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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(615) Diskussion mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft zu Löhnen und Produktivität

(614) Deutschland heute: Niedrigster tariflicher Stundenlohn von 3,82 Euro

(613) Taut das Antarktis-Eis noch schneller?

(612) Superheuschrecken

(611) Jetzt haben wir die Bescherung: Starker Einbruch im Einzel- und KfZ-Handel

(610) Exporteure geben realen Einkommensverlust ihrer Arbeitnehmer als Preisnachlaß ans Ausland

(609) Die größten Gefahrenherde der Weltwirtschaft: China, Deutschland, Japan und USA

(608) 1,7 Millionen Langzeitarbeitslose im Februar: über den Zusammenhang von Arbeitseinkommen und Arbeitslosigkeit

(607) Lebensqualität in Zahlen

(606) Wem nützen Aufschwung und Globalisierung?

(605) Immobilien im Boom: Treibstoff für die Wirtschaft (nicht in Deutschland)

(604) Situation der deutschen und europäischen Industrie

(603) Einkommenstrends

(602) Das 4. Quartal 2006, weiter enttäuschend gespaltene Konjunktur

(601) Deutscher Export: Welche Art von Abhängigkeit?

(600) Beschäftigung: Wunder dauern länger

(599) Verdient China Vertrauen?

(598) Bundesregierung hält BaföG eingefroren: Wo bleibt die Chancengleichheit?

(597) Weshalb der Nutzen der einseitigen deutschen Exportorientierung immer zweifelhafter wird

(596) Deutsche gewerbliche Wirtschaft im Jahr 2006: Rückgang bei Beschäftigung, Stagnation bei Arbeitsentgelten, schwacher Inlandsumsatz




global news 615 05-03-07: Diskussion mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft zu Löhnen und Produktivität

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Der neue Schwerpunkt: „Institut der Deutschen Wirtschaft: das verlogene ‚Manchmal ist weniger mehr' " beschäftigt sich mit der irreführenden Darstellung des IW zu Löhnen und Produktivität. Seitdem habe ich mit dem Autor der IW-Studie Hagen Lesch folgende eigenartige Diskussion gehabt. Ich berichte das hier, weil es die Verbogenheit der Diskussion um die Lohnentwicklung aufzeigt:

Jahnke: In Ihrem Bericht unter dem Titel „Lohnpolitik Manchmal ist weniger mehr" in iwd - Nr. 9 vom 1. März 2007 wird in einer Grafik die Entwicklung von Tariflöhnen und Produktivität dargestellt. Könnten Sie mir bitte eine Auskunft zukommen lassen, warum die Produktivitätsentwicklung real gerechnet ist, die Lohnentwicklung aber nominal? Bekanntlich weicht die kaufpreisindex-bereinigte Lohnentwicklung stark von der nominialen ab. Vielen Dank.

Lesch: Schauen Sie bitte in die IW-Trends zu weiteren Erläuterung. Der Aufsatz ist im iwd angegeben.

Jahnke: Vielen Dank für den Hinweis. Habe in IW-Trends nur den Hinweis gefunden: „Über den gesamten Betrachtungszeitraum 1995 bis 2006 wuchsen die Arbeitskosten nominal um 20,4 Prozent, die Produktivität stieg um 20,0 Prozent. Unter dem Diagramm steht dann „Produktivität: reales BIP je Erwerbstätigenstunde." Ich habe selbst die Tariflöhne um die Entwicklung des Verbraucherpreisindex bereinigt und bin auf 109 bei 1995 = 100 oder einen Anstieg um 9 Prozent gekommen, also ein wesentlich geringerer Anstieg als bei der Produktivität. Deshalb kann ich Ihre Darstellung nicht nachvollziehen. Oder verstehe ich etwas nicht richtig?

Lesch: Sie wollen nicht verstehen, weil Sie die Teuerung in den Verteilungsspielraum einrechnen und nicht einsehen wollen, dass die Stabilisierung der nom. Lohnstückkosten eine Orientierung der nominalen Arbeitskosten an der Produktivität (dier per Def. eine reale Größe ist) voraussetzt.

Jahnke: Meiner Meinung nach ist Ihre Darstellung ziemlich irreführend. Wenn Sie jetzt von den Lohnstückkosten sprechen, sind Sie bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und die vergleicht mit Entwicklungen, die in den meisten Konkurrenzländern eine viel größere Teuerung als in Deutschland und daher nominal viel stärkere Steigerungen aufweisen.

Dazu die Zuschrift eines Besuchers der Webseite

.. nach der verqueren Logik des Instituts der Deutschen Wirtschaft würden die Arbeitnehmereinkommen real niemals ansteigen, wenn man von folgenden, m.E. realistischen Parametern ausgeht:

    - durchschnittlicher Produktivitätsanstieg pro Jahr: 1,75%
    - durchschnittliche Preissteigerungsrate pro Jahr: ebenfalls 1,75%.

Laut Definition des Instituts der Deutschen Wirtschaft würde dies in der Konsequenz bedeuten: die Reallöhne werden für immer und ewig eingefroren.

Betrüge das reale Wirtschaftswachstum beispielsweise 2% pro Jahr, so würde der jährliche reale Zuwachs an gesamtwirtschaftlichem Einkommen komplett den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen zufließen.

Für mich ist das eine kaum noch zu überbietende Lachnummer.

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global news 614 05-03-07: Deutschland heute: Niedrigster tariflicher Stundenlohn von 3,82 Euro

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Nach der jetzt vom StaBuA veröffentlichten Statistik der niedrigsten Tarifstundenlöhne liegt der unterste Punkt bei 3,82 Euro im Friseurhandwerk in Deutschland-Ost, übrigens beträgt der West-Lohn hier fast zwei Drittel mehr. Aber auch die anderen niedrigsten tariflichen Stundenlöhne dokumentieren, wie niedrig in Deutschland inzwischen das Lohnniveau nach unten ausgeartet ist (Abb. 04741). Und das sind noch die Tariflöhne, wie sieht es erst mit der außertariflichen Entlohnung aus?


Unter solchen Umständen kommt es schon abstoßend an, wenn Wirtschaftsinstitute wie Ifo (Prof. Sinn) oder das Institut der Deutschen Wirtschaft (siehe neuen Schwerpunkt) den Gewerkschaften Diziplin beim Abschluß von Tarifverträgen predigen. Begreifen die Herren auf den gut bezahlten und sicheren Posten nicht, daß sie am Ende den Extremismus von Rechts und Links sähen? Wird die deusche Geschichte vergessen?

Abb. 12387 nach einer neuen Veröffentlichung von Eurostat dokumentiert, wie eine Reihe von deutschen Regionen, besonders in Ost-Deutschland, inzwischen selbst unter dem abgesenkten Durchschnitt der erweiterten Europäischen Union rangieren.


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global news 613 04-03-07: Taut das Antarktis-Eis noch schneller?

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Das südliche Schelfeis reagiert nach einem Spiegel-Online-Bericht einer Eisbohrkern-Analyse zufolge viel empfindlicher auf Erwärmungen als gedacht. 1287 Meter tief grub sich der Hightech-Bohrer des Projekts Andrill von Oktober bis Ende Dezember 2006 in den Meeresboden unter dem Ross-Eisschelf in der Ostantarktis. Mit jedem Meter Sediment können Wissenschaftler rund 10.000 Jahre in die Vergangenheit blicken. Die jüngste Bohrung reicht also grob rund zwölf Millionen Jahre zurück. Die Ablagerungen darin zeigen, daß erst während der letzten Million Jahre das Klima dort kontinuierlich kalt war. Doch vor rund fünf Millionen Jahren schmolz das Schelfeis und ein beträchtlicher Teil des Festland-Eises ab. In den folgenden rund 3,5 Millionen Jahren schwankte das Klima ständig.

Andrill-Mitglied Viereck-Götte sprach gegenüber SPIEGEL ONLINE von einem "erschreckenden Ergebnis": "Die Eiskappen sind wesentlich mobiler und sensibler, als wir es vermutet hatten. Dass das Meer hier fast eine Million Jahre eisfrei war, ist völlig neu. Dass dieses System so sensibel wäre, hätten wir nicht gedacht " Aus Isotopenuntersuchungen von unterschiedlichen Orten weltweit wissen Paläoklimatologen, dass sich damals die weltweite Durchschnittstemperatur im Meer um zwei bis drei Grad Celsius erhöhte - eine scheinbar kleine Veränderung.

Eine eisfreie Ross-Bucht hätte nicht bloß Konsequenzen für den Meeresspiegel. Die antarktischen Schelfeise haben große Bedeutung für das globale Umweltsystem. Unter den gewaltigen schwimmenden Eisflächen - alleine das Ross-Eisschelf ist so groß wie Frankreich - kühlt Meerwasser stark ab und stürzt wegen seiner hohen Dichte regelrecht in die Tiefsee. Die Schelfeis-Buchten des Südkontinents speisen so einen immerwährenden Kreislauf von Kalt- und Warmwasser. Das ist damit ein wichtiger Motor des globalen Strömungssystem. Schmelzendes Eis vom Inlands-Eispanzer des Südkontinents wirkt sich außerdem - anders als das schwimmende Schelfeis - direkt auf die weltweiten Meereshöhen aus. Das Schelfeis stützt die Inlandseismassen, nach seinem Wegfall wird sich die Bewegungs- und Schmelzgeschwindigkeit der Inlandgletscher erhöhen.

Die jüngst vom Weltklimarat der Uno zusammengefassten Modellrechnungen sagen eine Erwärmung um zwei bis fünf Grad Celsius bis zum Jahr 2100 voraus. Bislang ist allerdings nicht in die Klimasimulationen einbezogen, daß davon auch der deutlich größere ostantarktische Eisschild stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Der Meeresspiegel könnte durch den Klimawandel weit stärker steigen als bisher vermutet. Abb. 07079 zeigt als Hintergrund den Rückzug des Arktis-Eises.


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global news 612 03-03-07: Superheuschrecken

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Die beiden Superheuschrecken, die größten der Welt, nämlich die beiden amerikanischen Private Equity Unternehmen KKR und TPG, stehen vor dem Abschluß des größten Heuschreckenfressens aller Zeiten. Sie wollen das größte Elektrizitätsunternehmen von Texas TXU für 45 Mrd Dollar schlucken.

Beide Unternehmen haben im vergangenen Jahr für 193 Mrd $ aufgekauft. Der Durchschnittswert der 11 letzten größeren Geschäfte (einschließlich TXU) liegt bei 20 Mrd $. Abb. 03467 zeigt, wie nun auch deutsche Großunternehmen durchaus in die Reichweite der Superheuschrecken gekommen sind.


Die Heuschreckenopfer verschwinden von den Börsen, und, obwohl sie zehntausende von Beschäftigten haben, veröffentlichen sie nicht mehr die normalen Informationen, weder die kontinuierlichen Quartalsberichte mit der Finanzsituation, noch die ausführlichen Jahresberichte, noch Antworten auf Fragen von Aktionären. Die Financial Times nennt das einen „blackout". Die Informationen sind nicht zahlreicher als bei kleinen Start-ups mit einem kleinen Büro und zehn Mitarbeiter. Auch wer hinter dem neuen Management steht und das Private Equity Unternehmen kontrolliert, bleibt unbekannt.

Am Rande des Branchenkongresses „Super Return“ hat Blackstone-Chef Stephen Schwarzman erklärt, dass sie sich "Sachen in der Region von 50 Milliarden Dollar angesehen haben". In diese Größenordnung passen deutsche Konzerne wie BASF, Bayer und Volkswagen. Gescheitert sind sie wegen steigender Kurse. „Wir haben uns eine Transaktion dieser Größe in Deutschland angeschaut, aber die Aktie ging nach oben, also konnten wir den Deal nicht machen.“ Nach Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes werden bereits heute rund 5700 Firmen in Deutschland von Finanzinvestoren dirigiert. Rund 800 000 Arbeitsplätze hingen daran und rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Einer Untersuchung von PriceWaterhouse zufolge planen Private Equity Unternehmen jetzt besonders Aufkäufe mittelständischer Unternehmen in Deutschland.

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global news 611 02-03-07: Jetzt haben wir die Bescherung: Starker Einbruch im Einzel- und KfZ-Handel

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Nach den heute vom StaBuA veröffentlichten Daten zum deutschen Einzelhandelsumsatz ist dieser von einem Monatsplus (jeweils gegen Vormonat) von 2,6 im Dezember in ein Minus von 5,1 gefallen - ein Swing von 7,7 % (Abb. 04214).


Noch stärker ist in den ersten zwei Monaten 2007 der Umsatz bei den neu zugelassenen Pkw um 13 Prozent eingebrochen; auch im März ist nach VDA-Chef Bernd kein Plus zu erwarten. Deutlicher hätte sich der Effekt der MWSt-Erhöhung und anderer Steuerveränderungen kaum abzeichnen können. Hier zeigt sich allerdings auch die weiterhin schwache Inlandskonjunktur und der Effekt ständiger Ankündigungen von massivem Beschäftigungsabbau, wie zuletzt Airbus mit 3.700 Stellen oder heute Bayer mit 1.500 Stellen oder die Auslagerung von 50.000 Stellen bei Telekom.

Auch die Desinformationkampagne hält an, z.B. BILD und SPIEGEL-Online von heute unter Bezug auf eine Verbraucherstudie des Frankfurter Marktforschungsunternehmens ACNielsen: „Die Bundesbürger geben immer mehr Geld für Dinge des täglichen Bedarfs aus". Der dort annonciere Anstieg von 2,1 % liegt allerdings kaum über der Inflationsrate. Gleichzeitig werden immer weiter fröhliche aber kaum realistische Prognosen zum Arbeitsmarkt bis ins nächste Jahr verbreitet. Selten haben Schein und Sein in der deutschen Wirtschaft so auseinandergelegen.

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global news 610 02-03-07: Exporteure geben realen Einkommensverlust ihrer Arbeitnehmer als Preisnachlaß ans Ausland

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Heute hat das StaBuA die Detailzahlen für den Außenhandel in 2006 bekannt gegeben. Deutschland hat allein im vergangenen Jahr seine Ausfuhren in Nicht-EU-Länder um 17,3 % gesteigert. Dies geschah, obwohl in diesem Raum relativ wenig in Euro und statt dessen in Dollar abgeschlossen wird und seit Beginn des letzten Jahres der Dollar (10 %), der japanische Yen (12 %) und der chinesische Renmimbi (6 %) kräftig gegenüber dem Euro abgewertet haben, d.h. die deutsche Exportwirtschaft - in Euro ausgedrückt - entsprechend weniger erlöst (siehe Abb. 13118, 13256 und 13257).




Dennoch hat die Exportindustrie nicht etwa ihre Preise angehoben, sondern z.B. diejenigen für Investitionsgüter, das Hauptexportprodukt, praktisch konstant gehalten (Abb. 13258). Sie hat das getan, obwohl die deutschen Erzeugerpreise (ohne Energie) im gleichen Zeitraum um 2,8 % und die für Vorproduktimporte sogar um 8 % gestiegen sind.


Die Bundesbank hat dazu bereits im Monatsbericht vom März 2006 angemerkt, offensichtlich hätten die deutschen Exporteure die erheblichen Kostensteigerungen bei Vorleistungsgütern, insbesondere Rohstoffen, nur zum Teil an ihre ausländischen Kunden weitergegeben. Für eine Expansionsstrategie unter Inkaufnahme einer solchen Preisentwicklung gibt es eine Erklärung: Nicht zuletzt die negative reale Entwicklung der Löhne und Gehälter in Deutschland hat es möglich gemacht. Oder anders ausgedrückt: Deutsche Unternehmen haben den Einkommensverlust deutscher Arbeitnehmer quasi als Preisnachlaß ans Ausland weitergegeben und konnten so Ihre Gewinne trotz erheblicher Wechselkursveränderungen hochhalten.

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global news 609 01-02-07: Die größten Gefahrenherde der Weltwirtschaft: China, Deutschland, Japan und USA

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Über die Reihenfolge kann man streiten. Jedenfalls sind China, Deutschland und Japan die drei Länder, die - anders als alle anderen vergleichbaren - seit Jahren die Arbeitseinkommen strangulieren und mit zurückgehaltenen Arbeitseinkommen und entsprechend gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit gewaltige Exportblasen aufbauen, an denen gemessen die Währungen weit unterbewertet sind. Andererseits produzieren sie wegen der einseitigen Umverteilung auf die Unternehmens- und Vermögenseinkommen enorme spekulative Asset-Blasen, die irgendwann platzen müssen. Viele der spekulativen Anlagen finden über Hedgefonds und andere institutionelle Anleger mit einer hohen Hebelwirkung (Kredit zu Eigenmitteleinsatz) bei hoher Liquidität der Finanzmärkte dieser Länder statt. Abbildungen 12382 und 12383 zeigen die Entwicklung der Leistungsbilanzen und der privaten Nachfrage in diesen drei Ländern. Alle drei, im Jahre 2006 am stärksten Deutschland, haben hohe Differenzen zwischen der besseren Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und der schlechteren bei der Nachfrage privater Haushalte verzeichnet; zum Vergleich zeigt Abb. 12384 die Situation bei Dänemark, Frankreich, Großbritannien und USA. Bei China kommt noch hinzu, daß zur Verhinderung einer längst fälligen Aufwertung des Renmimbi in gewaltigem Umfang Renmimbi als Gegengewicht zu den Dollarkäufen gedruckt werden, die wiederum die Asset-Blase verstärken.




Einen Vorgeschmack auf diese Blasen haben wir gestern und heute an den Weltbörsen erlebt, als der gestrige Shanghai-Crash um 9 % Schockwellen auslöste, die im Zeitalter der neoliberalen Globalisierung blitzschnell in real-time um den Globus fegen. Man kann es kaum glauben: In China haben die Menschen, die inzwischen zu einigem Vermögen gekommen sind und offensichtlich auch noch einen überdurchschnittlichen Spieltrieb hegen, Wohneigentum und selbst Schmuck beliehen, um mit dem Kapital an der Börse zu spekulieren. Einige der Kurse sind seit Jahresbeginn um 300 % gestiegen. Alles war schlecht reguliert, so daß viele Börsenwerte recht zweifelhafter Natur sind. Gleichzeitig wurden enorme ausländische Geldmengen hineingesogen. Die Regierungen der westlichen Länder haben ohne Warnung an ihre Anleger zugesehen.

Die USA gehört in diese Liste der besonderen Gefahrenherde, weil dort genau umgekehrt ein bisher ungebremster Inlandsverbrauch, teilweise von einer hoch spekulativen Immobilienentwicklung gefördert, ein immer größeres Handelsdefizit produziert hat (Abb. 0302). Damit steigt die Gefahr eines Dollar-Crashes. Noch ist keineswegs sicher, ob es eine weiche Landung geben wird. Jedenfalls sind die USA stark von China abhängig geworden, das einen großen Teil des amerikanischen Defizits finanziert und gleichzeitig den Dollar stützt. Wie gestern bekannt wurde und zur Nervösität der Märkte beitrug, stürzte die amerikanische Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern im Januar um 8 %, die höchste jemals gemessene Fallrate.


Fünf vor Zwölf, um in Deutschland die Arbeitseinkommen anzuheben und eine gesündere Binnenkonjunktur zuzulassen. Selbst der Bundesfinanzminister hat das gemerkt, wenn er nach dem letzten Finanzministertreffen in Brüssel laut Financial Times warnte, die Unternehmen müßten den Arbeitnehmern einen faireren Anteil an den stark steigenden Gewinnen einräumen oder eine Legetimationskrise des Wirtschaftsmodells riskieren. Es gäbe in Deutschland eine Spannung zwischen niedrigen Lohnabsprachen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Strangulierung der internen Nachfrage.

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global news 608 28-02-07: 1,7 Millionen Langzeitarbeitslose im Februar: über den Zusammenhang von Arbeitseinkommen und Arbeitslosigkeit

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Nicht zuletzt dank freundlicher Witterung, aber auch einigen „freundlichen" Umstellungen in der Statistik, und einer in 2006 besseren konjunkturellen Entwicklung hat sich die gemessene Arbeitslosigkeit im Februar um 16 % gegenüber Vorjahr vermindert. Bei den Langzeitarbeitslosen war der Rückgang mit 11 % allerdings weit weniger ausgeprägt (Abb. 04033); auch ist Deutschland hier weiterhin das Schlußlicht des internationalen Feldes vergleichbarer Länder (Abb. 04737).



Nun scheint auf einmal auch der Bundesarbeitsminister, der bisher immer einer der Hauptjubelnden war, kalte Füße bei all den schönen Zahlen zu bekommen. Aus seiner Pressemitteilung von heute: "Der Wettlauf um die schönste Prognose, der in den vergangenen Tagen in Teilen der Politik und der Wissenschaft ausgebrochen scheint, ist kontraproduktiv, ist dumm. Die weltweit beeinflussten Rahmenbedingungen bleiben labil. Wer jetzt die Zukunft am Arbeitsmarkt rosarot malt - 'wenn denn alles ganz und besonders gut läuft' - handelt unverantwortlich."

Die in Deutschland herrschende neoliberale Lehre negiert natürlich die statistischen Sondereinflüsse und die „rote Laterne" im Vergleichsfeld. Für sie ist Lohndisziplin der Vater aller Siege an der Arbeitsmarktfront. Dabei zeigen die statistischen Langfristverleiche eine sehr enge netative Korrelation zwischen der Entwicklung der verbraucherpreisbereinigten Nettolöhne und -gehälter einerseits und der Arbeitslosigkeitsquote andererseits. Je schlechter sich die Löhne entwickeln, umso mehr steigt die Arbeitslosigkeit und umgekehrt. Das kann eigentlich nicht überraschen, weil die negative Entwicklung der Masseneinkommen die private Nachfrage der Haushalte und damit die Binnenwirtschaft gedrückt und so die Arbeitslosigkeit befördert hat. Abbildung 04735 zeigt die Entwicklung mit dem hohen negativen Korrelationsfaktor von -0,83, wobei das Jahr 2006 wegen der vielen Umstellungen in der Statistik nicht einbezogen ist.


Ebenso eng positiv korreliert ist die Entwicklung von Exportüberschüssen (Aussenbeitrag als Anteil am Bruttosozialprodukt) und Langzeitarbeitslosigkeit. Je mehr der Aussenbeitrag stieg, umso stärker hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit entwickelt. Darin zeigt sich, daß die von der Exportwirtschaft teilweise mit Verlagerungsdrohungen erzwungene Lohndisziplin zwar zu den Exportüberschüssen beigetragen hat, der Ausfall an Binnenkonjunktur durch den Entzug von Massenkaufkraft jedoch von den Exportüberschüssen nicht kompensiert wurde. Dieser Zusammenhang (Korrelationswert 0,74) ist in Abb. 04097 dargestellt.


Siehe auch neuen Schwerpunkt Arbeitslos im Februar 2007.

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global news 607 27-02-07: Lebensqualität in Zahlen

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Lebensqualität ist schwer in Zahlen zu messen. Dennoch hat die OECD das jetzt mit einem Vergleich der sozialen Verhältnisse in den Mitgliedsländern versucht (society at a glance). Mir ist daran besonders dreierlei aufgefallen:

1. Wie eng der private Verbrauch mit dem gesamten Wirtschaftswachstum korreliert ist. Die niedrige Entwicklungsrate des privaten Verbrauchs hat dafür gesorgt, daß Deutschland über eine schlechte Entwicklung der Binnenkonjunktur auch beim BIP/Kopf-Wachstum unter den Schlußlichtern der Periode 1994 bis 2003 landete (Abb. 12379).


Die Korrelation zeigt sich in Deutschland auch sehr deutlich zwischen der Entwicklung der realen Nettolöhne und -gehälter einerseits und der Arbeitslosenquote andererseits - je schlechter sich die Arbeitseinkommen entwickeln, umso stärker steigt die Arbeitslosenquote (Korrelationswert -0.83, Abb. 04735).


2. Die Möglichkeit häuslicher Langfristpflege ist ein starker Ausdruck von Lebensqualität im Alter. Hier erreichen besonders die skandinavischen Länder, die Schweiz und Japan erheblich höhere Raten als Deutschland; dabei sind Luxemburg, UK und Japan durch die Beschränkung auf öffentlich finanzierte Pflege noch unterbelichtet dargestellt (Abb. 12380).


3. Die Zunahme der Erholungszeiten ist ebenso wichtig für die Lebensqualität wie die Zunahme des Pro-Kopf-Sozialprodukts. Hiervon hat vor allem die Lebensqualität von Deutschland und Frankreich profitiert, während die USA und Japan kaum zugelegt haben (Abb. 12381). Leider ist Deutschland derzeit bei den Erholungszeiten eher auf dem Rückzug.


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global news 606 26-02-07: Wem nützen Aufschwung und Globalisierung?

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Ein neue Allensbach-Umfrage zeigt, wie skeptisch die Bevölkerung den angeblichen Aufschwung verfolgt, als wie einseitig er angesehen wird und wie kritisch die Haltung zur Globalisierung geworden ist. Die beiden Abbildungen 04733 und 04734 fassen das Ergebnis zusammen. Die Umfrage wurde am 21. Februar in der Frankfurter Allgemeinen vorgestellt



Die Skepsis der deutschen Konsumenten in den Aufschwung zeigt sich auch in der letzten Entwicklung des Konsumklima-Index der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung, wobei die MWSt-Erhöhung mitspielt (Abb. 04711).


Daß in der Tat die Arbeitslosigkeit stark mit der Lohnentwicklung zusammengehört - allerdings umgekehrt als normalerweise verbreitet wird - zeigt Abb. 04735. Beide Entwicklungen sind langfristig eng negativ korreliert: Je verhaltener die Lohnentwicklung umso stärker die Entwicklung der Arbeitslosenquote. In der Abbildung 04735 bleibt das Jahr 2006 ausgeklammert, weil sehr viele Veränderungen in der Erfassung der Arbeitslosen stattgefunden haben, die alle die Arbeitslosenquote teilweise sogar künstlich gedrückt haben (nicht mehr Einbeziehung kranker Arbeitslose, Saisonkurzarbeitergeld für arbeitslose aber dann nicht mehr so gezählte Bauarbeiter, strengere Prüfungskriterien in der Anerkennung von Arbeitslosen, starker Anstieg der Leiharbeitnehmer, die Arbeitslose auf ihren Personallisten führen, die dann nicht mehr als arbeitslos gelten, selbst wenn sie nur sehr unregelmäßig beschäftigt sind).


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global news 605 25-02-07: Immobilien im Boom: Treibstoff für die Wirtschaft (nicht in Deutschland)

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In vielen Ländern boomt seit Jahren der Immobiliensektor mit jährlichen Renditen von 10 % bis 15 % und mehr. Deutschland war mit nur 0,5 % im Jahre 2005 erneut am absoluten unteren Ende der Entwicklung (Abb. 13247 und 13248). Der Immobilienboom ist auch deshalb für die Volkswirtschaften wichtig, weil er das Portemonaie der Haushalte locker sitzen läßt und damit indirekt die Binnenkonjunkturen ankurbelt. Auch davon hat Deutschland bisher nichts oder wenig. Annualisiert betrug der Ertrag der Jahre 2003 bis 2005 bei Wohnraum nur 3,1 %, wenig mehr als die Verbraucherpreisinflation. In Frankreich waren es dagegen 11,6 %, in Großbritannien 9,4 % und in den Niederlanden 8,3 %.



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global news 604 24-02-07: Situation der deutschen und europäischen Industrie

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Die Auftragslage der europäischen Industrie hat sich in den zwei letzten Monaten des vergangenen Jahres nach heute veröffentlichten Daten von Eurostat eingetrübt: Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark, Griechenland und Luxemburg verzeichneten alle Minuswerte (Abb. 04732).


Auch der ifo-Index der Einschätzung der eigenen Situation unter deutschen Unternehmen fiel zum zweiten Mal in Folge nach heute veröffentlichtem Ergebnis zum Februar (Abb. 04731).


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global news 603 23-02-07: Einkommenstrends

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Die unterschiedliche Entwicklung von Nettolöhnen und Gehältern einerseits und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen läßt sich am Besten darstellen, wenn man die Veränderungsraten - jeweils gegenüber Vorjahresquartal und inflationsbereinigt - gegenüberstellt und dann noch die Produktivitätsentwicklung einbezieht. Hier sind die Zeitreihen seit dem 3. Quartal 2001 (Abb. 04728, 04730 und 04729). Kommentar eigentlich überflüssig. Außer, daß gerade heute fünf deutsche Spitzenunternehmen eine im Durchschnitt Fast-Verdoppelung der Dividendenzahlungen gegenüber dem Vorjahr verkündet haben.




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global news 602 23-02-07: Das 4. Quartal 2006, weiter enttäuschend gespaltene Konjunktur

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Das 4. Quartal verabschiedete sich mit einem auf Jahresrate hochgerechneten Zuwachs von stolzen 3,6 %. Allerdings muß sich jetzt in 2007 zeigen, wieviel davon echt war und wieviel eine Binnenwirtschaft auf der Flucht vor der höheren Mehrwertsteuer. Eindeutig zeigte sich der MWSt-Effekt im 4. Quartal beim Handels mit Kraftfahrzeugen (Abb. 04726) und beim Dezember-Umsatz im Einzelhandel (Abb. 04214). Auch kam es im 4. Quartal zu einem Bauboom wegen des Auslaufens der Eigenheimzulage mit einer starken Spitze bei den Baugenehmigungen im 1. Halbjahr 2006; im Dezember lagen die Aufträge im Hochbau dagegen schon wieder um 11,8 % unter Vorjahr (Abb. 04642). Derzeit kühlt das Geschäftsklima schon deutlich ab (Abb. 04731)





Vor allem ist es weiterhin eine enttäuschend gespaltene Konjunktur mit stark wachsenden Diskrepanzen zwischen Arbeitseinkommen einerseits und Unternehmens- und Vermögenseinkommen anderseits (Abb. 04054) sowie zu einseitiger Exportorientierung bei zu wenig Binnennachfrage (vom MWSt-Effekt abgesehen). Obwohl die Produktivität um 2,6 % gegenüber Vorjahr zulegte, gingen die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 1,6 % zurück, während die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um 10 % zulegten. Im Ergebnis hat der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen weiter abgenommen (Abb. 04727). Derzeit kühlt das Geschäftsklima schon deutlich ab (Abb. 04731).




Die private Nachfrage als Beitrag zum BIP-Zuwachs kam im 4. Quartal nur auf weniger als 2/3 des Exportüberschusses (Abb. 13255), was eine gefährliche Abhängig der deutschen Wirtschaftsentwicklung vom Export verrät.


Viele Entwicklungen deuten an, daß sich die Konjunktur im 4. Quartal mehr seitwärts als aufwärts bewegt hat. Das gilt z.B. für die deutsche Industrieproduktion und den Auftragseingang. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.


Eine ausführliche Darstellung mit 25 Schaubildern enthält der neue Schwerpunkt "Das 4. Quartal 2006, weiter enttäuschen gespaltene Konjunktur".

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global news 601 22-02-07: Deutscher Export: Welche Art von Abhängigkeit?

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Exportländer können sich auf verschiedene Weisen und in entsprechend unterschiedlicher Intensität von der Weltwirtschaft abhängig machen. Sie können entweder eine unschlagbare Exportpalette haben, von ungewöhnlich günstiger Entwicklung der realen Wechselkurse profitieren oder einfach das Glück haben, daß sich die Importländer derzeit wirtschaftlich gut entwickeln. Letztere Abhängigkeit ist besonders riskant - sie gilt für Deutschland. Deutsche Bank Global-Markets-Research ist der Frage nachgegangen, wem die deutschen Exporterfolge zu verdanken sind und welche Risiken sich damit verbinden. Dabei stützt sich die Analyse auf die Studie von S. Danninger und Fred Joutz, "What Explains Germany's Rebounding Export Market Share?", IMF Working Paper, Februar 2007 . Danach waren lediglich 4% des Exportzuwachses 2000 bis 2005 auf die Abwertung des realen Wechselkurses zurückzuführen. Ebenso spielte entgegen gängigen Vermutungen die Konzentration auf die Investitionsgüterproduktion keine Rolle, denn deren Anteil am deutschen Export ist eher gefallen (Abb. 13250), während der der Konsumgüter gestiegen ist.

In erster Linie war die Ausweitung der deutschen Marktanteile dagegen zu 35% auf die Verlagerung von Produktionsaktivitäten ins Ausland (Offshoring) und zu weiteren 25% auf eine regionale Spezialisierung auf Handelspartner mit einem raschen Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Deutschland hat wegen der bisher noch geringeren Lohnstückkosten in Ost- und Südosteuropa besonders vom Offshoring profitiert (Abb. 13252). Aufgrund der Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland führte das kräftige Exportwachstum bei Endprodukten allerdings zu einem starken Anstieg der Importe von Vorprodukten, so dass der Außenbeitrag nur einen moderaten Wachstumsbeitrag leistete und das Wachstum des privaten Konsums und der Investitionen infolge der Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland gedämpft wurden (Abb. 13251).



Im vergangenen Jahr erholte sich das Wachstum deutlich und gab Anlass zu der Hoffnung, dass die Wirtschaft ihre lange Schwächeperiode überwunden hat. Deutsche Bank Global-Markets-Research fragt dann, wie begründet diese Hoffnung ist. Die Regionalisierung des Produktionsprozesses zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Exportsektor hat auch die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von Entwicklungen im Ausland erhöht. Anders ausgedrückt: Deutschlands Konjunktur hängt in höherem Grade von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Möglicherweise ist die im vergangenen Jahr offen zutage getretene Präferenz deutscher Unternehmen für Zeitarbeiter auch auf das Gefühl zurückzuführen, dass diese höhere Abhängigkeit zu einer stärkeren Volatilität führen kann und daher eine höhere Flexibilität erfordert. Wegen der gestiegenen Abhängigkeit lässt sich nach Deutsche Bank der Schluss ziehen, dass aufgrund der stärkeren internationalen Verflechtung Deutschlands Konjunktur so lange robust bleiben dürfte, wie die Weltwirtschaft kräftig wächst. Sie könnte sich jedoch rasch abschwächen, wenn sich das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt.

Dabei hat Deutsche Bank nicht einmal die besondere Abhängigkeit vom Konsumgüterexport berücksichtigt. Der aber befindet sich bereits seit August letzten Jahres deutlich im Abwärtstrend (Abb. 13254).


Wie stark Deutschland vom Export insgesamt abhängt, zeigt die Aufteilung des Zuwachses zum BIP 2006: die immer noch relativ schwache Nachfrage deutscher Haushalte konnte nur 17 % beitragen, der Exportsaldo dagegen 29 % (Abb. 13253). Dabei ist noch wichtig, daß auch die Investitionen mit 38 % derzeit erheblich exportangetrieben sind.


Für eine ausführliche Darstellung mit mehr Grafiken siehe den neuen Schwerpunkt "Deutscher Export: Welche Art von Abhängigkeit?"

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global news 600 21-02-07: Beschäftigung: Wunder dauern länger

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Das StaBuA meldet eine Steigerung der Beschäftigung in 2006 um 425.000 Menschen und erweckt dabei den Eindruck einer ständigen Steigerung: "In dieser Entwicklung spiegelt sich die anhaltend günstige Konjunktur wider." Prompt meldet der SPIEGEL: "So viele Erwerbstätige wie seit fünf Jahren nicht mehr". Oder der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise: ,,Das Beschäftigungswachstum gewinnt an Breite und die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen bleibt auf hohem Niveau stabil''. Doch obwohl, wie vom StaBuA eingeräumt, das Ergebnis des vierten Quartals 2006 von der für diese Jahreszeit außergewöhnlich milden Witterung begünstigt wurde, zeigt die saisonal bereinigte offizielle Statistik einen deutlichen Rückgang des Zuwaches von einer Jahresrate von 2,7 % im Mai auf nur noch weniger als die Häfte im Dezember (Abb. 04723). Wieder einmal wird uns mit undifferenzierter Darstellung vom Arbeitsmarkt ein Wunder an die Wand gemalt.


Vor allem ist vieles der neuen Beschäftigung zweiter Klasse: Leiharbeitnehmer mit Zeitverträgen z.B., deren Zahl bereits bei 600.000 liegt (Abb. 04724) oder auch gering entlohnte Arbeitskräfte, deren Zahl bei 4,7 Millionen liegt. Kann man denn nicht endlich ehrlicher mit diesen Daten umgehen?


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global news 599 20-02-07: Verdient China Vertrauen?

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Aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 10. Februar: "Verdient China Vertrauen? Schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres war Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao diese Woche auf Einkaufstour in Afrika. Der immense Rohstoffhunger seiner boomenden Heimat hat wohl eine Erhöhung der Kadenz solcher Visiten ratsam erscheinen lassen. Doch dieses Mal hat der emsige chinesische Einkäufer offenbar mehr afrikanisches Misstrauen angetroffen als auch schon. Jedenfalls bemühte er sich in Pretoria, Ängste vor einem neokolonialistischen Übergriff Chinas auf den afrikanischen Kontinent zu zerstreuen. "China hat niemals anderen Ländern seinen Willen oder eine Ungleichbehandlung aufgezwungen und wird das auch künftig nicht tun", verkündete Hu den Afrikanern. Da fragt sich allerdings, was denn Chinas Wille ist. In erster Linie, viel Geld zu verdienen, liesse sich holzschnittartig antworten. Und in dieser Absicht setzen die reichen Chinesen die viel ärmeren Afrikaner indirekt manchem Druck aus. Es sei hier bloss die Textilindustrie erwähnt, die in Afrika von der chinesischen Konkurrenz vom Tisch gefegt zu werden droht. Im Kontext des Rohstoffhungers gibt es zudem politischen Druck, der von den Chinesen infolge ihres Hofierens auch zwielichtiger Regime gefördert wird - zwar nicht mit Absicht, aber eben doch wissentlich. Stichworte dazu sind Darfur und Sudan.

Abb. 08084 zeigt, daß der stark steigenden chinesische Öldurst bereits zu rund einem Viertel aus Afrika gedeckt wird. Besonders stark steigt dabei der Import aus Angola, dem Hauptlieferanten Chinas.


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global news 598 19-02-07: Bundesregierung hält BaföG eingefroren: Wo bleibt die Chancengleichheit?

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Die Bundesregierung hat jetzt beschlossen, BAföG im 6. Jahr bei 585 Euro eingefroren zu halten. Real ist die Unterstützung seit 2001 nach Abzug der Verbraucherpreisinflation bereits um fast 10 % zurückgefallen.

Das ist offensichtlich, was die deutsche Politik unter Chancengleichheit versteht. Kein Wunder dann, daß die Hochschulabschlußquote eines Jahrgangs in Deutschland im internationalen Vergleich nach unten herausfällt (Abb. 13001). Hier wird vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs mit der Zukunft des Landes gespielt. Wenn schon die Einkommens- und Vermögensverteilung immer unsozialer wird, sollte wenigsten nicht auch noch die Chancengleichheit abgebaut werden.


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global news 597 18-02-07: Weshalb der Nutzen der einseitigen deutschen Exportorientierung immer zweifelhafter wird

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Der Bundeswirtschaftsminister schwelgt im Triumpf über das deutsche Exportergebnis 2006: "Den Rekordwert, den die deutschen Ausfuhren 2006 erreichten, sehe ich als einen eindrucksvollen Beleg dafür, dass die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich leistungsfähiger denn je ist. Dieser Erfolg ist für mich Bestätigung und Ansporn zugleich. Die Bundesregierung wird ihre Reformpolitik fortsetzen. Zugleich werde ich mit allen Kräften auf einen Erfolg der Doha-Runde hinwirken und neuen protektionistischen Tendenzen bei uns und im Ausland entgegentreten. An die Tarifpartner appelliere ich, bei ihren Verhandlungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft im Auge zu behalten."

Mit anderen Worten: Weitere Reformen zu Lasten der Arbeitnehmer, weiter Zurückhaltung bei den Löhnen, weiter neoliberale Außenwirtschaftspolitik gegenüber Billigstimporten, auch wenn sie deutsche Arbeitsplätze kosten. Was der Bundeswirtschaftsminister vergißt und uns vergessen lassen möchte:

1. Mit dieser Politik des Lohnverzichts und der Verminderung der Massenkaufkraft wurde die Binnenkonjunktur torpediert, auf die es für Deutschland weit mehr als auf den Export ankommt. Im internationalen Vergleich hatte Deutschland im vergangenen Jahr beim Einzelhandelsumsatz vor Italien und Belgien die schlechteste und fast stagnierende Entwicklung (Abb. 12191). Der Bundeswirtschaftsminister plädiert trotzdem für weitere Lohnzurückhaltung.


2. Die terms of trade, d.h. das Verhältnis von Export- zu Importpreisen verschlechtert sich für Deutschland bereits seit 2003 erheblich. Die deutsche Industrie kann damit die steigenden Importpreise für Vorprodukte immer weniger an die Exportkunden weitergeben (Abb. 04720). Die Lücke zwischen den deutschen Erzeugerpreisen und den im Export erzielten Preisen wird ebenfalls immer größer (Abb. 04719). Auch nach Feststellungen der Bundesbank haben die deutschen Exporteure offensichtlich die erhebliche Kostensteigerung bei Vorleistungsgütern, insbesondere Rohstoffen, nur zum Teil an ihre ausländischen Kunden weitergegeben. Mit anderen Worten: Die deutsche Exportwirtschaft gräbt sich auf einigen Exportmärkten trotz schwindender Erlöse ein und erwartet statt dessen von ihren Arbeitnehmern Lohnverzicht.



3. Deutschland importiert immer mehr Vorprodukte, so daß die Arbeitsmarktrelevanz des Exports längst nicht so groß ist, wie die gefeierten Exportzahlen vorgeben. Dabei erreichen die Vorproduktimporte schon 42 % des Exportwertes.

4. Mit steigenden Exportüberschüssen macht sich Deutschland immer mehr und weit stärker als andere Länder dieser Größenklasse vom unsicheren Schicksal der Exportmärkte abhängig; dies gilt vor allem für die zwei mit Abstand wichtigsten Exportmärkte Frankreich und USA, bei denen sich die Wirtschaftslage derzeit abschwächt. Abb. 04721 zeigt, wie wenig sich der Inlandsumsatz von dem Niveau des Jahres 2000 wegentwickeln konnte, vor allem wegen des ungewöhnlichen Rückgangs an Massenkaufkraft in Deutschland, und wie stark sich damit die deutsche Industrie von Exportmärkten und (außerhalb der Eurozone) Wechselkursen abhängig gemacht hat. Dabei stagniert der Export schon seit August 2006 (Abb. 04722).



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global news 596 17-02-07: Deutsche gewerbliche Wirtschaft im Jahr 2006: Rückgang bei Beschäftigung, Stagnation bei Arbeitsentgelten, schwacher Inlandsumsatz

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Das Statistische Bundesamtes hat die Daten zur Entwicklung der deutschen gewerblichen Wirtschaft im vergangenen Jahr veröffentlicht. Leider geschieht dies wieder nur nominal ohne Preisbereinigung, was prompt zu irreführenden Presseberichten führt, so im SPIEGEL: "Der Umsatz der Industrie stieg um 6,5 Prozent und damit so stark wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr." Der Inlandsumsatz z.B. ist zwar nominal um 4,1 % gestiegen, aber nach Abzug der Entwicklung bei den Erzeugerpreisen nur um 1,8. Die Beschäftigung ging um weitere 0,6 % zurück. Die Arbeitsentgelte stagnierten verbraucherpreisbereinigt bei 0,1 %. Es ist das anhaltend typische Bild einer gespaltenen Konjunktur, die nur vom Export lebt (+7,7 %). Dank Export stieg der Gesamtumsatz preisbereinigt um 4,3 %. Da ein wachsender Teil der Exporte jedoch auf Vorproduktimporten beruht, also in Deutschland nicht arbeitsmarktrelevant wird, und die Produktivität weiter zugenommen hat, ging die Beschäftigung erneut zurück (Abb. 04009).


Die Ergebnisse sind eine deutliche Warnung, mit dem Jahresergebnis der deutschen Volkswirtschaft vorsichtig und ohne unberechtigten Jubel umzugehen. Der Dienstleistungssektor ist zwar ebenfalls gewachsen, aber viele der Jobs sind niedrig bezahlt und auf der Basis von Zeitverträgen.

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