(451) Öffentliche Ausgaben als Konjunkturinstrument
(450) Wie verläßlich sind die positiven Prognosen?
(449) Bildungsbericht: Zu wenig Hochschulabschlüsse, zu wenig Geld in der Bildung
(447) Nirgendwo so schlechte Arbeitsmarktchancen für einfach Gebildete wie in Deutschland
(446) Rückgang des arktischen Permaeises mit 18-facher Geschwindkeit
(445) BILD-Bericht: Deutsche Arbeitslose auf nach China!
(444) Kaufkraft - Billigimporte - Arbeitsmarkt
(442) Treibhauseffekt: Deiche bauen?
(441) OECD-Frühindikatoren weiter im Abschwung
(440) Vor und nach Taliban: Drogenflut (auch Dank Liberalisierung der globalen Finanzmärkte)
(439) Die 12 Haupt-Treibhaus-Sünder
(438) Wieviel Wende? - Zur Diskussion des Haushalts des Bundeswirtschaftsministers am 9. September
(437) Deutschlands Billiglohn-Anteil schon höher als in USA
(434) "Le Monde", "mondialisation" und Prof. Dockès
(432) Nun amtlich: Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands nur noch Mittelmaß und bröckelnd
(431) Immer weniger versicherungspflichtig Beschäftigte pro Erwachsene und arbeitsfähige Jugendliche
(430) Deutsche Unternehmensflucht vor „Heuschrecken" zu Lasten des Arbeitsmarktes?
(429) Nochmal China: Wer beutet wen aus?
(428) Wenig Investitionen = wenig Produktivitätszuwachs
(426) Vergleich der EU-3: Lebensfreude - Konsumfreude - Kinderfreude
(425) GfK-Konjunkturerwartungen: „Gute Stimmung wankt" und „Optimismus bröckelt"
(424) Deutsches Paradox: Höchste Unternehmensgewinne, niedrigste Investitionen
global news 452 27-09-06: Frühindikatoren für deutsche Konjunktur gehen immer mehr auf rot, die deutsche Politik ist nicht beeindruckt
Nach dem OECD-Frühindikator haben jetzt auch die Erwartungsindices von ZEW (deutsche Finanzmarktexperten) und Ifo (Unternehmenserwartungen) weiter nachgegeben; siehe Abb. 04588 und 04589.


Dabei sank der ZEW-Index auf einen Negativwert, wie es ihn seit 1999 nicht mehr gegeben hat. Nach einer Studie der Commerzbank hat der ZEW-Index seit 1990 alle Konjunkturabschwünge mit einem Vorlauf von etwa 6 bis 7 Monaten korrekt angezeigt (Abb. 04607).

Der Bundeswirtschafsminister will diese Warnzeichen dennoch nicht ernst nehmen. Sein Pressebüro hat zum letzten ZEW-Index verlauten lassen: „Nach der insgesamt starken gesamtwirtschaftlichen Aufwärtsdynamik in der ersten Hälfte dieses Jahres, die sich nach der positiven Entwicklung der Industrie- und Bauproduktion auch im Juli fortgesetzt hat, rechnen die Finanzanalysten offensichtlich mit einer etwas moderateren konjunkturellen Dynamik. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, erklärte: Die Konjunkturlage ist weiterhin aufwärtsgerichtet. Auch die anhaltend lebhafte Bestelltätigkeit in der Industrie und im Baugewerbe sprechen dafür, daß sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetzt."
So kann ein falscher Optimismus eine richtige Politik verhindern, z.B. eine Verschiebung der Mehrwertsteuererhöhung oder ein offenes Eintreten für eine bessere Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen, wie dies der Bundeswirtschaftsminister noch zu Anfang seiner Amtszeit getan hat.
Ein Hinweis und eine Bitte: Die täglichen Rundbriefe werden mit einem erheblichen Eigeneinsatz an Zeit und Kosten erstellt. Verschiedene Internet Newsprogramme linken mit einzelnen Rundbriefen, was natürlich sehr begrüßt wird. Da sich deren Besucher meist auf die jeweilige Auswahl verlassen, trägt dies leider zu einem ziemlich unregelmäßigen Besuch bei (siehe die Grafik) und wichtige Beiträge fallen zu oft durch die Ritzen. Das wirft natürlich am Ende die Frage nach der Berechtigung eines täglichen Rhytmus auf. Ich möchte Sie daher bitten, möglichst oft direkt hereinzuschauen und auch auf Ihrem Browser ein Lesezeichen einzurichten. Und empfehlen Sie die Webseite bitte weiter. Vielen Dank!

global news 451 21-09-06: Öffentliche Ausgaben als Konkunkturinstrument
Großbritannien zieht derzeit in der Blair-Schlußphase Bilanz. Die Financial Times (FT) hat die Wirtschaftsleistung untersucht. Seit 2000 hat die Beschäftigung um 1,2 Millionen zugenommen und ist die Arbeitslosenquote von 7,2 % auf nur noch 5,5 % heruntergeholt worden. In Großbritannien sind 72,6 % derer zwischen 15 und 65 beschäftigt, dagegen in Deutschland nur 65,5 %. In Nationaleinkommen pro Kopf zu Kaufkrafteinheiten hat sich das Land vom 7. Platz der G7 auf den 2. Platz direkt hinter den USA hochgearbeitet. Wie war das möglich? Die FT untersucht sieben Elemente der britischen Entwicklung. Dabei werden zwei herausgestellt, bei denen sich Großbritannien diametral entgegengesetzt zu Deutschland entwickelt hat, erstens die beherrschende Rolle der privaten Nachfrage und zweitens das, was die FT „aktives Regieren" nennt, das Gegensteuern der Regierung mit öffentlichen Ausgaben gegen die sich seit 2000 abschwächende Weltkonjunktur. In der Tat, diese Ausgaben sind um 8,3 % des BIP gestiegen, während sie in Deutschland nur um 1 % zugenommen haben und seit 2003 sogar um 2,3 % zurückgegangen sind (Abb. 12231).

global news 450 20-09-06: Wie verläßlich sind die positiven Prognosen?
Das derzeitige Treffen von Weltwährungsfonds und Weltbank in Singapur führt zu einer kleinen Lawine beruhigender Prognosen. So sagt der IWF der Eurozone für das nächste Jahr ein Wachstum von 2 % vorraus. In der Financial Times hat Wolfgang Münchau frühere Prognosen des IWF für den Zeitraum 2001-2005 mit der späteren Wirklichkeit verglichen. Ergebnis: Sie waren immer viel zu optimistisch und niemals zu pessimistisch. Für diese 4-Jahres-Periode waren die jedes Jahr getroffenen Vorraussagen für Deutschland im Durchschnitt um 1,7 % zu optimistisch und für Italien sogar um 2,1 %. Munchaus Schlußfolgerung: Die Wahrscheinlichkeit, daß es der IWF für 2007 auch nur entfernt richtig kriegt ist geringer als die Möglichkeit eines ernsten negativen Schocks.
Die Daten der Eurozone sind bereits recht widersprüchlich. Im Juli ist die Industrieproduktion saisonal bereinigt etwas zurückgefallen, nachdem sie schon im Juni stagnierte (Abb. 12230). Ohne den Energiesektor, der seine Produktion steigern konnte, wäre der Rückgang noch deutlicher gewesen. Besonders abgeschwächt hat sich die Entwicklung in Frankreich, während in Deutschland die Industrieproduktion im Juli noch um 1,2 % gegenüber Vormonat gestiegen ist; aber das meiste war wohl für den Export.

global news 449 19-09-06: Bildungsbericht: Zu wenig Hochschulabschlüsse, zu wenig Geld in der Bildung
Nach dem neuesten Bildungsbericht der OECD landet Deutschland mit einem Anteil von Hochschulabsolventen an allen Erwachsenen von nur 25 % nur auf Platz 17 des OECD-Vergleichsfeldes der ersten 20 Länder (Abb. 13087). Was noch schlimmer ist: In der Gruppe der jüngeren von 25 bis 35 Jahren - also der akademische Nachwuchs - fällt Deutschland weiter ab (Abb. 13088).


Für das Jahr 2004 lag Deutschland mit einer Hochschulabschlußquote von nur 20,6 % des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 34,8 % (Abb. 13001). Anders als die meisten anderen Länder hat Deutschland die Abschlußquote zwischen 2000 und 2004 kaum verbessern können (Abb. 13089). Weniger Akademiker als in Deutschland werden nur noch in drei OECD-Staaten ausgebildet: in der Tschechischen Republik, Österreich und der Türkei. "Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können", so die Studie. Das sei mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung Besorgnis erregend.


Die anhaltende deutsche Bildungsmisere in allen Bereichen hängt auch mit dem geringen Einsatz öffentlicher Mittel im Bildungssystem zusammen. Hier rangiert Deutschland ebenfalls unter "ferner liefen". Mit einem Einsatz von nur 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts unterbietet Deutschland noch den OECD-Durchschnitt von 5,5 % und liegt weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark mit 8,3 %, auf dem 21. Platz von 29 Vergleichsändern der OECD (Abb. 13004). Noch weiter hinten liegt Deutschland bei den Ausgaben pro Grundschüler (Abb. 13092).


Mehr zum Thema Bildung hier.
global news 448 18-09-06: Datenreport 2006 des Statistischen Bundesamts: Unzufriedenheit und Pessimismus mit der wirtschaftlichen Lage breiten sich seit 2000 stark aus
Das Statistische Bundesamt hat jetzt den „Datenreport 2006" in der elften Ausgabe seit 1983 herausgegeben. Dabei zeigt sich deutlich, wie stark seit dem Jahr 2000 die Lebenszufriedenheit nachgelassen und das Gefühl, nicht einen gerechten Anteil am Wohlstand zu bekommen, zugenommen hat. Allgemein wird seitdem verstärkt auch für die Zukunft eine Verschlechterung der Lebensbedingungen erwartet. Und seit 2004, dem Ende dieser Erfassung, dürfte sich die Lage für sehr viele eher weiter verschlechtert haben.
Seit 1990 wurde die ost- und die westdeutsche Bevölkerung insgesamt 15-mal befragt, was nach Ansicht des StaBuA eine sehr detaillierte Beschreibung der langfristigen Entwicklung der Zufriedenheit im vereinigten Deutschland ermöglicht. Aus der in Abb. 04603 dargestellten Entwicklung der allgemeinen Lebenszufriedenheit ist abzulesen, daß die Werte in Ostdeutschland nach der deutschen Vereinigung zunächst deutlich zurückgegangen waren, bevor bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre eine Annäherung der Zufriedenheit in beiden Landesteilen stattfand. Jedoch erfolgte diese Annäherung nicht in der ursprünglich erhofften Weise einer Angleichung an das konstant hohe westdeutsche Niveau, sondern wurde auch durch einen Rückgang der Zufriedenheit in den alten Bundesländern getragen, vor allem seit dem Jahr 2000. Seitdem ist es zu einer Verfestigung der noch bestehenden Ost-West Unterschiede gekommen.

Das Gefühl, weniger als den gerechten Anteil am allgemeinen Wohlstand zu erhalten, hat sich in Westdeutschland zwischen 2002 und 2004 bei den Erwerbstätigen und Rentnern verstärkt (sowohl Männer wie Frauen), siehe Abb. 04604. In Ostdeutschland zeigen sich ähnliche Tendenzen, doch haben hier die Arbeitslosen in besonders zunehmendem Maße das Gefühl, nicht ihren gerechten Anteil am Wohlstand zu erhalten (Abb. 04605).


Parallel zur wachsenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Anteil am Wohlstand wächst auch die Befürchtung, daß „eine Verschlechterung der Lebensbedingungen für die einfachen Leute" zu erwarten sei. Dieser Aussage stimmen im Jahr 2004 fast alle Befragten in Ostdeutschland (94 %) und eine breite Mehrheit in Westdeutschland (87 %) zu. Die sich eintrübende Stimmung kann man auch an der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage ablesen. Der Anteil der Befragten, der eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands in einem Jahr erwartet, ist in Ost- und Westdeutschland seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen (Abb. 04606). Zugleich ist der Anteil derjenigen, die in einem Jahr eine Verbesserung erwarten, zwischen 2002 und 2004 zurückgegangen.

global news 447 17-09-06: Nirgendwo so schlechte Arbeitsmarktchancen für einfach Gebildete wie in Deutschland
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Durchschnitt des Jahres 2005 in Deutschland 16,2 % der Erwerbspersonen mit einfachem formalem Bildungsniveau erwerbslos, aber nur 5,3% derer, die einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss vorweisen konnten. Die Erwerbslosenquote bei mittlerem Bildungsabschluss - also dem Abitur oder einer Berufsausbildung - betrug 9,2% .
Die Bundesrepublik gehört damit im europäischen Vergleich zu den Ländern mit deutlich schlechteren beruflichen Perspektiven für niedrig qualifizierte Personen. Unter vergleichbaren Ländern, d.h. ohne Osteueropa, lag sie auf dem letzten Platz (Abb. 12228) und war der Abstand bei der Erwerbslosenquote zwischen einfach und höher Gebildeten nirgendwo so groß wie hier (Abb. 12229).


Zu dieser Entwicklung trägt auch der ständige Rückgang von Arbeitsplätzen im Handwerk bei (2. Quartal 06 gegenüber 05 minus 0,8 %, seit 2. Quartal 2003 7,9 %), kombiniert mit dem Mangel an Lehrstellen (Abb. 04602).

global news 446 16-09-06: Rückgang des arktischen Permaeises mit 18-facher Geschwindkeit
Ein NASA Satellit hat Bilder vom Rückgang des Permaeises in der Arktik in nur einem Jahr von 2004 bis 2005 aufgenommen. Während in den letzten Jahrzehnten der Rückgang bei etwa 0,7 % pro Jahr lag, wurde jetzt auf 2005 ein Rückgang um 14 % oder etwa der Fläche von Pakistan oder Türkei gemessen (Abb. 07079). Das entsprach dem 18-Fachen der früheren Geschwindigkeit und war die kleinste jemals gemessene Fläche an arktischem Permaeis, seit 1978 Satelliten verfügbar wurden. Noch ist nicht ganz klar, ob evt. auch veränderte Winde zu dieser dramatischen Entwicklung beigetragen haben.

Die Arktik erwärmt sich etwa zweimal stärker als die globale Temperatur (Abb. 07080). Mit weniger Eis wird auch weniger Sonnenlicht reflektiert und beschleunigt sich der Erwärmungsprozeß weiter.

Die Emissionsintensität (Emissionen/BIP) zeigt Spitzenwerte für China und USA, die 50 % und 42 % über dem Wert für Europa liegen (Abb. 07091).

global news 445 16-09-06: BILD-Bericht: Deutsche Arbeitslose auf nach China!
BILD zeigt wieder einmal ein besonders übles Beispiel von Propaganda gegen die Rechte deutscher Arbeitnehmer. Unter der Überschrift „Weltbank-Studie beweist: Deutschlands Arbeitsmarkt starrer als in China" werden Daten aus dem Weltbankbericht „Doing Business in 2006" gepickt, der 175 Länder vergleicht. China wird in dieser Liste auf Platz 78 geführt und dann mit Hong Kong China, dessen Arbeitsmarkt immer noch weitgehend von den unter englischer Herrschaft geschaffenen Regeln besteht und damit für Platz 16 sorgt.
Originalton BILD: Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos - gleichzeitig ist unser Arbeitsmarkt unflexibel und bürokratisch - viel schlimmer als im sozialistischen China! Das enthüllt die Weltbank in einem Schock-Bericht!
Hier sind 112 Länder, die als vor Deutschland rangierend dem BILD-Leser vorenthalten werden und einen deutlichen Eindruck von der übrigen Qualität des Berichts vermitteln (vielleicht will BILD deutschen Arbeitslosen empfehlen nach dem auf Platz 63 und damit weit vor Deutschland gesetzten Afghanistan oder nach Rwanda auszuwandern):
Marshall Islands, Tonga, Maldives, Georgia, Palau, Uganda, Samoa, Micronesia, Belize, Hong Kong China, Kiribati, Papua New Guinea, Kuwait, Saudi Arabia, Kazakhstan, Gambia, Jamaica, Trinidad and Tobago, Fiji, St. Lucia, Jordan, Belarus, Nicaragua, Puerto Rico, Grenada, St. Kitts and Nevis, Haiti, Malaysia, Suriname, Antigua and Barbuda, Armenia, Iceland, Lebanon, Namibia, Thailand, Swaziland, St. Vincent and the Grenadines, Poland, Dominica, Oman, Tajikistan, Solomon Islands, Yemen, Eritrea, Nigeria, United Arab Emirates, Chile, Uruguay, Guyana, Mongolia, Botswana, Kyrgyz Republic, Mauritius, Costa Rica, Azerbaijan, Uzbekistan, Kenya, Malawi, El Salvador, Lao PDR, Slovakia, Serbia, Afghanistan, Bangladesh, Montenegro, Colombia, China, Ethiopia, Zambia, Honduras, Israel, Ireland, Seychelles, Guinea, Netherlands, Russia, South Africa, Syria, Hungary, Lesotho, Tunisia, Algeria, Bosnia and Herzegovina, Vanuatu, West Bank and Gaza, Sri Lanka, Brazil, Bulgaria, Romania, Vietnam, Guatemala, Rwanda, Ukraine, Mexico, Korea, India, Albania, Iraq, Timor-Leste, Bhutan, Macedonia, FYR, Philippines, Lithuania, Ghana, Benin, Zimbabwe, Latvia, Cambodia, Djibouti, Pakistan, Dominican Republic, Moldova.
Die Studie kommt von der Weltbanktochter IFC, dem Investitionsarm der Weltbank. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, daß die Weltbank in den meisten dieser Länder an eigene Investitionen auch nur denken würde. Übrigens, es sind besonders die deutschen Arbeitszeitregeln, die Strafpunkte gegenüber diesen 112 und weiteren Ländern bringen. Einfach abschaffen! Die Leute sollen wieder 80 Stunden wie in China arbeiten!
global news 444 15-09-06: Kaufkraft - Billigimporte - Arbeitsmarkt
Immer wieder wird gegen eine überfällige Erhöhung der Massenkaufkraft durch eine Lohnpolitik wie in den anderen Eurozonenländern statt realem Kaufkraftrückgang eingewandt, daß dies nur der importierten Billigware zugute kommen würde, nicht aber dem deutschen Arbeitsmarkt.
Daran ist nur der kleinere Teil richtig. Denn mehr Kaufkraft heißt zunächst einmal mehr Nachfrage in allen anderen Sektoren, die nicht vom Import abhängen, und das ist der größere Teil der deutschen Volkswirtschaft, wie viele Dienstleistungen, Wohnraum, etc.. Der Wert der Importe aus allen EU-Beitritts- und -Kandidatenländern, China, Südostasien, Indien, Bangladesh und Sri Lanka zusammen betrug im 1. Halbjahr 2006 gerade mal 71 Mrd Euro oder 7 % der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands. Noch sind die Anteile der Importe aus Niedriglohnländern an den deutschen Gesamtimporten begrenzt, was sich allerdings in der Perspektive über die nächsten 10 Jahre ändern wird; Abb. 04601 zeigt einige Prognose-Beispiele.

Was den deutschen Arbeitsmarkt bisher weit stärker belastet, ist die Verlagerung von Produktion ins Ausland, so daß nicht mehr in Deutschland produziert und von hier exportiert wird. Die deutsche Automobilindustrie ist dafür exemplarisch. Nur noch 16 % ihrer Produktion in 2004 wurden in Deutschland produziert und verkauft (Abb. 04600). Daran ist teilweise wieder die mangelnde Massenkaufkraft und damit die müde deutsche Binnenkonjunktur schuld, die hier den Absatz von in Deutschland produzierten Autos drückt.

global news 443 15-09-06: Wo bleibt die Wende? 3. Quartal startet mit Negativdaten der deutschen Industrie / Deutschland weiter EU-Schlußlicht
Wie die heutigen Daten der gewerblichen Wirtschaft für Januar - Juli mit einem Rückgang des realen Inlandsabsatzes um 2 %, der Beschäftigung um 1 % und der Lohn- und Gehaltssumme um 0,4 % zeigen (StaBuA meldet nur nominal!), ist das Jahr trotz der Jubelmeldungen zum 2. Quartal sehr durchwachsen und mindestens teilweise eher negativ gestartet, besonders im Bereich Arbeit und Arbeitseinkommen (Abb. 04009). Das ist umso erstaunlicher, als sich die Weltwirtschaft und die Nachbarn in der Eurozone derzeit ausgesprochen gut entwickeln.

Die Daten ergänzen andere Vorsichtszeichen, wie:
(1) vom Arbeitsmarkt mit einem Wiederanstieg der saisonal bereinigten Arbeitslosigkeit im August und einer Kaum-Veränderung bei den versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, oder
(2) vom Einzelhandelsumsatz, der für den Zeitraum Januar bis Juli 2006 nur eine minimale Steigerungsrate von 0,8 % gegenüber Vorjahr zeigt (und die kommt nur von den MWSt-gefährdeten Nicht-Lebensmitteln) oder
(3) von der Konsumgüterproduktion, deren Index im Juli beim Wert von Oktober letzten Jahres verharrte und das bei einem Rückgang des Auftragseingangs um 2 % gegenüber Vorjahr.
Ebenso demonstrieren die heutigen Zahlen von Eurostat, daß Deutschland bei der Beschäftigungsentwicklung (Abb. 12226) und den Arbeitskosten Schlußlicht am unteren EU-Ende geblieben ist (Abb. 12227).


global news 442 14-09-06: Treibhauseffekt: Deiche bauen?
Die Temperaturentwicklung hat sich seit etwa 1960 total von den Modellen gelöst, die die Entwicklung auf der Basis der natürlichen Zyklen von Sonnen- und Vulkanaktivität vorraussagen (Abb. 07078).

Dies löst nun ein immer schnelleres Schmelzen der Eiskappen an den Polen und der Gletscher auf den Bergen aus. Soweit die Eiskappen, wie in der Arktis schwimmen, hat dies keine Auswirkung auf die Höhe des Meeresspiegels. Wenn aber das auf Land aufliegende antarktische Eis und das auf Grönland schmilzt, erhöht sich zwangsläufig der Meeresspiegel. Dabei kommt es über lange Zeiträume zu enormen Unterschieden. In der Spitze der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren lag der Meeresspiegel nicht weniger als 130 Meter niedriger. Nun aber haben unter dem Druck der steigenden Temperatur die Gletscher und Eismassen zu galoppieren begonnen. Der Zusammenbruch des Eisfelds Larsen B in der Antarktik hat die Gletscherbewegung dahinter von einigen hundert Metern pro Jahr auf einige Kilometer beschleunigt. Der größte Gletscher Grönlands hat seine Bewegung zwischen 1997 und 2003 verdoppelt und trägt nun bereits meßbar zur Erhöhung des Meeresspiegels bei.
Wissenschaftliche Messungen zeigen, daß sich der jährliche Anstieg des Meeresspiegels von durchschnittlich etwa 2 mm pro Jahr im letzten Jahrhundert bereits auf 4 mm in den 90er Jahren erhöht hat. Selbst bei dieser Rate ist es eine sehr langfristige Entwicklung von 40cm in 100 Jahren. Aber niemand weiß, ob es bei dieser Geschwindigkeit bleibt, oder ob sie sich nicht weiter erhöhen wird. Sollte das bis zu 3 km starke Grönlandeis schmelzen, so würde sich der Meeresspiegel um 6 m erhöhen. Das anarktische Eis von 4,2 km Stärke, dessen Schelze allerdings niemand für eine vorraussehbare Zukunft erwartet, würde weitere 70 m hinzufügen. Aber schon ein Anstieg um nur 1 m würde z.B. 17 % der Landfläche von Bangladesch versenken und schwere Probleme für Küstenstädte wie New York und London heraufbeschwören. Vorsichtshalber rät der bekannte britische Wissenschaftler James Lovelock, schon jetzt mit einem gigantischen Deichbauprogramm in Großbritannien zu beginnen.





























































