. bitte
weiter-
empfehlen

Begriff-Suche



Hier einige Schwerpunkte:

armut

hedge

bildung

system

umwelt

export

china

skandinavien

loehne

steuer

us-risiken

Angst

heuschrecken





Bücher zur Webseite: "Falsch globalisiert (Mai 2006) und "Deutschland global" (2005)


(398) Juni-Ergebnisse aus der gewerblichen Wirtschaft: Auftragseingang schwächt sich ab

(397) Immer mehr Verbraucherinsolvenzen

(396) Deutschland im Juni 06 weiter im EU-Vergleich mit enttäuschendem Einzelhandelsumsatz

(395) Arbeitsmarktzahlen vom Juli: Licht und Schatten

(394) Wachsende Mehrheit der Deutschen sieht Globalisierung negativ

(393) Einzelhandelsumsatz im Juni 2006: Mit einem Plus von 1,9 % wieder auf Januar-Niveau

(392) Neoliberale Verbindung des weltgrößten Handelshauses mit dem weltgrößten Billigproduzenten

(391) Tariflöhne im 2. Quartal 06 real Minus 1,4 % (Angestellte) und 0,9 % (Arbeiter) unter Vorjahreswert

(390) Hamsterstimmung vor der MWSt-Erhöhung bei sinkendem Glauben an Konjunkturerholung

(389) Indischer Sofware- und Dienstleistungsexport boomt

(388) Deutschland im Griff der neoliberalen Globalisierung

(387) Die prekäre Gleichung: Rentenversicherung und versicherungspflichtige Beschäftigung

(386) Tatsächlich bezahlter Ertragssteuersatz von Unternehmern und Vermögenden um 2/5 gefallen

(385) Gewerbliche Wirtschaft in Januar-Mai 06: Trotz Regierungsjubel das alte Bild: Immer noch weniger Beschäftigte - weniger Einkommen - weniger Inlandsumsatz

(384) 55+ nur noch „Schrottwert" am Arbeitsmarkt?

(383) Verteilung der Steuerbelastung: Die große Masse auf den Schultern der Arbeitnehmer

(382) "Chinas Währungsmanipulation verhilft zu neuem Export- und Währungsreserven-Rekord"

(381) "Enttäuschende Entwicklung der Einkommen aus Vollzeitbeschäftigung"

(380) "Heuschrecken fressen immer mehr"

(379) Neues Bundesgebiet: Arbeitskosten viel niedriger - Arbeitslose viel zahlreicher

(378) Monopolkommission: Deutsche Großunternehmen verringern ihren deutschen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteil immer mehr

(377) „ Deutschland ist ober-geil!" - Auch für Importe aus Billigstländern

(376) Kritik der Unternehmenssteuerreform

(375) Stagnierende Konsumgüter-, expandierende Investitonsgüterindustrie




global news 398 05-08-06: Juni-Ergebnisse aus der gewerblichen Wirtschaft: Auftragseingang schwächt sich ab

Immer wieder hat der Bundeswirtschaftsminister auf die gute Entwicklung der Auftragseingänge verwiesen, wenn Umsatz und Beschäftigung in der gewerblichen Wirtschaft schwächeln. Nun aber hat der Auftragseingang im Juni zum zweiten Mal in Folge nachgegeben und liegt wieder unter dem Niveau vom Februar (Abb. 04569).

Vor allem die Auslandsaufträge gehen zurück und die müde Entwicklung der Inlandsaufträge kann das nicht ausgleichen. Doch der Bundeswirtschaftsminister sieht alles - wie schon sein Vorgänger - positiv: "Die Dynamik der Bestelltätigkeit in der Industrie hat sich in den letzten Monaten etwas abgeschwächt. Die aktuelle Entwicklung der Bestelltätigkeit dürfte allerdings auch durch den frühen Ferienbeginn in dem von seinem Gewicht her bedeutenden Bundesland Nordrhein-Westfalen beeinflusst worden sein. Insgesamt stellt sich die Auftragslage in der Industrie nach der seit Monaten spürbar aufwärts gerichteten Entwicklung nach wie vor gut dar. Die Aussichten für Entwicklung der Industriekonjunktur bleiben in den kommenden Monaten weiterhin positiv."

* Hier zur Startseite


global news 397 04-08-06: Immer mehr Verbraucherinsolvenzen

Während als Zeichen der guten Profitlage der Unternehmen deren Insolvenzen im Zeitraum Januar - Mai 2006 um 11,8 % zurückgegangen sind, nehmen die Verbraucherinsolvenzen immer mehr zu. Sie stiegen in Januar - Mai um weitere 44,2 % gegenüber Vorjahreszeitraum und dürfen in diesem Jahr mit etwa 100.000 die Bevölkerung einer Großstadt erreichen (Abb. 04028). Hier spiegeln sich nicht zuletzt die schlechte Lage am Arbeitsmarkt, die wachsende Armut und Wirkungen der so genannten Reformen im sozialen Bereich wider.

* Hier zur Startseite


global news 396 03-08-06: Deutschland im Juni 06 weiter im EU-Vergleich mit enttäuschendem Einzelhandelsumsatz

Das Statistische Amt der EU hat heute die Daten zum Einzelhandelsumsatz im 1. Halbjahr 2006 gemeldet. Danach war die deutsche Zuwachsrate gegenüber Vorjahr eine der niedrigsten unter den vergleichbaren EU-Ländern und lag unter dem Durchschnitt der Eurozone (Abb. 12191).

Der Indexwert (Jahr 2000 = 100) war für Juni 2006 ebenfalls einer der niedrigsten und nur von Italien unterboten (Abb. 12190).

* Hier zur Startseite


global news 395 02-08-06: Arbeitsmarktzahlen vom Juli: Licht und Schatten

Die Bundesagentur für Arbeit ist zufrieden: "Die konjunkturelle Erholung der Wirtschaft zeigt deutlichere Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt: Die Kräftenachfrage belebt sich und die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Erwerbstätigkeit und darunter die wichtige Gruppe der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nehmen saisonbereinigt zu." In der Tat: Die Zahl der Arbeitslosen hat gegenüber Juli 2005 um 9,3 % abgenommen (Abb. 04037).

Allerdings hat das sonst erfreuliche Bild immer noch viele dunkle Schatten. So ist die deutsche Arbeitlosenquote immer noch eine der höchsten vergleichbarer Länder (Abb. 04068).

Die Zahl der der versicherungspflichtig Beschäftigten stagiert bei +0,2 % und das sind immer noch 221.000 weniger als vor zwei Jahren (Abb. 04008).

Die Zahl der älteren Arbeitslosen über 50 Jahre ist nur unterdurchschnittlich um 6,1 % zurückgegangen (Abb. 04168).

Vor allem liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 42,9 % aller Arbeitslosen oder rund 1,9 Millionen immer noch um fast 8 % über dem Vorjahreswert, wobei diese Daten aus dem IT-Vermittlungssystem der BA hochgerechnet werden müssen (Abb. 04033).

300.000 Menschen befinden sich in so genannten Arbeitsgelegenheiten oder 1-Euro-Jobs, die die Arbeitslosenstatistik künstlich niedriger halten. Deren Zahl war nach der letzten amtlichen Angabe im Juni fast 36 % höher als vor einem Jahr. Zählt man sie unverändert zu den Arbeitslosen vom Juli, so wären diese nur um 7,7 % statt 9,3 % weniger geworden (Abb. 04568).

Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Arbeitsmarktstatistik siehe hier.

* Hier zur Startseite


global news 394 02-08-06: Wachsende Mehrheit der Deutschen sieht Globalisierung negativ

Wie schon verschiedene frühere Meinungsumfragen von Eurobarometer oder privater Institute hat jetzt auch die letzte Allensbachumfrage unter fast 1.300 Menschen eine stark wachsende Skepsis der Deutschen gegenüber der derzeitigen neoliberalen Form von Globalisierung ergeben. 70 % derer, die eine eindeutige Meinung hatten, sahen jetzt überwiegend die Risiken der Globalisierung, während 1998 die Risiko-Besorgten und die Chancen-Optimisten noch fast gleich zahlreich waren (Abb. 03058).

Besonders negative Werte ergaben sich bei der Frage nach verschiedenen Assoziationen von Globalisierung: 78 % denken an Verlagerung von Arbeitsplätzen und nur noch 28 % - allen Versprechungen der Bundesregierungen, Wirtschaftsforschungsinstitute und Verbände zum Trotz - an Wirtschaftsankurbelung (Abb. 03057). Eine Mehrheit von 54 % sieht das soziale Netz gefährdet. Fast die Hälfte sehen die Globalisierung nur im Interesse derer mit viel Kapital. Die Leute nehmen ganz offensichtlich die politische Vorgabe, wonach der Exportweltmeister immer auf der Gewinnerseite der Globalisierung operiert, nicht mehr ab.

Dies sind deutliche Warnungen an die Politik, die Sorgen der Menschen weit ernster zu nehmen, als das bisher geschieht. Die meisten globalisierungsrelevanten Entscheidungen sind in Deutschland bisher ohne größere öffentliche Diskussion über die Köpfe der Menschen hinweg gefallen, so z.B. die Erweiterung der Europäischen Union, die Einführung des Euro, die Europäische Verfassung oder die Liberalsierungschritte im Rahmen der Welthandelsorganisation, wie insbesondere die den relativ freien Marktzugang für China begründende WTO-Entscheidung. Dies ist geschehen, obwohl - oder schlimmer noch: weil - in Deutschland keine Mehrheiten der Bevölkerung z.B. für die Einführung des Euro, die Aufnahme von Verhandlungen über den Türkeibeitritt oder die Europäische Verfassung gesichert waren. Es reicht nicht aus, lautstark im Wahlkampf über die so genannten Heuschrecken der Hege Fonds und Private Equity Unternehmen zu klagen, dann aber den "roten Teppich" der Steuervergünstigungen für kurzfristige Anlagen dieser Fonds und Unternehmen in Deutschland ausgerollt zu lassen. Es reicht auch nicht aus, wenn in Deutschland die Massenarbeitslosigkeit und realen Lohnverluste beklagt werden, zugleich aber die Dank neoliberaler Globalisierung eingefahrene deutsche Exportweltmeisterschaft gefeiert wird, ohne den Zusammenhang zu sehen. Die zum größten Teil in der Eurozone seit dem Jahr 2000 aufgebauten deutschen Exportüberschüsse werden von der neoliberal mit Verlagerungsdrohungen erzwungenen negativen Lohnpolitik gespeist.

* Hier zur Startseite


global news 393 01-08-06: Einzelhandelsumsatz im Juni 2006: Mit einem Plus von 1,9 % wieder auf Januar-Niveau

Wie das Statistische Bundesamt heute meldet, ist der Einzelhandelsumsatz im Juni 2006 real sowie saison- und kalenderbereinigt um 1,9 % gegenüber Mai 2006 gestiegen und hat damit wieder das Niveau vom Januar erreicht (Abb. 04214). Gegenüber Juni 2005 waren es 0,4 % weniger, wobei aber das StaBuA darauf hinweist, daß der Juni 2006 einen Verkaufstag weniger hatte. Vergleicht man das gesamte 2. Quartal 2006 mit dem Vorjahreszeitraum, so ergibt sich in realer Betrachtung saison- und kalenderbereinigt nur ein ganz schwaches Plus von 0,4 %. Trotz drohender Mehrwertsteuererhöhung stagnierte also der Einzelhandelsumsatz auch im 2. Quartal. Bei der Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes ist außerdem zu berücksichtigen, daß im Monat Juni 2006 der "WM-Effekt" die Entwicklung sowohl zu Vormonat als auch zum Vorjahr beeinflußt hat. Der Einzelhandel selbst spricht von Zusatzumsätzen in Höhe von ca. 2 Mrd Euro.

* Hier zur Startseite


global news 392 31-07-06: Neoliberale Verbindung des weltgrößten Handelshauses mit dem weltgrößten Billigproduzenten

Die Verbindung zwischen dem amerikanischen Wal-Mart, dem größten Handelshaus der Welt, und China, dem bei weitem weltgrößten Billigproduzenten, ist symptomatisch für das, was neoliberale Globalisierung möglich macht. Die billige Einkaufsquelle für Verbraucher beruht in großem Umfang auf Ausnützung der schlechten Sozial- und Umweltverhältnisse in China und kostet Arbeitsplätze in USA und anderen Wal-Mart Ländern. Wal-Mart ist das größte Unternehmen der Welt, größer als Exxon-Mobil, General Motors oder General Electric. Allein in USA erzielt Wal-Mart einen Einzelhandelsumsatz von 312 Mrd Dollar - viermal so viel wie die Metro AG in Deutschland oder mehr als die zusammengenommenen Bruttoinlandsprodukte von Argentinien, Venezuela und Ecuador - und beschäftigt als größter privater Arbeitgeber 1,3 Millionen Menschen. Das Unternehmen verkauft in den USA 20 Prozent aller Lebensmittel und 16 Prozent aller Medikamente. Wal-Mart ist auch das wohl mächtigste und zugleich ausdrücklich gewerkschaftsfeindliche Unternehmen der Welt: Bisher sind alle Versuche amerikanischer Mitarbeiter, eine Belegschaftsvertretung zu gründen, gescheitert. Heute kommen etwa 70 % des weltweiten Wal-Mart-Sortiments aus China und 40.000 der insgesamt 60.000 Walt-Mart Lieferantenfabriken befinden sich in China. Dabei hat Wal-Mart die Importe aus China in den letzten fünf Jahren verdoppelt und bestreitet inzwischen zehn Prozent des gesamten chinesischen Exports in die USA. China verkauft an Wal-Mart mehr, als es nach Deutschland oder Großbritannien liefert.

Wal-Mart nützt - wie auch viele andere große Handelshäuser - die schlechten Sozial- und Umweltbedingungen in China aus. Das chinesische Recht kennt keine freie Bildung von Gewerkschaften. Alle in den jeweiligen Betrieben gegründeten Vertretungen müssen dem allgemeinen Dachverband ACFTU angehören und Streiks werden unterdrückt. Vor diesem Hintergrund wird die Wal-Mart Politik der "gewerkschaftsfreien Zonen" auch in China praktiziert. Seit jetzt sechs Jahren verlangt ACFTU von Wal-Mart die Zulassung von Vertretungen in den chinesischen Konzernfilialen. Bis heute ist es jedoch den chinesischen Gewerkschaften nicht gelungen, die Gründung von Belegschaftsvertretungen in den Niederlassungen durchzusetzen.

Für mehr zu diesem Thema siehe den neuen Schwerpunkt Wal-Mart und China.


global news 391 29-07-06: Tariflöhne im 2. Quartal 06 real Minus 1,4 % (Angestellte) und 0,9 % (Arbeiter) unter Vorjahreswert

Die heutige Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts verzeichnet für April die geringste nominale Erhöhung der Tarifverdienste bei den Angestellten seit der erstmaligen Berechnung des Tarifindex für Gesamtdeutschland im Jahre 1995. Speziell für den Bereich der gewerblichen Wirtschaft und der Gebietskörperschaften werden die Werte bis zum 2. Quartal 2006 angegeben, und zwar mit Rückgängen um 1,4 % für Angestellte und 0,9 % für Arbeiter gegenüber dem Vorjahreswert, wenn man die Nominalentwicklung um den Anstieg des Verbraucherpreisindex bereinigt (Abb. 04567). Das sind wahrlich keine guten Aussichten für die Entwicklung der Binnenkonjunktur, wenn erst einmal die wegen der Mehrwertsteuererhöhung vorgezogenen Einkäufe vorbei sind.


global news 390 27-07-06: Hamsterstimmung vor der MWSt-Erhöhung bei sinkendem Glauben an Konjunkturerholung

Nach Ermittlungen der Gesellschaft für Konsumforschung glauben immer weniger Bürger, daß sich die Wirtschaft nachhaltig erholt. Wenn sie im Moment trotzdem mehr shoppen gehen als früher, dann vor allem, um zu hamstern. Die Furcht vor der Mehrwertsteuererhöhung treibe sie in die Läden. Doch die Kaufwut werde schon bald abebben: "Mehr und mehr Bundesbürger halten es angesichts der in sechs Monaten anstehenden Mehrwertsteuererhöhung für ratsam, vor allem größere Anschaffungen vorzuziehen. Auf Grund fehlender Einkommenssteigerungen bei den privaten Haushalten würden die Anschaffungen jedoch häufig nur aus Erspartem oder über Verschuldung finanziert. Auch deshalb sei die Gefahr hoch, daß die positive Verbraucherstimmung wieder kippe, wenn die Einkommensaussichten sich wieder verschlechterten. Deshalb bleibe das Gebot der Politik und Wirtschaft, dafür zu sorgen, daß die Einkommenserwartungen wieder zulegen können, unvermindert dringlich".

Sorgen um die Dauer des Aufschwungs hatten auch den gestern veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex absinken lassen. Doch der Bundeswirtschaftsminister findet in seiner heutigen Pressemitteilung nicht überraschend auch diesmal eine positive Interpretation: "Die seit April dieses Jahres zu verzeichnende seitwärts gerichtete Tendenz des Geschäftsklimaindikators in der Gewerblichen Wirtschaft ist nach den kräftigen Anstiegen in den Monaten zuvor nicht ungewöhnlich. Hierin dürfte eine realistische, nach wie vor außerordentlich positive Sichtweise der weiteren konjunkturellen Entwicklung zum Ausdruck kommen."

* Hier zur Startseite


global news 389 23-07-06: Indischer Sofware- und Dienstleistungsexport boomt

Ein neuer Bericht der UN-Unterorganisation DESA, World Economic and Social Survey 2006, zeigt, wie stark sich der indische Export von Software und Dienstleistungen bis 2004 entwickelt hat (Abb. 07072). Nach einem Bericht in der Financial Times konnte Indien seinen IT-Export in 2005 um ein weiteres Drittel steigern. Seitdem dürfte sich der Export verstärkt fortsetzen, zumal viele Multis und Banken Teile ihrer „back-office"-Funktionen derzeit nach Indien verlegen. Auch DaimlerChrysler hat entsprechende Pläne bekannt werden lassen.

* Hier zur Startseite


global news 388 21-07-06: Deutschland im Griff der neoliberalen Globalisierung

Man kann die wirtschafts- und sozialpolitische Lage Deutschlands (und anderer vergleichbarer Länder) nicht mehr seriös beurteilen, ohne den Einfluß der Globalisierung in ihrer neuen neoliberalen Variante zu berücksichtigen. Es gibt dafür zwar keinen verbindlichen zeitlichen Schnittpunkt, doch kann man der Einfachheit halber den Beginn der „neuen Zeit" mit dem Fall der Mauer und dem endgültigen Ende eines konkurrierenden Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells annehmen. In einer Übergangsphase bis etwa zum Beginn dieses Jahrtausends hat das Welthandelssystem gestützt von der seit 1985 bestehenden Welthandelsorganisation und der globalen Internet-Revolution eine völlig neue Dimension angenommen. Seitdem ist die Reservearmee von Hunderten von Millionen Arbeitsloser und drastisch Unterbezahlter - vor allem im neuen WTO-Mitgliedsland China und zunehmend auch Indien - für den Einstieg in eine globale Verwertung durch das Kapital verfügbar geworden. Bisher zeigt sich das vor allem in Verlagerungsdrohungen, beeinflußt aber auch schon die Importstruktur. Parallel dazu ist das Kapital selbst immer mobiler geworden und hat früher undenkbare Dimensionen angenommen. Nur wer all dies vergißt, kann sich zurückträumen in einen wirtschaftlich und sozial gesicherten deutschen Raum ohne wachsende soziale Differenzierung und anhaltende Massenarbeitslosigkeit und braucht schon gar nicht über Abwehrstrategien, wo sie noch möglich sind, nachzudenken.

Hier drei Schaubilder für die beiden neuen Situationen. Abbildung 03036 zeigt die exponentielle Entwicklung des Welthandels. Abb. 07073 ergänzt dies durch einen Blick auf den wachsenden Anteil der Importe aus China sowie den EU-Beitritts- und Kandidatenländern, die zu einem sehr großen Teil von sehr billiger Arbeitskraft produziert werden. Dieser Anteil hat sich seit den 70er Jahren mehr als verfünffacht, wobei sich der deutsche Gesamtimport, an dem sich der Anteil mißt, etwa versiebenfacht hat (nach Abzug von 3 % jährlicher Inflation). Der reale Aufbau ist also weit größer. Bei der derzeitigen Tendenz wird sich der Prozeß noch für Jahrzehnte ungebremst fortsetzen. Wie lange Deutschland dies wie bisher durch wachsende Exporte ausgleichen kann, ist die Frage, nachdem z.B. die Bilanz bei China schon stark negativ ist.

Abb. 03035 stellt die neuen gigantischen Dimensionen des Kapitals dar, das um den Globus flottiert. So hat der globale Währungshandel mit etwa 1.900 Mrd US$ pro Tag einen neuen Rekord erreicht. Um die kaum vorstellbare Größenordnung wenigstens etwas zu verdeutlichen: Das entspricht auf Tagesbasis dem 78-Fachen des weltweiten Warenverkehrs oder dem 260-Fachen des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands oder dem 630-Fachen aller Bruttolöhne und -Gehälter in Deutschland. Das Spiel-Kapital der Hedgefunds hat jetzt 1.100 Mrd US$ überschritten, und auch das wird zu einem großen Teil täglich umgeschichtet. Der Umsatz an spekulativen Finanzpapieren in Form von Derivativen an den Terminbörsen hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt und erreicht ein durchschnittliches Tagesvolumen von 4.100 Mrd US$ oder weit mehr als das Tausendfache aller täglichen Bruttolöhne und -Gehälter in Deutschland oder das Zehnfache der Wirtschaftsleistung der gesamten Welt. Hedge Fonds und Private Equity Unternehmen sind in Deutschland jedenfalls schon eingefallen.

* Hier zur Startseite


global news 387 21-07-06: Die prekäre Gleichung: Rentenversicherung und versicherungspflichtige Beschäftigung

Die deutsche Rentenversicherung ist auf erhebliche Bundeszuschüsse angewiesen. Auf der Einnahmenseite leidet sie besonders an einem unzureichendes Beitragsaufkommen aus den Neuen Bundesländern, das bei der Finanzierung der deutschen Einheit nicht bedacht wurde, sowie an der negativen Reallohnentwicklung, die auch die Beiträge negativ beinflußt. Eine besonders große Belastung kommt von dem Rückgang versicherungspflichtiger Beschäftigung. Abb. 04565 zeigt die Finanzsituation vor Bundeszuschüssen, wobei auch die steigenden Ausgaben zu Buche schlagen.

Der Anteil der versicherungspflichtig Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung lag 1991 noch bei etwa 40 % (Abb. 04566). Es sank dann kontinuerlich bis 1998 und trat nach einer kurzen Erholung ab 2000 die weitere Talfahrt auf nur noch 31,4 % im 1. Quartal 2006 an (Abb. 04564).

Während in der Altersgruppe der 40er noch fast 60 % einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, fällt der Anteil danach ab und erreicht bei denen zwischen 60 und 64 Jahren gerade noch 15 % (Abb. 04563). Hier rächt sich der meist erzwungene Rückzug der älteren Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt und deren hohe Arbeitslosigkeitsquote.

* Hier zur Startseite


global news 386 20-07-06: Tatsächlich bezahlter Ertragssteuersatz von Unternehmern und Vermögenden um 2/5 gefallen

Prof. Jarass (Mitglied der Kommission zur Reform der Unternehmensbesteuerung 1999-2001) und Prof. Obermair haben in einer neuen Untersuchung vom 16. Juli 2006 errechnet, wie sich der tatsächlich bezahlter Ertragssteuersatz auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen (ohne Kapitalgesellschaften) seit 2000 entwickelt hat. Dabei wurde die Entwicklung der Einkommen und der gezahlten Steuern ermittelt (Abb. 13078) und dann ins Verhältnis gesetzt (Abb. 13077). Ergebnis: Der tatsächlich bezahlte Steuersatz sank von 27 % im Jahre 2000 um 2/5 auf nur noch 17 % im Jahre 2005.

Abbildung 13079 zeigt zum Vergleich die Steuer- und Abgabenbelastung von Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit. War diese um 1980 mit ca. 33% noch genauso hoch wie damals die Steuerbelastung aus Unternehmens- und Vermögenseinkommen, so beträgt sie seit Jahren mit rund 36% mehr als das Doppelte der heutigen Belastung von Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß sich hier auch die drastische Senkung des Spitzensteuersatzes von 53% auf 42% niederschlägt; für die durchschnittlichen Verdiener sowie die Geringverdiener stellt sich die Entwicklung somit noch ungünstiger dar.

* Hier zur Startseite


global news 385 19-07-06: Gewerbliche Wirtschaft in Januar-Mai 06: Trotz Regierungsjubel das alte Bild: Immer noch weniger Beschäftigte - weniger Einkommen - weniger Inlandsumsatz

Die Bundesregierung jubelt in der heutigen Pressemitteilung: "Nachdem die deutsche Volkswirtschaft im ersten Quartal 2006 Fahrt aufgenommen hat, dürften sich die wirtschaftlichen Aktivitäten im Verlauf des zweiten Quartals beschleunigt und dabei auch an Breite gewonnen haben." Auch die Bundesbank sieht es im Juli-Monatsbericht positiv: "Die Geschäftsaktivitäten in der Industrie blieben bis zuletzt deutlich nach oben gerichtet." Diese Meldungen stützen sich im wesentlichen auf den Produktionsindex, Auftragszahlen und Umfragewerte zum Geschäftsklima. Dagegen hat sich nach den neuen Daten des Statistischen Bundesamts zur Lage der gewerblichen Wirtschaft im Zeitraum Januar - Mai 2006 per Vorjahresvergleich der negative Trend preisbereinigt bisher sowohl bei der Beschäftigung, wie beim Einkommen und beim für die Gesamtkonjunktur so wichtigen Inlandsabsatz fortgesetzt. Nur der Export wuchs um 10.7 % (Abb. 04009). Zum großen Jubel ist es vielleicht doch noch zu früh, zumal auch die Arbeitsmarktdaten für Juli noch a usstehen.


global news 384 18-07-06: 55+ nur noch „Schrottwert" am Arbeitsmarkt?

zur Druckansicht

Das amtliche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit räumt es im Kurzbericht vom 5. Oktober 2005 in noch relativ vorsichtigen Worten ein: „Die Arbeitsmarktsituation älterer Arbeitnehmer ist in Deutschland nach wie vor unbefriedigend. So konnten beim Beschäftigungsniveau der Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren in den letzten Jahren keine nennenswerten Fortschritte erzielt werden." Doch das ist noch eine stark verharmlosende Umschreibung. Wie schlecht die Situation in der Tat ist, zeigt in voller Schärfe erst der internationale Vergleich.

Deutschland hat die bei weitem höchste Arbeitslosenquote Älterer und übertraf im vergangenen Jahr mit fast 13 % den Durchschnitt der Alt-EU um mehr als das Doppelte (Abb. 12185).

In den letzten Jahren ist die Arbeitslosigkeit älterer Jahrgänge in Deutschland noch weiter angestiegen und bewegt sich nun um 1,2 Millionen (Abb. 04168).

Dabei zählen die älteren Arbeitslosen vor allem zu der sehr hohen Zahl der Langzeitarbeitslosen (Abb. 04033). Leider berichtet die Bundesagentur nicht regelmäßig über den Anteil der Langzeitarbeitslosen unter den älteren Arbeitslosen, doch lag er nach den letzten Zahlen für 2003 bereits mehr als doppelt so hoch als bei den jüngeren Arbeitslosen (Abb. 12189).

Nach den Zahlen der Bundesagentur für Juni 2006 haben nur 39 % der Älteren eine Beschäftigung, verglichen mit 74 % bei den Jüngeren (Abb. 12188) und von den 39 % ging ein hoher Anteil nur einer geringfügigen Beschäftigung im Haupterwerb nach. Die letzten spezifischen amtlichen Zahlen für September 2005 zeigen bei den Älteren 20 % in dieser Situation, während es bei den Jüngeren nur 9 % sind; in einem normalen Job sind also nur noch 31 % derer von 55+. Der große Anteil der nicht mehr zu den Beschäftigten gezählten Älteren hat in der Regel krank oder enttäuscht aufgegeben und sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen.

Der niedrige deutsche Beschäftigungsanteil der Älteren fällt besonders im Verhältnis zu den skandinavischen Ländern auf (Abb. 12186, die internationalen Zahlen stimmen in der Erfassungsbasis nicht ganz mit denen in Abb. 12188 überein).

Dabei gibt es einen starken Zusammenhang zwischen der Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer und der Höhe der Gesamtarbeitslosigkeit: Je geringer die Quote, desto höher die Gesamtarbeitslosigkeit. Dies wird durch den internationalen Vergleich überzeugend belegt (Abb. 12184).

Nicht überraschend hängen die Beschäftigungschancen Älterer sehr von deren Qualifikation ab. Die Erfahrung in der Alt-EU zeigt, daß bei Älteren ohne Abiturabschluß die Beschäftigungsquote nur knapp 34 % beträgt, während sie bei denen mit Abiturabschluß auf über 45 % steigt (bei Akademikern sogar auf 64 %). Deshalb muß der Weiterbildung großes Gewicht zukommen. Aber auch hier fällt Deutschland stark hinter die führenden skandinavischen Länder zurück. Weniger als 3 % dieser Altersgruppe sind in Deutschland an Weiterbildungsprogrammen beteiligt, gegenüber bis zu 30 % für die skandinavischen Länder (Abb. 12187).

Fazit

Man kann das Gesamtbild der Arbeitslosigkeit derer von 55+ nur als einen schrecklichen sozialen Skandal bezeichnen. Außerdem haben die älteren Arbeitslosen kaum Chancen, den Einschnitten ins soziale Netz wenigstens noch teilweise durch Rückkehr in den Erwerbsprozeß auszuweichen. Ein sehr großer Teil leidet daher – zusätzlich zu den schon spürbaren Verschlechterungen und demnächst der Mehrwertsteuererhöhung - auch noch verstärkt unter den in Deutschland von Politik und Medien verbreiteten Zukunftsängsten. In der Kombination dieser Faktoren bekommt das Bild eine noch tragischere Schärfe.


global news 383 17-07-06: Verteilung der Steuerbelastung: Die große Masse auf den Schultern der Arbeitnehmer

Abb. 04561 zeigt die Verteilung der Aufkommens an direkten Steuern: Arbeitnehmer tragen über die Lohnsteuer mit 54 % das Gros der direkten Steuern. Sie sind außerdem an anderen direkten Steuern, wie Zinsabschlagsteuer, veranl. Einkommenssteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Grundererwerbssteuer und KfZ-Steuer beteiligt und tragen auch den Löwenanteil der indirekten Steuern, wie der Mehrwertsteuer. Quelle für die Steuereinnahmen: Bundesfinanzministerium

Die eigentliche Steuerbelastung auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen wurde von Prof. Jarras in einer Untersuchung vom 30. Juni 2006 mit 96 Mrd Euro für 2004 abgegeben. Das waren gerade einmal 21,7 % der gesamten Steuereinnahmen von 443 Mrd Euro (Abb. 04562).


global news 382 16-07-06: Chinas Währungsmanipulation verhilft zu neuem Export- und Währungsreserven-Rekord

Chinas Währungsmanipulation verhilft zu neuem Export- und Währungsreserven-Rekord: China konnte im ersten Halbjahr seine Exporte um 25 % und seinen Bilanzüberschuß sogar um 45 % gegenüber Vorjahreszeitraum steigern (Abb. 08001). In der Folge stiegen die Währungsreserven - die größten der Welt - um fast ein Drittel auf einen neuen Rekord von 941 Mrd US$ (Abb. 08028).

Wie die Financial Times schreibt, zeigt dies das Ausmaß der Interventionen der chinesischen Zentralbank zugunsten eines niedrigen Kurses der eigenen Währung. Eigentlich hätte man bei solchen Überschüssen eine starke Aufwertung erwarten müssen. Nicht zuletzt durch die weiterhin fast totale und künstliche de-facto Anbindung an den US Dollar hat der chinesische Renmimbi jedoch seit Mitte 2001 bereits etwa 31 % seines Wertes gegenüber dem Euro verloren (Abb. 08007). Die geschah, obwohl China bei den Verbraucherpreisen mit 8,8 % für 2000/Mai 06 noch weniger Inflation als Deutschland (10,1 %) kennt. Auch die reale effektive Renmimbi-Wechselkursrate basierend auf dem Handel mit 6 Hauptpartnern, darunter asiatische, ist - wenn auch weniger stark - zurückgegangen (Abb 08026).

Offensichtlich aber sind die USA und die Europäische Union bisher bereit, dieses Währungsdumping zu Lasten ihrer heimischen Produktion hinzunehmen, zumal es ihren aus China exportierenden Unternehmen nützt, die eine starke Lobby-Gruppe für den China-Import darstellen, und dieser Import zu Niedrigstpreisen bisher ihre Inflationsraten gedämpft hat.


global news 381 15-07-06: Enttäuschende Entwicklung der Einkommen aus Vollzeitbeschäftigung

Enttäuschende Entwicklung der Einkommen aus Vollzeitbeschäftigung: Die jetzt vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zu den Bruttojahresverdiensten vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer/-innen im vergangenen Jahr zeigen dreierlei ungünstige Entwicklungen. Erstens gab es verbraucherpreisbereinigt eine totale Stagnation. Zweitens verdienen Männer im Durchschnitt immer noch 26 % mehr als Frauen. Drittens ist die Lage in den Neuen Bundesländern besonder negativ, weil hier ein Rückgang um 0,5 % verzeichnet wurde und der Durchschnitt nun um 29 % unter dem des Altbundesgebiets liegt; die Frauenverdienste sind hier verbraucherpreisbereinigt sogar um fast 1 % zurückgegangen (Abb. 04559, 04560).


global news 380 14-07-06: "Heuschrecken fressen immer mehr"

Nach einem Bericht der Financial Times verläuft die Kapitalaufnahme der Buy-out Fonds, d.h. ein besonders aggressiver Typ der in Deutschland als "Heuschrecken" gescholtenen Private Equity Unternehmen, in diesem Jahr besonders stürmisch. Allein die 5 größten Fonds konnten in den vergangenen 12 Monaten mehr als 91 Milliarden Dollar an neuem Kapital aufnehmen (Abb. 03451).

Eine solche Zahl muß man verdeutlichen: Es handelt sich um mehr als das Doppelte des gesamten Aktienkapitals von DaimlerChrysler. Abb. 03452 vergleicht mit den deutschen DAX 30 Unternehmen.

Allein Blackstone hat jetzt 15,6 Milliarden Dollar Kapital für seinen neuen Superfonds eingesammelt. Das sei gut doppelt so viel wie beim letzten Beteiligungsfonds des Unternehmens aus dem Jahr 2002. Außerdem ist es die bisher größte Summe, die ein Private-Equity-Unternehmen je eingenommen hat. "Diese Rekordsumme wird uns Transaktionen von einer Größe und Komplexität ermöglichen, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar waren", sagte Blackstone-Chef Stephen Schwarzman laut "Financial Times Deutschland". Da diese Übernahmen typischerweise mit einem hohen Kreditanteil finanziert werden, könne allein Blackstone nun Zukäufe im Wert von 80 Milliarden Dollar stemmen, rechnet die "FTD" vor. In Abb. 03452 muß man sich also den Balken der 5 Fonds mehrfach verlängert vorstellen. Aus umgerechnet 72 Mrd Euro können dann - je nach Hebelwirkung - 450 Mrd Euro werden oder zwölfmal das Eigenkapital von DaimlerChrysler (Abb. 03027). Außerdem handeln die Fonds immer mehr in Koalition, wobei sie Mittel zusammenlegen und damit noch stärker werden.

Für mehr zu Hedge Fonds und Private Equity Unternehmen siehe hier.


global news 379 13-07-06: Neues Bundesgebiet: Arbeitskosten viel niedriger - Arbeitslose viel zahlreicher

Die Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts vom 12. Juli zeigt, wieviel ungünstiger die Situation der Arbeitnehmer in dem neuen Bundesgebiet im Verhältnis zum alten immer noch ausfällt. Die Arbeitskosten liegen um 28 % unter Westniveau. Dazu gehören die Bruttolöhne und -gehälter der Arbeitnehmer, die von den Arbeitgebern getragenen Sozialbeiträge, Kosten der beruflichen Aus- und Fortbildung und sonstige Kosten, wie Anwerbungskosten und Berufskleidung. Die Arbeitszeit gemessen in geleisteten Arbeitstunden ist dagegen um 3,3 % höher (Abb. 10016).

Trotz der für Arbeitgeber so viel günstigeren Situation bei den Arbeitskosten fällt die Arbeitslosenquoten mit 18,7 % für das neue Bundesgebiet verglichen mit 10,0 % für das alte weiterhin drastisch höher aus (Abb. 10017). Unter Einrechnung der im neuen Bundesgebiet besonders zahlreichen 1-Euro-Jobs ist die Arbslosenquote mit 20,4 % etwa doppelt so hoch wie im alten Bundesgebiet.

Die Arbeitsmarktsituation in den neuen Bundesländern ist wahrscheinlich noch prekärer, als diese Zahlen ausweisen. So hat nur ein kleiner Anteil von 37 % der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zwischen 16 und 64 einen sozialversicherungspflichtigen Job gegenüber 52 % im alten Bundesgebiet Abb. 10018).

Man kann schließlich vermuten, daß die so genannte „Stille Reserve" derer die zwar nicht beschäftigt sind aber auch nicht als arbeitslos gezählt werden, im neuen Bundesgebiet erheblich größer als im alten ist. Rechnet man hier den Quotienten zur Gesamtbevölkerung zwischen 16 und 64, so ergibt sich für Deutschland Ost ein Wert von 43 % bei nur 28 % für Deutschland West (Abb. 10019). Die „Stille Reserve" betrifft durch den Verlust ihres Arbeitplatzes entmutigte Arbeitskräfte, Rentner, die aus Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, Schüler und Studenten, die aufgrund schlechter Arbeitmarktbedingungen ihren Abschluss hinauszögern, Teilnehmer an bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, insbesondere: (Vollzeit-) Weiterbildungsmaßnahmen (FbW), Rehabilitation, Altersübergangsgeld/Vorruhestandsgeld-Ost, ältere Arbeitslose, die nach § 428 SGB III der Arbeitsvermittlung nicht mehr zur Verfügung stehen, und die Teilnehmer von Trainingsmaßnahmen. In vielen dieser Kategorien ist der Anteil Ost besonders hoch.

Für mehr zur Lage der Neuen Bundesländer siehe hier.


global news 378 12-07-06: Monopolkommission: Deutsche Großunternehmen verringern ihren deutschen Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteil immer mehr

Die Monopolkommission hat in ihrem am 6. Juli 2006 veröffentlichten Hauptgutachten herausgearbeitet, wie stark sich die deutschen Großunternehmen inzwischen mit ihrer Wertschöpfung und dementsprechend ihrer Relevanz für die deutsche Beschäftigung von Deutschland gelöst haben. In meiner Beurteilung hilft dies, ihr immer geringeres Interesse an den deutschen Sozialverhältnissen und der deutschen Binnenkonjunktur zu verstehen. Ich hatte in einem früheren Rundbrief schon darauf hingewiesen, daß die DAX 30-Unternehmen nur noch 53 % der Beschäftigten und 1/3 des Umsatzes in Deutschland haben (Abb. 12119).

Nach den Festellungen der Monopolkommission ist der Inlandsanteil an der Wertschöpfung der 10 Top-Unternehmen in nur zwei Jahren bis 2004 um 11 Punkte auf 59 % gefallen und ist selbst bei Ausklammerung der Deutschen Telekom, die 2002 erheblichen Abschreibungsbedarf im Inland hatte, um über 3 Punkte zurückgegangen (Abb. 13075). Auch der Trend bei den Top 100 ist nach Unten gerichtet (Abb. 13076).

Für einen Vergleich mit der Beschäftigtenzahlen wurden nur die 81 Unternehmen in die Betrachtung einbezogen, die in beiden Jahren zu den 100 größten zählten und von denen für 2002 und 2004 die Zahl der Beschäftigten inländischer Konzerngesellschaften ermittelbar war. Deren Anteil an der deutschen Beschäftigung verringerte sich von 13,3 % 2002 auf nur noch 12,7 % in 2004. Während die Gesamtanzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 4,2 % sank, bauten die Großunternehmen ihren Personalbestand um 8,3 % ab. Diese drastische Absenkung der Beschäftigtenzahl ist nach Ansicht der Monopolkommission auf die interne Restrukturierung der Unternehmen sowie auf die Ausgliederung zahlreicher Betriebsstätten ins Ausland zurückzuführen..


global news 377 11-07-06: „ Deutschland ist es ober-geil!" - Auch für Importe aus Billigstländern

„BILD" jubelt nach der Fußballweltmeisterschaft: „Deutschland ist ober-geil!" Man kann das auf die deutsche Anziehung von Importen aus den Billigstländern übertragen, besondes aus China und den EU-Beitritts- und Beitrittskandidatenländern. Seit 2000 sind hier die Importe nominal um 132 % bzw. 59 % gestiegen, während der Import aus der Eurozone nur um 27 % zugenommen hat (Abb. 07040).

Die real negative Entwicklung der Massenkaufkraft in Deutschland trägt zur Konzentration der Importe vor allem von Konsumgütern auf diese Billigstländer erheblich bei. Der Anteil dieser Länder am Gesamtimport (ohne Energie) ist daher von 14 % im Jahre 2000 auf 21 % in Jan-Apr 2006 hochgesprungen; hinzu kommen noch andere Billigstländer in Ost- und Südostasien mit etwas über 6 % Anteil (Abb. 07071).

Zusätzlich zu den Folgen der Automatisierung gibt es sicher Zusammenhänge zwischen der dynamischen Entwicklung der Importe aus Billigstproduzentenländern und der seit dem Jahr 2000 bereits um 14 % verminderten Beschäftigtenzahl in der deutschen Konsumgüterindustrie (Abb. 04558).


global news 376 10-07-06: Kritik der Unternehmenssteuerreform

Prof. Jarass (Mitglied der Kommission zur Reform der Unternehmensbesteuerung 1999-2001) hat zusammen mit Prof. Obermair eine neuen Untersuchung vom 30. Juni 2006 zur Unternehmenssteuerreform vorgelegt. Sie ist in einem neuen Schwerpunkt auf der Webseite „Unternehmenssteuerreform: Steuergeschenke, was noch?" mitberücksichtigt worden. Hier einige der Punkte:

1. Die Europäische Kommission kommt in ihrer neuesten Veröffentlichung für 2002 und 2003 zum Ergebnis, daß die tatsächlich bezahlte Steuerbelastung von Unternehmens- und Vermögenseinkommen in Deutschland (neben Griechenland) die niedrigste in den EU15-Ländern war und in Deutschland seit 1995 am stärksten abgesenkt wurde.

2. Jarras/Obermair haben auch untersucht, wie sich einerseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen und andererseits die darauf tatsächlich gezahlten Steuern entwickelt haben. Während die Einkommen zwischen 2000 und 2004 um 24 % gestiegen sind, gingen die Steuerzahlungen um 17 % zurück (Abb. 13069, 13070).

Der tatsächliche Steuersatz der Körperschaftssteuer, d.h. der Anteil der tatsächlich gezahlten Steuer, ist wegen zahlreicher Schlupflöcher von 22 % im Jahr 2000 auf nur noch 15 % im Jahre 2004 gefallen oder um 1/3 (Abb. 13071). Jarass/Obermair kommen zum Schluß: Hätten die deutschen Kapitalgesellschaften den so vielfach gepriesenen slowakischen Unternehmenssteuersatz von nur 19% tatsächlich bezahlt, so wären dem deutschen Fiskus in 2004 rund 17 Mrd. mehr zugeflossen (49 Mrd. statt 32 Mrd.).

3. Der Bundesfinanzminister gibt sich dennoch optimistisch: „Mittelfristig könnten die Steuereinnahmen sogar steigen, weil der Steuerstandort Deutschland interessanter und der Kapitalabfluß ins Ausland gestoppt werde." Warum kann die Regierung nicht aus den Steuersenkungen der Vergangenheit lernen? Zu einem konjunkturankurbelnden Ausgabenschub der von Steuersenkungen begünstigten Unternehmen und Besserverdiener ist es nie gekommen. Trotz der fast Halbierung des Körperschaftssteuersatz bei einbehaltenen Gewinnen und der weiteren Absenkung bei ausgeschütteten im Jahre 2001 haben die Unternehmen ihre Anlageninvestitionen zwischen 2000 und 2005 real um 11 % gekürzt (Abb. 13072).


global news 375 09-07-06: Stagnierende Konsumgüter-, expandierende Investitonsgüterindustrie

Auch die Mai-Zahlen für den Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft zeigen, wie die deutsche Konsumgüterindustrie mit einem kleinen Minus gegenüber dem Vormonat weiter unter der müden Binnenkonjunktur leidet. Dagegen expandiert die Investitionsgüterindustrie vor allem exportangetrieben mit einem Anstieg von 2,7 % gegenüber dem Vormonat oder 7,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat kråftig (Abb. 04557).


hits

 

Webseite
per EMail
weiterempfehlen

 

Mail-Zugang Fragen +Anregungen

 

Rundbrief bestellen


 

Schaubildboxen

Deutschland

Welt/Umwelt

 

Bookmark

 

 

Interessante Links

 

 

Literatur- Empfeh- lungen