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Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(452) Frühindikatoren für deutsche Konjunktur gehen immer mehr auf rot, die deutsche Politik ist nicht beeindruckt

(451) Öffentliche Ausgaben als Konjunkturinstrument

(450) Wie verläßlich sind die positiven Prognosen?

(449) Bildungsbericht: Zu wenig Hochschulabschlüsse, zu wenig Geld in der Bildung

(448) Datenreport 2006 des Statistischen Bundesamts: Unzufriedenheit und Pessimismus mit der wirtschaftlichen Lage breitet sich seit 2000 stark aus

(447) Nirgendwo so schlechte Arbeitsmarktchancen für einfach Gebildete wie in Deutschland

(446) Rückgang des arktischen Permaeises mit 18-facher Geschwindkeit

(445) BILD-Bericht: Deutsche Arbeitslose auf nach China!

(444) Kaufkraft - Billigimporte - Arbeitsmarkt

(443) Wo bleibt die Wende? 3. Quartal startet mit Negativdaten der deutschen Industrie / Deutschland weiter EU-Schlußlicht

(442) Treibhauseffekt: Deiche bauen?

(441) OECD-Frühindikatoren weiter im Abschwung

(440) Vor und nach Taliban: Drogenflut (auch Dank Liberalisierung der globalen Finanzmärkte)

(439) Die 12 Haupt-Treibhaus-Sünder

(438) Wieviel Wende? - Zur Diskussion des Haushalts des Bundeswirtschaftsministers am 9. September

(437) Deutschlands Billiglohn-Anteil schon höher als in USA

(436) Industrieproduktion im Juli 2006: +4,6 % gegenüber Vorjahr, doch Konsumgüterproduktion nur + 0.9

(435) Die Angst des Wissenschaftlers vor dem Treibhauseffekt - heute in 17 Jahren was früher 1.000 brauchte

(434) "Le Monde", "mondialisation" und Prof. Dockès

(433) Auftragseingang der deutschen Industrie: Inlandsaufträge Juni/Juli 2005/06 für die deutsche Industrie plus 5,1 %, aber Konsumgüterindustrie minus 1,6 %

(432) Nun amtlich: Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands nur noch Mittelmaß und bröckelnd

(431) Immer weniger versicherungspflichtig Beschäftigte pro Erwachsene und arbeitsfähige Jugendliche

(430) Deutsche Unternehmensflucht vor „Heuschrecken" zu Lasten des Arbeitsmarktes?

(429) Nochmal China: Wer beutet wen aus?

(428) Wenig Investitionen = wenig Produktivitätszuwachs

(427) Wo bleibt die angebliche Wende? Saisonal bereinigt wieder mehr Arbeitslose, Einzelhandelsumsatz sinkt um 1,5 %

(426) Vergleich der EU-3: Lebensfreude - Konsumfreude - Kinderfreude

(425) GfK-Konjunkturerwartungen: „Gute Stimmung wankt" und „Optimismus bröckelt"

(424) Deutsches Paradox: Höchste Unternehmensgewinne, niedrigste Investitionen




global news 452 27-09-06: Frühindikatoren für deutsche Konjunktur gehen immer mehr auf rot, die deutsche Politik ist nicht beeindruckt

Nach dem OECD-Frühindikator haben jetzt auch die Erwartungsindices von ZEW (deutsche Finanzmarktexperten) und Ifo (Unternehmenserwartungen) weiter nachgegeben; siehe Abb. 04588 und 04589.



Dabei sank der ZEW-Index auf einen Negativwert, wie es ihn seit 1999 nicht mehr gegeben hat. Nach einer Studie der Commerzbank hat der ZEW-Index seit 1990 alle Konjunkturabschwünge mit einem Vorlauf von etwa 6 bis 7 Monaten korrekt angezeigt (Abb. 04607).


Der Bundeswirtschafsminister will diese Warnzeichen dennoch nicht ernst nehmen. Sein Pressebüro hat zum letzten ZEW-Index verlauten lassen: „Nach der insgesamt starken gesamtwirtschaftlichen Aufwärtsdynamik in der ersten Hälfte dieses Jahres, die sich nach der positiven Entwicklung der Industrie- und Bauproduktion auch im Juli fortgesetzt hat, rechnen die Finanzanalysten offensichtlich mit einer etwas moderateren konjunkturellen Dynamik. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, erklärte: Die Konjunkturlage ist weiterhin aufwärtsgerichtet. Auch die anhaltend lebhafte Bestelltätigkeit in der Industrie und im Baugewerbe sprechen dafür, daß sich der Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetzt."

So kann ein falscher Optimismus eine richtige Politik verhindern, z.B. eine Verschiebung der Mehrwertsteuererhöhung oder ein offenes Eintreten für eine bessere Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen, wie dies der Bundeswirtschaftsminister noch zu Anfang seiner Amtszeit getan hat.


Ein Hinweis und eine Bitte: Die täglichen Rundbriefe werden mit einem erheblichen Eigeneinsatz an Zeit und Kosten erstellt. Verschiedene Internet Newsprogramme linken mit einzelnen Rundbriefen, was natürlich sehr begrüßt wird. Da sich deren Besucher meist auf die jeweilige Auswahl verlassen, trägt dies leider zu einem ziemlich unregelmäßigen Besuch bei (siehe die Grafik) und wichtige Beiträge fallen zu oft durch die Ritzen. Das wirft natürlich am Ende die Frage nach der Berechtigung eines täglichen Rhytmus auf. Ich möchte Sie daher bitten, möglichst oft direkt hereinzuschauen und auch auf Ihrem Browser ein Lesezeichen einzurichten. Und empfehlen Sie die Webseite bitte weiter. Vielen Dank!


global news 451 21-09-06: Öffentliche Ausgaben als Konkunkturinstrument

Großbritannien zieht derzeit in der Blair-Schlußphase Bilanz. Die Financial Times (FT) hat die Wirtschaftsleistung untersucht. Seit 2000 hat die Beschäftigung um 1,2 Millionen zugenommen und ist die Arbeitslosenquote von 7,2 % auf nur noch 5,5 % heruntergeholt worden. In Großbritannien sind 72,6 % derer zwischen 15 und 65 beschäftigt, dagegen in Deutschland nur 65,5 %. In Nationaleinkommen pro Kopf zu Kaufkrafteinheiten hat sich das Land vom 7. Platz der G7 auf den 2. Platz direkt hinter den USA hochgearbeitet. Wie war das möglich? Die FT untersucht sieben Elemente der britischen Entwicklung. Dabei werden zwei herausgestellt, bei denen sich Großbritannien diametral entgegengesetzt zu Deutschland entwickelt hat, erstens die beherrschende Rolle der privaten Nachfrage und zweitens das, was die FT „aktives Regieren" nennt, das Gegensteuern der Regierung mit öffentlichen Ausgaben gegen die sich seit 2000 abschwächende Weltkonjunktur. In der Tat, diese Ausgaben sind um 8,3 % des BIP gestiegen, während sie in Deutschland nur um 1 % zugenommen haben und seit 2003 sogar um 2,3 % zurückgegangen sind (Abb. 12231).



global news 450 20-09-06: Wie verläßlich sind die positiven Prognosen?

Das derzeitige Treffen von Weltwährungsfonds und Weltbank in Singapur führt zu einer kleinen Lawine beruhigender Prognosen. So sagt der IWF der Eurozone für das nächste Jahr ein Wachstum von 2 % vorraus. In der Financial Times hat Wolfgang Münchau frühere Prognosen des IWF für den Zeitraum 2001-2005 mit der späteren Wirklichkeit verglichen. Ergebnis: Sie waren immer viel zu optimistisch und niemals zu pessimistisch. Für diese 4-Jahres-Periode waren die jedes Jahr getroffenen Vorraussagen für Deutschland im Durchschnitt um 1,7 % zu optimistisch und für Italien sogar um 2,1 %. Munchaus Schlußfolgerung: Die Wahrscheinlichkeit, daß es der IWF für 2007 auch nur entfernt richtig kriegt ist geringer als die Möglichkeit eines ernsten negativen Schocks.

Die Daten der Eurozone sind bereits recht widersprüchlich. Im Juli ist die Industrieproduktion saisonal bereinigt etwas zurückgefallen, nachdem sie schon im Juni stagnierte (Abb. 12230). Ohne den Energiesektor, der seine Produktion steigern konnte, wäre der Rückgang noch deutlicher gewesen. Besonders abgeschwächt hat sich die Entwicklung in Frankreich, während in Deutschland die Industrieproduktion im Juli noch um 1,2 % gegenüber Vormonat gestiegen ist; aber das meiste war wohl für den Export.



global news 449 19-09-06: Bildungsbericht: Zu wenig Hochschulabschlüsse, zu wenig Geld in der Bildung

Nach dem neuesten Bildungsbericht der OECD landet Deutschland mit einem Anteil von Hochschulabsolventen an allen Erwachsenen von nur 25 % nur auf Platz 17 des OECD-Vergleichsfeldes der ersten 20 Länder (Abb. 13087). Was noch schlimmer ist: In der Gruppe der jüngeren von 25 bis 35 Jahren - also der akademische Nachwuchs - fällt Deutschland weiter ab (Abb. 13088).



Für das Jahr 2004 lag Deutschland mit einer Hochschulabschlußquote von nur 20,6 % des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 34,8 % (Abb. 13001). Anders als die meisten anderen Länder hat Deutschland die Abschlußquote zwischen 2000 und 2004 kaum verbessern können (Abb. 13089). Weniger Akademiker als in Deutschland werden nur noch in drei OECD-Staaten ausgebildet: in der Tschechischen Republik, Österreich und der Türkei. "Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können", so die Studie. Das sei mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung Besorgnis erregend.



Die anhaltende deutsche Bildungsmisere in allen Bereichen hängt auch mit dem geringen Einsatz öffentlicher Mittel im Bildungssystem zusammen. Hier rangiert Deutschland ebenfalls unter "ferner liefen". Mit einem Einsatz von nur 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts unterbietet Deutschland noch den OECD-Durchschnitt von 5,5 % und liegt weit hinter dem Spitzenreiter Dänemark mit 8,3 %, auf dem 21. Platz von 29 Vergleichsändern der OECD (Abb. 13004). Noch weiter hinten liegt Deutschland bei den Ausgaben pro Grundschüler (Abb. 13092).



Mehr zum Thema Bildung hier.


global news 448 18-09-06: Datenreport 2006 des Statistischen Bundesamts: Unzufriedenheit und Pessimismus mit der wirtschaftlichen Lage breiten sich seit 2000 stark aus

Das Statistische Bundesamt hat jetzt den „Datenreport 2006" in der elften Ausgabe seit 1983 herausgegeben. Dabei zeigt sich deutlich, wie stark seit dem Jahr 2000 die Lebenszufriedenheit nachgelassen und das Gefühl, nicht einen gerechten Anteil am Wohlstand zu bekommen, zugenommen hat. Allgemein wird seitdem verstärkt auch für die Zukunft eine Verschlechterung der Lebensbedingungen erwartet. Und seit 2004, dem Ende dieser Erfassung, dürfte sich die Lage für sehr viele eher weiter verschlechtert haben.

Seit 1990 wurde die ost- und die westdeutsche Bevölkerung insgesamt 15-mal befragt, was nach Ansicht des StaBuA eine sehr detaillierte Beschreibung der langfristigen Entwicklung der Zufriedenheit im vereinigten Deutschland ermöglicht. Aus der in Abb. 04603 dargestellten Entwicklung der allgemeinen Lebenszufriedenheit ist abzulesen, daß die Werte in Ostdeutschland nach der deutschen Vereinigung zunächst deutlich zurückgegangen waren, bevor bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre eine Annäherung der Zufriedenheit in beiden Landesteilen stattfand. Jedoch erfolgte diese Annäherung nicht in der ursprünglich erhofften Weise einer Angleichung an das konstant hohe westdeutsche Niveau, sondern wurde auch durch einen Rückgang der Zufriedenheit in den alten Bundesländern getragen, vor allem seit dem Jahr 2000. Seitdem ist es zu einer Verfestigung der noch bestehenden Ost-West Unterschiede gekommen.


Das Gefühl, weniger als den gerechten Anteil am allgemeinen Wohlstand zu erhalten, hat sich in Westdeutschland zwischen 2002 und 2004 bei den Erwerbstätigen und Rentnern verstärkt (sowohl Männer wie Frauen), siehe Abb. 04604. In Ostdeutschland zeigen sich ähnliche Tendenzen, doch haben hier die Arbeitslosen in besonders zunehmendem Maße das Gefühl, nicht ihren gerechten Anteil am Wohlstand zu erhalten (Abb. 04605).



Parallel zur wachsenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Anteil am Wohlstand wächst auch die Befürchtung, daß „eine Verschlechterung der Lebensbedingungen für die einfachen Leute" zu erwarten sei. Dieser Aussage stimmen im Jahr 2004 fast alle Befragten in Ostdeutschland (94 %) und eine breite Mehrheit in Westdeutschland (87 %) zu. Die sich eintrübende Stimmung kann man auch an der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage ablesen. Der Anteil der Befragten, der eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands in einem Jahr erwartet, ist in Ost- und Westdeutschland seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen (Abb. 04606). Zugleich ist der Anteil derjenigen, die in einem Jahr eine Verbesserung erwarten, zwischen 2002 und 2004 zurückgegangen.



global news 447 17-09-06: Nirgendwo so schlechte Arbeitsmarktchancen für einfach Gebildete wie in Deutschland

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Durchschnitt des Jahres 2005 in Deutschland 16,2 % der Erwerbspersonen mit einfachem formalem Bildungsniveau erwerbslos, aber nur 5,3% derer, die einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss vorweisen konnten. Die Erwerbslosen­quote bei mittlerem Bildungsabschluss - also dem Abitur oder einer Berufsausbildung - betrug 9,2% .

Die Bundesrepublik gehört damit im europäischen Vergleich zu den Ländern mit deutlich schlechteren beruflichen Perspektiven für niedrig qualifizierte Personen. Unter vergleichbaren Ländern, d.h. ohne Osteueropa, lag sie auf dem letzten Platz (Abb. 12228) und war der Abstand bei der Erwerbslosenquote zwischen einfach und höher Gebildeten nirgendwo so groß wie hier (Abb. 12229).


Zu dieser Entwicklung trägt auch der ständige Rückgang von Arbeitsplätzen im Handwerk bei (2. Quartal 06 gegenüber 05 minus 0,8 %, seit 2. Quartal 2003 7,9 %), kombiniert mit dem Mangel an Lehrstellen (Abb. 04602).



global news 446 16-09-06: Rückgang des arktischen Permaeises mit 18-facher Geschwindkeit

Ein NASA Satellit hat Bilder vom Rückgang des Permaeises in der Arktik in nur einem Jahr von 2004 bis 2005 aufgenommen. Während in den letzten Jahrzehnten der Rückgang bei etwa 0,7 % pro Jahr lag, wurde jetzt auf 2005 ein Rückgang um 14 % oder etwa der Fläche von Pakistan oder Türkei gemessen (Abb. 07079). Das entsprach dem 18-Fachen der früheren Geschwindigkeit und war die kleinste jemals gemessene Fläche an arktischem Permaeis, seit 1978 Satelliten verfügbar wurden. Noch ist nicht ganz klar, ob evt. auch veränderte Winde zu dieser dramatischen Entwicklung beigetragen haben.


Die Arktik erwärmt sich etwa zweimal stärker als die globale Temperatur (Abb. 07080). Mit weniger Eis wird auch weniger Sonnenlicht reflektiert und beschleunigt sich der Erwärmungsprozeß weiter.


Die Emissionsintensität (Emissionen/BIP) zeigt Spitzenwerte für China und USA, die 50 % und 42 % über dem Wert für Europa liegen (Abb. 07091).



global news 445 16-09-06: BILD-Bericht: Deutsche Arbeitslose auf nach China!

BILD zeigt wieder einmal ein besonders übles Beispiel von Propaganda gegen die Rechte deutscher Arbeitnehmer. Unter der Überschrift „Weltbank-Studie beweist: Deutschlands Arbeitsmarkt starrer als in China" werden Daten aus dem Weltbankbericht „Doing Business in 2006" gepickt, der 175 Länder vergleicht. China wird in dieser Liste auf Platz 78 geführt und dann mit Hong Kong China, dessen Arbeitsmarkt immer noch weitgehend von den unter englischer Herrschaft geschaffenen Regeln besteht und damit für Platz 16 sorgt.

Originalton BILD: Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos - gleichzeitig ist unser Arbeitsmarkt unflexibel und bürokratisch - viel schlimmer als im sozialistischen China! Das enthüllt die Weltbank in einem Schock-Bericht!

Hier sind 112 Länder, die als vor Deutschland rangierend dem BILD-Leser vorenthalten werden und einen deutlichen Eindruck von der übrigen Qualität des Berichts vermitteln (vielleicht will BILD deutschen Arbeitslosen empfehlen nach dem auf Platz 63 und damit weit vor Deutschland gesetzten Afghanistan oder nach Rwanda auszuwandern):

Marshall Islands, Tonga, Maldives, Georgia, Palau, Uganda, Samoa, Micronesia, Belize, Hong Kong China, Kiribati, Papua New Guinea, Kuwait, Saudi Arabia, Kazakhstan, Gambia, Jamaica, Trinidad and Tobago, Fiji, St. Lucia, Jordan, Belarus, Nicaragua, Puerto Rico, Grenada, St. Kitts and Nevis, Haiti, Malaysia, Suriname, Antigua and Barbuda, Armenia, Iceland, Lebanon, Namibia, Thailand, Swaziland, St. Vincent and the Grenadines, Poland, Dominica, Oman, Tajikistan, Solomon Islands, Yemen, Eritrea, Nigeria, United Arab Emirates, Chile, Uruguay, Guyana, Mongolia, Botswana, Kyrgyz Republic, Mauritius, Costa Rica, Azerbaijan, Uzbekistan, Kenya, Malawi, El Salvador, Lao PDR, Slovakia, Serbia, Afghanistan, Bangladesh, Montenegro, Colombia, China, Ethiopia, Zambia, Honduras, Israel, Ireland, Seychelles, Guinea, Netherlands, Russia, South Africa, Syria, Hungary, Lesotho, Tunisia, Algeria, Bosnia and Herzegovina, Vanuatu, West Bank and Gaza, Sri Lanka, Brazil, Bulgaria, Romania, Vietnam, Guatemala, Rwanda, Ukraine, Mexico, Korea, India, Albania, Iraq, Timor-Leste, Bhutan, Macedonia, FYR, Philippines, Lithuania, Ghana, Benin, Zimbabwe, Latvia, Cambodia, Djibouti, Pakistan, Dominican Republic, Moldova.

Die Studie kommt von der Weltbanktochter IFC, dem Investitionsarm der Weltbank. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, daß die Weltbank in den meisten dieser Länder an eigene Investitionen auch nur denken würde. Übrigens, es sind besonders die deutschen Arbeitszeitregeln, die Strafpunkte gegenüber diesen 112 und weiteren Ländern bringen. Einfach abschaffen! Die Leute sollen wieder 80 Stunden wie in China arbeiten!


global news 444 15-09-06: Kaufkraft - Billigimporte - Arbeitsmarkt

Immer wieder wird gegen eine überfällige Erhöhung der Massenkaufkraft durch eine Lohnpolitik wie in den anderen Eurozonenländern statt realem Kaufkraftrückgang eingewandt, daß dies nur der importierten Billigware zugute kommen würde, nicht aber dem deutschen Arbeitsmarkt.

Daran ist nur der kleinere Teil richtig. Denn mehr Kaufkraft heißt zunächst einmal mehr Nachfrage in allen anderen Sektoren, die nicht vom Import abhängen, und das ist der größere Teil der deutschen Volkswirtschaft, wie viele Dienstleistungen, Wohnraum, etc.. Der Wert der Importe aus allen EU-Beitritts- und -Kandidatenländern, China, Südostasien, Indien, Bangladesh und Sri Lanka zusammen betrug im 1. Halbjahr 2006 gerade mal 71 Mrd Euro oder 7 % der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands. Noch sind die Anteile der Importe aus Niedriglohnländern an den deutschen Gesamtimporten begrenzt, was sich allerdings in der Perspektive über die nächsten 10 Jahre ändern wird; Abb. 04601 zeigt einige Prognose-Beispiele.


Was den deutschen Arbeitsmarkt bisher weit stärker belastet, ist die Verlagerung von Produktion ins Ausland, so daß nicht mehr in Deutschland produziert und von hier exportiert wird. Die deutsche Automobilindustrie ist dafür exemplarisch. Nur noch 16 % ihrer Produktion in 2004 wurden in Deutschland produziert und verkauft (Abb. 04600). Daran ist teilweise wieder die mangelnde Massenkaufkraft und damit die müde deutsche Binnenkonjunktur schuld, die hier den Absatz von in Deutschland produzierten Autos drückt.



global news 443 15-09-06: Wo bleibt die Wende? 3. Quartal startet mit Negativdaten der deutschen Industrie / Deutschland weiter EU-Schlußlicht

Wie die heutigen Daten der gewerblichen Wirtschaft für Januar - Juli mit einem Rückgang des realen Inlandsabsatzes um 2 %, der Beschäftigung um 1 % und der Lohn- und Gehaltssumme um 0,4 % zeigen (StaBuA meldet nur nominal!), ist das Jahr trotz der Jubelmeldungen zum 2. Quartal sehr durchwachsen und mindestens teilweise eher negativ gestartet, besonders im Bereich Arbeit und Arbeitseinkommen (Abb. 04009). Das ist umso erstaunlicher, als sich die Weltwirtschaft und die Nachbarn in der Eurozone derzeit ausgesprochen gut entwickeln.


Die Daten ergänzen andere Vorsichtszeichen, wie:

(1) vom Arbeitsmarkt mit einem Wiederanstieg der saisonal bereinigten Arbeitslosigkeit im August und einer Kaum-Veränderung bei den versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, oder

(2) vom Einzelhandelsumsatz, der für den Zeitraum Januar bis Juli 2006 nur eine minimale Steigerungsrate von 0,8 % gegenüber Vorjahr zeigt (und die kommt nur von den MWSt-gefährdeten Nicht-Lebensmitteln) oder

(3) von der Konsumgüterproduktion, deren Index im Juli beim Wert von Oktober letzten Jahres verharrte und das bei einem Rückgang des Auftragseingangs um 2 % gegenüber Vorjahr.

Ebenso demonstrieren die heutigen Zahlen von Eurostat, daß Deutschland bei der Beschäftigungsentwicklung (Abb. 12226) und den Arbeitskosten Schlußlicht am unteren EU-Ende geblieben ist (Abb. 12227).



global news 442 14-09-06: Treibhauseffekt: Deiche bauen?

Die Temperaturentwicklung hat sich seit etwa 1960 total von den Modellen gelöst, die die Entwicklung auf der Basis der natürlichen Zyklen von Sonnen- und Vulkanaktivität vorraussagen (Abb. 07078).


Dies löst nun ein immer schnelleres Schmelzen der Eiskappen an den Polen und der Gletscher auf den Bergen aus. Soweit die Eiskappen, wie in der Arktis schwimmen, hat dies keine Auswirkung auf die Höhe des Meeresspiegels. Wenn aber das auf Land aufliegende antarktische Eis und das auf Grönland schmilzt, erhöht sich zwangsläufig der Meeresspiegel. Dabei kommt es über lange Zeiträume zu enormen Unterschieden. In der Spitze der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren lag der Meeresspiegel nicht weniger als 130 Meter niedriger. Nun aber haben unter dem Druck der steigenden Temperatur die Gletscher und Eismassen zu galoppieren begonnen. Der Zusammenbruch des Eisfelds Larsen B in der Antarktik hat die Gletscherbewegung dahinter von einigen hundert Metern pro Jahr auf einige Kilometer beschleunigt. Der größte Gletscher Grönlands hat seine Bewegung zwischen 1997 und 2003 verdoppelt und trägt nun bereits meßbar zur Erhöhung des Meeresspiegels bei.

Wissenschaftliche Messungen zeigen, daß sich der jährliche Anstieg des Meeresspiegels von durchschnittlich etwa 2 mm pro Jahr im letzten Jahrhundert bereits auf 4 mm in den 90er Jahren erhöht hat. Selbst bei dieser Rate ist es eine sehr langfristige Entwicklung von 40cm in 100 Jahren. Aber niemand weiß, ob es bei dieser Geschwindigkeit bleibt, oder ob sie sich nicht weiter erhöhen wird. Sollte das bis zu 3 km starke Grönlandeis schmelzen, so würde sich der Meeresspiegel um 6 m erhöhen. Das anarktische Eis von 4,2 km Stärke, dessen Schelze allerdings niemand für eine vorraussehbare Zukunft erwartet, würde weitere 70 m hinzufügen. Aber schon ein Anstieg um nur 1 m würde z.B. 17 % der Landfläche von Bangladesch versenken und schwere Probleme für Küstenstädte wie New York und London heraufbeschwören. Vorsichtshalber rät der bekannte britische Wissenschaftler James Lovelock, schon jetzt mit einem gigantischen Deichbauprogramm in Großbritannien zu beginnen.


global news 441 14-09-06: OECD-Frühindikatoren weiter im Abschwung

Die Frühindatoren der OECD für Juli 2006 zeigen weiter auf Abschwung (Abb. 12192). Besonders betroffen ist dabei Deutschland.



IWF-Direktor de Rato warnt in der heute in Singapur veröffentlichten Studie über die Stabilität der weltweiten Finanzmärkte (Global Financial Stability Report), das globale Wachstum könne durch eine ausgeprägte wirtschaftliche Abkühlung in den USA verlangsamt werden, die durch eine rasche Abschwächung der bislang boomenden Immobilienmärkte begleitet werden könnte. Nach Jahren ungewöhlich robusten Wachstums bei niedriger Inflation könnte die Reaktion der Finanzmärkte auf ungünstigere Rahmenbedingungen zu einer Verstärkung der Risiken führen.

In Frankreich ist die Industrieproduktion im Juli wieder um 1,3 % gefallen, was ebenfalls als ein Indikator dafür gewertet wird, daß der Gipfel in Euroland möglicherweise schon überschritten ist.


global news 440 13-09-06: Vor und nach Taliban: Drogenflut (auch Dank Liberalisierung der globalen Finanzmärkte)

Nach einem neuen Bericht des UN Office for Drugs and Crime hat die Rückkehr der Taliban nach Süd-Afghanistan schwere Folgen für die gesamte Welt. Der Opium-Anbau in Afghanistan stieg in diesem Jahr um fast 50 % (erlaubt ein Drittel mehr an Heroinproduktion als der Weltmarkt derzeit "konsumiert"). Mit 6,100 Tonnen stellt das Land nun 92 % der Weltversorgung des Narkotikums, das vor allem in Heroin weiterverarbeitet wird (Abb. 13085).


Der Drogenhandel, der unter dem Taliban-Regime seinerzeit gedrosselt wurde (das Jahr 2001 unmittelbar vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen war fast ohne Opium-Produktion), den die jetzigen Taliban-Aufständischen aber zur Finanzierung ihrer Attacken wiederbelebt haben, stellt bereits mindestens 35 % der gesamten Wirtschaftsleistung Afhanistans dar und ist die größte Quelle für Beschäftigung, ausländische Investitionen und Einkommen und zugleich Korruption afghanischer Beamter. Nach einem in der FT zitierten Spruch würde Afghanistan ohne Drogen zusammenbrechen wie ein Ölstaat ohne Öl. In einer widersinnigen Weise sind die Taliban damit erneut äußerst gefährlich geworden. Der internationale Drogenhandel wäre in seinem gegenwärtigen Umfang ohne die globale Liberalisierung der damit nicht mehr kontrollierbaren Finanzmärkte kaum denkbar.


global news 439 12-09-06: Die 12 Haupt-Treibhaus-Sünder

Unter dem Eindruck der neuesten Meldungen von der „Treibhaus-Fonrt" (siehe Rundbrief 435) habe ich mir vorgenommen, mehr Umweltnachrichten zu vermitteln, jedenfalls soweit sie mit der neoliberalen Form des Wirtschaftens und ihrer globalen Ausdehnung zusammenhängen. Die 12 Hauptverschmutzer erzeugten 2004 nicht weniger als 68,2 % der weltweiten CO2-Emissionen (Abb. 07075). Unter ihnen befinden sich mit USA (Platz 1), China (Platz 2), Indien (Platz 5) und Korea (Platz 9) allein vier Länder mit zusammen 45 % der Weltemissionen, die in einer neoliberalen Haltung jegliche vereinbarte Begrenzungen vom Typ des Kyoto-Protokolls ablehnen.


Pro Kopf betragen die US-Emissionen das 5-Fache des Weltdurchschnitts. Aber auch die deutschen erreichen noch das 2 ½-Fache. Besonders beunruhigend: Bis auf kleinere Rückgänge bei USA und Frankreich haben alle Länder ihren Pro-Kopf-Ausstoß zwischen 2000 und 2004 weiter erhöht (Abb. 07076). Dabei wiegt China, das in Kürze in der Gesamtemission die USA überholen wird, mit 52 % besonders schwer. Bis auf Frankreich haben damit auch alle unter den Top 12 gelisteten Kyoto-Länder weiter erhöht. Dazu gehört auch Deutschland mit einem Plus von 1,5 %, obwohl Deutschland in Kyoto eine Reduktionsverpflichtung von 21 % gegenüber 1990 eingegangen ist, von der es den größten Teil bis 2000 schon erfüllt hatte.



global news 438 11-09-06: Wieviel Wende? - Zur Diskussion des Haushalts des Bundeswirtschaftsministers am 8. September

Der Bundeswirtschaftsminister bei der Diskussion seines Haushalts im Bundestag: „Der wirtschaftliche Aufschwung ist da. So robust wie lange nicht. Die Fakten: Wir hatten zuletzt die höchste Wachstumsrate seit 5 Jahren. Der Investitionsstau löst sich auf. Unsere Wirtschaft steht wieder auf zwei Beinen: der Außen- und der Binnenwirtschaft. Die Verbraucher haben wieder mehr Vertrauen gefasst. Am Arbeitsmarkt ist die Trendwende geschafft."

Einige der Daten sehen - jedenfalls derzeit - sicher gut aus. Zur angeblichen Wende im Verbrauchervertrauen und am Arbeitsmarkt jedoch hier einige Fakten aus der jüngsten amtlichen Statistik, die eine andere Sprache sprechen:

Im Einzelhandelsumsatz kam es für den Zeitraum Januar bis Juli 2006 zu einer minimalen Steigerungsrate von nur 0,8 % gegenüber Vorjahr, wobei die Lebensmittel um 0,7 % absackten und die Nicht-Lebensmittel um 1,7 % anstiegen, was eindeutig auf die Angst vor der MWSt-Erhöhung hinweist. Gegenüber dem Vormonat war es ein Rückgang um 1,5 % (Abb. 04214). Die Zuwachsrate des 1. Halbjahres gegenüber Vorjahr war eine der niedrigsten unter den vergleichbaren EU-Ländern (Abb. 12191). Kein Wunder dann, daß die deutsche Konsumgüterindustrie weiter leidet. Auch im Juli verharrte ihre Produktion bei einem knappen Plus von 0,9 % gegenüber Vorjahr. Der Index lag dabei praktisch auf dem Wert vom Oktober vergangenen Jahres (Abb. 04306). Die Auftragslage ist weiter ähnlich enttäuschend: Im Vorjahresvergleich ging das Volumen um 1,9 % zurück. Der Index liegt hier noch unter dem Wert vom Juni vergangenen Jahres (Abb. 04569).





Und der der Arbeitsmarkt? Saisonal bereinigt gab es im Juli 2006 wieder 5,000 mehr Arbeitslose. Die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten stagnierte im Vorjahresvergleich bei +0,5 %, und das sind immer noch 180.000 weniger als vor zwei Jahren. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur erwartet für dieses und das nächste Jahr einen weiteren Rückgang der versicherungspflichtig Beschäftigten. Im internationalen Vergleich hat Deutschland bei weitem die meisten Langzeitarbeitslosen (Abb. 04022)



global news 437 11-09-06: Deutschlands Billiglohn-Anteil schon höher als in USA

In seinem neuen Buch „Making Globalization Work" spricht Nobelpreisträger Joseph Stiglitz von reichen Ländern mit armen Menschen: „We have become rich countries of poor people". Er führt diesen Widerspruch auf die Auswirkungen falsch oder neoliberal gemanagter Globalisierung zurück. Auch US Notenbankpräsident Ben. S. Bernanke hat plötzlich endeckt, daß die derzeitige Form von Globalisierung Armut in den wohlhabenden Industrieländern fördert, und ruft zu einer Globalisierung mit mehr Fairness auf. Es sei essentiell, einen Konsens über einen Wechsel zu mehr Fürsorge („welfare-enhancing change") zu schaffen, um eine Wiederauferstehung von Protektionismus zu vermeiden. In Frankreich hat sich der aussichtsreiche konservative Präsidentschaftskandidat Sarkozy jetzt dem dort weit verbreiteten Widerstand gegen einen von den neoliberalen Globalisierungskräften geforderten EU-Beitritt der Türkei angeschlossen, nicht zuletzt aus Sorge vor Billiglohnwettbewerb. Die Ablehnung des EU-Verfassungsreferendums in Frankreich und den Niederlanden und zuletzt das Scheitern der neoliberalen Doha-Runde der Welthandelsorganisation zeigen Wirkung.

Wenn Stiglitz und viele andere die Probleme der neoliberalen Globalisierung nun auch für die wohlhabenden Industrieländer, nicht nur arme Entwicklungsländer, ansprechen, lenken sie den Blick auf die sich verbreitende Billigarbeit oder „cheap labour". Dazu haben jetzt die Oxford-Professoren King und Rueda eine interessante Untersuchung vorgelegt, über die die Financial Times vom 7. September berichtet hat. Im Unterschied zu der normalen Erfassung haben sie - über die Standardarbeitsverhältnisse hinaus - auch Zeit- und Teilzeitarbeit in die Berechnung des Billigarbeitsanteils einbezogen. Sie sind dabei der international üblichen OECD-Definition gefolgt, nämlich eines Arbeitseinkommens von weniger als 2/3 des Medians aller Einkommen. Ergebnis: Anders als die USA entwickelt das angeblich so „soziale Europa" seine Billigarbeit ebenfalls, nur nicht so sehr über ein abgesenktes Einkommen von Standardarbeit, sondern vor allem über Formen von Zeit-, Teilzeit- und illegaler Immigrantenarbeit. Der Vollvergleich einschließlich Zeit- und Teilzeitarbeit ergibt nach den Berechnungen von King und Rueda für Deutschland einen Billigarbeitsanteil von 43 % und damit bereits mehr als in USA mit 37 % und weit mehr als in Schweden mit 34 % (Abb. 12223). Dabei sind die Werte für meist niedrig entlohnte illegale Immigrantenarbeit, von der es wahrscheinlich in Deutschland besonders viel aus Osteuropa gibt, noch nicht einbezogen. Für die Autoren der Studie wächst damit auch in Europo eine „Außenseiterklasse" („outsider class") heran.


Es ist nicht einfach, diese Ergebnisse auf der Basis deutscher Statistiken nachzuvollziehen. Die regelmäßigen Arbeitsmarktstatistiken bringen nur das absolute untere Ende der Billigarbeit, nämlich die 1-Euro- und 400-Eurojobs („Arbeitsgelegenheiten" und „geringfügig entlohnte Beschäftigung"). Viele vorliegende Studien beziehen sich ausschließlich auf Vollzeitbeschäftigte. Das Institut für Arbeit und Technik (IAT) hat auf der Basis des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) 2004 in diesem Jahr eine Auswertung erstellt, die Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte einschließt, und kommt auf einen Billigarbeitsanteil von 20,8 % aller abhängig Beschäftigten. Allerdings mußte die Berechnung auf der Basis von Stundenlöhnen durchgeführt werden und wurden daher mehrere Personengruppen, für die sich keine sinnvollen Stundenlöhne berechnen lassen oder für die besondere Vergütungsregeln gelten, ausgeschlossen: Selbständige und Freiberufler/innen, mithelfende Familienangehörige, sowie Auszubildende, Praktikant/innen, Personen in Umschulung, Rehabilitanden, in ABM/SAM Geförderte, Beschäftigte in Behindertenwerkstätten, Wehr- und Zivildienstleistende sowie Beschäftigte in Altersteilzeit. Darüber hinaus wurden auch Schüler/innen, Studierende, Arbeitslose und Rentner/innen ausgeschlossen, weil man annahm, daß diese nur einer Nebenbeschäftigung nachgehen. IAT räumt dabei durchaus ein, daß die Einbeziehung dieser Gruppen zu noch höheren Niedriglohnanteilen führen würde. Vor allem aber hat IAT nicht das volle Gewicht von zwei Gruppen einbeziehen können, die 2004 noch nicht existierten oder seitdem stark an Bedeutung gewonnen haben. Seit 2004 ist nämlich die Zahl der geringfügig Beschäftigten von 1,8 Millionen auf 5.0 Millionen stark gestiegen und sind noch 0,3 Millionen eigentlich Arbeitslose in sogenannten Arbeitsgelegenheiten dazugekommen. Allein das ergibt auf der gleichen Basis von 29 Millionen insgesamt abhängig Beschäftigter weitere 12,1 % und bringt das Gesamtergebnis auf rund 33 %. Einschließlich von mindestens Teilen der anderen ausgenommenen Gruppen und besonders der Teilzeitarbeiter kann die Berechnung von King/Rueda daher durchaus zutreffen. Darauf deutet auch hin, daß Deutschland einen im internationalen Vergleich ungewöhnlich hohen Anteil an Zeit- und Teilzeitbeschäftigung an der Gesamtbeschäftigung aufweist, der in der Regel mit einem niedrigen Lohnniveau arbeitet (Abb. 12225, 12222).



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global news 436 09-09-06: Industrieproduktion im Juli 2006: +4,6 % gegenüber Vorjahr, doch Konsumgüterproduktion nur + 0.9

Auch im Juli verharrte die deutsche Konsumgüterproduktion im Zeichen einer schwachen Verbrauchernachfrage weiter bei einem knappen Plus von 0,9 % gegenüber Vorjahr. Dagegen stieg der Index der gesamten Industrie, vor allem exportangetrieben um 4,6 % (Abb. 04306).


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global news 435 08-09-06: Die Angst des Wissenschaftlers vor dem Treibhauseffekt - heute in 17 Jahren was früher 1.000 brauchte

Der sich global ausbreitende Lebensstil mit hohem Energieeinsatz und einer in vielen Ländern mit stark wachsenden CO2-Emissionen (USA, China, Indien) verfolgten neoliberalen Kopf-in-den-Sand-Politik treibt die CO2-Konzentration in der Erdatmoshäre immer höher (Abb. 0709).


Bisher war noch teilweise umstritten, wieviel der derzeit gemessenen Erderwärmung darauf und wieviel auf normale zyklische Schwankungen der Erdtemperatur zurückzuführen ist. Man war für eine Analyse der Zusammenhänge auf den Vostok Eiskern angewiesen, der 1998 im russischen Teil der Antarktik 3,623 m tief gebohrt worden war und einen Rückblick über etwas mehr als 400.000 Jahre Erdgeschichte erlaubte. Jetzt allerdings ist die Wissenschaft mit einer neuen Bohrung erheblich weitergekommen und kann etwa 800.000 Jahre zurückblicken (Abb. 07074). Dabei zeigte sich ein extremer Gleichklang von Erdtemperatur und Konzentration von für die derzeitige Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgasen über insgesamt acht historische Zyklen, um dann plötzlich in den letzten 200 Jahren immer steiler hochzuschießen (Abb. 07044).



Die gegenwärtige CO2-Konzentration von 380 ppm liegt weit außerhalb des natürlichen Schwankungszyklus zwischen 180 und 300 ppm. Der schnellste Anstieg der Konzentration in der Erdvergangenheit war um 30 ppm in 1.000 Jahren. Das jedoch entspricht dem Anstieg allein in den letzten 17 Jahren. Bisher hatte man noch geglaubt oder auch nur gehofft, daß so genannte Senken, vor allem die Ozeane, den Kohlenstoff aus der Luft zu einem so großen Teil wieder abbauen könnten, daß damit das Schlimmste zu vermeiden wäre. Aber auch hier hat eine große Klimakonferenz der British Antarctic Survey nun Zweifel entwickelt. Einige Wissenschaftler glauben, daß bei etwa 440 ppm ein kritischer „tipping point" oder Umsturzpunkt erreicht werden könnte, wenn der Prozeß der Erderwärmung außer Kontrolle geraten und nicht mehr durch geändertes menschliches Verhalten gebremst werden könnte. Nach Professor Smith (University of Nottingham) könnte dieser Zeitpunkt bereits in 15 bis 20 Jahren erreicht sein und dann der Menschheit nur noch 10 Jahre Zeit lassen, um über das Schicksal des Planeten zu entscheiden.

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global news 434 07-09-06: "Le Monde", "mondialisation" und Prof. Dockès

In einem Artikel in der französischen Tageszeitung "Le Monde" unter dem Titel "Die Hölle - das sind eben nicht die anderen" kommt Prof. Dockès zu dem Ergebnis, es sei zwar richtig, dass Entwicklungs- und Schwellenländer seit Beginn der 1990-er Jahre ihren Anteil am Volumen des Welthandels um 6 Punkte erhöhen konnten. Aber Europa und Frankreich hätten ihre Anteile insbesondere aus hausgemachten Gründen nicht halten können: das (relative) Zurückfallen sei die Konsequenz einer zu restriktiven Makropolitik verbunden mit der (aus ihr resultierenden) Investitionsschwäche, sowie den Mängeln unseres Bildungssystems. So seien Delokalisierungen in Frankreich höchstens für 1-2% aller Arbeitsplatzverluste verantwortlich. Die Wachstumsschwäche beruhe zu allererst auf der historisch zu nennende Stagnation der Kaufkraft der Arbeitnehmer seit 1984!

Allerdings, wenn Dockès den Verlust der Wachstumsschwäche zu allererst auf eine Stagnation der Kaufkraft der Arbeitnehmer seit 1984 zurückführt statt auf Billigstimporte, Verlagerung nach Osteuropa , relative Niedriglohnkonkurrenz aus Deutschland und andere Gründe (Automatisierung), dann kennt er einerseits nicht die viel schlimmere deutsche Situation und übertreibt andererseit dramatisch die französische. Das ist einfach grob falsch und macht ihn für seine Thesen zur Globalisierung unglaubwürdig. Nach den Eurostat-Zahlen sind die Arbeitnehmereinkommen pro Kopf in Frankreich seit 1984 um 106,4 % gestiegen, was nach Abzug der Verbraucherpreisinflation immer noch sehr stolze 61,1 % ergibt. Auch wenn der Anstieg sicher nicht gleichmäßig in allen Einkommensgruppen erfolgt ist (Dockès selbst macht diesen Unterschied nicht), so dürfte bei fast allen Franzosen doch eine Menge im Geldbeutel angekommen sein und sicher für Frankreich - anders als für Deutschland - kein Grund bestehen, die Arbeitslosigkeit in erster Linie auf die Arbeitnehmereinkommen zurückzuführen, was auch das französische Ausgabenverhalten beweist (siehe unten). Außerdem sind die französischen Werte für Wohneigentum - anders als in Deutschland - stark gestiegen und haben einen großen Teil der Arbeitnehmerschaft erheblich bereichert.

Für Deutschland kann man wegen der Wiedervereinigung erst ab 1992 vergleichen: realer Zuwachs 10,4 % (fast nur im Zeitraum bis 2000), für Frankreich ab 1992 14,2 % (anhaltend und eher steigend) oder ab 2000 für Deutschland +0.4 % aber für Frankreich + 4,6 %. Auch das preisbereinigte Konsumverhalten der Franzosen ist verglichen mit dem deutschen geradezu phantastisch und deutet keineswegs auf ein Aushungern unserer französischen Nachbarn hin: seit 1984 eine Steigerung um 54,5 %, seit 1992 28,2 % (hier Deutschland 18,9 %) und seit 2000 9,7 % (hier Deutschland 2,0 %). Frankreich ist übrigens von den Effekten der Globalisierung viel mehr gefährdet als Deutschland, weil es nicht so exportstark ist und noch viel mehr traditionelle Industrien (Textilien, Schuhe, etc.) hat. Und Thompson ist beispielhaft gerade von China übernommen worden.

Und nun macht China zunehmend bei Automobilen mobil und wird Frankreich, aber auch Deutschland Probleme bereiten. So ist Great Wall Motors der neueste chinesische Automobilhersteller, der mit den ersten Lieferungen von allradangetriebenen SUVs via Italien zum Spottpreis von nur 15,000 Euro den europäischen Markt angreift (Abb. 08069). Chinesische Hersteller versorgen bereits 27 % des chinesischen Marktes und drängen nun zur besseren Auslastung in den Export. Die Exporte stiegen bereits von 10,000 in 2004 auf 32,000 allein in der ersten Hälfte 2006. Fünf andere Unternehmen treten ebenfalls in Europa an: Jiangling, Chery, Geely, First Auto Works und Shanghai Auto. Daneben bereiten japanische Hersteller Exporte ex China vor. Das Know-how der von BMW modernisierten britischen Rovermarke und der Name wurden an einen chinesischen Hersteller verkauft. Die britische MG-Produktion in Großbritannien soll nun unter einem chinesischen Eigentümer aufgenommen werden. In wenigen Jahren wird China die meisten Autos in der Welt produzieren.



Ein Hinweis und eine Bitte: Die täglichen Rundbriefe werden mit einem erheblichen Eigeneinsatz an Zeit und Kosten erstellt. Verschiedene Internet Newsprogramme linken mit einzelnen Rundbriefen, was natürlich sehr begrüßt wird. Da sich deren Besucher meist auf die jeweilige Auswahl verlassen, trägt dies leider zu einem ziemlich unregelmäßigen Besuch bei (siehe die Grafik) und wichtige Beiträge fallen zu oft durch die Ritzen. Das wirft natürlich am Ende die Frage nach der Berechtigung eines täglichen Rhytmus auf. Ich möchte Sie daher bitten, möglichst oft direkt hereinzuschauen und auch auf Ihrem Browser ein Lesezeichen einzurichten. Und empfehlen Sie die Webseite bitte weiter. Vielen Dank!


global news 433 07-09-06: Auftragseingang der deutschen Industrie: Inlandsaufträge Juni/Juli 2005/06 für die deutsche Industrie plus 5,1 %, aber Konsumgüterindustrie minus 1,6 % und Einzelhandelsumsatzentwicklung drittniedrigste in EU = kein Verbrauchervertrauen

Das Statistische Bundesamt hat heute die Auftragslage der deutschen Industrie per Juli 06 veröffentlicht (Abb. 04569). Dabei zeigt sich erneut, wie sehr die deutsche Konsumgüterindustrie unter der schlechten Verbaucherkonjunktur leidet. Im Vorjahresvergleich ging das Volumen um 1,9 % zurück. Der Bundeswirtschaftsminister hält in seiner Presseerklärung den Zweimonatsvergleich Juni/Juli für aussagekräftiger, aber auch der ergibt gegenüber 2005 ein Minus von 1,6 %. Gegenüber den vorangegangenen zwei Monaten April/Mai 2006 beträgt das Minus sogar 3,1 %.


Im EU-Vergleich hat Deutschland beim Einzelhandelsumsatz im Juli nur den drittletzten Platz unter vergleichbaren Ländern der Alt-EU (Abb. 12191).


Dagegen nahm die Auftragslage der Industrie insgesamt aus dem Inland für Juni/Juli gegenüber April/Mai um knappe 0,1 % zu. Aus dem Ausland expandierte sie jedoch um 1,3 %, was einer Jahresrate von 7,8 % entspräche. Hier zeigt sich, wie sehr die Abhängigkeit Deutschlands von der derzeit unsicherer werdenden Auslandsnachfrage noch weiter steigt.

Allerdings, wer will bei solcher Zurückhaltung der Verbraucher trotz drohender MWSt-Erhöhung behaupten wollen, daß Deutschland die endgültige Wende in der Binnenkonjunktur geschafft habe?

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global news 432 06-09-06: Nun amtlich: Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands nur noch Mittelmaß und bröckelnd

Ein Besucher der Webseite hat mich auf einen Bericht des Bundesforschungsministeriums (oder hier) über den Technologiestand Deutschlands mit der Überschrift „Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006" und der Unterüberschrift: „Hohe Exporterfolge - begrenzte Wachstumsaussichten" aufmerksam gemacht. Er deckt sich mit dem in Rundbrief 428 berichteten Knick in den deutschen Bruttoanlageninvestitionen und der Produktivitätsentwicklung, ist aber noch bedrückender, weil er aus amtlicher Quelle kommt und die öffentliche Finanzierung einbezieht. Ich kann mich daher auf eine Reihe von Zitaten beschränken, die allesamt für sich selbst sprechen und zeigen, wie Deutschland seit Jahren dabei ist, seine wirtschaftliche Zukunft zu gefährden. Das liegt auf der Linie der kürzlichen Zwischenbilanz. Ein Zitat soll vor die Klammer gezogen werden: „Deutschland ist in den letzten Jahren einen eigenständigen wirtschaftsstrukturellen Weg gegangen, der auf längere Sicht gesehen nur wenig Wachstumsperspektiven und kaum zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten verspricht."

Hier der geraffte Telegrammstil:

» Trotz anhaltender Exporterfolge hat sich technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands auf längere Sicht nicht gut entwickelt. Geschwindigkeit und Intensität, mit der Verbesserungen erzielt werden konnten, recht niedrig. Kapazitäten für Lehre, Wissenschaft und Forschung am Weltmaßstab gemessen zu schwach ausgeweitet.

» Ausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung wurden von der Wirtschaft nicht kräftig genug erhöht, allenfalls im Rhythmus der Konjunktur. Der FuE-Personalstamm ist gar auf das Niveau Westdeutschlands von Mitte der 80er Jahre zurückgefahren worden. Ganz anders ist dies im internationalen Raum.

» Innovationsvorhaben angesichts der Wachstumsschwäche im Inland mit wenig finanziellem Engagement verbunden. Unternehmen in den letzten Jahren vorsichtig geworden. Innovationen richten sich immer häufiger auf Senkung von Kosten. Marktneuheiten, die die volkswirtschaftliche Angebotspalette bereichern, an Gewicht verloren.

» Die größte Zuwächse hat es bei Spitzentechnologien gegeben, die insgesamt aber im deutschen Exportwarenkorb kein hohes Gewicht haben. Zudem sind Einfuhren von forschungsintensiven Gütern wesentlich schneller gestiegen als Ausfuhren. Dies betrifft derzeit besonders den Automobilbau, das "Herzstück" des deutschen Innovationssystems. Ausfuhr von "Hochwertiger Technik" bröckelt seit etwa einem Jahrzehnt etwas ab. Importe sowohl bei Spitzentechnologien als auch bei Hochwertigen Technologien trendmäßig noch stärker gestiegen als Ausfuhren. Spezialisierung Deutschlands nimmt daher in den meisten dieser Industrien ab.

» Entscheidungen von Konsumenten und Produzenten laufen darauf hinaus, dass Deutschland länger als andere Volkswirtschaften an Industrien festhält, die kaum mehr wachsen.

» Schwache Inlandsmarktentwicklung ist Achillesferse für wirtschaftlichen Strukturwandel in Deutschland: Dienstleistungen, von denen noch am ehesten zu erwarten ist, dass sie zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten bereitstellen können, sind auf einen florierenden Inlandsmarkt angewiesen, da sie nur in begrenztem Umfang auf Auslandsmärkte ausweichen können. Wechselspiel von Industrie und Dienstleistungen verläuft in Deutschland in gebremstem Tempo, weil zum einen wissensintensive Dienstleistungen nur schwach gewachsen sind und daher weniger Impulse für Innovationen gegeben haben. Exportorientierung der deutschen Wirtschaft begünstigt zum anderen einseitig den Industriesektor, darunter zunehmend diejenigen Industrien, die nicht forschungs- oder wissensintensiv produzieren und kaum mehr expandieren werden. Deutschland ist in den letzten Jahren einen eigenständigen wirtschaftsstrukturellen Weg gegangen, der auf längere Sicht gesehen nur wenig Wachstumsperspektiven und kaum zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten verspricht. Notwendig ist ein schnellerer Strukturwandel hin zu Spitzentechnologien und wissensintensiven Dienstleistungen.

» Zum einen steigt die Rate der Unternehmensschließungen im forschungs- und wissensintensiven Sektor der Wirtschaft, zum anderen sinkt die Rate der Unternehmensgründungen. Im Vergleich zu wichtigen Konkurrenzländern sind die Gründungen in forschungsintensiven Industrien schneller zurückgegangen. Tendenziell laufen Unternehmensgründungen und -schließungen in Deutschland auf einen höheren Unternehmensbestand in weniger wissensintensiven Branchen hinaus. Denn bei den in den letzten Jahren wieder nach oben gerichteten Gründungszahlen insgesamt ist zu berücksichtigen, dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Menschen der Not gehorchend (Mangel an Arbeitsplätzen) den Weg in die Selbstständigkeit wählen. Unternehmensgründungen, deren primäres Motiv das Ausnutzen guter wirtschaftlicher Chancen ist, sind in Deutschland weniger häufig. Dies hat mit unsicheren wirtschaftlichen Aussichten zu tun, aber auch mit Risikoscheu bei potenziellen Gründern und Kapitalgebern. Jungen Unternehmen fehlt Nestwärme einer expandierenden Binnennachfrage.

» Lagen Deutschlands Unternehmen bei den FuE-Anstrengungen Ende der 80er Jahre noch auf Rang 3, so nehmen sie jetzt Platz 8 ein. Positionsverlust hängt auch mit den sektoralen FuE-Schwerpunkten zusammen: Das deutsche Spezialisierungsmuster (wenig Präsenz bei Spitzentechnologien und bei Dienstleistungen, Spitze bei hochwertigen Technologien) zieht sich wie ein roter Faden durch das "deutsche Innovationssystem".

» Nicht nur im langfristigen Vergleich, sondern auch aktuell haben viele Länder eine größere FuE-Dynamik an den Tag gelegt. Angesichts der geringen Wachstumserwartungen ist gar der FuE-Personaleinsatz in der deutschen Wirtschaft zwischen 2000 und 2003 wieder auf das Niveau von 1995 zurückgenommen worden. Volumenmäßig konzentriert sich FuE in Deutschland zunehmend auf Großunternehmen, Klein- und Mittelunternehmen fallen kontinuierlich zurück. Alles zusammen genommen - stärkere FuE-Dynamik in den meisten westlichen Industrieländern und die Verbreiterung des Teilnehmerfeldes im Innovationswettbewerb - hat sich Deutschlands weltwirtschaftliches FuE-Gewicht im letzten Vierteljahrhundert fast halbiert: Von über 11 % (1981) auf 6 % (2005).

» Hebelkraft der Förderung von FuE in der Wirtschaft durch den Staat hat in Deutschland stark nachgelassen, insbesondere der Finanzierungsbeitrag des Staates zu FuE in den Unternehmen. FuE-Haushaltsansätze jedoch allenthalben [gemeint ist bei den Konkurrenten], z. T. über Jahre hinweg mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten, aufgestockt. Nimmt man FuE-Ausgaben im Sektor Wissenschaft/Forschung sowie das Lehr- und Forschungspersonal an Hochschulen in naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen zum Maßstab, ist Aufwärtstrend in Deutschland schon wieder gebrochen.

» Geringe Neigung zu investiven Anstrengungen und damit zu Strukturwandel sowie schlechte Position, wenn es um Spitzentechnik, -forschung und -ausbildung geht - rechtfertigt die Einordnung Deutschlands in das Mittelfeld der Industrieländer. Pars pro toto mag hierfür der FuE-Anteil von Wirtschaft und Staat zusammen genommen am Inlandsprodukt stehen. Er hat von 2,8 % Ende der 80er Jahre (Rang 3) auf 2,1 % (Rang 9) nachgegeben. Deutschland hat beim Angebot von gut und hoch qualifizierten Erwerbspersonen in Europa (EU-15) nur noch Vorsprung, wenn man mit den südlichen Ländern vergleicht.

» Zu den problematischen Faktoren zählt im Hinblick auf einen innovationsorientierten Strukturwandel auch, dass wissensintensive Dienstleistungen in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Ländern - selbst unter Berücksichtigung des in Deutschland schleppenden Wachstumstempos - Boden verloren haben. Denn Spitzentechnologien und deren Entwicklung sind häufig im Zusammenhang mit der Orientierung der Volkswirtschaften auf wissensintensive Dienstleistungen zu sehen.

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global news 431 05-09-06: Immer weniger versicherungspflichtig Beschäftigte pro Erwachsene und arbeitsfähige Jugendliche

Der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter an der Gesamtbevölkerung im Alter ab 15 Jahren wird immer kleiner: Er ist von 44 % Anfang der 90er Jahre auf nur noch 37 % heute gefallen (Abb. 04598). Anders ausgedrückt: Wo früher einem versicherungspflichtig Beschäftigten 1,3 andere Personen gegenüberstanden, sind es bis heute 1,7 geworden - vor allem Folge von Massenarbeitslosigkeit und Abqualifizierung ehemals vollwertiger Arbeitsplätze, wobei der Abmarsch der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben noch nicht einmal begonnen hat.


Dies ist ein Auszug aus dem neuen Schwerpunkt "Wirtschaftspolitik mit "Tunnelblick?".

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global news 430 05-09-06: Deutsche Unternehmensflucht vor „Heuschrecken" zu Lasten des Arbeitsmarktes?

Nach einem Bericht in der „Financial Times" fürchten immer mehr deutsche Unternehmen einen buy-out durch Private Equity Unternehmen (PEU), die besonders aggressive Form von Heuschrecken mit sehr kurzfristigen Gewinnmaximierungsstrategien. Gewinne werden vor allem durch Abwurf von Arbeitsplätzen, Abspaltung von Unternehmensteilen, hohe Kreditbelastung der aufgekauften Unternehmen und Weiterverkauf innerhalb von in der Regel zwei Jahren erzielt. Nach dem Bericht versuchen nun einzelne besonders besorgte deutsche Unternehmensleitungen ebenfalls ihre Gewinne so hochzutreiben, daß die damit hochgepuschten Aktienmarktkapitalisierung das Unternehmen für die Heuschrecken uninteressant macht, aber auch für wachsend aggressive Aufkäufer aus China (oder zuletzt bei Mittal aus Indien). Im Ergebnis bleiben bei dieser Flucht vor den Heuschrecken nach meiner Einschätzung am Ende ebenfalls Arbeitsplätze auf der Strecke und ist das Ergebnis für die Arbeitnehmer nicht viel anders als bei einem Aufkauf. Diese Vorwärtsstrategien können für den deutschen Arbeitsmarkt sogar viel gefährlicher werden, wenn sie eine größere Breite gewinnen als die bisher in der Zahl noch beschränkten direkten Aktivitäten der PEU. Außerdem verhalten sich Unternehmen, die diese Strategien verfolgen, bei arbeitsplatzschaffenden Neuinvestitionen besonders vorsichtig.

PEU schwimmen wie die Fettaugen auf der Suppe der neoliberalen Globalisierung der Finanzmärkte. Sie kommen in erster Linie aus USA und Großbritannien, weil die Gewinnchancen bei den oft noch unterbewerteten deutschen Unternehmen mehr versprechen. Wie vor etwa einem Monat berichtet, haben PEU derzeit ein noch nicht angelegtes Kapital von 297 Mrd Dollar. Da der Einsatz normalerweise auf der Basis von zusätzlichen Kreditmitteln in Höhe von 80 % des Kaufwertes erfolgt, steht den Fonds eine „Feuerkraft" von 1.485 Mrd Dollar zur Verfügung - eine für den Laien ziemlich unvorstellbare Größe. Das ist etwa das 32-fache des Aktienwertes von Daimler Chrysler oder das 1,6-Fache aller in Deutschland im Laufe eines Jahres gezahlter Löhne und Gehälter. Das Volumen der schon in 2006 neu investierten Mittel beläuft sich auf fast 400 Mrd Dollar. Abb. 03454 zeigt, wie die Mittelaufnahme bisher immer weit größer war als das getätigte Investitionsvolumen und sich damit die „Feuerkraft" aufgebaut hat.


Jetzt machen die PEU selbst den institutionellen Großanlegern, vor allem Pensionsfonds, Sorgen. Große amerikanische Pensionsfonds sind die Haupttreiber hinter dem PEU-Boom. Im vergangenen Jahr haben sie fast 100 Mrd $ in PEU investiert. Nach dem FT-Bericht haben sie im Durchschnitt bereits 8 % ihrer Mittel in PEU angelegt und einzelne sogar bis zu 20 %. Sie können damit ihr Einkommen um bis zu einem Drittel gegenüber einer normalen Kapitalmarktanlage steigern. Im Interesse der Riskostreuung investieren sie in verschiedenen PEU. Normalerweise rivalisierende PEU schließen sich nun aber zunehmend für große Einzelgeschäfte zusammen, so genannte „club deals". Mehr als 70 % der diesjährigen Übernahmen durch PEU sind in der Form von club deals mit einem Gesamtvolumen von 275 Mrd $ gelaufen. Das ist schon mehr als das Doppelte des ganzen Jahres 2005. Ein besonders spektakulärer Fall aus der jüngeren Vergangenheit war die Übernahme des amerikanischen Krankenhausbetreibers HCA für 33 Mrd $. PEU mögen diese Geschäfte, weil sie so Unternehmen aufkaufen können, für die sie im Alleingang zu schwach wären (das kann dann selbst für deutsche Großunternehmen gefährlich werden). Die club deals unterminieren dabei die Diversifizierungsstrategien der Pensionsfonds und arbeiten der Riskoabsicherung entgegen. Zusätzlich wächst bei den amerikanischen Gewerkschaften die Sorge, daß die Anlage der Pensionen in so hochriskanten Investitionen bei einem wirtschaftlichen Abschwung verhängnisvoll werden kann.

In Deutschland haben die PEU eine ziemlich freie „Spielwiese". Im Unterschied zu anderen EU-Ländern, z.B. Frankreich, hat die Bundesregierung nicht von der innerhalb der EU eingeräumten Möglichkeit Gebrauch gemacht, für Langzeitinvestoren ein Mehrfachstimmrecht einzuführen, das die kurzfristig operierenden PEU in der Regel abschreckt. Außerdem brauchen Privatanleger von Investmentfonds, zu denen die oft in Form von Fonds aufgesetzten PEU gehören, nach dem neuen Investmentsteuergesetz von 2003 ausgeschüttete Erträge aus Gewinnen, die der Fonds bei der Veräußerung von Wertpapieren macht, nicht zu versteuern. Dagegen müssen Privatanleger, die direkt Aktien halten, bei Weiterveräußerung vor einem Jahr die so genannte Spekulationssteuer auf den Gewinn zahlen.

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global news 429 04-09-06: Nochmal China: Wer beutet wen aus?

Die Art, wie EU-Regierungen mit den gedumpten Schuhimporten aus China umgehen, ist symptomatisch für die neoliberale Politik gegenüber den Arbeitsplätzen in Europa. Die Hauptnutznießer dieser Billigstimporte sind wahrscheinlich nicht die europäischen Verbraucher, sondern der damit befaßte Handel. Der Rundbrief vom 12. August berichtete unter Berufung auf einen Artikel in der International Herald Tribune, daß ein Schuh „Made in China", der in US Shops für 49,99 $ verkauft wird, chinesische Arbeitskosten von nur 1,30 $ enthält und chinesische Gesamtkosten von nur 15,31 $, die auch den Transport abdecken. Das Anti-Dumping-Verfahren der EU-Kommission geht nach einem Bericht in der Financial Times davon aus, daß der Handel in Europa chinesische Lederschuhe für durchschnittlich 8,50 Euro ein- und für 35 Euro weiterverkauft, also für mehr als das Vierfache. Einige Markenschuhe sollen beim Import etwas mehr kosten, aber dann für stolze rund 120 Euro weiterverkauft werden. Während die Einfuhrpreise für Lederschuhe aus China und Vietnam von 2001 bis 2005 um 27 Prozent gefallen seien, sollen die Endpreise im Geschäft stabil geblieben sein oder sogar leicht angezogen haben. Wer beutet hier wen aus?

Bei solchen Margen kann es kein Wunder sein, wenn in 2005 bereits die Hälfte der in der EU verkauften 2,5 Mio Paar Schuhe aus China kamen. Die monatsdurchschnittlichen deutschen Schuhimporte aus China haben sich über die letzten vier Jahre fast verdreifacht (Abb. 08065).


Obwohl es ein ziemlich klarer Fall von Dumping ist, wehren sich nach Medienberichten mehrere europäische Regierungen, darunter auch die Bundesregierung, gegen die Fortführung des an sich eher niedlichen Antidumpingzolls von 1,40 Euro pro Paar, den der Handel in seiner enormen Spanne wahrscheinlich bequem wegstecken könnte (Abb. 08066). Warum kennt die Bundesregierung (zusammen mit den weitgehend schuhindustriefreien Ländern Großbritannien, Dänemark und Schweden) keine Solidarität mit den vor allem in Italien, Frankreich und Spanien verbliebenen europäischen Herstellern und insbesondere den um ihre Arbeitsplätze bangenden Menschen? Morgen kann sich dasselbe bei PKW-Importen aus China wiederholen und wer stellt sich dann vor die deutschen PKW-Unternehmen und die Arbeitsplätze?


Selbst mit vom Handel so stark gedrückten Erlösen aus dem Export von Schuhen, Textilien und zunehmend technischem Gerät hat China inzwischen die weltgrößten Währungsreserven aufgebaut. Statt mit einem Teil davon die Armut seiner Landbevölkerung zu mindern, werden Mittel zunehmend im großen Stil zum Aufkauf von Unternehmen in Industrieländern verwandt. Beispiele sind die PC-Sparte von IBM, das britische Automobilunternehmen Rover oder Thomson, wozu auch Grundig gehört. Abb. 08068 zeigt die Entwicklung der chinesischen Auslandsinvestitionen.


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global news 428 02-09-06: Wenig Investitionen = wenig Produktivitätszuwachs

Im Rundbrief 426 hatte ich dargestellt, wie die deutschen Bruttoanlageninvestitionen hinter denen von Frankreich und Großbritannien zurückgeblieben sind. Die nachfolgenden Abbildungen 04591 und 4592 dokumentieren die negativen Auswirkungen auf die deutsche Produktivität, auf die auch noch andere Faktoren, wie die Arbeitsstundenentwicklung einwirken.



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global news 427 01-09-06: Wo bleibt die angebliche Wende? Saisonal bereinigt wieder mehr Arbeitslose, Einzelhandelsumsatz sinkt um 1,5 %

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Saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber Juli nicht weiter zurückgegangen, sondern um 5.000 leicht gestiegen. Die Bundesagentur findet natürlich prompt eine positive Erklärung: " .. daß sich die Zahl im August saisonbereinigt geringfügig erhöht hat, dürfte auf Verschiebungen im Saisonmuster beruhen" und spricht dennoch von einer günstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes. Ebenso Bundesarbeitsminister Franz Müntefering: "Der positive Trend am Arbeitsmarkt verfestigt sich, er gibt weiter Grund zu Zuversicht." Wie unsicher und widersprüchlich die Medien in ihren Schlagzeilen derzeit sind, zeigt der Vergleich von FTD: "Arbeitslosenzahl steigt leicht" und andererseits SPIEGEL/WELT/Handelsblatt: "Arbeitslosenzahl sinkt nur leicht" oder SZ: "Enttäuschung am Arbeitsmarkt"; die FR liegt mit "Kaum Bewegung am Arbeitsmarkt" neutral dazwischen.

Wo sollte denn auch eine positive Bewegung herkommen, wenn die Verunsicherungskampagne mit neuen Streichforderungen aus der Politik anhält, die Arbeitnehmereinkommen real weiter im Rückwärtsgang sind, der Einzelhandelsumsatz schon wieder zurückgeht (siehe unten), die Eintrübung von der unsozialen und falsch terminierten MWSt-Erhöhung vor der Tür steht sowie schließlich dunkle Wolken in der Weltwirtschaft hochziehen und alle umfragebasierenden Vorrausindikatoren auf Abschwung geschaltet haben (wie OECD, Gesellschaft für Konsumforschung, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und Ifo)? Wann endlich steuert die Politik den richtigen Kurs dagegen?

Saisonal bereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber Juli um 5.000. Während in Westdeutschland die Arbeitslosenzahl um 22.000 zurückging, stieg sie in Ostdeutschland um 27.000. Ohne saisonaler Bereinigung hat die Zahl der Arbeitslosen im August im Vorjahresvergleich um 8,9 % abgenommen, wobei der Juli-Rückgang noch bei 9,3 % gelegen hatte (Abb. 04037).


Allerdings hat das Bild immer noch viele dunkle Schatten. So ist die deutsche Arbeitslosenquote immer noch eine der höchsten vergleichbarer Länder (Abb. 04068). Die Quote der Lanzeitarbeitslosen ist sogar bei weitem die höchste (Abb. 04022). Das liegt nicht zuletzt an der besonderen deutschen Lohndrückerei mit der Folge mangelnder Massenkaufkraft und darum stagnierender Nachfrage der privaten Haushalte und davon abgeleitet einer sehr ungünstigen Investitionsentwicklung - ein im Rundbrief 424 mit internationalem Vergleich dargestellter Teufelskreislauf.



Hier noch ein Blick auf die erhebliche Unterentwicklung der deutschen Arbeitnehmereinkommen im Vergleich zur EU (Abb. 12215). Abb. 12216 zeigt ergänzend den im Vergleich sehr auffälligen Rückgang des Anteils der deutschen Arbeitnehmereinkommen am Bruttoinlandsprodukt.



Die Zahl der der versicherungspflichtig Beschäftigten stagiert im Vorjahresvergleich bei +0,5 %, und das sind immer noch 180.000 weniger als vor zwei Jahren (Abb. 04008).


Die Zahl der älteren Arbeitslosen über 50 Jahre ist nur unterdurchschnittlich um 6,1 % zurückgegangen (Abb. 04168).


Vor allem liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 42,5 % aller Arbeitslosen oder rund 1,9 Millionen immer noch um 7 % über dem Vorjahreswert, wobei diese Daten aus dem IT-Vermittlungssystem der BA hochgerechnet werden müssen (Abb. 04033).


292.000 Menschen befinden sich in so genannten Arbeitsgelegenheiten oder 1-Euro-Jobs, die die Arbeitslosenstatistik künstlich niedriger halten. Deren Zahl war nach der letzten amtlichen Angabe im Juli fast 26 % höher als vor einem Jahr, so daß der echte Abbau an Arbeitslosigkeit gegenüber Vorjahr um 60.000 weniger ausfällt (Abb. 04568).


Ebenfalls heute hat das Statistische Bundesamt die Werte des Einzelhandelsumsatzes im Juli bekannt gegeben. Wie schon vor wenigen Tagen aus dem Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung erkennbar, bestimmen vorgezogene Einkäufe auf der Flucht vor der MWSt-Erhöhung das Bild. Dennoch sank der Einzelhandelsumsatz im Juli 2006 real sowie saison- und kalenderbereinigt um 1,5 % gegenüber Juni 2006 und fiel damit nach einer kurzen Aufstiegsphase im 2. Quartal wieder auf das Niveau des Vorjahres Juli zurück (Abb. 04214).


Für den gesamten Zeitraum Januar bis Juli 2006 kam es zu einer minimalen Steigerungsrate von nur 0,8 % gegenüber Vorjahr, wobei die Lebensmittel um 0,7 % absackten und die Nicht-Lebensmittel um 1,7 % anstiegen, was eindeutig auf die Angst vor der MWSt-Erhöhung hinweist. Bei dem enttäuschenden Ergebnis ist noch zu berücksichtigen, daß die Zuwachsrate des 1. Halbjahres gegenüber Vorjahr eine der niedrigsten unter den vergleichbaren EU-Ländern war (Abb. 12191).


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global news 426 31-08-06: Vergleich der EU-3: Lebensfreude - Konsumfreude - Kinderfreude

Die jetzt vorliegenden kompletten Zahlen zum 2. Quartal 2006 fordern zu einem Vergleich der drei größten EU-Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien heraus. Bei den Arbeitnehmereinkommen entwickeln sich die deutschen unter dem Druck der Massenarbeitslosigkeit und der Lohnpolitik der deutschen Wirtschaft als einzige negativ und nun schon seit sechs Jahren sehr viel schlechter als die der Kollegen in den beiden anderen Ländern, besonders der britischen, die von dem entspannten Arbeitsmarkt profitieren (Abb. 12210). Die Waage der deutschen Einkommen driftet immer mehr von den Löhnen und Gehältern weg und zu den Unternehmens- und Vermögenseinkommen hin, womit sich Deutschland immer stärker und schneller britischen Sozialverhältnissen annähert und die Gefahr wächst, daß sich Deutschland in Europa an die Spitze der negativen neoliberalen Sozialentwicklung stellt.


Das zeigt sich ebenso im weiteren europäischen Vergleich (Abb. 12203).


Auch die Konsumfreude läuft in Deutschland bei negativer Entwicklung der realen Masseneinkommen eindeutig in die falsche Richtung. Die seit sechs Jahren mit deutscher Stagnation des Verbrauchs privater Haushalte gegenüber den beiden anderen Ländern hochgefahrenen Unterschiede von ca. 15 % in den Zuwachsraten sind enorm (Abb. 12209).


Eine über viele Jahre sehr negative Entwicklung der deutschen Bruttoanlageninvestitionen hat die Massenarbeitslosigkeit zusätzlich hochgejagt und Hypotheken für die Zukunft aufgebaut (Abb. 12208). Angst um den Arbeitsplatz ist in Deutschland der größte einzelne Angstposten.


Am Ende zählt für die Lebensfreude, wie sehr sich die Menschen tatsächlich trauen, das „sauer Verdiente" auch auszugeben. Da Konsumfreude ein wichtiger Teil der allgemeinen Lebensfreude ist, sinkt die Lebensqualität in Deutschland entsprechend und drückt sich dieser Prozeß auch als eine der vielen Ursachenketten für die ungünstige demographische Entwicklung aus. Frankreich und Großbritannien verzeichnen eine gegenüber der deutschen um 39 % bzw. 27 % höhere Fruchtbarkeitsrate, wobei beide zuletzt noch zulegen konnten (Abb. 02211).


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global news 425 30-08-06: GfK-Konjunkturerwartungen: „Gute Stimmung wankt" und „Optimismus bröckelt"

Dies sind die Original-Überschriften der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) über dem heutigen Monatsbericht einer Befragung von 2000 Personen. Er stellt einerseits einen Anstieg der gegenwärtigen Kaufbereitschaft fest. Wesentlicher Treiber für das überaus hohe Niveau der Anschaffungsneigung soll die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung sein. Ob sich die gute Konsumneigung in vollem Umfang in tatsächliche Käufe umsetzen lässt, wird allerdings vor dem Hintergrund der schwachen Einkommensentwicklung von der GfK für fraglich gehalten.

Dagegen nimmt andererseits die Verunsicherung hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung bei den Konsumenten weiter zu, und dieser Indikatorwert ist zum dritten Mal in Monatsfolge gesunken. Die von der GfK errechnete Einkommenserwartung stagnierte bei minus 3,8 Punkten und lag damit unter dem langjährigen Durchschnitt von null Zählern. Die GfK sieht die Zweifel der Konsumenten vor allem auf das kommende Jahr gerichtet, "wenn die private Haushalten durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer und den Wegfall steuerlicher Vorteile wie Pendlerpauschale und Steuerfreibetrag stärker belastet werden."

Übrigens, der GfK-Umfrage zur derzeitigen Kaufbereitschaft lag folgende „Fangfrage" zugrunde: „Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?" (Der Augenblick ist günstig - weder günstig noch ungünstig - ungünstig).. Welcher Mensch mit ein bischen Grips würde da nicht in die Kauf-Richtung rennen, es sei denn, er wäre jetzt schon überschuldet, aber vielleicht selbst dann?

Interessant ist immer die Form, in der die Medien in ihren online-Ausgaben solche Nachrichten mit ihren eigenen Überschriften aufgreifen, die sich deutliche von denen der GfK unterscheiden. Hier eine Auswahl: „Deutsche im Kaufrausch" (SPIEGEL), „Die Deutschen sind in Kauflaune" (FAZ), „Ein Land im Kaufrausch" (FTD), „Kaufen, kaufen, kaufen! Aber nur noch bis Jahresende" (WELT). In diesem Fall greift nur die WELT die eingetrübte Zukunftsperspektive auf.

In USA ist bereits jetzt das Konsumklima deutlich gekippt. Wie das Forschungsinstitut Conference Board heute mitteilte, fiel der Index des Verbrauchervertrauens fiel auf 99,6 von 107 Punkten im Juli. Das ist der niedrigste Stand seit November 2005.


global news 424 29-08-06: Deutsches Paradox: Höchste Unternehmensgewinne, niedrigste Investitionen

Eurostats neue Zahlen vom 25. August 2006 zur Verwendung des Volkseinkommens auf Unternehmensgewinne einerseits und Arbeitnehmereinkommen andererseits zeigen, wie besonders aggressiv die deutschen Unternehmen zu Lasten ihrer Arbeitnehmerschaft vorgehen.

Nirgendwo sonst in den dargestellten Ländern der Alt-EU sind über die letzten fast drei Jahre die Unternehmensgewinne in ihrem Anteil am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt so stark gewachsen; nirgendwo sonst sind die Arbeitnehmereinkommen (einschließlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung) so sehr zurückgegangen (Abb. 12203). Daneben gibt es einen hier nicht dargestellten erheblichen Anstieg der Vermögenseinkommen.

Beim erreichten Anteil der Unternehmesgewinne am Bruttoinlandsprodukt wird Deutschland jetzt nur noch von Österreich, Spanien und Italien überboten und liegt, z.T. erheblich, vor sechs anderen EU-Ländern (Abb. 12200).


Abb. 12201 zeigt die Anteile der Arbeitnehmereinkommen am Bruttoinlandsprodukt.

Um so bedrückender ist, wie sehr viele deutsche Unternehmen trotz dieser hervorragenden Gewinnentwicklung von Anlageninvestitionen in Deutschland abgesehen und damit dem Arbeitsmarkt und der Zukunft der deutschen Volkswirtschaft geschadet haben (Abb. 12202 und 12205), auch wenn im 2. Quartal 2006 endlich wieder mehr investiert wurde.


Daher lag Deutschland beim Anteil der Bruttoanlageninvestitionen am Bruttoinlandsprodukt im 1. und auch noch im 2. Quartal 2006 so ziemlich am Ende des internationalen Vergleichsfeldes (Abb. 12206).

Und hier noch einmal der Vergleich aus dem letzten Rundbrief Deutschland - Frankreich über 6 Jahre (Abb. 12204).


Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt über mehrere Jahre so ungewöhnlich aus der Reihe tanzt, drängen sich Fragen auf. Investieren die deutschen Unternehmen anders als alle anderen vor allem im Ausland? War es ein „Investitionsstreik" eines Teils der Unternehmen, die sich in ihrem negativen Verhalten gegenseitig bestärkt haben? Sicher hat man sich bei vielen Verbandstreffen immer wieder über die deutsche wirtschaftliche und politische Lage unterhalten, auch über vermeindlich unzureichende Gewinne geklagt. Warum haben die ihre Investitionen zurückhaltenden Unternehmen dann im 2. Quartal ausgerechnet zu dem Zeitpunkt zu Investitionen zurückgefunden, als die Konsumnachfrage der privaten Haushalte im Vorjahresvergleich immer noch negativ war und sich am weltwirtschaftlichen Horizont bereits Eintrübungen zeigten. Der Ifo-Geschäftserwartungsindex geht bereits seit April 2006 zurück, das ZEW-Konjunkturbarometer sogar schon seit Februar 2006.

Waren dringend notwendige Erhaltungsinvestitionen nicht länger aufzuschieben? Oder war das Ziel gewesen, mit steigender Arbeitslosigkeit die Gewerkschaften zu schwächen, über dann umso leichter gedrückte Löhne die Gewinne anzuheben (und schließlich vielleicht auch noch eine bei diesen Unternehmen nicht besonders beliebte Regierung loszuwerden)? Und wird nun wirklich dauerhaft wieder mehr investiert? Man wird doch noch fragen dürfen. Gesicherte Annahmen sind hier ohnehin nicht möglich.

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