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Reihe 124 ab 23-06-17 ... ...

(3630) Eurozone "gone mad": Deutschland zahlt nach den Wahlen

(3625) Die 8 Merkel-Jahre der SPD

(3623) Die für Deutschland verlorenen 12 Jahre der Angela Merkel

(3622) Die verlogen heile Welt der Bertelsmann Stiftung: Integration von Muslimen

(3621) Kohl, Merkel, Schulz und die nationale Frage

(3620) Warum die nächste Finanzkrise die "Mutter aller Krisen" werden kann

(3618) Capitalism gone wild

(3617) Eine Mehrheit für die Obergrenze und ein Schulz auf verlorenem Posten

(3616) Sollbruchstellen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems: Steuersystem

(3614) Testet jetzt Italien Merkels "Keine Obergrenze!"?

(3613) Deutschland vor der Entscheidung: Massiv in die Eurokasse zahlen oder Löhne und Sozialleistungen zu Hause erhöhen

(3612) 4,5 Milliarden Afrikaner in 2100

(3611) G20: Trumps Sieg über Merkel in der Handelspolitik

(3610) Welches Vertrauen kann man noch in die G20 und Leader Merkel haben?

(3609) Dank Merkel kamen 2016 rund 45 % aller weltweit Asylsuchenden nach Deutschland - Skandinavien war mit nur 2,3 % auf Gegenkurs

(3608) Drei Trends, die unsere Welt total verändern können und wahrscheinlich werden

(3607) Warum die deutsche Flüchtlingspolitik auch die Interessen der Herkunftsländer der Flüchtlinge verrät





Merkels Wahlslogan lautete "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Leider kann nur das oberstes Zehntel wirklich gut leben, während weitere 40 % einigermaßen gut leben und die untere Hälfte eher weniger gut lebt. "Land unter" bedeutet eine Situation, in der zu viele Dinge durcheinander und gleichzeitig einen überfordern. Wenn sich genug Interessenten melden, werde ich ein kleines Buch zu den psychischen und sozialen Überforderungen unserer Gesellschaft schreiben, das zugleich eine Bilanz der 12 Merkel-Jahre ist. Mit ca. 90 Seiten und ca. 80 farbigen Grafiken auf der Basis des aktuellsten Datenmaterials soll es auf Basis Selbstkosten ca. 8 Euro kosten (E-Book ca. 1 Euro) und auch zum Weiterschenken gut geeignet sein. Sie finden Titel, Inhalt und Vorwort hier. Bitte tragen Sie Ihr Interesse hier ein (auch zum Weiterverschenken).

"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

global news 3630 18-09-17: Eurozone "gone mad": Deutschland zahlt nach den Wahlen

(hier zur pdf.Fassung zum Ausdrucken)

Bis zu den Bundestagswahlen wollen unsere Partner noch warten, bis sie ihre Ansprüche auf Lastenausgleich in der Eurozone präsentieren. Dabei geht es um einen EU-Haushalt, einen EU-Finanzminister, neue und alte Pöstchen und sehr viel Geld. Kommissionspräsident Juncker ist schon mal vorgeprescht und hat einen Euro für Alle vorgeschlagen, also auch für die Osteuropäer, die ihre gravierenden Entwicklungs- und Sozialprobleme bisher noch allein austragen müssen. Statt einen neuen Euro-Finanzminister will er alle Zuständigkeiten bei seiner EU-Kommission haben.

Der eigentliche Druck wird aber aus Frankreich kommen. Denn Macron wird es nicht gelingen, seine Wahlversprechen an die Franzosen ohne deutsche Finanzhilfen einzulösen. Gerade Frankreich und Deutschland haben sich wirtschaftlich in den letzten Jahren stark auseinander entwickelt (Abb. 19817). Die Einführung des Euros hat der deutschen Exportwirtschaft weit mehr gedient als der französischen (Abb. 19628). Im Ergebnis hat sich auch die Arbeitslosigkeit zum Nachteil Frankreichs auseinander entwickelt (Abb. 19627).




Die französische Regierung konnte ihr Haushaltsdefizit nicht so zurückfahren wie die deutsche und kämpft seit Jahren mit der Maastricht Grenze von 3 % des BIP (Abb. 19816). So stieg auch die Staatsverschuldung immer weiter auf fast 100 % der Wirtschaftsleistung, während die deutsche mit deutscher Sparsamkeit auf 65 % zurückgeführt wurde (Abb. 19818).



Bei seinen Forderungen gegen Deutschland kann sich Macron auf die Unterstützung der ebenfalls notleidenden sogenannten ClubMed-Länder verlassen, vor allem Italien, Spanien und Griechenland. Leichtsinnig zugesagt hat Merkel bereits bei der Bankenunion, die eine Vergemeinschaftung von Bankenschulden vorsieht und auch die Vergemeinschaftung der Einlagensicherung, die besonders in Deutschland gut gepolstert ist. Nun aber soll die Eurozone einen eigenen Haushalt bekommen, einen eigenen Finanzminister und ein eigenes Parlament.

Macron sieht das gemeinsame Budget in der Größenordnung von "mehrere Prozentpunkten" der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Der deutsche Bundeshaushalt entspricht derzeit etwa 10 % der deutschen Wirtschaftsleistung. Mehrere Prozentpunkte für einen zusätzlichen Euro-Haushalt entsprächen also erheblichen zusätzlichen Steuerbelastungen für Deutschland (z.B. bei drei Prozentpunkten ein Loch von 30 % im Bundeshaushalt!), zumal der neue Eurohaushalt bevorzugt in anderen Euroländern zum Einsatz käme. Doch schwebt Macron auch vor, daß sich der Haushalt selbst über neue Kredite finanziert, also einen Schattenhaushalt darstellt, der dann immer weiter wachsen könnte.

Bei den Pöstchen soll Deutschland mit dem Job des Präsidenten der EZB umworben werden. Allerdings will Frankreich, zusammen mit Italien, unbedingt Weidmann verhindern. Außerdem soll der französische Finanzminister Bruno Le Maire den Spitzenjob der Euro-Finanzministergruppe übernehmen, wenn der niederländische Amtsinhaber im kommenden Jahr abtritt. Wenn der Posten dazu mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet würde, könnte Frankreich praktisch den europäischen Finanzminister stellen. Für Deutschland hieße es dann nur noch: "zahlen".

Dabei liegt das mittlere Vermögen der privaten deutschen Haushalte am Ende der Eurozone (das französische ist um 86 % höher, Abb. 19491), so daß sich unsere Partner mit ihrem weit höheren privaten Vermögen durchaus über ein besseres Steuersystem selbst finanzieren könnten, statt angeblich notwendige deutsche Solidarität einzuklagen. Nur 44 % der deutschen Haushalte können eine Wohnung ihr eigen nennen, der niedrigste Anteil in der Eurozone und das Fehlen einer wichtigen Absicherung gegen Altersarmut (Abb. 19820). Weiter hat Deutschland nach den Krisenländern Spanien und Italien den höchsten Anteil von trotz Arbeit Armen (Abb. 17366) und das in der Eurozone niedrigste Rentenniveau nach kleinen Arbeitseinkommen (Modellrechnung der OECD, Abb. 19819).





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global news 3625 05-09-17: Die 8 Merkel-Jahre der SPD

Noch immer und auch nach der TV-Debatte fragen sich viele Wähler, ob sie nun auf Merkel oder Schulz setzen sollen. Das ist nach 8 Jahren große Koalition (4 der 12 Merkel-Jahre waren schwarz-gelbe), in denen diese Parteien immer weniger unterscheidbar wurden, keine leichte Entscheidung, und so war nach kürzlichen Umfragen fast die Hälfte der Wähler immer noch unentschlossen. Tatsächlich sind Merkel und Schulz programmatisch weitgehend austauschbar.

Beide und beider Parteien sind bereit, nach den Wahlen weitere deutsche Interessen auf dem Altar der Europapolitik zu opfern (Schulz vielleicht nach seiner politischen Entwicklung etwas mehr als Merkel) und deutsche Ersparnisse und Steuereinnahmen über die EZB und demnächst einen gigantischen Investitionsfond in andere Euroländer, vor allem in Macrons Frankreich, abfließen zu lassen.

Beide Lager haben deutsche Interessen hemmungslos auf dem Altar einer unrealistischen Willkommenspolitik für ein Millionen-Heer von Migranten geopfert und halten weiter an kaum kontrollierten Landesgrenzen ohne jährliche Höchstzahlen für die Immigration fest. Merkel hat im TV-Duell sogar erklärt, man müsse weiterhin auch Immigranten ohne Papiere ins Land lassen. Schulz meinte in seiner jüngsten Rede beim DIW, Migration sei ein selbstverständlicher Begleiter unserer Geschichte, und Deutschland sei ein "Land der Vielfalt". Er duldet sogar eine türkischstämmige Stellvertreterin im Parteivorstand, die - ohne jeden Widerspruch von Schulz - den Deutschen eine eigene Kultur abspricht. Merkel und Schulz haben bisher nicht von der Familienzusammenführung Abschied genommen, die bei Immigranten mit sogenanntem "subsidiären Schutz" (keine Flüchtlinge mit UN-Status) bis April kommenden Jahres nur aufgeschoben wurde und die nach Angaben des Auswärtigen Amts - gestützt auf die von den Botschaften in Syrien und dem Irak beantragten Visa - allein aus diesen zwei Ländern 200.000 bis 300.000 weitere Immigranten nach Deutschland bringen wird, wahrscheinlich aber weit mehr. Schulz hat bereits im März dem Familiennachzug für Syrer zugestimmt und hat ihn generell jetzt beim TV-Duell auf eine Einzelfallprüfung verschoben, Merkel will sich erst nach den Wahlen entscheiden (so auch im TV-Duell), läßt also die Wähler im Dunkeln.

In den übrigen Politikfeldern kann man Merkel und Schulz nicht an ihren Versprechungen messen, zumal sie in der Vergangenheit selten eingehalten wurden, sondern nur an den Taten in der Regierungskoalition während der gemeinsamen 8 Merkel-Jahre. Merkel waren ein paar kleinere Konzessionen an die SPD gerade recht, um auch in diese Richtung wählbar zu werden und so die SPD klein zu halten. So kam es vor allem zur Einführung des Mindestlohns. Der allerdings hat viele Löcher, ist viel zu niedrig angesetzt und erlaubt keine Renten oberhalb des miserablen Niveaus einer Grundsicherung (Abb. 19145); er ist der niedrigste Mindestlohn in W-Europa, von den Eurokrisenländern abgesehen, und selbst den will die CDU für Migranten aussetzen.


Die SPD hatte und hat mit Müntefering (SPD-Generalsekretär unter Schröder), Steinmeier (Chef des Bundeskanzleramts unter Schröder) und Gabriel (Nachfolger Schröders als Ministerpräsident und danach dessen Umweltminister) als Mitglieder der Merkel-Regierung nur Personal, das unter Schröder großgeworden ist und sich nie von dessen sozialen Grausamkeiten abgesetzt hat. Nie hat diese SPD mit einer Aufkündigung der Großen Koalition gedroht, um weitergehende soziale und andere Ziele durchzusetzen. In den gemeinsamen 8 Merkel-Jahren wurden so mit Unterstützung der SPD Steuern für die Reichen gesenkt und wurde gleichzeitig die besonders die ärmeren Bevölkerungskreise, die einen großen Anteil ihres kleinen Einkommens für den Konsum einsetzen müssen, treffende MwSt. drastisch erhöht und wurden nach der Weltkreditkrise die meist wohlhabenden Gläubiger der deutschen Banken zu Lasten der deutschen Steuerzahler mitgerettet. Gleichzeitig wurde das Niveau der Eingangsrenten weiter abgesenkt.

Die meiste dieser sozialen Untaten wurde noch dazu unter dem SPD Finanzminister Steinbrück in den ersten vier Jahren der Großen Koalition in den Jahren 2005 bis 2009 begangen. So wurde 2009 auch bei Privatanlegern die Kapitalertragssteuer für Kapitaleinkünfte von nur 25 % und damit weit unter dem bis dahin dafür geltenden Spitzensteuersatz eingeführt. Der Spitzensteuersatz selbst wurde 2005 von 45 % auf nur noch 42 % abgesenkt. Zwar wurde 2007 auf Druck der SPD die Reichensteuer von 3 % eingeführt. Doch die gilt nur für jährliche Einkommen ab 250.000 Euro für Alleinstehende und 500.000 Euro für Verheiratete und nur für die diese Grenzwerte überschreitende Beträge. Für die anderen Reichen blieb es bei der Steuersenkung. Dann wurde 2009 der Steuersatz auf Gewinne der Kapitalgesellschaften von 38,3 % auf nur noch 29,8 % abgesenkt, was einseitig den Kapitaleignern nützt. Andererseits wurde mit Beginn des Jahres 2007 die Mehrwertsteuer drastisch von 16 % auf 19 % erhöht. So hat sich Schröders sozialer Raubzug nahtlos fortgesetzt.

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global news 3623 31-08-17: Die für Deutschland verlorenen 12 Jahre der Angela Merkel

  • 1. Ein Land, in dem es sozial immer ungerechter zugeht
  • 2. Vermögensarmut
  • 3. Merkels Steuergeschenke für die Reichen
  • 4. Die Renten verlieren weiter an Boden
  • 5. Zu wenig Geld für Investitionen in Bildung und Infrastruktur
  • 6. Schon jetzt dramatischer Mangel an bezahlbarem Wohnraum
  • 7. Weniger Sicherheit, selbst in den eigenen vier Wänden
  • 8. Umwelt: Kaum Besserung unter Merkel
  • 9. Dann noch die Migranten oben drauf
  • 10. Der unselige Pakt mit dem türkischen Despoten
  • Diese Analyse mutet dem Leser mit einer Länge von 8 DIN A4-Seiten viel zu. Aber nur eine so umfassende Darstellung erlaubt ein Urteil über die 12 Merkel-Jahre. Scheibchenweise verabreicht, wie meist in den Medien, gehen auch die schlimmsten Fehlleistungen im Rauschen der Medienkakophonie unter. Ich bitte Sie daher um Verständnis und eine trotz der für das Internet ungewöhnlichen Länge sorgfältige Lektüre.

    Frau Merkel trat ihr Amt als Bundeskanzlerin im gleichen Jahr 2005 an, als ich mit dem Infoportal startete. Sie versprach nach Schröder einen frischen Anfang und sah auch auf dem Wahlplakat eher nach 35 als nach 51 aus. Doch entgegen dem Wahlslogan haben sehr viele und zunehmend mehr Menschen ihre Chancen nicht nutzen können. Dazu trug die schwere Weltfinanzkrise bei, die sich auf Deutschland ausbreiten konnte, weil die deutsche Banken- und Finanzmarktaufsicht unter Merkels Regierung genauso versagte, wie in vielen anderen Ländern. Im Ergebnis wurden die meist wohlhabenden Finanzierer der Banken, die ihre riskanten Anleihen gekauft und ihnen damit Milliarden an Spielkapital besorgt hatten, vor Verlusten bewahrt, während Merkel die Verluste der Allgemeinheit zuschob.


    Ich habe seitdem über die 12 Jahre immer wieder die deutsche Entwicklung unter ihrer Führung kritisch analysiert und mich dabei vor allem an der sozialpolitischen Ausrichtung und Merkels Einsatz für die neoliberale Globalisierung (vom TTIP bis China und zur Migration) gestoßen. In Dublin sprach mich nun kürzlich ein amerikanisches Ehepaar neidisch und bewundernd auf die deutsche Bundeskanzlerin an. Ich antwortete, es gäbe kaum ein Land in der Welt, das so leicht wie Deutschland zu regieren sei. Regierung und Medien sorgen für ein weitverbreitetes Wohlgefühl, das weit jenseits der Realitäten angesiedelt ist und auf das jetzt Merkel mit ihrem inhaltslosen Wahl-Slogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" setzt.

    Wer mit der Politik unzufrieden ist, hat kaum Alternativen, zumal in Zeiten großer Koalitionen, und die meisten der Unzufriedenen ziehen sich in ihr Privatleben zurück und bleiben auch den Wahlurnen fern, stören also die konservativen Eliten nicht beim Regieren. So stieg die Zahl der Nichtwähler von 22,3 % bei der ersten Merkelwahl 2005 auf 28,5 % bei der bisher letzten und wurden die Nichtwähler zahlreicher als die Stimmen für Merkels Partei. Gerade die jüngeren Jahrgänge, um deren Zukunft es eigentlich geht, beteiligen sich besonders wenig (25 bis unter 30 Jahre: 37,6 % Nichtwähler) und Wähler über 60 Jahre sind mit nur 20,2 % Nichtwähler Merkels treueste Anhänger. Bezeichnend für das Maß an Frustration ist, daß es nach einer neuen Emnid-Umfrage in den letzten 20 Jahren so kurz vor einer Wahl mit 47 % noch nie so viele Wähler gegeben hat, die noch nicht sagen konnten, wem sie ihr Kreuz auf dem Wahlzettel geben werden.

    Straßendemonstrationen wie in unseren Nachbarländern gibt es in Deutschland kaum, Streiks ebenso, und Volksentscheide sind nicht zugelassen. So können Regierungen Probleme bequem aussitzen und Lösungen in eine ferne Zukunft vertagen. Selbst Merkels folgenschwerste Fehlentscheidung eines monatelangen Offenhaltens der deutschen Grenzen für Migranten in Millionenstärke kombiniert mit großen weltweit verbreiteten Einladungsgesten, was das Land und seine Zukunft schwer überfordern wird und die EU schon jetzt in eine Zerreißprobe gebracht hat, scheint vergeben oder einfach in der Aufmerksamkeit verdrängt.

    Warum werden die Merkel-Jahre seit 2005 in dieser Analyse als "verlorene" bezeichnet? Dafür gibt es die eingangs aufgezählten 10 Hauptgründe. Sie werden hier streng an den Fakten orientiert und damit weitestgehend unter Verzicht auf Polemik dargestellt, obwohl ein solcher Verzicht nicht leicht fällt.

    1. Ein Land, in dem es sozial immer ungerechter zugeht

    Netto-Löhne und -Gehälter haben sich seit der Jahrhundertwende sehr viel schwächer entwickelt als die Unternehmens- und Vermögenseinkommen, und daran haben die Merkel-Jahre nichts geändert (Abb. 19781). Entsprechend ist das Verhältnis der Einkommen des obersten Fünftels zum untersten in der Merkel-Zeit von 3,8 auf 4,8 gestiegen (Abb. 19785). Auch die Anteile der unteren 40 % an den verfügbaren Einkommen und der oberen 60 % haben sich deutlich weiter auseinander entwickelt (Abb. 19593).




    Minijobs und niedrig entgoltene Arbeit hat in Merkels Zeit stark zugenommen, wobei sich die unsichere und schlechter bezahlte Leiharbeit auf fast 1 Mio. verdoppelt hat (Abb. 17118) und die Minijobs auf 7,5 Mio. stiegen. Entsprechend verdoppelte sich der Anteil der trotz Arbeit Armen von 4,8 % 2005 auf fast 9,7 % in 2015 (Abb. 19782).




    Eine der größten Herausforderungen, vor der Deutschland immer noch steht, ist die Immigration, soweit sie schon stattgefunden hat und noch weiter stattfinden wird. Diesem Thema habe ich eine 112 Seiten lange Neuauflage meines Buches gewidmet, in der nun 45 farbige Abbildungen enthalten sind. Jetzt direkt beim Verlag, im Buchhandel (ISBN: 13: 978-3-7448-4072-9) oder Versandhandel (z.B. Amazon) zum Preis von 6,75 Euro oder als E-Book für 1,99 Euro bestellen. Achten Sie bitte auf "Erweiterte Auflage" auf dem Titelbild, da auch die erste Auflage noch am Markt ist.

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    "In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

    global news 3622 25-08-17: Die verlogen heile Welt der Bertelsmann Stiftung: Integration von Muslimen

    Rechtzeitig vor den Bundestagswahlen bringt die Merkel-nahe Bertelsmann Stiftung eine Studie heraus, die schon im Titel ihre Richtung verrät: "Muslime in Europa Integriert, aber nicht akzeptiert?". Die Studie will herausgefunden haben, daß muslimische Einwanderer in Westeuropa deutliche Fortschritte bei der Integration gemacht haben und spätestens seit der zweiten Generation mehrheitlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. Doch würden diese Integrationserfolge von Teilen der Gesellschaft zu wenig anerkannt. Nicht die Muslime ließen es also an Integrationsbereitschaft missen, sondern wir Deutschen unterstützten sie dabei nicht genug mit Anerkennung. Der Islam gehöre insofern längst zu Europa, und er spiegle die traditionelle Vielfalt des Kontinents.

    Dann wird auch noch ein Ranking beigefügt, das suggerieren soll, Muslime seien in Deutschland besser integriert als in Österreich, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich sowie Frankreich. Die Verbundenheit mit dem Aufnahmeland sei zwar unter den Muslimen in der Schweiz mit 98 % am ausgeprägtesten, doch dann folgt gleich Deutschland mit 96 %.

    Die Leitmedien der deutschen Willkommenskultur greifen diese Vorlage sofort auf. So schreibt der SPIEGEL unter der Überschrift "Bertelsmann-Studie Muslime sind besser integriert - aber nicht akzeptiert" (man beachte: hier ist das Bertelsmann-Fragezeichen schon verschwunden):

    "In Deutschland leben etwa 4,7 Millionen Muslime. Verglichen mit anderen westeuropäischen Ländern sind viele von ihnen vor allem auf dem Arbeitsmarkt besser integriert - als Nachbarn aber nicht gern gesehen."

    Ähnlich klingt es bei der ZEIT: "Integriert, aber nicht gern gesehen" oder der Süddeutschen Zeitung: "Muslime sind besser integriert, doch es mangelt an Akzeptanz". Und BILD macht daraus gleich die Überschrift: "96 % der Muslime fühlen sich Deutschland verbunden" (siehe Abb.).


    Und natürlich läßt sich auch die ARD in der Tagesschau diese Untersuchung nicht entgehen (Abb.).


    Zunächst einmal kommt die Studie sehr professionell daher: Es brauche nachprüfbare Fakten. Diese könne der Religionsmonitor 2017 liefern, der mit einer repräsentativen Datenbasis zu Fragen der Religiosität und zur Rolle von Religion in der Gesellschaft aufwarte. Doch die Studie hat, wie bei diesen Ergebnissen zu erwarten, schwere Fehler. Zunächst einmal wurden nur Muslime befragt, die bis 2010 kamen und damit schon mehr als sieben Jahre bei uns leben, obwohl der Titel einen Befund über alle Muslime zu versprechen scheint. Es sind also schon weitgehend Muslime der zweiten oder dritten Generation, die hier befragt wurden. Die Erfassungsbasis kann mit nur 0,02 % der Muslime in Deutschland kaum repräsentativ sein. Dabei bringen solche Umfragen ohnehin keine nachprüfbaren Ergebnisse: Ein - wie in diesem Fall - wohlwollender Befrager hört, was er hören will.

    Pech für die Bertelsmann Stiftung: Es gibt eine wesentlich repräsentativere Umfrage unter Türken in Deutschland, der weitaus größte Teil von bis 2010 eingewanderten Muslimen und ihrer Nachkommen. Das ist der Mikrozensus des Statistischen Bundesamts mit einer fünfzigmal so breiten Erfassungsbasis. Der zeigt zum Beispiel bei der besonders wichtigen Frage der Integration in den Arbeitsmarkt ein ganz anderes Ergebnis. Während nach Bertelsmann in Deutschland nur 5 % der Muslime arbeitslos sein sollen, und damit sogar weniger als die 7 % bei den Nicht-Muslimen (!), sind es nach dem Mikrozensus von 2014, also auch vor der letzten Welle an Immigranten, genau umgekehrt 10,5 % bei türkischen Erwerbspersonen gegenüber 4,26 % bei Erwerbspersonen ohne Migrationshintergrund. Schon das zeigt die handwerklichen Schwächen von Bertelsmann. Dabei haben nach Mikrozensus die erwerbstätigen Türken mit 13,6 % einen wesentlich höheren Anteil an ausschließlich geringfügiger Beschäftigung gegenüber 8,4 % bei Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund.


    Auch die angebliche Verbundenheit von 96 % der Muslime mit Deutschland kann angezweifelt werden. Man erinnere sich an die massenhaft türkische Fahnen schwingenden Türken bei politischen Auftritten in Deutschland. So hat denn auch eine Umfrage des Info Instituts schon 2012 ergeben, daß nur noch 15 % Deutschland eher als ihre Heimat betrachten (2009 waren es noch 21 % Abb. 17342). 45 % der Türken in Deutschland wollen zurück in ihre Heimat und 62 % sagen, dass sie am liebsten mit Türken zusammen sind.


    Und von der ziemlich miserablen Bildungslage der muslimisch-türkischen Zuwanderer bis 2010 und ihrer Kinder gibt es bei Bertelsmann kein Wort, dafür aber ausreichend Zahlenmaterial beim Statistischen Bundesamt (Abb. 19625, 19626).



    Im Ergebnis ist die Bertelsmann Studie grob irreführend und das aus durchsichtigen politischen Gründen. Doch leider „ist es leichter die Menschen zu täuschen, als davon zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind“ Mark Twain.

    * * * * *


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    global news 3621 22-08-17: Kohl, Merkel, Schulz und die nationale Frage

    1. Nationen, Nationalgefühle und nationale Grenzen

    Die Welt besteht seit Jahrhunderten aus Nationen mit ihren Nationalgefühlen und nationalen Grenzen und meist auch nationalen Währungen, aber auch unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Verhaltensweisen. Trotz Globalisierung haben die Nationen Bestand, wie sich vom EU-Austritt Großbritanniens bis zu den militärgestützten Grenzambitionen Chinas zeigt. Wie lebendig die Nationalstaaten selbst in der EU sind, hat sich erneut seit 2015 in der Flüchtlingskrise und der Unmöglichkeit, die Flüchtlinge in der EU zu verteilen, bewiesen.

    Nur Deutschland hatte und hat in seiner jüngeren Geschichte an seiner Regierungsspitze mit Kohl und Merkel zwei Personen, die gegen das Nationalgefühl (Kohl) und gegen die nationalen Grenzen (Merkel) angetreten sind.

    Kohl ist gegen Nationalstaat und Nationalgefühl geradezu zu Felde gezogen. In seiner berühmten Rede in der belgischen Stadt Löwen am 2. Februar 1996 sagte er:

    "Die Politik der europäischen Einigung ist in Wirklichkeit eine Frage von Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert. Der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts kann die großen Probleme des 21. Jahrhunderts nicht lösen. Ich halte es für ein Gebot der Vernunft, dass wir Deutsche uns immer wieder bewusst machen, wie unsere Nachbarn uns sehen. Dieses Bild wird auch heute noch durch historische Erfahrungen, die oft genug historische Belastungen waren, geprägt."

    Mit der gleichen Überzeugung opferte er später die deutsche Währung zugunsten einer künstlichen europäischen, die nun in einer Dauerkrise vegetiert, da sie auf die stark unterschiedlichen nationalen wirtschaftlichen und sozialen Traditionen keine Rücksicht nehmen kann. Auch der Euro war für Kohl eine Frage von Krieg und Frieden in Europa. Ähnlich sah später Merkel den Euro als Frage von Krieg und Frieden: "Europa ist schneller eine Frage von Krieg und Frieden als man denkt. Die Eurokrise hat gezeigt, wie schnell Vorurteile wieder entstehen."

    In der Diskussion um eine Europäische Verfassung von 2003 erinnerte später Papst Paul II vergeblich an das christliche Erbe Europas:

    " ..möchte ich mich noch einmal an die Begründer der künftigen europäischen Verfassung wenden, auf daß darin ein Bezug auf das religiöse und insbesondere auf das christliche Erbe Europas deutlich werde."

    Ein solcher Bezug war nach Jahrzehnten der Immigration und der Begeisterung für das Multikulturelle schon nicht mehr durchsetzbar.

    Merkel hat in der Tradition Kohls weitergearbeitet. Das gilt besonders für die Grenzöffnung mit einer völlig ungeordneten Zuwanderung in Millionenstärke von meist schlecht oder gar nicht gebildeten Menschen aus muslimischen Ländern, die bei uns kaum integrierbar sind. Auch gibt es immer weniger eine deutsche und europäische Kultur, in die diese Menschen integrierbar wären. Da rächt sich in Deutschland noch einmal Kohls Antritt gegen den deutschen Nationalstaat (und inzidenter seine Kultur).

    2. Migration und nationale Kultur

    Nach dem letzten Mikrozensus von 2016 haben Frauen der Jahrgänge 1940/60 mit türkischem Hintergrund in Deutschland im Durchschnitt 3,3 Kinder. Übertragen auf die derzeit 5,8 Mio. Menschen mit Hintergrund aus vorwiegend muslimischen Ländern in Deutschland würde das in nur einer Generation einen Anstieg auf rund 9 Mio. bedeuten, wozu dann noch der in den kommenden Jahren zu erwartende Familiennachzug für die schon Zugewanderten käme und die in den kommenden Jahren zu erwartende weitere Zuwanderung mit ebenfalls muslimischem Hintergrund (meist aus Afrika, Abb. 19780). Je mehr es werden, umso schlechter werden sie in den deutschen Kulturraum zu integrieren sein, schon weil sich das Zahlenverhältnis vor allem in den Großstädten stark verschieben wird.


    Dort lag schon vor vier Jahren in vielen von ihnen der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei einem Drittel bis zu fast der Hälfte (Abb. 19361) und unter den Kindern bis drei Jahre schon vor 9 Jahren bis zu 72 % für Frankfurt (Abb. 18099). Praktisch in allen größeren deutschen Städten haben schon heute mehr als die Hälfte der Sechsjährigen einen Migrationshintergrund. Eine einfache Modellrechnung auf der Basis des Mikrozensus von 2016 zeigt für das gesamte Land, wie bei der jeweiligen durchschnittlichen Kinderzahl auf heute 100 Deutschstämmige 30 Menschen mit Migrationshintergrund kommen und deren Zahl in nur drei Generationen ohne weitere Zuwanderung auf 65 gestiegen sein wird (Abb. 19779). Eigentlich ist das alles eine Binsenwahrheit, die jedem Politiker bewußt sein sollte.




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    global news 3620 15-09-17: Warum die nächste Finanzkrise die "Mutter aller Krisen" werden kann

    (hier zur pdf.Fassung zum Ausdrucken)

    1. Liquidität aus der Notenpresse ohne Ende

    Die Welt schwimmt in Liquidität, weit mehr als je zuvor. Die Notenbanken haben die Notenpressen schon seit Jahren auf maximale Geschwindigkeit gebracht. So hat die EZB ihr Bilanzvolumen in wenigen Jahren mehr als vervierfacht und allein in den letzten zwei Jahren verdoppelt (Abb. 16572). Doch sehr viel dieser Liquidität ging nicht in die erhofften Investitionen oder den privaten konjunkturstützenden Konsum sondern direkt in spekulative Anlagen an den Finanzmärkten der Welt. So sind die Weltaktienkurse auf Höchststände geklettert: Der deutsche DAX liegt trotz seit wenigen Tagen leichten Rückgangs auf dem 1,7-Fachen des Standes von vor 5 Jahren (Abb. 18700).



    Ein anderer Teil der Liquiditätsflutung führte zu einem starken Schuldenaufbau der Haushalte und Unternehmen, die sich von niedrigsten Zinsen zur Kreditaufnahme verführen ließen. Sollten die Zinsen, wie zu erwarten, wieder steigen, so werden sich viele der Kreditnehmer als überschuldet herausstellen und zur nächsten Krise beitragen. Das gilt auch, wenn die Aktienkurse einbrechen sollten, womit ebenfalls jederzeit gerechnet werden muß. Schon der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA drückt derzeit auf die Kurse und hat den globalen Börsenwert nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters binnen weniger Tage um insgesamt etwa eine Billion Dollar schrumpfen lassen, so viel wie die deutsche Wirtschaftsleistung in drei Monaten.

    Ein hoher Anteil des weltweiten privaten Vermögens, auch der weniger Wohlhabenden vor allem in den angelsächsischen Ländern und in Asien, ist an den Aktienmärkten angelegt, so daß viele Haushalte und Unternehmen bei einer Krise an den Finanzmärkten ihre Nachfrage nach Waren und Dienstleistung sofort drosseln müßten, wie sie das auch in der Vergangenheit immer wieder getan haben. So haben Aktienkurse und Ölpreise immer wieder schwere Krisen mit der Vernichtung hoher Vermögenswerte erlebt (Abb. 19773). Anleihen gelten dagegen als relativ sicherere Anlagen, doch sollten durch krisenhafte Entwicklungen verunsicherte Anleger höhere Zinsen für Anleihen durchsetzen, so würden die Werte niedriger verzinster älterer Anleihen sofort absinken. Auch Anleihen wären dann also gefährdet.


    Und wer kein Geld in Finanzpapieren angelegt hat, sollte nicht glauben, daß er oder sie vor Krisen geschützt bleibt, wie schon die Krise von 2007/08 sehr deutlich gezeigt hat. Außerdem wird der größte Teil des Kredivolumens in den meisten Ländern von den Banken als Hypothekenkredit geschaffen, wobei die Kreditnehmer sehr oft auf steigende Immobilienpreise spekulieren. In Großbritannien bestand beispielsweise 2012 allein 65 % des Kreditvolumens der Banken aus solchen Krediten. Auch in Deutschlands Großstädten wird wegen der niedrigen Zinsen auf Finanzanlagen immer mehr in kreditfinanzierte Immobilien investiert, was dort die Immobilienpreise immer höher treibt. Im bundesdeutschen Durchschnitt stiegen sie seit 2010 in nur 7 Jahren bereits um 70 %. Wie schon im Vorlauf zur letzten Krise steigt damit auch von dieser Seite bei stark anziehenden Hypothekenzinsen und/oder einbrechenden Immobilienpreisen erneut das Risiko krisenhafter Entwicklungen.

    2. Verschuldung ohne Ende

    Das nächste Mal kann es noch weit schlimmer kommen, als selbst in den letzten beiden schweren Weltfinanzkrisen. Die Kreditaufnahme in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist aus der Krise von 2007/08 heraus auf neue Höchststände um 280 % der Wirtschaftsleistung dieser Länder geklettert (Abb. 19772). Dabei mußten die Regierungen für die überschuldeten Haushalte und Unternehmen und für ihre Banken miteinspringen. Noch stärker war die Verschuldungsentwicklung seit der Krise in den Schwellenländern (Abb. 19777). Nachdem schon die letzte Krise von zu viel Kredit ausgelöst wurde, ist der zusätzliche starke Anstieg umso gefährlicher.



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    "In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

    global news 3618 04-08-17: Capitalism gone wild - Einige Schlaglichter auf den Zustand der Zivilisation

    Seit dem Fall der Berliner Mauer ist der Kapitalismus besonders wild geworden. Die meisten Menschen bekamen einen ersten Eindruck dieses Verhängnisses, als 2007 die Weltkreditkrise ausbrach und die Banken sich als Geldvernichter in gigantischen Ausmaßen erwiesen. Seitdem sind sie nicht etwa zur Vernunft gekommen, sondern haben immer wieder neue Tricks ausgeheckt, um die Märkte zu täuschen und ihren Profit hochzutreiben. Die Deutsche Bank, die das Beiwort "deutsch" längst nicht mehr verdient, ist mit immer neuen Skandalen und gewaltigen Geldstrafen der Aufsichtsbehörden in Europa und USA ein prägnantes Beispiel. Ich habe selbst noch einige wenige Aktien der Deutschen Bank, deren Verkauf sich nach dem enormen Wertverlust nicht mehr lohnte: Ihr Aktienkurs beträgt heute gerade einmal 14 % von dem vor zwanzig Jahren. Den Rest haben die Deutsche Bank und ihr hochbezahlter Vorstand verspielt.

    Dann geriet Griechenland in den Strudel und wenig später die gesamte Eurozone. EZB-Präsident Draghi verhängte Negativzinsen, die sich niemand bei Einführung dieser unglücklichen Kunstwährung hätte vorstellen können. Deutschland kommt nicht nur durch seine Banken sondern nun auch durch eine betrügerische Automobilindustrie in den Strudel. Auch In diesem deutschen Vorzeigesektor ging es nur noch um maximale Profite und das unter Verletzung gesundheitlicher Mindeststandards für die Luftqualität in den Innenstädten.

    Noch tiefer wurde und wird Deutschland in den Strudel gedrückt, seit in Millionenstärke Migranten mit meist fehlender Bildung und aus überwiegend fremden Kulturen ins Land geholt wurden (Abb. 19598). Angeblich sollten sie bei uns ein neues Wirtschaftswunder im kapitalistischen Sinne produzieren und zugleich die demographische Entwicklung reparieren, damit der Kapitalismus nicht unter einem Mangel an Arbeitskräften leiden würde. Was man so ins Land holte, sind weitgehend tribale, an der Stammeszugehörigkeit orientierte Strukturen aus Ländern, in denen der Staat und sein Recht wenig oder gar nichts zählt, die Stammeszugehörigkeit dagegen den eigentlichen Lebensrahmen setzt. Das sind hervorragende Voraussetzungen für einen weiteren Aufwuchs von Parallelgesellschaften in deutschen Großstädten mit deren eigenen Rechtsvorstellungen unter Geringschätzung der deutschen.


    Zudem kamen ohne Grenzkontrollen viele Immigranten nicht nur ohne Prüfung an der Grenze, sondern auch ganz ohne Papiere, so daß man sie selbst dann nicht abschieben kann, wenn sie als "Islamisten" bekannt sind. Terror und Sexualdelikte lösen in der so multikulturell aufgeheizten Situation des Landes immer neue Ängste aus. Das sind Risiken, die bewußt bei der Grenzöffnung in Kauf genommen wurden und hervorragend zu einem wild gewordenen Kapitalismus passen.

    Kein Politiker aus den großen Parteien hat bei uns bisher ein Konzept, wie sich die stark zunehmende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen stoppen läßt - ein weiteres Ergebnis des wild gewordenen Kapitalismus. Deutschland entfernt sich so mit hoher Geschwindigkeit von den erfolgreichen skandinavischen Modellen, die uns noch zu Beginn des Jahrtausend eng benachbart waren (Abb. 19753, 19754).



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    "In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

    global news 3617 27-07-17: Eine Mehrheit für die Obergrenze und ein Schulz auf verlorenem Posten

    Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung lehnt nach neuen Umfragen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ab. So ergab eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zusammen mit EMNID vom 7. April dieses Jahres: 54 % der Befragten sehen Deutschland an seiner Belastungsgrenze angekommen; vor zwei Jahren teilten diese Auffassung nur 40 %. Selbst wenn es humanitär geboten wäre, sind nur noch 37 % für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge; vor zwei Jahren waren es noch 51 % - ein gewaltiger Swing von 14 Prozentpunkten.

    Beigetragen hat u.a. das gewachsene Bewußtsein, wie schwer Flüchtlinge aus total fremden Kulturen mit meist geringer Berufs- und Schulbildung in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren sind und welche Gefahren von kriminell gewordenen Flüchtlingen, nicht zuletzt für deutsche Frauen, ausgehen, ganz zu schweigen von als Flüchtlinge eingeschleusten Terroristen. Auch eine jetzt veröffentlichte neue Umfrage der Bertelsmann-Stiftung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Bei den meisten Wahlberechtigten können Bundestagskandidaten mit der Position einer Kontrolle und Begrenzung der Aufnahme neuer Flüchtlinge punkten.

    Selbst der Bundespräsident sagt nun im ZDF-Sommerinterview: "Und ich sehe meine Aufgabe eben auch darin, den Menschen zu sagen, wie Präsident Gauck in einer Rede gesagt hat, das Herz ist weit, unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Wir müssen vor allen Dingen den Menschen sagen, dass das eine Riesenaufgabe ist, die uns möglicherweise Jahrzehnte beanspruchen wird." (Er will diese Feststellung allerdings nicht im Sinne einer Begrenzung verstehen.)

    Man muß vermuten, daß unter der kritischen Mehrheit auch sehr viele Wähler der SPD sind, denn gerade deren traditionelle, weniger gut betuchten Wähler werden in eine bittere Konkurrenz um einfache Arbeitsplätze, bezahlbaren Wohnraum, Sozialleistungen, Kita- und Schulplätze geworfen. In ihren Wohnvierteln werden die Flüchtlinge bevorzugt untergebracht. Nach der Bertelsmann-Umfrage vom April fürchten 79 % der Befragten zusätzliche Belastungen für den Sozialstaat, 72 % Konflikte zwischen Einheimischen und Einwanderern, 68 % Probleme in den Schulen und 65 % Wohnungsnot in Ballungsräumen (Abb. 19748). Das sind starke Veränderungen gegenüber den Vorjahren.


    Mit ihrer bedingungs- und vorbehaltlosen Zustimmung zu Merkels grenzenloser Grenzöffnung hat daher vor allem die SPD viele Wähler verloren, gerade auch in dem bevölkerungsreichen Bayern, wo Seehofer beharrlich für eine Obergrenze eintritt und die SPD nach einer aktuellen Umfrage des Instituts GMS bei der bevorstehenden Bundestagswahl gerade einmal auf 20 % käme. Da gleichzeitig die soziale Frage in Deutschland mit seiner von den Medien eingelullten Bevölkerung nicht besonders zieht, ist Schulz im Wahlkampf ein Kaiser ohne Kleider geworden.

    Doch er hält bei der Migration an Merkels Vorgaben fest. Im November 2016 erklärte er im "European": "Was wir brauchen, ist ein europäisches Einwanderungs- und Asylrecht. Die Flüchtlingskrise zeigt uns doch ganz deutlich, dass wir auf ein globales Phänomen wie die Flüchtlingsbewegungen keine nationalen Antworten geben können. Das geht nur im europäischen Verbund." Obergrenzen für Flüchtlinge erteilt Schulz eine klare Absage, so im Januar in der "WELT": "Eine Obergrenze ist keine Antwort auf die Flüchtlingsfrage, auch wenn sie europäisch vereinbart wird." Die Forderung nach einer Obergrenze tut Schulz auch jetzt wieder am Sonntag in den Abendnachrichten als "Schwafelei" ab. Was soll es da, wenn Schulz jetzt nach Italien reist, um eine inhaltslose Sympathie zu demonstrieren? Was soll sein Vorhalt: "2015 kamen über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland - weitgehend unkontrolliert. Damals öffnete die Kanzlerin die Grenzen nach Österreich. Aus gut gemeinten humanitären Gründen, aber leider ohne Absprache mit unseren Partnern in Europa. Wenn wir jetzt nicht handeln, droht sich die Situation zu wiederholen. Wer auf Zeit spielt und versucht, das Thema bis zur Bundestagswahl zu ignorieren, verhält sich zynisch."?

    Stattdessen kommt Schulz mit einem zahnlosen Vorschlag: Gegen finanzielle Unterstützung von der EU-Kommission sollen andere EU-Länder Italien Flüchtlinge abnehmen. Deutschland nimmt Schulz dabei aus: "Jetzt sind die anderen EU-Mitgliedsstaaten dran." Was ist bei diesem Konzept, alles auf die EU zu schieben, eigentlich neu? Was unterscheidet ihn da von Merkel? Die EU ist nun mal nicht, was einst der Sowjetblock war: Hier wird nicht befohlen und gehorcht, wenn es um die Frage geht, wen man über die eigenen Grenzen läßt. Auch Macron läßt nicht zu, daß Flüchtlinge in französischen Häfen angelandet werden statt in italienischen. Er hält die Grenze nach Italien fest geschlossen und läßt es bisher dabei, daß Frankreich im Rahmen der EU-Verteilaktion erst 330 Flüchtlinge aus Italien aufgenommen hat, obwohl es fast 20.000 sein müssen. Dümmlich sind da die Sprüche deutscher Medien. So "schwafelt", um das Wort von Schulz zu übernehmen, der SPIEGEL in seinem Kommtar: "Deshalb braucht Italien jetzt Hilfe. Und die Flüchtlinge, die derzeit zu Tausenden in Italien ankommen, müssen auf ganz Europa verteilt werden. Dafür muss die Kanzlerin ihr ganzes politisches Gewicht einsetzen." Nichts als Worte!

    Dabei hat der Europäische Gerichtshof jetzt entschieden, daß die Dublin-Übereinkunft weiter steht und Flüchtlinge in das EU-Land zurückgeschickt werden dürfen, durch das sie gekommen sind. Der Gerichtshof wies das Argument zurück, daß die Erstaufnahmeländer in einer solchen Ausnahmesituation überlastet würden, wenn man Asylsuchende zurückschickte. Der EuGH hat also bestätigt, daß die Dublin-Vereinbarung nicht wegen der Ausnahmesituation entfallen war und Bundeskanzlerin Merkel die volle eigene Verantwortung für ihre nicht mit den Partnern abgestimmte Entscheidung eines Bruchs der weitergeltenden Dublin-Vereinbarung trägt.

    Warum grenzt sich Schulz nicht ehrlich von Merkel ab, statt um sie herum zu eiern, und erklärt klipp und klar:
    "Für den wahrscheinlichen Fall, daß die Flüchtlingszahlen wieder wachsen, brauchen wir eine Obergrenze, denn Deutschlands Möglichkeiten zur Aufnahme und Integration sind endlich."
    Ein solcher Schwenk entspräche der Mehrheitsmeinung der deutschen Wähler und besonders der in seiner eigenen Partei. Er würde also ein echtes Demokratieverständnis zeigen. Merkel wäre in der Ecke, weil sie sich total auf die Ablehnung einer Obergrenze festgelegt hat und bei einem wahltaktischen Einlenken unglaubwürdig würde. Die CDU würde in der Mitte gespalten. Doch bisher vergibt Schulz seine einzige k.o.-Chance gegen Merkel und disqualifiziert sich damit als Kanzlerkandidat. Nach einem weiteren Wahldebakel kann man die SPD dann endgültig abschreiben.


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    global news 3616 25-07-17: Sollbruchstellen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems: Steuersystem

    Eines der größten Probleme unseres Wirtschafts- und Sozialsystems ist die Konzentration von Einkommen und Vermögen bei einem kleinen Teil der Gesellschaft und die Armut, die sich gleichzeitig im unteren Teil ausbreitet und dabei auch immer mehr Kinder ihrer Zukunftschancen beraubt (Abb. 19614). Der Anteil der obersten 10 % am Einkommen liegt schon wieder in der Größenordnung der Kaiserzeit vor dem Ersten Weltkrieg (Abb. 19494).



    Zu den Brennpunkten dieser Entwicklung zählen (1) die seit Jahrzehnten betriebene Politik der Steuersenkungen für hohe Einkommen von Privatpersonen und Unternehmen, (2) die unzureichende Besteuerung von großen Erbschaften bei Fehlen einer Steuer für große Vermögen und (3) die durch abgesenkte Steuereinnahmen ausgelöste Verarmung des Staates, der damit seinen Verpflichtungen gegenüber den ärmeren Schichten nicht mehr voll nachkommen kann. Die notwendige staatliche Umverteilung ist so in den letzten Jahrzehnten immer schwächer geworden und hat sich teilweise sogar umgekehrt.

    1. Steuersenkungen für hohe Einkommen von Privatpersonen und Unternehmen

    Seit 1965 wurde der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer von 56 % in mehreren Schritten auf nur noch 45 % (einschl. Reichensteuer), und bei Kapitalerträgen sogar auf nur noch 25 % immer weiter abgesenkt wurde (Abb. 14658) und ist nun einer der niedrigsten in W-Europa (Abb. 13539). Die Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern, nämlich Grundsteuer, Erbschaftssteuer, Kapitalverkehrssteuer und der im Jahr 2000 aufgegebenen Vermögenssteuer, wurden immer weiter zurückgeführt (Abb. 14719).




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    global news 3614 21-07-17: Testet jetzt Italien Merkels "Keine Obergrenze!"?

    Beharrlich sendet Merkel ihr Signal "Keine Obergrenze!" in alle Welt. Es kommt überall in den afrikanischen Flüchtlingslagern und bei den in Afrika sonst Abreisebereiten an. Es kann nur bedeuten: "Mama" Merkel immer noch im Willkommensmodus. Also ab nach Germany! Einige von uns, sind schon da. Man wird dort gratis verpflegt und untergebracht und bekommt am Ende sogar ein eigenes Zuhause (ebenso wie Millionen Deutsche in Langzeitarbeitslosigkeit, nur daß man sich als Asylsuchender nicht auf Arbeitssuche machen muß).

    So schwillt der Zustrom über das Mittelmeer immer weiter an, zumal einige deutsche (und andere) private Rettungsschiffe gleichzeitig nächtliche Leuchtsignale aussenden, um direkt an oder schon innerhalb der libyschen Hoheitsgrenze den Schlauchbooten der Schlepper den Weg zu ihnen und zugleich nach Europa zu weisen. Es kommen so immer mehr Menschen nach Italien, die in Europa schon mangels Bildung und kulturellem Hintergrund zum größten Teil nicht integriert werden können. In diesem Jahr sind es bereits 93.000 und etwa 200.000 für das ganze Jahr werden nicht mehr ausgeschlossen. Die weitaus meisten von ihnen sind Wirtschaftsflüchtlinge und werden früher oder später nach Deutschland weiterreisen wollen.

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    global news 3613 19-07-17: Deutschland vor der Entscheidung: Massiv in die Eurokasse zahlen oder Löhne und Sozialleistungen zu Hause erhöhen

    1. Das Problem

    Deutschland hat seine Nachbarn in Westeuropa und andere Handelspartner jahrzehntelang mit Lohnsenkungen oder Lohnbremsen und entsprechend steigenden Exportüberschüssen geschädigt und provoziert (Abb. 19359). Allein mit den Krisenländern der Eurozone und Frankreich waren es seit dem Jahr 2000 zusammen 1,1 Billionen Euro an deutschen Bilanzüberschüssen (Abb. 19378), was mehr als zwei Dritteln der jährlichen Ausgaben aller privater Haushalte in Deutschland oder mehr als dem Fünffachen der jährlichen deutschen Industrieinvestitionen entspricht, und dieser Trend hält von Jahr zu Jahr an. Entsprechend hat dort die Arbeitslosigkeit zugenommen, während sie in Deutschland zurückging.



    Die für den Wettbewerb entscheidenden Lohnstückkosten sind zwischen den Jahren 2000 und 2016 in der deutschen Gesamtwirtschaft um 23 % weniger als in Italien, 13 % weniger als in Frankreich und 9 % weniger als in USA gestiegen (Abb. 19544); in der deutschen gewerblichen Wirtschaft war es ähnlich (Abb. 19745).



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    global news 3612 14-07-17: 4,5 Milliarden Afrikaner in 2100


    Die heute vom UN-Bevölkerungsprogramm veröffentlichte Prognose bis 2100 zeigt vor allem, wie stark der afrikanische Kontinent trotz aller Ernährungsprobleme, die ihn schon heute plagen, und trotz der erwarteten negativen Auswirkungen der Erderwärmung seine Bevölkerung weiter dramatisch aufbaut. Mit einer Steigerungsrate von 256 % sollen es dann in 2100 4,5 Mrd. Menschen sein, die allein in Afrika leben (Abb. 19740). Afrika würde dann so viele Menschen auf die Weltbevölkerung oben drauflegen, wie die Welt in 1965 an Gesamtbevölkerung zählte, also eine Welt von 1965 zusätzlich.


    Mehr als die Hälfte des Welt-Bevölkerungszuwachses bis 2050 und 88 % dessen bis 2100 soll in Afrika stattfinden. Dabei ist schon unterstellt, daß dort die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von 4,7 im Zeitraum 2010-2015 auf 3,1 im Zeitraum 2045-2050 und auf nur noch 2,1 im Zeitraum 2095-2100 zurückgeht. Nach 2050 wird Afrika die einzige Region der Welt sein, die noch einen namhaften Bevölkerungszuwachs verzeichnet. Afrikas Anteil an der Weltbevölkerung wird daher von heute 17 % auf 40 % im Jahr 2100 steigen (Abb. 19741). Dagegen wird der Rest der Weltbevölkerung ab 2030 abnehmen. Die Bevölkerung Europas wird über den gesamten Zeitraum 2017-2100 um 12 % abgenommen haben.


    Eine solche Gewichtsverschiebung "dramatisch" zu nennen ist noch untertrieben. Zu den Problemen der Migration für Deutschland und Europa siehe mein neues Buch "Doppelter Verrat" jetzt in der überarbeiteten und aktualisierten Form mit 45 Abbildungen.

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    global news 3611 10-07-17: G20: Trumps Sieg über Merkel in der Handelspolitik

    Die deutschen Medien feiern Merkel als Siegerin über Trump in den handelspolitischen Ergebnissen des Hamburger G20-Gipfels. So schreibt das Regierungsblatt SPIEGEL unter der Überschrift "Handelskrieg vertagt": "Im Abschlusskommuniqué schreiben die G20-Staaten, sie würden die Märkte in dem Bewusstsein offenhalten, wie wichtig auf Gegenseitigkeit beruhende und für alle Seiten vorteilhafte Handels- und Investitionsrahmen und der Grundsatz der Nichtdiskriminierung sind, und Protektionismus einschließlich aller unfairen Handelspraktiken weiterhin bekämpfen."

    Daß das so nicht stimmt, erschließt sich erst, wenn man sich die Mühe macht, das "Kleingedruckte" des Gipfel-Kommuniqués zu lesen und mit dem Text des vorigen G20-Gipfels zu vergleichen. 2016 war das Kommuniqué noch voll schöner und vollmundiger Worte gegen den Protektionismus:

    "Wir wiederholen unsere Opposition gegen Protektionismus in Handel und Investitionen in jedem seiner Formen. Wir verlängern unsere Verpflichtungen zu einem Stillstand und Rücknahme von protektionistischen Maßnahmen bis Ende 2018, bestätigen unsere Entschlossenheit, uns ihnen entsprechend zu verhalten und die Arbeit von WTO, UNCTAD und OECD bei der Beobachtung von Protektionismus zu unterstützen. Wir betonen, daß die Vorteile des Handels und offener Märkte einem breiteren Publikum effizienter vermittelt werden müssen, begleitet von heimatlichen Politiken zur breiteren Verteilung der Vorteile."

    Wie anders lesen sich da die langatmig begründeten Ergebnisse des diesjährigen G20-Gipfels (Abweichungen von mir im Zitat kursiv und fett gesetzt):

    "Internationaler Handel und internationale Investitionen sind wichtige Triebfedern für Wachstum, Produktivität, Innovation, Schaffung von Arbeitsplätzen und Entwicklung. Wir werden die Märkte in dem Bewusstsein offenhalten, wie wichtig auf Gegenseitigkeit beruhende und für alle Seiten vorteilhafte Handels- und Investitionsrahmen und der Grundsatz der Nichtdiskriminierung sind, werden Protektionismus einschließlich aller unfairen Handelspraktiken weiterhin bekämpfen und erkennen die Rolle rechtmäßiger Handelsschutzinstrumente in diesem Zusammenhang an. Wir werden darauf hinwirken, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle zu gewährleisten, vor allem, indem wir ein in dieser Hinsicht gedeihliches Umfeld für Handel und Investitionen fördern. Wir rufen die OECD, die WTO, die Weltbankgruppe und den IWF auf, ihr Wirken für ein besseres Verständnis der Auswirkungen des Handels fortzuführen und den Staats- und Regierungschefs der G20 2018 Bericht zu erstatten.

    Wir erkennen, dass die Vorteile des internationalen Handels und internationaler Investitionen nicht breit genug geteilt worden sind. Wir müssen unsere Bürgerinnen und Bürger besser in die Lage versetzen, die Chancen und Vorteile der wirtschaftlichen Globalisierung zu nutzen. Wir betonen die entscheidende Rolle des regelbasierten internationalen Handelssystems.

    In Anerkennung der anhaltend negativen Auswirkungen von Überkapazitäten in Industriesektoren auf die Inlandsproduktion, den Handel und die Arbeitnehmer bekennen wir uns dazu, unsere Zusammenarbeit bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen für die Bewältigung dieser globalen Herausforderung weiter zu verstärken. Wir rufen dringend dazu auf, jegliche marktverzerrende Subventionen und andere Arten der Unterstützung durch Regierungen und regierungsnahe Einrichtungen einzustellen. Jeder von uns verpflichtet sich, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die gemeinsamen Lösungen zu liefern, die wahrhaft gleiche Wettbewerbsbedingungen fördern. Wir rufen daher die Mitglieder des Globalen Forums zu Überkapazitäten in der Stahlindustrie, das durch die OECD unterstützt wird, im Einklang mit dem Mandat von Hangzhou dazu auf, ihre Verpflichtungen im Hinblick auf einen besseren Informationsaustausch und eine verstärkte Zusammenarbeit bis August 2017 zu erfüllen und zügig konkrete politische Lösungen zum Abbau von Überkapazitäten in der Stahlindustrie zu erarbeiten. Wir sehen einem substantiellen Bericht mit konkreten politischen Lösungen bis November 2017 als Grundlage für spürbares und zügiges politisches Handeln und einer Berichterstattung über weitere Fortschritte im Jahr 2018 erwartungsvoll entgegen.

    Nachhaltige globale Lieferketten: Globale Lieferketten bergen ein wichtiges Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum. Dennoch bestehen im Hinblick auf eine gerechte und nachhaltige Globalisierung, die niemanden zurücklässt, Herausforderungen fort. Um nachhaltige und inklusive Lieferketten zu erreichen, verpflichten wir uns, die Umsetzung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards sowie die Durchsetzung der Menschenrechte im Einklang mit international anerkannten Vorgaben wie den VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und der Dreigliedrigen Grundsatzerklärung der IAO über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik zu fördern.

    Wir werden in unseren Ländern auf die Schaffung angemessener politischer Rahmenwerke wie nationale Aktionspläne für Wirtschaft und Menschenrechte hinarbeiten und betonen die Verantwortung von Unternehmen, ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Wir betonen, dass eine gerechte, angemessene Entlohnung und sozialer Dialog weitere wesentliche Bestandteile nachhaltiger, inklusiver globaler Lieferketten sind. Wir unterstützen den Zugang zu Abhilfe und, wo einschlägig, außergerichtliche Beschwerdemechanismen wie die Nationalen Kontaktstellen für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (NKS)."

    Trumpf erklärte sich sehr zufrieden mit den Gipfelergebnissen und, wie man sieht, hat er allen Grund dazu. Die Ausführungen zu den Grenzen eines "freien Handels" lesen sich wie aus seinem Gesangbuch oder dem viel älteren der Globalisierungskritiker, zu denen sich auch das Infoportal seit nun 12 Jahren zählt. Beim Klimaschutz gewann er Erdogan als Verbündeten beim Ausstieg, und an Merkel vorbei flankte er noch sein Angebot zum Export fossiler Brennstoffe und zu deren angeblich sauberen und effizienteren Gebrauch ins G20-Tor.

    Bei den Grenzen für einen "freien Handel" kann man praktisch zwischen den Zeilen lesen, wie hier neben China auch Merkels Deutschland auf der Anklagebank saß und Ziel dieser Aussagen ist und wie hier hinter den Kulissen hart geboxt wurde. Trump wird dabei von vielen Ländern, nicht zuletzt auch von Frankreich, unterstützt worden sein. Wie sich die Welt in einem einzigen Jahr geändert hat! Deutschland hat jedenfalls von Hamburg nur die Schäden aus den Krawallnächten gehabt.

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    global news 3610 07-07-17: Welches Vertrauen kann man noch in die G20 und Leader Merkel haben?

    Wie sich die Zeiten ändern: Nun gibt es die G20 der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer schon seit 18 Jahren. Doch wer teilt noch die 1999 geschöpften Hoffnungen? In Hamburg kommen jetzt Staatsführer zusammen, von denen mindestens ein Drittel derzeit ohnehin wenig Vertrauen erwecken kann. Nennen wir mal in der Reihe der Wirtschaftskraft die von USA, China, Großbritannien, Brasilien, Rußland, Türkei und Saudi-Arbien.

    Ursprünglich war es eine Gruppe von 22 Ländern gewesen, die 1997 auf Initiative von Bill Clinton in Reaktion auf die Asienkrise gegründet worden war. Im Sog dieser Krise rutschte auch Rußland in die Zahlungsunfähigkeit, was dann dort Putin an die Macht brachte. Die Finanzwelt brannte global von Asien her, und die Feuerwehr der Regierungen sollte und konnte noch global antreten. Bill Clintons USA fühlte sich noch global verantwortlich. In der globalen Pax Americana herrschte noch weitgehend Frieden, von ein paar eher lokalen Konflikten abgesehen.

    An großen globalen Themen neben den Finanzen und der Weltwirtschaft mangelte es in dieser frühen Phase nicht. Vor allem hatte die Welt begonnen, sich um das Klima und seine Erwärmung zu sorgen. Das hatte 1997 zum Kyoto Protocol geführt, dem damals noch die USA bis zum Ausstieg unter Präsident George W. Bush angehörten.

    In dieser ersten Phase konnte man das Geschäft noch den Finanzministern überlassen. Erst 2008 rutschten die G20 auf die Ebene der Staats- und Regierungschefs hoch, weil ab 2007 die Weltfinanzkrise ausgebrochen war, die auch heute noch immer nicht vollständig überwunden ist. Doch nun sind die meisten G20-Führer auf verschiedenen Seiten in verschiedenen Konflikten involviert, von Afghanistan über den Nahen Osten bis in die Ukraine oder müssen sich mit den wieder erwachten Machtambitionen Chinas beschäftigen. Trumps Donnern gegen das Pariser Umweltabkommen und gegen die liberale Handelsordnung, der Terrorismus, die Flüchtlingswanderungen als Folge von Kriegen und Hunger sowie Chinas neue Rolle in Weltpolitik und Weltwirtschaft (die neue Hightech-Führungsmacht, Abb. 19729) stellen den Gipfelfrieden vor Herausforderungen, denen die G20 nicht gerecht werden können.


    Die EU ist durch das britische Brexit-Votum fußkrank geworden. Die transatlantische Partnerschaft zwischen den USA und Europa, die früher die G20 bestimmt hatte, ist unter Trump stark geschwächt. Zusammen stellen die EU, USA und Kanada ohnehin nur noch 18 % der Bevölkerungen der G20. Der zum Zeitpunkt des Mauerfalls erhoffte weltweite Demokratiegewinn ist längst wieder in immer mehr Ländern im Rückwärtsgang.

    Und G20-Gastgeber Deutschland ist ein stark alterndes Land mit relativ wenig Kindern (die wenigsten pro Erwachsene unter allen G20, Abb. 19733), dessen Bevölkerung nach UN Prognose bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts auf 71 Mio. oder 0,6 % der Weltbevölkerung geschrumpft sein wird, das sich nun auch noch mit schwer integrierbaren Zuwanderern in Millionenstärke überladen hat und in dem sich Angst vor Altersarmut ausbreitet. In keinem anderen europäischen Land müssen sich nach Daten des Statistischen Amts der EU so viele Menschen pro Bevölkerung jedes Jahr wegen psychischer Störungen in stationäre Krankenhausbehandlung begeben (fast 2 % oder bezogen auf eine Stadt von der Größe Hamburgs 31.000 Menschen, Abb. 19732). Und in kaum einem anderen europäischen Land ist der Anteil armutsgefährdeter Arbeitnehmer so hoch (Abb. 17073).




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    global news 3609 04-07-17: Dank Merkel kamen 2016 rund 45 % aller weltweit Asylsuchenden nach Deutschland - Skandinavien war mit nur 2,3 % auf Gegenkurs

    Die OECD hat jetzt die Asylstatistik für 2016 veröffentlicht. Danach wurden in Deutschland 722.360 Anträge gestellt oder rund 45 % aller in den OECD-Ländern gestellter Anträge (Abb. 19716). Der Anteil unter den europäischen Ländern (ohne Rußland) lag sogar bei rund 60 %, wobei mehrere der anderen Länder, wie Italien oder Ungarn, Durchgangsstationen auf dem Wege nach Deutschland sein dürften und am Ende Deutschland Ziel für etwa drei Viertel sein dürfte. Auch bezogen auf die Bevölkerungsgröße waren es die meisten Anträge. Die deutschen Medien der Willkommenskultur, die sonst immer gern über Befunde der OECD berichten, haben diese absichtsvoll verschwiegen oder sehr unkritisch präsentiert (ZEIT und wortgleich Süddeutsche Zeitung: "Migration nach Deutschland normalisiert sich", Handelsblatt: "Deutschland als Vorbild bei der Einwanderung") oder, wie der SPIEGEL, total verschwiegen.



    Dagegen haben die Ost-Europäer kaum Anträge entgegengenommen. Andere größere EU-Länder hatten wesentlich kleinere Anteile, z.B. Frankreich 4,8 % und Großbritannien 2,4 %. Auch die skandinavischen Länder lagen weit hinten: Schweden 1,4 %, Finnland 0,3 %, Dänemark 0,4 % und Norwegen 0,2 %.

    Der hohe deutsche Anteil war die direkte Folge der einseitigen Grenzöffnung durch Bundeskanzlerin Merkel und der erklärten Willkommenspolitik von 2015. Die skandinavischen Länder, die sonst immer für ihre besondere Asylfreundlichkeit bekannt waren, haben dagegen ihre Flüchtlingspolitiken sehr restriktiv gemacht. So setzen sich in der Asylpolitik ausgerechnet die sonst sehr liberalen skandinavischen Länder deutlich von Deutschland ab und zeigen damit, wo Korrekturen möglich sind. Schweden, das Ursprungsland der Pro-Asyl-Politik, drosselt den Zustrom an Immigranten. 2016 wurden nur noch knapp 30.000 Flüchtlinge und damit 80 % weniger als im Vorjahr aufgenommen. Aufenthaltserlaubnisse werden auf drei Jahre befristet, bei subsidiär Schutzberechtigten sogar nur für 13 Monate, wobei diese - außer in besonderen Härtefällen - kein Recht auf Familiennachzug mehr haben. Für Asylsuchende ohne Papiere ist das Land praktisch dicht.

    Jedenfalls haben die skandinavischen Länder, wie auch die meisten anderen, vorgeführt, daß man den Zustrom von Flüchtlingen drosseln kann, ohne gegen die internationalen Asylvorschriften zu verstoßen oder die Gebote der Humanität zu verletzen.

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    global news 3608 29-06-17: Drei Trends, die unsere Welt total verändern können und wahrscheinlich werden

    Man muß nicht Zukunftsforscher sein, um sich die Veränderungen vorzustellen, die in den kommenden Jahrzehnten auf uns zukommen. Ich möchte hier aus meiner Sicht drei der wichtigsten herausgreifen, die sich überdeutlich am Horizont zeigen.

    1. Von den Herren der Automaten

    Die Automaten werden sich in der industriellen Fertigung und vor allem bei den Dienstleistungen immer mehr durchsetzen. Dazu braucht es keine neuen Erfindungen, denn die sind schon gemacht. Bereits vor der Revolution der Automaten ist die Produktivität in den vergangenen Jahrzehnten ständig gestiegen (Abb. 19708). Doch für die Zukunft wird der Anstieg steiler werden. Die Auswirkungen auf die Gesellschaftsstrukturen überall in der Welt werden dramatisch sein. Eine kleine Schicht an überreichen Unternehmern wird auch die wichtigsten Technologien der Automaten besitzen und entsprechenden Einfluß haben. Unter ihnen werden mit ziemlicher Sicherheit die acht reichsten Milliardäre sein, die nach Oxfam schon jetzt so viel besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung, oder die obersten 1 %, deren Vermögen dem gesamten von 99 % der Weltbevölkerung entsprechen soll (Abb. 18568). Auch die zehn größten finanziellen Konglomerate, die schon heute 75 % des Finanzvermögens der USA kontrollieren, werden wohl dazugehören.



    Der größte Teil der Arbeitnehmer wird dagegen in der Konkurrenz mit den Automaten erhebliche Einkommenseinbußen verkraften müssen. Das Ergebnis wird ein Verlust an Massenkaufkraft sein, der den Absatz bremst und auch von dieser Seite her weniger Produktion und Dienstleistungen und daher mehr Arbeitslosigkeit zur Folge hat.

    Unsere liberale, an einer Begrenzung der Ungleichheit orientierte Gesellschaftsordnung läuft Gefahr, in die Brüche zu gehen. Dazu wird eine zunehmende Konzentration der Medienmacht noch beitragen. Deutschland wird von diesem Trend nicht unberührt bleiben. Hier besitzen schon heute die oberen 10 % aller Haushalte etwa 60 % des gesamten Nettovermögens des Landes und die untere Hälfte weniger als 3 % (Abb. 19709). In Zeiten niedrigen Wachstums, mit denen für die kommenden Jahrzehnte zu rechnen ist, konzentrieren sich die Vermögen vor allem über Erbschaften, so lange die Erbschaftssteuern niedrig sind oder- wie in Deutschland - bei Unternehmensvererbung keine oder kaum Erbschaftssteuern anfallen.


    Aber auch die sehr ungleichen Einkommen tragen dazu bei. So hatten nach neuen Feststellungen des Statistischen Bundesamts 2013 etwa 43.000 Steuerpflichtige ein durchschnittliches Jahres-Einkommen von 675.000 Euro und weitere 17.000 sogar von 2.711.000 Euro (Abb. 19714). Bei 14 Mio. Steuerpflichtigen waren es dagegen durchschnittlich knapp 10.000 Euro.


    2. Der Trend in die Armut

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    "In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." "If liberty means anything at all, it means the right to tell people what they do not want to hear" George Orwell

    global news 3607 26-06-17: Warum die deutsche Flüchtlingspolitik auch die Interessen der Herkunftsländer der Flüchtlinge verrät



    Das Asylrecht wurde ursprünglich für Menschen eingeführt, die direkt und persönlich verfolgt wurden. Diese Menschen sind heute eine verschwindend kleine Minderheit aller Flüchtlinge. Die meisten flüchten aus Bürgerkriegen und wirtschaftlicher persönlicher Not. Ein großer Teil kommt aus den entsetzlichen Flüchtlingslagern an den Grenzen zu den Bürgerkriegsländern. Asyl im Sinne des entsprechenden Artikels unseres Grundgesetzes bekamen daher im Jahr 2016 nur 0,3 % aller Asyl-Antragssteller.

    Nur wenn die Lebensqualität in den meist grenznahen Flüchtlingslagern in Asien und Afrika mit entsprechenden Hilfen der reichen Industrieländer deutlich erhöht wird, lassen sich weitere massenhafte Abwanderungen verhindern. Nur dann werden nicht mehr so viele Menschen ihr Leben bei der gefährlichen Mittelmeerpassage verlieren. Alexander Bets und Paul Collier haben in ihrem neuen Buch "Gestrandet: Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet - und was jetzt zu tun ist" intensiv an diesem Problem gearbeitet.

    Zunächst die Fakten: Von den Flüchtlingen erreichen etwa 10 % die entwickelte Welt, während 90 % in den ärmeren Ländern der Welt Zuflucht finden. Die meisten dieser Länder grenzen direkt an die konflikt- und krisenbetroffenen Regionen an. Dort leben heute 86 % aller Flüchtlinge. Die 6 Hauptaufnahmeländer (Türkei, Pakistan, Libanon, Iran, Uganda und Äthiopien) beherbergen zusammen über 8 Mio. Flüchtlinge aus anderen Ländern (Abb. 19706). Dabei liegt ihre durchschnittliche mit der Bevölkerungszahl gewogene Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung nur bei 3.200 US$, verglichen mit 42.000 für Deutschland. Im kleinen Libanon kommen auf je 100 Einheimische nicht weniger als 22 Flüchtlinge. Im Ergebnis tragen also die Länder mit der geringsten Kapazität zur Hilfe die größte wirtschafrtliche Belastung.


    Die Situation in den riesigen Flüchtlingslagern, die nie für Jahrzehnte geplant waren, ist ziemlich schrecklich. Bets und Collier, die diese Lager besucht haben, beschreiben die Lage im Detail. Flüchtlinge dürfen in der Regel weder im Lager noch ausserhalb im Gastland Arbeit aufnehmen, haben also keinerlei berufliche Perspektive. Nach Schätzungen gibt die Welt für die in die entwickelten Länder geflüchteten 10 % der Flüchtlinge etwa 75 Mrd. Dollar pro Jahr aus, für die 90 % in den Entwicklungsländern zurückbleibenden dagegen nur etwa 5 Mrd. Dollar oder ein Verhältnis pro Kopf der Flüchtlinge von 135 Dollar zu 1 Dollar (!). Kein Wunder da, daß viele der Lagerinsassen die gefährliche Reise nach Europa und besonders Deutschland wagen.

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