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Reihe 124 ab 23-06-17 ... ...

(3642) 5 Gründe gegen einen unbegrenzten "Familiennachzug"

(3638) Bei steigendem Anteil an Migrantenkindern ist das deutsche Schulniveau im Sinkflug

(3637) Plus ça change: Die soziale Tünche des Kapitalismus wird immer dünner





Merkels Wahlslogan lautete "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Der Slogan hat sich schon im Wahlergebnis mit den starken Verlusten der bisherigen Regierungsparteien entlarvt. Leider kann nur das oberstes Zehntel wirklich gut leben, während weitere 40 % einigermaßen gut leben und die untere Hälfte eher weniger gut lebt, und der gewaltige Zustrom von Wirtschaftsmigranten ist zu Deutschlands größtem Problem geworden. "Land unter" bedeutet eine Situation, in der zu viele Dinge durcheinander und gleichzeitig einen überfordern. Mit 98 Seiten und 80 farbigen Grafiken auf der Basis des aktuellsten Datenmaterials kann das Buch jetzt beim Verlag für 8,10 Euro bestellt werden und ist auch im Buchhandel unter „ISBN-13: 978-3-7448-8946-9“ erhältlich, sowie bei vielen Versendern , z.B. buch.de, buch24, ebook.de.

"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

global news 3642 18-18-17: Sonderausgabe des Rundbriefs: 5 Gründe gegen einen unbegrenzten "Familiennachzug"

(hier zur pdf.Fassung zum Ausdrucken)

Die Schlacht um Jamaika tobt vor allem um den bisher blockierten Familiennachzug für nur subsidiär geschützte Migranten. Würde auch hier der Familiennachzug zugelassen, so erhöhte sich die Zahl der Migranten mit Recht auf Familiennachzug um nicht weniger als 60 % - keine Kleinigkeit also. Es gibt gleich eine Reihe gewichtiger Gründe gegen den unbegrenzten Familiennachzug, von denen jedoch die Medien die meisten unterschlagen. Hier fünf besonders wichtige Gründe.

Der erste Grund gegen den Zustrom von Familienangehörigen ist verhältnismäßig banal. Je mehr Migranten sich in Deutschland eingerichtet haben, umso größer ist der Sog dieser "Diaspora" auf andere potenzielle Migranten der gleichen Herkunft, die noch in den Herkunftsländern ausharren. Denn in solchen Diasporen in den Ausländervierteln der deutschen Großstädte kann man sich eher zu Hause fühlen, bekommt leichter Hilfe von Landsleuten, kann mit der eigenen Sprache und Kleidung durchkommen, findet als Muslim die passende Moschee und braucht sich zum Überleben weit weniger zu integrieren. International bekannte Migrationsforscher, wie Paul Collier und Alexander Betts, haben diesen Zusammenhang längst erkannt und warnend beschrieben. Können nun Migranten auch noch ihre Familienangehörigen nach Deutschland einreisen lassen - und das gefahrlos mit der Bahn oder dem Flugzeug (!) - so wird die Attraktion für neue Migranten, sich auf die Reise nach Deutschland zu machen, um dann auch ihre Familien nachzuholen, umso größer werden.

Vor allem aber: Nur subsidiär Geschützte dürfen nicht dauerhaft in Deutschland bleiben, sondern erhalten eine verlängerungsfähige Aufenthaltserlaubnis von nur einem Jahr. Holen sie ihre Familien nach, so wird es kaum möglich sein, sie nach einem Jahr oder wenigen Jahren wieder abzuschieben. Der Familiennachzug ginge also gegen das Grundprinzip des zeitweiligen subsidiären Schutzes.

Der zweite Grund ist die große Unbekannte, um wie viele Familienangehörige es sich handeln würde, wenn alle bisherigen Beschränkungen aufgegeben würden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts - gestützt auf die von den Botschaften in Syrien und dem Irak beantragten Visa - wurde bisher allein aus diesen zwei Ländern für 200.000 bis 300.000 weitere Immigranten der Familiennachzug beantragt. Die Bundesregierung rechnete vor wenigen Monaten mit ca. 120 nachzugberechtigen Angehörigen für je 100 Zugewanderte. Bisher haben etwa 59 % der 1,2 Millionen Zuwanderer aus 2015 und 2016 Asyl oder subsidiären Schutz erhalten (Abb. 19563).


Etwas mehr als 21 % erhielten 2016 nur den subsidiären Schutz, bei dem der Familiennachzug bisher blockiert ist. Das wären etwas mehr als 300.000 zusätzliche Familiennachzüge allein für die Zuwanderer aus 2015 und 2016. Aber es könnten auch weit mehr werden, wenn pro 100 Migranten mit subsidiärem Schutz mehr als 120 Angehörige nachzugsberechtigt würden. Wie glaubwürdig sind da Schätzungen von nur 50.000 bis 60.000 weiteren Migranten aus Familien der subsidiär Geschützten, wie sie beispielsweise der IAB-Migrationsforscher Herbert Brücker schätzt und wie sie von den "GRÜNEN" vertreten werden?

Der dritte Grund ist eine Umkehrung der von den "GRÜNEN" und anderen Fürsprechern ständig gebetsmühlenhaftig verbreiteten angeblichen Weisheit, wonach die bei uns Angekommenen sich besser integrieren würden, wenn sie auch ihre Familien um sich hätten. Alle Erfahrungen mit den türkischen Familien, als der größten Migrantengruppe in Deutschland, zeigt jedoch das Gegenteil. Man bleibt eher unter sich und auch bei der türkischen Sprache in der Erziehung der Kinder, ja man schickt die Kinder nicht einmal in den deutschen Kindergarten. Die Familie wird damit zum Integrationshindernis.

Der vierte Grund ist delikater. Wenn schon die bei uns seit 2015 aus dem Orient, Afghanistan und Afrika Angekommenen über durchschnittlich sehr wenig Schul- und meist keine Berufsbildung verfügen und damit überwiegend allenfalls zu sehr einfachen Berufsgruppen Zugang finden und in großem Umfang mindestens für lange Zeiten arbeitslos bleiben, so sind deren Eltern noch weniger durch die Bildungsgänge gekommen und außerdem inzwischen in einem Alter, wo oft selbst das Erlernen der deutschen Sprache zu einer hohen Hürde wird. Immerhin waren nach den letzten Daten der Bundesagentur für Arbeit im Juli dieses Jahres unter insgesamt rund 1,1 Mio. Angehörigen aus nicht-europäischen Asylherkunftsländern nur knapp 0,17 Mio. oder 15,7 % in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Abb. 19840).


Der fünfte Grund ergibt sich aus dem vierten. Ein hoher Anteil der nachziehenden Familienangehörigen wird zeitlebens auf öffentliche Fürsorge angewiesen sein und keinerlei Beitrag zu unserem Sozialversicherungssystem leisten können oder wollen. Dabei wird die Belastung für Deutschland natürlich umso größer sein, je mehr Familiennachzug zugelassen wird. Zurzeit stehen keine verlässlichen Daten für die Kosten der Migration zur Verfügung. Nach Berechnung des Freiburger Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen sollen durchschnittlich pro Flüchtling und Lebenszeit Kosten von 450.000 Euro anfallen. In dieser Schätzung von Einnahmen und Ausgaben für den Staat und die sozialen Sicherungssysteme wird unterstellt, daß die aus den nicht-europäischen Asylländern zuwandernden Personen wegen des durchschnittlich schlechten schulischen und beruflichen Bildungsniveaus etwa sechs Jahre brauchen, um auf das Zahlungsprofil der bereits im Land lebenden Ausländer zu kommen - eine eventuell noch zu optimistische Annahme.

Je mehr ältere für den deutschen Arbeitsmarkt noch weniger geeignete Familienangehörige dazukommen, umso stärker müßten diese Kosten steigen. Gleichzeitig würde bei unbegrenztem Familiennachzug für die sozial schwache einheimische Bevölkerung die Konkurrenz um preiswerten Wohnraum, gering qualifizierte Arbeitsplätze, bei Kita-Plätzen, im Gesundheitswesen und bei allen Sozialleistungen erheblich weiter zunehmen.

Angesichts der Millionen, die schon nach Europa gekommen sind und der vielen Millionen, die sich noch vor seinen Toren auf die illegale Einreise vorbereiten, haben jetzt selbst im klassischen Flüchtlingsland Schweden nur subsidiär schutzberechtigte Migranten kein Recht auf Familiennachzug mehr. In Dänemark kann Familiennachzug erst nach 11 Jahren stattfinden. In Frankreich hat das Parlament gerade einen Gesetzentwurf für ein härteres Einwanderungsrecht verabschiedet: Der Familiennachzug wird künftig durch Sprachtests und Speichelproben erheblich erschwert.

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"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

global news 3638 24-10-17: Bei steigendem Anteil an Migrantenkindern ist das deutsche Schulniveau im Sinkflug

(hier zur pdf.Fassung zum Ausdrucken)

Im Auftrag der Kultusminister der Länder führt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) für die Jahrgangsstufe vier seit 2011 bundesweite Vergleichsstudien durch. Der sogenannte IQB-Bildungstrend gilt als deutsches Pendant zur internationalen Pisa-Studie. Nach dem neuesten, am 13. Oktober veröffentlichten Test können Grundschüler deutlich schlechter rechnen, schreiben und zuhören als noch vor fünf Jahren.

1. Immer höherer Anteil von Schülern mit Zuwanderungshintergrund

Da gleichzeitig über die letzten Jahre der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund erheblich gestiegen ist, hat das eine Diskussion über die Auswirkungen der Migration auf das deutsche Schulniveau ausgelöst. Schon 2011 hatte Jürgen Baumert, Pisa-Papst der erste Stunde gewarnt, daß die Bevölkerungsentwicklung die pädagogischen Fortschritte in der Schule zu untergraben drohe: "Die jüngeren Schülerjahrgänge werden kleiner. Gleichzeitig steigt der Anteil der Zuwanderer, die aus sozial schwächeren Verhältnissen stammen. Mehr Bildungsarmut in den Familien, weniger Kinder, die zu Hause Deutsch sprechen, das wird sich fast zwangsläufig auf das durchschnittliche Lernniveau in Grundschulen niederschlagen."

Doch die ZEIT, das Leitorgan der Willkommenskulturm versucht den Schock zu dämpfen. Der Begriff "Migrationshintergrund" vermenge unterschiedliche Situationen. Denn dem Sohn eines eingewanderten Ingenieurs aus Österreich oder Kanada fällt es in der Schule leichter als dem Jungen, dessen Eltern einst im palästinensischen Flüchtlingslager oder kurdischen Dorf aufgewachsen sind. Das ist natürlich Unfug, denn in den letzten Jahren sind kaum Kinder mit Ursprung in westlichen Industrieländer dazugekommen, dafür aber sehr viele mit muslimischem, besonders türkischem Hintergrund, weil die Geburtenrate hier weit höher ist, und seit einigen Jahren Kinder aus meist muslimischen Zuwanderungsländern in Asien und Afrika. Dabei ist die Flüchtlingswelle von 2015/16 noch nicht einmal in der Studie erfaßt, weil deren Kinder zum Testzeitpunkt noch in den Willkommensklassen unterrichtet wurden.

Trotzdem warnt die ZEIT: "Dabei sollte niemand auf die Idee kommen, Ausländer seien Schuld an dem Leistungsabfall. Nicht weil das Argument politisch unkorrekt wäre, sondern weil es unsinnig ist. Denn mehr als 90 Prozent der Migrantenschüler sind ja Deutsche, sie haben vier Jahre die deutsche Schule besucht und die allermeisten die deutsche Kita." Das ist natürlich ebenfalls Unfug, denn es geht bei dem Problem des Bildungsabrutsches durch Zuwanderung nicht um den Paß, den ein Kind in der Tasche tragen könnte oder ob es eine deutsche Kita besucht hat.

Tatsächlich ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund unter den Viertklässlern seit der Jahrtausendwende bis 2016 schon von 22 % auf fast 34 % gestiegen und allein über die letzten 5 Jahre um 9 Prozentpunkte (Abb. 19845). Angesichts viel niedrigerer Anteile für die ostdeutschen Bundesländer liegt der durchschnittliche Anteil für W-Deutschland bereits bei fast 38 %, in einigen Bundesländern noch weit höher so Bremen 53 %, Hamburg 49 % und in vielen Bundesländern über 40 % (Abb. 19844). In den Ballungszentren dieser Bundesländer dürften Kinder mit Migrationshintergrund schon längst in der Mehrheit sein. Auch deutschlandweit wird das in wenigen Jahren der Fall sein.



Die steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen aus zugewanderten Familien hat zur Folge, daß die Schülerschaft an Schulen in der Primärstufe zunehmend heterogener wird. Der Grad der zuwanderungsbezogenen Heterogenität kann jedoch zwischen Schulen erheblich variieren, etwa aufgrund von Unterschieden in der Bevölkerungsstruktur des Einzugsgebiets von Schulen oder auch aufgrund des unterschiedlichen Schulwahlverhaltens von Eltern mit und ohne Zuwanderungshintergrund. Der IQB-Bildungstrend 2016 hat daher erstmals untersucht, wie sich diese Schülerinnen und Schüler mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil in den Ländern auf die Schulen verteilen. Die Ergebnisse sind teilweise erschreckend. In allen westdeutschen Bundesländern außer Bayern haben zwischen 22 % und 56 % aller Grundschulen bei den Viertklässlern einen Zuwandereranteil von 40 % und mehr (Abb. 19849).


Wenn Schulen in Bremen im Durchschnitt zu fast einem Viertel 60 % und mehr an Zuwandereranteil haben, wie soll dann ein normaler Unterricht möglich sein? Kein Schulsystem kann in der Lage sein, bei solchen Entwicklungen auf Dauer starke Leistungsabrisse zu vermeiden. So sagt In Salzgitter, einer Stadt mit besonders vielen Zuwanderern, der Bürgermeister Klingebiel, der Migrantenanteil sei in manchen Stadtteilen inzwischen so groß geworden, daß deutsche Eltern zu diskutieren begönnen, ob sie ihre Kinder noch in Einrichtungen schicken könnten, in denen mehr als 90 % Migrantenkinder betreut würden. Eine Frau aus Salzgitter klagt, ihr Sohn ginge nur noch mit Bauchschmerzen zur Schule, weil er jeden Tag von syrischen Kindern verprügelt würde; und weiter: "Am Vortag war Elternabend in der Grundschule. Da ist gesagt worden, daß es dieses Jahr keinen Laternenumzug geben soll und keine Weihnachtsfeier, weil zu wenig deutsche Kinder in der Klasse sind."

2. Sinkende Schulleistungen

Tatsächlich kommt die Vergleichsstudie in den Kompetenzbereichen Lesen, Zuhören und Orthografie im Fach Deutsch sowie im Fach Mathematik zum Ergebnis: "Im Jahr 2016 bestehen für alle betrachteten Gruppen ausgeprägte zuwanderungsbezogene Disparitäten. Schülerinnen und Schüler aus zugewanderten Familien erreichen in allen vier Kompetenzbereichen beziehungsweise Teilbereichen im Durchschnitt signifikant geringere Kompetenzen als Schülerinnen und Schüler ohne Zuwanderungshintergrund. Diese Unterschiede sind für Kinder der ersten Generation, die selbst mit ihren Eltern nach Deutschland zugewandert sind, durchgängig am stärksten ausgeprägt." (Abb. 19846).


Bis auf Hamburg, war der Leistungsabfall in Bundesländern mit hohem Anteil an Migrantenkindern, z.B. Bremen oder Nordrhein-Westfalen besonders hoch.

Die Studie äußert sich auch zu den Veränderungen seit 2011: "Kinder der ersten Generation erreichen im Jahr 2016 insbesondere im Zuhören (-43 Punkte) und in der Orthografie (-46 Punkte), aber auch im Lesen (-31 Punkte) und in Mathematik (-29 Punkte) deutlich geringere Kompetenzen als im Jahr 2011. Bei den Kindern der zweiten Generation haben sich dagegen die im Durchschnitt erreichten Kompetenzen im Verlauf von fünf Jahren in keinem Kompetenzbereich signifikant verändert." Diese Feststellung gibt einen Vorgeschmack auf das, was an weiterer Verschlechterung bei den noch nicht erfaßten Zuwanderern der ersten Generation aus den Jahren 2015/16 zu erwarten ist. Das deutsche Schulsystem wird jedenfalls erheblich unter Wasser gedrückt werden. Dabei leiden auch die Leistungen von Mitschülern ohne Migrationshintergrund, wenn der gesamte Klassenfortschritt verzögert wird, um schwache Schüler mitzuschleppen.

3. Und das bei erheblich unterfinanzierten Grundschulen

Zu allem Überfluß zählt Deutschland unter den westlichen Mitgliedsländern der OECD bei den Ausgaben für Schulen je Schüler auch noch zu denen mit den niedrigsten Bildungsausgaben. Dabei wird ausgerechnet an den Grundschulen gespart, wo sich die künftigen Bildungswege entscheiden (Abb. 15392). Unter 22 Ländern liegt Deutschland auf dem 19. Platz im Verhältnis der Ausgaben an den Grundschulen zu denen an allen Schulen (Abb. 19827).



Die Folge ist u.a. ein starker Lehrermangel und im internationalen Vergleich an den Grundschulen eine der höchsten Quoten von Schülern zu Lehrern (Abb. 13806). Allein an Grundschulen fehlen derzeit 2000 Lehrer. Zahlreiche Bundesländer setzen in dieser Situation auf Quereinsteiger. So hat in Berlin mehr als die Hälfte der Lehrkräfte an Grundschulen, die zu diesem Schuljahr eingestellt wurden, kein Lehramtsstudium abgeschlossen. Der Lehrermangel rächt sich dann derzeit in einem Ausfall von 8 % des Unterrichts (rund 1 Mio. Unterrichtsstunden pro Woche), so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Meidinger.


Auch müssen viele deutsche Grundschulen ohne Rektor klarkommen. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen laut Verband Bildung und Erziehung in 390 von 2.700 Grundschulen die Schulleiter; in Niedersachsen müssen 179 Schulen ohne Rektor auskommen; bundesweit sind es etwa 1.000. Die offenen Rektorenposten werden kommissarisch besetzt - oft für mehrere Jahre. Daran liegt u.a. das niedrige Gehalt. Die Leitung einer kleinen Grundschule wird in den allermeisten Bundesländern mit etwa 3.500 bis 4.000 Euro brutto honoriert, netto ist das kaum ein Unterschied zum normalen Grundschullehrer.

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"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

global news 3637 16-10-17: Plus ça change: Die soziale Tünche des Kapitalismus wird immer dünner

Diese Zeilen kommen aus Nice in Frankreich. Hier hatte der Journalist Alphonse Karr gelebt, von dem das Epigramm "Plus ça change, plus c'est la même chose" stammt. Die Dinge verändern sich nur an der Oberfläche, bleiben aber darunter gleich. Das gilt vor allem für die sozialen Bezüge. Die Klassengesellschaft, die Marx vor 150 Jahren so treffend analysiert hat, ist auch heute nach vielen oberflächlichen Veränderungen dieselbe.

1. Die Klassengesellschaft reproduziert sich selbst

Französische Soziologen haben das besonders treffend herausgearbeitet, allen voran Pierre Bourdieu. Nach Bourdieu gibt es für die menschliche Freiheit vielfältige Begrenzungen, unter anderem durch unbewusste verinnerlichte Faktoren, Illusionen, durch sozioökonomische Strukturen, historische Gegebenheiten, Geschlecht, Nationalität und Weltanschauung. Nur vor diesem beschränkenden Hintergrund gibt es überhaupt sozialen Wandel und Innovation. Bourdieu wies nach, daß Feinheiten der Sprache wie Akzent, Grammatik, Aussprache und Stil einen wesentlichen Faktor in der sozialen Mobilität darstellen, beispielsweise beim Erreichen eines besser bezahlten und höher bewerteten Berufs. Durch die zunehmende neoliberale Globalisierung seien atypische Arbeitsverhältnisse zur Regel geworden. Diese Prekarisierung treffe nicht nur marginalisierte Gesellschaftsgruppen, sondern zunehmend auch solche mit noch gesichertem Einkommen. Das organisierte Gegeneinander der Lohnabhängigen sei Bestandteil der neoliberalen Hegemonie.

Derzeit erfährt der französische Bestsellerautor Didier Eribon mit ähnlichen Ergebnissen, die er aus seiner eigenen Lebensgeschichte und der seiner Großmütter literarisch herausdestilliert, sehr viel Resonanz. Das gilt auch für sein jüngstes Buch "Gesellschaft als Urteil". Für Eribon reproduziert sich die Klassengesellschaft mitsamt ihrer Diskriminierungen vor allem über das Bildungssystem und die Hochkultur immer wieder selbst. Das latente Wissen, die Riten, die Codes, der Konformitätsdruck legten den sozialen Aufsteigern derart viele Hürden in den Weg, daß ein Ankommen in den Milieus der kulturellen Elite nie abgeschlossen sein könne, weil es immer neue Inferiorität produziere. Der soziale Aufsteiger stehe gleichzeitig unter dem Konformitätsdruck der neuen Umgebung, sich von seiner eigenen Herkunft zu distanzieren.

Beide Großmütter, deren Leben und Klassenverhältnisse Eribon rekonstruiert, blieben dazu verdammt, ihre Leben in der Unterklasse zu fristen. Der kommunistische Arbeiter, der sein Vater war, gab seine revolutionären Ziele auf, um am Wohlstandskonsum teilzuhaben. Der Horizont der Arbeiter war ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr die andere, bessere Gesellschaft, sondern das eigenen Häuschen. Sie wollten auch Kleinbürger werden. Dabei erwies sich ihr neues Lebensmodell als Sackgasse. Ihr Aufstieg stagnierte, ihre Teilhabe am Konsum war nur geborgt und ihr kollektiver Abstieg war in ihren Vierteln überall sichtbar. Und er berichtet von seiner Mutter, die unter dem Druck der in das Viertel eingewanderten Araber und deren gewaltbereiten Jugendgruppen ihr eigenes Problem nicht mehr in den sozialen Verhältnissen der Arbeiterklasse sah, sondern nun bei den Zugewanderten und deshalb zur Anhängerin des Front National wurde.

2. Das gilt auch für Deutschland

In Deutschland ist, verglichen mit Frankreich, die Gesellschaft zwar noch weniger elitär aufgebaut. Dafür hat sich aber der Graben zwischen arm und reich noch weiter geöffnet. Dieser Graben zeigt sich nun auch in der Bildung, weil immer mehr Eltern ihre Kinder auf teure Privatschulen schicken (Abb. 19796), deren Anteil sich über die letzten 15 Jahre verdreifacht hat (Abb.19843).



Zudem wirkt sich das Merkel'sche Trommelfeuer aus, wonach man hier ohne Klassenunterschied gut und gerne lebe, obwohl alle statistischen Daten die wachsenden Unterschiede ausweisen. So wird die soziale Frage wegmanipuliert, die SPD an den Wählerrand gedrückt und die unter der Oberfläche fortbestehende Klassengesellschaft immer fester zementiert. Menschen, die sich für ihr Häuschen oder ein großes Auto verschuldet haben, machen keine Revolution mehr. Außerdem ist es den bürgerlichen Parteien und ihren Medien gelungen, mit dem Trick einer weit überzogenen Willkommenspolitik die mitgefangene SPD ihren traditionellen Wählern zu entfremden.

Symptomatisch für das Beharrungsvermögen des kapitalistischen Systems trotz aller oberflächlicher sozialen Tünche ist die Entwicklung des Anteils der obersten 10 % am deutschen der Steuer gemeldeten Einkommen. Man muß bis zum deutschen Kaiserreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehen, um einen ähnlich hohen Anteil wie 2008 vor Ausbruch der Weltfinanzkrise von rund 40 % zu finden (Abb. 19494). Dorthin dürfte er inzwischen, nicht zuletzt Dank der Liquiditätspolitik der EZB, wieder gestiegen sein und wahrscheinlich noch höher, während er in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis auf rund 30 % gefallen war. Der Vermögensanteil der obersten 10 % am deutschen Gesamtvermögen liegt nach Berechnungen der Bundesbank für 2014 sogar bei 56 %.


3. Die Notenbanken als Prozessverstärker

Unter dem Vorwand, die Schuldner zu stützen, haben die Notenbanken von USA, Eurozone und Großbritannien die elektronischen Druckmaschinen angeworfen und die Weltfinanzmärkte seit nun schon fast zehn Jahren geflutet, bisher etwa mit 8 Billionen US$, das entspricht etwa 10.000 US$ Wert für jeden Mann, Frau und Kind in diesen Ländern - eine schier unvorstellbare Geldflut, und Draghis EZB legt immer noch oben drauf (über die letzten 3 Jahre mehr als 1,3 Billionen Euro, Abb. 16572).


Doch weit weniger haben arme Schuldner davon profitiert als die ohnehin schon reichen Bevölkerungsschichten. Der globale private Reichtum stieg vor allem über den Wertzuwachs von Finanzmarktpapieren und Immobilienwerten seit 2008 um zwei Drittel (!) auf 166 Billionen US$. Der deutsche Aktienindex steigt immer weiter, schon eine Verdreifachung über die letzten 20 Jahre (Abb. 19841) mit zusätzlich jährlichen Dividendenzahlungen von 3 % im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Dementsprechend hat sich das private Geldvermögen in Deutschland seit dem Jahr 2000 mehr als sechsmal stärker als Löhne und Gehälter entwickelt (Abb. 19842).



Und weil Geld so billig gemacht wurde, ist die globale Kreditaufnahme massiv gestiegen, um etwa 70 Billionen US$ auf über 225 Billionen US$ in nur einer Dekade. Das entspricht nach Berechnungen des IWF mehr als dem Dreifachen der gesamten globalen jährlichen Wirtschaftsleistung. Man kann mit der Hebelwirkung billigen Kredits noch besser spekulieren. Gleichzeitig steigen in den entwickelten Industrieländern die Immobilienpreise, im Verhältnis zu den Einkommen schon mindestens um ein Fünftel über den historischen Durchschnitten.

Der Kapitalismus hat seine Schmarotzer noch nie so beschenkt wie heute. Ist es Wahnsinn, so hat es jedenfalls Methode. "Plus ça change, plus c'est la même chose".

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P.S.: Bitte Rundbrief hier bewerten (eine für mich wichtige Orientierungshilfe). Dies ist allerdings kein Blog, bei dem in aller Breite Diskussionen geführt werden können. Ich gehe daher nur auf Fragen und außerdem auf besonders kritische Beurteilungen ein, wenn meinerseits Richtigstellungen nötig werden.

Zu den schon gestellten Fragen und meinen Antworten hier.