) Zur Frühjahresprojektion der Bundesregierung: Willkürliche Verschönerung der Einkommensentwicklung in 2008 als Basis für positive Jahresprojektion

(683) Die Indexwerte von GfK und Ifo steigen wieder

(682) Soll das eine Rentenerhöhung sein?

(681) Private Equity: Barbaren oder Kaiser?

(680) Zehn Prozent mehr arme Kinder

(679) China: Wirtschaftspolitik mit der Dampfwalze

(678) Wirtschaftswachstum ohne viel Zuwachs an echten Vollzeitjobs

(677) Frühjahrsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute: Wo soll den der Anstieg des privaten Verbrauchs um 2,5 % in 2007 herkommen?

(676) Wo sind die verläßliche Daten zur deutschen Konjunktur?

(675) Stagnierender Binnenumsatz der deutschen Industrie treibt Exportabhängigkeit nach oben

(674) Rekordniveau der grenzüberschreitenden Finanzflüsse

(673) Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für Februar 2007: Arbeitseinkommen weiter auf negativer Sparflamme trotz guter Entwicklung von Produktivität und Umsatz




global news 695 07-05-07: Deutschlands Einzelhandelsumsatz: rote EU-Laterne (mit Österreich)

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Bei aller Freude der Metaller über ihren Abschluß sollte man nicht vergessen, wie ungünstig sich der deutsche Einzelhandel im Vergleich zu den anderen Ländern der Alt-EU entwickelt (Abb. 12378).


Auch dieser Abschluß wird daran nicht viel ändern können, da er über die beiden Jahre 2007 und 2008 zwar einschließlich Sonderzahlungen bei zusammen 6,4 % liegt, dies aber bei der derzeitigen Inflationsrate von 1,9 % real nur 1,3 % pro Jahr bedeutet. Was sind schon 1,3 %, zumal andere Branchen schlechter abschließen weden und sehr viele Arbeitnehmer untertariflich bezahlt werden? Außerdem werden sich die Sozialrenten in diesem Jahr trotz der Minierhöhung wegen der Inflationsrate um mehr als 1,6 % zurückentwickeln. Das Aufheulen von Seiten konservativer Politiker und vieler Arbeitgebervertreter sowie die Genugtuung auf der anderen Seite, auch des Vorsitzenden der Linkspartei Lafontaine, zu diesem Abschluß ist eigentlich nicht nachvollziehbar.

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global news 694 06-05-07: Das deutsche Bankgewerbe und die Binnenkonjunktur

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Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wächst seit dem Jahr 2000 fast nur über den Export (Abb. 04776). Die Gründe sind vielseitig. Eine größere Rolle dürfte die seitdem inflationsbereinigt negative Entwicklung der Masseneinkommen spielen. Daneben spielt aber auch eine Rolle, daß das deutsche Kreditgewerbe in einer Phase der Restrukturierung sehr stark auf die Bremsen gegangen ist, so daß vielen Unternehmen, besonders im mittelständischen Bereich, die Liquidität fehlte. Abb. 04775 zeigt die Kreditgewährung der Banken an das Verarbeitende Gewerbe. Bundesregierung und Bundesbank haben dies in neoliberaler Manier so laufen lassen.



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global news 693 05-05-07: 3. Teil des Welt-Klimaberichts: Noch 8 Jahre zur Umkehr vor der Katastrophe

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Der Weltklima-Rat hat nun den dritten Teil seines Berichts vorgelegt, der ansprechen soll, was zu geschehen hat, wenn die Klimakatastrophe vermieden werden soll. Wie schon beim 2. Teil hat auch hier - umsomehr als sich dieser Teil an die Regierungen wendet ("Mitigation of Climate Change" ) - die Zensur der Regierungsvertreter erhebliche Änderungen erzwungen. Wieder haben die USA, China und Saudiarabien vereint Abschwächungen zu den Kosten und Begrenzungen erreicht, auch wenn sie sich nicht überall durchsetzen konnten. Allein China hatte 1.500 Änderungsvorschläge eingebracht.

Nach Ansicht der Wissenschaftler kann die Klimakatastrophe noch verhindert werden. Allerdings muß dafür bereits ab 2015, also in gerade einmal acht Jahren, ein Wendepunkt im Anstieg von Emissionen erreicht werden. Bis 2050 muß daher der Kohlendioxid-Ausstoß um 50 bis 85 Prozent gesenkt werden. Nur so wird sich die durchschnittliche globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 auf zwei Grad Celsius begrenzen lassen. Wie wahrscheinlich ist das, da Länder wie China und Indien schon wegen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zu den neuen Giganten der Weltwirtschaft noch dramatisch an Emissionen zulegen werden? Schon jetzt hält China die vorgeschlagenen Begrenzungen für zu eng und werden sie von den USA als zu kostspielig angesehen.

Hier einige Grafiken zur Entwicklung seit 1970 und zu den Befürchungen bis 2030, wenn keine nennenswerte Klimaschutzmaßnahmen stattfinden (Abb. 07160-62).




Hierzu noch einige Anmerkungen:

    Industrie: Hier sind Raffinerien und Koksöfen eingeschlossen
    Verkehr: Hier ist Schiffsverkehr, ohne Fischereiflotte eingeschlossen.
    Wohnen und Arbeiten: Dies betrifft Häuser, Wohnungen und Büros. Geschäftsimmobilien spielen dabei eine größere Rolle als Wohnimmobilien.
    Forstwirtschaft: Ändert sich nicht viel an den gegenwärtigen Trends, werden in den Industriestaaten 60 bis 230 Millionen Hektar aufgeforstet, in den Entwicklungsländern aber 200 bis 490 Millionen Hektar Wald abgeholzt.
    Landwirtschaft: Auch Brandrodungen sind darin inbegriffen. Die Landwirtschaft hat besonders hohen Anteil an den Methan- und Lachgasemissionen.
    Abfall- und Abwasser: Hier geht es besonders um Methan aus ungeklärten Abwässern und Unrat. In den meisten Industriestaaten wird immer mehr Methan und Lachgas aufgefangen.

Noch ein Wort zu China: Nach einem neuen Bericht des Washingtoner Petersen Insituts ist die bisher weitgehend unkontrollierte Expansion der Schwerindustrie der Hauptgrund des Anstiegs an Emissionen (siehe Abb. 08088). Daher ist es schon im letzten Jahr nicht gelungen, die Energieintensität pro Bruttoinlandsprodukt zu senken. China produziert bereits heute 50 % der Weltproduktion an Flachglas und Zement, mehr als ein Drittel an Stahl und 28 % an Alluminium - alles sehr energieintensive Produktionen. Der Strom kommt zu 80 % aus Kohle-Kraftwerken veralteter Technologie, von denen weniger als 15 % Schwefeldioxid abtrennen können und noch weniger die Trennanlagen tatsächlich einschalten, d.h. wahre Dreckschleudern.


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extra global news 692 04-05-07: global news 692 04-05-07: Metaller bekommen real ca. 1,6 % mehr Lohn in 2007 und 1 % mehr in 2008 weit unter Produktivitätszuwachs

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Nach der Tarifeinigung in der Metallbranche bekommen die Beschäftigten in Baden-Württemberg ab Juni 4,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt oder 2.4 % auf das Jahr bezogen. Darüber hinaus gibt es eine Einmalzahlung von 400 Euro für April und Mai 2007, die auf das Jahr bezogen durchschnittlich bei 1 % liegen dürfte. Auf das ganze Jahr gerechnet sind das etwa 3,4 % bei einer Inflationsrate von erwartet 1,8 % oder real 1,6 %.

Nach 12 Monaten, also zum Juni 2008, gibt es außerdem eine weitere Erhöhung um 1,7 % oder auf das Jahr gerechnet 0,85 %, sowie ein Konjunkturbonus von 0,7 % für 5 Monate, macht 0.29 % fürs ganze Jahr. Hinzuzurechnen ist dem der Rest der 4,1 % aus 2007, der nicht schon in der Jahresrate von 2,4 % erfaßt ist (siehe oben), nämlich weitere 1,7 %. Das ergibt dann zusammen 2,84 %. Da die Inflationsrate für 2006 von den Forschungsinstituten ebenfalls auf 1,8 % geschätzt wird, liegt diese Erhöhung für 2008 real bei nur 1 %.

Der Produktivitätszuwachs lag zuletzt (2006) bei 2 %, macht für 2 Jahre 4 %. Die Metaller bekommen also mit zusammen real 2,6 % mehr nicht einmal daran ihren vollen Anteil.

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global news 691 04-05-07: Gewinner der Globalisierung: Die Aktionärsklasse profitiert fast allein vom Aufschwung

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Im Zeichen global gedrückter Lohnentwicklung sind die Unternehmensgewinne und Dividendenzahlungen steil nach oben geschossen (Abb. 03479).


Doch normale Deutsche haben daran wenig Anteil (Abb. 04770).


Normalen Deutschen ist die Liebe für die Anlage ihrer knappen Spar-Euros in Aktien brutal ausgetrieben worden, zuletzt bei der Privatisierung der Telecom. Und so halten nur etwa 13 % der Deutschen überhaupt Aktien. Im vergangenen Jahr gab es nur noch 10,3 Millionen Bundesbürger mit Aktien oder Anteile an Aktienfonds und damit fast eine halbe Million weniger als 2005, gegenüber dem Jahr 2000 schon ein Rückgang um 16 % (Abb. 04641). Die Zahl der Inhaber von Belegschaftsaktien, typische Kleininvestoren, ist seit 2000 sogar um mehr als ein Drittel zurückgegangen (Abb. 04774). Die Halbierung des Sparerfreibetrags zum Jahresbeginn 2007 wird zu weiteren Ausstiegen gerade der kleinen Sparer aus dem Aktienmarkt führen, die geplante Einführung einer Einheitssteuer auf Aktieneinkommen bei 25 % erst recht.



Zieht man die vielen Klein-Investoren ab, dann bleiben etwa jene 1,7 Prozent aller Haushalte übrig, die rund 74 Prozent des gesamten deutschen Produktivvermögens besitzen (Abb. 04773). Sie, diese Aktionärsklasse, profitieren jetzt fast allein vom Aufschwung am deutschen Aktienmarkt mit einem Anstieg des DAX-Index um 40 % allein seit Juni letzten Jahres.


Im internationalen Vergleich ist der Bevölkerungsanteil mit Aktien- oder Aktienfondsbesitz in Deutschland ohnehin besonders klein (Abb. 12425). Die Einkommensentwicklung verläuft damit in Deutschland noch unsozialer als in den meisten Vergleichsländern. Die "soziale Marktwirtschaft" existiert nur noch in Worthülsen auf Parteitagen oder in Parteiprogrammen.


Für Einzelheiten siehe neuen Schwerpunkt: Gewinner der Globalisierung: Die Aktionärsklasse

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global news 690 02-05-07: Kaum Abbau an saisonal bereinigter Arbeitslosigkeit

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Kaum weiterer Rückgang der saisonal bereinigten Arbeitslosenzahl im April, Stagnation im Aufbau versicherungspflichtiger Beschäftigung, höchste Langzeitarbeitslosenrate im internationalen Vergleich (nach Griechenland)

Als erstes fällt mir beim Betrachten des April-Berichtes auf, daß die Bundesagentur wieder mit der Nullachse des Titelbildes gespielt hat, was der ahnungslose Betrachter nicht erkennen kann, um einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit optisch vorzutäuschen. Abb. 04750 stellt dem die wirkliche Entwicklung gegenüber. Das sind eigentlich Tricks, die einer staatlichen Stelle unwürdig sein sollten. Prompt steigt BILD mit dem „Jobwunder" in „Happy Deutschland" ein, wobei auch der Sonnenschein für die Arbeitsmarktzahlen hinhalten muß (Abb. 04771).



Saisonbereinigt errechnet sich allerdings nur ein Mini-Minus von 9.000, nach -52.000 im März und -75.000 im Februar (Abb. 04751). Trotzdem läßt der Bundesarbeitsminister verlauten: "Am Arbeitsmarkt gibt es weiterhin eine klar positive Entwicklung."


Dabei verzeichnet die Statistik trotz aller Aussortierungsmanöver, die gerade auf dieses Segment konzentriert sind, mit rund 41 % weiterhin und unverändert einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen, den höchsten in den Alt-EU-Ländern nach Griechenland (Abb. 04022).


Die Entwicklung der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit, die bis März angegeben wird, verlief zuletzt mit einem Plus von nur 52.000 gegen Februar oder 0,1 % enttäuschend. Wie schon im Vorjahr zeigt sich die starke Abweichung von Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsentwicklung in der Höhe, wobei die Arbeitslosen um fast 30.000 mehr zurückgegangen sind, als die Beschäftigtenzahl gestiegen ist (Abb. 04738).


Sehr enttäuschend auch, daß die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze nach den letzten Zahlen für Februar gegenüber dem Vormonat bei 26,5 Millionen stagniert. Der für diesen Zeitraum verzeichnete Rückgang der Arbeitslosen von 25.000 ging also voll auf minderwertige Arbeitsplätze und „Korrekturfaktoren" in der Erfassung der Arbeitslosigkeit. 1,95 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus (gegenüber dem Vorjahr 150.000 mehr), was die teilweise minderwertige Qualität auch der versicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt.

Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten liegt weiterhin sehr hoch. Sie hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Februar 4,74 Mio betragen. Das sind nur magere 35.000 oder 0,7 % weniger als vor einem Jahr.

Fazit

Angesichts des im Vergleich zum Vormonat schwachen Rückgangs der saisonalen Arbeitslosigkeit, der Stagnation der versicherungspflichtigen Stellen und der im internationalen Vergleich nach Griechenland höchsten Rate an Langzeitarbeitslosen sowie dieser vielen Ungereimtheiten, ist kaum noch nachvollziehbar, wie die Medien immer wieder auf die von der Bundesregierung verbreiteten weit übertriebenen Erfolgsmeldungen hereinfallen und alles nachplappern, was da vorgegeben wird. Niemand macht sich die Mühe, hinter die Kulissen zu blicken. Was hier als Erfolg verkauft wird, sind zu einem großen Teil statistische Manipulationen und prekäre, d.h. zeitlich befristete und/oder gering bezahlte Jobs.

Wenn es nicht gelingen sollte, bei der derzeit relativ guten internationalen Konjunktur einen stäkeren echten Rückgang an Arbeitslosigkeit zu erreichen, wird es im nächsten Abschwung wieder sehr schlecht aussehen.

Eine ausfürliche Darstellung enthält der neue Schwerpunkt zum Arbeitsmarkt.

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global news 689 02-05-07: Technologie-Nation Deutschland? Das Breitband als Indikator

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Deutschland sieht sich technologisch an der Spitze der Welt. Das mag für Autos, Werkzeugmaschinen und einige andere Produkte gelten. Allerdings gilt es nicht in der Verwendung des Breitbands, das allein einen schnellen Internetzugang erlaubt. Hier rangiert Deutschland so ziemlich am Ende des internationalen Vergleichsfeldes der entwickelten Länder (Abb. 12424). Nur 17 von 100 Einwohnern haben diese Möglichkeit, verglichen mit 32 beim Spitzenreiter Dänemark.


Das entspricht auch der schlechten Positionierung des Landes bei den naturwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen mit nur 852 pro 100.000 Erwerbstätige gegenüber dem Spitzenreiter Finnland mit 2.172 oder fast dreimal mehr (Abb. 13002).


Und dann haben wir einen Technologie-Minister, der stolz von sich sagt, das Handy zu bedienen sei für ihn schon viel; er habe Gott sei Dank Leute, die für ihn das Internet bedienten.

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global news 688 01-05-07: Leben wir nächstens in einer Heuschrecken-Wirtschafts-Diktatur?

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Man hätte den für verrückt und von Verfolgungswahn geschüttelt bezeichnet, der noch vor Kurzem vorrausgesagt hätte, daß Hedgefonds selbst die größte Bank der Welt übernehmen und filetieren könnten. Aber jetzt fürchten laut Financial Times die Top-Manager von City Bank, mit einem Börsenwert von aktuell 262 Milliarden Dollar der teuerste Finanzkonzern der Welt, zum Ziel von Angriffen aggressiver Investoren zu werden. Sie dringen darauf, den Wert des Konzerns zu steigern, um ihn aus der derzeitigen Reichweite der Hedgefonds zu entfernen und so eine Zerschlagung zu verhindern. „Selbst die Citigroup ist nicht zu groß dafür", sagt ein hochrangiger Manager. Tatsächlich hat Hedgefond-Manger Tom Brown schon verlauten lassen, die Gruppe würde leistungsfähiger, wenn man sie in vier getrennte Gesellschaften aufspalten würde. Das würde auch den Aktienwert nach oben treiben.

Vorausgegangen war die Übernahmeschlacht um die große Investmentbank ABN Amro, deren Zerschlagung der britische Hedgefonds TCI fordert. Bei ABN Amro waren neben TCI noch zahlreiche andere Hedgefonds wie Och-Ziff, Citadel, Noonday, MHD und Paulson eingestiegen und hatten ebenfalls die Zerschlagung der Bank gefordert. Nun gibt es einen Bieterwettbewerb zwischen zwei internationalen Konsortien. Die Hedgefonds hätten jeweils mehr als 200 Millionen Dollar bei ABN Amro eingesetzt, meint ein mit der Situation vertrauter Investmentbanker. Zusammen mit einem knappen Dutzend anderen Hedgefonds hätten sie den Aktienhandel in den vergangenen Wochen dominiert. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass 68 Prozent der Aktionäre von ABN Amro auf der Hauptversammlung am vergangenen Donnerstag für einen Verkauf der Bank plädierten. Das ABN-Amro Management will statt dessen lieber mit der britischen High-Street Bank Barclays Chart fusionieren.

Unter dem Eindruck dieser Entwicklung hält es die Deutsche Bundesbank für möglich, dass Hedgefonds schon bald ganze Kreditinstitute in Deutschland übernehmen: „Wir müssen uns darauf vorbereiten", sagt das für Bankaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Edgar Meister laut SPIEGEL. Auch bei der Deutschen Telecom gibt es schon solche Sorgen. „Grundsätzlich ist es immer möglich, dass ein niedrig bewertetes Unternehmen übernommen und zerschlagen wird, weil die Einzelteile mehr wert sind als das Ganze. Diese Gefahr kann ich auch für die Telekom nicht ausschließen", sagte Telecom-Chef Obermann der "Welt am Sonntag". Das Gesprächsthema Nummer eins auf dem Börsenparkett war heute ein Gerücht, wonach der Hedge-Fonds TCI 25 Prozent der Anteile an der Deutschen Post kaufen und dabei 30,25 Euro je Aktie zahlen will.

Leben wir nächstens in einer Heuschrecken-Diktatur? Es wäre eine Wirtschaftsdiktatur von Organisationen, deren Strukturen und Bilanzen im Dunkeln lägen und die keiner Regulierung unterliegen würden. Viele der von ihnen erbeuteten Unternehmen würden aus dem Aktienmarkt genommen und unterlägen dann kaum noch irgendwelchen Berichtspflichten. Die Arbeitnehmer wären Spielbälle der neuen Eigentümer. Fast drei Viertel der Hedgefond-Manger sitzen in USA oder Großbritannien und rollen von dort die internationalen Märkte auf. Die Anlagen dieser Branche in Unternehmenswerten liegen schon jetzt bei mehr als 1,3 Billionen Dollar und haben sich in den vergangenen drei Jahren etwa verdoppelt (Abb. 03464). Da paßt der größte Finanzkonzern der Welt mehr als fünfmal hinein. Und zu den Hegefonds kommen dann noch die Private Equity Unternehmen mit ihrer ebenfalls stark wachsenden Finanzkraft.


Das schlimme an dieser Entwicklung ist, daß nun sehr viele Unternehmen - auf der Flucht vor den Heuschrecken - versuchen ihren Aktienwert durch höhere Profite zu Lasten der Arbeitnehmereinkommen hochzutreiben. Wir leben also schon teilweise unter der Diktatur der Heuschrecken.

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extra global news 687 30-04-07: Immer noch Eiszeit im deutschen Einzelhandel

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Das Statistische Bundesamt kommt mit der Schlagzeile: „Einzelhandelsumsatz im März 2007 real um 0,5% gestiegen" und verbirgt es noch schamhaft im Kleingedruckten: „Unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten sank der Umsatz im Einzel­handel im Vergleich zum Februar 2007 um nominal 0,6% und real 0,7%" (Abb. 04214). Seit Januar 2006 errechnet sich bereits ein realer Rückgang um 3 %.


Der SPIEGEL fällt prompt aus allen Wolken: „Das hatte niemand erwartet: Die Umsätze im Einzelhandel sind im März um 0,7 Prozent zurückgegangen. Dabei war das Konsumklima gerade erst auf einen Rekordwert gestiegen." Doch sofort tröstet sich der SPIEGEL wieder: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Einzelhandel beziehen sich dagegen auf den vergangenen Monat, als noch leichte Irritationen bezüglich der Konjunktur herrschten." Wie man sich doch mit „leichten Irritationen"in die Tasche lügen kann. Auch viele andere werden aus ihrem Wolkenkukuksheim erstmal wieder Abschied nehmen müssen. Wohl auch BILD, die im heutigen Kommentar gerade meldet: „ Deutschland blüht auf - nicht nur in der Natur, auch in der Wirtschaft", jedenfalls nicht im Verbrauch der Haushalte, der für die Binnenkonjunktur so wichtig ist. Dabei war die Entwicklung gar nicht anders zu erwarten, wenn man nur fest den Blick auf die stagnierende Entwicklung der Masseneinkommen hält und nicht vergißt, daß der Dezemberboom nichts anderes als eine Flucht vor der in 2007 höheren Mehrwertsteuer war. Erst vor drei Tagen habe ich darauf in Gedanken zur Zeit hingewiesen und angemerkt: „Aber vielleicht sollten wir erst einmal die März-Ergebnisse des Einelhandelsumsatzes abwarten, die am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden. Um die mit Euphorie à la BILD oder SPIEGEL recht künstlich zu verschönen, ist es schon zu spät. Sie werden daher ehrlicher sein."

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global news 686 30-04-07: Globale Finanzblasen zum Platzen groß

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Die globalen Finanzmärkte schwimmen in Liquidität. Die immer ungleichere Verteilung des Wohlstands um den Globus herum erzeugt sehr viel Sparkapital bei denen, die ohnehin schon mit fast allem reichlich versorgt sind und daher ihre Einkünfte spekulativ anlegen können. Die von der hohen Lohndisziplin der weniger Wohlhabenden profitierenden Unternehmen verzeichnen im Durchschnitt wesentlich höhere Gewinne, als sie für ihre Investitionen brauchen. Vor allem aber erlauben relativ niedrige Zinsen eine äußerst großzügige Geldschöpfung des Bankensektors. Besonders die Bedingungen für Immobilienfinanzierung sind in vielen Ländern äußerst lax geworden. Ebenso haben sich die Standards für die besonders riskanten Unternehmenskredite vom Typ "leveraged lending" (Kredite mit Hebelwirkung, bzw. hohem Kreditanteil zum Eigenkapital), die vor allem beim Unternehmensaufkauf durch Private Equity Unternehmen zum Einsatz kommen, verschlechtert: Die Anlagen sind teilweise überbewertet und die Hebelwirkung ist auf das Sechsfache und mehr gestiegen. Diese Entwicklung hat die Preis- und Finanzblasen bei den Immobilien- und Unternehmenswerten vieler Länder in die Nähe des Platzens oder schon zum Platzen geführt. Das Ganze findet überdies vor dem Hintergrund eines gigantischen Handelsbilanzdefizits der USA bei einem auf einen Jahreswert von nur noch 1,3 % gefallenem Wirtschaftswachstum (Abb. 05004) und abstürzendem Dollar (Abb. 13118) statt.



Immer neue Spitzenwerte an den Aktienmärkten in USA, Europa und Asien haben auch hier das Risiko eines drastischen Einbruchs stark erhöht; der Dax ist seit Juni vergangenen Jahres unter dem Angriff ausländischer Investoren, vor allem vom Typ Heuschrecken, bereits um 40 % gestiegen (Abb. 13274 und 13275). Der Shanghai B-Share Index hat sogar um über 150 % zugelegt (Abb. 13276). Nicht wenige in der Londoner City erwarten noch für dieses Jahr den großen Crash.




An sich würde man von den Notenbanken erwarten, daß sie genug Liquidität abschöpfen, um die drohende Krise zu vermeiden. Aber deren Bremsen werden durch eine recht mäßige Inflation ausgeschaltet, für die vor allem die Niedrigpreisexporte aus Asien und Osteuropa und die stagnierende Entwicklung der Masseneinkommen Verantwortung tragen. Außerdem hält sich in vielen Ländern hohe Arbeitslosigkeit, was ebenfalls die Zinsspielräume der Notenbanken nach oben begrenzt. Beim nächsten globalen Abschwung und dem Platzen der Blasen steht nun eine gewaltige Belastungsprobe bevor. Dies ist umso mehr zu befürchten, als die internationalen Finanzmärkte im Zeichen der neoliberalen Globalisierung sehr viel mehr von einander abhängig geworden sind. Wer glaubt, Europa könne sich z.B. einfach von den USA abkoppeln, mag weiter träumen.

Besorgte Beobachter fragen sich, wann wohl die Blasen platzen. Der Anfang ist bereits auf den Immobilienmärkten zu sehen. Im März kam es in USA nach jetzt bekannt gewordenen Zahlen zum stärksten Einbruch bei den Immobilienverkäufen seit 18 Jahren und einem Quartalsminus von 17 % bei den Wohnrauminvestitionen. In Spanien stiegen die Hauspreise, die sich seit 2000 verdoppelt hatten, im März zwar durchschnittlich noch um 7 %, aber mit der schwächsten Rate seit 1998 bei schon fallenden Preisen in einigen Teilen des Landes. Für dieses Jahr wird ein erhebliches Überangebot an neuen Häusern befürchet bei einer Nachfrage von 600.000 gegenüber einem Angebot von 800.000 neuen Objekten. Man rechnet mit Schwierigkeiten bei Immobilienunternehmen. Aber auch Banken können in Schwierigkeiten kommen. Bankkredite an Immobiliengesellschaften sind während der letzten drei Jahre um durchschnittlich 40 % pro Jahr gewachsen, und etwa ein Viertel aller Bankkredite gingen an Unternehmen im Bereich von Immobilien. Die Verschuldung spanischer Haushalte ist auf 120 % des BIP gestiegen. In Großbritannien haben z.B. Investoren, die Wohnraum zum Weitervermieten kaufen ("buy-to-let"), im vergangenen Jahr fast 60 % mehr an Krediten aufgenommen, wobei oft nur 10 % an Eigenkapital gefordert wird, mit Kredit-Beträgen bis umgerechnet 30 Mio Euro pro Kreditnehmer, von denen bis zu neun Immobilien gleichzeitig finanziert werden können, wobei selbst Schuldner, die schon Probleme hatten, zusätzlichen Kredit bekommen. Während die spanischen und britischen Immobilien-Blasen derzeit noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte haben dürften, addieren sich die Probleme in USA zu einem seit einiger Zeit rückläufigen Wirtschaftswachstum und können sehr bald die Finanzmärkte belasten, zumal ein großer Teil der Hypothekenkredite international weiterveräußert wurde und niemand weiß, wo diese Risiken derzeit geparkt sind.

Der Markt für riskante Kredite an europäische Unternehmen hat sich in den letzten drei Jahren völlig umgebaut. Während die Banken in 2005 noch drei Viertel dieses "leveraged lending" direkt abwickelten, ist ihr Anteil hier nun auf weniger als die Hälfte gefallen. Statt dessen liegt der größere Teil bei amerikanischen Hedgefonds und anderen Investorgruppen, die nur wenig Transparenz und Regulierung haben. In den USA besteht diese Situation bereits seit etwa zehn Jahre. Nun haben diese amerikanischen Investoren in London Niederlassungen eröffnet, sind massiv in Europa tätig geworden und haben begonnen, im großen Stil vorhandene Kredite den Banken abzukaufen und neue aufzulegen. Parallel dazu ist der europäische Anteil am weltweiten Markt für diese Produkte von weniger als einem Fünftel vor noch sechs Jahren auf ein Drittel angestiegen. Die europäische Dachorganisation für dieses riskante Geschäft mit hochverzinslichen Anlagen warnt neuerdings vor Schwierigkeiten, wenn sich die Konjunktur abschwächt und fordert von der britischen Regierung schon eine Reform des Konkursrechts für den Ernstfall (ähnlich Chapter 11 in USA).

Das starke Wachstum des leveraged lending für Unternehmenserwerb mit einer Verzehnfachung in nur drei Jahren (Abb. 03490) hat jetzt auch die Bank of England besorgt gemacht. Unter Bezug auf die Probleme am amerikanischen Hypothekenmarkt warnt die Bank, ähnliche Probleme in dem viel größeren Markt für Unternehmenskredite könnten viel ernstere Konsequenzen haben, falls die Kreditqualität sich verschlechtert. Dazu wird Larry Fink, von der mehr als eine Billion $ starken Gruppe BlackRock, in der Financial Times zitiert: "Kredite an hochverschuldete Unternehmen haben sich ähnlich entwickelt wie der amerikanische Markt für minderwertige Hypotheken. Die Standards haben sich in einem Ausmaß verschlechtert, das wir nie im Traum erwartet hätten.


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global news 685 28-04-07: Die deutschen Tarifeinkommen weiter in Rückgang und Stagnation

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Bei aller angeblicher Erweckung der deutschen Konsumlandschaft aus ihrem seit Jahren eingefrorenen Zustand wird immer wieder vergessen, daß die enttäuschende Entwicklung der Masseneinkommen gar kein Durchstarten erlaubt. Das wurde jetzt wieder durch die Statistik des Statistischen Bundesamts zu den Tariflöhnen und -gehältern bestätigt. Dabei ist zunächst in Erinnerung zu rufen, daß die Tarifeinkommen auf der allgemeinen Entwicklung oben drauf schwimmen und sehr viele Arbeitnehmer untertariflich bezahlt werden. Von den 1-Euro Jobs bis zu den geringfügig entlohnten Beschäftigungen und den wuchernden Zeitverträgen spielt sich sehr viel unterhalb der Tarifebene ab. In vielen Betrieben gelten überhaupt keine Tarifverträge mehr. Die Tarifbindung beträgt in Westdeutschland noch 70 %, in Ostdeutschland nur noch 55 %.

Für den letzten Erfassungszeitraum November 2006 bis Januar 2007 sind die Tariflöhne der Angestellten gegenüber der Vorjahresperiode verbraucherpreisbereinigt um 0,2 % gefallen, die der Arbeiter nur um magere 0,6 % gestiegen (Abb. 04567). Gegenüber der gleichen Periode vor drei Jahren ergibt sich für die Angestellten ein realer Rückgang um 1,4 %, sowie für die Arbeiter von 0,9 %.


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global news 684 27-04-07: Zur Frühjahresprojektion der Bundesregierung: Willkürliche Verschönerung der Einkommensentwicklung in 2008 als Basis für positive Jahresprojektion

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Laut Presseerklärung des Bundeswirtschaftsministers vom 25. April 2007 rechnet die Bundesregierung mit einem Zuwachs des realen BIP in 2007 von 2,3 %. Im kommenden Jahr werde dann ein Wachstum von jahresdurchschnittlich 2,4 % erwartet. Das besonders Erfreuliche sei, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt zunehmend verbessere. Die Bundesregierung erwarte im Jahresdurchschnitt 2007 einen Anstieg der Erwerbstätigenzahl um rund 470.000 Personen. Im nächsten Jahr dürften weitere 310.000 Personen hinzukommen.

Ein Anstieg des BIP von 2,3 % liegt allerdings nicht wesentlich über dem letztjährigen Anstieg der Arbeitstunden-Produktivität von 1,8 %, so daß eigentlich nur sehr begrenzt mit vollwertigen neuen Arbeitsplätzen gerechnet werden sollte. Die Differenz von 0.5 % entspricht nur einem Zuwachs der Beschäftigten von 195.000 und nicht dem prognostiziertem Anstieg um 470.000. Also erwartet man offentichtlich in erster Linie weitere Teilzeit- und Zeitverträge.

Auch eine andere Annahme der Bundesregierung ist auffällig. Laut Presseerklärung soll, nach der Konsumschwäche in den vergangenen Jahren, 2008 vor allem der private Konsum spürbar zum Wachstum beitragen. Diese Einschätzung wird nach Ansicht der Bundesregierung auch von den Forschungsinstituten vertreten und durch die Entwicklung wichtiger Konjunkturindikatoren sowie Umfrageergebnisse bestätigt. Wo ist denn da 2007 geblieben, obwohl gerade hier der Anstieg der Beschäftigung erwartet wird? Offensichtlich fällt das laufende Jahr wegen seiner enttäuschenden Entwicklung in dieser Hinsicht durch die Ritzen der Presseerklärung. Schaut man sich die Projektion der Wirtschaftsforschungsinstitute im Frühjahrsgutachten genauer an, so entdeckt man in der Tat, daß für 2007 mit nur 0,9 % so gut wie kein Anstieg des privaten Verbrauchs (nach Bereinigung um die Kaufpreisentwicklung) erwartet wird (Abb. 04769). Und für 2008 kommen die Institute dann zu einem plötzlichen starken Anstieg des privaten Verbrauchs um 2,1 % nur, weil sie einen ebenso plötzlichen Anstieg der kaufpreisbereinigten Löhne und Gehälter um 1,3 % (nominal 3,1 %) unterstellen. Da niemand fast zwei Jahre im Vorraus die Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen im kommenden Jahr kennen kann, hat das natürlich die Qualität eines Lesens im Kaffeesatz! Offensichtlich braucht man diese Annahme aber, weil man sonst nicht zu den anderen schönen Ergebnissen kommen würde.


Noch einmal der Bundeswirtschaftsminister: "Die Zahlen für die aktuelle Entwicklung sind ausgesprochen positiv; sie stellen unserer Politik ein gutes Zeugnis aus." Die von den Instituten prognostizierte reale Entwicklung sowohl der in 2007 weiter stagnierenden Löhne und Gehälter sowie des ebenfalls stagnierenden privaten Verbrauchs ist jedoch kaum als "ausgeprochen positiv" zu bezeichnen.

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global news 683 26-04-07: Die Indexwerte von GfK und Ifo steigen wieder

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Die Gesellschaft für Konsumforschung hat heute ihren Konsumklima-Indexwert für Mai veröffentlicht (Abb. 04711). Er steigt zwar wieder, liegt aber noch erheblich unter dem Spitzenwert des vergangenen Jahres.


Auch der Ifo-Geschäftsklima-Index steigt wieder (Abb. 04589). Hier liegt der Wert ebenfalls noch unter der 2006-Spitze.


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global news 682 26-04-07: Soll das eine Rentenerhöhung sein?

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Die deutschen Sozialrenten sind seit 2004 nicht mehr erhöht worden, was wegen der Erhöhung des Verbraucherpreisindex eine erhebliche Kürzung bedeutet. Entsprechend wurden die Versorgungsbezüge im öffentlichen Dienst behandelt. Es geht also um einen großen Teil der deutschen Bevölkerung. Über die drei Jahre bis Ende 2006 errechnet sich eine reale Kürzung um 6,4 %.

Nun verkündet Müntefering stolz eine Anhebung zum 1. Juli um 0,54 % oder 6 Euro pro Monat und Durchschnittsrente mehr. Für das ganze Jahr 2007 sind das dann nur noch 0,27 %, und das bei einer von den Wirtschaftsforschungsinstituten für 2007 erwarteten Inflationsrate von 1,6 %. Was Müntefering eine Erhöhung nennt ist ehrlicherweise als Kürzung zu bezeichnen. Und ganz komisch wird es in seiner Presseerklärung:".. sie (die Rentner) profitieren damit vom fortgesetzten Aufschwung in Deutschland." Gibt es eigentlich noch eine eindeutige deutsche Sprache oder nur irreführende Worthülsen? Auch die Berufung auf gesetzliche Vorschriften bei der negativen Rentenentwicklung entschuldigt solches unsoziales Verhalten nicht, denn erstens messen die Vorschriften an der durchschnittlichen Lohnerhöhung, die ebenfalls in der Vergangenheit alles andere als sozial gelaufen ist, und zweitens kann man Gesetze jederzeit ändern.

Hier eine grafische Darstellung der Renten im Vergleich zu den Unternehmens- und Vermögenseinkommen; am Ende dieses Jahres werden die ersteren gegenüber 2003 um rund 7 % gefallen sein, während die letzteren um 28 % gestiegen sein werden (Abb. 04768). Kein Wunder dann, daß sich die Nachfrage der Haushalte und der Einzelhandelsumsatz so schlecht entwickeln.


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global news 681 25-04-07: Private Private Equity: Barbaren oder Kaiser?

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Die FT betitelt unter Verwendung des römischen Ausrufs "Barbaren an den Toren!" ihre heutige Beilage zu den Private Equity Unternehmen und deren Leveraged-Buyout-Transaktionen mit "Barbarians or Emperors?". Gleichzeitig wird eine FT/Harris-Umfrage veröffentlicht, die zeigt, wie unpoplär diese Unternehmenssparte - in Deutschland Teil des Heuschrecken-Oberbegriffs - in Europa geblieben ist. Nur Minderheiten von im Durchschnitt unter 40 % kennen sich hier einigermaßen aus. Von denen glaubt nur ein Viertel der Deutschen, daß diese Unternehmen mehr Jobs schaffen als zerstören. Das ist der niedrigste Wert der fünf Vergleichsländer, die auch Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien umfassen. In Deutschland meinen nur 40 % derer mit Kenntnissen, daß die Unternehmen eine positive Wirkung auf das Land haben - auch das der niedrigste Wert (Abb. 03487, 03488 und 03489).




Der Wirkung der Private Equity Unternehmen und ihrer Leveraged Buyout-Transaktionen (kreditgestützte Unternehmensübernahmen) ist die Bundesbank in ihrem letzten Monatsbericht nachgegangen. Sie stellt zunächst ein starkes Anwachsen des Kreditvolumens in USA und Europa bis auf 300 Mrd US$ in 2006 und auch des Transaktionsvolumens in Deutschland auf 30 Mrd Euro fest (Abb. 03485 und 03486).



Nach Ansicht der Bundesbank steht den Risiken dieser Unternehmensgruppe vor allem die Qualität der Risiko-Managementtechniken der Banken gegenüber, so daß aktuell vom deutschen Markt für LBO-Finanzierungen kaum erhöhte Risiken für die Stabilität des Finanzsystems ausgehen sollten. Dieses Finanzierungssegment profitiere jedoch in besonderem Maße von der aktuell günstigen wirtschaftlichen Entwicklung und der guten Aufnahmefähigkeit der Sekundärmärkte für Risiken. Der nach wie vor junge Markt für LBO-Finanzierungen habe insofern eine wirkliche Belastungsprobe noch vor sich. Auch sieht die Bundesbank andere Probleme: So sei fraglich, ob dieses zuletzt rasch wachsende Marktsegment eine nachhaltige Ertragsquelle darstellen könne. Auch gebe es den Nachteil, daß die endgültige Verteilung der weitergereichten Kreditrisiken intransparent sei und die Gefahr nicht risikoadäquater Preise zunehme. Darüber hinaus gehe mit der hohen Verschuldung der Zielunternehmen eine Risikoerhöhung einher.

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global news 680 24-04-07: Zehn Prozent mehr arme Kinder

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Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der von der Unterstützung abhängigen Jungen und Mädchen um mehr als zehn Prozent. Nach einer Studie des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe lebten damit im Durchschnitt 2006 knapp 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Deutschland in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft (Abb. 04767). Im Westen nahm die Zahl der von Sozialleistungen abhängigen Kinder im vergangenen Jahr mit durchschnittlich elf Prozent stärker zu, als in den neuen Bundesländern (sieben Prozent).


Kinder, die in einer Hartz-Bedarfsgemeinschaft leben, erhalten eine altersabhängige Geldleistung. Für Kinder bis zum 14. Geburtstag beträgt diese 60 Prozent des Hartz-IV-Regelsatzes (207 Euro) und für Jugendliche vom 14. bis zum 18. Geburtstag 80 Prozent (276 Euro).

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global news 679 23-04-07: China: Wirtschaftspolitik mit der Dampfwalze

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Die chinesische Wirtschafts-Dampfwalze hat im 1. Quartal eine für deutsche Verhältnisse unvorstellbare Rekordgeschwindigkeit erreicht. Die Industrieproduktion stieg um mehr als 18 % gegen Vorjahr (Abb. 08088), der Export sogar um 28 % und der Handelsbilanzüberschuß um 79 %. Dementsprechend explodierten die Währungsreserven um 37 % oder 1 Mio $ pro Minute. Die Unternehmensprofite stiegen sogar um 44 %, was den Shanghai Aktienindex um 146 % nach oben getrieben hat. Fast alle Werte sind neue chinesische Rekorde; eine vollständige Übersicht zeigt Abb. 08103.



Dagegen fiel der Verbrauch privater Haushalte bereits im letzten Jahr auf nur noch 37,6 % am BIP, der niedrigste BIP-Anteil aller größeren Volkswirtschaften in der Welt (der im internationalen Vergleich ebenfalls niedrige deutsche Anteil lag bei 57 %, der amerikanische bei ca. 70 %). Auch im 1. Quartal 2007 stieg der Einzelhandelsumsatz "nur" um nominal 15 % oder real 12 %. Das bedeutet, daß die stürmische Wirtschaftsentwicklung weiterhin vor allem vom Export und den damit verbundenen Investitionen getragen wird. Die Financial Times nimmt in ihrem Kommentar an, daß sich die chinesische Wirtschaftsentwicklung wegen des riesigen Reservoirs an Arbeitskräften noch längere Zeit so stürmisch fortsetzen kann. Die Entwicklung von Exporten, Handelsbilanz und Währungsreserven wird internationale Forderungen an China verstärken, endlich mehr Einkommenszuwachs und mehr Binnenkonsum zu fördern, statt über eine nach unten manipulierte Währung und im internationalen Vergleich äußerst niedrige Löhne nur auf den Export zu setzen und immer mehr Industrieproduktion in anderen Ländern der Welt zu verdrängen.

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global news 678 21-04-07: Wirtschaftswachstum ohne viel Zuwachs an echten Vollzeitjobs

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Die Wirtschaftsforschungsinstitute sagen für 2007 eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 % voraus. Das wird allerdings wieder nicht ausreichen, um in nennenswertem Umfang die Zahl der nachgefragten Erwerbstätigenstunden zu vergrößern. Seit Jahren steigt nun das Bruttosozialprodukt nicht viel stärker als die Produktivität der Volkswirtschaft (Abb. 04765). Im Ergebnis wächst die Beschäftigung nur gering und nur über Teilzeit- und Minijobs sowie Zeitarbeitsverträge mit über das Jahr gesehen jeweils geringem Stundeneinsatz.


Die Wirtschaftsforschungsinstitute kommen zu einer positiveren Einschätzung der Beschäftigungsentwicklung, indem sie gegen den Trend einen Rückgang des Produktivitätswachses von 2 % in 2006 auf 1,5 % in 2007 annehmen (Abb. 04766), wofür allerdings keinerlei Grund angegeben wird und was daher wie ein absichtlicher Trick aussieht. Ein halbes Prozent weniger Produktivität entspricht immerhin rund 200.000 Arbeitsplätzen und mehr als der Hälfte der angenommenen Zunahme des Arbeitsvolumens um 0,9 %.


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global news 677 20-04-07: Frühjahrsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute: Wo soll den der Anstieg des privaten Verbrauchs in 2007 herkommen?

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Unter dem Druck der drohenden MWSt-Erhöhung stieg der private Konsum (einschl. private Organisationen ohne Erwerbszweck) in 2006 real um 0,8 % und nominal um 2,1 %. Vieles davon war Vorgriff auf 2007, wie die negative Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes bisher in 2007 deutlich zeigt (Februar -1,5 % gegen Vorjahr). Nichtsdestotrotz sagen nun die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Frühjahrsprognose einen weiteren Anstieg des Zuwachses in 2007 auf nominal +2,5 % voraus. Worauf sich eine solche Prognose realistischerweise stützen soll, ist nicht zu sehen. Dabei haben die Institute noch im letztjährigen Gutachten endlich eingesehen, daß der private Konsum in längerfristiger Betrachtung der Einkommensentwicklung folgt (Abb. 04764). Die Stundenverdienste der gewerblichen Wirtschaft sind aber nach den letzten Ergebnissen für Februar 2007 gegen Vorjahr real um 0,2 % zurückgefallen, die eingefrorenen Renten und Beamtenpensionen fielen sogar um weitere 1,6 %. Die neue Frühjahrsprognose selbst geht für 2007 nur von einem geringen realen Zuwachs der verfúgbaren Einkommen von 0,9 % aus (2,5 % nominal minus 1,6 % Verbraucherinflation). Auch wurde im Frühjahrsgutachten des letzten Jahres noch anerkannt, daß Änderungen in der Einkommensverteilung in Richtung einer stärkeren Spreizung zur Senkung der Konsumquote beigetragen; die Einkommensverteilung ist aber noch ungleicher geworden und entwickelt sich weiter auseinander. So werden Illusionen aus Kaffeesatz gelesen.


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global news 676 19-04-07: Wo sind die verläßliche Daten zur deutschen Konjunktur?

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Viele Fragen erreichen mich zur Einschätzung der deutschen Konjunktur. Dabei liegt die Betonung auf "deutsch", also nicht die Konjunktur bei unseren Handelspartnern und daher auch nicht die konjunkturelle Situation unseres Exports. Also muß man den Exporteinfluß von der Binnenkonjunktur abtrennen. Um vier Datenquellen gleich auszuschließen:

    Umfrageergebnisse, wie sie von Ifo, ZEW oder GfK erfaßt werden, sind Aufnahmen in Psychologie und nicht besonders verläßliche Quellen für die Konjunkturbeurteilung (siehe z.B. hier).
    Die immer wieder hochgejubelten Arbeitsmarktdaten sind die unzuverläßlichsten, die in Deutschland verbreitet werden (siehe hier), schon wegen der vielen Manipulationen und des Umstands, daß die meisten der neuen Jobs nur auf Zeitverträgen beruhen und schlecht bezahlt werden.
    Viele wichtige Daten werden nur im Quartals- oder gar Jahresrhythmus erhoben und sind schon veraltet, wenn sie schließlich vom Statistischen Bundesamt, Eurostat oder anderen Stellen der Öffentlichkeit vorgeführt werden. So werden die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des zweiten Quartals, in dem wir uns gegenwärtig befinden, im Detail erst Ende August bekannt gemacht werden, d.h. mit einem Verzug gegenüber dem Anfang des Quartals von fast sechs Monaten, und sagen dann wenig über die aktuelle Situation im Herbst aus.
    Einschätzungen internationaler Organisationen zum Wirtschaftswachstum für die Zukunft, wie die von IWF und OECD, haben sich in der Vergangenheit immer wieder als falsch herausgestellt. Für die Vergangenheit sind sie meist noch veralteter als die aus eigenen deutschen Quellen.

Dennoch gibt es in Deutschland zeitnahe und einigermaßen verläßliche statistische Daten. Das gilt für die monatlich veröffentlichten Daten zu Beschäftigung, Arbeitseinkommen und Umsatz der deutschen Industrie. So sind vorgestern die Daten zum Februar bekannt gemacht worden, d.h. mit einem Verzug von weniger als zwei Monaten. Die Unterkategorie für die Konsumgüterproduktion weist direkt auf den Zustand der Binnenkonjunktur hin, weil in dieser Kategorie der Binnenmarkt wesentlich wichtiger als der Export ist, und, da die Produktion mit Rücksicht auf den später erwarteten Absatz stattfindet, ist sie kein schlechter Frühindikator. Vor allem die Entwicklung der Arbeitseinkommen zeigt unmittelbar die Entwicklung der für die Binnenkonjunktur "kriegsentscheidenden" Massenkaufkraft an.

Ebenso aktuell und aussagekräftig sind die Daten zum Einzelhandelsumsatz, weil sie bestimmend für das Verbraucherverhalten und die Binnenkonjunktur sind. Diese Daten wurden zuletzt am 30. März für Februar bekannt gemacht, d.h. nur mit einem Monat Verzug. Zwar unterlegen sie gelegentlich der nachträglichen Korrektur, die sich jedoch in Grenzen hält. Das Verbraucherverhalten wird auch von der Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen als Spitze eines Eisbergs finanzieller Probleme beeinflußt - Daten mit letzter Veröffentlichung Anfang April für Januar, d.h. etwas mehr als zwei Monaten Verzug. Schließlich wird die Kaufkraft der Rentner und Pensionäre wegen der eingefrorenen Renten und Beamtenpensionen von der Entwicklung der Inflation bestimmt. Hierzu kommen die Daten mit einem Verzug von nur sechs Wochen.

Diese Daten sind Teil einer regelmäßigen Veröffentlichung auf meiner Webseite unter dem Namen "Rote Liste" (Abb. 04763). Das "rot" steht dabei für die bedenklichen Werte, die dort "rot" markiert sind. Sie werden in diesen Daten die amtlichen Verlautbarungen zur deutschen Konjunktur und die rosa Medienberichte und Vorraussagen der Forschungsinstitute, die sich in der Regel auf eine Kombination von veralteten Daten und Kaffeesatzlesen stützen, kaum wiedererkennen. Nur der Inlandsumsatz der Industrie steht hier auf "scharz", jedoch wird darin auch in großem Umfang der Umsatz von Vorprodukten und Industrieausrüstungen für den Export erfaßt. Man kann nur hoffen, daß alle diese Daten möglichst bald von "rot" auf "schwarz" geschaltet werden können.


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global news 675 18-04-07: Stagnierender Binnenumsatz der deutschen Industrie treibt Exportabhängigkeit nach oben

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Seit Jahren stagniert und vermindert sich real der Inlandsumsatz der deutschen Industrie, während der Auslandsumsatz immer weiter expandiert (Abb. 13272). Die ungünstige Entwicklung des Inlandsumsatzes ist im Wesentlichen ein Ergebnis des realen Rückgangs der Arbeitseinkommen, Renten und Beamtenpensionen bei Aufwuchs von nur geringfügig entlohnten Beschäftigungen. Gleichzeitig erlaubt dies ein deutsches Lohndumping im Export gegenüber den anderen Handelspartnern mit normaler Entwicklung der Arbeitseinkommen.


Im Ergebnis dieser ungleichen Entwicklung, für die die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik mitverantwortlich ist, hat sich die Abhängigkeit von den immer unsicheren Auslandsmärkten von rund 30 % 1995 auf derzeit 48 % des Umsatzes stark erhöht, wohinzu eigentlich noch der erhebliche Inlandsumsatz von Anlagen und Ausrüstungen, die der Produktion von Exportwaren dienen, zu rechnen ist (Abb. 13273). Kein vergleichbares Land der Welt verzeichnet eine derart unausgewogene Entwicklung. Sollte es zu Einbrüchen auf wichtigen Auslandsmärkten, wie z.B. USA oder Eurozone, kommen, so würde die deutsche Industrie mangels Ausgleichs beim Inlandsumsatz weit mehr als ihre Konkurrenten leiden. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko.


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global news 674 17-03-07: Rekordniveau der grenzüberschreitenden Finanzflüsse

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In seinem letzten Global Financial Stability Report vom April 2007 zeigt der IWF den enormen Zuwachs an grenzüberschreitenden Finanzflüssen bis auf 6,4 Billionen US$ in 2005 oder 15 % des Welt-Buttoinlandsprodukts (Abb. 03480). Seit dem Zusammenbruch als Folge der internationalen Währungskrisen in Ostasien und Rußland zu Beginn des Jahrtausends kam es zu einem bisher ungebrochenen steilen Anstieg.


Diese Entwicklung hängt vor allem mit dem Zuwachs innerhalb der Alt-EU (ohne Großbritannien) und mit den Schwellenländern, besonders den EU-Beitrittsländern und China, zusammen (Abb. 03481). Gleichzeitig konnte London seine Rolle als führendes Finanzentrum der globalen Welt noch ausbauen.


Unter den Schwellenländer sind die Finanzflüsse besonders stark nach dem Mittleren Osten und China gestiegen, aber auch nach Osteuropa (einschl. Rußland). 43,4 % aller Zuflüsse auf der Basis von Obligationen, Aktien und Darlehen gingen nach Osteuropa und China (Abb. 03482 und 03483). Allein die 73 Mrd $ nach China in 2006 waren fast das Siebenfache aller Zuflüsse nach ganz Afrika. Die Statistik zeigt, wie bei China der starke Wirtschaftsprozeß durch Auslandsgelder angetrieben wird.



Allein 5 Länder, angeführt von China, bestreiten mehr als die Hälfte des weltweiten Kapitalexports, darunter Deutschland (Abb. 04384).


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global news 673 16-04-07: Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für Februar 2007: Arbeitseinkommen weiter auf negativer Sparflamme trotz guter Entwicklung von Produktivität und Umsatz

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Nach den heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts für die deutsche Industrie ging das Arbeitsentgeld je Stunde im Vorjahresvergleich kaufpreisbereinigt um 0,2 % zurück, während die Lohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigten nur sehr gering um 0,4 % zulegte (Abb. 04691). Die Beschäftigten haben damit weiterhin keinen Anteil an dem starken Aufwuchs der Produktivität (Umsatz pro Beschäftigten) um 5,8 % gegenüber Vorjahr. Die Folge muß ein Anhalten der müden Verbraucherkonjunktur mit negativen Folgen für den Arbeitsmarkt sein. Nach dem Februarergebnis lag der Einzelhandelsumsatz real um 1,6 % unter dem Vorjahresergebnis. Damit rangierte Deutschland vor Italien und Portugal am Ende des europäischen Vergleichsfeldes.


Vor diesem Hintergrund ist es besonders pervers, wenn sich der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz für Stundenlöhne noch unter drei Euro ausgespricht, um so angeblich Jobs zu schaffen (siehe auch Kommentar von heute). Ähnlich pervers ist übrigens der Vorschlag aus der CDU/CSU, für den sich jetzt auch noch BILD einsetzt, die Erbschaftssteuer abzuschaffen, denn die trifft in erster Linie die Wohlhabenden, und der Staat müßte im Gegenzug andere Steuern erhöhen und damit eine Umverteilung zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsschichten vornehmen, was dann noch einmal den Binnenverbrauch belasten würde. Die deutsche Erbschaftssteuereinnahmen liegen bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt ohnehin nur bei 42 % des Durchschnittswertes der Alt-EU und werden nur noch von Österreich unterboten (Abb. 12244).


Wegen der gedämpften Binnenkonjunktur wird die deutsche Industrie immer mehr vom unsicheren Auslandsumsatz abhängig, der um 8,6 % zugelegt hat, während der Inlandsumsatz nur um 3,3 % wuchs.

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