Immer wieder drohen deutsche Unternehmen mit der Verlagerung von Betriebsstätten nach Osteuropa. Die Arbeitskosten sind bei durchschnittlich einem Fünftel so viel niedriger (Abb. 10020), daß dieser Vorteil in der Regel nicht durch die geringere Produktivität kompensiert wird. Die Beitritts-Länder profitieren außerdem von einem sehr niedrigen Steuerniveau (Abb. 06002) und erheblicher Unterstützung durch die EU.


In den letzten 5 Jahren hat sich die Beschäftigung in Europa sehr unterschiedlich entwickelt, wenn man sie nach Regionen aufschlüsselt, wie das die Europäische Stiftung für die Verbeserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen mit einer neuen neuen Veröffentlichung „European Restructuring Monitor (ERM)" getan hat. Abb. 04617 zeigt, daß die größten Verluste in Polen, Deutschland und Lothringen in Frankreich waren. Zuwachs gab es dagegen vor allem in Spanien, Südwestfrankreich, Irland, Lettland und vor allem in Tschechien und der daran angrenzenden polnischen Region um Katowitz.

Abb. 04618 zeigt ein ähnliches Bild, wenn man versucht, nur die Bewegungen zu erfassen, die in den letzten Jahren durch Entlassung von bis dahin Beschäftigten, die immer noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Hier fällt vor allem das Gebiet der Neuen Bundesländer und das östliche Rumänien stark negativ auf. Deutschland scheint jedenfalls beschäftigungsmäßig über die letzten 5 Jahre besonders schlecht gefahren zu sein.

Der ERM hat mit vielen Vorbehalten versucht, die Entwicklung zwischen 2000 und 2005 nach Sektoren zu analysieren, um den Verschiebungen, auch zwischen West und Ost, auf die Spur zu kommen. Dabei wurden die 10 Spitzensektoren auf der Verlierer- und Gewinnerseite festgestellt (Abb. 04619). Die Hauptverlierer für West- und Osteuropa sind die Landwirtschaft, Textilien, Bekleidung und Lederwaren, wobei die letzten drei Bereiche zu billigeren Standorten in Asien, vor allem China, gewandert sein dürften. Westeuropa hat weiter vor allem in industriellen Bereichen bei Maschinenbau, Elektrotechnik und Metallwaren verloren, während Osteuropa in drei Industriebereichen erheblich dazugewonnen hat, nämlich bei Metallwaren, Elektrotechnik und im KfZ-Bereich; die Position im Maschinenbau konnte Osteuropa halten. Neue Arbeitsplätze im KfZ-Bereich entstanden vor allem in Tschechien, der Slowakei und den neuen Bundesländern. In größerer Zahl wurden neue Arbeitsplätze darüber hinaus sowohl in West wie Ost vor allem in der Bauwirtschaft, dem Handel und in den sozialen Bereichen, wie Gesundheit, und Gastronomie, geschaffen. ERM vermutet, daß es in einigen Bereichen, z.B. bei der Metallbearbeitung, zu Verlagerungen von West- nach Osteuropa gekommen ist.

Schließlich wurde an Hand der bekanntgewordenen Einzelfälle untersucht, in welchem Umfang es in 2005 zu Arbeitsplatzverlagerungen in andere Länder der Welt gekommen ist. Dabei zeigen diese Fälle Deutschland bei einem Gesamtverlust an Arbeitsplätzen von 108.000 als durch Arbeitsplatzverlagerung in Höhe von 7.800 hauptbetroffenes Land (auch wenn der Anteil am Gesamtverlust nur 7,2 % erreicht hat), vor Großbritannien, Portugal und Frankreich (Abb. 04620). Die Hauptfelder der Verlagerung auf der Basis aller europäischen Länder sind die Metallindustrie, der Maschinenbaubau und die Elektrotechnik.

Fazit:
Bisher hält sich offensichtlich nach dieser mit aller Vorsicht zu bewertenden Untersuchung die Verlagerung nach Osteuropa noch in Grenzen, auch wenn westeuropäischen Unternehmen
bereits in einigen Bereichen, wie der Metallbearbeitung, Elektrotechnik und im KfZ-Bereich in nicht unerheblichem Umfang Arbeit nach Osteuropa vergeben haben. Dagegen haben die ständigen
Drohungen mit Betriebsverlagerungen die deutschen Arbeitnehmereinkommen bereits erheblich gedrückt und so die Massenkaufkraft und den deutschen Binnenmarkt beschädigt. Der deutsche
Arbeitsmarkt hat sich nicht zuletzt deswegen im europäischen Vergleich seit 2000 besonders schlecht entwickelt, und vor allem die neuen Bundesländer sind davon stark betroffen.