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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(672) Die Sorgen des IWF: Leveraged Buyout Boom, Kreditderivative und Hedgefonds

(671) Steigerung der Unternehmensprofite als Anteil am BIP um 50 %

(670) Deutschland Schlußlicht in der IWF-Wachstumsprognose für 2007

(669) Dunkle Wolken am handelspolitischen Horizont: Die USA verklagen China in der Welthandelsorganisation

(668) Eine neue Kategorie von Superheuschrecken: Offizielle Nicht-Reserven-Fonds

(667) Es kracht im EU-Gebälk: Nach den EU-skeptischen Briten nun die EU-kritische Franzosen

(666) Der UN-Klimabericht: Die Katastrophe in die lebenden Generationen vorverlegt

(665) Die Konjunktur: Alles in Butter?

(664) Neue Studie des IWF: Globalisierung drückt auf Arbeitnehmer in entwickelten Industrieländern, und hier besonders auf die besser ausgebildeten

(663) Renteneintrittsalter international: Deutschland aussen vor

(662) Deutscher Industrie geht es überwiegend gut, vielen Verbrauchern sehr schlecht

(661) Die neoglobalisierte Finanzwelt: Steueroasen wie nie zuvor

(660) Kaufkraftentzug durch Steuererhöhungen

(659) Betriebsverlagerung - Oft reicht schon die Drohung

(658) Deutscher Einzelhandel weiter im Abwärtstrend

(657) Niedriglohnverdiener und Mindesstundenlohn

(656) Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für Januar 2007: Arbeitseinkommen weiter auf Sparflamme bei guter Umsatzentwicklung

(655) Noch mehr »Türken« in der Arbeitslosenstatistik

(654) Chinas Staatsbank gründet Spezialbank für 320.00 chinesische Dollar-Millionäre

(653) Nur die Reichen werden reicher, 600.000 Arbeitsplätze in Deutschland verhindert

(652) Die Arbeitslosigkeit im März 2007: Rückgang, aber weiter Unstimmigkeiten

(651) Arbeitsstress im Europa-Vergleich: 39 Prozent der Deutschen ist ihr Job zu anstrengend

(650) Handelspolitik quo vadis? Die Mehrheit im US Congress will Mindest-Arbeits- und Umweltstandards

(649) Kleine Stimmungszacken - der große Aufschwung?

(648) Der amerikanische Hypothekenmarkt und die deutsche Konjunktur

(647) Soziale Verantwortung und Solidarität in Deutschland: Vorstandsgehälter und Arbeitseinkommen

(646) EU-Außenhandel 2006: China wird wichtigster Lieferant

(645) Der China-Preis zerlegt




global news 672 14-04-07: Die Sorgen des IWF: Leveraged Buyout Boom, Kreditderivative und Hedgefonds

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Im diesjährigen Financial Stability Report des IWF werden u.a. drei Risikogruppen angesprochen: der Boom in leveraged Buyouts oder LBOs (kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen), Kreditderivativen und Hedgefonds. Mit 3,6 Billionen US$ an Übernahmen wurde 2006 noch der Rekord des Boomjahres 2000 übertroffen. Einer der Hauptgründe war nach Ansicht des IWF die hohe Profitrate der Unternehmen (Abb. 03474) sowie der Umstand, daß ein Teil der übernommenen Unternehmen eine in Zeiten niedriger Zinsen unangemessen niedrige Rate an Kreditfinanzierung im Verhältnis zum Eigenkapital aufwiesen.


Der zweite vom IWF dokumentierte Hauptgrund ist der enorme Zufluß von Kapital zu Private Equity Unternehmen und die Verfügbarkeit von Krediten mit hoher Hebelwirkung (Abb. 03475). Dabei ist die Hebelwirkung (Kredit im Verhältnis zu Profiten vor Steuern und Amortisierung) bei europäsichen LBOs gegen Ende 2006 bis auf das 5,5-Fache angestiegen (Abb. 03476). Während früher die Finanzierung von Buyouts vor allem über Unternehmensobligationen erfolgte findet sie jetzt ganz überwiegend mit Kreditfinanzierung statt. Im Ergebnis ist nach Ansicht des IWF das Risiko eines Zusammenbruchs gewachsen, der eine breitere Wirkung auf den Kreditmärkten erreichen könnte. Der IWF erwartet auch mehr Unternehmenszusammenbrüche wegen Überschuldung (zu einem markanten Fall in Deutschland siehe Artikel von Schumann im Tagesspiegel).



Bei den Kreditderivativen stellt der IWF einen weiteren enormen Anstieg des ausstehenden Volumens von 12 Billionen $ Mitte 2005 auf 26 Billionen $ Mitte 2006 fest (Abb. 03477). Der IWF besorgt sich wegen des geringen Fortschritts bei der Sammlung besserer Daten.


Bei den Hedgefonds stellt der IWF ebenfalls eine stürmische Entwicklung fest. Ende 2006 hatten sie 1,4 Billionen $ unter Verwaltung (Abb. 03478). Der Bogen zu den Buyouts und Kreditderivativen schließt sich hier, weil die Hedgefonds einen Marktanteil von 58 % bei den Kreditderivativen, 47 % bei notleidenden Krediten (distressed debt) und 32 % bei den leveraged loans haben, also in allen diesen kritischen Kapitalmarktelementen Hauptspieler sind. Der IWF befürchtet, daß Hedgefonds in bestimmten Situationen zu extremer Volatilität auf den Märkten beitragen können, vor allem in weniger liquiden Marktsegmenten in Streßperioden. Der Zusammenbruch eines größen Hedgefonds oder einer Gruppe von Hedgefonds könnte Rückwirkungen auf Banken und Broker haben, und Hedgefonds könnten Schocks verstärken, auch wenn ihr Ursprung woanders läge.


Um die Billionenwerte zu verdeutlichen: Alle deutschen Arbeitnehmer zusammen verdienen pro Jahr netto umgerechnet etwa 1,3 Billionen US Dollar. Kreditderevative machen damit das 20-Fache aller deutscher Arbeitnehmereinkommen eines Jahres aus, Buyout-Übernahmen das Dreifache, Hedgefondsanlagen etwas mehr als das Jahreseinkommen.

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extra global news 671 13-04-07: Steigerung der Unternehmensprofite als Anteil am BIP um 50 %

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Nach einer Übersicht des IWF sind die Unternehmensprofite in der Eurozone, Japan und USA seit 2000 bis 2006 von 8 % auf 12 % am Bruttoinlandsprodukt gestiegen (Abb. 03479). Dieser enorme Anstieg fiel mit einer starken Abschwächung der Lohnquote zusammen. Die neoliberale Globalisierung läßt grüßen.


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global news 670 13-04-07: Deutschland Schlußlicht in der IWF-Wachstumsprognose für 2007

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Man mag zu den IWF-Prognosen stehen, wie man will, und oft treffen sie daneben. Jedenfalls sollte man sie nicht verfälschen, um damit Propaganda in Deutschland zu betreiben, wie es offensichtlich Regierungskreise in Berlin betrieben haben. So meldete der SPIEGEL (und andere Medien) am 10. April unter der Überschrift "Regierung sieht Deutschland als Wachstumslokomotive": "Für 2007 erwarte der IWF ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, hieß es am Dienstag in deutschen Regierungskreisen. Für 2008 werden 1,9 Prozent vorhergesagt. .. Mit diesen Wachstumsraten sei Deutschland wieder die ‚Konjunkturlokomotive' in Europa, hieß es."

Schaut man sich aber den jetzt mit den Länderteilen veröffentlichten World Economic Outlook genau an, so hat der IWF in seiner 2007-Prognose Deutschland zusammen mit Portugal und Italien an das Ende der internationalen Liga gesetzt (Abb. 12421).


Dazu hat er kommentiert: "Germany was the principal locomotive, fueled by robust export growth and strong investment generated by the major improvement in competitiveness and corporate health in recent years, as well as the consumption boost from the World Cup and some spending in anticipation of the value-added tax (VAT) increase in early 2007." Sehr deutlich ist also die Wachstumslokomotive nach 2006 delegiert worden und wurde dort teilweise mit Sonderereignissen, nämlich der Fußballweltmeisterschaft und der MWSt-Erhöhung erklärt. Für 2007 ist Deutschland dagegen nach IWF wieder einmal zusammen mit Portugal und Italien Schlußlicht des Zuges. Es ist nur schade, daß Journalisten in aller Regel die IWF-Dokumente nicht im Original lesen sondern nur in der Übersetzung durch Regierungskreise.

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extra global news 669 12-04-07: Dunkle Wolken am handelspolitischen Horizont: Die USA verklagen China in der Welthandelsorganisation

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Die handelspolitische Temperatur zwischen den USA und China ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen. Erst kamen neue Antidumpingzölle, zuletzt bei Glanzpapier, und jetzt haben die USA in der Welthandelsorganisation gegen China Klage erhoben wegen Produktpiraterie und Verletzung von Urheberrechten sowie wegen Beschränkungen des Marktzugangs für amerikanische Filme, DVDs, Bücher und Musik. China hat darauf mit großer Verärgerung reagiert. Besonders die Forderung nach besserem Marktzugang für amerikanische Medien dürfte in China Unruhe auslösen. Die Entwicklung kommt noch bevor sich die neue demokratische Mehrheit im Congress bemerkbar gemacht hat, die wegen der niedrigen Arbeits- und Umweltstandards in China sowie der Wechselkursmanipulation auf Veränderungen drängen wird.

China ist weltweit bei weitem die größte Quelle für Produktfälschungen. 60 % aller Produktfälschungen kommen aus Asien, das meiste aus China. Ein Fünftel der Schäden entfällt auf Deutschland, wo mit einem Gesamtbetrag von 25 Mrd Euro gerechnet wird.

In 2006 waren die USA der bei weitem wichtigste Absatzmarkt für chinesische Produkte, allerdings in 2007 von der EU überholt. Fast die Hälfte des chinesischen Exports entfiel, wenn man Hongkong herausrechnet auf die USA und die EU (Abb. 08101). Mit beiden Partnern erzielte China einen Überschuß von 236 Mrd US $, während der Gesamtüberschuß nur bei 177 Mrd US $ lag, d.h. mit den anderen Handelspartnern ein Defizit von fast 60 Mrd US$ anfiel (Abb. 08102).



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global news 668 12-04-07: Eine neue Kategorie von Superheuschrecken: Offizielle Nicht-Reserven-Fonds

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Die unkontrollierten Risiken von Derivativen, die meist zwischen Banken gehandelt werden, sowie Hedgefonds und Private Equity Unternehmen bereiten den Regierungen vieler Länder bekanntlich große Sorgen. Nun gesellt sich immer mehr eine weitere Kategorie von unkontrollierten Fonds dazu: von Anlage-Managern verwaltete Fonds der Länder, die ihre hohen Währungsüberschüsse nicht länger in sicheren, aber schlecht verzinsten Staatspapieren anlegen, sondern zu riskanteren Investitionen mit höherem Ertragspotential übergehen. Die Investment Bank Morgan Stanley schätzt die Anlagen von 24 derartigen Fonds schon jetzt auf 2,3 Billionen Dollar, wovon 90 % in den offiziellen Währungsreserven nicht gezählt werden (Abb. 03473).


Diese Fonds sollen jedes Jahr um etwa eine halbe Billion Dollar wachsen und schon in 5 bis 6 Jahren die offiziellen Währungsreserven überholen. Der neueste deratige Fond ist die chinesische Investment Agency. Es wird erwartet, daß sie sehr schnell zu dem zweitgrößten derartigen Fond wird, da China die weltgrößten offiziellen Reserven hält und nun teilweise in diesen Fond einspeisen will. Die Oil Stabilization Fonds der Ölländer sind starke Investoren in asiatischen Unternehmen, vor allem in Indonesien, Malaysia und China, aber z.B. auch in Immobilien in Pakistan und in lokalen Infrastrukturprojeikten im Öl- und Gassektor. Die längerfristigen Auswirkungen dieser Fonds auf den Märkten sind enorm. Der totale Mangel an Transparenz wird für beunruhigend gehalten.

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global news 667 11-04-07: Es kracht im EU-Gebälk: Nach den EU-skeptischen Briten nun die EU-kritischen Franzosen

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Die Ablehnung der EU-Verfassung durch eine deutliche Mehrheit der französischen Bevölkerung war ein Warnschuß an den Rest Europas, wie er deutlicher hätte kaum ausfallen können. Dennoch scheint seine Wirkung in Deutschland längst vergessen. Sollte in Frankreich, wie erwartet wird, entweder die Rechte mit Sarkozy oder die Linke mit Royal gewinnen, so werden Politiker die Führung in diesem für die Zukunft der EU so wichtigen Land übernehmen, die sich beide im Wahlkampf auf europakritische Positionen festgelegt haben. Zusammen mit dem ohnehin europakritischen Großbritannien und den sehr reservierten EU-Beitrittsländern verspricht das eine total andere Tonart in der EU. Die Europakritik gilt dabei besonders der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und der Handelspolitik der EU bei den Einfuhren von Billigwaren.

Die französische Kritik macht - trotz des französischen EZB-Präsidenten - an der Zinspolitik der EZB fest. Diese wird für einen Euro-Außenkurs verantwortlich gemacht, der dem französischen Export angeblich schweren Schaden zufügt. In der Tat verliert der französische Export laufend an Boden. Warum sich die Exportentwicklung in Frankreich und Deutschland so unterschiedlich darstellt, ist einfach nachvollziehbar. Im Euro-Währungskurs kommt neben der Zinspolitik der EZB vor allem die Entwicklung der Außenhandelsbilanz der Eurozone zum Ausdruck. Und die ist dank der starken deutschen Exportleistung, die im wesentlichen auf der negativen deutschen Reallohnentwicklung aufbaut, trotz der französischen Exportschwäche mehr oder weniger ausgeglichen. Wäre Frankreich noch mit dem französischen Franken versehen, so hätte der längst abgewertet und damit den französischen Export gestützt. Umgekehrt hätte die DM längst aufgewertet und den deutschen Export gebremst. Die Zwangs-Euro-Ehe der beiden von der Lohnentwicklung her so ungleichen Partner schadet also Frankreich und nützt Deutschland. Die EZB achtet in ihrer Unabhängigkeit auf die Inflationsgefahr und nicht auf die Außenhandelsbilanz einzelner Euroländer.

Hinzukommt, daß innerhalb der Eurozone Deutschland im Schutz der festen Einheitswährung den Lohnkostenvorteil brutal gegenüber Frankreich und anderen Partnern ausspielt. So wuchs der deutsche Export im Februar gegen Vorjahr in der Eurozone um nicht weniger als 12,8 %, während er außerhalb Europas nur um 4,4 % zunahm (Abb. 06063). Gleichzeitig hat Deutschland mit einer vergleichsweise müden Verbraucherkonjunktur (Ab. 12378) die Importe aus den Eurozonenländern abgebremst und mit der Mehrwertsteuererhöhung noch zusätzlich erschwert. Nicht überraschend ist im Februar gegenüber Vorjahr der Umsatz der deutschen Industrie mit der Eurozone um 8 % und damit um 2,3 % stärker als der deutsche Binnenumsatz gestiegen.



Man muß befürchten, daß Frankreich und dann auch Italien eines nicht fernen Tages die Gretchenfrage zur Eurozone und der Unabhängigkeit der EZB stellen werden, ob die deutsche Politik dies mag oder nicht. Das kann je nach deutscher Reaktion das Ende des Euro bedeuten, zumal die Nicht-Euro-Länder, vor allem Großbritannien und die skandinavischen, nicht müde werden, ihre Ablehnung des Euro zu feiern. Der Euro war leider vom ersten Tag an eine Geburt von in Wirtschaftsfragen wenig erfahrenen Staatschefs auf beiden Seiten des Rheines sowie deutscher und französischer Technokraten, die auf die sozialen Traditionen in den Mitgliedsländern und die Stimmung in den Bevölkerungen keine Rücksicht genommen haben. Es war im Rückblick falsch, der EZB die Unabhängigkeit der deutschen Bundesbank überzustülpen und sie dabei nur auf die Bekämpfung der Inflation festzulegen, andererseits aber keinen Mechanismus zur Ermunterung ähnlicher Lohnpolitiken vorzusehen. Eine Einheitswährung ohne Harmonisierung der Wirtschafts- und Sozialpolitiken ist ein Unding.

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global news 666 10-04-07: Der UN-Klimabericht: Die Katastrophe in die lebenden Generationen vorverlegt

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Bisher war die Klimakatastrophe als eine Gefahr für die nächsten Generationen und das nächste Jahrhundert gesehen worden. Doch der neue UN-Klimabericht hat die Zeitachse vorverlegen müssen. Er sieht erhebliche Auswirkungen bis 2050 und bereits im Zeitraum der nächsten drei Jahre das Risiko von 50 Millionen Klimaflüchtlingen als Ergebnis von Trockenheit, Überflutungen, Wirbelstürmen, Bränden, zunehmendem Mangel an Trinkwasser und stärkerer Verbreitung von Krankheiten. Nach einigen Schätzungen sollen schon jetzt etwa so viele Menschen auf der Flucht vor dem Klima wie vor den traditionellen Bedrohungen der Menschen sein. Zeichen des schon stattfindenden Wechsels sind die Vergrößerung der Gletscherseen, die wachsende Instabilität der Permafrostböden, die Vorverschiebung der Jahreszeiten, die Deplatzierung von Tieren und Pflanzen.

Der jetzt vorgestellt zweite Teil des Klimaberichts stellt die Regionen vor, die in den kommenden Jahrzehnten besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden werden. Die Verbindung mit dem steigenden CO2-Gehalt der Atmoshäre wird nicht mehr bestritten (Abb. 07107). Alle Regionen des Globus werden in Mitleidenschaft gezogen werden, am stärksten die Arktik, Subsahara-Afrika, die großen asiatischen Flußdeltas und die niedrigen Inseln, also überwiegend Gegenden, die zu den ärmeren der Welt zählen. Der Bericht konzentriert sich auf die Auswirkungen in vier Bereichen: Wasser, Ökosystme, Küstengebiete und Gesundheit.


Wasser: Während in den nördlichen Breiten die Flüsse im Durchschnitt 10 % bis 40 % mehr Wasser führen werden, wird es in den trockenen mittleren und tropischen Breiten 10 % bis 30 % weniger sein. Die Dürrezonen werden sich ausdehnen, Trinkwasser in vielen Regionen knapp werden. Gleichzeitig wird anderswo die Häufigkeit starker Regenstürme mit Überschwemmungen steigen.

Ökosysteme: Je nach der Entwicklung der CO2-Emissionen wird in drei Szenarien eine Erhöhung der Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts von 1,8 Grad bis 3,6 Grad gegenüber 1990 erwartet (Abb. 07116). Wenn die Temperatur um 1,5 bis 2,5 Grad höher als 1990 liegen wird, wird das Verschwinden von 20 bis 30 % alles Pflanzen- und Tierarten befürchtet. Die Tundra, Regenwälder sowie die Vegetation in Gebirgsgegenden, Küstenzonen und im mediteranen Bereich sind besonders gefährdet.


Küstengebiete: In der Zeitperspektive 2080 sind jährlich mehrere Millionen Menschen Überschwemmungen ausgesetzt.

Gesundheit: Die Gesundheit von Millionen Menschen wird durch Unterernährung sowie Todesfälle und Krankheiten, die durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Trockenheit, Stürme oder Brände verusacht sein werden, betroffen sein. Soweit dabei große Städte in Visier der Katastrophe kommen, ist mit der Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu rechnen.

Leider wird wieder nicht der Bogen zu den neoliberalen Ursachen der Beschleunigung der Katastrophe geschlagen. Es sollte nicht überraschen, daß die zwei Hauptverschmutzer-Länder, USA und China, unter allen großen Ländern den radikalsten neoliberalen Kurs fahren und dabei die inneren Diskrepanzen zwischen arm und reich besonders steil hochfahren. In Verteidigung ihrer kurzsichtigen neoliberalen Wachstumsphilosophie unterzeichnen sie die Klimafolgen, überzeichnen die Wachstumskosten von Klimadisziplin und sind bisher nicht zu internationalen Vereinbarungen bereit.

Siehe auch Schwerpunkte Umwelt, Umweltkonferenz sowie Gedanken zur Zeit: Armes Weltklima - bei solchen "Freunden".

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global news 665 08-04-07: Die Konjunktur: Alles in Butter?

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Die Bundesregierung ist in Ihrem Konjunkturoptimismus kaum noch zu überbieten, als sei Psychologie das wichtigste Instrument der Wirtschaftspolitik geworden. Die Prognosen scheinen von einem phantastischen Zustand auszugehen, bei dem kein Kaufkraftentzug durch Steuererhöhungen und -änderungen im Umfang von fast 25 Mrd Euro oder 2,2 % der Arbeitnehmerentgelte stattfindet, kein Exporteinbruch wegen der Konjunkturabschwächung beim zweitwichtigsten Exportmarkt USA zu befürchten ist und die deutschen Verbraucher Schlange in den Läden stehen. Nach SPIEGEL-Informationen rechnen die im interministeriellen Arbeitskreis "Gesamtwirtschaftliche Vorausschau" zusammengeschlossen Fachleute der Bundesregierung für dieses und das nächste Jahr nun mit einem Wachstum von jeweils mehr als zwei Prozent.

Vielleicht tut es da gut, im Interesse der geistigen Hygiene einen kurzen Blick auf die Fakten unserer Abhängigkeit von der amerikanischen Konjunktur und unseres Einzelhandelsumsatzes im Vergleich zu den Partnern in der EU zu werfen. Zwar habe das Sprichwort "Wenn die USA niesen, bekommt die Welt eine Erkältung" noch immer Gültigkeit, heißt es in einer neuen Studie des IWF. Dennoch sollte die Bedeutung eines schwächeren Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten nicht übertrieben werden. Wenn man genauer hinsieht, bezieht sich diese Entwarnung jedoch nur auf eine geringe Wachstumsabschwächung in USA, nicht jedoch auf eine Rezession. Sollten die USA in eine Rezession schlittern, so wäre nach Ansicht des IWF mit ernsten Rückwirkungen auf den Rest der Welt zu rechnen. Tatsächlich hätte sich das Ausmaß der Abhängigkeit von der US-Konjunktur mit der Zeit noch verstärkt. Der Grund liege in der Intensivierung des Handels mit den USA und der gewachsenen Abhängigkeit der Finanzmärkte. Der IWF stellt die Zusammenhänge für die Vergangenheit auch grafisch dar. Hier die Situation zwischen den USA und der Eurozone (Abb. 05070). Man erkennt sehr deutlich, wie besonders seit den 90er Jahren die Konjunktur in der Eurozone der in den USA mit geringem zeitlichen Abstand folgt.


Die heute von Eurostat veröffentliche Statistik des Einzelhandelsumsatzes für Februar 2007 zeigt, wie Deutschland mit Portugal und Italien am Ende herumtrudelt. Die Entwicklung in der Eurozone ohne Deutschland lag mit +2,6 % um 4,3 % über der deutschen (Abb. 12378). Es ist nicht zuletzt von dieser wesentlich besseren Binnenkonjunktur der Eurozonenpartner, wovon der deutsche Export lebt - allerdings ziemlich unsicher, was miterklärt, warum die meisten neuen Jobs in Deutschland Zeitverträge sind.


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global news 664 07-04-07: Neue Studie des IWF: Globalisierung drückt auf Arbeitnehmer in entwickelten Industrieländern, und hier besonders auf die besser ausgebildeten

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Zum ersten Mal hat der IWF in einem bedeutenden Grundsatzpapier zur Globalisierung festgestellt, daß die Globalisierung der Arbeitsmärkte zu Lasten der Lohnquote in den entwickelten Industrieländern geht. Unter Berücksichtigung der Exportquoten an der Gesamtbeschäftigung hat sich das globale exportrelevante Arbeitkräfteangebot seit 1980 etwas vervierfacht (Abb. 08093). Besonders stark ist dabei der Anstieg in Asien mit fast einer Verzehnfachung, und dies vor allem wegen China (Abb. 08094 und 08095). Besonders hoch ist die Steigerungsrate auf dem globalen Arbeitsmakrt beim Zustrom von Arbeitskräften mit höherer Ausbildung, und zwar um 50 % in den letzten 25 Jahren.




Die alten Industrieländer bekommen den Globalisierungsdruck bisher weit weniger über die Zuwanderung von Arbeitskräften als den internationalen Handel zu spüren (Abb. 08096). Dabei steigt der Import von Industriewaren aus der Dritten Welt, besonders aus China (Abb. 08097 und 08098) anteilsmäßig kontinuierlich an. Fast der gesamte Zuwachs der Entwicklungsländer entspricht dem aus Asien und hier weitgehend China.




In erster Linie wurde höher qualifizierte Produktion aus den entwickelten Industrieländern verlagert (Abb. 08099), was der IWF mit der Notwendigkeit qualifizierter Vorprodukte für die qualifizierte Produktion in den entwickelten Industrieländern erklärt. Daher war - entgegen gängiger Meinung - die Wirkung der Globalisierung auf ausgebildete Arbeitskräfte in den alten Industieländern größer als auf niedrig qualifizierte, die dafür mehr durch technologische Entwicklungen verdrängt wurden.


Wichtig sind auch die Feststellungen des IWF zur Angleichung der Löhne: Während die bei Korea, Singapur und Hongkong schon relativ weit vorangeschritten ist, hat sie bei China erst 16 % des US Lohnniveaus erreicht, und das auch nur, wenn nach Kaufkrafteinheiten gemessen wird (Abb. 08100). Bei dem für den internationalen Wettbewerb wichtigen offiziellen Wechselkurs kommt man auf nur 5 % des amerikanischen Niveaus.


Natürlich argumentiert der IWF trotz allem für mehr Globalisierung. Er hält den Auswirkungen auf die Lohnquote und den Verdrängungseffekten die Vorteile billigeren Einkaufs entgegen und glaubt, daß die Verlierer der Globalisierung irgendwie finanziell abgefunden werden können. Auch meint er, daß die Verdrängungseffekte in den angelsächsischen Ländern wegen der größeren Flexibilität der Arbeitsmärkte weniger zum Tragen kommen, man davon also in Alt-Europa lernen könnte.

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global news 663 06-03-07: Renteneintrittsalter international: Deutschland aussen vor

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Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Menschen relativ früh in Rente gehen (Abb. 12420), selten jedoch auf der Basis einer eigenen Lebensplanung, sondern meist wegen des Arbeitsmarktes oder einer schlechten Gesundheit.


Mit der Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 67 hat die Bundesregierung von allen Ländern der Alt-EU die größte Differenz zwischen realem und legalem Rentenalter aufgebaut. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit, daß es sich praktisch für die meisten Betroffenen um eine Rentenkürzung handelt, die größte, zumal Deutschland auch die höchste Rate an Langzeitarbeitslosigkeit in der Alt-EU aufweist.

Traurig: Nicht weniger als 9 Gewerkschafter aus der SPD-Fraktion stimmten für die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Ganze 11 Gegenstimmen aus den Reihen der Sozialdemokraten belegen, wieweit es diese Partei in der Vertretung der Arbeitnehmerinteressen gebracht hat!

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extra global news 662 05-04-07: Deutscher Industrie geht es überwiegend gut, vielen Verbrauchern sehr schlecht

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Die deutsche Industrie verzeichnete bei den Aufträgen im Februar einen Zacken nach oben, der im Wesentlichen durch ein überdurchschnittliches Volumen von Großaufträgen aus dem Ausland zustande kam (Abb. 04569), dagegen entwickelten sich die Inlandsaufträge weit verhaltener und lagen bei der Konsumgüterindustrie immer noch um 4,4 % unter dem Niveau des Jahres 2000. Damit wird die deutsche Industrie immer mehr von den Auslandsmärkten abhängig.


Auch die Indices der Produktion zeigen, neben einer guten Entwicklung für die übrige Industrie, die Stagnation der Konsumgüterindustrie (Abb. 04306).


Wesentlich schlechter ging es den Verbrauchern, die Insolvenz anmelden mußten. Ihre Zahl steigt seit Jahren unaufhaltsam und lag auch im Januar wieder um 27,5 % über dem Vorjahreswert (Abb. 04028). Das StaBuA erwähnt diesen Umstand nie in der Überschrift, die immer nur auf die Unternehmensinsolvenzen und deren frohe Botschaft abstellt. Dabei gehen bei der derzeitigen Monatsrate alle 5 Jahre mehr als eine halbe Million Verbraucher in die amtliche Insolvenz.


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global news 661 05-04-07: Die neoglobalisierte Finanzwelt: Steueroasen wie nie zuvor

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Einige wenige in der Regel sehr kleine Länder, vor allem in der Karibik, halten nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich rund ein Sechstel der weltweiten Bankguthaben in ausländischen Währungen, mit Luxemburg, Singapur und Schweiz sogar ein Drittel (Abb. 12419); diese Zahlen enthalten noch nicht einmal die enormen Wertpapieranlagen der Hedgefonds und anderer Investmentfonds, die meist ebenfalls in Steueroasen siedeln. Die Boston Consulting Group schätzte das gesamte Offshore-Vermögen schon 2003 konservativ auf neun Billionen Dollar.


So verzeichnen die Cayman-Inseln jährlich rund 1.000 neue Investmentfonds, die Gesamtzahl ist dort bereits bei mehr als 7.500 angelangt. Die Britischen Jungferninseln mit 23.000 Einwohnern registrieren über 60.000 Firmengründungen im Jahr. Auf Jersey ist das Bankvermögen in nur zwei Jahren von 160 auf 190 Milliarden Pfund gewachsen. Bermuda, wo sich die Rückversicherer tummeln, soll mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 69.900 Dollar das reichste Land der Welt noch vor Luxemburg sein.

Wenn Sie sich fragen sollten, wie die Superreichen in Deutschland ihr durchschnittliches Jahreseinkommen von 1995 bis 2001 um über 50 Prozent auf knapp 50 Millionen Euro steigern konnten, finden Sie hier eine der Erklärungen.

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extra global news 660 04-03-07: Kaufkraftentzug durch Steuererhöhungen

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Die verschiedenen Steuerverschlechterungen der Großen Koalition summieren sich in 2007 auf fast 25 Mrd Euro oder 2,2 % der Arbeitnehmerentgelte (Abb. 04756). Sie werden über die nächsten zwei Jahre noch auf 33 Mrd Euro steigen. Die ist also ein erheblicher Entzug an Kaufkraft, auch wenn ein Drittel der MWSt-Differenz die Sozialversicherungsbeiträge senken soll.


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global news 659 04-04-07: Betriebsverlagerung - Oft reicht schon die Drohung

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Das WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat auf der Basis einer Betriebsrätebefragung eine interessante Analyse zum Thema Standortverlagerung erarbeitet. In 16,2 % aller Betriebe wurden solche Verlagerungen diskutiert, wenn auch nur in 9,3 % vollzogen. Besonders akut ist das Thema im Bereich der Investitions- und Gebrauchsgüterindustrie, wo es in mehr als einem Drittel der Unternehmen zur Diskussion und fast einem Viertel zum Vollzug kam. Sehr oft mußten die Arbeitnehmer in jedem Fall auf Lohn verzichten und/oder Arbeitszeit verlängern, reichte also schon die Androhung aus, um die soziale Stellung zu verschlechtern (Abb. 04760). In 68 % der Betriebe, die tatsächlich Standorte verlagert hatten, sind in der Summe Arbeitsplätze abgebaut worden.


In der öffentlichen Diskussion wird Standortverlagerung mit Verlagerung ins Ausland gleichgesetzt. Nach den WSI-Befragungsergebnissen sind jedoch nur 28% aller von der Befragung erfassten Standortverlagerungen ins Ausland gegangen, 72% der Betriebe haben im Inland verlagert, in einzelnen Branchen waren die Anteile an Auslandsverlagerung jedoch weit höher (Abb. 05759). In den meisten Betrieben, die ins Ausland verlagert haben, ist diese Verlagerung besonders häufig mit Arbeitsplatzabbau einhergegangen (71,2%).


Wie Abb. 04757 zeigt, kommte es zwischen den Wirtschaftszweige zu erheblichen Abweichungen.


Obwohl Standortverlagerungen sowohl in kleinen als auch in großen Betrieben diskutiert werden, ist der Anteil an Großunternehmen - vor allem solchen ab 1.000 Beschäftigte - mit 44% größer (Abb. 04761).


Deutsche Unternehmen gehen in der Regel nicht aus einer wirtschaftlichen Notsituation heraus ins Ausland. Daher vermutet das WSI, dass sie ihre recht gute wirtschaftliche Position sichern bzw. noch verbessern wollen (Abb. 04758).


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extra global news 658 03-04-07: Deutscher Einzelhandel weiter im Abwärtstrend

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Nach dem Februarergebnis lag der Einzelhandelsumsatz real um 1,6 % unter dem Vorjahresergebnis. Der Trend ist nun seit vielen Monaten negativ (Abb. 04214 und 04753). Dabei lag der Indexwert vom Februar mit 110,7 unter dem durchschnittlichen Wert des Jahres 2006 von 112.0. Auch im Februar hat sich damit deutlich die Eintrübung durch die Mehrwertsteuererhöhung gezeigt, wobei in diesen Daten der Kraftfahrzeughandel noch nicht einmal enthalten ist.



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global news 657 02-04-07: Niedriglohnverdiener und Mindesstundenlohn

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Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten hat nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2007 4,73 Mio betragen. Dabei steigt die Zahl der Niedriglohnbezieher ständig an (Abb. 04754). In Ostdeutschland gehört dazu mehr als jeder Dritte Vollzeitbeschäftigte. Dabei wird die Niedriglohnschwelle mit zwei Dritteln des Medianwertes beim Bruttolohn festgelegt. Im Jahr 2004 entsprach dies einem Bruttolohn von 1 722 pro Monat für eine Vollzeitstelle, was bei einer 40 Stunden-Woche einem Stundenlohn von 9,78 entspricht.


Nach der vom StaBuA veröffentlichten Statistik der niedrigsten Tarifstundenlöhne liegt der unterste Punkt bei 3,82 Euro im Friseurhandwerk in Deutschland-Ost, übrigens beträgt der West-Lohn hier fast zwei Drittel mehr. Aber auch die anderen niedrigsten tariflichen Stundenlöhne dokumentieren, wie niedrig in Deutschland inzwischen das Lohnniveau nach unten ausgeartet ist (Abb. 04741).


Die erbitterte Diskussion, die derzeit in Deutschland zu einer generellen Einführung von Mindestlöhnen stattfindet, verkennt total, welchen Weg andere Länder der Alt-EU gegangen sind. Selbst mit dem von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Mindestlohn von 7,50 Euro würde Deutschland am unteren Ende vor Griechenland, Spanien und Portugal rangieren (Abb. 04755).


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extra global news 656 02-04-07: Ergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe für Januar 2007: Arbeitseinkommen weiter auf Sparflamme bei guter Umsatzentwicklung

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Nach den heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts für die deutsche Industrie ging das Arbeitsentgeld je Stunde im Vorjahresvergleich kaufpreisbereinigt um 2,2 % zurück, während die Lohn- und Gehaltssumme leicht um 0,6 % zulegte (Abb. 04691). Der Inlandsumsatz entwickelte sich mit +5,9 % gut, noch besser der Auslandsumsatz mit 12,9 %.


Ebenfalls heute meldete das StaBuA, dass der Grosshandel im Vergleich zum Vormonat im Februar unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten real 0,4 % weniger umgesetzt hat.

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global news 655 01-04-07: Noch mehr »Türken« in der Arbeitslosenstatistik

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Im Rundbrief 652 habe ich schon einige Schwächen der deutschen Arbeitslosigkeitsstatistik angesprochen, wie:

» das zeitweise starke Auseinanderklaffen von Erwerbstätigen- und Arbeitslosenentwicklung, mit einem weit stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit als die Erwerbstätigkeit zunimmt,

» der hohe Anteil an Leiharbeitsverhältnissen an der seit einem Jahr zusätzlichen Beschäftigung von 48 %,

» die von der Bundesagentur eingeräumte Überzeichnung der versicherungspflichtigen Beschäftigung durch das sogenannte Hochrechnungsverfahren,

» der Einfluß einer neuen angeblich systematischen Überprüfung des Arbeitslosenstatus, die in sich unklar ist, aber auch den Zeitphasenvergleich verzerrt,

» stärkerer Einsatz von Arbeitsgelegenheiten und Trainingsmaßnahmen, die die Arbeitslosigkeit künstlich vermindern.

Eine besonders beunruhigende Beeinträchtigung der Verläßlichkeit und Aussagefähigkeit der Statistik ist der "Verschiebebahnhof" zwischen der Arbeitslosenzählung und der Zählung der Arbeitssuchenden, die nicht als arbeitslos gerechnet werden:

» So sind die von den Arbeitsgemeinschaften (ARGE) und getrennten Trägern (gT) geführten Arbeitslosen zwar seit Januar 2006 bis März 2007 um 233.342 zurückgegangen, gleichzeitig aber ist die Zahl der Arbeitsuchenden, d.h. Beschäftigte ab 15 Stunden (Einkommen wird durch ALG II aufgestockt) und Maßnahmeteilnehmer um 231.013 gestiegen (Abb. 04752). Die Gesamtzahl Arbeitslose und Arbeitsuchende (Aufstocker und Maßnahmeteilnehmer) hat sich damit kaum geändert. Es fand nur eine Verschiebung von den Arbeitslosen hin zu den Arbeitsuchenden statt (mehr Maßnahmeteilnehmer und Beschäftigte).


» Der Anteil der arbeitsuchenden Älteren ab 55 hat sich dabei deutlich erhöht. Da der Anteil der über 58-jährigen, die arbeitsuchend (beschäftigt oder Maßnahmeteilnehmer) sind, sich nur um 309 erhöht hat, ist Zahl der §428 SGB III-Fälle (keine Erfassung mehr als Arbeitsloser und Arbeitsuchender!) vermutlich drastisch angestiegen.

» Der Anteil der Personen unter 25 Jahre hat sich bei den Arbeitslosen und Arbeitsuchenden um 8,36 % verringert. Bei den erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen nur um 3,46 %. Einzige statistische Erklärung: Der Anteil der Jugendlichen, die in allgemeinbildende und berufsbildende Schulen ausweichen, muss sich erhöht haben (wenn die Statistik stimmt). Diese Personen werden dann nur als erwerbsfähigen Hilfsbedürftige, nicht aber als Arbeitslose gezählt.

» Vor allem: Die Arbeitslosen und Arbeitsuchenden von 25 bis unter 58 sind um 1,34 % auf 3.037.769 gestiegen. Die Zahl der erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen von 25 bis unter 55 Jahre stieg um 3,38 % auf 3.554.651. Eigentlich müßte aber die Zahl der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden größer sein, wenn der gleiche Personenkreis erfasst wäre, da die Altersspanne größer ist. Zwar müssen bei den erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen die wesentlichen Ausnahmen (Schüler/betriebliche Ausbildung, §428er Fälle und Erziehung eines Kindes unter 3 Jahre) noch heraus gerechnet werden, jedoch treten diese Ausnahmen in der Altersgruppe überhaupt nicht (§428) oder fast nicht auf. Es bliebe also als Erklärung nur die Pflege von Angehörigen mit einer erhöhten Pflegestufe übrig. Gegen die Pflege spricht aber, dass diese Differenz 14,5 % ausmacht und viel zu groß ist. Also handelt es sich eindeutig um eine Untererfassung der Arbeitslosen.

Im Ergebnis dieser vielen Ungereimtheiten, ist kaum noch nachvollziehbar, wie die Medien immer wieder auf die von der Bundesregierung verbreiteten weit übertriebenen Erfolgsmeldungen hereinfallen und alles nachplappern, was da vorgegeben wird. Niemand macht sich die Mühe, hinter die Kulissen zu blicken. Was hier als Erfolg verkauft wird, sind im Wesentlichen statistische Manipulationen und prekäre, d.h. zeitlich befristete und/oder gering bezahlte Jobs.

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extra global news 654 31-03-07: Chinas Staatsbank gründet Spezialbank für 320.00 chinesische Dollar-Millionäre

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Wer China noch für nur ein armes Entwicklungsland hält, dem wir mit handelspolitischen Erleichterungen für zu Lasten unserer Arbeitsplätze gdumpte Ware zu helfen haben, nehme bitte zur Kenntnis: Die schon 320.00 Dollar-Millionäre bekommen jetzt ihre eigene Staatsbank, deren erste zwei Filialen schon in Peking und Shanghai eröffnet wurden. Und damit es richtig profitabel wird, hilft die Royal Bank of Scotland mit ihren Erfahrungen in der Betreuung von Superreichen in den alten Industrieländern. Die chinesischen Superreichen erhalten Vorzugsangebote für exklusive Investmentfonds oder Vorkaufsrechte bei Börsengängen chinesischer Unternehmen und werden von erfahrenen Experten in in speziell für sie eingerichteten Räumen beraten, die dem Durchschnittskunden nicht zur Verfügung stehen.

Die Zahl der Dollar-Millionäre wächst im Jahresdurchschnitt um 15 % und damit um die Hälfte schneller als die chinesische Volkswirtschaft insgesamt (Abb. 08092). Im vergangenen Jahr fand auch bereits die erste Millionärsmesse Asiens in Shanghai statt. Vergessen wir auch nicht die chinesischen Dollar-Milliardäre, von denen es bereits 41 gibt.


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global news 653 31-03-07: Nur die Reichen werden reicher, 600.000 Arbeitsplätze in Deutschland verhindert

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Nach einer neuen Studie des DIW hat über die 90er Jahre die Ungleichheit der am Markt erzielten Bruttoeinkommen - Löhne und Gehälter, Unternehmer- sowie Vermögenseinkommen - in Deutschland zugenommen. Während die preisbereinigten Einkommen im Durchschnitt konstant blieben, gab es für die oberen 10 % der Einkommenspyramide nennenswerte Zuwächse. Diese Gruppe konnte ihr reales Markteinkommen von 1992 bis 2001 um gut 7 % steigern. Die "ökonomische Elite", die oberen 0,001 % der Einkommensbezieher, erzielten gegenüber 1992 sogar einen realen Einkommensanstieg um 35 %. Sie verdienten 2001 durchschnittlich 15 Millionen Euro. Die Gruppe der 65 Superreichen konnte ihr Einkommen sogar um über 50 Prozent steigern (Abb. 04749), ihr Durchschnittseinkommen belief sich im Jahr 2001 auf knapp 50 Millionen Euro. Die Gruppe der Topverdiener erzielte ihr Einkommen aber überwiegend aus unternehmerischer Tätigkeit und Vermögensgewinnen. Nur rund fünf Prozent ihres gesamten Markteinkommens stammte aus Löhnen und Gehältern. Dieser Anteil lag im Durchschnitt der Bevölkerung dagegen bei mehr als 80 Prozent.


Zu den Beziehern sehr hoher Einkommen gehören in Deutschland weit mehr Unternehmer, als dies in den USA oder in Frankreich der Fall ist. Allerdings hat laut DIW-Studie der Anteil der Manager an den Beziehern von Top-Einkommen von 1992 bis 2001 zugenommen.

Diese Ergebnisse hat das DIW Berlin mit einer integrierten Datenbasis aus Einkommensteuerstatistik und Sozio-oekonomischem Panel (SOEP) ermittelt, die auch die sehr hohen Einkommen vollständig erfasst. Daten des SOEP zur Entwicklung der Jahreseinkommen, die bis 2004 reichen, deuten darauf hin, dass sich die Ungleichheit der Markteinkommen nach 2001 weiter verstärkt hat.. Gründe dafür sind die in den vergangenen Jahren gestiegene Arbeitslosigkeit und eine sinkende Lohnquote. Gleichzeitig ist der Anteil der Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit und Vermögen am gesamten Volkseinkommen weiter gestiegen.

Dazu paßt eine heute veröffentlichte Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Danach hat die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre die Entstehung von mindestens 600 000 Arbeitsplätzen in Deutschland verhindert, indem sie das Entstehen des Aufschwungs auf Grund der durch die Lohnzurückhaltung belasteten Binnennachfrage hinausgezögert hat. Im Idealfall hätten deutlich höhere Löhne sogar rund 1,2 Millionen Menschen zusätzlich Beschäftigung gebracht und zwar ohne dass Inflation entstanden wäre, heißt es in der Studie. Zudem wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heute um vier Prozent höher als es tatsächlich ist. Das IMK unterstellt dabei, dass die Lohnkosten von 1995 bis 2006 um real 1,6 Prozent höher ausgefallen wären als tatsächlich geschehen. In seiner Simulationsrechnung geht das Institut jedoch lediglich von real 0,7 Prozent Lohnzuwachs pro Jahr aus. Doch selbst in dieser abgeschwächten Variante läge das BIP um knapp zwei Prozent über dem tatsächlichen Wert und die Zahl der Beschäftigten wäre um fast 600 000 Personen höher als heute.

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global news 652 29-03-07: Die Arbeitslosigkeit im März 2007: Rückgang, aber weiter Unstimmigkeiten

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Als erstes fällt mir beim Betrachten des März-Berichtes auf, daß die Bundesagentur wieder mit der Nullachse des Titelbildes gespielt hat, was der ahnungslose Betrachter nicht erkennen kann, um einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit optisch vorzutäuschen. Abb. 04750 stellt dem die wirkliche Entwicklung gegenüber. Das sind eigentlich Tricks, die einer staatlichen Stelle unwürdig sein sollten. Der Bundesarbeitsminister schwelgt in positivem Spiralendenken: "Deutschland hat die Chance, konjunkturell und strukturell in eine langwährende Positiv-Spirale von Prosperität und Beschäftigung zu kommen."


Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit nur um 65.000 gegen Vormonat zurückgegangen. Bei der unbereinigten Zahl bleibt die Arbeitslosigkeit weiterhin über 4 Millionen (4,1 Mio) und verzeichnet mit rund 41 % weiterhin einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen (Abb. 04033), den höchsten in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).



Der Trend des Rückgangs der Arbeitslosigkeit hat sich zuletzt etwas abgeschwächt (Abb. 04751).


Die Entwicklung der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit, die bis Februar angegeben wird, verlief zuletzt mit einem Plus von nur 30.000 enttäuschend, nach +44.000 im Januar und monatsdurchschnittlich +51.000 im Dezember und November. Wie schon im Vorjahr zeigt sich die starke Abweichung von Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsentwicklung, die immer erst nach dem Gipfel der Arbeitslosigkeit im März korrigiert wird (Abb. 04738).


Und hier noch einiges aus dem Kleingedruckten der Bundesagentur, das die eigenen Unsicherheiten im Umgang mit dieser Statistik zeigt:

    Der starke Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Januar könnte durch das Hochrechnungsverfahren überzeichnet sein.
    Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen gab es einen kräftigen Anstieg (+8,5 Prozent bzw. +273.000), der wiederum zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung getragen wird. (Infoportal: Im Klartext, allein 48 % der Gesamtzunahme an Beschäftigung über ein ganzes Jahr entfällt bereits auf unsichere und in der Regel schlecht bezahlte Zeitverträge.)
    Außerdem dürfte weiterhin die intensivere Betreuung von Arbeitslosen sowie die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus von Einfluss gewesen sein (Infoportal: Aussortieren von Arbeitslosen). Dies wurde im März durch einen stärkeren Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente im Rechtskreis SGB II unterstützt. Vor allem Arbeitsgelegenheiten und Trainingsmaßnahmen wurden stärker eingesetzt (Infoportal: Die Betroffenen gelten dann als nicht-arbeitslos).
    Zudem wird der Arbeitsmarkt durch ein rückläufiges Arbeitskräfteangebot entlastet, das nach Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2007 jahresdurchschnittlich um 100.000 abnimmt.

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extra global news 651 29-03-07: Arbeitsstress im Europa-Vergleich: 39 Prozent der Deutschen ist ihr Job zu anstrengend

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39 Prozent der deutschen Arbeitnehmer halten ihren Job für zu anstrengend. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Opinion im Auftrag der Europäischen Kommmission hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Deutschland verzeichnet damit höhere Werte als viele andere Alt-EU-Länder; nur die südeuropäischen, Schweden und Österreich haben noch höhere (Abb. 12418).


Mehr als 20 Prozent der Arbeitnehmer in der Europäischen Union glauben demnach, dass sie unter gefährlichen und ungesunden Bedingungen arbeiten, bei den Arbeitern sind es sogar 29 Prozent. 14 Prozent aller Befragten denken zudem, dass ihnen ihre Anstellung kein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf, Familie und Privatleben ermöglicht. Für die Umfrage wurden im Dezember 2006 mehr als 26.000 Bürger in den 25 Mitgliedstaaten der EU befragt.

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global news 650 29-03-07: Handelspolitik quo vadis? Die Mehrheit im US Congress will Mindest-Arbeits- und Umweltstandards

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In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Einfuhrzölle für Industrieprodukte in den alten Industrieländern dramatisch abgebaut. Bei der EU und den USA betragen sie im Durchschnitt nur noch 4 %, während sie bei Beginn der EU noch 40 % ausmachten (Abb. 06062).


In den letzten Jahrzehnten haben vor allem fernöstliche Länder davon profitiert und nun immer mehr China. Das läßt sich am Besten am Frachtaufkommen ablesen. Luftfracht wächst dramatisch, wobei ein Drittel des weltweiten Wachstums allein auf China entfällt. Der Handel mit Asien ist so aus dem Gleichgewicht geraten, daß die Flugzeuge von dort voll starten und dann halbleer zurückfliegen müssen. Noch mehr boomt der Seetransport. China zählt bereits für jeden vierten weltweit tansportierten Seecontainer, wobei das Volumen jedes Jahr um 30 % wächst. Der einzige Kran, der gleich drei Container auf einmal heben kann, operiert in einem der chinesischen Containerhäfen. Die zwei weltgrößten Containerhäfen sind Hongkong und Shanghai. Jährlich werden in China 100 Millionen Container abgefertigt, gegenüber nur 5 Millionen in Indien. Der weltgrößte Hafen für die PKW-Verschiffung entsteht derzeit in China. Nicht zuletzt zur Erleichterung der Gütertransporte hat China in den letzten 5 Jahren 45.000 km Autobahnen gebaut, mehr als einmal um den Äquator. Das Expressfracht-Unternehmen UPS bedient bereits 330 Städte in China und baut nun einen eigenen Frachtflughafen in Shanghai. Neuerdings verlegen die großen Handelshäuser zunehmend auch die Auszeichnung und Endverpackung der Produkte für die Kunden in europäischen oder amerikanischen Kaufhäusern nach China, wo diese Arbeiten weit billiger zu haben sind.

Während Europa noch die Früchte des billigen Einkaufs zu genießen scheint, wächst im neugewählten amerikanischen Congress der Widerstand gegen Lohn- und Umweltdumping. Derzeit verhandeln die USA noch mit Kolubien, Panama, Peru, Malaysia und Südkorea bilaterale Handelsabkommen, die bis zum Ende März an den Congress gemeldet werden müssen, um noch in den Genuß der Sondervollmacht des Präsidenten (fast track) zu kommen. Wenn die Frist verstreicht, werden die Demokraten darauf bestehen, wasserfeste Klauseln für Arbeits- und Umweltstandards aufzunehmen. Sollte die Administration das einräumen müssen, so sind erhebliche Auswirkungen auf die internationale Handelspolitik zu erwarten. Die USA und Frankreich hatten sich schon seinerzeit bei der Gründung der WTO für die Aufnahme von Mindestarbeitsstandards eingesetzt. Eigentlich sind solche Regeln überfällig, wie diese Webseite oft argumentiert hat. Länder, wie China, die unabhängige Gewerkschaften nicht zulassen oder, wie Indien, in hohem Ausmaß Kinderarbeit zulassen, dürfen dafür nicht auch noch handelspolitisch mit Exporterfolgen zu Lasten der Arbeitsplätze ihrer Handelspartner belohnt werden.

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extra global news 649 28-03-07: Kleine Stimmungszacken - der große Aufschwung?

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Wie Abb. 04711 zeigt, hat der Konsumklima-Index einen minimalen Aufwärtszacken für April eingelegt, nachdem bisher kräftiger Rückgang angesagt war; die Konjunkturerwartungen der Verbraucher sanken dagegen weiter. Die Gesellschaft für Konjunkturforschung verbrämt letzteres mit dem Bemerken: "Trotz des leichten Rückgangs bleibe die Konjunktureuphorie aber ungebrochen. .. stiegen die Aussichten, dass die Verunsicherung der Konsumenten allmählich weiche und der derzeitige Konjunkturoptimismus die Oberhand gewinne." Prompt wird das Ergebnis von vielen Medien zum Trendwechsel hochstilisiert und zum Beweis, daß "die Verbraucher nun wieder zum Einkaufen bereit sind".


Ähnlich sieht es beim Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts aus (Abb. 04731). Dazu Ifo: "Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im März gestiegen. Der leichte Rückgang in den ersten beiden Monaten dieses Jahres, der vermutlich auf die Mehrwertsteueranhebung zurückzuführen war, hat sich damit nicht fortgesetzt. .. Der Aufschwung ist stark und robust. "


Für den Bundeswirtschaftsminister eine Vorlage, die er sich nicht entgehen läßt: "Das Geschäftsklima in der Gewerblichen Wirtschaft hat sich im März wieder aufgehellt .. Die intakte Binnendynamik des Aufschwungs in Deutschland wird auch durch die anhaltend aufwärts gerichtete Inlandsnachfrage nach industriellen Erzeugnissen bestätigt und durch die spürbare Stimmungsverbesserung im Einzelhandel unterstrichen." Da wird nicht einmal der Einzelhandelsumsatz vom Februar abgewartet, der vom StaBuA erst am Freitag veröffentlicht wird und für Januar noch stark negativ war.

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extra global news 648 27-03-07: Der amerikanische Hypothekenmarkt und die deutsche Konjunktur

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Der amerikanische Immobilien- und Hypothekenmarkt geht durch eine Krise, weil man dort eine totale Liberalität in der Vergabe von Hypotheken zugelassen hat. Hypotheken, die ohne jede Anzahlung 105 % des Kaufpreises decken, oder solche, bei denen nur Zinsen gezahlt werden oder sogar nur ein Teil der Zinsen, wären in Deutschland undenkbar. Auch von einer Verdoppelung der Preise in sechs Jahren können deutsche Häusleeigner nur träumen. Eine in USA besonders attraktive Form von Hypotheken werden „teaser loans" oder auf Deutsch Lock-Hypotheken genannt, bei denen die monatlichen Zahlungen anfangs gering sind und dann stark steigen. Diese Art von Hypotheken hatten im vergangenen Jahr bereits einen Anteil von mehr als 22 % aller Hypotheken. Der Markt der sogenannten „Subprime-Hypotheken" umfaßt Hypotheken im Wert von 1,2 Billionen US $. Nicht weniger als 38 % aller Hypotheken in USA entsprechen, bei Null Eigenkapital der Hauseigner, dem vollen Wert der Häuser. Die Fed hat ausgerechnet die Richtlinien für die Vergabe von Hypotheken verwässert, als in 2004 und 2005 Subprime-Hypotheken am schnellsten zunahmen.

Etwa 1 Millionen Schuldner von Subprime-Hypotheken werden in diesem Jahr vor einer scharfen Erhöhung ihrer Zinsen stehen, weitere 0,8 Millionen im nächsten Jahr. Bei einem Fünftel aller in den letzten zwei Jahren aufgenommenen Subprime-Hypotheken wird nun die Zwangsveräußerung der Häuser erwartet. Der Vorsitzende des Banking Committee des Senats Dodd befürchtete am 22. März, daß 2,2 Millionen Amerikaner zusätzlich ihre Häuser verlieren könnten. Das wäre doppelt so viel, wie jährlich normalerweise Häuser auf den Markt kommen. Bisher ist die Rate der Zwangsveräußerungen noch im Anfangstadium des Anstiegs (Abb.05005). Das sagt jedoch wenig über die Zukunft, da nach Ausbruch der letzten Krise mit dem kleinen Schock um den Globus herum, die Refinanzierungsbedingungen für notleidende Hypotheken erheblich verschärft wurden. Soviel zusätzliche Zwangsveräüßerungen wären nicht nur ein immenses soziales Problem für die Betroffenen mit starken Rückwirkungen auf die Binnenkonjunktur, sondern würden auch einen enormer Einbruch auf dem Immobilienmarkt und in der Bauwirtschaft bedeuten. Der Markt ist bereis sehr labil. So sind die US-Neubauverkäufe für Februar den zweiten Monat in Folge das niedrigste Niveau seit beinahe sieben Jahren gefallen. verzeichnet worden. Das Angebot unverkaufter Wohnimmobilien stieg sogar auf den höchsten Wert seit 16 Jahren.


Niemand weiß derzeit, wo die Verluste aus diesen Subprime-Hypotheken auf den Finanzmärkten versteckt werden. Bereits zwei Dutzend Banken für Subprime-Hypotheken sollen zusammengebrochen sein. Allerdings gibt es dank neoliberaler Globalisierung inzwischen ein florierendes internationales Geschäft mit Hypothekenkrediten, überhaupt mit faulen Krediten. Sie werden aufgekauft, gebündelt, zerlegt und global weiterverkauft - etwa an profitgierige Hedgefonds oder Pensionsfonds, eine Entwicklung, die vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Dazu der Chefanalyst der Bremer Landesbank Folker Hellmeyer: „Grundsätzlich gilt, dass die Verflechtung im internationalen Geschäft - gerade im derivativen Sektor - das Risiko von Dominoeffekten in der Finanzbranche erhöht. .. Bei diesem Thema sind die Zentralbanken der führenden Industrienationen mittlerweile sehr dünnhäutig geworden. In der Tat sind die Risiken in diesem Bereich kaum überschaubar und damit auch nur unzureichend quantifizierbar. Was nicht ausreichend quantifizierbar ist, ist nicht vollständig kontrollierbar. Ergo bleibt es bei hohen Risiken für die Stabilität des globalen Finanzsystems resultierend aus dem Zeitungeist mangelnder Risikoaversion und Kasinomentalität infolge verfehlter Zentralbankpolitik, insbesondere der US-Zentralbank aber auch der Bank of Japan." Japan ist viele Jahre lang wegen der Krise auf seinem Immobilienmarkt in eine schwere deflationistische Krise geschlittert. Folgen die USA? Was würde es für das stark exportabhängige Deutschland bedeuten?

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global news 647 27-03-07: Soziale Verantwortung und Solidarität in Deutschland: Vorstandsgehälter und Arbeitseinkommen

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Gerade erst hat die deutsche EU-Präsidentschaft die hehren Worte der Berliner Erklärung um die Welt geschickt: „Wir streben nach Teilhabe, Gerechtigkeit und Solidarität. Dieses europäische Modell vereint wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung". Da wird in Deutschland die Entwicklung der Vorstandsgehälter bekannt. Wuchsen sie in 2005 um stolze 5,8 %, so sind sie im vergangenen Jahr um 16,9 % förmlich explodiert.

Das vergleicht sich mit einer Entwicklung der Brutto-Arbeitnehmereinkommen in 2005 und 2006 von 0,3 % und 0,7 %, die nach den Inflationsraten von 1,8 % und 1,7 % ins Minus gekippt sind. Übrigens: Auch Vorstandsgehälter gelten als Arbeitnehmereinkommen und sind eigentlich aus den miesen Durchschnittswerten noch herauszurechnen, damit es schön plastisch wird. Aber das gibt die Statistik nicht her. Die jährlichen Durchschnittsbezüge der Vorstände der 27 Großunternehmen im DAX liegen jetzt bei 2,4 Millionen Euro oder 90mal mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer brutto in Deutschland bekommt (Abb. 04748). Im Jahr 2005 lag der Abstand noch bei einem "bescheidenen" 77-fachen. Bei den Vorstandsvorsitzenden beträgt das durchschnittliche Salär von 3,6 Millionen Euro nun sogar das 136-fache.


Siehe dazu den ausführlichen Kommentar in Gedanken zur Zeit hier.

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global news 646 26-03-07: EU-Außenhandel 2006: China wird wichtigster Lieferant

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Nach den neuen Zahlen von Eurostat hat China im vergangenen Jahr die USA als wichtigster Liefrant der EU mit einem Anteil von 14 % überholt (Abb. 12413). Mit keinem anderen Partner hat die EU eine so negative Handelsbilanz (Abb. 12414).



Bezogen allein auf die Industrieprodukte ist das chinesische Übergewicht mit einem Anteil von etwa 23 % noch wesentlich größer (Abb. 12415).


Im Außenhandel hat Deutschland - nicht überraschend - die bei weitem positivste Bilanz aller EU-27 Länder (Abb. 12416). Wie Abb. 4217 zeigt, ist die EU-Bilanz ohne Deutschland mit dem Rest der Welt erheblich negativ. Deutschland profitiert daher im Export von einem Euro, der sehr viel schwächer ist, als es die DM bei solchen deutschen Überschüssen wäre. Auch das ist eine ungesunde Situation, die in Deutschland zu einer einseitigen Allokation von Resourcen zum Export hin führt, ähnlich wie bei dem ebenfalls von einer unterbewerteten Währung begünstigten China



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global news 645 25-03-07: Der China-Preis zerlegt

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Business Week hat den Begriff "China-Preis" für Preise geschaffen, die in der Regel 50 % niedriger sind als die Weltpreise. Jetzt hat Prof. Navarro von der Universität von Kalifornien mit 100 MBA-Studenten, davon ein großer Teil aus China, den Versuch unternommen, das Phänomen in acht Bestandteile zu zerlegen (Abb. 08091).


Dabei fand er - nicht überraschend - als Hauptfaktor die niedrigen Löhne. Dazu gehört aber auch die erstaulich disziplinierte und gut ausgebildete Arbeiterschaft, die nach den derzeitigen Plänen der chinesischen Führung noch jahrzehntelang aus 300 bis 500 Millionen Menschen aus der Landbevölkerung gespeist werden soll. Dieser Zuwachs allein ergibt ein Arbeitskräftepotential von der kombinierten Größe der USA und der Eurozone. Ein ähnlich wichtiger, aber selten erwähnter Vorteil ist das Netzwerk, nachdem chinesische Unternehmen der gleichen Gattung immer in denselben Gegenden angesiedelt werden, was Tranport aber auch Know-how-Transfer erheblich erleichtert.

Hinzu kommt ein Spinnennetz an merkantilistischen Exportsubventionen, von stark subventionierter Energie, Wasser, Finanzkapital, Gelände und Steuererleichterungen. Als nächstes kommen die unterbewertete Währung sowie Fälschungen und Raubkopien. Geringer Umwelt- und Gesundheitsschutz sollen den Rest erbringen. Dieser Komplex aus unlauteren Fördermaßnahmen soll fast die Hälfte also der 50 % ausmachen, die chinesische Ware billiger ist. Hinzu rechnet Navarro dann noch den enormen Zufluß von Kapital ausländischer Unternehmen in der Größenordnung von 60 Mrd $/Jahr, d.h. fast in der Größenordnung der gesamten Entwicklungshilfe an alle Entwicklungsländer der Welt, soweit diese Kapitalien von der unlauteren Förderung angelockt werden. So wird ausländischen Multis die freie Benutzung von Betriebsgelände angeboten.

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