Dann Umlaute korrigieren und Feinsuche mit Browser-Suchfunktion


Hier Wochenbrief bestellen


Reihe 106 ab 06-08-14 ... ...

(3165) Die Warnungen der Weltwetterorganisation zum Klimawandel werden aus guten Gründen immer stärker

(3164) Auch Draghis nächste Schritte haben fast nur ein Ziel: Hilfe für die Banken, egal wie der Schaden für den deutschen Normalbürger ausfällt

(3163) Deutsche auch Überstundenmeister (halb unbezahlt)

(3162) Der Euro hat der Eurozone wirtschaftlich weniger als nichts gebracht

(3161) Wenn Wirtschaft oder Arbeitsmarkt nicht laufen, behelfen sich die Regierenden mit noch mehr statistischen Tricks

(3160) Auch Deutschland auf dem Weg in die Rezession? (Analyse der heutigen Detaildaten zum 2. Quartal 2014)

(3159) Von Gauck bis Merkel, Gabriel und die meisten Medien: Die Reihen gegen Putin fest geschlossen

(3158) China ist der große Gewinner der Krise des Westens mit Rußland

(3157) Von den geschichtslosen Deutschen, die Putin mit Hitler verbinden wollen

(3156) Der Finanzsektor ist in einen dysfunktionalen Zustand abgetaucht und bremst die Investitionen

(3155) Ein "Europa der Kosaken"?

(3154) Die deutsche Wettbewerbsstärke beruht zu einem großen Teil auf der Ausbeutung der Frauen

(3153) Neues Deutschlandlied: Sag mir wo die Kinder sind, wo sind sie geblieben?

(3152) Die deutsche Misere: Zweitjob statt Familie und Freizeit

(3151) Deutsche Gelder in das ukrainische Faß ohne Boden - ein "Merkel-Plan"?

(3150) Das Märchen von der Sparpolitik als angebliche Ursache für die schlechte Wirtschaftsentwicklung der Eurozone

(3149) Wie die Deutsche Bank eine andere Bank wurde

(3148) Die Banken sind noch systemrelevanter geworden und noch größere Gefahren für den Steuerzahler

(3147) Auch die Ukraine will deutsche Waffen

(3146) Der Spethmann-Brief zur Ukraine

(3145) Wirtschaftseinbruch im 2. Quartal 2014

(3144) Die Löhne im produzierenden Gewerbe hätten in den vergangenen 10 Jahre ohne Jobverluste um 12 % mehr steigen können

(3143) Die Türkei und andere Helfer Rußlands nach den Sanktionen und Gegensanktionen

(3142) Deutschlands Industrie führt in Deflation

(3141) Deutschland ist keine Insel der Seeligen: Die Krisen holen auch uns ein

(3140) Das Schauturnen mit Wirtschaftssanktionen gegen und von Rußland trifft hauptsächlich am Konflikt Unbeteiligte

(3139) Die Eurozone reißt immer mehr auseinander: Wie lange noch Euro?




Hier Beschreibung und Link zum Buchhandel (jetzt auch als E-Book)


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3165 11-09-14: Die Warnungen der Weltwetterorganisation zum Klimawandel werden aus guten Gründen immer stärker

(bitte auch Startseite besuchen)


Mit ihrem neuesten Jahresbericht zur Konzentration von Treibhausgasen zeichnet die Weltwetterorganisation (WMO) ein düsteres Bild. Im vergangenen Jahr stieg die CO2-Konzentration mit der höchsten Zuwachsrate seit 30 Jahren auf einen neuen Rekordwert von 396 ppm (parts per million). Damit wurde ein Wert erreicht, der um 42 % über dem Wert der vorindustriellen Periode liegt. Die Entwicklung über die vergangenen 30 Jahre geht unverändert und ungebremst nach oben (Abb. 07414). Im Mai vergangenen Jahres wurde am Mauna Loa Observatory in Hawaii mit 400 ppm der höchste Wert seit Beginn der Messungen in 1958 gemessen.


Neben CO2 mit einem Anteil von 80 % am Treibhauseffekt, sind auch Methan und Stickoxide gefährlich. Bei den weniger langlebigen Stickoxiden, die allerdings über eine 100-Jahres-Periode für die gleiche Gasmenge einen fast 300-mal stärkeren Treibhauseffekt als CO2 haben, lag der Wert in 2013 sogar um 153 % über der vorindustriellen Periode.

Es gibt nun besorgniserregende Anzeichen, daß die Fähigkeit der Erde, CO2 in den sogenannten Senken, vor allem Wälder und Ozeane, abzulagern, zurückgehen könnte. Die Ozeane absorbieren derzeit ein Viertel der vom Menschen erzeugten CO2-Emissionen und reduzieren entsprechend die sonst eintretende Konzentration. Doch mit wachsender CO2-Aufnahme hat die Versauerung der Meere erheblich zugenommen. Der Zuwachs kann bereits gemessen werden, da die Meere für jede auf der Erde lebende Person jeden Tag etwa 4 kg an CO2 aufnehmen. Nach Näherungsdaten aus den urgeschichtlichen Archiven hat es mindestens in den vergangenen 300 Mio Jahren nicht so einen Zuwach an Säuregehalt gegeben wie derzeit. Die Übersauerung bedroht die maritimen Systeme, vor allem kalkhaltige Lebewesen.

Man muß sich immer bewußt machen, daß CO2 in der Atmosphäre über viele hunderte von Jahren bleibt und in den Ozeanen noch länger. Vergangene, derzeitige und zukünftige Emissionen ergänzen sich daher kumulativ und wirken entsprechend auf den Klimawandel und die Versauerung der Meere. Es wird bereits deshalb sehr eng mit dem politischen immer wieder erklärten Ziel einer Begrenzung des Wärmeanstiegs gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf 2 Grad.

Doch noch schlimmer wird es, wenn man die schon fest geplanten Zubauten an Kohlekraftwerden berücksichtigt. Die lassen nicht nur den jetzigen Ausstoß steigen, sondern werden das wegen ihrer langen Laufzeiten auf Jahrzehnte hinaus tun. Wissenschaftler von der University of California in Irvine und der Princeton University haben jetzt beziffert, wie groß diese bereits geplanten Emissionen sind. Die neu gebauten Kohlekraftwerke werden bei einer Laufzeit von 40 Jahren insgesamt 307 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen (bestenfalls "nur" 192, schlimmstenfalls 439 Milliarden Tonnen). Allein die Kohlekraftwerke, die im Jahr 2012 gebaut wurden, werden über 40 Jahre insgesamt 19 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Zum Vergleich: Die Emissionen aller existierenden Kohlekraftwerke lagen 2012 bei 14 Milliarden Tonnen.

Es handelt sich also um einen geradezu gigantischen Zuwachs an Emissionen. Allein die vorgesehenen Emissionen aus der Verstromung fossiler Brennstoffe werden große Teile der noch vorhandenen Marge zur Erreichung des Erwärmungsziels von 2 Grad auffressen. Die Kohlevorräte sind weit größer als die von Gas oder Öl (Abb. 18474). In China, dem weltweit größten CO2-Emittenten, liegt nach den Berechnungen der Anteil bei einer 40-jährigen Laufzeit der neuen Meiler bei 53 Prozent, in Indien bei 41 und in den USA bei 21 Prozent. Andere große Treibhausgas-Produzenten - etwa der Verkehrssektor oder die Landwirtschaft - sind in dieser Berechnung noch gar nicht berücksichtigt. Schon das jährliche Wachstum der chinesischen Kohle-Stromproduktion ist größer als die gesamte Elektrizitätsgewinnung der 25 europäischen OECD-Staaten aus Wind, Solar und Biomasse. Der chinesische Kohlehunger ist unersättlich, bei relativ geringer Reichweite der eigenen Vorräte wird massiv importiert (Abb. 18473).



Aber auch Deutschland betreibt die schlimmsten Dreckschleudern auf Braunkohlebasis in W-Europa. Das Öko-Institut hatte schon 2007 im Auftrag des WWF die 30 schmutzigsten Kraftwerke in der EU untersucht, also die mit dem höchsten CO2-Ausstoß. In der so erstellten Rangliste stehen 10 dieser Dreckschleudern in Deutschland. Die schlimmsten der EU-Dreckschleudern sind 10 Braunkohlekraftwerke, von denen sich allein 6 auf deutschem Boden befinden. Nicht weniger als 10 % der europäischen CO2-Emissionen gingen auf das Konto dieser "Dreckigen Dreißig". Der Anteil von Kohle beim Einsatz in deutschen Kraftwerken stieg 2013 auf 45 %, der höchste Anteil seit 2007.Auch die deutschen Emission steigen seit zwei Jahren wieder. Das Bundesumweltamt zeigt sich besorgt und erklärt:

"Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind im Jahr 2013 um 1,2 Prozent erneut leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insgesamt wurden 2013 etwa 951 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente freigesetzt; das sind fast 12 Millionen Tonnen mehr als 2012. Den Anstieg dominieren die CO2-Emissionen mit einem Plus von 1,5 Prozent. Der Grund: Bei der Stromerzeugung wurde mehr Steinkohle verbrannt und witterungsbedingt kam mehr Öl und Gas beim Beheizen von Häusern und Wohnungen zum Einsatz. Auch der um über sieben Prozent gestiegene Nettostromexport auf 33 Terrawattstunden (TWh) erhöhte die Emissionen. Dass sich der Trend zur Kohleverstromung im Jahr 2013 noch verstärkt hat, erfüllt uns mit Sorge. Hält das an, wird es kaum möglich sein, das Klimaschutzziel der Bundesregierung für das Jahr 2020 zu erreichen."

Liegt es auch daran, daß Bundeskanzlerin Merkel kneift und ihre Teilnahme beim UN Sondergipfel zur Klimapolitik in New York abgesagt hat? Jedenfalls ist diese Absage für Deutschlands zwiespältige Haltung zum Klima sehr bezeichnend. Wir geben uns als die Umweltmeister aus, produzieren aber die abgasstärksten Limousinen, haben als einziges Land keine Geschwindigkeitsbeschränkungen auf den Autobahnen und stehen auf dem schmutzigsten Energieträger Braunkohle, weil wir so arm sind, daß wir von der vergleichsweise billigen Braunkohle nicht lassen können.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3164 10-09-14: Auch Draghis nächste Schritte haben fast nur ein Ziel: Hilfe für die Banken, egal wie der Schaden für den deutschen Normalbürger ausfällt

(bitte auch Startseite besuchen)


Das Verhalten der EZB (und anderer Zentralbanken) läßt sich nur noch als korrupt bezeichnen. Sie liegen mit den Bankensektoren ihrer Länder im Bett. Die Hilfen, die angeblich den Volkswirtschaften dienen sollen, sind fast ausschließlich bestimmt, den Banken eine bessere Bilanz zu verschaffen. Die nämlich leiden an faulen Krediten und anderen faulen Kapitalanlagen, hohen Schulden und unter der niedrigen Inflationsrate, die die Entschuldung erheblich erschwert. Die EZB betreibt vor allem mit drei Maßnahmen die Stärkung der Banken:

Erstens sollen die nun seit mehr als vier Jahren real negativen Zinsraten der EZB (Abb. 16317) zu mehr Teuerung führen und so die Entschuldung der Banken erleichtern. Bei diesen Zinsraten, die weitgehend dem Zins auf Sparbücher oder auf Bundesanleihen entsprechen, haben die an Sicherheit orientierten Sparer in Deutschland über fünf Jahre bereits fast 5 % ihres Kapitals verloren (Abb. 18472) oder sind in dieser Höhe enteignet worden, während sie früher zu normalen Zeiten ihr Kapital vermehren konnten.



Zweitens wird die EZB im Rahmen des bereits beschlossenen LTRO-Programms ("targeted longer-term refinancing operation") den Banken bis zu 1 Billion Euro an zusätzlicher Liquidität für 4 Jahre zu einem Zinssatz von nur 0,25 % zuleiten. Dahinter soll angeblich das Erfordernis einer Weiterleitung der Mittel im Kreditweg an kleine und mittlere Unternehmen stehen. Doch die entsprechenden Bedingungen sind schwammig und Banken können auf jeden Fall die Kredite für 2 Jahre behalten, auch wenn sie die Bedingungen nicht erfüllen. Noch schöner: Wenn die Banken das Geld in mehr Aufkauf von Staatsanleihen ihrer Regierungen stecken, gilt das auch als Erfüllung der Bedingungen.

Drittens kommt nun in Kürze oben drauf das ebenfalls schon im Prinzip beschlossene EZB-Programm eines Aufkaufs von Teilen der Forderungen der Banken gegen private Schuldner, eine angepeilte Bilanzentlastung im gigantischen Volumen von 800 Mrd Euro. Dabei werden diese Forderungen in neue Wertpapiere gebündelt, wie das auch mit den vergifteten US-Hypothekenpapieren geschah, die die letzte globale Krise mitverursacht haben. Wieder sollen auf diese Weise auch Hypotheken gebündelt und den Banken abgenommen werden. Das Problem mit solchen Verbriefungen (ABS = asset backed securities) war und ist, daß die verbriefende Bank sich nicht mehr für das Schicksal der Hypotheken interessiert, die sie ja bewußt auf diese Weise abgestoßen hat, und der Erwerber eines solchen Papiers, in dem Hypotheken in großer Zahl gebündelt sind, kein direktes Verhältnis zum Hypothekenschuldner hat und damit dessen finanzielle Situation nicht überwachen kann.

Die EZB wird ihr Risiko begrenzen wollen, indem auch die neuen Verbriefungen drei Tranchen mit unterschiedlichem Risiko haben werden. Wenn einige der Kredite faul werden, dann treten natürlich Verluste auf. Die ersten Verluste gehen zu Lasten der Eigentümer der untersten Tranche. Die oberste Tranche gilt als die sicherste und nur die wird die EZB kaufen wollen. Es müssen schon enorme Verluste anfallen, eh die oberste Tranche Verluste erleidet. Genau das aber passierte in der Finanzkrise 2007 und 2008. Für die riskanteren Tranchen wird es für die Banken schwer werden, diese an private Interessenten loszuwerden. Deshalb peilt die EZB öffentliche Entwicklungsbanken an, wie die Europäische Investionsbank oder in Deutschland die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die sich mit ihrer Tochter IKB schon an den amerikanischen Hypothekenpapieren schwer die Finger verbrannt hatte, was am Ende zu Lasten des deutschen Steuerzahlers ging. Diesmal hat die KfW bereits abgewunken, aber bleibt es dabei? Schließlich ist die Bundesregierung in der Eigentümerolle bei der KfW und hat bisher kein Haar in Draghis neuester Suppe entdeckt. Und vielleicht kauft Draghi am Ende auch Teile der riskanteren Tranchen von ABS auf. Bisher verlangt er dafür Garantien der Regierungen, also der Steuerzahler. Bei Verlusten der EZB oder der öffentlichen Entwicklungsbanken ist natürlich wieder der Steuerzahler dran, und vor allem der deutsche.

Im Ergebnis werden die Banken von Krediten entlastet werden, die sie loswerden wollen, um ihre Bilanzen aufzuhübschen. Ob sie danach, wie Draghi erwartet und öffentlich verspricht, mehr Kredite an kleine und mittlere Unternehmen der Eurozone geben werden, darf allerdings bezweifelt werden. Schon seit drei Jahren geht das Volumen der Bankkredite an Nichtfinanz-Unternehmen kontinuierlich zurück, bereits um etwa 10 % (Abb. 18471). Das ist umso gravierender, als 80 % der Finanzierung der Unternehmen über den Bankensektor erfolgt, anders als in USA. Doch an dem Rückgang wird sich nicht viel ändern, solange die Verbraucher in der Eurozone weiter zurückhalten und die Unternehmen keinen Markt für ihre Produkte finden, und solange die Banken zu wenig Eigenkapital haben, um die gestiegenen Risiken aus den Krediten zu verkraften. Da bringt es wenig, unterkapitalisierten Banken Geld hinterher zu werfen. Im Ergebnis wird wahrscheinlich nur Risiko von den Schultern der privaten Banken auf die der Steuerzahler umgeschichtet. Deshalb nennt Wolfgang Münchau, ein glühender Anhänger der Eurobonds, den EZB-Kreditaufkauf "Eurobonds durch die Hintertür".


Wäre es da nicht konsequenter, Banken mit stinkenden Bilanzen zu liquidieren, wie das in USA geschehen ist, oder - wenn sie dafür zu groß und zu systemrelevant sind - zu verstaatlichen?

ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3163 09-09-14: Deutsche auch Überstundenmeister (halb unbezahlt)

(bitte auch Startseite besuchen)


Bezahlte und unbezahlte Überstunden machen in Deutschland fast 6 % der regulären Arbeitsstunden aus, wobei nach einer aktuellen Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nur die Hälfte der Überstunden bezahlt wird. Insgesamt leisteten die Erwerbstätigen im zweiten Quartal 2014 durchschnittlich 11,9 Überstunden, wovon nur 5 Überstunden bezahlt wurden; diese Mehrarbeit haben die Firmen auch nicht durch Freizeit ausgeglichen. Im internationalen Vergleich leisten die Deutschen nach den Briten die meisten Überstunden (Abb. 18470). Und 2,6 Millionen Beschäftigte nehmen noch einen zweiten Nebenjob auf ihre Schultern.


Die Arbeitsproduktivität ist in den letzten 13 Jahren im internationalen Vergleich unter den sieben größten westlichen Industrieländern überdurchschnittlich stark gestiegen; nur USA und Japan verzeichneten einen noch höheren Zuwachs (Abb. 18411). Ein Teil der deutschen Wettbewerbsstärke liegt an den Überstunden, vor allem den unbezahlten.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3162 08-09-14: Der Euro hat der Eurozone wirtschaftlich weniger als nichts gebracht

(bitte auch Startseite besuchen)


Hoch waren die Erwartungen, daß der Euro die Eurozone zusammenschweißen und den Handel zwischen den Mitgliedsländern intensivieren würde, nachdem das Wechselkursrisiko ausgeschaltet worden war. Bundesfinanzminister Waigel versprach in der Plenardebatte vom 23. April 1998 (Sie finden den Text hier)über die Einführung des Euro, diese sei ein wichtiger Schritt zur Vollendung des Binnenmarktes und eine Notwendigkeit im Zeichen der Globalisierung und zunehmender Standortkonkurrenz. Die Einführung des Euro sei vor allem Ausdruck gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Überzeugung. Und weiter: Der Euro habe auch das wichtigste Plus der D-Mark, nämlich das Vertrauen der Märkte.

Und dann Waigel wörtlich:

"Mit dem von mir vorgeschlagenen Stabilitäts - und Wachstumspakt haben wir hierfür einen verläßlichen, rechtlich verbindlichen Rahmen geschaffen. Die Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, übermäßige Defizite zu vermeiden und mittelfristig nahezu ausgeglichene Haushalte oder Haushaltsüberschüsse zu erzielen. Jedes Land haftet allein für seine Schulden. Es wird in der Währungsunion keine zusätzlichen Finanztransfers geben. Haftungsübernahmen seitens der Gemeinschaft oder anderer Teilnehmerländer sind ausgeschlossen.

Wir geben die D-Mark nicht auf, sondern setzen ihre Erfolgsgeschichte auf der europäischen Ebene fort. Das Projekt Währungsunion wurde über viele Jahre unter maßgeblichem deutschem Einfluß sorgfältig vorbereitet. Was viele noch vor wenigen Jahren als Illusion abgetan haben, ist uns gelungen. Wir haben unsere Philosophie der Geld-, Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa verankert. Der Euro wird so zur historischen Chance, die Vorteile der D-Mark unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts für uns zu erhalten."

Wie sich nun ziemlich leidvoll gezeigt hat, fehlen eben solche gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Überzeugungen, sonst hätten wir nicht den Dauerstreit um den richtigen Kurs der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Der Euro ist weitab von einer historischen Chance zum Zankapfel verkommen.

Doch Waigel versprach auch konkrete wirtschaftliche Vorteile:

"Aus dem Wegfall des Wechselkursrisikos werden nicht nur Großunternehmen Vorteile schöpfen. Insbesondere unserer mittelständischen Wirtschaft wird die einheitliche Währung helfen, Europa als Absatz und Beschaffungsmarkt zu erschließen. Außenwirtschaftliche Störeinflüsse wie Wechselkursverwerfungen werden an Bedeutung verlieren. Es ist das richtige Konzept für Deutschlands Zukunft in der Welt. Auf diesem Weg und mit dieser Zukunftsvision wird diese Regierung den Weg Deutschlands in eine europäische Zukunft mutig beschreiten."


16 Jahre nach jenem historischen Tag im deutschen Parlament, muß man leider feststellen, daß auch von den wirtschaftlichen Versprechungen wenig erfüllt worden ist. Der Handel innerhalb der Eurozone hat sich nicht viel anders entwickelt als der innerhalb der gesamten EU, hat also die Eurozone nicht enger als den gesamten europäischen Raum der EU zusammenschweißen können (Abb. 18462). Der Anteil der Eurozone am gesamten deutschen Außenhandel ist sogar deutlich unter das Niveau in der ersten Hälfte der vergangenen Dekade gefallen (Abb. 18467). Das zeigt nicht nur enttäuschte Erwartungen sondern vor allem, daß die enormen Spannungen, die nun zwischen den Euro-Partnern eingetreten und noch nicht überwunden sind, nicht einmal durch die so heiß versprochenen Erfolge im Wirtschaftsverkehr aufgewogen werden.



Auch haben sich die Länder innerhalb des Euros wirtschaftlich schlechter entwickelt als die innerhalb der gesamten EU, und zwar seit 1995 um 6 Prozentpunkte weniger (Abb. 18464). Das bedeutet auch, daß die Länder der Alt-EU außerhalb der Eurozone sich erheblich besser entwickelt haben als diejenigen innerhalb des Euro (Abb. 18465). Das gilt vor allem für Schweden und Großbritannien, während sich Dänemark als Ausnahme sehr stark an Deutschland orientiert und mit Deutschland Wachstumsverluste erlitten hatte, und es gilt noch mehr, wenn man mit wichtigen Partnern außerhalb der EU vergleicht (Abb. 18466). Dabei konnte Deutschlands Wirtschaft erst in den letzten Quartalen wieder zu der relativ müden der Eurozone insgesamt aufschließen; seit dem Jahr 2000 eine verglichen mit den USA um fast 11 Prozentpunkte und mit Schweden sogar um 16 Prozentpunkte schlechtere Entwicklung.




Hat der Euro schon in der Vergangenheit der Eurozone weniger als nichts gebracht, so verspricht auch die Zukunft wenig. Die derzeitige Krise wächst sich immer mehr nach dem Vorbild des japanischen verlorenen Jahrzehnts aus. Mit der neuesten Zinssenkung um gerade einmal 0,1 % auf nur noch 0,05 % hat die EZB ihr Pulver so ziemlich verschossen. Dieses Schrittchen wird keine wirtschaftsankurbelnden Effekte haben, aber den deutschen Sparern ein weiteres Mal vorführen, wie die EZB zu ihren Lasten eine sparerschädigende real negative Zinsrate nun schon seit Anfang 2010, also seit 4 ½ Jahren, durchhält (Abb. 16317). Den Vorteil haben dagegen mit einem Kurssprung nach oben die wohlhabenderen Aktienbesitzer gehabt. Im Direktorium der EZB hat sich die Bundesbank erneut chancenlos gegen diesen von Draghi durchgesetzten Schritt gewehrt.


Nun hat die EZB als nächstes vor, im Rahmen eines ABS-Programms (assett backed securities) von geschätzten 500 Mio EUR den Banken verbriefte Forderungen abzukaufen, die sich auch auf Hypotheken beziehen sollen und damit von der gleichen Art sein werden wie die für die letzte globale Finanzkrise als Auslöser verantwortlichen amerikanischen Verbriefungen. Dabei war gerade im 2. Quartal 2014 der europäische Markt für solche Papiere um weitere 6 % auf nur noch 19 Mrd EUR gefallen. Auch dieser Schritt wird also eher Placebo-Charakter haben. Was dann noch der EZB bleibt, ist der massive direkte Aufkauf von Staatsanleihen nach amerikanischem und britischem QE-Vorbild (quantitative easing), ein als Staatsfinanzierung der EZB untersagter, aber von Draghi dennoch erwogener Schritt.

Diese ziemlich verzweifelten Pläne der EZB zeigen eigentlich nur, für wie mies sie die Zukunft der Eurozone einschätzt.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3161 05-09-14: Wenn Wirtschaft oder Arbeitsmarkt nicht laufen, behelfen sich die Regierenden mit noch mehr statistischen Tricks

(bitte auch Startseite besuchen)


In Deutschland gibt es im Bundestag nur noch eine Mini-Opposition. Die parlamentarische Kontrolle ist entsprechend abgesenkt. Was liegt da näher, als dem Arbeitsmarkt und dem Wirtschaftswachstum mit noch mehr statistischen Tricks nachzuhelfen? Jetzt drückt die Bundesregierung gleich auf beide statistischen Tuben.

Beim Bundesinlandsprodukt gewinnt Deutschland durch die neue Berechnung nach der neuen europäischen Statistikkonvention (ESVG 2010) etwa 3 % an nominaler Wirtschaftsleistung (Abb. 18468). Vor allem wurde an drei Einstellschrauben gedreht. Erstens gelten Ausgaben in Forschung und Entwicklung künftig als eigenständige Produktion und damit als Investitionsausgaben. Bisher galten sie nur als Hilfstätigkeit für die Produktion eines Unternehmens. Dieser Output gilt nun als Vermögensgüter, die über den Zeitraum ihrer Lebensdauer (ab)genutzt werden. Wichtige gesamtwirtschaftliche Größen wie das Bruttoinlandsprodukt, das Bruttonationaleinkommen ebenso wie die Bruttoanlageinvestitionen werden damit höher als bisher, da die Abschreibungen bei diesen Bruttogrößen bisher nicht abgesetzt sind. Die schon chronische deutsche Investitionsschwäche wird in Zukunft etwas weniger auffallen.


Zweitens gelten Militärische Waffensysteme in Zukunft als staatliche Anlagegüter. Auch das hilft den Investitionen und damit der gesamten Wirtschaftsleistung statistisch weiter auf die Beine. Bisher zählten Militärische Waffen und dazugehörige Systeme zu den Vorleistungen des Staates. In der Entstehungsrechnung der Statistik steigt nun der Produktionswert des Staates durch die Abschreibungen auf militärische Waffensysteme an. Die Bruttowertschöpfung des Staates und das BIP erhöhen sich ebenfalls um diese Abschreibungen. Drittens wird die Wertgrenze für die statistische Erfassung geringwertiger Wirtschaftsgüter, die bisher bei 500 EUR lag, aufgegeben. Da die bisher vorgenommenen Absetzungen vom betriebswirtschaftlichen Ergebnis als Vorleistung nun unterbleiben müssen, erhöhen sich BIP und Bruttonationaleinkommen entsprechend, seit 2008 um jährlich etwa 0,2 bis 0,3 %.

Während diese Veränderungen immerhin noch mit den europäischen Partnern zur Freude aller Regierungen abgesprochen sind, wird bei der Beschäftigungs- und Arbeitslosenstatistik, deren Tricks schon endemisch sind, nur in Deutschland ein weiteres Mal trickreich nachgelegt. Ein weiterer Kreis von Menschen ohne richtige Beschäftigung wird nun als sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit nicht mehr als arbeitslos gezählt. Dazu heißt es im Bericht der Bundesagentur für Arbeit wenig verständlich:

"Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit hat die Datenaufbereitung der Beschäftigtenstatistik modernisiert. Die Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird umfassender abgegrenzt und die Art der Beschäftigung kann nun genauer bestimmt werden. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt im Saldo durch die Revision zu. Die zum 28. August erstmalig veröffentlichten Daten liegen somit auf einem höheren Niveau als frühere Werte." Und:

"Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erhöht sich für den Stichtag 30. Juni 2013 im Saldo um rund 350.000 oder 1,2 Prozent."

Insgesamt geht es um folgenden Gruppen, die nun als sozialversicherungspflichtig beschäftigt gelten: Menschen in Behindertenwerkstätten oder ähnlichen Einrichtungen, Menschen in Jugendhilfeeinrichtungen, Personen, die ein freiwilliges soziales, ein freiwillig ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten, Nebenerwerbslandwirte.

So wird die sozialversicherte Beschäftigung nun um Personen erweitert, die nicht erwerbsfähig sind und kein Markteinkommen erzielen, wie der DGB zurecht kritisiert. Gleichzeitig - und das dürfte das eigentliche Ziel der Übung sein - wird die Zahl der Arbeitslosen nicht unwesentlich abgesenkt. Um wieviel das geschieht, läßt sich nicht einmal abschätzen, weil ein Teil dieses Personenkreises bereits seit einiger Zeit durch frühere Tricks aus den Arbeitslosenzahlen ausgemerzt wurde.

Dieser statistische Doppelschlag ist zutiefst unseriös.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3160 04-09-14: Auch Deutschland auf dem Weg in die Rezession? (Analyse der heutigen Detaildaten zum 2. Quartal 2014)

(bitte auch Startseite besuchen)


Die Regierenden und viele der Medien wollen es nicht wahrhaben und den beginnenden Einbruch der Wirtschaftsleistung, wie er mit dem zweiten Quartal 2014 heute vom Statistischen Bundesamt im Detail ausgewiesen wurde, als klimatischen Sondereffekt verstecken. Angeblich war das 1. Quartal zu mild und daher in der Wirtschaftsleistung ungewöhnlich stark, so daß das 2. Quartal vergleichsweise schwächer ausfallen mußte. Doch das ist weitgehend gelogen. Auch in anderen Ländern Europas war das Klima vergleichsweise mild und doch die Wirtschaftsleistung im 2. Quartal nicht eingebrochen. Das benachbarte Österreich verzeichnete immerhin einen Zuwachs von fast 1 %.

Außerdem und vor allem blinken nun von allen Seiten die Warnleuchten. Die Netto-Löhne und -Gehälter pro Arbeitnehmer liegen praktisch immer noch auf dem Niveau von vor 14 Jahren. Der private Verbrauch stagnierte im 2. Quartal bei einem sehr schwachen +0,1 % gegenüber dem Vorquartal. Die Bruttoanlageninvestitionen gingen um 2,3 % zurück. Dabei liegen die Nettoinvestitionen als Teil der verfügbaren Einkommen mit nur um 2 % weit unter dem Niveau von vor Ausbruch der Krise. Die deutsche Investitionsschwäche ist damit schon pathologisch. Der Außenbeitrag (Differenz zwischen Exporten und Importen) hat seine Rolle als Motor der deutschen Konjunktur schon seit Mitte 2012 verloren und hat nun auf eine negative Entwicklung umgeschaltet, was angesichts der stark einseitigen Exportabhängigkeit und der Krisen auf den Märkten wichtiger Abnehmerländer sowie der negativen Eingriffe in den Handel mit Rußland nicht überraschen sollte. Immerhin haben etwa 6.000 deutsche Unternehmen Geschäft mit Rußland und beziehen ihrerseits Waren von vielen deutschen Zulieferern. Gleichzeitig steigen als Folge der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende die Energiekosten erheblich. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur haben sich die deutschen Strompreise seit 2000 schon verdreifacht und liegen nun nahe der europäischen Spitze. Dazu kommt noch die drohende deflationäre Entwicklung in der Eurozon mit der für August auf nur noch 0,3 % abgesunkenen Inflationsrate.

1. Gesamtentwicklung

Das Statistische Bundesamt hat am 1. September die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 2. Quartal 2014 mitgeteilt. Sie erst erlauben ein fundierteres Urteil über unsere Wirtschaftsentwicklung, werden aber von den Medien fast gar nicht beachtet. Wie schon vorab gemeldet, nahm die deutsche Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 % ab (Abb. 17333). Gegenüber dem 2. Quartal 2014 ergab sich noch ein Plus von knapp 1,3 % (Abb. 13777).



Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt. Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum Vorquartal und Vorjahr sind in Abb. 14818 und 04305 zusammengestellt.




Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge.

2. Der soziale Graben bei den Einkommen

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen pendeln auf einem Niveau von 21 % plus gegenüber dem Jahr 2000. Sie haben im 2. Quartal wegen der Unsicherheiten an den Finanzmärkten geringfügig abgenommen.

Andererseits haben sich die Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer (verbraucherpreisbereinigt) kaum über das Niveau von 2000 bewegt und sind damit erheblich unter der Produktivitätsentwicklung geblieben (Abb. 14849). Hier sind zudem noch die Einkommen der besser- und bestverdienenden Arbeitnehmer bis zum Chef der Deutschen Bank inbegriffen. Die Normaleinkommen durchschnittlicher Arbeitnehmer dürften sich noch weit schlechter entwickelt haben.


Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen betrug im 2. Quartal 2014 68,4 % (Abb. 04797). Im Jahr 1981 hatte der Anteil noch wesentlich höher bei 76 % gelegen, wobei ein kleiner Teil des Abstiegs durch die zahlenmäßige Zunahme der Selbstständigen bedingt ist (Abb. 14636).



3. Produktivität

Der Produktivität je Erwerbstätigenstunde ist gegenüber dem Vorjahr nur um schwache 0.3 % gestiegen (Abb. 04730). Seit dem Jahr 2000 ist die Produktivität um fast 15 % gestiegen, doch die Arbeitgeber haben sich alles und noch mehr unter die eigenen Nägel gerissen.


4. Investitionstätigkeit: Ausrüstungsinvestitionen

Die für die Beschäftigung so wichtigen Ausrüstungsinvestitionen fielen im 2. Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal um 2,3 % und verharren weit unter dem Niveau von vor der Krise (Abb. 14754). Netto nach Abschreibungen als Teil des verfügbaren Einkommens lagen sie mit rund 2 % der verfügbaren Einkommen erheblich unter dem Niveau zu Beginn des Jahrtausends (Abb. 17045). Die deutsche Industrie hat immer mehr in Niedrigstkostenländern und Ländern mit besonders wachsenden Absatzmärkten investiert, auch weil die Löhne und damit die Massenkaufkraft und Nachfrage in Deutschland stagnieren.



5. Konsumausgaben der privaten Haushalte

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte sind nur um magerste 0,1 % gegenüber dem Vorquartal gefallen, obwohl in den Medien immer wieder die Mär vom Konsumrausch der Deutschen verbreitet wurde. Seit 2009 haben sich Gesamtwirtschaft und Nachfrage privater Haushalte erheblich auseinanderentwickelt. (Abb. 14010). Darunter leiden auch unsere Importe und unsere Partner, vor allem in der Eurozone.


Der Einzelhandelsumsatz befindet sich etwa auf dem Niveau des Jahres 2007 vor Ausbruch der Krise und hat sich weit schlechter als die Gesamtwirtschaft entwickelt (Abb. 04943).


Zu der langfristig sehr unbefriedigenden deutschen Konsumentwicklung tragen neben den gebremsten Löhnen noch zwei besondere Umstände bei. Einerseits werden steigende Energiekosten zu einem Problem für immer mehr Bürger in Deutschland. Allein von 2008 bis 2011 ist der Anteil sogenannter energiearmer Haushalte von 13,8 auf 17 % oder auf um 6,9 Mio gestiegen. Damit gilt inzwischen mehr als jeder sechste Haushalt als energiearm, wenn man Haushalte als energiearm einstuft, die mehr als 10 % des Nettoeinkommens für Wohnenergie aufgewendet müssen. Und seit 2011 klettern vor allem die Stromkosten noch mehr. Zweitens geben immer mehr Arbeitnehmer ihre Erwerbstätigkeit - häufig aus gesundheitlichen Gründen - deutlich vor Erreichen der Altersgrenze auf und verzichten dabei auf Arbeitseinkommen und nehmen niedrigere Renten in Kauf. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen im Juni 2012 bei nur noch 29,3 %, bei den 64-Jährigen waren es sogar nur 14,2 %.

6. Außenhandel

Der Außenbeitrag (Differenz zwischen Exporten und Importen) hat seine Rolle als Motor der deutschen Konjunktur schon seit Mitte 2012 verloren und hat nun auf eine negative Entwicklung umgeschaltet (Abb. 17995), was angesichts der stark einseitigen Exportabhängigkeit und der Krisen auf wichtigen Abnehmerländern sowie der negativen Eingriffe in den Handel mit Rußland nicht überraschen sollte. Immerhin haben etwa 6.000 deutsche Unternehmen Geschäft mir Rußland und beziehen ihrerseits Waren von vielen deutschen Zulieferern.


7. Internationaler Vergleich

Soweit Länder ihre Ergebnisse für das 2. Quartal 2014 bisher gemeldet haben, sieht Deutschland im Vorquartalsvergleich relativ schlecht aus. Die Wirtschaftsleistung der gesamten Eurozone ist nur leicht um 0,2 % gestiegen (Abb. 13511).



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3159 03-09-14: Von Gauck bis Merkel, Gabriel und die meisten Medien: Die Reihen gegen Putin fest geschlossen

(bitte auch Startseite besuchen)


So etwas hat es in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands noch nie gegeben. Der Bundespräsident vergleicht Putin mit Hitler, indem er mit den Worten "Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern" auf das Münchner Abkommen anspielte, bei dem Hitler noch vor Ausbruch des 2. Weltkrieges das Sudentenland der Tschechoslowakei mit internationaler Zustimmung abnahm - das große immer wieder zitierte Beispiel einer verfehlten Apeasement-Politik. Gauck kann sich dabei auf das Wohlwollen der politischen Elite des Landes von Merkel bis Gabriel verlassen und vor allem auf die meisten Medien.

Der ZEIT-Kommentator meint:

"Der Bundespräsident hat diese Grenze ebenfalls definiert, als er zum Gedenken des Weltkriegsbeginns auf der polnischen Westerplatte vor Danzig sprach. Deutschland werde nicht dulden, dass das Völkerrecht durch das Recht des Stärkeren ersetzt werde, sagte Joachim Gauck und warnte: Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern."

Oder der FAZ-Kommentator:

"Gauck zeigte den Polen, dass auch Deutschland die Gefahren erkennt, die von Putins Reconquista für Stabilität und Frieden in Europa ausgehen - und dass jedenfalls das deutsche Staatsoberhaupt weiß, dass "territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern". Wann hat ein Bundespräsident je so offen gesprochen?"

Oder Frank Capellan vom Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks unter der Überschrift "Eine präsidiale Glanzleistung":

"Was wollen wir? Ein Staatsoberhaupt, das diplomatisch verschwurbelt Dinge schönredet oder eines, das die Wirklichkeit beim Namen nennt? Nein, Joachim Gauck wird immer mehr zum Mann der klaren Worte, und das ist gut so."

Und schließlich Gaucks Biograf Johann Legner in der Tagesschau unter der Überschrift "Wohlüberlegt und sorgfältig abgestimmt" :

"Ich denke, die Rede war wohlüberlegt und sorgfältig abgestimmt. Ich gehe davon aus, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier vorher wusste, was der Bundespräsident in Polen sagen wird. Gauck ist kein Akteur im operativen Geschäft der tagesaktuellen Außenpolitik. Insofern kann er manches sagen, was der Außenminister vielleicht nicht sagen kann, weil er seinen russischen Amtskollegen gleich am nächsten Tag wiedertrifft. Ich empfinde die Rolle, die Gauck übernommen hat, als voll in die Politik der Bundesregierung eingebunden - mit einer sehr spezifischen Akzentuierung."

Da sind also die Reihen politisch und medial (bis auf die Süddeutsche Zeitung) fest gegen Putin geschlossen. Es wird offensichtlich salonfähig, mindestens schon mal indirekt Putin mit Hitler zu vergleichen. Kein führender Politiker tut das im westlichen Ausland, aber ausgerechnet der deutsche Bundespräsident gibt sich dafür her, als hätten wir mit Hitler nichts zu tun, der immerhin Wahlen in Deutschland gewonnen hat, bevor er sich mit seinem Volk an die Ausrottung anderer Völker, besonders des russischen machte. Und diese Gleichstellung der "Aggressoren" durch Gauck geschieht ausgerechnet bei den polnischen Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des mörderischen Feldzugs Hitler-Deutschlands gegen die slawischen Untermenschen, zu denen auch die Polen, aber vor allem die Russen gezählt wurden.

Weit haben wir es gebracht in Deutschland. Mit Lichtgeschwindigkeit sinken da die Lehren aus Brandts Ostpolitik in den Hintergrund der deutschen Geschichte - einer Politik gegenüber Rußland, die immerhin dazu beigetragen hat, uns das atomare Inferno zu ersparen und am Ende die Wiedervereinigung zu bringen. Rußland ist wieder der Gegner. Alte Weltbilder stimmen wieder.

Ich schäme mich als Deutscher für diese Rede meines Präsidenten auch im Bewußtsein, daß immer noch viele Menschen in Rußland leben, die den grausamen Überfall auf Ihr Land miterlebt haben und die nicht wie 20 Millionen andere Russen damals ihr Leben lassen mußten.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3158 03-09-14: China ist der große Gewinner der Krise des Westens mit Rußland

(bitte auch Startseite besuchen)


Einige bei uns beklagen Verluste im Handel mit Rußland als Folge der Sanktionen. Die Bundeskanzlerin sagt uns, wir müßten das akzeptieren. Doch das ist nicht der eigentliche Schaden. Der entsteht nämlich im Aufwuchs von China als der Hauptprofiteur aus der Krise und am Ende der Hauptkonkurrent der deutschen Exportindustrie auf den Weltmärkten.

China hat bereits einen riesigen Binnenmarkt, demnächst der größte der Welt. Es hat auch die billigsten Arbeitskräfte für große Produktionsserien. Mit riesigen Bilanzüberschüssen kann die chinesische Industrie überall Technologie einkaufen, wenn sie nicht geklaut werden kann. Was fehlt, ist eine ausreichende Energiebasis. Dann wird die Kombination dieser Faktoren noch unschlagbarer sein.

Vor Chinas Haustür in Rußlands Sibirien lagern die größten Gasreserven der Welt, die Rußland zum größten Gasexporteur der Welt gemacht haben, und auch große Reserven an Erdöl im Boden. Für ihre Erschließung und den Transport braucht es Geld. Aber das ist für China kein Problem. Rußland seinerseits fühlt sich durch die westlichen Sanktionen gedrängt, seine Energieexporte jedenfalls teilweise umzulenken. Das geschieht nun in mehreren Schritten in Richtung China. Putin traf sich jetzt in Sibirien beim ersten Spatenstich für die neue Gaspipeline nach China mit chinesischen Partnern. Das Projekt soll ca. 50 Mrd Dollar kosten. Von 2018 will Russland jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China pumpen. Der Vertrag im Wert von geschätzten 400 Mrd Dollar läuft auf 30 Jahre. China soll einen sehr günstigen Preis bekommen haben. China will seine Gasversorgung bis 2040 etwas mehr als verdreifachen und braucht dafür auch das russische Gas (Abb. 18463).


Und so kann Putin erklären:

"Grundsätzlich sind wir sehr vorsichtig beim Einlaß ausländischer Partner, aber natürlich gibt es für unsere chinesischen Freunde keine Grenzen!"

Chinas Vizepremier Zhang Gaoli gab sich ähnlich freundlich und erteilte zugleich den westlichen Sanktionen gegen Rußland einen Fußtritt:

"Ich möchte betonen, daß China kategorisch gegen die Sanktionen der USA und anderer westlicher Länder gegen Rußland ist und gegen Versuche, Rußlands Entwicklung zu behindern. Die strategische Kooperation zwischen uns ist langfristig, solide und stabil. Wir müssen jeden Test bestehen."

Zusätzlich geht es jetzt auch um Öl. Zhang traf den Chef von Rosneft, Igor Sechin, um Möglichkeiten für chinesische Unternehmen zu diskutieren. Rosneft hat bereits zugesagt, die Öllieferungen nach China zu verdreifachen. Doch das wird nun durch Zugangsbeschränkungen zu westlichen Finanzmärkten erschwert. Sechin hat daher vorgeschlagen, daß chinesische Unternehmen eine Beteiligung an dem riesigen Vankor Entwicklungsprojekt in Nordrußland erwerben, das Öl über eine Pipeline nach China liefern soll. Putin hat diesem Plan bereits im Gespräch mit Zhang seine Zustimmung gegeben.

Im Ergebnis werden die westlichen Sanktionen gegen Rußland langfristige Folgen haben, die weit über den Zeithorizont der Ukraine-Krise hinausgehen werden. Diese Folgen werden weder im deutschen noch im Interesse anderer europäischer Länder liegen. Schon in wenigen Jahren wird man wahrscheinlich begreifen, wie falsch der Versuch war, Rußland mit Sanktionen in die Knie zu zwingen. Das gilt umso mehr, als eine preisgünstige und sichere Energiebasis bei steigenden Weltpreisen für Energie immer mehr zur Schicksalsfrage der Volkswirtschaften werden wird.

Im kürzerfristigen Bereich hat der Westen die für ihn weniger schädlichen Sanktionen bereits abgefahren. Ein Stopp für Exporte von Maschinen und Fahrzeugen wäre primär für Deutschland selbstschädigend, denn wichtigste deutsche Exportgüter sind Maschinen (22 %), Kraftwagen und Kraftwagenteile (20 %) sowie chemische Erzeugnisse (10 %). Ohnehin ist bereits seit Mai 2013 ein stetiger Rückgang der Exporte nach Russland zu beobachten, wobei sie in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere 15 % sanken.

Erst recht gefährlich wäre, wenn von der einen oder anderen Seite der Gashahn zugedreht würde. Nach dem Krisenszenario des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln würde ein Stopp russischer Erdgaslieferungen nach sechs Monaten, also noch im kommenden Winter, zu Versorgungsstörungen in Deutschland führen. Nur unter zwei Voraussetzungen könnte Deutschland den Winter weitgehend ohne Lieferungen aus Russland überstehen. Als Ausgleich für das fehlende Pipeline-Gas müßte Europa zu wesentlich höheren Kosten mehr Flüssiggas importieren. Außerdem müßte Deutschland seine Gasspeicher den Winter über fast komplett leeren. Doch andere EU-Länder wären weit schneller unterversorgt. Staaten wie Griechenland, Bulgarien, die Slowakei und Ungarn decken einen Großteil ihres Verbrauchs durch russische Lieferungen und verfügen zum Teil nur über sehr kleine Gasspeicher. Bereits nach 9 Monaten ohne russisches Gas wären große Teile Europas unterversorgt (Abb.). Europa wäre in seiner Haltung gegenüber Rußland gespalten.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3157 02-09-14: Von den geschichtslosen Deutschen, die Putin mit Hitler verbinden wollen

(bitte auch Startseite besuchen)


Es beginnt makaber zu werden, wie Deutschnationale, zu denen leider auch der Bundespräsident gestoßen ist, den deutschen Rassenmord an anderen Völkern mit der russische Verstrickung in die ostukrainische Entwicklung zusammenwerfen. Ausgerechnet die zentrale polnische Gedenkfeier an den deutschen Überfall vor 75 Jahren und den Beginn des Zweiten Weltkriegs hielt Gauck für eine passende Gelegenheit, in einer historischen Analogie praktisch Putin neben Hitler zu stellen (freilich nachdem er sich selbst nach deutscher Manier ausdrücklich von persönlicher Schuld für nationalsozialistisches Unrecht exkulpierte):

"Heute dürfte es in Deutschland nur noch wenige Menschen geben, die persönliche Schuld für die Verbrechen des NS-Staates tragen. Ich selbst war gerade fünf Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Aber als Nachfahre einer Generation, die brutale Verbrechen begangen oder geduldet hat, und als Nachfahre eines Staates, der Menschen ihr Menschsein absprach, empfinde ich tiefe Scham und tiefes Mitgefühl mit jenen, die unter Deutschen gelitten haben. Für mich, für uns, für alle Nachgeborenen in Deutschland, erwächst aus der Schuld von gestern eine besondere Verantwortung für heute und morgen.

Nach dem Fall der Mauer hatten die Europäische Union, die NATO und die Gruppe der großen Industrienationen jeweils besondere Beziehungen zu Russland entwickelt und das Land auf verschiedene Weise integriert. Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden.

Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern. Die Geschichte lehrt uns aber auch, dass aus unkontrollierter Eskalation eine Dynamik entstehen kann, die sich irgendwann der Steuerung entzieht.

Wenn wir den heutigen Jahrestag hier auf der Westerplatte gemeinsam begehen, so konfrontieren wir uns nicht nur mit dem, wozu Menschen im Zweiten Weltkrieg fähig waren. Wir konfrontieren uns auch ganz bewusst mit dem, wozu Menschen heute fähig sind."

Was will Gauck eigentlich mit der geschichtlichen Anspielung auf die Münchener Konferenz, bei der Hitler-Deutschland territoriale Zugeständnisse der Tschechoslowakei erzwang, erreichen? Will er wirklich Putin mit Hitler auf eine Stufe stellen? Will er die Millionen Russen beleidigen, die von Hitler-Deutschland massakriert wurden? Gehen solche Vergleiche aus deutschem Mund nicht in die gleiche Richtung, mit der manche wackeren Landsleute so gern den schrecklichen Holocaust mit Stalins Gräuel oder anderem Unrecht relativieren?

Weder Gauck, noch Merkel können sich als Helden gegen Diktaturen aufspielen. Sie haben keinen einzigen Tag in DDR-Gefängnissen gesessen und am Ende unbeschädigt die höchsten Staatsämter erklommen, die im demokratischen Deutschland zu vergeben sind. Das historische Eis, auf dem sie in Anspielung auf deutsche Diktaturen operieren, ist schon deshalb verdammt dünn.

Brandts Kniefall in Warschau war ehrlich und mutig. Putin-Vergleiche mit Hitler sind dagegen eher wohlfeil.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3156 01-09-14: Der Finanzsektor ist in einen dysfunktionalen Zustand abgetaucht und bremst die Investitionen

(bitte auch Startseite besuchen)


Es gibt eine anhaltende enorme Ersparnis in der westlichen Welt, weil sich die Konsumenten fast überall zurückhalten, meist weil sie erheblich verunsichert sind, zumal sich die soziale Schere fast überall öffnet und besonders die Risiken vom Arbeitsmarkt wesentlich größer als früher geworden sind. Und auch weil die Unternehmen bei gebremster Nachfrage selbst sparen statt zu investieren. Auf der anderen Seite fehlen den Sparern geeignete Anlagemöglichkeiten im investiven Bereich der Volkswirtschaften. Dabei gibt es einen enormen Investitionsbedarf in den Infrastrukturen, in der Umstellung der Energiesysteme auf die Abwehr der Gefahren des Treibhauseffekts, in der Vorbereitung der Einrichtungen für Pflege und medizinische Betreuung der stark alternden Gesellschaften, in den Bildungssystemen zur besseren Qualifizierung der Arbeitnehmer in Zeiten fortschreitender Automatisierung und sehr vieles mehr.

Doch hier versagen die Banken und anderen Akteure des Finanzsektors in ihrer traditionellen Rolle der Vermittlung zwischen Sparen und Investieren und die Investitionen gehen auch deshalb als Teil der Wirtschaftsleistung zurück, wobei der Weltwährungsfond in seiner Statistik der Investitionen auch alle rein spekulativen Anlagen mitrechnet (Abb. 18461). Die deutschen Daten zeigen besonders deutlich, wie die Netto-Investitionen als Teil des verfügbaren Einkommens schon seit Jahren zurückfallen (Abb. 17045). Die verminderte Bereitschaft, Investitionen zu finanzieren und die entsprechenden Risiken zu akzeptieren, hängt mit der starken Unterkapitalisierung der Banken zusammen. Das hat neuerdings die EZB schon zu der "Verzweifelungstat" getrieben, ein Programm vorzubereiten, mit dem sie den Banken Kredite abkauft und so in den Bilanzen Raum für neue Kredite schafft.



Der Finanzsektor bringt die Ersparnisse nicht auf die genannten brach liegenden Felder sondern hält im Kasino der Finanzmärkte fast nur spekulative Anlagemöglichkeiten bereit, die der Gesellschaft insgesamt wenig oder gar nicht nützen, und spekuliert zudem weitgehend auch auf eigene Kasse. Dabei täuscht der Begriff des "Investmentbanking" über die wahre Natur solcher spekulativer "Investitionen" hinweg.

Ein gutes Beispiel für diese dysfunktionale Entwicklung liefert die Deutschen Bank. Sie ist in 20 Jahren eine andere Bank geworden, und zwar eine, die mit weit größeren Risiken international spekulativ hantiert. Ihr Bilanzvolumen hat fast um die Hälfte zugenommen. Wie stark das traditionelle Kreditgeschäft bei der Deutschen Bank an Boden verloren hat, zeigt sich an seinem Anteil an den Aktiva: lag er 1993 noch bei 60 %, so betrug er 2013 nur noch knapp 21 % (Abb. 18442). Allein der Anteil der bilanzierten Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten belief sich 2013 auf fast ein Drittel; 1993 spielten derivativen Finanzinstrumente noch kaum eine Rolle. Die Zeiten, da die Deutsche Bank als Hausbank vieler deutscher Unternehmen, an denen sie nicht selten selbst beteiligt war, deren Investitionen finanzierte und darin ihre Hauptaufgabe sah, sind längst vorbei.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3155 30-08-14: Ein "Europa der Kosaken"?

(bitte auch Startseite besuchen)


Man muß wirklich nicht mit Putin sympathisieren, um an einigen Entgleisungen Anstoß zu nehmen, die derzeit von Politikern aus der EU und der Nato laut werden. Es ist eine solche Entgleisung, wenn der polnische Präsident Bronislaw Komorowski im Deutschlandradio Kultur und im Deutschlandfunk am Samstag erklärte:

"Können wir das Russland von Präsident Putin davon abhalten, neue politische Einflusssphären zu bilden, was die Wiedererrichtung des russischen Imperiums bedeuten würde. Es geht nicht nur um politische Interessen, sondern darum, was aus Europa wird, ein Europa der Kosaken oder ein demokratisches?".

Was sollen solche Warnungen vor einem Europa, das undemokratisch unter der Knute der Kosaken existieren müßte? Hier werden bewußt Ängste geschürt und gleichzeitig Stimmung für den Krieg gemacht. Dabei war es vor allem Polen, das den rechtsnationalen Aufstand auf dem Maidan unterstützt hat und das ziemlich undemokratische Vorgehen gegen die russischen Minderheiten in der Ukraine, das im versuchten Verbot der russischen Sprache als eine der Amtssprachen gipfelte. Polen hat durchaus selbstsüchtig am ukrainischen Feuer mitgezündelt und tut es weiter. Soll man nun schlußfolgern müssen, daß die Osterweiterung der EU angesichts der offensichtlich historisch tief verwurzelten Spannungslinien zwischen Polen und Rußland ein Fehler war?

Auch Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa". Ganz offensichtlich haben die östlichen Randstaaten der EU ein Interesse daran, die von ihnen wahrgenommene Bedrohung durch den Konflikt in der Ost-Ukraine als eine ganz Europas hochzuspielen, obwohl das reine Hirngespinste sind.

Die Nato hatte dem verständlicherweise seinerzeit besorgten Rußland zugesichert, in ihren neuen osteuropäischen Mitgliedstaaten keine Bündnistruppen zu stationieren. Doch jetzt ist die Rede von einer neuen Eingreiftruppe der Nato in Divisionsstärke unter britischem Oberkommando zum Schutz dieser Mitgliedsstaaten. Der Unterschied zu einer dauerhaften Stationierung ist gering und wird von Rußland als Bruch der Zusage verstanden werden, zumal dies einer Teilmobilmachung der Nato gegen Rußland entsprechen würde. Auch gibt es neue Pläne, den im Aufbau befindlichen Raketenschirm gegen aus dem Nahen Osten anfliegende Raketen, der ohnehin mit Rußland stark umstritten ist, nun doch auch gegen Rußland in Stellung zu bringen. Solche Schritte sind nur noch als Säbelrasseln zu verstehen, wie es auch vor den zwei letzten schrecklichen Weltkriegen Mode geworden war. Nichts gelernt? Sollen sich am Ende auch deutsche Truppen für ein Eingreifen an Rußlands Grenzen vorbereiten? Nichts gelernt nach Millionen Toten in Rußland und Nazi-Deutschland zu Zeiten, als - anders als heute - noch keine Atomwaffen bereitstanden?

Man kann sich gegen russische Ambitionen in der Ostukraine auch zur Wehr setzen, ohne gleich die Säbel herauszuholen. Eine diplomatische Lösung, für die sich vor allem die Bundesregierung einsetzt, verliert im Übrigen alle Chancen, wenn die Regierung in Kiew nicht zu einer Föderalisierung des Landes mit weit mehr Selbstständigkeit in der Ostukraine veranlaßt werden kann. Eine solche Lösung würde Putin sehr viel Wind aus seinen martialischen Segeln nehmen. Doch es sind die westlichen Säbelrassler, auf die sich die Regierung in Kiew in der Ablehnung einer solchen diplomatischen Lösung verlassen kann, während sie gleichzeitig Teile der Zivilbevölkerung in der Ost-Ukraine mit hohen Opferzahlen unter Beschuß nimmt.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3154 280-08-14: Die deutsche Wettbewerbsstärke beruht zu einem großen Teil auf der Ausbeutung der Frauen

(bitte auch Startseite besuchen)


Die westdeutschen Frauen sind die in W-Europa am Stärksten ausgebeuteten mit dem in W-Europa größten Verdienstabstand zu den Männern. Der stagniert seit 2006 vor allem wegen des Aufwuchses atypischer Beschäftigung bei 22 bis 23 %. Unter 17 vergleichbaren Ländern hat Deutschland neben Österreich den größten Unterschied (Abb. 14224).


Mit fast 36 % steckt in Deutschland weit mehr als ein Drittel der abhängig beschäftigten Frauen in einem sogenannten atypischen Job, wozu Teilzeitbeschäftigungen mit 20 oder weniger Arbeitsstunden pro Woche, geringfügig entlohnte Beschäftigungen, befristete Beschäftigungen sowie Zeitarbeitsverhältnisse zählen (Abb. 10029). 1991 lag der Anteil noch bei 24 % (Abb. 10030). Nicht weniger als 4,6 Mio Frauen leben ausschließlich oder im Nebenjob von geringfügiger Entlohnung (Abb. 10031). Mehr als jede vierte erwerbstätige Mutter mit minderjährigen Kindern (26 %) muß zumindest gelegentlich, sehr oft aber regelmäßig an Sonn- und Feiertagen arbeiten.




Frauen sind also besonders schlecht dran. Sehr viele hetzen sich mit Halbtagsjobs ab, in denen sie fast Volltagsarbeit leisten und zerreißen sich zwischen Job und Familie. Insgesamt erreichen Frauen nach einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in der die Daten aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik analysiert wurden, durchschnittlich nur 49 Prozent des Pro-Kopf-Bruttoeinkommens von Männern, bei den Arbeitseinkommen sind es 61 % oder eine Diskriminierungsmarge von 39 %. Über die Steuerstatistik werden auch die höheren Einkommen erfaßt, bei denen Frauen viel weniger und besonders bei den besseren Arbeitseinkommen kaum vertreten sind. Das erklärt den höheren Einkommensabstand im Vergleich zu der obigen internationalen Berechnung durch Eurostat auf der Basis von Umfragen (Abb. 18455, 18456).



Ein Brutto-Jahreseinkommen von mehr als 30.000 Euro haben 42 % der Männer, aber nur 17 % der Frauen (Abb. 18357, 18458).




ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3153 26-08-14: Neues Deutschlandlied: Sag mir wo die Kinder sind, wo sind sie geblieben?

(bitte auch Startseite besuchen)


Nach den heutigen neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Einschulungen 2013/14 gegenüber dem Schuljahr 1999/2000 um 18 % zurückgegangen, im früheren Bundesgebiet allein sogar um 23 %, also fast ein Viertel (Abb. 18449).


Die deutsche Geburtenrate ist eine der niedrigsten in W-Europa, nur noch vom krisengeschüttelten Griechenland unterboten und auf dem Niveau der ebenfalls krisenbetroffenen Länder Griechenland und Italien (Abb. 18222).


Gegenüber Anfang der 60er Jahre hat sich die deutsche Geburtenrate halbiert (Abb. 18450). Die Geburtenziffer pro Frau im gebärfähigen Alter ist auf 1,38 gefallen (Abb. 14806), was einen weiteren Rückgang der Geburten mit sich bringen wird.



Eine Gesellschaft mit derartigem, oft finanziell erzwungenem Kindermangel kann keine dauerhaft glückliche sein. Schon die Alterslasten werden verdammt schwer auf die jüngeren Generationen drücken. Nach UN-Projektion wird Deutschland nach Japan in 15 Jahren mit 37 % den höchsten Anteil derer über 60 Jahren haben und das mit weiter steigender Tendenz; 1990 waren es noch 20 % - in so wenigen Jahren ein dramatischer Umbau der Bevölkerung. Der Anteil der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahre wird um 2060 nur noch wenig mehr als die Hälfte betragen, während es 1985 noch 70 % waren (Abb. 18451).


Sehr viele dieser alten Menschen werden keine Kinder haben, die sich um sie kümmern können und ein großer Teil wird sich in Alten- und Pflegeheimen einsam fühlen. Gerade der Anteil der pflegebedürftigen Alten wird immer weiter ansteigen. Kamen 1990 auf je 100 Menschen im Alter von 65 Jahren und älter noch fast 200 Jüngere im Alter bis 24 Jahre, so werden es nach den Projektionen der UN für Deutschland in 25 Jahren nur noch 69 sein (Abb. 18452). Der Anteil der Jüngeren pro Ältere wird also geradezu zusammengebrochen sein. Die Meisten der heute Lebenden werden diese Situation selbst noch erfahren.


Dabei ist die Demographie ein schwerer Tanker, dessen Kurs sich nur über Jahrzehnte sehr langsam ändern läßt. Die Frauen, die über die Zahl der Kinder in der nächsten Generation entscheiden, sind von der Zahl her bereits abgerutscht und können schon deshalb nur noch sehr viel weniger Kinder in die Welt setzen als ihre Mütter. Jeder kann die Rechnung selbst machen: Bei einer Fruchtbarkeitsrate von 1,4 haben 100 Frauen im Durchschnitt 70 Töchter und nur noch 49 Enkelinnen, in zwei Generationen also eine Halbierung des Nachwuchses.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3152 25-08-14: Die deutsche Misere: Zweitjob statt Familie und Freizeit

(bitte auch Startseite besuchen)


Nach einer neuen Befragung für den "Deutschen Freizeit-Monitor 2014" gab fast jeder Vierte an, mindestens einmal pro Monat in der Freizeit für zusätzliches Geld in der Tasche zu arbeiten. 2007 waren es noch 13 % gewesen. Der Anteil steigt, so der Studienleiter Prof. Reinhardt, mit der Notwendigkeit, die Kosten des Alltags besser bewältigen zu können. Damit steige die Zahl der Menschen, die in ihrer Freizeit zusätzlich arbeiten müßten.

Die verstärkte Zeitnot ist zugleich einer der wichtigsten Gründe, warum nach einer anderen Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen viele Deutsche keine Familie mit Kindern gründen wollen oder können. Eine Mehrheit von 59 % hält die Karriere für wichtiger als Familiengründung; für 54 % ist die Karriere schlecht mit Familie vereinbar. Für noch mehr Menschen, nämlich 61 % der Befragten, kosten Kinder zu viel Geld und 62 % geben an, lieber frei und unabhängig sein zu wollen.

Allein mit zwei Umfragen zeigt sich so die deutsche Misere in aller Deutlichkeit. Die deutsche Arbeitswelt verdrängt die Familien. Nach Griechen und den Niederländern arbeiten die Deutschen am häufigstens in Westeuropa auch abends (Abb. 18369). Atypische Arbeitszeiten haben über das letzte Jahrzehnt stark zugenommen (Abb. 17433). Bezahlte und unbezahlte Überstunden machen fast 6 % der regulären Arbeitsstunden aus. 2,7 Millionen Beschäftigte nehmen noch einen zweiten Nebenjob auf ihre Schultern, mehr als doppelt so viele wie noch vor 10 Jahren (Abb. 14986).




Der erzwungene oder freiwillige Vorrang für den Nebenjob und vor allem die generelle Zurückhaltung in der Familiengründung mit Kindern zeigen bereits tiefe Spuren in der deutschen Gesellschaft. So wird heute bekannt, daß die Zahl der Einschulungen 2013/14 gegenüber dem Schuljahr 2000/2001 bereits um 15 % zurückgegangen ist, im früheren Bundesgebiet allein sogar um 21 %.

Wo soll diese Entwicklung noch hinführen?


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3151 23-08-14: Deutsche Gelder in das ukrainische Faß ohne Boden - ein "Merkel-Plan"?

(bitte auch Startseite besuchen)


Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin am Freitag im ZDF:

"Viele sprechen über eine Art Marshallplan - wieso nicht eine Art Merkel-Plan?"

Mit ihren ständigen Sirenenklängen von einem künftigen Beitritt der Ukraine zur EU haben EU-Politiker, nicht zuletzt aus Deutschland, die Begehrlichkeit der Ukraine geweckt. Konsequenterweise stellt die ukrainische Regierung ihr Land schon mit der EU-Fahne dar. Vor dem Regierungssitz in Kiew weht neben der ukrainischen auch die Fahne der EU; ebenso hinter dem Regierungschef, wenn er sich im Fernsehen zeigt.


Nun hat Merkel bei ihrem Besuch in der Ukraine als Anzahlung auf den "Merkel-Plan" schon mal eine Kreditbürgschaft über 500 Millionen Euro für die Energie- und Wasserversorgung angekündigt und weitere 25 Millionen Euro für den Bau von Unterkünften für Flüchtlinge. Dazu der ukrainische Präsident Poroschenko, der Merkel als "gute Freundin und starke Anwältin der Ukraine" würdigte:

"Das ist der Beginn des Marshall-Plans für die Ukraine".

Doch die Ukraine ist wirtschaftlich und finanziell ein äußerst korruptes Faß ohne Boden, das noch bodenloser wird, wenn die Wirtschaftsbeziehungen des Landes zu seinem größten Handelspartner Rußland weiter leiden. Die gesamte Bruttoverschuldung der Ukraine beträgt nach IMF etwa 71 Mrd $. Ein Teil davon wurde durch die Begebung von Staatsanleihen aufgehäuft, von denen allein in diesem Jahr noch 10 Mrd $ fällig werden sollen. Die jährliche Rendite solcher Staatsanleihen liegt derzeit je nach Restlaufzeit bei bis zu über 12 %. Sie wurden ursprünglich schon zu Renditen um 5 % aufgelegt, waren also für Renditehaie trotz der Risiken relativ interessant. Die westlichen Hilfsgelder werden nun wahrscheinlich diese Renditen sichern, wobei viele Anleihen in russischen Händen und solchen der Oligarchen aus Rußland und der Ukraine sein dürften (60 % der Verbindlichkeiten bestehen gegenüber dem Inland). Anders als seinerzeit bei Zypern, das nach seiner Pleite unter der Aufsicht der Eurogruppe stand, denkt bisher offensichtlich niemand daran, die westlichen Hilfsgelder von der Mithaftung der Anleihegläubiger abhängig zu machen. Umso mehr werden sie in ein Faß ohne Boden laufen.

Die Wirtschaftsleistung ist allein in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres um 4,3 % gefallen (Abb. 18448). Pro Kopf lag sie im vergangen Jahr bei 3918 US$ oder gerade einmal knapp 9 % der deutschen oder 14 % der griechischen.


Die Ukraine ist ein total korruptes Land. Das war sie unter der Regierung der "orangen Revolution" und danach und das ist sie auch jetzt noch. Sie lebt zu einem erheblichen Teil ihrer Wirtschaftsleistung, nämlich fast 4 %, seit vielen Jahren auf Kosten des Auslandes. Zusammen sind es seit 2006 schon 43 Mrd US$ an kumuliertem Leistungsbilanzdefizit und kein Ende in Sicht (Abb. 18308).


Praktisch überlebte die Ukraine bisher aus zwei Quellen. Erstens hat Rußland immer wieder Kredite für ukrainische Importe aus Rußland, vor allem von Gas, zur Verfügung gestellt und das Gas mit einem Rabatt von 20 % abgegeben. Zweitens lebte die Ukraine vor allem von ihrer Schwerindustrie und den Rohstoffen, die primär im ethnisch russischen Ostteil der Ukraine zu Hause sind. Dabei war der ukrainische Warenverkehr mit Rußland auch wesentlich größer als der mit der EU.

Wollte die EU nun die Ukraine von Rußland dauerhaft abnabeln und an sich binden, so müßte sie für lange Jahre hohe Leistungen erbringen und dabei riskieren, daß ein erheblicher Teil in der Korruption verschwindet. Die ukrainische Wirtschaft wird ebenso wie die russische von bisher mächtigen Oligarchen beherrscht. Auch der derzeitige Präsident gehört dazu. Diese Menschen haben sich meist in den Umbruchszeiten nach Untergang des Kommunismus am Staatseigentum bedient.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3150 22-08-14: Das Märchen von der Sparpolitik als angebliche Ursache für die schlechte Wirtschaftsentwicklung der Eurozone

(bitte auch Startseite besuchen)


Der Kampf der italienischen und französischen Regierung gegen eine Fortsetzung der von Brüssel vertretenen Sparpolitik könnte den Eindruck erwecken, daß diese und andere Regierungen der Eurozone enorme Einsparungen vollbracht hätten. Tatsächlich haben alle Eurozonenländern die Staatsausgaben als Teil der Wirtschaftsleistung seit der Vorkrisenzeit von 2007 deutlich angehoben, in Frankreich beispielsweise um 4,5 Prozentpunkte, in Italien um 3,0 (Abb. 18444, 18445). Auch in absoluten Werten pro Einwohner sind die Staatsausgaben bis auf Irland überall gestiegen, so in Frankreich um 14,9 % und Italien um 3,7 % (Abb. 18446).




Am Wenigsten sparen die Länder mit hohen Staatsausgaben an ihren eigenen Beamtenapparaten. Anders als in Deutschland schleppen sie große und aufwendige Beamtenschaften mit sich herum. In Italien beispielsweise verdienen die höheren Regierungsvertreter zwölfmal so viel wie der Durchschnittslohn. Zwar hat Renzi die Beamtengehälter bei 242.000 Euro/Jahr gedeckelt, doch auch das ist noch das Zehnfache des Durchschnittslohns in Italien. Besonders eklatant ist der Fall der Amtsboten, die im italienischen Parlament in schönen, goldbetreßten Uniformen die Nachrichten an die Abgeordneten austragen und deren Gehälter bis zum Jahr ihrer Pensionierung auf 134.000 Euro steigen und auch nach der Deckelung noch bei 106.000 Euro liegen werden. In Frankreich, Portugal und Belgien sind die Spitzeneinkommen der Beamten weniger, aber immer noch mehr als das Vierfache der nationalen Durchschnittseinkommen.

Renzis Vorgänger hatte hat einen früheren Mitarbeiter des IWF beauftragt, eine Überprüfung der italienischen Staatsausgaben vorzunehmen. Doch der beklagt sich nun öffentlich, daß Renzi auf der Basis der von ihm vorgeschlagener Kürzungen, die wahrscheinlich gar nicht kommen würden, schon jetzt weitere Ausgaben plane.

In Deutschland wurde dagegen seit 2000 der Staatsapparat um 6 % weiter abgebaut und die Zahl der Beamten/Richter eingefroren (Abb. 14991). Die Dienstbezüge im höheren öffentlichen Dienst des Bundes sind in den letzten Jahren verbraucherpreisbereinigt nicht gestiegen, die Pensionen sogar erheblich gefallen (Abb. 17845). Deutschland hat im internationalen Vergleich einen der geringsten Anteile der öffentlichen an der Gesamtbeschäftigung und landet unter 21 Ländern auf dem 18.Platz, weit hinter Frankreich mit einem mehr als doppelt so hohen Anteil (Abb. 14179).




Die deutschen Personalausgaben für Staatsbeschäftigte haben im internationalen Vergleich vor Japan den geringsten Anteil an der Wirtschaftsleistung (Abb. 14181). Bei den Spitzenbeamten ist die Besoldung im Verhältnis zum BIP pro Kopf wesentlich geringer als beispielsweise in Frankreich und Italien (Abb. 18447).



Auch hat die EU-Kommission bei ihren "Sparauflagen" inzwischen zahlreiche Hintertürchen aufgemacht und hat damit dem Druck aus Frankreich, Italien und anderen Ländern nachgegeben. Wenn die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone so gedrückt verläuft, so liegt das nicht an Sparpolitiken, sondern an der Zurückhaltung der Verbraucher, die entweder nicht genug verdienen oder arbeitslos oder hochverschuldet oder einfach pessimistisch oder gar geizig sind.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3149 20-08-14: Wie die Deutsche Bank eine andere Bank wurde

(bitte auch Startseite besuchen)


Die Deutsche Bank hatte Ende vergangenen Jahres ein Bilanzvolumen von 1611 Mrd Euro. Das sind zwei Drittel der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Die Deutsche Bank war bis zur Krise und ist wahrscheinlich noch immer der weltweit zweitgrößte Verpflichtete aus Credit Default Swaps, den besonders gefährlichen Wetten auf Kreditausfälle. Ihre Erträge sind geschrumpft. Die Anleger sehen die Gefährdung der Deutschen Bank und lassen ihren Aktienkurs nicht aus dem tiefsten Keller kommen (Abb. 03801).


Die Deutsche Bank ist in 20 Jahren eine andere Bank geworden, und zwar eine, die mit weit größeren Risiken international hantiert. Ihr Bilanzvolumen hat fast um die Hälfte zugenommen. Wie stark das traditionelle Kreditgeschäft bei der Deutschen Bank an Boden verloren hat, zeigt sich an seinem Anteil an den Aktiva: lag er 1993 noch bei 60 %, so betrug er 2013 nur noch knapp 21 % (Abb. 18442). Allein der Anteil der bilanzierten Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten belief sich 2013 auf fast ein Drittel; 1993 spielten die besonders gefährlichen derivativen Finanzinstrumente noch kaum eine Rolle.


Die neue internationale Rolle hat die Deutsche Bank auch in fast alle internationalen Skandale der Banken verstrickt und hohen Schadensersatzforderungen und Strafen durch die Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Juristische Auseinandersetzungen sind einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die Deutsche Bank geworden. Im zweiten Quartal 2014 erhöhte sie ihre Rückstellungen für Rechtsrisiken um 470 Millionen auf 2,2 Milliarden Euro und hat bereits angekündigt, daß im Laufe des Jahres neue Belastungen anfallen dürften. Analysten befürchten, daß Rechtsrisiken die Bank noch lange beschäftigen werden. So steht etwa in den USA eine Einigung im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze noch aus. Hinzu kommen die weltweit laufenden Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen von anderen wichtigen Finanzdaten - von Devisenkursen bis zu den Preisen von Gold und Silber. Auch wegen möglicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen bei Geschäften mit sogenannten Schurkenstaaten droht eine empfindliche Strafe. Insgesamt ist Deutschlands größte Bank in rund 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Die US-Notenbank Fed als Aufseher bemängelte zuletzt zudem regulatorische Berichte der Bank, der US-Senat rügte, das Institut habe Hedgefonds bei der Vermeidung von Steuerzahlungen im Umfang von mehreren Milliarden Dollar geholfen. Nicht zuletzt war die Bank über ihre US-Tochter am Handel mit den minderwertigen amerikanischen Subprime-Hypotheken intensiv beteiligt, was heute weitere hohe Schadensersatzforderungen erzeugt. Die Bank hat bereits im Dezember vergangenen Jahres einen Vergleich mit der Federal Housing Finance Agency getroffen, der sie zur Zahlung von 1,4 Mrd Euro wegen Täuschung beim Verkauf minderwertiger Hypothekenpapiere verpflichtet.


Die als Sicherheit notwendige Eigenkapitalausstattung ist auch bei der Deutschen Bank knapp. Die neue Mindesteigenkapitalquote nach Basel III liegt bei nur 3 % der Anlagen. Wenn also die Anlagen nur 3 % ihres Wertes verlieren, ist die Bank bei einer solchen Eigenkapitalquote pleite. Und dabei werden die Anlagen noch risikogewichtet nach unten schöngerechnet. Wie undurchsichtig die Lage ist, zeigt gerade das Beispiel der Deutschen Bank. Die rühmt sich, eine gute Eigenkapitaldeckung zu haben. Doch wenn man Banken nicht nach den risikogewichteten Anlagen vergleicht und diese mit dem Eigenkapital ins Verhältnis setzt, sondern nach dem vollen Wert, den die Anlagen in den Bilanzen ausweisen (CT1/TA oder core capital to total assets), also die Hebelung des Eigenkapitals zum Maßstab nimmt, hat die Deutsche Bank eine der schlechtesten Eigenkapitaldeckungen aller größeren Banken (Abb. 18185). Dagegen liegt beispielsweise die Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen außerhalb des Bankensektors in Deutschland derzeit bei 29 % und bei industriellen Familienunternehmen sind es sogar 38 % (Abb. 18440).



Der zweitwichtigste US Bankenaufseher Thomas Hoenig sagte in einem weit verbreiteten Interview vom 14. 6. 2013 bezogen auf die Deutsche Bank:

"Es ist schrecklich, ich meine sie sind schrecklich unterkapitalisiert. Sie ist die schlechteste auf einer Liste der globalen Banken bezogen auf eine Messung der Hebel-Raten. Sie haben keine Marge für Fehler."

Im Fall einer weiteren schweren Finanzkrise rechnet Eric Dor (IESEG School of Management, Paris) für Deutschland mit einem hohen Rekapitalisierungsbedarf der Banken. Unter einzelnen Banken hätte die Deutsche Bank im Krisenfall den zweitgrößten Rekapitalisierungsbedarf von 83 Mrd Euro (Abb. 16988). Eine solche Rechnung könnte nur vom Steuerzahler beglichen werden.


Heute ist die Deutsche Bank nur noch dem Namen nach eine Deutsche Bank, bei der nur noch eine Minderheit der Mitarbeiter in Deutschland arbeiten (Abb. 18443). Dennoch trägt der deutsche Steuerzahler wegen der überragenden Systembedeutung der Deutschen Bank im schlimmsten Fall letztendlich das volle Risiko einer Pleite. Erst müßte Deutschland pleite sein, bevor dieses Schicksal die Deutsche Bank träfe.


Mehr dazu im kommenden Wochenbrief, den Sie hier kostenlos bestellen können.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3148 19-08-14: Die Banken sind noch systemrelevanter geworden und noch größere Gefahren für den Steuerzahler

(bitte auch Startseite besuchen)


Trotz aller Versprechungen sind die Banken unverändert systemrelevant. Die von der Politik in der Eurozone zur Rechtfertigung der Banken-Schuldenunion verbreitete Beruhigung, der Steuerzahler werde nie wieder für die Rettung der Banken einspringen müssen, ist eine Lüge. Schon bei der Rettung der größten portugiesischen Privatbank vor wenigen Wochen war der Steuerzahler wieder voll gefordert, die wohlhabenden Gläubiger der Bank behielten dagegen ihren riskanten Einsatz in voller Höhe und können weiter hohe Zinsen kassieren.

Durch Zusammenschlüsse bei Bankpleiten sind die systemrelevanten Banken, die immer gerettet werden müssen, noch größer und damit noch systemrelevanter geworden, zusammen halten die 20 größten Anlagen im Wert von astronomischen 44 Billionen US$ (Abb. 18441). Sie können immer noch jederzeit ganze Volkswirtschaften erschlagen, besonders wenn sich diese in dem derzeit oft geschwächten Zustand befinden.


Für die USA hat die frühere Bankenaufseherin Sheila Bair, die sich für die Beteiligung der Gläubiger an der Bankenrettung eingesetzt hatte, eine kritische Bilanz unter der Überschrift gezogen: "Keine Bankenrettungen mehr darf kein leerer Slogan sein". Die amerikanischen Aufsichtsbehörden hätten nun zum ersten Mal öffentlich erklärt, daß Notfallpläne von 11 großen US Banken nicht überzeugen; diese hätten darlegen sollen, daß Bankpleiten das ganze Finanzsystem nicht mehr zerstören können. Zwei Jahre lang hatten die Banken Zeit gehabt, "living wills" vorzubereiten, nämlich Abwicklungspläne für den Fall von Pleiten. Und Sheila Bair erwähnt in diesem Zusammenhang auch die letzte portugiesische Bankenrettung per Steuerzahler. Sie bezweifelt, daß die Regulierungsbehörden die Bankenrettung durch den Steuerzahler wirklich beenden wollen, und fürchtet, daß viele der Regulierer solche Rettungen immer noch für unvermeidbar halten.


Bair führt dann eine lange Liste an Versäumnissen auf. Die Arbeiten an der Revision von Derivativen (Wettpapieren), so daß sie im Krisenfall leichter abgeklärt werden können, kommen nicht voran. Versprochene Regeln für Minimalbedingungen bei langfristigen Kreditaufnahmen stehen noch aus. Die internationale Vereinbarung von 2010 für höhere Eigenkapitalerfordernisse für systemrelevante Banken ist noch nicht umgesetzt. Die Auflage in USA im Rahmen des Dodd-Frank Reformgesetzes von 2010 an die Aufsichtsbehörden, die Vernetzung der Banken abzubauen und damit das Finanzsystem stabiler zu machen, hat schon vor zwei Jahren zu einem Vorschlag der Fed geführt, doch seitdem ist nichts mehr geschehen.

Man gewinnt den Eindruck, daß der Einfluß der Banken auf die Politik in USA und Europa schon wieder zu groß ist, um den Interessen der Steuerzahler noch Gehör zu verschaffen. Mehr dazu im kommenden Wochenbrief, den Sie hier bestellen können.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3147 18-08-14: Auch die Ukraine will deutsche Waffen

(bitte auch Startseite besuchen)


Die deutschen Waffen sind ein Fluch. Sie haben schon Millionen Menschen vernichtet, im 2. Weltkrieg allein bei der Schlacht um Kiew 600.000 sowjetische Soldaten. In der Neuzeit tauchen sie überall in Bürgerkriegen auf, meist als gefährliche und hochgeschätzte so genannte Kleinwaffen. Aber auch Panzer und U-Boote gehen in Konfliktzonen um den Globus herum, vor allem nach Nahost. Dabei hat der Waffenexport einflußreiche Fürsprecher in Deutschland, vor allem aus Bayern, wo ein mächtiges Zentrum der Waffenindustrie entstanden ist.

Jetzt ist erstmal der kurdische Teil des Irak dran, obwohl gerade IS-Kämpfer massiv irakische Waffen erbeutet haben, die aus den USA, aber auch aus Deutschland kamen. Also werden deutsche Waffen auf beiden Seiten kämpfen und der deutschen Waffenindustrie Profit bescheren. Doch schon meldet sich die Ukraine mit gleichen Forderungen. Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin am Sonntag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk auf die Frage: "Appellieren Sie an die Europäische Union, an die NATO, militärische Hilfe zu leisten für die Ukraine?":

"Ja, selbstverständlich. Wir brauchen militärische Hilfe. Denn wenn solche Hilfe kommt, dann wäre es für unsere Truppen leichter, vor Ort zu agieren."

Sind wir wirklich auf Waffenexport angewiesen? Die deutsche Schwerindustrie bis zu Krupp mit der "dicken Berta" hat schon im Ersten Weltkrieg die deutschen Kriegsziele mitbestimmt. Ist ihr Einfluß auch heute wieder so groß, daß sie hinter den Kulissen über den Einsatz deutscher Waffen mitentscheidet, um so ihren Export zu fördern? Muß man ausrechnen, wie viele Kriegstote in den letzten Jahrzehnten in aller Welt Dank deutscher Waffen pro Kopf der deutschen Bevölkerung angefallen sind, die damit ein weiteres Mal Mitschuld für das Morden trägt? Soll Deutschlands größere Rolle in der Welt, die diese Regierung der Großen Koalition nun sucht, wirklich von der Qualität deutscher Waffen und den Profiten der Rüstungsindustrie mitbestimmt werden? Sollen deutsche Waffen ein weiteres Mal ausgerechnet gegen Russen eingesetzt werden?


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3146 16-08-14: Der Spethmann-Brief zur Ukraine

(bitte auch Startseite besuchen)


Man gewinnt langsam den bedrückenden bis schockierenden Eindruck, als hätte jemand die Geschichte rückwärts laufen lassen und befänden wir uns plötzlich am Vorabend des deutschen Angriffs auf die damalige Sowjetunion, der am Ende auf deren Seite 25 Millionen Menschen das Leben gekostet hat (allein die Schlacht um Kiew mehr als 600.000). Damals war Polen aufgeteilt worden und hatte Nazi-Deutschland Teile der heutigen West-Ukraine um Lwiw (ehemals Lemberg) der Sowjetunion zugeschlagen.


Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Polen aus diesem neuen Teil der Ukraine blutig vertrieben. Die Krim gehörte noch zu Rußland innerhalb der UdSSR und wurde erst 1954, nachdem der Ukrainer Nikita Chruschtschow sowjetischer Parteichef geworden war, trotz der mehrheitlich russischen Bevölkerung an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angegliedert. Ohne die aus Polen stammenden westukrainischen Gebiete wäre das Land heute längst nicht so anti-russisch eingestellt und wären die russischen Teile nicht in der heutigen Minderheit (Nazi-Deutschland läßt grüßen).

Das Geschehen an der heutigen Grenze zwischen der Ukraine und Rußland riecht nach Krieg. Die Börsenkurse stürzten heute weltweit ab, besonders der deutsche DAX, weil Deutschland als diesem Kriegsschauplatz nahe gilt. Für die Börsen riecht es längst nach Krieg der Nato mit Rußland. Je mehr die Ukraine in den Sog der Nato kommt, umso mehr wird sich die Lage hochschaukeln. Der Westen und auch politische Kreise in Berlin scheinen die Geschichte total vergessen zu haben. Sie merken gar nicht, daß sie rückwärts laufen. Wenn heute deutsche Waffen in das Spannungsgebiet des Irak unter Verletzung der noch bestehenden Rechtslage geliefert werden sollten, warum dann nicht morgen auch in die Ukraine? Ein Echo aus dem Zweiten Weltkrieg?


Einer, der den deutschen Bundestag vor weiterer Eskalation warnen möchte, ist der Rechtsanwalt Dieter Spethmann, ehemals Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG. Der verfaßte am 14. August den folgenden Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie können nicht an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, ohne zutiefst verunsichert zu sein wegen der Ukraine. Die dortige Regierung arbeitet, beschließt und zeigt sich tagtäglich ausdrücklich mit der Flagge der EU. Die Ukraine ist aber nicht Mitglied der EU. Da die EU dieser flagranten Verletzung des Völker- und Staatsrechts nicht widerspricht, muss sie das Handeln der Regierung Jazenjuk gegen sich gelten lassen - ein untragbarer Zustand.


Ich schrieb deshalb der FAZ.NET heute wie folgt:

"Seit Monaten zeigen die deutschen Medien hinter dem Kiew-Ministerpräsidenten Jazenjuk die ukrainische Flagge und die der EU, obwohl die Ukraine nicht Mitglied der EU ist. Das Regierungshandeln in Kiew erfolgt also im Zeichen der EU, mithin mit Billigung der EU, auch der Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Osten. Hat dagegen schon mal jemand im Namen der EU protestiert? Mir nicht bekannt. Oder im Namen der Bundesrepublik Deutschland? Mir auch nicht bekannt. Also akzeptiert man in Brüssel und Berlin zumindest stillschweigend, dass die Kiew-Regierung mit schwerem militärischen Gerät (Flugzeugbomben und Artillerie) gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Frau von der Leyen, von Frau Merkel wegen ‚Krieg oder nicht Krieg' offenbar im Besitz weitestgehender Vollmachten, sollte sich das Urteil des Nürnberger Gerichtshofes von 1946 ansehen. Es enthält nicht nur Todesurteile, sondern auch Maßstäbe, die bis heute gelten."

Eben, also mitten am Vormittag, ist dieser Brief vom ‚FAZ'-Zensor kassiert worden. Darüber sollten Sie sich als Politiker ebenso Gedanken machen wie über den Inhalt meines Leserbriefes.

Da ich mit einer solchen Möglichkeit gerechnet hatte, habe ich inzwischen einen weiteren Brief an die ‚FAZ' wie folgt eingereicht:

"Ist Regierungshandeln per se rechtmäßig? Natürlich nicht. Trotzdem wird immer wieder so getan, so beim Kiewer Putsch-Ministerpräsidenten Jazenjuk. Lässt man solche Leute gewähren, gleitet ihr Handeln erfahrungsgemäß leicht ins Kriminelle. Das führt Jazenjuk seit Monaten vor.

Beispiel eins: Auf dem ‚Majdan' wurden von Scharfschützen mindestens 150 Menschen getötet. Vielleicht hatten Putschisten ihre Hand im Spiel. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel zwei: In Odessa wurden 40 oder mehr Bürger von Kiew-Anhängern in ein Haus getrieben und dann in Brand gesetzt. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel drei: Der Abschuss des Fluges MH 17 mit rund 300 Toten am 17. Juli. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Vermutlich bis ins Detail hinein, aber dem Bürger bis heute verborgen geblieben.

Und jetzt also der Konvoi. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, den leidenden ukrainischen Bürgern dessen Hilfe vorzuenthalten.

Wann fordern deutsche Politiker und Medien das Haager Tribunal?"

Nach den gemachten Erfahrungen rechne ich auch bei diesem Leserbrief nicht mit einer Veröffentlichung. Das gibt mir umso mehr Anlass, Ihnen direkt und persönlich zu schreiben. Denn das Tun und Nichttun der Putsch-Regierung Jazenjuk enthält längst Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Mit verbindlichen Empfehlungen Ihr

Dieter Spethmann"


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3145 15-08-14: Wirtschaftseinbruch im 2. Quartal 2014

(bitte auch Startseite besuchen)


Im zweiten Quartal 2014 kam es zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung (Abb. 17333).


In den vorsichtigen Worten des Statistischen Bundesamts:

"Die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung: Das Bruttoinlandsprodukt ging im zweiten Quartal 2014 - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Für den leichten Rückgang des BIP im zweiten Quartal 2014 waren nach vorläufigen Berechnungen der Außenhandel und die Investitionen verantwortlich. Dabei dürfte allerdings auch die extrem milde Witterung mit kräftigen Zuwachsraten zum Jahresbeginn eine Rolle gespielt haben."

Auch Bundeswirtschaftsminister Gabriel schiebt die Verantwortung für die ungünstige Wirtschaftsentwicklung auf einen Kalendereffekt aus dem ersten Quartal und geopolitische Entwicklungen ab und versucht, unter der Überschrift "konjunkturelle Grundtendenz aber nach wie vor positiv" Hoffnung auf die weitere Entwicklung zu verbreiten:

"Die geopolitischen Risiken im Osten Europas und im Nahen Osten sowie eine schwächere Entwicklung im Euroraum haben vorübergehende Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Hinzu kommt ein statistischer Effekt: Die ausgebliebene Frühjahrsbelebung im Baugewerbe nach der deutlichen Expansion im Vorquartal aufgrund des milden Winters belastet die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Vierteljahr. Die Wachstumsraten in Deutschland dürften im weiteren Verlauf dieses Jahres wieder in den positiven Bereich zurückkehren."

Doch die Ausreden mit dem Wetter und der geopolitischen Entwicklung sind nicht sehr überzeugend. In Großbritannien, Schweden und Frankreich mit ähnlichen Wetterverhältnissen kam es zu keinem Einbruch (Abb. 13511). Eher zeigt sich hier erneut, wie verwundbar Deutschland mit seiner extrem einseitigen Exportabhängigkeit - vor allem von der Eurozone - ist, die auch auf die Entwicklung der Investitionen und damit auch auf den Arbeitsmarkt drückt. Diese Exportabhängigkeit wird voraussichtlich nun auch den Rest des Jahres bestimmen, wobei vor allem die sich erst noch entwickelnde Situation mit Rußland und die weiter schlechte Situation in der Eurozone zum Tragen kommen wird.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3144 14-08-14: Die Löhne im produzierenden Gewerbe hätten in den vergangenen 10 Jahre ohne Jobverluste um 12 % mehr steigen können

(bitte auch Startseite besuchen)


Nach neuen Berechnungen des DIW sind die Entgeltsteigerungen im produzierenden Gewerbe zwischen 2003 und 2013 im Schnitt kumuliert über den Zeitraum von 10 Jahren um 12 % hinter dem zurückgeblieben, was angesichts der gestiegenen Produktivität möglich gewesen wäre. Insgesamt hätten die deutsche Arbeitnehmer in dem Zeitraum um 3 Prozentpunkte geringere Lohnsteigerungen erhalten als der Verteilungsspielraum gerechtfertigt hätte (Abb. 18439). In einigen Branchen ging der ungenutzte oder vorenthaltene Verteilungsspielraum bis zu über 70 %.


Arbeitgeber profitierten also stärker von der wachsenden Wirtschaftsleistung als ihre Beschäftigten. Als Verteilungsspielraum bezeichnet man die Summe aus jährlicher Produktivitätssteigerung und Inflation. Er ist eine Faustregel dafür, in welcher Höhe Lohnsteigerungen möglich sind, ohne daß Jobs gestrichen werden müssen.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3143 13-08-14: Die Türkei und andere Helfer Rußlands nach den Sanktionen und Gegensanktionen

(bitte auch Startseite besuchen)


In der EU gibt es wegen der Sanktionen gegen Rußland und der russischen gegen die EU nun eine Menge Klagen, vor allem aus der Landwirtschaft. So fürchtet die griechische Landwirtschaft den Verlust von 600.000 Tonnen Gemüse und Obst, die nicht nach Russland exportiert werden können, und fordert schon jetzt Entschädigung durch die EU. Die EU bereitet schon Hilfen für griechische und andere EU-Landwirte zu Lasten der EU-Steuerzahler vor. Doch Rußland kann sich solche Gegensanktionen leisten, weil viele andere Lieferanten sehr gern in die Bresche springen und die russischen Konsumenten als Helfer Rußlands mit Ersatz bedienen.

So liefert Brasilien in größerem Umfang Fleisch. Nun wird bekannt, daß ausgerechnet das NATO-Mitglied und EU-Mitglied in spe Türkei von dem Konflikt mit Rußland profitieren will. So erklärte der Chef des Außenhandelsverbands, Mehmet Buyukeksi, die Nachfrage aus Russland nach türkischen Produkten sei angezogen, nachdem die Beschränkungen im Handel mit den USA und der EU verhängt wurden. Sein Verband arbeite bereits eng mit dem türkischen Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium zusammen, um Exporte nach Russland zu erleichtern, sagte Buyukeksi. Besonders die Nachfrage nach Geflügel und Meeresfrüchten dürfte deutlich steigen, aber die Türkei könne auch mehr Obst und Gemüse liefern. Bereits in der nächsten Woche werde eine russische Delegation in der Türkei erwartet. So wird beispielsweise Griechenland einen wichtigen Absatzmarkt wohl dauerhaft an die Türkei verlieren.

Nun reibt man sich die Augen: Will die Türkei wirklich EU-Mitglied werden? Hat die EU bei Verhängung ihrer Sanktionen nicht mit russischen Gegensanktionen gerechnet und rechtzeitig auch mit der Türkei gesprochen? Zeigt sich hier nicht erneut, daß Alleingänge mit Sanktionen in einer perfekt globalisierten Welt wenig Sinn machen?


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3142 12-08-14: Deutschlands Industrie führt in Deflation

(bitte auch Startseite besuchen)


Nach den heute veröffentlichten industriellen Erzeugerpreisen hat die deutsche Industrie die geringste Entwicklung; seit Januar 2013 sind sie bereits um 1,6 % zurückgegangen (Abb. 18437). Mit der vergleichsweise niedrigsten Preisentwicklung ist die deutsche Industrie in der Eurozone noch wettbewerbsfähiger geworden und trägt immer mehr zum Auseinanderreißen der Eurozone bei. Sie führt zugleich die deflationäre Entwicklung an - keine gute Entwicklung. Die Löhne steigen nicht genug, die Konsumenten kaufen nicht genug. Das Ergebnis ist Deflation.



ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3141 09-08-14: Deutschland ist keine Insel der Seeligen: Die Krisen holen auch uns ein

(bitte auch Startseite besuchen)


Noch lassen sich die meisten Deutschen von dem Merkel-Gabriel-Gespann in Zufriedenheit einlullen. Daß Deutschland mit seiner geographischen Nähe zu mehreren Konflikträumen, in denen schon gekämpft wird oder bald gekämpft werden könnte, und in seiner extremen Exportabhängigkeit besonders gefährdet ist, scheint ihnen zu entgehen. Ebenso wird die immer größere Aufspaltung der Eurozone durch die sich in Ländern, wie Italien, noch verschärfende Krise kaum wahrgenommen. Da besorgt man sich allenfalls wegen der islamischen Extremisten, die aus Syrien nach Deutschland zurückkehren, oder einiger judenfeindlichen Demonstrationen, die auch bei uns durch die israelischen Angriffe auf Gaza ausgelöst werden. Ansonsten kann der Michel seinen seeligen Schlaf halten. Und außerdem ist ja Urlaubszeit.

Doch es gibt genügend Wecksignale, jeden Tag fast. Heute meldet das Statistische Bundesamt stolz, die Ausfuhren seien im Juni um 1,1 % höher als noch vor einem Jahr gewesen, der Außenhandelsüberschuß sogar um 1,4 %. Doch ein Deutschland mit immer mehr Abhängigkeit vom Außenhandel ist mit um die Welt zunehmenden Konflikten auch wirtschaftlich immer gefährdeter. Der deutsche Aktienindex Dax ist über die letzten Monate erheblich eingebrochen. Das wird den meisten Menschen in Deutschland egal sein. Sie haben selbst keine Aktien und verstehen nicht, daß die meisten deutschen Aktien in den Händen von Ausländern, vor allem US-Amerikanern sind, und daß die begonnen haben, deutsche Aktien abzustoßen und damit ihr Kapital in Sicherheit zu bringen, weil Deutschland beispielsweise aus USA betrachtet gefährlich nahe an den Konflikten liegt und wirtschaftlich sehr von der Situation um das Land herum abhängt. Daß der Euro zunehmend in den Keller geht, hat neben Draghis Zinspolitik, ähnliche Gründe. Die meisten Deutschen merken das allerdings auch nur, wenn sie mal im Nicht-Euro-Raum Urlaub machen sollten.

In einer solchen Situation einen Wirtschaftskrieg gegen Rußland auszurufen oder gar mit deutschen Steuergeldern über die Nato die Ukraine aufzurüsten, die gar nicht Mitglied des Bündnisses ist, kann man nur als Spiel mit dem Feuer bezeichnen. Daß so etwas vor dem Hintergrund des 100. Jahrestages des Ausbruchs des 1. Weltkrieges passiert, ist schon gespenstisch. Vielleicht sollte der Michel doch einmal aufwachen.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3140 08-08-14: Das Schauturnen mit Wirtschaftssanktionen gegen und von Rußland trifft hauptsächlich am Konflikt Unbeteiligte

(bitte auch Startseite besuchen)


Da schaukeln sich nun die NATO-Länder einerseits und Rußland andererseits immer mehr in den Wirtschaftskrieg, der am Ende auch noch ein heißer Krieg werden kann. Vorbilder für solche Eskalationen bietet die Geschichte ausreichend. Doch mit den bisherigen Sanktionen werden weder Putin und die Machtmenschen um ihn herum noch die Häupter und Machtmenschen der Nato getroffen. Die ersten Opfer der westlichen Sanktionen waren russische Touristen, die in großer Zahl an ihren Urlaubsplätzen gestrandet waren, weil ihre russische Fluglinie durch den Verfall des Rubels nach Sperrung des Zugangs russischer Banken zu westlichen Finanzmärkten in die Pleite gedrückt wurde. Jeder sanktionsverursachte Dämpfer auf die russische Wirtschaftsentwicklung wird wieder primär ganz normale Menschen in Rußland treffen, die weder mit dem Abschuß von MH17 noch mit der Annexion der Krim in Verbindung gebracht werden können.

Die Russischen Gegensanktionen im Agrarbereich treffen auch normale russische Konsumenten. Auf westlicher Seite treffen sie die Landwirte, die eh in schweren Zeiten mit schwierigen Märkten leben. Die deutschen Landwirte werden besonders betroffen sein, denn rund 16 % der deutschen Exporte an Agrargütern gingen 2013 allein nach Rußland. Müssen diese Waren nun auf den ohnehin schon gesättigten deutschen und anderen westlichen Märkten untergebracht werden, drückt das gewaltig auf die Preise. Am Ende werden die Landwirte zu Lasten der Steuerzahler gestützt werden müssen. Die griechische Landwirtschaft fürchtet den Verlust von 600.000 Tonnen Gemüse und Obst, die nicht nach Russland exportiert werden können, und fordert schon jetzt Entschädigung durch die EU. Die stark geschwächten Krisenländer der Eurozone werden Exporteinbrüche besonders schlecht verkraften können. Die nächsten unschuldigen Betroffenen auf westlicher Seite werden wahrscheinlich die Flugpassagiere sein, wenn Flüge über Rußland, der Großteil aller Flüge nach Asien, wegen der schon angekündigten Sperrung des russischen Luftraums um Rußland herumgeleitet werden müssen und damit längere Flugzeiten und höhere Kosten anfallen.

Der Phantasie sind bei solcher Eskalation von Sanktionen keine Grenzen gesetzt. Schon zeigt sich die EU-Kommission wegen der russischen Sanktionen verärgert, als hätte sie diese nicht ausgelöst und nicht damit rechnen können und sei nun im Recht, noch einmal zurückzuschlagen. Immer wird Deutschland wegen seiner relativ intensiven Wirtschaftsbeziehungen mit Rußland hauptbetroffen sein. Das gilt beispielsweise für Maschinen, bei denen Rußland 2013 mit einem Anteil von 5,2 % der viertgrößte Abnehmer war. Oder für PKWs von denen 3,2 % nach Rußland gingen. Alle diese Posten können sich leicht aufaddieren, wenn der Wirtschaftskrieg weiter an Fahrt aufnimmt.

Erstaunlich ist nur, daß sich deutsche Politiker noch so gelassen geben. Dazu Wirtschaftsminister Gabriel:

"Der Außenhandel mit Russland hat nur einen Anteil von 3,3 Prozent in Deutschland. Bei allen berechtigten Sorgen um die wirtschaftlichen Konsequenzen darf nicht vergessen werden, dass politisch viel mehr auf dem Spiel steht."

Was eigentlich, nachdem man schon von vornherein weiß, daß solche Sanktionen nur schaden, aber nichts im Sinne der Erfinder bewirken? Auch prüft die Bundesregierung bereits Hilfen für Firmen, die unter den Exportsanktionen der EU gegen Russland leiden. Ebenso könnten die staatlichen Ausfuhrbürgschaften nun leicht in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn der russische Kunde nicht mehr zahlt. Jedenfalls klingt das bei den Vertretern der Wirtschaft ganz anders als bei dem für die Wirtschaft zuständigen Minister. Nach Einschätzung des Exportverbandes BGA kann der Einfuhrstopp die deutsche Wirtschaft empfindlich schmerzen. Deutsche Exporteure seien massiv betroffen. Keine Frage, wo die Rechnung bei uns am Ende hingeht: an den total unbeteiligten Steuerzahler.

Daneben wird es zu langzeitigen Folgen kommen. Rußland hat bereits Zusagen für Ersatzlieferungen von Agrargütern aus Brasilien, einem der weltgrößten Fleischexporteure, der die Sanktionen nicht mitträgt. Auch China wird lachender Dritter sein, denn Rußland wird sich in Zukunft wahrscheinlich mehr auf China hin und weniger nach Europa orientieren, selbst wenn die Sanktionen zurückgenommen werden. Wie gesagt, die Machtmenschen auf beiden Seiten des Konflikts werden von Sanktionen weder getroffen noch beeinflußt werden. Das Schauturnen mit großen Gesten darf also weitergehen.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.


"In times of universal deceit, speaking the truth is a revolutionary act." George Orwell

global news 3139 07-08-14: Die Eurozone reißt immer mehr auseinander: Wie lange noch Euro?

(bitte auch Startseite besuchen)


Nach neuesten Zahlen ist Italien mit zwei rückläufigen Quartalen wieder in der Rezession. Aber auch sonst reißt die Eurozone auseinander. Während Deutschland dem Trend der USA und Großbritanniens folgt und die Krise hinter sich gelassen hat, fallen neben Italien auch Spanien und Portugal zurück und verliert auch Frankreich mit einer ziemlich stagnierenden Entwicklung gegenüber der Spitzengruppe an Boden (Abb. 18433). Bei solchen Entwicklungen kommt der Schuldenabbau nicht voran, sondern wachsen die drückenden öffentlichen und privaten Schulden weiter. Die Arbeitslosigkeit bleibt unerträglich hoch. Eine ganze nachwachsende Generation droht schwer beschädigt zu werden.


Die Sanktionen gegenüber Rußland schüren zusätzliche erhebliche Unsicherheiten in der Eurozone. Auch Deutschland kommt nun in den Sog der ungünstigen Entwicklung der Eurozone und der Situation mit Rußland. Über die letzten zwei Monate sind die Aufträge der gewerblichen Wirtschaft bereits um 4,6 % gegenüber Vorjahr eingebrochen, der stärkste Rückgang seit drei Jahren. Das gilt besonders für Inlandsaufträge mit einem Minus von 4,2 %, aber vor allem für Auslandsaufträge mit minus 5,0 %. Mit minus 10,4 % gingen die Aufträge aus dem Euro-Raum im Juni besonders stark zurück (Abb. 04569).


Auch für die Zukunft der deutschen Wirtschaft sieht es nicht besonders gut aus. Der sonst immer schon Kraft Amtes bullig-optimistische Bundeswirtschaftsminister Gabriel klingt auf einmal verdächtig in Moll:

"Vor allem die geopolitischen Entwicklungen und Risiken dürften zu einer gewissen Zurückhaltung bei den Bestellungen geführt haben. Einige Stimmungsindikatoren hatten dies bereits angekündigt. Es ist daher zu erwarten, daß sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten eher moderat entwickeln wird."

Gleichzeitig heizt sich der deutsch-französische Konflikt um die Politik zur Überwindung der Krise auf. Staatspräsident Hollande gab in einem Interview mit "Le Monde" erneut zu verstehen, Frankreich fordere von Deutschland mehr Einsatz zur Stärkung der Konjunktur:

"Wir bitten Deutschland nicht um Nachsicht wegen der Wirtschaftsdaten unseres Landes. Aber wir bitten darum, mehr zur Ankurbelung des Wachstums zu tun. Handelsüberschuß und Finanzlage lassen Deutschland schließlich Spielraum für mehr Investitionen. Das wäre das Beste, was es für Frankreich und Europa tun könnte."

Der Druck in Frankreich auf Ausstieg aus dem Euro wächst. Marine Le Pen mit ihrem Front National, die einen solchen Ausstieg fordert, liegt derzeit für den ersten Wahlgang an der Spitze aller Kandidaten, wenn jetzt Präsidentschaftswahlen wären. Die Begeisterung nicht nur für den Euro, sondern von ihm vergiftet für die EU läßt in allen Ländern immer mehr nach. Bei den letzten Europawahlen gab es die geringste Wahlbeteiligung, seit solche Wahlen stattfinden, und das, obwohl diesmal der Kommissionspräsident direkt gewählt werden konnte.

Gleichzeitig treibt die EZB in der Hoffnung auf positive Effekte für den Außenhandel der Krisenländer den Euro in den Keller - eine Entwicklung, die Deutschland immer mehr aus dem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht bringen wird. Der Euro ist schon auf dem niedrigsten Niveau gegenüber dem Dollar seit 9 Monaten.

Sollte das Auseinanderdriften der Eurozone nicht bald gestoppt werden, so darf man wieder Wetten auf die Überlebenschancen des Euros abgeben. Nach wenigen Jahren könnte dann Schluß mit diesem unglücklichen, technokratischen und Europa vergiftenden Experiment sein.


ULR-short, z.B. für Twitter: .. - (hier können Facebook-Freunde diesen Rundbrief ihrem Freundeskreis mitteilen). - Artikel per Mail weiterempfehlen hier.


Hier zum Diskussions-Forum.