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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(595) Wo die Heuschrecken zu Hause sind

(594) Unicef-Vergleich zu Kinderwohlfahrt: Deutschland bestenfalls Durchschnitt, oft schlechter

(593) Entwicklung der europäischen Industrieproduktion

(592) Hedgefunds nur ein Problem der Transparenz?

(591) Schöne BIP-Entwicklung 2006 auf dem Rücken der Weltkonjunktur und negativer Entwicklung der Arbeitseinkommen

(590) 10 Punkte aus dem 100 Punkte Wahlprogramm von Ségolène Royal mit besonderem Interesse für Deutschland

(589) Eine Konsumentenklasse aller Länder - die Häfte davon in der Dritten Welt - "verfrühstückt" die Weltresourcen

(588) Handel gegen Umwelt: Fisch

(587) Deutschland kein Hochlohnland

(586) Deutschland unter den Spitzenreitern bei Verbraucherinsolvenzen, mehr als 7 Millionen Menschen überschuldet

(585) Deutsche Autos und das Weltklima

(584) Deutscher Export und das Wechselkursproblem

(583) Lohnverzicht schafft keine Arbeitsplätze (Zur anstehenden Tarifrunde)

(582) Weiter Flaute am Forschungsstandort Deutschland

(581) China und das Weltklima

(580) Rekordprofite - Doch vor allem Dividenden statt Investitionen in neue Arbeitsplätze

(579) UN Klima-Bericht: Ist die Menschheit noch zu retten?

(578) Globalisierung und Industriebeschäftigung

(577) Ein-Euro-Jobs ersetzen reguläre Beschäftigung

(576) Arbeitslosenzahlen im Januar 2007: Zu viel Kosmetik, zu viel Billigjobs

(575) Neuer FT/Harris-Umfrage: Wenig positive Meinungen zu Euro, EU-Erweiterung und Arbeitskräftemigration




global news 595 16-02-07: Wo die Heuschrecken zu Hause sind

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Noch ein Nachtrag zum Thema Hedgefonds. 68 % des verwalteten Vermögens gehört zu Hedgefonds, die in Steueroasen der Karibik angesiedelt sind (Abb. 03465).


Natürlich wollen die Manager der Hedefonds in der Regel nicht an solchen exotischen Plätzen leben und brauchen auch die Nähe ihrer Kunden. 72 % des Vermögens wird daher aus USA und Großbritannien verwaltet (Abb. 03466).


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global news 594 16-02-07: Unicef-Vergleich zu Kinderwohlfahrt: Deutschland bestenfalls Durchschnitt, oft schlechter

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Unicef hat einen ausführlichen Vergleich über die Wohlfahrt von Kindern veröffentlicht. Im Durchschnitt von sechs Kriterien (materielle Situation, Gesundheit, Bildung, Familienbeziehungen, Verhalten und Risiko, subjektive Beurteilung) landen deutsche Kinder auf Platz 11 von 21 (Abb. 13239).


Der Anteil von Kindern aus armen Haushalten liegt in der Nähe des Durchschnitts (Abb. 13240).


Allerdings hat Deutschland vor Polen und Ungarn den höchsten Anteil von Kindern aus Haushalten mit einem arbeitslosen Elternteil (Abb. 13241).


In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften zeigen die deutschen Kinder nur unterdurchschnittliche Leistungen (Abb. 13242).


Deutsche Eltern finden besonders wenig Zeit zum Gespräch mit ihren Kindern (Abb. 13245).


Der Anteil von Kindern in Ein-Eltern-Familien ist durchschnittlich (Abb. 13246).


Deutschland hat den größten Anteil an Rauchern unter den Kindern und einen der größten mit Alkoholmißbrauch (Abb. 13243 und 13244).



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global news 593 15-02-07: Entwicklung der europäischen Industrieproduktion

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Die heute veröffentlichten Zahlen der europäischen Industrieproduktion für Dezember 2006 zeigen einen kräftigen Anstieg für die Eurozone um 1 % gegenüber November. Der aussagefähigere durchschnittliche Anstieg der Monate Oktober bis Dezember jeweils gegenüber Vormonat lag bei 0,4 %. Deutschland war mit 0 % durchschnittlichem Zuwachs vor Großbritannien das Schlußlicht dieser Entwicklung (Abb. 12377). Die enttäuschenden deutschen Einzelwerte waren Oktober -1.1 %, November 1.8 % und Dezember -0.6 %.


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global news 592 14-02-07: Hedgefunds nur ein Problem der Transparenz?

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Das von Hedge Fonds verwaltete Vermögen ist in den letzten Jahren steil auf mehr als 1,3 Billionen Dollar angewachsen (Abb. 03464). Es ist das 1,5-fache aller in Deutschland im Laufe eines Jahres gezahlter Löhne und Gehälter.


Die deutsche G7-Präsidentschaft hat sich mit einem Plädoyer für größere Transparenz bei Hedge Funds innerhalb der G7 Gehör verschaffen können, obwohl nur vorbereitende Studien und Gespräche mit Hedge Fund Managern beschlossen wurden. Allerdings war auch das nur möglich, nachdem in der Erklärung des G7-Finanzminister-Treffens in Essen vom 10. Februar 2007 zunächst die herausragende Rolle der Hedge Funds als Beitrag zur Effizienz des Finanzssystem hervorgehoben wurde. Das ist alles sehr weit weg von der "Heuschrecken-Persiflage" des Steinbrück-Kollegen Müntefering. Kein Wort mehr über das Aufkaufen von Unternehmen mit kurzfristiger Verwertungsperspektive bei wenig Rücksicht auf Arbeitsplätze.

Kein Wort auch über die Operationen aus Steueroasen in der Karibik. Das britische Finanzministerium hat jetzt offen eingeräumt, daß es zwar Hedge Funds, deren Manager das Geschäft aus London betreiben, besteuern könnte, dies aber nie getan hat. Tatsächlich managen 950 Hedge Fund Manager aus London fast 80 % der europäischen Anlagen von Hedge Funds, während die Funds selbst in exotischen Plätzen niedergelassen sind. Man muß sich einmal vorstellen: Die kleinen Sparer tragen ihr Geld überwiegend zu Banken und Sparkassen und der schmale Zins inkorporiert natürlich die Gewinnsteuern, die die Geldinstitute entrichten müssen. Keiner dieser Sparer käme jeh selbst an einen Hedge Fund heran. Die reichen Anlieger jedoch legen sehr viel ihrer Mittel (neben Pensions Funds) in Hedge Funds an und die Gewinne dieser Funds unterliegen keiner Besteuerung. Der britische (und andere?) Finanzminister spielt also aus Angst auch das Management der Funds an die Karibik zu verlieren selbst Karibik.

Was noch schlimmer ist als die Verluste der Finanzminister: Nach einer Studie von Stefan-Michael Staimann und Susanne Knips bei Dresdner Kleinwort haben die Funds Kosten auf die 1,3 Billionen Dollar Anlagen unter ihrer Verwaltung in Höhe von bis 4 % und Manager Gebühren von 4 % bis 5 %, so daß sie durchschnittliche Einkommen von fast 20 % generieren müssen, wenn sie auch noch ihre Anlieger zufriedenstellen wollen. Die dafür notwendigen Strategien seien aber nicht unbegrenzt durchzuhalten. Die große Auflösung der Positionen sei daher unvermeidbar, wenn auch nicht zeitlich festzulegen. Gefährlich sei auch, daß viele Funds ähnliche Strategien verfolgten (Risiko eines Rennens zum gleichen Ausgang, siehe Abb. 03463).


Die Studie kommt zu dem Ergebnis, daß Hedge Funds, die mit hoher Hebelwirkung auf kleine Differenzen in der Entwicklung von Zinsen und anderen Größen wetten, sehr ähnlich wie Investment Banken operieren und daß es bei der Auflösung dieser Wetten zu einer klassischen Panik kommen könne, wie sie ähnlich bei einer Einlagen nehmenden kommerziellen Bank stattfinden könne. Anders als Banken sind die Hedge Funds jedoch nicht reguliert.

Der Aufbau der Funds habe nicht mehr viel Raum und könne in einen schnellen Weg nach unten umschlagen. Investmentbanken allein hätten letztes Jahr für Handelsgeschäfte und andere Dienstleistungen 40 bis 50 Milliarden an Einnahmen aus Hedge Funds gesogen oder insgesamt 15 % bis 20 % ihrer Einnahmen und wären von einer solchen Entwicklung stark betroffen.

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global news 591 13-02-07: Schöne BIP-Entwicklung 2006 auf dem Rücken der Weltkonjunktur und negativer Entwicklung der Arbeitseinkommen

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Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2006 um 0,9 % gegenüber Vorquartal gewachsen und hat die Jahresrate 2006 auf 2,7 % gebracht (Abb. 04718).


Dabei hat das Wachstum stark von dem noch stärkeren der meisten Handelspartner profitiert (Abb. 13232). Vor allem profitierte der deutsche Export von einer im internationalen Vergleich einmalig negativen Entwicklung der deutschen Arbeitseinkommen (Abb. 12233). Im 1. Quartal 2007 wird sich zeigen müssen, wie stark die drohende MWSt-Erhöhung und andere Steuerveränderungen zum 2006-Ergebnis beigetragen haben.



Leider nützt diese Art von Wachstum fast nur den Kapitaleignern. Wie weit sich Deutschland schon von der sozialen Marktwirtschaft entfernt hat, zeigt, daß weder die jubelnden Medien (Spiegel online: "Wirtschaftswachstum überrascht selbst Optimisten. Die deutsche Wirtschaft läuft auf vollen Touren"), noch die jubelnde Bundesregierung diesen deprimierenden Umstand auch nur erwähnen.

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global news 590 13-02-07: 10 Punkte aus dem 100 Punkte Wahlprogramm von Ségolène Royal mit besonderem Interesse für Deutschland

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In ihrem neuen Wahlprogramm hat Ségolène Royal deutliche Akzente gegen eine neoliberale Globalisierung gesetzt. Hier 10 dieser Punkte, die auch in Deutschland Interesse finden sollten, zumal sie meistens von dem in Deutschland verfolgten Ansatz abweichen:

1. Abschaffung der vereinfachten Kündigungsmöglichkeiten für kleinere Unternehmen. Konsolidierung der 35-Stunden-Woche. Eine Industriepolitik mit einer neuen Nationalen Agentur für Re-Industriealisierung, die das Risiko der Produktionsverlagerung vermindern soll.

2. Bedingungen für öffentliche Hilfen an Unternehmen, um sicherzustellen, daß keine Entlassungen stattfinden, wenn das Unternehmen substantielle Profite erwirtschaftet, und um die Rückzahlung bei Produktionsverlagerung zu erreichen.

3. Besonders niedriger Steuersatz für Unternehmen, wenn der Gewinn wiederinvestiert wird.

4. Anhebung des Mindestlohns auf 1.500 Euro pro Monat. Rentenreform mit Anhebung der kleineren Renten um 5 %.

5. Zum Umweltschutz: Ausbau des öffentlichen Transportsystems mit einer Sondersteuer auf Superprofite der Ölgesellschaften.

6. Zum Umweltschutz: Umweltsteuer auf LKW-Transport, um Eisenbahntransport zu fördern.

7. Ergänzung des Statuts der Europäischen Zentralbank mit Zielvorgabe Wachstum und Beschäftigung. Schaffung einer Regierung der Eurozone. Renationalisierung und Zusammenlegung von EDF und Gaz de France (auch ein Schritt gegen die Vorstellungen der EU-Kommission zur Auflösung der Energiekonglomerate).

8. Erhöhung des sozialen Schutzes in den Beitrittsländern durch ein Soziales Protokoll der EU.

9. Neuverhandlung eines EU-Verfassungsvertrages, der einer Volksabstimmung zu unterwerfen ist und eine demokratischere und effizientere EU sicherstellen soll.

10. Regulierung der Globalisierung durch eine größere Transparenz und Wirksamkeit der Regulierungsinstrumente: Einführung einer Hierarchie von Vorschriften in die Welthandelsorganisation, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Handelsregeln und sozialen und Umwelt-Regeln zu erreichen; tiefgreifende Reform von Internationalem Währungsfond und Weltbank im Sinne von Instrumenten im Dienste der menschlichen Entwicklung; Steuer auf spekulative Finanzströme im Sinne der Tobin-Steuer.

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global news 589 12-02-07: Eine Konsumentenklasse aller Länder - die Hälfte davon in der Dritten Welt - "verfrühstückt" die Weltresourcen

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Studien zeigen, daß die Menschheit die natürlichen Resourcen der Erde bereits um 25 % bis 30 % überschreitet. So bedroht allein der menschlich verursachte Klimawechsel etwa die Häfte der Getreideproduktion Südasiens. Schon heute ist 17 % des Ackerlandes in China und 28 % in Indien durch Erosion, Versalzung und Versandung ernsthaft entwertet. Doch der eigentliche Angriff auf die natürlichen Resourcen kommt jetzt von den sogenannten Schwellenländern der Dritten Welt, deren Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr bereits mehr als die Hälfte derjenigen der gesamen Welt erreichte. China z.B. ist einer der wichtigsten Importeure fast aller Rohstoffe und der größte von verarbeitungsfähigem Müll geworden.

Ein von den USA und Europa ausgehender konsumorientierter Lebensstil zählt schon mehr als 1,7 Milliarden Mitglieder dieser neuen globalen Konsumentenklasse, von der fast die Hälfte in der Dritten Welt leben. Allein China und Indien zählen davon mit zusammen 362 Millionen mehr als Westeuropa. In Indien und China wird dabei die Vermögensverteilung immer ungleicher. In Indien z.B. besitzen nur 8 % der Bevölkerung die Hälfte des nationalen Vermögens. Während sich die Weltbevölkerung zwischen 1950 und 2004 verdoppelte, hat sich damit der Wasserverbrauch verdreifacht und ist der Verbrauch von Kohle, Öl und Erdgas fast auf das Fünffache gestiegen. Exemplarisch ist die starke Zunahme von Kraftfahrzeugen, wobei der Bestand in China den in den USA in weniger als 20 Jahren überschreiten wird (Abb. 07030).


Auf der Basis der derzeitigen Projektionen würde die Menschheit im Jahr 2050 die Resourcen von zwei Erden verbrauchen. Menschheit wäre allerdings zum allergrößten Teil diese Konsumentenklasse, während die zahlreicheren Armen in der Dritten Welt, aber auch in den alten Industrieländern mit bei Verknappung steigenden Preisen immer mehr ins Hintertreffen geraten und den Überkonsum der Oberklassen immer mehr durch ihren erzwungenen Unterkonsum ausgleichen müßten. Eine solche "brave new world" wäre dann nicht ohne ständige Unruhen und Kriege denkbar.

Die Welt wird nur mit neuen Wirtschafts- und Sozialmodellen, nicht aber mit der derzeitigen neoliberalen Globalisierung menschenwürdig überleben können.

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global news 588 12-02-07: Handel gegen Umwelt: Fisch

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Der explodierende Welthandel entwickelt sich zu einer der größten Bedrohungen für unsere Umwelt. In Rundbriefen bin ich mehrmals auf die Verlagerung von Industrieproduktion in Länder mit hoher CO2-Emissionsintensität, wie China, eingegangen. Unter dem bezeichnenden Titel "Trading Away our Oceans" hat Greenpeace eine Übersicht über den Schaden an den Weltfischbeständen vorgelegt. 52 % der Bestände sind bereits voll ausgebeutet, 17 % überausgebeutet und 7 % erschöpft, so daß nur 23 % als unterausbebeutet oder mittelmäßig ausgebeutet übrigbleiben. Der Trend auf Erschöpfung der Fischbestände ist eindeutig (Abb. 07128).


Fisch ist in hohem Maße eine Handelsware geworden. Etwa 37 % der Weltfischproduktion wird international gehandelt. Das Exportvolumen erreichte mit 71 Mrd Dollar 2004 neunmal den Wert von 1976. Es liegt auch etwa viermal höher als der Handel mit Rindfleisch. Dabei sind die Fischimporte stark konzentriert auf einige reiche Länder (Abb. 07129). Man kann sagen, die Reichen fressen die Meere leer.


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global news 587 10-02-07: Deutschland kein Hochlohnland

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Das Statistische Bundesamt hat heute einen Vergleich des Arbeitskostenniveaus je Stunde veröffentlicht. Leider auf der drei Jahre alten Basis von 2004. Ich habe das mit den von Ameco (EU-Kommission) veröffentlichten Lohnkosten pro Beschäftigten auf 2006 hochgerechnet und die wegen der wesentlich geringeren Arbeitsproduktivität nicht vergleichbaren EU-Beitrittsländer herausgelassen. Danach ist das deutsche Arbeitskostenniveau keineswegs - wie StaBuA meint - überdurchschnittlich hoch. Nur in in Griechenland, Spanien und Portugal ist es deutlich niedriger; 8 EU-Länder haben ein höheres Niveau (Abb. 12375).


Bei den Lohnnebenkosten liegt Deutschland unter dem EU-25 Durchschnitt und nur im Mittelfeld, engegen allen immer wieder fälschlich vorgetragenen Klagen über die deutschen Lohnnebenkosten (Abb. 12376).


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global news 586 09-02-07: Deutschland unter den Spitzenreitern bei Verbraucherinsolvenzen, mehr als 7 Millionen Menschen überschuldet

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Die Verbraucherinsolvenzen steigen in diesem Jahr mit der hohen Rate von 36 % und werden fast 100.000 erreichen (Abb. 04028).


Auch im europäischen und weltweiten Vergleich der Industrieländer hat Deutschland nach Feststellungen von Creditreform einen Spitzenplatz (Abb. 04715 und 04716). Das gilt für die Insolvenzquoten, aber auch für den Anstieg im vergangenen Jahr.



Auch die Überschuldungsquote liegt in Deutschland mit 10,7 % oder 7,2 Millionen Menschen besonders hoch und wird nur von den USA übertroffen (Abb. 04017). Frankreich, Schweden und die Niederlande weisen Überschuldungsquoten zwischen drei und vier Prozent auf. Die sehr hohe Überschuldungsquote Deutschlands ist nach Auffasung von Creditreform umso bedenklicher, wenn man sich vor Augen führt, dass sowohl Großbritannien als auch die USA für das Modell der „open credit economy" stehen, in der der Konsumentenkredit als Instrument verstanden wird, das den Wohlstand des Verbrauchers fördert und zu dem er möglichst ungehinderten Zugang haben muss. Das Konkursverfahren dient nach diesem Verständnis dazu, die Funktionsfähigkeit des Marktes wiederherzustellen.


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global news 585 09-02-07: Deutsche Autos und das Weltklima

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Der KfZ-Verkehr ist eine der größten CO2-Quellen für den Treibhauseffekt. Europas Autohersteller hatten sich 1998 verpflichtet, bis 2008 den Ausstoß an Kohlendioxid auf 140 Gramm pro Auto und Kilometer im Schnitt zu begrenzen, haben aber dieses Ziel weit verfehlt. Der ungewichtete Schnitt von weltweit 26 Herstellern liegt inzwischen um fast die Hälfte höher bei 176 Gramm. Für Audi, BMW, Mercedes und Porsche errechnet sich gar ein Schnitt von 207 Gramm (Abb. 07127).


Nicht zuletzt durch immer mehr Gadgets wurden diese Karossen immer schwerer. Gewichtsträchtige Stellmotoren sollen dem Fahrer jede Bewegung abnehmen. Auch wurden die Fahrzeuge immer größer und immer stärker motorisiert. Deutschlands Exportfixierung hat dazu beigetragen, uns auf diesem Auge blind zu machen, und jetzt wollen die deutschen Hersteller von der Bundesregierung gegen angeblich geschäftsschädigende EU-Auflagen geschützt werden. Und die steht ihnen natürlich – Umwelt her, Umwelt hin – sofort zur Seite. "Zuckerbrot und Peitsche sind nicht die Instrumente einer strategischen Politik für die Autoindustrie" sagte prompt der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Wuermeling, anlässlich einer Veranstaltung des "Forum for the Automobile and Society" in Brüssel. Mit einem Umsatz von rd. 743 Mrd. Euro in 2005 und 2,2 Mio. Arbeitsplätzen sichere die Autoindustrie den Wohlstand in der EU. Dabei dürfe man aber nicht alle Fahrzeuge über einen Kamm scheren - also keinen einheitlichen Zielwert für alle Hersteller festlegen. Das ist nichts weniger, als ein Anspruch auf Ausnahmeregeln für deutsche Luxuskarossen.

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global news 584 08-02-07: Deutscher Export und das Wechselkursproblem

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Je mehr die deutschen Arbeitnehmer Lohnzurückhaltung üben bzw. ihnen die von den deutschen Arbeitgebern aufgezwungen wird, umso mehr wachsen die Exportüberschüsse und umso mehr erstarkt der Euro, dessen Außenwert entscheidend vom deutschen Export beeinflußt wird (ca. ein Drittel der EU-25 Exportleistung kommt von Deutschland). Dieses Spiel auf dem Rücken der deutschen Arbeitnehmer ist allerdings nur innerhalb der Eurozone zu gewinnen, wo eine feste Währungsrelation besteht (jedenfalls so lange die Eurozone nicht auseinanderbricht). Die Hauptkonkurrenten USA, Japan und China lassen dagegen gegenüber dem Euro ihre Währungen abwerten. Dabei hilft ihnen, daß die EZB an den Devisenmärkten mit vergleichsweise hohen Realzinssätzen den Euro weiter nach oben treibt. Seit dem Jahr 2000 hat der Yen bereits um 31,8 %, der Dollar um 22,3 und der chinesische Renmimbi um 17,4 % abgewertet (Abb. 13238).


Was dem deutschen Arbeitnehmer bei den Lohnkosten abgespart wird, muß die Exportwirtschaft über Preisnachläße an ausländische Kunden weitergeben, wenn sie ihr Exportniveau trotz Euroaufwertung partout halten will. Kein gutes Geschäft für deutsche Arbeitnehmer!

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global news 583 07-02-07: Lohnverzicht schafft keine Arbeitsplätze (Zur anstehenden Tarifrunde)

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Die statistische Erfahrung seit 1960 in der Alt-EU spricht eine harte Sprache. Der schon seit mehr als 30 Jahren anhaltende Fall der Lohnquote hat den Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht aufgehalten (Abb. 12371). Besonders krass war die Entwicklung in Deutschland (Abb. 13272).



Der Fall der Lohnquote hat den Anteil der Bruttoanlageninvestitionen am Bruttoinlandsprodukt nicht positiv beeinflussen können; letzterer ist sogar während der meisten Zeit ebenfalls zurückgegangen und hat das hohe Ausgangsniveau der 60er Jahre nicht wieder erreicht (Abb. 12373).


Wie nicht anders zu erwarten, lag bei hoher Investitionsquote die Arbeitslosigkeit niedrig und umgekehrt (Abb. 12374).


Eine Erklärungen ist nötig. Erstens haben Lohnverzichte zwar zu erheblich steigenden Gewinnen geführt. Die Unternehmen haben aber diese Gewinne immer weniger in Investitionen und immer mehr für Finanzanlagen an den internationalen Kapitalmärkten und seit dem Jahr 2000 auch für stark wachsende Dividendenzahlungen an die Aktionäre verwandt. Außerdem konnten sich besonders die deutschen Unternehmen Produktionskapazität in Osteuropa und in den letzten Jahren auch in China billigst zukaufen, statt zu Hause zu investieren. Und der Lohnverzicht schadet dem Arbeitsmarkt noch zusätzlich, weil er die für die Binnenkonjunktur notwendige Massenkaufkraft schmälert.

Wie wichtig es ist, endlich die deutsche Binnenkonjunktur anzukurbeln, zeigen die Produktions- und Auftragsergebnisse vom Dezember 2006 mit einem Rückgang von 0,5 bzw. 0,7 % gegenüber Vormonat (Abb. 04306 und 04569). Schon seit August 2006 ist der Aufwind nicht mehr festzustellen. Die Inlandsaufträge für die Konsumgüterindustrie haben zwar noch bis November von wegen der MWSt-Erhöhung vorgezogenen Einkäufen profitiert, sind dann aber im Dezember um mehr als 2 % zurückgefallen. Der Produktionsindex der Konsumgüterindustrie stagniert schon seit dem Herbst 2005.



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global news 582 07-02-07: Weiter Flaute am Forschungsstandort Deutschland

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Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat unter der Überschrift "Weiter Flaute am Forschungsstandort Deutschland" neueste Daten zu Forschung und Entwicklung (FuE) in der deutschen Wirtschaft vorgestellt. Die Erfassung reicht bis 2005 mit einer mageren Steigerungsrate von 1,5 %; für 2006 und 2007 gibt es bisher nur unverbindliche Plandaten (mit jährlichen Zuwachsraten von 5 %). Hier aus der Zusammenfassung des Verbandes:

    FuE-Aufwendungen der Wirtschaft stiegen 2005 kaum,
    EU-Innovationsziel rückt in weite Ferne: Anteil der FuE-Aufwendungen am BIP ist auf 2,46 Prozent gesunken (Abb. 12370),
    Deutschland international nur auf Platz 9 (Abb. 12369).



Wie sich die Bundesregierung selbst enttäuschender Daten annimmt, zeigt die heutige Presseerklärung des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie: "Die Strategie der Bundesregierung, erheblich mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist goldrichtig. Ich führe diese deutlichen Steigerungen (gemeint sind die unverbindlichen Plandaten) auf die wesentlich größere Zuversicht der Wirtschaft im letzten Jahr zurück. Dafür ist die unternehmensfreundliche Wirtschaftspolitik und die Hightech Strategie der Bundesregierung mit hohen Steigerungsraten der staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung mitverantwortlich."

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global news 581 06-02-07: China und das Weltklima

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Nach Abschätzung der Internationalen Energie Agentur der OECD, wird China die USA noch vor 2010 als größtes CO2-Emissionsland überholen (Abb. 07126).


Allein 39 % des weltweiten Zuwachses an CO2-Emissionen bis 2030 sollen auf das Konto Chinas gehen. Das hängt nicht nur mit dem hohen Wirtschaftswachstum zusammen, sondern auch mit dem relativ hohen Einsatz von Kohle und veralteter Kohlekraftwerkstechnologie in China. Hinzu kommt das exportangetriebene Wachstum: Indem die alten Industrieländer immer mehr Produktion nach China verlagern bzw. eigene durch Importe von dort ersetzen, tragen sie entscheidend zur Verschlechterung der Emissionsbilanz der Welt bei. Die Verantwortung liegt eindeutig bei der westlichen Handelspolitik, die diese Entwicklung durch eine neoliberale bedingungslose Aufnahme Chinas in die WTO ermöglicht hat, ohne die Konsequenzen für die Umwelt auch nur zu bedenken, und die jetzt vor Auflagen zur Verhinderung dieses verheerenden Effektes zurückschreckt.

China als der in wenigen Jahre weltgrößte Luftverschmutzer hat prompt die größte Delegation zur UN-Konferenz in Paris geschickt, um darüber zu wachen, daß der UN Umweltbericht nicht zu hart ausfällt. Hier beispielshaft einige der chinesischen Interventionen, die in der Regel allein oder mit Unterstützung von Saudi-Arabien, das um seinen Ölabsatz besorgt ist, vorgetragen wurden. So versuchte China erfolglos, eine Liste von Unsicherheiten in den Prognosen in das Dokument zu bekommen. China wollte die Betonung eines unzureichenden Verständnisses der Rolle von Aerosols. China verhinderte mit der Behauptung jährlicher Schwankungen die beabsichtigte pauschale Feststellung, daß die Zuwachsrate der CO2-Emissionen in den letzten zehn Jahren zugenommen habe. China setzte die Streichung in der fettgedruckten Passage durch, die den menschlich verursachten Beitrag zur Erwärmung mit dem natürlichen der Sonne vergleichen sollte. China verhinderte die von Deutschland und anderen geforderte Feststellung einer Beschleunigung des Erwärmungstrends in den letzten 25 Jahren. China verlangte einen Hinweis auf Unbestimmtheiten in den Klima-Modellen, dem in einer Fußnote stattgegeben werden mußte. Natürlich wandte sich China auch gegen die Formulierung als „sehr wahrscheinlich" für die menschliche Verursachung des Anstiegs der Treibhausgase und wollte statt dessen „wahrscheinlich" oder notfalls „zunehmend sehr wahrscheinlich" durchsetzen, was jedoch nicht gelang. Schließlich kämpfte China bis tief in die letzte Nacht gegen den Vergleich der derzeitigen Temperaturerhöhung in Grönland mit der Temperaturerhöhung und dem 4 bis 6 Meter Meereshöhenzuwachs vor 125.000 Jahren. Das war die letzte noch offene Frage, bei der China schließlich einlenken mußte.

Das Verhalten China, das man eher von den USA erwartet hätte (die sich aber konstruktiv verhalten haben), ist ein böses Omen für seine Bereitschaft, irgendeine Form von Disziplin in der Emission von Treibhausgasen zu akzeptieren.

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global news 580 05-02-07: Rekordprofite - Doch vor allem Dividenden statt Investitionen in neue Arbeitsplätze

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Die Unternehmen in Euroland fahren auf dem Rücken einer stark gebremsten Lohnentwicklung Rekordprofite ein, vor allem in Deutschland (Abb. 12364).


Demgegenüber entwickeln sich die Investitionen in Euroland immer noch zu verhalten, jedenfalls für den Abbau der Massenarbeitslosigkeit. Das ist umso auffälliger als die Zinssätze immer noch vergleichsweise niedrig sind. Eine Erklärung ist der ungewöhnlich hohe Anteil an Dividendenausschüttungen, die für 296 an den Börsen gehandelte Unternehmen jetzt bei mehr als der Hälfte der Investitionen liegen, während es im Jahre 2000 noch 31 % waren (Abb. 12366 und 12365).



In Deutschland werden die 30 im Dax notierten Unternehmen in diesem Jahr rund 22 Milliarden Euro auszahlen (Abb. 12368). Die Ausschüttungsquote gemessen an den Gewinnen dürfte damit auf rund 40 Prozent klettern. Und das ist nicht das Ende: Nach Einschätzung der Dresdner Bank dürften Gewinne und Dividenden der im Dax notierten Unternehmen in diesem und im kommenden Jahr weiter steigen.


Umgekehrt sind die Bruttoanlageninvestitionen weit weniger gestiegen als die Netto-Unternehmensgewinne (Abb. 12367). Mit anderen Worten: Das Lohnopfer der Arbeitnehmer geht zum größten Teil direkt in die Taschen der Aktionäre und nur zu einem sehr geringen Teil in neue Arbeitsplätze.


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global news 579 04-02-07: UN Klima-Bericht: Ist die Menschheit noch zu retten?

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Die Arbeitsgruppe I des International Panels on Climate Change (IPCC) hat jetzt die Zusammenfassung für Politiker des ersten Bandes von "Climate Change 2007" angenommen. Der Bericht wurde von einigen 600 Autoren aus 40 Ländern verfaßt. Vertreter von 113 Regierungen haben den Bericht Linie für Linie überprüft und gebilligt. Dazu gehören Vertreter von Regierungen, die normalerweise gegenüber dem Treibhauseffekt skeptisch eingestellt waren, wie Saudi-Arabien. Es ist das Ergebnis von 6 Jahren Arbeit. Hier die zwei der wichtigsten Grafiken aus der Zusammenfassung, die jeweils nur kurze Erklärungen brauchen.

Die Abb. 07109 zeigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre über die letzten 10.000 Jahre bis ins Jahr 2005. Dabei stammt nur die rote Spitze der Kurve von direkten Messungen in der Atmosphäre. Werte für weiter zurückliegende Zeitpunkte haben Wissenschaftler aus Eisbohrkernen gewonnen. Der grau hinterlegte Kasten zeigt den Verlauf seit 1750 in größerem zeitlichen Detail.


Die globale Durchschnitts-Oberflächentemperatur seit dem Jahr 1850 (oben), die globale Durchschnittsmeereshöhe seit 1870 (Mitte) und die Schneebedeckung der Nordhalbkugel seit 1920 - in allen drei Teilen der Abb. 07112 werden die relativen Veränderungen (in Grad Celsius Temperatur, Millimeter und Quadratkilometern) zum Durchschnittswert des Vergleichszeitraums der Jahre 1961 bis 1990 angegeben. Blau unterlegt ist jenes Intervall um die Durchschnittswerte herum, in dem sich nach Einschätzung der IPCC die Mess-Unsicherheit bewegt.


Eine ausführliche Zusammenfassung enthält der neue Schwerpunkt.

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global news 578 03-02-07: Globalisierung und Industriebeschäftigung

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Fast nichts ist in der Volkswirtschaft monokausal. Dennoch finde ich den Zusammenhang zwischen dem Dienstleistungsanteil an der zivilen Beschäftigung und der Arbeitslosenquote interessant. Abb. 12361 stellt die Dienstleistungsanteile dar, soweit sie von der OECD statistisch erhoben werden (leider fehlt hier Frankreich). Die höchsten Anteile liegen bei Großbritannien, USA, Schweden, Schweiz und Dänemark.


Bei der Arbeitslosenquote gibt es fast die gleiche Spitzengruppe aus USA, Großbritannien, Dänemark, Schweden und Schweiz (plus Österreich) (Abb. 12363).


Das zeigt neben anderen Zusammenhängen, daß der Verlagerungsdruck aus der Globalisierung bisher wesentlich weniger im Dienstleistungsbereich wirkt. Abb. 12362 stellt den Quotienten von Dienstleistungsanteil durch Arbeitslosenquote dar. Hier ist die Spitzengruppe wieder Dänemark, Schweiz, USA und Großbritannien.


Die Schlußgruppe ist dabei immer dieselbe aus Spanien, Portugal, Italien und Deutschland - Länder mit hohen Industrieanteilen an der Beschäftigung und dementsprechend hohem Verlagerungsdruck. Interessanterweise teilen sich die EU-Länder in ihren Sorgen vor Wirkungen der Globalisierung auf dem Arbeitsmarkt ähnlich auf: Die dienstleistungsorientierten Länder Großbritannien, Schweden und Dänemark wollen – anders als die meisten anderen - das Antidumping-Instrument aufweichen, legen mehr Wert auf billige Importe und haben auch relativ wenig Probleme mit dem ständigen Erweiterungsprozeß der EU. Alles nur Zufälligkeiten oder doch ein Zeichen für die unterschiedliche Wirkung der Globalisierung je nach Anteil der Industriebeschäftigung?

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global news 577 02-02-07: Ein-Euro-Jobs ersetzen reguläre Beschäftigung

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Jetzt hat auch das Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in einer auf Umfragen beruhenden Untersuchung herausgefunden, was ohnehin zu vermuten war: 1-Euro-Jobs (oder "Zusatzjobber") verdrängen reguläre Beschäftigung, ohne daß daraus reguläre Arbeitsplätze werden. Nur bei 2% aller Zusatzjobber, die generell geeignet sind, haben die Betriebe eine Übernahme fest geplant. Bei weiteren 5% denken sie darüber nach, eine tatsächliche Übernahme ist jedoch ungewiss. Obwohl sie als geeignet, leistungsfähig und leistungsbereit eingeschätzt wurden, haben nur maximal 7% bzw. jeder Vierzehnte von ihnen über die Arbeitsgelegenheit die Chance auf den Einstieg in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Bei insgesamt 78% aller geeigneten Zusatzjobber erklären die Betriebe, dass keine finanziellen Mittel für eine Einstellung zur Verfügung stehen. Der Trend zum Personalabbau wird auch durch 1-Euro-Jobs nicht gestoppt - im Gegenteil: Soweit Substitutionen stattfinden, wird er sich in Zukunft sogar verstärken. Seit Jahren ist die Zahl der neu begonnenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse tendenziell rückläufig (Abb. 04712).


Der Bestand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geht in der Öffentlichen Verwaltung und den Sonstigen privaten und öffentlichen Dienstleistungen zurück, in den Sozialen Dienstleistungen stagniert er. Ein Beschäftigungspotential im Sinne von neuen Beschäftigungsmöglichkeiten und einem merklichen Arbeitsplatzzuwachs, der auch von ehemaligen Zusatzjobbern bedient werden könnte, ist vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zunächst nicht absehbar.

Rund 4% der Betriebe, die Erfahrungen mit Zusatzjobbern hatten, gaben an, Personal eingespart zu haben, hier gibt es also deutliche Indizien für eine direkte Substitution von Arbeitsplätzen. Rund 20% aller Betriebe beantworteten diese Frage aber gar nicht erst. Nach Ansicht des IAB geben die Ergebnisse der Studie deutliche Hinweise darauf, dass in einem nicht zu vernachlässigenden Anteil der Betriebe solche Substitutionen auf die eine oder andere Art stattfinden. Denn insgesamt berichten 45% aller dazu befragten Betriebe (hochgerechnet 28.400 Betriebe) über mindestens einen der Effekte, die das IAB als Indizien werten (keine zusätzlichen Tätigkeiten, Personalabbau, erweiterte Öffnungszeiten, bessere Vertretung, Überstundenabbau).

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global news 576 01-02-07: Arbeitslosenzahlen im Januar 2007: Zu viel Kosmetik, zu viel Billigjobs

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Die Arbeitslosenzahlen lassen sich eigentlich nicht mehr seriös analysieren. Zu viel an Kosmetik hat im letzten Jahr stattgefunden (abgesehen vom Sondereinfluß der milden Winterwitterung). Kranke Arbeitslose werden auf einmal nicht mehr als arbeitslos gezählt. Im Dezember 2006 wurde eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden; das mag sinnvoll sein, verzerrt aber in den Wintermonaten die Statistik gegenüber dem Vorjahr erheblich. Außerdem räumt die Bundesagentur selbst ein, daß ein Teil der Abnahme der Arbeitslosigkeit auf der systematischen Überprüfung des Arbeitslosenstatus beruhe, also einer gegenüber früher veränderten Sortierungspraxis. Schließlich kann nach Andeutungen der Bundesagentur ein erheblicher Teil der neuen sozialversicherunspflichtigen Arbeitsplätze durch eine ziemlich künstliche Umwidmung ehemals nicht sozialversicherungspflichtiger weil nur geringfügig entlohnter Beschäftigungsverhältnisse in der Größenordnung von 146 Tsd kommen, weil die Pauschalbeträge für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse ab dem 1. Juli 2006 angehoben wurden. Neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen ohnehin vor allem im Niedriglohnbereich und auf der Basis unsicherer Zeitverträge.

Fest steht nach den amtlichen Zahlen jedenfalls, daß die Arbeitslosigkeit um 332 Tsd mehr zurückgegangen sein soll, als die Beschäftigung im Vorjahresvergleich zugenommen hat - ein gewaltiges kaum erklärtes Loch von 44 % des angeblichen Rückgangs an Arbeitslosigkeit.

Die einzige wenigstens etwas verläßlichere Zahl ist die der Langzeitarbeitslosen, und die ist im Vorjahresvergleich nur von 1,88 Mio auf 1,78 Mio zurückgegangen, also nur um etwa 100 Tsd (Abb. 04033). Bezeichnenderweise meldet die Bundesagentur diese Zahl nicht mehr direkt (anders als in anderen EU-Ländern), so daß sie aus deren IT-System hochgerechnet werden muß. Nach Eurostat ist der deutsche Anteil der Langzeitarbeitslosen an der aktiven Bevölkerung vor Griechenland der weitaus höchste in den Alt-EU-Ländern (Abb. 04022).



Siehe auch neuen Schwerpunkt: Arbeitslos im Januar 2007.

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global news 575 31-01-07: Neue FT/Harris-Umfrage: Wenig positive Meinungen zu Euro, EU-Erweiterung und Arbeitskräftemigration

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Eine neue Umfrage von Financial Times/Harris unter rund 5.300 Menschen in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland zeigt die stark zunehmenden skeptischen Meinungen zur Entwicklung der europäischen Integration. Mehr als zwei Drittel der Befragten in Frankreich, Italien und Spanien und mehr als die Hälfte in Deutschland glauben, daß sich die Einführung des Euro negativ auf ihre Volkswirtschaften ausgewirkt hat; in Frankreich sehen nur 5 % eine positive Wirkung (Abb. 13234). Fast zwei Drittel der befragten Deutschen würden lieber die DM wiederhaben. Die zugespitzte Situation in Frankreich erklärt zugleich das negative Ergebnis der Verfassungs-Referendums.


Man muß dabei auch berücksichtigen, daß die EZB als "Hüterin" des Euro ständig einseitig auf der Seite der Kapitaleigner steht, wenn sie gegen Steigerungen der Arbeitseinkommen zu Felde zieht. Der reale Zins lag seit sieben Jahren in Frankreich und Deutschland nicht mehr so hoch wie heute (Abb. 06055). Das freut die Kapitaleigner und schadet Menschen, die sich verschulden müssen.


Der Beitritt von Rumänien und Bulgarien wird durchschnittlich nur von weniger als einem Drittel für gut befunden (Abb. 13236); in Deutschland haben fast 60 % eine negative Meinung. Die Politiker sollten sich dessen bewußt sein, wenn sie mit Überlegungen für neue Erweiterungsschritte spielen, z.B. um die Türkei, wo besonders der Außenminister und die SPD für einen Fortgang der Verhandlungen eintreten.


Besonders kritisch ist die Haltung zur Einwanderung von Arbeitskräften in Deutschland mit negativen Befürchtungen für die Löhne bei fast 70 % (Abb. 13237).


Fast ein Viertel aller Befragten fürchten, ihren Job in diesem Jahr zu verlieren. Dieser Anteil ist in Italien und Spanien besonders hoch. Insgesamt zeigt das Ergebnis dieser und ähnlicher Befragungen, wie gefährlich es wird, wenn Europa von den technokratischen Eliten immer weiter über die Köpfe seiner Bürger hinweg gebaut wird.

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