. bitte
weiter-
empfehlen

Begriff-Suche



Hier einige Schwerpunkte:

Demo

verlierer

armut

china

skandinavien

steuer

Angst

hedge

bildung

system

umwelt

heuschrecken





Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(522) Deutscher Export und Dollarkurs

(521) Der Dollar auf Talfahrt - was macht der deutsche Export?

(520) Wunder am Arbeitsmarkt?

(519) Einzelhandelsumsatz im Oktober weiter im Rückgang, doch OECD vollbringt Prognose-Wunder

(518) Automobile China-Schnäppchen gelandet

(517) Wer kriegt denn nun die Kohle?

(516) Deutsche Einkommensentwicklung 1991-2005: Minus 2,6 %

(515) Netto-Löhne u.-gehälter pro Arbeitnehmer fielen im 3. Quartal mit Jahresrate von 2,3 %

(514) Bricht die Konjunktur in der Eurozone weg? Industrieaufträge im September: -1,3 %

(513) Deutscher Export: Wenig High-tech, viel Lohndumping

(512) Nochmals 3. Quartal: Warum sagt die Bundesregierung den Menschen nicht die Wahrheit zur Wirtschaftsentwicklung?

(511) Kritische Analyse der derzeit gefeierten Ergebnisse des 3. Quartals

(510) Immer mehr Arme in Deutschland

(509) Finanzwetten auf Zins- und Währungsentwicklungen nehmen um ein Viertel auf das 30-Fache der amerikanischen Wirtschaftsleistung zu

(508) MWSt-Erhöhung treibt Neuwagenkäufe und Wohnungsneubauten, was aber wird mit der deutschen Konjunktur in 2007?




Hier ein Hinweis für Besucher von

global news 522 04-12-06: Nochmal Deutscher Export und Dollarkurs

(bitte auch
Startseite besuchen)

Der Dollar hat seit einem Jahr fast 12 % seines Wertes gegenüber dem Euro verloren. Nun ist auch der Kommentator Wolfgang Münchau von der Financial Times Deutschland alarmiert und kann sich einen Dolllarabsturz bis auf 1,60 Euro oder um weitere 25 % durchaus vorstellen. Seine Befürchtung: "Unsere exportabhängige Wirtschaft kann eine kräftige Dollar-Abwertung nur sehr schwer überstehen. Für eine Umschichtung hin zu nicht handelbaren Dienstleistungen ist die Wirtschaft zu unflexibel."

Abbildung 13119 zeigt die überragende Bedeutung der USA für den deutschen Exportüberschuß.


Von den 17 anderen für die deutschen Exportüberschüsse wichtigeren Ländern, werden sieben, nämlich Polen, Türkei, Mexiko, Australien, Südafrika, Kanada und vielleicht auch die Schweiz eher dem Dollar nach unten als dem erstarkenden Euro nach oben folgen. Unter den sieben Eurozoneländern, mit denen Deutschland größere Exportüberschüsse hat, zeigen mit Null- oder Nahenull-Wachstum im 3. Quartal 2006 gegenüber Vorquartal bereits Frankreich und Italien, die beide für die deutschen Exportüberschüsse besonders wichtig sind, Zeichen von wirtschaftlicher Stagnation. Das heißt der deutsche Export muß in 10 der 18 Ländern, auf die die deutschen Exportüberschüsse konzentriert sind, mit wachsenden Problemen rechnen.

Höchste Zeit die deutsche Binnenkonjunktur mit mehr als nur einer kurzzeitigen MWSt-Flucht anzukurbeln.

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 521 03-12-06: Der Dollar auf Talfahrt - was macht der deutsche Export?

(bitte auch
Startseite besuchen)

Seit ungefähr einem Jahr hat der Dollar gegenüber dem Euro bereits fast 12 % seines Wertes verloren, und die Talfahrt hat sich zuletzt weiter beschleunigt (Abb. 13118). Gleichzeitig verlangsamt sich die amerikanische Konjunktur, vor allem vom Immobilienmarkt her, der bisher mit einer enormen Blase vielen Verbrauchern Wohlstand vorgespielt hat.


Die Frage ist, wie verhält sich die Exportindustrie im extrem exportlastigen Deutschland. Nimmt sie Einbrüche auf den Dollar-Märkten hin und konzentriert das Exportfeuer noch stärker auf die Eurozonenpartner, die sich gegen ein deutsches Lohndumping nicht mehr durch Abwertung wehren können, auch wenn darüber möglicherweise die Eurozone auseinanderbricht? Oder erhöht sie ohne Rücksicht auf die deutsche Binnenkonjunktur den Druck auf die deutschen Löhne weiter, um so die Dollarexportmärkte vor Einbrüchen zu bewahren? Beide Alternativen hätten verhehrende Folgen für die deutsche Konjunktur und den Arbeitsmarkt. Vielleicht aber begreifen die deutsche Industrie, die Bundesregierung, die Medien und die Forschungsinstitute endlich, daß die Exportfixierung längst zu einer schweren Belastung für die deutsche Konjunktur und den Arbeitsmarkt geworden ist und daß man statt dessen durch eine adäquate Entwicklung der Massenkaufkraft den Heimatmarkt stärken muß.

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 520 01-12-06: Wunder am Arbeitsmarkt?

(bitte auch
Startseite besuchen)

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) räumt es in ihrem Bericht indirekt selbst ein. Das große, von den Medien bestaunte Wunder eines Rückgangs um 536 Tausend gegenüber dem November 2005 kann nur zu einem kleineren Teil auf die bessere Konjunktur zurückgeführt werden und ist daher eigentlich gar keines. Originalton BA: " .. dürfte die Entwicklung im November durch die vergleichsweise milde Witterung begünstigt sein" und " ... beruht ein Teil der Abnahme auf der systematischen Aktualisierung von Bewerberangeboten (Anmerkung: das heißt auf Deutsch: die systematische Überprüfung und Aussortierung von Arbeitslosen)" und schließlich: " ... könnte der Arbeitsmarkt durch ein rückläufiges Arbeitskräfteangebot (Anmerkung: demographische Entwicklung) entlastet worden sein....". Man kann diesen Abgangseffekt und andere Sondereffekte ausrechnen oder wenigstens abschätzen; das Ergebnis (noch ohne den Witterungseffekt) zeigt Abb. 04628. Fast drei Viertel des Rückgangs gehen auf solche Sondereffekte. Dabei wird hier unterstellt, daß etwa die Hälfte der geschätzten zusätzlichen und in der Regel gering bezahlten Teilzeitjobs von den Betroffenen nur als Notlösung angesehen werden.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat nach dramatischem Anstieg über die letzten Jahre ein schlicht bedrückendes Niveau erreicht, auch wenn die Zahl der amtlich gemeldeten Arbeitslosen im November im Vorjahresvergleich um 10,8 % auf knapp 4 Millionen weiter abgenommen hat (Abb. 04595).

Zu den Arbeitslosen hinzuzu rechnen sind weiterhin die sogenannte “Stille Reserve” von 1,1 Millionen der nicht arbeitslos gemeldeten aber Arbeitsuchenden, die 1,7 Millionen geringfügig Entlohnten in so genannten 400 Euro-Jobs und die 0,3 Millionen in so genannten 1-Euro-Jobs. Dabei sollte man die Kinder und anderen Familienangehörigen der Arbeitslosen nicht vergessen.

Weiterhin ist die deutsche Arbeitslosenquote vor Frankreich die höchste vergleichbarer Länder (Abb. 04068). Das gilt auch für die "rote Laterne" bei der Beschäftigungsentwicklung. Die Quote der Langzeitarbeitslosen ist sogar bei weitem die höchste.


Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat per November nur um 1,2 % gegenüber Vorjahr zugenommen und liegt damit immer noch unter dem Stand von vor drei Jahren (Abb. 04008).


Wo früher einem versicherungspflichtig Beschäftigten 1,3 andere arbeitslose oder nicht versicherungspflichtig beschäftigte Personen gegenüberstanden, sind es bis heute 1,7 geworden. Dabei steht der Abmarsch der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben erst noch bevor (Abb. 04597).



Für eine ausführliche Analyse der November-Ergebnisse vom Arbeitsmarkt siehe neuen Schwerpunkt.

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 519 01-12-06: Einzelhandelsumsatz im Oktober weiter im Rückgang, doch OECD vollbringt Prognose-Wunder

(bitte auch
Startseite besuchen)

Man kann es kaum noch hören. Die Konjunktur-Gesundbeter beten den Kaufrausch vor. Er geistert durch alle Medien. Nur stattfinden tut er - jedenfalls bisher - nicht. Und wenn er doch noch mit dem Weihnachtsgeschäft kommt, wird er keinen dauerhaften Eindruck mehr hinterlassen. Nach den amtlichen Daten für Oktober ging der Einzelhandelsumsatz im zweiten Monat in Reihe weiter zurück (Abb.04214). Gestiegen ist mit einem Plus von 4,6 % lediglich der Wert für die Unterposition "Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf", was eindeutig auf vorgezogene Mehrwertsteuerflucht hindeutet und auch auf den kurzen Bauboom wegen Auslaufens der Eigenheimzulage. Was die Menschen hier mehr ausgeben, knapsen sie sich vor allem bei den Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren (-3,9 %) ab - kein gutes Zeichen für einen "lockeres" Geldbeutel.


Es ist kaum zu glauben, welch rosiges Bild unter solchen Umständen die OECD für die deutsche Wirtschaftsentwicklung der nächsten Jahre zeichnet. Während die private Nachfrage, die für die Gesamtkonjunktur den wichtigsten Einzelposten liefert, im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2007 nur um 0,28 % steigt, also praktisch stagniert, soll sie plötzlich in 2008 um gleich 1,8 % expandieren und so ein gesamtes Wirtschaftswachstum in 2008 von stolzen 2,1 % ermöglichen (Abb. 13117).


Der Kaffeesatz der OECD scheint Wunder vollbringen zu können. Und so ist natürlich die Bundesregierung ob solcher psychologischer Schützenhilfe begeistert, schon weil diese das Mehrwertsteueropferjahr 2007 mit dem rosigen 2008 überspielt. Auch viele Medien laben sich an solchen zauberhaften Aussichten. Hier aus der on-line Version der "WELT": "OECD prognostiziert kräftigen Aufschwung für Deutschland. Lang anhaltendes Wachstum, sinkende Arbeitslosenzahlen, steigende Löhne, höhere Investitionen und eine gestärkte Binnennachfrage - es ist ein rundum rosiges Konjunkturbild, das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem 80. Weltwirtschaftsausblick für die nächsten zwei Jahre in Deutschland zeichnet." Und hier der "SPIEGEL": "Auch die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) hat ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich angehoben." Und „BILD“ legt in einer Prognose für das vierte (MWSt-Vorzieh-) Quartal noch einmal kräftig zu: „Deutschland überflügelt führende Industrienationen. Die deutsche Wirtschaft wird beim Wirtschaftswachstum im vierten Quartal dieses Jahres möglicherweise noch einmal kräftig zulegen. Unter den führenden Industriestaaten nähme Deutschland damit die Spitzenposition ein", hat man den Vorziehmechanismus nicht begriffen??

Wir werden die Zahlen der OECD auf Wiedervorlage legen, in zwei Jahren erneut betrachten und dann unser Urteil über die wundersame Prognosetechnik der OECD fällen.

Ebenso überraschend hält OECD-Chef-Ökonom auch noch eine geradezu umwerfende Rechtfertigung der Mehrwertsteuererhöhung, die er überhaupt nicht negativ sieht, bereit: "Deutschland hat vor einigen Jahren die direkten Steuern sehr stark gesenkt und dann entdeckt, dass das vielleicht nicht so gut war", sagt er. Es handele sich deshalb bei der jetzigen Erhöhung der indirekten Steuern um die Korrektur eines früheren Fehlers."

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 518 30-11-06: Automobile China-Schnäppchen gelandet

(bitte auch
Startseite besuchen)

Noch im Dezember werden die ersten 1.000 Limousinen Brilliance BS6 (Abb. BS6) nach Bremerhaven geliefert. Der Chef der Autosparte des chinesischen Unternehmens Brilliance Yumin Qi begrüßte die rund 200 Journalisten aus sieben Ländern, die ins Hotel Maritim im ehemaligen Regierungsviertel von Bonn gekommen waren, um dem ersten offiziellen Markteintritt eines chinesischen Autoherstellers in Europa beizuwohnen. Trotz ordentlicher Ausstattung und stattlichen Formats soll das Fahrzeug mit 130 PS und 2.400 ccm je nach Modellvariante zwischen 19.000 und 23.000 Euro kosten. Zum Vergleich: Ein Passat ähnlicher Leistung liegt bei etwa 27.000 Euro und mehr, also etwa 50 % teuerer. Bereits im nächsten Jahr sollen 15.000 Brilliance-Modelle in Europa verkauft werden.


Das Design des Autos entstand gemeinsam mit Giugiaro, der Motor stammt von Mitsubishi, das Fahrwerk wurde von Porsche mitentwickelt und bei der Einrichtung der Produktion half BMW (Brillance baut auch BMW-Fahrzeuge für den chinesischen Markt). Das Design erinnert in der Tat an BMW. Auch gibt es Anklänge an den ehemals britischen Rover, der von China aufgekauft wurde, nachdem er ursprünglich im Besitz von BMW gewesen war.

In fünf Jahren soll Brilliance in Europa zu den etablierten Volumenmarken aufgeschlossen haben. Dann will die Marke mindestens 50.000 Fahrzeuge auf dem alten Kontinent absetzen, was kein allzu ehrgeiziges Ziel ist, wenn man bedenkt, dass im nächsten Jahr noch die kleinere Limousine BS4 sowie eine Coupé-Variante des BS6 auf den Markt kommen sollen. Außerdem seien ein Kompaktmodell namens BS2 sowie ein SUV bereits fest eingeplant. Und auch ein Dieselmotor, und zwar ein Aggregat aus chinesischer Produktion, soll noch 2007 das Angebot ergänzen.

Wenn dieser Schwalbe weitere Billigprodukte made in China folgen werden, und das muß nach dem Stand der Vorbereitungen erwartet werden, wird es die deutsche Automobilindustrie zu spüren bekommen, zumal wenn die Schnäppchen-Mentalität in Deutschland anhält.

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 517 29-11-06: Wer kriegt denn nun die Kohle?

(bitte auch
Startseite besuchen)

Von einem Rundbriefleser (Journalist einer bekannten Tageszeitung) erreichte mich nach dem gestrigen Rundbrief folgender Hilferuf: " ..können Sie mich aufklären? Wo sind die Zuwächse seit 1991 denn nun geblieben, wenn diese Statistik alle Haushalte umfassen soll? Immerhin hatten wir von 91 bis heute 20 Prozent reale Zunahme des BIP. Wer kriegt denn nun die Kohle? Nur die Kapitalgesellschaften selbst ohne Ausschüttung an private? Das kann doch nicht sein."

Dies ist meine Antwort: Gute Frage. Das Bruttoinlandsprodukt war 2005 mit 2241 Mrd etwa so gross wie das Bruttonationaleinkommen mit 2248 Mrd. Letzteres reduziert sich dann um die Abschreibungen und die Produktions- und Importabgaben und ergibt dann das Volkseinkommen (2248 minus 334 minus 239 gleich 1675). Aus dem Volkseinkommen ergeben sich einerseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (546) und andererseits das Arbeitnehmerentgelt (1129), das damit nur noch 50 % des Bruttonationaleinkommens ausmacht, während dieser Anteil 1991 noch bei 55 % lag. Der reale Zuwachs ist also an den Arbeitnehmereinkommen vorbeigegangen und hat so die Haushaltseinkommen negativ bestimmt (Abb. 04649).


Außerdem muß man bei den Haushaltseinkommen mit dem StaBuA die Preisbereinigung nach dem Verbraucherpreisindex vornehmen, der seit 1991 um 32 % zugenommen hat, während die Preisentwertung des Bruttoinlandsprodukts nur bei 25 % lag.

Zugespitzt formuliert und mit Ihrer Vokabel ist die Kohle bei den Unternehmensprofiten (nicht nur der Kapitalgesellschaften) sowie den schneller als das Bruttonationaleinkommen gestiegenen Abschreibungen und Abgaben hängengeblieben sowie einer viel höheren Preisentwertung der Haushaltseinkommen. Dabei täuscht natürlich diese Preisentwertung bei den hohen Einkommen auch noch einmal, weil ja nur ein viel kleinerer Anteil dieser Einkommen tatsächlich für den Verbrauch ausgegeben wurde und viel mehr für die auf den Kapitalmärkten angelegte Ersparnis eingesetzt wurde, die dann wieder die Haushaltseinkommen der Besserverdiener antreibt. Real gesehen haben damit die Einkommen der Besserverdiener einer viel geringen Inflation unterlegen. Das StaBuA hätte also durchaus etwas tiefer schürfen dürfen, um die volle Wahrheit der unsozialen Entwicklung des Bruttonationaleinkommens und der Haushaltseinkommens ans Licht zu befördern. Aber das war wohl nicht die Absicht. Statt dessen hat man sich auf die Feststellung beschränkt: "Die tat­sächlichen Einkommen der einzelnen Haushalte können nach oben und unten erheblich von den dargestellten Durchschnittswerten abweichen. Im Rahmen der Volkswirtschaft­lichen Gesamtrechnungen können jedoch keine Verteilungsdaten nach der Einkommens­höhe ermittelt werden." Letzteres ist sicher richtig, hätte jedoch einige Hinweise der von mir gemachten Art erlaubt. Immerhin glaubte das StaBuA ja bei den stark gestiegenen Einkommen der Selbständigen anmerken zu müssen, daß diese davon ihre Altersversorgung einrichten müssen. Ich bin immer wieder über die einseitige Selbst-Interpretation durch das StaBuA überrascht.

Erstaunlich auch, wie die Medien mit der Meldung des StaBuA umgehen, als sei dies eine neue Erkenntnis. Dabei sind die deutschen Netto-Löhne- und -gehälter seit Anfang 2004 bereits um fast 5 % gefallen (Abb. 04650).


(bitte auch Startseite besuchen)



global news 516 28-11-06: Deutsche Einkommensentwicklung 1991-2005: Minus 2,6 %

(bitte auch
Startseite besuchen)

Das Statistische Bundeamt meldet es heute unter der stolzen Überschrift: "33.700 Euro Nettoeinkommen durchschnittlich je Privathaushalt". Erst aus dem kleingedruckten Text ergibt sich die traurige Entwicklung seit 1991. Zieht man die Verbraucherpreissteigerung von 32,2 % ab, so zeigt sich ein Rückgang um 2,6 % (Abb. 04047). Selbst wenn man die geringfügig günstigere Entwicklung pro Verbrauchereinheit statt Haushalt, d.h. die Verbraucher im Haushalt, ansieht, ergibt sich über einen Zeitraum von 14 Jahre pro Jahr nur eine Steigerungsrate von 2,5 % oder eine jährliche Kummerrate von 0.18 %. Wer kann da große Sprünge machen?

Besonders schlimm: Dieser Rückgang über 14 Jahre setzt sich aus einem hohen Zuwachs bei den Selbständigen (+6,2 %), einer Stagnation bei den Angestellten und starken Rückgängen bis 6,9 % bei den Arbeitern, Beamten und den Nichterwerbstätigen zusammen. Hier verdeckt jedoch der durchschnittliche Zuwachs eine enorme Spreizung vor allem zwischen den Besserverdienern und den Normalverdienern unter den Angestellten.


Der durchschnittliche Arbeiterhaushalt hat nur wenig mehr als ein Viertel des Einkommens eines Selbständigenhaushalt (Abb. 04646). Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die Besserverdiener nur einen viel kleineren Anteil ihres Einkommens so ausgeben, daß die deutsche Binnenkonjunktur gestützt wird und viel mehr davon sparen.


Die Große Koalition hat allerdings Illusionen, wenn sie jetzt glauben sollte, die Situation einer immer unsozialeren Einkommensverteilung mit einem Investivlohn lösen zu können. Das wird nur über ein grundsätzliches Abschalten der Verlagerungsdrohungen und der damit verursachten realen Einkommensverluste der Arbeitnehmer sowie ergänzend eine sozialere Steuerverteilung möglich und erreichbar sein. Außerdem haben normale Menschen in Deutschland das Vertrauen in den Aktienmarkt seit dem letzten Crash und dann noch die Entwicklung der Telekom-Aktie nach der von der Bundesregierung zu verantwortenden Privatisierung gründlich verloren.

Schließlich zu allem Überfluß werden die Renten wegen der schlechten Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen (auch in 2006, siehe Abb. 04645) noch für lange Zeit auf Eis liegen, d.h. verbraucherpreisbereinigt zurückfallen. Nach heute bekannt gewordenen Berechnungen der Versicherer stehen noch zwei Nullrunden an. 2009 gibt es dann für einen Rentner, der aktuell 1100 Euro bekommt, gerade mal 2,20 Euro dazu. Diese Mini-Erhöhung wird von gestiegenen Krankenkassenbeiträgen längst wieder aufgefressen.


(bitte auch Startseite besuchen)



Hier ein Hinweis für Besucher von

global news 515 27-11-06: Netto-Löhne u.-gehälter pro Arbeitnehmer fielen im 3. Quartal mit Jahresrate von 2,3 %

(bitte auch
Startseite besuchen)

Bereits seit dem 3. Quartal 2004 fallen in Deutschland die Netto-Löhne und -gehälter verbraucherpreisbereinigt. Im 3. Quartal 2006 geschah das mit einer gegenüber dem Vorquartal fast um die Hälfte angestiegenen Jahresrate von 2,3 % (Abb. 04645). Dieser Fall zeigt einerseits die negative Lohnpolitik in Deutschland, andererseits den Umstand, daß die von der Bundesregierung und den Medien gefeierten zusätzlichen Arbeitsplätze zum größten Teil gering entlohnte auf der Basis von Zeitverträgen oder Teilzeitarbeit oder im Spektrum der 1-Euro und 400-Euro Jobs sind. Da Renten, Arbeitslosengelder und Beamtenbesoldung dieser Negativ-Entwicklung weitgehend folgen, kann man sich leicht vorstellen, was das für die Kaufkraft, die Binnenkonjunktur und dann wieder den Arbeitsmarkt bedeutet.


Wie soll das in den Worten der Bundeskanzlerin der stärkste Aufschwung seit einem Jahrzehnt sein oder in den Worten des Bundeswirtschaftsministers eine realistische Chance, zum Wachstumsmotor in Europa aufzusteigen"?

Übrigens: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer müßte jetzt 144 Jahre lang arbeiten, bis er so viel verdient hätte, wie Deutsche Bank Chef Ackermann aus der linken Westentasche zieht, um sich aus seinem Strafverfahren wegen der Mannesman-Zahlungen freizukaufen.

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 514 26-11-06: Bricht die Konjunktur in der Eurozone weg? Industrieaufträge im September: -1,3 %

(bitte auch
Startseite besuchen)

Nun scheint sich in der Eurozone, dem wichtigsten deutschen Absatzmarkt, eine deutliche Verlangsamung der Konjunktur anzudeuten, wie die rückläufigen Industrieaufträge zeigen (Abb. 12342). Die deutschen sind dabei mit -3,1 % überdurchschnittlich zurückgefallen. Bei unserem wichtigsten Handelspartner Frankreich kam das Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal zu einem völligen Stillstand. Dies sind die realen Entwicklungen, nicht die in Deutschland verbreiteten nominalen. Die Aussichten für den deutschen Export trüben sich damit weiter ein, zumal der US Dollar immer weiter nachgibt (in diesem Jahr schon um 9 %) und die USA der zweitwichtigste deutsche Exportmarkt sind.


Wie sagte doch der Bundeswirtschaftsminister in der Haushaltsdebatte am vergangenen Donnerstag: "Deutschland befindet sich im stärksten Konjunkturaufschwung seit dem Boomjahr 2000. Wir haben damit die realistische Chance, vom Schlusslicht wieder zum Wachstumsmotor in Europa aufzusteigen"?

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 513 25-11-06: Deutscher Export: Wenig High-tech, viel Lohndumping

(bitte auch
Startseite besuchen)

Wie sehr sich der deutsche Export seit dem Jahr 2000 auf eine Ausnützung der gedrückten deutschen Löhne gegenüber dem Hauptpartnerraum Eurozone und andere EU-Länder, eine Form von Lohndumping, eingerichtet hat, zeigt eine heute veröffentlichte Statistik von Eurostat, dem statistischen Amt der EU. Danach ist nur 15 % des deutschen Exports dem High-tech-Bereich zuzuordnen und das heißt weniger als im Durchschnitt der EU und viel weniger als beispielsweise bei Großbritannien mit 23 % oder Frankreich mit 20 % oder Niederlande mit 19 % (Abb. 12341). Selbst Irland, bis vor wenigen Jahren ein reines Agrarland, bringt es auf 29 %. Als High-tech werden Güter aus folgenden Bereichen eingeordnet: Luftfahrt, Computer und Büromaschinen, Elektronik und Telekommunikation, Pharma, wissenschaftliche Instrumente, Maschinen, Chemikalien und Rüstungsgüter.


Der geringe High-tech-Anteil wird es den Billigländern leichter machen, mit der deutschen Konkurrenz fertig zu werden, angefangen mit dem deutschen Hauptexportprodukt KfZ. Wo sollte auch mehr Hich-tech herkommen, bei so wenig Investitionen in den letzten Jahren. Eigentlich sollte bei der relativ hohen deutschen Sparquote und den sprudelnden Unternehmensgewinnen genug Investitionskapital vorhanden gewesen sein. Doch die deutschen Unternehmen haben den Anteil der Netto-Investitionen am in der Volkswirtschaft verfügbaren Einkommen drastisch von etwa 5,3 % in 2000 auf nur noch 2,0 % in den letzten 12 Monaten abgesenkt (Abb. 04583). Die Bundesbank spricht deshalb von einer "Unterinvestition" in Deutschland. Und das deutsche Sparkapital treibt sich statt dessen auf den internationalen Kapitalmärkten und in Auslandsinvestitionen herum.


(bitte auch Startseite besuchen)



global news 512 24-11-06: Nochmals 3. Quartal: Warum sagt die Bundesregierung den Menschen nicht die Wahrheit zur Wirtschaftsentwicklung?

(bitte auch
Startseite besuchen)

Selten ist in den letzten Jahren so oft versucht worden, den „Aufschwung" herbeizugemogeln wie in diesen Wochen. Offensichtlich hofft man immer noch, ihn am Ende doch herbeireden zu können. Dabei sprechen die die Zahlen des Sommers und Herbstes eindeutig in die Gegenrichtung. Den Vogel in dieser Hinsicht hat heute der Bundeswirtschaftsminister in seiner Pressemitteilung zu den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Quartalswerten abgeschossen. Zur Erinnerung: Die Zuwachsrate für die Binnenkonjunktur gegenüber dem Vorquartal ist im 3. Quartal auf 0,19 % von noch 1,1 % im 2. Quartal zusammengebrochen. Das entspricht einer Jahresrate von nur noch 0,76 %, also ein klarer Stagnationswert (Abb. 04644).


Und das sagt nun der Bundeswirtschaftsminister: „Die ausführlichen Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im dritten Quartal, die das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat, belegen, dass die Wirtschaft gegenwärtig in guter Verfassung ist und der Aufschwung an Substanz gewonnen hat. Er erhält Impulse sowohl vom Ausland als auch aus dem Inland." Wo ist denn bitte bei 0,19 % der Substanz gewinnende Aufschwung mit Impulsen vom Inland? Noch irreführender die Verlautbarung aus gleicher Quelle von vor einer Woche: „Unser realistischer Optimismus hat sich bestätigt. Der kraftvolle Aufschwung in Deutschland hat sich auch im Sommer fortgesetzt. Die Wachstumsimpulse kamen sowohl von der Binnennachfrage als auch aus dem Ausland. Das Wachstum in Deutschland steht somit auf beiden Füßen." Wer soll den auf 0,19 % sicher stehen können. Was ist denn da noch „realistischer Optimismus"? Oder gestern in der Haushaltsrede: „Deutschland befindet sich im stärksten Konjunkturaufschwung seit dem Boomjahr 2000. Wir haben damit die realistische Chance, vom Schlusslicht wieder zum Wachstumsmotor in Europa aufzusteigen."

Dabei sollte dem Bundeswirtschaftsminster bestens bekannt sein, daß die im 3. Quartal nur noch am seidenen Faden des Exports hängende Gesamtkonjunktur von der Wirtschaftsentwicklung bei unseren beiden Haupthandelspartnern Frankreich und USA, wo sich das Wachstum bei Null angesiedelt bzw. halbiert hat, und anderswo nicht unberührt bleiben kann. Natürlich weiß der Bundeswirtschaftsminister auch, daß die deutschen Netto-Löhne und -Gehälter im 3. Quartal auf ein Minus von 0,9 % (kaufkraftbereinigt) weiter gerutscht sind und der Einzelhandelsumsatz Minuswerte verzeichnet hat (Abb. 04214).


Er sollte sich vorstellen können, was die Negativentwicklung der Arbeitnehmereinkommen und der daran angeseilten Renten, Arbeitslosengelder und Beamtenbesoldungen für die Binnenkonjunktur bedeutet, zumal wenn der Einmaleffekt der vorgezogenen MWSt-Einkäufe und Eigenheimbauten sich in das 2007-Vakuum verwandeln muß. Es gibt schließlich nichts, womit man die Menschen nun im nächsten Jahr an die Kassen treiben könnte.

Der andere „faule Zauber" ist die Verbreitung von Nominalwerten statt der ehrlich inflationsbereinigten Realwerte. Da meldet das Statistische Bundesamt am 17. November eine Umsatzsteigerung der Industrie von stolzen 6,5 %, und prompt wird das nachgeplappert von den Massenmedien bis zu NachDenkSeiten („während der Umsatz um 6,5 % stieg ..."). Wieder eine positive Nachricht! Schaut man genauer hin, entpuppt es sich als ein Nominalwert, der die erheblichen Preissteigerungen von Erzeuger- und Exportpreisen nicht berücksichtigt, sonst wäre es nämlich ein Minus von 1,2 %.

Natürlich sekundiert "BILD" bei so viel künstlichem Optimismus mit dem Kommentar von heute: "Kann sich ein Wunder wiederholen? Wirtschaftswunder. Was für ein wunderbares Wort aus unserer Geschichte. Kann es sich jetzt wiederholen? Aber schon die Fußball-WM hat gezeigt: Da ist noch Leben drin! Die Kraft ist zurück, die Köpfe rauchen noch. Autos, Umwelttechnik, Maschinenbau, Elektronik - da sind wir Weltspitze, Exportweltmeister. Die Menschen fühlen es, sie trauen sich mehr zu, sie kaufen, schaffen dadurch Arbeitsplätze. Mehr Chancen für uns, mehr Chancen für unsere Kinder. Nein, morgen wird's nicht gleich Geld regnen. Aber es regt sich was. Der lange gescholtene Standort Deutschland leuchtet wieder Schwarz-Rot-Gold."

So verspielt die deutsche Politik unterstützt von den Massenmedien immer mehr ihre Glaubwürdigkeit.

Und hier noch eine Übersicht zu den sieben verlorenen Jahren seit 2000, die alles zusammenfaßt. Den stärksten Auftrieb über die ganze Periode hatten - in dieser Reihenfolge - die Zuwachsrate der Langzeitarbeitslosen, der Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie der Sparquote; alles andere stagnierend bis negativ und jedenfalls unter dem Stand von 2000, besonders die Löhne und Gehälter sowie der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze (Abb. 04004).


Eine ausführliche Analayse aller Einzeldaten enthält der neue Schwerpunkt "3. Quartal: Immer noch ein deutscher Sonderweg".

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 511 23-11-06: Kritische Analyse der derzeit gefeierten Ergebnisse des 3. Quartals

(bitte auch
Startseite besuchen)

Nun liegen die amtlichen Einzelwerte der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal 2006 vor. Bundeskanzlerin Merkel sieht Deutschland ein Jahr nach dem Start der Großen Koalition im Aufschwung. Zum Auftakt der Aussprache zum Bundeshaushalt 2007 sagte sie gestern im Parlament, die Wirtschaft wachse so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr: "Nach Jahren der Stagnation befindet sich das Land wieder im Aufschwung".

Bei genauer Betrachtung allerdings hat Deutschlands Wirtschaft im Verlaufe dieses Jahres vor allem von der durch die drohende MWSt-Erhöhung zu Lasten des nächsten Jahres beförderten Binnenkonjunktur profitiert sowie von einem Dank deutschen Lohndumpings in der Eurozone und einer guten Entwicklung der Absatzmärkte florierenden Export. Hinter diesem Vordergrund hat Deutschland seinen einsamen Sonderweg in die wirtschafts- und sozialpolitische Sackgasse im Wesentlichen fortgesetzt. Die Kombination von fünf Faktoren ist sonst nirgendwo in der Welt unter vergleichbaren Ländern anzutreffen und damit eine einmalige deutsche Mischung:

    (1) negative Entwicklung der realen Einkommen von Arbeitnehmern, Beamten, Arbeitslosen und Rentnern,
    (2) immer noch unbefriedigende Binnenkonjunktur,
    (3) immer noch - gemessen an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes - zu geringe Investitionstätigkeit,
    (3) infolge der verhaltenen Lohnentwicklung hoher Außenhandelsüberschuß mit der Eurozone, in der die Partner nicht mehr abwerten können,
    (4) anhaltende Massenarbeitslosigkeit und
    5) ständige Verunsicherungskampagne an die Adresse der Verbraucher mit Alarmmeldungen zu Renten, Sozialleistungen und Steuern.

Was ist das für ein gefeierter Aufschwung, in dem die Nettolohn- und -gehaltssumme nach Abzug der Inflationsrate gegenüber der Vorjahresperiode um 1 % weiter zurückgegangen ist und die Unternehmens- und Vermögenseinkommen auch im 3. Quartal 2006 gegenüber Vorjahr um 6 % zugenommen haben, sich also die soziale Schere öffnet immer weiter öffnet (Abb. 04054). Im Ergebnis hat der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen weiter abgenommen (Abb. 04027). Die Verdienste der Arbeitnehmer entfernten sich dabei auch im 3. Quartal 2006 gegenüber Vorjahreszeitraum noch weiter von der Produktivität, die im selben Zeitraum um 1,4 % anstieg.

Nicht zuletzt wegen der schlechten Entwicklung der Kaufkraft stagnierte die Nachfrage der privaten Haushalte, von der die deutsche Konjunktur maßgeblich abhängt, weiter um den Wert, den sie vor 6 Jahren erreicht hat, und ist auch im 3. Quartal selbst dem Druck der drohenden Mehrwertsteuererhöhung verhalten geblieben (Abb. 04055).

Besonders stark zurückgefallen ist das Wachstum der inländischen Verwendung des Bruttoinlandsprodukts, nämlich auf eine Stagnationsrate von 0,2 %. gegenüber Vorquartal (Abb. 04644).


Wie kann der Bundeswirtschaftsminister da in seiner heutigen Presseerklärung verlauten lassen: "Die ausführlichen Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im dritten Quartal, die das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat, belegen, dass die Wirtschaft gegenwärtig in guter Verfassung ist und der Aufschwung an Substanz gewonnen hat. Er erhält Impulse sowohl vom Ausland als auch aus dem Inland."?

Die große Frage ist nun was passiert angesichts all der Vorzieheffekte, von den Autos bis zum Eigenheimbau mit der deutschen Konjunktur in 2007? Hierzu gibt es eine neue Prognose von Deutsche Bank Research. Sie zeigt sehr deutlich den Vorzieheffekt durch die MWSt in der Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts, aber auch wie viel schlechter 2007 mit einer Jahreszuwachsrate unter 1 % ausfallen wird, vor allem verglichen mit den G7-Ländern, deren sehr viel leichterer Abschwächungseffekt weitgehend auf die deutsche Situation zurückzuführen ist (Abb. 04640). Nimmt man für Deutschland dann die Entwicklungen in beiden Jahren 2006 und 2007 wie prognostiziert zusammen, so errechnet sich nur eine recht bescheidene Zuwachsrate unter zwei Prozent und zu wenig, um dem Arbeitsmarkt einen dauerhaften Auftrieb zu geben.


Eine ausführliche Analayse aller Einzeldaten enthält der neue Schwerpunkt "3. Quartal: Immer noch ein deutscher Sonderweg".

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 510 23-11-06: Immer mehr Arme in Deutschland

(bitte auch
Startseite besuchen)

Die Zahl derer, die auf laufende Hilfe zum Lebensunterhalt (auch als soziokulturelles Existenzminimum bezeichnet) angewiesen sind, steigt und steigt und liegt insbesondere bei Kindern unter 15 Jahre mit über 8 % relativ hoch. Im Zuge der Hartz-IV-Reform haben allerdings viele Städte die große Mehrheit ihrer Sozialhilfeempfänger für erwerbsfähig erklärt und in das neue, vom Bund finanzierte Arbeitslosengeld II überstellt. Statt dessen veröffentlicht das Statistische Bundesamt jetzt seit 2003 die Zahl von Personen, die Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhalten. Sie können bei Bedürftigkeit von 18- bis 64-jährigen Personen, wenn diese dauerhaft voll erwerbsgemindert sind, sowie von Personen ab 65 Jahren in Anspruch genommen werden. Diese Zahl ist 2005 sprunghaft um 20 % auf 629000 gestiegen (Abb. 04056).


Das StaBuA vermutet als mögliche Ursache für diesen Anstieg unter anderem die fortschreitende Abarbeitung der Grundsicherungsanträge, die in den ersten beiden Jahren, also 2003 sowie 2004, aus unterschiedlichen Gründen noch nicht bewilligt werden konnten, sowie die fortschreitende Umstellung von bisheriger Sozialhilfe auf die neue Sozialleistung.

Auch im internationalen Vergleich der Quoten mit Armutsrisiko schneidet Deutschland, nur von Italien und Großbritannien überboten, nicht besonders gut ab (Abb. 12246).


Frauen stellen in Deutschland mit einem Anteil von 57% die Mehrzahl der Leistungsempfänger. Im Durchschnitt errechnete sich für einen Grundsicherungsempfänger zum Jahresende 2005 ein monatlicher Bruttobedarf von 605 Euro, wovon im Schnitt alleine 252 Euro auf Unterkunft und Heizung entfielen, so daß nur 353 Euro zum übrigen Leben verblieben. Armes Deutschland!

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 509 22-11-06: Neues aus der globalen Finanzwelt: Finanzwetten auf Zins- und Währungsentwicklungen nehmen um ein Viertel auf das 30-Fache der amerikanischen Wirtschaftsleistung zu, „Heuschrecke" mit größtem Zukauf in der Wirtschaftsgeschichte

(bitte auch
Startseite besuchen)

1. Der Markt der Derivative wird immer größer. Der Betrag aller ausstehenden „Terminwetten" sprang im im ersten Halbjahr fast um ein Viertel auf 370 Billionen Dollar. Zum Vergleich: die gesamte Wirtschaftsleistung der USA pro Jahr beträgt etwa 13 Billionen US Dollar (Abb. 13115). Diese Verträge werden meistens „over the counter" zwischen Banken gehandelt und sind daher schwer zu kontrollieren. 56 % davon waren Wetten auf Zinsentwicklungen, 10 % auf Währungsentwicklungen.


Selbst wenn die Derivative saldiert werden, indem neue auf ältere verrechnet werden, ergibt sich immer noch ein Betrag etwa in der Größenordnung der gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung eines Jahres (Abb. 13116).


Neuerdings handeln auch viele Rentenfonds in derartigen Konstrukten, weil die normalen Zinsraten am Geldmarkt gefallen sind. Praktisch wird die gesamte Wirtschaftsleistung der Welt durch solche Verträge mehrfach „überversichert", aber was sich Sicherheit nennt, kann auch ins Auge gehen.

2. Mit dem bislang teuersten Zukauf in der Wirtschaftsgeschichte übernimmt das US Private-Equity-Unternehmen Blackstone für insgesamt 36 Milliarden Dollar die US-Immobilienfirma Equity Office Properties Trust. Das ist fast so viel, wie das gesamte Aktienkapital von DaimlerChrysler wert ist. Blackstone ist weltweit an zahlreichen Firmen beteiligt, seit 2006 unter anderem auch an der Deutschen Telekom; dies war die erste nennenswerte Beteiligung einer ausländischen Private-Equity-Gesellschaft an einem Dax-Konzern. Blackstone soll Berichten zufolge aus Unzufriedenheit mit dem Kurs des Telekommunikationskonzerns den jüngsten Führungswechsel bei der Telekom - von Kai-Uwe Ricke zu René Obermann - betrieben haben. Nach Informationen des SPIEGEL hat Blackstone dem Bundesfinanzministerium einen Sanierungsplan für die Telekom vorgelegt. Außerdem hat Blackstone Ende 2004 in Deutschland 31.000 Wohnungen der Beteiligungsgesellschaft WCM übernommen.

Siehe dazu auch Gedanken zur Zeit 022: Wo soll denn im Zeichen der Globalisierung noch Vollbeschäftigung herkommen?

(bitte auch Startseite besuchen)



global news 508 21-11-06: MWSt-Erhöhung treibt Neuwagenkäufe und Wohnungsneubauten, was aber wird mit der deutschen Konjunktur in 2007?

(bitte auch
Startseite besuchen)

Seit 1992 stieg das Durchschnittsalter deutscher PKWs schrittweise von 6,3 Jahren auf 8 Jahre, sehr viel aufgestauter Ersatzbedarf also. Nun erwartet die Deutsche Bank Research vor der Mehrwertsteueranhebung zum 1. Januar 2007 besondere Vorzieheffekte für das letzte Quartal 2006. Abgeleitet werden diese Prognosen von Erfahrungswerten der letzten Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 1996. Damals wurden in den letzten Monaten vor der Steuererhöhung verstärkt Neuwagenkäufe getätigt. Diese dürften bei einer Steuererhöhung in Höhe von 3%-Punkten auf 19% sogar noch größer ausfallen. Bereits für den Zeitraum Januar bis September ergab sich ein Umsatz-Plus von 3,6 %. Die im September 2006 stark estiegenen Auftragseingänge (+22% gg. Vj.) deutscher Automobilhersteller deuten ebenfalls auf einsetzende Vorzieheffekte hin. Bestätigt wird dies durch einen Anstieg der privaten Neuzulassungen um 5,7% gg. Vj.

Ähnlich vorgezogen entwickelt sich offensicht die Baukonjunktur. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurde von Januar bis September 2006 12,6% mehr Baugenehmigungen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum erteilt. Die Zunahme bei den Eigenheimen ist insbesondere die Folge der Abschaffung der Eigenheimzulage. Schon jetzt deutet sich allerdings ein starker Rückgang an (1. Quartal: + 34,4%, 2. Quartal: + 9,6% und 3. Quartal: - 6,4%). Abb. 04642 zeigt sehr deutlich, wie das drohende Ende der Eigenheimzulage die Baugenehmigungen zeitweise aus dem Keller holte, bevor seit Mitte des Jahres der Abschwung wieder eingesetzt hat. Dementsprechend lagen die Aufträge im gesamten Hoch- und Tiefbau im September um 3,6 % unter dem Vorjahreswert.


Die Deutschen scheinen auch ihre Kapitalmarktanlagen zu plündern, um Mittel für vorgezogene Einkäufe freizumachen. So flossen von Januar bis Oktober bereits 4,9 Mrd Euro aus Aktienfonds zurück, davon allein in dem einen Monat Oktober 1,1 Mrd Euro. Ebenso geht die Zahl der Aktionäre in diesem Jahr weiter zurück, wobei natürlich auch andere Gründe mitspielen, zumal der negative Trend hier schon seit 2001 besteht (Abb. 04641).


Alles sehr schön, aber was passiert dann auf dem deutschen Markt insgesamt in 2007? Auch hierzu gibt es eine Prognose von Deutsche Bank Research. Sie zeigt sehr deutlich den Vorzieheffekt durch die MWSt in der Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts, aber auch wie viel schlechter 2007 mit einer Jahreszuwachsrate um 1 % ausfallen wird, vor allem verglichen mit den G7-Ländern, deren sehr viel leichterer Abschwächungseffekt weitgehend auf die deutsche Situation zurückzuführen ist (Abb. 04640). Bei einer solchen Entwicklung wird die deutsche Arbeitslosenrate wieder weit über die 10 %-Marke steigen. Man kann vermuten, daß die Bundesregierung das unglückliche Timing der MWSt-Erhöhung noch sehr bereuen wird (wenn sie es nicht insgeheim schon tut). Dies gilt erst recht, wenn gleichzeitig die Unternehmenssteuern noch weiter gesenkt werden sollen und der Finanzminister eine flache Einkommenssteuer überhaupt plant, von der nur die hohen Einkommen Vorteile haben werden, ganz zu schweigen von dem Verzicht auf die Erbschaftssteuer bei weitergeführten Personengesellschaften.


(bitte auch Startseite besuchen)



hits

 

Webseite
per EMail
weiterempfehlen

 

Mail-Zugang Fragen +Anregungen

 

Rundbrief bestellen


 

Schaubildboxen

Deutschland

Welt/Umwelt

 

Bookmark

 

 

Interessante Links

 

 

Literatur- Empfeh- lungen